WA 10. 1. 2. Band,

 

Adventspostille 1522

Roths Sommerpostille 1526

 

 

 

 

D. Martin Luthers

Werke

Kritische Gesamtausgabe

10. Band

Erste Abteilung

2. Hälfte

 

 

 

 

Hermann Böhlaus Nachfolger/Weimar

Hof-Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung G. m. b. H. 1925

[WA s. iii]

 

PI [Lu5*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Martinum || Luther. || Auffs new corrigirt mit einem || nuetzlichen Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || Durch Hans Lufft. || M. D. XL. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 346 Blätter in Folio (= Bogen  u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Jj; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXXXII.), die letzte Seite (= Blatt CCCXXXII. [= Jj8]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXXII. [= Jj 8]a Z. 21): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XL. ||”

 

Mit Textholzschnitten wie H –I, L. O.

 

Vorhanden: *Jena U. (Op. th. V, f. 17). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1540 Nr. 1.

 

 

Vorwort.

 

1925[WA s. iii]

Auch dieser Band, welcher Luthers Adventspostille und Roths Commerpostille bringt, reicht mit seinem Druckbeginne weit zurück; noch in die Kriegszeit und ist von ihren Auswirkungen und Hemmungen stark beeinträchtigt worden. Noch O. Brenner (†) lieferte seine letzten Arbeiten hierher und hat noch einen wichtigen und mühevollen Stammbaum der Adventspostille, zugleich mit einem Druckbericht, gegeben, ehe seine getreue Hand die Feder für immer weglegte. Er hat zugleich die bisherigen reichen Formenlesarten (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10, 1 II), die ihm von W. Köhler als fertiges Manuskript zur Zusammenfassung übergeben wurden, gesichtet und nur beibehalten, was den sprachlichen Fortschritt Luthers und seiner Drucker zu beleuchten imstande war. Als Grundlage für den von ihm aufgestellten Stammbaum dienten die Textvergleichungen W. Köhlers. Die teilweisen Doppelbezeichnungen der Drucke A (A) rühren davon her, daß schon vor meiner Übernahme der Leitung, vor rund zwanzig Jahren, W. Köhler in Vorbereitung seiner Ausgabe durch Versendung von Fragebogen eine Bibliographie begonnen hatte. Nach dem übernahm Joh. Luther als Bibliograph Unsrer Ausgabe deren Weiterführung und Fertigstellung.

 

[WA s. iv]

Mit der Adventspostille, die sich mit der Weihnachtspostille aus Unsrer Ausg. Bd. 10, 1I zur Winterpostille zusammenschließt und deren Gesamteinleitung (S. XLI –LXXIX) hier gegeben ist, schließt zu unserm lebhaftesten Bedauern die Mitarbeit W. Köhlers an der Herausgabe der Postillen, sie wird von G. Buchwald in Unsrer Ausg. Bd. 17 und 21 –22 weitergeführt.

       In seiner Einleitung berührt W. Köhler auch wichtige entstehungsgeschichtliche Probleme und lehnt (S. LXXIII) mit Recht eine Beeinflussung Luthers durch die älteren deutschen Bibeln oder mittelalterlichen Plenarien ab. Es trifft diese Anschauung zusammen mit Ergebnissen eigener Untersuchung über Prosa des fünfzehnten Jahrhunderts (Johann Hartlieb. Über sein Leben und schriftstellerische Tätigkeit, Euphorion Bd. XXVI), in denen gezeigt wird, wie sehr der rhythmische Fluß des Neuen Testaments auch schon im Texte der Wartburgpostille vorhanden ist, und, im Gegensatz zu der unrhythmischen Einstellung des Textes der früheren Bibeln usw., sich an eine rhythmische Übersetzungstradition anschließt, wie sie vom vierzehnten Jahrhundert etwa bei Johann von Neumarkt, im fünfzehnten bei Johann Hartlieb sich herausstellt; doch müssen über diese Zusammenhänge im einzelnen noch eingehendere Untersuchungen angestellt werden.

       Nach Beendigung der Adventspostille wird hier der Textabdruck mit Stephan Roths Sommerpostille 1526 fortgesetzt, deren Bearbeitung G. Buchwald lieferte. Auch dieser trat in eine schon halb vollendete Arbeit ein, nachdem E. Thiele, der die Postille zuerst übernommen hatte, dahingegangen war. An Stelle von O. Brenner ist G. Bebermeyer-Tübingen getreten, der die sprachlichen Erklärungen zur Sommerpostille gesammelt hinter dem Texte der Postille gibt, nachdem die Spracherklärungen zur Adventspostille, ebenfalls noch von Brenner herrührend, gleich unter den Text gestellt sind. —

       In diesem Bande ist zum ersten Male eine Neuerung eingeführt worden, die bei dem nie vorhergesehenen, gewaltig angeschwollenen Umfange Unsrer Ausgabe allmählich sich als ein immer dringenderes Bedürfnis ergab: es sollte nicht mehr gewartet werden, bis nach Beendigung der ganzen Arbeit ein Generalregister den ganzen Inhalt der Ausgabe auf einmal erschloß, sondern es wurde schon diesem Bande, wie es in allen späteren weiter geschehen soll, ein Sonderregister beigefügt, das dann zugleich später in dem Gesamtregister [WA s. v] aufgehen soll. Die Herstellung dieser Register liegt in den Händen von Pfarrer A. Jänke-Schlagwitz (Freistaat Sachsen), der auch schon seit mehreren Jahren, nachholend und mit den neuen Bänden fortschreitend, mit der Anfertigung des Gesamtregisters beschäftigt ist. Verschiedenen besonderen Wünschen entgegenkommend ist dann auch noch nachträglich, für sich gedruckt, ein Sonderregister für Unsre Ausg. Bd. 35 (Liederband) angefertigt worden, welches dem nächsten Bande beigelegt werden wird.

       Die Einleitung zur gesamten Rothschen Postille wird wie diejenige zur Winterpostille erst nach Abdruck des gesamten Textes gegeben, zur einstweiligen besseren Übersicht hat aber G. Buchwald schon hier (S. LXXXII – LXXXV) für die Sommerpostille ein Verzeichnis nach Tag, Text, Ort der Vorlage und Nachweis derselben aufgestellt.

       Die noch austehenden Postillen-Texte werden drei mäßige Bände Unsrer Ausgabe füllen, der nächst in Betracht kommende (Bd. 17, 2. Abt.) bringt die Fastenpostille Luthers von 1525, dann den Festteil der Postille Roths (1527); Bd. 21 und 22 werden Roths Winterpostille (1528) und die umsangreiche Crucigersche Postille von Ostern bis Advent (1543) enthalten.

       Fast mehr noch als vorher waren wir in den auf den Krieg folgenden Jahren auf tatkräftige Hilfe von außen angewiesen. Diese Hilfe leistete uns in ihrer großzügigen Weise die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und hat sie jetzt für einen wesentlichen Teil des Werkes zu einer dauernden gemacht. Die in dem letzterschienenen Bande (Unsre Ausg. Bibel 4, VI) zum Ausdruck gebrachten Hoffnungen auf weiteren Ausbau der amerikanischen Hilfe konnten sich nicht erfüllen. Aber es trat doch wieder ein früherer Gönner aus dem Auslande herzu, dem die Ausgabe stets wärmsten, unermüdlich werbenden Anteil und verschiedentliche Unterstützung zu danken hat, Herr Prof. D. M. Reu, Professor am Luther. Wartburgseminar in Dubuque, Ja. Er warb für uns weiter in den lutherischen Kirchenkreisen Amerikas, und vermittelte weitere Unterstützungen durch das lutherische Wartburgseminar der Jowa-Synode zu Dubuque, die lutherischen Seminarien der Ohio-Synode in Columbus und St. Paul und das lutherische Seminar der norwegischen Kirche in St. Paul. Wärmster und herzlichster Dank sei allen Förderern unseres großen Werkes, das dem ‘Weltgebiet des gesamten Luthertumes sich als Gabe darbieten will’, übers Meer zugerufen. Und für die weiteren Bedürfnisse der Ausgabe hat dann das Preußische Ministerium für Wissenschaft, [WA s. vi]

 

Kunst und Volksbildung in der wohlwollendsten und entgegenkommendsten Weise gesorgt; auch ihm sei besonderer herzlicher Dank dargebracht.

So ist jetzt endlich wieder das große Werk in günstigem Fahrwasser und wird in einer regelmäßigen Folge von zwei Bänden in jedem Jahre etwa in zehn Jahren seiner Vollendung entgegengehen. Es ist das erstemal, daß dieser Ausblick gewagt werden kann.

 

 

Breslau, November, Reformationsfest 1925.

Professor D. Dr. Karl Drescher.

 

[WA s. vii]

 

Inhalt.

 

1925[WA s. vii]

       Seite

Vorwort. Von K. Drescher             III –VI

Vorwort zur Adventspostille. Von O. Brenner (†)            IX –XII

Bibliographie der Postillen. Begonnen von W. Köhler, fortgesetzt von Joh. Luther             XIII –XL

Einleitung zur Wartburgpostille. Von W. Köhler               XLI –LXXIX

Vorwort zu Roths Sommerspostille. Von G. Buchwald     LXXXI

Übersicht über die Predigten von Roths Sommerpostille. Von G. Buchwald      LXXXII –LXXXV

Luthers Adventspostille (1525). Herausgegeben von W. Köhler und O. Brenner (†)         1 –208

Roths Sommerpostille (1526). Herausgegeben von S. Buchwald      209 –441

Sprachliche Anmerkungen zur Sommerpostille. Von G. Bebermeyer 442 –446

Wort- und Sachregister. Von A. Jänke            447 –459

 

[WA s. ix]

 

Vorwort zur Adventspotille.

 

1925[WA s. ix]

Auf Grund der textlichen Vergleichungen W. Köhlers habe ich Text und Lesarten bearbeitet. Die Siglen von Unsrer Ausg. Bd. 10II mußten hier beibehalten werden. Hierzu ist aber zu bemerken, daß Lu nicht existiert. Die von Köhler so bezeichnete Ausgabe (vorhanden in Bamberg) erwies sich bei näherer Untersuchung als aus Teilen von G und Lu zusammengebunden. G ist im Text gleich mit G. A ist hier der Druck der Adventspostille von Grunenberg- Rhaw 1522, also nicht gleich dem A des ersten (Weihnachts-) Postillenbandes.

       Die Formlesarten sind auf eine kleine Auswahl beschränkt, die geeignet scheint, die Fortschritte Luthers und seiner Drucker und ihre Bemühungen um einfache klare Schreibweise zu beleuchten. Die Formen der biblischen Namen sind unter den gleichen Gesichtspunkten verzeichnet. Die Textlesarten — worunter ich auch stilistische Besserungen begreife — sind hier so angeordnet, daß sich klar übersehen läßt, wie Luther von Ausgabe zu Ausgabe an dem Text gefeilt, eingeschlichene Versehen, wie es scheint, durch Vergleichung älterer Ausgaben, ausgemerzt hat. (Einige zufällige Auslassungen sind freilich von ihm nie bemerkt worden.) Wo Stücke durch Überspringen des Auges verlorengingen, habe ich dies durch die Fassung z. B. gewesen — gewesen (d. i. bis ‘gewesen’ auschließlich) angedeutet.

       Um den Textänderungen gerecht zu werden, mußte das Schwergewicht auf die aller Wahrscheinlichkeit nach von Luther überwachten Ausgaben gelegt werden. Sie zu ermitteln waren umfangreiche Nachvergleichungen und Ergänzungen der Köhlerschen Sammlung nötig. Sie ergaben folgendes. Luther hat den Verleger bald gewechselt. Die erste Ausgabe, der Adventspostille allein, druckte Joh. Grunenberg 1522 (A), der dann auch die erste Gesamtausgabe der Winterpostille in Folio ‘anderweit korrigiert durch M. Luther’ 1525 lieferte G. Die ‘Korrektur’ bezieht sich vor allem auf die Fastenpostille, aber auch die Adventspostille bedurfte sprachlich wie textlich einer sorgfältigen Durchsicht. Leider war der nun solgende Neudruck 1527 (G) wieder durch neue Fehler und Auslassungen entstellt, die natürlich auch in die [WA s. x] neue Titelauflage 1528 (G) übergingen. Vielleicht gerade deswegen übertrug Luther die nächste Auflage Hans Luft. Für diese Ausgabe (Lu) 1528, die auch sprachlich ein moderneres Gewand zeigt, steuerte Luther eine große Zahl von Textbesserungen bei. 1530 erschien Lu, wiederum und noch stärker verändert, 1532 Lu, nochmals gründlich überarbeitet, und Lua (welche Ausgabe Köhler nicht vorlag) mit Besserungen fast auf jeder Seite, endlich 1540 Lu, eine wirkliche Neubearbeitung, die starke Kürzungen auf der einen, Einschübe auf der anderen Seite und Änderung aller Bibelstellen nach der neuesten Ausgabe der deutschen Bibel, endlich eine sorgfältige Reglung der Rechtschreibung brachte. Sie bildet den Abschluß von Luthers Vostillenarbeit, denn Lu 1543 ist nur Titelauslage.

       Mittlerweile waren aber auch Nachdrücke in großer Zahl erschieneu. Die Adventspostille allein ist nur einmal noch erschienen a 1522, sodann bei Mich. Lotther mit der Weihnachtspostille verbunden 1525 als erster Band der Winterpostille Lo in 80. Der Text beruht auf A, ist aber wenig sorgfältig. Endlich erschien die Adventspostille gleichfalls mit der Weihnachtspostille als Ergänzung zu der 1525 bei Cranach und Döring erschienenen Fastenpostille 1526 in 40 (Wi1) nach A gedruckt. Nach Grunenbergs G druckte Lotther im Jahre 1526 gleichfalls in Folio die ganze Winterpostille Lo ohne nennenswerte Änderungen. Nach G ließ er 1528 einen weiteren Nachdruck Lo herstellen, wieder ohne besondere Änderungen. Seine Ausgabe von 1530 (wie die folgenden in Magdeburg gedruckt) ist dagegen ein stark überarbeiteter ganz eigenartiger Druck. Vielleicht während Luthers Abwesenheit (in Koburg) verbesserte er auf eigene Faust und rücksichtslos Text und Schriftstellen. Die Mahnung an die Drucker, die Luther 1525 ausgehen ließ, übte auf ihn keine Wirkung aus. Schon die Sprachform zeigt viel Unlutherisches, die stilistischen Änderungen sind vielfach kleinlich und willkürlich, ebenso die äußere Ausstattung (z. B. Verweisung der Schriftzitate an den Rand); zu loben wäre vielleicht nur die Verdeutschung lateinischer Worte wie etcetra. Die Ausgabe, die so offenbar gegen Luthers Wünsche verstieß, verdient keine Berücksichtigung in unsrem Abdruck, ist sie doch auch von den Zeitgenossen abgelehnt worden —und von Lotther selbst später nicht erneuert. Die zur Zeit überhaupt nicht mehr nachweisbare Ausgabe 1531 Lo scheint nur Titelauflage von Lo zu sein. Und doch hatte Lotther sehr viele Arbeit auf Lo verwendet, sich bei der Herstellung auch nicht auf eine Vorlage beschränkt, sondern neben Lo auch Lu, ja vielleicht auch die neueste Lu verglichen und Luthersche Besserungen daraus entnommen, alle Schriftstellen nach der deutschen Bibel umgeschrieben. Schon 1532 erschien Lo nach Luffts Ausgabe Lu, 1533 Lo nach Lu (vielleicht unter Vergleichung von Lua [Dieser Druck ist jedoch noch nicht wieder festgestellt. K. D.]), 1535 aber Lo, die letzte, wieder nach einem eigenen Druck Lo. Lo hat merkwürdigerweise einen Nachdrucker in Wittenberg gefunden, Peter Seitz (S.) Die letzten Lottherschen Drucke haben ihre sprachlichen Absonderlichkeiten wie die vorausgehenden.

       Eine andere Gruppe von Nachdrucken sind die von Wolf Köpfel in Straßburg in seinen Gesamtausgaben von 1527 bis 42. Sprachlich stark verändert, sind sie textlich getreu nach den Ausgaben G und Lu gedruckt und haben spätere Besserungen Luthers unbeachtet gelassen. Sie kommen für die Textgeschichte nicht in Betracht. Ebenso unselbständig ist der Leipziger Wolrab, der 1544 W nach Lu druckte.

       [WA s. xi] Die Winterpostille Stephan Roths (1528 bei Gabriel Kantz erschienen, von mir als Ka bezeichnet, mehrmals nachgedruckt, s. die Bibliographie) ist mit unsrer Postille nicht gleich. Sie ist ganz nach Art von Roths Sommer- und Festevangelien und als Ergänzung dazu bearbeitet und bietet deshalb nur stark überarbeitete und z. T. gekürzte Fassungen der Advents-Evangelienpredigten, die kritisch wertlos sind. Ebenso sind die Sammlungen Schotts (Unsre Ausg. Bd. 103, XIV ff.) unbrauchbar. Die Entstehungsgeschichte der Sammlung und die Entwicklung des Textes sind aus dem folgenden Stammbaum ersichtlich, bei dem die in Klammern stehenden Bezeichnungen die Köhlers und der Adventspostille sind, die übrigen die der Bibliographie. Wir geben den Text nach A unter Besserung offenkundiger Druckfehler, darunter die Lesarten von Lo –Lua und im Anschluß an Unsre Ausg. Bd. 101I, jedoch unten, nicht wie dort oben, besonders die von Lu –6. Die Schreibungen Lu*, Lu* usw. bedeuten von Lu, Lu an bis zur letzten Ausgabe einschließlich, geben also das Alter jeder Besserung an. Fehler, die später wieder gebessert worden sind, werden nur ausnahmsweise verzeichnet, um Luthers sorgfältige Aufsicht über die Drucke zu beleuchten. Die Druckfehler von A sind natürlich alle mitgeteilt.

 

 

D. Brenner.

 

[WA s. xii]

 

       [WA s. xiii]

[Bibliographie der Postillen]

 

1925[WA s. xiii]

 

Drucke:

I. Weihnachtspostille.

A [A*]1 “Auszlegung || der Epistelln || vn̄ Euangelien die nach || brauch der kirchen ge || leßen werdē, vom || Christag biß || auff || den Sontag nach || Epiphanie. || Martinus || Luther. ||” Mit Titeleinfassung (Götze, Die hochdeutschen Drucker der Reformationszeit: Nr. 89; J. Luther, Die Titeleinfassungen der Reformationszeit: Tafel 9). Titelrückseite bedruckt. 264 unbezifferte Blätter in Quart (=Bogen A –Z u. Aa –Zz u. aaa –ttt), letztes Blatt (= ttt 6) leer. Am Ende (Blatt ttt 5b Z. 6): “ Gedruckt tzu Wittembergk durch Johann || Grunenbergk, nach Christ gepurtt Tausent || funffhundert vnd tzway vn̄ tzwentz || igsten JAR. ||”

       Einige Exemplare lesen Blatt ttt 5b Z. 8 f. “tzwentz || gisten JAR. ||”

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1951m), Bonn, Breslau St. u. U., Dessau, Dillingen, Dresden, Freiburg, Göttingen, *Gotha, Halle, *Hamburg, *Jena, *Königsberg U., Leipzig St., Marburg, München *H. u. *U., *Nürnberg St., *Rostock, Schweinfurt, Straßburg, *Stuttgart, *Wernigerode, Wittenberg, *Wolfenbüttel, Zerbst; Brüssel, *London, St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXIX: 1522 Nr.2.

       a [P*] “AVszlegung der || Epistelen und Euange || lien, die nach brauch der kirchen gelesen werden || durch den Aduent, vnd dannenthyn vom || Christag biß uff den Sōtag nach Epi- || phanie. Darin̄ reychlich anzeigt un̄ || fürgebildet wirt was eim Chri- || sten menschen zůr seligkeit || not ist zů wissen. || D. Martinus Luther. || Auch hastu eyn klare || underricht, was man in dem Euan- || gelio sůchen vnd leren sol, mit || eyner schoenen vorred. || Hierauff ist auch ge- || macht ein fleyssig Register über || die beyden teyl, darin̄ eyn || yeder leychtlich finden || mag, ynhalt deß || gantzē bůchs. || Anno M. D. XXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 222 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –f u. B –Z u. Aa –Ee; 22 unbezifferte u. XXXVIII u. CLXII bezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt Ee 6b) leer. Am Ende (Blatt CLXII [= E e 6a] Z. 31): “Gedruckt zů Basel, durch Adam Petri, nach || Christi geburt. M. D. xxij. ||”

 

Die Adventspostille ist die alte von 1521.

Vorhanden: Breslau U., Cassel, Coburg, Dresden, *Gotha, *Hamburg, Karlsruhe, Lich, *München H. (Hom. 263), Schwabach, *Stuttgart, *Wernigerode, *Wolfenbüttel; Basel. — Erl. Ausg. 27, S. XXIX: 1522 Nr. 3.

b [F*] “AVszlegung || der Epistelen vnd E- || uangeliē, die nach brauch der kir || chen gelesen werden, durch den || Aduent, vnd dannenthin vom || Christag biß auff den Sontag || nach Epiphanie. Darin̄ reichlich anzeygt [WA s. xiv] und fürge- || bildet würt, was eim Christen menschen zů der seligkeit || not ist zů wissen. || D. Martinus Luther. || Auch hastu ein klare vnderrichtūg || was man in dem Euangelio sůchen vnd leren || soll, mit einer schoenen vorrede. || Hier zu seind auch gesetzet || vil hübscher vnd schoener figuren, || mit sampt ettlichen zůge- || legten Euangeliē, || mer dan̄ im vorgetruckten. || bůch, alles durch || M. L. || Hierauff ist auch gemacht || ein fleissig Register, darin̄ ein yeder || leichtlich finden mag, || ynnhalt || deß gantzen bůchs. || Anno M.D. XXIII. || In der Loblichen statt Colmar. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 236 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –z u. A –M; 22 unbezifferte u. 214 [einschließlich des leeren Blattes q 6 u. durch Unregelmäßigkeiten nur bis zur Ziffer CCVII] bezifferte Blätter). Am Ende (Blatt CCVII [= M 6]a Z. 38): “Getruckt vnd vollendet in der Loblichen statt Colmar, durch || Amandū Farckall, Nach der geburt Christi || M. D. xxiij. vff den .xxvj. || tag Augusti. ||” Darnach auf der letzten Seite (= Blatt M 6b) das Druckerzeichen Farckalls.

       Die äußere Lage des Bogens d (d. i. Blatt d 1 und d 6) ist in zweifachem Satz vorhanden; Erkennungslesarten für den ersten Druck: Blatt XIX (= d 1)a Z. 1 “|| hannis am .j. klar”, XIX b Z. 1 “gemeinē”, XXIIII (= d 6)a Z. 1 “erseüfftzen seine ||”, XXIIIIb Z. 1 “sein”; für den zweiten Druck Blatt XIXa Z. 1 “|| hānis am .j. clar, XIXb Z. 1 “gemeinen”, XXIIIIa Z. 1 “erseufftzen seyne ||”, XXIIIIb Z. 1 “seyn”.

       Daneben lesen einige Exemplare Blatt I (= a 1)a Z. 4f. “des ad || Pauli”, die anderen richtig “des ad || uents Pauli”.

Die Adventspostille ist die alte von 1521.

Vorhanden: Colmar, Karlsruhe, *Königsberg U., Lindau, München *H. (Hom. 264) und *U., Rothenburg a. T., Straßburg, *Wernigerode, *Wolfenbüttel; Bern. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXIX f.: 1523 Nr. 1.

 

 

II. Adventspostille.

A [A*] “Auszlegung der || Epistell vnnd || Euangeli || des || Aduents. || Martinus Luther. || Wittemberg• || M. D. || xxij• ||”Mit Titeleinfassung (J. Luther, Die Titeleinfassungen der Reformationszeit: Tafel 4). Titelrückseite leer. 104 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. AA –CC), letzte Seite (= Blatt CC 4b) leer. Am Ende (Blatt CC 4a Z. 6): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Johann Grunenberg, nach Christ gepurt Tau- || sent funffhundert vnnd tzwey vnnd || tzwentzigsten Jar. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

       Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1951), Coburg, Danzig, Dessau, Dresden, Elbing, Erlangen, *Gotha, *Hamburg, *Königsberg U., Magdeburg, München *H. u. *U., Schweinfurt, *Stuttgart, Weimar, *Wernigerode, Wittenberg, *Wolsenbüttel; Brüssel, *London. — Erl. Ausg. 27, S. XXVIII f.: 1522 Nr. 1.

       a [a*] “[Zierung] || Vszlegūg || der Epistel vnnd || Ervangeli des || Aduents. || Marti. Luther. || wittemberg. || M. D. || XXij. || ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 22d). Titelrückseite leer. 124 unbezifferte [WA s. xv]

 

Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. aa. –hh), letztes Blatt (=hh 4) leer. Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; auch das Blättchen auf dem Titelblatt in Rotdruck.

Druck von Matthias Schürer in Straßburg.

Vorhanden: *München U. (Luth. 37), * Nürnberg St. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

III. Advents- und Weihnachtspostille.

B [Lo I*] “Auszlegung || der Epistelln || vnd Euangelien die nach brau || ch der Kirchen gelesen werden, || vom Aduent biß auff den || Sontag nach Epiphanie. || Martinus Luther. || M D XXB. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 358 Blätter in Großoktav (= Bogen A –Z u. Aa –Yy; 1 unbeziffertes Blatt u. 357 [fälschlich bis CCCLXVII.] bezifferte Blätter), letzte Seite (=Blatt Yy 6b) leer. Am Ende (Blatt Yy 6a Z. 29): “Gedruckt zu Wittemberg || Michael Lother. || M. D. XXV. ||”

       [Erster Band zu B.]

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1961), Dessau, Halle W., Leipzig St. u. *U. [ohne Titelblatt], *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 1 (ungenau nach Weller 3484; richtig: Weller Suppl. II, 537).

C siehe C [G*]

D [Wi I*] “Auslegung der Epi || steln vnd Euange- || lien vom Aduent || an bis auff || Ostern. || Martinus Luther. || Daruber eyn new || Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || 1526. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 414 Blätter in Quart (= 1 Ternio u. 2 Duernionen ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –Z u. Aa –Zz u. aa –zz u. AA –HH; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCLXXXXVIII u. CCCLXXXIX u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), letztes Blatt (=HH 4) leer.

       Inhalt nur: Predigten vom ersten Sonntag des Advents bis Hl. Dreikönige. [Ergänzung zu Nr. A unten S. XVI.]

Wittenberger Druck (Cranach und Döring).

Vorhanden: *Hamburg (OA IX 304a).

Die gleiche Ausgabe mit neuem Satz auf der Vorderseite des Quartteils des ersten, sechs Blätter umfassenden Bogens, d. i. auf den Blättern 1a 2b 5a 6b. Auf dem Titelblatt Z. 2 v. u. “Gedrueckt”.

Vorhanden: *Dresden KÖ. (Theol. evang. ascet. 329), *Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1526 Nr. 2 (nach Weller 3859 “Andere Ausgabe”).

 

 

IV. Fastenpostille.

 

a) Allein.

a “Postilla vom || Sontag nach Epipha- || nie biß auff den || sechsten Son || tag dar- || nach. || Martinus Luther. || Wittemberg. || M. D. XXV. ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 33 c). Titelrückseite leer. 88 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen A –X u. y), letzte Seite (= Blatt y 4b) leer.

[WA s. xvi]

Druck von Paul Kohl in Regensburg; nach Erl. Ausg. 2 7, S. XIII f. ist diese Ausgabe der auf dem Diebstahl beruhende angebliche Nürnberger Vordruck.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Berlin (Luth. 1963 u. 1963bis, letzteres das frühere Knaakesche Exemplar), Donaueschingen, Dresden, Freiburg, *München H.; Weimar.

β “Auslegunge der || Episteln vn̄ Euan- || gelien von der || heyligen drey koe- || nige fest bis || auff Ost- || ern ge- || bessert durch || Marti. Luther. || ||” Mit Titeleinfassung, worin unten “M. D. XXVj. ||” Titelrückseite leer. 190 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen U –Z, a –z u. *), letzte Seite (= Blatt * 4b) leer.

Druck von Paul Kohl in Regensburg; s. Schottenloher im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 29 (1912), S. 418 Nr.29.

[Zwitterdruck zu a. Neu gesetzt sind Bogen A (6 Blätter) und Bogen y (d. i. Y) bis Schluß. O. B.]

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1972), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg. Weller, Suppl. II, 553.

AI [Wi* ] “Auslegunge der || Episteln vnd Euan || gelien von der hey- || ligen Dreykoenige fest bis || auff Ostern gebes- || sert durch Mar. || Luther. || ||” Mit Titeleinfassung (Götze: Nr. 132; J. Luther: Tafel 42), worin unten “Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. xxv. ||” Titelrückseite leer. 204 Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Ee; Titelblatt u. Blatt II –VI u. V –CXV u. CXVII –CCIII), letzte Seite (= Blatt Ee 4b) leer.

Abgesehen von einigen Änderungen in den Signaturen und Blattziffern, die während des Druckes ausgeführt wurden, lesen einige Exemplare Blatt x 2 b Z. 21 “gewislis.”, Blatt x 4a Z. 23 “toestet”, Blatt Bb 4b Z. 4 v. u. “ynn winckel schla- || gen. ||”, andere richtig an den gleichen Stellen “gewislich.”, “troestet”, “ynn wind schla- || gen. ||”

Wittenberger Druck. [Cranach und Döring O. B.]

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1966), Dessau, München *H. u. *U., *Nürnberg St., Stuttgart, *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 2; Weller, Suppl. I, 347.

AII “Auslegunge der || Episteln vnd Euan || gelien von der hey- || ligen Drey koeni- || ge fest bis || auff || Ostern gebessert || durch Mar. Luther ||” Mit Titeleinfassung (Götze: Nr. 132; J. Luther: Tafel 42), worin unten: “Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. xxv. ||” usw. wie die vorstehende Ausgabe. Teilweise anderer Satz.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, Berlin (Luth. 1967), Coburg, Erfurt M., *Greifswald U., Helmstedt, *München H., Wittenberg,.* Wolfenbüttel; Amsterdam U.

a “Außlegung der Epi || steln vn̄ Euangelien || von der hayligē Drey || Künige fest biß auff || Ostern gebessert || durch Mar. || Luther. || zů Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung, worin unten “M. D. XXV. ||” Titelrückseite leer. 184 Blätter in Quart (= Bogen U –Z u. a –z; Titelblatt u. Blatt II –CLXXXIIII), die letzte Seite (= Blatt z 4 b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: Breslau St., Dillingen, *Hamburg (OA IX No 286d), *Wernigerode (Hc 73m), *Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr.3.

[WA s. xvii]

b “Auslegunge der Epi- || steln und Euangelien || von der heyligen Drey koenige || fest bis auff Ostern, gebes- || sert durch Mar. || Luther. || Gedruckt zu Strasz- || burg durch Johannem || Knobloch, Anno || M. D. xxv. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 110 Blätter in Folio (= Bogen A —S; Titelblatt u. Blatt II –CIX u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= S 6) leer. Am Ende (Blatt CIX «= S 5»b Z. 33: “Getruckt zů Straßburg durch Johan Knobloch, || ym Christmonad, do man zalet [so!] nach Christi || vnsers herren geburt, Funfftzehenhun- || dert vnd funffunzwentzig jar. ||”

Vorhanden: Frankfurt a. M., Helmstedt, *München H. (Hom. 265). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 5 (noch ungenauer als Weller 3486).

BI [Lo II*] “Auslegunge || der Episteln vnd Euan || gelien von der heyligen || Dreykoenige fest bis auff || Ostern gebessert durch || Mart. Luther. || M. D. XXv. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 152 Blätter in Oktav (= Bogen A –T; 2 unbezifferte Blätter u. Blatt III –CL u. 2 unbezifferte leere Blätter), die zwei letzten Blätter (= T T) leer.

Druck von Michael Lotther in Wittenberg.

Zweiter Band zu B [Lo I*].

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1961), Dessau, Halle W., Leipzig St. u. *U.; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 4 (ungenau und irreführend nach Weller 3485).

BII Die gleiche Augabe, nur auf dem Titelblatt mit der Jahreszahl “M. D. XXvi.”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1973; früher Knaakesche Sammlung); St. Petersburg.

 

b) Mit Advents- und Weihnachtspostille verbunden.

C [G*] “Auslegung der Epi- || steln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweyt corrigirt || durch Martin || Luther. || Daruber eyn newe || Register. || Wittemberg. || M. D. XXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 290 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A —Z u. Aa –Zz u. aaa –ccc; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cclxxix. u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= ccc 6) leer. Am Ende (Blatt ccc 6 (= cclxxix.)b Spalte ß Z. 33): “Wittemberg Johan- || nes Grunenberg. || 1525. ||” Zweispaltig.

Nur die Bogen A –Z und Aa –Mm sind von Johannes Rhau-Grunenberg gedruckt, die übrigen Bogen von Hans Wieß in Wittenberg; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915), S. 203 ff.

Vorhanden: Altenburg, Arnstadt, *Berlin (Luth. 1969), Celle St., Danzig, Dresden, *Hamburg, *Konigsberg ll., *Stuttgart. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 6.

D [Lo*] “Auslegung der Epi- || steln und Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt durch || Martin Luther. || Daruber eyn newe || Register. || || M. D. XXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 1 Ternio u. 1 Quaternio [WA s. xviii] ohne Vuchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –NNn; 14 unbezifferte Blätter, deren letztes leer, u. Blatt i –ccxlix. u. cccxl. –cccxliiij.), letzte Seite (= Blatt NNn 6b) leer.

Druck von Michael Lotther in Wittenberg.

Vorhanden: *Gotha, Königsberg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1526 Nr. 1 u. 2 (ungenau nach Weller 3859).

EI [G*] “Aus̄legūg der || Episteln und Euange || lien vom Aduent an || bis auff Ostern. || Anderrveyt corrigirt || durch Martin || Luther. || Daruber ein nerves || Register. || Gedrueckt zu Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 290 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen Aa –Bb u. A –Z u. Aa –Zz u. aaa –ccc; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cclxviij u. Bl. cclxi u. cclxix –cclxxiiij u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= ccc 4) leer. Am Ende (Blatt cclxxiiij [= ccc 4]b Spalte ß Z. 32): “Wittemberg Johan || nes Grunenberg. || 1527. ||

EII [G*] Einige Exemplare haben bei ganz gleichem Satz auf dem Titelblatt als letzte Zeile “|| M.D.XXViij ||”

Die Bogen A –Z und Aa –Mm bilden einen Restbestand der mit dem Impressum “Wittemberg Johannes Grunenberg. 1525.” erschienenen Fastenpostille (S. IX: C), die übrigen Bogen sind von Hans Weiß in Wittenberg gedruckt, aber in neuem Satz gegenüber C; vgl. Joh. Luther a. a. O. S. 203 ff.

Vohanden: Bamberg, *Berlin (Luth. 1985), *Dresden (Titelblatt fehlt), *Marburg St. A (EI), *München H., Schweinfurt St. (EI)| — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 2.

F [Lo] “Auslegung der Epi- || steln vnd Euangelien vom Ad- || uent an bis auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt durch || Martin Luther. || Daruber ein new || Register. || M. D. XXVIII. || Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. 1 Quarternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –NNn; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXLIX u. CCCXL. –CCCXLIIII), Blatt 8 des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die letzte Seite (= Blatt NNn 6b) leer. Am Ende (Blatt NN 6a Z. 30): “Gedruckt zu Wittemberg || Michael Lother. || M. D. XXVIII. |”

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 612), Rothenburg o. I. — Fehlt Erl. Ausg.

G [Lo*] “Auslegung der || Episteln und Euangelien || vom Aduent an, bis || auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt || durch Mart. Luther. || Auffs newe vbersehen, vnd || mit schoenen lieblichen figuren || geschmueckt, Auch mit eim vlei || ssigen newen Register odder || Summen, alles des, was ynn die- || sen Postillen gehandelt, gebessert. || Aller Text nach der newen || dolmetzschung geendert. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –OOo; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCLVIII), Blatt 4b des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur [WA s. xix] u. die letzte Seite (= Blatt CCCLVIII [= OOo 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCLVIII [= OOo 6]a Z. 21): “Gedruckt zu Magdeburg. || Michael Lotther. || M. CCCCC.XXX. ||”

Mit Textholzschnitten bei den Evangelienpredigten.

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 613), Wolfenbüttel, Zwickau. — Fehlt Erl. Ausg., wenn nicht = Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 1; eine solche Ausgabe [Lo* bei Köhler] ist nicht ermittelt.

H [Lu = Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweyt corrigrit durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg || M.D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 310 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. aa –ee; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I u. ij. –liiij. u. lvi. –ccci.), Blatt 6b u. die letzte Seite (= Blatt ee 4 b) leer. Am Ende (Blatt ccci. [= ee 4]a Z. 47): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. ||”

Mit Textholzschnitten bei den Euangelienpredigten.

Vorhanden: *Bamberg (der erste Bogen gehört zu E; s. Anm.), Düsseldorf St., Halle W., Heidelberg, *Königsberg U., Leipzig U., *München H. (20 Hom. 267), *Rostock U., Straßburg, Wolfenbüttel, Zeitz St., Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 1.

Anm.: Köhlers Lu ist ein Bamberger Exemplar, das Titel und ersten Bogen aus E, den Text selbst aus H entnommen hat.

I [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg || M.D. XXX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXVI. u. CLXV. –CCCXXII. mit Fehlern in der Bezifferung), Blatt 6 b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 6 b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXII. [= Hh 6]a Z. 37): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. ||

Mit Textholzschnitten bei den Evangelienpredigten.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2006 [fehlt Blatt N 2] u. an Luth. 2008bis), Frankfurt a. M., Halle, Marburg, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 1.

K [Lo*] [Auslegung der Evangelien vom Advent an bis auf Ostern.] 487 Blätter in gr.=80 oder 40 (= 1 Quarternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Nn; 16 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCCLXXI [mit vereinzelten Fehlern]). Am Ende (Blatt CCCCLXXI [= Nn 7]b Z. 26): “Gedruckt zu Magdeburg durch || Michel Lotther. || M.D.XXXij. ||”

Mit Holzschnitten.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (Titelblatt u. verschiedene andere Blätter fehlen). — Wohl Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 3.

[WA s. xx]

L [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen “(”u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXVI. u. CLXV – CCXXVIII. u. CCXXVIII. –CCXLIX. u. CCXL. [statt CCL.] u. CCLII. – CCCXXII. [mit vielen Fehlern außerdem]), Blatt (6b und die letzte Seite (= Blatt Hh 6b) leer. Am Ende (Blatt Hh 6a Z. 38): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XXXII. ||”

Mit Textholzschnitten wie H. I.

Vorhanden: Bamberg, Coburg, *Danzig St., *München H. (Hom. 269), *Wernigerode, Wittenberg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 1.

M [Lo*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien, || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Darueber ein newes || Register. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 340 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Ji; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. —CCCXXX. [mit einigen Fehlern]), die letzte Seite (= Blatt CCCXXX. [= Ji 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXX. [= Ji 6]a Z. 28): “Gedruckt durch Michaelem Lotther. || M. D. XXXIII. ||”

Mit Textholzschnitten.

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Gedruckt sind Bogen A –X von Melchior Lotther dem Älteren in Leipzig, die übrigen Bogen von Michael Lotther in Magdeburg; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Jg. 32 (1915), S. 145 ff.

Vorhanden: Freising Seminar-B., *München H. (2 0 Hom. 271), Salzburg Stud.-B. —Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1533 Nr. (einziger Druck); fehlt bei Hülße.

N [Lo*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien, || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt || durch Mart. Luther. || Darueber ein newes || Register. || M. D. XXXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 340 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Ji; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt i. –cxxvi. u. CXXVII —CCCXXX. [mit häufigen Fehlern]), die letzte Seite (= Blatt CCCXXX. [= Ji 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXX. [= Ji 6]a Z. 29): “Gedruckt durch Michaelem Lotther. || M. D. XXXV. ||”

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Gedruckt sind Bogen A –X von Melchior Lotther dem Älteren in Leipzig, die übrigen Bogen von Michael Lotther in Magdeburg; vgl. Joh. Luther a. a. O. S. 154 ff.

Völlig verschiedener Satz von M.

Vorhanden: Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 2015/4), *Nürnberg GM., *Wolfenbüttel (fehlt das letzte Blatt). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1535 Nr. 1 (nur kurz als neue Auflage der Ausgabe v. J. 1533 bezeichnet); Hülße Nr. 144.

[WA s. xxi]

O [S*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Darüber ein newes || Register. || Gedrückt zn Wittemberg. || M. D. XXXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXVIII. u. CVXVII. u. CLVVIII. u. CLXIX –CCCXXII.), Blatt * 6b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 6b) leer. Am Ende (Blatt Hh 6a Z. 39): “Gedrückt zu Wittemberg durch || Peter Seitz. || M. D. XXXV. ||”

Typen und Holzschnitte von Lufft.

Vorhanden: Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 2015), Jena, *Karlsruhe L., *München H., *Stuttgart, *Wernigerode. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1535 Nr. 2.

PI [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Martinum || Luther. || Auffs new corrigirt mit einem || nuetzlichen Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || Durch Hans Lufft. || M. D. XL. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 346 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Jj; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXXXII.), die letzte Seite (= Blatt CCCXXXII. [= Jj]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXXII. [= Jj 8]a Z. 21): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XL. ||”

Mit Textholzschnitten wie H –I, L. O.

Vorhanden: *Jena U. (Op. th. V, f. 17). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1540 Nr. 1.

PII [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien, vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Mar- || tinum Luther. || Auffs new corrigirt vnd etwo ge- || bessert. || Mit einem nuetzlichen Register. || Wittemberg. || M. D. XLIII. ||” Mit Titeleinfassung. Alles übrige wie bei der Ausgabe Wittenberg, Hans Lufft 1540, von der die vorliegende Ausgabe nur eine Titelauflage ist, für die das Titelblatt und das damit zusammenhängende Blatt 6 des ersten Bogens neu gedruckt wurden.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2021), *Chemnitz, Dessau, Dillingen, Dresden, Hamburg, Lindau, Straßburg, *Stuttgart, *Wolfenbüttel, Zerbst. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

V. Crucigers Sommerpostille.

Cr. A “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien, von Ostern || bis auff das Ad- || uent. || D. Mar. Lut. || Auffs new zugericht. || Wittemberg. || Gedruckt durch Hans Lufft. || M. D. XLIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 486 Blätter in Folio (= Bogen A u. * u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AA –HH; 16 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCCLXIII. mit außerordentlich fehlerhaster Bezifferung), Blatt A 6b [WA s. xxii]

 

und die letzte Seite (=Blatt HH 8b) leer. Am Ende (Blatt Hh 8a Z. 38): “Gedrueckt zu Wittemberg durch Hans Lufft, || Anno M. D. XLIII. ||”

Zweiter Band der Jahrespostille, vgl. oben PII (S. XXI).

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 2021), Breslau U., *Chemnitz, Coburg, Dessau, Dillingen, Dresden, Erlangen, Gotha, Hamburg, Jena, Lindau, Straßburg, *Stuttgart, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 2.

Cr. B in Wolrabs Nachdruck, s. g unten S. XXXVI.

 

 

VI. Steph. Roths Evangelienpostille.

 

 

1. Winterteil.

“Ausle- || gung der Euange- || lien vom Aduent bis || auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin. Luther. || Wittemburg. || M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 488 Blätter in Ostav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z u. Aa –Oo; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccccl u. 30 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt Oo 7b Oo 8) leer. Am Ende (Blatt Oo 7a Z. 1): “Gedruckt durch Gabriel Kantz. || [Druckerzeichen] ||”. Titel in Schwarzund Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 716; defekt), *Dessau, Zwickau. —Fehlt Erl. Ausg.

“Außlegūg || der Euangelien || vom Aduent biß || auff Osteren, || sampt vil an || dern pre- || digen. || M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 116a). Titelrückseite bedruckt. 302 Blätter in Quart (= 1 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –EEe; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXXVIII u. 10 uubezifferte Blätter).

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1991), *München U.; *Bern (G.-U. (sehr defekt). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euange || lien vom Aduent || bis auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin Luther. || Wittemberg. || M. D. XXX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 432 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Gg; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cccxcvj u. cccicvij [statt cccxcvij] u. 27 unbezifferte Blätter), die zwei letzten Blätter (= Blatt Gg 7 Gg 8) leer. Am Ende (Blatt Gg 6b Z. 25): “Gedruckt durch Mel- || cher Sachssen. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Druckort: Erfurt.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 109 Th. 80). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euange || lien vom Aduent || bis auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin Luther. || M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 407 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Dd; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccclxxxij u. 17 unbezifferte Blätter), Blatt Bb 7a leer. Am Ende (Blatt Dd 7b Z. 27): “Gedruckt M. D. xxxij. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben. Zeile 1 des Titels ist ein Holzschnitt.

Druck von Andreas Rauscher in Erfurt.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 105 Th. 80. — Fehlt Erl. Ausg.

[WA s. xxiii]2. Sommerteil.

“Auslegūg || der Euangelienn, || von Ostern biß auffs || Aduent, gepredigt || durch Mart. || Luther zů || Wittemberg. || M. D. XXVI. || ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 116 a). Titelrückseite leer. 326 Blätter in Quart (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –HHh; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCVI u. 14 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt HHh 4b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1975), München *H. u. *U., *Stuttgart, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.; Weller Suppl. I, 389 und richtiger Suppl. II, 554.

“Ausle- || gung der Euā || gelien, von Os- || tern bis auffs || Aduent, ge- || predigt || durch Mart. Luther. || Gedruckt zu Wittem || berg 1. 5. 27. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 456 Blätter in Oktav (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh u. * u. 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i –154 u. 156 –432 u. 17 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt 7b 8) leer. Blatt 432 (= Hh 7)b Z. 11: “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Weiss. 1. 5. 27. ||” Darauf folgt auf Blatt Hh 8a –7a das “Register”.

Vorhanden: *Gotha (Th. 8. 755), *Zwickau. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, || von Ostern bis || auffs Aduent, ge || predigt durch || Mart. Lu- || ther. || Wittemberg. || 1. 5. 2. 7. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 471 Blätter in Oktav (= Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Mm; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt 1 –449 u. 14 unbezifferte Blätter).

Druck von Michel Blum in Leipzig.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990._105 Th. 80). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euange || lien, von Ostern bis || auffs Aduent, gepre- || digt durch Martinū || Luther. || tzu Wittemberg. || M. D. XXvij. || Gedruckt. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 218 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm u. a –b; 4 unbezifferte Blätter u. Fo. i. –ccv. u. 9 unbezifferte Blätter), Blatt ccv. (= Mm 3)b, Mm 4 u. die letzte Seite (= Blatt b 4b) leer. Blatt ccv. ( — Mm 3)a Z. 28: “Gedrueckt Michel Lotter. ||”

Druckort: Wittenberg.

Vorhanden: Altenburg L., *Berlin (Luth. 1978), Rothenburg a. T., *Wernigerode (Titelblatt fehlt). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg der || Euāgelien von Ostern || bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Mart. Luth. || Wittemberg. || M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 170 Blätter in Folio (= Bogen u. u. A –Z u. a –f; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXI u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), Blatt 4b u. die drei letzten Seiten (= Blatt f 5b f 6) leer. Am Ende (Blatt CLXI [= f 5]a Spalte ß Z. 40): “Gedruckt zu Vuittem- || berg, durch Hans Lufft, Im Jar, || M. D. XXvij.” || Zweispaltig gedruckt.

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 1985), *Dresden, *Königsberg U., *Marburg, *München H., Schweinfurt St., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 1 (ungenau).

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXVIII. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. || ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 196 Blätter in Folio (= Bogen [WA s. xxiv]

 

A –Z u. Aa=Ji u. K; 3 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXXVIII u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt K 6b) leer. Am Ende (Blatt K 6a Spalte ß Z. 43): “Gedrückt zu Wittemberg || durch Georgen Rhaw. ||”

Vorhanden: *Bamberg, *Berlin (Luth. 1987), Dessau, Düsseldorf St., *Königsberg U., Leipzig U., *München H., *Rostock U., Wolfenbüttel, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 3.

“Auslegunge || der Euangelien, von Ostern || bis auffs Aduent, gepre- || digt durch Doctorem || Martinum Luther zu || Wittemberg. || Auffs new vbersehen vnd || gebessert mit etzlichen Ser- ||monen, mit schoenen Figurn || vor nicht gesehen, vnd vleissigem || Register aller stueck so am rande der || bletter dieser Postillen annotirt sein. || Hat gedruckt Michael Lotther. || M. D. XXIX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 234 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Pp u. Q[2]; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCXXIII u. 7 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die zwei letzten Blätter (= Q[2] 3 Q[2] 4) leer.

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Bogen A –M hat Michael Lotther noch in Wittenberg, die übrigen Bogen nach seiner im Sommer 1528 erfolgten Übersiedelung in Magdeburg gedruckt; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915) S. 156 ff.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1997), *Gotha, Halle W., *Hamburg St., Königsberg St., Rudolstadt, *Wernigerode. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1529 Nr. 1; Hülße, Beiträge zur Geschichte der Buchdruckerkunst in Magdeburg (Geschichts- Blätter für Stadt u. Land Magdeburg, Jg. 15 –17, 1880 –1882) Nr. 56.

“Auslegūg || der Euangelienn, || von Ostern biß auffs || Aduent, geprediget || durch Mart. || Luther zů || Wittemberg || M. D. XXIX. || * ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 116 a). Titelrückseite leer. 320 Blätter in Quart (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –FFf; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCVI u. 8 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= FFf 6) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2002), *München H. —Erl. Ausg 2 7, S. XXXII: 1529 Nr. 2 ist wohl diese Ausgabe, fälschlich als Wittenberger bezeichnet.

Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXX. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. || ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCIII u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mma unter den Spalten): “Gedrůckt zu Wittemberg durch || Georgen Rhaw. || ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; auch die drei Blättchen am Fuße des Titels in Rotdruck.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2008), Frankfurt a. M., Halle, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 2.

Ausle- || gung der Euā- || gelien, von Ostern || bis auffs Aduent, || gepredigt || durch Mar. Luther. || Gedruckt zu Wittem. || durch Hans Weiss. || M. D. xxx. || Mit Titeleinfassung. [WA s. xxv]

 

Titelrückseite bedruckt. 480 Blätter in Oktav (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Nn; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –470 mit andauernd fehlerhafter Bezifferung u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Nn 8b) leer. Ohne Impressum am Ende.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 106 Th. 8o). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegünge der || Euangelien, von Ostern bis || auffs Aduent, gepredigt || durch Doctorem Mar- || tinum Luther zu || Wittemberg. || Auffs new vbersehen vnd || gebessert mit etlichen Ser- || monen, mit schoenen Figurn || vor nicht gesehen, vnd vleissigem || Register aller stueck so am rande der || bletter dieser Postillen annotirt sein. || M D XXXI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Pp; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt j —CCXIX u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Pp 4b) leer. Am Ende (Blatt Pp 4a unter den Spalten): “Gedruckt bey Michael Lotther. ||”

Ort der Ausgabe: Magdeburg.

Vorhanden: Berlin (Graues Kloster), *München H. (Hom. 268), *Nünberg GM., *Wolfenbüttel, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 3.

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXXII. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mm 6a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft, Im jare. || M. D. XXXII. ||”

Vorhanden: Arnstadt, *Berlin (Luth. 2011), Coburg, *Danzig St., Gotha, Jena, *München H., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 4.

