Martin Luther. Der Grosse Katechismus, Gemehret mit einer newen vorrhede, vnd vermanunge zu der Beicht.

 

Deudsch Catechismus

Der Große Katechismus. 1529

(WA 30 I, 125-238)

 

 

 

 

Gemehret mit einer newen vorrhede,

vnd vermanunge zu der Beicht.

Wittemberg

 

 

 

 

 

Geschichte der Veröffentlichung

In Nacharbeit vieler im Herbst / Winter 1528 und Frühjahr 1529 gehaltener Predigten veröffentlicht Martin Luther den Großen Katechismus. Einzelne Teile werden je und dann als sogenannte Tafeldrucke ab Januar 1529 herausgegeben.

 

Ein erster Druck in Buchform erfolgt durch Georg Rhaw in Wittenberg ab April 1529 unter dem Titel "Deutscher Katechismus". Vom zweiten Druck an umfasst der Große Katechismus die „Vermahnung zur Beichte“. Diese Ausgabe war geschmückt durch reiche Illustrationen, z.T. von Lucas Cranach der Ältere.

 

 

Inhalt

1.     (Längere) Vorrede (von 1530)

2.     Die Zehn Gebote Gottes

3.     Die Hauptartikel des Glaubens

4.     Das Gebet oder Vaterunser, so Christus gelehrt hat

5.     Von der Taufe

6.     Vom Sakrament des Altars (Abendmahl)

7.     Eine Kurze Vermahnung zur Beichte

 

 

Inhalt wie in Konkordienbuch, Magdeburg 1580

 

 

 

 

 

Vorrhede Martini Luther.

 

Das wir den Catechismum so fast treiben und zu treiben beide begeren und bitten, haben wir nicht geringe ursachen, Die weil wir sehen, das leider viel prediger und pfarher hieryn seer seumig sind und verachten beide yhr ampt und diese lere, ettliche aus grosser hoher kunst, ettlich aber aus lauter faulheit und bauch sorge, welche stellen sich nicht anders zur sachen denn als weren sie umb yhrs bauchs willen pfarher odder prediger und muesten nichts thun denn der gueter gebrauchen, weil sie leben, wie sie unter dem Bapstumb gewonet. Und wie wol sie alles was sie leren und predigen sollen, itzt so reichlich klar und leicht fur sich haben ynn soviel heilsamen buechern (und wie sie es vorzeiten hiessen die rechten Sermones per se loquentes, Dormi Secure, Paratos et thesauros), noch sind sie nicht so from und redlich, das sie solche buecher keufften, odder wenn sie die selbigen gleich haben, dennoch nicht ansehen noch lesen. Ach das sind zumal schendliche fresslinge und bauchdiener, die billicher sewhirten odder hunde knechte sein solten denn seelwarter und pfarher.

 

Und das sie doch so viel thetten, weil sie des unnuetzen schweren geschwetzes der sieben gezeiten nu los sind, an der selbigen stat Morgens, Mittags und abends ettwa ein blat odder zwey aus dem Catechismo, betbuechlin, New testament odder sonst aus der Biblia lesen und ein Vater unser fur sich und yhr pfarkinder betten, Auff das sie doch dem Euangelio widderuemb ein ehre und danck erzeigten, durch welchs sie den so mancherley last und beschwerungen erledigt sind, Und sich doch schemeten ein wenig, das sie gleich wie die sew und hunde nicht mehr vom Euangelio behalten denn solche faule, schedliche, schendliche, fleischliche freyheit. Denn der pobel leider on das allzu [s. 126] geringe achtet des Euangelij, Und wir nicht sonderlichs ausrichten, wenn wir gleich allen vleis fur wenden. Was solts denn thun, wenn wir lessig und faul sein wollen, wie wir unter dem Bapstumb gewesen sind?

 

Uber das schlehet mit zu das schendlich laster und heymlich boese geschmeis der sicherheit und uberdrus, Das viel meinen, der Catechismus sey ein schlecht geringe lere, welche sie mit einem mal uberlesen und denn also bald alles koennen, das buch yn winckel werffen und gleich sich schemen mehr drinnen zu lesen. Ja man findet wol ettliche rueltzen und filtze auch unter dem adel, die furgeben, man durffe hinfurt widder pfarher noch prediger, man habs ynn buechern und koenne es von yhm selber wol lernen, Und lassen auch die pfarhen getrost fallen und verwusten, dazu beide pfarher und prediger weidlich not und hunger leiden, wie sich denn gebuert zu thun den tollen deudschen. Denn wir deudschen haben solch schendlich volck und muessens leiden.

 

Das sage ich aber fuer mich: Jch bin auch ein Doctor und prediger, ia so gelert und erfaren als die alle sein muegen, die solche vermessenheit und sicherheit haben: Noch thue ich wie ein kind, das man den Catechismon leret, und lese und spreche auch von wort zu wort des Morgens und wenn ich zeit habe das Vater unser, zehen gepot, glaube, Psalmen etc. Und mus noch teglich dazu lesen und studieren, Und kan dennoch nicht bestehen wie ich gerne wolte, Und mus ein kind und schueler des Catechismus bleiben und bleibs auch gerne. Und diese zarte, ekele gesellen woellen mit einem uberlesen flugs Doctor uber alle Doctor sein, alles koennen und nichts mehr beduerffen. Wolan solchs ist auch ein gewis anzeigen, das sie beide yhr ampt und des volcks seelen, ia dazu Gott und sein wort verachten, Und durffen nicht fallen, sondern sind schon allzu grewlich gefallen, durfften wol, das sie kinder wuerden und das Abc anfiengen zu lernen, das sie meinen lengest an den schuhen zurissen haben.5

 

Derhalben bitte ich solche faule wenste odder vermessene heiligen, sie wolten sich umb Gottes willen bereden lassen und gleuben, das sie warlich, warlich nicht so geleret und so hohe Doctores sind als sie sich lassen duencken, Und nymer mehr gedencken, das sie diese stuecke ausgelernt haben odder aller dinge gnug wissen, ob sie es gleich dunckt, das sie es allzu wol koennen. Denn ob sie es gleich allerdinge auffs aller beste wuesten und kuendten (das doch nicht mueglich ist ynn diesem leben), so ist doch mancherley nutz und frucht [s. 127] dahinden, so mans teglich lieset und ubet mit gedancken und reden, Nemlich das der heilige geist bey solchem lesen, reden und gedencken gegen wertig ist Und ymer newe und mehr liecht und andacht dazu gibt, das es ymer dar besser und besser schmeckt und eingehet, wie Christus auch verheist Matthei 18. [Matth. 18, 20] ‘Wo zween odder drey yn meinem namen versamlet sind, da bin ich ynn yhrem mittel.’

 

Dazu hilffts aus der massen gewaltiglich widder den Teuffel, welt, fleisch und alle boese gedancken, so man mit Gottes wort umbgehet, davon [Ps. 1, 2] redet und tichtet, das auch der erst Psalm selig preiset die, so tag und nacht vom gesetze Gottes handeln: on zweivel wirstu kein weirauch noch ander gereuche stercker widder den Teuffel anrichten, Denn so du mit Gottes geboten und worten umbgehest, davon redest, singest odder denckest. Das ist freylich das rechte weyhwasser und zeichen, dafur er fleugt und damit er sich iagen lest. Nu soltestu doch ia allein umb des willen solch stueck gerne lesen, reden, dencken und handeln, wenn du sonst kein ander frucht und nutz davon hettest denn das du den Teuffel und boese gedancken damit kanst veriagen, Denn er kan Gottes wort nicht hoeren noch leiden. Und Gottes wort ist nicht wie ein ander lose geschwetz, wie von Dietrich von Bern sondern wie S. Paulus [Röm. 1, 16] Rom. 1. sagt ‘eine krafft Gottes’, ja freilich eine krafft Gottes, die dem Teuffel das gebrante leid anthut und uns aus der massen sterckt, troest und hilfft.

 

Und was sol ich viel sagen? Wo ich allen nutz und frucht solt erzelen, so Gottes wort wirckt, wo wolt ich papyr und zeit gnug nemen? Den Teuffel heist man tausentkuenstiger, wie wil man aber Gottes wort heissen, das solchen tausentkuenstiger mit aller seiner kunst und macht veriagt und zu nichte macht? Es mus freylich mehr denn hundert tausentkuenstiger sein. Und wir solten solche macht, nutz, krafft und frucht so leichtfertiglich verachten, sonderlich die wir pfarher und prediger sein woellen? so solt man uns doch nicht allein nicht zu fressen geben sondern auch mit hunden aushetzen und mit lungen auswerffen, weil wir des alles nicht allein teglich beduerffen wie des teglichen brods sondern auch teglich haben muessen widder das teglich und unruegig anfechten und lauren des tausentkuenstigen Teuffels.

 

Und ob solchs nicht gnug were zur vermanung den Catechismon teglich zu lesen, so solt doch uns allein gnugsam zwingen Gottes gebot, welcher [5. Mose 6, 7. 8] Deutero. 6. ernstlich gebeut,das man solle sein gebot sitzend, gehend, stehend, ligend, auffstehend ymer bedencken und gleich als ein stettigs mal und zeichen fur augen und ynn henden haben. On zweiveln wird er solchs umbsonst [s. 128] nicht also ernstlich heissen und foddern, sondern dieweil er weis unser fahr und not, dazu der Teuffel stettigs und wuetiges sturmen und anfechtung, wil er uns dafuer warnen, ruesten und bewaren als mit gutem harnisch widder yhre feurige pfeile und mit guter ertzney widder yhre gifftige boese geschmeis und eingeben. O welche tolle, unsinnige narren sind wir, das wir unter solchen mechtigen feinden als die Teuffel sind wonen odder herbergen ihe muessen. Und woellen dazu unser waffen und wehre verachten und faul sein die selbigen anzusehen odder dran zugedencken.

 

Und was thun solche uberdrussige vermessene heiligen, so nicht wollen odder muegen den Catechismon teglich lesen und lernen, denn das sie sich selbs viel gelerter halten denn Gott selbs ist mit allen seinen heiligen Engeln, Propheten, Aposteln und allen Christen? Denn weil sich Gott selbs nicht schemet solchs teglich zu leren, als der nichts bessers wisse zu leren, und ymer solch einerley leret und nichts newes noch anders fur nympt, Und alle heiligen nichts bessers noch anders wissen zu lernen und nicht koennen auslernen, Sind wir denn nicht die aller feinesten gesellen, die wir uns lassen duencken, wenn wirs einmal gelesen und gehoeret haben, das wirs alles koennen und nicht mehr lesen noch lernen duerffen? Und koennen das auff ein stunde auslernen, das Gott selbs nicht kan ausleren, so er doch dran leret von anfang der welt bis zu ende, Und alle propheten sampt allen heiligen dran zu lernen gehabt und noch ymer schueler sind blieben und noch bleiben muessen?

 

Denn das mus ia sein: Wer die zehen gebot wol und gar kan, das der mus die gantze schrifft koennen, das er koenne ynn allen sachen und fellen raten, helffen, troesten, urteilen, richten beide geistlich und weltlich wesen Und muege sein ein Richter uber alle lere, stende, geister, recht und was ynn der welt sein mag. Und was ist der gantze Psalter denn eitel gedancken und ubunge des ersten gebots? Nu weis ich ia fur war, das solche faule beuche odder vermessene geister nicht einen Psalmen verstehen, schweige denn die gantze heilige schrifft, Und woellen den Catechismon wissen und verachten, welcher der gantzen heiligen schrifft kurtzer auszug und abschrifft ist.

 

Daruemb bitte ich abermal alle Christen, sonderlich die pfarher und prediger, sie wolten nicht zu fruee Doctores sein und alles wissen sich duencken lassen (Es gehet an duencken und gespannen tuch viel ab), sondern sich teglich wol drinnen uben und ymer treiben, Dazu mit aller sorge und vleis sich fursehen fur dem gifftigen geschmeis solcher sicherheit oder dunckelmeister. Sondern [s. 129] stetig anhalten beide mit lesen, leren, lernen, dencken und tichten, Und nicht ablassen bissolange sie erfaren und gewis werden, das sie den Teuffel tod geleret und gelerter worden sind denn Gott selber ist und alle seine heiligen. Werden sie solchen vleis thun, so wil ich yhn zusagen und sie sollens auch ynne werden, welche frucht sie erlangen werden und wie feine leute Gott aus yhn machen wird, das sie mit der zeit selbs fein bekennen sollen, das yhe lenger und mehr sie den Catechismon treiben, yhe weniger sie davon wissen und yhe mehr dran zu lernen haben. Und wird yhn als den hungerigen und duerstigen denn aller erst recht schmecken, das sie itzt fur grosser fuelle und uberdrus nicht riechen muegen. Da gebe Gott seine gnade zu. Amen.

 

 

[Vorrhede]

Diese predigt ist dazu geordnet und angefangen, das es sey ein unterricht fur die kinder und einfeltigen. Daruemb sie auch von alters her auff Griegisch [Catechismus ein kinder lere.] heisset Catechismus, das ist ein kinderlere, so ein yglicher Christ zur not wissen sol, also das wer solchs nicht weis, nicht kuende unter die Christen gezelet und zu keinem Sacrament zugelassen werden. Gleich wie man einen handwercks man, der seines handwercks recht und gebrauch nicht weis, aus wirffet und fur untuechtig helt. Derhalben sol man iunge leute die stuecke, so ynn den Catechismum odder kinder predigt gehoeren, wol und fertig lernen lassen und mit vleis darynne uben und treiben. Daruemb auch ein yglicher hausvater schueldig ist, das er zum wenigsten die wochen einmal seine kinder und gesinde umbfrage und verhoere, was sie davon wissen odder lernen, Und wo sie es nicht konnen, mit ernst dazu halte. Denn ich dencke wol der zeit, ia es begibt sich noch teglich, das man grobe, alte betagte leute findet, die hie von gar nichts gewust haben odder noch wissen, gehen doch gleichwol zur Tauffe und Sacrament und brauchen alles was die Christen haben, So doch die zum Sacrament gehen, billich mehr wissen und voelligern verstand aller Christlichen [Seite 130] lere haben sollen denn die kinder und newe schueler. Wiewol wirs fur den gemeinen hauffen bey den dreyen stuecken bleiben lassen, so von alters her ynn der Christenheit blieben sind, aber wenig recht geleret und getrieben, so lange bis man sich ynn den selbigen wol ube und leufftig werde, beide iung und alt, was Christen heissen und sein wil. Und sind nemlich diese:
 

 

 

 

Zum ersten

 

Die Zehen gepot Gottes.

 

 

Das Erste: DU solt kein andere Goetter haben neben mir.

Das Ander: Du solt den namen Gottes nicht vergeblich fueren.

Das Dritte: Du solt den feyertag heiligen.

Das Vierde: Du solt vater und mutter ehren.

Das Fuenfte: Du solt nicht toeuml;dten.

Das Sechste: Du solt nicht ehebrechen.

Das Siebende: Du solt nicht stelen.

Das Achte: Du solt kein falsch zeugnis reden widder deinen nehisten.

Das Neunde: Du solt nicht begeren deines nehisten haus.

Das Zehend: Du solt nicht begeren seines weibs, knecht,

magd, viech odder was sein ist.

[2. Mose 20, 3. 7 ff.]

 

 

 

Zum andern: die heubtartickel Unsers Glaubens.

 

Jch gleube an Gott vater allmechtigen, schoepffer hymels und der erden. Und an Jhesum Christum, seinen einigen son, unsern Herrn, der empfangen ist von dem heilihen geist, geporen aus Maria der Jungkfrawen, gelidden hat unter Pontio Pilato, gecreutzigt, gestorben und begraben ist, Niddergefaren zur helle, am dritten tage widder aufferstanden von todten, Auffgefaren gen hymel, sitzend zur rechten hand Gottes, des allmechtigen vaters, und von dannen zukunfftig zu richten die lebendigen und todten.

 

Jch gleube an den heiligen geist, Eine heilige Christliche kirche, gemeinschafft der heiligen, Vergebunge der sunden, Aufferstehung des fleischs, Vnd ein ewigs leben. Amen.

[s. 131]

 

 

 

Zum dritten: das gebete odder Vater unser, so Christus gelert hat.

 

[Matth. 6, 9 ff.; Luk. 11, 2 ff.] Vater unser der du bist ym himel, Geheiliget werde dein name, Zukome dein reich, Dein wille geschehe als ym himel auch auff erden, Unser teglich brod gib uns heute, Und verlasse uns unsere schuld als wir verlassen unsern schueldigern, Und fuere uns nicht yn versuchung, Sondern erloese uns vom ubel. Amen.

 

DAs sind die noetigsten stuecke, die man zum ersten lernen mus von wort zu wort verzelen, Und soll die kinder dazu gewehnen teglich, wenn sie des morgens auffstehen, zu tisch gehen und sich abends schlaffen legen, das sie es muessen auffsagen, und yhn nicht essen noch zu trincken geben, sie hettens denn gesagt. Desgleichen ist auch ein yglicher hausvater schuldig mit dem gesind, knecht und megden zu halten, das er sie nicht bey sich halte, wo sie es nicht koennen odder lernen woellen. Denn es ist mit nichte zuleiden, das ein mensch so rohe und wilde sey und solches nicht lerne, weil ynn diesen dreyen stuecken kuertzlich, groeblich und auffs einfeltigste verfasset ist alles, was wir ynn der schrifft haben. Denn die lieben veter odder Apostel (wer sie gewesen sind) haben also ynn eine Summa gestellet, was der Christen lere, leben, weisheit und kunst sey, wo von sie reden und handlen und wo mit sie umbgehen.

 

Wenn nu diese drey stuck gefasset sind, gehoeret sich auch, das man wisse zusagen von unsern Sacramenten (so Christus selbs eingesetzt hat) der Tauffe und des heiligen leibs und bluts Christi, Als nemlich den Text, so Mattheus und Marcus schreiben am end yhres Euangelions, wie Christus seinen Juengern die letze gabe und sie abfertiget.

 

 

 

Von der Tauffe.

[s. 132]

 

[Matth. 28, 19; Mark. 16, 16] Gehet hyn und leret alle voelcker und Teuffet sie ym namen des Vaters und des Sons und des heiligen geists. Wer da gleubt und getaufft wird, der wird selig werden, wer aber nicht gleubt, der wird verdampt werden.

SOviel ist gnug einem einfeltigen aus der schrifft von der Tauffe zu wissen, Desgleichen auch vom andern Sacrament mit kurtzen einfeltigen worten, Als nemlich den Text Sanct Pauli.

 

 

 

Vom Sacrament. [abendmal]

 

[1. Kor. 11, 23 ff.] Unser Herre Thesus Christus ynn der nacht, als er verraten ward, nam das brod, danckt und brachs und gabs seinen Juengern und sprach: ‘Nemet hin und esset, Das ist mein leib der fur euch gegeben wird. Solchs thuet zu meinem gedechtnis.’

 

Desselben gleichen auch den kilch nach dem abendmal und sprach: ‘Dieser kilch ist ein newes Testament ynn meinem blut, das fur euch vergossen wird zu vergebung der sunden. Solchs thut, so offt yhr trinckt, zu meinem gedechtnis.’

 

Also hette man uberal fuenff stueck der gantzen Christlichen lere, die man ymerdar treiben sol und von wort zu wort fodern und verhoeren. Denn verlasse dich nicht drauff, das das iunge volck alleine aus der predigt lerne und behalte. Wenn man nu solche stuecke wol weys, so kan man darnach auch etliche Psalmen odder gesenge so darauff gemacht sind furlegen zur zugabe und stercke des selbigen und also die iugent ynn die schrifft bringen und teglich weiter faren.

 

Es sol aber nicht an dem gnug sein, das mans alleine den worten nach fasse und verzelen kuende, sondern lasse das iunge volck auch zur predigt gehen sonderlich auff die zeit so zu dem Catechismo geordnet, das sie es hoeren auslegen und verstehen lernen was ein yglich stueck ynn sich habe, Also das sie es auch koennen auffsagen wie sie es gehört haben und fein richtig antworten wenn man sie fraget, auff das es nicht on nutz und frucht gepredigt werde. Denn daruemb thuen wir den vleis den Catechismum offt furzupredigen, das man solchs yn die iugent blewe, nicht hoch noch scharff sondern kurtze und auffs einfeltigst, auff das es yhn wol eingehe und ym gedechtnis bleibe. Derhalben wollen wir nu die angezeigten stuecke nach einander fur uns nemen und auffs deutlichst davon reden, soviel not ist.

 

 

 

[Die zehn Gebote]

 

Das erste Gepot.

[s. 132]

 

DU solt nicht andere Gotter haben.

Das ist, du solt mich alleine fur deinen Gott halten. Was ist das gesagt und wie verstehet mans? Was heist ein Gott haben oder was ist [s. 133] [Ein Gott haben.] Gott? Antwort: Ein Gott heisset das, dazu man sich versehen sol alles guten und zuflucht haben ynn allen noeten. Also das ein Gott haben nichts anders ist denn yhm von hertzen trawen und gleuben, wie ich offt gesagt habe, das alleine das trawen und gleuben des hertzens machet beide Gott und abeGott. [Glaube und trawen machet ein Gott.] Jst der glaube und vertrawen recht, so ist auch dein Gott recht, und wideruemb wo das vertrawen falsch und unrecht ist, da ist auch der rechte Gott nicht. Denn die zwey gehoeren zuhauffe, glaube und Gott. Worauff du nu (sage ich) dein hertz hengest und verlessest, das ist eygentlich dein Gott.1

 

Daruemb ist nu die meinung dieses gepots, das es foddert rechten glauben und zuversicht des hertzens, welche den rechten einigen Gott treffe und an yhm alleine hange. Und wil soviel gesagt haben: Sihe zu und lasse mich alleine deinen Gott sein und suche yhe keinen andern, Das ist, was dir manglet an gutem des versihe dich zu mir und suche es bey mir, Und wo du unglueck und not leidest kreuch und halte dich zu mir, JCH, ich wil dir gnug geben und aus aller not helffen, Las nur dein hertz an keinem andern hangen noch rugen.

 

Das mus ich ein wenig grob ausstreichen, das mans verstehe und mercke bey gemeinen Exempeln des widderspiels. Es ist mancher der meinet, er habe Gott und alles gnug, wenn er gelt und gut hat, verlest und bruuestet sich drauff so steiff und sicher, das er auff niemand nichts gibt. Sihe dieser hat auch einen Gott, der [Mammon zum Gott haben.] heisset Mammon, das ist gelt und gut, darauff er alle sein hertz setzet, welchs auch der aller gemeynest Abgott ist auff erden. Wer gelt und gut hat, der weys sich sicher, ist froelich und unerschrocken, als sitze er mitten ym Paradis, Und widderuemb wer keins hat, der zweyvelt und verzagt, als wisse er von keinem Got. Denn man wird yhr gar wenig finden, die guts muts seyen, nicht trawren noch klagen, wenn sie den Mammon nicht haben, Es klebt und hengt der natur an bis ynn die gruben.

 

Also auch wer darauff trawet und trotzet, das er grosse kunst, klugheit, gewalt, gunst, [s. 134] freundschafft und ehre hat, Der hat auch einen Gott, aber nicht diesen rechten einigen Gott. Das sihestu abermal dabey, wie vermessen, sicher und stoltz man ist auff solche guter und wie verzagt, wenn sie nicht furhanden odder entzogen werden. Daruemb sage ich abermal, das die rechte auslegung dieses stuecks sey, das ein Gott haben heisset etwas haben, darauff das hertz gentzlich trawet.

 

Jtem Sihe, was wir bisher getrieben und gethan haben ynn der blindheit [Abgoeterey mit den heiligen.] unter dem Bapstumb: Wenn ymand ein zaan wehe thete, der fastet und feyret Sanct Appollonia; Fuerchtet er sich fur feurs not, so machet er Sanct Lorentz zum nothelffer; Furchtet er sich fur pestilentz, so gelobt er sich zu Sanct Sebastian odder Rochio, und des greuels unzelich viel mehr, da ein yglicher seinen heiligen welet, anbetet und anruffet ynn noeten zuhelffen. Daher gehoeren auch, die es gar zu grob treiben und mit dem Teuffel ein bund machen, das er yhn gelt gnug gebe odder zur bulschafft helffe, yhr viech beware, verloren gut widderschaffe etc., Als die zeuberer und schwartzkuenstige. Denn diese alle setzen yhr hertz und vertrawen anders wo denn auff den warhafftigen Gott, versehen sich kein guts zu yhm, suchens auch nicht bey yhm.

 

Also verstehestu nu leichtlich was und wieviel dis gepot foddert, nemlich [Gott wil das hertz allein haben.] das gantze hertz des menschen und alle zuversicht auff Gott allein und niemand anders. Denn Gott zuhaben kanstu wol abnemen, das man yhn nicht mit fingern ergreiffen und fassen noch ynn beutel stecken odder ynn kasten schliessen kan. Das heisset yhn aber gefasset, wenn yhn das hertz ergreiffet und an yhm hanget, Mit dem hertzen aber an yhm hangen ist nichts anders denn sich gentzlich auff yhn verlassen. Daruemb wil er uns von allem andern abwenden das ausser yhm ist und zu sich ziehen, weil er das einige ewige gut ist. Als solt er sagen: Was du zuvor bey den heiligen gesucht odder auff den Mammon und sonst vertrawet hast, das versihe dich alles zu mir und halte mich fur den, der dir helffen und mit allem guten reichlich uberschutten wil.

 

Sihe da hastu nu, was die rechte ehre und Gottes dienst ist, so Gott [Rechter Gottes dienst.] gefellet, welchen er auch gepeut bey ewigem zorn, Nemlich das das hertz kein andern trost noch zuversicht wisse denn zu yhm, lasse sich auch nicht davon reissen, sondern darueber wage und hyndan setze alles was auff erden ist. Dagegen wirstu leichtlich sehen und urteylen, wie die welt eitel falschen Gottes dienst und abgoetterey treibt. Denn es ist nye kein volck so rauchlos gewesen, das nicht einen Gottes dienst auffgerichtet und gehalten habe. Da hat yderman zum sonderlichen Gott auffgeworffen, dazu er sich guts, huelffe und trost versehen hat.

 

[s. 135] Als nemlich die Heiden, so yhr datum auff gewalt und hyrschafft [Der heiden abgoeterey.] stelleten, wurffen yhren Juppiter zum hoehisten Gott auff, die andern so nach reichtumb, glueck odder nach lust und guten tagen stunden, Herculem, Mercurium, Venerem odder andere, die schwangere frawen Dianam odder Lucinam und so fort, machet yhm yderman zum Gott, dazu yhn sein hertz trug. Also das eigentlich auch nach aller Heyden meinung ein Gott haben heisset trawen und gleuben, Aber daran feylet es, das yhr trawen falsch und unrecht ist, denn es ist nicht auff den einigen Gott gestellet, ausser welchem warhafftig kein Gott ist ynn hymel noch auff erden. Daruemb die Heiden eigentlich yhren eigen erdichten duenckel und trawm von Gott zum Abgott [Abgoetterey ist eigen duenckel des hertzens.] machen und sich auff eitel nichts verlassen. Also ist es umb alle Abgoetterey gethan, denn sie stehet nicht allein daryn, das man ein bild auffrichtet und anbetet, sondern furnemlich ym hertzen, welchs anders wo hin gaffet, huelffe und trost suchet bey den creaturn, heiligen odder Teuffeln und sich Gottes nicht annympt noch soviel guts zu yhm versihet, das er wolle helffen, gleubet auch nicht, das von Got kome was yhm guts widderferet.

 

Darueber ist auch ein falscher Gottes dienst und die hohiste abgoetterey, so wir bisher getrieben haben und noch ynn de welt regieret, darauff auch alle geistliche stende gegruendet sind, welche allein das gewissen betrifft, das [Abgoetterey der Werckheiligen.] da huelffe, trost und selickeit suchet ynn eigenen wercken, vermisset sich Gott den himel abe zu zwingen und rechnet, wie viel es gestifftet, gefastet, Messe gehalten hat etc., Verlesset sich und pochet darauff, als wolle es nichts von yhm geschenckt nemen sondern selbs erwerben oder uberfluessig verdienen, gerade als muste er uns zu dienst stehen und unser schuldner, wir aber seine lehenherrn sein. Was ist das anders, denn aus Gott einen goetzen, ia einen apfelgott gemachet und sich selbs fur Gott gehalten und auffgeworffen? Aber das ist ein wenig zu scharff, gehoeret nicht fuer die iungen schueler.

 

Das sey aber den einfeltigen gesagt, das sie den verstand dieses gepots wol mercken und behalten, das man Gott alleine trawen und sich eitel guts zu yhm versehen und von yhm gewarten sol, als der uns gibt leib, leben, [Gottes gaben und gueter.] essen, trincken, narung, gesundheit, schutz, fride und alle notdurfft zeitlicher und ewiger gueter, Dazu bewaret fur unglueck, und so uns etwas widderfert, rettet und aushilfft, Also das Gott (wie gnug gesagt) alleine der ist, von dem man alles guts empfehet und alles ungluecks los wird. Daher auch achte ich, wir Deudschen Gott eben mit dem namen von alters her nennen (feiner [s. 136] und artiger denn kein andere sprache) nach dem wortlin ‘gut’, als der ein ewiger quellbrun ist, der sich mit eitel guete ubergeusset und von dem alles was gut ist und heisset ausfleust.

 

Denn ob uns gleich sonst viel guts von menschen widderferet, so heisset [Gott gibt durch creaturn.] es doch alles von Got empfangen, was man durch sein befehl und ordnung empfehet. Denn unsere eltern und alle oberkeit, dazu ein yglicher gegen seinen nehisten, haben den befehl, das sie uns allerley guts thuen sollen, Also das wirs nicht von yhn sondern durch sie von Gott empfahen. Denn die creaturn sind nur die hand, rohre und mittel, dadurch Gott alles gibt, wie er der mutter brueste und milch gibt dem kinde zureichen, korn und allerley gewechs aus der erden zur narung, welcher gueter keine creatur keines selbs machen kan. Derhalben sol sich kein mensch unterstehen etwas zunemen odder zugeben, es sey denn von Gott befohlen, das mans erkenne fur seine gaben und yhm daruemb dancke, wie dis gepot foddert. Daruemb auch solche mittel durch die creaturn guts zu empfahen nicht auszuschlagen sind noch durch vermessenheit andere weise und wege zusuchen denn Got befohlen hat. Denn das hiesse nicht von Gott empfangen sondern von yhm selbs gesucht.

 

Da sehe nu auff ein yglicher bey sich selbs, das man dis gepot fur [Ubung des ersten gepots.] allen dingen gros und hoch achte und ynn keinen schertz schlage. Frage und forsche dein eigen hertz wol, so wirstu wol finden, ob es allein an Gott hange odder nicht. Hastu ein solch hertz, das sich eitel guts zu yhm versehen kan sonderlich ynn noeten und mangel, dazu alles gehen und faren lassen was nicht Gott ist, so hastu den einigen rechten Gott. Widderuemb hanget es auff etwas anders, dazu sichs mehr guts und huelffe vertroestet denn zu Gott und nicht zu yhm leufft, sondern fur yhm fleugt, wenn es yhm ubel gehet, so hastu ein andern Abegot.

 

DErhalben auff das man sehe, das Gott solchs nicht wil ynn wind geschlagen haben, sondern ernstlich drueber halten, er bey dieses gepot zum ersten ein schrecklich drewen, darnach ein schoene, troestliche verheissung gesetzt, Welches man auch wol treiben sol und dem iungen volck furblewen, das sie es zu synne nemen und behalten.

 

Denn ich bin der HERRE, dein Got, ein starcker eyverer, der da heym suchet der veter missethat an den kindern bis yns dritte und vierde gelied, die mich hassen, Und thue barmhertzigkeit an viel tausent, die mich lieb haben und meine gepot halten.

 

[s. 137] WIewol aber diese wort auff alle gepot gehen (wie wir hernach hoeren werden), so sind sie doch eben zu diesem heubt gepot gesetzt, daruemb das daran am meysten ligt, das ein mensch ein recht heubt habe, Denn wo das heubt recht gehet, da mus auch das gantze leben recht gehen und widderuemb. So [Gottes ernst uber diesem gepot.] lerne nu aus diesen worten, wie zornig Gott ist ueber die, so sich auff yrgent etwas ausser yhm verlassen, widderuemb wie guetig und gnedig er ist denen, die yhm allein von gantzem hertzen trawen und gleuben, Also das der zorn nicht ablesset bis yns vierde geschlecht odder gelied, dargegen die wolthat oder gute gehet uber viel tausent, Auff das man nicht so sicher hingehe und sich yn die schantze schlage, wie die rohen hertzen dencken, es lige nicht grosse macht dran. Er ist ein solcher Gott, der es nicht ungerochen lesset, das man sich von yhm wendet, und nicht auffhoeret zu zuernen bis yns vierde gelied, so lang bis sie durch und durch ausgerottet werden. Daruemb wil er gefuerchtet und nicht verachtet sein.

 

Das hat er auch beweiset ynn allen Historien und geschichten, wie uns die schrifft reichlich anzeigt und noch tegliche erfarung wol [Straffe deren die Got verachten.] leren kan. Denn er alle abgoetterey von anfang her gar ausgerottet hat und umb yhre willen beide Heiden und Jueden, wie er auch bey heutigemtage allen falschen Gottes dienst stuertzet, das endlich alle, so daryn bleiben, muessen untergehen. Daruemb ob man gleich itzt stoltze, gewaltige reiche wenste findet, die auff yhren Mammon trotzen, ungeachtet Gott zuerne odder lache, als die seinen zorn wol trawen auszustehen, so werden sie es doch nicht ausfueren, sondern ehe man sichs versihet zuscheittern gehen mit allem darauff sie getrawet haben, wie alle andere untergangen sind, die sich wol sicherer und mechtiger gewust haben.

 

Und eben umb solcher harten koepffe willen, die da meinen, weil er zusihet und lesset sie feste sitzen, er wisse nichts druemb odder neme sichs nicht an, mus er also drein schlagen und straffen, das ers nicht vergessen kan bis auff yhre kindskinder, auff das sich yderman daran stosse und sehe, das yhm [Gott hassen.] kein schertz ist. Denn diese sinds auch die er meinet, als er spricht ‘die mich hassen’, Das ist, die auff yhrem trotz und stoltz beharren: was man yhn predigt odder sagt, wollen sie nicht hoeren; strafft man sie, das sie sich erkennen und bessern, ehe die straffe angehe, so werden sie toll und toericht, auff das sie den zorn redlich verdienen, wie wir auch itzt an Bischoven und Fuersten teglich erfaren.

 

Wie schrecklich aber diese dreuwort sind, soviel mechtiger trost ist an der verheissung, das die sich allein an Gott halten, sollen gewis sein, das er [Barmhertzigkeit an viel tausend.] barmhertzigkeit an yhn erzeigen wil, das ist, eitel guts und wolthat beweisen. [s. 138] nicht allein fur sie sondern auch an yhren kindern bis yns tausent und abermal tausent geschlechte. Solchs solt uns ia bewegen und treiben, unser hertz auff Gott zu erwegen mit aller zuversicht, so wir begereten alles guts zeitlich und ewig zuhaben, weil sich die hohe maiestet so hoch erbeut, so hertzlich reitzet und so reichlich verheisset.

 

Daruemb lasse es yhm ein yglicher ernstlich zu hertzen gehen, das mans nicht achte, als habe es ein mensch geredt. Denn es gilt dir entweder ewigen segen, glueck und seligkeit odder ewigen zorn, unglueck und hertzleid. Was wiltu mehr haben odder begeren, denn das er dir so freundlich verheisset, er wolle dein sein mit allem guten, dich schuetzen und helffen ynn allen noeten? Es [Gottes wort helt die welt fur luegen.] feylet aber leider daran, das die welt der keines nicht gleubt noch fur Gottes wort helt, weil sie sihet, das die Gott und nicht dem Mammon trawen, kuemmer und not leiden und der Teuffel sich widder sie sperret und wehret, das sie kein gelt, gunst noch ehre, dazu kaum das leben behalten. Widderuemb die dem Mammon dienen, haben gewalt, gunst, ehre und gut und alle gemach fur der welt. Derhalben mus man solche wort fassen eben widder solchen schein gestellet und wissen, das sie nicht ligen noch triegen sondern war muessen werden.

 

Dencke du selbs zurueck odder frage yhm nach und sage mir: die alle yhr sorg und vleis darauff gelegt haben, das sie gros gut und gelt zusamen [Erfarung und Exempel.] scharreten, was haben sie endlich geschaffet? So wirstu finden, das sie muehe und arbeit verloren haben, odder ob sie gleich grosse schetze zuhauffe bracht, doch zustoben und zuflogen ist, also das sie selbs yhres guts nye sind fro worden und hernach nicht an die dritten erben gereichet hat. Exempel wirstu gnug finden yn allen Historien, auch von alten erfarnen leuten, sihe sie nur [Saul.] an und habe achtung drauff. Saul war ein grosser Koenig von Gott erwelet und ein fromer man, aber da er eingesessen war und sein hertz liesse sincken, hienge sich an seine krone und gewalt, muste er untergehen mit allem das er [David.] hatte, das auch seiner kinder keines bliebe. Widderuemb David war ein armer verachter man, veriagt und gescheucht, das er seines lebens nyrgent sicher war, noch muste er fur dem Saul bleiben und Koenig werden, Denn diese wort musten bleiben und war werden, weil Gott nicht liegen noch triegen kan, lasse dich nur den Teuffel und welt mit yhrem schein, der wol ein zeitlang wehret, aber endlich nichts ist, betriegen.

 

[s. 139] Daruemb lasset uns das erste gepot wol lernen, das wir sehen, wie Gott keine vermessenheit noch vertrawen auff einig ander ding leiden wil und nicht hoehers von uns foddert denn ein hertzliche zuversicht alles guten, also das wir [Gottes gueter recht brauchen] richtig und stracks fur uns gehen und aller guter, so Gott gibt, brauchen nicht weiter denn wie ein schuster seiner nadel, aal und drat brauchet zur erbeit und darnach hinweg legt, odder wie ein gast der herberge, futter und lager allein zur zeitlichen notdurfft, ein yglicher ynn seinem stand nach Gottes ordnung, und lasse nur keines sein herren odder abgott sein. Das sey gnug vom ersten gepot, welchs wir mit worten haben muessen ausstreichen, weil daran allermeist die macht ligt, daruemb das (wie vorgesagt) wo das hertz wol mit Got dran ist und dis gepot gehalten wird, so gehen die andern alle hernach.

 

 

Das Ander gepot.

 

Du solt Gottes namen nicht vergeblich füren.

