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Die gantze Heilige Schrifft: Deud\ch (Luther 1545)

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Der Prophet Daniel

Capitel 4 (1)

Jch nebucadnezar / da ich gute ruge hatte in meinem Hau\e / vnd es wol \tund auff meiner Burg /
2 \ahe ich einen Traum / vnd er\chrack / vnd die gedancken / die ich auff meinem Bette hatte / vber dem Ge\ichte / \o ich ge\ehen hatte / betrübten mich.
3 Vnd ich befalh / Das alle Wei\en zu Babel fur mich her auff bracht würden / Das \ie mir \agten / was der Traum bedeutet.
4 Da bracht man her auff die Stern\eher / Wei\en / Chaldeer vnd War\ager / vnd ich erzelet den Traum fur jnen / Aber \i kundten mir nicht \agen / was er bedeutet.
5 Bis zu letzt Daniel fur mich kam (welcher Belt\azer hei\\t / nach dem namen meines Gottes) der den Gei\t der heiligen Götter hat / Vnd ich erzelete fur jm den Traum.
6 Belt\azer / du Ober\ter vnter den Stern\ehern / welchen ich weis / das du den Gei\t der heiligen Götter ha\t / vnd dir nichts verborgen i\t / Sage das Ge\ichte meines Traumes / den ich ge\ehen habe / vnd was er bedeutet.
7 DJs i\t aber das Ge\icht / das ich ge\ehen habe auff meinem Bette / Sihe / es \tund ein Bawm mitten im Lande / der war \eer hoch /
8 gros vnd dicke / \eine höhe reichet bis in Himel / vnd breitet \ich aus bis ans ende des gantzen Landes.
9 Seine E\te waren \chön / vnd trugen viel Früchte / dauon alles zu e\\en hatte / Alle Thiere auff dem felde funden \chatten vnter jm / vnd die Vogel vnter dem Himel \a\\en auff \einen E\ten / vnd alles Flei\ch neeret \ich von jm.
10 VND ich \ahe ein Ge\ichte auff meinem Bette / vnd \ihe / ein heiliger Wechter (2) fur vom Himel erab /
11 der rieff vber laut / vnd \prach al\o / Hawet den Bawm vmb / vnd behawet jm die E\te / vnd \treifft jm das Laub abe / vnd zer\trewet \eine Früchte / das die Thier / \o vnter jm ligen / weglauffen / vnd die Vogel von \einen Zweigen fliehen.
12 Doch la\\t den \tock mit \einen Wurtzelen in der erden bleiben. Er aber \ol in ei\ern vnd ehern Ketten auff dem felde im gra\e gehen / Er \ol vnter dem taw des Himels ligen / vnd nas werden / vnd \ol \ich weiden mit den Thieren von den kreutern der erden.
13 Vnd das men\chlich Hertz (3) \ol von jm genomen / vnd ein viehi\ch Hertz jm gegeben werden / Bis das \ieben zeit vber jn vmb \ind.
14 Solchs i\t im rat der Wechter be\chlo\\en vnd im ge\prech der Heiligen berat\chlagt / Auff das die Lebendigen erkennen / das der Höhe\t gewalt hat vber der men\chen Königreiche / vnd gibt \ie / wem er wil / Vnd erhöhet die Nidrigen zu den \elbigen.
15 SOlchen Traum hab ich könig NebucadNezar ge\ehen / Du aber Belt\azer / \age / was er bedeut / Denn alle Wei\en in meinem Königreiche können mir nicht anzeigen / was er bedeute / Du aber kan\ts wol / Denn der Gei\t der heiligen Götter i\t bey dir.
16 DA ent\etzt \ich Daniel / der \on\t Belt\azer hei\\t / bey einer \tunde lang / vnd \eine gedancken betrübten jn. Aber der König \prach / Belt\azer / Las dich den Traum / vnd \eine deutung nicht betrüben. Belt\azer fieng an vnd \prach / Ah mein Herr / das der Traum deinen Feinden / vnd \eine deutung deinen Widerwertigen gülte.
17 DEr Bawm / den du ge\ehen ha\t / das er gros vnd dicke war / vnd \eine höhe an den Himel reichet / vnd breitet \ich vber das gantze Land /
18 vnd \eine E\te \chön / vnd \eine Früchte viel / dauon alles zu e\\en hatte / vnd die Thiere auff dem felde vnter jm woneten / vnd die Vogel des Himels auff \einen e\ten \a\\en /
19 Das bi\tu König / der du \o gros vnd mechtig bi\t / Denn deine macht i\t gros / vnd reicht an den Himel / vnd deine gewalt langet bis an der Welt ende.