“Auslegūg || der Euangelien, || von Ostern bis auffs Ad || uent, gepredigt durch || Martinum Lu- || ther zu Wittemberg. || M. D. XXXij. || Auffs new vbersehen vnd gebes- || sert, sampt dem Sermon, || Von des Juedischen || Reichs vnnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 436 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j —ccccxx [mit vielen Fehlern in der Bezifferung] u. 8 unbezifferte Blätter), Blatt 8b des ersten Bogens u. Blatt ccccxx (= Gg 4)b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 8b) leer. Am Ende (Blatt Hh 8a Z. 31): “Gedruckt dey Andreas || Rauscher. Anno. M. D. xxxij ||”

Druckort: Erfurt.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2013; früher Knaakesches Exemplar). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, || von Ostern bis auffs || Aduent, gepredigt || durch Mart. || Luther. || Wittemberg. || M. D. xxxiij. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 488 Blaätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Oo; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cccclxxiiij. u 6 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Oo 8b) leer. Am Ende (Blatt Oo 8a Z. 30): “Gedruck [so!] zu Wittemberg durch || Joseph Klug. ||“

Vorhanden: *München U. (Luther Nr. 72). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Mart. Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXXVVI. || Auffs new ubersehen und gebessert, || [WA s. xxvi]

 

sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mm 6a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Peter Seitz, Im jare || M. D. XXXVI. ||”

[Fortsetzung zu O.]

Vorhanden: *Karlsruhe HL, *Stuttgart L. (Theol. Luth. 566), *Wernigerode. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

3. Festteil.

“Außlegung || der Euange || lien, an den fürnem || sten Festen jm gantzen || jare, geprediget || durch || Mar. Luther || zů Wittemberg. || * || M. D. XXVII ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 292 Blätter in Quart (= Bogen a u. A –Z u. a –z u. AA –ZZ u. Aa –Cc; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXII u. 14 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Cc 2b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1982), Halle. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euangelien || an den fuernemisten Festen || ym gantzen iare, gepre- || digt durch || Mar. Luth. || Gedrueckt zu Wittemberg. || 1527 ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 484 Blätter in Oktav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z u. AA –OO; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCCLVI u. 20 unbezifferte Blätter), Blatt LL 8b u. die letzte Seite (= Blatt OO 8b) leer. Am Ende (Blatt OO 8a Z. 7): “Gedruckt zu Wittemberg || durch Nicolaum || Schirlentz. || 1527 ||”

Die erste Zeile des Titels war zunächst in einer etwas länglichen Type gesetzt, sie wurde durch eine etwas breitere ersetzt; Blatt I (= A 1)a Z. 3 steht in einigen Exemplaren “Matthei. IIII.”, in anderen “Matthei. iiij.” Beides sind nur Korrekturen während des Druckes.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1981 u. 1981 a), Dessau, Erfurt, *Lüneburg St., *Stuttgart, *Wernigerode, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Ausleg- || ung der Euā || geliē an den fuernemi- || sten Festen ym gantzen iare, || gepredigt durch || Mar. Luth. || Wittemberg. || 1527. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 372 Blätter in Oktav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –cccl. u. 14 unbezifferte Blätter), Blatt aa 8b u. die letzte Seite (= Blatt z 8b) leer. Am Ende (Blatt z 8a Z. 20): “Gedruckt zu Erffurd || durch Johānem Lo- || ersfelt zum Halben || Radt ynn der Mey- || mer gassen. || 1527 ||”

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 107. Th.); Olmütz. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euange || lien an den furnemi- || sten Festen ym gan- || tzen iare, gepre- || digt durch || Mart. Luther. || Gedruckt zu Wittemberg. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 180 Blätter in Folio (= Bogen — u. a –z u. A –F 4 unbezifferte Blätter u. [WA s. xxvii]

 

Blatt I –CLXIX. u. 7 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt F 8b) leer. Am Ende (Blatt F 8a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg Michel Lother. || M. D. XXVII. ||”

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 1978), *Hamburg, München *H u. *U., Rothenburg a. T., Schweinfurt St., *Wernigerode, Zeitz St. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 2.

“Auslegūg der || Euangelien || an den furnemisten || Festen ym gantz- || en Jar, gepre- || digt durch || Marti:Luther. || Wittemberg: ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 146 Blätter in Folio (= 1 Quaternio ohne Burchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Bb; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i. –cxxxvij. u 1 unbeziffertes leeres Blatt), Blatt 8 des ersten Bogens u. das letzte Blatt (= Bb 6) leer. Am Ende (Blatt cxxxvij. [=Bb 5]b unter den Spalten): “Gedrückt ynn der Newen Vni- || uersitet Marpurg durch || Johañ Loers̄felt. ||”

Druckjahr: 1528.

Der Druck dieser Ausgabe war von Gabriel Kantz in Zwickau begonnen und für die Bogen A –M durchgeführt, als ein Brand in seiner Druckerei ihn an der Fortführung hinderte. Diese übernahm Loersfelt in Marburg für die Bogen N –Z und Aa –Bb. Loersfelt druckte auch das Titelblatt, Kantz aber wiederum die Blätter 2 –7 des ersten Quaternio ohne Buchstabensignatur und setzte auch sein Druckerzeichen auf Blatt 7b dieses Bogens. Vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915), S. 213 ff.

Vorhanden: Marburg StA., *München H. u. U., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 3 (es fehlt die Druckerangabe am Ende); v. Dommer, die ältesten Drucke aus Marburg in Hessen (Marburg 1892), Nr. 8.

“Auslegūg || der Euangelien || an den fuernemisten Festen || ym gantzen iare, gepre- || digt durch || Martinum Luther. || M. D. XXviij. || Mit vleis vbersehen vn̄ gebessert, || sampt einem newen Sermon || am Christag, auff das || Euangelion Jo- || hannis. j. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 376 Blätter in Oktav (= Bogen AA u. A –Z u. a –z; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –cccliiij. u. 14 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt z 8b) leer. Am Ende (Blatt z 8a Z. 26): “Gedruckt zu Erffurdt || durch Melchior Sachssen, || ynn der Archen Noe. || 1528. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1994; Blatt l 4 l 5 fehlen), Breslau St., Wittenberg, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen || ym gantzen iare, ge- ||predigt durch || Martinum Luther. || M. D. XXVIII. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, sampt || einem newen Sermon am Christag, || auff das Euangelion Johannis. j. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 172 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. a –g; 3 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXIII u. 6 unbezifferte Blätter), letztes Blatt (= g 4) leer. Am Ende (Blatt g 3b unter den Spalten Z. 2): “Gedrückt zu Wittemberg durch || Georgen Rhaw. || M. D. XXVIII. ||”

[WA s. xxviii]

Vorhanden: *Bamberg, *Berlin (an Luth. 1987), Dessau, Düsseldorf St., Halle W., Heidelberg, *Königsberg U., Leipzig U., *München H., *Rostock U., Wolfenbüttel. Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 4.

“Außlegung || der Euange || lien, an den fürnem || sten Festen jm gantzen || jare, gepredigt || durch || Mar. Luther || zů Wittemberg: || * || M.D.XXIX.||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 114a). Titelrückseite leer. 292 Blätter in Quart (= Bogen a. u. A –Z u. a –z u. AA –ZZ u. Aa –Cc 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXII u. 14 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Cc 2b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2003), Dessau, Eisenach, *Erlangen, *München H., Weimar. — Erl. Ausg. 2 7 S. XXXII: 1529 Nr. 3 ist wohl diese Ausgabe, fälschlich als Wittenberger bezeichnet.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen, || ym gantzen iare, ge- || predigt durch || Martinum Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen || Sermon am Christag, auff || das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. || Gedruckt zu Magdeburg zum || Lindwurm. Michael Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 232 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. Aa –Qq; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCXXIIII), die letzte Seite (= Blatt Qq 4b) leer. Am Ende (Blatt CCXXIIII [= Qq 4]a Z. 48): “Gedruckt zu Magdeburg zum Lindtwurme, || Michael Lotther. ||“

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1997), Dresden, *Gotha, Halle W., *Wernigerode, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: Sine anno Nr. 2; Hülße Nr. 57.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen || ym gantzen iare, ge- || prediget durch || Martinum Luther. || M. D. XXX. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, sampt || einem newen Sermon am Christag, || auff das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. | .•. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXIII u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4 des ersten Bogens A u. Blatt f 6 u. die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende (Blatt g 4a Spalte ß Z. 27): “Gedrůckt zu Wittemberg || durch Georgen || Rhaw. ||”

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 2008), Frankfurt a M., Halle, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 3.

“Auslegung der || Euangelien, an den fuerne- || misten Festen, ym gantzen || iare, gepredigt durch || Martinum Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen || Sermon am Christag, auff || das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 186 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Gg; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt j –CLXXX), die letzte Seite (= Blatt CLXXX [= Gg 6]b) leer. Am Ende (Blatt CLXXX [= Gg 6]a Z. 39): “Gedruckt bey Michel Lotther. ||”

[WA s. xxix]

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Druckjahr nach bibliographischen Ermittelungen: 1531.

Vorhanden: Berlin (Graues Kloster), *München H. (Hom. 268, 2), *Nürnberg GM. (Inc. 3499), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den furnemisten Festen || jm gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || M. D. XXXII. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, || sampt einem newen Sermon am || Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern || predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. Bogen A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt A[1] 4 u. f 6 u. die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende Blatt g 4a unter den Spalten: “Gedruckt zu Wittemberg || durch Georgen || Rhaw. || ||”

Vorhanden: Arnstadt, *Berlin (an Luth. 2011), Coburg, *Danzig St., Gotha, Jena, *München H., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 6.

“Auslegüng || der Euangelien, an || den fuernemisten Festen, im || gantzen jare, gepredigt || durch Martinum || Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge || bessert, sampt einem newen Sermon || am Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern pre- | digten mehr. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 255 Blätter in Großoktav (= 1 Quarternio ohne jede Signatur u. Bogen A –Z u. Aa –Hh; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j —CCXLVI u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt 8b des ersten, signaturlosen Bogens und Blatt Hh 7b leer. Am Ende (Blatt Hh 7a Z. 1): “Gedruckt durch Michel || Lotther. || M. D. XXXiij. ||”

Druckort: Magdeburg. [Vgl. K, das als erster Teil dieser Ausgabe gelten kann.]

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 108a. Th.). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den furnemesten Festen || im gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || D. M. XXXVI. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, || sampt einem newen Sermon am || Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern || predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. Bogen A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXXIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4 des ersten Bogens A und Blatt f 6 und die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende (Blatt g 4a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg || durch Hans Lufft. ||”

Vorhanden: *Karlsruhe HL., *Stuttgart L. (Theol. Luth. 566), Trier St., *Wernigerode (unvollständig). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, an || den furnemesten Festen jm || gantzen jar, geprediget durch || D. Mart. Luth. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen Ser || mon am Christag, auff das E- ||uangelion Johannis. j. || Auch andern predig- || ten mehr. || M. D. XXXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 407 Blätter in Oktav (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. [WA s. xxx]

 

Aa —Ee; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. —cccxcij. u. 11 unbezifferte Blätter), Blatt cccxcij. (= Cc 8)b und Ee 3b leer. Am Ende (Blatt Ee 3a Z. 7): “Gedruckt zu Erffurdt durch || Melchior Sachssen jnn der || Archen Noe. || M. D. XXXVI. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2018, früher Knaakesches Exemplar; Blatt h 2 fehlt, auf dem Titel ist Zeile 5 “D. Mart. Luth.” getilgt); *Zwickau (gleichfalls defekt: Blatt H 2 R 1 b 8 r 4 s 3 y 1 Ee 2 –4 fehlen). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, an den || fuernemesten Festen, || im gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || M. D. XLV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 96 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A —P; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –LXXXVIII u. 2 unbezifferte Blätter), Blatt 6b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die 3 letzten Seiten (= Blatt P 5b P 6) leer. Am Ende (Blatt LXXXVIII [= P 4]b unter den Spalten): “Ende des Winterteils. ||”, darauf auf Blatt P 5a Z. 1 “Gedruckt zu Leipzig || durch Nicolaum || Wolrab. || || M. D. XLV. ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Auslegung || der Euange- || lien an den fuerneme- || sten Festen, von O- || stern bis auffs || Aduent. || D. Mart. Luther || M. D. LXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 74 Blätter in Folio (= Bogen a –m; Titelblatt u. Blatt I –LXIX u. 4 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= m 8) leer. Am Ende (Blatt m 7b unter den Spalten): “Getruckt zu Leipzig durch Nico-||laum Wolrab. ||”

Fortsetzung der Sommerpostille, oben S. XXII (Cr. B.)

Vorhanden: *Düsseldorf StL., *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

VII. Gesamtausgaben.

c [K*] “Postill || oder Auszlegung der Epi || steln und Euangelien, durchs gantz jar. || geteylt in zwey teyl. || D. Martin Luthers. || Das erst, vom ersten Sontag an im Aduent, || bitz auff den nechsten Sontag nach Epipha || nie. Mit einer Christlichen vorzede, vnd || underricht dis bůchs, sampt seynem || Register || [Druckerzeichen] || Anno. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 236 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –z u. A –M; 22 unbezifferte Blätter u. Blatt I –XCII u. XLIX –LIII u. 1 unbeziffertes Blatt u. Blatt XCIII –CXLI u. CXLI —ccvij. mit vielen Fehlern in der Bezifferung). Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; das Komma am Ende der sechsten Zeile des Titels ist erst rot gedruckt und dann schwarz überdruckt; vom Druckerzeichen auf dem Titel ist der untere Teil rot überdruckt.

[Folgt mit neuem Titel:] “Das ander || teyl der Postillen: || oder Außlegung der Episteln || und Euangelien. || D. Martin Luthers || Von dem ersten [WA s. xxxi]

 

Sontag nach Epipha- || nie an, bitz auff den ersten Sontag im || Aduent, mit seinem Register. || [Druckerzeichen] || Zů Straßburg bey Wolff Koepphel || Anno. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj. u. 1 unbeziffertes Blatt), die vorletzte Seite (= Blatt VV 8a) leer. Am Ende (Blatt cclxj. [= VV 7]b Z. 43): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vnnd vollendet im jar || als man zalt nach der geburt Christi Tausent Fünffhundert, || Syben vnd zwenzig, Am Fünff vnd zwenzig- || sten tag des Mertzens. ||” Die folgende Seite (= Blatt VV 8a) leer, auf der letzten Seite (= Blatt VV 8b) Druckerzeichen. Titel in Schwarz — und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; vom Druckerzeichen auf dem Titelblatt ist der untere Teil rot überdruckt.

Der erste Teil dieser Ausgabe ist nichts anderes, als der oben S. XIII f. unter b beschriebene Druck der Weihnachtspostille durch Amaudus Farckall in Colmar vom Jahre 1523. Köpfel in Straßburg hat die Restauflage des Farckallschen Druckes übernommen und lediglich Anfang und Schluß, d. i. Blatt 1 (Titelblatt) und 4 des ersten Bogens aa und Blatt 1 und 6 des letzten Bogens M neu gesetzt und auf der Titel- und Schlußseite mit seinem Druckerzeichen versehen.

Vorhanden: *Frankfurt a. M. (Ref. Luth. 16; im ersten Teil fehlen Blatt p 6 D 6 K 3, im zweiten Teil Blatt ce 4 pp 4 pp 5 TT 2), Freiburg, Köln St. (nur Teil I), Leipzig U. (nur Teil I), *München H. (nur Teil I). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI f. Nr. 4.

d [K*] “Postill. || oder auszlegung der Epi- || steln vnd Euangelien, nach der zeyt vnd || von den heyligen durchs gātz Jar || anderwert [so] corrigiert durch || Martinum || Luther. || Das erst teyl vom Ersten Sontag an im || Aduent, biß auff den nehesten Sontag || nach Epiphanie. Mit eyner Christ || lichen Vorrede, vnnd vnder || richt dis Bůchs, sampt || seinem Re- || gister. || Zů Straßburg bey Wolff Koepphl. || Anno M. D. xxix. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 252 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –R; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccxl). Am Ende (Blatt ccxl [= R 6]a Z. 18): “... Ge- || druckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vn̄ || volendet im Hornung, im iar als man || zalt von der geburt vnsers Herren || Jesu Christi. || M. D. xxix. ||” Auf Blatt ccxl [= R 6]b: Druckerzeichen. – Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyl || der Postillen, oder auß || legung der Epistelen vnd || Euangelien. || D. Martin Luthers || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, biß auf den ersten || Sontag im Aduēt, mit || seinem Register. || [Druckerzeichen] || Zů Straßburg bey Wolff Koepphel || Anno. M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 273 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXI). Am Ende (Blatt CCLXI [WA s. xxxii][= VV 7]b Z. 43): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vnd vollendet im jar || als man zalt nach der geburt Christi Tausent, Fünffhundert, || Acht vnd zwentzig, Am Vier vnd zwentzigsten || tag des Mertzens. ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das dritte || teyl der Postillen || oder Auszlegung || der Euangelien an den für- || nemesten Festen jm gantz- || en jar, gepredigt || durch || Mart. Luther. || Zů Straßburg bey Wolff || Koepphel. Anno || M. D. xxviij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 166 Blätter in Folio (= Bogen AA –BB u. A –Z u. Aa –Cc; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clv u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt BB 4 und die vorletzte Seite (= Cc 6a) leer. Am Ende (Blatt clv [= Cc 5]b Z. 38): “Getruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel || nach der geburt Christi, im jar als || man zalt M. D. xxviij. ||” Die folgende Seite (Blatt Cc 6a) ist leer. Auf der letzten Seite (Blatt Cc 6b): Druckerzeichen.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2000; Titelblatt zu Teil II fehlt), *Heidelberg (nur Teil I, defekt), *Marburg (nur Teil II u. III, letzterer defekt). — Fehlt Erl. Ausg.

e [K*] “Postill || Oder Außlegun || gen der Euange || lien vnd Episteln nach der || zeyt, und der heyligen fest, durchs gantz jar, || gepredigt durch D. M. Luther. || Das Erst theyl vom Er- || sten Sontag an, im Aduent, biß auff den || Ersten Sontag nach Epyphanie. Mit || Eyner Christlichen Vorreden, vnd || Register. || [rot] Truckt zů Straßburg bey Wolff Koephl. || [schwarz] ANNO. M. D. XXXI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 252 Blätter in Folio (= 1 Duernio u. 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –R; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccxl), Blatt 8 des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur leer. Am Ende (Blatt ccxl [= R 6]a Z. 16): “Ende der Postillen über die Epistelen vnnd || Euangelien vom Ersten Sontag im Aduent, biß an den Er- || sten Sontag nach der heyligen drey Koenig tag. Ge- || druckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, un̄ || volendet im Hornung, im iar als man || zalt von der geburt unsers Herren || Jesu Christi. || M. D. xxix. ||” Auf der letzten Seite (= Blatt ccxl [= R 6]b) das Druckerzeichen Wolf Köpfels mit der Beischrift “Ce phal.” (d. i. Cephalaeus, der latinisierte Name des Druckers). Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyle || der Postillen: oder Auszle- || gung der Episteln vnd Euangelien: || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, bitz auff den er- || sten Sontag im Ad- || uent, mit seinem || Register. || D. Martin Luthers. || Zů Straszburg bei Wolff || Koepphl. Anno M. D. XXXI. || ” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj. u. 1 unbeziffertes [leeres] Blatt), das letzte Blatt (= VV 8) leer.

[WA s. xxxiii]

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das dritte teyl || der Postillen oder Außle || gung der Euangelien an den fürnemisten || Festen im gantzen Jar, geprediget || durch Doctor || Martinum Luther. || ANNO. M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 164 Blätter in Folio (= Bogen AA u. A –Z u. Aa –Cc; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clv u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt AA 8 und die vorletzte Seite (= Blatt Cc 6a) leer. Am Ende (Blatt clv [= Cc 5]b Z. 35): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff || Koepphl. Nach der geburt Christi, als man zalt. || M. D. XXXII. || ” Auf der letzten Seite (Blatt Cc 6b) das Druckerzeichen Wolf Köpfels.

Vorhanden: Freiburg (Teil 3), *München H. (Hom. 313), Straßburg. – Erl. Aus. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 4 (ohne Titelangabe kurz bezeichnet als eine zweite Auflage der Köpfelschen Ausgabe v. J. 1527).

f [K*] “Postill || Od außlegunge || der Epistlen vnd Euan- || gelien, nach der zeyt vnd von den hey- || ligen Fest durch das gantz jar auß, || geprediget durch D. Mar- || tinum Lutherum. || Das erste teil, vom Ersten || Sontag an im Aduent, bis auff den nech- || sten Sontag nach Epiphanie. Mit eyner || Christlichen Vorrede, vnd vnder- || richt dis Bůchs, sampt sei- ||nem Register. || Anno M. D. xlij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 224 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –n; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –ccxij. u. 2 unbezifferte leere Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur, Blatt 6b des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur und die beiden letzten Blätter (= n 3 n 4) leer. Am Ende Blatt ccxij. [= n 2]b Z. 42): “... Gedruckt zů || Straßburg bey Wolff Koepphel, vn̄ volendet im Hor- || nung, im jar als man zalt von der geburt vnsers || Herren Jhesu Christi. || M. D. xxxix. ||”

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyle || der Postillen: oder Außle || gung der Episteln vnd Euangelien: || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, biß auffden er- || sten Sontag im Ad- || uent, mit seinem || Register. || D. Martini Luthers. || Zů Straßburg bei Wolff || Koepphl. Anno M. D. XXXVII. ||” Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. ☼ u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= VV 8) leer.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das Dritte theyl der || Postillen oder außlegung der || Euangelien an den fürnemmisten || Festen inn dem gantzen || Jar, geprediget || durch || Doct. Martinum Luther. ||” Titelrückseite leer. 168 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Dd; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clxij). Am Ende (Blatt clxij [= Dd 6]a Z. 14): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff || Koephel. Nach der geburt Christi, vn- || sers erloesers, als man zalt || M. D. XLII ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2019). — Fehlt Erl. Ausg.

[WA s. xxxiv]

g [W*] “Auslegung || der Episteln vnd Euan- || gelien durchs gantze iar, || D. Mar. Luthers. || Auffs new corrigiert, || mit einem nuetzlichen || Register. || Wittemberg. || M. D. XLIIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 294 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. AA –ZZ u. AAA –CCC; 7 unbezifferte Blätter u. Blatt II –CCLXXXI u. 7 unbezifferte Blätter), Blatt BBB 5b und die letzte Seite (= Blatt CCC 6b) leer. Auf Blatt CCLXXXI (= BBB 5)a unter den Spalten: “Ende der Postil vom Aduent an || bis auff Ostern. || Gedrückt zu Leipzig || durch Nicolaum Wolrab. || M. D. XLIIII. ||” Darauf folgt auf Blatt BBB 6a ff. das Register. Titel in Schwarz- u. Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2026), *Düsseldorf StL., *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 4.

[Folgt mit neuem Titel:]

Cr. B “Auslegung || der Episteln vnd Euan- || gelien, von Ostern bis auff || das Aduent. || D. Mar. Lut. || Auffs new zugericht. || Wittemberg. || M. D. XLIIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 396 Blätter in Folio (= Bogen a –z u. aa –zz u. aaa – vvv; 5 unbezifferte Blätter u. Blatt II –CCCLXXXII u. 10 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= vvv 6) leer. Am Ende (Blatt vvv 5b unter den Spalten): “Gedrueckt zu Leipzig, durch || Nicolaum Wolrab. || 1. 5. 44. ||”

Vorhanden: Chemnitz St., *Düsseldorf StL. (Blatt a 3 u. a 4 fehlen). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 3.

Hierzu gehört Roths Festpostille als 3. und 4. Band.

 

 

VIII. Niederdeutsche Ausgaben.

zu IVb (C –D) Vthlegginge || der Euangelien vnde || Epistelen myt dem Re- || gister. || D. Martinus Luther. || Wittemberg. || M. D. XXVj. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 318 Blätter in Folio (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Gg; 6 unbezifferte Blätter und ”Fo. j.“ – ”Fo. ccxcviij.” und 14 unbezifferte Blätter), Blatt 6b und die drei letzten Seiten (= Blatt Gg 7b Gg 8) leer. Am Ende (Blatt Gg 7a Spalte ß Z. 38): “Gedruecket tho Wittemberge des || soeuenden dages Septembris || Anno M. D. XXVj. ||”

Druck von Hans Barth in Wittenberg.

Enthält nur den Winterteil.

Vorhanden: *Hamburg (OA IX Nr. 304; Blatt Gg 4 Gg 5 Gg 8 fehlen), *Münster U., *Wernigerode (defekt), Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 7, S. XXXVII Nr. 1; von Dommer, die ältesten Drucke aus Marburg i. H. (1892), S. 160 unter Nr. 25.

zu VI. 3 (S. XIX) “Vthlegginge || der Euangelien an den || voernemesten Festen ym || gantzen iare, geprediget || dorch || Mart. Luth. || Wittem berch. || M. D. XXViij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 428 Blätter [WA s. xxxv] in Oktav (= Bogen a und A –Z und Aa –Zz und aa –gg; 8 unbezifferte, 403 bezifferte und 17 unbezifferte Blätter), Blatt a 8b und die letzte Seite (= Blatt gg 4b) leer. Am Ende (Blatt gg 4a Z. 27): “Gedrücket dorch Hin- || rick Ottinger. ||”

Druckort: Magdeburg.

Vorhanden: Berlin (Luth. 2122; früher Knaakesches Exemplar). – Fehlt Erl. Ausg.; M. Götze, Historie der niedersächs. Bibelübersetzung S. 179 mit der Jahresangabe 1525; darnach Hülße, Beiträge zur Gesch. der Buchdruckerkunst in Magdeburg (Geschichts-Blätter für Stadt u. Land Magdeburg 15, 1880, S. 333) Nr. 14. Die hier gegebene Jahresangabe kann nicht stimmen, da die hochdeutsche Festpostille zuerst i. J. 1527 erschien.

zu IVb (G) “Vthlegginge der || Episteln vnde Euangeli- || en vam Aduente an, || wente up Paschen. || Andermal Corrigert || dorch Mart. Luth. || Vppet nye auerseen, vnde mit || schoenen leffliken figuren ge- || smuecket, Ock mit einem vliti- || gen nyen Register edder Sum || men, alle des, wat ynn dessen || Postillen gehandelt, gebetert. || Alle Texte na der nyen vor- || duedschinge vorandert. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= Bogen A und b und a –z und A –Z und Aa –Oo; 10 unbezifferte, CCCLVIII bezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt CCCLVIII [= Oo 6]b leer. Am Ende (Blatt CCCLVIII [= Oo 6]a Z. 22): Gedrückt tho Magdeborch || Michael Lorther [so!]. || M. CCCCC. XXX. ||”

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73), *Greifswald U. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 76 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 99 f.) nach einem unvollständigen Exemplar in Wolfenbüttel.

zu VI. 2 (S. XX) “Vthlegginge der || Euangelien van || Paschen an wente vp || den Aduent, gepre- || diget dorch || Mart. Luther. || Vppet nye auerseen vnde gebe- || tert, mit etliken Sermonen, || ock mit schoenen figurn voer- || mals nicht geseen .•. || Gedrueckt tho Magdeborg thom || Lindtworm. Michel Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Pp; 4 unbezifferte, CCXVIII. bezifferte, 6 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Pp 4) leer. Blatt CCXVIII. [= Oo 2]a Z. 32: ... dat || vindestu anders wor ock vthgelecht. ||”

Vorhanden: *Münster U. (G 2 3858), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 74 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 98).

zu VI. 2 (S. XVI). “De vthlegginge || der Euangelien || van Paschen an wente || vp den Aduent, ge- || prediget dorch || Mar. Luther. || Vppet nye auerseen vnde gebe- || tert, mit etliken Sermo || nen, ock mit schoenen || figuren voermals || nicht geseen .•. || Gedrueckt tho Magdeborg thom || Lindtworm. Michel Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Pp; 4 unbezifferte, CCXVIII bezifferte und 6 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Pp 4) leer. Blatt CCXVIII [= Oo 2]a [WA s. xxxvi] Z. 31: “... dat vindestu an- || ders wor ock vthgelecht. || [Signatur und Kustos:] Oo ij Register ||”. Von dem vorangehenden Druck völlig verschieden.

Druckjahr: 1530.

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73). – Fehlt Erl. Ausg.

zu VI. 3 (S. XX) “Vthlegginge der || Euangelien an den voerne- || mesten Festen ym gan- || tzen iare, gepredigt || dorch Mart. || Luther. || Mit vlite auerseen vnde gebe- || tert, mit eynem nyen Sermo- || ne, an des hilligen Christs || dage up dat Euangelion Jo- || hannis am Ersten Capitel, || ock mit velen anderen predigē || meer, am ende hentho gesettet. || Gedruecket tho Magdeborg thom || Lindtworm, Michael Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 238 Blätter in Folio (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Q̷q̷ 8 unbezifferte, CCXXIX bezifferte und 1 unbeziffertes leeres Blatt), die drei letzten Seiten (= Blatt Q̷q̷ 3b Q̷q̷ 4) leer. Am Ende (Blatt CCXXIX [= Q̷q̷ 3]a Z. 48): “Gedrücket tho Magdeborg thom Lindt- || worm, Michael Lotther. M. D. XXX. ||”

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73), *Wolfenbüttel. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 75 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 99).

zu VI. I (S. XX) “Vthleggiñ || ge der Euangeli- || en vam Aduente wente || vp Paschen, sampt veel andern || Predingen. || Martin. Luther || Mit schoenen leffliken Figuren. || Gedruecket tho Magdeborch, || by Hans Walther. || M. D. xxxij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 444 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und a –z und Aa –Ji; 8 unbezifferte, ccccx. bezifferte und 26 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Ji 4) leer. Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben. Die Hand in Z. 8 des Titels ist rot gedruckt.

Üvbertragung der Ausgabe von Stephan Roth.

Vorhanden: *München U. (Luth. 71; Blatt L 4 und P 2 fehlen), *Wernigerode (Hc 79 m). – Fehlt Erl. Ausg.

Dasselbe, gleicher Druck. Anf dem Titel die Jahreszahl “ M. D. xxxiij.”

Vorhanden: *Wolfenbüttel (919. 129 Th. 8o). — Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 118 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 177 ff.).

zu VI. 2 (S. XV) “Vthleggin || ge der Euangelien || von Paschen an wente || vp den Aduent, gepre- || diget dorch || Mart. Luther. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 468 Blätter in Oktav (= Bogen und A –Z und Aa –Zz und a –m; 8 unbezifferte, CCCCLI bezifferte und 9 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt m 8b) leer. Am Ende (Blatt m 8a Z. 22): “Gedrueckt tho Magde- || borch dorch Mi- || chel Lotther. || M. D. XXXIII. ||”

[WA s. xxxvii]

Vorhanden: *Wolfenbüttel. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 117 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 176 f.) nach Scheller Nr. 815, und dieser nach Hardt 3 S. 229 (unvollkommene Beschreibung).

zu VI. 3 (S. XVIII ff.) Vthleggiñ- || ge der Euangelien || an den voernemesten Festen || ym gantzen jare, gepre- || diget dorch || Martin. Luther. || Ock mit schoenen leffliken || Figuren voermals nicht geseen. || Gedrueckt tho Magde- || borg, by Hans Walther. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 432 Blätter in Oktav (= Bogen und A –Z und Aa –Zz und Aaa –Ggg; 8 unbezifferte, ccccv bezifferte und 19 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Ggg 8b) leer. Am Ende (Blatt Ggg 8a Z. 25): “Gedruecket by Hans || Walther tho Magde- || borg. M. D. XXXiij ||”

Vorhanden: *Wolfenbüttel [Blatt Ss 7 fehlt]. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 119 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 180 ff.).

 

 

IX. Lateinische Ausgaben.

zu VII “PRIMVS || TOMVS ENARRATIO- || num in Epistolas & Euangelia, ut uulgo || uocant, lectiones illas, quœ in Mißa fe- || stis diebus ex historijs Euangelicis || & scriptis Apostolicis solent re || citari. Authore Marti- || no Luthero. || Opus optimæ frugis, latinis || hactenus incognitum. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 188 Blätter in Oktav (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen a –y; 13 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –175 und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt y 8b) leer. Am Ende (Blatt y 8a Z. 1): “ARGENTORATI APVD || IOHANNEM HERVA- || GIVM PRIMO FE- || BRVARII AN. || M. D. XXV. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“SECVN- || DVS TOMVS ENARRA || tionū in Epistolas & Euangelia, ut uul || go uocant, lectiones illas, quœ in || Mißa festis diebus ex historijs || Euāgelicis & scriptis Apo || stolicis solent recitari. || Authore Marti- || no Luthero. || In calce Indicem reperies. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 176 Blätter in Oktav (= Bogen A –Y; Titelblatt und Blatt 2n̄ –165 und 11 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt Y 7b Y 8) leer. Am Ende (Blatt 165 [= X 5]a Z. 13): “ARGENTORATI IN || ædibus Iohan. Heruagij mense || Martio, anno M. D. XXV. ||” Darauf Blatt 165b Z. 1: “IN SECVNDVM || TOMVM IN || DEX. || ...”, Blatt Y 7a Z. 21: “FINIS. ||”

“TERTIVS || TOMVS ENARRATIO- || num in Epistolas & Euāgelia, ut uulgo || uocant, lectiones illas, quæ in Missa fe- || stis diebus ex historijs Euangelicis || & scriptis Apostolicis solent re || citari, Authore Marti- || no Luthero. || Indicem locorum insignium in calce || libri reperies. || Anno, M. D. XXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite [WA s. xxxviii]

 

bedruckt. 264 Blätter in Oktav (= Bogen A –Z u. Aa –Kk; Titelblatt und Blatt 2 –248 und Blatt 149 und 15 unbezifferte Blätter), Blatt Ii 2b und das letzte Blatt (= Kk 8) leer. Am Ende (Blatt Ii 2a Z. 1): “ARGENTORATI APVD IO- || ANNEM HERVAGIVM || MENSE MARTIO, || ANNO, M. D. || XXVI. ||” Darauf Blatt Ii 3a Z. 1: “LOCORVM INSIGNIVM || huius Tomi index. || ...”, Blatt Kk 7b Z. 5: “FINIS. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“QVAR- || TVS TOMVS ENARRA- || tionum in Epistolas & Euangelia, || ut uulgo uocant, lectiones illas, || quæ in Missa festis diebus || ex historijs Euangelicis || et scriptis Apostoli || cis solēt recitari, || Authore Mar || tino Lu- || thero. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 288 Blätter in Oktav (= Bogen a –b und 1 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Kk; 24 unbezifferte, 263 bezifferte Blätter und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt Kk 8b) leer. Am Ende (Blatt Kk 8a Z. 1): “ARGENTORATI APVD || IOHANNEM HERV A- || GIVM. MENSE IV- || LIO. ANNO || M. D. XXVI. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“QVINTVS || TOMVS ENARRATIONVM IN || Euangelia, ut uulgo uocant, lectio- || nes illas, quæ in Mißa festis diebus || ex historijs Euangelicis solent || recitari, Authore Marti || no Luthero. || || CVM INDICE. || ARGENTORATI. || Anno, M. D. XXVII. ||” Titelrückseite bedruckt. 416 Blätter in Oktav (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Y und Aa –Zz und AA –FF; 13 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –176, 185 –280, 284 –347, 349 –415 und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt FF 4b) leer. Am Ende (Blatt FF 4a Z. 7): “ARGENTORATI, APVD || IOHANNEM HERVA || GIVM AN. M. D. XXVII. || MEN. APRIL. ||”

Mit Vorrede von Johannes Lonicer.

“SEXTVS TO- || MVS ENARRATIONVM M. || Lutheri in Euangelia, quæ in præ- || cipuis festis per totum || annum leguntur. || * || ARGENTORATI ANNO || M. D. XXVII MENSE || AVGVSTO. ||” Titelrückseite leer. 368 Blätter in Oktav (= Bogen A und A –Z und Aa –Yy; 8 unbezifferte und 360 bezifferte Blätter), die letzte Seite des ersten Bogen A und die letzte Seite am Ende (= Blatt Yy 8b) leer. Am Ende (Blatt 360 [= Yy 8]a Z. 11): “ARGENTORATI APVD IO- || HANNEM HERVAGIVM || MENSE AVGVSTO, || ANNO M. D. XXVII. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2141: T. I –V), *Hamburg (I –VI), *Königsberg (I –V), *Wolfenbüttel (I –VI) und auch sonst vielfach, wenn auch zumeist nur in unvollständigen Exemplaren. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI, Nr. 1.

[WA s. xxxix]

zu VII “ ENARRATIONES || QVAS POSTILLAS VOCANT IN LECTIONES ILLAS || quæ ex Euangelicis historijs, Apostolorum scriptis, atque || nonnunquam ex alijs quoque S. Scripturæ libris || desumptæ, per universum annum, tam in || diebus Dominicis, quam festis me- || moriæ Diuorum sacris ad || Missam recitari so- || litæ sunt. || PER MARTINUM LVTHERVM. || Index item locorum insignium, ac Lectionum || Dominicalium, per ordinem digestus. || AGENTORATI APVD IOHANNEM || HERVAGIVM AN. M. D. XXVIII. || MENSE IANVARIO. ||” Titelrückseite leer. 464 Blätter in Folio (= Bogen a –ß, A –Z, Aa –Zz, AA –ZZ, Aaa –Ggg; 11 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –453 und 1 unbeziffertes Blatt), die drei letzten Seiten (= Blatt Ggg 5b Ggg 6) leer. Am Ende (Blatt 453 [= Ggg 5]a Z. 27): “ARGENTORATI APVD IOHANNEM || HERVAGIVM MENSE || IANVARIO. ANNO || M. D. XXVIII. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2145), *Greifswald U., *Hamburg, *München U. und sonst häufig. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI Nr. 2.

zu VII “ENARRATIONES SEV || POSTILLAE MARTINI LVTHERI IN LECTI || ones, quæ ex Euangelicis historijs, Apostolorum scriptis, alijsq; S. || Scripturæ literis desumptæ, per universum annum, tam in die || bus Dominicis, quàm Diuorum memoriæ sacris, super || Missam faciendum, recitantur, ad Ioan. Heruagij || exemplar, fidelius tamen atq; diligentius || quàm antehac recognitæ & excusæ. || [Druckerzeichen] || ARGENTORATI GEORGIO VLRICHERO || Andlano Impressore, An. M. D. XXX. Mense Augusto. ||” Titelrückseite leer. 466 Blätter in Folio (= Bogen A –B, a –z, A –Z, Aa –Zz und AA –GG; 10 unbezifferte, 455 bezifferte und 1 unbeziffertes Blatt), Blatt B 4 des ersten Bogens B und die vorletzte Seite (= Blatt GG 6a) leer. Am Ende (Blatt 455 [= GG 5]b Z. 53): “ARGENTORATI APVD GEORGIVM || VLRICHERVM ANDLANVM, || MENSE SEPTEMBRI, || ANNO XXX. ||”. Blatt GG 6a leer. Blatt GG 6b: Druckerzeichen.

Vorhanden: Breslau U., Dessau, Dresden, Gotha, *Greifswald U. (Fh 614), Halle, Wittenberg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI f. Nr. 3.

zu VII “ENARRATIONES SEV || POSTILLAE MARTINI LVTHERI || in Lectiones, quæ ex Euangelicis historijs, Aposto- || lorum scriptis, alijsq; Sacræ Scripturæ literis desumptæ, || per uniuersum annum, tam in diebus Domini- || cis, quàm Diuorum memoriæ sacris, super || Missam faciendum, recitantur, fidelius atq; || diligentius quàm ante hac recognitæ || & excusæ. || || [Druckerzeichen] || ARGENTORATI GEORGIO VLRICHERO || Andlano Impressore, An. M. D. XXXV. Mense Martio. ||” Titelrückseite leer. 458 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur [WA s. xl] und Bogen a –z, A –Z, Aa –Zz, AA –FF; 4 unbezifferte, 453 bezifferte, 1 unbeziffertes Blatt), die vorletzte Seite (= Blatt FF 8a) leer. Am Ende (Blatt 453 [= FF 7]b Z. 52): “ARGENTORATI APVD GEORGIVM || VLRICHERVM ANDLANVM, || MENSE MARTIO, ANNO || M.D. XXXV. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2147), *Wernigerode, *Wolfenbüttel; *London. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVII Nr. 4.

zu VII “ENARRATIONES || Seu Postillæ Martini Lu || theri maiores, || IN LECTIONES, QVAE EX EVANGELICIS HISTO- || rijs, Apostolorū scriptis, alijsq; sacrae scripturæ locis desumptæ, per uni || uersum annum, tam in diebus Dominicis, q; Diuorum memoriæ sacris || pro concione recitantur, sidelius atq; diligentius quàm || antehac recognitæ & excusæ. || QVIBVS PRAETER NVNC PRI- || mùm adiectas aliquot Homilias, acceßit etiam Apologia Græ- | corum de igne Purgatorio, exhibita in Concilio Basiliensi, per || Ioannem Hartungum latinitate donata, neque || unquam antea in lucem edita. || Rerum quoque & uerborum toto opere || memorabilium Index. || BASILEAE. ||” Titelrückseite leer. 507 Blätter in Folio (= Bogen a –ß, A –Z, Aa –Zz, Aaa –Ooo; 10 unbezifferte, 493 bezifferte und 4 unbezifferte Blätter), Blatt ß 4 leer. Am Ende (Blatt Ooo 5b Z. 7): “BASILEAE, PER IOANNEM HER- || uagium, Anno salutis humanæ M. D. XLVI. || Mense Martio. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2149), Breslau St., Königsberg U. und sonst häusig. — Fehlt Erl. Ausg.

Anmerkung. Nicht hierzu gehört die Schrift

“EVANGE- || LIA ET EPISTOLAE || DOMINICALES OMNES CVM || D. Mar. Lutheri Summarijs. || Item ea Euangelia & Epistolæ || quæ in præcipuis sanctorum || festis tractantur. || LIPSIAE || Apud Nicolaum VVolrab. | 1544 ||” Titelrückseite leer. 168 unbezifferte Blätter in Oktav (= Bogen A –X), das letzte Blatt (= X 8) leer. Am Ende (Blatt X 7b Z.6): “LIPSIAE || EX OFFICINA || Nicolai VVolrab. ||”

Vorhanden : Breslau St.

Luther ist nicht der Verfasser dieser Schrift. Der Text lehnt sich an Bugenhagens Indices quidam in Euangelia (ut uocant) Dominicalia vom Jahre 1524 an, deren Ausgaben Geisenhof, Bibliotheca Bugenhagiana (Quellen und Darstellungen aus der Geschichte des Reformationsjahrhunderts. Bd. 6), Leipzig 1908 unter Nr. 50 –53 verzeichnet, und ist aus Luthers Kirchenpostille, gelegentlich auch aus der Hauspostille, erweitert. Vgl. Edmund Schmidt (Pforta), Über angebliche Luthersche Evangeliensummarien. Theol. Stud. u. Krit. Ig. 86, 1913, S. 389 –428.

[WA s. xli]

 

Einleitung zur Wartburgpostille.

 

1925[WA s. xli] [Einleitung]

So sorgfältig vorbereitet die Flucht Luthers auf die Wartburg gewesen ist, an Eines hatten die trefflichen und geschickten Diplomaten nicht gedacht: daß der Mönch auch arbeiten wollte und zum Stillesitzen oder zum ritterlichen Streifen in Wald und Feld als “Junker Jörg” nicht geschaffen war. In der Nacht des 4. Mai 1521 war Luther auf der Wartburg eingeliefert worden, und schon nach 8 Tagen, am 12. Mai schreibt er an Amsdorf nach Wittenberg (Enders 3 Nr. 433), er habe sich an Hieronymus Schurf gewandt wegen Übersendung von Büchern und der bereits gedruckten Bogen, und schreibe gleichzeitig in demselben Sinne an den Prior Helt; man möge ihm helfen, das Gewünschte zu erhalten, nunc sum hic otiosus, sicut inter captivos liber. Die Bücher und Bogen sind am 14. Mai noch nicht da (an Spalatin, 14. Mai, Enders 3 Nr. 435: nihil adhuc e Wittemberga aut aliunde a nostris accepi), noch immer sitzt er den ganzen Tag müßig (ego otiosus hic et crapulosus sedeo tota die) und kann nur in der griechischen und hebräischen Bibel, die er wohl bei sich gehabt hatte, lesen (bibliam Graecam et Hebraeam lego). Aber er entwickelt Spalatin bereits ein Programm, das ausgeführt werden soll, sobald das aus Wittenberg Erbetene da ist: “scribam sermonem vernaculum de confessionis auricularis libertate, Psalterium etiam prosequar, et Postillas, ubi e Wittemberga accepero, quibus opus habeo, inter quae et Magnificat inchoatum expecto” (auf das Magnificat geht also der Wunsch nach Übersendung der bereits gedruckten Bogen (vgl. Unsre Ausg. Bd. 7, 538 ff.). Hier also taucht zum ersten Male der Gedanke an Arbeit an der Kirchenpostille auf, und es ist für die ganze Anlage seiner Arbeit im Auge zu behalten, daß sie als Fortsetzung (prosequar) gedacht ist, d. h. als Weiterführung der schon im November 1519 auf Wunsch des Kurfürsten Friedrich in Angriff genommenen und im März 1521 erschienenen, die vier Adventssonntage umfassenden lateinischen Postille (vgl. Unsre Ausg. Bd. 7, 458 ff.) Aber sehr bald erhält dieser Plan eine erste Verschiebung: Luther will eine deutsche Postille schaffen und bedarf dazu der Ruhe (quieta studia, Enders 3, 162), es ärgert ihn, daß er durch die gegen den Löwener Latomus notwendig gewordene Schrift aus der Stille seiner Studien herausgerissen wird. Wie er an Melanchthon am 26. Mai (enders 3 Nr. 438) schreibt, hatte er vor, die deutsche Postille mit [WA s. xlii]

 

Übersetzung der lateinischen, gedruckten Adventspredigten zu beginnen, aber die Freunde haben ihm noch kein Exemplar geschickt (statueram enarrationes epistolarum et evangeliorum vernacula donare, sed vos non misistis Postillas istic excusas). So konnte an der Postille zunächst noch nichts geschafft werden; andere Arbeiten wurden in Angriff genommen und vollendet, über die Luther am 10. Juni an Spalatin berichtete (Enders 3 Nr. 441). Das Exemplar der Postille ist immer noch nicht da, der, dem Luther es – offenbar sein Handexemplar – anvertraut hatte, hat es verlegt, die Freunde können es nicht finden. (Postillas nondum accepi; erratum est per illum, cui commiseram). Aber Luther hat einen Ausweg gewußt, um sich zu behelfen, er hat um ein exemplar brevioris postillae gebeten – was darunter zu verstehen ist, wird unten (S. LXII) deutlich werden, hier genüge die Heraushebung, daß es sich um etwas anderes als die gedruckte Postille handeln muß –, das zugleich ein Verzeichnis der altkirchlichen Perikopenreihe von Episteln und Evangelien enthielt. (scripsi interim, quod si invenire non poterunt, tu curabis, ut exemplar brevioris postillae habeam, si habes una cum indice Epistolarum et Evangeliorum). Wie Bossert (Theol. Studien und Kritiken 1897 S. 279) treffend hervorhob, bedurfte Luther eines solchen Verzeichnisses notwendig für seine Arbeit, “da er die consuetudo Romana, die er sich unter Umständen von dem altgläubigen Burgkaplan etwa durch die Vermittlung von Berlepsch (dem Hauptmann der Wartburg) hätte verschaffen können, nach 1516 aufgegeben hatte” (Unsre Ausg. Bd. 4, 622 Anm. 1). Aber Luther hat noch mehr getan: seine Untätigkeit an der Postille hat nicht allzulange vorgehalten, Latomus vielmehr hat noch etwas auf Antwort warten müssen (Latomo etiam respondendum est a me, 10 Juni a. a. O.), und Luther hat inzwischen wirklich insofern mit der Fortsetzung der Adventspredigten begonnen, als er eine Epistel aus den Perikopen der Weihnachtszeit in deutscher Sprache in ausführlicherer Darlegung (nämlich: ausführlicher, als er in den Adventspredigten ausgelegt hatte) fertiggestellt hatte (ego interim epistolam unam vernacula absolvi Dominicae Nativitatis copiosiore enarratione, a. a. O.). Damit tritt die zweite Verschiebung im ursprünglichen Plane ein: Luther schiebt die Adventspredigten beiseite und hebt mit der Auslegung der Weihnachtspredigten an, und zwar in größerer Ausführlichkeit, als er sie bei jenen beobachtet hatte.

       Nun erhebt sich die Frage: welche Predigt hat Luther damals am 10. Juni fertig gehabt, und in welcher Reihenfolge hat er weiterhin übersetzt?

       Nach seinen Worten muß es sich um eine Weihnachtsepistel handeln. Der Weihnachtsepisteln gibt es aber drei, die Epistel zur Messe in der Christnacht (Tit. 2, 11 –15), die Epistel in der Früh-Christmeß (Tit. 3, 4 –7) und die Epistel am Christtag (Hebr. 1, 1 –12); welche ist die von Luther absolvierte una? Das Naturgemäße ist es, daß Luther sich an die Perikopenreihe hielt, also mit der Epistel zur Messe in der Christnacht begann. “Luther griff nicht beliebig zu und wählte einen gerade seinem Geschmack zusagenden Episteltext” (Bossert); er hat es, als er auf Wunsch des Herzogs Johann eine Auslegung des Evangeliums von den aussätzigen verfaßte, das in der Perikopenordnung weit nach Pfingsten fiel, ausdrücklich [WA s. xliii] hervorgehoben, daß er “mitten ynn der erbeyt umb der lesterer willen die ordnung brechen” mußte und seinen “lieben Deutschen die Postillen mitten auß dem faß” kredenzte (Unsre Ausg. Bd. 8, 343; Bossert a. a. O. S. 283). Außerdem trägt die Auslegung der Epistel Tit. 2 deutlich den Stempel einer Eröffnungspredigt an sich. Boffert hat darauf aufmerksam gemacht, daß Luther die Predigt mit der Anwendung der Geschichte Nehemias cp. 4 einleitet, genau wie die Enarrationes der Adventspredigten in der Widmung an den Kurfürsten Friedrich (Unsre Ausg. Bd. 7, 464). Das wird kein Zufall sein, vielmehr wird Luther sich erinnert haben, daß er mit jener biblischen Erzählung schon einmal einleitete, und daß sie als Einleitung besonders brauchbar war. Er hat sie jetzt, das zweite Mal, ausführlicher verwertet als ehedem und ein förmliches Programm daraus entwickelt: sie lehrt, “das man das wort gottis brauche ynn zweyer weyß .... mit eyner hand die Christenheyt baw, bessere, lere, speyße, mit der andernn dem teuffel, den ketzernn, der wellt widderstand thue .. Drumb wollen wyr, ßo gott gnade gibt, die Euangelia auch der massen handellnn, das wyr nit alleyn unßer seelen drynnen weyden, sondernn auch dieselben alß eynen harnisch leren anthun und damit fechten wider alle feynde, auf das wyr mit weyde und wapen gerust seyn” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 18 f.). Hiernach sollen also die einzelnen Auslegungen in zwei Teile zerfallen, einen erbauenden und einen polemischen Teil. Diese programmatisch aufgestellte Disposition ist in der Predigt über Tit. 2 ganz deutlich; mit einem scharfen Absatz: der harnsch dißer Epistel (Unsre Ausg. Bd. 101I, 54) hebt der zweite Teil an. Die Predigt über das Evangelium in der Christmeß Luk. 2, 1 –14 zeigt ebenfalls noch die Zweiteilung; S. 93 unsrer Ausgabe beginnt “der Harnsch dießes Euangeli”. Ebenso die Auslegung der Epistel in der Früh-Christmeß Tit. 3, 4 –7, die wiederum einen besonderen Abschnitt “der harnsch dißer Epistell” bietet (a. a. O. S. 127). Auch in der Auslegung des Evangeliums in der Früh-Christmeß Luk. 2, 15 –20 ist das ursprüngliche Programm noch erkennbar; eine ausdrückliche Hervorhebung fehlt zwar, aber der letzte Abschnitt beginnt mit den Worten “diß Euangelium ist nit fast eyn streytt Euangelium” (a. a. O. S. 141). wider anders steht die Sache bei der Auslegung der Epistel am Christtag Hebr. 1, 1 –12: hier sind die beiden Teile in Eins verschmolzen, und Luther sagt: “alßo haben wyr, das diß gantz Epistell eytel harnisch ist” (a. a. O. S. 179). Man erkennt, die Disposition ist in Unordnung geraten. Die Predigt über das Evangelium in der hohen Christmesse Joh. 1, 1 –14 verzichtet darauf, den “Harnisch” geltend zu machen: “auß dissem Euangelio ist nit nodt, den harnisch zu suchen, es ist eyttel harnisch und hawbtstuck”, und in den folgenden Auslegungen ist dann von “Harnisch” überhaupt nicht mehr die Rede, Luther hat sein Programm vergessen. Nur sechs Predigten hindurch, mit stetig abnehmender Stärke, hat es vorgehalten.