Gleich wie das erste gepot das hertz unterweiset und den glauben geleret hat, also fueret uns dis gepot eraus und richtet den mund und die zunge gegen Gott. Denn das erste so aus dem hertzen bricht und sich erzeigt, sind die wort. Wie ich nu droben geleret habe zu antworten, was da heisse ‘einen Gott haben’, also mustu auch den verstand dieses und aller gepot lernen einfeltig fassen und von dir sagen. Wenn man nu fragt: wie verstehestu das ander gepot odder was [Gottes namen felschlich brauchen.] heist Gottes namen vergeblich fueren oder misbrauchen? Antwort auffs kurtzte also: Das heisset Gottes namen mis brauchen, wenn man Gott den HERRN nennet, welcherley weise es geschehen mag, zur luegen oder allerley untugent. Daruemb ist soviel gepoten, das man Gottes namen nicht felschlich anziehe odder ynn mund neme, da das hertz wol anders weis oder yhe anders wissen sol, Als unter den, die fur gericht schweren und ein teyl dem andern leuget. Denn Gottes namen kan man nicht hoeher misbrauchen denn damit zuliegen und triegen. Das lasse das deudsch und leichtisten verstand dieses gepots bleiben.

 

Aus diesem kan nu yderman selbs wol ausrechnen, wenn und wie [s. 140] mancherley Gottes namen misbraucht wird, wiewol alle misbreuche zurzelen [Missbreuche Goettlichs namens.] nicht mueglich ist. Doch kuertzlich auszurichten, geschicht aller misbrauch Gottlichs namens erstlich ynn weltlichen hendeln und sachen, so gelt, gut, ehre betreffen, Es sey offentlich fur gericht, auff dem marckt odder sonst, da man schweret und falsche eyde thuet auff Gottes namen odder die sache auff seine seele nimpt. Und sonderlich ist solchs viel ganghafftig ynn ehesachen, da yhr zwey hingehen, einander heimlich geloben und darnach verschweren. Allermeist aber gehet der misbrauch yn geistlichen sachen, die das gewissen belangen, wenn falsche prediger auffstehen und yhren luegentand fur Gottes wort dargeben. Sihe das heisset sich alles unter Gottes namen geschmuckt odder schone wollen sein und recht haben, es geschehe ynn groben welthendeln odder hohen subtilen sachen des glaubens und der lere. Und unter die lugner [Lestermeuler.] gehoeren auch die lestermeuler, nicht alleine die gar groben, yderman wol bekand, die da on schew Gottes namen schenden (welche nicht yn unsere sondern des henckers schule gehoeren), sondern auch die die warheit und Gottes wort offentlich lestern und dem Teuffel geben, davon itzt nicht not weiter zusagen.

 

Hie las uns nu lernen und zu hertzen fassen, wie gros an diesem gepot gelegen ist, das wir uns mit allem vleis huten und scheuen fur allerley misbrauch des heiligen namens als fur der hohisten sunde, so eusserlich geschehen kan. Denn liegen und triegen ist an yhm selbs grosse sund, wird aber viel [Luegen mit gottes namen rechtfertigen.] schwerer, wenn man sie noch rechtfertigen wil und sie zubestetigen Gottes namen anzeucht und zum schanddeckel machet, Also das aus einer luegen ein zweyveltige, ia vielfeltige luegen wird.

 

[Dreuwort uber den misbrauch Goettlichs namens.] Daruemb hat Gott diesem gepot auch ein ernstlich dreuwort angehenget, das heisset also: ‘Denn der HERR wird den nicht unschueldig halten, der seinen namen vergeblich fueret’, Das ist, es sol keinem geschenckt werden noch ungestrafft abgehen. Denn so wenig er wil ungerochen lassen, das man das hertz von yhm wende, so wenig wil er leiden, das man seinen namen fuere, die luegen zu beschonen. Nu ist es leider ein gemeine plage ynn aller welt, das ia so wenig sind, die nicht Gottes namen zur luegen und aller bosheit brauchen, so wenig als yhr sind, die alleine von hertzen auff Gott vertrawen.

 

Denn diese schone tugend haben wir von natur alle an uns, das wer [Sund und schande mit gottes namen decken.] eine schalckeit than hat, gerne wolt seine schande decken und schmucken, das niemand sehe noch wuste, Und ist keiner so verwegen, der sich begangener bosheit fur yderman rhueme, wollens alle meuchling gethan haben, ehe mans gewar wird. Greiffet man denn einen an, so mus Gott mit seinem namen herhalten und die buberey from, die schande zu ehren machen. Das ist der gemeine weltlaufft wie ein grosse sindflut eingerissen ynn allen landen. Darumb haben wir auch zu lohn was wir suchen und verdienen, pestilentz, [s. 141] krieg, tewrung, fewr, wasser, ungeraten weib, kinder, gesind und allerley unrat. Wo solt sonst des iamers soviel herkomen? Es ist noch grosse gnade, das uns die erde tregt und nehret.

 

Daruemb solt man fur allen dingen das iunge volck ernstlich dazu halten und gewehnen, das sie dieses und andere gepot hoch fur augen hetten, und wo sie ubertretten, flugs mit der ruten hinder yhn her sein und das gepot furhalten und ymer ein blewen, auff das sie also auffgezogen wuerden, nicht alleine mit straffe, sondern zur schew und furcht fur Gott.

 

So verstehestu nu, was Gottes namen misbrauchen heisse, nemlich (auffs kuertzt zuwidderholen) entweder blos zur luegen und etwas unter dem namen ausgeben das nicht ist, odder zufluchen, schweren, zeubern und Summa, wie [Rechter brauch Goettlichs namens.] man mag, bosheit auszurichten. Daneben mustu auch wissen, wie man des namens recht brauche. Denn neben dem wort, als er sagt ‘Du solt Gottes namen nicht vergeblich brauchen’, gibt er gleichwol zuverstehen, das man sein wol brauchen solle, denn er ist uns eben daruemb offenbaret und gegeben, das er ym brauch und nutz sol stehen. Daruemb schleust sich nu selbs, weil hie verpoten ist den heiligen namen zur luegen odder untugent zufuren, das widderuemb gepoten ist yhn zur warheit und allem guten zubrauchen. Als nemlich, so man recht schweret, wo es not ist und gefoddert wird, Also auch wenn man recht leret, Jtem wenn man den namen anruffet ynn noeten, lobt und danckt ym guten &c.. Welchs alles zuhauff gefasset und gepoten ist ynn dem [Ps. 50, 15] spruch Psalm. 50: Ruffe mich an zur zeit der not, so wil ich dich erretten, so soltu mich preisen. Denn das heisset alles yhn zur warheit angezogen und seliglich gebraucht und wird also sein name geheiligt, wie das vater unser betet.

 

Also hastu die Summa des gantzen gepots verkleret. Und aus diesem verstand hat man die frage leichtlich auffgeloeset, damit sich viel lerer bekuemert haben, waruemb ym Euangelio verpoten ist zu schweren, so doch Christus, S. Paulus und andere heiligen offt geschworen haben. Und ist kuertzlich diese [Wo man schweren odder nicht schweren sol.] meinung: Schweren sol man nicht zum boesen, das ist zur luegen und wo es nicht not noch nuetz ist, aber zum guten und des nehisten besserung sol man schweren. Denn es ist ein recht gut werck, dadurch Gott gepreiset, die warheit und recht bestetigt, die luegen zurueck geschlagen, die leute zu fride bracht, gehorsam geleistet und hadder vertragen wird. Denn Gott kompt selbs da yns mittel und scheidet recht und unrecht, boese und gut von einander. Schweret ein teyl falsch, so hat es sein urteyl, das der straffe nicht wird entlauffen, und ob es ein weile lang anstehet, sol yhn doch nichts gelingen, das alles, so sie damit gewinnen, sich unter den henden verschleisse und nymer froelich genossen werde. Wie ich an vielen erfaren habe, die yhr eeliche geluebd verschworen [s. 142] haben, das sie darnach keine gute stunde odder gesunden tag gehabt haben und also beide an leib, seele und gut dazu iemerlich verdorben sind.

 

Derhalben sage und vermane ich wie vor, das man die kinder bey zeit an gewehne mit warnen und schrecken, weren und straffen, das sie sich schewen fur liegen und sonderlich Gottes namen dazu zufueren. Denn wo man sie so [Die iugent gewenen Gottes namen recht zu brauchen.] lesset hingehen, wird nichts guts draus, wie ytzt fur augen, das die welt boser ist denn sie yhe gewesen, und kein regiment, gehorsam, trewe noch glaube sondern eitel verwegene, unbendige leute, an den kein leeren noch straffen hilfft, welchs alles Gottes zorn und straffe ist uber solch mutwillige verachtung dieses gepots. Zum andern sol man sie auch wideruemb treiben und reitzen Gottes namen zu ehren und stetig ym mund zu haben ynn allem was yhn begegnen und unter augen stossen mag. Denn das ist die rechte ehre des namens, das man sich alles trosts zu yhm versehe und yhn daruemb anruffe, Also das das hertz (wie droben gehoeret) zuvor durch den glauben Gotte seine ehre gebe, darnach der mund durch das bekentnis.

 

Solchs ist auch ein selige, nutzliche gewonheit und seer krefftig wider [Nutz und frucht des anruffens Gottes namens.] den Teuffel der ymerdar umb uns ist und darauff lauret, wie er uns moechte zu sund und schande, iamer und not bringen, Aber gar ungerne hoeret und nicht lang bleiben kan, wo man Gottes namen von hertzen nennet und anrueffet, Und solt uns mancher schrecklicher und greuelicher fall begegnen, wo uns Gott nicht durch anruffen seines namens erhielte. Jch habe es selbs versucht und wol erfaren, das offt plotzlicher grosser unfal gleich ynn solchem ruffen sich gewendet hat und abgangen ist. Dem Teuffel zu leid (sage ich) solten wir den heiligen namen ymerdar ym mund fueren, das er nicht schaden kunde wie er gerne wolt.

 

Dazu dienet auch, das man sich gewehne teglich Gotte zu befelhen mit seel und leib, weib, kind, gesind und was wir haben, fur alle zufeltige not. Daher auch das Benedicite, Gratias und andere segen abends und morgens [Kinder ubung sich zu segenen und Gott befehlen.] komen und blieben sind, Jtem die kinder ubung, das man sich segene, wenn man etwas ungeheurs und schrecklichs sihet oder hoeret und spreche: HERR Gott behuete, Hilff lieber Herr Christe, odder der gleichen. Also auch widderuemb, wenn ymand etwas guts ungedacht widderferet, wie gering es auch ist, das man spreche: Gott sey gelobt und gedanckt, das hat mir Gott bescheret &c., Wie man vormals die kinder gewehnet hat Sanct Niclaus und andern heiligen zu fasten und beten. Solchs were Gott angeneme und gefelliger denn kein Closterleben noch Cartheuser heiligkeit.

 

Sihe also moecht man die iugent kindlicher weise und spielens auffziehen ynn Gottes furcht und ehre, das das erste und ander gepot fein ym schwang [s. 143] und stedter ubunge giengen. Da kuende etwas guts bekleiben, auffgehen und frucht schaffen, das solche leute erwuchsen, der ein gantz land geniessen und fro werden moechte. Das were auch die rechte weise kinder wol zuziehen, weil man sie mit gutem und lust kan gewehnen. Denn was man alleine mit rutten und schlegen sol zwingen, da wird keine gute art aus, und wenn mans weit bringet, so bleiben sie doch nicht lenger from denn die rutte auff dem nacken ligt. Aber hie wurtzelt es yns hertz, das man sich mehr fur Gott denn fur der rutten und knuettel fuerchtet. Das sage ich so einfeltig fur die iugent, das es doch einmal eingehe. Denn weil wir kindern predigen, muessen wir auch mit yhn lallen. Also haben wir den misbrauch Gotlichs namens verhuetet und den rechten brauch geleret (welcher nicht allein ynn worten sondern auch ynn der ubung und leben stehen sol), das man wisse, das solchs Gotte hertzlich wolgefalle und wolle es so reichlich belonen, so greulich als er ihenen misbrauch straffen wil.

 

 

 

Das dritte Gepot.

[s. 143]

 

DU solt den Feyertag heiligen.

 

Feyertag haben wir genennet nach dem Ebreischen woertlin Sabbath, welches eigentlich heisset feyren, das ist muessig stehen von der erbeit. Daher wir pflegen zusagen ‘feyerabend machen’ odder ‘heiligen abend geben’. Nu hat Gott ym alten Testament den siebenden tag ausgesondert und auffgesetzt zufeyern [Judische feyr.] und gepoten den selbigen fur allen andern heilig zuhalten. Und dieser eusserlichen feyer nach ist dis gepot alleine den Jueden gestellet, das sie solten von groben wercken still stehen und rugen, auff das sich beide mensch und viech widder erholeten und nicht von stedter erbeit geschwecht wuerden. Wiewol sie es hernach all zu enge spanneten und groeblich misbrauchten, das sie auch an Christo lesterten und nicht leiden kundten solche werck, die sie doch selbs daran theten, wie man ym Euangelio liesset. Gerade als solt das gepot damit erfullet sein, das man gar kein eusserlich werck thete, welchs [s. 144] doch nicht die meinung war, sondern endlich die, das sie den feyer odder ruge tag heiligten, wie wir hoeren werden.

 

Daruemb gehet nu dis gepot nach dem groben verstand uns Christen nichts an. Denn es ein gantz eusserlich ding ist, wie andere satzunge des alten Testaments an sonderliche weise, person, zeit und stedte gebunden, welche nu [Christen feyer.] durch Christum alle frey gelassen sind. Aber ein Christlichen verstand zufassen fur die einfeltigen, was Gott ynn diesem gepot von uns foddert, so mercke, das wir Feyertage halten nicht umb der verstendigen und gelerten Christen willen, denn diese durffens nyrgent zu, Sondern erstlich auch umb leiblicher ursach und notdurfft willen, welche die natur leret und foddert fur den gemeinen hauffen, knecht nnd megde, so die gantze wochen yhrer erbeit und gewerbe gewartet, das sie sich auch einen tag ein ziehen zu rugen und erquicken. Darnach allermeist daruemb, das man an solchem ruge tage (weil man sonst nicht dazu komen kan) rawm und zeit neme Gottes diensts zuwarten, Also das man zuhauffe kome Gottes wort zu hoeren und handeln, darnach Gott loben, singen und beten.

 

[Feyertag frey bey den Christen.] Solchs aber (sage ich) ist nicht also an zeit gebunden, wie bey den Jueden, das es muesse eben dieser oder yhener tag sein (Denn es ist keiner an yhm selbs besser denn der ander), Sondern solt wol teglich geschehen, aber weil es der hauffe nicht warten kan, mus man ye zum wenigsten einen tag ynn der woche dazu ausschiessen. Weil aber von alters her der Sontag dazu gestellet ist, sol mans auch dabey bleiben lassen, auff das es ynn eintrechtiger ordnung gehe und nyemand durch unnotige newerung ein unordnung mache. Also ist das die einfeltige meinung dieses gepots, weil man sonst feyrtag helt, das man solche feyr anlege Gottes wort zu lernen, Also das dieses tages eigentlich ampt sey das predigampt umb des iungen volcks und armen hauffens willen, doch das feyren nicht so enge gespannet, das daruemb andere zufellige erbeit, so man nicht umbgehen kan, verpoten were.

 

[Feyertag heiligen.] Derhalben wenn man fragt was da gesagt sey ‘Du solt den feyertag heiligen’, So antworte: Den feyertag heiligen heist soviel als heilig halten. Was ist denn heilig halten? nichts anders denn heilige wort, werck und leben fueren. Denn der tag darff fur sich selbs keins heiligens nicht, denn er ist an yhm selbs heilig geschaffen, Gott wil aber haben, das er dir heilig sey. Also wird er deinethalben heilig und unheilig, so du heilig odder unheilig ding daran treibest. Wie gehet nu solchs heiligen zu? Nicht also, das man [s. 145] hinder dem offen sitze und kein grobe erbeit thue odder ein krantz auffsetze und sein beste kleider anziehe, sondern (wie gesagt) das man Gottes wort handle und sich daryn ube.

 

[Feyren umb Gottes worts willen.] Und zwar wir Christen sollen ymerdar solchen feyertag halten, eitel heilig ding treiben, das ist teglich mit Gottes wort umbgehen, ym hertzen und mund umbtragen. Aber weil wir (wie gesagt) nicht alle zeit und musse haben, muessen wir die wochen etliche stunde fur die iugent odder zum wenigsten einen tag fur den gantzen hauffen dazu brauchen, das man sich alleine damit bekuemere und eben die zehen gepot, den glauben und Vater unser treibe, und also unser gantzes leben und wesen nach Gottes wort richte. Welche zeit nu das ym schwang und ubung gehet, da wird ein rechter feyertag gehalten, wo nicht, so sol es kein Christen feyertag heissen. Denn feyern und muessig gehen konnen die unchristen auch wol, wie auch das gantze geschwurm unser geistlichen teglich ynn der kirchen stehen, singen und klingen, heiligen aber keinen feyertag nicht, Denn sie kein Gottes wort predigen noch uben sondern eben dawidder leren und leben.

 

[Gottes wort unser heiligthumb.] Denn das wort Gottes ist das heiligtumb uber alle heiligtumb, ia das einige, das wir Christen wissen und haben. Denn ob wir gleich aller heiligen gebeine odder heilige und geweyhete kleider auff einem hauffen hetten, so were uns doch nichts damit geholffen, Denn es ist alles tod ding, das niemand heiligen kan. Aber Gottes wort ist der schatz, der alle ding heilig machet, dadurch sie selbs die heiligen alle sind geheiligt worden. Welche stund man nu Gottes wort handlet, predigt, hoeret, liesset odder bedencket, so wird dadurch person, tag und werck geheiligt, nicht des eusserlichen wercks halben, sondern des worts halben, so uns alle zu heiligen machet. [Gottes wort machet alle ding heilig.] Derhalben sage ich allezeit, das alle unser leben und werck ynn dem wort Gottes gehen muessen, sollen sie Gott gefellig odder heilig heissen; wo das geschicht, so gehet dis gepot ynn seiner krafft und erfuellung. Wideruemb was fur wesen und werck ausser Gottes wort gehet, das ist fur Got unheilig, es scheine und gleisse wie es wolle, wenn mans mit eitel heiligtumb behienge, Als da sind die erdichte geistliche stende, die Gottes wort nicht wissen und ynn yhren wercken heiligkeit suchen.

 

Daruemb mercke, das die krafft und macht dieses gepots stehet nicht ym feyren [Heilige ubung.] sondern ym heiligen, Also das dieser tag ein sonderliche heilige ubung habe. Denn andere erbeit und gescheffte heissen eigentlich nicht heilige ubunge, es sey denn der mensch zuvor heilig. Hie aber mus ein solch werck geschehen, dadurch ein mensch selbs heilig werde, welchs alleine (wie gehoert) durch Gottes wort geschicht, dazu denn gestifftet und geordnet sind stedte, zeit, personen und der gantze eusserliche Gotts dienst, das solchs auch offentlich ym schwang gehe.

 

[s. 146] Weil nu soviel an Gottes wort gelegen ist, das on dasselbige kein feyertag geheiligt wird, sollen wir wissen, das Gott dis gepot strenge wil gehalten haben und straffen alle die sein wort verachten, nicht hoeren noch lernen woellen sonderlich die zeit so dazu geordnet ist. Daruemb sundigen [Feyertag entheiligen.] widder dis gepot nicht alleine die den feyertag groeblich misbrauchen und verunheiligen, als die umb yhres geitz odder leichtfertickeit willen Gottes wort nachlassen zuhoeren odder ynn Tabernen ligen, toll und vol sind wie die sew, sondern auch der ander hauffe, so Gottes wort hoeren als ein andern tand und nur aus gewonheit zu predigt und widder eraus gehen, und wenn das iar umb ist, konnen sie hewer soviel als fert. Denn bisher hat man gemeynet, es were wol gefeyert, wenn man des Sontags eine Messe odder das Euangelium hette hoeren lesen, aber nach Gottes wort hat niemand gefragt, wie es auch niemand geleret hat. Ytzt weil wir Gottes wort haben, thuen wir gleichwol den misbrauch nicht abe, lassen uns ymer predigen und vermanen, horens aber on ernst und sorge. Daruemb wisse, das nicht alleine [Gepoten Gottes wort zu hoeren und lernen.] umb hoeren zuthuen ist, sondern auch sol gelernet und behalten werden, und dencke nicht, das es ynn deiner wilkoere stehe odder nicht grosse macht dran lige, sondern das Gottes gepot ist, der es foddern wird, wie du sein wort gehoert, gelernet und geehret habst.

 

[Ekele geister.] Desgleichen sind auch zu straffen die ekelen geister, welche wenn sie ein predigt odder zwo gehoert haben, sind sie es satt und uberdrus, als die es nu selbs wol koennen und keines meisters mehr duerffen. Denn das ist eben die [Tragheit.] sunde, so man bisher unter die todsunde gezelet hat, und heisset Akidia, das ist tragheit odder uberdrus, ein feindselige, schedliche plage, damit der Teuffel vieler hertzen bezeubert und betreugt, auff das er uns ubereile und das wort Gottes widder heimlich entziehe.

 

Denn das lasse dir gesagt sein: ob du es gleich auffs beste kuendest und aller dinge meister werest, so bistu doch teglich unter des Teuffels reich, der wider tag noch nacht ruget dich zu beschleichen, das er ynn deinem hertzen unglauben und boese gedancken widder die vorigen und alle gepot anzunde. Daruemb mustu ymerdar Gottes wort ym hertzen, mund und fur den oren haben. Wo aber das hertz muessig stehet und das wort nicht klinget, so bricht er ein und hat den schaden gethan, ehe mans gewar wird. Widderuemb hat [Krafft Gottes worts.] es die krafft, wo mans mit ernst betrachtet, hoeret und handlet, das es nimer on frucht abgehet, sondern allezeit newen verstand, lust und andacht erwecket, rein hertz und gedancken machet. Denn es sind nicht faule noch todte, sondern schefftige, lebendige wort. Und ob uns gleich kein ander nutz und not triebe, [s. 147] so solt doch das yderman da zu reitzen, das dadurch der Teuffel gescheucht und veriagt, dazu dis gepot erfuellet wird, und Gott gefelliger ist denn alle andere gleissende heuchel wercke.

 

 

 

Das Vierde Gepot.

 

Bis her haben wir die ersten drey gepot gelernet, die da gegen Gott gerichtet sind: Zum ersten, das man yhm von gantzem hertzen vertrawe, furchte und liebe ynn alle unserm leben. Zum andern, das man seines heiligen namens nicht misbrauche zur luegen noch einigem boesen stuecke, sondern zu Gottes lob, nutz und selickeit des nehisten und seiner selbs. Zum dritten, das man an der feyer und ruge Gottes wort mit vleis handle und treibe, auff das alle unser thuen und leben darnach gehe. Folgen nu die andern siebene gegen unserm nehisten gestellet, unter welchen das erste und hohiste ist:

 

DU solt dein vater und mutter ehren.

Diesem vater und mutterstand hat Got sonderlich den preis gegeben fur allen stenden, die unter yhm sind, das er nicht schlechts gepeut die eltern lieb zuhaben sondern zu ehren. Denn gegen brueder, schwester und dem nehisten ynn gemein befihlt er nicht hohers denn sie zulieben, Also das er vater und mutter scheidet und auszeucht fur alle andere person auff erden [Ehren hoeher denn lieben.] und neben sich setzet. Denn es ist viel ein hoeher ding Ehren denn Lieben, als das nicht alleine die liebe begreifft sondern auch eine zucht, demut und schewe als gegen einer maiestet alda verporgen, Auch nicht alleine foddert, das man sie freundlich und mit ehrbietung anspreche, sondern allermeist, das man sich beide von hertzen und mit dem leib also stelle und erzeige, das man viel von yhn halte und nach Gott fur die oebersten ansehe (Denn welchen man von hertzen ehren sol, den mus man warlich fur hoch und gros achten), Also das man [Eltern an Gottes stad.] dem iungen volck einbilde yhre eltern an Gottes stad fur augen zuhalten und also dencken, ob sie gleich gering, arm, gebrechlich und seltzam seyen, das sie dennoch vater und mutter sind von Gott gegeben. Des wandels [s. 148] odder feyls halben sind sie der ehren nicht beraubt, Daruemb ist nicht anzusehen die person wie sie sind, sondern Gottes willen der es also schaffet und ordnet. Sonst sind wir zwar fur Gottes augen alle gleich, aber unter uns kan es on solche ungleicheit und ordenliche unterscheid nicht sein. Daruemb sie auch von Gott gepoten ist zuhalten, das du mir als deinem vater gehorsam seyest und ich die oeberhand habe.

 

[Wieviel die Ehre begreiffe.] So lerne nu zum ersten, was die Ehre gegen den eltern heisse ynn diesem gepot gefoddert, nemlich das man sie fur allen dingen herrlich und werd halte als den hoehisten schatz auff erden, Darnach auch mit worten sich zuechtig gegen sie stelle, nicht ubel anfare, poche noch poltere, sondern lasse recht haben und schweige, ob sie gleich zuviel thuen, Zum dritten auch mit wercken, das ist mit leib und gut solche ehre beweise, das man yhn diene, helffe und versorge, wenn sie alt, kranck, gebrechlich odder arm sind, und solchs alles nicht allein gerne sondern mit demut und ehrbietung als fur Gott gethan. Denn wer das weis, wie er sie ym hertzen halten sol, wird sie nicht lassen not noch hunger leiden, sondern uber und neben sich setzen und mitteylen, was er hat und vermag.

 

[Grosse und beste gute wercke yn diesem gepot furgelegt.] Zum andern Sihe und mercke, wie gros gut und heilig werck alhie den kindern furgelegt ist, welchs man leider gar verachtet und ynn wind schlegt, und niemand war nimpt, das es Gott gepoten habe, odder das es ein heilig Goettlich wort und lere sey. Denn wenn mans dafur gehalten hette, hette ein yglicher daraus kunden nemen, das auch heilige leute muesten sein, die nach diesen worten lebten. So hette man kein Closterleben noch geistliche stende duerffen auffwerffen, were ein iglich kind bey diesem gepot blieben und hette sein gewissen kunden richten gegen Gott und sprechen: Sol ich gutte und heilige werck thuen, so weis ich yhe kein bessers denn meinen eltern alle ehre und gehorsam zu leisten, weil es Gott selbs geheissen hat. Denn was Gott gepeut, mus viel und weit edler sein denn alles was wir selbs muegen erdencken. Und weil kein hoeher noch besser meister zufinden ist denn Gott, wird freylich auch kein bessere lere sein denn er von sich gibt. Nu leret er yhe reichlich, was man thuen sol, wenn man rechtschaffene gute werck wil uben, und ynn dem das ers gepeut, zeuget er, das sie yhm wolgefallen. Jst es denn Gott, der solchs gepeut und kein bessers weis zustellen, so werde ichs yhe nicht besser machen.

 

Sihe, also hette man ein fromes kind recht geleret, seliglich erzogen und daheim behalten ynn gehorsam und dienst der eltern, das man guts und freude dran gesehen hette. Aber also hat man Gottes gepot nicht muessen auffmutzen sondern ligen lassen odder uberhin rausschen, das ein kind nicht [s. 149] bedencken kuende und die weil das maul auff sperren nach dem, das wir auffgeworffen haben und Gott keinmal druemb begruesset.3

 

Daruemb last uns einmal lernen umb Gottes willen, das das iunge [Vermanung zum gehorsam.] volck, alle ander ding aus den augen gesetzt, erstlich auff dis gepot sehen, wenn sie Gott mit rechten guten wercken dienen wollen, das sie thuen was vater und mutter oder den sie an yhr stad unterthan sind, lieb ist. Denn welchs kind das weis und thuet, hat zum ersten den grossen trost ym hertzen, das es froelich sagen und rhuemen kan (zu trotz und widder allen die mit eigen erweleten wercken umbgehen): Sihe das werck gefellet meinem Gott ym hymel wol, das weis ich fuer war. Lasse sie mit yhren vielen grossen, sawren, schweren wercken alle auff einen hauffen her tretten und rhuemen, las sehen, ob sie yrgent eines erfurbringen kuenden, das groesser und edler sey denn vater und mutter gehorsam, so Gott nehisten seiner Maiestet gehorsam gesetzt und befolhen hat, Das wenn Gottes wort und willen gehet und ausgericht wird, sol keines mehr gelten denn der eltern willen und wort, Also das er dennoch auch unter Gottes gehorsam bleibe und nicht widder die vorigen gepot gehe.

 

Derhalben soltu von hertzen fro sein und Gotte dancken, das er dich dazu erwelet und wirdig gemacht hat, yhm solch kostlich, angeneme werck zuthuen, [Wercke des gehorsams gros achten.] Und halte es nur fur gros und tewer (ob es gleich das aller geringste und verachtiste angesehen wird) nicht unser wirdikeit halben, sondern das es ynn dem kleinot und heiligthumb, nemlich Gottes wort und gepot, gefasset ist und gehet. O wie tewer soltens alle Cartheuser, Monche und Nonnen keuffen, das sie ynn alle yhrem geistlichen wesen ein einig werck fur Gott moechten bringen aus seinem gepot gethan, und mit froelichem hertzen fur seinem augen sprechen: Nu weis ich, das dir dis werck wolgefellet. Wo wollen sie, die arme elende leute, bleiben, wenn sie fur Gott und aller welt schamrot mit allen schanden stehen werden fur einem iungen kind, so ynn diesem gepot gelebt hat, und bekennen, das sie mit alle yhrem leben nicht werd sind gewesen yhm das wasser zureichen? Geschicht yhn auch recht umb der Teuffelischen verkerung willen, weil sie Gottes gepot mit fuessen tretten, das sie sich vergeblich mit selbs erdachten wercken martern muessen, dazu spot und schaden zu lohn haben.

 

Solt nu nicht ein hertz springen und von freuden zufliessen, wenn es zur erbeit gieng und thete was yhm befolhen were, das es kuende sagen: Sihe das ist besser denn aller Catheuser heilickeit, ob sie sich gleich zu tod fasten und on unterlas auff den knyen beten? Denn hie hastu ein gewissen Text und Gottlich zeugnis, das er dis geheissen hat, aber von yhemen kein wort befohlen. Aber das ist der iamer und ein leidige blindheit der welt, [s. 150] das solchs niemand gleubt, so hat uns der Teuffel bezeubert mit falscher heilickeit und schein eigener werck. Derhalben wolt ich yhe gerne (sage ich abermal), das man augen und oren auffthete und solchs zuhertzen neme, auff das wir nicht der mal eins widder von dem reinen Gottes wort auff des [Frucht und nutz dieser guten wercke.] Teuffels luegentand verleitet wuerden. So wuerde es auch wol stehen, das die eltern deste mehr freud, liebe, freundschafft und eintracht ynn heussern hetten, so kuendten die kinder den eltern alle yhr hertz nemen. Wideruemb wo sie storrig sind und nicht ehe thuen was sie sollen, man lege yhn denn ein knuettel auff den ruecken, so erzuernen sie beide Gott und eltern, damit sie yhn selbs solchen schatz und freude des gewissens entziehen und eitel unglueck samlen. Daruemb gehets auch itzt yn der welt also, wie yderman klagt, das beide iung und alt gar wild und unbendig ist, kein schew noch ehre hat, nichts thuen denn mit schlegen getrieben, und hinder eins andern rucken ausrichten und abziehen was sie kuenden. Daruemb auch Gott straffet, das sie ynn allen unrad und iamer komen, so konnen die eltern gemeiniglich selbs nichts, zeucht ein thor den andern, wie sie gelebt haben, so leben die kinder hinach.

 

Das sol nu (sage ich) das erste und grosseste sein, das uns zu diesem gepot sol treiben, umb welchs willen, wenn wir kein vater und mutter hetten, solten wir wunschen, das uns Gott holtz und stein furstellet, die wir vater und mutter moechten heissen. Wieviel mehr, weil er uns lebendige eltern geben hat, sollen wir fro werden, das wir yhn muegen ehre und gehorsam erzeigen? Weil wir wissen, das der hohen maiestet und allen Engeln so wol gefellet und alle Teuffel verdreusset, dazu das hohest werck ist, so man thuen kan nach dem hohen Gottes dienst ynn den vorigen gepoten gefasset, also das almosen geben und alle andere werck gegen dem nehisten diesem noch nicht gleich sind. Denn Gott hat diesen stand oben angesetzt, ia an seine stad auff erden gestellet. Solcher willen Gottes und gefallen sol uns ursach und reitzung gnug sein, das wir mit willen und lust theten was wir kuenden.

 

Dazu sind wirs ia auch schuldig fur der welt, das wir der wolthat und allem gutem, so wir von den eltern haben, danckbar seyen. Aber da regirt abermal der Teuffel ynn der welt, das die kinder der eltern vergessen, wie wir alle Gottes vergessen, und niemand dencket, wie uns Gott also nehret, hutet und schuetzet und soviel guts gibt an leib und seele, sonderlich wenn einmal ein boese stunde koempt, da zuernen und murren wir mit ungedult und [s. 151] [Undanck gegen Gott und eltern.] ist alles dahin, was wir unser lebenlang guts empfangen haben. Eben also thuen wir den eltern auch und ist kein kind, das solchs erkenne und bedencke, der heilige geist gebe es denn. Solche unart der welt kennet Gott wol, darumb erynnert und treibt er sie mit gepoten, das ein iglicher dencke, was yhm die eltern gethan haben, so findet er, das er leib und leben von yhn habe, dazu auch erneret und auffgezogen sey, da er sonst hundertmal ynn seinem unflat erstickt were. Daruemb ist recht und wol gesagt von alten weisen leuten: Deo, parentibus et magistris non potest satis gratiae rependi, Das ist: Gotte, den eltern und schulmeistern kan man nimmer gnugsam dancken noch vergelten. Wer das ansihet und nachdencket, der wird wol ungetriben seinen eltern alle ehre thuen und sie auff den henden tragen, als durch die yhm Gott alles guts gethan hat.

 

[Verheissunge bey diesem gepot.] Uber das alles sol das auch ein grosse ursach sein uns deste mehr zu reitzen, das Gott an dieses gepot ein liebliche verheissung hefftet und spricht: ‘Auff das du langes leben habst ym lande, da du wonest’. Da sihe selbs, wie grosser ernst Gotte sey uber diesem gepot, weil er nicht alleine ausdruecket, das yhm angeneme sey, freude und lust daryn habe, sondern solle auch uns wol geraten und zum besten gedeyen, das wir ein sanfftes, susses leben muegen [Ephes. 6, 2] haben mit allem guten. Daruemb auch Sanct Paulus Ephe. 6. solchs hoch anzeucht und rhuemet, als er spricht: ‘Das ist das erste gepot, das eine verheissung hat, auff das dirs wolgehe und lange lebest auff erden’. Denn wiewol die andern auch yhre verheissung eingeschlossen haben, ists doch zu keinem so deutlich und ausgedruckt gesetzt.

 

Da hastu nu die frucht und das lohn, das wer es helt, sol gute tage, glueck und wolfart haben, widderuemb auch die straffe, das wer ungehorsam [Langes leben.] ist, deste ehe umbkomen und des lebens nicht fro werden sol. Denn langes leben haben heisset die schrifft nicht alleine wol betaget werden, sondern alles haben, so zu langem leben gehoeret, als nemlich gesundheit, weib und kind, narung, friede, gut regiment &c., on welche dis leben nicht froelich genossen werden noch die lenge bestehen kan. Wiltu nu nicht vater und mutter gehorchen [Hengcker und uber die ungehorsamen.] und dich lassen ziehen, so gehorche dem henger, gehorchestu dem nicht, so gehorche dem Streckebein, das ist der tod. Denn das wil Gott kurtzumb haben: entweder so du yhm gehorchest, liebe und dienst thuest, das er dirs uberschwenglich vergelte mit allen guten, odder wo du yhn erzurnist, das er uber dich schicke beyde tod und henger. Wo komen soviel schelcke her, die man teglich hengen, kopffen und radbrechen mus, denn aus dem ungehorsam, weil sie sich nicht mit gut ziehen lassen, das sie es durch Gottes straff so ausrichten, [s. 152] das man unglueck und hertzleid an yhn sihet? Denn gar selten geschicht, das solche verruchte leute eines rechten odder zeitigen tods sterben.

 

Die fromen aber und gehorsamen haben den segen, das sie lange ynn guter ruge leben und yhr kinds kind sehen (wie oben gesagt) yns dritte und vierde gelied, Wie man auch erferet, das wo feine alte geschlechte sind, die da wol stehen und viel kinder haben, freylich daher komen, das yhr etliche wol gezogen und yhre eltern fur augen haben gehabt. Widderuemb stehet geschrieben [Ps. 109, 13] von den Gottlosen Psal. 109. ‘Seine nachkomen muessen ausgerottet werden und yhr name musse ynn einem gelied untergehen.’ Derhalben lasse dirs gesagt sein, wie gros ding es ist bey Gott umb den gehorsam, weil er yhn so hoch setzet, yhm selbs so wol gefallen lesset und reichlich belonet, dazu so strenge darueber helt zustraffen die dawidder thuen. Das rede ich alles, das mans dem iungen volck wol einblewe, denn niemand gleubt, wie dis gepot so noetig ist, doch bisher unter dem Bapstumb nicht geachtet noch geleret. Es sind schlechte und leichte wort, meynet yderman, er kuende es vorhin wol, daruemb feret man uber hin und gaffet nach anderm ding, sihet und gleubt nicht, das man Gott so hoch erzuernet, wenn man dis lesset anstehen, noch so koestlich angeneme werck thuet, so man dabey bleibt.

 

[Alle oeberkeit von den Eltern.] Ynn dieses gepot gehoeret auch weiter zusagen von allerley gehorsam gegen oberpersonen, die zugepieten und zuregiren haben. Denn aus der eltern oberkeit fleusset und breitet sich aus alle andere. Denn wo ein vater nicht allein vermag sein kind auffziehen, nimpt er ein schulmeister dazu, der es lere, ist er zuschwach, so nimpt er seine freund odder nachbar zuhuelff, gehet er abe, so befihlt er und ubergibt das regiment und oeberhand andern die man dazu ordnet. Jtem so mus er auch gesind, knecht und megde zum hausregiment unter yhm haben. Also das alle die man herrn heisset an der eltern stad sind und von yhn krafft und macht zuregiren nemen muessen. [Veter heissen alle die regieren] . Daher sie auch nach der schrifft alle Veter heissen, als die ynn yhrem regiment das vater ampt treiben und veterlich hertz gegen den yhren tragen sollen. Wie auch von alters her die Roemer und andere sprachen herrn und frawen ym haus Patres et matres familias, das ist haus veter und haus mutter, genennet haben. Also auch yhre landsfursten und oberherrn haben sie Patres patriae, das ist veter des gantzen lands geheissen, uns die wir Christen sein woellen, zu grossen schanden, das wir sie nicht auch also heissen oder zum wenigsten dafur halten und ehren.