20 DAs aber der König einen heiligen Wechter ge\ehen hat vom Himel erab faren / vnd \agen / Hawet den Baum vmb / vnd verderbet jn / Doch den Stock mit \einen Wurtzeln la\\t in der erden bleiben. Er aber \ol in ei\ern vnd ehernen Ketten / auff dem felde im gra\e gehen / vnd vnter dem taw des Himels ligen / vnd nas werden / vnd \ich mit den Thieren auff dem felde weiden / bis vber jn \ieben zeit vmb \ind.
21 Das i\t die deutung / Herr König / vnd \olcher Rat des Höhe\ten gehet vber meinen herrn König.
22 Man wird dich von den Leuten ver\to\\en / vnd mu\t bey den Thieren auff dem felde bleiben. Vnd man wird dich gras e\\en la\\en / wie die Och\en / vnd wir\t vnter dem taw des Himels ligen / vnd nas werden / Bis vber dich \ieben zeit vmb \ind. Auff das du erkenne\t / das der Höhe\t gewalt hat / vber der men\chen Königreiche / vnd gibt \ie wem er wil.
23 DAS aber ge\agt i\t / Man \olle dennoch den Stock mit \einen Wurtzelen des Bawmes bleiben la\\en. Dein Königreich \ol dir bleiben / wenn du erkennet ha\t die gewalt im Himel.
24 Darumb / herr König / Las dir meinen Rat gefallen / vnd mache dich los von deinen Sünden / durch Gerechtigkeit / vnd ledig von deiner Mi\\ethat durch Wolthat an den Armen / So wird Er gedult haben mit deinen Sünden.
25 DJS alles widerfur dem könige NebucadNezar.
26 Denn nach zwelff monden / da der König auff der königlichen Burg zu Babel gieng /
27 hub er an vnd \prach / Das i\t die gro\\e Babel / die ich erbawet habe / zum königlichen Hau\e / durch meine gro\\e macht / zu ehren meiner Herrligkeit (4).
28 Ehe der König die\e wort ausgeredt hatte / fiel eine \tim vom Himel / Dir könig NebucadNezar wird ge\agt / Dein Königreich \ol dir genomen werden /
29 vnd man wird dich von den Leuten ver\to\\en / vnd \olt bey den Thieren / \o auff dem felde gehen / bleiben / gras wird man dich e\\en la\\en / wie Och\en / Bis das vber dir / \ieben zeit vmb \ind / Auff das du erkenne\t / das der Höhe\t gewalt hat vber der men\chen Königreiche / vnd gibt \ie wem er wil.
30 Von \tund an ward das wort volnbracht (5) vber NebucadNezar / Vnd er ward von den Leuten ver\to\\en / vnd er a\\ gras / wie Och\en / vnd \ein Leib lag vnter dem taw des Himels / vnd ward nas / bis \ein Har wuchs / \o gros als Adelers feddern / vnd \eine Negel / wie Vogels klawen wurden.
31 Nach die\er zeit / hub ich nebucadnezar meine augen auff gen Himel / vnd kam wider zur vernunfft / vnd lobete den Höhe\ten / Jch prei\et vnd ehret den / \o ewiglich lebet / des gewalt ewig i\t / vnd \ein Reich fur vnd fur weret /
32 Gegen welchem alle \o auff Erden wonen / als nichts / zu rechen \ind (6). Er machts wie er wil / beide mit den krefften im Himel / vnd mit denen / \o auff Erden wonen / vnd niemand kan \einer Hand weren / noch zu jm \agen / Was mach\tu?
33 Zur \elbigen zeit / kam ich wider zur vernunfft / auch zu meinen königlichen Ehren / zu meiner Herrligkeit / vnd zu meiner ge\talt / Vnd meine Rete vnd Gewaltigen \uchten mich / vnd ward wider in mein Königreich ge\etzt / vnd ich vberkam noch grö\\er Herrligkeit.
34 Darumb lobe ich NebucadNezar / vnd ehre vnd prei\e den König von Himel / Denn alle \ein Thun i\t warheit / vnd \eine Wege \ind recht / Vnd wer \toltz i\t / Den kan er demütigen.


(1) Dis i\t ein brieff des Königes / darin er bekennet / was jm Gott erzelget hat in folgender Hi\torien.
(2) Hei\\t er die Engel / das \ie wachen vnd hüten on vnterlas / wider die Teufel. Wie P\al. 91 \agt / Er hat \einen Engeln befolhen vber dir etc. Vnd i\t ein \eer trö\tlich wort allen Men\chen / \onderlich den gefangen Jüden zu Babel.