       [WA s. xliv] Aber noch genauer läßt sich beweisen, daß diese sechs Auslegungen, die sachlich um jener Disposition willen eine Gruppe bilden, in der aufgezählten Reihenfolge verfaßt sein müssen. Die dritte Predigt, die Epistel zu der Früh-Christmeß, schließt unmittelbar an die zweite,das Evangelium in der Christmeß, an; denn Luther beginnt sie mit den Worten: “Diße Epistell leret und treybet eben das wyr am end des Euangeli gesagt haben vonn dem wolgefallen odder gutten willen” (a. a. O. S. 95, 17 ff. vergl. 99, 20: “so leret nu diße Epistel abermal die tzwey stuck, glawben und lieben). Dieselbe Predigt verweist aber auch auf die erste zurück: “das wortle: erschynen ist gnugsam droben yn der vorigen Epistell außgelegt” (a. a. O. S. 96, 17 f. vgl. 97, 2 f.: “wie droben”) oder: item ßo hat auch S. Paulus ynn der vorigen Epistell Tit. 2 gesagt” (a. a. O. S. 110, 2 f. vgl. 11). Damit ist die Reihenfolge der drei ersten Predigten sichergestellt; sie sind so verfaßt, wie sie gedruckt wurden, Luther hat sich an die Ordnung der Sonntage und Perikopen gehalten. Die vierte Auslegung (Evangelium in der Früh-Christmeß) weist auf die zweite zurück: “was aber sey Christum finden ynn solchem armutt, und was bedeutte seyn kindwindel und krippen, ist ym vorigen Euangelio gesagt” (a. a. O. S. 139, 11) .... Nu ist droben gesagt, Maria sey Christliche Kirche” (a. a. O. S. 140, 1), die fünfte Predigt (Epistel am Christtag) setzt einerseits voraus, daß die sechste (Evangelium in der hohen Christmesse) noch nicht verfaßt ist, und andrerseits weist sie auf die dritte (Epistel in der Früh-Christmeß) zurück. Luther sagt nämlich: “wo aber herkompt solch weyße tzu reden, werden myr ym Euangelio horenn” (a. a. O. S. 153, 8 f.) und: “gefellt das nit, mag ich alßo dencken, das durchs wort werd vorstanden alß viel alß eyn thatt oder geschicht, wie ym nehsten (d. h. nächstvergangenen) Euangelio Lucas von den hirtten sagt” (a. a. O. S. 159, 14). In der Tat erläutert nun die sechste Auslegung die fünfte, unter ausdrücklicher Bezugnahme. “Alßo haben wyr ynn der Epistel gesehen, wie die gottheytt Christi ist durch den Apostel bewehret auß den spruchen des allten testaments” (a. a. O. S. 181, 24) .... Drumb nach des Apostols gedancken mussen wyr alßo dencken, weigott mit yhm selb tzu sich selb rede unnd eyn wort von sich selb laß ynn yhm selb, aber dasselb wortt sey nit eyn lediger wind odder schall, ßondernn bring mit sich das gantz weßen gotlicher natur, und wie droben ynn der Epistel vom scheyn unnd bild gesagt ist, das die gottliche natur alßo gepildet wirt, das sie ynß bilde gantz mit folget” (a. a. O. S. 186, 17) ... “Szo haben myr droben ynn de Epistel gehörett, er trage alle ding durch's wortt seyner krafft” (a. a. O. S. 211, 3 f.) .... “Das wortlin: Ehre haben wyr droben ynn der Epistell auch gehörtt” (a. a. O. S. 244, 3) ... “Alßo mochten wyr das droben ynn der Epistelln alßo vordeutschen: Er ist eyn scheyn seyner herlickeytt” (a. a. O. S. 245, 2). Die sechste Predigt weist außerdem noch zurück auf die erste und dritte. “Wie das tzuuorstehenn sey, ist droben gesagt, ynn der Epistell von der Christmeß” (a. a. O. S. 224, 17) “.. ßo denn der glaub solch kindschafft gibt, ists yhe klar, das die gutten werck sollen frey umbsonst geschehen, alleyn gott tzu ehren, alß von denen, die schon die selickeyt unnd das erbe gottis durch den glawben haben, wie droben ynn der ander Epistell ist gnugsam gesagt” (a. a. O. S. 228, 18 f.). Die ersten sechs Auslegungen sind also ganz zweifellos nach einander verfaßt.

       Ähnliche Verweise durchziehen nun auch die übrigen Predigten und stellen Luthers Anschluß an die Perikopenfolge sicher. Die achte Auslegung z. B. (Evangelium [WA s. xlv]

am Stephanstag) verweist auf die sechste zurück: “wie ym nehisten Euangelio gesagt ist” (a. a. O. S. 271, 8 f.) .. “droben ist er eyn liecht und leben genennet” (a. a. O. S. 284, 20). Nicht minder auf die fünfte und dritte: “denn wie ich mehr mal gesagt, man muß gar wol acht haben auff Christus wort” (a. a. O. S. 279, 3) .... “Nun ist droben ynn eyner epistell gesagt, wie es nit gnug ist, das wyr frum sind” (a. a. O. S. 281, 7 f.). Die neunte Predigt (Epistel am S. Johannes-Tage) weist zurück auf die siebente und dritte: “Was gottis furcht und gerechtickeyt sey, wirt hie nit gesagt, droben aber haben wyrß offt gesagt” (a. a. O. S. 290, 20); sie verweist voraus auf die zehnte Predigt: “Es reymet sich auch diße Epistell mit dem Euangelio nit ubel” (a. a. O. S. 304, 15). Nun wäre ja an sich denkbar, daß die siebente Auslegung nach der achten verfaßt wäre, aber ein zwingender Grund zu dieser Annahme liegt nicht vor, im Gegenteil, sie wäre unnatürlich. Die zehnte Auslegung weist auf die dritte zurück: “Ich hab droben offt gesagt, tzuuor ynn der Epistel der fruhmeß am Christag, das der glawb mach auß Christo und dem menschen eyn ding” (a. a. O. S. 319, 15 f.). Die elfte Predigt (Epistel am Sonntag nach dem Christtag) nimmt Bezug auf die zehnte, neunte, sechste und fünfte: “die person, wo sie ist, die thut eyttel gutte werck, und was sie thutt, ist gutt, wie ynn der vorigen Epistell gesagt ist” (a. a. O. S. 328, 19 f.); “ßo haben wyr ynn der vorigen Episteln gnugsam gehort, das eynem menschen nit gnug ist, ßo er Christen seyn will, das er glewb, es sey allis war, was von Christo gesagt ist” (331, 15), “nit die gutten werck, die ynn beten unnd kleydern gehen als die Caynschen thun, ßondern die dem nehisten nutzlich und gutt seyn, wie droben gesagt ist ym nehsten Euangelio” (234, 16) “auf das erst dringt das gantz Euangelium Johannis, wie droben am Christag gesagt ist” (354, 10), “denn gottis ßon seyn ist mehr denn Engel seyn, wie ynn der Epistell am Christag gesagt ist” (335, 9 f.). Nicht minder stark weist die zwölfte Auslegung (Evangelium am Sonntag nach dem Christtag) zurück, nämlich auf die elfte, zehnte, fünfte, sechste und zweite. “Darnach ist kommen die klare tzusagung Abrahe .. dauon wyr ynn der Episteln gesagt” (418, 14 f.) “Nu haben wyr ynn der nehisten epistel gehoret, das die, ßo unter dem gesetz leben, nit wol leben” (424, 3), “darumb werden sie nymmermehr frum noch gerecht, wie gnugsam ynn der epistel ist gesagt” (425, 19, vgl. 397, 8 und 434, 4), “droben am Christag, ynn der hohe messen Epistell und Euangelium haben wyr dauon exempell gesehen” (385, 15), “item in der Christmeß Euangelio haben wyr auch dauon gesagt” (385, 18), “sihe, also gar hangt alle gütte der werck an den personen und beruffen, dauon auch droben ym Euangelio an S. Johannes tag gesagt ist” (414, 15). Die dreizehnte Auslegung (Epistel am Neujahrstag) knüpft in ihren ersten Worten bei der elften an: “das ist auch eyn rechte Paulische epistel” (449, 14), um im weiteren Verlauf noch wiederholt sie zu zitieren: “wie ynn der vorigen Epistell ist gesagt” (465, 4, 468, 12, 503, 9) “wie ynn der vorigen epistel gehört ist” (475, 3). Die vierzehnte Predigt (Evangelium am Neujahrstage) führt die “vorige Epistel” an: “wie Paulus ynn der vorigen Epistell sagt: er ist unter das gesetz getan” (516, 6, vgl. 517, 7), aber die gemeinte Stelle steht nicht “in der vorigen Epistel”, sondern in der vorvorigen; es ist Luther ein Gedächtnisfehler begegnet, daraus leicht erklärlich, daß die beiden letzten Epistel Texte aus dem Galaterbriefe, die noch dazu inhaltlich sehr nahe stehen (Gal. 4, 1 –7 und 3, 23 –29), betreffen. Die Annahme, Luther habe unmittelbar vor der vierzehnten [WA s. xlvi]

 

Predigt die elfte fertiggestellt und in Erinnerung daran, ohne die Abweichung von der Reihenfolge zu bedenken, die elfte die “vorige” genannt, ist zu unnatürlich, um wahrscheinlich sein zu können. Die fünfzehnte Auslegung (Epistel am Tage der heiligen drei Könige) weist zurück auf “vorige Epistel” (520, 19), womit verschiedene gemeint sind, dann auf die Epistell am Neujahrstage, “wie wyr droben gehort haben” (512, 16), “wie ynn der nehisten Epistel gesagt ist” (541, 20 f.); sodann wird die fünfte Predigt zitiert: “Szo haben wyr droben ynn der Epistel am Christag gehoret” (526, 15), und endlich kann die letzte Predigt noch nicht geschrieben sein, da Luther ausdrücklich sagt: “was aber der geystlich vorstand sey, wollen wyr ynß Euangelium sparen” (554, 21). Diese Schlußpredigt bezieht sich auf die vorhergehende zurück: “ditz Euangelium stymmet mit der Epistell” (557, 4) “und wiewol Isaias ynn der Epistolln alleyn sagt vom gollt unnd weyrauch, schweygt der myrrhen” (721, 19). Außerdem greift die Auslegung auf die zweite zurück: “alßo haben wyr droben gehort, das der Engel den hirtten auch eyn tzeychen gab” (576, 10), “am Christag ynn dem ersten Euangelio habenn wyr gehortt” (597, 18), ferner auf die zwölfte: “item, ßo haben wyr auch von Simeon und Hanna gehoret” (576, 18), auf die dreizehnte, allerdings in unbestimmter Form: “das wyr durch yhn ym glawben frum werden und darnach alle werck frey thun dem nehsten tzu gutt, wie offt gesagt ist” (578, 17) und, wiederum unbestimmt, auf die zehnte: “wiewol aber ich droben ym andernn Euangelio auch dauon gesagt” (682, 4).

       Nimmt man alle diese Bezugnahmen zusammen, so kann kein Zweifel sein, daß Luther die Episteln und Evangelien der Postille von Christnacht bis Epiphanien in der Reihenfolge der Perikopen verfaßt hat. Das war ja auch das Naturgemäße.

       Nun erhebt sich die weitere Frage: ist es möglich, die einzelnen Predigten noch näher zeitlich zu fixieren?

       Den terminus a quo haben wir bereits gewonnen: Die erste Predigt ist am 10. Juni 1521 fertig gewesen, wie Luther an Spalatin berichtete. Der terminus ad quem ist auch mit ziemlicher Sicherheit zu geben. Denn die Zueignung der Postille an den Grafen Albrecht von Mansfeld ist datiert “am tage sanct Elisabeth 1521” d. h. am 19. November. “Er wird also mit dem Weihnachtsteil fertig gewesen sein” (Bossert); denn ein Vorwort pflegt man nicht mitten in der Arbeit, sondern nach dem Abschluß zu schreiben. Allerdings insofern ist Luther noch nicht ganz fertig, als die Adventspredigten noch ausstanden (s. unten), nur der sog. Weihnachtsteil war fertig, bot aber ein abgeschlossenes Ganzes, so daß die Abfassung eines Vorwortes wohl verständlich ist. Lassen sich nun noch nähere Einschnitte innerhalb des Zeitraums 10. Juni bis 19. November gewinnen?

       Am 13. Juli schreibt Luther an Melanchthon: ego postillas in evangelia vernacula tracto, statim missurus ad incudem, ubi denarium attigero (Enders 3, 190). Die Arbeit an der Postille ist also weitergegangen, abgeschickt hat Luther aber noch nichts, das will er erst tun (missurus), aber er faßt das Absenden schon ins Auge, kann also nicht allzuweit davon entfernt gewesen sein, es gilt nur noch abwarten, ubi denarium attigero. Was heißt das? Enders (Erl. Ausg. VII S. X) übersetzte: sobald der zehnte Bogen fertig sie, redressierte aber in der Ausgabe des Lutherbriefwechsels diese Deutung mit der Bergründung: Luther konnte nicht wissen, wann sein Manuskript zehn Bogen füllte, es sei zu ergänzen: denarium evangelium, [WA s. xlvii] also: wann er zehn Evangelien ausgearbeitet habe. Enders berief sich für diese Deutung auf Max Lenz: Kritische Erörterungen zur Wartburgzeit (Marburger Programm zur Luther-Feier 1883 S. 36). An den “zehnten Bogen” wird in der Tat nicht zu denken sein, die von Enders-Lenz gegebene Begründung dafür ist überzeugend; an die Ausarbeitung von “zehn Evangelien” wird man jedoch auch nicht denken, denn es ist nicht einzusehen, inwiefern Luther damit einen Abschluß erreicht zu haben hoffen kann, der die Drucklegung rechtfertigte. Vielmehr hat er — das hat v. Dommer (Lutherdrucke auf der Hamburger Stadtbibliothek 1888, S. 156) richtig gesehen — die Predigten für die zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien im Auge. Es sind das Christtag (6 Predigten, da für die verschiedenen Metten je besondere Texte vorgesehen sind), Stephanstag, Johannestag, Sonntag nach dem Christtag, Neujahrstag, Epiphanien und die vier Adventsonntage (je 2 Predigten, Epistel und Evangelium). Das gibt ein abgeschlossenes Ganzes, das dem Druck übergeben werden konnte. Luther muß flott gearbeitet haben, wenn er den Abschluß dieses Werkes von 24 Predigtauslegungen schon ins Auge fassen kann; die Arbeit ist durch den ganzen Juni hindurch vorwärts gegangen, dann aber mit Anfang Juli ins Stocken geraten, infolge von Verdauungsbeschwerden hat Luther, wie er in demselben Briefe vom 13. Juli schreibt, seit acht Tagen nichts mehr arbeiten können (octo iam dies sunt, quod nihil scribo, neque oro, neque studeo). Aber das Übel war behoben worden, Luther saß am 13. Juli wieder an der Arbeit (ego ... tracto), und Arbeitsfreudigkeit und -frische spricht aus der Hoffnung auf Abschluß des Werkes. Er hat auch inzwischen zugleich mit den medizinischen Pillen alle gewünschten Bücher, darunter auch die postilla brevior erhalten, Melanchthon hatte sie am 6. Juli Spalatin zur Beförderung mitgegeben. (Vergl. Enders 3, 199, Corp. Ref. I 417).

       Aber mag nun mit der Benutzung der gesandten Literatur die Schwierigkeit der Arbeit gestiegen sein oder welches der Grund sein mag, Luther hat seinen Entschluß, erst das abgeschlossene Werk (Advent bis Epiphanien) in die Druckerei zu schicken, bald geändert. Kurz nach dem 15. Juli hat er an Spalatin Verschiedenes (alia) geschickt (Enders 3 Nr. 446, Spalatin schickt es an Melanchthon weiter, Corp. Ref. I Nr. 124), und darunter muß sich auch ein Stück der Postille befunden haben, denn am 31. Juli schrieb Luther an Spalatin: quae hic mitto reliqua Postillae, curabis praecedentibus adiungi. Er hat also damals den Rest (reliqua) des fertigen Manuskriptes dem Freunde überschickt. Der Druck sollte in Wittenberg möglichst bald beginnen, die Postille sollte vor anderem gedruckt werden (curabis ... et Vittembergae excudi prae omnibus). Luther will das Seinige dazu tun, er will sich eilen (festinabo), und, wie schon Mitte Juli beabsichtigt, soll das Werk die Epistel und Evangelien der zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien umfassen und als ein Ganzes, als ein Buch herausgegeben werden (festinabo, ut denarium evangeliorum absolutum emittamus pro uno libro). Bezüglich der Adventspredigten hat Luther jetzt einen neuen und doch alten (s. o. S. XLII) Plan gefaßt: er will — offenbar im Interesse, so am schnellsten fertig zu werden — die vier Adventspredigten übersetzen, sie an die Spitze stellen und das Übrige hinzufügen (quatuor Dominicas transferam et reliqua adiiciam). Auf diese Weise, hofft er, wird das Buch nicht zu umfangreich für die Leser und nicht zu teuer (quod facio, ne liber nimio magnus terreat legentes et ementes, simul ut interim habeatur, quod discatur), und es ist [WA s. xlviii] dann wenigstens etwas zur Volksbelehrung geschaffen, bis die ganze Postille fertig ist (so glaube ich die Schlußworte simul ut interim usw. deuten zu sollen; den Nachweis, daß Luther damals wirklich an eine ganze Postille dachte, über den Winterteil hinaus, s. unten). Warum Luther das Manuskript nicht bis zum Abschluß der Epiphanienpredigten bei sich behielt, wissen wir, wie gesagt, nicht. An einen sofortigen Druck des überschickten Teiles kann er nicht gedacht haben, denn die Adventspredigten sollten ja an die Spitze kommen (reliqua adiiciam). Es mögen vraktische Gründe gewesen sein (günstige Gelegenheit, das Manuskript zu anderem zu packen, oder dergl.), jedenfalls sah Luther den baldigen Beginn des Druckes vor Augen, das sagen seine Worte und beweist sein Verhalten.

       Diese Hoffnung auf eine rasche Beendigung seiner Arbeit verrät auch noch ein Schreiben Luthers an Melanchthon vom 3. August. Spalatin hat gegen Luther über langsames Drucken geklagt (conqueritur etiam mihi de tarditate vestra excudendi Enders 3, 213); darum muß Luther ein bischen schelten (arguo atque — so ist wohl statt itaque zu le sen — increpo vos opportune et importune). Sechs Pressen, so hört er, stehen zur Verfügung, er schätzt, daß er für sich allein vier in Anspruch nimmt, Melanchthons loci drei und Carlstadt zwei (habetis, ut audio, sex prela, et ego, ut numero, solus quattuor occupo, Methodus tria et Carlstad duo). Jedenfalls aber soll die Postille gut und korrekt gedruckt werden (velim autem Postillas bono et correcto typo excudi). Schwerlich hätte Luther so geschrieben, wenn er nicht den baldigen Beginn des Druckes vor Augen gesehen hätte. Aber die Überlastung der Pressen wurde zur Kalamität. Am 6. August schreibt Luther an Spalatin, es solle nur das Wichtigste gedruckt werden, die Übersetzung der Schrift Melanchthons gegen die Pariser Theologen soll z. B. aufgeschoben werden, bis die Pressen wieder Ruhe haben, und ebenso seine Auslegung des 68. Psalms (non est animus, ut omnia, quae mitto, excudantur. Hinc apologiam Philippi, nisi aliud videatur, vellem differri, donec otiosa fuerint prela. Item de Psalmo Exsurgat factum oportuit, cum abundent ea, quae necessaria sunt et urgent. Enders 3, 215). Ob Luther der hier erwähnten Sendung auch Manuskript der Postille beigefügt hat, bleibt unsicher. Sehr wahrscheinlich wird es nicht angesichts der Mitteilung Luthers an Spalatin vom 15. August. Er ist hier ergrimmt über den “schmutzigen, nachlässigen und konfusen” Druck seiner Schrift von der Beichte in Grünenbergs Presse. So darf und soll es mit der Postille nicht gehen. Er beschwört den Freund, dafür zu sorgen, daß Grünenberg unter keinen Umständen die Postille drucke, vielmehr soll das von ihm gesandte Manuskript lieber aufbewahrt und ihm zurückgeschickt werden, um es in eine andere Presse zu senden (Obsecro te, cura, ne is [Grünenberg] vernaculas Postillas excudat ullo modo, sed ut servetur potius ac remittatur quicquid illarum misi, ut alio mittam). Was hat es für einen Zweck, sich so viele Mühe zu geben, wenn ein solcher Schmutz und solche Konfusion für die übrigen Drucker nur Anlaß wird, die Errata zu vermehren? Auf diese Weise, das wünscht er kategorisch, darf gegen die Postille nicht gesündigt werden, lieber gar nicht drucken als so! (nolim hoc exemplo in Evangelia et Epistolas peccari, praestat latere, quam sic edi). Kurz, er schickt um deswillen kein Manuskript mehr (denique hac causa iam nihil mitto) und setzt hinzu: cum habeam ferme decem magnos quaterniones in eadem re nihilque prorsus missurus amplius, bis er weiß, daß jene schmutzigen Krämer beim Bücherdruck weniger für den Gewinn in der eigenen [WA s. xlix] Tasche als für den Nutzen der Leser sorgen. Was heißt nun: cum habeam ferme decem magnos quaterniones in eadem re? Bossert (S. 304) umschreibt: “am 15. August berechnet Luther sein bisheriges Manuskript der Postille auf zehn Bogen großen Formats.” Es müßte also danach das habeam sowohl das bereits abgesandte, als auch das noch in Luthers Händen befindliche Manuskript bezeichnen, “obwohl — so ist cum auf jeden Fall zu übersetzen — ich fast zehn große Bogen in der Sache fertig habe”. Das ist eine mögliche Deutung, aber ich habe schon früher (Zeitschr. f. wissensch. Theologie 41, 608) eine andere Deutung vorgeschlagen, die mir ungezwungener erscheint: “obwohl ich fast zehn große Bogen in der Sache bei mir habe”. Es würde sich dann also nur um das Manuskript handeln, das Luther bei sich fertig auf der Wartburg hat, nicht auch um das schon abgeschickte; dieses vielmehr müßte hinzugezählt werden, um das Gesamtmanuskript zu erhalten. Was diese Deutung empfiehlt, sind die vorhergehenden und nachfolgenden Worte: “kurz, ich schicke derhalb nichts mehr, ich werde nichts weiter mehr schicken”, dazu paßt als stärkster Trumpf am besten: trotzdem ich fast zehn große Bogen bei mir habe; habeam ist vorausgestellt und hat offensichtlich den Ton. Ist diese Deutung richtig, so kann Luther schwerlich an Melanchthon am 6. August Manuskript geschickt haben; denn vom 6. August bis 15. August die Arbeitsleistung von etwa zehn großen Druckbogen zu leisten, ist zwar nicht ganz unmöglich, wohl aber nicht gerade wahrscheinlich. Wir werden vielmehr vom 31. Juli an, an welchem Tage ja Luther den damaligen Rest der Postille abschickte, rechnen müssen; auch dann bleibt die Arbeitsleistung Luthers respektabel, aber man versteht dann auch um so besser, daß er an baldigen Abschluß des Ganzen dachte.

       Schon am Schlusse des Briefes ist Luthers Grimm verraucht. Er ändert seinen Vorsatz (mutavi consilium) und schickt, was er an Manuskript der Postille bei sich hat (et mitto reliqua Postillarum). Seine Erwägung ist diese: es könnte der Druck des bisher geschickten Manuskriptes schon begonnen haben und ein Aufschub oder eine Inhibierung unmöglich werden (cogitans, si forte coeptum sit excudi id, quod prius miseram, ut differri aut inhiberi non possit). Er fügt noch einen Wunsch für den Druck hinzu: er möchte das Buch in cubitalis papyri modum gedruckt sehen, und zwar mit Lotthers Typen. Grund für das große Format ist der Umfang des Buches: quia magnus erit liber. Was heißt aber: cubitalis papyri modus? Lenz und Enders sowie die zweite Auflage von Walch vermuteten: Quartformat, Bossert: Folioformat, unter Berufung darauf, daß cubitalis ellengroß heiße und daß die Worte: magnus erit liber Folioformat forderten. Letzteres ist nicht einzusehen, das Buch wäre für Oktavformat zu unhandlich geworden, wie die in Oktav gedruckte lateinische Übersetzung Bucers beweist, während hingegen das Quartformat, in dem ja die Postille tatsächlich gedruckt wurde, auch wenn man die Adventspredigten hinzunimmt, durchaus handlich bleibt. Dabei sollte zudem noch geteilt werden! (s. das Folgende). Luthers Arbeitsleistung reduziert sich natürlich nicht unerheblich, je nachdem er zehn Bogen Quartformat oder Folioformat an Manuskript nach seiner Berechnung bei sich hatte; denn die magni quaterniones, von denen er spricht, sind zweifellos als modus cubitalis papyri gedacht. Bossert weist darauf hin, daß cubitalis ellenlang bedeute, und deshalb Folioformat gemeint sei. Diese Bedeutung hat cubitalis allerdings, aber wäre nicht denkbar, daß Luther von cubus = Würfel ableitete und cubitalis papyrus quartförmiges [WA s. l] Papier bedeutete? Man wird das “ellenlang” doch schwerlich pressen dürfen. Und das um so weniger, als literae cubitales = literae quadratae sind (Du Cange II 641).

       Noch bleibt die Frage, wie Luther denken konnte, es sei mit dem Drucke schon begonnen worden? Er hatte doch stets die Adventspredigten an der Spitze gedacht und noch am 31. Juli das ausdrücklich gesagt (s. oben S. XLVII). Und auch sein am 3. August ausgesprochener Wunsch: velim postillas bono et correcto typo excudi kann in Übereinstimmung damit als ein Zukunstswunsch, wenn die ganze Postille fertig sei, gedeutet werden. Oder vielleicht nicht? Offenbar vermutet er jedenfalls jetzt, es sei unerachtet seines ursprünglichen Planes das Manuskript in die Druckerei geschickt worden, was ja insofern sehr erklärlich gewesen wäre, als Luthers erste Predigt deutlich programmatischen Eröffnungscharakter, wenn ich so sagen soll, trug. Die Voraussetzung und Annahme aber, daß der Druck wohl schon begonnen habe, zwingt ihn zu einer Änderung des ursprünglichen Planes, mit den Adventspredigten die Postille beginnen zu lassen; denn die waren ja noch nicht fertig. Luther entwirft denn auch einen nenen Plan. Er sagt nämlich: “ich will aber das Buch in die vier Teile des Jahres teilen, von Quatember zu Quatember, damit es nicht zu unbequem und zu kostpielig wird” (dividam autem eum in quatuor partes anni, de angaria in angariam, ut sit non nimis onerosus et sumptuosus). Bei dieser Teilung nach Quatembern konnte natürlich mit dem Druck schon begonnen werden, denn dann lief ein Teil von Weihnachten bis Beginn der Fastenzeit, ein zweiter von Invocavit bis Pfingsten, und dann wurde die Trinitatiszeit durch den Tag der Kreuzerhöhung (14. Sept.) in zwei Hälften gelegt. Die Adventspredigten wären dann das letzte Stück gewesen, verbunden mit den späteren Trinitatispredigten. Luther denkt also jetzt daran, die Adventspredigten völlig zurückzustellen angesichts der durch die Annahme des Druckbeginns entstandenen Unmöglichkeit, sie an die Spitze der Postille zu setzen. Wie er auf den Gedanken kam, der Druck habe eventuell schon begonnen, wissen wir nicht näher. Luther ist sich offenbar selbst nicht recht klar, was werden soll, denn die ganze Vierteilung und seine übrigen Wünsche sind eben nur Pläne Luthers; er weiß selbst, daß sein Wille nicht maßgebend ist (Sed frustra haec volo, cum non quod ego velim, sed quod agitur illic, fieri possit). Auf alle Fälle aber soll Spalatin sein Manuskript gut aufheben oder es ihm zurückschicken (quidquid vero fit vel non fit, cura, obsecro, ut bona fide custodiantur ista manus meae exemplaria aut ad me remittantur).

       Fortan hören wir nichts Näheres über die Postille bis zum 17. September, dem “tag Lamperti”. Von diesem Tag an datiert nämlich die Vorrede seiner Auslegung des Evangeliums von den zehn Aussätzigen Luk. 17, 11 –19, die er auf besonderen Wunsch des Fürsten Johann von Sachsen angefertigt hatte. Am Schlusse dieser Vorrede sagt er nun, er habe mit Absicht dieses Evangelium gesondert ausgehen lassen, damit über die Beichte Klarheit herrsche. “Auch wil ich hiemit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen mitten ausz dem fasz, wiewol ich sie itzt nit weitter denn vomm Advent bisz auff Epiphania bracht habe unnd mitten [WA s. li] ynn der erbeyt umb der lesterer willen die ordnung brechen musz, doch da ligt nichts an. Es kompt wol widder tzu recht” (Unsre Ausg. Bd. 8, 343, vgl. auch oben S. XLIII). Das Evangelium von den Aussätzigen war der Text am 14. Sonntag nach Trinitatis, und, wie Bossert mit Recht heraushebt, zeigt diese Äußerung, daß Luther sich streng an die Perikopenfolge hielt, was wir auch schon anderweitig festgestellt haben. Luther hat mit dieser Auslegung von Luk. 17, 11 –19 die Reihenfolge durchbrochen, hat in seiner Arbeit an der Winterpostille eine Pause eintreten lassen und mitten aus dem Faß kredenzt. Aber wieviel hatte er fertig? Bossert meint: “Luther hatte also schon die Predigten für Epiphanien begonnen. Aber er kann hier nur die Predigt über Jes. 60 — also die Epistelpredigt — im Auge haben; denn wenn die Predigt über die zeyn Aussätzigen noch Anklänge an die vier vorausgehenden Predigten zeigt, also jenen zeitlich nahe stehen muß, so finden sich auch Berührungen zwischen ihr und der Predigt über Jes. 60, und zwar so, daß erstere die weitere Ausführung der dort kurz angedeuteten Gedanken gibt”. Aber das ist kein zwingendes Argument. Sprachlich möglich ist allerdings, das “bisz auff Epiphania” zu deuten: bis zum Anfang von Epiphanien, aber notwendig ist das nicht. Mit “Anklängen” und Berührungen bei Luther zu operieren, ist stets mißlich, da sie sehr willkürlich sind und auf Zufall beruhen können. Selbst einmal angenommen, die Auslegung von Luk. 17, 11 –19 gäbe die weitere Ausführung der in der Epistelpredigt zu Epiphanien kurz angedeuteten Gedanken, so ist dadurch keineswegs ausgeschlossen, daß auch die Evangeliumspredigt zu Epiphanien schon fertig war; denn warum hätten sich irgendwie Beziehungen zu ihr in der Predigt über die Heilung der Aussätzigen finden müssen? So bleibt also die Möglichkeit, daß Luther am 17. September den ersten Teil der Postille, also Christtag bis Epiphanien (einschl. des Evangeliums) fertig hatte und nur noch die Widmung ausstand. Aber noch eine dritte Möglichkeit besteht: Luther hat die Worte in jener Vorrede gleichsam vordatiert, d. h. auf den Tag, da der Druck seiner nicht ganz drei Quartbogen umfassenden Schrift fertig war. Er versetzt sich also auf den Standpunkt eines Lesers, dem der vollendete Druck vorliegen wird, und sagt ihm: meine Postille ist noch nicht weiter gediehen als von Advent bis Epiphanien einschl. Dann also hätte Luther nur ins Auge gefaßt bzw. als sicher angenommen, daß zur Zeit der Vollendung jenes Druckes seine Postille bis Epiphanien fertig sein werde. Natürlich kann er dann nicht weit von diesem Abschluß entfernt gewesen sein, aber wir sind nicht genau in der Lage zu sagen, wie weit er am 17. September gekommen war. Ja, da Luther es erst Spalatin anheimstellt, ob er jene Auslegung drucken lassen und sich nicht mit einer Abschrift seines Manuskriptes für den Herzog begnügen will (Enders 3 Nr. 457), konnte Luther mit einer längeren Zeit noch rechnen. Man wird auf eine Inkorrektheit in Luthers Worten hinweisen dürfen, wenn er sagt, er habe die Postille von Advent bis auf Epiphanien gebracht. Denn das ist richtig nur, wenn man die lateinischen Adventspredigten ins Auge faßt, die Luther ja aber noch übersetzen wollte. Es dürfte aber gerade diese Inkorrektheit dafür sprechen, daß Luther sich mit seinen Worten auf den Standort des Lesers versetzt, dem zur [WA s. lii] Zeit seiner Lektüre die Postille als ein geschlossener Teil von Advent bis Epiphanien vorliegt. Diesen geschlossenen Teil als ein Ganzes herauszugeben, hatte er aber schon früher ins Auge gefaßt (s. o. S. XLVII). Er hätte dann also hier die Vierteilung, die einem Separatdruck der Adventspredigten vorauszusetzen schien (s. o. S. L), wenigstens insofern modifiziert, als Advent bis Epiphanien wieder einen Teil ausmachen sollten.

       Am 19. November — das ist das nächste Datum über die Postille, wenn wir von einer kurzen Notiz im Briefe an Nikolaus Gerbel vom 1. November (Enders 3 Nr. 461) absehen, in dem er unter seinen Schriften auch die vernacula enarratio Epistolarum et Evangeliorum nennt — hat Luther die Widmung der Postille an den Grafen Albrecht von Mansfeld vollendet und schickt sie am 22. an Spalatin “Evangeliis praeponendam”. Spalatin und Melanchthon erhalten den Auftrag, das Manuskript sorgfältig aufzubewahren, damit nichts verloren gehe, bis er den Schluß der Postille fertig hat, an dem er schon arbeitet (cura, quaeso, mi Spalatine, ut diligenter serventur et a te et a Philippo, ne pereant, donec reliquum Postillarum absolvero, in quo iam laboro). Mit diesem “Rest der Postille” sind offenbar die Adventspredigten gemeint, die also jetzt wieder als ein mit dem von Weihnachten an beginnenden Teil bis Epiphanien ein Ganzes bildendes Buch gedacht werden (so auch Bossert). Luther spricht ja am Schluß des Evangeliums zum Epihanientage, also am Schluß der damals fertiggestellten Predigten, davon, daß er “hoffe, es sey ynn dißen zwelffen Epistolln und Evangelien eyn Christlich leben so reychlich fürgepildet” usw. (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728). Damit sind die fertiggestellten Episteln und Evangelien der Weihnachtszeit (Bd. 10 1 I) gemeint und die (noch nicht fertigen) Adventspredigten zu den 4 Adventssonntagen (Bd. 10 1 II). Gleichzeitig mit der Widmung wird, wie auch Bossert annimmt, der “klein Unterricht, was man in den Evangeliis suchen und gewarten soll” fertig gewesen sein, aber er wird von vornherein für den Anfang, als Einleitung zum Ganzen gedacht sein, nicht, wie Bossert vermutet als “auch für den Adventsteil berechnetes Schlußwort”. Wie der Inhalt (man vgl. Bd. 10 1 I, 8 ff.) deutlich verrät, handelt es sich um eine allgemeine Einführung in die Postille. Von der Überschrift zu dieser Einführung aus wird auch sofort klar, inwiefern Luther im Briefe sagen kann evangeliis praeponendam, wo es sich doch um Episteln und Evangelien handelt: auch in der Überschrift ist die ganze Postille evangelia, und Luther setzt weiterhin auseinander, daß Epistel und Evangelien nur Formen des Evangeliums sind.

       Schon diese kritische Revue über die Äußerungen Luthers zur Weihnachtspostille verrät, daß es nicht möglich ist, so genau, wie Bosserts scharfsinnige Berechnungen es versuchten, die Abfassungszeit der einzelnen Predigten zu fixieren. Bossert rechnet so: am 10. Juni war die erste Predigt fertig, von da bis Anfang Juli noch vier weitere, dann sei eine Pause eingetreten. Denn “es plagte ihn schweres Leiden, das ihm am Schluß der Predigt zur hohen Messe am Christtag Hebr. 1, 1 –12 den Seufzer auspreßte: Ich kann nicht mehr, mit welchem er die Feder niederlegte.” “Deuten wir diese Worte recht, so hatte Luther bis zur ersten Woche des Juli fünf Predigten der Weihnachtspostille bearbeitet und hoffte in kurzer Zeit ihre Zahl [WA s. liii] auf zehn zu bringen, welche dann sofort gedruckt werden sollten.” Aber die Worte sind sicherlich nicht richtig gedeutet. Von jenem Seufzer, mit welchem er die Feder niederlegte, ist keine Rede. Man vergleiche nur den Zusammenhang (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 179): Luther quält sich ab mit einer Erklärung von Hebr. 1, 10 –12, “wie dißer spruch klerlich tzu dißer sachen diene, scheynet noch nit”; er versucht nun eine Deutung und sagt am Schluß derselben: “Was mehr hiebey tzu sagen ist, befehl ich hohern geysten, ich kan nit mehr”. Das gibt Bucer so wieder: quid praeterea hic dicendum est, committo spiritibus sublimioribus, equidem plura haud scio und trifft damit zweifellos das Richtige: der Nachdruck liegt auf “ich”, mögen andere Besseres wissen, ich kann nicht mehr, scil. sagen. Und dann die Begründung: “Luther hoffte in kurzer Zeit die Zahl der Predigten auf zehn zu bringen” mit Luthers Worten: statim missurus ad incudem, ubi denarium attigero, “Luther meint zehn Predigten, je fünf über Episteln und Evangelien”, wird von Bossert selbst einige Seiten später preisgegeben, sofern er richtig sagt (a. a. O. S. 292 verglichen mit 287): “daß Luther mit denarius nicht zehn Bogen, sondern die Predigten für die zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien meint, ist nunmehr allgemein anerkannt” (vergl. auch oben). Wir wissen also nicht, wieviel Luther am Anfang Juli fertig hatte.

       Mit diesem ersten non liquet fällt aber das ganze Rechengebäude Bosserts dahin, da er auf diesem angeblichen Fundamente weitergebaut hat. Wir können nicht sagen: “mit dem Brief, der spätestens auf den 18. Juli zu setzen ist, sandte Luther an Spalatin die vier Predigten, mit welchen er zwischen dem 10. Juni und Anfang (5.) Juli fertig geworden war”, sondern nur feststellen, daß mit jenem Briefe ein Stück Manuskript abging und ebenso am 31. (s. o.). Bossert glaubt auch feststellen zu können, “wieviel bis 31. Juli fertig war”: “So bleiben also für die Zeit von Mitte bis Ende Juli drei Predigten übrig, welche Luther in dieser Zeit bearbeitete, nämlich die Predigt für das Hochamt am Christfest und die zwei Predigten für den Tag Stephani.” Aber diese Berechnung, an die frühere, die aber irrig war, sich anschließend, stützt sich lediglich auf Luthers Wort: festinabo vom 31.Juli. Bossert schließt: also müssen die Predigten, die nach dem 31. Juli verfaßt sind, möglichst kurz sein, und findet nun solche in den beiden Predigten über Johannes über Sirach 15, 1 –6 und Joh. 21, 19 –24. Dieselben sind allerdings kurz, und Luther hebt die Kürze sogar ausdrücklich hervor (s. d. Stellen bei Bossert a. a. O. S. 293), aber es fragt sich doch, zumal da die erste Rechnung nicht stimmt, ob man an das festinabo solche bestimmten Folgerungen knüpfen darf. Ob Luther den Plan, zu eilen, wirklich ausgeführt hat, wissen wir nicht; Bossert selbst muß zugeben, daß Luther “bald andere Arbeiten dazwischenkamen”, und Luther hat auch schon Anfang Juli geeilt, wie die am 13. Juli ausgesprochene Erwartung, bald mit den Predigten für Advent bis Epiphanien fertig zu sein, beweist; also könnten die zwei kurzen Predigten ebensogut unmittelbar nach den 13. Juli und vor den 31. Juli fallen, wenn ihre Kürze nicht überhaupt zufällig ist. Daß die beiden Predigten über Johannes “unmittelbar nach dem Trostbrief an die Wittenberger — der Auslegung des 36. (37.) Psalms, Unsre Ausg. Bd. 8, 205 ff. — und zugleich mit einem Stück der Erklärung des 21. (22.) Psalms (Unsre Ausg. Bd. 5, 583 ff.) geschrieben sind” (Bossert S. 302), kann aus den von Bossert beigebrachten Berührungen nicht gefolgert werden. Liegt überhaupt Abhängigkeit zwischen den Predigten und dem Trostbriefe vor, was [WA s. liv] zweifelhaft bleibt, so kann sie auch in umgekehrter Folge vorliegen, so daß der Postille die Priorität zufiele; außerdem ist der Trostbrief schon vor Anfang Juli fertig gewesen (Unsre Ausg. Bd. 8, 205), so daß also im Falle seiner früheren Abfassung vor den beiden Postillenpredigten diese nicht “unmittelbar” nach dem Trostbrief geschrieben wurden, wenn sie erst nach dem 31. Juli geschrieben wurden; viel eher wären sie dann nach dem 13. Juli und vor 31. Juli zu setzen. Psalm 21 aber ist schon am 10. Juni fix und fertig gewesen (Unsre Ausg. Bd. 5, 7), kann also vollends zu näherer Fixierung nicht herangezogen werden. Es folgt die Berechnung vom 15. August: sie hilft uns nicht weiter, da einmal die Deutung der Lutherworte zweifelhaft ist (s. o.); sodann uns jetzt jeder Ansatzpunkt für die Berechnung fehlt. Wahrscheinlich hat Luther damals Manuskript für etwa (ferme!) zehn Quartbogen bei sich gehabt, die er in der Zeit vom 31. Juli bis 15. August geschrieben haben müßte (s. o.); zu dieser Leistung würde der Vorsatz vom 31. Juli: festinabo sehr gut passen. Welche Predigten aber diese zehn Bogen umfaßt haben, wissen wir nicht, es ist müßig, Vermutungen aufzustellen. Wir sind gezwungen, uns mit einem ungefähren Einblick in das langsame Wachsen der Postille dank der verschiedenen Unterbrechungen zu begnügen. Sicher ist nur die Vollendung der ersten Predigt am 10. Juni und der Abschluß der Zueignung am 19. November.

       Etwas klarer schauen wir in das Werden der Adventspredigten hinein. Am 31. Juli hatte Luther die Absicht ausgesprochen, die Adventspredigten einfach als Übersetzung seiner lateinischen Postille vom März 1521 zu bieten (s. o.) S. XLVII). Diese Absicht hat er aufgegeben. Wann, wissen wir nicht, aber die Annahme ist naturgemäß, daß es nach Abschluß des ersten Teiles, also nach dem 19. November geschah, als Luther sich zur Ausführung des Planes anschickte; da mochte ihm die Einsicht kommen, daß er Neuwerk schaffen müsse, da eine einfache Übersetzung der früheren Auslegung zu der ganz anders gearteten Postille vom Christtag bis Epiphanien nicht paßte (vgl. Bossert 343). Aufgegeben ist aber auch der am 15. August auftauchende Plan, nach dem die Adventspredigten an den Schluß des vierten Teiles der Postille gekommen wären. Luther mochte einsehen, daß sie da nicht recht hinpaßten, ein Anfang — das war doch nach kirchlichem Empfinden die Adventszeit — konnte füglich kein Schluß sein. Wie bei dem ersten Teile, hat auch bei den Adventspredigten Luther die Reihenfolge eingehalten, und die erste von ihnen, die Auslegung der Epistel Röm. 13, 11 –14, verrät deutlich gleichsam eine Art Übergangscharakter. Man möchte sagen: Luther kommt von der Lektüre der lateinichen Predigten her, hat sich von der Unvollkommenheit für den vorliegenden Zweck überzeugt, steckt aber noch in ihren Gedankengängen darin. So hat die erste Adventspredigt noch nicht “jenes spezifisch lutherische Gepräge, das sich besonders in der Beleuchtung der Gegenwart zeigt” (Bossert 344) gewonnen, sie ist wesentlich schlichte Textauslegung. Eine genaue zeitliche Fixierung der Abfassungszeit ist unmöglich; es kann nur gesagt werden: kurz nach dem 19. November. Der Verweis auf die Neujahrspredigt über Gal. 3: “davon ist weiter zu sagen in der Epistel am neuen Jahrstag”, der diese also damals als schon fertig voraussetzt — was uns nichts Neues sagen würde, vielmehr nur eine Bestätigung dessen, daß Luther die Adventspredigten erst nach Abschluß des ersten Postillenteiles begann, sein würde, ist nicht ursprünglich. Vgl. die Lesarten zu S. 15. Die zweite Adventspredigt, [WA s. lv] die Auslegung der Perikope Matth. 21, 1 –9, sagt uns etwas mehr. Es ist die erste Evangeliumspredigt für den Advent, ja nach Luthers Plan, der ja die Adventspredigten damals an der Spitze des Ganzen wünschte (s. S. LIf.), die erste Evangeliumspredigt überhaupt. Darum hält Luther sich für verpflichtet, über den Begriff: Evangelium etwas zu sagen, und tut das im Anschluß an den “kleinen Unterricht”: “droben in der Vorrede hab ich gesagt, daß in den Evangelien zwei ding anzusehen und zu merken sind.” Daraus folgt, daß der “kleine Unterricht” damals schon fertig gewesen sein muß; er ist aber am Schluß des ersten Teiles abgefaßt worden (s. o. S. LII). Es folgt daraus ferner die Richtigkeit unserer Annahme (s. o.), daß der “kleine Unterricht” als Einleitung zum Ganzen gedacht war; sonst könnte Luther nicht schreiben: “droben in der Vorrede”. Wenn Luther ferner in dieser Predigt hinweist auf die Evangeliumspredigt für den Epiphaniensonntag (“derhalben auch Christus nichts geschrieben hat, als wir hören werden am Tag Epiphania”, S. 35), so muß auch diese Predigt schon fertig gewesen sein, und sie war die letzte des ersten Teiles. Vielleicht darf man nun um dieser beiden Zitate willen diese Predigt als die zweite Adventspredigt möglichst an die erste und den 19. November heranrücken; um des “gehobenen Tones” willen sie mit Bossert “nach dem Besuch in Wittenberg” (Anfang Dezember) anzusetzen, bleibt eine bloße Vermutung. Für die dritte Adventspredigt, die Epistelauslegung Röm. 15, 4 ff. fehlen nähere Anhaltspunkte, aber nichts spricht gegen Bosserts Annahme (S. 346): “wir dürfen annehmen, daß die Predigt über die Epistel des zweiten Advent unmittelbar auf die über das Evangelium des ersten Advent folgte”. Jedenfalls — damit ist ein terminus ad quem gewonnen — muß sie vor dem Februar 1522 verfaßt sein. Denn dieser Termin ist der terminus a quo für die Auslegung des Evangeliums znm zweiten Advent. Luther bespricht für die große Konstellation der Planeten, “die jetzt eintreten wird über zwei Jahr”. Diese Konstellation sollte in Februar 1524 eintreten, Luther muß also die Evangeliumspredigt um Februar 1522 verfaßt haben — mit Recht sagt Bossert (347), daß man nicht so pressen dürfe, als wenn nun Luther, genau im Februar 1522 geschrieben hätte; wir sagen daher: um Februar 1522 —, folglich die Epistelpredigt vorher. Jene Datierung, “um Februar 1522” für die Evangeliumspredigt empfiehlt sich aber noch durch ein anderes Moment, auf das Bossert aufmerksam machte. Amsdorf hatte Luther nach dem Zustand der Verstorbenen gefragt und war geneigt, einen Seelenschlaf der Frommen bis zum Gericht anzunehmen. Luther antwortete ihm am 13. Januar 1522 (Enders 3, 269): er hat noch keine feste Entscheidung, ist geneigt, Amsdorf zuzustimmen, nec habeo, quibus hanc sententiam subvertere possim. Aber er hat doch Bedenken, einen allgemeinen Seelenschlaf anzunehmen, propter raptum Pauli, Eliae et Moysi, qui utique non ficti apparuerunt in monte Tabor. Quis enim novit, quomodo deus agat cum animabus separatis? nonne potest eas aeque sopire alternis vel quamdiu voluerit, atque viventes in carne sopit? Auch das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus zeigt Empfinden (sensus), und keinen Schlaf bei Abraham und Lazarus. Nun ist es interessant, daß die Evangeliumspredigt zum zweiten Advent das gleiche Thema von der Existenz der Seelen nach dem Tode anschlägt. Der Text Luk. 21, 25 –33, bot dazu keine Veranlassung, das Thema ist so speziell, daß hier einmal keine zufällige Berührung vorliegt, vielmehr Luther durch Amsdorf zur Behandlung der Frage angeregt sein muß. Und da er sich [WA s. lvi] bestimmter und sicherer ausdrückt als im Briefe an Amsdorf, wird die Auslegung in der Postille nach dem 13. Januar fallen, wir kämen also wieder auf den Termin: um Februar 1522. Natürlich sucht Luther für jenes Spezialthema eine Anknüpfung bei seinem Texte und findet sie in der Frage: “wo bleiben unsere Seelen, wenn an allen Orten der Kreatur (am jüngsten Tag) Feuer sein wird und kein Boden noch Raum?” Aber sofort lenkt er zu Amsdorfs Thema ein: “Antwort: sage mir, wo sind sie jetzt, oder wo sind sie, wenn wir schlafen? Meinst du, Gott vermöge die Seelen nicht in seiner Hand zu bewahren, daß sie nimmer gewahr werden, wie Himmel und Erde zu Pulver wird? oder meinest du, er müsse einen leiblichen Stall dazu haben, wie ein Hirt zu seinen Schafen? Es ist genug, daß du wissest, sie sind in Gottes Hand — — wenn wir wüßten, wie die Seelen behalten würden, so wäre der Glaube aus.” Genau wie Luther Amsdorf auf die Analogie des Schlafes der Lebenden verwiesen hatte, sagt er auch in der Postille: “sintemal du noch nicht erlernet hast, wie dir geschehe, wenn du schläfest oder aufwachest und kannst nimmer wissen, wie nahe dir der Schlaf oder das Wachen sei, damit du doch täglich umgehest.” Und wenn Amsdorf nach dem Zustande der Verdammten gefragt hatte, so geht das Luther jetzt nichts mehr an. “Es heißt: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; da bleibt es bei” (s. S. 117 f.). Es ist unmöglich, hier Beziehungen leugnen zu wollen; damit aber ist die Datierung gesichert.