 

Was nu ein kind vater und mutter schuldig ist, sind auch schuldig alle [Ehre und gehorsam gegen herrn und frawen. ] die yns haus regiment gefasset sind. Daruemb sollen knecht und megde zusehen, [s. 153] das sie yhren herrn und frawen nicht allein gehorsam sein sondern auch ynn ehren halten als yhr eigene veter und muetter und thuen alles, was sie wissen, das man von yhn haben wil, nicht aus zwang und widerwillen, sondern mit lust und freuden, Eben umb voriger ursach willen, das es Gottes gepot ist und yhm fur allen andern wercken wolgefellet, umb welchs willen sie noch lohn solten zugeben und fro werden, das sie herrn und frawen moechten uberkomen, solch froelich gewissen haben und wissen, wie sie rechte gueldene werck thuen solten, welche bisher verblichen und verachtet und dafur yderman yns Teuffels namen ynn Cloester zu walfarten und ablas gelauffen ist mit schaden und boesem gewissen.

 

Wenn man nu solchs kuend dem armen volck einbilden, so wuerd ein meydlin ynn eitel sprungen gehen, Gott loben und dancken und mit seuberlicher erbeit, dafur sie sonst narung und lohn nimpt, solchen schatz kriegen, [Rhum und nutz des gehorsams.] den alle, die man fur die heiligsten achtet, nicht haben. Jsts nicht ein trefflicher rhum, das zuwissen und sagen: wenn du dein tegliche hauserbeit thuest, das besser ist denn aller Monche heilickeit und strenges leben? Und hast dazu die zusagung, das dir zu allem gutten gedeyen sol und wolgehen. Wie wiltu seliger sein odder heiliger leben, soviel die werck betrifft? Denn fur Got eigentlich der glaube heilig machet und alleine yhm dienet, die wercke aber den leuten. Da hastu alle gut, schutz und schirm unter dem herrn, ein froelich gewissen und gnedigen Gott dazu, der dirs hundertfeltig vergelten wil, und bist gar ein iuncker, wenn du nur from und gehorsam bist. Wo aber nicht, hastu erstlich eitel zorn und ungnade von Gott, kein friede yhm hertzen, darnach alle plage und unglueck. Welchen nu solchs nicht bewegen wil und from machen, den befehlen wir dem hengker und Streckebein. Daruemb dencke ein iglicher der yhm wil sagen lassen, das Gott kein schertz ist, und wisse, das Gott mit dir redet und gehorsam foddert: gehorchestu yhm, so bistu das liebe kind, verachtestu es aber, so habe auch schande, iamer und hertzleid zu lohn.

 

[Gehorsam Weltlicher oeberkeit.] Desgleichen ist auch zureden von gehorsam weltlicher oberkeit, welche (wie gesagt) alle ynn den vater stand gehoeret und am aller weitersten umb sich greiffet. Denn hie ist nicht ein einzeler vater sondern soviel mal vater, soviel er landsessen, buerger odder unterthane hat. Denn Gott gibt und erhelt uns durch sie (als durch unsere eltern) narung, haus und hoff, schutz und sicherheit. Daruemb weil sie solchen namen und titel als yhren hohisten preis mit allen ehren fueren, sind wir auch schuldig, das wir sie ehren und gros achten fur den tewersten schatz und koestlichste kleinot auff erden.

[s. 154]

 

[Gnade und segen der gehorsamen unterthanen.] Wer nu hie gehorsam, willig und dienstbar ist und gerne thuet alles, was die ehre belanget, der weis, das er Got gefallen thuet, freud und glueck zu lohn krigt. Wil ers nicht mit liebe thuen sondern verachten und sich sperren odder rhumoren, so wisse er auch widerumb, das er kein gnade noch segen habe. Und wo er ein guelden damit meinet zuerlauffen, anders wo zehenmal mehr dagegen verliere oder dem henger zu teil werde, durch krieg, pestilentz und tewrung umbkomme oder an seinen kindern kein guts erlebe, von gesind, nachbarn odder frembden und Tyrannen schaden, unrecht und gewalt leiden musse, auff das uns bezalt werde und heim kome, was wir suchen und verdienen.

 

Wenn uns nur einmal zusagen were, das solche werck Gott so angeneme sind und so reichliche belonung haben, wurden wir yn eitel uberschwenglichen gutern sitzen und haben was unser hertz begeret. Weil man aber Gottes wort und gepot sogar verechtlich helt, als hette es yrgent ein holhipler geredt, so las auch sehen, ob du der man seyest der yhm entsitzen [Zorn und straffe uber den ungehorsam.] kuende. Wie schwer wirds yhm wol werden, das er dich widder bezale? Daruemb lebtestu yhe so mehr mit Gottes hulde, friede und glueck als mit ungnade und unglueck. Waruemb meinestu, das itzt die welt so vol untrewe, schande, iammer und mord ist, denn das yderman sein eigen herr und Keiserfrey wil sein, auff niemand nichts geben und alles thuen was yhn geluestet? Daruemb straffet Gott ein buben mit dem andern, das wo du deinen herrn betreugst odder verachtest, ein ander kome der dir wider also mitfare, ia das du ynn deinem haus von weib, kind odder gesind zehen mal mehr leiden muessest.

 

Wir fuelen unser unglueck wol, murren und klagen uber untrew, gewalt und unrecht, wollen aber nicht sehen, das wir selbs buben sind, die straffe redlich verdienet haben, und nichts davon besser werden. Wir wollen kein gnade und glueck haben, darumb haben wir billich eitel unglueck on alle barmhertzigkeit. Es muessen noch etwo frome leut auff erden sein, das uns Gott noch soviel guts lesset, unserthalb solten wir kein heller ym haus, kein strohalm auff dem feld behalten. Das alles habe ich muessen mit soviel worten treiben, ob es einmal ymand wolt zuhertzen nemen, das wir der blindheit und iamers, darin wir so tieff gelegen sind, mochten los werden, Gottes wort [s. 155] und willen recht erkennen und mit ernst annemen. Denn daraus wuerden wir lernen, wie wir kuenden freud, glueck und heil zeitlich und ewig gnug haben.

 

[Geistliche veter odder oeberkeit.] Also haben wir dreyerley veter ynn diesem gepot furgestellet: des gebluts, ym hause und ym lande, Darueber sind auch noch geistliche veter, nicht wie yhm Bapstumb, die sich wol also haben lassen nennen, aber kein veterlich ampt gefuret. Denn das heissen allein geistliche veter, die uns durch Gottes wort regieren und furstehen, Wie sich Sanct Paulus ein vater rhuemet [1. Kor. 4, 15] 1. Cor. 4. da er spricht: ‘Jch habe euch gezeuget ynn Christo Jhesu durch das Euangelion’. Weil sie nu veter sind, gepuert yhn auch die ehre auch wol fur allen andern, Aber da gehet sie am wenigsten. Denn die welt mus sie so ehren, das man sie aus dem lande iage und nicht ein stueck brods goenne, [1. Kor. 4, 13] Und Summa sie muessen (wie Paulus sagt) der welt keerich und ydermans schabab sein. Doch ist not solchs auch ynn den poebel zutreiben, das die da [Seelwarter zwyfachtiger ehren werd.] Christen heissen wollen, fur Gott schuldig sind, die so yhrer seele warten, zwyfacher ehre werd zuhalten, wolthuen und versorgen. Da wil dir Gott auch gnug zu geben und keinen mangel lassen. Aber da sperret und wehret sich yderman, haben alle sorge, das der bauch verschmachte, und konnen itzt nicht einen rechtschaffenen prediger nehren, da wir zuvor zehen mastbeuche gefullet haben. Damit wir auch verdienen, das uns Gott seines wortes und segens beraube und wideruemb luegen prediger auffstehen lasse, die uns zum Teuffel fueren, dazu unser schweis und blut aussaugen.

 

Welche aber Gottes willen und gepot fur augen halten, haben die verheissung, das yhn reichlich sol vergolten werden, was sie beide an leibliche und geistliche veter wenden und zu ehren thuen, nicht das sie ein iar odder zwey brod, kleider und gelt haben sollen, sondern langes leben, narung und friede, und sollen ewig reich und selig sein. Daruemb thue nur, was du schuldig bist, und lasse Gott dafur sorgen, wie er dich neere und gnug schaffe. Hat ers verheissen und noch nye gelogen, so wird er dir auch nicht liegen. Solchs solt uns yhe reitzen und ein hertz machen, das zuschmeltzen moechte fur lust und liebe gegen denen so wir ehre schuldig sind, das wir die hende auff hueben und froelich Gotte dancketen, der uns solche verheissunge geben hat, darnach wir bis an der welt ende lauffen solten. Denn ob gleich alle welt zusamen thete, vermoechte sie uns nicht ein stuendlin zum leben zulegen odder ein koerlin aus der erden zugeben. Gott aber kan und wil dir alles uberschwenglich [s. 156] nach deines hertzen lust geben. Wer nu solchs verachtet und ynn wind schlegt, der ist yhe nicht werd, das er ein Gottes wort hoere.

 

Das ist nu zum uberflus gesagt allen, so unter dis gepot gehoeren. Darneben were auch wol zu predigen den Elltern und was yhr ampt fueret, wie sie sich halten sollen gegen denen, so yhn befohlen sind zu regieren. Welchs wiewol es ynn zehen gepoten nicht ausgedruckt stehet, ist es doch sonst an vielen orten der schrifft reichlich gepoten, Auch wil es Gott eben ynn diesem gepot mit eingebunden haben, als er vater und mutter nennet. Denn er wil nicht buben noch Tyrannen zu diesem ampt und regiment haben, gibt yhn auch nicht daruemb die Ehre, das ist macht und recht zu regieren, das sie sich anbeten lassen, sondern dencken, das sie unter Gottes gehorsam sind und fur allen dingen sich yhres ampts hertzlich und trewlich annemen, yhre kinder, gesind, unterthanen etc. nicht allein zu neeren und leiblich zuversorgen sondern allermeist zu Gottes lob und ehre auff zuziehen. Daruemb dencke nicht, das solchs zu deinem gefallen und eygener wilkoere stehe, sondern das Gott strenge gepoten und auffgelegt hat, welchem du auch dafuer wirdst muessen antworten.

 

Da ist nu abermal die leydige plage, das niemand solchs warnympt noch achtet, gehen hyn als gebe uns Gott kinder, unser lust und kuertzweil daran zu haben, das gesinde wie ein kue odder esel allein zur erbeit zubrauchen, odder mit den unterthanen unsers mutwillens zu leben, lassen sie gehen, als giengs uns nichts an, was sie lernen oder wie sie leben. Und wil [Ursach und not die iugent wol zu ziehen und leren.] niemand sehen, das der hohen Maiestet befehl ist, die solchs ernstlich wird foddern und rechen, noch das so grosse not thuet, das man sich der Jugent mit ernst anneme. Denn woellen wir feine geschickte leute haben beyde zu weltlichem und geistlichem regiment, so muessen wir warlich kein vleis, muehe noch kost an unsern kindern sparen zu leren und erziehen, das sie Gott und der welt dienen moegen, Und nicht allein dencken, wie wir yhn gelt und gut samlen, Denn Gott kan sie wol on uns neeren und reich machen, wie er auch teglich thuet. Darumb aber hat er uns kinder geben und befohlen, das wir sie nach seinem willen auffziehen und regieren, sonst duerffte er vater und mutter nyrgend zu. Darumb wisse ein yglicher, das er schueldig ist bei verlust Goettlicher gnade, das er seine kinder fur allen dingen zu Gottes furcht und erkentnis ziehe, und wo sie geschickt sind, auch lernen und studiren lasse, das man sie wozu es not ist brauchen kuende.

 

[Vermanung fur die eltern.] Wenn man nu solchs thete, wuerde uns Gott auch reichlich segenen und gnade geben, das man solche leute erzoege, der land und leut gebessert moechten [s. 157] werden, dazu feine gezogene buerger, zuechtige und heusliche frawen, die darnach fort an frome kinder und gesind ziehen moechten. Da dencke nu selbs, wie mordlichen schaden du thust, wo du darynne verseumlich bist und an dir lessest feylen, das dein kind nuetzlich und seliglich erzogen werde, Darzu alle sund und zorn auff dich bringest und also die helle an dein eigen kindern verdienest, ob du gleich sonst from und heilig werest. Derhalben auch Gott, weil man solchs verachtet, die welt so greulich straffet, das man kein zucht, regiment noch friede hat, welchs wir auch alle klagen, sehen aber nicht, das unsere schuld ist, Denn wie wir sie ziehen, so haben wir ungeratene und ungehorsame unterthane. Das sey gnug zur vermanunge, denn solchs ynn die lenge zu treiben gehoeret auff ein ander zeit.

 

 

Das Fünffte Gepot.

 

DU solt nicht tödten.

Wir haben nu ausgerichtet beide geistlich und weltlich regiment, das ist Goettliche und veterliche oeberkeit und gehorsam. Hie aber gehen wir nu aus unserm haus unter die nachbar zulernen, wie wir unternander leben sollen, ein jglicher fur sich selbs gegen seinem nehesten. Daruemb ist ynn diesem gepot [Oberkeit gehoeret nicht ynn dis gepot.] nicht eingezogen Gott und die oeberkeit noch die macht genomen, so sie haben zu toedten. Denn Gott sein recht ubeltheter zu straffen der oeberkeit an der Eltern stad befohlen hat, welche verzeitten (als man ynn Mose [5. Mose 21, 18 ff.] liesset) yhre kinder selbs muesten fur gericht stellen und zum tod urteylen. Derhalben was sie verpoten ist, ist einem gegen dem andern verpoten und nicht der oberkeit.

 

 

Dis gepot ist nu leicht gnug und offt gehandlet, weil mans ierlich ym Euangelio [Matth. 5, 21 ff.] hoeret Matthei .5., da es Christus selbs auslegt und ynn eine Summa fasset, nemlich das man nicht toedten sol widder mit hand, hertzen, mund, zeichen, geberden noch huelffe und rath. Daruemb ist [Zorn yderman verpoten on der oeberkeit.] daryn yderman verpoten zuzurnen, ausgenomen (wie gesagt) die an Gottes stad sitzen, das ist Eltern und oeberkeit. Denn Gott und was yn Goettlichem stand [s. 158] ist, gebueret zu zurnen, schelten und straffen eben um dere willen, so dis und andere gepot ubertretten.

 

Ursach aber und not dieses gepots ist, das Gott wol weis, wie die welt [Ursach dis gepot zustellen.] boese ist und dis leben viel ungluecks hat, daruemb hat er dis und andere gepot zwisschen gut und boese gestellet. Wie nu mancherley anfechtung ist widder alle gepot, also gehets hie auch, das wir unter viel leuten leben muessen, die uns leid thuen, das wir ursach kriegen yhnen feind zu sein: Als wenn dein nachbar sihet, das du besser haus und hoff, mehr guts und gluecks von Gott hast denn er, so verdreusts yhn, neidet dich und redet nichts guts von dir. Also kriegstu viel feinde durch des Teuffels anreitzung, die dir kein guts widder leiblich noch geistlich goennen. Wenn man denn solche sihet, so wil unser hertz widderuemb wueten und bluten und sich rechen. Da hebt sich denn widerfluchen und schlagen, daraus endlich iamer und mord folget. Da koempt nu Gott zuvor wie ein freundlicher vater, legt sich yns mittel und wil den [Wehre und schutz widder gewalt und frevel.] hadder geschieden haben, das kein unglueck daraus entstehe noch einer den andern verderbe. Und Summa wil er hiemit ein iglichen beschirmet, befreyet und befridet haben fur ydermans frevel und gewalt und dis gepot zur ringmauren, festen und freyheit gestellet haben umb den nehisten, das man yhm kein leid noch schaden am leib thue.

 

So stehet nu dis gepot darauff, das man niemand kein leyd leyd thue umb yrgent eines boeses stuecks willen, ob ers gleich hoechlich verdienet. Denn [Alle ursach des todschlags verboten.] wo todschlag verpoten ist, da ist auch alle ursach verpoten, daher todschlag entspringen mag. Denn mancher, ob er nicht toedtet, so fluchet er doch und wuendschet, das wer es solt am hals haben, wuerde er nicht weit lauffen. Weil nu solchs yederman von natur anhanget und ynn gemeynem brauch ist, das keiner vom andern leiden wil, so wil Gott die wurtzel und ursprung weg reumen, durch welche das hertz widder den nehisten erbittert wird, Und uns gewehnen, das wir allzeit dis gepot fur augen haben und uns darein spiegeln, Gottes willen ansehen und yhm das unrecht so wir leiden, befehlen mit hertzlichem vertrawen und anruffen seines namens und also ihene feindlich scharren und zuernen lassen, das sie thuen was sie kuenden. Also das ein mensch lerne den zorn stillen und ein gedueltigs, sanfftes hertz tragen, sonderlich gegen denen, die yhm ursach zu zuernen geben, das ist gegen die feinde.

 

[Gantze summa dis gepots.] Darumb ist die gantze Summa darvon (den einfeltigen auffs deudlichste einzubilden, was da heisse ‘nicht toedten’) Zum ersten, das man niemand leyd [s. 159] thue erstlich mit der hand odder that, Darnach die zunge nicht brauchen lasse darzu zu reden odder radten, uber das keynerley mittel odder weise brauche noch bewillige, dadurch yemand moechte beleydiget werden, und endlich das das hertz niemand feind sey noch aus zorn und hass boeses goenne, Also das leib und seele unschuldig sey an yederman, eygentlich aber an dem, der dir boeses wuendschet odder zufueget. Denn dem, der dir guts goennet und thuet, boeses thuen ist nicht menschlich sondern Teuffelisch.

 

Zum andern ist auch dieses gepots schueldig nicht allein der da boeses thuet, sondern auch wer dem nehisten guts thuen, zuvor komen, wehren, schuetzen und redten kan, das yhm kein leyd noch schaden am leibe widderfare, [Liebe und wolthat entziehen heisset auch getoedtet.] und thuet es nicht. Wenn du nu einen nacketen lessest gehen und kuendest yhn kleyden, so hastu yhn erfrieren lassen, sihestu yemand hunger leiden und speisest yhn nicht, so lessestu yhn hungers sterben. Also sihestu yemand zum tod verurteilt odder yn gleicher not und nicht redtest, so du mittel und wege darzu wuestest, so hastu yhn getoedtet, Und wird nicht helffen, das du fuerwendest, du habst keine huelffe, radt noch that darzu gegeben, Denn du hast yhm die liebe entzogen und der wolthat beraubt, dardurch er bey dem leben blieben were.

 

Darumb heisset auch Gott billich die alle moerder, so ynn noeten und fahr leibs und lebens nicht radten noch helffen, Und wird gar schrecklich [Urteil Gottes uber die unbarmhertzigen.] urteil uber sie gehen lassen am Juengsten tage, wie Christus selbs verkundigt, und sprechen: ‘Jch bin hungerig und durstig gewesen und yhr habt mich nicht gespeisset noch getrenckt, Jch bin ein gast gewesen und yhr habt mich nicht beherbergt, Jch bin nacket gewesen und yhr habt mich nicht bekleidet, Jch bin kranck und gefangen gewesen und yhr habt mich nicht besuchet’. Das ist: yhr hettet mich und die meinen wol lassen hungers, dursts und frosts sterben, die wilden thiere zureissen, ym gefengnis verfaulen und yn noeten verderben lassen. Was heisset das anders denn moerder und bluthunde gescholten? Denn ob du solchs nicht mit der that begangen hast, so hastu yhn doch ym unglueck stecken und umbkomen lassen, soviel an dir gelegen ist. Und ist eben soviel, als ob ich ymand sehe auff tieffem wasser faren und erbeiten odder ynn ein feur gefallen und kuende yhm die hand reichen, eraus reissen und redten und doch nicht thete: Wie wuerde ich anders auch fur aller welt bestehen denn ein moerder und boeswicht?

 

Daruemb ist die endliche meinung Gottes, das wir keinem menschen leid widderfaren lassen, sondern alles gut und liebe beweisen, und ist (wie gesagt) eigentlich gegen die gerichtet, so unsere feinde sind. Denn das wir [s. 160] freunden guts thuen, ist noch ein schlechte Heidnische tugent, wie Christus [Matth. 5, 46 f.] Matthei .5. sagt.

 

Da haben wir nu abermal Gottes wort, damit er uns reitzen und treiben wil zu rechten, edlen, hohen wercken, als sanfftmut, gedult und Summa Liebe und wolthat gegen unsern feinden, Und wil uns ymerdar erynnern, das wir zuruecke dencken des ersten gepots, das er unser Gott sey, das ist uns helffen, beistehen und schuetzen wolle, auff das er die lust uns zurechen dempffe. [Rechte gute werck widder die heuchelwercke.] Solchs solt man nu treiben und blewen, so wurden wir gute werck alle hend vol zuthuen haben. Aber das were nicht fur die Moenche gepredigt, dem geistlichen stande zuviel abbrochen, der Cartheuser heiligkeit zu nahe und solt wol eben gute wercke verpoten und Cloester gereumet heissen. Denn mit der weise wurde der gemeine Christen stand gleich soviel, ia weit und viel mehr gelten und yderman sehen, wie sie die welt mit falschem heuchlischen schein der heilickeit effen und verfuren, weil sie dis und ander gepot yn wind geschlagen und fur unnoetig gehalten, als werens nicht gepot sondern rethe, Und daneben unverschempt yhren heuchelstand und wercke fur das volkomenste leben gerhuemet und ausgeschryen, auff das sie ia ein gut sanfftes leben fureten on creutz und gedult. Daruemb sie auch ynn die Closter gelauffen sind, das sie von niemand nichts leiden noch ymand guts thuen duerfften. Du aber wisse, das dis die rechte, heilige und Goettliche werck sind, welcher er sich mit allen Engeln freuet, dagegen alle menschliche heilickeit stanck und unflat ist, dazu nicht anders denn zorn und verdamnis verdienet.

 

 

Das Sechste Gepot.

[s. 160]

 

DU solt nicht ehebrechen.

Diese gepot sind nu an yhn selbs leicht zuverstehen aus dem nehisten, denn sie gehen alle dahin, das man sich huete fur allerley schaden des nehisten, sind aber fein ordentlich gestellet, Zum ersten auff sein eigene person, darnach fortgefaren auff die nehiste person odder das nehiste gut nach [Ehebruch deutlich ausgedrueckt.] seinem leibe, nemlich sein ehelich gemahl, welchs mit yhm ein fleisch und blut ist, Also das man yhm an keinem gut hoeher schaden thuen kan. Darumb auch deutlich hie ausgedruckt wird, das man yhm keine schande zufugen sol an seinem eheweibe. Und lautet eigentlich auff den ehebruch, darumb das ym Judischen volck so geordnet und gepoten war, das yederman muste ehelich erfunden werden. Daruemb auch die iugent auffs zeitlichste beraten ward, Also das Jungfrawen stand nichts galt, auch kein offentlich huren und buben leben (wie itzt) gestadtet ward. Daruemb ist der ehebruch die gemeineste unkeuscheit bey yhn gewesen.

 

[s. 161] Weil aber bey uns ein solch schendlich gemenge und grund suppe aller untugent und bueberey ist, ist dis gepot auch widder alle unkeuscheit gestellet, wie man sie nennen mag, Und nicht alleine eusserlich die that verpoten sondern auch allerley ursach, reitzung und mittel, Also das hertz, mund und der gantze leib keusch sey, kein rawm, huelffe noch rath zur unkeuscheit gebe, Und [Summa dieses gepots.] nicht allein das, sondern auch wehre, schutze und rette, wo die fahr und not ist, und widderuemb helffe und radte, das sein nehister bey ehren bleibe. Denn wo du solchs nachlessest, so du kuendest dafur sein, odder durch die finger sihest, als gieng dichs nicht an, bistu eben so wol schuldig als der theter selbs. Also ist auffs kurtze zu fassen so viel gefoddert, das ein yglicher beide fur sich selbs keusch lebe und dem nehisten auch dazu helffe, Also das Gott durch dis gepot eines yglichen ehelich gemahl wil umbschrencket und bewaret haben, das sich niemand daran vergreiffe.

 

Dieweil aber dis gepot so eben auff den Ehestand gerichtet ist und ursach gibt davon zu reden, soltu wol fassen und mercken: Zum ersten, wie Gott diesen stand so herlich ehret und preiset damit das er yhn durch sein [Ehestand durch Gottes gepot geehret.] gepot beide bestetigt und bewaret. Bestetigt hat er yhn droben ym vierden gepot: ‘Du solt vater und mutter ehren’. Hie aber hat er yhn (wie gesagt) verwahret und beschutzet. Daruemb wil er yhn auch von uns geehret, gehalten und gefueret haben als einen Goettlichen, seligen stand, weil er yhn erstlich vor allen andern eingesetzt hat und daruemb unterschiedlich man und weib geschaffen (wie fur augen) nicht zur buberey sondern das sie sich zusamen halten, fruchtbar seyen, kinder zeugen, nehren und auffziehen zu Gottes ehren. Daruemb yhn auch Gott fur allen stenden auffs reichlichste gesegnet hat, dazu [Ehestand fur allen stenden gesegnet.] alles was ynn der welt ist, darauff gewand und yhm eingethan, das dieser stand yhe wol und reichlich versorget wuerde, Also das kein schertz noch furwitz, sondern trefflich ding und Goettlicher ernst ist umb das eheliche leben. Denn es ligt yhm alle macht daran, das man leute ziehe, die der welt dienen [s. 162] und helffen zu Gottes erkentnis, seligem leben und allen tugenden, widder die boesheit und den Teuffel zu streiten.

 

Daruemb habe ich ymerdar geleret, das man diesen stand nicht verachte noch schimpfflich halte, wie die blinde welt uud unsere falsche geistlichen thuen, sondern nach Gottes wort ansehe, damit er geschmueckt und geheiligt [Ehestand gehet vor und durch alle stende.] ist, Also das er nicht allein andern stenden gleich gesetzt ist sondern vor und uber sie alle gehet, Es seyen Keyser, Fursten, Bischove und wer sie wollen. Denn was beide geistliche und weltliche stende sind, muessen sich demuetigen und alle ynn diesem stand finden lassen, wie wir hoeren werden. Daruemb ist es nicht ein sonderlicher, sondern der gemeineste, edleste stand, so durch den gantzen Christen stand, ia durch alle welt gehet und reichet.

 

[Ehestand noetig und geboten.] Zum andern soltu auch wissen, das nicht allein ein ehrlicher sondern auch ein noetiger stand ist und ernstlich von Gott gepoten, das sich ynn gemein hyndurch alle stende man und weibsbilde, so dazu geschaffen sind, daryn finden lassen, doch etliche (wiewol wenig) ausgenomen, welche Gott sonderlich ausgezogen, das sie zum ehelichen stand nicht tuechtig sind oder durch hohe ubernatuerliche gabe befreyet hat, das sie ausser dem stande keuscheit halten koennen. Denn wo die natur gehet, wie sie von Gott eingepflantzt ist, ist es nicht mueglich ausser der Ehe keusch zubleiben, Denn fleisch und blut bleibt fleisch und blut, und gehet die natuerlich neigung und reitzung ungewehret und unverhindert, wie yderman sihet und fuelet. Derhalben auff das deste leichter were unkeuscheit etlicher masse zu meiden, hat auch Gott den ehestand befohlen, das ein yglicher sein bescheiden teyl habe und yhm daran gnuegen lasse, wie wol noch Gottes gnade dazu gehoeret, das das hertz auch keusch sey.

 

[Ehestand wird widder Gottes gepot verboten odder verlobet.] Daraus sihestu, wie unser Bepstischer hauffe, Pfaffen, Monche, Nonnen widder Gottes ordnung und gepot streben, so den ehestand verachten und verpieten und sich ewige keuscheit zuhalten vermessen und geloben, Dazu die einfeltigen mit lugenhafftigen worten und schein betriegen. Denn niemand so wenig liebe und lust zur keuscheit hat als eben die den ehestand fur grosser heilickeit meiden und entweder oeffentlich und unverschempt ynn hurerey ligen odder heimlich noch erger treiben, das mans nicht sagen thar, wie man leider allzuviel erfaren hat, Und kurtzlich, ob sie gleich des wercks sich enthalten, so sticken sie doch ym hertzen vol unkeuscher gedancken und boeser lust, das da ein ewigs brennen und heimlichs leiden ist, welchs man ym ehelichem leben umbgehen [Der geistlichen geluebde auffgehaben.] kan. Daruemb ist durch dis gepot aller unehlichen keuscheit geluebd verdampt und urlaub gegeben, ia auch gepoten allen armen gefangenen gewissen, so durch yhre Cloester gelubde betrogen sind, das sie aus dem unkeuschen [s. 163] stand yns eheliche leben tretten, angesehen das ob sonst gleich das Closterleben Goettlich were, doch nicht ynn yhrer krafft stehet keuscheit zuhalten, und wo sie daryn bleiben, nur mehr und weiter widder dis gepot sundigen muessen.

 

Solchs rede ich nu daruemb, das man das iunge volck dazu halte, das [Ehestand ein seliger stand und Got gefellig.] sie lust zum Ehestand gewinnen und wissen, das ein seliger stand und Gott gefellig ist. Denn damit kuende mans mit der zeit widderuemb dahyn bringen, das er widder zu seinen ehren keme und des unfletigen, wusten, unordigen wesens weniger wuerde, so itzt allenthalben ynn der welt zu zotten gehet mit offentlicher hurerey und andern schendlichen lastern, so aus verachtung des ehelichen lebens gefolgt sind. Daruemb sind hie die Eltern und oberkeit auch schuldig auff die iugent zusehen, das man sie zur zucht und erbarkeit auffziehe, und wenn sie erwachsen, mit Gott und ehren berate, dazu wuerde er seinen segen und gnade geben, das man lust und freude davon hette.

 

Aus dem allen sey nu zubeschliessen gesagt, das dis gepot nicht alleine foddert, das yderman mit wercken, worten und gedancken keusch lebe yn seinem, das ist allermeist ym ehelichen stande, sondern auch sein gemahl von Gott [Eheliche keuscheit foddert liebe und eintracht.] gegeben lieb und werd halte. Denn wo eheliche keuscheit sol gehalten werden, da mussen man und weib fur allen dingen ynn liebe und eintracht beinander wonen, das eines das ander von hertzen und mit gantzer trewe meine. Denn das ist der furnemste stuck eines, das liebe und lust zur keuscheit machet, welchs wo es gehet, wird auch keuscheit wol von yhr selbs folgen on alles gepieten. Deshalben auch Sanct Paulus so vleissig die Eheleute vermanet, das eins das ander liebe und ehre. Da hastu nu abermal ein koestlich, ia viel und grosse gute werck, welche du froelich rhuemen kanst widder alle geistliche stende on Gottes wort und gepot erwelet.

 

 

Das Siebende Gepot.

[s. 163]

 

DU solt nicht stelen.

Auch deiner person und ehlichem gemalh ist zeitlich gut das nehiste, das wil Gott auch verwaret haben, und gepoten, das niemand dem nehisten [Stelen heisset was man mit unrecht nimpt.] das seine abbreche noch verkuertze. Denn stelen heisset nicht anders den eins andern gut mit unrecht zu sich bringen, damit kuertzlich begriffen ist allerley vorteil mit des nehisten nachteil ynn allerley hendeln. Das ist nu gar ein [s. 164]

weitleufftig gemeyn laster aber so wenig geachtet und war genomen, das uber die mas ist, Also das wo man sie alle an galgen hengen solte, was diebe sind und doch nicht heissen wollen, solt die welt bald wust werden und beyde an hengern und galgen gebrechen. Denn es sol (wie itzt gesagt) nicht allein gestolen heissen, das man kasten und taschen reumet, sondern umb sich greiffen auff den marckt, yn alle kreme, scherren, wein und byr keller, werckstete und kuertzlich, wo man hantieret, gelt umb wahre oder arbeit nimpt und gibt.

 

Als nemlich, das wirs fur den gemeynen hauffen ein wenig grob ausstreichen, das man doch sehe, wie from wir sind: wenn ein knecht oder magd ym haus nicht trewlich dienet und schaden thuet oder geschehen lesset, den sie wol verwaren kuende, oder sonst yhr gut verwarloset und verseumet aus faulheit, unvleis odder bosheit zu trotz und verdries herrn und frawen und wie solchs mutwillig geschehen kan (Denn ich rede nicht von dem, das versehen und ungerne gethan ist), Da kanstu ein iar ein guelden, dreissig odder vierzig und mehr entwenden, welchs so ein ander heimlich genomen odder entragen hette, must er am strick erwurgen, Aber hie darffstu noch trotzen und pochen und thar dich niemand ein dieb heissen.

 

Desgleichen rede ich auch von handwercksleuten, erbeittern, tagloenern, die yhren mutwillen brauchen und nicht wissen, wie sie die leute ubersetzen [Untrew heisset auch dieberey.] sollen, und doch lessig und untrew ynn der erbeit sind. Diese alle sind weit uber die heimlichen diebe, fur den man schlos und rigel legen kan, odder wo man sie begreiffet, also mitferet, das sie es nicht mehr thun. Fur diesen aber kan sich niemand hueeten, darff sie auch niemand sawer ansehen odder einiges diebstals zeihen, das einer zehen mal lieber aus dem beutel verlieren [s. 165] solt: Denn da sind meine nachbar, gute freund, mein eigen gesind, dazu ich mich guts versehe, die mich am aller ersten berucken.

 

[Uberforteilen und ubersetzen ym kauff.] Also auch fort auff dem marckt und gemeinen hendeln gehet es mit voller macht und gewalt, da einer den andern oeffentlich mit falscher ware, mas, gewicht, muentze betreugt und mit behendickeit und seltzamen fynantzen odder geschwinden fundlin uberforteilt, Jtem mit dem kauff ubersetzet und nach seinem mutwillen beschweret, schindet und plagt. Und wer kan solchs [Dieberey die gemeinste narung yn der welt.] alles erzelen odder erdencken? Summa das ist das gemeinste handwerck und die groste zunfft auff erden, und wenn man die welt itzt durch alle stende ansihet, so ist sie nicht anders denn ein grosser, weitter stall vol grosser diebe. Daruemb heissen sie auch Stulreuber, land und strassen diebe, nicht Kastenreuber noch meuchel diebe, die aus der barschafft zwacken, sondern die auff dem stul sitzen, und heissen grosse Junckern und ersame, frome burger und mit gutem schein rauben und stelen.

 

[Grosse Ertzdiebe.] Ja hie were noch zuschweigen von geringen eintzelen dieben, wenn man die grossen gewaltigen Ertzdiebe solt angreiffen [mit welchen herrn und Fursten geselschafft machen], die nicht eine stad odder zwo sondern gantz deudschland [Grosse diebe bleiben ungestraffet.] teglich ausstelen. Ja wo bliebe das heubt und oeberster schutzherr aller diebe, der Heilige stul zu Rom mit alle seiner zugehoere, welcher aller welt gueter mit dieberey zusich bracht und bis auff diesen tag ynne hat? Kuertzlich, so gehets ynn der welt, das wer oeffentlich stelen und rauben kan, gehet sicher und frey dahyn von yderman ungestrafft und wil dazu geehret sein. Dieweil muessen die kleinen, heimlichen diebe, so sich einmal vergrieffen haben, die schand und straffe tragen, yhene from und zu ehren machen. Doch sollen sie wissen, das sie fur Gott die grossesten diebe sind, der sie auch wie sie werd sind und verdienen straffen wird.

 

Weil nu dis gepot so weit umb sich greiffet, wie itzt angezeigt, ists not dem poebel wol furzuhalten und auszustreichen, das man nicht so frey und sicher hyngehen lasse sondern ymmer Gottes zorn fur augen stelle und einblewe.

 

[s. 166] Denn wir solchs nicht Christen sondern allermeist buben und schelcken predigen muessen, welchen wol billicher Richter, Stockmeister odder meister Hans predigen solte. Daruemb wisse ein iglicher, das er schuldig ist bey Gottes ungnaden, nicht allein seinem nehisten kein schaden zuthuen noch sein vorteil zu entwenden noch ym kauff odder yrgend einem handel einerley untrew odder tuecke zubeweisen, sondern auch sein gut treulich zuverwaren, seinen nutz zuverschaffen und foddern, sonderlich so er gelt, lohn und narung dafur nimpt.

 

Wer nu solchs mutwillig verachtet, mag wol hingehen und dem henger [Gottes straffe uber allerley tuecke und untrew.] entlauffen, wird aber Gottes zorn und straffe nicht entgehen, und wenn er sein trotz und stoltz lang treibet, doch ein landleuffer und betler bleiben, alle plage und unglueck dazu haben. Jtzt gehestu hin, da du soltest deines herrn odder frawen gut bewaren, dafur du dein kropff und bauch fullest, nimpst dein lohn als ein dieb, lessest dich dazu feiren als ein iungker. Als yhr viel sind, die herrn und frawen noch trotzen und ungerne zu lieb und dienst theten, ein schaden zuverwaren. Sihe aber zu, was du daran gewinnest: das wo du dein eigens uberkompst und zu haus sitzest (da zu Gott mit allem unglueck helffen wird) sol sichs widder finden und heimkomen, das wo du ein heller abebrochen odder schaden gethan hast, dreissigfeltig bezalen muessest. Desgleichen sol es handwercksleuten und taglohnern gehen, von welchen man itzt unleidlichen mutwillen hoeren und leiden mus, als weren sie iunckern ynn froembdem gut und yderman musse yhn wol geben, wieviel sie [Untrew und geitz gedeyet nicht.] wollen. Solche lasse nur getrost schinden, so lang sie kuenden, aber Gott wird seines gepots nicht vergessen und yhn auch lohnen, wie sie gedienet haben, und hengen nicht an ein gruenen sondern duerren galgen, das sie yhr lebenlang nicht gedeyen noch etwas fur sich bringen. Und zwar wenn ein recht geordnet regiment ynn landen were, kuend man solchem mutwillen bald steuren und wehren, wie verzeiten bey den Roemern gewesen ist, da man solchen flux auff die hauben greyff, das sich andere daran stossen musten.

 

Also sol es allen andern gelingen, so aus dem offenen freyen marckt nichts denn ein schindeleich und raubhaus machen, da man teglich die armen ubersetzet, newe beschwerung und teurung macht und iglicher des marcks braucht nach seinem mutwillen, trotzet und stoltzet dazu, als habe er gut fug [s. 167] und recht, das seine so tewer zugeben als yhn geluestet, und sol yhm niemand drein reden. Denen wollen wir zuwarten zusehen, schinden, zwacken und geitzen lassen, aber Gott vertrawen, der es doch on das thuen wird, das er, wenn du lang geschunden und geschreppelt hast, ein segen drueber spreche, das dir dein korn auff dem boden, dein bier ym keller, dein viehe ym stall verderbe. Ja wo du ymand umb ein guelden teuschest und verforteylest, sol dirs den gantzen hauffen weg ruesten und fressen, das du sein nymmer fro werdest.

 

Solchs sehen und erfaren wir zwar fur augen teglich erfullet werden, das kein gestolen und felschlich gewonnen gut gedeyet: Wieviel sind yhr, so tag und nacht scharren und kratzen und doch keines hellers reicher werden? Und ob sie viel samlen, doch soviel plage und unglueck muessen haben, das sie es nicht mit freuden geniessen noch auff yhre kinder erben konnen. Aber weil [Geitz gestraffet mit krieg und teurung.] sich niemand daran keret, und hingehen, als giengs uns nichts an, mus er uns anders heimsuchen und mores leren, das er eine landschatzung uber die ander uber uns schicke odder ein hauffen landsknecht zu gast lade, die uns auff eine stund kasten und beutel reumen und nicht auffhoeren, weil wir ein heller behalten, dazu zudanck haus und hoff verbrennen und verheren, weib und kinder schenden und umbbringen. Und Summa stielstu viel, so versihe dich gewislich, das dir noch soviel gestolen werde, Und wer mit gewalt und unrecht raubt und gewinnet, ein andern leide, der yhm auch also mitspiele. Denn die kunst kan Got meisterlich, weil yderman den andern beraubt und stielet, das er einen dieb mit dem andern straffet: wo wolt man sonst galgen und stricke gnug nemen?

 

Wer yhm nu wil sagen lassen, der wisse, das Gottes gepot ist und fur kein schertz wil gehalten sein. Denn ob du uns verachtest, betreugst, stilst und raubst, wollen wirs zwar noch zu komen und deinem homut ausstehen, leiden und dem vater unser nach vergeben und erbarmen (Denn die fromen doch genug haben muessen und du dir selbs mehr denn einem andern schaden thuest), Aber da huete dich fur, wenn das liebe armut (welchs itzt viel ist) kompt, so umb den teglichen pfennig keuffen und zeeren mus, und du [s. 168] zuferest, als muest yderman deiner gnaden leben, schindest und schabst bis auff den grat, dazu mit stoltz und ubermut abeweisest, dem du soltest geben und schencken; So gehet es dahin elend und betruebt, und weil es niemand klagen kan, schreit und rueffet es gen himel. Da huete dich (sage ich abermal) als fur dem Teuffel selbs. Denn solch seufftzen und ruffen wird nicht schertzen sondern ein nachdruck haben, der dir und aller welt zu schwer werden wird. Denn es wird denen treffen, der sich der armen betruebten hertzen annympt und nicht wil ungerochen lassen. Verachtestu es aber und trotzest, so sihe, wenn du auff dich geladen hast: wird dirs gelingen und wolgehen, soltu Gott und mich fur aller welt luegner schelten.

 

Wir haben gnug vermanet, gewarnet und geweret; wer es nicht achten noch gleuben wil, den lassen wir gehen, bis ers erfare. Doch mus man dem iungen volck solchs ein bilden, das sie sich hueten und dem alten unbendigen hauffen nicht nachvolgen, sondern Gottes gepot fur augen halten, das nicht Gottes zorn und straffe auch uber sie gehe. Uns gebueret nicht weiter denn zu sagen und straffen mit Gottes wort, aber das man solchem oeffentlichen mutwillen steure, da gehoeren Fuersten und oeberkeit zu, die selbs augen und den mut hetten ordnung zustellen und halten ynn allerley hendel und kauff, auff das das armut nicht beschweret und verdrueckt wuerde noch sie sich mit frembden sunden beladen duerfften.

 

Das sey gnug davon gesagt, was stelen heisse, das mans nicht so enge spanne sondern gehen lasse, so weit als wir mit dem nehisten zuthuen haben, Und kurtz ynn ein Summa wie ynn den vorigen zufassen, ist dadurch verpoten erstlich: dem nehisten schaden und unrecht zuthuen (wie mancherley weise zurdencken sind habe und gut abzubrechen, verhindern und furzuhalten) auch solchs nicht bewilligen noch gestadten, sondern wehren, verkomen, Und widderuemb gepoten: sein gut fordern, bessern und wo er not leidet, helffen, mitteilen, furstrecken beide freunden und feinden. Wer nu gute werck suchet und begeret, wird hie ubrig genug finden, die Gott von hertzen angeneme und gefellig sind, dazu mit trefflichem segen begnadet und uberschuttet, das es reichlich sol vergolten werden, was wir unsern nehisten zu nutz und freundschafft [Spr. 19, 17] thuen, wie auch der Koenig Salomo leeret Prover. 19. ‘Wer sich des armen erbarmet der leihet dem HERRN, der wird yhm widder vergelten sein lohn.’ Da hastu ein reichen Herrn, der dir gewis genug ist und nichts wird gebrechen noch mangeln lassen, so kanstu mit froelichem gewissen hundert mal mehr geniessen denn du mit untrew und unrecht erschreppelst. Wer nu des segens nicht mag, der wird zorn und unglueck genug finden.

[s. 169]

 

 

Das Achte Gepot.

 

DU solt nicht falsch gezeugnis reden widder deinen nehisten.

 

Abber unsern eigenen leib, ehelich gemahl und zeitlich gut haben wir noch einen schatz, nemlich Ehre und gut geruecht, welchen wir auch nicht emperen konnen. Denn es gilt nicht unter den leuten ynn oeffentlicher schande von yderman verachtet zuleben. Daruemb [Gottes gepot uber des nehisten ehre und geruecht] wil Gott des nehisten leumund, glimpff und gerechtickeit so wenig als gelt und gut genomen odder verkuertzt haben, Auff das ein yglicher fur sein weib, kind, gesind und nachbar ehrlich bestehe. Und zum ersten ist der groebste verstand dieses gepots wie die wort lauten (Du solt nicht falsch zeugnis reden) auff oeffentlich gericht gestellet, da man ein armen, unschuldigen man verklagt und durch falsche zeugen unterdrueckt, damit er gestrafft werde an leib, gut odder ehre.

 

[Falsch zeugnis ym gericht.] Das scheinet nu itzt als gehe es uns wenig an, aber bey den Jueden ists gar ein trefflich, gemein ding gewesen. Denn das volck war ynn feinem ordenlichen regiment gefasset. Und wo noch ein solch regiment ist, da gehets on diese sund nicht abe. Ursach ist diese: Denn wo Richter, Buergermeister, Furst odder andere oeberkeit sitzet, da feylet es nymmer, es gehet nach der welt laufft, das man niemand gerne beleidigen wil, heuchlet und redet nach gunst, gelt, hoffnung odder freundschafft, darueber mus ein arm man mit seiner sache verdruckt, unrecht haben und straffe leiden. Und ist ein gemeine plage ynn der welt, das ym gericht selten frome leut sitzen. Denn es gehoeret fur allen dingen ein fromer man zu einem Richter und nicht allein ein fromer sondern auch ein weiser, gescheider, ia auch ein kuener und kecker man. Also auch gehoeret ein kecker, dazu furnemlich ein fromer man zum zeugen. Denn wer alle sachen recht richten und mit dem urteil hindurch reissen sol, wird offtmals gute freund, schweger, nachbar, reiche und gewaltige [s. 170] erzuernen, die yhm viel dienen odder schaden konnen. Daruemb mus er gar blind sein, augen und oren zugethan, nicht sehen noch hoeren denn stracks fur sich was yhm furkompt, und dem nach schliessen.

 

Darauff ist nu erstlich dis gepot gestellet, das ein yglicher seinem nehisten [Des nehisten recht fodern und schutzen.] helffe zu seinem rechten und nicht hindern noch beugen lasse sondern fodere und stracks druber halte, Gott gebe es sey Richter odder zeuge, und treffe an was es wolle. Und sonderlich ist hie mit unsern Herrn Juristen ein ziel gesteckt, das sie zusehen, recht und auffgericht mit den sachen umbgehen; was recht ist, recht bleiben lassen und widderuemb nicht verdrehen noch vermenteln odder schweigen unangesehen gelt, gut, ehre oder herrschafft. Das ist ein stuck und der groebste verstand dieses gepots von allem das fur gericht geschihet.

 

[Falsch zeugnis yn geistlichen sachen.] Darnach greifft es gar viel weiter, wenn mans sol ziehen yns geistlich gericht odder regiment, da gehets also, das ein yglicher widder seinen nehisten felschlich zeuget. Denn wo frome prediger und Christen sind, die haben fur der welt das urteil, das sie ketzer, abtruenige, ia auffruerische und verzweivelte bosewicht heissen. Dazu mus sich Gottes wort auffs schendlichst und gifftigst verfolgen, lestern, luegenstraffen, verkeren und felschlich ziehen und deuten lassen. Aber das gehe seinen weg, denn es ist der blinden welt art, das sie die warheit und Gottes kinder verdampt und verfolgt und doch fur keine sunde achtet.

 

Zum dritten, so uns allzumal belanget, ist ynn diesem gepot verpoten [Gemeyne suende der boesen zungen.] alle sunde der zungen, dadurch man den nehisten mag schaden thuen odder zu nahe sein. Denn falsch zeugnis reden ist nicht anders denn mundwerck: was man nu mit mundwerck widder den nehisten thuet, das wil Gott gewehret haben, es seyen falsche prediger mit der lehre und lestern, falsche Richter und zeugen mit dem urteil odder sonst ausser dem gericht mit liegen [Affterreden.] und ubel reden. Daher gehoeret sonderlich das leidige, schendliche laster Affterreden odder verleumbden, damit uns der Teuffel reitet, davon viel zureden were. Denn es ist ein gemeine, schedliche plage, das yderman lieber boeses denn guts von dem nehisten hoeret sagen. Und wiewol wir selbs so boese sind, das wir nicht leiden konnen, das uns ymand ein boese stuck nachsage, sondern yglicher gerne wolt, das alle welt guldens von yhm redete, doch koennen wir nicht hoeren, das man das beste von andern sage.

 

Derhalben sollen wir mercken, solch untugent zu meiden, das niemand [Niemand sol urteilen noch ubelreden ausser dem befehl odder richter ampt.] gesetzt ist, seinen nehisten offentlich zu urteilen und straffen, ob er yhn gleich sihet sundigen, er habe denn befehl zu richten und straffen. Denn es ist gar ein grosse unterscheid zwischen den zweyen: sunde richten und sunde wissen. [s. 171] Wissen magstu sie wol, aber richten soltu sie nicht. Sehen und hoeren kan ich wol, das mein nehister sundigt, aber gegen andern nach zusagen habe ich kein befehl. Wenn ich nu zufare, richte und urteile, so falle ich yn eine sunde, die grosser ist denn yhene. Weistu es aber, so thue nicht anders denn mache aus den oren ein grab und scharre es zu, bis das dir befohlen werde richter zu sein und von ampts wegen zustraffen.

 

Das heissen nu Affterreder, die es nicht bey dem wissen bleiben lassen sondern fort faren und yns gericht greiffen, und wenn sie ein stuecklin von einem andern wissen, tragen sie es ynn alle winckel, kutzeln und krawen sich, das sie muegen eins andern unlust ruegen, wie die sew, so sich ym koth weltzen und mit dem ruessel daryn wuelen. Das ist nichts anders denn Gotte [Affterreden ist ynn Gottes gericht greiffen.] ynn sein gericht und ampt fallen, urteylen und straffen mit dem scherffsten urteyl. Denn kein richter hoeher straffen kan noch weiter faren, denn das er sage: Dieser ist ein dieb, moerder, verrheter etc. Darumb wer sich solchs unterstehet vom nehisten zu sagen, greifft eben so weit als Keyser und alle oeberkeit. Denn ob du das schwerd nicht fuerest, so brauchestu doch deiner gifftigen zungen dem nehisten zu schand und schaden.

 

Darumb wil Gott gewehret haben, das niemand dem andern ubel nachrede, wenn ers gleich schueldig ist und dieser wol weys, viel weniger so ers nicht weys und allein von hoeren sagen genomen hat. Sprichstu aber: Sol ichs denn nicht sagen, wenn es die warheit ist? Antwort: Warum tregstus nicht fur oerdenliche richter? Ja ich kans nicht oeffentlich bezeugen, so moecht man mir villeicht ubers maul faren und ubel abweisen. Ey lieber, reuchstu den braten? trawestu nicht fur geordenten personen stehen und verantworten, so halte auch das maul. Weystu es aber, so wisse es fur dich, nicht fur ein [Affterreder sind luegner und dieb e] andern. Denn wo du es weiter sagest, ob es gleich war ist, so bestehestu doch wie ein luegner, weil du es nicht kanst war machen, Thuest dazu wie ein boeswicht. Denn man sol niemand sein ehre und gerucht nemen, es sey yhm denn zuvor genomen oeffentlich. Also heist nu falsch zeugnis alles, was man nicht wie sichs gehoeret uberweisen kan. Daruemb was nicht mit gnugsamer beweisung offenbar ist, sol niemand offenbar machen noch fur warheit sagen. Und Summa was heimlich ist, sol man heimlich bleiben lassen odder ye heymlich straffen, wie wir hoeren werden. Daruemb wo dir ein unnutz maul furkompt, das ein andern austregt und verleumbdet, so rede yhm frisch unter augen, das er schamroth werde, so wird mancher das maul halten, der sonst ein armen menschen yns geschrey bringt, daraus er schwerlich [s. 172] widder komen kan. Denn ehre und glimpff ist bald genomen, aber nicht bald widdergeben.

 

Also sihestu, das kurzumb verpoten ist von dem nehisten etwas boeses [Urteilen und ubel reden gehoert allein der Oberkeit an.] zu reden, doch ausgenomen weltliche oeberkeit, prediger, vater und mutter, das man dennoch dis gepot so verstehe, das das boese nicht ungestrafft bleibe. Wie man nu lauts des funfften gepots niemand schaden sol am leibe, doch ausgezogen Meister hansen, der seines ampts halben dem nehisten kein guts sondern nur schaden und boeses thuet und nicht widder Gottes gepot sundigt, daruemb das Gott solch ampt von seinet wegen geordnet hat (denn er yhm die straffe seines gefallens furbehalten hat, wie er ym ersten gepot drewet): Also auch wiewol ein yglicher fur seine person niemand richten noch verdammen sol, doch wo es die nicht thuen, denen es befohlen ist, sundigen sie ia so wol als ders ausser dem ampt von sich selbs thete. Denn hie foddert die not von dem ubel zu reden, klagen, furbringen, fragen und zeugen. Und gehet nicht anders zu denn mit einem artzt, der zuweilen dem, den er heilen sol, an heymliche ort sehen und greiffen mus. Also sind oeberkeit, vater und mutter, ia auch brueder und schwester und sonst gute freund unternander schuldig, wo es not und nutz ist, boeses zustraffen.

 

Das were aber die rechte weise, wenn man die ordnung nach dem [Matth. 18 [so], 15] Euangelio hielte, Matth. 19. da Christus spricht: Suendiget dein bruder an [ Rechte weise und ordenung des nehisten sunde zu straffen.] dir, so gehe hin und straffe yhn zwischen dir und yhm alleine. Da hastu ein koestliche feine leere die zunge wol zu regieren, die wol zumercken ist widder den leydigen misbrauch. Darnach richte dich nu, das du nicht so bald den nehisten anderswo austragest und nachredest sondern yhn heymlich vermanest, das er sich bessere. Desgleichen auch, wenn dir ein ander etwas zu oren tregt, was dieser oder ihener gethan hat, lere yhn auch also, das er hyn gehe und straffe yhn selbs, wo ers gesehen hat, wo nicht, das er das maul halte.

 

Solchs magstu auch lernen aus teglichem haus regiment. Denn so thut der Herr ym haus: wenn er sihet, das der knecht nicht thuet was er sol, so spricht er yhm selbs zu. Wenn er aber so toll were, liesse den knecht daheym sitzen und gienge eraus auff die gassen den nachbarn zuklagen, wuerde er freilich muessen hoeren: Du narr, was gehets uns an, waruemb sagstus yhm selbs nicht? Sihe das were nu recht bruederlich gehandlet, das dem ubel geraten wuerde und dein nehister bey ehren bliebe. Wie auch [s. 173] Christus daselbs sagt: Hoeret er dich, so hastu deinen bruder gewonnen. Da hastu ein gros, trefflich werck gethan. Denn meinstu das ein gering ding sey ein bruder gewinnen? Las alle Moenche und heilige orden mit alle yhren wercken zuhauffe geschmeltzt erfur tretten, ob sie den rhum koennen auffbringen, das sie einen bruder gewonnen haben?

 

[Niemand urteilen odder straffen hinder seinem wissen.] Weiter leret Christus: Wil er dich aber nicht hoeren, so nym noch einen odder zween zu dir, auff das alle sache bestehe auff zweyer odder dreyer zeugen munde, Also das man yhe mit dem selbs handle, den es belanget, und nicht hinder seinem wissen nachrede. Wil aber solchs nicht helffen, so trage es denn oeffentlich fur die gemeine, es sey fur weltlichem odder geistlichem gerichte. Denn hie stehestu nicht allein, sondern hast ihene zeugen mit dir, durch welche du den schuldigen uberweisen kanst, darauff der Richter gruenden, urteilen und straffen kan; so kan es ordenlich und recht dazu komen, das man den boesen wehret odder bessert. Sonst wenn man ein andern mit dem maul umbtregt durch alle winckel und den unflat rueret, wird niemand gebessert und darnach, wenn man stehen und zeugen sol, wil mans nicht gesagt haben. Daruemb geschehe solchen meulern recht, das man yhn den kutzel wol buessete, das sich andere daran stiessen. Wenn du es deinem nehisten zu besserung odder aus liebe der warheit thetest, wuerdestu nicht heymlich schleichen noch den tag und liecht schewen.

 

[Offentliche sund machet sich selbs zu schanden.] Das alles ist nu von heimlichen sunden gesagt. Wo aber die sund gantz oeffentlich ist, das Richter und yderman wol weis, so kanstu yhn on alle sund meiden und faren lassen, als der sich selbs zuschanden gemacht hat, dazu auch oeffentlich von yhm zeugen. Denn was offenbar am tag ist, da kan kein affterreden noch falsch richten odder zeugen sein. Als das wir itzt den Bapst mit seiner lehre straffen, so oeffentlich ynn buechern am tag gegeben und ynn aller welt ausgeschryen ist. Denn wo die sund oeffentlich ist, sol auch billich oeffentliche straffe folgen, das sich yderman dafur wisse zuhueeten.

 

[Summa.] Also haben wir nu die Summa und gemeinen verstand von diesem gepot, das niemand seinen nehisten beide freund und feind mit der zungen schedlich sein noch boeses von yhm reden sol (Gott gebe es sey war odder erlogen), so nicht aus befehl odder zu besserung geschihet, Sondern seine zunge brauchen und dienen lassen von yderman das beste zureden, seine sunde und gebrechen zudecken, entschuldigen und mit seiner ehre beschoenen und schmuecken. Ursach sol sein allermeist diese, so Christus ym Euangelio anzeucht und damit [Matth. 7, 12] alle gepot gegen dem nehisten wil gefasset haben: ‘Alles was yhr wollet, das euch die leut thuen sollen, das thuet yhr yhn auch.’

 

[s. 174] Auch lehret solchs die natur an unserm eigenen leibe, wie [1. Kor. 12, 22. 23] S. Paulus 1. Cor. 12. sagt: Die gelieder des leibs, so uns duncken die schwechsten [Gleichnis aus der natur.] sein, sind die noetigsten, und die uns duencken die unehrlichsten sein, den selbigen legen wir am meisten ehre an, und die uns ubel anstehen, die schmueckt man am meisten. Das angesicht, augen, nasen und mund decket niemand zu, denn sie duerffens nicht, als an yhm selbs die ehrlichsten gelieder, so wir haben. Aber die aller gebrechlichsten, der wir und schemen, deckt man mit allem vleis, da mus hende, augen sampt dem gantzen leibe helffen decken und verhullen. Also sollen auch wir alle unternander was an unserm nehisten unehrlich und gebrechlich ist, schmuecken und mit allem so wir vermuegen zu seinen ehren dienen, helffen und foerderlich sein und widderuemb wehren, was yhm mag zu unehren reichen. Und ist sonderlich ein feine, edle tugent, wer alles, das er von nehisten hoeret reden (so nicht oeffentlich boese ist), wol auslegen und auffs [Alles zum besten auslegen.] beste deuten oder yhe zu gut halten kan widder die gifftigen meuler, die sich vleissen, wo sie etwas ergroebbeln und erhaschen koennen am nehisten zutaddeln und auffs ergeste aus ecken und verkeren, wie itzt furnemlich dem lieben Gottes wort und seinen predigern geschicht.

 

Daruemb sind ynn diesem gepot gar mechtig viel gute werck verfasset, [Gute werck der zungen.] die Gotte auffs hohiste wolgefallen und uberflussig gut und segen mit sich bringen, wenn sie nur die blinde welt und falschen heiligen erkennen wolten. Denn es ist nichts an und ym gantzen menschen, das mehr und weiter beide guts schaffen und schaden thuen kan ynn geistlichen und weltlichen sachen, denn die zunge, so doch das kleinste und schwechste gelied ist.

 

 

Das Neunde und Zehende Gepot.

[s. 174]

 

DU solt nicht begeren deines nehisten haus.

DU solt nicht begeren seines weibs, knecht, magd, viehe

odder was sein ist.

[Ursach der letzten gepot bey den Jueden.] Diese zwey gepot sind fast den Jueden sonderlich gegeben, wiewol sie uns dennoch auch zum teil betreffen. Denn sie legen sie nicht aus von unkeuscheit noch diebstal, weil davon droben gnug verpoten ist, Hieltens auch dafur, sie hetten yhene alle gehalten, wenn sie eusserlich die werck gethan odder [s. 175] nicht gethan hetten. Daruemb hat Gott diese zwey hynzugesetzt, das mans auch halte fur sunde, und verpoten des nehisten weib oder gut begeren und keinerley weise darnach zustehen, Und sonderlich daruemb, weil ynn dem Juedischen regiment knechte und megde nicht wie itzt frey waren umbs lohn zudienen wie lang sie wolten, sondern des Herrn eigen mit leib und was sie hatten, wie das viehe und ander gut. Dazu auch ein yglicher uber sein weib die macht hatte durch ein scheidbrieff oeffentlich von sich zulassen und ein andere zunemen. Da musten sie nu unternander die fahr stehen, wenn ymand eins andern weib gerne gehabt hette, das er yrgend ein ursach neme beide sein weib von sich zuthun und dem andern seins auch zuentfroemden, das ers mit gutem fug zu sich brechte. Das war nu bey yhn kein sunde noch schande, so wenig als itzt mit dem gesynde, wenn ein hausherr seinem knecht odder magd urlaub gibt odder einer dem andern sonst abdringet.

 

[Summa.] Daruemb haben sie nu (sage ich) diese gepot also gedeutet, wie es auch recht ist (wiewol es auch etwas weiter und hoher gehet), das niemand dem andern das seine, als weib, gesind, haus und hoff, acker, wiesen, viehe dencke und furneme an sich zubringen auch mit gutem schein und behelff, doch mit des nehisten schaden. Denn droben ym Siebenden gepot ist die untugent verpoten, da man froemde gut zu sich reisset odder dem nehisten furhelt, dazu [s. 176] man kein recht haben kan. Hie aber ist auch gewehret dem nehisten nichts abzuspannen, ob man gleich mit ehren fur der welt dazu komen kan, das dich niemand zeihen noch taddeln thar, als habstus mit unrecht eroebert. Denn die natur so geschickt ist, das niemand dem andern soviel als yhm selbs goennet, und ein yglicher soviel er ymer kan zu sich bringet, ein ander bleibe wo er kan. Und woellen noch dazu from sein, koennen uns auffs feinste schmucken und den schalck bergen, suchen und dichten so behende fuendlin und schwinde griffe (wie man itzt teglich auffs beste erdencket) als aus dem rechten gezogen, thuren uns darauff kecklich beruffen und trotzen und woellen solchs nicht schalkeit sondern gescheidikeit und furchsichtigkeit genennet haben. Dazu helffen auch Juristen und rechtsprecher, so das recht lencken und denen, wie es zur sache helffen wil, die wort zwacken und zu behelff nemen, unangesehen billickeit und des nehisten notdurfft. Und Summa, wer ynn solchen sachen der geschickste und gescheideste ist, dem hilfft das recht am besten, wie sie auch sprechen ‘Vigilantibus iura subveniunt’.3

 

Daruemb ist dis letzte gepot nicht fur die boese buben fur der welt, sondern eben fur die fromsten gestellet, die da wollen gelobt sein, redliche und auffrichtige leute heissen, als die widder die vorige gepot nichts verschulden, wie furnemlich die Jueden sein wolten und noch viel grosser Junckern, Herrn und Fuersten. Denn der ander gemeine hauffe gehoeret noch weit herunter yn das siebende gepot, als die nicht viel darnach fragen, wie sie das yhre mit ehren und recht gewinnen.

 

[Rechtshendel.] So begibt sich nu solchs am meisten ynn den hendeln, so auff recht gestellet werden, dadurch man furnimpt dem nehisten etwas abzugewinnen und abzuschuepffen. Als (das wir Exempel geben) wenn man hadert und handlet umb gros erbfall, liegende guter etc., Da furet man erzu und nympt zuhuelffe, was ein schein des rechten haben wil, mutzet und schmuckts also erfur, das das recht diesem zufallen mus und behelt das gut mit solchem titel, das niemand kein klag noch anspruch dazu hat. Jtem wenn einer gerne ein schlos, stad, graffchafft odder sonst etwas grosses hette, und treibt soviel fynantzerey durch freundschafft und womit er kan, das es einem andern abe und yhm zugesprochen wird, dazu mit brieve und siegel bestetigt, das mit Furstlichem titel und redlich gewonnen heisse.

 

[s. 177] [Kauffshendel.] Desgleichen auch yn gemeinen kauffshendlen, wo einer dem andern etwas behendiglich aus der hand ruecket, das yhener mus hynach sehen, odder yhn ubereilet und bedrenget, woran er sein vorteil und genies ersihet, das yhener vileicht aus not odder schuld nicht erhalten noch on schaden losen kan, auff das ers halb oder mehr gefunden habe, und mus gleichwol nicht mit unrecht genomen odder entwendet sondern redlich gekaufft sein. Da heists: Der erst der best, und yglicher sehe auff seine schantz, ein ander habe was er kan. Und wer wolt so klug sein alles zuerdencken, wieviel man mit solchem huebschen schein kan zu sich bringen, das die welt fur kein unrecht helt, und nicht sehen wil, das damit der nehiste enhyndern bracht wird und lassen mus das er nicht on schaden emperen kan, so doch niemand ist der yhm solchs wolt gethan haben? daran wol zu spuren ist, das solcher behelff und schein falsch ist.

 

[Juedisch fuendle eines andern eheweib abzudringen.] Also ists nu verzeiten auch mit den weibern zu gangen: da kundten sie solche fundlin, wenn einem ein andere gefiele, das er durch sich odder andere (wie denn mancherley mittel und wege zurdencken waren) zurichtet, das yhr man ein unwillen auff sie warff odder sie sich gegen yhm sperret und so stellet, das er sie muste von sich thuen und diesem lassen. Solchs hat on zweyvel starck regieret ym gesetz, wie man auch ym Euangelio liest von dem Koenig Herode, das er seines eigenen bruders weib noch bey seinem leben freyete, [Mark. 6, 20] welcher doch ein erbarer, fromer man sein wolte, wie yhm auch Sanct Marcus zeugnis gibt. Aber solch Exempel (hoffe ich) sol bey uns nicht stad haben, weil yn newen Testament den ehelichen verpoten ist sich vonander zuscheiden, Es were denn ynn solchem fal, das einer dem andern ein reiche braut mit behendickeit entrueckete. Das ist aber bey uns nicht seltzam, das einer dem andern sein knecht oder dienstmagd abspannet und entfroembdet odder sonst mit guten worten abzeucht.

 

Es geschehe nu solchs alles wie es woelle, so sollen wir wissen, das Gott nicht haben wil, das du dem nehisten etwas das yhm gehoeret, also entziehest, das er empere und du deinen geitz fuellest, ob du es gleich mit ehren fur der welt behalten kanst. Denn es ist ein heymliche, meuchlinge schalckeit und wie man spricht unter dem huetlin gespielet, das [s. 178] mans nicht mercken sol. Denn ob du gleich hyngehest, als habstu niemand unrecht gethan, so bistu doch deinem nehisten zunahe. Und heissets nicht gestolen noch betrogen, so heisset es dennoch des nehisten guts begeret, das ist darnach gestanden und yhm abwendig gemacht on seinen willen, und nicht wollen goennen das yhm Gott bescheret hat. Und ob dirs der Richter und yderman lassen mus, so wird dirs doch Gott nicht lassen, denn er sihet das schalckhertz und der welt tuecke wol, welche wo man yhr ein finger breit einreumet, nimpt sie ein elelang dazu, das auch oeffentlich unrecht und gewalt folget.

 

Also lassen wir diese gepot bleiben ynn dem gemeinen verstand, das erstlich gepoten sey, das man des nehisten schaden nicht begere, auch nicht dazu helffe noch ursach gebe, sondern yhm goenne und lasse was er hat, dazu foddere und erhalte was yhm zu nutz und dienst geschehen mag, wie wir wolten uns gethan haben. Also das es sonderlich widder die abgunst und den leidigen geitz gestellet sey, auff das Gott die ursach und wurtzel aus dem wege reueme, daher alles entspringet dadurch man dem nehisten schaden thuet. Daruemb ers auch deutlich mit den worten setzet ‘Du solt nicht begeren &c..’ Denn er wil fuernemlich das hertz rein haben, wiewol wirs, so lang wir hie leben, nicht dahyn bringen koennen. Also das dis wol ein gepot bleibt wie die andern alle, das uns on unterlas beschueldigt und anzeigt, wie from wir fur Gott sind.

 

[Beschlus der zehen gepot.] So haben wir nu die zehen gepot, ein ausbund Goettlicher lere, was wir thuen sollen, das unser gantzes leben Gott gefalle, und den rechten born und rohre, aus und ynn welchen quellen und gehen muessen alles was gute werck sein sollen, also das ausser den zehen gepoten kein werck noch wesen gut und Gott gefellig kan sein, es sey so gros und koestlich fur der welt wie es [Kein gut werck ausser den x gepoten.] wolle. Las nu sehen, was unsere grosse heiligen rhuemen koennen von yhren geistlichen Orden und grossen, schweren wercken, die sie erdacht und auffgeworffen haben und diese faren lassen, gerade als weren diese viel zugering odder allbereit lengist ausgericht. Jch meine yhe, man solt hie alle hende vol zuschaffen haben, das man diese hielte, sanfftmut, gedult und liebe gegen feinden, keuscheit, wolthat etc., und was solche stueck mit sich bringen. Aber solche werck gelten und scheinen nicht fur der welt augen. Denn sie sind nicht seltzam und auffgeblasen, an sonderliche eigene zeit, stedte, weise und geberde gehefftet, sondern gemeine tegliche haus werck, so ein nachbar gegen dem andern treiben kan, daruemb haben sie kein ansehen. Yhene aber [s. 179] sperren augen und ohren auff, dazu helffen sie selbs mit grossem geprenge, kost und herrlichem gebew und schmuecken sie erfur, das alles gleissen und leuchten mus, da reuchert man, da singet und klinget man, da zuendet man kertzen und liechte an, das man fur diesen keine andere hoeren noch sehen koenne. Denn das da ein pfaff ynn einer guelden Casel stehet odder ein ley den gantzen tag ynn der kyrchen auff den knyen ligt, das heisset ein koestlich werck das niemand gnug loben kan. Aber das ein armes meidlin eines iungen kinds wartet und treulich thuet was yhr befohlen ist, das mus nichts heissen. Was solten sonst Muenche und Nonnen ynn yhren Klostern suchen?

 

[Heuchler vermessenheit.] Sihe aber, ist es nicht ein verfluchte vermessenheit der verzweivelten heiligen, so da sich unterstehen ein hoeher und besser leben und stende zufinden denn die zehen gepot leren, geben fur, wie gesagt, es sey ein schlecht leben fur den gemeinen man, yhres aber sey fur die heiligen und volkomenen, Und sehen nicht, die elenden, blinden leute, das kein mensch so weit bringen kan, das er eins von den zehen gepoten halte wie es zuhalten ist, sondern noch beide der glaube und das vater unser zuhuelffe komen mus (wie wir hoeren werden), dadurch man solchs suche und bitte und on unterlas empfahe? Daruemb ist yhr rhuemen gerade soviel, als wenn ich rhuemete und sagte: Jch habe zwar nicht ein groschen zubezalen, aber zehen guelden trawe ich wol zubezalen.

 

[Vermanung.] Das rede und treibe ich daruemb, das man des leidigen misbrauch, der so tieff eingewurtzelt hat und noch yderman anhenget, los werde und sich gewene yn allen stenden auff erden allein hieher zusehen und sich damit zubekuemern. Denn man wird noch lang kein lere noch stende auffbringen, [Zehen gepot uber alle wercklere.] die den zehen geboten gleich sind, weil sie so hoch sind, das sie niemand durch menschen krafft erlangen kan, und wer sie erlanget, ist ein hymlisch Engelisch mensch weit uber alle heiligkeit der welt. Nym sie nur fur und versuche dich wol, lege alle krafft und macht daran, so wirstu wol soviel zuschaffen gewinnen, das du kein andere werck odder heiligkeit suchen noch achten wirdst. Das sey gnug von dem ersten teil beide zuleren und vermanen. Doch muessen wir zubeschliessen widerholen den Text, welchen wir auch droben ym ersten gepot gehandlet haben, auff das man lerne, was Gott drauff wil gewendet haben, das man die zehen gepot wol lerne treiben und uben.

 

Jch der HERR dein Gott bin ein eiveriger Gott, der uber die, so mich hassen, die sunde der veter heymsucht an den kindern [s. 180] bis yns dritte und vierde gelied. Aber denen, so mich lieben und meine gepot halten, thu ich wol ynn tausend gelied.

 

Dieser zusatz, wiewol er (wie oben gehoeret) zufodderst zum ersten gepot angehengt ist, so ist er doch umb aller gepot willen gesetzt, als die sich semptlich hieher ziehen und darauff gerichtet sollen sein. Daruemb habe ich gesagt, man solle solchs auch der iugent furhalten und einblewen, das sie es lerne und behalte, auff das man sehe, was uns dringen und zwingen sol solche zehen gepot zuhalten. Und sol es nicht anders ansehen denn als sey dis stueck zu einem iglichen sonderlich gesetzet, also das es ynn und durch sie alle gehe. Nu ist (wie vor gesagt) ynn diesen worten zusamen [Dreuwort und verheissung neben den zehen gepoten.] gefasset beide ein zornig dreuwort und freundliche verheissung, uns zuschrecken und warnen, dazu zu locken und reitzen, auff das man sein wort als ein Goetlichen ernst anneme und gros achte, weil er selbs ausdruecket, wie gros yhm daran gelegen sey und wie hart er drueber halten wolle, nemlich das er greulich und schrecklich straffen wil alle, die seine gepot verachten und ubertretten, und widderuemb wie reichlich ers belonen wil, wolthuen und alles guts geben denen, die sie gros achten und gerne darnach thuen und leben. Damit er wil gefoddert haben, das sie alle aus solchem hertzen gehen, das alleine Gott furchtet und fur augen hat, und aus solcher furcht alles lesset, was widder seinen willen ist, auff das yhn nicht erzuerne, Und dagegen auch yhm allein vertrawet und yhm zu liebe thuet was er haben wil, weil er sich so freundlich als ein vater hoeren lesset und uns alle gnade und guts anbeut.

 

[Gantze summa des ersten gepots.] Das ist auch eben die meinung und rechte auslegung des ersten und furnemsten gepots, daraus alle andere quellen und gehen sollen, Also das dis wort ‘Du solt nicht andere Goetter haben’ nichts anders auffs einfeltigste wil gesagt haben denn soviel hie gefoddert: du solt mich als deinen einigen [Gott furchten und vertrawen erfuellet alle gepot.] rechten Gott fuerchten, lieben und mir vertrawen. Denn wo ein solchs hertz gegen Gott ist, das hat dieses und alle andere erfuellet. Widderuemb wer etwas anders ynn hymel und auff erden fuerchtet und liebet, der wird widder dieses noch keines halten. Also hat die gantze schrifft uberal dis gepot gepredigt und getrieben, alles auff die zwey stueck, Gottes fuercht und vertrawen, gerichtet, Und fuernemlich der Prophet David ym Psalter durch und [Ps. 147, 11] durch, als da er spricht: ‘Der HERR hat gefallen an denen, die yhn fuerchten und auff seine guete warten’, als were das gantze gepot mit einem vers ausgestrichen und eben soviel gesagt: Der HERR hat gefallen an denen, die kein andere Goetter haben.

 

Also sol nu das erste gepot leuchten und sein glantz geben ynn die [Das erste gepot treibet die andern alle.] andern alle, daruemb mustu auch dis stueck lassen gehen durch alle gepot als [s. 181] die schele odder boegel ym krantz, das end und anfang zuhauffe fuege und alle zusamen halte, auff das mans ymmer widderhole und nicht vergesse. [Erste tafel.] Als nemlich ym andern gepot, das man Gott fuerchte und seines namens nicht misbrauche zu fluchen, liegen, triegen und anderer verfuerung odder bueberey, sondern recht und wol brauche mit anruffen, beten, loben und dancken aus liebe und vertrawen nach dem ersten gepot geschepfft. Desgleichen sol solche furcht, liebe und vertrawen treiben und zwingen, das man sein wort nicht verachte, sondern lerne, gerne hoere, heilig halte und ehre.

 

[Andere tafel.] Darnach weiter durch die folgenden gepot gegen dem nehisten auch also, alles aus krafft des ersten gepots: das man vater und mutter, herrn und alle oeberkeit ehre, unterthan und gehorsam sey, nicht umb yhret willen sondern umb Gottes willen. (Denn du darffst widder vater noch mutter ansehen noch fuerchten noch yhn zu lieb thuen odder lassen, sihe aber zu, was Gott von dir haben wil und gar getrost foddern wird; lestu es, so hastu ein zornigen richter odder widderuemb ein gnedigen vater.) Jtem das du deinem nehisten kein leid, schaden noch gewalt thuest noch einerley weise zu nahe seiest, es treffe sein leib, gemahl, gut, ehre odder recht an, wie es nacheinander gepoten ist, ob du gleich rawm und ursach dazu hettest und dich kein mensch druemb straffete, Sondern yderman wolthuest, helffest und fodderst, wie und wo du kanst, allein Gotte zu liebe und gefallen yn dem vertrawen, das er dir alles reichlich wil erstadten. Also sihestu, wie das erste gepot das heubt und quell born ist, so durch die andern alle gehet, und widderuemb alle sich zurueck ziehen und hangen ynn diesem, das end und anfang alles ynn einander geknuepfft und gebunden ist.