       Die nächste Predigt, die Epistelauslegung zum dritten Advent, wird sich unmittelbar angeschlossen haben. Sollte die Erwähnung der Bulle coenae domini (S. 135), was immerhin das Wahrscheinlichste ist, mit Luthers Übersetzung derselben um die Jahreswende 1521/22 zusammenhängen und nicht zufällig sein, so wäre damit nur der Termin: nach Jahresanfang 1522 erneut sichergestellt, aber nichts Näheres gewonnen. Ebenso läßt sich die Predigt über das Evangelium des dritten Advents nicht näher fixieren. Sie weist (s. S. 167) auf das Evangelium zum 4. Advent als künftige Predigt hin. Sollte sie wirklich, wie Bossert zu zeigen sucht, auf die Karlstadtsche Bewegung sich beziehen, so bliebe dafür ein weiter Spielraum offen, dessen terminus a quo die Jahreswende wäre. Bei der Epistelpredigt für den vierten Advent, die deutlich auf “vorige Postillen” zurückweist (s. S. 171), speziell auf die Epistel zum zweiten Advent (s. S. 187), möchte Bossert in dem Abschnitt über das Besteuerungsrecht der Obrigkeit eine Anspielung an die Zwickauer Propheten sehen, die die ganze weltliche Ordnung umzuwandeln suchten. Sollte das richtig sein — zwingend ist die Annahme nicht — so wäre für nähere Datierung damit auch nichts gewonnen. Auch für die Schlußpredigt sucht Bossert Beziehungen zur Wittenberger Bewegung aufzuweisen; sie mögen vorliegen, obwohl die Argumentation mit dem Schriftstück Erl. Ausg. 53, 99 inzwischen als Irrtum erwiesen ist, helfen uns aber nicht weiter. Daß die Erwähnung des “Lammes Gottes” in der Adventspredigt zur Abfassung “in der Vorfastenzeit [WA s. lvii] als Vorbereitung auf die Passion” zwänge, wie Bossert will, womit eine Fixierung auf Ende Februar — Ostern fiel 1522 auf den 20. April — gegeben wäre, wird man bei der Geläufigkeit dieser Bezeichnung nicht überzeugend finden; vollends nicht, sofern es sich um Auslegung des Evangeliums nach Johannes 1, 19 –28 handelte, dem unmittelbar — in V. 29 — und im Zusammenhang mit ihm die berühmte Stelle über “das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt” folgte. Luther verliert keinen Augenblick den Zusammenhang mit dem Evangelium, das er auslegen mußte: “Johannes weiset die Leute von sich auf Christum und spricht: Sehet da, das ist das Lamb Gottes, das der Welt Sünde auf sich nimpt.” So hätte Luther, veranlaßt durch seinen Text, zu jeder beliebigen Zeit schreiben können. Auch die andere Argumentation Bosserts, Ende Februar als Abfassungstermin zu gewinnen, hält nicht stand. Bossert sagt: “Warum begnügt sich Luther, nur die Anwendung des Kreuzestodes Christi auf den Leser für sich zu machen und ihm zu zeigen, ‘wie ein jeglicher sich selbs erkennen soll, daß ihm Besserung noth sei, doch nicht bei ihm selbs solches suchen, sondern bei Christo allein?’ Warum zeigt er nicht auch, wie sich daraus das rechte Verhalten zum Nächsten ergebe, wie er das in der Predigt über Röm. 15, 4 ff. und Phil. 4, 4 ff. so schön getan hatte?” Bossert meint: “Hierauf giebt es kaum eine andere Antwort, als daß Luther die Predigt rasch abbrach, weil er zu dem Entschluß kam, diese in der Predigt fehlenden Gedanken selbst mündlich in Wittenberg zu vertreten.” Das ist schwerlich richtig. Vielmehr gilt es, einfach den Text ins Auge zu fassen. Der zwingt ihn, von dem die Sünde der Welt tragenden Lamm Gottes zu sprechen; und Luther betont aufs stärkste, daß man dem Lamm Gottes den Ruhmestitel, die Sünden der Welt zu tragen, nicht nehmen dürfe. Wenn also Johannes zur Buße auffordere, so ist damit nicht gemeint, sich selbst zu bessern und selbst Sünden abzulegen, sondern es kann nur die Erkenntnis des Bedürfnisses nach Besserung gemeint sein; die Besserung selbst aber steht bei Christus (vergl. den Text S. 207 und unten). In diesem Zusammenhang, der nur die Wahrung der Heilstat des Kreuzestodes Christi behandeln wollte, paßte der Hinweis auf das rechte Verhalten zum Nächsten schlechterdings nicht hinein. Richtig ist nur, daß die Schlußbitte mit folgendem Amen auf den Abschluß eines Teiles der Postille hindeutet, aber nicht auf einen raschen Abbruch. Nichts deutet in diesen Schlußworten auf Eile.

       Richtig bleibt natürlich, daß diese letzte Predigt vor Luthers Aufbruch von der Wartburg — am 1. März — abgeschlossen sein muß; in Wittenberg hat Luther nicht mehr an ihr gearbeitet, da stand anderes auf dem Spiel. Bossert versucht, auch von da aus eine nähere Datierung der Schlußpredigt zu gewinnen; er vermutet Beziehung zwischen dieser und dem Briefe an den Kurfürsten von etwa 22. Februar (Erl. Ausg. 53, 104). Aber Bossert selbst läßt es offen, ob es sich da nicht um ein “zufälliges Zusammenklingen” handelt, und das dürfte tatsächlich der Fall sein. Die Figur des Judas Ischarioth ist nicht eine derartige, daß sie nicht unabhängig voneinander an zwei verschiedenen Stellen auftauchen könnte. Wenn Luther, veranlaßt durch seinen Text (Joh. 1, 19 –28), davon spricht, wie die Juden Johannes versucht hätten, “daß er Christum aller Ding verleucken sollt”, so lag es vom Begriff der Verleugnung aus nahe, hinzuzusetzen: “und ein Judas Scharioth werden” (Erl. Ausg. 10 2, 113; bei Bossert ist versehentlich 7 2, 113 angegeben, Unsere Ausg. Bd. 10 1 II, 190). Umgekehrt setzt der Brief an den [WA s. lviii] Kurfürsten (Erl. Ausg. 53, 103 f.) sofort mit der Passion Christi ein; es ist von einem “ganzen Kreuz mit Nägeln, Speeren und Geißeln” die Rede, dann tauchen “Annas und Caiphas” auf, und an sie schließt sich Judas. Also beide Male ganz natürliche Zusammenhänge. Damit wird die Möglichkeit, eine nähere Datierung von hier aus zu gewinnen, verloren.

       Aber von einer anderen Seite her läßt sich noch Näheres sagen. Am 25. Februar (Bossert 358 versehentlich: 23. Februar) hat Melanchthon ein Schreiben Spalatins erhalten, in welchem dieser Mitteilung machte von einem Faszikel, der als fasciculus literarum et commentariorum Heliae nostri bezeichnet wird. Diese commentarii müssen die Postille gewesen sein, denn sie werden unmittelbar nachher als interpretatio evangeliorum und weiterhin direkt als postillae bezeichnet (Corp. Ref. I Nr. 202 und 204). Melanchthon muß bedauern, den Faszikel nicht erhalten zu haben, der Bote, hieß es, sei von Karlstadt nach Weimar geschickt. Am 2. März (Bossert a. a. O. versehentlich: 1. März) kann dann aber Melanchthon melden: heri accepi τ παρ το λου μν πεμφθέντα (Corp. Ref. Nr. 204). Wenn er nun hinzufügt, er werde sich bemühen, daß die Edition möglichst bald (primo tempore) erfolge, so kann es sich nur um den Schluß der Postille handeln, dessen Empfang Bedingung der Edition war. Es hat also der Faszikel, nach dessen Verbleib Melanchthon, fragte, jedenfalls auch die Schlußpredigt der Postille enthalten. Leider wissen wir nun nicht, wann Spalatin den Faszikel abgeschickt hat, ebensowenig, wann er ihn empfing. Es kann auch nicht genau festgestellt werden, wie lange die Boten von der Wartburg bis Lochau und von dort bis Wittenberg brauchten. Rechnen wir (vgl. Bossert 369 Anm. 5) vier bis fünf Tage für eine Eilbotensendung von der Wartburg über Lochau nach Wittenberg, so wäre das am 25. Februar bei Melanchthon eingetroffene Spalatinsche Schreiben etwa am 20. Februar abgegangen. Die Manuskriptsendung mit dem Schluß der Postille muß aber früher abgegangen sein. Wann? wissen wir nicht, vermutlich nicht allzulange vorher. (Würde Spalatin nach dem Verbleib gefragt haben, so würde sich der Zeitabstand vergrößern.) Wir werden also den Abschluß der Schlußpredigt des Winterteiles der Kirchenpostille auf ± 20. Februar ansetzen müssen. Das wäre eine Übereinstimmung mit Bossert im Resultat, nur mit anderer, sichererer Begründung.

       Wie steht es nun aber mit dem Druck der Postille? Die erste Vermutung Luthers, es könne mit dem Druck schon begonnen worden sein, tauchte am 15. August auf (s. o. S. XLIX). Der Druck scheint dann auch bald wirklich eingesetzt zu haben, und zwar durch Johannes Grunenberg, trotz Luthers Ärger über den Schmierfinken. Am 1. November schreibt Luther an Gerbel: Mihi sub formis est vernacula enarratio epistolarum et evangeliorum per annum (Enders 3 Nr. 461). Das könnt̄e ja zunächst noch eine Vermutung Luthers sein, nur mit Bestimmtheit ausgesprochen, aber bald hören alle Zweifel auf, und Luthers Vermutung ist jedenfalls richtig gewesen. In einem Briefe, der wohl sicher (vgl. Bossert S. 322 f.) zwischen den 20. November und 2. Dezember anzusetzen ist, schreibt nämlich Melanchthon an Spalatin (Corp. Ref. I Nr. 154): Johannes usque ad V processit d. h. bis zum Evangelium [WA s. lix] in der hohen Christmesse (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 222 ff.). Grunenberg hat aber den Druck der Predigtauslegung mit Bogen B begonnen, stand also beim neunzehnten Bogen. Dazu wird er einiger Zeit bedurft haben. Offenbar ist er irgendwie avisiert worden, daß eine Einführung voraufgehen solle, und hat dafür den ersten Bogen reserviert (vergl. Köstlin-Kawerau, Martin Luther 5 S. 455). Diese Einführung bot dann die Widmungsepistel vom 19. November und der “klein Unterricht”. Daß dieser Bogen später hinzugefügt ist, verrät sich schon darin, daß er eine sogenannte Sexterne ist, während die übrigen Bogen Quaternen sind; das Manuskript war eben etwas umfangreicher. Daß die erste Predigt s. Z. separat von Luther abgefaßt wurde (s. o. S. XLII), verrät sich im Druck noch darin, daß ihre Schlußsätze in sich verjüngenden Zeilen, wie das am Schluß eines Druckes üblich war, gesetzt worden sind; offenbar glaubte der Setzer, der dieses ein separates Ganzes bildende Stück in Händen hatte, mit ihm sei das Werk zu Ende. Bis zu Bogen V ist mit einer Presse gedruckt worden, doch rüstete sich, wie Melanchthon meldete, Grunenberg, um schneller vorwärts zu kommen, mit zwei Pressen zu drucken. Melanchthon schickte Luther die Probebogen zu, ut habeat noster operis sui δεγμα et specimen, und es liegt wohl eine Rehabilitierung des von Luther gescholtenen Grunenberg vor, wenn er dessen Tätigkeit ein adornare nennt; auch solle Spalatin Luther zur Weiterarbeit ermuntern. Grunenberg hat sein Vorhaben ausgeführt; denn am 2. Dezember kann Melanchthon an Spalatin melden: maturabit opus Iohannes duobus prelis (Corp. Ref. I Nr. 158, woselbst aber altera adventus als 2. Advent = 8. Dezember aufgelöst ist). Melanchthon drängt um Manuskript: nostrum Heliam, quaeso admoneas ut properet mittere reliquum huius partis postillarum. Offenbar meint Melanchthon mit dem reliquum huius partis den Schluß des Weihnachtsteiles. Wir hören also hier von einer Teilung der Postille. Anders als Luther sich die Anlage des Ganzen gedacht hatte. Luther hatte am 22. November gebeten, seine Vorrede sorgfältig aufzubewahren, donec reliquum Postillarum absolvero (s. o. S. LII), doch waren da unter dem reliquum postillarum die Adventspredigten zu verstehen. Das Manuskript des Schlusses des Weihnachtsteiles, vermutlich mit der Vorrede abgeschickt, war also am 2. Dezember noch nicht da. Melanchthon versteht unter dem “Teil” zweifellos den Weihnachsteil, der ja allein gesetzt wurde. Von dem Adventsteil weiß er ja noch nichts. Die Postille ist also geteilt worden. Nun aber sind 1522 beide Teile, Weihnachtsteil [WA s. lx] und Adventsteil erschienen, und es fragt sich, welcher Teil zuerst im Druck fertig war? Die Vermutung v. Dommers, die zweite Presse Grunenbergs sei für den Adventsteil bestimmt gewesen, ist hinfällig; denn Grunenberg konnte über den nichts bestimmen.

       Wir besitzen verschiedene Nachrichten über das erste Erscheinen der Postille im Buchhandel, die aber genau geprüft sein wollen. Enders in der zweiten Auflage des 7. Bandes der Erlanger Lutherausgabe S. XII behauptet: “auf Lamperti d. i. 17. Sept. 1521 war die Postille bis Epiphaniä” vollendet, aber erst am 13. Februar 1522 ging sie aus.” Aber diese beiden Daten, über deren Herkunft nichts verlautet, sind sicher falsch (vgl. v. Dommer a. a. O.). Bossert (S. 370) vermutet, daß doch “möglicherweise der ohne Quellenbeleg gegebenen Notiz etwas Wahres zugrunde liege. Es könnte an diesem Tage die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes erschienen sein” d. h. die Unsre Ausg. Bd. 7, 461 charakterisierte Ausgabe. Das ist denkbar, aber eben bloße Vermutung. Eine weitere Notiz bietet Keßler in seiner Sabbata (herausgegeben von E. Egli 1902, S. 78). Als er am Abend des 3. März in Jena im “Bären” jenes reizende Zusammentreffen mit Luther hatte, erschienen auch zwei Kaufleute, und einer von ihnen legte ein uneingebundenes Buch neben sich. “Fraget Martinus, was es für ain buch were? Sprach er: Es ist doctor Luthers ußlegung etlicher evangelien und epistlen, erst nüw getruckt und ußgangen; hand ir die nie gesehen? Sprach Martinus: Sy sollend mir och bald werden.” Sollte das die frisch von der Presse gekommene Weihnachtspostille sein? Dem scheint Melanchthons Brief vom 2. März (Corp. Ref. I Nr. 204, aber hier irrig vom 4. März datiert) zu widersprechen, an dem er an Spalatin schreibt, er werde den Druck beschleunigen lassen, denn er hoffe, die Postille werde Luther aliquid gratiae in der öffentlichen Meinung verschaffen; das, so meinen v. Dommer und Bossert, wäre unverständlich, wenn die Weihnachtspostille schon erschienen wäre. Aber dem ist entgegenzuhalten, daß Melanchthon in jenen Briefe nicht die Weihnachts-, sondern die Adventspostille im Auge hat, deren Schlußmanuskript er am Tage vorher erhalten hatte (s. o. S. LVIII). Warum soll er nicht, unbekümmert darum, daß der Weihnachtsteil schon erschienen war, von diesem neuen Teil sich ein günstiges Urteil über Luther in der öffentlichen Meinung versprechen können? Melanchthons Worte wollen nicht mehr besagen als einen Wunsch für guten Erfolg eines abgeschlossenen Werkes. Kann also damals die Weihnachtspostille schon vollendet gewesen sein, so kann in der Tat das von dem Kaufmann in Jena aufgelegte Buch der frisch vollendete Druck der Weihnachtspostille sein. Sicher ist es allerdings nicht; wöglicherweiser ist die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes gemeint. Bosserts Gegengrund, Luther könne von der Weihnachtspostille nicht sagen, sie solle ihm auch bald werden, da er doch die Probebogen zugesandt erhalten hatte, ist nicht stichhaltig; es ist doch etwas anderes, ein ganzes Buch herausgegeben zu besitzen oder die einzelnen Bogen; diese hatte Luther, jenes noch nicht.

       Steht die Sache so, so gewinnt auch die Notiz aus einem Melanchthonbriefe von ca. 25. Februar eine erhöhte Bedeutung. Melanchthon schreibt hier (Zeitschr. f. Kirchengesch. IV 299): postillas mitto tibi unam. Das braucht nicht, wie Bossert [WA s. lxi] (S. 370 Anm.) vermutete, nur von Druckbogen verstanden zu werden, kann vielmehr die ganze, vollendete Weihnachtspostille bedeuten, die also damals fertig vorgelegen hätte.

       Nun freilich kommen neue Schwierigkeiten von einem Briefe des Felix Ulscenius an Capito (Kolde, Analecta Lutherana S. 35); derselbe ist am 16. März 1522 vom Geleite Capitos nach Wittenberg zurückgekehrt und schreibt nun diesem: ubi heri a deductu domum redieram, evangelia per d. Martinum explicata reperi, quae tibi transmitto. Was ist unter dieser Evangelienauslegung zu verstehen? Die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes, die Weihnachtspostille oder die Adventspostille? Letztere ist ausgeschlossen (s. u.), die beiden anderen Möglichkeiten bleiben offen. Ulscenius schickt offenbar an Capito etwas ganz Neues. Nun war aber die übersetzung der Enarrationes in Straßburg gedruckt, also wohl Capito bekannt, Ulscenius brauchte sie ihm nicht zu senden; man müßte denn annehmen, daß er die Straßburger Herkunft nicht gewußt und auch mit Capito nicht über diesen Druck gesprochen hätte. Ist unsere Vermutung richtig, daß schon ca. 25. Februar der Weihnachtsteil fertig war und am 3. März der Kaufmann ihn in Jena vorlegte, so fällt ja etwas auf, daß derselbe am 16. März eine Neuigkeit in Wittenberg ist, es muß Ulscenius merkwürdig spät auf ihn gestoßen sein. Das ist aber immerhin denkbar. Daß Albert Burer in seinem Briefe an Beatus Rhenanus vom 27. März (das Datum ist sicher; vgl. Nik. Müller in: Archiv für Reformationsgeschichte VI, 467) nichts von der Postille erzählt, was Bossert hervorhebt, darf nicht so sehr befremden, da die Postille überhaupt in den Briefen zurücktritt (vgl. Bossert selbst S. 372 f.), was sich wohl aus ihrer praktischen Abzweckung gegenüber den aktuellen, kirchenpolitischen Schriften erklärt.

       Luther schreibt in einem undatierten Briefe an Hartmuth v. Kronberg: “Jetzt gehet aus der Postille ein Stuck uber die Evangelia und Epistel, wenn die fertig ist, hoff ich, ein Christ solle darinne finden, was ihm not ist zu wissen” (Erl. Ausg. 53, 129). Der Brief ist sicher ziemlich bald nach Luthers Rückkehr von der Wartburg geschrieben; das zeigen die Worte: “wie lang ich da bleiben werde, weiß ich nicht”; man wird ihn auf Mitte März ansetzen dürfen. Jedenfalls ist das “Stuck Postille” der Weihnachtsteil; man wird Luthers Worte nicht so pressen dürfen, als wenn nun gerade erst “jetzt” d. h. Mitte März der Weihnachtsteil ausgegangen, unsere Annahme einer früheren Druckvollendung also falsch wäre. Vielmehr läßt sich mit Luthers Worten sehr wohl unsere Ansetzung vereinigen, zumal wenn man bedenkt, daß die Postille in Luthers Abwesenheit ausgegangen war und er erst “jetzt” davon erfuhr. Kronberg schreibt nun am 15. April an Hans v. Dolzig und Spalatin (Enders 3, 340 Anm. 1): “Alle Bücher, die zu Franckfort in der Meß gewest, hat man frei feil gehabt, unangesehen die Achtbrief. Des Philippus Büchlein und die Postille Docter Martins hab ich zu teutsch funden.” Das muß die Weihnachtspostille sein und kann nicht die Adventspostille sein, an die man zunächst auch denken könnte. Den Beweis gibt die Antwort der beiden, Dolzig und Spalatin. Sie antworten am 25. April: “Wir sind auch der Hoffnung, der christliche Doctor und von Gott gesandt Mann Martinus Luther würde euch wiederschreiben und daneben etwas Neues schicken; dann sein Teutzsche Postill über den Advent und sein Buchlein von beyden Gestalten des hochwirdigen Sakraments seind fast neulich ausgangen, und wird, ob Gott will, schier etwas mehr [WA s. lxii] Guts hernachfolgen.” Ganz offenbar ist hier von etwas soeben Erschienenem die Rede, und zwar kennt es Kronberg noch nicht; darumb kann die in seinem Briefe erwähnte Postille nur der Weihnachtsteil sein. Wir können also feststellen: der Weihnachtsteil war vermutlich Anfang März fertig und wurde auf der Frankfurter Ostermesse verkauft, der Adventsteil ist sicher kurz vor dem 25. April erschienen.

 

 

Luthers Quellen.

Luther hat etwa am 12. Mai 1521 in einem Briefe an Hieronymus Schurf sich Bücher erbeten (Enders 3 Nr. 433), und am 12. Mai selbst dem Prior Helt gegenüber die Bitte wiederholt; wie er an Spalatin am 14. Mai meldete, wollte er mit der Arbeit an der Postille warten, bis die Sendung aus Wittenberg da war (Enders 3, Nr. 435). Unter diesen gewünschten Büchern befand sich auch ein Exemplar der in Wittenberg bei Johann Grunenberg (Unsre Ausg. Bd. 7, 459) gedruckten lateinischen Enarrationes. Kein Wunder! Wollte er doch die begonnene Arbeit an der Postille — und das waren eben die Enarrationes — fortsetzen (s. o. S. XLII). Die lateinische Postille war am 10. Juni noch nicht da; Luther erbat statt dessen einstweilen exemplar brevioris postillae. Das kann, wie wir schon oben hervorhoben, nur etwas von den Enarrationes Verschiedenes sein. Aber was? Melanchthon schreibt am 6. Juli an Spalatin ein Begleitschreiben zu einer Sendung an Luther, in der sich befindet: postilla brevior, suis illius manibus conscripta. Die postilla brevior, die Luther auf der Wartburg gehabt hat, und die eine Quelle für seine neue Kirchenpostille gewesen ist, war also ein Originalmanuskript des Reformators. Was enthielt es inhaltlich? Eine Predigtsammlung über die Perikopen zweifellos; denn es wird ja als postilla bezeichnet. Nur eben in unausgeführter, abgekürzter Form (brevior). Aber wer war der Verfasser? Thiele (Unsre Ausg. Bd. 9, 318) stellte die Vermutung auf, Luther habe ebensowenig von seinen übrigen Predigten Aufzeichnungen gemacht wie von seinen Matthäuspredigten; dann also müßte es sich um eine fremde Predigtsammlung handeln, die Luther sich selbst abgeschrieben habe. Bossert (S. 280) fragt sofort: “Aber wo sollte er dazu Zeit gefunden haben?” Daß er irgendwie und irgendwann einmal die Zeit dazu gefunden haben könnte, wäre ja an sich schon möglich, aber die ganze Annahme ist doch nicht recht wahrscheinlich, und jedenfalls liegt es näher, an ein Originalmanuskript auch in dem Sinne zu denken, daß Luther der Autor war. Hier stellt nun Bossert die positive Vermutung auf, “daß die brevior postilla Predigten enthalten haben muß, von denen uns verschiedene kurze Rezensionen durch verschiedene Nachschreiber erhalten sind ... Predigten, welche meist 1519 und 1520 gehalten wurden und von verschiedenen Zuhörern (Melanchthon, Poliander) in kurzen Auszügen niedergeschrieben wurden.” Es sind die in Unsrer Ausg. Bd. 9, 314 ff. abgedruckten Predigten, deren ursprüngliche, von Luther selbst herrührende Aufzeichnungen also den Inhalt der postilla brevior ausgemacht haben würden. Das ist möglich, aber nicht so sicher, wie Bossert annimmt. Bossert hat sich die Mühe gegeben, Berührungen zwischen der Kirchenpostille und jenen Predigten aufzuweisen und betont selbst, daß es sich dabei nur “um einige Stichproben” handle; aber die Berührungen sind nicht derart, daß jene Predigten unbedingt Vorlage und Quelle für die Kirchenpostille gewesen sein müßten. Jeder Kenner der Lutherschen Predigtart weiß, [WA s. lxiii] daß er bei Predigten über denselben Text sich in Gedankengängen, Wendungen und Redeform häufig wiederholt. So können jene Berührungen sich erklären, ohne daß gerade jene Predigten die postilla brevior gewesen sein müßten. Es kann sich um Predigtaufzeichnungen handeln, von denen wir heute nichts mehr wissen. Enders (3, Nr. 441 Anm. 7) warf die Frage auf: “War es vielleicht eine Kollegienheft, da Luther vor seinem Weggang nach Worms über die Perikopen las?” Letzteres bewies Enders aus einem Briefe des Felix Ulscenius an Capito vom 13. Januar 1521: “Lutherus ille ... evangelia secundum tempora praelegere statim aggressurus est.” Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß dieser Plan nicht zur Ausführung kam, und zur Vorlesung wird sich Luther auch jedenfalls Aufzeichnungen gemacht haben, die er des Inhaltes wegen gut als postilla brevior bezeichnen konnte. Bossert freilich lehnt (S. 280) diese Vermutung ab. “Denn Luther setzt voraus, daß Spalatin von seiner brevior postilla samt dem Perikopenverzeichnis eine Abschrift besitze, die er auch auf der Reise nach und von Worms bei sich hatte, wahrscheinlich um daran eine Fundgrube für seine eigenen Predigten bei Hofe zu haben.” Von dieser “Wahrscheinlichkeit” steht nun im Texte rein gar nichts, aber auch die Voraussetzung Luthers ist eine andere. Es schreibt (Enders 3, 171): tu curabis, ut exemplar brevioris postillae habeam, si habes una cum indice epistolarum et evangeliorum. Das ist zu übersetzen: sorge, daß ich das (mein) Exemplar der kürzeren Postille bekomme, womöglich mit einem Perikopenverzeichnis. Also Luther setzt nur voraus, daß Spalatin ein Perikopenverzeichnis besitzt, das “si habes” gehört zum Folgenden allein und nicht auch zum Vorhergehenden. Kawerau (Martin Luther S. 454) hält denn auch an der Möglichkeit der Auffassung von Enders fest. Sie bleibt ansprechned, sicher ist sie nicht. Wir wissen nichts Näheres über die postilla brevior anzugeben und müssen uns damit begnügen, daß Luther eine solche als Quelle benutzte. Und zwar, wenn sie am 6. Juli aus Wittenberg abgeschickt wurde, etwa seit Mitte Juli (vgl. Enders 3, Nr. 445); vielleicht hat gerade ihre Ankunft seine Arbeitslust gesteigert (s. o. S. XLII f.). Das Perikopenverzeichnis hat er schon früher in Händen gehabt. (Subnotationem lectionum evangelicarum et epistolicarum, ut per orbem toto annuo singulis dominicis leguntur, iam ante transmisi Corp. Ref. I, 417: Melanchthon an Spalatin, vom 6. Juli.)

       Daß Luther die Enarrationes nachträglich auch bekommen hat, hören wir nicht ausdrücklich, aber es wird wohl angenommen werden dürfen. Sie sind auch sicher von Luther für seine Neubearbeitung der Adventspostille herangezogen (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 148) worden, so selbständig dieselbe im übrigen ist. Im Evangelium in der hohen Christmesse (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 215) weist er unmittelbar auf die Enarrationes zurück, die ja nach Luthers damaligem Plane in Übersetzung an die Spitze treten sollten. Ebenso im Evangelium am Sonntag nach dem Christtag (Bd. 10 1 I, 398) und der Epiphanienepistel (Bd. 101 I, 520).

       Eine griechische und hebräische Bibel hatte Luther von Anfang an zur Verfügung (s. S. XLI und Enders 3, 171 Z. 31). Ebenso ein Exemplar der Vulgata. Letzteres folgt aus der ersten Predigt über Tit. 2, 11 ff., in der der Vulgatatext neben dem griechischen Text erwähnt und das hebräische Äquivalent herangezogen wird [WA s. lxiv] (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 24 f., vgl. weiterhin S. 26,19, 31,18 f., 32,18f. 51,7, 53,2, 65,3, 88,14, 89,11, 97,4, 98,4, 153,14 f., 154,7 157,20, 213,10, 269,15, 436,16 ff., 442,2. Auch zu Röm. 12,7. 8 oder Phil. 4,5 zitiert Luther die Vulgata (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 1. 174), vgl. ferner Bd. X 1 II, 17 Anm. 2 –4, 18 Anm. 12, 78 Anm. 2, 80 Anm. 4, 90 Anm. 3, 107 Anm. 1, 113 Anm. 2, 155 Anm. 2, 193 Anm. 3. Mit Sicherheit ist dann aber z. B. das griechische Original zu Matth. 21,1 f. benutzt (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 49). Verschiedentlich bei Zitaten aus dem Alten Testament hat Luther den hebräischen Originaltext nachgeschlagen (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 174,2, 177,2 ff. 522,4, 546,20, 650,15; Bd. 10 1 II, 5,4 f. 15,32, 22 ff., 35,4, 61, 8 ff., 89,28, 90, 2; hier läßt sich feststellen, daß Luther einen unpunktierten Text vor sich hatte, S. 90, Anm. 4, 106 Anm. 5, 107 Anm. 2. 3, 200 Anm. 6). Die Septuaginta hingegen ist offenbar Luther nicht zur Hand gewesen; man könnte an zwei Stellen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 33, 11; Bd. 10 1 II, 90) daran denken, aber Luther wird im ersteren Falle diese bekannte Stelle aus dem Gedächtnis zitieren, sie war ihm durch die Bannandrohungsbulle noch besonders vertraut. Im zweiten Falle nennt Luther “die allten dolmatscher, die vortzeytten die Biblien ynn kriechisch sprach vorwandelt haben”, aber (vgl. a. a. O., Anm. 5) er dürfte sie aus Hieronymus kennen, den er an jener Stelle sicher benutzt hat. Wieviel im übrigen im einzelnen aus dem Gedächtnis zitiert ist, (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 19 Anm. 10, 20 Anm. 11, 123 Anm. 4), wieviel nach lateinischer, griechischer oder hebräischer Vorlage, läßt sich nicht immer mit Sicherheit angeben; wir haben an den betr. Stellen die Originaltexte angegeben, so daß der Leser selbst die persönliche Entscheidung finden kann, die in zahlreichen Fällen eben nur eine persönliche bleiben wird. Die Benutzung des Quincuplex Psalterium des Faber Stapulensis — auch seine Lesarten haben wir in den Anmerkungen berücksichtigt — ist möglich, aber nicht sicher. Zweifellos hingegen hat Luther die Glossa ordinaria benutzt, die er auch dreimal ausdrücklich nennt. Abgesehen von den vielen Fällen, in denen ihre Heranziehung möglich ist (vgl. die Anmerkungen) hat Luther sie in der Regel im Auge, wenn er sich mit anderen Interpreten auseinandersetzt: “hie meinen etliche” oder ähnlich (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 60 ff. 149, 168,18, 191,19, 195,1. 15, 221,1, 268,1, 275,8, 277,7, 394,3, 422,19, 443,3, 448,2, 559, 563,13, 575,1, 595,9, 602,17, 716,6, 719,5 u. ö.; Bd. 10 1 II, 59, 6. 17. 23 Anm. 3 u. ö.). Luther wird eine der bekannten Bibelausgaben zur Verfügung gehabt haben, in denen außer dem Vulgatatexte die Glossa ordinaria, die Glossa interlinearis und die Erläuterung des Nikolaus von Lyra gedruckt waren. Der letztere ist jedenfalls auch von Luther benutzt worden (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 277,16, 306,6, 573,5 ff., 598,9 u. ö.; Bd. 10 1 II, 55 Anm. 5, 188 Anm. 5, 189 Anm. 2, 195 Anm. 2 und 5, 196 Anm. 1 und 2, 197 Anm. 3, 202 Anm. 5 u. ö.), vermutlich auch die glossa interlinearis (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 573, 5 ff.; Bd. 10 1 II, 106 Anm. 3, 117 Anm. 3, 197 Anm. 1 u. ö.). Wiederum hängen damit zusammen die Interpretationes nominum Hebraicorum; denn sie pflegten den Bibeln beigedruckt zu werden. Luther erläutert die hebräischen Eigennamen in der Postille und hat sie, wie auch anderweitig, benutzt (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 420,12, 421,5. 19, 441,16, 551,16, 596,8, 597,21, 621,3. 4, 629,21; Bd. 10 1 II, 48,1, 152,30). Möglicherweise, obwohl hier kein sicheres [WA s. lxv] Urteil gefällt werden kann, auch Aleanders Lexicon Graeco-latinum (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 101 II, S. 12 Anm. 2, 126 Anm. 1, 128 Anm. 4, 166 Anm. 1 und 4).

       Zahlreich sind Hinweise auf die Patristik, aber es ist nicht immer möglich anzugeben, worauf Luther fußt, ob auf unmittelbarer oder mittelbarer Kenntnis, oder endlich auf gedächtnismäßiger Erinnerung. Wenn es Unsre Ausg. Bd. 101 I, S. 147 heißt, daß Augustin “an einem Ort” sagt, so ist das ein Zitat aus dem Gedächtnis. Ein andermal (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 195) war die von Luther angeführte Interpretation in der Glossa ordinaria zu finden; andererseits ist die Auseinandersetzung Luthers mit Augustin in der schwierigen Ausdeutung des johanneischen Prologs so eingehend, daß eine Benutzung der tractatus in Johannis evangelium des großen Afrikaners angenommen werden darf (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 196, 203, 210, 221). Um so mehr, als auch zu Joh. 21, 19 –24 (Evangelium am S. Johannestage) diese tractatus zitiert werden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 318). Dann wieder begegnet ein Zitat aus dem Enchiridion (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 278) — gedächtnismäßig? — oder Luther läßt sich durch Emser veranlassen, Augustin heranzuziehen (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 589). Zur Epistel am 2. Adventssonntag über Röm. 15, 4 –13 wird “Sanct Augustin Gal. 6” angeführt (Unsre Ausg. Bd. 101 II, 69), aber hier dürfte Luther aus dem Gedächtnis zitieren; von seiner Auslegung des Galaterbriefes her war ihm Augustin vertraut, und gerade unsre Stelle wird schon in der Auslegung des Galaterbriefes von 1519 zitiert. (Unsre Ausg. Bd. 2, 602, 29f.). Entsprechend wird es sich mit der Anspielung an den Galaterkommentar des Hieronymus verhalten (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 514, 15), denn auch er wird schon in der Auslegung des Galaterbriefes von 1519 zitiert (Unsre Ausg. Bd. 2, 561, 21 f.). Hingegen ist man geneigt, die Berufung auf die Jesaiasauslegung des Hieronymus (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 91) auf Einsichtnahme in dieselbe zurückzuführen, so gewiß dann wieder die ganz allgemeine Berufung auf Hieronymus in der Epistel am 3. Adventssonntag (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 144) gedächtnismäßig ist. Das Zitat aus Gregor dem Großen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 589) geht auf Emser zurück. Darf man an die Patristik Josephus angliedern, so wird die Berufung auf ihn (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 98) gedächtnismäßig sein.

       Stellen wir an die Spitze der mittelalterlichen Quellen die Sammlung der vitae patrum, so hat Luther in der Postille wiederholt zur Illustration in moralischer Abzweckung die Mönchslegende verwertet (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 31, 431, 617, 650; Bd. 10 1 II, 142). Er erzählt die betreffenden Geschichten in der Regel sehr eingehend, aber das liegt in der Natur der Dinge, und da diese Anekdoten sich leicht einprägen, ist gedächtnismäßiges Zitieren ebensogut möglich, wie Benutzung des Originals. In der Epistel am S. Johannistage (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 301) taucht Tauler auf; an anderer Stelle (Luther und die Kirchengeschichte 1900, S. 269 f.) habe ich gezeigt, daß Luther hier nach dem Gedächtnisse zitieren wird. Anders jedoch steht die Sache bei dem zweiten Zitat aus Tauler in der Postille. Es findet sich innerhalb der Auslegung des Evangeliums zum zweiten Adventssonntage (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 105). Diese Predigt ist nicht vor Weihnachten 1521, vermutlich im Januar 1522 verfaßt. Inzwischen aber hat Luther um die Zusendung der Taulerschen Predigten gebeten. Es geht das hervor aus dem Briefe Melanchthons an Spalatin (Corp. Ref. 1 Nr. 127), dessen Datierung auf Mitte Dezember [WA s. lxvi] von mir (a. a. O. S. 273) gesichert wurde. Hier heißt es nämlich: Commodum occurrit Christianus, cui possem codices, quos volebat noster Helias, commendare. Taulerus est et Catharinus a nescio quibus versus. Es handelt sich um die August 1521 in Basel bei Adam Petri erschienene Ausgabe der Predigten Taulers, auf die Luthers vermutlich in Wittenberg bei seinem heimlichen Besuche aufmerksam wurde (vgl. meine Ausführungen a. a. O. S. 274 f.). Den Niederschlag seiner Lektüre bedeutet jene, sehr allgemein gehaltene Stelle in der Adventspredigt, nicht minder vermutlich der stark mystische Einschlag in den weiteren Predigten (s. meine Bemerkungen a. a. O. S. 275). Anspielungen an die Scholastik, den Lombarden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 353, wo er unmittelbar gennant wird, wozu aber die Auslegung des Galaterbriefes von 1519, Unsre Ausg. Bd. 2, 534,21, heranzuziehen ist als Beweis, daß Luther nur ihm Bekanntes wiederholte), Occam (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 468), Thomas von Aquino (unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 497, wo er namentlich genannt wird, 508) und ganz allgemeine Wendungen begegnen, sind aber nicht derart, daß man eine unmittelbare Benutzung annehmen müßte. Gerson wird nur in der Adventspredigten, im ganzen zweimal, zitiert (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 19, 103), aber sehr allgemein, so daß Luther wohl aus der Erinnerung an frühere Lektüre schöpft. Gedächtnismäßig, nicht unmittelbar aus der legenda aurea geschöpft, dürften die zahlreichen Beispiele aus der Legende sich erklären (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 608. 706. 716. u. ö.). Hingegen kann man fragen, ob er nicht die bekannte und ihm vertraute Enzyklopädie der Margarita philosophica eingesehen hat? Die Zahlenspielerei der Arithmetici (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 428) könnte von dort stammen, oder die Notiz über die Planeten (ebenda S. 607) und Fixsterne (S. 608), vielleicht auch einiges aus den geographischen Notizen (ebenda S. 545, 551, vgl. 563), und bei den sehr detaillierten Angaben Luthers über die Lage und Einteilung Arabiens und bei seiner Auffassung der Magie (559, 562, 567f.) möchte man vermuten, daß Luther das Werk vor sich hatte, aber sicher ist es nicht. Ebensowenig die Einsichtnahme in Reuchlins Rudimenta hebraica, an die man mitunter (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 293, 546, 620, 621) erinnert wird, zumal dann, wenn Luther von den interpretationes nominum Hebraicorum abweicht, aber man darf das hebräische Eigenwissen Luthers nicht übersehen. Zweifellos gedächtnismäßig sind die Zitate aus der Antike, die ja sämtlich sprichwörtlicher Art sind (vgl. 101 I, 187 Seneka, 315 Herodot, 314 Ovid und Horaz, 327 Aristoteles, Bd. 101 II, 178 Terenz), z. T. vielleicht aus Erasmus' Adagien Luther einmal bekannt geworden sind.

       Daß die Postille zum Zeitspiegel wird, kann niemand befremden, der Luthers exegetische Art einigermaßen kennt. Bei aller wissenschaftlichen Exaktheit zielte sie doch stets auf die praktische Erbauung (im besten Wortsinne) und Erhebung aus den Nöten der Gegenwart ab. Und seine Postille sollte doch bewußt ein Volksbuch werden! In einer wunderbaren Weise flicht nun Luther Zeitereignisse in die Bibelauslegung hinein, niemals um ihrer selbst willen, stets zur Illustration religiös-ethischer Wahrheiten, also unter große Gesichtspunkte gerückt. Am prächtigsten glückt ihm das mit den Begenbenheiten aus seinem eigenen Leben. Hier verbindet sich der objektive Tatbestand mit der subjektiven Anwendung zu allerpersönlichster und dann doch wieder gemeinverständlicher Anschaulichkeit. Nur ein paar Beispiele seien herausgehoben. Sicher zittert durch die Postille hindurch Luthers Streit mit Emser (vgl. Unsre Ausg. 10 1 I, 197 f. 572. 589) oder seine Verdammung durch [WA s. lxvii] die Pariser theologische Fakultät (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 24. 30), nicht minder das Erlebnis des Wormser Reichstages und seine Bannung (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 657, Bd. 10 1 II, 51. 130. 200), dann die Ereignisse in Wittenberg, wie sie durch seine Abwesenheit hervorgerufen wurden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 690 ff.; Bd. 10 1 II, 66. 176 u. ö., vgl. auch oben die Ausführungen über die Entstehungszeit der Predigten). Auch Alveld spielt hinein (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 132) und die Bulle Coenae domini, die Luther unter die hier Verketzerten aufgenommen hatte (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 135), vielleicht sogar der Aufenthalt in Frankfurt a. M. auf der Hinreise nach Worms (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 199) oder auch Reminiszenz an die Romreise von vor 11 Jahren (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 131). Ergreifend ist das der treuen Fürsorge Friedrichs des Weisen gesetzte Denkmal (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 717, 9 ff.). Ein Nachtlang aus Luthers Lektüre auf der Wartburg oder kurz vorher findet sich Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 138 (Murner oder Karsthans), 192 (Ulrich Velenus), unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 443 (Buch von der Kindheit Christi), und auch die Zitate oder Anspielungen aus dem Brevier sind hier einzustellen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 7, 91; Bd. 10 1 I, 67). Sehr ergiebig ist die Postille für das Thema: Luther und die Kunst. G. Boffert hat dem Vorwurf: “Die Maler in Luthers Wartburgpostille” einen kleinen Aufsatz gewidmet (Christliches Kunstblatt Bd. 39 Nr. 7). Es handelt sich um die Stellen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 91. 95; Bd. 10 1 I, 36. 568 u. a. z. B. Bd. 10 1 II, 39. Und damit wieder hängt zusammen die künstlerische Gestaltungskraft überhaupt von Beobachtungen, die Luther machte. Entzückend ist ein Frühmorgen auf der Wartburg in die Interpretation der Römerbriefstelle: “Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeikommen” verwoben (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 8), oder die ihre Küchlein um sich sammelnde Glucke verwertet (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 283); auch der beobachtete Sternschnuppenfall ist herangezogen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 100 f. Vgl. auch Bd. 101 I, 233, 11 ff. oder die Erzählung von der heiligen Elisabeth Bd. 10 1 I, 257 vgl. 615, 17). — Es ist unmöglich, alles erschöpfend hier anzuführen, entscheidend ist der sich offenbarende imponierende Geistesreichtum Luthers, wie er in der Postille zutage tritt. Gedenkt er doch sogar der Entdeckung Amerikas! (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 21, 14 ff). Die einzelnen Quellen tun es nicht, sie sind ja gar nicht einmal alle sicher, der Reichtum an Gedanken, Gesichtspunkten, Gestaltungen, ganz einerlei, woher die Anregungen kommen mögen, überwältigt; im letzten Grunde schafft das doch Luther alles selbst neu. Vielleicht hat die durch die Wartburgeinsamkeit erzwungene Konzentration des Geistes die Wartburgpostille zu einer besonders herrlichen Frucht heranreifen lassen. Kein Wunder, daß ihre Wirkung groß war!

 

 

Die Wirkung der Wartburgpostille.

Sie ruht auf ihrem Werte. Außer dem schon erwähnten künstlerischen Zug, der lebendigen Frische formaler Gestaltung ist hier insbesondere des religiös-theologischen Gehaltes zu gedenken, um den sich Form wie Inhalt sammeln. Die Wartburgpostille ist da ungemein reich, aber für die sogenannte “Theologie Luthers” noch bei weitem nicht ausgeschöpft, ihren Wert hat recht eigentlich erst K. Holl in seinem Luther (2. Auflage 1923) herauszustellen sich bemüht. Holl wies dann weiter in einem Sonderaufsatz (Die Geschichte des Wortes Beruf, Sitzungsberichte [WA s. lxviii] der Berliner Akademie der Wissenschaften 1924) darauf hin, daß erstmalig in der Kirchenpostille (Unsre Ausg. Bd. 101I, 306, 18 ff.) Luther die Bedeutung “Beruf” = Stand gewinnt. Luther selbst hat über sein Werk verschieden geurteilt. In seiner großen Schrift: “daß diese Wort Christi ‘das ist mein leib’ noch fest stehen”, nennt er “die Postillen mein aller bestes buch, das ich yhe gemacht habe, wilche auch die Papisten gerne haben” (Unsre Ausg. Bd. 23, 278, 13 f.), wobei man natürlich in Rechnung stellen muß, daß sich das Urteil auf die ganze Postille bezieht, nicht auf den sogen. Winterteil allein, wenn auch sicherlich nicht zuletzt auf diesen. Aber in den Tischreden, aus der ersten Hälfte der dreißiger Jahre, heißt es (Unsre Ausg. Tischreden 1, 488): “Occasio facit praedicatorem, nam ex contionibus meis postillaribus ne unum quidem sermonem colligo, ut eodem modo praedicarem. Ich kan mich nicht mit worten binden lassen ... Si iunior essem, multa resecarem in postilla, nam immodice fui copiosus.” Das dürfte wohl speziell auf die Winterpostille angewandt werden, da ja gerade bei ihr es sich von vornherein nicht um “Predigten” handelte, sondern um erbauliche Auslegung, bei der Luther wirklich stellenweise “uber die Maße und zu viel Wort gebraucht” hatte. Wie er das ja selbst am Schluß des Weihnachtsteiles sagt (Unsre Ausg. Bd. 101I, 728), wenn er von seinem “geschwätz” redet und Bucer das richtig mit verbositas übersetzt. An Nikolaus Gerbel schrieb Luther am 27. November, wahrscheinlich 1535: “De Postilla tu honorificentius sentis, quam ego. Extinctum enim vellem totum eum librum” (Enders 11, 127, 19 ff.). Ein Glück, daß diese Vernichtung nicht erfolgte!

       Einige Momente aus dem überreichen religiös-theologischen Gehalte der Winterpostille seien herausgehoben: in reiner Klarheit tritt Luthers Glaubensbegriff oder besser Glaubenserleben heraus. Anknüpfend an die geschichtliche Offenbarung in Christus, die niemals ausgeschaltet wird, nimmt er sie so vollkommen in den Glaubenden ganz persönlich auf, daß sie ohne diese ganz individuelle Beziehung wertlos wird. “Was hulffs mich, das er tausent mal geporn were und myr das teglich wurd gesungen aufs lieblichst, wenn ich nit horen sollt, das myr dasselb gellte und meyn eygen seyn sollt?!” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 79). “Es ligt deyne selickeyt nicht daran, das du glewbist, Christus sey den frummen eyn Christus, ßondern das er dyr ein Christus und deyn sey” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 25 vgl. 170). Man achte ferner auf die Darlegung über die Rechtfertigung (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 35 f.). Dann wieder liefert die Postille wertvollstes Material zu Luthers Eschatologie (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 95 ff.), zur Lehre von der Buße (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 113), zu seiner Beurteilung der Juden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 115), zu seiner Anschauung vom Leben der Seele nach dem Tode (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 118), oder zu dem Probleme: Gesetz und Evangelium (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 156 ff.). Für die Ethik sind bedeutsam die Ausführungen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 168 f., 187, Bd. 101I, 108, feine Worte über das Gebet findet Luther Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 183 f., über die Gottheit Christi Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 143 ff., 181 ff., den ordo salutis Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 329 usw. Kurz, es ist eher zu bescheiden, als zu stolz geurteilt und darf ohne weiteres auf die Adventspredigten mitbezogen werden, was Luther am Schluß des ersten (Weihnachts-) teiles sagt (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728): “wiewol ich hoff, es sey ynn dißen tzwelffen Epistolln und Euangelien eyn Christlich leben ßo reychlich furgepildet, das eynem Christenmenschen ubrig gnug gesagt sey, was yhm tzur selickeyt nott ist.”

       [WA s. lxix] Am 5. August 1522 schrieb der Stadtarzt Johannes Adelphi in Schaffhausen an Vadian (Vadianische Briefsammlung Nr. 321): “Heute sah ich Lutherum in evangelia et epistolas, ein ausgezeichnetes Werk, gedruckt in Basel”; und er hob besonders den soeben von uns zitierten Schluß heraus, daß Luther nach seiner Aussage in dem Buche alles geschrieben habe, was dem Christenmenschen not sei zur Seligkelt. “Cura ut habeas! Est lingua Germanica scriptum, sicut et multa alia eiusdem, mihi auro et gemmis chariora” (vgl. auch Zwingliana 1923 S. 140). Das kann sich nur auf den Druck Adam Petris beziehen, den unsere Bibliographie S. XIII sub a [P*] verzeichnet, der als Adventspostille eine Übersetzung der Enarrationes von 1521 bot, im übrigen die Weihnachtspostille erstmalig nachdruckte. Wir haben hier die erste Wirkung der Postille auf die Schweiz vor uns, und wohl eine der frühesten Wirkungen überhaupt. Sie ist dort lebendig geblieben und hat insbesondere auch Zwingli beschäftigt. Das Zwingli-Museum in Zürich besitzt ein Exemplar des Petrischen Druckes mit zahlreichen, sachlich nicht wertvollen Randglossen. Man hielt es für ein Stück aus Zwinglis Bibliothek. Das dürfte unrichtig sein (vgl. meine Schrift: Huldrych Zwinglis Bibliothek 1921 S. *25 Nr. 201), aber daß Zwingli die Postille kannte und benutzte, steht auch anderweitig fest. Zum ersten Male in seinen Gesichtskreis rückte sie Johannes Dekolampad am 21. Januar 1523, wenn er dem Freunde nach Zürich schrieb: Μ τν λήθειαν, καδημαι εσ το διαβόλου πορνεα, ς ατς φα” (Krit. Zwingli-Ausgabe Bd. 8 Nr. 271) — nämlich in der Postille (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 470), die auch Oekolampad nach der Petrischen Ausgabe kannte. Dann wurde infolge des Abendmahlsstreites die Postille unmittelbar für Zwingli bedeutsam. Bucer machte am 30. April 1528 Zwingli für seine Antwort an Luther aufmerksam auf dessen Auslegung der Epistel am Christtag: “Ut Luthero respondeas, .. forte conducet tibi, quod de discrimine duarum in Christo naturarum ille scripsit in postilla sua in epistolam suspremi sacri diei natalis Christiani. Lectio ea sumpta est ex epistola ad Hebraeos in illud: Per filium suum” (vgl. Unsre Ausg. Bd. 101I, 147 f.; Krit. Zwingli-Ausgabe Bd. 9 Nr. 613, wo aber der Brief irrtümlich in das Jahr 1527 versetzt wurde, was H. Eells in der Revue belge de philologie et d'histoire 1922 korrigierte). Wirklich hat dann Zwingli in der Antwort auf Luthers Bekenntnis vom Abendmahl sich mit Luthers Postille auseinandergesetzt. “Luther redt in siner postill über die epistel am christtag in der höhen meß über die wort ‘durch sinen sun’ also” etc. (Schuler-Schultheß: opera Zwinglii II 2 S. 157; eine Bezugnahme auf die “postill sunntags septuagesimae über die epistel”, die für unsere Postille aber nicht in betracht kommt, schon ebenda II 2 S. 85).

       In der angeblichen Handbibel Luthers, die Hans Volz ihm endgültig abgesprochen hat, deren wirklichen Besitzer wir nicht kennen, findet sich unter den Lutherzitaten, die jener Unbekannte zu notieren für wertvoll hielt, auch ein solches aus der Weihnachtspostille: “Quibus locis Christus praedicavit: vide Lutherum die Stephani in Epistola iiijy” (vgl. Archiv für Reformationsgeschichte Unsre Ausg. Bd. 21, 168). Gemeint ist die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101I, 254, und die Bogensignatur des Originaldruckes Y 4 ist ganz richtig angegeben. Die Stelle über die Bekehrung der Juden Unsre Ausg. Bd. 101I, 289 hat in den Pietistenstreitigkeiten ihre Rolle gespielt. Z. B. haben die Gießener Pietisten sie gegen die Orthodoxie ausgespielt (vgl. meine Schrift: die Anfänge des Pietismus in Gießen 1907). [WA s. lxx]

 

Auch im Pietistenstreite hat dann die Epistel vom Stephanstage ihre Bedeutung gehabt. In der Flugschrift: “Anzeige gewissenhafter Beherzigung des Gießischen Sendschreibens wider der Christen freye und erbauliche Zusammenkünsten 1690 heißt es Bl. A. 3: “Hierauf läßt man antworten den S. Lutherum in der Auslegung über die Lektion am S. Stephanstag: Weilen S. Stephan da nicht zu predigen, welches Amt die Apostel ihnen vorbehalten, sondern zu Haushalten gesetzet war.” Gemeint sind die Worte Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 262. Oder die Flugschrift: Confirmatio das ist: Wiederholte Bekräftigung der πικρήσεως oder Gegen-Judicium von den collegiis pietatis entgegengesetzt den Anmerkungen M. Joh. Heinr. Roßlers, eines Metropolitani und Pfarrers zu Schotten. Durch D. S. Sylphonium 1690 Bl. B. j sagt: “Heist hier auftreten soviel als auf die Canzel steigen und eines daher schwätzen von Dietrich von Bern oder was ihm geträumet hat, wie Lutherus redet in seiner Kirchen-Postill.” Gemeint ist die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101 I, 264. Gegen Luthers scharfe Polemik wider den “Narrn” oder “Buben”, der das Wunderbuch, “von der Kindheit Christi” erdichtete (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 443 f.) hat noch 1574 der Katholik Martin Eisengrein Einspruch erhoben. Vgl. L. Pfleger, M. Eisengrein 1908, S. 110. Die Täufer, wie Joh. Campanus und Bernt Rothmann waren mit Luthers Christologie (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 195) nicht zufrieden. Vgl. K. Rembert: Die Wiedertäufer in Jülich 1899 S. 250. Auch Kaspar Schwenckfeld zieht nicht ohne Grund gerade “Luther über das Euangelium in Nat[ivitate] das leben war ein liecht der Menschen” (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 202 ff.) heran Vergl. Corpus Schwenckfeldianorum Bd. 2, S. 677. Wiederum zieht Sebastian Franck in seiner “Chronica, Zeytbuch und Geschichtbibel” diese Predigt, speziell ihren Glaubensbegriff, den er ausdeutet, heran. Vgl. E. Teufel: Luther und Luthertum im Urteil Sebastian Francks (Festgabe, K. Müller dargebracht 1922, S. 137). Es handelt sich, was Teufel nicht angibt, um die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101 I, 224. Man wird geradezu von einer “täuferischen” Tradition sprechen dürfen, die an diese Postillenpredigt ansetzte. Auf Andreas Osiander hat möglicherweise die Predigt zur Epistel des ersten Advents mit ihren Ausführungen über die Gerechtigkeit Gottes (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 1 ff.) gewirkt. Vgl. E. Hirsch: Die Theologie des A. Osiander 1919, S. 70. O. Clemen wies in Zeitschrift für Kirchengeschichte Bd. 37, S. 442 darauf hin, daß “die Evangelien samt den Episteln durch das ganze Jahr” —das ist die Kirchenpostille, vor 1586 handschriftlich in lettischer Sprache in der Kirche zu Heiligenau existierten. Auf Wirkungen der Wartburgpostille auf Melanchthon, Eberlin von Günzburg und Johann Sonnentaller, sowie Sebastian Lotzer und Andreas Keller machte Bossert (Theol. Stud. und Kritiken 1897, S. 374 ff.) aufmerksam. — Das alles sind zufällig gefundene und zusammengeraffte Zeugnisse der Wirkung von Luthers Postille, speziell des Winterteiles. Sie sind sicherlich zu vermehren und werden die Wirkung steigern. (Einiges z. B. bei Walch 11, 24 ff.) Die Luthersche Postille hat die mittelalterlichen Plenarien verdrängt. Es ist sicherlich kein Zufall, daß “bis jetzt kein Plenar nachgewiesen ist, das jünger als 1521 wäre” (Drews in Prot. Realenzyklopädie 3. Aufl. 15, S. 486) — 1521 ist das Jahr des Beginnes von Luthers Postillenarbeit!

       Luther selbst hat die Wirkung seiner Postille gewünscht. Sie sollte geradezu normativ und autoritativ werden gegenüber Schwarmgeistertum und Subjektivismus. [WA s. lxxi]

 

Nach den üblen Erfahrungen des Bauernkrieges, also auch als ein Zeichen der Reaktion in Luthers Stellung zur Umwelt, schreibt er in der “Deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes” (Unsre Ausg. Bd. 19, 95): “Und mich dunckt, wo man die deudsche postillen gar hette durchs jar, es were das beste, das man verordente, die postillen des tages gantz odder eyn stücke aus dem buch dem volck furzulesen, nicht alleyne umb der prediger willen, die es nicht besser kunden, sondern auch umb der schwermer und secten willen zu verhüeten, wie man sihet und spuret an den Homilien ynn der metten, das etwa eben auch solche weyse gewesen ist. Sonst, wo nicht geystlicher verstand und der geyst selbst redet durch die prediger (wilchem ich nicht wil hiemit zil setzen; der geyst leret wol bas reden denn alle postillen und Homilien), so kompts doch endlich dahyn, das eyn iglicher predigen wird, was er wil, und an stat des Euangelii und seyner auslegung widderumb von blaw endten gepredigt wird.” Ist hier schon deutlich gesagt — vgl. die Worte: wilchem ich nicht wil hiemit zil setzen —, daß die Postille keineswegs die selbständig erarbeitete Predigt des Pfarrers ersetzen soll, so hat Luther 1542 in der Vorrede zu Spangenbergs Postille (Erl. Ausg. 63, 371) ausdrücklich betont: “Aber gleichwol sind wiederumb etliche faule Pfarrherr und Prediger auch nicht gut, die sich auf solch (Postillen) und ander mehr gute Bücher verlassen, daß sie eine Predigt draus können nehmen, beten nicht, studieren nicht, lesen nicht, trachten nichts in der Schrift, gerade als müßte man die Biblia darumb nicht lesen. Brauchen solcher Bücher, wie die Formular und Kalender, ihre jährliche Nahrung zu verdienen, und sind nichts dann Psittig oder Dolen, die unverständlich nachreden lernen, so doch unser und solcher Theologen Meinung diese ist sie damit in die Schrift zu weisen und zu vermahnen, daß sie denken sollen, auch selbst unsern christlichen Glauben nach unserm Tode zu verteidigen wider den Teufel, Welt und Fleisch.” Also ein scharfes Borbauen gegen jeden Mißbrauch!

       Es war auch ein Stück Wirkung der Postille, daß der Drucker Johannes Herwagen in Straßburg von Martin Bucer eine Übersetzung erbat. Luther stimmte dem zu und hatte keinerlei Argwohn. “Rogatu Iohannis Hervagii typographi et hortatu M. Lutheri theologi” bzw. “iussu et hortatu Lutheri” sagte Bucer (vergl. mein Buch: Zwingli und Luther, ihr Streit um das Abendmahl 1, 1924, S. 370 Anm. 1), und daran zu zweifeln, hat man keine Ursache. Der erste Band der Übersetzung, der die Adventspostille behandelte, trug am Schluß den Druckvermerk: primo Februarii an. M. D. XXV; so wird Bucer 1524 den Auftrag erhalten und das Werk begonnen haben. Der zweite und dritte Band, die Weihnachtspostille bringend, kam im März 1525 bzw. März 1926 heraus. Vgl. die Bibliographie. Diese drei ersten Bände erregten keinerlei Anstoß; erst der vierte Band brachte den bekannten Konflikt mit Luther (s. mein Buch a. a. O. S. 370 ff.). Die Vorrede des ersten Bandes bestimmte das Werk evangelio initiatis fratribus dispersis per Gallias; es sollte die Keime des Evangeliums hier zur Reife bringen helfen: “audimus enim passim excitari per Gallias, qui Christum et luculenter et fortiter annuncient”; speziell war an Lambert von Avignon gedacht, und Bucer wollte seine Postillenübersetzung den lateinischen reformatorischen Bibelkommentaren, teils Originale, teils übersetzungen, beigefügt sehen, die der Evangeliumsverkündigung in Frankreich dienten. Er nannte Luthers Werk “opus frugis incomparabilis, quibuscungue divina scriptura nondum familiarior facta est” und karakterisierte [WA s. lxxii] gut: “quid lex, guid evangelion, quid gratia, quid ira dei, quid peccatum, quid fides, qui peccati et fidei fructus, id est: veram ac solidam theologiam nemo unquam, cuius quidem commentarii extent, tradidit felicius et explicuit planius.” Über die Art seiner Übersetzung sagte Bucer nichts; es war nicht nötig, denn er übersetzte schlecht und recht ohne Hintergedanken. Man wird bei der Übersetzung der Advents- und Weihnachtspostille von einer “Tendenz” im schlimmen Wortsinne nicht sprechen können, so gewiß verschiedentlich Auslassungen und Zusätze nicht Zufall, sondern Absicht sind. Im allgemeinen bietet Bucer eine gute Übersetzung, die an den nicht ohne weiteres verständlichen Stellen des Lutherschen Wortlautes geradezu einen Kommentar bedeutet (um deswillen haben wir ihn auch so reichlich zu Worte kommen lassen). Daß Bucer die ganze Widmung an den Grafen von Mans̄feld fortläßt, ist begreiflich; sie war sehr persönlich gehalten und hatte für einen weiteren Leserkreis keinen Zweck. Gern verdeutlicht der Übersetzer (z. B. Unsre Ausg. B. 10 1 I 21,10, 23,8, 41,9, 172,2, 173,9, 206,14, 294,10, 301, 14,306, 16, 313,3, 315,19, 332,3; Bd. 10 1 II, 35,5, 44, 24 f., 45,10, 71,16 u. ö.) oder erläutert (z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 338,10, 356,14, 373,6, 375,22, 377,9 f., 381,14, 383,1, 388,6, 402,11, 433,8, 488,1, 546, 7.25, 693,4, 701,18; Bd. 10 1 II, 112 Anm. 1, 115 Anm. 6, 133 Anm. 6. 7, 136 Anm. 1 u. ö). Er hat auch den Druckfehler Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 40, 26 im Original gemerkt und verbessert. Dann wieder läßt er aus und übersetzt nicht Alles (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 40, 1, 144 Anm. 1, 293 Anm. 2, 492, 15 ff., 349 Anm. 3; Bd. 10 1 II, 17 Anm. 5 u. ö). Ist man mitunter (z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I,55,10, 208,2) geneigt, an Flüchtigkeit zu denken, so fehlt die Absichtlichkeit nicht. Z. B. wenn Luther schreibt Bd. 10 1 I, 10,21: “Zum anderen, das du nit auß Christo eynen Mosen machist, alß thu er nit mehr denn leer und gebe exempel wie die andern heyligen thun”, so läßt — man möchte sagen: der reformierte — Bucer die Worte “wie die andern heyligen thun” aus. Genau dasselbe wiederholt sich Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 73, 24. Damit wird zusammenhängen, daß Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 132, 1 ff. Petrus und Paulus ausgelassen sind, oder Bd. 10 1 I, 30, 13 dem Jakobus das “s. [anctus]” nicht mehr zugebilligt wird. Die eschatologische Pointierung Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 673, 1 ff. ist natürlich auch nicht zufällig fortgeblieben; vgl. auch Bd. 10 1 II, 107, 20 die feine Umbiegung der bestimmten eschatologischen Erwartung Luthers. Mitunter ergänzt und erweitert er sein Vorbild, nicht ganz ohne schulmeisterlichen Beigeschmack. Z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 141 Anm. 6, wo er seine Gelehrsamkeit bekunden will durch Heranziehung von Augustin, S. 645, 14 f., wo er sich in eigener Deutung versucht, Bd. 10 1 II, 100 Anm. 1, wo er die Verwerfung des Aristoteles noch durch einige Zusätze steigert, S. 205 Anm. 1, wo er Luther korrigiert, S. 206 Anm. 1, wo er zu dem von Luther erwähnten Johannes Hus noch den Hieronymus von Prag setzt. In der Epistel am Christtag Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 148 Anm. 1 verweist er auf das Evangelium zum 4. Advent, bei welchem Luther (Bd. 10 1 II, 189 ff.) das gleiche Problem behandelte. Sein eigenes Urteil bricht Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 501 Anm. 1 in der Übersetzung: optimo iure durch. Alles in allem: diese kurze Charakterisierung zeigt, daß Bucer ein guter Übersetzer gewesen ist, der mit Überlegung arbeitete.

       Besondere Beachtung verdient die Frage nach der Wirkung von Luthers Postille auf die nachfolgende Postillenliteratur überhaupt. Sie würde eine [WA s. lxxiii] eingehende Untersuchung erfordern, die hier nicht geboten werden kann. Daß Luther hier die Bahn brach und als großer Anreger wirkte, leidet keinen Zweifel; an die Spitze seiner Schüler wird hier Melanchthon gestellt werden müssen, dessen Postille auf Sonntagsvorträge von 1522 zurückgeht (vgl. G. Buchwald: Zur Postilla Melanthoniana, Archiv für Reformationsgeschichte Bd. 21 Doppelheft 1/2, 1924). Daß die Wartburgpostille dann die Postille des Antonius Corvinus stark beeinflußte, habe ich in besonderem Aufsatze (Theologische Studien und Kritiken Bd. 75, 1902) gezeigt. Ungeklärtes Gebiet ist noch die Anregung, die die Postille der Kunst der Reformationszeit gab. Einige der Ausgaben (vgl. die Bibliographie) sind mit “schönen Figuren” geziert, die an die Holzschnitte der Bibelausgaben erinnern, aber sie harren noch der endgültigen wissenschaftlichen Durchmusterung. Angeschnitten ist das Problem von H. Zimmermann: Beiträge zur Bibelillustration des 16. Jahrhunderts 1924 (Studien zur deutschen Kunstgeschichte Nr. 226) S. 17 f. und 118.

       Eine weitere Frage wäre die nach dem Verhältnis der Wartburgpostille zu Luthers Bibelübersetzung. Die Arbeit an der Übertragung des Neuen Testamentes und an den Adventspredigten ging ja nebeneinander her, während die Weihnachtspostille vorher fertig wurde. (Die erste Nachricht von Luthers Plan der Bibelübersetzung taucht bekanntlich im Briefe an Johannes Lang vom 18. Dezember 1521 auf. Enders 3 Nr. 472.). Selbstverständlich finden sich nun zahlreiche Berührungen zwischen den beiderseitigen Übersetzungen, aber ebenso viele Unterschiede, so daß man urteilen muß: es handelt sich jeweilig um eine selbständige Arbeit, und die Berührungen sind nicht Herübernahmen, sondern erklären sich aus dem gemeinsamen Rückgriff auf den griechischen Urtext (ähnlich Kostlin-Kawerau: M. Lth. 5. Aufl. 1903, S. 462), Lu, Lo und Lo haben ein Empfinden dafür besessen, wenn sie teils durchgängig, teils stellenweise (s. die Lesarten) die alte Übertragung herausbrachen aus der Postille und der Text aus Luthers Bibelübersetzung einfügten. Ob Luthers Verdeutschung in der Bibelübersetzung gegenüber der Übersetzung der Postillenstücke einen Fortschritt in der Verdeutschungsfähigkeit bedeutete? Die Frage dürfte zu bejahen sein, doch wäre eine germanistische Einzeluntersuchung vorzunehmen, die nicht Aufgabe dieser Einleitung sein kann. Luther ist sichtlich unter der fortlaufenden Arbeit am Neuen Testament freier geworden, während die Beschäftigung mit den Perikopen naturgemäß eine Vereinzelung und engere Bindung an das Original mit sich brachte. Man lese nur die Auslegung in der Postille, um zu sehen, wie Luther um den Ausdruck ringt. Ob die älteren deutschen Bibeln oder mittelalterlichen Plenarien den Text der Kirchenpostille beeinflußt haben, wage ich nicht zu entscheiden. Unmaßgeblich möchte ich es verneinen; Luther war auf der Wartburg und hatte nur eine beschränkte Bibliothek zur Verfügung, und er, der sonst immer recht deutlich in die Quellen seiner Postillenarbeit hineinschauen läßt, hätte doch wohl eine Andeutung einer derartigen Vorlage hinterlassen; sicher ist (vgl. Enders 3 Nr. 472), daß Luther die Matthäusübersetzung von Johannes Lang 1521 nicht benutzte. Immerhin könnte allenfalls die postilla brevior (s.o. S. LXII) ein Plenar sein. Und daß Luthers Postille ihrer ganzen Idee und Anlage (zuerst Worterklärung, dann praktische Abzweckung, Einstreuung von Erzählungen u. dgl.) nach bei den Plenarien anknüpft, kann nicht bestritten werden. Seine Postille ist ein “reformatorisches Plenar” (vgl. J. Alzog: Die deutschen Plenarien im 15. und zu Anfang des 16. Ih.s im Freiburger Diözesan-Archiv Bd. 8, 1874 [WA s. lxxiv] S. 258 ff.). Im einzelnen ergeben sich auch allerlei bewußte oder unbewußte Auseinandersetzungen mit den mittelalterlichen Vorgängern. Wenn z. B. (Alzog S. 273 ff.) in einem solchen Plenar die vier Evangelisten einzeln geschildert wurden, so gewinnt Luthers Auftakt im “klein Unterricht”, daß es nur ein Evangelium gebe (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 8 f.) eine wirkungsvolle Gegensätzlichkeit. Ebenso was Luther sonst von Gewohnheiten und Gebräuchen erzählt bei den Gottesdiensten, Lektionen und dgl. Immerhin zwingt das nicht zur Annahme einer literarischen Vorlage für die Wartburgpostille. Die von Alzog gebotenen Textproben (a. a. O. S. 284 ff.) machen vielmehr die Benutzung eines solchen Plenars durch Luther unwahrscheinlich. Aber die Frage verquickt sich mit der nach den Vorlagen der Septemberbibel von 1522, wobei man jedoch nicht übersehen darf, daß die Postille während der Wartburgzeit geschrieben und gedruckt wurde, also die für die Septemberbibel, die während dar Wartburgzeit nur geschrieben wurde, später nach der Rückkehr hinzugekommenen Quellen nicht in Betracht kommen. Hinweisen muß man auf die starke Ähnlichkeit zwischen dem an der Spitze des Weihnachtsteils stehenden “kleyn unterricht” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 8 ff.) und Luthers Vorrede zum Septembertestament. Beide Male tritt scharf der Gedanke heraus, “das nur eyn Euangelium ist”, und bis in Einzelheiten hinein (vgl. etwa die Stellung zum Alten Testament) finden sich Berührungen. Die Priorität kommt hier der Postille zu, und daß sie Gedanken “neutestamentlicher Einleitung” vertritt, erklärt sich leicht. Der “kleine Unterricht” ist Ende November vollendet gewesen; möglicherweise hat Luther damals schon den Plan der Übersetzung des ganzen Neuen Testamentes gefaßt und sieht in der Postille den Anhub, der auf eine Vollendung wartet; darum wird er “grundsätzlich” eingeleitet als Vorbereitung auf Weiteres. Aber auch wer Luther damals noch nicht den Plan der Übersetzung des ganzen Neuen Testamentes gefaßt haben läßt, wird verstehen, warum er diesen ersten Versuch einer volkstümlichen Erklärung wichtigster Bibelteile mit einer derartigen grundsäßlichen Betrachtung einleitete. Man achte auf das (gleichzeitig datierende) Schlußwort des Weihnachtsteiles (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728): “O das gott wollt, meyn und aller lerer außlegung untergingen, unnd eyn iglicher Christenn selbs die blosse schrifft und lauter gottis wortt fur sich nehme! ... Darumb hyneyn, hyneyn, lieben Christen und last meyn und aller lerer außlegen nur eyn gerust seyn zum rechten baw, das wyr das blosse, lautter gottis wort selbs fassen, schmecken unnd da bleyben; denn da wonet gott alleyn ynn Zion.” Das klingt doch geradezu wie ein Vorspruch zur Übersetzung des Neuen Testamentes, könnte freilich auch den Wittenberger Freunden den Anlaß gegeben haben, die Übersetzung des Neuen Testamentes von Luther zu “heischen” (postulant nostri, sagt Luther), verrät auf alle Fälle, daß Luther sich der grundsätzlichen Bedeutung der Weihnachtspostille bewußt war und sie daher entsprechend einleiten mußte.

 

 

Aus der Geschichte der Forschung über die Winterpostille.

In die ersten Gesamtausgaben von Luthers Werken ist die Kirchenpostille nicht aufgenommen worden, offenbar weil sie dank der zahlreicheu Drucke, die sich auch nach des Reformators Tode fortsetzten, so stark verbreitet war. Die Geschichte dieser Ausgaben aus späterer Zeit, insbesondere auch die Textgeschichte, wäre noch zu [WA s. lxxv] schreiben; Tatsache ist, daß der Text in die dogmatischen Lehrstreitigkeiten hineingezogen wurde, und sich mancherlei Änderung gefallen lassen mußte. Dagegen reagierte der Pietismus, dessen Rückgriff auf Luther, den “reinen Luther”, wie man glaubte, sich auch hier bekundete. Mit dem Zeitalter des Pietismus beginnt die wissenschaftliche Arbeit an der Kirchenpostille (vgl. außer dem im folgenden Genannten Walch XI p. 19 Anm. q.). 1679 veröffentlichte der kaiserlich gekrönte Poet Johann Gottfried Zeidler in Eisleben sein Büchlein: “Historia von den Postillen Doct. Martinii [!] Lutheri, Als da sind die Kirchen Postilla, Haus Postilla und Eine seltzam unbekante Postilla”. Nach Erwähnung der lateinischen Postille hieß es hier über die Wartburgpostille: “Dieweil er sonderlich dem gemeinen mann damit zu dienen gesonnen, lesset er die lateinische erklerung faren und fehet an eine gantz deudsche weitleuffige Postillen uber Episteln und Euangelia zu schreiben, welche er seinem Landesherren, Graff Albrechten von Mansfeld, zugeschriben am tage Elisabeth 1521, wie die Vorrede bezeuget. Und solche Postillen hat er im obgedachten jar am tage Lamperti bis auffs Fest der h. drey Könige bracht und damals ausser der ordnung den Sermon von den zehen aussetzigen als zur probe lassen ausgehen, wie in der Vorrede zu sehen. Also ist diese Postillen ausgangen stückweise, erstlich A. 1521 ein stück vom Aduent bis auff den Christag. Zum andern A. 1522 am 13 Februarii aber ein stück vom Christage bis auf den Sontag Epiphanie, wie er schreibt in der Missiue an Hartmut von Cronberg, einen Frenckischen vom Adel.” Hier ist Richtiges mit Falschem gemischt. Richtig herangezogen sind die Worte aus der Vorrede zur Auslegung des Evangeliums von den zehn Aussätzigen (oben S. L f.). Möglich ist auch ihre Ausdeutung, daß damals Luther mit den Predigten bis und mit Epiphanien fertig war, wenn auch nicht ganz sicher (oben S. LI f.). Aber Zeidler nimmt offenbar an, daß Luther mit den Adventspredigten begann, also damals mit dem ganzen Winterteil fertig war. Das ist irrig. Ebenso irrig ist die Ansicht, daß die Vorrede an den Grafen Albrecht von Mansfeld am Abschluß des ganzen Winterteiles verfaßt wurde, wie Zeidler offenbar voraussetzt. Richtig ist dann wieder beobachtet, daß die Winterpostille in zwei Teilen ausging; aber die Reihenfolge der Teile hat Zeidler falsch bestimmt. Vermutlich hat er den Unsre Ausg. Bd. 7, 461 beschriebenen Druck d. h. die Übersetzung der alten Postille für den Adventsteil der neuen Postille gehalten. In dem Briefe Luthers an Kronberg (oben S. LXI), dessen Datierung aber nicht zu halten ist, hat Zeidler richtig den Weihnachtsteil erkannt, aber er war vor dem Adventsteil erschienen. Dann gab Spener 1700 in Berlin die Postille neu heraus, ausdrücklich zu dem Zwecke, einen kritisch bereinigten Text zu schaffen: “dem fleißigen Leser aufs vollkommenste also vor Augen zu legen, daß er nicht allein, wie dieselbe zu dieser oder jener Zeit erschienen, sondern auf einmal zugleich ihn unterschiedliche Gestalten zu Gesicht bekomme, mit dem Unterschied, daß er zugleich sehe, was zu andern Malen zu- oder abgethan worden”. Über die Entstehung der Postille sagte Spener nichts von Belang. Ebensowenig Gottfried Arnold, der 1710 mit besonderer Vorrede das Spenersche Werk neu auflegte. Aber die Postille kam jetzt in die Lutherausgaben hinein, z. B. in die Leipziger Ausgabe von Börner (1731) und in die Walchsche Ausgabe 1742 — dort im 13. und 14., hier im 11. Bande. Börner berief sich auf Elias Frick: Deutsche Seckendorffische Historie des Luthertums, Anhang zu § 11 p. 2724, Leipzig 1714. Dieser behauptete: [WA s. lxxvi] “Luther gab Evangelien und Episteln von Advent bis 1 Sonntag nach Epiphanien 1522 in zwei Teilen in Quart in Wittenberg heraus, obwohl die Dedikation schon am Tage Elisabeth 1521 gestellt ist, wie Spener in seiner Edition der Kirchenpostille erinnert.” Walch gab in seiner Vorrede “eine hinlängliche und etwas ausführliche Nachricht” über die Entstehung der Postille, in Ergänzung einer Einleitung, die er schon 1737 zu einer Sonderausgabe von “des seligen Lutheri vollständiger Kirchenpostill” geboten hatte. Daß die Postille allmählich geworden war, ist Walch klar: “Die Kirchen Postill des seligen Lutheri ist ein solches Werk, welches nicht auf einmal verfertiget und an das Licht gestellet worden, sondern nach und nach zu derjenigen Gestalt und Vollständigkeit gediehen ist, darinnen sie sich nunmehro befindet”. Richtig werden auch an die Spitze die lateinischen Enarrationes .... in IV dominicas adventus von 1521 gestellt, und über ihre deutsche Übersetzung wird einiges bemerkt. “Nicht lange darnach machte sich Lutherus über die deutsche Postill.” Hier nun aber setzt Walch ebenfalls die Adventspredigten an die Spitze des auf der Wartburg verfaßten Winterteiles. “Denn wie er bey seiner Rückreise von Worms auf Befehl des Churfürstens von Sachsen seiner Sicherheit halber den 4 Maji des besagten 1521 Jahres in aller Stille auf die Wartenburg bey Eisenach gebracht wurde, so ließ er unter anderm auch das seine Arbeit seyn, daß er den Anfang der deutschen Postill verfertigte, welcher von Advent an bis auf den ersten Sonntag nach Epiphaniä, jedoch diesen ausgeschlossen, ging. Er kam in zwey Theilen zu Wittenberg 1522 4o heraus” (die Adventspostille wird zuerst genannt). Walch karakterisierte kurz die Widmung Luthers an den Grafen Albrecht von Mansfeld und den “kleinen Unterricht”, um dann kurz darauf hinzuweisen, daß “Lutherus die Arbeit nicht sogleich, wie er wünschte, fortsetzen konnte”; unter Berufung auf die bekannten Worte (s. o. S. L); “Auch wil ich hiermit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen mitten auß dem faß.” “So beklagte er sich auch vorher, und zwar den 8. Junii, daß er in seiner angefangenen Arbeit durch abermaligen Streit behindert würde” (folgt das Zitat aus der Vorrede der confutatio rationis Latomianae, Unsre Ausg. Bd. 8, 44 Z. 1 —3, S. 128, Z. 1 —3). Näheres aber bringt Walch nicht, geht vielmehr schnell zum Sommerteil und den verschiedenen Ausgaben der Kirchenpostille über.

       Ganz auf Walch fußte Joh. Georg Plochmann im 7. Bande der ersten Auflage der Erlanger Ausgabe (1827), so daß also hier für die Erforschung der Entstehung Winterpostille kein Fortschritt erzielt wurde. Neu durchgearbeitet hingegen wurde das Material durch Enders in der zweiten Auflage der Erlanger Ausgabe, Band 7 (1866). Enders geht natürlich auch von den lateinischen Enarrationes aus, um dann mit dem Satze einzusetzen: “Luther ließ auf der Wartburg die lateinische Bearbeitung gänzlich fallen und fing eine neue deutsche Ausarbeitung der Postille, und zwar in größerer Ausführlichkeit, an”. Den Fehler seiner Vorgänger, die deutsche Adventspostille vor der Weihnachtspostille entstanden sein zu lassen, wiederholte dann freilich Enders: “Zuerst erschien wiederum die Adventspostille, welche nun schnell eine Fortsetzung bis auf Epiphanias erhielt.” Aber Enders gab sich die Mühe, die Etappen der Entstehung der Postille nach Möglichkeit nach Luthers Briefwechsel vorzuführen, wobei er freilich nicht immer richtig deutete. “Die Vollendung des Druckes, heißt es dann, zog sich bis ins Jahr 1522 hinein, und auch die Fortsetzung der Arbeit erlitt eine Unterbrechung, teils durch die [WA s. lxxvii] Wittenberger Unruhen, die ihn von der Wartburg zurückführten, teils durch neue Streitigkeiten mit anderen Gegnern, wie er schon am 8. Juni 1521 in der Vorrede zur Rationis Latomianae confutatio klagt (folgt die schon von Walch s. o. zitierte Stelle). “Als Probe gleichsam des noch zu Erwartenden ließ er das Evangelium am 14. Sonntag nach Trinitatis von den zehn Aussätzigen schon im Jahr 1521 erscheinen” (folgt die S. L und bei Walch angegebene Stelle). Enders urteilt weiter: “auf Lamperti d. i. 17. September 1521 war die Postille bis Epiphaniä vollendet, aber erst am 13. Februar 1522 ging sie aus” (vgl. dazu Zeidler, an den Enders sich hier anlehnt). Er meinte die ganze Wartburgpostille und sorgte nicht darum, daß die Widmung vom 19. November 1521 datierte; offenbar dachte er sie sich zwischen Abschluß der Auslegung der Predigten und dem Druck verfaßt. Dankenswert waren die bibliographischen Notizen von Enders, so gewiß sie durch Unsre Ausg. stark ergänzt werden. Wie Walch, so verbaute sich auch die Erlanger Ausgabe die Einsicht in den Entstehungsprozeß der Postille auch dadurch, daß sie Episteln und Evangelien getrennt druckte in verschiedenen Bänden. Hier hat Unsre Ausgabe den notwendigen Wandel geschaffen, außerdem, der Zeit der Entstehung entsprechend, den Weihnachtsteil vor den Adventsteil gestellt.

       Auf der Erlanger Lutherausgabe ruhte auch die kurze Notiz von Th. Kolde im 2. Bande seiner Lutherbiographie (1889) S. 7: “Allerdings schritt das Werk nur sehr langsam vorwärts. Es erschien bruchstücksweise, zuerst die Auslegung der Adventsperikopen, dann im Frühjahr 1522 als erster Abschnitt die Auslegung der Evangelien und Episteln bis zum Epiphanienfeste, die er dem Grafen Albrecht von Mansfeld widmete.” Inzwischen begann die Vorbereitung der Herausgabe der Kirchenpostille in Unsrer Ausgabe. Sie war Gustav Bossert, damals Pfarrer in Nabern (Württemberg), anvertraut worden und wurde in Kollationen usw. weit gefördert. Ehe Bossert nun, an der Vollendung verhindert, dem Unterzeichneten die Weiterarbeit übergab, veröffentlichte er in den “Theologischen Studien und Kritiken” 1897, S. 271 ff. seine umfangreichen “kritisch-historischen Untersuchungen” über “die Entstehung von Luthers Wartburgpostille”. Sie waren bahnbrechend und werden die Grundlage aller künftigen Erörterung bilden müssen. “Zum erstenmal beschäftigte ich mich hier dieser eingehenden Weise mit der Wartburgzeit” — das war richtig. Nicht minder das Urteil: “je mehr man mit den hier einschlagenden Fragen zu tun hat, um so mehr erkennt man die Schwierigkeiten und erfreut sich, wenn nur ein wenig mehr Licht auf Luthers Wartburgzeit und die Arbeit an den 24 Predigten von Advent bis Epiphanien fällt”. Ausdrücklich hob Bossert auch heraus, daß seine Arbeit “noch nicht völlig reife, abschließende Ergebnisse gebe, wie sie der Einleitung der Wartburgpostille in der Weimarer Ausgabe einverleibt werden können”. So kann die durchgängige Nachprüfung der Bossertschen Untersuchung, wie wir sie vorgenommen haben, seiner grundsätzlichen Zustimmung sicher sein. Die Entstehungsgeschichte der Wartburgpostille ist in neuer Überprüfung gegenüber Bossert etwas unsicherer geworden, die einzelnen chronologischen Ansätze wurden z. T. vorsichtiger und zurückhaltender bestimmt, späterer Forschung wird es vorbehalten bleiben, zu entscheiden, wo das größere Recht liegt. Die Frage Bosserts (a. a. O. S. 271): “soll in der Weimarer Ausgabe die Weihnachtspostille vor der Adventspostille gedruckt werden?” ist ganz in seinem Sinne “vom Standpunkt des Interesses der historischen Forschung unbedingt bejaht worden,” [WA s. lxxviii] Bd. 101 I bringt die Weihnachts-, Bd. 101 II die Adventspostille. Wenn Bossert der Vorarbeiten zur Postille dankbar gedachte, so mag an dieser Stelle nur das Universitätsprogramm von Max Lenz: Kritische Erörterungen zur Wartburgzeit, Marburg 1883 genannt werden, weil es noch heute Beachtung verdient.

       Auf Bosserts Untersuchungen war die Darstellung aufgebaut, die G. Kawerau in der 5. Auflage des Köstlinschen Lutherwerkes gab (1903, S. 453 f.). Hier wurde also die zeitliche und auch typographische Priorität des Weihnachtsteiles vor dem Adventsteile ausgesprochen, und Kawerau gab einige wertvolle, selbständige Beobachtungen bei. Seinerseits brachte der Unterzeichnete in der Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie Bd. 41 S. 606 ff. einige Ergänzungen zu Bossert. Den neuen Fragestellungen gegenüber ist nun freilich die Einleitung im 11. Bande der Neuauflage des Walchschen Lutherwerkes: “Dr. Martin Luthers Kirchen-Postille. Aufs Neue herausgegeben im Auftrag des Ministeriums der deutschen evangelisch lutherischen Synode von Missouri” 1882 gänzlich veraltet. Nicht nur, daß Evangelien (Bd. 11) und Episteln (Bd. 12) getrennt sind, es wird wieder die Priorität der Adventspostille vertreten, so gewiß man im einzelnen sich um die Zeugnisse der Wartburgzeit bemühte und dabei im wesentlichen bei der zweiten Auflage der Erlanger Ausgabe landete, auf die man sich auch ausdrücklich berief. Textlich arbeitete Walch mit den Ausgaben von 1522 —1535, ohne die genaue Kritik, wie sie Unsre Ausgabe bietet. Man muß einmal textlich und sachlich diese zweite Auflage von Walch — die neueste vor Unsrer Ausgabe — neben Unsre Ausgabe stellen, um sich des inzwischen errungenen wissenschaftlichen Fortschrittes bewußt zu werden.

       “Die Winterpostille ist, strenge genommen, allein Luthers Werk; die übrigen Teile konnte er bei den mannigfachen andern und wichtigen Arbeiten, die ihn während der nächsten Jahre beschäftigten — besonders im Streit mit den Sakramentschwärmern und gegen den Bauernaufruhr — nicht eigenhändig vollenden”, heißt es in der Erl. Ausg. 2 7, XVI. Die Winterpostille, die Wartburgpostille in ihren beiden Teilen, ist darum auch der beste und wertvollste Teil der Postille des Reformators. In bedeutsamster Zeit 1521/22 geworden, ist sie ein unvergängliches Zeugnis von Luthers reformatorischer Größe, vielleicht gerade, weil sie nicht “groß”, sondern ein schlichtes Wort an die Laienwelt sein will.

 

 

Nachträge und Berichtigungen.

Zu den fallenden Kreuzen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II 104 vgl. J. Schairer, Das religiöse Volksleben am Ausgang des Mittelalters 1914 S. 107; sowie die eingehende Schilderung in Zeitschr. für Kirchengeschichte Bd. 43, S. 382.

Zur Erwartung der großen Flut 1524 Unsre Ausg. Bd. 101 II, 108 vgl. Albert Burer an Beatus Rhenanus 1520 März 20: Sed heus, tamen novus subinde timor mortales excruciat ac propemodum exanimat: is est futuri diluvii tremor potius quam timor. Sic enim quosdam timidulos reperire est, qui etiam iam et in hypocaustis suis et port fornacem undas ac procellas somnient, adeo ut experrecti se tanquam suffocatos ac undis submersos dictitent. Sed hoc belle videtur perspexisse prudentissimus senatus Basiliensis, qui pontem suum trabibus [WA s. lxxix] quernis sic suffulcire fecit, ut adversus omnem undarum impetum munitus ac robustissime confirmatus videatur. — Vgl. ferner A. Warburg, Heidnisch - antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten, 1920, S. 30 ff. Hier ist verwiesen auf G. Hellmann: aus der Blütezeit der Astrometeorologie (Veröffentlichungen des Kgl. preuß. meteorol. Instituts Nr. 273), der “ein Verzeichnis der ihm bekannt gewordenen Unmenge von illustrierten Druckschriften (56 Autoren in 133 Druckschriften), die schon seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts, von Stoefflers Kalender ausgehend, Grauen und Furcht vor dieser Sündflut durch ganz Europa trugen.” Warburg weist ferner hier auf die “Sensationspresse, wie sie auf dem Reichstage zu Worms durch die Sündflut-Stimmungsmache eines Seytz zu wirken suchte. Man fühlt, wie die Holzschnittillustration als mächtiges neues Agitationsmittel für die Bearbeitung der Ungelehrten eingriff.” S. ebenda auch ein späteres Urteil Luthers über die Flut und Nachrichten über Spalatins Stellungnahme dazu. — Auch Zwingli in der Auslegung der 67. Schlußreden und der Schrift De providentia dei gedenkt jener Flut (vgl. Kritische Zwingli-Ausgabe Bd. 2, Schuler-Schultheß, opera Zwinglii Bd. 4, S. 128 f.).

       Zum Begriffe der πιεικα Unsre Ausg. Bd. 101 II, 174 vgl. C. Schmitt, Politische Theologie 1922 S. 9 ff. 37 ff.

       Zum prologus Hieronymi Unsre Ausg. Bd. 101 I, 8: Gemeint ist die praefatio s. Hieronymi presbyteri in omnes epistolas s. Pauli: “Primum quaeritur, quare post evangelia, quae supplementum legis sunt et in quibus nobis exempla et praecepta vivendi plenissime digesta sunt, voluerit apostolus has epistolas ad singulas ecclesias destinare”.

       Zum Sprichworte Unsre Ausg. Bd. 101 I, 654, 19 vgl. Unsre Ausg. Tischreden 1 Nr. 341: “Ein testament eins pfaffen ist mir ein wurst, die isst man, dein egeritur, sus devorat, und wird wider ein wurst, sic sine fine.”

       Zur Darstellung der verschlossenen Himmelstüre Unsre Ausg. Bd. 101 I, 36 vgl. R. Nicolas, Die Hauptvorhalle des Berner Münsters 1921 S. 91 (Nachweis einer solchen Darstellung an der S. Nicolauskirche zu Freiburg i./Schweiz. Die Hölle als offenes Drachenmaul ist dargestellt auf dem Relief des Veit Stoß an S. Sebald in Nürnberg (ebenda S. 92).

       Zur Bibliographie: In Neue kirchl. Zeitschrift 1919 S. 536 wird eines Exemplars der Enarrationes seu Postillae M. Lutheri Basileae 1546 (vgl. oben S. XL) mit Randglossen Luthers gedacht.

       Druckfehler: Unsre Ausg. Bd. 101 I, 318, 5 lies: kloster; S. 349 Anm. 3 lies: von H. A. W. Meyer. — Unsre Ausg. Bd. 101 II, 9 Anm. 2 Z. 4 lies: Vielleicht: S. 19 Anm. 9 Z. 3 lies: μς; S. 29 Anm. 5 lies: institutum; S. 35, 22 streiche das Komma hinter wort; S. 138 Anm. 2 lies: Hutteni; S. 143 lies: Anm. 2. — Die korrekte Setzung der hebräischen Punktation allenthalben zu erzielen, ist leider trotz aller Mühe nicht gelungen.

 

 

W. Köhler.

 

[WA s. lxxxi]

 

Vorwort zu Roths Sommerpostille.

 

1925[WA s. lxxxi]

Da sich der Abdruck der Rothschen Postillen auf mehrere Bände verteilt und die Einleitungen zu den einzelnen Postillen mancherlei Wiederholungen bringen müßten, wird die Gesamteinleitung zweckmäßig mit der Vollendung des Abdrucks sämtlicher Postillen zu verbinden sein.

       Wir stellen hier nur eine Übersicht über die Predigten der Sommerpostille in der Art der zur Hauspostille gegebenen Übersicht (Unsre Ausg. Bd. 52, XII ff.) zusammen.

       Unserm Abdruck liegt der Erstdruck (von Heinrich Steiner in Augsburg) vom Jahre 1526 zugrunde (vgl. oben S. XXIII).

 

 

G. Buchwald.

 

[WA s. lxxxii,lxxxiii]

 

Übersicht über die Predigten der Rothschen Sommerpostille.

 

1925[WA s. lxxxii,lxxxiii] [Tabelle: ] [Tabelle: ] [WA s. lxxxiv,lxxxv][Tabelle: ] [Tabelle: ]

 

[WA s. lxxxvii]

 

Haupttext

 

 

Adventspostille.

[WA s. 1]

 

      

Am ersten sontag des Advents Epistell [Röm. 13, 11 –14] Ro. xiij.

 

1522[WA s. 1]

Lieben bruder, ßo wyr denn solchs wissen, nemlich die tzeytt, das die stund da ist, von dem schlaff aufftzustehen. Syntemal unßer heyl nu neher ist, denn da wyrß glawbten. Die nacht ist vorgangen, der tag ist erbey kommen. Szo last uns abwerffen die werck der finsterniß, und anlegen die wapen des liechts, last uns erbarlich wandeln, gleych wie am tage. Nit ynn vollerey und trunckenheyt, nit ynn schlaffkamern und untzucht, nit ynn tzangk und hadder, ßondernn tzihet an Ihesum Christum den herrn, und thut nit was das fleysch sucht tzur lust.

       Diße Epistell leret nitt vom glawben, ßondernn von den wercken und fruchten des glawbens, und tzeygt an, wie eyn Christlich leben soll eußerlich nach dem leybe auff erden unter den menschen sich hallten ; denn wie ym geyst und fur gott der mensch soll wandelln, leret der glawbe, von wilchem er fur dißer Epistell reychlich und gantz Apostolsch schreybt und leret, unnd wenn wyr die Epistell eben ansehen, ßo leret sie nitt, ßondern reytzt, vormanet, treybt und weckel auff die da schon wissen was sie thun sollen. Denn [Röm. 12, 7. 8] S. Paulus teylet das predigerampt ynn tzwey stueck Ro. 12. Doctrinam et exhortationem, lare und vormanen. Lare ist, ßo man predigt, das unbekandt [WA s. 2] ist und die leutt wissend odder vorstendig werden. Vormanen ist, ßo man reytzt und anhellt an dem, ßo yderman schon woll weyß. Beyde stuck sind [Röm. 13, 11 ff.] not einem prediger, drumb sie auch beyde S. Paulus ubett. Darumb auch das die vormanung sey deste stercker und lieblich eyngehe, braucht er vil hubscher vorbluemeter wort und macht eyn feyne bundfarbe rede, nennet den schlaff, finsterniß, licht, auffwachen, wapen, werck, tag unnd nacht, das sind eyttell vorblumete wortt, durch wilch ettwas anders vorstanden wirtt, denn yhr artt unnd natur gibt. Denn er redet yhe nitt von naturlicher nacht, tag, finsternis, licht, wachen, schlaffen, wapen und wercken, ßondern bildet uns fur durch solch naturlich weßen eyn gleychniß, damit er uns reytze und fure ynn vnßer geystlich weßen, als sollt er sagen: yhr sehet, das die menschen umb tzeytlichs gutts willen auffstehen vom schlaff unnd der finsterniß werck ablegen unnd sich des tags werck annehmen, wenn die nacht vergangen, und der tag erbey komen ist. Wie viel mehr sollen wyr auffwachen von unßerm schlaff, abwerffen die werck unßer finsternis, und anfahen die werck unßers lichts, dieweyll unßer nacht vergangen und unßer tag anbrochen ist.

       Durch den schlaff bedeutt er die werck der boßheyt und unglawbens ; denn schlaffen ist eyn werck, das da eygentlich geschicht ynn der nacht, und [Röm. 13, 12] er selbs sich auch alßo außlegt, da er sagt: Last uns ablegen die werck der finsterniß. Alßo widderumb, auffwachen unnd auffstehen, bedeutt die werck des glawbens und der frumkeyt. Denn auffstehen ist eyn eygentlich werck des [1. Thess. 5, 4. 10] morgens und tages; davon sagt er auch. 1. Thess. 5: Lieben brueder, yhr seytt nicht ynn der finsterniß, yhr seytt alle kinder des liechts und kinder des tages. Wyr sind nicht der nacht noch der finsternisse, darumb last uns nitt schlaffen, wie die andern, ßondern last uns wachen und nuechtern seyn. Denn die da schlaffen, die schlaffen des nachts, und die da truncken sind, die sind des nachts truncken. Wyr aber, die wyr des tags sind, sollen nuechtern seyn, angetzogen mit dem krebß des glawbens und der liebe, und mit dem hellm, der da ist die hoffnung der selickeyt. Denn gott hatt uns nit gesetzt tzu dem tzorn, ßondern tzu der besitzung der selickeytt, durch Jhesum Christum unßern herrn, der fur uns gestorben ist, auff das wyr, es sey wachend odder schlaffend, mit yhm leben. Hie ists offenbar, das er nitt vorpeutt den naturlichen schlaff, und doch die gleychniß braucht vom naturlichen schlaff und wachen tzu dem [WA s. 3] geystlichen schlaff und wachen, das ist: wol und ubell leben. Unnd kurtzlich, [Tit. 2, 11 –13[!]] ist auffstehen vom schlaff ßo viel gesagt, als das er sagt Tit. 1: Es ist erschynenn die heylwertige gnade unßers heylands und lerett uns, das wyr sollen absagen dem gottloßen weßen und welltlichen lusten, und nuechtern, rechtfertig, gottlich leben auff dißer wellt, und wartten auff die selige hoffnung und tzukunfft des grossen gottis unnd unßers heylands Jhesu [Röm. 13, 11] Christi. Das absagen des gottloßen weßens unnd der welltlichen lusten [Röm. 13, 12] nennet er hie auffstehen vom schlaff. Und das nuechtern, rechtfertig, gottlich leben, nennet er hie: wachen und wapen des liechts anlegen. Das erscheynen der gnade ist der tag und das liecht, wie wyr horen werden.

       Nu sihe tzu, wie sich naturlich und geystlich schlaff mit eynander gleychen. Wer da schlefft, der sihet noch empfindt der dinger odder gutter keynß, die auff der wellt und umb yhn her sind. Er ligt mitten unter den dingen, als eyn tod, unnutz mensch, der keyn brauch noch acht eynes dings hatt, und ob er schon ynn yhm selb lebt, ßo ist er doch allen dingen, als were er todt. Zum andern: an statt der warhafftigen dinger gehet er umb ym trawm mit eyttell bilden und unnutzen formen der warhafftigen gutter, und ist ßo nerricht, das er meynett, es seyen recht ware gutter. Wenn er aber auffwacht, ßo fallen ab die trawmbild und werden tzu nichte, da fehet der mensch an, mit rechten dingen umbgehn on alle bilder. Alßo auch geystlich: der mensch, der da lebt ynn eynem gottloßen weßen, der schlefft unnd ist gleych todt fur gott, sihet noch empfind nicht die rechten geystlichen gutter, die yhm durchs Euangelio werden angepotten und vorheyssen, lest sie umbsonst fur yhm und umb yhn her stehen; denn solch gutter lassen sich nur mitt dem glawben der hertzen sehen, sind auch noch vorporgen. Indes abet menget er sich ynn die tzeyttlichen, vorgencklichen gutter, wollust und ehre, wilche gegen das ewige leben, freud und selickeyt, zu achten sind gleych als die traumbild gegen die naturlichen, leyplichen creaturn. Und wenn der mensch auffwacht und den [WA s. 4] glawben ubirkompt, ßo fellet ab alles solchs vorgencklich ding, und wirt erkennet, [Ps. 76, 6] wie gar es nichts sey, davon sagt ßs. 75: Sie haben geschlaffen yhren schlaff, die menner des reychtumbs, und nichts funden ynn yhren henden. [Ps. 73, 20] Und ßs. 72: Gleych wie eynen trawm des, der da auffwacht, alßo wirstu yhr [Jes. 29, 8] bild zu nicht machen ynn deyner statt. Und Isaia .29: Gleych wie eyn hungeriger trewmet, das er esße, und wenn er auffwacht, ßo ist seyn seel noch leer, unnd wie eyn durstiger trawmet, das er trincke, und wenn er auffwacht, ßo durstet yhn noch, und seyn seele ist leer, alßo wirt seyn die menge aller volcker, die da fechten wider den berg Zion. Sihe da, ist das nit nah und schmehlich geredt von der welt hohister gewalt, reychtum, lust und ehre, das es alles einem trawm, und trawm bilden vorgleicht wirt? Wer durfft sagen, das der konige, fursten, reychen, guter, lust und gewalt trawmwerck sey, ßo sie doch daruber wueten und toben auff dißer welt? Es macht, das sie schlaffen und stehen nitt auff, sehen auch ditz liecht noch nit ym glawben.

 

Syntemal unßer heyl nu neher ist, denn da wyrß glewbeten.

Was ist das gesagt? haben wyr tzuvor glewbt? odder glewben wyr itzt [Röm. 1, 2] nicht?3 Hie ist tzu wissen, wie S. Paulus Ro. 1. sagt, das gott durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft vorheyssen hatt das Euangelium von seynem ßon Jhesu Christo, unßerm herrn, wie durch yhn alle wellt sollt selig werden, [1. Mose 22, 18] als die wort lautten Gene. 22. tzu Abraham: ynn deynem samen sollen gebenedeyet werden alle volcker der erden. Diße benedeyung, alda Abrahe vorheyssen ynn seynem samen, ist nichts anders, denn die gnade und das heyl ynn Christo, [Röm. 4, 1 ff.] durchs Euangelium aller wellt furgetragen, wie das auch S. Paulus Ro. 4. [Gal. 4, 22 ff.] unnd Gal. 4. außstreycht. Denn Christus ist der same Abrahe, das ist seyn naturlich fleysch und blutt, ynn wilchem alle die gebenedeyet werden, die ynn yhn glewben und yhn anruffen. Diße vorheyssung gottis ist darnach durch [WA s. 5] die propheten fast wol getrieben und weytter außbreyttet, und haben allesampt von der tzukunfft Christi, seyner gnad und Euangelij geschrieben, wie [Apg. 3, 25[!]] S. Petrus sagt Act. 43 : Derselbigen gotlichen vorheyssung haben alle heyligen fur Christus gepurt geglewbt, und alßo ynn und durch den zukunfftigen Christum mit solchem glawben behalten und selig worden, das auch Christus [Luk. 16, 22] dieselbige vorheyssung nennet Abrahamß schoß Lu. 16., daryn alle heyligen nach Abraham biß auff Christum vorsamlet wurden. Das meynet nu hie [Röm. 13, 11] S. Paulus, das er spricht: Unßer heyl ist nu neher, denn da wyrß glewbten, als solt er sagen: die vorheyssung gottis tzu Abraham geschehen, ist nu nit mehr zukunfftig zu wartten, sie ist erfullet, Christus ist ko- men, das Euangelium ist auffgangen, und die benedeyung ist außteyllet yn alle welt, und ist nu alles da, was wyr gewarttet und geglewbt haben yn der vorheyssung. Damit hat der Apostel beschrieben den geystlichen tag, davon er hernach saget, wilcher ist eygentlich der auffgang und das licht des Euangeli, wie wyr horen werden.