 

Solchs (sage ich nu) ist nutz und not dem iungen volck ymmer furzuhalten, vermanen und erynnern, auff das sie nicht allein wie das viech mit schlegen und zwang sondern ynn Gottes furcht und ehre auffgezogen werden. Denn wo man solchs bedencket und zuhertzen nympt, das es nicht [Gottes streng gepot, nicht menschen wort.] menschen tand sondern der hohen Maiestet gepot sind, der mit solchem ernst drueber helt, zuernet und straffet die sie verachten, und widderuemb so uberschwenglich vergilt denen die sie halten, daselbs wird sichs selbs reitzen [Zehen gepot allenthalben schreiben.] und treiben gerne Gottes willen zuthuen. Daruemb ist nicht umbsonst ym alten Testament gepoten, das man solle die zehen gepot schreiben an alle [5. Mos. 6, 9; 11, 20] wend und ecken, ia an die kleider, nicht das mans allein lasse da geschrieben [s. 182] stehen und schawtrage, wie die Jueden theten, sondern das mans on unterlas fur augen und ynn stettem gedechtnis habe, ynn alle unserm thuen und wesen treiben, Und ein yglicher lasse es sein tegliche ubung sein ynn allerley fellen, gescheffte und hendeln, als stunde es an allen orten geschrieben, wo er hyn sihet, ia wo er gehet odder stehet. So wuerde man beide fur sich daheym ynn seinem haus und gegen nachbarn ursach gnug finden die zehen gepot zutreiben, das niemand weit darnach lauffen duerffte.

 

Aus dem sihet man abermal, wie hoch diese zehen gepot zuheben und preissen sind uber alle stende, gepot und werck, so man sonst leret und treibt. Denn hie koennen wir trotzen und sagen: Las aufftreten alle weisen und heiligen, ob sie kuenden ein werck erfur bringen als diese gepot, so Gott mit solchem ernst foddert und befihlt bey seinem hohisten zorn und straffe, dazu so herrliche verheissung dazu setzet, das er uns mit allen guetern und segen uberschuetten wil. Daruemb sol man sie yhe fur allen andern leren tewr und werd halten als den hohisten schatz von Gott gegeben.

 

 

 

Das Ander teil. Von dem Glauben.

[s. 182]

Bisher haben wir gehoeret das erste stueck Christlicher lere und darynne gesehen alles was Gott von uns wil gethan und gelassen haben. Darauff folgt nu billich der Glaube, der uns fuerlegt alles, was wir von Got gewarten und empfahen mussen, und (auffs kuertzte zureden) yhn gantz und [Glaube leret Gott erkennen.] gar erkennen leret. Welchs eben dazu dienen sol, das wir dasselbige thuen koennen, so wir lauts der zehen gepot thuen sollen. Denn sie sind (wie droben gesagt) so hoch gestellet, das aller menschen vermuegen viel zu gering und schwach ist die selbigen zuhalten. Daruemb ist dis stueck ia so noetig als ihenes zulernen, das man wisse, wie man dazu kome, woher und wo durch solche krafft zu nemen sey. Denn so wir kuendten aus eigenen krefften die zehen gepot halten, wie sie zuhalten sind, duerfften wir nichts weiter, widder glauben noch vater unser. Aber ehe man solchen nutz und not des glaubens ausstreichet, ist gnug erstlich fur die gar einfeltigen, das sie den glauben an yhm selbs fassen und verstehen lernen.

 

Auffs erste hat man bisher den Glauben geteilet ynn zwelff artickel, wiewol wenn man alle stueck, so ynn der schrifft stehen und zum glauben gehoeren, einzelen fassen solte, gar viel mehr artickel sind, auch nicht alle [s. 183] deutlich mit so wenig worten muegen ausgedrueckt werden. Aber das mans auffs leichteste und einfeltigste fassen kuende, wie es fur die kinder zu leren [Drey heubtartickel des glaubens.] ist, woellen wir den gantzen Glauben kuertzlich fassen ynn drey heubtartikel nach den dreyen personen der Gottheit, dahin alles was wir gleuben gerichtet ist, Also das der erste artikel von Gott dem vater verklere die Schepffung, der ander von dem Son die erloesung, Der dritte von dem Heiligen Geist die heiligung. Als were der glaube auffs aller kurtzte ynn soviel wort gefasset: Jch gleube an Gott vater der mich geschaffen hat, Jch gleube an Gott den Son der mich erloeset hat, Jch gleube an den Heiligen geist der mich heilig machet. Ein Gott und glaube, Aber drey person, daruemb auch drey artickel odder bekendnis. So woellen wir nu kuertzlich die wort uberlauffen.

 

 

 

Der erste Artickel.

 

ICH gleube an Gott den vater almechtigen, Schepffer

hymels und der erden.

[Glaube leret was wir fur ein Gott haben.] Da ist auffs aller kuertzte abgemalet und furgebildet, was Gottes des vaters wesen, wille, thuen und werck sey. Denn weil die zehen gepot haben furgehalten, man solle nicht mehr denn einen Got haben, moechte man nu fragen: Was ist denn Gott fur ein man, was thut er, wie kan man yhn preisen oder abmalen und beschreiben, das man yhn kenne? Das leret nu dieser und folgende artikel. Also das der Glaube nichts anders ist denn ein antwort und bekentnis der Christen auff das erste gepot gestellet. Als wenn man ein iung kind fragete: Lieber was hastu fur ein Gott, was weisestu von yhm? das es kuende sagen: Das ist mein Gott, zum ersten der vater der hymel und erden geschaffen hat, Ausser diesem einigen halte ich nichts fur Gott, denn sonst keiner ist der hymel und erden schaffen kuende.

 

Fur die gelerten aber und die etwas leufftig sind, kan man die artikel alle drey weit ausstreichen und teilen ynn soviel stueck als es wort sind. Aber itzt fur die iungen schueler sey gnug das noetigste anzuzeigen, nemlich (wie gesagt) das dieser artikel belanget die Schepffung, das man stehe auff dem wort Schepffer hymels und erden. Was ists nu gesagt odder was [Verstand des woertleins Schepffer.] meynestu mit dem wort ‘Jch gleube an Got Vater almechtigen, Schepffer’ &c.? Antwort: Das meine und gleube ich, das ich Gottes geschepffe bin, das ist, das er mir geben hat und on unterlas erhelt leib, seele und leben, geliedmasse [s. 184] klein und gros, alle synne, vernunfft und verstand und so fort an, essen und trincken, kleider, narung, weib und kind, gesind, haus und hoff &c., Dazu alle creatur zu nutz und notdurfft des lebens dienen lesset, Sonne, Mond und sternen am hymel, tag und nacht, lufft, fewer, wasser, erden und was sie tregt und vermag, vogel, visch, thier, getreyde und allerley gewechs, Jtem was mehr leibliche und zeitliche gueter sind, gut regiment, fride, sicherheit. Also das man aus diesem artikel lerne, das unser keiner das leben, noch alles was itzt erzelet ist und erzelt mag werden, von yhm selbs hat noch erhalten kan, wie klein und gering es ist. Denn es alles gefasset ist ynn das wort Schepffer.

 

 

Darueber bekennen wir auch, das Gott der Vater nicht allein solchs alles, was wir haben und fur augen sehen, uns geben hat, sondern auch teglich fur allem ubel und unglueck behuetet und beschuetzet, allerley ferlickeit und unfall abwendet, Und solchs alles aus lauter liebe und guete durch uns unverdienet, als ein freundlicher vater, der fuer uns sorget, das uns kein leid widderfare. Aber davon weiter zusagen gehoeret ynn die andern [Almechtiger Vater.] zwey stueck dieses artickels, da man spricht ‘Vater almechtigen’.

 

Hieraus wil sich nu selbs schliessen und folgen: weil uns das alles, [Folge und frucht des glaubens.] so wir vermuegen, dazu was ym hymel und erden ist, teglich von Gott gegeben, erhalten und bewaret wird, so sind wir ia schueldig yhn daruemb on unterlas zulieben, loben und dancken und kuertzlich yhm gantz und gar damit zudienen, wie er durch die zehen gepot foddert und befolhen hat. Hie were nu viel zusagen [s. 185] (wenn mans solt ausstreichen), wie wenig yhr sind, die diesen artikel gleuben. Denn wir gehen all uber hyn, hoerens und sagens, sehen aber und bedencken nicht, was uns die wort fuertragen. Denn wo wirs von hertzen gleubten, wuerden wir auch darnach thun und nicht so stoltz her gehen, trotzen und uns bruesten, als hetten wir das leben, reichtumb, gewalt und ehre &c. von uns selbs, das man uns furchten und dienen mueste, wie die unselige verkerte welt thuet, die ynn yhrer blindheit ersoffen ist, aller gueter und gaben Gottes allein zu yhrer hoffart, geitz, lust und woltagen misbraucht und Gott nicht ein mal ansehe, das sie ym danckete odder fur ein herrn und schepffer erkennete. Daruemb solt uns dieser artickel alle demuetigen und erschrecken, wo wirs gleubten. Denn wir sundigen teglich mit augen, oren, henden, leib und seele, gelt und gut und mit allem das wir haben, sonderlich die ihenigen, so noch widder Gottes wort fechten. Doch haben die Christen den vorteil, das sie sich des schueldig erkennen yhm dafur zudienen und gehorsam zu sein.

 

Derhalben sollen wir diesen artickel teglich uben, einbilden und uns [Ubung des glaubens ynn allerley fellen.] erynnern ynn allem, was uns fur augen koempt und guts widderferet, und wo wir aus noeten odder ferlickeit komen, wie uns Gott solchs alles gibt und thuet, das wir daran spueren und sehen sein vetterlich hertz und uberschwenckliche liebe gegen uns. Davon wuerde das hertz erwarmen und entzuendet werden danckbar zu sein und aller solcher gueter zu Gottes ehren und lob zubrauchen. Also haben wir auffs kuertzte die meinung dieses artickels, soviel den einfeltigen erstlich not ist zulernen, beide was wir von Gott haben und empfahen, und was wir dafur schueldig sind. Welchs gar ein gros trefflich erkentnis ist, aber viel ein hoeher schatz. Denn da sehen wir, wie sich [Gott gibt sich uns sampt allen creaturen.] der vater uns gegeben hat sampt allen creaturen und auffs aller reichlichste ynn diesem leben versorget, on das er uns sonst auch mit unaussprechlichen ewigen gutern durch seinen Son und heiligen geist uberschuettet, wie wir hoeren werden.

 

 

Der ander Artickel.

Und an Jhesum Christum, seinen einigen Son, unsern HERRN, der empfangen ist vom heiligen geist, geporen von der iungfrawen Maria, gelidden unter Pontio Pilato, gecreutzigt, gestorben und begraben, Niddergefaren zur hellen, Am dritten tage aufferstanden von den todten, Auffgefaren gen hymel, Sitzend zur rechten Gottes des allmechtigen vaters, Von dannen er komen wird zurichten die lebendigen und die todten.

[s. 186]

 

HJe lernen wir die andere person der Gottheit kennen, das wir sehen, was wir uber die vorigen zeitlichen guter von Gott haben, nemlich wie er sich gantz und gar ausgeschuettet hat und nichts behalten, das er nicht uns gegeben habe. Dieser artikel ist nu seer reich und weit, aber das wirs auch kurtz und kindlich handlen, wollen wir ein wort fur uns nemen und darynne die gantze Summa davon fassen, nemlich (wie gesagt) das man heraus lerne, wie wir erloeset sind, Und sol stehen auff diesen worten ‘An Jhesum Christum, unsern HERRN’.

 

[Christus unser HERR.] Wenn man nu fragt: was gleubstu ym andern artikel von Jhesu Christo? Antwort auffs kuertzte: Jch gleube, das Jhesus Christus, warhafftiger Gottes son, sey mein HErr worden. Was ist nu das ‘Ein Herr werden’? Das ists, das er mich erloeset hat von sunde, vom Teuffel, vom tode und allem unglueck. Denn zuvor habe ich keinen herrn noch Koenig gehabt, sondern unter des Teuffels gewalt gefangen, zu dem tod verdampt, ynn der sunde und blindheit verstrickt gewesen.

 

Denn da wir geschaffen waren und allerley guts von Gott dem Vater [Teuffels reich und gewalt.] empfangen hatten, kam der Teuffel und bracht uns ynn ungehorsam, sunde, tod und alle unglueck, das wir ynn seinem zorn und ungnade lagen zu ewigem verdamnis verurteilet, wie wir verwirckt und verdienet hatten. Da war kein rath, huelffe noch trost, bis das sich dieser einige und ewige Gottes son unsers iamers und elends aus grundloser guete erbarmete und von hymel kam uns zuhelffen. Also sind nu ihene Tyrannen und Stockmeister alle vertrieben und ist an yhre stad getretten Jhesus Christus, ein Herr des lebens, gerechtickeit, alles guts und selickeit, und hat uns arme verlorne menschen aus der helle rachen gerissen, gewonnen, frey gemacht und widderbracht yn des Vaters huld und gnade und als sein eigenthumb unter seinen schirm und schutz genomen, das er uns regiere durch seine gerechtickeit, weisheit, gewalt, leben und selickeit.

 

Das sey nu die Summa dieses Artickels, das das wortlin HERRE auffs einfeltigste soviel heisse als ein Erloser, das ist der uns vom Teuffel zu Gotte, vom tod zum leben, von sund zur gerechtikeit bracht hat und da bey erhelt. Die stuecke aber, so nacheinander ynn diesem artikel folgen, thuen [Wie und wordurch die erloesung geschehe.] nichts anders, denn das sie solche erloesung verkleren und ausdruecken, wie und wodurch sie geschehen sey, das ist was yhn gestanden und was er daran gewendet und gewagt hat, das er uns gewoenne und zu seiner hyrschafft brechte, Nemlich das er mensch worden, von dem heiligen geist und [s. 187] der Jungfrawen on alle sunde empfangen und geporen, auff das er der sunden herr were, darzu gelidden, gestorben und begraben, das er fur mich genug thete und bezalete, was ich verschuldet habe, nicht mit sylber noch gold sondern mit seinem eigenen tewren blut. Und dis alles daruemb, das er mein HERR wuerde. Denn er fur sich der keines gethan noch bedurfft hat. Darnach widder auffgestanden, den tod verschlungen und gefressen Und endlich gen hymel gefaren und das regiment genomen zur rechten des vaters, das yhm Teuffel und alle gewalt mus unterthan sein und zu fuessen ligen, so lang bis er uns endlich am iuengsten tage gare scheide und sondere von der boesen welt, Teuffel, tod, sunde &c.. Aber diese eynzele stueck alle sonderlich auszustreichen gehoeret nicht ynn die kurtze kinderpredigt sondern ynn die grossen predigte uber das gantze iar, sonderlich auff die zeit so dazu geordnet sind ein yglichen artickel ynn die lenge zuhandlen: von der gepurt, leiden, aufferstehen, hymelfart [Artikel von Christo ymmer zu treiben.] Christi &c.. Auch stehet das gantze Euangelion, so wir predigen, darauff, das man diesen artikel wol fasse, als an dem alle unser heil und selickeit ligt und so reich und weit ist, das wir ymer gnug daran zulernen haben.

 

 

Der Dritte artickel.

Jch gleube an den Heiligen geist, ein heilige Christliche kyrche, die gemeine der heiligen, Vergebung der sunden, aufferstehung des fleischs und ein ewigs leben. Amen.

 

Diesen artikel kan ich nicht besser oertern denn (wie gesagt) von der Heiligung, das dadurch der Heilige geist mit seinem ampt ausgedrueckt und abgemalet werde, nemlich das er heilig machet. Daruemb muessen wir fussen auff das wort Heiligen Geist, weil es so kurtz gefasset ist, das man kein anders haben [Mancherley Geist.] kan. Denn es sind sonst mancherley Geist ynn der schrifft, als Menschen geist, Hymlische geister und boeser geist. Aber Gottes [Heiliger geist der da heilig machet.] geist heisset allein ein heiliger geist, Das ist der uns geheiligt hat und noch heiliget. Denn wie der Vater ein Schepffer, der Son ein Erloeser heisset, so sol auch der heilige Geist von seinem werck ein Heiliger odder [Wie und wo durch die heiligung geschihet.] heiligmacher heissen. Wie gehet aber solch heiligen zu? Antwort: Gleich wie der Son die herschafft uberkoempt, dadurch er uns gewinnet, durch seine gepurt, sterben und aufferstehen &c., Also [s. 188] richtet der Heilige geist die heiligung aus durch die folgende stuecke, das ist durch die gemeine der heiligen odder Christliche kyrche, vergebung der sunden, aufferstehung des fleischs und das ewige leben, das ist das er uns erstlich fueret ynn seine heilige gemeine und ynn der kyrchen schos legt, dadurch er uns predigt und zu Christo bringet.

 

[Der heilige geist bringet uns Christum heym.] Denn widder du noch ich kuendten ymmer mehr etwas von Christo wissen noch an yhn gleuben und zum Herrn kriegen, wo es nicht durch die predigt des Euangelij von dem heiligen geist wuerde angetragen und uns ynn bosam geschenckt. Das werck ist geschehen und ausgericht, denn Christus hat uns den schatz erworben und gewonnen durch sein leiden, sterben und aufferstehen &c.. Aber wenn das werck verborgen bliebe, das niemand wueste, so were es umb sonst und verloren. Das nu solcher schatz nicht begraben bliebe, sondern angelegt und genossen wuerde, hat Gott das wort ausgehen und verkuenden lassen, daryn den heiligen geist geben, uns solchen schatz und erloesung heim zubringen und zueigenen. Daruemb ist das heiligen nicht anders denn zu dem HERRN Christo bringen, solch gut zuempfahen, dazu wir von uns selbs nicht komen kuendten.

 

So lerne nu diesen artikel auffs deutlichste verstehen. Wenn man fragt: was meinestu mit den worten ‘Jch gleube an den heiligen geist’? [Summa dis artikels.] das du koennest antworten: Jch gleube, das mich der Heilige geist heilig machet, wie sein name ist. Womit thuet er aber solchs? odder was ist seine weise und mittel dazu? Antwort: Durch die Christliche kyrche, vergebung der sunden, aufferstehung des fleischs und das ewige leben. Denn zum ersten hat er ein sonderliche gemeyne ynn der welt, welche ist die mutter, so ein yglichen Christen zeugt und tregt durch das wort Gottes, welches er offenbaret und treibt, die hertzen erleucht und anzuendet, das sie es fassen, annemen, daran hangen und dabey bleiben.

 

[Der heilige geist mus Christum offenbaren.] Denn wo ers nicht predigen lesset und ym hertzen erweckt, das mans fasset, da ists verloren, wie unter dem Bapstumb geschehen ist, da der glaube gantz unter die banck gesteckt, niemand Christum fur einen Herrn erkand hat noch den Heiligen geist fur den, der da heilig machet. Das ist: niemand hat gegleubt, das Christus also unser Herr were, der uns on unser merck und verdienst solchen schatz gewonnen hette und uns dem vater angeneme gemacht. Woran hat es denn gemangelt? Daran das der heilige geist nicht ist da gewesen, der solchs hette offenbaret und predigen lassen, sondern menschen und boese geist sind da gewesen, die uns haben geleret durch unsere werck selig zu [Wo der geist nicht predigt, da ist kein kyrche.] werden und gnad erlangen. Daruemb ist es auch kein Christliche kyrche. [s. 189] Denn wo man nicht von Christo predigt, da ist kein heiliger geist, welcher die Christliche kyrche machet, berueffet und zusamen bringet, ausser welcher niemand zu dem Herrn Christo komen kan. Das sey genug von der Summa dieses artikels; weil aber die stueck, so daryn verzelet, fur die einfeltigen nicht so gar klar sind, wollen wir sie auch uberlauffen.

 

Die heilige Christliche kyrche heisset der Glaube Communionem sanctorum, Ein gemeinschafft der heiligen. Denn es ist beides einerley zusamen gefasset, aber verzeiten das eine stueck nicht dabey gewesen, ist auch ubel und [Gemeinschafft der heiligen.] unverstendlich verdeudscht ‘Eine gemeinschafft der heiligen’. Wenn mans deutlich geben solt, must mans auff deudsche art gar anders reden. Denn das wort Ecclesia heisset eigentlich auff deudsch ein versamlunge, wir sind aber gewonet des woertleins kyrche, welchs die einfeltigen nicht von einem versamleten hauffen sondern von dem geweiheten haus odder gebew verstehen (wiewol das haus nicht solt eine kyrche heissen on allein daruemb, das der hauffe daryn zusamen koempt, denn wir, die zusamen komen, machen und nemen uns ein sonderlichen raum und geben dem haus nach dem hauffen ein [Kyrche.] namen). Also heisset das wortlin Kyrche eigentlich nicht anders denn ein gemeine samlung und ist von art nicht deudsch sondern Griechisch (wie auch das wort Ecclesia). Denn sie heissens auff yhre sprach Kyria, wie mans latinisch Curiam nennet. Daruemb solts auff recht deudsch und unser mutter sprach heissen ‘Ein Christliche gemeine odder samlung’ odder auffs aller beste und klerste ‘Ein heilige Christenheit’.

 

[Heilige gemeine odder Christenheit.] Also auch das wort Communio, das dran gehenget ist, solt nicht Gemeinschafft sondern gemeine heissen. Und ist nicht anders denn die glose odder auslegung, da ymand hat woellen deuten, was die Christliche kyrche heisse. Dafur haben die unsern, so widder latinisch noch deudsch gekund haben, gemachet ‘gemeinschafft der heiligen’, so doch kein deudsche sprach so redet noch verstehet. Aber recht deudsch zureden solt es heissen ‘Ein gemeine der heiligen’, das ist ein gemeine, daryn eitel heiligen sind, odder noch [s. 190] klerlicher ‘ein heilige gemeine’. Das rede ich darumb, das man die wort verstehe, weil es so ynn die gewonheit eingerissen ist, das schwerlich widder eraus zureissen ist, und sol bald kezerey sein, wo man ein wort endert.

 

Das ist aber die meinung und Summa von diesem zusatz: Jch gleube, das da sey ein heiliges heufflein und gemeine auff erden eiteler heiligen unter einem heubt Christo, durch den heiligen geist zusamen beruffen, ynn einem glauben, synne und verstand, mit mancherley gaben, doch eintrechtig ynn der liebe, on rotten und spaltung. Der selbigen bin ich auch ein stuek und gelied, aller guetter, so sie hat, teilhafftig und mitgenosse, durch den Heiligen geist dahyn gebracht und eingeleibet, dadurch das ich Gottes wort gehoert habe und noch hoere, welchs ist der anfang hynein zukomen. Denn vorhyn ehe wir dazu komen sind, sind wir gar des Teuffels gewesen, als die von Gott und von Christo nichts gewust haben. So bleibt der Heilige geist bey der heiligen gemeine odder Christenheit bis auff den iuengsten tag, dadurch er uns holet, und brauchet sie dazu, das wort zufuren und treiben, dadurch er die heiligung machet und mehret, das sie teglich zuneme und starck werde ym glauben und seinen fruechten, so er schaffet.

 

[Vergebung der sunde.] Darnach weiter gleuben wir, das wir yn der Christenheit haben vergebung der sunde, welches geschihet durch die heiligen Sacrament und absolution, dazu allerly trostsprueche des gantzen Euangelij. Daruemb gehoeret hieher, was von den Sacramenten zupredigen ist, Und Summa das gantze Euangelion und alle empter der Christenheit. Welchs auch not ist, das on unterlas gehe. Denn wiewol Gottes gnade durch Christum erworben ist und die heilickeit durch den heiligen geist gemacht (durch Gottes wort yn der vereinigung der Christlichen kyrchen), So sind wir doch nymer one sund unsers fleischs halben, so wir noch am hals tragen. Daruemb ist alles yn der [Tegliche vergebung ynn der Christenheit.] Christenheit dazu geordnet, das man da teglich eitel vergebung der sunden durch wort und zeichen hole, unser gewissen zutroesten und auffrichten, so lang wir hie leben. Also machet der heilig geist, das ob wir gleich sunde haben, doch sie uns nicht schaden kan, weil wir ynn der Christenheit sind, da eitel vergebung der sund ist, beide das uns Gott vergibt und wir unternander vergeben, tragen und auffhelffen. Ausser der Christenheit aber, da das Euangelion nicht ist, ist auch kein vergebung nicht, wie auch keine heilickeit da sein kan. Daruemb haben sich alle selbs eraus geworffen und gesondert, die nicht durchs Euangelion und vergebung der sund sondern durch yhre wercke heilickeit suechen und verdienen woellen.

 

Ynn des aber weil die heilickeit angefangen ist und teglich zunimpt, [s. 191] warten wir, das unser fleisch hyngerichtet und mit allem unflat bescharrret [Aufferstehung des fleisches.] werde, aber herrlich erfurkome und aufferstehe zu gantzer und volliger heilikeit yn einem newen ewigen leben. Denn itzt bleiben wir halb und halb reine und heilig, auff das der Heilig geist ymer an uns erbeite durch das wort, und teglich vergebung austeile bis ynn ihenes leben, da nicht mehr vergebung wird sein sondern gantz und gar rein und heilige menschen voller fromkeit und gerechtickeit, entnomen und ledig von sund, tod und allem unglueck ynn einem newen unsterblichen und verklerten leib. Sihe, das alles sol des Heiligen geists ampt und werck sein, das er auff erden die heilickeit anfahe und teglich mere durch die zwey stueck: Christliche kyrche und vergebung der sunde; wenn wir aber verwesen, wird ers gantz auff einem augenblick volfueren und ewig dabey erhalten durch die letzten zwey. Das aber hie stehet ‘Aufferstehung des fleisches’, ist auch nicht wol deudsch geredt. Denn wo wir ‘fleisch’ hoeren, dencken wir nicht weiter denn ynn die scherren. Auff recht deudsch aber wuerden wir also reden: Aufferstehung des leibs odder leichnams. Doch ligt nicht grosse macht dran, so man nur die wort recht verstehet.

 

Das ist nu der Artickel, der da ymerdar ym werck gehen und bleiben mus. Denn die schepffung haben wir nu hynweg, so ist die Erloesung [Des heiligen geists merck gehet ymerdar.] auch ausgerichtet, aber der Heilige geist treibt sein werck on unterlas bis auff den iuengsten tag, dazu er verordnet eine gemeine auff erden, dadurch er alles redet und thuet. Denn er seine Christenheit noch nicht alle zusamen bracht noch die vergebung ausgeteilet hat. Daruemb geluben wir an den, der uns teglich erzu holet durch das wort, und den glauben gibt, mehret und sterckt durch das selbige wort und vergebung der sunde, auff das er uns, wenn das alles ausgericht und wir dabey bleiben, der welt und allem unglueck absterben, endlich gar und ewig heilig mache, welchs wir itzt durchs wort ym glauben warten.

 

Sihe, da hastu das gantze Goettliche wesen, willen und werck mit gantz kurtzen und doch reichen worten auffs allerfeineste abgemalet, Daryn alle unser weisheit stehet, so uber alle menschen weisheit, synn und vernunfft gehet und schwebt. Denn alle welt, wiewol sie mit allem vleis darnach getrachtet hat, was doch Gott were und was er ym synn hette und thete, so hat sie doch der keines yhe erlangen moegen. Hie aber hastu es alles auffs aller reicheste. [Ym glauben hat sich Gott gantz ausgeschuttet.] Denn da hat er selbs offenbaret und auffgethan den tieffsten abgrund seines veterlichen hertzens und eitel unaussprechlicher liebe yn allen dreyen artickeln. Denn er hat uns eben da zu geschaffen, das er uns erloesete und heiligte; und [s. 192] uber das er uns alles geben und eingethan hatte, was yhm hymel und auff erden ist, hat er uns auch seinen Son und Heiligen geist geben, durch welche er uns zu sich brechte. Denn wir kuenden (wie droben verkleret) nymer mehr dazu komen, das wir des vaters hulde und gnade erkenneten on durch den HERRN Christum, der ein spiegel ist des veterlichen hertzens, ausser welchem wir nichts sehen denn einen zornigen und schrecklichen Richter. Von Christo aber kuendten wir auch nichts wissen, wo es nicht durch den Heiligen geist offenbaret were.

 

Daruemb scheiden und sondern diese Artickel des glaubens uns Christen von allen andern leuten auff erden. Denn was ausser der Christenheit ist, es seyen Heyden, Tuercken, Jueden odder falsche Christen und heuchler, ob sie gleich nur einen warhafftigen Gott gleuben und anbeten, so wissen sie doch nicht, was er gegen yhn gesynnet ist, koennen sich auch keiner liebe noch guts zu yhm versehen, daruemb sie ynn ewigen zorn und verdamnis bleiben. Denn sie den HERRN Christum nicht haben, dazu mit keinen gaben durch den Heiligen geist erleuchtet und begnadet sind.

 

[Unterscheid des glaubens und zehen gepot.] Aus dem sihestu nu, das der Glaube gar viel ein andere lere ist denn die zehen gepot. Denn ihene leret wol, was wir thuen sollen, diese aber sagt, was uns Gott thue und gebe. Die zehen gepot sind auch sonst ynn aller menschen hertzen geschrieben, den glauben aber kan keine menschliche klugheit begreiffen und mus allein vom Heiligen geist geleret werden. Daruemb machet ihene lere noch keinen Christen, denn es bleibt noch ymmer Gottes zorn und ungnade uber uns, weil wirs nicht halten koennen was Got von uns fodert. Aber diese bringet eitel gnade, machet uns from und Gott angeneme. Denn durch diese erkentnis kriegen wir lust und liebe zu allen gepoten Gottes, weil wir hie sehen, wie sich Gott gantz und gar mit allem das er hat und vermag, uns gibt zu huelffe und stewer, die zehen gepot zuhalten: Der vater alle creaturn, Christus alle sein werck, der Heilige geist alle seine gaben. Das sey itzt genug vom glauben, ein grund zulegen fur die einfeltigen, das man sie nicht uberlade, auff das wenn sie die Summa davon verstehen, darnach selbs weiter nachtrachten, und was sie yn der schrifft lernen, hieherziehen und ymmerdar yn reicherm verstand zunemen und wachssen. Denn wir haben doch teglich, so lang wir hie leben, daran zupredigen und zu lernen.

[s. 193]

 

 

 

Das Dritte teil. Das Vater unser.

 

[Einleitung]

Wir haben nu gehoeret, was man thuen und gleuben sol, daryn das beste und seligste leben stehet, folgt nu das dritte stueck, wie man beten sol. Denn weil es also mit uns gethan ist, das kein mensch die zehen gepot volkomen halten kan, ob er gleich angefangen hat zu gleuben, Und sich der Teuffel mit aller gewalt sampt der welt und unserm eigenen fleisch [Waruemb und wozu das gebete geordnet ist.] dawidder sperret, ist nichts so not, denn das man Gott ymerdar ynn ohren lige, ruffe und bitte, das er den glauben und erfuellung der zehen gepot uns gebe, erhalte und mehre, und alles was uns ym wege ligt und daran hyndert, hynweg reume. Das wir aber wuesten, was und wie wir beten sollen, hat uns unser HERR Christus selbs weise und wort geleret, wie wir sehen werden.

 

[Vermanung zum gebete.] Ehe wir aber das Vater unser nacheinander verkleren, ist wol am noetigsten vorhyn die leute zuvermanen und reitzen zum gebete, wie auch Christus und die Aposteln than haben. Und sol nemlich das erste sein, das man wisse, wie wir umb Gottes gepots willen schueldig sind zubeten. Denn so haben wir gehuert ym Andern gepot: Du solt Gottes namen nicht unnuetzlich fueren, das daryn gefoddert werde den heiligen namen preisen, ynn aller not anruffen odder beten. Denn anruffen ist nichts anders denn [Gottes gepot.] beten. Also das es streng und ernstlich geboten ist, so hoch als alle andere, kein andern Gott haben, nicht toedten, nicht stelen etc, das niemand dencke, es sey gleich soviel, ich bete odder bete nicht, wie hie grobe leute hyngehen ynn solchem wahn und gedancken: Was solt ich beten, wer weis, ob Gott mein gebet achtet odder hoeren wil? bete ich nicht, so betet ein ander, und komen also ynn die gewonheit, das sie nymmer mehr beten, und nemen zu behelff, Das wir falsch und heuchel gebete verwerffen, als lereten wir, man solle odder duerffe nicht beten.

 

Das ist aber yhe war: was man bisher fur gebete gethan hat, geplerret und gedoenet ynn der kyrchen etc, ist freylich kein gebete gewesen. Denn solch eusserlich ding, wo es recht gehet, mag ein ubung fur die iungen kinder, schueler und einfeltigen sein und mag gesungen odder gelesen heissen, es heisset aber nicht eigentlich gebetet. Das heisset aber gebet, wie das ander gepot [Beten heisset Gott yn noten anruffen.] leret: Gott anruffen ynn allen noeten. Das wil er von uns haben und sol nicht ynn unser wilkoere stehen, sondern sollen und muessen beten, wollen wir Christen sein, so wol als wir sollen und muessen vater, mutter und der Oberkeit [s. 194] gehoersam sein. Denn durch das anruffen und bitten wird der name Gottes geehret und nuetzlich gebraucht. Das soltu nu fur allen dingen mercken, das man damit schweige und zurueck stosse solche gedancken, die uns davon halten und abe schrecken. Denn gleich wie es nichts gilt, das ein Son zum vater sagen wolt: ‘Was ligt an meinem gehorsam? ich wil hyn gehen und thuen was ich kan, es gilt doch gleich soviel’, Sondern da stehet das gepot: du solt und must es thuen: Also auch hie stehet es nicht ynn meinem willen zuthuen und zulassen, sondern sol und mus gebetet sein.

 

Daraus soltu nu schliessen und dencken, weil es so hoch geboten ist [Niemand sol sein gebete verachten.] zubeten, das bey leib niemand sein gebete verachten sol sondern gros und viel davon halten. Und nym ymer das gleichnis von den andern geboten. Ein kind sol bey leib nicht sein gehorsam gegen vater und mutter verachten sondern ymer gedencken: das werck ist ein werck des gehorsams, und das ich thue, thue ich nicht anderer meinung, denn das ynn dem gehorsam und Gottes gepot gehet, darauff ich kuende gruenden und fussen, und solchs gros achte nicht umb meiner wirdickeit willen sondern umb des gepots willen. Also auch hie was und wofur wir bitten, sollen wir so ansehen als von Gott gefoddert und ynn seinem gehorsam gethan und also dencken: meinet halben were es nichts, aber daruemb sol es gelten, das Gott gepoten hat. Also sol ein yglicher, [s. 195] was er auch zubiten hat, ymer fur Gott komen mit dem gehorsam dieses gepots.

 

Daruemb biten wir und vermanen auffs vleissigst yderman, das man solchs zu hertzen neme und yn keinen weg unser gebete verachte. Denn man bisher also geleret hat yns Teuffels namen, das niemand solchs geachtet hat und gemeinet, es were genug, das das werck gethan were, Gott erhoerets odder hoeret es nicht. Das heisset das gebete ynn die schantz geschlagen [Auff ebentheuer beten.] und auff ebentheuer hyn gemurret, daruemb ist es ein verloren gebete. Denn wir uns solche gedancken lassen yrren und abschrecken: Jch bin nicht heilig noch wirdig genug; wenn ich so from und heilig were als S. Petrus, Paulus, so wolt ich beten. Aber nur weit hynweg mit solchen gedancken, denn eben das gepot, das Sanct Paul troffen hat, das trifft mich auch und ist eben so wol umb meinet willen das Ander gepot gestellet als umb seinet willen, das er kein besser noch heiliger gepot zurhuemen hat. [Gottes gepot machet das gebete koestlich.] Daruemb soltu so sagen: Mein gebete, das ich thue, ist ia so koestlich, heilig und Gott gefellig als S. Paulus und der allerheiligsten. Ursach: denn ich wil yhn gerne lassen heiliger sein der person halben, aber des gepots halben nicht, Weil Gott das gebete nicht der person halben ansihet sondern seines worts und gehorsams halben; Denn auff das gepot, darauff alle heiligen yhr gebete setzen, setze ich meines auch, dazu bete ich eben das, daruemb sie allzumal bitten odder gebetten haben.

 

Das sey das erste und noetigste stueck, das alle unser gebete sich gruenden und stehen sol auff Gottes gehorsam, nicht angesehen unser person, wir seyen sunder odder from, wirdig odder unwirdig. Und sollen wissen, das Gott ynn keinen schertz wil geschlagen haben sondern zuernen und straffen, wo wir nicht bitten, so wol als er allen andern ungehorsam straffet, Darnach das er unser gebete nicht wil lassen umbsonst und verloren sein. Denn wo er dich nicht erhoeren woelte, wuerde er dich nicht heissen beten und so streng gepot drauff schlagen.

 

Zum andern sol uns deste mehr treiben und reitzen, das Gott auch eine [Gottes verheissung.] verheissung dazu gethan und zugesagt hat, das es sol Ja und gewis sein was [Ps. 50, 15] wir beten, wie er spricht im 50. Psalm: ‘Ruffe mich an zur zeit der not, so [Matth. 7, 7 f.] wil ich dich erretten’, und Christus ym Euangelio Matthei .7. ‘Bittet, so wird euch gegeben &c.. Denn ein iglicher wer da bittet, der empfehet.’ Solchs solt yhe unser hertz erwecken und anzuenden mit lust und liebe zubeten, Weil er mit seinem wort bezeuget, das yhm unser gebete hertzlich wolgefalle, dazu [s. 196] gewislich erhoeret und gewert sein sol, auff das wirs nicht verachten noch ynn wind schlagen und auff ungewis beten. Solchs kanstu yhm auffruecken und sprechen: Hie kome ich, lieber vater, und bitte nicht aus meinem fuernemen noch auff eigene wirdickeit, sondern auff dein gepot und verheissung, so mir nicht feylen noch liegen kan. Wer nu solcher verheissung nicht gleubt, sol abermal wissen, das er Gott erzuernet, als der yhm auffs hoehiste unehret und luegenstraffet.

 

Aber das sol uns auch locken und ziehen, das Got neben dem [Gott stellet uns selbs die weise zu bitten.] gepot und verheissunge zuvor koempt und selbs die wort und weise stellet und uns yn mund legt, wie und was wir beten sollen, auff das wir sehen, wie hertzlich er sich unser not annympt, und yhe nicht daran zweiveln, das yhm solch gebete gefellig sey und gewislich erhoeret werde. Welchs gar ein grosser vorteyl ist fur allen andern gebeten, so wir selbs erdencken moechten. Denn da wuerde das gewissen ymer ym zweiveln stehen und sagen: Jch habe gebeten, aber wer weis, wie es yhm gefellet, odder ob ich die rechte mas und weise troffen habe? Darumb ist auff erden kein edler gebete zufinden, weil es solch trefflich zeugnis hat, das Gott hertzlich gerne hoeret, dafur wir nicht der welt gut solten nemen.