       Aber darumb ist der glawbe nit auffgehaben, sondern viel mehr bestettiget; denn gleych wie sie tzuvor geglewbt haben auff die vorheyssung gottis, das sie wurd erfullet werden, alßo glewben wyr an dieselbigen vorheyssung, das sie nu erfullet sey, und ist eyn glawb wie der ander an yhm selbs, on das sie nach eynander folgen, gleych wie die vorheyssung und erfullung auch nach eynander folgen; denn sie hangen beyde an dem samen Abrahe, das ist: Christo, eyner fur, der ander nach seyner zukunfft; denn wer da itzt wollt glewben, wie die Juden, das Christus noch komen solt, als were die vorheyssung nit erfullet, der wurd vordampt, darumb das er gott lugen strafft, und gibt fur, er hab seyn vorheyssung noch nit erfullet, die er doch erfullet hatt, ßo were das heyll noch ferne und fur uns, und musten seyn noch tzukunfftig wartten. [Röm. 1, 17] Von den tzweyen glawben sagt Paulus Ro. 1.: Im Euangelio wirt offenbart die gerechtickeyt von gott geben, auß dem glawben in den glawben; was ist auß dem glawben yn den glawben? Nicht anders, denn: wiewol es eynerley glawb ist, der veter und der unßer, der do glewbt yn den tzukunfftigen und erschynen Christum, Szo furet doch das Euangelium auß yhenem glawben yn dißen glawben, das nu nott ist tzu glewben nit allein der vorheyssung, ßondern [WA s. 6] auch der geschehnen erfūllung, wilcher Abraham und die alten noch nit musten glawben, ob sie wol denselbigen Christum hatten, den wyr haben. [Eph. 4, 5] Eyn glawb, eyn geyst, eyn Christus, eyn gemeynschafft aller heyligen, on das ihene fur und wyr nach Christo gehen. Alßo haben wyr (das ist: die vetter mit uns ynn gleychem gemeynem glawben yn eynen Christum) glewbt, und glewben auch noch ynn yhn, aber auff eyn ander weyße. Und gleych wie wyr umbs gemeynen glawbens und Christus willenn sagen: Wyr habenn geglewbt, ßo wyr doch nitt geweßenn sind tzu der tzeytt, ßondernn die vetter habenn das geglewbt. Alßo thun sie widderumb und sagen, sie wollen odder werden Christum horen, sehen und glewben, ßo sie doch tzu unßernn tzeytten nicht [Ps. 8, 4] sind, ßondernn wyr thun das. Denn alßo spricht David ßs. 8.: Ich werde sehen deyne hymel, die werck deyner hende, das ist: die Apostolen, und hatt [Ps. 9, 2] es doch nit erlebt. Item ßs. 9.: Ich will loben den herrn und predigen alle seyne wunder &c.. und der gleychen viel mehr, das alßo eyn person sich der andern annimpt, umb des gemeynen glawbens willen, durch wilchen sie Christum im mittel haben und ein hauffe sind.

       [Röm. 13, 11] Das er nu sagt: Unßer heyll sey itzt neher, denn da wyrß glawbten, mag nit von der nehe des habens oder besitzung vorstanden werden. Denn die vetter haben denselbigen glawben gehabt, und eben denselbigen Christum, [Heb. 13, 8] er ist yhn eben ßo nahe geweßen als uns, wie Heb. 13 sagt: Christus gistern heutt und ewiglich, das ist: Christus ist geweßen vom anfang der wellt biß anß ende, und sind alle durch yhn und ynn yhm behalten. Wer am meysten glewbt, dem ist er am nehsten, und wer am wenigsten glewbt, dem ist das heyl am fernisten nach der besitzung und habe zu reden. Aber S. Paulus redet hie von der nehe der offenbarung, das tzur tzeytt Christi die vorheyssung erfullet und das Euangelium ynn alle wellt auffgangen, und durch dasselb Christus tzu allen menschen komen und offentlich gepredigt, das nennet er hie: [Röm. 13, 11] Unßer heyl sey neher, denn da es noch ym vorsprechen lag, vorporgen und nit [Tit. 2, 11 [!]] auffgangen war. Alßo sagt er Tit. 1: Es ist erschynen die heyllwertige [WA s. 7] gnade gottis, das ist: sie ist auffgangen und offentlich predigt, wie wol sie tzuvor auch ynn allen heyligen gewest ist. Alßo gibt die schrifft, das Christus kome, und sey komen, ßo er doch tzuvor auch ynn allen vettern geweßen ist, Aber er ist nit durch offentliche predigt tzu yderman komen, denn allererst nacht seyner aufferstehung von den todten, von wilcher tzukunfft die schrifft am meysten redet, umb wilcher willen er auch leyplich ist komen yn die menschliche natur, denn es were seyn mensch werden niemandt nutz, wo nitt eyn Euangelium drauß were worden, dadurch erkenne ynn alle welt und kundt wurde, warumb er mensch sey worden, das die vorsprochen benedeyung außteyllet wurd allen, die durchs Euangelium ynn Christum glawbten, das wol [Röm. 1, 2] S. Paulus Ro. 1. sagt: das Euangelium sey vorsprochen von gott, als solt er sagen: Gott hatt mehr auffs Euangelium und diße offentliche tzukunfft durchs wort, denn auff die leyplich gepurt odder tzukunfft ynn die menscheyt acht gehabt. Es ist yhm umb das Euangelium und unßern glawben tzu thun geweßen, darumb hatt er seynen ßon datzu lassen mensch werden, das das Euangelium mocht von yhm predigt werden, und alßo seyn heyll durchs offentlich wort tzu aller wellt nehen und komen. Es haben ettliche vierley tzukunfft Christi gesetzt, nach den vier sontagen ym advent. Aber diße, die [WA s. 8] am aller nottigisten ist, da alle macht anligt, davon hie S. Paulus redet, haben sie nicht ersehen; denn sie wissen nit, was Euangelium ist, odder wotzu und warumb es geben ist. Schwetzen viel von Christus tzukunfft und iagen yhn doch von uns weytter denn hymel und erden von eynander seyn. Was ist Christus nutz, wenn er nit wirt mit dem glawben besessen? wie mag er aber mit dem glawben besessen werden, wo das Euangelium nit predigt wirt?

 

[Röm. 13, 12] Die nacht ist vorgangen, der tag ist erbey komen.

Das ist eben ßo viel gesagt: als unßer heyll ist nahe ; denn Paulus meynett mit dem tag das Euangelium, wilchs ist eyn tag, der die hertzen odder seelen erleucht, darumb weyll der tag anbrochen ist, so ist unser heyl nahe bey unß, das ist: Christus und seyn gnade, Abrahe vorsprochen, ist itzt auffgangen, gepredigt ynn aller wellt, erleucht alle menschen, weckt uns alle auff vom schlaff, und tzeygt unß die rechten ewigen gutter, das wyr mitt denselbigen sollen tzuschaffen haben und ynn dem tage erbarlich wandelln. Widderumb durch die nacht muß man vorstehen alle lere, die nit das Euangelium ist; denn es ist keyn heylwertige lere außer dem Euangelio. Es ist alles nacht und finsternisse. Und hab achten auff die wortt Pauli, ßo beschreybt er das aller lieblichst und lustigist stuck des tages, Nemlich die liebe froliche morgenrodt und auffgang der ßonnen. Denn morgenrodt ist, wenn die nacht hynn und vergangen, und der tag erbey komen ist, da sehen wyr, das von der morgenrodt alle vogell singen, alle thier sich regen, alle menschen sich erheben, das gleych sihet, als werd die wellt new, und alle ding lebend, wenn der tag anbricht und die morgenrodt daher fehret. Darumb wirt [WA s. 9] ynn der schrifft an vielen ortten die trostlich, froliche lebendige predigt des [Röm. 13, 12] Euangeli der morgenrodt und auffgang der ßonnen vorgleycht tzuweylen mitt figurn, tzuweyllen mitt offentlichen wortten. Als hie Paulus mit klaren wortten [Ps. 110, 3] nennet das Euangelium den anbrechenden tag. Item ßs. 109: Deyne leutt werden seyn die freywilligen yn dem tage deyner krafft, und auß dem uter der morgenrodt wirt geporn werden der taw deyner kinder. Hie nennet er auch klarlich das Euangelium eyn uter der morgenrodt und tag der krafft Christi, darynn wyr tzu kinder Christi empfangen unnd geporn werden als der thaw, das ist: on menschen werck vom hymell und auß gnaden des heyligen geysts.

       Dißen tag macht die aller lieblichst ßonne Jhesus Christus; daher yhn [Mal. 4, 2] nennet Malachias eyne ßonne der gerechtickeyt und spricht .c. 4: Euch, die yhr furchtet meynen namen, soll auffgehen die ßonne der gerechtickeyt und das heyl unter seynen flugelln ; denn alle, die yn Christo glewben, empfahen von yhm die glentz seyner gnade und gerechtickeytt unnd werden selig unter seynen [Ps. 118, 24] flugelln, davon auch ßs. 117. sagt: Ditz ist der tag, den da macht der herr, last uns frolich unnd gutts mutts seyn, als sollt er sagen: den leyplichen tag macht die leyplich ßonne, aber dissen tag macht der herr selbs: Er ist selbs die ßonne, von dem die glentze und der tag, das ist: das Euangelium außgehet, und leuchtet ynn alle wellt, daher nennet er sich auch eyn liecht [Joh. 9, 5, Ps. 19, 2] der wellt Johan. 9.: Ich byn das liecht der wellt. Und ßs. 18. beschreybt er [WA s. 10] auffs aller lieblichst beyde, ßonn und tag, Christum und das Euangelium, unnd spricht: die hymell vorkundigen gottis ehre, das ist: gleych wie die leyplichen hymell bringen die ßonn und den tag, und die ßonn ist ynn den hymeln, alßo bringen und haben ynn sich die Apostelln mit yhrem predigen [Ps. 19, 5 –7] die rechte ßonne Christum &c.. Und folget: Er hatt der ßonnen gesetzt yhr wonung ynn die hymell, unnd sie geht erfur, wie eyn breuttgam auß seyner brauttkamer. Sie frewet sich als eyn hellt tzu lauffen yhren weg, vom auffgang ist yhr außgang unnd yhr ankommen biß tzum nydergang, und ist niemandt, der sich vorbergen muge fur yhrer hitze. Das ist alles von dißem lieblichen anbrechenn des tags,, das ist: vom Euangelio gesagt, wilchs die schrifft hoch uund lieblich preysset, denn es macht auch lebendig, frolich, lustig, tettig, unnd bringt alles gutt mit sich. Darumb es auch heyst Euangelium, das ist: eyn lustige bottschafft.

       Was aber der tag uns offenbare, wer mag das alles ertzelen? alle ding leret er uns, was got sey, was wyr sind, was vorgangen ist, was tzukunfftig ist von hymell, hell, erden, engelln, teuffelln. Da sehen wyr, wye wyr uns ynn dißen allen und gegen allen hallten sollen, woher, wohyn wyr komen. Noch hatt uns der teuffell betrogen, das wyr den tag vorlassen unnd bey den philosophis und heyden die warheytt suchen, die doch nit eyn eyniges stuck von dissem allen gewist haben, und lassen uns mit menschenleren blenden, und wider ynn die nacht furen. Es muß yhe keyn liecht seyn, was dißer tag nit ist. S. Pau.[lus] und alle schrifft wurden sonst nit alleyn dißen tag auffwerffen unnd das ander allis nacht heyssen. Es muß eyne grosse plage gotlichs tzornß seyn, das wyr ßo widder helle klare spruche der schrifft ander nebenliecht suchen, ßo sich der herr selb der wellt liecht und ßonne nennet, und wenn keyn ander wartzeychen were, dabey man erkennen mocht, das die hohen schulen die aller grewlichst des teuffels hurerey und buberey weren, solt yhe das alleyn uberreychlich gnug seyn, das sie ßo gantz und gar unvorschampt Aristotelem eyn nebenliecht auffwerffen und rhumen auch sich mehr ynn [WA s. 11] demselbigen, denn ynn Christo uben, ia, nichts ynn Christo und alleyn ynn Aristotell sich uben.

 

[Röm. 13, 12] Szo last unß ablegen die werck der finsternis, und anlegen die wapen des liechts.

Gleych wye Christus die ßonn, und das Euangelium der tag ist, ßo ist der glawb das liecht oder sehen und wachen an dißem tag. Denn es huelffe nichts, das die ßon scheinet und tag machet, wo die augen nit empfinden das liecht. Darumb ob wol das Euangelium yn aller wellt ist auffgangen und Christum prediget, ßo sind doch nit dadurch erleucht, denn allein die es auffgenommen und durchs liecht des glawbens vom schlaff auffstanden, den schlaffenden aber ist die ßonn unnd der tag unnutz, denn sie haben davon keyn liecht. Sehen eben ßo wenig, als ob keyn ßonn noch tag da were. Das ist nu die [Röm. 13, 11] tzeytt unnd stund, davon er sagt: Lieben brueder, ßo wyr denn nu solchs wissen, das ditz die tzeytt und stund ist aufftzustehen vom schlaff &c.. Eyn geystlich tzeytt unnd stund ists, doch ynn der leyplichen tzeytt auffgangen, unnd noch teglich auffgehen, darynn wyr auffstehen vom schlaff und ablegen sollen die werck der finsternissen &c.. Damit tzeygt an S. Paulus, das er nitt rede tzu den, die noch ym unglawben sind, denn wie gesagt ist, Er leret hie nit [Röm. 13, 12] den glawben, ßondern die werck und frucht des glawbens. Er spricht, sie wissen, das die tzeytt da sey, das die nacht vergangen und der tag erbey komen sey. Ob du aber fragist, was bedurffen dieselbigen solches schreybens? [Röm. 12, 7. 8] Ist droben gesagt, das tzweyerley predigt sind. Eyne, die do lere, die ander, die do treybe und anhallte. Nu kan der mensch ßo viel nymmer wissen, es ist yhm nott, das er vormanet unnd ymmer auff frischer betrachtung behalten werde, des, das er weysß auff das nitt der teuffell, die wellt unnd das fleysch, die unablessige feynde, yhn mude und fawl machen, und tzuletzt entschlaffe [1. Petri 5, 8] und hynlessig werde; denn S. Petrus .1. Pet. 5. spricht, der teuffell sey eyn solcher widdersacher, der da umbher geht wie eyn brulender law, und sucht, ob er yemand mug vorschlingen; darumb spricht er: ßo wachet und seyd nuechternn; das will hie S. Paulus auch, weyl keyn auffhoren ist, am teuffell, [WA s. 12] fleysch und der wellt unß tzu bestreytten, soll auch keyn auffhoren keyn zu [Joh. 14, 16 u. ö.] vormanen, reytzen, treyben, tzum wachen und wirken. Daher auch der heylig geyst heyst paracletus, eyn anreger, der do reytzt unnd anhellt tzum gutten.

       [Röm 13, 12] Auß derselbigen ursach setzt auch S. Paulus seyne wortt gar eben, Nennet die werck der finsterniß nitt wapen, aber die werck des liechts nennet er wapen und nit werck. Warumb das? on zweyffell, zu beweyßen, das es eyn streyt sey, muhe, erbeyt und fahr koste, tzu wachen und gutt leben tzu furen, syntemal solch starck drey feynd, Teuffell, fleysch, wellt, on unterlaß [Hiob 7, 1] tag unnd nacht uns widderstehen. Daher auch Job .7. sagt: Des menschen leben auff erden ist eyn streyt und anfechtung. Nu ists eyn groß ding, on unterlaß das gantz leben ym streytt tzu stehen, darumb es wol nott ist gutter basaunen und heherpaucken, das ist: solcher predigt und vormanungen, die uns stercken und ym streytt manhafftig behalten. Gutt werck sind wapen, boß werck sind nit wapen, ßo fernn wyr yhn nit folgen und sie nit gewynnen [Röm. 6, 13] lassen, sonst sind sie auch wapen, wie er sagt Ro. 6: Ihr sollet ewr glidmaß nit dargeben tzu wapen der unrechtigkeytt, als sollt er sagen: last euch die werck der finsternis nit ubirwinden, das ewr glid wapen werden der unrechtickeyt. Nu ist gnug gesagt, das liecht heysse hie den glawben, der vom tag des Euangelij auß der ßonnen Christo ynn unßer hertz leuchtet; drumb sind die wapen des liechts nichts anders denn die werck des glawbens. Widderumb, finsternis ist der unglawbe, durch abweßen des Euangeli und Christi, auß menschenleren unnd eygener vornunfft vom teuffell regirt; darumb sind die werck der finsterniß, werck des unglawbens. Denn gleych wie Christus eyn herr und regirer ist des liechten glawbens, alßo nennett [Eph. 6, 12] S. Paulus Eph. 6. die teuffell regirer dißer finsternisse, das ist: ubir die unglawbigen, [2. Kor. 4, 3. 4] wie er auch sagt .2. Cor. 4: Ist unßer Euangelium vorporgen, ßo ists nur ynn den vorporgen, die vordampt werden, ynn wilchen, der gott dißer wellt (das ist der teuffell) vorblendet die synne der unglawbigen, das nitt leuchten mag das liecht des Euangeli Christi. Was aber beiderley werck sind, wirt folgen.

[WA s. 13]

 

[Röm. 13, 13] Last uns erbarlich wandelln gleych alls am tage.

Am tage thutt man keyn werck der finsterniß, yderman schemet sich fur dem andernn unnd stellet sich erbarlich. Man spricht: die nacht ist unvorschampt ; das ist auch war, drumb thutt man auch die werck ynn der nacht, der man sich schemet am tage, der tag aber ist schamhafftig und tzwingt tzum erbarlichen wandell. Alßo soll auch eyn Christlich leben geschehen und sich hallten, das alle seyne werck der gestallt seyen, das sie sich nit schewen, ob sie alle wellt sehe. Denn wer alßo lebt und wirckt, das er seyn that nit gern wolt sehen odder horen lassen offentlich fur yderman, der lebet freylich nit [Joh. 3, 20. 21] Christlich; davon sagt Christus Joh. 3: Alle, die da ubell thun, hassen das liecht und komen nit an das liecht, auff das nit gestrafft werden yhre werck. Wer aber thutt die warheyt, der thar an das liecht wol komen, auff das seyne werck offenbar werden, denn sie sind yn gott geschehen. Hirauß sihestu, wie nott solche reytzung vnnd vormanung sey tzu wachen und wapen des liechts. Wie viel sind itzund wol Christen, die da leyden konden, das alle yhre werck an tag kemen? Was ist aber das fur eyn Christlich leben ynn uns gleyßnern? ßo wyr fur den menschen nit mugen unßern wandell bloß leyden, der doch fur gott, seynen engelln und allen creaturn schon bloß ist, und am iungsten tag auch fur yderman muß bloß werden. Darumb soll eyn Christen leben, wie er wolt am iungsten tag unnd fur yderman funden werden. Ephe. 5.: [Eph. 5, 9] Wandellt wie die kinder des liechts. Die frucht des liechts ist eyttel guettickeyt, [Röm. 12, 17] gerechtickeyt und warheytt, und Ro. 12.: Ihr sollt das beste furwenden, nit [2. Kor. 1, 12] alleyn fur gott, ßondern auch fur allen menschen. Item. 2. Cor. 1.: Das ist unßer rhum, das getzeugniß unßers gewissens, das wyr yn eynfeltigem hertzen und gottlicher lautterkeytt, und nit ynn fleychlicher weyßheytt gewandellt haben auff dißer wellt. Aber solch leben wirtt wol ungefurt bleyben, wo der glawbe nit ist. Syntemal der wacker, frisch, manhafftige glawb tzu schaffen gnug hatt, das er bey solchem leben bleybe und nit entschlaff noch mude werde. Darumb als nott des unwissenden ist, das man yhn lere predige, [WA s. 14] als nott ists den wissenden reytzung tzu predigen, das sie nitt abfallen von angefangenem guttem leben, durch widderstreyt des tobenden fleyschs, der listigen wellt und des schalckhafftigen teuffels.

 

[Röm. 13, 13] Nit ynn vollerey und trunckenheytt. Nit ynn fawllentzen und untzucht. Nit ynn hadder und tzangk.

Da ertzelet er die werck der finsterniß mit namen, von wilchen er [1. Thess. 5, 6] droben eynß nennet, den schlaff, wie .1. Thess. 5. geschrieben stett: last uns nit schlaffen wie die andern, ßondern wachen und nuchtern seyn. Nit das er vorpiete den naturlichen schlaff, ßondern den geystlichen, der da ist ym unglawben, auß wilchem solche werck folgen der finsterniß, wie wol auch der naturlich schlaff eyn werck der finsterniß ist, wenn er geschicht tzur lust und auß ubriger vollerey tzur hynderniß des liechts und seyner wapen. [Gal. 5, 19 –21] Dieße sechß werck der finsterniß begreyffen ynn sich alle andere; denn Gala. 5. [Kol. 3, 5 –9] Col. 3. ertzelet er derselbigen viell mehr. Unnd wyr wollen sie auch kurtzlich teyllen auff tzwo seytten, tzur rechten unnd tzur lincken. Auff der rechten seytten streytten die viere: vollerey, trunckenheytt, fawllen tzen und untzucht Auff der lincken seytten: hadder unnd tzanck. Denn ynn der schrifft bedeutt die lincke seytte widderwertickeytt und was auß widderwertickeyt kompt, als da ist: tzorn, hadder &c. Die rechte seytte bedeutt die gluckselickeytt und was auß gluckselickeytt folgett, als: wollust, fressen, sauffen, schlaffen. Szo ists gewiß, das Sanct Paulus unter den tzweyen wercken der finsternisse hadder und tzanck will alle dergleychen begriffen haben, als da sind, die er Ephe. 4. [Eph. 4, 31] alßo ertzelet; Alle bitterkeyt, tzorn, unwillen, geschrey, lesterung, sey ferne von [Gal. 5, 20] euch. Unnd Gal. 5.: Die werck des fleyschs sind feyndschafft, tzanck, hadder, tzornn, krieg, tzwitracht, secten, hasß, todtschlege &c.. unnd kurtzlich alles, was auß tzornn, mit wortten und wercken boßes mag geschehen, das nitt alles tzu tzelen ist. Alßo unter den vier stucken fressenn unnd sauffen, fawlentzen und geyllen, begreyfft er alle die laster der unkeuscheytt ynn wortten unnd wercken, wilche auch niemandt alle mag ertzelen, das kurtzlich durch diße sechs ertzelete [WA s. 15] werck vorstanden werde, wie der mensch sich nit reyn gegen sich selb und nitt recht gegen seynen nehistenn hellt, der unter der finsterniß ym unglawbenn lebt. Unordenlich ist all seyn weßen gegen sich und seynen nehisten, weytter gloßen durffen die wort tzwar nitt. Es weyß yhe yderman wol, was da sey fressen und sauffen odder ubir esßen und ubir trinckenn, mehr nach lust denn nach nottdurff. Item, was da sey fawlentzen ym bett und kamern und geyll untzuchtig seyn, das ist: des fleyschs wollust und kutzel suchen mit lang schlaffen, mit fawlen luntzen, mit allerley untzucht und schandparkeyt, ßo ynn den betten von den satten, mussigen, schleffrigen, fawlen geschehen, es sey des tags odder nachts, ym bett odder anderßwo, alleyn odder selbander. Wilche untugent allesampt auch die naturliche finsternisse und heymliche stette suchen, und S. Paulus sie alle durch die kamer unnd untzucht meldet. Alßo was tzanck und hadder sey, mit seynes gleychen ist auch yderman wol bewust.

 

[Röm. 13, 14] Sondern tzihet an den herren Jhesum Christum.

Hie tzeygt er kurtzlich auff eynen hawffen alle wapen des liechts, ynn dem, das er vormanet, uns ynn Christum tzu kleyden. Christus wirt auff tzwo weyße angetzogen: Eyn mal, das wyr uns ynn seyne eygen tugent kleyden, das geschicht durch den glawben, der sich vorlessit darauff, das Christus fur yhn gestorben ist und alle ding fur yhn gethan hat. Denn nit unßere, ßondern Christus gerechtickeyt hatt uns gott vorsunett unnd von sunden erloßet. Diße weyße gehortt dahynn, wenn man vom glawben leret, unnd auff die weyße ist Christus uns tzur gabe und pfand geben. Das ander mal ist er unßer exempell und furbild, das wyr yhm sollen folgen und yhm gleych werden, eben ynn der tugent kleyd gehen, da er ynnen gehet. Davon sagt [1. Kor. 15, 49] hie S. Paulus, das wyr Christum sollen antzihen. Item .1. Cor. 15: Wie wyr tragen haben das bild des ersten yrdischen menschen, alßo last uns auch [Eph. 4, 22 –24] nu tragen das bild des hymlischen menschen, und Eph. 4: Legt abe den alten wandell nach dem alten menschen, der do vorweßet durch yrrige begirden, und werdet new, ym geyst ewriß gemuttis. Zihet an den newen menschenn, der [WA s. 16] nach gott geschaffen ist, ynn warhafftiger gerechtickeytt und heylickeytt. Nu sehen wyr ynn Christo nit anders denn eyttel wapen des liechts ; da ist keyn fressen und sauffen, ßondern fasten, messickeyt und casteyung des fleyschs mit erbeyt, wandeln, predigen, beten, unnd den leutten wolthun; da ist keyn fawlen, schlaffen und untzucht, ßondern eyttell tzucht, reynickeyt unnd keuscheyt, wachen, auffstehen, auff dem felld schlaffen, widder hawß noch kamer noch bett haben. Da ist keyn tzorn, tzanck, hadder, ßondern eyttel guette, sussickeytt, senfftmutickeyt, liebe, barmhertzickeytt, gedullt &c.. Darumb das hie Paulus mit kurtzen wortten Christum tzum exempell setzt, das sagt er mit andern wortten [Kol. 3, 12 –15] Col. 3. alßo: Zihet an als die außerweleten, heyli-[Bl.C.1]gen und geliebten gottis die barmhertzige art, die guttickeytt, demut, messickeytt, gedult, das eyner dem andern tzu gutt halt, und vorgebt unternander, ßo yemandt hatt ettwas wider den andern zu klagen, gleych wie euch gott vorgeben hatt, alßo yhr; auch fur allenn dingen aber habet die liebe, wilche do ist eyn band der volkomenheytt, und der fride Christi behalte den sieg ynn ewren hertzen, tzu wilchem yhr auch seytt beruffen, ynn eynen leyb, und seytt danckpar. Item [Phil. 2, 1. 2. 5 –7] Philipp. 2. Da er yhm befolhen hatte, das sie die liebe unternander hetten, eyns dem andern dienete und knecht wurde, gibt er desselbigen Christum auch tzum exempel, der uns ein knecht ist worden, und spricht; Findet euch alßo bey euch, wie yhrß sehet ynn Christo, wilcher, da er war yn dem gotlichen geperde, ließ er sich nit duncken, er hetts gerawbt gotte gleych tzu seyn, ßondernn hatt sich desselbigen selbs geeußert und an sich genommen eyn knechtisch geperde, ist worden gleych andern menschen, unnd ynn allen geperden erfunden wie eyn mensch.

       Szo ist nu summa summarum: das wapen des liechts sind die gutten werck gegen das fressen, sauffen, geylen und fawlen, tzancken und haddern, als da sind: fasten, wachen, beten, erbeytten, hunger, durst, frost, hitz leyden, seusch, tzuchtig, messig, guttig sein; und das ich nit meyne wort fure, last uns [Gal. 5, 22] S. Paulus selbs horen wie er sie tzelett Gala. 5: Die frucht des geysts sind liebe, freud, frid, gedullt, gutickeytt, wollthettigkeytt, glawb, senfftmutickeyt, [WA s. 17] [2 Kor. 6, 1 –10 (Jes. 49, 8)] keuscheyt. Aber noch viel reycher ertzelet er sie 2. Cor. 6: Wyr bitten euch, das yhr die gnade gottis nitt vorgebens empfahet; denn er spricht: Ich hab dich erhorett ynn der angenehme tzeytt, und ynn dem tage der selickeytt hab ich dyr geholffen. Nehmet war: itzt ist die angenehme tzeytt, itzt ist der tag der selickeyt, (als solt er sagen: unßer heyl ist nu neher, denn da wyr glewbten, und ist hie tzeyt vom schlaff aufftzustehen) last uns niemandt ergerniß geben, auff das unßer ampt nitt werde verheyssen, sondern last uns ynn allenn dingen ertzeygen als die diener gottis, ynn viel gedult, leyden unnd engsten, ynn notdurfften, ynn schlegen, ynn kerkern, yn auffruren, yn erbeyt, ynn wachen, ynn fasten, ynn reynickeyt, ynn wissenschafft, ynn langmuttigkeyt, ynn suffickeyt, ym geyst, der doy heylig sey, ynn unertichter liebe ynn predigen das wortt der warheytt, ynn der krafft gottis, durch die wapen der gerechtickeyt, tzur rechten und lincken seytten, durch ehre unnd schand, durch gutt gerucht und boeß gerucht, alß die vorfurer unnd doch warhafftig, alß die unbekanten und doch bekant, alß die da sterbenn und doch leben, alß die gestrafften unnd doch nit getodteten, alß die betruebten und doch alltzeyt froelich, alß die durfftigen, und doch viel reych machen, alß die da nichts haben, unnd doch alle ding besitzen. Sihe, wilch eyn reycher guldener strom gehet auß dem mund S. Pauli; da sihestu yhe ubirschwencklich gnug, wilchs die wapen des liechts sind tzur lincken und rechten seyten, das heysset Jhesum Christum redlich antzihen.

       [Röm. 13, 14] Aber das ist gar feyn ynn dißer Epistel, das er das hohist exempel furhellt, den herrnn selbs, und spricht: tzihet an den hernn; das reytzet gar fast, denn es muß eyn schellm seyn, der seynen herrnn sihet fasten unnd hunger leyden, erbeyten, wachen unnd muede werden, und er wollt schlemmen und temmen, schlaffen, fawlentzen und ynn wollust leben. Wilcher herr kund das von seynem knecht leyden? oder wilcher knecht durfft sich des unterwinden? [WA s. 18] Es mag yhe nit seyn, der mensch musse sich schemen, wenn er Christum ansihet, und sich ßo gar ungleych gegen yhm ym widderspiel findet. Wer nit von Christus eygem exempel erwarmbt, ermannet unnd gereytzt wirtt, wer will denselbigen reytzen und auffbringen?3 Was solltenn die bletter unnd wort mit yhrem rauschen außrichten, wenn diße donnerschleg von Christus exempel nit bewegen?4 Darumb hatt Paulus ßonderlich das wortt “den Herrn” datzu than und gesagt: tzihet an den herrn Jhesum Christum, alß sollt er sagen: lasts euch nit viel und groß duncken, die yhr knechte seyd, sehet ewrnn herrnn an, der selbs auch alßo thutt, und ist doch nit schuldig.

 

[Röm. 13, 14] Und thutt nit was das fleysch sucht tzur lust.

Czwo sorge odder gesuch des fleyschs berurtt hie S. Paulus mit kurtzen wortten. Die erst ist naturlich, das der leyb mit speyß und kleyd tzur noddurfft vorsorgt werde, das er leben und wircken muege, auff das er nit durch tzu viel abbrechen kranck und tzum werck unnutz werde. Die andere ist sundlich, wenn man seyn warttet nach seynen lusten und begirden ; diße vorpeut hie S. Paulus, denn da werden werck der finsterniß auß, denn das fleysch ist alßo tzu casteyen, das es diene unnd unterthan sey dem geyst und den herrn nit auß dem satel werffe widderumb auch alßo, das es gehen [Sir. 33, 25] unnd den herrnn tragen kunde. Ecclesiasticus .33. spricht: Eyn sack, futter unnd rutte ist dem Esell nott, speyß, straff und erbeyt dem knecht. Spricht nit, das du den esell sollt schinden odder lemen, auch nit den knecht wurgen odder fangen legen; alßo dem leyb gepurtt seyne tzucht unnd erbeytt und seyne [1. Kor. 9, 27] noddurfft. Und er selb Paulus spricht: Ich castey meynen leyb und bring yhn unter tzu dienste, spricht nit: Ich bring yhn ynn kranckheytt odder todt, ßondernn, das er unterthan dem geyst dienen musse.

[WA s. 19]

       Dißen tzusatz hatt .S. Paulus umb tzweyerley menschen than. Die ersten, die unter dem scheyn naturlicher noddurfft die lust bussen und decken, und das ist ßo leychtlich tzuvorsehen, das viel heyligen druber klagen und demselbigen tzuwidder offt yhrem leybe tzu viel than haben; die natur ist ßo listig und schalckhafftig auff yhre gesuch und lust, das yhr niemant gnugsam weren kan, und der mensch hie mit sorgen und unsicher wandelln muß. Die andernn sind blinde heyligen, die da meynen, gottis reych und seyne gerechtickeytt stehe auff essen unnd trincken, kleyden, ligen, das sie erwelen, sehen nit weytter denn ynn das werck, unnd achtenn, wenn sie alßo fasten, das der kopff toll wirtt odder der magen vordirbt, odder ßonst der leyb abnympt, ßo haben sie [1. Kor. 8, 8] yhm wolthan; davon sagt Paulus .1. Cor. 8: Essen und trincken macht uns fur gott nit angenehm, Essen wyr, ßo werden wyr davon nitt ubrig haben, [Kol. 2, 18. 23] Essen wyr nit, ßo werden wyr davon nitt geprechen haben. Item Col. 2: Hutt euch fur den englischen geystlickeytten, die da haben eyn scheyn der weyßheyt, yn demut und abglawben, darynnen sie nit schonen des leybs und geben yhm nit seyn gepuer, die yhm nott ist zurhalten seyn fleysch. Es lobet Gerson die Carthuser, das sie nit fleysch essen, auch yn der kranckheyt, ob sie drob solten sterben. Szo ist der groß man betrogen worden von der abglewbischen, englischen geystlickeyt; wie aber, wenn sie gott fur morder wirt richten yhrs eygen leybs? Es mag yhe keyn orden, statut oder gelubd gescheben wider gottis gepott, unnd obs geschehe, ßo gillts nit, alß wenig alß wenn du gelobtist, deyne ehe zu brechen. Nu hatt yhe gott hie durch .S. Paulum vorpotten solch [WA s. 20] mord ubir eygen leybe, und man schuldig ist dem fleysch seyne noddurfft, es sey, weynn, fleysch, eyer, unnd was er wolle, es sey auch auff freytag odder sontag, ynn der fasten oder nach den osternn unangesehen aller orden satzung unnd gelubde, auch des Bapsts; widder gottis gepott hilfft keyn vorpieten, ob es schon alle engel thetten.

       Aber solche elende torheyt folget auß der finsterniß unnd blindheytt, das sie die werck ynn sich selb ansehen, alß wollten sie durch grosse und menge [Röm. 13, 12] der werck selig werden. Sanct Paulus will wapen des liechts drauß machen und datzu brauchen, das die werck der finsterniß werden ubirwunden, ßo fernn und nit weytter soll man des fastens, wachens, erbeyttens brauchen. Darumb fur gott ligt gar nichts dran, ob du fisch oder fleysch essist, waffer odder weyn trinckist, rod odder gruen tregist, ditz odder das thuist. Es sind alles gottis gute creatur, geschaffen datzu; das man yhr brauchen soll; darauff solltu nur sehen, das du hyrynnen messig seyest unnd ßo viel abbrech ist, alß dyr nott ist den werckenn der finsterniß widder tzustreben. Darumb ists unmuglich, das man eyn gemeyn maß dißes abbrechens setzen muege ; denn alle leybe sind nit gleich, einer darffs mehr, der ander weniger, eyn iglicher muß selb achten [Röm. 13, 14] auff sich haben und seynen leyb regirn nach dißem spruch Pauli: die sorge oder gesuch des fleyschs thut nit tzur lust ; were ein ander maß tzusetzen geweßen, S. Paulus wurdiß hie nit gelassen haben. Auß dem sihestu, das die geystlichen satzung, die da fleysch tzu essen stracks hyn vorpieten, widder das [1. Tim. 4, 1 –3] Euangelium sind, und durch Paulum 1. Tim. .4. vorkundigt, da er sagt: Der geyst sagt offinbarlich, das ynn den letzten tagen werden ettliche vom glawben weychen und tzutretten den leren der teuffell, die do luegen leren ynn heuchlerey, vorpieten die ehe, unnd speyße, ßo gott geschaffen hatt tzu brauchen mit dancksagung ; das diße wort auff die orden der geystlichen und stend der priester, mag niemant leucken, die wort sind klar, ßo ist yhr weßen offinbar.

[WA s. 21]

       Auch sihestu hie, das .S. Paulus nit leret die tolle andacht ettlicher weybischer heylickeytt, die yhn ßonderlich tag zu fasten erwelen, eyner dißem heyligen, der ander dem heyligen; das sind alles blinde genge und auff die werck gepawen gutter. Es soll on unterscheyd der tage und spreyße das [Röm. 13, 12] gantz leben messig und nuechternn seyn. Denn ßo es wapen des liechts seyn sollen, und das gantz leben keusch und reyn seyn soll, muessen wyr die wapen uymer ablegen, ßondern ymerdar nuchtern, messig, wachend, erbeytend, betend &c.. erfunden werden. Aber die tollen heyligen fasten eynen tag tzu wasser und brott, sauffen und fressen sich darnach eyn viertel iars alle tag voll unnd toll. Ettlich fasten auch, das sie nit essen am abend, sauffen sich aber satt. Und wer mag alle die warheytt und werck dißer finsterniß ertzelen, wilche alle daher komen, das man nur das werck, nit den brauch des wercks ansihet, machen auß dem harnsch eyn spiegel, wissen nit, wotzu sie fasten odder abbrechen, gleych alß der eyn schwert nur darumb tregt, das erß ansehe und brauch seyn nit, wenn er geschlagen wirt. Das sey von der Episterl gnug.

 

 

 

 

Das Euangelium am ersten sontag des Advents [Matth. 21, 1–9] Matthei xxi.

 

1522[WA s. 21]

Da sie gen Hierusalem genahet haben, und sind komen gen Bethphage an dem oeleberg, do sandte Jhesus zween auß seynen Jungern und sagte tzu yhn, Gehet hyn ynn das dorff, das widder euch ist, und alßbald werdet yhr finden eyne Esellynne angepunden unnd eyn fullen mit yhr, loeßet sie auff und bringt myr sie, und ßo euch yemand wirtt ettwas sagen, ßo sprecht, yhr herre bedarff yhr, ßo wirt er sie bald lassen; das ist aber alles geschehen, auff das erfullet wurde das durch den propheten ist gesprochenn: Saget der tochter Zion, Nym war, deyn koenig kompt dyr sanfftmuetig, und reyttet auff eyner Esselynn unnd eynem sullen, dem ßon der erbeyttesellynn. Die Junger giengen hyn unnd thetten wie yhn Jhesus hatte befolhen, und brachten die eselynn und das fullen, und legten auff sie yhre kleyder, und setzten yhn drauff. Aber [WA s. 22] die grosse menge des volcks breytten yhre kleyder ynn den weg, Etlich aber hywen tzweyge von den bawmen und straweten sie yn den weg, Das volck aber, das vorgieng und nachfolget, schrey und sprach: Gib doch heyll dißem ßon David. Gebenedeyett sey der da kompt ynn dem namen des herrenn. Gib doch heyl ynn dem aller hohisten.

       Droben ynn der vorrhede, hab ich gesagt, das ynn den Euangelien tzwey ding antzusehen unnd tzu mercken sind. Zum erstenn, die werck Christi uns tzur gabe unnd gutt geschenckt, daran der glawbe sich hengen unnd uben soll. Zum andernn, dieselbigen werck als tzu eynem exempell und furbild dargethan, den wyr folgen und gleych werden sollen. Alßo das alle Euangelia tzum ersten tzum den glawben unnd darnach die werck leren, erkandt werden; darumb wollen wyr das Euangelium ynn drey stuck teylen: Zum ersten den glawben, tzum andern die gutte werck, tzum dritten geystlich bedeuttung ynn dißer geschicht Christi lernen.

 

Zum ersten, vom glawben.

Ditz Euangelium reytzet und foddert ßonderlich den glawben, denn es Christum furbildet ynn gnediger tzukunfft, den ßonst niemant mag empfahen noch auffnehmen, er glewbe denn, das er der man sey und der meynung komme, wie yhn ditz Euangeliom furhellt. Es ist eyttell gnade, senffte unnd gutte alles, was hie ynn Christo tzeygt wirtt, vnnd wer, unnd wer das an yhm glewbt und yhn dafur hellt, der ist selig. Da sihe tzu : Er reyttet nit auff eynem hengst, das ehn kriegisch thier ist, kompt nit yn schrecklicher pracht und gewalt, ßondern sitzt auff eynem Esell, wilchs da ist eyn unstreyttig thier, nur tzur last und erbyt bereyt dem menschen tzu helffen, das er antzeyge, wie er komme, den menschen nitt tzu schrecken noch tzu treyben oddcr unterdrucken, ßondern tzu helffen, seyne last tragen unnd auff sich nehmen. Und wiewol des lands sitten ist alltzeytt geweßen auff eselln tzu reytten unnd die pferd tzum [WA s. 23] krieg brauchen, wie die schrifft das viel mal meldet, ßo ists doch alles darumb tzu thun, das dißes koniges eynreytten senfft und guttig wurde erkandt. Zum andern fehet er an tzu reytten und komen an dem olberg tzu beweyßen, das er nur auß unnd mit lautter barmhertzickeytt kompt; denn ole ynn der schrifft bedeutt gottis gnade, die da lindert und geschickt macht die seele, wie das ole lindert unnd hilfft dem leybe naturlich. Zum dritten ist da keyn harnsch, keyn kriegsgeschrey, ßondernn eyttell singen, loben, frolich seyn unnd gott gebenedeyen. [Lue. 19, 41. 42] Zum vierden, Christus, wie Lucas schreybt, weynet ubir die statt Hierusalem, das sie solch gnade nit erkennet noch auffnympt, ßo gar leyd ist yhm yhr schade, schweng das er solt mit yhn streng und schrecklich farenn. Zum funfften, am aller meysten die gutte unnd senffte beweysset, das er den spruch des propheten eynfuret und gar frundtlich lockt tzum glawbenn Christum antzunhemen, umb wilchs spruchs wilen dißes Euangeli geschicht geschehen und beschrieben ist, als der Euangelist selbs bekennet; darumb last uns den spruch eben ansehen als das hewbtstuck des Euangeli. Denn darynnen wirt Christus uns außgestrichen, was wyr von yhm hallten und glewben, und was von yhm tzu wartten, was an yhm tzu suchen, unnd wie seyn tzu nutzen und tzu brauchen sey.

       [Sach. 9, 9, (Matth. 21, 5)] Zum ersten spricht er: Saget der tochter Zion, das ist den predigernn, gesagt, und yhn wirtt damit befolhen eyn new predigt, die sie predigen sollen, nemlich nichts anders, denn was die folgende wortt geben, das ist, eyn recht selige erkentniß Christi, wer etwas anders denn ditz predigt, der ist eyn wolff und vorfurer. Und das ist der spruch eyner, darynnen das Euangelium [WA s. 24] [Röm. 1, 1 –4] verheyssen ist, davon Paulus Ro. 1. sagt. Denn Euangelium ist eyne predigt von Christo, wie er hie wirt furgebildet, das man soll glewben. Nu hab ich offt gesagt von zweyerley glawben. Der erst, ßo du wol glewbist, das Christus eyn solch man sey, wie er hie und ym gantzen Euangelio beschrieben und gepredigt, aber du glewbist nit, das er dyr eyn solch man sey, tzweyffelst dran, ob du solchs von yhm habist unnd haben werdist, unnd denckist, ya, er ist wol eyn solch man den andern, alß S. Peter Paul, unnd den frummen heyligen, wer weyß, ob er myr auch alßo sey, unnd ob ich mich eben desselbigen tzu yhm solle vorsehen unnd drauff lassen wie dieselbigen heyligen. Sihe, dißer glaube ist nichts, empfehet auch noch schmeckt Christum nymmer mehr, kan auch keyn lust noch liebe von yhm und tzu yhm empfinden. [Jak. 2, 19] Es ist eyn glawbe von Christo, und nit tzu odder ynn Christum, wilchen auch die teuffel haben sampt allen boeßen menschen, denn wer glewbt nit, das Christus den heyligen eyn gnediger koenig sey? Dißen heyloeßen unnd nichtigen glawben leren itzt die vordampten teuffelssynagogen, die hohen schulen Pariß mit yhrer schwesternn, sampt den klosternn und allen papisten. Sprechen, derselbige glawb sey gnug, das er Christen mache. Das ist eygentlich nit anders geleret, denn vorleucken den christlichen glawben, heyden und turcken [2. Petri 2, 1] auß den christen machen, wie .S. Petrus .2. Pet. 2. von yhn vorkundigt hat und gesagt; Es werden falsche lerer unter euch seyn, die den herrnn, der sie kaufft hat, vorleucken werden.

       [Sach. 9, 9 Matth. 20, 5)] Zum andern spricht er: Der tochter Zion; da wirt berurtt der ander rechtschaffen glawbe. Denn ßo er befilhet tzu sagen von Christo die folgende wort, ßo muß auch da seyn yemand, der sie hoere, auffnehme und mit festem glawben dran hange. Er spricht nicht: Saget von der tochter Zion, alß sollt yemand anders von yhr glewben, das sie Christum hett, ßondern tzu yhr selb sollt yhr sagen, sie soll es von sich selb glewben und hallten on allen tzweyffel, das yhr geschehe wie disse worte lautten; das ist der glawbe, wilcher auch alleyne der Christlich glawbe heyst, wenn du glewbist on alles wancken, [WA s. 25] Christus sey nit alleyn .S. Petro unnd den heyligen eyn solcher man, ßondernn auch dyr selbs, ia dyr selbs mehr denn allen andernn. Es ligt deyne selickeyt nicht daran, das du glewbist Christus sey den frummen eyn Christus, ßondern das er dyr eyn Christus und deyn sey. Dißer glawb macht, das dyr Christus lieblich gefellt unnd sueß ym hertzen schmeckt, da folgen nach lieb unnd gutte werck ungetzwungen. Folgen sie aber nit, ßo ist gewißlich dißer glawb nit da; denn wo der glawbe ist, da muß der heylig geyst bey seyn, liebe unnd gutt ynn unß wircken. Dißen glawben vordamnen itzt die abtrunigen und vorleuckete Christen, der Bapst, pfaffen, munich, und hohen schulen, sprechen, es sey eyn vormessenheyt, die sich den heyligen wollen [2. Petri 2, 1. 2] gleychen, damit erfullen sie aber die prophecey S. Petri .2. Pet. 2. da er sagt von den obgenanten falschen lerern: Durch diße wurt der weg der warheyt vorlestert werden; daher kompts, das, wenn sie horen den glawben preyssen, meynen sie, man vorpiete die lieb unnd gutte werck, wissen fur grosser blindheyt nit, was glawb, liebe, oder gute werck sind; wiltu aber eyn Christen seyn, ßo mustu diße wort dyr lassen gesagt feyn, dyr, dyr, und dran hangen, on allen tzweyffel gleuben, es geschehe dyr wye sie lautten, must es nit eyn vormessenheytt achten, das du dich darynn den heyligen gleychist, sondern eyn aller nottigiste demut und vortzagung, nit an gottis gnaden, ßondern an dyr selbs. Gott wil solch vormessenheyt auff seyne angeboten gnade haben, bey vorlust ewiger selickeyt. Wenn du den heyligen nit willt gleych und auch heylig werden, wo wiltu denn bleyben? Das were vormessenheyt, wenn du durch dich selbs und deyne werck wolltist heylig und selig werden, wie fie itzt leren die abtrunigen Papisten, nennen das vormessenheytt, das glawbe ist, unnd das glawbe das vormessenheyt ist, das elend vorkeret volck; das du aber ynn Christo unnd durch seyn komen, ym glawben vormissist heylig zu seyn, das ist die rechte eher und lob gottis, damit du seyne gnade unnd werck ynn dyr bekennist, liebist und lobist, und dich selb mit deynen wercken furwirffist, vorachtist, vordammist und an dyr selb vortzagist; das heyst eyn Christen. Denn wyr sprechen: Ich glawbe eyn heylige Christliche kirche, die da ist eyn gemeyne [WA s. 26] der heylgen. Wiltu eyn stuck von der heyligen Christlichen kirchen und gemeyne der heyligen seyn, ßo mustu yhe auch heylig seyn, wie sie ist, aber nit durch dich noch auß dyr, ßondern auß Christo alleyn, auß wilchem auch alle andere heylig sind.

       [Sach. 9, 9, (Mathh. 21, 5)] Zum dritten, er spricht; Nym war, oder sihe da. Mit wilchem wortt er uns gleych vom schlaff und unglawben auffweckt, als der ettwas grossis, seltzamß, mercklichs furgeben wolle, des man lange begerd, und mit freuden auffnehmen solle. Und ist solch auffwecken auch wol nott, auß der ursach, das alles, was den glawben betrifft, der vornunfft und natur voracht, unnd gantz uneben ist. Als das dißer sollt seyn der konig von Hierusalem, der ßo arm und gering daherferet, das er nur auff eynem frembden gedingten Esell reyttet, wie mocht das natur und vornunfft erkennen? Wie reymet sich das eynreytten tzu eynem grossen konig? Aber der glawb ist der artt, das er nit richtet noch folget darnach er sihet und fulet, ßondern darnach er horet. Am wort hanget er alleyn, und gar nichts am gesicht odder geperde. Darumb haben auch alhie Christum nit auffgenommen fur eynen konig, on alleyn die dem wort des propheten gefolget, ynn Christum geglewbt und seyn konigreych nitt mit den augen, ßondern mit dem geyst ermessen und empfangen haben, wilche sind auch die rechte toechter Zion. Denn es ist nit muglich, das sich nit ergern sollt ynn Christo, wer dem gesicht und fulen will folgen, und nit am blossen lauttern wortt festiglich hafftet. Und ditz bild last uns hie das erste empfahen und behalten, darynnen uns die artt des glawbens wirt furgebildet; denn tzugleych wie alhie der anblick unnd gegenwurff des glawbens, ist doch tzumal gar nichts unnd widdersynnisch aller vornunfft und natur. Alßo ist ynn allen artickelln unnd fellen des glawbens gleych derselbige nichtige widersynnisch blick. Auch were es keyn glawbe, wo es schyne unnd geperdet wie der glawbe acht und die wort lautten, unnd eben darumb ists glawbe, das es nit scheynet noch geperdet, wie der glawbe und die wortt lautten. Hette Christus wie eyn welltlicher konig prechtlich eyngeritten, ßo were der scheyn unnd die wortt der vornunfft und natur eben und gemeß geweßen, und es hette sich gefulet ynn den augen, wie die wortt lautten, aber [WA s. 27] damitt were keyn glawb da blyben. Alßo gehet es, das wer ynn Christum glewbt, der muß reychtum unter armutt, ehre unter schmach, freude unter betrubniß, leben unter dem todt erkennen und behallten durch den glawben, der ynn gottis wortten hanget und solchs gewarttet.

       [Sach. 9, 9, (Matth 21, 5)] Zum vierden. Deyn konig. Hie ßondert er dißen konig von allen andernn konigen, es ist deyn konig (spricht er), der dyr verheyssenn ist, des du eygen bist, der dich unnd ßonst keyner [Bl D ij] regirn soll, doch ym geyst unnd nit nach leyplichem regiment. O das ist eyn trostlich wortt eynem glewbigen hertzenn; denn außer Christo ist der mensch vielen wuetenden tyrannen unterworffen, die nit konige, ßondern seyne morder sind, unter wilchen er leydet grosse nott unnd angst, als da sind: der teuffell, das fleysch, die wellt, die sund, datzu auch das gesetze, und der todt mit der hellen, von wilchen allen das elend gewissenn unterdruckt, eyn schwere gefenckniß hatt unnd eyn sawr engstlich leben furett. Denn wo sunde sind, da ist keyn gutt gewissen; wo keyn gutt gewissen ist, da ist eyttel unsicher weßen unnd unableßliche furcht des todts unnd der hellen, fur wilchen mag keyn freud noch lust ym hertzenn [3. Mose 26, 36 [!]] bestehen grundlich, ßondernn, wie Levit. 19. sagt: Eyn solch hertz erschrickt auch fur eynem rauschenden blatt. Wo aber eyn hertz dißen konig auffnympt mitt eynem starcken glawben, der ist sicher, furcht sich widder fur sund, todt noch helle noch allem ungluck; denn er weyß wol unnd tzweyffellt nicht, das dißer seyn konig eyn herr ist, ubir leben unnd todt, ubir sund unnd gnade, ubir helle unnd hymell, unnd alle ding ynn seynen henden sind. Denn darumb ist er unßer konig worden unnd tzu uns kommen, das er uns von allen solchen schweren tyrannen erloßet und er selb alleyn ubir uns regirete; darumb wer unter dißem konige ist unnd hellt auff yhn ym festenn glawbenn, dem mag widder sund, todt, helle, teuffell, menschenn noch alle creatur schaden, ßondernn gleych wie seyn konig lebt on sund unnd selig ist, alßo muß er durch yhn auch on todt, on sund, lebendig unnd selig behallten werden ewiglich. Sihe, solch grosse ding haben ynnn sich diße geringe wort: Nym war, deyn konig, solch ubirschwencklich grosse gutter bringt der arm esellreytter und [WA s. 28] unachtßamer konig. Solchs alles sihet nit vornunfft, begreyfft auch nitt die natur, ßondernn alleyn der glawbe. Darumb heyst er wol deyn konig, deyn, deyn, der du von suenden, teuffel, todt und helle, fleysch und wellt geregirt und getrieben wirst, das du unther yhm sussicklich ynn gnadenn, ym geyst, ym lebenn, ym hymell, ynn gott geregirtt und gefurett wirdist, wilchs dyr denn auch widderferett, ßo du nur glewbist, das ehr eyn solcher konig sey, solch regimentt habe, unnd datzu kome und gepredigt werde; denn wo du das nit an yhm glewbist, ßo wirstu es ßonst mit keynem werck ymmer mehr erlangen. Wie du von yhm helltist ßo hastu yhn, was du dich tzu yhm vorsihest, das findistu an yhm, und wie du glewbist, ßo geschicht dyr. Er bleybt doch der er ist, unvorrucklich, eyn konig des lebens, der gnade, der selickeyt, es werde geglewbt odder nit.

       [Sach. 9, 9, (Matth. 21, 5)] Zum funffte: Er komet. On tzweyffell du kompst nit tzu yhm und holist yhn, er ist dyr tzu hoch und tzu fern, mit deyner kost, muhe unnd erbeytt magstu nicht an yhn gelangen, auff das du dich nit rhumist, als habstu yhn durch deyn vordinst und wirdickeyt tzu dyr bracht. Neyn, lieber mensch, alle vordinst und wirdickeyt ligt hie ernydder, und ist nichts da, denn eyttell unvordinst und unwirdickeyt auff deyner seytten. Eyttell gnad und barmhertzickeyt auff seyner seytten. Der arm und reych komen hie tzusamen, wie [Spr. 22, 2 [!]] David ym psalter sagt. Und hiemitt werden vordampt alle die schendlichen unchristlichen lere vom freyen willen, ßo auß Bapst, hohen schulen und klostern komen; denn alle yhre lere ist, das wyr sollen anfahen und den ersten steyn legen. Wyr sollen auß krafft des freyen willen tzum ersten gott suchen, tzu yhm komen, yhm nachlauffen und seyne gnade erwerben. Hutt dich, hutt dich, fur dißer gifft, es sind eyttell teuffels lere, dadurch alle wellt vorfuret ist. Ehe denn du gott anruffist odder suchist, muß gott tzuvor komen [Röm. 10, 14. 15] seyn und dich funden haben, wie Paulus sagt Ro. 10: Wie mugen sie gott anruffen, wenn sie nit tzuvor glawben? wie mugen sie aber glewben, wenn sie nit tzuvor horen, wie mugen sie aber horen, wenn nitt tzuvor predigt wirt? wie mugen aber sie predigen, wenn nit tzuvor sie gesand werden? &c.. Gott [WA s. 29] muß den ersten steyn legen und anfahen ynn dyr, das du yhn suchist und bittist. Er ist schon da, wenn du anfehist und suchist. Ist er aber nit da, ßo fehistu gewißlich nichts an denn eyttel sund, und ßo viel grosser, ßo viel du grosser heyliger werck furnympft, und wirst eyn vorstockter gließner.

       Fragistu aber, wie muß man denn anfahen frum tzu werden, oder was muß man thun, das gott ynn uns anfahe? Antwort. Ey horistu nit, das keyn thun, keyn anfahen ynn dyr ist frum tzu werden, als wenig als auch tzunehmen und vollende ynn dyr ist, Gottis alleyn ist anfahen, foddern und vollenden. Alles was du anfehist ist sund und bleybt sund, es gleysse wie hubsch es wolle, du kanst nichts denn sundigen, thu wie du willt. Darumb ist aller schulen unnd kloster lere vorfurerey, dieweyl sie leren, anfahen, beten, gutte werck thun, stifften, geben, singen, geystlich werden, und damit gottis gnade suchen. Szo sprichstu aber: Ey, ßo must ich von nott wegen sundigen, wo ich on gott, auß lautterem freyen willen wirckt und lebt, unnd mocht sund nit meyden, ich thet auch was ich wolt. Antwort: freylich ist yhm alßo, das du must ynn sunden bleyben, thust was du willt unnd must sundigen, wo du alleyn wirckst auß freyem willen, denn ßo du selbs mochtist auß freyem willem nit sundigen, odder thun das nit sund were, was were dyr Christus von notten? Eyn narr were er, das er seyn blutt vorgosse umb deyner sunde willen, ßo du fur dich selbs ßo frey unnd mechtig werist, das du ettwas thettist, das nit sund were. Darauß sihestu, wie die hohen schulen und kloster, mit alle yhrer lere vom freyen willen und gutten wercken nit mehr thun, denn vortunckelln die warheytt gottis, das wyr nitt wissen was Christus sey, was wyr seyen, unnd wie es umb uns gethan sey, furen die gantze wellt mit sich ynn abgrund der hellen, das woll tzeyt were, das wyr alle stifft und kloster außwurtzeleten auß der erden.

       Darumb lerne hie auß dem Euangelio, wie es tzugehet, wenn gott anfehet uns frum tzu machen, und wilchs der anfang sey, frum tzu werden. Es ist keyn ander anfang, denn das deyn konig tzu dyr kome und fahe ynn dyr an, Das gehet alßo tzu, das Euangelium muß das aller erst seyn, das muß predigt und gehoret werden, ynn demselbigen horistu und lernist, wie deyn ding nichts sey, und alles suend sey, was du thuest oder anfehist, ßondern deyn [WA s. 30] konig musse ynn dyr tzuvor seyn und regirn. Sihe, da fehet denn an deyn heyl, da lessistu fallen deyn werck und vortzagist an dyr selbs, weyl du horist und sihest, das alle deyn ding sund und nichts sey, wie dyr das Euangelium sagt, und hebst an, und nympst auff deynen konig, hangist an yhm, ruffist seyne gnade an und trostist dich alleyn seyner gutte. Das du aber solchs horist und auffnympst, ist auch deyner krafft nichts, ßondern gottis gnaden, die das Euangelium ynn dyr fruchtpar macht, das du yhm glewbist, wie du und deyn ding nicht sey, denn du sihest, wie wenig yhr sind, die es annehmen, [Luk. 19, 41] das Christus auch darumb weynet ubir Hierusalem, und itzt unßer Papisten nit alleyn nitt auffnehmen, ßondern auch vordammen solche lere, denn sie wollens nitt leyden, das alle yhr ding sund und nicht sey, sie wollen den ersten steyn legen, wueten und toben widder das Euangelium.

       Weytter das das Euangelium predigt werd und deyn konig kome, ist auch nit ynn deyner macht odder vordienst, gott muß es auß lautter gnaden senden. Darumb ist keyn grosser tzorn gotis denn wo er das Euangelium nitt sendet, da muß eyttell sund, yrthum und finsterniß seyn, man thu was man thu. Widerumb keyn groesser gnade, denn wo er seyn Euangelium sendet, denn da muß frucht unnd gnade mit folgen, wie woll es nit alle, ia gar wenig, auffnehmen. Alßo ist ynn des Bapsts regiment der aller grewlichst tzorn gotis, [2. Petri 2, 1 ff.] das sie S. Petrus thar nennen die kinder der vormaledeyung, denn sie leren keyn Euangeli, ßondernn eyttel menschenlere, wie wyr leyder sehen und horen yn allen stifften, klostern und schulen. Sihe, das heyst: deyn konig kompt; nit suchstu yhn, er sucht dich, nit findistu yhn, er findet dich, denn die prediger komen von yhm, nit von dyr, yhr predigt kompt von yhm, nit von dyr, deyn glawbe kompt von yhm, nit von dyr, und alles was glawbe ynn dyr wirckt, kompt von yhm, nit von dyr, das du wol sihest, wo er nit kompt, da bleybistu wol aussen, und wo nit Euangelium ist, das da keyn gott ist, ßondern eyttel sund und vorderben, der frey wille thu, leyde, mache, lebe, wie er mag und will. Darumb frage nur nit, wo anfahen sey frum tzu werden, es ist keyn anfahen, denn wo dißer konig hynn komet und predigt wirtt.

       [Sach. 9, 9, (Matth. 21, 5] Zum sechsten. Er kompt dyr. Dyr, dyr, was ist das? Ist nit gnug, das er deyn konig ist? ist er deyn, was darff er dann sagen, er kompt dyr? Aber [WA s. 31] es ist alles vom propheten gesetzt, Christum auffs aller lieblichst eben abtzumalen, und tzum glawben tzu locken. Es ist nitt gnug, das uns Christus erlosset von der tyranney und hirschafft der sund, todts und hellen und unßer konig wirt, ßondern er gibt sich auch selbs uns tzu eygen, das es alles unßer [Röm. 8, 32] sey, was er ist unnd hatt, davon S. Paulus Ro. 8: Er hatt seynem eygen ßon nit vorschonet, ßondern fur uns alle gegeben, wie sollt er denn nit alle ding uns mit yhm geben haben? Alßo hatt die tochter Zion von Christo tzweyfaltige gutter; das erst, der glawb und den geyst ym hertzen, davon sie reyn und loß wirt von sunden; das ander, ist Christus selbs, das sie sich mag ubir die gegeben gutter rhumen von Christo, als wer es auch alles yhr eygen, das Christus selbs ist und hat, das sie sich auff Christum als auff yhr erbgutt [Röm. 8, 34] mag vorlassen, davon Sant Paulus sagt Ro. 8: Christus ist unßer mittler fur gott. Ist er unßer mittler, ßo nympt er sich unßer an und widderumb [1. Kor. 1, 30] nemen wyr uns seyn an als des unsern, und .1. Cor. 1. Christus ist uns von got gemacht ein gerechtickeyt, weyßheyt, heyligung und erloßung. Von den [Jes. 40, 1. 2] tzweyfaltigen gutern sagt Isa. 40: Seyd getrost, seyd getrost meyn volck, spricht ewr gott. Redet Hierusalem ynn yhr hertz und vorsamlet sie, yhr sund sind yhr vorgeben, yhr boßheyt hatt eyn ende, sie hatt von der hand gottis empfangen [Sach. 9, 9, (Matth. 21, 5)] tzweyfalltige guter. Sihe, das heyst hie: Er kompt dyr, dyr zu gutt, dyr zu eygen; yn dem, das er deyn konig ist, empfehistu gnade von yhm ynß hertz, damit er dyr hilfft von sund und todt und wirt alßo deyn konig, und du seyn unterthan. Aber ynn dem das er dyr kompt, wirtt er deyn eygen, das du auch seyner eygenn gutter mechtig wirst, alß eyne brautt, die yhrß breutgamß gutter mechtig wirtt, ubir den schmuck, den er an sie henget. O das ist eyn lieblich und trostlich rede, wer mag vortzagen oder sich furchten fur todt odder helle, ßo er dißen wortten glewbt, und Christum tzu eygen gewynnet?

       [Sach. 9, 9, (Matth. 21, 5)] Zum siebenden. Sanfftmuttig! Das wortt ist ßonderlich tzu mercken, und trostet lieblich die sundlichen gewissen; denn die sund macht naturlich eyn [1. Mose 3, 8] furchtsam fluchtig gewissen, das sich fur gott entsetzet und vorpirget, wie Adam ym paradiß thet, und kan nit leyden die tzukunfft gottis. Syntemal es weyß [WA s. 32] und naturlich fulet, das gott der sund feynd ist und sie grewlich straffe, darumb fleucht und erschrickt es, wo es gott nur horet nennen, besorgt sich, er schlag ßo bald mit der kewlen dreyn. Das nu solcher wahn und zag uns nit iage, verheyst er uns hie trostlich, dz diser konig kom sanfftmutig, als [1. Mose 3, 8] solt er sagen: fleuch nit und zage nit, er kompt itzt nit, wie er kam zu Adam, [1. Mose 4, 9;, 6 –8; 11; 19] Cayn, zur sindflutt, tzu Babylonien, tzu Zodoma und Gomorra. Auch [2. Mose 20] nit wie er kam tzum volck Israel auff dem berge Sinai, er kompt nit yn tzorn, will nit mit dyr rechen, noch schuld foddern. Es ist aller tzorn abgelegt, eyttel senffte und gute ist da. Er will eyn mal mit dyr faren, das deyn hertz luft, liebe, und alle tzuvorsicht tzu yhm haben soll, das du hynfurtt ia ßo seher, und viel mehr dich tzu yhm solt hallten und tzuflucht suchen, als du dich tzuvor hast fur yhm entsetzt und geflohen. Sihe, er ist doch gantz eyttell sanfftmut gegen dyr. Er ist gantz eyn ander man, stellet sich, als dem es leyd sey, das er dich yhe eyn mal erschreckt unnd fluchtig gemacht hatt mit seyner straff und tzornn, drumb wil er dich nu widderumb kuene und getrost machen, unnd frundlich tzu sich bringen. Sihe, das heyst, meyn ich, eynem armen sundlichen gewissen trostlich ynß hertz sprechen, das heyst recht von Christo predigt, und das Euangelium vorkundigt. Wie ists muglich, das eyn solch rede nit sollt eyn hertz frolich machen, und alle furcht, der sund, todts und helle vortreyben, eyn frey, sicher, gutt gewissen auffrichten, das hynfurtt mit freuden thue unnd lasse, alles und mehr denn man von yhm begerdt.

       [Sach. 9, 9] Der Euangelist aber hatt die wort des propheten ein wenig vorendertt; denn der prophet lautt alßo .Zacharie. 9: Frew dich seher du tochter Zion, und iauchtze du tochter Hierusalem, siehe da, deyn konig kompt dyr, das er sey eyn rechtfertiger unnd eyn heyland. Er ist arm und reyttet auff eynem esell [Matth. 21, 5] und auff eynem fullen, dem ßon der esellynnen. Dieße vormanung tzur freud und iauchtzen an die tochter Zion und die tochter Hierusalem, bringt der Euangelist kurtzlich ynn die wort: Saget der tochter Zion. Item er lest ausßen die tzwey wortt: rechtfertig unnd heyland. Item da der prophet spricht: er ist arm, spricht der Euangelist: er ist sanfftmuttig. Item der [WA s. 33] prophet spricht: auff dem fullen, dem ßon der esellynnen, nennet viel eselynne, plurali numero. Der Euangelist spricht: auff dem fullen, dem ßon der erbeytterynn, das ist eyn solcher eselynne, der man teglich braucht, tzur last und erbeytt. Wie wollen wyr sie beyde eyniß machen? Zum ersten ist tzu wissen, das den Euangelisten nichts ist dran gelegen, das sie nit eben alle wortt der propheten antzihen, yhn ist gnug geweßen, das sie gleyche meynung furen, und die erfullung an- tzeygen, damit sie uns ynn die schrifft weyßen, das wyr selbs sollen weytter leßen was sie lassen anstehen, und sehen, wie gar nicht sey geschrieben, das nit alles reychlich erfullet sey. Es ist auch naturlich, das, wer das werck unnd die erfullung hatt, nit ßo groß acht auff die wort alß auff die erfullung. Alßo werden wyr hernach viel mal sehen, wie der Euangelist die propheten eynfurtt ettwas vorendert, doch geschichts alles on abbruch des vorstands und meynung, wie gesagt ist.

       [Sach. 9, 9] Das nu der prophet vormanet die tochter Zion unnd die tochter Hierusalem tzur freud unnd tzum iauchtzen, gibt er ubirflussig tzuvorstehen, das dißes koeniges sey die aller trostlichst und lieblichst tzukunfft allen sundlichen gewissen, wilchs auch bedeut, das er von dem oeleberge kompt, alß sollt man mercken, das diße gnade fur ubriger grosse eyn berck der gnade mocht heyssen, die nit eyn tropffle odder hand voll sey, wie vortzeytten, ßondern eyn ubirhewffte und ubirschutte gnade, alß eyn berg. Er nennet auch das volck tzwey mal, ßo der Euangelist nur eyn mal spricht: Tochter Zion, denn es ist eyn volck, tochter Zion und tochter Hierusalem, nemlich das volck ynn der selbigen [WA s. 34] statt, das da glewbig ist und Christum auffnympt; denn, wie gesagt ist, der Euangelist will nur auffs kurtzist tzeygen die schrifft unnd unß befelhen, sie [Matth. 21, 5] selbs tzu leßen, da werden myr es weytter finden. Doch nicht deste weniger das der Euangelist nit reytzet tzur freud wie der prophet thutt, und spricht schlecht, man solls sagen der tochter Zion, thutt er darumb, das er außdruckt, wie die freud unnd das iauchtzen soll tzugehen, das nit yemandt wartte eyner leyplichen, ßondernn eyner geystlichen freude, die man nur durch sagen und hoeren mit dem glawben des hertzen schepffe; denn an dem armen eynreytten Christi war nichts froelich nach dem leyplichen ansehen ; drumb muß man seyn geystlich eynreyttenn, das ist seyn sanfftmuetickeytt, predigen unnd glewbenn, das macht froelich und lustig.

       [Sach. 9, 9, Matth. 21, 5] Das aber der prophet Christo drey titell gibt, arm, rechtfertig, und heyland, da der Euangelist nur eynen gibt: Sanfftmuetig, geschicht umb der kurtz willen, das er mehr tzeygen denn außlegen will. Es sihet mich an, alß hab der heylig geyst die Apostel und Euangelisten darumb lassen ßo kurtz brechen die spruech der schrifft, das er uns bey der lauttern bloßen schrifft behielte, und nit eyn exempel gebe den zukunfftigen außleger, die außer der schrifft viel wort machen und damit uns heymlich von der lauttern schrifft auff menschenlere tzihen, als sollt er sagen: Breytte ich die schrifft weytt auß und tzihe sie gantz an, ßo will eyn iglicher dem exempel nach alßo thun; damit wurde es geschehen, das man meyne schrifft yn andern buchern denn ynn meynem buch wurd suchen, und wurde des bucher schreybens keyn ende, und meyn buch unter die banck geworffen, wie es doch geschehen ist, drumb auff das ich sie alle ynn meynem buch behalte, will ich die spruech vorbrechen, damit locken nur tzum ursprunglichen buch, da sie weytter und gantz ynnen begriffen sind, und nit nodt sey eynem iglichen eyn ßonder buch tzu machen und ditz erste tzu vorlassen. Alßo sehen wyr auch, das aller Apostel und Euangelisten ym gantzen newen testament meynung ist, das sie uns iagen und treyben ynn das allte testament, wilch sie auch alleyne nennen die heylige [WA s. 35] schrifft; denn das newe testament solt eygentlich nur leyplich lebendige wort seyn und nitt schrifft; derhalben auch Christus nichts geschrieben hatt, als wyr horen werden am tag Epiphanie.

       Doch ynn der hebreischen sprach, lautten die tzwey wortt, Arm und senfftmutig nit fast ungleych, und heyst eyn solchen armen, nit der geprech an gellt und gutt leydet, ßondern der da ym hertzen iamerig unnd genydrigt ist, bey wilchen man auch gewißlich keynen tzorn noch hohmutt, ßondernn eyttell senffte und mitleyden findet. Und wenn wyr recht vollig dißes worts bedeuttung [Luk. 19, 41] wollen habenn, mugen wyrß am besten auß dem Euangelio Luce nehmen, da er beschreybt, Christus habe ynn dißem eynreytten ubir Hierusalem geweynett und sie beklagt. Wie du nu sihest, das Christus sich hellt, ßo deuttet das wortt Arm odder senfftmutig. Wie hellt er sich aber? seyn hertz ist voll iamers unnd mitleydenß ubir Hierusalem, da ist ßo gar keyn tzornn odder rachgichtickeytt, das er auch fur ubriger senffte weynett ubir seyner feynde vorderben. Szo boße were niemant geweßen, dem er datzumal hette eyn leyd than oder gewunscht, seyn iamer macht yhn ßo linde und senffte, das er keynß tzornß, keynes auffgeblaßen gemutts, keynes drewenß odder rechenß gedencken mag, ßondern eyttel mitleyden und gutten willen darbeutt. [Sach. 9, 9, Matth. 21, 5] Sihe, das heyst hie der prophet Arm, und der Euangelist sanfftmutig; selig ist, der Christum alßo erkennet und glewbt, denn er kan sich yhe nitt fur yhm furchten, ßondernn muß eyn frey, trostlich tzuvorsicht und tzugang tzu yhm haben, der feylet yhm auch nit ; denn wie er glewbt ßo findt er, diße wort, liegen und triegen nit.

       Das wortt, rechtfertig, soll hie nit vorstanden werden von der gerechtickeytt damit gott richtet, wie man nennett die gestrenge gerechtickeytt gottis. Denn ßo Christus mitt der tzu uns keme, wer wollt fur yhr bleyben? wer kundt [WA s. 36] yhn auffnehmen? ßo sie auch die heyligen nitt leyden mugen ; damitt were dißes eynreyttens freud, lust, und liebe gar vorkeret ynn die aller großten furcht und schrecken; ßondern es soll die gnade heyssen, damitt er uns rechtfertig macht. Ich wollt auch, das das worttle Justus, iustitia, ynn der schrifft, noch nie were ynnß deutsch auff den brauch bracht, das es gerecht, gerechtickeytt hiesse, denn es heyst eygentlich frum und frumkeytt. Und das wyr auff deutsch sagenn: das ist eyn frum man, das saget die schrifft: der ist iustus, rechtfertig odder gerecht. Aber die streng gerechtickeytt gottis nennett die schrifft: ernst gericht odder richtickeyt. Darumb soll der prophet hie alßo vorstanden werden: deyn konig kompt dyr frum, das ist: er kompt, das er dich frum mache, durch sich selbs und seyne gnade, weyß wol, das du nitt frum bist, deyne frumkeytt soll seyn nitt deyn thun, ßondernn seyne gnade und gabe, und du alßo auß yhm rechtfertig odder frum seyest; auff die [Röm. 3, 4. 26] weyße redet Sanct Paulus Ro. 3.: Er ist alleyn gerecht unnd rechtfertig, das lautt auff deutsch alßo: Alleyn Christus ist frum fur gott, und er macht auch [Röm. 1, 17] alleyn frum. Item Roma. 1: Die gerechtickeytt gottis wirtt ym Euangelio offenbart, das ist auff deutsch: die frumkeyt gottis, nemlich, seyne gnade unnd barmhertzickeytt, da durch er uns fur yhm frum macht, wirtt ym Euangelio predigt, wie du sihest auch ynn dissem spruch des propheten, das Christus wirt gepredigt uns tzur frumkeytt, das er uns frum unnd gerecht kompt, unnd wyr durch yhn frum unnd gerecht ym glawben sollen werden.

       Merck dißes stuckle mit vleyß, das, wo du ynn der schrifft findist das wortle: gottis gerechtickeytt, das du dasselb ia nit von der selbwesendenn ynnerlichen gerechtickeyt gottis vorstehist, wie die papisten, auch viel heyliger veter geyrret haben, du wirst ßonst dafur erschrecken. Sondernn wisse, das [WA s. 37] es heyst nach brauch der schrifft die außgossene gnad und barmhertzickeyt gottis durch Christum ynn unß, davon wyr fur yhm frum und gerecht werden geacht, unnd heyst darumb gottis gerechtickeyt odder frumkeytt, das nit wyr, ßondernn gott sie wirckt ynn unß mit gnaden, gleych wie auch gotis werck, gotis weyßheytt, gottis sterck, gottis wortt, gottis mund heyßt, das er ynn unß wirckt [Röm. 1, 16. 17] unnd redet. Ditz alles beweyst klerlich .S. Paulus Ro. 1: Ich scheme mich des Euangelij nit, denn es ist eyn krafft gottis (vornym: die ynn unß wirckt unnd unß stercket) tzur selickeytt allen, die dran glewben; denn es wirtt gottis gerechtickeytt drynnen offinbart, alß geschrieben ist: Der gerechte lebet von seynem glawben. Hie sihestu, das er von der gerechtickeyt des glawbens sagt, und dieselbige nennet er die gerechtickeyt gottis ym Euangelio vorkundigt, syntemal das Euangelium leret nit anders ; denn wer do glewbt, der hatt gnade, und ist rechtferttig fur gott, und wirt selig. Alßo sollt du das vorstehen .Ps. 30: [Ps. 31, 2] Erloeße mich ynn deyner gerechtickeyt, das ist: mit deyner gnade, die mich frum unnd recht macht, unnd dergleychen. Auch das alhie solcher vorstand sey ynn dem worttle: gerecht, tzwingt, das ander wortle: Heyland oder seligmacher; denn ßo Christus keme mit seyner strengen gerechtickeyt, wurde er niemant selig machen, ßondernn alle vordammen. Syntemal sie alle sunder und ungerecht sind. Aber nu kompt er, das er nit alleyn frum und gerecht, ßondernn auch selig mache alle, die yhn auffnehmen, das er alleyn sey der gerechte und heyland, auß eyttel unvordienter senffte und guttickeyt allen sundern gnediglich angebotten.

       [Matth. 21, 5] Das aber der Euangelist die Eselynne nennet eyn erbeytterynn odder lasttregerynn, [Sach.9, 9] hatt er außdruckt, was es fur eyn Esellynne sey geweßen, da der prophet von sagt, alß sollt er sagen: Die prophecey ist erfullet ynn dißer eselynne, die do lastbar war. Es war nit eyne beßondere esellynne, die drauff er- tzogen were, wie nach gewonheyt des lands die reyttesell ertzogen werden, ßo gar und gantz schlecht ist die erfullung tzugangenn. Und das der [Sach.9, 9] prophet spricht: der Esellynnen, alß sey ditz fullen vieler esellynnen geweßen, ist die meynung: Es sey eyn fullen geweßen, wie die Esellynnen haben, das es nit eyn fullen der pferd war.

 

[Die guten werck]

Das sey gnug vom ersten stuck vom glawben. Nu komen wyr auff das ander, auff die guten werck, das wyr Christum nit alleyn tzur gabe empfahen [WA s. 38] durch den glawben, ßondern auch tzum exempel durch die liebe gegen unßerm nehisten, dem wyr sollen dienen und gutt thun, wie uns Christus thut. Der glawb bringt und gibt dyr Christum tzu eygen, mit all seynen gutern. Die liebe gibt dich deynem neysten mit alle deynen guttern, und ynn den tzweyen steht eyn Christlich leben, lautter und volkomlich; darnach folget denn leyden und vorfolgung umb solchs glawbens unnd liebe willen, darauß wechst denn hoffnung ynn der gedullt. Nu fragistu villeycht, wilchs denn die gutte werck sind, die du deynem nehisten thun solt, ßo antwortt sichs, das sie keynen namen haben, ßondernn tzugleych als die gutte werck, die dyr Christus thut, keynen namen haben, alßo sollen unnd mugen auch die gutte werck keynen namen haben, die du deynem nehisten thun solt. Wobey sollen sie denn erkennet werden? Anttwortt: darumb haben sie keynen namen, das sich nitt eyn unterscheyd erhebe und stucklich sich teylen, das du ettliche thuest unnd ettliche nicht thuest, ßondernn du gantz und gar sollt dich yhm ergeben, mit allem, das du vormagist, gleych wie Christus hatt nitt alleyn fur dich gepettet odder gefastet. Beten und fasten ist nitt das werck, das er dyr than hatt, ßondern sich selb gantz dyr geben, mitt beten, fasten, allen wercken und leyden, das nichts an und yn yhm ist, das nit deyn sey und dyr gethan. Alßo ist nit das deyn gutt werck, das du eyn almoßen gibst odder bettist, ßondern wenn du deynem nehisten dich gantz ergibst, und yhm dienist, wo er deyn darff und du vormagst, es sey mit almoßen, beten, erbeytten, fasten, radten, trosten, leren, vormanen, straffen, entschuldigen, kleyden, speyßen, tzuletzt auch leyden unnd sterben fur yhn. Sage myr, wo sind itzt solche werck ynn der Christenheytt?

       Wolt gott, ich hette hie eyne stymme wie eyn donnerschlag, das ich kundt ynn alle wellt schallen und das wortlin: Gute werck, allen menschen auß dem hertzen, mund, oren und buchernn reyssen, odder doch eynen rechten vorstandt drauff geben. Alle wellt singt, sagt, schreybt unnd denckt von guten wercken, alle predigt lautten von gutten wercken, alle kloster, alle stifft, alle wellt gibt gute werck fur, und yderman will mit guten wercken umbgehen. Und geschehen doch nyrgentt gutte werck, ia, niemandt weyß ettwas drumb. Ach, das alle predigestule ynn aller wellt ym fewr legen und pulver weren, wie vorfuret man das volck mitt guten wercken! Gute werck nennen sie die gott nit gepotten hatt, als da sind: wallfart, fasten den heyligen tzu ehren, kirchen bawen und schmucken, Meß, vigilien stifften, roßenkrentz beten, viel plappern unnd plerren ynn den kirchen, Monch, Nonne, pfaffen werden, ßonderlich speyß, [WA s. 39] kleyder unnd stett brauchen, unnd wer mag sie alle ertzelen, die grewliche grewele und vorfurung, das ist, des Bapsts regiment und heylickeyt.

       Hastu nu oren, die da horen konnen, und eyn hertz, das da mercken muge, ßo hore doch und lerne umb gottis willen, was gutte werck sind unnd heyssen. Eyn gutt werck heyst darumb gutt, das es nutze sey, und wolthu und helffe, dem es geschicht; warumb sollt es ßonst gutt heyssen? Denn es ist eyn unterscheyd unter gutten wercken und grossen, langen 2, vielen, schonen wercken; das du eynen grossen steyn weyt wirffist, ist eyn groß werck, wem ists aber nutz und gutt? das du wol springen, rennen, stechen kanst, ist eyn feyn, schon werck, wem ists aber nutz und gutt? wem hilffts, das du eynen kostlichen rock tregist, eyn schon hawß bawist? Und das ich auff unßer ding kome: wem hilffts, das du sylber und golt an die wend, steyn und holtz schmierst yn den kirchen?3 wer ists gepessert, ob alle dorff tzehen glocken hetten, die ßo groß weren als die tzu Erffurtt?4 wen hulffs, das alle hewßer eyttell stifft und kloster weren, ßo kostlich als der tempell Salomonis? wen hilfftts, das du S. Catharin, S. Martin, dißem und dem heyligen fastist? wem ists nutz, ob du gantz odder halb beschorn, graw odder schwartz kutten tregist?6 wen hulffs, ob alle menschen alle stund Meß hiel- ten? was ists nutz, ob ynn eyner kirchen, wie tzu Meyssen, tag und nacht on unterlaß gesungen wirtt?7 Wer ists gepessert, ob gleych mehr sylbern bild und kleynodt ynn allen kirchen weren denn zu Halle und Wittemberg?8 Eyttel narrnwerck und vorfurung [WA s. 40] ist das allesampt. Menschenlugen habens ertichtet, und gute werck genennet, geben fur, man diene gott damit und bitte fur die leutt und yhre sunde, gerad als were got mit unßerm gutt geholffen, oder seyne heyligen durfften unßer werck. Stock und steyn sind nicht ßo grob und toll als wyr sind. Eyn bawm tregt frucht nit yhm selb, ßondern den menschen und thieren zu gutt, das sind seyne gutte werck.

       [Matth, 7, 12] Drumb hore, wie Christus gutte werck deuttet, Matt. 7: Was yhr wollt, das euch die leutte thun, daselbige thutt yhr auch yhn; das ist das gesetz unnd die propheten. Horistu hie, was der ynnhalt sey des gantzen gesetzs unnd aller propheten? Nit soltu gutt thun gott und seynen heyligen, sie durffens nitt, viel weniger dem holtz und steyn, wilchen es nit nutz noch nott ist, ßondern den leutten, den leutten, den leutten, horistu nit, den leutten solltu thun alles, was du woltist dyr gethan haben.

       Ich wollt on tzweyffell nitt, das du myr eynen kirchenthurn bawist odder glocken gossist, ich wollt nit, das du myr eyn orgell mitt viertzehen register unnd tzehen fach fleuttenwergk mechtist, davon kan ich wider essen noch trincken, wider meyn kind noch weyb vorsorgen, widder hawß noch acker hallten; die augen magistu myr damitt weyden unnd die oren kutzelen, was gebe ich aber dieweyl meynen kindern? wo bleybt meyn notturfft?3 O toll, [Matth. 15, 14] toll, toll, datzu Bisschoff unnd fursten, die es weren solten, sind die furnehmsten yn solchem narrnwerck, und furett eyn blind den andernn. Es gemanet mich solcher leutt eben, wie der iungen meydlin, die mit tocken spielen, und kneblin, die auff stecken reytten ; furwar es sind rechte kinder unnd tockenspieler und steckenreytter!

       Szo merck nu: gegen gott und seyne heyligen darffistu keyn guttis thun, ßondern nur gotts holenn, suchen, bitten und empfahen durch den glawben, von yhm. Christus hatts alles fur dich than und außgericht, sund betzallt, gnad, leben unnd selickeytt erworbenn, laß dyr an yhm benugenn, denck nur, das du yhn yhe mehr und mehr ynn dich bringist und solchen glawben sterckist. Darumb alles gutts, das du thun kanst, und deyn gantzes leben [WA s. 41] richte dahynn, das es gut sey; denn 1 aber ist es gutt, wenn es andern leutten nutz ist, und nit dyr selbs; denn du darffist seyn nit, dieweyl Christus fur dich than hatt unnd geben alles, was du fur dich suchen odder begeren magst, hie und dort, es sey vorgebung der sund, vordienst der selickeyt, odder wie es mag genennet werden. Findistu eyn werck an dyr, das du gott odder seynen heyligen oder dyr tzu gutt thuest und nit alleyn deynem nehisten, ßo wisse, das das werck nit gutt ist. Alßo soll eyn man seynem weyb und kind, das weyb dem man, die kinder den eltern, die knecht den herrn, die herrn den knechten, die ubirkeyt den unterthan, die unterthan der ubirkeyt, und eyn iglicher dem andern, auch den feynden, zu lieb und dienst, leben, reden, thun, horen, leyden und sterben, das ymmer eyniß des andern hand, mund, auge, fuß, ia hertz und mutt sey; das heyssen recht Christlich, naturlich gutte werck, die on unterlaß, alle tzeytt, an allen ortten, gegen allen personen geschehen mugen und sollen. Daher sihestu, das die werck der Papisten ynn orgelln, singenn, kleyden, leutten, reuchen, sprengen, wallen, fasten &c.. sind wol schone, grosse, viele, lange, breytte unnd dicke werck, aber es ist keyn gutt und nutzlich odder hulfflich werck drunder, das man wol mag von yhn sagen das sprichwortt: Es ist schon boße.

       Aber hie hute dich fur yhren spitzen subtiliteten, da sie sagen: Ja, ob solche werck nit leyplich dem nehisten gutt oder nutzlich sind, ßo sind sie doch geystlich nutz seyner seelen, das gott damit gedienet und vorsunet und seyne gnade erlanget wirtt; hie ists tzeytt, das ich sage: du leugist ßo weytt als deyn maul ist, Gott wirt nit mit wercken, ßondern mit glawben gedienet, der glawb muß alles thun, was tzwisschen uns und gott geschehen soll, derselbige kan wol mehr seyn ynn dem mullerknecht denn ynn allen Papisten, und kan mehr erwerben denn alle pfaffen und munch mit hyren orgeln und gauckelwerck, wenn sie gleych mehr orgelln hetten, denn itzt pfeyffen drynnen sind. Wer glawben hatt, der kan fur den andernn bitten, wer den nit hatt, der kan nichts bitten; drumb ists eyn recht teuffels lugen, das man solch eußerlich pompen geystlich nutz und gut acht ; es thutt eyn mullersmagd, ßo sie glewbt, mehr gutts, erlangt auch mehr, wollt mich auch mehr drauff lassen, wenn sie nur den sack vom esell nympt, denn alle pfaffen und munch, wenn sie sich tag unnd nacht tzu todt sungen unnd auffs blutt marterten; yhr grossen, [WA s. 42] groben narrn, wolt yhr den leutten helffen mit ewrem glawbloßen weßen, und geystlich gutter außteylen, ßo doch auff erden nit ist eyn elender, durfftiger, geystloßer volck denn yhr seyd. Nit geystlich, ßondern geystloß sollt man euch billich heyssen.

       Sihe, solch gute werck leret hie Christus yn seynem exempel. Sage an, was thutt er hie, damit er yhm selber nutz sey und guts schaffe? Der prophet [Sach. 9, 9] gibts alltzu mal der tochter Zion unnd spricht: Er kompt dyr, unnd das er rechtfertig, heyland, sanfftmutig kompt, gillt alles dyr, das er dich rechtfertige unnd selig mache. Niemant hatte yhn drumb gepeten noch beruffen, frey von yhm selber, auß lautter liebe kompt er, das er nur gutt thue, nutzlich und hulfflich sey. Nu ist seyn werck nit eynerley, ßondern allerley, nemlich ßo viel dartzu gehoret, das er sie rechtfertige und selig mache. Rechtfertig aber und selig machen bringt mit sich ßo viel, das er sie von sunden, todt und helle erloße, und thutt das nit alleyn seynen freunden, ßondern auch seynen feynden, ia, eyttel feynden, auch ßo hertzlich, das er ubir sie weynett, die yhn solch gute werck nit wollen lassen thun noch yhn auffnehmen; darumb setzt er alles dran, was er hatt unnd ist, auff das er yhr sund tilge, den todt und helle ubirwinde, und sie rechtfertige und selig mache, behellt gar nichts fur sich selbs, lest yhm benugen, das er tzuvor gott hatt und selig ist, dienet alßo nur uns, nach dem willen seynes vaters, der solchs von ihm wolt gethan [Matth. 7,12] werden. Da sihe nu, ob er nitt das gesetz hallte: Was yhr wollet, das euch die leutt thun sollen, das thut yhr auch yhn?! Ists nit war?, eyn iglicher wolt auß hertzengrund, das eyn ander fur seyne sund trette, neme sie auff sich und vortilgete sie, das sie das gewissen nitt mehr bissen, dartzu hulff yhm von dem todt und loßet yhn von der helle? Was begerd yederman tieffer, denn das er des todts und der hellen loß mocht seyn? Wer wolt nit gerne on sund seyn und eyn gutt, frolich gewissen haben tzu gott? sehen wyr nicht, wie alle menschen mit beten, fasten, wallen, stifften, moncherey und pfafferey darnach streben? wer dringt sie? nemlich die sund, der todt und die helle, dafur weren sie gern sicher. Und wenn eyn artzt were am end der wellt, der datzu helffen kundt, alle land wurden wust werden, und yderman wurd tzu dem artzt lauffen, gutt, leyb und leben an die reyße wagen.

       Und wen Christus selbs mit todt, sund und helle, wie wyr, umbfangen were, ßo wurde er auch wollen, das yhm yemandt erauß hulffe, seyne sund [WA s. 43] von yhm nehme und yhm eyn gut gewissen machet; darumb weyl er dasselbige [Matth. 7, 12] wollt von andernn yhm gethan haben, ßo feret er tzu unnd thutt auch dasselbige den andern, wie das gesetz sagt, und tritt ynn unßer sund, geht ynn den todt, und ubirwindt fur uns, beyde sund und todt und helle, das hynfurt alle, die ynn yhn glewben und seynen namen anruffen, sollen gerecht unnd selig seyn, on sund unnd todt, eyn gutt, frolich, sicher, unerschrocken, selig [Joh. 8, 51] gewissen haben ewiglich, wie er sagt Johan. 8: Wer meyn rede hellt, der wirt [Joh.11, 25.26] nymmermehr den todt schmecken. Unnd Johan. 11: Ich bynn das leben und die aufferstehung, wer an mich glewbt, der wirt nymmermehr sterben ewiglich, und ob er stirbt, ßo wirt er dennoch leben. Sihe, das ist die grosse [Sach. 9, 9] freude, datzu der prophet vormanet unnd spricht: Frew dich seer, du tochter Zion, Jauchtze du tochter Hierusalem; das ist die rechtfertigkeytt unnd das heyll, datzu dißer heyland unnd konig kompt, das sind seyne gutte werck uns gethan, damit er das gesetz erfullet. Darumb ist das sterben der Christglewbigen nit eyn sterben, ßondern eyn schlaff; denn sie sehen und schmecken [Ps. 4, 9] den todt nit, wie hie Christus sagt, davon Ps. 4. sagt: Ich will mich mit friden nyderlegen und schlaffen, denn du hast mich yn gute zuvorsicht gesetzt. Daher auch der todt eyn schlaff genennet wirt ynn der schrifft.

       Die Papisten aber und yhre schuler, die dem todt und sund unnd hellen mitt wercken unnd gnugthun wollen entlauffen, mussen ewiglich drynnen bleyben; denn sie unterstehen das tzu thun auß yhn selbs, das alleyn Christus than hatt und thun kundt, von wilchem sie es auch gewartten sollten, durch den glawben; darumb ists auch das vorkerete unsynnige volck, das die werck Christo zu dienst thut und seynen heyligen, die sie den nehisten thun sollten, widderumb, was sie an Christo gewartten sollten mit dem glawben, das wollen sie bey yhn selbs finden, und sind ßo fernn tzuletzt komen, das sie es an steyn und holtz, an glocken und rauch wenden, das sie an yhren nehisten solten wenden, gehen alßo ymmer hynn, thun gott und seynen heyligen viel gutts, fasten yhn unnd stifften yhn horas, lassen aber dieweyll yhren nehisten bleyben wie er bleybt, dencken nur: hetten wyr uns tzuvor geholffen!; ßo kompt darnach der Bapst, und vorkeufft yhn seynen trewdel und [WA s. 44] brieff, und furet sie von mund auff gen hymel, nit ynn gottis hymel, ßondern ynß Bapsts hymel, der ist ynn abgrund der hellen. Sihe, das ist die frucht des unglawbens und unerkentniß Christi, den lohn haben wyr, das wyr das Euangeli haben unter der banck ligen lassen und menschenlere auffgeworffen. Ich sage noch eyn mal, ich wolt alle predigstuel ynn der welt legen ym fewr mit kloster, stifften, kirchen, klausen und capellen, und were alles eyttel aschen und pulver umb der grewlichen vorfurung willen der armen seelen.

       Sihe, nu weystu, was gute werck sind; denck nu und hallt dich darnach, was deyn sund, tod und helle betrifft, da hut dich fur, das du nichts tzu thuest; denn da kanstu nichts schaffen, deyn gute werck sind da nichts, du must eynen andern da wircken lassen, Christo gepuren solche werck selber und eygentlich tzu thun, du must yhm dißen spruch lassen, das er sey der konig Zion, der do kompt, das er alleyn sey der rechtfertige heyland, an yhm und ynn yhm mustu die sund und den todt vortilgen durch den glawben; drumb wer dich leret werck tzu thun, deyne sund tzu tilgen, da hutt dich. Furen sie [Dan. 4, 24] ettlich spruech der schrifft, als da Daniel sagt: Du solt deyn sund loßen mit [1. Petri 4, 8] almoßen und S. Petrus: Die liebe bedeckt die menge der sunde, und dergleychen, ßo sey weyße; denn solche spruech wollen nit, das die werck mugen sund vortilgen odder gnugthun, denn das were Christo dißen spruch und gantzes eynreytten genommen unnd alle seyne werck vorleucket, ßondern das solche werck eyn gewiß zeychen sind des glawbens, der an Christo erlangt aller sund und tods ubirwindung. Denn es ist nit muglich, das der nitt lieben sollt unnd gutts thun, der Christum glewbt fur seynen rechtfertigen [Matth. 7, 16 –20] heyland. Thutt er aber nit gutt odder liebt nit, ßo ists gewiß, das der glawbe nit da ist; darumb erkennet der mensch auß seynen fruchten, was er fur eyn bawm ist, und an der liebe und wercken wirt er gewiß, das Christus ynn yhm ist unnd er an yhn glawbt. Wie auch sanct Petrus sagt .2. Pet. 1: [2, Petri 1, 10] Lieben bruder, thut vleyß, das yhr durch gutte werck ewren beruff und erwelung gewiß machet, das ist: wenn yhr euch frisch ubet ynn guten wercken, ßo werdet yhr gewiß und kundt nit tzweyfelln, das euch gott beruffen und erwelet hatt. Darumb tilget der glawb viel anders die sund denn die liebe, [WA s. 45] der glawbe tilget sie mit eygener thatt alleyn, aber die liebe odder gutt werck bewerdt und beweyset, das der glawb solchs than habe und da sey. Das auch [1. Kor. 13, 2] S. Paulus .1. Cor. 13. thar sagen: Wenn ich allen glawben hett, das ich auch berge vorsetzte, ßo ich nit hab die liebe, ßo bynn ich nichts. Warumb? on tzweyffel, das auch der glawb nit da ist, wo nit die liebe da ist, denn sie bleyben nit von eynander. Drumb sihe tzu, das du nit dich yrr machen und vom glawben auff die werck furen lassist. Gutte werck muß man thun, aber nit auff sie, ßondernn auff Christus werck die tzuvorsicht bawen, unnd die sund, den tod und die helle nit mit unßern wercken antasten, ßondernn sie von uns weyßen, auff den rechtfertigen Heyland, auff den konig von Zion, der auff dem esell reytt, der weyß mit der sund, tod unnd hell umbtzugehen, das ist der sunde toedter, der todtwurger unnd der hellefresser ; den man laß mit solchen sachen schaffen, unnd lege deyne werck an deynen nehisten, das du damit eyn gewiß tzeychen habist des glawbens an den heyland und sundtodter. [1. Petr. 4, 8] Szo tilget die liebe und gute werck deyne sund, auch fur dyr, das du es empfindist, wie der glawbe tilget fur gott, da du es nit empfindest.

 

[Die mysteria oder geystlichen bedeuttung]

Nu last uns das dritte stuck auch handelln, die mysteria oder geystlichen bedeuttung. Hie ist tzu wissen, das alle das leypliche wandelln und wallen [WA s. 46] Christi bedeut seyn geystlich wallen, alßo das seyn leyplich gehen bedeutt das Euangelium und den glawben; denn tzugleych alß er mit seynen leyplichen fussen ist gangen von eyner statt tzur andernn, alßo ist er durchs predigen komen ynn alle wellt; darumb weyßet ditz Euangelium feyn, was da sey das [WA s. 47] Euangelium, wie es soll predigt werden, was es thut unnd wirckt ynn der wellt; das wollen wyr sehen von stuck tzu stuck.

 

[Matth. 21, 1] Da sind nahe komen zu hierusalem unnd sindt komen gen Bethphage an den oelebergk.

Das sagen alle Apostel, das Christus sey mensch worden am end der [1. Joh. 2, 18] wellt, unnd das Euangelium solle die letzt predigt seyn .1. Johan. 2: Lieben kinder, es ist itzt die letzten stund, und wie yhr gehoeret habt, der Widderchrist wirtt komen. Nu sind itzt viel widderchristen, daher wissen wyr, das die letzten stund da ist &c.. Er nennet hie den widderchrist, den man itzt heyst Endchrist ym deutschen, aber Antichristus auff kriechisch heyst eyn widderchrist, der widder den rechten Christum leret und thutt, darumb hab ichs vordeutscht eynen Widderchrist, wie es den soll vordeutscht seyn, denn Endchrist ist nit [1. Kor. 10, 11] recht. Item .1. Cor. 10: diße ding sind geschrieben unß tzu straffen, auff wilche komen ist das end der welt; darumb, gleych wie die propheten sind komen vor der ersten tzukunfft Christi ynn die menscheyt, alßo sind die Apostelln die letzten boten gottis, gesand vor der letzten tzukunfft und iungsten tage, das sie denselbigen wie sie denn auch thun, vleyssiglich vorkundigeten; das bedeutt hie Christus, da er seyne Junger nit außsendet die esell tzu holen, diß das er nah tzu Hierusalem kam, das er schier sollt eyngehen. Alßo ist das Euangelium durch die Apostelln ynn alle wellt bracht, hartt fur dem Jungsten tag, da Christus wirt unnd soll ynn das ewige Hierusalem mit den seynen eyngehen.

[WA s. 48]

       Datzu stymmet das worttle Bethphage, wilchs auff deutsch, alß ettlich [Röm. 1. 2] sagen, heyst eyn mundhawß denn Paulus Ro. 1. spricht, das Euangelium sey tzuvor ynn der heyligen schrifft vorsprochen, aber es ward nit mundlich und offentlich predigt, biß das Christus kam und sandte die Apostelln auß. Darumb ist die kirch eyn mundhawß, nit eyn fedderhawß denn sint Christus tzukunfft ist das Euangelium mundlich predigt, das tzuvor schrifftlich ynn den buchern vorporgen lag. Auch ßo ist des newen testaments und Euangeli artt, das es mundlich mit lebendiger stym soll gepredigt und getrieben werden. Auch Christus selbs nichts geschrieben, auch nitt befolhen hatt tzu schreyben, ßondern mundlich tzu predigen. Alßo sind die Apostelln nit gesand, biß das Christus komen ist gen mundhawß, das ist: biß das es tzeytt was, mundlich tzu predigen, und das Euangelium auß der todte schrifft und feddern ynn die lebendige stym unnd mund bracht worde. Vonn der tzeyt an heyst die kirche billich Bethphage, darumb das sie die lebendige stym des Euangeli hatt und horet.

       Der oeleberg bedeutt die grosse gnade und barmhertzickeyt gottis, auß wilcher die Apostelln gesand und das Euangelium bracht ist; denn auß droben gesagten sehen wyr, wie eyn unaußsprechlich gnade es sey, das wyr Christum erkennen und haben den rechtfertigen heyland und konig. Darumb hebt er nit an tzu senden auff dem flachen felld, auch nit auff eynem durren, unschlachtigen berge, ßondern auff dem oeleberge, aller wellt tzu tzeygen, auß was [Ps. 36, 7] barmhertzickeyt er solche grosse gnade sende, das auch der prophet Ps. 35. solche gnade nennet gottisberge, und spricht Deyne gerechtickeyt ist wie die gottisberge, das ist: groß ubirhewffet, viel, und ubirschuttet, als das wol kan vorstehen wer do bedenckt, was das sey, das Christus unßer sund, todt, helle, [WA s. 49] fur uns tregt und ubirwindt und alles fur uns thut, das tzur selickeytt uns nott ist, lest uns nichts datzu thun, denn das wyr uns gegen unßern nehisten sollen uben und vorsuchen, ob wyr solchen glawben an yhn haben odder nitt. Alßo haben wyr, das der oeleberg bedeutt, wie das Euangelium da nitt ist predigt, noch gesand, denn da die tzeytt der gnaden kam; von der tzeytt an geht die grossze gnade ynn die wellt durch die Apostelln.