 

[Unsere not so uns treiben sol zu beten.] Und ist auch daruemb also furgeschrieben, das wir sehen und bedencken die not, so uns dringen und zwingen sol on unterlas zubeten. Denn wer da bitten wil, der mus etwas bringen, furtragen und nennen des er begeret, wo nicht, so kan es kein gebete heissen. Daruemb haben wir billich der Muenche und Pfaffen gebete verworffen, die tag und nacht feindlich heulen und murren, aber yhr keiner dencket um ein harbreit zubitten. Und wenn man alle kyrchen sampt den geistlichen zusamen brechte, so muesten sie bekennen, das sie nye von hertzen umb ein troepflin weins gebeten hetten. Denn yhr keiner yhe hat aus Gottes gehorsam und glauben der verheissung furgenomen zubeten, auch keine not angesehen, sondern nicht weiter gedacht (wenn mans auffs beste ausgericht hat) denn ein gut werck zuthuen, damit sie Gott bezaleten, als die nicht von yhm nemen sondern nur yhm geben wolten.

 

[Not machet ernst und andacht.] Wo aber ein recht gebete sein sol, da mus ein ernst sein, das man seine not fuele, und solche not, die uns druecket und treibet zuruffen und schreyen. So gehet denn das gebete von sich selbs wie es gehen sol, das man keines lerens darff, wie man sich dazu bereiten und andacht schepffen sol. Die not aber, so uns beide fur uns und yderman anligen sol, wirstu reichlich gnug ym Vater unser finden; daruemb sol es auch dazu dienen, das man sich der daraus erynner, betrachte und zuhertzen neme, auff das wir nicht lass werden [s. 197] zubeten. Denn wir haben alle gnug das uns manglet, es feylet aber daran das wirs nicht fuelen noch sehen. Daruemb auch Gott haben wil, das du solche not und anligen klagest und anzihest, nicht das ers nicht wisse, sondern das du dein hertz entzuendest deste stercker und mehr zubegeren, und nur den mantel weit ausbreitest und auffthuest viel zuempfahen.

 

[Allerley not fur Got zutragen.] Daruemb solten wir uns von iugent auff gewenen ein yglicher fur alle seine not, wo er nur etwas fuelet das yhn anstoesset, und auch anderer leute unter welchen er ist, teglich zu bitten, als fur prediger, oeberkeit, nachbar, gesynde, Und ymer (wie gesagt) Gott sein gepot und verheissung auffruecken und wissen, das ers nicht wil verachtet haben. Das sage ich daruemb, denn ich wolt gerne, das man solchs widder ynn die leute brechte, das sie lerneten recht beten und nicht so rohe und kald hingehen, davon sie teglich ungeschickter werden zubeten, welchs auch der Teuffel haben wil und mit allen krefften dazu hilfft, denn er fuelet wol, was yhm fur leid und schaden thuet, wenn das gebete recht ym schwang gehet.

 

[Das gebete ist unser waffen widder den Teuffel.] Denn das sollen wir wissen, das alle unser schirm und schutz allen ynn dem gebete stehet. Denn wir sind dem Teuffel viel zuschwach sampt seiner macht und anhang, so sich widder uns legen, das sie uns wol kuendten mit fuessen zutretten. Daruemb muessen wir dencken und zu den waffen greiffen, damit die Christen sollen geruestet sein widder den Teuffel zubestehen. Denn was meinestu das bisher so gros ding ausgerichtet habe, unserer feinde radschlagen, furnemen, mord und auffruhr geweret odder gedempffet, dadurch uns der Teuffel sampt dem Euangelio gedacht hat unter zudruecken, wo nicht etlicher fromer leute gebete als ein eiserne mawer auff unser seiten darzwisschen komen were? Sie solten sonst selbs gar viel ein ander spiel gesehen haben, wie der Teuffel gantz deudsch land ynn seinem eigenen blut verderbet hette. Ytzt aber muegen sie es getrost verlachen und yhren spot haben, wir wollen aber dennoch beide yhnen und dem Teuffel allein durch das gebete mans gnug sein, wo wir nur vleissig anhalten und nicht lass werden. Denn wo yrgend ein fromer Christ bittet: Lieber vater, las doch deinen willen geschehen, so spricht er droben: Ja liebes kind, es sol ia sein und geschehen dem Teuffel und aller welt zutrotz.

 

Das sey nu zur vermanung gesagt, das man fur allen dingen lerne das gebete gros und tewer achten und ein rechten unterscheid wisse zwisschen dem plappern und etwas bitten. Denn wir verwerffen mit nichte das gebete, sondern das lauter unnuetze geheule und gemurre verwerffen wir, wie auch [Matth. 6, 7; 23, 14] Christus selbs lang gewessche verwirfft und verbeut. Nu woellen wir das Vater unser auffs kuertzt und klerlichste handlen. Da sind nu ynn sieben artickel odder bitte nacheinander gefasset alle not, so uns on unterlas belanget, [s. 198] und ein ygliche so gros, das sie uns treiben solt unser leben lang daran zubitten.

 

 

 

DJe Erste bitte.

 

Geheiliget werde dein name.

Das ist nu etwas finster und nicht wol deudsch geredet, denn auff unsere muttersprache wuerden wir also sprechen: Hymlischer vater hilff, das nur dein name moege heilig sein. Was ists nu gebetet, das sein name heilig werde? ist er nicht vorhyn heilig? Antwort: Ja er ist allezeit heilig yn seinem wesen, aber ynn unserm brauch ist er nicht heilig. Denn Gottes namen ist [Gottes namen uns gegeben zuheiligen.] uns gegeben, weil wir Christen worden und getaufft sind, das wir Gottes kinder heissen und die Sacrament haben, dadurch er uns mit yhm verleibet, also das alles was Gottes ist, zu unserm brauch dienen sol. Da ist nu die grosse not, dafur wir am meisten sorgen sollen, das der name sein ehre habe, heilig und heer gehalten werde als unser hohister schatz und heiligthumb so wir haben, Und das wir als die fromen kinder daruemb bitten, das sein name, der sonst ym hymel heilig ist, auch auff erden bey uns und aller welt heilig sey und bleibe.

 

 

Wie wird er nu unter uns heilig? Antwort, auffs deutlichste so mans sagen kan: wenn beide unser leere und leben Gottlich und Christlich ist. Denn weil wir ynn diesem gebete Gott unsern vater heissen, so sind wir schueldig, das wir uns allenthalben halten und stellen wie die fromen kinder, das er unser nicht schande sondern ehre und preis habe. Nu wird er von uns entweder mit worten odder mit wercken verunheiligt. (Denn was wir auff erden machen, mus entweder wort odder werck, reden odder thuen sein). Zum ersten also, wenn man predigt, leeret und redet unter Gottes namen das doch falsch und verfuerisch ist, das sein name die luegen schmuecken und verkeuffen [Unehre Goetlichs namens mit worten odder wercken.] mus. Das ist nu die groessiste schande und unehre Goettlichs namens, darnach auch wo man groeblich den heiligen namen zum schandeckel fueret mit schweren, fluchen, zeubern &c.. Zum andern auch mit oeffentlichen boesem leben und wercken, wenn die, so Christen und Gottes volck heissen, ehebrecher, seuffer, [s. 199] geitzige wenste, neidisch und affterreder sind: da mus abermal Gottes name vmb unser willen mit schanden bestehen und gelestert werden. Denn gleich wie es einem leiblichen vater ein schande und unehre ist, der ein boese ungeraten kind hat das mit worten und wercken widder yhn handlet, das er umb seinet willen mus verachtet und geschmehet werden: Also auch reichet es auch zu Gottes unehren, so wir die nach seinem namen genennet sind und allerley gueter von yhm haben, anders leren, reden und leben denn frome und hymlische kinder, das er hoeren mus, das man von uns sagt, wir muessen nicht Gottes sondern des Teuffels kinder sein.

 

[Diese bitte auff das ander gepot gerichtet.] Also sihestu, das wir eben das ynn diesem stueck bitten, so Gott ym andern gepot fodert, nemlich das man seines namens nicht misbrauche zuschweren, fluchen, liegen, triegen &c., sondern nuetzlich brauche zu Gottes lob und ehren. Denn wer Gottes namen zu yrgend einer untuget brauchet, der entheiliget und entweihet diesen heiligen namen, wie man verzeiten eine kyrche entweihet hiesse, wenn ein mord odder andere buberey daryn begangen war, odder wenn man eine Monstrantzen oder heiligthumb unehrete, als das wol an yhm selbs heilig und doch ym brauch unheilig ward. Also ist das stueck leicht und klar, wenn man nur die sprache verstehet, das ‘heiligen’ heist soviel als auff unsere weise ‘loben, preisen und ehren’ beide mit worten und wercken.

 

[Not dieses gebets.] Da sihe nu, wie hoch solch gebete von noeten ist. Denn weil wir sehen, wie die welt so voll rotten und falscher lerer ist, die alle den heiligen namen zum deckel und schein yhrer Teuffels lehre fueren, solten wir billich on unterlas schreyen und ruffen widder solche alle, beide die felschlich predigen und gleuben, und was unser Euangelion und reine lere anfichtet, verfolgt und dempffen wil, Als Bischove, Tyrannen, Schwermer &c.. Jtem auch fur uns selbs die wir Gottes wort haben, aber nicht danckbar dafur sein noch darnach leben wie wir sollen. Wenn du nu solchs von hertzen bittest, kanstu gewis sein, das Got wolgefellet. Denn liebers wird er nicht hoeren, denn das seine ehre und preis fur und uber alle ding gehe, sein wort rein geleret, tewr und werd gehalten werde.

 

 

 

Die Ander bitte.

 

Dein reich kome.

Wie wir ym ersten stueck gebeten haben das Gottes ehre und namen betrifft, das Gott were, das die welt nicht yhre luegen und bosheit darunter schmuecke sondern heer und heilig halte beide mit lere und leben, das er an uns gelobt und gepreiset werde: Also bitten wir hie, das auch sein reich komen solle. Aber gleich wie Gottes name an yhm selbs heilig ist und wir doch bitten, das er bey uns heilig seye, Also koempt auch sein reich on [s. 200] unser bitten von sichs selbs. Doch bitten wir gleichwol, das er zu uns kome, das ist unter uns und bey uns gehe, also das wir auch ein stueck seyen, darunter sein name geheiligt werde und sein reich ym schwang gehe.

 

 

Was heisset nu Gottes reich? Antwort: [Was Gottes reich sey.] Nichts anders, denn wie wir droben ym glauben gehoert haben, das Gott seinen son Christum unsern HERRN ynn die welt geschickt, das er uns erloesete und frey machete von der gewalt des Teuffels und zu sich brechte und regirete als ein koenig der gerechtickeit, des lebens und selickeit widder sunde, tod und boese gewissen, dazu er auch seinen Heiligen geist geben hat, der uns solchs heymbrechte durch sein heiliges wort und durch seine krafft ym glauben erleuchtete und sterckte. Derhalben bitten wir nu hie zum ersten, das solches bey uns krefftig werde und sein name so gepreiset durch das heilige wort Gottes und Christlich leben, beide das wir die es angenomen haben, dabey bleiben und teglich zunemen, und das es bey andern leuten ein zufall und anhang gewinne und gewaltiglich durch die welt gehe, auff das yhr viel zu dem gnadenreich komen, der erloesung teilhafftig werden, durch den heiligen geist erzubracht, auff das wir also allesampt ynn einem koenigreich itzt angefangen ewiglich bleiben.

 

[Wie Gottes reich zu uns kome.] Denn ‘Gottes reich zu uns komen’ geschicht auff zweyerley weise: Ein mal hie zeitlich durch das wort und den glauben, Zum andern ewig durch die offenbarung. Nu bitten wir solchs beides, das es kome zu denen, die noch nicht darynne sind, und zu uns, die es uberkomen haben, durch teglich zunemen und kuenfftig ynn dem ewigen leben. Das alles ist nicht anders denn soviel gesagt: Lieber vater, wir bitten, gib uns erstlich dein wort, das das Euangelion rechtschaffen durch die welt gepredigt werde, Zum andern das auch durch den glauben angenomen werde, ynn uns wircke und lebe, das also dein reich unter uns gehe durch das wort und krafft des Heiligen geists und des Teuffels reich niddergelegt werde, das er kein recht noch gewalt uber uns habe, so lange bis es endlich gar zustoeret, die sunde, tod und helle vertilget werde, das wir ewig leben ynn voller gerechtickeit und seligkeit.

 

[s. 201] [Gott wil eitel uberschwenglich gut geben.] Aus dem sihestu, das wir hie nicht umb eine parteken odder zeitlich vergenglich gut bitten sondern umb einen ewigen uberschwenglichen schatz und alles was Gott selbs vermag, das viel zu gros ist, das ein menschlich hertz solchs thuerste ynn syn nemen zu begeren, wo ers nicht selbs geboten hette zu bitten. Aber weil er Gott ist, wil er auch die ehre haben, das er viel mehr und reichlicher gibt denn ymand begreiffen kan, als ein ewiger, unvergenglicher quell, der yhe mehr er ausfleusset und ubergehet, yhe mehr er von sich gibt, und nichts hoeher von uns begeret, denn das man viel und grosse ding von yhm bitte, Und widderuemb zuernet, wenn man nicht getrost bittet und foddert. Denn gleich als wenn der reicheste, mechtigste Keiser einen armen bettler hiesse bitten, was er nur begeren moechte, und bereit were gros Keiserlich geschenck zugeben, und der narr nicht mehr denn eine hoffesuppen bettelte, wuerde er billich als ein schelm und boeswicht gehalten, als der aus [Gottes unehre, so man nicht viel und grosses bittet.] Keiserlicher maiestet befehl sein hon und spott triebe und nicht werd were fur seine augen zukomen. Also reichet es auch Gotte zu grosser schmach und unehre, wenn wir, denen er soviel unausprechliche gueter anbeutet und zusaget, solchs verachten odder nicht trawen zu empfahen und kaum umb ein stueck brods unterwinden zubitten. Das ist alles des schendlichen unglaubens schuld, der sich nicht soviel guts zu Gott versihet, das er yhm den bauch erneere, schweige das er solche ewige gueter solt ungezweivelt von Gott gewarten. Daruemb sollen wir uns dawidder stercken und dis lassen das erste [Matth. 6, 33] sein zu bitten, so wird man freilich alles ander auch reichlich haben, wie Christus lehret: ‘Trachtet am ersten nach dem reich Gottes, so sol euch solchs alles zufallen’. Denn wie solt er uns an zeitlichen mangeln und darben lassen, weil er das ewige und unvergengliche verheisset?

 

 

 

Die Ditte bitte.

 

Dein wille geschehe wie ym hymel also auch auff erden.

Bisher haben wir gebeten, das sein name von uns geehret werde und sein reich unter uns gehe, yn welchen zweyen gantz begriffen ist was Gottes ehre und unser seligkeit belanget, das wir Gott sampt allen seinen guetern zu eigen kriegen. Aber hie ist nu ia so grosse not, das wir solchs [Not zubitten, das Gottes ehre und reich bey uns bleibe.] feste halten und uns nicht lassen davon reissen. Denn wie ynn einem guten regiment nicht allein muessen sein die da bawen und wol regieren, sondern auch die da wehren, schuetzen und feste drueber halten, Also auch hie, wenn wir gleich fur die hoehiste not gebeten haben, umb das Euangelion, glauben [s. 202] und heiligen geist, das er uns regire, aus des Teuffels gewalt erloeset, so muessen wir auch bitten, das er sein willen geschehen lasse. Denn es wird sich gar wuenderlich anlassen, wenn wir dabey bleiben sollen, das wir viel anstoesse und bueffe darueber muessen leiden von dem allem, so sich unterstehet die zwey vorigen stuecke zuhyndern und wehren.

 

Denn niemand gleubt, wie sich der Teuffel dawider setzet und sperret, als der nicht leiden kan, das yemand recht lere odder gleube, Und thuet yhm uber die masse wehe, das er mus seine luegen und greuel, unter dem schoensten schein Goettlichs namens geehret, auffdecken lassen und mit allen schanden stehen, dazu aus dem hertzen getrieben werden und ein solchen ryss ynn sein reich lassen geschehen. Daruemb tobt und wuetet er als ein zorniger feind mit aller seiner macht und krafft, henget an sich alles was unter yhm ist, [Teuffel, welt und fleisch widder Gottes willen.] darzu nympt er zu huelffe die welt und unser eigen fleisch. Denn unser fleisch ist an yhm selbs faul und zum boesen geneigt, ob wir gleich Gottes wort angenomen haben und gleuben. Die welt aber ist arg und boese. Da hetzet er an, bleset und schueret zu, das er uns hyndere, zu rueck treibe, felle und widder unter sein gewalt bringe. Das ist alle seine wille, syn und gedancken, darnach er tag und nacht trachtet, und kein augenblick feiret, brauchet alle kuenste, tuecke, weise und wege darzu, die er ymer erdencken kan.

 

Daruemb muessen wir uns gewislich des versehen und erwegen, so wir Christen sein woellen, das wir den Teuffel sampt allen seinen Engeln und der welt zu feinde haben, die uns alle unglueck und hertzleyd anlegen. Denn wo Gottes wort gepredigt, angenomen odder gegleubt wird und frucht schaffet, da sol das liebe heilige creutz auch nicht aussen bleiben. Und dencke nur niemand, das er fride haben werde, sondern hynan setzen muesse was er auff erden hat, gut, ehre, haus und hoff, weib und kind, leib und leben. Das thut nu unserm fleisch und alten Adam wehe, denn es heisset fest halten und mit gedult leiden, wie man uns angreifft, und faren lassen was man uns nympt. Daruemb ist yhe so grosse not als ynn allen andern, das [s. 203] [Summa.] wir on unterlas bitten: Lieber vater, dein wille geschehe, nicht des Teuffels und unserer feinde wille noch alles des, so dein heiliges wort verfolgen und dempffen wil odder dein reich hyndern, Und gib uns, das wir alles was drueber zu leiden ist, mit gedult tragen und uberwinden, das unser armes fleisch aus schwacheit odder tragheit nicht weiche noch abfalle.

 

Sihe also haben wir auffs einfeltigste ynn diesen dreyen stuecken die not, so Gotte selbs betrifft, doch alles umb unsern willen, denn es gilt allein [Gottes willen yn uns geschehen.] uns was wir bitten, nemlich also, wie gesagt, das auch ynn uns geschehe, das sonst ausser uns geschehen mus. Denn wie auch on unser bitten sein namen geheiligt werden und sein reich komen mus, also mus auch sein wille geschehen und durch dringen, ob gleich der Teuffel mit alle seinem anhang fast dawidder rhumoren, zuernen und toben und sich unterstehen das Euangelion gantz auszutilgen. Aber umb unser willen muessen wir bitten, das sein wille auch unter uns widder solch yhr toben unverhyndert gehe, das sie nichts schaffen koennen und wir widder alle gewalt und verfolgung feste dabey bleiben und solchen willen Gottes uns gefallen lassen.

 

[Der Christen schutz widder yhre feinde.] Solch gebete sol nu ytzt unser schutz und wehre sein, die zu rueck schlage und nidderlege alles was der Teuffel, Bisschove, Tyrannen und ketzer widder unser Euangelion vermuegen. Las sie allezumal zuernen und yhr hoehistes versuchen, radschlagen und beschliessen, wie sie uns dempffen und ausrotten woellen, das yhr wille und rad fortgehe und bestehe: Dawidder sol ein Christ odder zween mit diesem einigen stuecke unser maur sein, daran sie anlauffen und zuscheittern gehen. Den trost und trotz haben wir, das des Teuffels und aller unser feinde willen und fuernemen sol und mus untergehen und zunicht werden, wie stoltz, sicher und gewaltig sie sich wissen. Denn wo yhr wille nicht gebrochen und gehindert wuerde, so kuend sein reich auff erden nicht bleiben noch sein name geheiligt werden.

 

 

 

Die Vierde bitte.

 

Unser teglich brod gib uns heute.

Hie bedencken wir nu den armen brodkorb unsers leibs und zeitlichen lebens notdurfft, Und ist ein kurtz einfeltig wort, greiffet aber auch [Was tegliche brod heisse.] seer weit umb sich. Denn wenn du teglich brod nennest und bittest, so bittestu alles, was dazu gehoeret das tegliche brod zuhaben und geniessen, und dagegen [s. 204] auch widder alles, so das selbige hyndert. Daruemb muestu dein gedancken wol auffthuen und ausbreiten, nicht allein ynn backoffen odder mehlkasten sondern yns weite feld und gantze land, so das tegliche brod und allerley narung tregt und uns bringet. Denn wo es Gott nicht wachssen liesse, segnete und auff dem land erhielte, wuerden wir nymer kein brod aus dem backoffen nemen noch auff den tisch zulegen haben.

 

Und das wirs kuertzlich fassen, so wil diese bitte mit eingeschlossen haben alles was [Zeitlichs lebens notdurfft.] zu diesem gantzen leben ynn der welt gehoeret, weil wir allein umb des willen das tegliche brod haben muessen. Nu gehoeret nicht allein zum leben, das unser leib sein futter und decke und andere notdurfft habe, sondern auch das wir unter den leuten, mit welchem wir leben und umbgehen ynn teglichem handel und wandel und allerley wesen, mit ruge und friede hynkomen, Summa alles was beide heusslich und nachbarlich odder buergerlich wesen und regiment belanget. Denn wo diese zwey gehyndert werden, das sie nicht gehen wie sie gehen sollen, da ist auch des lebens notdurfft gehyndert, das endlich nicht [Weltlich regiment.] kan erhalten werden. Und ist wol das aller noetigste, fur weltliche oeberkeit und regiment zubitten, als durch welchs uns Gott allermeist unser teglich brod und alle gemach dieses lebens erhelt. Denn ob wir gleich aller gueter von Gott die fuelle haben uberkomen, so koennen wir doch des selben keins behalten noch sicher und froelich brauchen, wo er uns nicht ein bestendig fridlich regiment gebe. Denn wo unfried, hadder und krieg ist, da ist das teglich brod schoen genomen odder yhe gewehret.

 

Daruemb moechte man billich ynn eines iglichen fromen Fuersten schild ein Brod setzen fur ein lawen odder rawten krantz odder auff die muentze fur das geprege schlagen, zu erynnern beide sie und die unterthanen, das wir durch yhr ampt schutz und friede haben und on sie das liebe brod nicht essen noch behalten koennen. Daruemb sie auch aller ehren werd sind, das man yhn dazu gebe was wir sollen und koennen, als denen, durch welche wir alles [s. 205] was wir haben, mit fride und ruge geniessen, da wir sonst keinen heller behalten wuerden, dazu das man auch fur sie bitte, das Gott deste mehr segen und guts durch sie uns gebe.

 

Also sey auffs kuertzte angezeigt und entworffen, wie weit dis gebete gehet durch allerley wesen auff erden. Daraus moecht nu ymand ein lang gebete machen und mit vielen worten alle solche stueck so darein gehoeren verzelen, [Summa dieser bitte.] Als nemlich das wir bitten, das uns Gott gebe essen und trincken, kleider, haus und hoff und gesunden leib, dazu das getreide und fruechte auff dem feld wachsen und wol geraten lasse, Darnach auch daheym wol haushalten helffe, frum weib, kinder und gesind gebe und beware, unser arbeit, handwerck odder was wir zuthuen haben, gedeyen und gelingen lasse, trewe nachbarn und gute freunde beschere &c., Jtem Keiser, Koenig und alle stende und sonderlich unsern Landsfursten, allen Rethen, oeberherrn und amptleuten weisheit, stercke und glueck gebe wol zuregieren und wider Tuercken und alle feinde zusiegen, Den unterthanen und gemeinem hauffen gehorsam, frid und eintracht unternander zu leben Und widderuemb, das er uns behuete fur allerley schaden des leibs und narung, ungewitter, hagel, feur, wasser, gifft, pestilentz, vihe sterben, krieg und blutvergiessen, tewer zeit, schedliche thier, boesen leuten etc. Welchs alles gut ist den einfeltigen einzubylden, das solchs und der gleichen von Gott mus gegeben und von uns gebeten sein.

 

[Teuffel hindert das tegliche brod und alle gaben Gottes.] Fuernemlich aber ist dis gebete auch gestellet widder unsern hoehisten feind den Teuffel. Denn das ist alle sein syn und begere, solchs alles was wir von Gott haben, zu nemen odder hyndern. Und lesset yhm nicht genuegen, das er das geistliche regiment hyndere und zustoere, damit das er die seelen durch seine luegen verfueret und unter sein gewalt bringet, Sondern weret und hyndert auch, das kein Regiment noch erbarlich und friedlich wesen auff erden bestehe; da richtet er soviel hadder, mord, auffrur und krieg an, Jtem ungewitter, hagel, das getreide und viehe zuverderben, die lufft zuvergifften etc. Summa, Es ist yhm leyd, das yemand ein bissen brods von Gott habe und mit friden esse, Und wenn es ynn seiner macht stuende und unser gebete nehist Gott nicht werete, wuerden wir freilich keinen halm auff dem felde, kein heller ym hause, ia nicht eine stunde das leben behalten, Sonderlich die, so Gottes wort haben und gerne wolten Christen sein.

 

Sihe, Also wil uns Gott anzeigen, wie er sich alle unser not annympt und so treulich auch fur unser zeitliche narung sorget; und wiewol er solchs [Gott sorget teglich auch fur unsern leib.] reichlich gibt und erhelt auch den Gottlosen und buben, doch wil er, das wir daruemb bitten, auff das wir erkennen, das wirs von seiner hand [s. 206] empfahen, und darynne sein veterliche guete gegen uns spueren. Denn wo er die hand abzeucht, so kan es doch nicht endlich gedeyen noch erhalten werden, wie man wol teglich sihet und fuelet. Was ist ytzt fur ein plage yn der welt allein mit der boesen muentze, ia mit teglicher beschwerung und auffsetzen ynn gemeynem handel, kauff und arbeit deren, die nach yhrem mutwillen das liebe armut drucken und yhr teglich brod entziehen? Welchs wir zwar muessen leiden, sie aber muegen sich fursehen, das sie nicht das gemeyne gebet verlieren, und sich hueten, das dis stuecklin ym Vater unser nicht widder sie gehe.

 

 

 

Die Funffte bitte.

 

Und verlasse uns unser schuld, als wir verlassen

unsern schuldigern.

Dis stueck trifft nu unser armes und elends leben an, welchs ob wir gleich [Niemand kan ynn der welt on sunde leben.] Gottes wort haben, gleuben, seinen willen thuen und leiden und uns von Gottes gabe und segen nehren, gehet es doch on sunde nicht abe, das wir noch teglich strauchlen und zu viel thuen, weil wir ynn der welt leben unter den leuten, die uns viel zu leid thuen und ursach geben zu ungedult, zorn, rache etc, darzu den Teuffel hynder uns haben, der uns auff allen seiten zusetzet und ficht (wie gehoert) widder alle vorige stuecke, das nicht mueglich ist ynn solchem stetten kampff allzeit fest stehen. Daruemb ist hie abermal grosse not zu bitten und ruffen: Lieber vater, verlasse uns unsere schuld. Nicht das er auch on und vor unserm bitten nicht die sunde vergebe (Denn er hat uns das Euangelion, darynn eitel vergebunge ist, geschencket, ehe wir druemb gebeten odder yhemals darnach gesunnen haben), Es ist aber daruemb zu thuen, das wir solche vergebung erkennen und annemen. Denn weil das [s. 207] fleisch, darynn wir teglich leben, der art ist, das Gott nicht trawet und gleubt und sich ymerdar regt mit boesen luesten und tuecken, das wir teglich mit worten und wercken, mit thuen und lassen sundigen, darvon das gewissen zu unfried kompt, das sich fur Gottes zorn und ungnade furchtet und also den trost und zuversicht aus dem Euangelio sincken lesset: So ist on unterlas von noeten, das man hieher lauffe und trost hole, das gewissen widder auffzurichten.

 

Solchs aber sol nu darzu dienen, das uns Gott den stoltz breche und [Niemand kan eigne froemkeit fur Gott bringen.] ynn der demut halte. Denn er hat yhm fuerbehalten das vorteil1: ob yemand woelte auff seine fromkeit bochen und andere verachten, das er sich selbs ansehe und dis gebete fur augen stelle, so wird er finden, das er eben so from ist als die andern, und muessen alle fur Gott die feddern nidderschlagen und fro werden, das wir zu der vergebung komen, und dencke es nur niemand, so lange wir hie leben, dahyn zubringen, das er solcher vergebung nicht duerffe. Summa: Wo er nicht on unterlas vergibt, so sind wir verloren.

 

[Summa.] So ist nu die meinung dieser bitte, das Gott nicht wolt unser sunde ansehen und fuerhalten was wir teglich verdienen, sondern mit gnaden gegen uns handlen und vergeben, wie er verheissen hat und also ein froelich und unverzagt gewissen geben fur yhm zu stehen und zu bitten. Denn wo das hertz nicht mit Gott recht stehet und solche zuversicht schepffen kan, so wird es nymmer mehr sich thueren unterstehen zu beten. Solche zuversicht aber und froelichs hertz kan nirgend her komen, denn es wisse, das yhm die sunde vergeben seien.

 

Es ist aber dabey ein noetiger und doch troestlicher zusatz angehenget [Wir muessen auch vergeben, wie Gott uns vergibt.] ‘Als wir vergeben unsern schueldigern’. Er hats verheissen, das wir sollen sicher sein, das uns alles vergeben und geschenckt sey, doch so fern das wir auch unserm nehisten vergeben. Denn wie wir gegen Gott teglich viel verschulden und er doch aus gnaden alles vergibt, Also muessen auch wir unserm nehisten ymerdar vergeben, so uns schaden, gewalt und unrecht thuet, boese tuecke beweiset etc. Vergibstu nu nicht, so dencke auch nicht, das dir Gott vergebe. Vergibstu aber, so hastu den trost und sicherheit, das dir ym hymel [Dem nehisten vergeben machet uns sicher, das uns Gott vergebe.] vergeben wird, Nicht umb deines vergebens willen (denn er thuet es frey umb sonst aus lauter gnade, weil ers verheissen hat, wie das Euangelion leret), sondern das er uns solchs zu sterck und sicherheit als zum [Luk. 6, 37] warzeichen setze neben der verheissunge, die mit diesem gebete stymmet, Luce vj. ‘Vergebt, so wird euch vergeben’. Daruemb sie auch Christus bald nach dem [s. 208] [Matth. 6, 15] Vater unser widderholet und spricht Matth. vj. ‘Denn so yhr den menschen yhre feyle vergebt, so wird euch ewer hymlischer vater auch vergeben’ etc.

 

Daruemb ist nu solchs zeichen bey diesem gebete mit angehefftet, das wenn wir bitten, uns der verheissung erynnern und also dencken: Lieber vater, daruemb kome und bitte ich, das du mir vergebest, nicht das ich mit wercken gnugthuen odder verdienen koenne, sondern weil du es verheissen hast und das siegel dran gehengt, das so gewis sein solle, als habe ich ein Absolutio, von dir selbs gesprochen. Denn wieviel die Tauffe und Sacrament, eusserlich zum zeichen gestellet, schaffen, soviel vermag auch dis zeichen, unser gewissen zu stercken und froelich zu machen, und ist fur andern eben darumb gestellet, das wirs alle stunden kuenden brauchen und uben, als das wir alle zeit bey uns haben.

 

 

 

Die Sechste bitte.

 

Und fure uns nicht ynn versuchunge.

Wir haben nu gnug gehoeret, was fur muehe und erbeit wil haben, das man das alles so man bittet, erhalte und dabey bleibe, das dennoch nicht on gebrechen und strauchlen abgehet. Darzu ob wir gleich vergebung und gut gewissen uberkomen haben und gantz los gesprochen sind, so ists doch mit dem leben so gethan, das einer heut stehet und morgen darvon fellet. Drumb muessen wir aber mal bitten, ob wir nu from sind und mit gutem gewissen gegen Gott stehen, das er uns nicht lasse zu rueck fallen und der anfechtung odder versuchunge weichen. Die versuchung aber oder (wie es [Versuchung odder bekoerung dreyerley.] unsere Sachssen von alters her nennen) bekoerunge ist dreierley3: des fleischs, der welt und des Teuffels. Denn ym fleisch wonen [Unser fleisch.] wir und tragen den alten Adam am Hals, der regt sich und reitzet uns teglich zur unzucht, faulheit, fressen und sauffen, geitz und teuscherey, den nehisten zu betriegen und ubersetzen, Und Summa, allerley boese lueste, so uns von natur ankleben und dazu erregt werden durch ander leute geselschafft, Exempel hoeren und sehen, welche [s. 209] offtmals auch ein unschueldigs hertz verwunden und entzuenden. Darnach ist [Die welt.] die Welt, so uns mit worten und wercken beleydiget und treibet zu zorn und ungedult, Summa da ist nichts denn hass und neid, feindschafft, gewalt und unrecht, untrew, rechen, fluchen, schelten, affterreden, hoffart und stoltz mit uberfluessigem schmuck, ehre, rhum und gewalt, da niemand wil der geringste sein sondern oben an sitzen und fur yederman gesehen sein.

 

[Der Teuffel.] Dazu kompt nu der Teuffel, hetzet und bleset auch allenthalben zu, aber sonderlich treibt er, was das gewissen und geistliche sachen betrifft, nemlich das man beide Gottes wort und werck ynn wind schlage und verachte, das er uns vom glauben, hoffnung und liebe reisse und bringe zu missglauben, falscher vermessenheit und verstockung odder widderuemb zur verzweivelung, Gottes verleugnen und lesterung und andern unzelichen greulichen stuecken. Das sind nu die stricke und netze, ia die rechten feurigen pfeile, die nicht fleisch und blut, sondern der Teuffel auffs aller gifftigste yns hertze scheusset.

 

Das sind yhe grosse, schwere fahr und anfechtung, so ein yglicher Christ tragen mus (wenn auch ygliche fur sich alleine were), auff das wir yhe getrieben werden alle stunden zu ruffen und bitten (weil wir yn dem schendlichen leben sein, da man uns auff allen seiten zusetzt, iagt und treibt), das uns Got nicht lasse mat und muede werden und widder zu rueck fallen ynn sunde, schand und unglauben. Denn sonst ists unmueglich auch die aller geringsten anfechtung zu uberwinden.

 

 

[Nicht ein furen ynn versuchung.] Solchs heisset nu ‘nicht einfueren ynn versuchunge’, wenn er uns krafft und stercke gibt zu widerstehen, doch die anfechtung nicht weggenomen noch auffgehaben. Denn versuchung und reitzunge kan niemand umbgehen, weil wir ym fleisch leben und den Teuffel umb uns haben, Und wird nicht anders draus, wir muessen anfechtung leiden, ia daryn sticken. Aber da bitten wir [Anfechtung fuelen und yn anfechtung fallen.] fur, das wir nicht hynein fallen und daryn ersauffen. Daruemb ists viel ein ander ding, anfechtung fuelen und darein verwilligen odder ia dazu sagen. Fuelen muessen wir sie alle, wiewol nicht alle einerley, sondern etliche mehr und schwerer: als die iugent furnemlich vom fleisch, darnach was erwachsen und alt wird, von der welt, die andern aber so mit geistlichen sachen umbgehen, das ist die starcken Christen, vom Teuffel. Aber solch fuelen, weil es wider unsern willen ist und wir sein lieber los weren, kan niemand schaden. Denn wo mans nicht fuelete, kuende es kein anfechtung heissen. Bewilligen aber ist, wenn man yhm den zawm lesset, nicht dawidder stehet noch bittet.

 

Derhalben muessen wir Christen des geruestet sein und teglich gewarten, [Anfechtung dienet widder des fleisch sicherheit.] das wir on unterlas angefochten werden, auff das niemand so sicher und unachtsam hyngehe, als sey der Teuffel weit von uns, sondern allenthalben [s. 210] der streiche gewarten und yhm versetzen. Denn ob ich itzt keusch, gedueldig, freundlich byn und ynn festem glauben stehe, sol der Teuffel noch diese stunde ein solchen pfeil yns hertz treiben, das ich kawm bestehen bleibe. Denn er ist ein solcher feind, der nymer ablesset noch muede wird, das wo eine anfechtung auffhoeret, gehen ymer andere und newe auff. Daruemb ist kein rath noch trost, denn hieher gelauffen, das man das Vater unser ergreiffe und von hertzen mit Gott rede: ‘Lieber Vater, du hast mich heissen beten, las mich nicht durch die versuchung zu rueck fallen’, So wirdstu sehen, das sie ablassen mus und sich endlich gewonnen geben. Sonst wo du mit deinen [Anfechtung wird nicht mit eigner krafft uberwunden.] gedancken und eigenem rat unterstehest dir zu helffen, wirdstus nur erger machen und dem Teuffel mehr rawm geben. Denn er hat ein schlangen kopff, welcher wo er ein luecken gewinnet, darein er schlieffen kan, so gehet der gantze leib hynach unauffgehalten, aber das gebete kan yhm wehren und zu rueck treiben.

 

 

 

Die letzte bitte.

 

Sondern erlöse uns von dem ubel. AMEN.

Ym Ebreischen lautet das stuecklin also: ‘Erloese odder behuete uns von dem argen oder boshafftigen’, Und sihet eben als rede er vom Teuffel, Als wolt ers alles auff einen hauffen fassen, das die gantze Summa alles gebets gehe widder diesen unsern heubtfeind. Denn er ist der, so solchs alles was wir [Der Teuffel hindert alles, was wir bitten.] bitten, unter uns hyndert: Gottes namen odder ehre, Gottes reich und willen, das teglich brod, froelich gut gewissen etc. Darumb schlagen wir solchs endlich zusamen und sagen: Lieber Vater hilff doch, das wir des ungluecks alles los werden. Aber nichts deste weniger ist auch mit ein geschlossen, was uns boeses widderfaren mag unter des Teuffels reich: armut, schande, tod und kuertzlich aller unseliger iamer und hertzleid, so auff erden unzelich viel ist. Denn der Teuffel, weil er [Joh. 8, 44] nicht allein ein luegner sondern auch ein todschleger ist, on unterlas auch noch unserm [s. 211] [Teuffel denckt uns yn allerley not zubringen.] leben trachtet und sein muetlin kuelet, wo er uns zu unfal und schaden am leib bringen kan. Daher kompts, das er manchem den hals bricht odder von synnen bringet, etliche ym wasser erseufft und viel dahyn treibt, das sie sich selbs umbbringen, und zu viel anderen schrecklichen fellen. Darumb haben wir auff erden nichts zu thuen denn on unterlas widder diesen heubtfeind zu bitten. Denn wo uns Gott nicht erhielte, weren wir keine stunde fur yhm sicher.

 

Daher sihestu, wie Gott fur alles, was uns auch leiblich anfichtet, wil gebeten sein, das man nirgend keine huelffe denn bey yhm suche und gewarte. Solchs hat er aber zum letzten gestellet. Denn sollen wir vom allem ubel behuetet und los werden, mus zuvor sein name ynn uns geheiligt, sein reich bey uns sein und sein wille geschehen. Darnach wil er uns endlich fur sunden und schanden behueten, darneben von allem was uns wehe thuet und schedlich ist.

 

Also hat uns Gott auffs kürtzte furgelegt alle not, die uns ymer anliegen mag, das wir yhe keine entschueldigung haben zubeten. [Amen sprechen zum gebete.] Aber da ligt die macht an, das wir auch lernen AMEN dazu sagen, das ist, nicht zweiveln das es gewislich erhoeret sey und geschehen werde. Denn es ist nicht anders denn eins ungezweivelten glaubens wort, der da nicht auff ebentheur betet sondern weis, das Gott nicht leuget, weil ers verheissen hat zugeben. Wo nu solcher glaube nicht ist, da kan auch kein recht gebete kein. Daruemb ists ein schedlicher wahn deren die also beten, das sie nicht duerffen von hertzen Ja dazu sagen und gewislich schliessen das Got erhoeret, sondern bleiben ynn dem zweivel und sagen: wie solt ich so kuene sein und rhuemen, das mein Gott mein gebete erhoere? byn ich doch ein armer sunder &c.. Das macht, das sie nicht auff Gottes verheissung sondern auff yhre werck und eigene wirdickeit sehen, damit sie Gott verachten und luegenstraffen. Derhalben [Jak. 1, 6. 7] sie auch nichts empfahen, wie Sanct Jacobus sagt: ‘Wer da betet, der bete ym glauben und zweivel nicht. Denn wer da zweivelt, ist gleich wie ein woge des Meers, so vom winde getrieben und gewebd wird; solcher mensch denke nur nicht, das er etwas von Gott empfahen werde’. Sihe soviel ist Gott daran gelegen, das wir gewis sollen sein, das wir nicht umbsonst bitten, und ynn keinem wege unser gebete verachten.

[s. 212]

 

 

 

Das Vierde teil. Von der Tauffe.

 

Wir haben nu ausgerichtet die drey heubtstueck der gemeinen Christlichen lere. Uber die selbige ist noch zu sagen von unsern zweien Sacramenten von Christo eingesetzt, davon auch ein yglicher Christ zum wenigsten ein gemeinen kurtzen unterricht haben sol, weil on die selbigen kein Christen sein kan, wiewol man leider bisher nichts darvon geleret hat. Zum ersten aber nemen wir fur uns die Tauffe, dadurch wir erstlich ynn die Christenheit genomen werden. Das mans aber wol fassen koenne, woellen wirs ordenlich handlen und allein darbey bleiben, was uns noetig ist zu wissen; denn wie mans erhalten und verfechten musse widder die ketzer und Rotten, woellen wir den gelerten befehlen.

 

[Einsetzung der Tauffe.] Auffs erste mus man fur allen dingen die wort wol wissen, darauff die Tauffe gegruendet ist und dahyn alles gehet, was darvon zusagen ist, [Matth. 28, 19] Nemlich da der Herr Christus spricht Math. am letzten:

 

Gehet hyn ynn alle welt, leret alle Heiden und teuffet sie

ym namen des Vaters und des Sons und des Heiligen

geists.

 

[Mark. 16, 16] Jtem Marci auch am letzten Cap.:

Wer da gleubet und getaufft wird, der wird selig,

wer aber nicht gleubt, der wird verdampt.

 

Yn diesen worten soltu zum ersten mercken, das hie stehet Gottes gebot und einsetzung, des man nicht zweivele, die Tauffe sey ein Goetlich [Tauffe ein Goetlich ding.] ding, nicht von menschen erdacht noch erfunden. Denn so wol als ich sagen kan, die zehen gebot, Glauben und Vater unser hat kein mensch aus seinem kopff gespunnen, sondern sind von Gott selbs offenbaret und gegeben: So kan ich auch rhuemen, das die Tauffe kein menschen tand sey sondern von Gott selbs eingesetzt, darzu ernstlich und streng geboten, das wir uns muessen teuffen lassen odder sollen nicht selig werden, Das man nicht dencke, es sey so leichtfertig ding als ein newen roten rock anziehen. Denn da ligt die hoehiste macht an, das man die Tauffe trefflich, herrlich und hoch halte, denn darueber streiten und fechten wir allermeist, weil die welt itzt so vol rotten [s. 213] ist, die da schreien, die Tauff sey ein eusserlich ding, eusserlich ding aber sey kein nuetz. Aber las eusserlich ding sein als es ymmer kan, da stehet aber Gottes wort und gebot, so die Tauffe einsetzet, gruendet und bestetigt. Was aber Gott einsetzet und gebeut, mus nicht vergeblich sondern eitel koestlich ding sein, wenn es auch dem ansehen nach geringer denn ein strohalm were. Hat man bisher kuenden gros achten, wenn der Bapst mit brieven und Bullen Ablas austeilete, altar odder kirchen bestetigte alleine umb der brieve und siegel willen, so sollen wir die Tauffe viel hoeher und koestlicher halten, weil es Gott befohlen hat, dazu ynn seinem namen geschicht. Denn also lauten die wort: Gehet hyn, teuffet, aber nicht ynn ewerm sondern ynn Gottes namen.

 

[Tauffe yn Gottes namen.] Denn ynn Gottes namen getaufft werden ist nicht von menschen sondern von Gott selbs getaufft werden; darumb ob es gleich durch des menschen hand geschicht, so ist es doch warhafftig Gottes eigen werck, Daraus ein yglicher selbs wol schliessen kan, das es viel hoeher ist denn kein werck von einem menschen oder heiligen gethan. Denn was kan man fur werck groesser machen denn Gottes werck? Aber hie hat der Teuffel zu schaffen, das er [Falscher schein menschlicher werck.] uns mit falschem schein blende und von Gottes werck auff unser werck fuere. Denn das hat viel ein koestlichern schein, das ein Cartheuser viel schwere, grosse werck thuet, und halten alle mehr darvon, das wir selbs thuen und verdienen. Aber die schrifft leret also: Wenn man gleich aller Muenche werck auff einen hauffen schluge, wie koestlich sie gleissen muegen, so weren sie doch nicht so edel und gut, als wenn Got ein strohalm auff huebe. Warumb? Darumb das die person edler und besser ist; nu mus man hie nicht die person nach den wercken sondern die werck nach der person achten, von welcher sie yhren adel nemen muessen. Aber hie fellet die tolle vernunfft zu, und weil es nicht gleisset wie die werck so wir thuen, so sol es nichts gelten.

 

Aus diesem lerne nu ein richtigen verstand fassen und antworten [Was die Tauffe sey.] auff die frage, was die Tauffe sey, Nemlich also: Das sie nicht ein blos schlecht wasser ist sondern ein wasser ynn Gottes wort und gepot gefasset und dadurch geheiligt, Das nicht anders ist denn ein Gottes wasser; nicht das das wasser an yhm selbs edler sey denn ander wasser sondern das Gottes wort und gepot dazu koempt. Daruemb ists ein lauter buben stueck und des [Rottengeister reissen Gottes wort von der tauffe.] Teuffels gespotte, das itzt unsere newe geister, die Tauffe zulestern, Gottes wort und ordnung davon lassen und nicht anders ansehen denn das wasser, das man aus dem brunnen schepffet, und darnach daher geiffern: Was solt [s. 214] ein handvol wassers der seelen helffen? Ja lieber, wer weis das nicht, wenn es von ander trennens sol gelten, das wasser wasser ist? Wie tharstu aber so ynn Gottes ordnung greiffen und das beste kleinod davon reissen, damit es Got verbunden und eingefasset hat und nicht wil getrennet haben? Denn das ist der kern ynn wasser: Gottes wort oder gepot und Gottes namen, welcher schatz groesser und edler ist denn hymel und erde.

 

Also fasse nu die unterscheid, das viel ein ander ding ist Tauffe denn alle ander wasser, nicht des natuerlichen wesens halben, sondern das hie etwas edlers dazu koempt, Denn Gott selbs sein ehre hynan setzet, sein krafft und macht daran legt. Daruemb ist es nicht allein ein natuerlich wasser sondern [Tauffe ein himlisch wasser.] ein Goetlich, hymlisch, heilig und selig wasser, und wie mans mehr loben kan, alles umb des worts willen, welches ist ein hymlisch, heilig wort, das niemand gnug preissen kan, denn es hat und vermag alles was Gottes ist. Daher hat es auch sein wesen, das es ein Sacrament heisset, wie auch S. Augustinus geleret hat: Accedat verbum ad elementum et fit sacramentum, Das ist, wenn das wort zum element odder natuerlichem wesen koempt, so wird ein Sacrament daraus, das ist ein Heilig Goettlich ding und zeichen.

 

[Eusserlich ding nach Gottes wort anzusehen.] Daruemb leren wir allezeit, man solle die Sacrament und alle eusserlich ding, so Gott ordnet und einsetzet, nicht ansehen nach der groben, eusserlichen larven, wie man die schalen von der nuss sihet, sondern wie Gottes wort darein geschlossen ist. Denn also reden wir auch von Vater und mutter stand und weltlicher oeberkeit, wenn man die wil ansehen: wie sie nasen, augen, haut und har, fleisch und bein haben, so sehen sie Tuercken und Heiden gleich und moecht auch ymand zufaren und sprechen: Waruemb solt ich mehr von diesem halten denn von andern? Weil aber das gepot dazu koempt: Du solt vater und mutter ehren, so sehe ich ein andern man, geschmueckt und angezogen mit der maiestet und herlickeit Gottes. Das gepot (sage ich) ist die guelden ketten, so er am hals tregt, ia die krone auff seinem heubt, die mir anzeigt, wie und waruemb man dis fleisch und blut ehren sol. Also und viel mehr soltu die Tauffe ehren und herlich halten umb des worts willen, als die er selbs beide mit worten und wercken geehret hat, dazu mit wunder von hymel bestetigt. Denn meinestu, das ein schertz war, da sich Christus [Matth. 3, 16] Teuffen lies, der hymel sich auffthete, der Heilige geist sichtiglich erab fur, und war eitel Goettliche herlickeit und maiestet? Derhalben vermane ich abermal, das man bey leib die zwey, wort und wasser, nicht voneinander scheiden und trennen lasse. Denn wo man das wort davon sondert, so ists nicht ander wasser denn damit die magd kochet, und mag wol ein bader Tauffe heissen, aber wenn es dabey ist wie es Gott geordnet hat, so ists ein Sacrament [s. 215] und heisset Christus Tauffe. Das sey das erste stueck von dem wesen und wirde des heiligen Sacraments.

 

Auffs ander, Weil wir nu wissen, was die Taufe ist und wie sie zuhalten sey, muessen wir auch lernen, waruemb und wozu fie eingesetzt sey, [Nutz und krafft der Tauffe.] das ist was sie nuetze, gebe und schaffe. Solchs kan man auch nicht besser denn aus den worten Christi, oben angezogen, fassen, Nemlich “Wer da gleubt und getaufft wird, der wird selig”. Daruemb fasse es auffs aller einfeltigst also, das dis der Tauffe krafft, werck, nutz, frucht und ende ist, das sie selig mache. Denn man teuffet niemand daruemb, das er ein fuerst werde [Selig werden.] sondern wie die wort lauten, das er ‘selig werde’. Selig werden aber weis man wol das nichts anders heisset, denn von sunden, tod, Teuffel erloeset ynn Christus reich komen und mit yhm ewig leben. Da sihestu abermal, wie tewer und werd die Tauffe zuhalten sey, weil wir solchen unaussprechlichen schatz darynne erlangen. Welches auch wol anzeigt, das nicht kan ein schlecht, lauter wasser sein. Denn lauter wasser kuende solchs nicht thuen, aber das wort thuets, und das (wie oben gesagt) Gottes namen darynne ist. Wo aber [Gottes namen ynn der Tauffe.] Gottes name ist, da mus auch leben und seligkeit sein, das es wol ein Goettlich, selig, fruchtbarlich und gnadenreich wasser heisset. Denn durchs wort kriegt sie die krafft, das sie ein bad der widdergeburt ist, wie sie Paulus [Tit. 3, 5] nennet an Titum am 3.

 

Das aber unsere klueglinge, die newen geister, furgeben, der glaube mache allein selig, die werck aber und eusserlich ding thuen nichts dazu: Antworten wir, das freilich nichts ynn uns thuet denn der glaube, wie wir noch weiter hoeren werden. Das woellen aber die blinden leiter nicht sehen, das der glaube etwas haben mus das er glaube, das ist daran er sich halte und darauff [Der glaube ist gehefftet an die tauffe.] stehe und fusse. Also hanget nu der glaube am wasser und gleubt, das die Tauffe sey, daryn eitel seligkeit und leben ist, nicht durchs wasser (wie gnug gesagt) sondern dadurch, das mit Gottes wort und ordnung verleibet ist und sein name daryn klebet. Wenn ich nu solches gleube, was gleube ich anders denn an Gott als an den, der sein wort darein geben und gepflantzt hat und uns dis eusserlich ding furschlegt, daryn wir solchen schatz ergreiffen kuenden?

 

Nu sind sie so toll, das sie von ander scheiden den glauben und das ding, daran der glaube hafftet und gebunden ist, ob es gleich eusserlich ist. [Glaube mus etwas eusserlichs fur sich haben.] Ja es sol und mus eusserlich sein, das mans mit synnen fassen und begreiffen und dadurch yns hertz bringen koenne, wie denn das gantze Euangelion ein eusserliche muendliche predigt ist. Summa was Gott ynn uns thuet und wircket, wil er durch solch eusserliche ordnung wircken. Wo er nu redet, ia wohyn odder wodurch er redet, da sol der glaube hynsehen und sich daran [s. 216] halten. Nu haben wir hie die wort: Wer da gleubt und getaufft wird, der wird selig. Worauff sind sie geredt anders denn auff die Tauffe, das ist das wasser yn Gottes ordnung gefasset? Daruemb folget, das wer die Tauffe verwirfft, der verwirfft Gottes wort, den glauben und Christum, der uns dahyn weiset und an die Tauffe bindet.

 

Auffs dritte weil wir den grossen nutz und krafft der Tauffe haben, [Person den die tauffe nutzet.] so las nu weiter sehen, wer die person sey, die solchs empfahe was die Tauffe gibt und nuetzet. Das ist abermal auffs feinest und klerlichst ausgedrueckt eben ynn den worten ‘Wer da gleubt und getaufft wird, der wird selig’, [Glaube machet die person wirdig.] Das ist, der glaube macht die person allein wirdig, das heylsame Goettliche wasser nuetzlich zu empfahen. Denn weil solchs alhie ynn den worten bey und mit dem wasser furgetragen und verheissen wird, kan es nicht anders empfangen werden, denn das wir solchs von hertzen gleuben. On glauben ist es nichts nuetz, ob es gleich an yhm selbs ein Goettlicher uberschwenglicher schatz ist. Daruemb vermag das einige wort ‘Wer da gleubet’ soviel, das es ausschleusset und zurueck treibt alle werck, die wir thuen koennen der meinung, als dadurch seligkeit zu erlangen und verdienen. Denn es ist beschlossen: was nicht glaube ist, das thuet nichts dazu, empfehet auch nichts.

 

Sprechen sie aber, wie sie pflegen: Jst doch die Tauffe auch selbs ein werck, so sagstu, die werck gelten nichts zur seligkeit, wo bleibt denn der glaube? Antwort: Ja unsere werck thuen freilich nichts zur seligkeit, die [Tauffe ist nicht unser sondern Gottes werck.] Tauffe aber ist nicht unser sondern Gottes werck (Denn du wirst, wie gesagt, Christus Tauffe gar weit muessen scheiden von der bader Tauffe), Gottes werck aber sind heilsam und not zur seligkeit und schliessen nicht aus sondern fodern den glauben, denn on glauben kuende man sie nicht fassen. Denn damit das du lessest uber dich giessen, hastu sie nicht empfangen noch gehalten, das sie dir etwas nuetze. Aber davon wird sie dir nutze, wenn du dich der meinung lesst teuffen als aus Gottes befehl und ordnung, darzu yn Gottes namen, auff das du ynn dem wasser die verheissene seligkeit empfahest. Nu kan solchs die faust noch der leib nicht thuen, sondern das hertz mus es [Gottes werck empfehet der glaube.] gleuben. Also sihestu klar, das da kein werck ist von uns gethan sondern ein schatz, den er uns gibt und der glaube ergreiffet, So wol als der HERR Christus am creutz nicht ein werck ist sondern ein schatz ym wort gefasset und uns furgetragen und durch den glauben empfangen. Daruemb thuen sie uns gewalt, das sie wider uns schreyen, als predigen wir widder den glauben, So wir doch alleine darauff treiben, als der so noetig dazu ist, das on yhn nicht empfangen noch genossen mag werden.

[s. 217]

 

Also haben wir die drey stueck, so man von diesem Sacrament wissen mus, sonderlich das Gottes or dnung ist, ynn allen ehren zuhalten. Welchs allein gnung were, ob es gleich gantz ein eusserlich ding ist. Wie das gepot ‘Du solt vater und mutter ehren’ allein auff ein leiblich fleisch und blut gestellet, da man nicht das fleisch und blut sondern Gottes gepot ansihet, daryn es gefasset ist und umb welchs willen das fleisch vater und mutter heisset. Also auch wenn wir gleich nicht mehr hetten denn diese wort ‘Gehet hyn und Teuffet &c.’, muesten wirs dennoch als Gottes ordnung annemen und thuen. Nu ist nicht allein das gepot und befehl da sondern auch die verheissung. Daruemb ist es noch viel herlicher, denn was Gott sonst gepoten und geordnet hat, Summa so voll trosts und gnade, das hymel und erden nicht kan begreiffen. Aber da gehoeret kunst zu, das man solchs gleube, denn es manglet nicht am schatz, aber da manglets an, das man yhn fasse und feste halte.

 

Daruemb hat ein yglicher Christen sein lebenlang gnug zulernen und [Ubung der tauffe sol ymmer bleiben.] zu uben an der Tauffe, denn er hat ymmerdar zuschaffen, das er festiglich gleube was sie zusagt und bringet: uberwindung des Teuffels und tods, vergebung der sunde, Gottes gnade, den gantzen Christum und Heiligen geist mit seinen gaben. Summa es ist so uberschwenglich, das wens die bloede natur bedencket, solt sie zweiveln ob es kuende war sein. Denn rechne du, wenn yrgend ein artzt were, der die kunst kuende, das die leute nicht stuerben odder, ob sie gleich stuerben, darnach ewig lebten, wie wuerde die welt mit gelt zuschneyen und regenen, das fur den reichen niemand kuende zukomen? Nu wird hie yn der Tauffe yderman umb sonst fur die thuer gebracht ein solcher schatz und ertzney, die den tod verschlinget und alle menschen beym leben erhelt. Also mus man die Tauffe ansehen und uns nuetze machen, das wir uns des stercken und troesten, wenn uns unser sund oder gewissen beschweret, und sagen: Jch bin dennoch getaufft, bin ich aber getaufft, so ist mir zugesagt, [Ewig leben an leib und seele durch die Tauffe.] ich solle selig sein und das ewige leben haben beide an seel und leib. Denn daruemb geschicht solchs beides ynn der Tauffe, das der leib begossen wird welcher nicht mehr fassen kan denn das wasser, und dazu das wort gesprochen wird das die seele auch koenne fassen. Weil nu beide, wasser und wort, eine Tauffe ist, so mus auch beide leib und seele selig werden und ewig leben, Die seele durchs wort daran sie gleubt, der leib aber weil er mit der seele vereinigt ist und die Tauffe auch ergreiffet, wie ers ergreiffen kan. Daruemb haben wir an unser leib und seele kein groesser kleinod. Denn dadurch werden wir gar heilig und selig, welchs sonst kein leben, kein werck auff erden erlangen kan.

 

[s. 218] Das sey nu genug gesagt von dem wesen, nutz und brauch der Tauffe, soviel hieher dienet. Hiebei felt nu ein frage ein, damit der Teuffel durch [Von der kindertauffe.] seine Rotten die welt verwirret, von der Kinder tauffe, ob sie auch gleuben odder recht getaufft werden. Dazu sagen wir kuertzlich: wer einfeltig ist, der schlage die frage von sich und weise sie zu den gelerten. Wiltu aber antworten, so antworte also: Das die Kinder tauffe Christo gefalle, beweiset sich gnug [Gott bestetigt die Kinder tauffe durch sein eigen werck.] sam aus seinem eigenen werck, nemlich das Gott deren viel heilig machet und den Heiligen geist gegeben hat die also getaufft sind, Und heutigs tages noch viel sind, an den man spueret, das sie den Heiligen geist haben beide der leere und lebens halben, als uns von Gottes gnaden auch gegeben ist, das wir ia koennen die schrifft auslegen und Christum erkennen, welches on den Heiligen geist nicht geschehen kan. Wo aber Got die Kinder tauffe nicht anneme, wuerde er deren keinem den Heiligen geist noch ein stueck davon geben, Summa es mueste so lange zeit her bis auff diesen tag kein mensch auff erden Christen sein. Weil nu Gott die Tauffe bestetigt durch eingeben seines Heiligen geists, als man ynn etlichen Vetern als Sanct Bernard, Gerson, Johan Hus und andern wol spueret, und die Heilige Christliche kyrche nicht untergehet bis ans ende der welt, so muessen sie bekennen, das sie Gotte gefellig sey. Denn er kan yhe nicht widder sich selbs sein odder der luegen und bueberey helffen noch sein gnade und geist dazu geben. Dis ist fast die beste und sterckste beweisung fur die einfeltigen und ungelerten. Denn man wird uns diesen Artikel ‘Jch gleube eine heilige Christliche kyrche, die gemeine der heiligen’ &c. nicht nemen noch umbstossen.

 

Darnach sagen wir weiter, das uns nicht die groesste macht daran ligt, [Tauffe ist recht, ob gleich yemand nicht gleubte.] ob, der da getaufft wird, gleube odder nicht gleube, denn daruemb wird die Tauffe nicht unrecht, Sondern an Gottes wort und gepot ligt es alles. Das ist nu wol ein wenig scharff, stehet aber gar darauff, das ich gesagt habe, das die Tauffe nichts anders ist denn wasser und Gottes wort bey und mit einander, das ist: wenn das wort bey dem wasser ist, so ist die Tauffe recht, ob schon der glaube nicht dazu koempt, Denn mein glaube machet nicht die Tauffe sondern empfehet die Tauffe. Nu wird die Tauffe davon nicht unrecht, ob sie gleich nicht recht empfangen oder gebraucht wird, als die (wie gesagt) nicht an unsern glauben sondern an das wort gebunden ist. Denn wenngleich diesen tag ein Juede mit schalkeit und boesem fursatz erzu keme und wir yhn mit gantzem ernst teufften, sollen wir nichts deste weniger sagen, das die Tauffe recht were. Denn da ist das wasser sampt Gottes wort, ob er sie [s. 219] gleich nicht empfehet wie er sol; Gleich als die unwirdig zum Sacrament gehen, das rechte Sacrament empfahen, ob sie gleich nicht gleuben.

 

Also sihestu, das der Rottengeister einrede nichts taug. Denn wie gesagt, wenn gleich die kinder nicht gleubten, welchs doch nicht ist (als itzt beweiset,) so were doch die Tauffe recht und sol sie niemand widder teuffen; Gleich als dem Sacrament nichts abgebrochen wird, ob yemand mit boesem fursatz hynzu gienge, Und nicht zu leiden were, das er umb des misbrauchs willen auff die selbige stunde abermal neme, als hette er zuvor nicht warhafftig das Sacrament empfangen. Denn das hiesse das Sacrament auffs hoehest gelestert und geschendet. Wie kemen wir dazu, das Gottes wort und ordnung daruemb solt unrecht sein und nichts gelten, das wirs unrecht brauchen? Daruemb sage ich: hastu nicht gegleubt, so gleube noch und sprich also: Die Tauffe ist wol recht gewesen, ich hab sie aber leider nicht recht empfangen. Denn auch ich selbs und alle so sich tauffen lassen, muessen fur Gott also sprechen: Jch kome her ynn meinem glauben und auch der andern, noch kan [Niemand sol auff seinen glauben bawen.] ich nicht drauff bawen, das ich gleube und viel leute fur mich bitten, sondern darauff bawe ich, das es dein wort und befehl ist, gleich wie ich zum Sacrament gehe nicht auff meinen glauben sondern auff Christus wort. Jch sey starck odder schwach, das lasse ich Gott walten; das weis ich aber, das er mich heisset hyngehen, essen und trinken &c. und mir seinen leib und blut schenckt, das wird mir nicht liegen noch triegen. Also thuen wir nu auch mit der Kindertauffe: das kind tragen wir erzu der meinung und hoffnung das es gleube, und bitten das yhm Gott den glauben gebe, aber darauff teuffen wirs nicht sondern allein darauff, das Gott befohlen hat. Waruemb das? Daruemb das wir wissen das Gott nicht leugt, Jch und mein nehister und Summa alle menschen muegen feylen und triegen, aber Gottes wort kan nicht feylen.

 

[Unglaube schwecht Gottes wort nicht.] Daruemb sind es yhe vermessene toelpische geister, die also folgern und schliessen: wo der glaube nicht ist, das muesse auch die Tauffe nicht recht sein. Gerade als ich wolt schliessen: Wenn ich nicht gleube, so ist Christus nichts, odder also: wenn ich nicht gehorsam byn, so ist vater, mutter und oeberkeit nichts. Jst das wol geschlossen, wo yemand nicht thuet was er thuen sol, das daruemb das ding an yhm selbs nichts sein noch gelten sol? Lieber kere es umb und schleus viel mehr also: Eben daruemb ist die Tauffe etwas und recht, das mans unrecht empfangen hat. Denn wo sie an yhr selbs nicht recht were, kuend man nicht misbrauchen noch daran sundigen. Es heisset also: Abusus non tollit sed confirmat substantiam, Misbrauch nympt nicht hynweg das wesen sondern bestetigts. Denn golt bleibt nichts weniger golt, ob es gleich eine buebyn mit sunden und schanden tregt.

 

[s. 220] Daruemb sey beschlossen, das die Tauffe allezeit recht und ynn vollem wesen bleibt, wenn gleich nur ein mensch getaufft wuerde und dazu nicht rechtschaffen gleubte. Denn Gottes ordnung und wort lesset sich nicht von menschen [Schwermer geister.] wandelbar machen noch endern. Sie aber, die schwermergeister, sind so verblend, das sie Gottes wort und gepot nicht sehen und die Tauffe und oeberkeit nicht weiter ansehen denn als wasser ym bach und topffen odder als ein andern menschen, und weil sie keinen glauben noch gehorsam sehen, sol es an yhm selbs auch nichts gelten. Da ist ein heymlicher auffruerischer Teuffel, der gerne die krone von der oberkeit reissen wolt, das man sie darnach mit fussen trette, darzu alle Gottes werck und ordnunge uns verkeren und zu nicht machen. Darumb muessen wir wacker und geruest sein und uns von dem wort nicht lassen weisen noch wenden, das wir die Tauffe nicht lassen ein blos ledig zeichen sein, wie die schwermer trewmen.

 

[Deutung der Tauffe.] Auffs letzte ist auch zuwissen, was die Tauffe bedeutet und waruemb Gott eben solch eusserlich zeichen und geberde ordnet zu dem Sacrament, dadurch wir erstlich ynn die Christenheit genomen werden. Das werck aber odder geberde ist das, das man uns yns wasser sencket, das uber uns her gehet, und darnach widder eraus zeucht. Diese zwey stueck, unter das wasser sincken und widder eraus komen, deutet die krafft und werck der Tauffe, [Toedtung des alten Adams.] welchs nichts anders ist denn die toedtung des alten Adams, darnach die aufferstehung [Röm. 6, 4] des newen menschens, welche beyde unser leben lang ynn uns gehen sollen, also das ein Christlich leben nichts anders ist denn eine tegliche Tauffe, ein mal angefangen und ymmer daryn gegangen. Denn es mus on unterlas also gethan sein, das man ymmer ausfege was des alten Adams ist, und erfuer kome was zum newen gehoeret. Was ist denn der alte mensch? Das [Alte mensch.] ist er, so uns angeboren ist von Adam, zornig, hessig, neidisch, unkeusch, geitzig, faul, hoffertig, ia ungleubig, mit allen lastern besetzt und von art kein guts an yhm hat. Wenn wir nu ynn Christus reich komen, sol solchs teglich abnemen, das wir yhe lenger yhe milder, gedueldiger, sanfftmuetiger werden, dem geitz, hass, neid, hoffart yhe mehr abrechen.

 

[Teglicher brauch und ubung der Tauffe.] Das ist der rechte brauch der Tauffe unter den Christen, durch das wasser teuffen bedeutet. Wo nu solchs nicht gehet sondern dem alten menschen der zaum gelassen wird, das er nur stercker wird, das heisset nicht der Tauffe gebraucht sondern widder die Tauffe gestrebt. Denn die ausser Christo sind, koennen nicht anders thuen denn teglich erger werden, wie auch das sprichwort lautet und die warheit ist: ymmer yhe erger, yhe lenger yhe boeser. Jst einer furm iar stoltz und geitzig gewesen, so ist er heuer viel geitziger und stoltzer, Also das die untugent von iugent auff mit yhm wechset [s. 221] und fortferet. Ein iunges kind hat kein sonderliche untugent an sich; wo er aber erwechst, so wird er unzuechtig und unkeusch; kompt er zu seinem vollen mansalter, so gehen die rechten laster an, yhe lenger yhe mehr. Daruemb gehet der alte mensch ynn seiner natur unauffgehalten, wo man nicht durch der Tauffe krafft wehret und dempffet. Widderuemb wo Christen sind worden, nympt er teglich abe, so lang bis er gar untergehet. Das heisset recht ynn die Tauffe gekrochen und teglich widder erfuer komen. Also ist das eusserliche zeichen gestellet, nicht allein das es solle krefftiglich wircken sondern auch etwas deuten. Wo nu der glaube gehet mit seinen fruechten, das ists nicht ein lose deutung sondern das werck dabey. Wo aber der glaube nicht ist, da bleibt es ein blos unfruchtbar zeichen.

 

Und hie sihestu, das die Tauffe beyde mit yhrer krafft und deutunge [Busse ist das rechte werck der Tauffe.] begreifft auch das dritte Sacrament, welchs man genennet hat die Busse, als die eigentlich nicht anders ist denn die Tauffe. Denn was heisset busse anders denn den alten menschen mit ernst angreiffen und yn ein newes leben tretten? Daruemb wenn du ynn der busse lebst, so gehestu ynn der Tauffe, welche solch newes leben nicht allein deutet sondern auch wirckt, anhebt und treibt; denn daryn wird geben gnade, geist und krafft den alten menschen zu unterdruecken, das der newe erfurkome und starck werde. Daruemb [Busse ein widdergang zur Tauffe.] bleibt die Tauffe ymerdar stehen, und ob gleich yemand davon fellet und sundigt, haben wir doch ymmer ein zugang dazu, das man den alten menschen widder untersich werffe. Aber mit wasser darff man uns nicht mehr begiessen. Denn ob man sich gleich hundertmal liesse yns wasser sencken, so ists doch nicht mehr denn eine Tauffe, Das werck aber und deutung gehet und bleibt. Also ist die busse nicht anders denn ein widdergang und zutretten zur Tauffe, das man das widder holet und treibt, so man zuvor angefangen und doch davon gelassen hat.

 

Das sage ich daruemb, das man nicht ynn die meinung kome, daryn wir lange zeit gewesen sind und gewehnet haben, die Tauffe were nu hyn, das man yhr nicht mehr brauchen kuende, nach dem wir widder yn sunde gefallen sind; das macht, das mans nicht weiter ansihet denn nach dem werck, so einmal geschehen ist. Und ist zwar daher komen, das Sanct Hieronymus geschrieben hat, Die busse sey die andere taffel, damit wir muessen ausschwymen und uberkomen, nach dem das schiff gebrochen ist, darein wir tretten und uberfaren, wenn wir ynn die Christenheit komen. Damit ist nu der brauch [s. 222] der Tauffe weggenomen, das sie uns nicht mehr nuetzen kan. Daruemb ists nicht recht geredt, denn das schiff zubricht nicht, weil es (wie gesagt) Gottes ordnung und nicht unser ding ist. Aber das geschicht wol, das wir gleiten und eraus fallen, fellet aber ymand eraus, der sehe das er widder hynzu schwymme und sich dran halte, bis er widder hynein kome Und daryn gehe, wie vorhyn angefangen.

 

Also sihet man, wie ein hoch trefflich ding es ist umb die Tauffe, so uns den Teuffel aus dem hals reisset, Gott zu eigen macht, die sund dempfft und weg nympt, darnach teglich den newen menschen stercket Und ymmer gehet [Tauffe ein teglich kleid der Christen.] und bleibt, bis wir aus diesem elend zur ewigen herlickeit komen. Daruemb sol ein yglicher die Tauffe halten als sein teglich kleid, daryn er ymmerdar gehen sol, das er sich alle zeit ynn dem glauben und seinen fruchten finden lasse, das er den alten menschen dempfe und ym newen erwachse. Denn wollen wir Christen sein, so muessen wir das werck treiben, davon wir Christen sind, fellet aber yemand davon, so kome er widder hynzu. Denn wie Christus, der gnaden stul, daruemb nicht weichet noch uns wehret widder zu yhm zukomen, ob wir gleich sundigen, also bleibt auch alle sein schatz und gabe. Wie nu ein mal ynn der Tauffe vergebunge der sunden uber komen ist, so bleibt sie noch teglich, so lang wir leben, das ist den alten menschen am hals tragen.

 

 

 

 

Von dem Sacrament des Altars.

 

Wie wir von der heiligen Tauffe gehoeret haben, muessen wir von dem andern Sacrament auch reden, Nemlich die drey stueck: was es sey, was es nutze, und wer es empfahen sol. Und solchs alles aus den worten [Einsetzung des Sacraments.] gegruendet, dadurch es von Christo eingesetzt ist, welche auch ein yglicher wissen sol, der ein Christ wil sein und zum Sacrament gehen. Denn wir sinds nicht gesynnet dazu zu lassen und zu reichen denen, die nicht wissen, was sie da suchen odder waruemb sie komen. Die wort aber sind diese:

 

[Matth. 26, 26 –28; Mark. 14, 22 –24; Luk. 22, 19. 20; 1. Kor. 11, 23 –25] Unser HERR Jhesus Christus ynn der nacht, da er verrhaten

ward, Nam er das brod, danckt und brachs Und

gabs seinen Juengern und sprach: “Nemet hyn, Esset, Das

ist mein leib, der fur euch gegeben wird. Solchs thuet zu

meinem gedechtnis”.

[s. 223]

 

Desselben gleichen nam er auch den kelch nach dem

abendmal, danckt und gab yhn den und sprach: “Nemet

hin und trincket alle draus. Dieser kelch ist das newe

testament yn meinem blut, das fur euch vergossen wird

zur vergebung der sunde. Solchs thuet, so offt yhr trincket,

zu meinem gedechtnis”.

 

Hie woellen wir uns auch nicht ynn die har legen und fechten mit den lesterern und schendern dieses Sacraments, Sondern zum ersten lernen, da die macht an ligt (wie auch von der Tauffe), Nemlich das das fuernemste stueck [Sacrament Gottes ordnung.] sey Gottes wort und ordnung oder befehl. Denn es ist von keinem menschen erdacht noch auff bracht sondern on yemands rath und bedacht von Christo eingesetzt. Derhalben wie die zehen gepot, Vater unser und Glaube bleiben yn yhrem wesen und wirden, ob du sie gleich nymmermehr heltest, betest noch gleubest, Also bleibt auch dis hochwirdige Sacrament unverrueckt, das yhm nichts abgebrochen noch genomen wird, ob wirs gleich unwirdig brauchen und handlen. Was meynestu das Gott nach unserm thuen odder gleuben fragt, das er umb des willen solt sein ordnung wandlen lassen? Bleibt doch ynn allen weltlichen dingen alles, wie es Gott geschaffen und geordnet hat, Gott gebe wie wirs brauchen und handlen. Solchs mus man ymerdar treiben. Denn damit kan man fast aller Rottengeister geschwetze zurueck stossen, Denn sie die Sacrament ausser Gottes wort ansehen als ein ding das wir thuen.

 

[Was das Sacrament seye.] Was ist nu das Sacrament des Altars? Antwort: Es ist der ware leib und blut des HERRN Christi ynn und unter dem brod und wein durch Christus wort uns Christen befohlen zu essen und zu trincken. Und wie von der Tauffe gesagt, das nicht schlecht wasser ist, so sagen wir hie auch, das Sacrament ist brod und wein, aber nicht schlecht brod noch wein, so man sonst zu tisch tregt, sondern brod und wein ynn Gottes wort gefasset und daran gebunden. Das wort (sage ich) ist das, das dis Sacrament machet und unterscheidet, das es nicht lauter brod und wein sondern Christus leib und blut ist und heisset. Denn es heisset: Accedat verbum ad elementum et [Das wort machet ein Sacrament.] fit sacramentum, Wenn das wort zum eusserlichen ding kompt, so wirds ein Sacrament. Dieser spruch S. Augustin ist so eigentlich und wol gered, das er kaum ein bessern gesagt hat. Das Wort mus das element zum Sacrament machen, wo nicht, so bleibts ein lauter element. Nu ists nicht eins Fuerstens odder Keisers sondern der hohen Maiestet wort und ordnung, dafuer alle Creaturn sollen zu fuessen fallen und ia sprechen, das es sey wie er sagt, und mit allen ehren, furcht und demut annemen. Aus dem wort [s. 224] kanstu dein gewissen stercken und sprechen: Wenn hundert tausent Teuffel sampt allen Schwermern her faren ‘Wie kan brod und wein Christus leib und blut sein?’ etc., so weis ich, das alle geister und gelerten auff einen hauffen nicht so klug sind als die Goettliche Maiestet ym kleinsten fingerlein. Nu stehet hie Christus wort: “Nemet, esset, das ist mein leib”, “Trincket alle daraus, das ist das newe Testament ynn meinem blut” etc., da bleiben wir bey und woellen sie ansehen, die yhn meistern werden und anders machen denn ers gered hat. Das ist wol war, wenn du das wort davon thuest odder on [On wort ists lauter brot und wein.] wort ansihest, so hastu nichts denn lauter brod und wein, wenn sie aber dabey bleiben, wie sie sollen und muessen, so ists lauts derselbigen warhafftig Christus leib und blut. Denn wie Christus mund redet und spricht, also ist es, als der nicht liegen noch triegen kan.

 

Daher ist nu leicht zuantworten auff allerley frage, damit man sich itzt bekuemert, als diese ist, ob auch ein boeser Priester kuende das Sacrament handlen und geben, und was mehr des gleichen ist. Denn da schliessen wir und sagen: Ob gleich ein bube das Sacrament nimpt odder gibt, so nimpt er das rechte Sacrament, das ist Christus leib und blut, eben so wol als der es auffs aller wirdigst handlet. Denn es ist nicht gegruendet auff menschen heiligkeit sondern auff Gottes wort. Und wie kein heilige auff erden, ia kein Engel ym hymel das brod und wein zu Christus leib und blut machen kan, also kans auch niemand endern noch wandeln, ob es gleich misbraucht wird. Denn umb der person odder unglaubens willen wird das wort nicht falsch, dadurch es ein Sacrament worden und eingesetzt ist. Denn er spricht nicht: Wenn yhr gleubt odder wirdig seit, so habt yhr mein leib und blut, sondern “Nemet, esset und trincket, Das ist mein leib und blut”, Jtem “solchs thuet” (nemlich das ich itzt thue, einsetze, euch gebe und nemen heisse). Das ist soviel gesagt: Got gebe du seist unwirdig odder wirdig, so hastu hie sein leib und blut aus krafft dieser wort, so zu dem brod und wein komen. Solchs mercke und behalte nur wol. Denn auff den worten stehet alle unser grund, schutz und wehre widder alle yrthumb und verfurung, so yhe komen sind odder noch komen moegen.

 

Also haben wir kuertzlich das erste stueck, so das wesen dis Sacraments [Krafft und nutz des Sacraments.] belanget. Nu sihe weiter auch die krafft und nutz, daruemb endlich das Sacrament eingesetzet ist, welchs auch das noetigste daryn ist, das man wisse, was wir da suchen und holen sollen. Das ist nu klar und leicht eben aus den gedachten worten ‘Das ist mein leib und blut fur euch gegeben und vergossen zur vergebunge der sunde.’ Das ist kuertzlich soviel gesagt: daruemb [s. 225] gehen wir zum Sacrament, das wir da empfahen schatz, durch und yn dem wir vergebunge der sunde uberkomen. Waruemb das? Daruemb das die wort da stehen und uns solchs geben. Denn daruemb heisset er mich essen und trincken, das es mein sey und mir nuetze als ein gewis pfand und zeichen, ia eben das selbige gut, so fur mich gesetzt ist wider meine sunde, tod und alle unglueck.

 

[Sacrament ein speise der seelen.] Daruemb heisset es wol ein speisse der seelen, die den newen menschen neeret und sterckt. Denn durch die Tauffe werden wir erstlich new geboren, aber darneben (wie gesagt ist) bleibt gleich wol die alte haut ynn fleisch und blut am menschen, da ist soviel hyndernis und anfechtung vom Teuffel und der welt, das wir offt muede und matt werden und zuweilen auch strauchlen. Daruemb ist es gegeben zur teglichen weide und futerung, das sich der glaube erhole und stercke, das er ynn solchem kampff nicht zurueck falle sondern ymmer yhe stercker und stercker werde. Denn das newe leben sol also gethan sein, das es stets zuneme und fort fare. Es mus aber dagegen viel leiden. Denn so ein zorniger feind ist der Teuffel, wo er sihet, das man sich wider yhn legt und den alten menschen angreifft und uns nicht mit macht uberpoltern kan, da schleicht und streicht er auff allen seiten umbher, versuchet alle kuenste und lesset nicht abe, bis er uns zuletzt muede mache, das man entweder den glauben lesset fallen oder hende und fuesse gehen lesset, und wird unluestig odder ungedueltig. Dazu ist nu der trost gegeben, wenn das hertz solchs fuelet, das yhm wil zu schwer werden, das er hie newe krafft und labsal hole.

 

2Hie verdrehen sich aber unsere klugen geister mit yhrer grossen kunst und klugheit, die schreyen und poltern: Wie kan brod und wein die sunde vergeben odder den glauben stercken? So sie doch hoeren und wissen, das wir solchs nicht von brod und wein sagen, als an yhm selbs brod brod ist, sondern von solchem brod und wein, das Christus leib und blut ist und die wort bey sich hat. Dasselbige, sagen wir, ist yhe der schatz und kein ander, dadurch solche vergebunge erworben ist. Nu wird es uns ia nicht anders denn yn den worten ‘Fur euch gegeben und vergossen’ gebracht und zu geeignet. Denn darin hastu beides, das es Christus leib und blut ist und das es dein ist als ein schatz und geschenke. Nu kan yhe Christus leib ein unfruchtbar vergeblich ding sein, das nichts schaffe noch nuetze. Doch wie gros der schatz fur sich selbs ist, so mus er ynn das wort gefasset und uns gereicht werden, sonst wuerden wirs nicht koennen wissen noch suchen.

 

Daruemb ists auch nichts geredt, das sie sagen, Christus leib und blut [s. 226] ist nicht ym abendmal fur uns gegeben noch vergossen, druemb kuende man ym Sacrament nicht vergebunge der sunde haben. Denn obgleich das werck am creutz geschehen und die vergebung der sund erworben ist, so kan sie doch nicht [Vergebung der sund kriegt man allein durchs wort.] anders denn durchs wort zu uns komen. Denn was wusten wir sonst davon, das solchs geschehen were odder uns geschenkt sein solte, wenn mans nicht durch die predigt odder muendlich wort furtruege? Woher wissen sie es odder wie koennen sie die vergebung ergreiffen und zu sich bringen, wo sie sich nicht halten und gleuben an die schrifft und das Euangelion? Nu ist yhe das gantze Euangelion und der artikel des glaubens ‘Jch gleube eine heilige Christliche kyrche, vergebung der sunde etc’ durch das wort ynn dis Sacrament gesteckt und uns fur gelegt. Waruemb solten wir denn solchen schatz aus dem Sacrament lassen reissen, so sie doch bekennen muessen, das eben die wort sind, die wir allenthalben ym Euangelio hoeren, Und ia so wenig sagen koennen, diese wort ym Sacrament seyen kein nutz, so wenig sie thueren sprechen, das das gantze Euangelion oder wort Gottes ausser dem Sacrament kein nuetze sey?

 

[Brauch des Sacraments.] Also haben wir nu das gantze Sacrament, beide was es an yhm selbs ist und was es bringet und nuetzet, nu mus man auch sehen, wer die person sey, die solche krafft und nutz empfahe. Das ist auffs kuertzte, wie droben von der Tauffe und sonst offt gesagt ist: wer da solchs gleubt, wie die wort lauten und was sie bringen. Denn sie sind nicht stein noch holtz gesagt odder verkuendigt, sondern denen die sie hoeren, zu wilchen er spricht “Nemet und esset” etc. Und weil er vergebung der sunde anbeutet und verheisset, kan es [Glaube empfehet vergebung der sund.] nicht anders denn durch den glauben empfangen werden. Solchen glauben foddert er selbs ynn dem wort, als er spricht: “Fur euch gegeben und fur euch vergossen”, als solt er sagen: Daruemb gebe ichs und heisse euch essen und trincken, das yhr euchs solt annemen und geniessen. Wer nu yhm solchs lesset gesagt sein und gleubt, das war sey, der hat es. Wer aber nicht gleubt, der hat nichts, als ders yhm lesset umbsonst furtragen und nicht wil solchs heilsamen guts geniessen. Der schatz ist wol aussgethan und yderman fur die thur, ia auff den tisch gelegt, es gehoert aber dazu, das du dich auch sein annemest und gewislich dafur haltest, wie dir die wort geben.

 

[Wirdige bereitung zum Sacrament.] Das ist nu die gantze Christliche bereitung, dis Sacrament wirdig zu empfahen. Denn weil solcher schatz gar ynn den worten furgelegt wird, kan mans nicht anders ergreiffen und zu sich nemen denn mit dem hertzen. Denn mit der faust wird man solch geschencke und ewigen schatz nicht fassen. Fasten und beten etc. mag wol ein eusserliche bereitung und kinder ubung sein, das sich der leib zuechtig und ehrbietig gegen dem leib und blut Christi helt und geberdet. Aber das daryn und damit gegeben wird, kan nicht der leib [s. 227] fassen noch zu sich bringen. Der glaube aber thuts des hertzens, so da solchen schatz erkennet und sein begeret. Das sey gnug, soviel zur gemeinen unterricht not ist von diesem Sacrament. Denn was weiter davon zu sagen ist, gehoeret auff ein andere zeit.

 

Am end, weil wir nu den rechten verstand und die lere von dem [Vermanung das Sacrament zu empfahen.] Sacrament haben, ist wol not auch eine vermanung und reitzung, das man nicht lasse solchen grossen schatz, so man teglich unter den Christen handelt und austeilet, umbsonst furuber gehen, das ist, das die Christen woellen sein, sich dazu schicken das hochwirdige Sacrament offt zuempfahen. Denn wir sehen, das man sich eben lass und faul dazu stellet und ein grosser hauffe ist deren, die das Euangelion hoeren, welche weil des Bapsts tand ist abkomen, das wir gefreyet sind von seinem zwang und gebot, gehen sie wol dahyn ein iar, zwey odder drey und lenger on Sacrament, als seyen sie so starcke Christen, die sein nicht duerffen. Und lassen sich etliche hyndern und davon schrecken, das wir gelert haben, es solle niemand dazu gehen on die hunger und durst fuelen, so sie treibt. Etliche wenden fur, es sey frey und nicht von noeten und sey gnug, das sie sonst gleuben, und komen also das mehr teil dahyn, das sie gar rohe werden und zuletzt beide das Sacrament und Gottes wort verachten. Nu ists war, was wir gesagt haben, man sol bey leib niemand treiben noch zwingen, auff das man nicht widder ein newe [Die sich des Sacraments eussern sind nicht Christen.] seelmoerderey anrichte. Aber das sol man dennoch wissen, das solche leut fur keine Christen zuhalten sind, die sich so lange zeit des Sacraments eussern und entziehen. Denn Christus hat es nicht daruemb eingesetzt, das mans fur ein schauspiel handele, sondern seinen Christen geboten, das sie es essen und trincken und sein darueber gedencken.

 

Und zwar2welche rechte Christen sind und das Sacrament tewer und werd halten, sollen sich wol selbs treiben und hynzudringen. Doch das die einfeltigen und schwachen, die da auch gerne Christen weren, deste mehr gereitzt werden die ursach und not zubedencken, so sie treiben sollen, woellen wir ein [s. 228] wenig davon reden. Denn wie es ynn andern sachen, so den glauben, liebe und gedult betrifft, ist nicht gnug allein leren und unterrichten sondern auch teglich vermanen, also es ist auch hie not, mit predigen anhalten, das man nicht lass noch verdrossen werde, weil wir wissen und fuelen, wie der Teuffel sich ymer widder solchs und alles Christliche wesen sperret und, soviel er kan, davon hetzet und treibt.

 

[Christus befehl und gepot] . Und zum ersten haben wir den hellen Text ynn den worten Christi ‘das thuet zu meinem gedechtnis’. Das sind wort, die uns heissen und befehlen, dadurch denen, so Christen wollen sein, auffgelegt ist das Sacrament zugeniessen. Daruemb, wer Christus iunger wil sein, mit denen er hie redet, der dencke und halte sich auch dazu, nicht aus zwang, als von menschen gedrungen, sondern den Herrn Christo zu gehorsam und gefallen. Sprichstu aber: stehet doch dabey ‘So offt yhrs thuet’, da zwingt er yhe niemand, sondern lessets ynn freyer wilkoere. Antwort: Jst war, es stehet aber nicht, das mans nymer mehr thuen solle, ia weil er eben die wort spricht “So offt als yhrs thuet”, ist dennoch mit eingebunden, das mans offt thuen sol. Und ist daruemb hynzugesetzt, das er wil das Sacrament frey haben, ungebunden an sonderliche zeit wie der Jueden Osterlamb, welches sie alle iar nur ein mal und eben auff den vierzehenden tag des ersten vollen monds des abends musten essen und keinen tag uberschreiten. Als er damit sagen wolt: ich setze euch ein Osterfest odder abendmal, das yhr nicht eben diesen abend des iars einmal sondern offt sollet geniessen, wenn und wo yhr woellet, nach eines yglichen gelegenheit und notdurfft, an keinen ort odder bestympte zeit angebunden, wiewol der Bapst hernach solchs umbkeret und widder ein Juden fest draus gemacht hat.

 

[Das Sacrament sol niemand verachten] . Also sihestu, das nicht also freyheit gelassen ist, als moege mans verachten. Denn das heisse ich verachten, wenn man so lange zeit hyngehet und sonst kein hyndernis hat und doch sein begeret nymer. Wiltu solche freyheit haben, so habe eben so mehr freyheit, das du kein Christen seiest und nicht gleuben noch beten duerffest. Denn das ist eben so wol Christus gepot als ihenes. Wiltu aber ein Christen sein, so mustu yhe zuweilen diesem gepot genugthuen und gehorchen. Denn solch gepot solt dich yhe bewegen ynn dich selbs zuschlagen und zudencken: Sihe was bin ich fur ein Christen? were ichs, so wuerde ich mich yhe ein wenig sehnen nach dem, das mein Herr befohlen hat zuthuen. Und zwar weil wir uns so frembde dazu stellen, spueret man wol, was wir fur Christen ynn dem Bapstumb gewesen sind, als die [s. 229] aus lautern zwang und furcht menschlichs gepots sind hyngangen, on lust und liebe, und Christus gepot nye angesehen. Wir aber zwingen noch dringen niemand, darffs uns auch niemand zu dienst odder gefallen thuen, das sol [Was uns reytzen sol, das Sacrament zu empfahen.] dich aber reitzen und selbs zwingen, das ers haben wil und yhm gefellet. Menschen sollen sich wider zum glauben noch yrgend einem guten werck noetigen lassen. Wir thuen nicht mehr denn das wir sagen und vermanen, was du thuen solt, nicht umb unsern sondern umb deinen willen. Er locket und reitzet dich, wiltu solchs verachten, so antworte selbs dafur.

 

Das sol nu das erste sein, sonderlich fur die kalten und nachlessigen, das sie sich selbs bedencken und erwecken. Denn das ist gewislich war, als ich wol bey mir selbs erfaren habe und ein yglicher bey sich finden wird, wenn man sich also davon zeucht, das man von tag zu tage yhe mehr roh und kalt wird und gar ynn wind schlegt. Sonst mus man sich yhe mit dem hertzen und gewissen befragen und stellen als ein mensch, das gerne wolt mit Gott recht stehen. Yhe mehr nu solches geschihet, yhe mehr das hertz erwarmet [Wenn man sich ungeschickt fuelet, was zu thuen sey.] und entzuendet wird, das nicht gar erkalte. Sprichstu aber: Wie denn, wenn ich fuele, das ich nicht geschickt bin? Antwort: Das ist meine anfechtung auch, sonderlich aus dem alten wesen her, unter dem Bapst, da man sich so zu martert hat, das man gantz rein were und Gott kein tedlin an uns fuende, davon wir so schuchter dafur worden sind, das flugs sich yderman entsetzt und gesagt hat: O weh du bist nicht wirdig. Denn da hebt natur und vernunfft an zurechnen unser unwirdigkeit gegen das grosse tewre gut; da findet sichs denn als ein finster latern gegen die liechte sonne odder mist gegen edel steine, und weil sie solchs sihet, wil sie nicht hinan und harret bis sie geschickt werde, so lang das eine woche die ander und ein halb iar das ander bringet. Aber wenn du das wilt ansehen, wie from und rein du seyest, und darnach erbeiten, das dich nichts beisse, so mustu nymermehr hynzu komen.

 

Derhalben sol man hie die leute unterscheiden: denn was freche und wilde sind, den sol man sagen das sie davon bleiben, Denn sie sind nicht [s. 230] geschickt vergebunge der suende zuempfahen, als die sie nicht begeren und ungerne wolten from sein. Die andern aber, so nicht solche rohe und lose leute sind und gerne from weren, sollen sich nicht davon sondern, ob sie gleich sonst schwach und gebrechlich sind. Wie auch Sanct Hilarius gesagt hat: Wenn ein sunde nicht also gethan ist, das man ymand billich aus der gemeine stossen und fur ein unchristen halten kan, sol man nicht vom Sacrament bleiben, auff das man sich nicht des lebens beraube. Denn so weit wird niemand komen, das er nicht viel teglicher gebrechen ym fleisch und blut behalte.

 

Daruemb sollen solche leute lernen, das die hohiste kunst ist, das man [Sacrament stehen nicht auff unser wirdigkit.] wisse, das unser Sacrament stehet nicht auff unser wirdigkeit. Denn wir lassen uns nicht teuffen, als die wirdig und heilig sind, komen auch nicht zur beichte, als seyen wir rein und on sunde, sondern das widderspiel, als arme elende menschen Und eben daruemb das wir unwirdig sind, es were denn ein solcher, der kein gnade und absolutio begeret noch sich dechte zu bessern. Wer aber gerne wolt gnade und trost haben, sol sich selbs treiben und niemand davon schrecken lassen Und also sprechen: Jch wolt wol gerne wirdig sein, aber ich kome auff keine wirdigkeit sondern auff dein wort, das du es befohlen hast, als der gerne dein juenger were, meine wirdigkeit bleibe wo sie kan. Es ist aber schweer, denn das ligt uns ymer ym weg und hindert, das wir mehr auff uns selbs denn auff Christus wort und mund sehen. Denn die natur wolt gerne so handlen, das sie gewis auff sich selbs moecht fussen und stehen, wo nicht, so wil sie nicht hinan. Das sey genug vom ersten stueck.

 

[Verheissunge bey dem Sacrament.] Zum andern ist uber das gepot auch eine verheissunge, wie auch oben gehoeret, die uns auffs aller sterckiste reitzen und treiben sol. Denn da stehen die freundliche, liebliche wort ‘Das ist mein leib fur euch gegeben, Das ist mein blut fur euch vergossen zur vergebunge der sunden’. Diese wort, habe ich gesagt, sind keinem stock noch stein gepredigt, sondern mir und dir, sonst moecht er eben so mehr stilschweigen und kein Sacrament einsetzen. Druemb dencke und bringe dich auch yn das ‘euch’, das er nicht umbsonst mit dir rede. Denn da beut er uns an alle den schatz, so er uns von hymel bracht hat, Dazu er uns auch sonst locket auffs aller freundlichste, als da er spricht [Matth. 11, 28] Matthei. xi. ‘Kompt her zu mir alle, die yhr mueheselig und beladen seyd, [Verheissung ist uns gepredigt.] ich wil euch erquicken.’ Nu ists yhe sunde und schande, das er uns so hertzlich und treulich fodert und vermanet zu unserm hoechsten und besten gut, und wir uns so froembd dazu stellen und so lang hyn gehen, bis wir gar erkalten und verharten, das wir kein lust noch liebe dazu haben. Man mus yhe das [Sacrament ist troestlich, nicht schedlich.] Sacrament nicht ansehen als ein schedlich ding, das man darfur lauffen solle, sondern als eitel heilsame, troestliche ertzney, die dir helffe und das leben gebe [s. 231] beide an seele und leib. Denn wo die seele genesen ist, da ist dem leib auch geholffen. Wie stellen wir uns denn darzu, als sey es ein gifft, daran man den tod fresse?

 

Das ist wol war, das die es verachten und unchristlich leben, nemens yhn zu schaden und verdamnis. Denn solchen soll nichts gut noch heilsam sein, Eben als einem krancken, der aus mutwillen isset und trincket das yhm vom artzt verboten ist. Aber denen, so yhr schwacheit fuelen und yhr gerne los weren und huelffe begeren, sollens nicht anders ansehen und brauchen denn als ein koestlich tyriak wider die gifft, so sie bey sich haben. Denn [Ym Sacrament vergebung der sunde.] hie soltu ym Sacrament empfahen aus Christus mund vergebung der sunde, welche bey sich hat und mit sich bringet Gottes gnade und geist mit alle seinen gaben, schutz, schirm und gewalt wider tod und Teuffel und alles unglueck.

 

Also hastu von Gottes wegen beide des Herrn Christi gebot und verheissung. Zu dem sol dich deinethalben treiben dein eigene not, so dir auff Unser eigene not. dem hals ligt, umb welcher willen solch gebieten, locken und verheissen geschicht. [Matth. 9, 12] Denn er spricht selbs: Die starcken duerffen des artzts nicht sondern die krancken, das ist die mueheselig und beschweret sind mit sund, furcht des tods, anfechtung des fleischs und Teuffels. Bistu nu beladen und fuelest dein schwacheit, so gehe froelich hin und lasse dich erquicken, troesten und stercken. Denn wiltu harren bis du solchs los werdest, das du rein und wirdig zum Sacrament komest, so mustu ewig davon bleiben. Denn da fellet er das urteil und spricht: Bistu rein und from, so darffstu mein nichts und ich dein widder nichts. Daruemb heissen die alleine unwirdig, die yhr gebrechen nicht fuelen noch wollen sunder sein.

 

Sprichstu aber: Wie sol ich yhm denn thuen, wenn ich solche not nicht fuelen kan noch hunger und durst zum Sacrament empfinden? Antwort: Den selbigen, die so gesynnet sind, das sie sich nicht fuelen, weis ich kein bessern rath, denn das sie doch yn yhren bosam greyffen, ob sie auch fleisch und blut haben; wo du denn solchs findest, so gehe doch dir zu gut yn [Gal. 5, 19 f.] S. Paulus epistel zun Galatern und hoere, was dein fleisch fur ein fruechtlin [Unser eigen fleisch.] sey: Offenbar sind aber (spricht er) die werck des fleischs, als da sind ehebruch, hurerey, unreinigkeit, geilheit, abgoetterey, zauberey, feindschafft, [s. 232] hadder, eiver, zorn, zanck, zwitracht, secten, hass, mord, sauffen, fressen und der gleichen. Derhalben kanstu es nicht fuelen, so gleube doch der schrifft, die wird dir nicht liegen, als die dein fleisch besser kennet denn du selbs. Ja weitter [Röm. 7, 18] schleusst S. Paulus zun Roemern .vij. ‘Denn ich weis, das ynn mir, das ist ynn meinem fleisch, wonet nichts guts’. Darff S. Paulus solchs von seinem fleisch reden, so woellen wir auch nicht besser noch heiliger sein. Das wirs aber nicht fuelen, ist so viel deste erger. Denn es ist ein zeichen, das ein aussetzig fleisch ist, das da nichts empfindet und doch wuettet und umb sich frisset. Doch wie gesagt, bistu so gar erstorben, so gleube doch der schrifft, so das urteil uber dich spricht. Und summa yhe weniger du dein sunde und gebrechen fuelest, yhe mehr ursach hastu hinzu zu gehen, huelff und ertzney suchen.

 

Zum andern, Sihe dich umb, ob du auch ynn der welt seyest, odder [Von der welt.] weistus nicht, so frage dein nachbarn druemb. Bistu ynn der welt, so dencke nicht, das an sunden und not werde feylen. Denn fahe nuer an und stelle dich, als woltestu from werden und beym Euangelio bleiben, und sihe zu, ob dir niemand werde feind werden, Dazu leid, unrecht, gewalt thuen, Jtem zu sunden und untugent ursach geben. Hastu es nicht erfaren, so las dirs die schrifft sagen, die der welt allenthalben solchen preis und zeugnis gibt.

 

Uber das wirstu ia auch den Teuffel umb dich haben, welchen du nicht [Von dem Teuffel.] wirst gar unter dich tretten, weil es unser HERR Christus selbs nicht hat koennen umbgehen. Was ist nu der Teuffel? nichts anders, denn wie yhn die schrifft nennet, ein luegner und ein moerder. Ein luegner, das hertz zuverfueren [Joh. 8, 44] von Gottes wort und verblenden, das du deine not nicht fuelest noch zu Christo komen kuendest. Ein moerder, der dir kein stunde das leben guennet. Wenn [Unser not sehen wir nicht an.] du sehen soltest, wieviel messer, spies und pfeile alle augenblick auff dich gezielet werden, du soltest fro werden, so offt du kuendest zu dem Sacrament zu komen. Das man aber so sicher und unachtsam dahin gehet, machet nichts anders, denn das wir nicht dencken noch gleuben, das wir ym fleisch und der boesen welt oder unter des Teuffels reich seyen.

 

Daruemb versuche und ube solchs wol und gehe nuer ynn dich selbs odder sihe dich ein wenig umb und halte dich nuer der schrifft. Fuelestu als denn auch nichts, so hastu deste mehr not zu klagen beide Gott und deinem bruder, da las dir raten und fur dich bitten und lasse nuer nicht abe, so lange bis der stein von deinem hertzen kome, so wird sich die not wol finden und du gewar werden, das du zwey mal tieffer ligst denn ein ander armer sunder, und des Sacraments viel mehr duerffest widder das elend, so du leider nicht sihest; ob Gott gnade gebe, das du es mehr fuelest und ye hungeriger dazu wuerdest, Sonderlich weil dir der Teuffel so zusetzet und on unterlas auff dich helt, wo er dich erhassche und bringe umb seele und leib, das du keine stund fur [s. 233] yhm sicher kanst sein. Wie bald moechte er dich ploetzlich ynn iamer und not bracht haben, wenn du dichs am wenigsten versihest?

 

Solchs sey nu zur vermanunge gesagt nicht allein fur uns alte und grosse sondern auch fur das iunge volck, so man ynn der Christlichen lere und verstand auffziehen sol. Denn damit kuende man deste leichter die zehen gepot, glauben und vater unser yn die iugent bringen, das es yhm mit lust und ernst eingienge, und also von iugent auff ubten und gewoneten. Denn es ist doch nu fast mit den alten geschehen, das man solchs und anders nicht erhalten kan, man ziehe denn die leute auff, so nach uns komen sollen und ynn unser ampt und werck tretten, auff das sie auch yhre kinder fruechtbarlich erziehen, damit Gottes wort und die Christenheit erhalten werde. Daruemb wisse ein yglicher hausvater, das er aus Gottes befehl und gepot schuldig ist seine kinder solchs zu leren oder lernen lassen, was sie koennen sollen. Denn weil sie getaufft sind und ynn die Christenheit genomen, sollen sie auch solcher gemeynschafft des Sacraments geniessen, auff das sie uns moegen dienen und nuetze werden, denn sie muessen doch alle uns helffen gleuben, lieben, beten und widder den Teuffel fechten.

 

Folget ein vermanung zu der Beicht:

 

 

 

Ein kurtze vermanung zu der Beicht.

[s. 233]

Von der beichte haben wir allzeit also geleret, das sie solle frey sein, und des Bapsts tyranney nidergelegt, das wir alle seines zwangs los sind und befreyet von der untreglichen buerde und last, der Christenheit auffgelegt. Denn kein schwerer ding bisher gewesen ist, wie wir alle versucht haben, denn das man yderman zu beichten gezwungen bey der hoehisten todsunde, [s. 234] dazu dasselbige so hoch beschweret hat und die gewissen gemartert mit so mancherley sunden zu erzelen, das niemand hat konnen rein gnug beichten. Und das das ergste ist gewest, niemand geleret noch gewust hat, was die beichte were odder wie nutz und troestlich, sondern haben eitel angst und helle marter draus gemacht, das mans hat thuen muessen und doch keinem ding so feind ist gewesen. Diese drey stueck sind uns nu entnomen und geschenckt, das wirs aus keinem zwang noch furcht duerffen thuen, auch der marter entladen sind so genaw alle sunde zu zelen, Zu dem haben wir das vorteil, das wir wissen wie man yhr seliglich brauchen solle zu trost und stercke unsers gewissens.

 

Aber solches kan nu yderman und habens leider allzuwol gelernet, das sie thuen was sie wollen, und sich der freyheit also annemen, als solten odder duerfften sie nymermehr beichten. Denn das hat man balde gefasset, was uns sonst wolthuet, und gehet aus der massen leichtlich ein, wo das Euangelion sanfft und weich ist. Aber solche sew (habe ich gesagt) solten nicht bey dem Euangelio sein noch etwas davon haben, sondern unter dem Bapst bleiben und sich lassen treiben und plagen, das sie muesten beichten, fasten etc. mehr denn vor yhe. Denn wer das Euangelion nicht gleuben noch darnach leben wil und thuen was ein Christen thuen sol, der sol sein auch nicht geniessen. Was were das, das du nur woltest genies haben und nichts dazu thuen noch darauff wenden? Daruemb wollen wir solchen nichts gepredigt haben, auch mit unserm willen nichts von unser freyheit einreumen noch geniessen lassen sondern widder den Bapst odder seines gleichen uber sie lassen, der sie zwinge wie ein rechter tyrann. Denn es gehoeret doch unter den pobel, so dem Euangelio nicht gehorchen woellen, nichts denn ein solcher stockmeister, der Gottes Teuffel und hencker sey. Den andern aber, so yhn gerne sagen lassen, muessen wir ymer predigen, anhalten, reitzen und locken, das sie solchen tewren und troestlichen schatz, durchs Euangelion furgetragen, nicht lassen umbsonst hyngehen. Daruemb wollen wir auch von der beicht etwas reden, die einfeltigen zu unterrichten und vermanen.

 

Zum ersten habe ich gesagt, das uber diese beicht, davon wir hie reden, noch zweyerley beichte ist, die da mehr heissen moegen ein gemein bekentnis aller Christen, Nemlich da man Gott selbs allein oder dem nehisten allein beichtet und umb vergebung bittet, Welche auch ym Vater unser gefasset sind, da wir sprechen ‘Vergib uns unser schuld, als wir vergeben unsern schuldigern’ [s. 235] etc. Ja das gantze Vater unser ist nicht anders denn ein solche beichte. Denn was ist unser gebete, denn das wir bekennen, was wir nicht haben noch thuen so wir schuldig sind, und begeren gnade und ein froelich gewissen? Solche beicht sol und mus on unterlas geschehen, so lang wir leben. Denn daryn stehet eigentlich ein Christlich wesen, das wir uns fur sunder erkennen und gnade bitten.

 

Desselben gleichen die ander beicht, so ein yglicher gegen seinem nehisten thuet, ist auch yns Vater unser gebunden, das wir unternander unser schuld beichten und vergeben, ehe wir fur Got komen und umb vergebunge bitten. Nu sind wir yn gemein alle unternander schuldig, druemb sollen und muegen wir wol offentlich fur yderman beichten und keiner den andern schewen. Denn es gehet, wie man spricht: ist einer from, so sind sie es alle, und thuet keiner Gott odder dem nehisten was er sol. Doch ist neben der gemeinen schuld auch ein sonderliche, wo einer einen andern erzuernet hat, das er es yhm abebitte. Also haben wir ym Vater unser zwo absolution, das uns vergeben ist, was wir verschuldet haben beide widder Gott und den nehisten, wo wir dem nehisten vergeben und uns mit yhm versuenen.

 

Uber solche offentliche, tegliche und noetige beichte ist nu diese heimliche beichte, so zwisschen einem bruder allein geschihet, Und sol dazu dienen, wo uns etwas sonderlichs anligt odder anfichtet, damit wir uns beissen und nicht koennen zu friden sein noch uns ym glauben starck gnug finden, das wir solchs einem bruder klagen, rath, trost und stercke zuholen, wenn und wie offt wir wollen. Denn es ist nicht ynn gepot gefasset, wie ihene zwo, sondern einem iglichen, wer sein darff, heymgestellet, das ers zu seiner not brauche. Und ist daher komen und geordnet, das Christus selbs die absolutio seiner Christenheit ynn mund gelegt und befohlen hat uns von sunden auffzulosen. Wo nu ein hertz ist, das seine sunde fuelet und trost begeret, hat es hie ein gewisse zuflucht, da es Gottes wort findet und hoeret, das yhn Gott durch ein menschen von sunden entbindet und los spricht.

 

So mercke nu, wie ich offt gesagt habe, das die beichte stehet ynn zweyen stuecken. Das erste ist unser werck und thuen, das ich meine sunde klage und begere trost und erquickung meiner seele. Das ander ist ein werck, das Gott thuet, der mich durch das wort, dem menschen yn mund gelegt, los spricht von meinen sunden, welchs auch das furnemste und edelste ist, [s. 236] so sie lieblich und troestlich machet. Nu hat man bisher allein auff unser werck getrieben und nicht weiter gedacht denn das wir ia reine gebeicht hetten und das noetigste ander stueck nicht geachtet noch gepredigt, gerade als were es allein ein gut werck, damit man Gott bezalen solte, und wo die beichte nicht volkomen und auffs aller genawest gethan were, solte die absolutio nicht gelten noch die sund vergeben sein. Damit man die leute so weit getrieben hat, das yderman hat verzweiveln muessen so reine zubeichten (wie es denn nicht mueglich war) und kein gewissen hat moegen zu rugen stehen noch sich auff die absolutio verlassen. Also haben sie uns die liebe beichte nicht allein unnuetz sondern auch schweer und sawer gemacht mit mercklichem schaden und verderben der seele.

 

Daruemb sollen wirs also ansehen, das wir die zwey stueck weit von einander scheiden und setzen und unser werck gering, aber Gottes wort hoch und gros achten und nicht hingehen, als wolten wir ein koestlich werck thuen und yhm geben, sondern nur von yhm nemen und empfahen. Du darffst nicht komen und sagen, wie frum odder boese du bist. Bistu ein Christen, so weis ichs sonst wol, bistu keiner, so weis ichs noch viel mehr. Aber daruemb ists zuthuen, das du deine not klagest und lassest dir helffen und ein froelich hertz und gewissen machen.

 

Dazu darff dich nu niemand dringen mit geboten, sondern so sagen wir: Wer ein Christen ist odder gerne sein wolte, der hat hie ein trewen rath, das er hingehe und den koestlichen schatz hole. Bistu kein Christen oder begerest solchs trosts nicht, so lassen wir dich ein andern zwingen. Damit heben wir nu des Bapsts tyranney, gepot und zwang allezumal auff, als die sein nyrgend zu duerffen, denn wir leren (wie gesagt) also: Wer nicht willig und umb der absolution willen zur beicht gehet, der lasse es nur anstehen. Ja wer auch auff sein werck hyngehet, wie rein er seine beicht gethan habe, der bleibe nur davon. Wir vermanen aber, du solt beichten und deine not anzeigen, nicht daruemb das du es fur ein werck thuest, sondern hoerest, was dir Gott sagen lesset. Das wort, sage ich, odder absolutio soltu ansehen gros und thewer achten als ein trefflichen grossen schatz, mit allen ehren und danck anzunemen.

 

Wenn man solchs ausstriche und darneben die not anzeigte, so uns dazu bewegen und reitzen solt, durfft man nicht viel noetigens noch zwingens; sein eigen gewissen wuerde ein iglichen wol treiben und so bange machen, das er sein fro wuerde und thete wie ein armer elender bettler, so er hoeret, das man an einem ort ein reiche spende, gelt oder kleider austeilet: Da durfft man keines boettels, der yhn triebe und schluge, er wuerde wol selbs lauffen, [s. 237] was er leibs lauffen kuende, das ers nicht verseumete. Wenn man nu ein gebot drauff schluege, das alle bettler solten dahin lauffen, des und kein anders, und schwige doch was man da suchen und holen solte, was were das anders, denn das man hin gienge mit unlust und nicht dechte etwas zuholen sondern sich lassen sehen, wie arm und elend der bettler were? Davon wuerde man nicht viel freude odder trost schepffen sondern nur dem gepot deste feinder werden.

 

Eben also haben bisher des Bapsts prediger dis trefflichen, reichen almosen und unaussprechlichen schatzs geschwiegen und nur mit hauffen hyn getrieben, nicht weiter denn das man sehe, wie unrein und unfletige leute wir weren. Wer kund da gerne zur beicht gehen? Wir aber sagen nicht, das man sehen solle, wie vol unflats du seiest, und sich daryn spiegeln, sondern raten und sagen: bistu arm und elende, so gehe hyn und brauche der heilsamen ertzney. Wer nu sein elend und not fuelet, wird wol solch verlangen darnach kriegen, das er mit freuden hynzu lauffe. Welche es aber nicht achten noch von yhn selbs komen, die lassen wir auch faren. Das sollen sie aber wissen, das wir sie nicht fur Christen halten.

 

So leren wir nu, wie trefflich, koestlich und trostlich ding es ist umb die beichte, und vermanen dazu, das man solch theuer gut nicht verachte, angesehen unsere grosse not. Bistu nu ein Christ, so darffstu widder meins zwangs noch Bapsts gebot nichts uberal, sondern wirst dich wol selbs zwingen und mich daruemb bitten, das du solches moegest teilhafftig werden. Wiltu es aber verachten und so stoltz ungebeichtet hyngehen, so schliessen wir das urteil, das du kein Christen bist und auch des Sacraments nicht solt geniessen; Denn du verachtest, das kein Christen verachten sol, und machest damit, das du keine vergebung der sunde haben kanst. Und ist ein gewis zeichen, das du auch das Euangelion verachtest.

 

Summa wir wollen von keinem zwang wissen, wer aber unser predigt und vermanung nicht hoeret noch folget, mit dem haben wir nichts zuschaffen, sol auch nichts von dem Euangelio haben. Werstu ein Christ, so soltestu fro werden, das du moechtest uber hundert meil darnach lauffen und nicht dich lassen noetigen, sondern komen und uns zwingen. Denn da mus der zwang umb gekeret werden, das wir yns gebot und du yn die freiheit komest; wir dringen niemand, sondern leiden, das man zu uns dringet, gleich wie man uns zwinget, das wir predigen und Sacrament reichen muessen.

 

[s. 238] Daruemb wenn ich zur beichte vermane, so thue ich nichts anders denn das ich vermane ein Christen zu sein; wenn ich dich dahynbringe, so habe ich dich auch wol zur beicht gebracht. Denn welche darnach verlanget, das sie gerne frome Christen und yhrer sunde los weren und froelich gewissen haben wolten, die haben schon den rechten hunger und durst, das sie nach dem brod schnappen gleich wie ein geiechter hirsch, fur hitze und durst entbrand, [Ps. 42, 2] wie der 42. Psalm sagt: ‘Wie der hirsch schreyet nach den wasserbechen, so schreiet meine seele Gott zu dir’, das ist: wie wehe und bange einem solchen ist nach einem frischen born, so angst und bange ist mir nach Gottes wort odder absolution und Sacrament etc. Sihe das were recht von der beicht geleret, so kuende man lust und liebe dazu machen, das die leut erzu kemen und uns nach lieffen mehr denn wir gerne hetten. Die Papisten lassen wir plagen und martern sich und ander leute, so solchen schatz nicht achten und yhn selbs zuschliessen. Uns aber lasset die hend auff heben, Gott loben und dancken, das wir zu solchem erkentnis und gnaden komen sind.

 

 

 

 

 

 

 

 

Web-redaktør:

Cand.theol. Finn B. Andersen

 

E-mail-adresse

finnbandersen@msn.com