 

[Matth. 21, 1. 2] Do sandte Jhesus zween seyner iunger und sprach zu yhn, Geht yn das dorff, das wider euch ist.

Durch die tzween iunger sind alle Apostel und prediger bedeuttet, die yn die welt gesand sind, und das darumb, das die Euangelisch predigt bestehet mit [Röm. 3, 21] tzween zeugen, wie Paulus sagt Ro. 3: Itzt ist offenbar die frumkeyt gottis vnd wirt betzeugt durch das gesetz und propheten. Alßo sehen wyr, wie die Aposteln auch eynfuren alltzeyt das gesetz und die propheten, die von Christo ge-weyssagt haben, auff das gehalten wurd das Moses sagt und [Matth. 18, 16] Christus Matth. 18: Eyn iglich rede soll bestehen ynn tzweyer odder dreyer mund.

       Das er aber die grosse statt Hierusalem nennet eyn dorff, schweygt datzu yhren namen, geschicht darumb, das der name Hierusalem eyn heylige bedeuttung hatt, nemlich: das hymelreych und die seligkeyt ist das geystlich Hierusalem, da Christus eynrytt. Aber die Apostel sind gesand yn die welt unter yhre feynde, die keynen namen haben. Und der herr trostet und stercket hiemit die Aposteln und alle prediger, das er die grosse statt eyn dorff nennet, und spricht datzu: sie ist widder euch, als sollt er sagen, wie er Matth. 10. [Matth. 10, 16] sagt: Sehet da, ich sende euch als die schaff mitten unter die wolff, ich sende euch ynn die welt, die euch wider ist, und scheynet eyn groß dinck seyn, denn da sind konige, fursten, gelerten, reyche, viel, und alles was ynn der wellt groß [WA s. 50] [Matth. 10, 22] und ettwas ist, das ist wider euch, und wie er Matt. 10. sagt: Ihr must umb meynes namen willen allen menschen heßlich seyn. Aber furcht euch nitt, gehet nur hyn, es ist kaum eyn dorff, last euch nit bewegen alle das grosse ansehen, predigt nur frisch dawider. Denn es ist nit muglich, das der solt predigen die Euangelische warheyt, der sich furcht fur den grossen Hanßen und nit geringe achtet alles, was die wellt groß achtet. Es ist hie beschlossen, das widder die Apostel sey ditz dorff; darumb sollen sie sich nit vorwundern, ob die grossen, hohen, reychen, weyßen, heyligen stende yhr wort nit annehmen. Es muß ßo seyn, das dorff muß wider sie seyn, widderumb mussen die Apostel auch sie vorachten unnd tzu yhn eyntretten; denn der herr will keynen schmeychler tzum prediger haben, dieweyl er nit sagt: Gehet umb das [Matth. 21, 2] dorff, oder neben hynn. Neyn, nit umbhyn oder neben hyn, hyneyn geht, frisch an sie und sagt yhn, was sie nit gern horen, die euch thun, das sie gerne sehen. O wie wenig findt man itzt, die alßo hyneyn gehn yn das dorff, das wider sie ist! Gerne gehen wyr ynn die stette, die fur uns sind. Der herr hette auch hie wol kund sagen: Geht ynn die stat, die fur euch ligt, were auch wol und breuchlich geredt. Aber er wolt antzeygen ditz mysterium des predigtampts, drumb redt er gleych unbreuchlich: Gehet yn das dorff, das widder euch ist, das ist: prediget denen, die euch vorfolgen unnd todten werden, solchen danck sollt yhr vordienen, und nit suchen, wie yhr yhn wolgefallet; denn das thun heuchler, nit Euangelier.

 

[Matth. 21, 2] Und bald werdet yhr finden eyn Esellynne angepunden, und eyn fullen mit yhr, loßet sie auff und bringt myr sie her.

Das ist auch tzu trost den predigern gesagt, das sie nit sollen sorgen, wer [Jes. 55, 11] yhn glewbe und sie auffnhem; denn es ist beschlossen, Isa. 55. Meyn wort, das da geht auß meynem mund, soll nit ledig widder tzu myr komen, und [Col. 1, 6] Paulus sagt Col. 1: Das Euangelium bringt frucht ynn der wellt; darumb ists nit muglich, das wo das Euangelium predigt wirt, da sind ettlich, die [WA s. 51] es fassen und glewben; das will ditz mysterium, das die Apostel ßo bald finden sollen die Eselynne und das fullen mit yhr, wenn sie nur gehen, als sollt er sagen: Gehet nur hyn, das ist: predigt yhr nur, sorgt nit, wer sie sind, die es horen werden, last mich dafur sorgen, die wellt wirtt widder euch seyn, das last euch nitt anfechten, dennoch werdet yhr finden, die euch horen und folgen, yhr wisset sie noch nit, ich weyß sie aber schon tzuvor, predigt yhr und last mich waldenn. Sihe, alßo trostet er, das sie nit sollen ablassen tzu predigen wider die wellt, wie hart auch widderstanden wirt, es wirt doch nit on frucht abgehen. Aber itzt find man auch leut, die meynen, dieweyl es nit muglich sey, das man die welt bekere, soll man schweygen, das sich nit eyn auffruhr erhebe, es sey doch umbsonst, Bapst, Bisschoff, Pfaffen und Munch nehmenß nit an, und wandelln yhr weßen nit, was es denn nutz sey, das man widder sie predige unnd sturme? das ist eben ßo viel, als wenn die Apostellnn hetten tzu Christo gesagt: du heyst uns gehen ynn das dorff, das widder uns ist, ßo es denn wider uns ist, was ists nutz, das wyr hyneyn gehen? laß uns ßo mehr eraussen bleyben und ynnehalten. Aber der herr widderlegt das feyn und spricht: Geht yhr nur hyn, predigt nur, was ligt dran, das es wider euch ist? dennoch werdet yhr finden, was ich finden lassen. Alßo sollen wyr itzt auch thun, ob wol die grossen Hanßen widder das Euangelium sturmen und keyner besserung tzu hoffen ist, dennoch muß man predigen, sie werden sich wol finden, die es horen unnd sich bessern sollen.

       Warumb lest er aber tzween Esell holen, odder nit beyde allte, tzween iungen oder tzween allte? hett er doch wol an eynem gnug tzu reytten gehabt?4 Anttwortt: gleych wie ynn den tzween Apostelen die prediger sind bedeutt, alßo sind ynn den tzween eselln yhre schuler und tzuhorer bedeutt. Die prediger sollen Christus iunger und von yhm gesandt seyn, das ist: sie sollen nichts denn Christus lere predigen, auch nit gehen zu predigen, sie werdenn denn datzu beruffenn, wie das beydes die Apostel haben gehalten. Aber die schuler sind eyn allter und iunger esell. Hie ist tzu wissen, das der mensch ynn der schrifft wirt ynn tzwey teyl geteylet, ynn eynen ynnerlichen und eußerlichen [WA s. 52] lichen menschen. Den eußerlichen menschen kan man mit gesetzen, straff, peyn, schand tzwingen, widderumb, mit gunst, gelt, ehre und lohn, locken, das er guttis thue unnd das boße lasse, aber den ynnerlichen kan niemandt tzwingen noch locken, das erß freywillig auß lautter lust umbsonst thu, was er thun sol, on alleyn gottis gnade muß das hertz wandeln und freywillig machen. Daher kompts, das die schrifft schleust: alle menschen sind lugener, darumb das keyn mensch guts thutt unnd boßes lest, auß freyem gutten willen, ßondernn eyn iglicher sucht das seyne, und thuts nit auß liebe der tugent. Denn wo nit hymell odder helle were, oder nit schand noch ehre, ßo thette niemant guts. Wenn es ßo groß ehre und preyß were die ehe brechen, als ist die ehe halten, soltistu wol sehen, wie gar mit viel grosser freuden der ehebruch wurd geschehen, denn itzt die ehe wirt gehalten, alßo auch alle andere sunde wurden mit groesserm willen than, denn die tugent than wirt. Darumb alles gutts leben, on gnade, ist eyttel gleyssen und scheyn, denn es geht nur ym eußerlichen menschen, on lust unnd frey willen des ynnerlichen menschen.

       Sihe, das sind die tzween esell, die allt eselynne ist der eußerliche mensche, der ist mitt gesetzen unnd furcht, des todts, der hellen, der schande, odder mit locken des hymels, des lebens, der ehre, gepunden, gleych wie die esellynn ist angepunden, das er geht ynn eußerlichem scheyn guter werck unnd ist tzumal eyn frummer schalck, aber er thutts ungern unnd mit unlustigem hertzen, ist dem gesetz feynd und hatt davon eyn schwer gewissen. Darumb nennet auch der Euangelist diße esellynne, subiugalem, eyn lastbare esellynne, die unter last erbeytet, und wirt yhr sawr; denn es ist eyn elend iemerlich leben, das auß furcht der hellen, des tods und der schand ertzwungen wirt. Die helle, der todt und die schande sind seyn ioch und last, ubir die maß schwere, davon er eyn betrubt gewissen hat, und beyde dem gesetz und gott heymlich feynd ist. Solch volck war ßonderlich die Juden, die auff Christum warteten. Sind auch noch alle, die mit wercken und eygen krefften sich uben, gottis gepott erfullen und den hymel tzurwerben. Sie sind angepunden mit dem gewissen an das gesetz, mussens thun, ließens aber viel lieber anstehen. Es sind sacktreger, fawle esell und lastbare schelmen.

       [Luk. 19, 30 ff., Mark. 11, 2 ff.] Das fullen aber, der iunge esell, den Lucas und Marcus schreyben, das nie keyn mensch drauff geritten sey, das ist, der ynnerlich mensch, das hertz, [WA s. 53] der geyst, der wille, wilcher nymmermehr kan unterthan seyn dem gesetz, ob er wol angepunden ist mit dem gewissen, unnd fuelet das gesetz. Er hatt aber keyn lust noch liebe datzu, biß das Christus kome und reytte drauff. Darumb wie ditz fallen unter niemandt gangen war, alßo ist des menschen hertz auch [1. Mose 6, 5; 8, 21] nymmer unterthan dem gutten, ßondern wie Moses sagt Gen̄. 6. et 8. geneygt tzu dem boeßen alle tzeyt von iugent auff; das nu Christus sie heyst loßen, ist, das er heyst predigen ynn seynem namen das Euangelium, darynnen vorkundigt wirtt gnad und ablaß von allen sunden, und wie er fur uns das gesetz erfullet habe, da wirt das hertz loß von dem band seynes gewissens, und ubirkompt gnade, die seyn hertz und den ynnerlichen menschen frey und froelich willig und lustig macht tzu thun und tzu lassen alle ding. Vnnd alßo ist der mensch loß, nit vom gesetz, das er nichts thun solle, ßondern von dem unlustigen schweren gewissen, das er vom gesetz hatt, und damit er dem gesetz feynd war, das yhm den todt und die helle drawet. Vnd hat nu eyn gutt gewissen unter Christo, ist dem gesetz holt, furcht sich nymmer fur dem tod und der hellen, thutt frey und gerne, was er tzuvor ungerne that. Sihe, alßo loeßet das Euangelium das hertz von allem ubel, von sunden, von todt, von hellen, und boeßen gewissen, durch den glawben ynn Christo.

       [Matth. 21, 2] Das er auch befilht, sie sollen tzu yhm bringen, das ist widder den Bapst, der die seelen von Christo zu sich zeucht. Aber die Apostel bringen sie zu Christo, das ist: sie predigen und leren nichts anders denn Christum, nit yhr eygen lere oder menschengepot; denn das Euangelium leret nur zu Christo komen und Christum recht erkennen; damit ist warlich den geystloßen prelaten eyn harter stoß geben, yn yhr regiment, damit sie die seelen zu sich [Apg. 20, 29 30] und unter sich bringen, davon S. Paulus Act. 10. sagt: Ich weyß, das noch meynem abschydt werden unter euch komen schwere wolffe, die der herde nit schonen, und auß euch werden auch auffstehen vorkerete schwetzer, das sie die iunger tzihen zu sich &c.. Aber das Euangelium bekert die menschen zu Christo und sonst zu niemant, darumb lest er auch das Euangelium außgehen und sendet prediger, das er dadurch vns alle zu sich zihe, das wyr yhn erkennen, [Joh. 12, 32] wie er sagt Joh. 12: Wenn ich erhaben werde, will ich sie alle zu myr zyhen.

[WA s. 54]

 

 

[Matth. 21, 3] Und ßo euch yemand ettwas sagt, ßo sprecht, yhr herr bedarff yhr, ßo wirt er sie bald lassen.

[Gal. 4, 1. 2] S. Paulus Gal. 4. gleychet das gesetz den vormunden und schulmeysternn, unter wilchen der iunge erbe yn furcht und getzwang ertzogen wirt. Denn das gesetz mit drewen tzwingt, das wyr unß eußerlich boßer werck enthalten, umb furcht des todts und der hellen, wiewol das hertz doch nit gutt dadurch [Luk. 19, 33] wirt; das sind nu hie, wie Lucas schreybt, die herrnn dißer esellynn und des fullen, die zu den Aposteln sprachen: was macht yhr, das yhr das fullen loßet? denn wo das Euangelium angehet und die gewissen loßet von eygen wercken, ßo lautt es eben als verpott es gutte werck und das gesetz zu halten: darumb ist das aller gesetzlerer, oder wie sie das Euangelium nennet, schreyber und schrifftgelereten eyntrechtliche rede, das sie sagen: Sollen alle unßer werck nichts, und die werck nach dem gesetz volnbracht boße seyn, Wolan, ßo wollen wyr nymmer guts thun, du vorpeuttist gute werck und furwirffist gotis gesetz, o du ketzer, du loßist das fullen, und wilt frey boße leutt machen. Daruber faren sie denn zu, und weren, das man das fullen und die gewissen nit loße noch zu Christo bringe, geben fur, man muesse gute werck thun, und die leut mit gesetzen behalten angepunden.

       [Matth. 21, 3] Wie nu die Aposteln gegen diße sich halten sollen, tzeygt dißer text, das sie sollen sagen: yhr herre bedarff yhr, das ist: sie sollen unterricht thun, unter den gesetzwercken und gnadewercken, und alßo sagen: wyr vorpieten nicht gute werck, ßondern wyr loeßen die gewissen von falschen guten wercken, nit das sie frey sollen leben boßis tzu thun, ßondern unter Christo komen zu yhrem rechten herrn und alda rechtschaffene gute werck thun; datzu bedarff er [Röm. 6, 1 ff.] auch yhr, will sie auch datzu haben; davon disputirt S. Paulus feyn Ro. 6, da er leret, wie wyr durch die gnade frey vom gesetz und seynen wercken sind, doch nitt alßo, das wyr boßes thun sollen, ßondern recht gute werck. Es ist alles darumb tzu thun, das die schrifftgelereten unnd gesetztreyber nit wissen, was gute werck sind; drumb wollen sie das fullen nit loß geben und treyben dasselb mit gnadloßen menschlichen guten wercken; wo man aber gutte unterricht gibt von guten wercken, da lassen sie es geschehen, ßo es anders vornunfftige und recht lerer des gesetzs sind, wilche hie bedeut sind; denn die tollen tyrannen, die mitt menschengesetzen toben, habenn nichts ynn dißem Euangelio. Es redet nur von dem gesetz gottis und von den aller besten lerern des gesetzs, denn on gnade ist auch gottis gesetz eyn band und macht gefangene gewissen unnd gleyßner, dem nicht tzu helffen ist, biß das man andere werck [WA s. 55] predige, die nit unßer, ßondern Christus sind, und er mit gnaden ynn uns wirck; da horen ßo bald auff alle werck und lere des gesetz, und wirt das fullen bald loß.

 

[Matth. 21, 4.] Das ist aber alles geschehen, auff das erfullet wurd, das gesagt           ist durch den propheten, der do spricht: Saget der tochter Zion &c..

Der spruch ist gnugsam droben außgelegt, aber der Euangelist furet yhn drumb eyn, das wyr sehen, wie Christus nit ist komen umb unßer vordienst willen, ßondern umb gotlicher warheyt willen, syntemal er verheyssen ist ßo lange tzuvor, ehe wyr sind geweßen, tzu den er kompt; darumb wie gott auß lautter gnaden hatt das Euangelium verheyssen, ßo hatt erß auch erfullet, tzu beweyssen seyne warheyt, das er halte was er tzusagt, damit wyr gereytzt werden, getrost auff seyne tzusagung tzu bawen, denn er wirtt sie erfullen. Unnd ditz ist auch der schrifft eyne, darynn das Euangelium verheyssen ist, [Röm. 1, 2. 3] davon S. Paulus sagt Ro. 1: Gott hatt verheyssen das Euangelium tzuvor, durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft von seynem ßon Jhesu Christo &c.. Nu haben wyr wol gehoret, wie ynn dißem spruch das Euangelium, Christus und der glawbe auffs aller feynist und trostlicht ist angetzeygt.

 

[Matth. 21, 6. 7] Und die iunger giengen hynn und thetten, wie yhn Jhesus hatte befolhen, und brachten die Esellynn unnd das fullen unnd legten auff sie yhre kleyder und satzten yhn drauff.

Das sind die prediger, die durchs Euangelium die gewissen von gesetz und seynen wercken loß gemacht, tzu den gnadenwercken bracht und auß gleyßner grundgute heyligen gemachett haben, das hynfurt Christus auff yhn reyttet. Aber hie fraget sichs, ob Jhesus habe auff beyden eselln geritten, denn Matt. [Mark. 11, 7] lautt, als haben yhn die iunger auff beyde Esell gesetzt. Aber Marcus, [Luk. 19, 35, Joh. 12, 14] Lucas, Johannes, sagen alleyn von dem fullen; ettlich meynen, er hab tzuerst auff dem fullen gesessen, aber dieweyll es noch geyl unnd ungetzemet geweßen, [WA s. 56] hab er darnach auff die esellynn gesessen; das sind fabeln und trewm. Wyr sollens hallten, das er nur auff dem fullen, und nicht auff der esellynne sey geritten, hatt sie doch beyde lassen holen umb der geystlichen bedeuttung droben [Matth. 21, 7] angetzeygt; das aber Mattheus sagt, er sey auff yhn gesessen, als hab er auff beyden geritten, ist gesagt noch der schrifft eygenschafft, die da heyst, Synecdoche, wenn man eyn ding tzuschreybt der gemeyn und dem gantzen hauffen, [Matth. 27, 44] ßo es doch nur betrifft ettlich unter yhn, als da Mattheus schreybt: Die [Luk. 23, 39] schecher haben Christum am creutz gelestert, ßo es doch, als Lucas schreybt, [Matth. 23, 37] nur eyner thet, also spricht auch Christus Matt. 23: Die statt Hierusalem steynige die propheten, ßo es doch nur ettliche auß der statt thetten, und man spricht: der Turck hatt die Christen geschlagen, ßo er doch nur ettlich hatt geschlagen; alßo hatt Christus auff den eselln geritten, ßo er doch nur auff dem fullen reytt, drumb das beyde esell gleych eyner gantzen gemeyn waren, was darynnen ettlichen widderferet, das spricht man, es sey der gemeyn widder- faren.

       Nu sihe das geystlich reytten an : Christus reytt auff dem fullen, die esellynn folget hernach; das ist, wenn Christus durch den glawben wonet yn unßerm ynnerlichen menschen, ßo gehen wyr unter yhm ynn seynem regiment. Aber der eußerlich mensch, die esellynne, geht ledig, da reyt Christus nit auff, folget aber dennoch hynden nach; das ist, wie S. Paulus sagt: der eußerlich mensch ist nit willig, tregt Christum noch nit, ia er streyttet widder den [Gal. 5, 17] ynnerlichen, wie er sagt Gal. 5. Das fleysch hatt begirden widder den geyst, und der geyst hatt begirden widder das fleysch. Diße zwey sind widernander, das yhr nit thun kund, was yhr wol gerne wolltet. Doch weyl das fullen Christum tregt, und der geyst willig ist, ynn gnaden, muß die esellynn, das fleysch, hernach bey dem tzugel gefurt werden; denn der geyst creutziget und casteyet das fleysch, das es muß unterthan seyn. Sihe, das ist die ursach, warumb Christus auff dem fullen, nit auff der esellynn reytt, und doch beyde haben will tzu seynem eynreytten; denn leyb und seel muß selig werden, ob wol hie auff erden der leyb unwillig, der gnaden und Christus auffsitzen nit fehig ist, ßo muß er doch den geyst leyden, da Christus auff reyttet, der yhn tzihe unnd mit sich fure, ynn krafft der gnaden durch Christum empfangen; [WA s. 57] ßo hastu, das das fullen, da Christus auff reytt, da tzuvor niemand ist auff geritten, sey der willige geyst, den tzuvor niemand kund willig und tzam machen noch bereytten, es must alleyn Christus mit gnaden thun. Die esellynne aber, der sacktreger, die lastbare, der allt Adam, ist das fleysch, das ledig geht an Christo, muß aber dafur das creutz tragen und eyn lasttreger bleyben.

       Was ist aber, das die Apostel on befelh yhre kleyder auff das fullen legen? Hie werden abermal nit alle iunger auch nit alle kleyder auffgelegt haben, wie es doch lauttet, ßondernn villeycht nur eyn mantel eynß iungern, und doch umb geystlicher deuttung willen geschrieben, als seyen es alle kleyder aller iunger geweßen, odder yhe der tzweyer: tzwar es ist eyn schlechter sattel und geschmuck geweßen, aber doch reych ynn der bedeuttung. Ich acht, es sind die guten exempell der Apostell, damit die Christliche kirche bedeckt und getzieret [Röm. 13, 12] ist. Denn droben yn der epistel spricht Paulus: Last uns antzihen die wapen des liechts, Mit wilchem antzihen er on tzweyffell will tzeygen, das gutte werck kleyder sind, ynn wilchen wyr fur den leutten erbarlich und wolgetziert wandeln. Nu sind der Apostel exempel die hohisten und nehisten fur allen heyligen, die uns am besten unterweyßen und Christum auffs aller klerlichst leren; darumb mussen sie nicht ym wege, wie die andern, ßondern auff dem esell ligen, das Christus drauff sitze und der esell drunder gehe, denn wyr mussen der Apostel exempel folgen ym newen testament. Hore, [1 Kor. 11, 1] wie S. Paulus seyn kleyd auff das fullen legt: seyd meyne nachfolger, wie [He br. 13, 7] ich Christus nachfolger bynn, und Heb. 136 : Gedenckt an ewr furweßer, wilcher ende sehet an, und folget yhrem glawben nach. Es ist auch keyner heyligen exempell reyn ym lautternn glawben, denn die Apostel, alle ander heyligen nach den Apostolln, haben von menschenleren oder wercken ettwas zusatzs; drumb sitzt auch Christus auff yhren kleydern, tzu tzeygen, das es recht Christliche und glewbige exempel sind fur allen andern.

[WA s. 58]

       Das sie yhn drauff setzen, muß auch was seyn?1 kund er nit selber auffsitzen? wie stellet er sich nu ßo gar tzerttlich?2 das hab ich droben gesagt, das die Apostel nit wolten sich selb predigen und selb auff dem fullen reytten. [2. Kor. 1, 24 [!]] S. Paulus sagt 1. Cor. 4: Wyr wollen nit herrn seyn ubir ewren glawben. [1. Petri 5, 3] Item 1. Pet. 5. Ihr solt nit ubir sie hirschen, als were es ewr erbgut. Sie haben uns lautter predigt den glawben, datzu yhr exempel alleyn datzu ordenet und dienen lassen, das Christus ynn uns regiret und der glawbe lautter bliebe, das wyr nit yhr wort und werck auffnehmen als were es yhr ding, ßondern das wyr Christum ynn beyde yhren wortten und wercken lernten. Aber wie gehet es itzt tzu? da eyner S. Fraciscus, der ander Dominicus, der drit dißen, der vierd yhenem heyligen folgt, und ynn keynem Christus alleyn und lautter glawb gesucht wirt; denn solch exempel solt der Apostel eygen seyn.

 

[Matth. 21, 8] Viel aber von der schar breytten yhre kleyder ynn den weg. Ettlich aber schnytten tzweyge von den bewmen und straweten sie ynn den weg.

Diße kleyder sind exempell der patriachen und propheten und geschichte auß dem allten testament; denn, wie wyr horen werden, das volck, das vorhergieng, bedeutt die heyligen fur Christus gepurt, durch wilche die predigt ym newen testament und der weg des glawbens herlich geschmuckt und gepreysset [WA s. 59] [Röm. 4, 1 ff., Gal. 4, 28, Röm. 9, 13 u. ö.] wirt. Alßo thut Paulus, da er Abraham, Isaac, Jacob, Item Petrus, [1. Petri 3, 6, Hebr. 11, 4 ff.] Saram, und Hebr. 11. viel patriarchen eynfuret tzum exempel, und bewerd damit den glawben unnd die glewbigen gute werck meysterlich. Aber die tzweyge deutten die spruech der propheten, als dißer auch eyner ist, yn dißem Euangelio, die nit historien oder exempel sind, ßondern gotliche tzusagung; die bucher der propheten sind die bewme, die darauß dem volck solche sprueche predigen, die hawen tzweyge ab und strawen sie ynn den weg des Christlichen [Joh. 12, 13] glawbens. Johan. 12. schreybt, es seyen palmentzweyge geweßen. Etlich thun datzu, weyl es am oleberge geschehen ist, es seyen auch oeletzweyge gewest, und ist nit unglewblich, obs wol die Euangelia nicht melden. Auß dem allen sehen wyr, wie eyn Christlich Euangelische predigt, die den lauttern glawben und den rechten weg leret, soll gerust seyn; sie sol Christus wort am ersten [Matth. 21, 2] haben, das er den Apostoln befilht und spricht: Gehet hyn unnd loßet und bringt her, darnach der Apostel geschicht und exempel datzu thun, als die mit Christus wort und werck stymmen; das sind der Apostel kleyder; darnach sollen auß dem alten testament auch exempel und spruch gefurt werden, das sind des volcks kleyder und die tzweyge, das alßo auß beyden testamenten spruech und exempel dem volck eyngetrieben werden; davon sagt Christus [Matth. 13, 52] Matth. 13: Eyn gelerter schreyber ym hymelreych ist gleych eynem hawßvatter, der da furtregt auß seynem schatz beyde, newes und alltes; das bedeutten die tzwo lippen des munds, die tzwo spitzen am bisschoffshutt, und tzween bendel hynden dran und viel mehr figuren. Aber itzt ist der keynes mehr fur augen, der teuffel wirfft durch die Papisten schwefel und pech ynn den weg, reytt selbs auff dem esell und hatt Christum vortrieben.

       Das aber ßo eben palmentzweyge und oletzweyge genennet sind, ist nit on ursach; palmenbawm ist der art, wenn ein balck drauß wirt gemacht, ßo weycht er keyner last, ßondernn erhebt sich wider die last. Das sind die [WA s. 60] spruch gotlicher warheyt, yhe mehr man sie druckt, yhe hoher sie emporgehen, ßo du anderst fest dran glewbist, und ist eyn unubirwindliche stercke ynn den wortten, das es wol palmentzweyge heyssen mugen, wie Pau-lus Ro. 1: [Röm. 1, 16] Das Euangelium ist eyn krafft gotis zur selickeyt dem glewbigen, die pfortten [Matth. 16, 18] der helle vormugenß nit ubirweldigen, als Christus sagt Matt. 16. Todt sund, helle unnd alles ubell muß dafur weychen, oder nur erheben, ßo sichs dawider leget. Oletzweyge sind sie darumb genennett, das es spruech sind der gnaden, darynnen gott seyne barmhertzickeytt uns vorheyssen hatt; drumb machen sie die seele gar linde, senffte unnd frolich, wie das leyplich oele dem [1. Mose 8, 11] leybe thutt. Das gnedige wort unnd sussz Euangelium ist bedeutt Gen̄. 8, da die tawbe am abent bracht ynn yhrem mund eynen oeletzweyge mitt grunenden bletternn ynn die archen, das ist: der heylige geyst durch der Aposteln mund bracht das Euangelium ynn die kirch am end der welt.

 

[Matth. 21, 9] Die scharen, die vorhergiengen, und die nachfolgeten, schriehen unnd sprochen: Hosiana dem ßon David, Gebenedeyettt ist, der do kompt ynn dem namen gottis.

[Hebr. 13, 8] S. Paulus Heb. 13. spricht: Christus gistern, heutte, und yn ewickeyt. Alle, die do selig werden vom anfang der wellt biß anß end, sind und mussen Christen seyn und durch den Christlichen glawben selig werden. Darumb [1. Kor. 10, 3. 4] spricht S. Paulus .1. Cor. 10: Unßer vetter haben eben dieselbige speyße gessen [Joh. 8, 56] und denselben tranck truncken. Und Christus Johan. 8: Abraham ewr vatter hatt meynen tag gesehen und hatt sich gefrewet. Alßo bedeutten hie die scharen, die furhergehen, alle Christen unnd heyligen fur Christus gepurtt. Die aber nachfolgen bedeutten alle heyligen nach Christus gepurt, sie glewben unnd hangen alle an eynem Christo. Jhene haben seyn tzukunfftig gewarttet, diße [WA s. 61] haben yhn ynn vorgangen tzeytten empsangen, darumb singen sie allesampt eyn liedlin, loben und benedeyen gott ynn Christo; denn wyr auch nichts anders mugen got geben, denn lob und danck, syntemal das ander alles wyr von yhm empfangen, es sey gnade, wort, werck, Euangelium, glawbe und alle ding. Das ist auch der eynige, recht, Christlicher gottisdienst, loben und [Ps. 50, 15] dancken, wie Ps. 49. sagt: Ruff mich an, ßo erhore ich dich, und ich helffe dyr, ßo ehristu mich. &c..

       Was ist aber das: Hosiana dem ßon David? das wortt Hosiana haben [Ps. 118, 25. 26] sie genommen auß dem .117. psalm, da alßo stett: Ach gott hosiana, Ach gott gib gluck, gebenedeyet ist der do kompt ym namen gottis. Dißen verß haben sie auff Christum tzogen, und ist ein wundsch, gleych wie man auff deutsch eynem newen herrn wundscht gluck und heyl. Alßo meynte das volck hie auch, Christus sollt leyplich konig werdenn, drumb wundschen sie yhm gluck und heyl datzu. Denn hosiana heyst auff deutsch: Ach gib heyl, odder lieber hilff, odder lieber mach heyl, odder wie du sonst solchen wundsch wilt außreden. Nu thun sie datzu dem ßon David, und lauttet nu alßo: Ach gott gib heyl dem ßon David, ach got gib gluck, gebenedeyet sey &c.. Das alles sprechen wyr auff deutsch alßo: Ach du lieber gott, gib gluck heyl dißem ßon David, tzu seynem newen konigreych, las yhn eynreytten ynn gottis namen, das es gebenedeyet sey und wol gehe &c.. Das sie aber seyn konigreych damit gemeynt [Mark. 11, 10] haben, beweyst Marcus klerlich, der schreybt, sie haben gesagt: Gebenedeyet sey das reych David unßers vaters, das do kompt. Das aber nu ynn allen kirchen wirt Osanna geleßen ist unrecht, es soll Hosianna heyssen; darnach habenn sie eyn weybisch namen drauß gemacht, und die sie solten nennen Susanna, [WA s. 62] nennen sie osanna. Susanna ist eyn weybername, heyst ßo viel als eyn Roße ; tzuletzt faren die tollen Bisschoffe tzu, die auß der Tauffe eyn affenspiel gemacht haben, teuffen glocken und alltersteyn fur grosser unsynnickeytt unnd nennen die glocken osanna. Aber laß faren die blinden leytter, wyr sollen hie lernen, das wyr auch Hosianna und hatzeliana singen dem ßon David mit dissen scharen, das ist, das wyr gluck und heyl wundschen dem reych Christi, der heyligen Christenheytt, das gott wollt menschenlere abethun, und alleyn Christum lassen unßern konig seyn, der alleyn durch seyn Euangelium regire unnd uns seyn fullen seyn lasse, das helff uns got. AMEN.

 

 

 

 

       [Bl. Hij]

[Röm. 15, 4 –13] Am andernn sontag ym Advent Epistel Roma. 15.

 

1522[WA s. 62]

Lieben bruder, alles was geschrieben ist, das ist uns tzur lare geschrieben, auff das wyr durch gedullt und trost der schrifft hoffnung haben. Aber gott der gedullt und des trosts gebe euch, das yhr eynerley unternander gesynnet seytt, nach Jhesu Christo, auff das yhr eynmutig und eynmundig preyßet gott und den vater unßers herrn Jhesu Christi. Darumb nempt euch unternander an, (wie euch Christus hatt angenommen) gott tzu ehren. Denn ich sage, das Christus ist eyn diener geweßen der beschneydung, umb der warheyt willen gottis, tzu befestigen die vorheyssunge gottis den vetern gethan, die heyden aber preyßen gott umb der barmhertzickeytt willen, wie denn geschrieben ist. Darumb will ich dyr, herr, bekennen unter den heyden unnd singenn von deynem namen. Und abermal spricht er: Frewet euch, yhr heyden, mit seynem volck. Und abermal: Lobet gott alle heyden, und erhebt yhn alle volcker. Und abermal spricht Isaias: Es wirt seyn der stam Jesse, und der erstehen wirtt tzu regirn die heyden, ynn yhn werden die heyden hoffen. Aber gott der hoffnung erfulle euch mit aller freude und fride durchs glewben, auff das yhr ubirreych seytt yn der hoffnung durch krafft des heyligen geystis.

[WA s. 63]

       Es ist gutt scheyn, das der nit viel von Paulo vorstanden, der diße Epistol eraußgeschnytten hatt. Er hebt tzu hoch und zu nyddrig an, das [Röm. 15, 4] erste teyll, das do sagt: Was geschrieben ist &c.. gehoret zu dem vorigen text. [Röm. 15, 13] Er solt da angefangen haben: Aber gott der gedullt &c.. Darumb das wyr diße Epistel ordenlich und klar vorstehen, sollen wyr wissenn, das die Romer, tzu den S. Paulus schreybt, waren eynß teyls auß den Juden, eynß teyls auß den heyden zu Christo bekeret; denn zu der zeyt waren yn allen landen, sonderlich [Apg. 17, 5. 13. 17] zu Rom, vil Juden, wie das Act. 17. weyßet. Als nu der Apostel sie hatte yn der gantzen epistell recht geleret den glawben und gute werck, thutt er nu hie am ende der epistel etlich vormanung, das er sie ym glawben und guten wercken eyntrechtig behalte, hebt auff die ursachen, die da mochten uneynickeytt anrichten und die eynickeytt des geystes tzurtrennen, unnd der sind tzwo, wilche auch noch heuttiges tages und alletzeyt fast streben widder die eynickeyt des geystis, wider den glawben und gute werck, darumb wyr sie sehen und wol mercken mussen.

       Die erste war diße: Das ettliche auß den Juden bekeret, ob sie wol horeten, das ym newen testament allerley speyße, tage, kleyder, gefeß, person, stett und geperden frey sind, und alleyn der glawbe fur gott frum mache, unnd das gesetz von fleysch und fisch essen, von feyren und kleydern, von stetten und gefessen were gantz abethan, ßo ware doch yhr schwach gewissen und unvolkomener glawbe auß langer gewonheyt noch ßo hartt bestrickt, das sie solcher freyheyt nit thursten brauchen, hatten sorg, sie sundigten, wo sie anders [Röm. 14, 2 ff.] thetten, denn bißher gewonet ware. Desselbigen gleychen beyde, heyden und Juden, auß derselbigen kranckheyt, thursten nit essen von dem brot und fleysch, das den abtgottern geopffert war von den unglewbigen, obs wol frey auff dem marckt feyl war und vorkaufft wart. Sie meyneten, wo sie es essen, thetten sie den abgottern damit eyn eehre und hetten Christum vorleugnet, ßo es doch ynn der warheyt nichts war, denn alle speyße sind reyn und gutte creatur gottis, es haben sie heyden odder Christen, sie werden gott odder dem teuffel geopffert.

       Widerumb die andern, die nu solchs wisten und sterckern glawben hatten, namen der schwachen nit gewar, ßondern brauchten yhrer freyheyt altzu frech unnd mit vorachtung der schwachen, assen unnd truncken on unterscheydt was yhn furkam, wie es denn auch recht war. Aber das war unrecht, das sie der schwachen nit scheweten und machten sie yrre. Denn wo die schwachen sahen, [WA s. 64] das diße ßo frey furen, kundten sie widder folgen noch dahynden bleyben. Solten sie folgen, ßo stund yhr schwach gewissen ym wege und sprach: Es ist sunde, thu es nicht; sollten sie nit folgen, ßo stund es aber ym wege unnd sprach: Du bist keyn Christen, denn du thuest nicht wie die andernn Christenn thun, deyn glawbe muß nit recht seyn. Sihe, alßo kundten sie widder hynder sich noch fur sich, wie sie thetten, ßo lieffen sie widder yhr gewissen. Nu ist wider das gewissen thun eben ßo viel, als widder den glawben thun und schwerlich sundigen.

       [Röm. 15, 7 ff.] Nu leret Paulus hie, das man solche schwache dulden und tragen soll, und nit ßo rauch mit yhn faren, ßondern eyn tzeyttlang hallten was sie halten, und mit yhn schwach werden, und nit solch uneynickeyt ym glawben anrichten umb essens unnd trinckens oder yrgent eynß tzeytlichen dings willen, biß das sie auch stercker werden ym glawben und yhre freyheytt erkennen. Doch hielt der Apostel unterscheyd ynn dißem handel, und leret auch dieselbige, nemlich alßo, das tzweyerley menschen yn dißer sachen antzusehen sind: Ettlich, die da schwach sind ym glawben, von denen itzt gesagt ist, von wilchen auch alleyn S. Paulus hie redet. Das sind gute, frum, eynfeltige leutt, die es gern besser thetten, wo sie wysten odder kunden, sind nitt hallstarck ynn yhrem synn, es gepricht yhn nichts mehr, denn das yhr gewissen und glawbe tzu schwach ist, konnen nicht eraußtretten auß der eyngesessen lere und gewonheyt. Die andern sind hallstarck, die nit benuget, das sie selb ynn solchem wandel faren, ßondern sie treyben drauff, leren und furen die andern auch hyneyn, geben fur, es sey ßo recht und musse alßo seyn, wollen auch nit hoeren die rechte warheyt Christlicher freyheyt, ßondern streyten dawidder; das sind sie, die eyn ursach sind, warumb ihene schwach sind: denn mit solchen yhren leren vorseeren sie die schwachen gewissen und vorstricken sie; das sie meynen, es musse alßo seyn, haben lust drynnen, das sie die eynfelltigen gewissen alßo [Tit. 1, 14 ff.] unter sich bringen und gehorsam machen. Von denen redet hie .S. Paulus nicht. Ja, er leret anderßwo, das man sich denselben mit allem vleyß entgegensetzen soll und alltzeyt das widderspiel thun. Tit. 1.

       Darumb ist ynn dißem handel keyn besser regel, denn die liebe, und du must tzwischen dissen tzweyerley menschen handelln, wie du wolltist handelln tzwischen wolff und schaff; wenn der wolff das schaff biß auff den tod bissen hette, unnd du furist tzu, wurdist tzornig auff das schaff, unnd gebst fur, es sey unrecht, das es die wunden habe, es sollte gesund seyn und tzwungist es [WA s. 65] mit gewallt, das es den andern gesunden schaffen sollt folgen tzu weyde unnd tzu stall, du woltest yhm nich eyn beßonders machen, wer wollt nit sagen, das du unsynnig werist? das schaff wurd sagen: freylich ists unrecht, das ich wund bynn, und sollt wol gesund seyn, aber tzorne mit dem, der es than hatt, und hilff myr tzur gesundheyt. Sihe, alßo sollten diße Romer auch thun, mit allem ernst widerstreben den lerern und wolffen, aber die schwachen und vorseherten gewissen von solcher lere sollten sie annehmen, nitt treyben noch sturtzen, ßondernn mitt mussen heylen und solch lere außtreyben mit der tzeytt, unnd sie ynndes lassen und mit yhn hallten, was sie hielten, und sie nit yrre machen.

       Wiewol nu dißer handel lengist hatt auffgehoret, davon hie S. Paulus redet, und das gesetz Mosi von essen, trincken, kleydern, stetten &c.. nymmer ym brauch ist, ßo ist doch an seyn statt viel eyn ergerß kommen, das diße lere itzt viel nottiger ist, denn sie tzu der tzeyt war: denn itzt ist ynn aller wellt durch den Bapst und geystlichen standt eyn solch weßen angericht mit menschenlere, von essen und trincken, kleyden und stetten, tagen und tzeytten, person unnd stenden, geperden unnd wercken, das schier niemandt kan eyn bissenn essen, eyn tropffen trincken, ia die augen auffthun, es ist eyn gesetz druber gemacht unnd die freyheyt genommen, ßonderlich ynn stifften und kloestern, geben allesampt fur, man musse sich alßo kleyden, alßo bescheren, alßo geperden, die speyße nit essen, den tranck nit trincken &c.. oder sey sund unnd ungehorsam, haben alßo dißen gehorsam menschlicher lere erhaben, das man keyn ding hoher achtet, denn dißen gehorsam. Und die munch und nonnen denselbigen gehorsam tzum grund und ecksteyn yhrer geystlickeyt hallten und bawen drauff yhrer seelen selickeyt. Hie will niemandt die augen auffthun und sehen, das es eyttel menschen ticht und lere ist, die da fangen die seelen, schwache gewissen machen, Christliche freyheytt und glawben vorstoren und nur die helle fullen. O wolffe, o wolffe, o wolffe, wilch eyn grewlich, schrecklich, moerdenn, wurgen, vorterben, ist ditz weßenn ynn aller wellt! Es ist nie dahynn kommen ynn dißem handell, daß man der schwachen gewissen were gewar worden; denn niemandt hatt dawidder predigt noch gethan, das sich die schwachen hetten konnen ergern, ßondernn wer eraußtretten ist, den hatt man vordampt abtrunigen, vorlauffenen munch, vorleucketen Christen geschol- [WA s. 66] ten, und alßo mit gewallt die schaff nicht alleyn geschwecht, ßondernn ynn der wolff rachen getrieben. O des tzornß, o des grymmenß, o des unwillens gottlicher maiestet!

       Sihe, wenn nu gott seyne gnade gebe, das solchs alles erkandt wurde, wie es lautter menschenfrevell, gewallt unnd unrecht ist, da gott nichts von gepotten hatt, unnd fiengen ettlich an, die Messen, die gepett, die kleyder, die speyß anders brauchen, denn bißher gewonet ist, unnd wollten sich Christlicher, spreyheytt nach dem Euangelio hallten, da wurden sich diße tzweyerley menschen auch ergern. Die ersten, die Papisten, die wuden toben unnd wuttenn, schreyen unnd plerren, man musse solchs hallten; wer es nicht hellt, der sey eyn ketzer, eyn heyde, eyn Jude, unnd sey der kirchenn ungehorsam, unnd ßo forttan, den gehorsam der kirchen auffwerffenn, das sie nur die gewissenn ym strick unnd todt behallten, die es dafur hallten, es sey, wie sie furgeben, der kirchen gehorsam, ßo es nit mehr ist, denn yhr buberey unnd teuffells spiel, damit auch viel heyligen vorfurtt unnd betrogen, als Sanct Franciscus unnd seynes gleychen. Die andernn, die schwachen, die solch geplerr horeten unnd tzuvor alßo gewonett weren, wurdenn yrre, wissenn nitt, mit wem sie es halltenn sollten, weren doch von hertzen unnd eynfelltig geneygt, dem rechten weg tzu folgen. Aber wo sie hynn wollten, begegnet yhn yhr gewissen, sollten sie dyr folgen, ßo stund yhn ym wege yhr gewonheyt unnd der Papisten geplerr, damit yhr gewissen gefangen, nitt thurst eraußtretten, sorget, es thet wider seynen gott. Widderumb folget es dyr nicht, ßo sorgett es abermal, es thue widder gott, den du furhelltist unnd predigst. Wo soll nu eyn solch schwach, arm gewissen hynn, daruber sich alßo tzencken Christus unnd der teuffell?4

       Da kompt nu diße lere Sanct Pauli recht tzu massen, des teuffells lere und seyner Papisten ist on alle barmhertzickeyt und mitleyden, dringt, treybt und tobet, mit gewalt, man solle auffs eylendist abstehen von dißer lere, bannet, maledeyett unnd wirffett dich vier taussentt meyl hynnder die helle, wo du nitt augenblicklich dich abkerist unnd alle buchstaben mit dem eußersten tuttel von dyr thuest, auß wilchem toben, als auß der frucht, erkennet man, wer [WA s. 67] solcher lere meyster ist. Aber Christus lere thutt nit alßo, furwirfft dich nicht ßo bald, ob du nit mugist dich ßo kurtz lencken und schwind brechen, und hett doch wol mehr ursach datzu, ßondern sie sihet an, das du vorwund und schwach bist, nympt dich freuntlich auff, leret dich die rechte warheyt und freyheyt von allen menschengesetzen, duldet aber und tregt dich, ob du nit ßo bald abstehist und dieselbigen furwirffist, gibt dyr tzeyt datzu, das du es lernen solt abethun, yndes lest sie dich thun, wie du kanst oder gewonet hast, biß das du gesund wirdist und die warheyt lautter und gewiß erkennist. Darumb soll yn dißem handel eyn Christen auch dißer zweyerley menschen warnehmen: Die schwachen fruntlich unterrichten und senfftlich dulden. Die tobenden aber und plerrenden mit ernst stossen, thun und leren nur alles was yhn leyd und widder ist, lassen schweygen alles was yhn lieb ist, unnd auff yhren bann tzu ehren eyne grosse Esellsfeygen setzen, das lernet alles feyn die Christliche liebe, eyn iglicher wollte yhe mit yhm selber ßo gehandelt haben. Denn unßer ist keyner, ßo er mit solcher schwacheytt des gewissens voryrret were, der nitt wollt, das man yhm tzeytt gebe, und nicht plotzlich yhn abrysse, ßondern fruntlich unterricht und eyn tzeytlang duldet, und den wolffen widderstritte; drumb thutt uns Christus auch alßo, unnd will, das eyn iglicher dem andern alßo thun solle.

       Die ander ursach der uneynickeyt, die S. Paulus auffhebt, ist die, das alletzeyt unter dem volck Christi bleyben und sind auch anderley schwachen unnd krancken ynn guten wercken, gleych wie die ersten schwach und geprechlich sind ym glawben. Das alßo unter den Christen alltzeyt beyderley krancken erfunden werden, ynnerlich ym glawben und gewissen, eußerlich ynn wercken und guttem wandel. Wilcher keynes Christus will vorworffen, ßondern alles auffgenommen haben, das die Christlich liebe reychlich habe, darynnen sie sich ube und guttis thue, und heyle und trage yhren nehisten ynnerlich und eußerlich am glawben und wandel. Diße schwachen aber sind die tzuweyllen straucheln yn offentlich sunde, item die man auff deutsch nennet wunderliche kopff und seltzam, die da leychtlich tzornenn, odder ßonst geprechen an yhn haben, derhalben schweer mit yhn ist umbtzugehen, wie sich denn das ßonderlich begibt tzwischen man und weyb, tzwischen herrn und knecht, tzwischen ubirkeytt [Matth. 7, 3] und unterthanen. Wo nu hie nit ist diße Christliche lere S. Pauli, ßo gehet es alßo tzu, das eyn iglicher des balcken ynn seynen augen vorgißt, unnd sihet [WA s. 68] nur auff das stecklin ynn seynes nehisten auge, unnd keyner des andern geprechen dulden wil, ßondern eyn iglicher foddert von dem andern, das er volkomen sey; da dencken sie denn nur von eynander, und eyniß will hie hynauß das ander da hynauß, das es frid und ruge fur dem andern habe, und der unlust ubirhaben sey. Wer aber kan, der urlawbt das ander und stossets von sich, schmuckt sich darnach und spricht, er thu es der gerechtickeyt tzu liebe, wolle nitt bey und umb sich boeße leutt wissen, ßondernn nur frume und gute menschen, wie er ist. Ditz ubel regirt am meysten ynn denen, die ettwas ßonderlich sind fur andernn, unnd eyn erbarlich leben furen und mehr gnade haben denn die andernn, die blaßen und brusten sich, was yhn nit gleych ist, das muß stincken, das richten sie, das vorachten sie, und sind alleyn das hubsche ketzlin ym hawße. Widderumb was yhn gleych ist und auch erbarlich wandellt, ach, das sind ßo frumme leutt, das sind gute frundt, tzu den halten sie sich, wissen nicht anders denn sie seyen wol dran, alß die do lieb haben eyttel frumkeytt und frummen. Widderumb, alß die do hassen eyttel boßheytt und boeßen, sehen aber nit die teufflischen hoffart, die ym grund yhrs hertzen vorporgen ligt, damit sie yhren nehsten ßo hochmuetig und iemerlich vorachten umb seynes geprechens willen.

       Nu ist die liebe der tugent und der haß der laster tzweyerley. Eyn heydnisch und eyn Christliche; denn Christus ist auch feynd der sunden und hollt [Ps. 45, 8] der gerechtickeyt, wie Ps. 44. von yhm sagt : Du liebst die gerechtickeyt unnd bist feynd der ungerechtickeytt, aber doch auff die masse, das auch bestehe was [5. Mose 33, 18] Moses von yhm saget Deutr. 31. dilexit populos. Er hatt die leutt lieb, Die heydnisch liebe aber und hasß, ist eyn unvornunfftige saw, wirfft hyn und raffet auff on unterscheyd den menschen mit laster und mit tugent. Ja, grundlich ist sie keynem menschen hollt, denn yhr selbs alleyn; das merckt man dabey, denn ßo fernn unnd ßo lange der mensch getziert ist mit tugent, ßo fernn liebet sie den menschen, und tzeucht yhn an sich. Wo aber nitt tugent ist odder abfellet, ßo wirfft sie den menschen auch von sich. Szo ist nu eyn Christlich haß der sunden alßo gethan, er scheydet tzwisschen laster und menschen, denckt nur das laster tzuvortilgen und den menschen tzurhalten; drumb fleucht noch schewcht, noch vorwirfft, noch voracht sie keynen menschen, [WA s. 69] ßondern nympt yhn viel mehr auff, gehet gern mit yhm umb, unnd feret alßo mit yhm, das er yhm vom laster helffe, strafft yhn, leret yhn, bittet fur yhn, duldet unnd tregt yhn, thutt nicht anders, denn wie er wollt, das man mit yhm thett, wenn er yn gleychem geprechen were. Denn eyn Christenmensch lebt nur darumb, das er den leutten nutzlich sey, und nit die menschen, ßondern yhre laster vortilge, wilchs er nit mag thun, wenn er niemant leyden will noch mit niemant tzu schaffen haben wil, der geprechlich ist. Es were gar eyn nerrisch werck der barmhertzickeytt, wenn du wolltist die hungerigen speyßen unnd die duerstigen trencken, die nacketen kleyden, die krancken besuchen, und wolltist doch nit leyden, das tzu dyr kemen oder umb dich weren die hungerigen, durstigen, nacketen und krancken. Alßo auch das du wolltist keyn boße oder geprechlich mensch umb dich leyden, were eben ßo viel, als wolltistu niemandt nutzlich noch huelfflich seyn tzur frumkeytt. Darumb last uns lernen hie ynn dißer Epistell, das eyn Christlicher wandel unnd liebe stett nit darynn, das sie frume, gerechte, heylige menschen finde, ßondern das sie frume, gerechte, heylige menschen Mache, unnd laß das yhr erbeytt unnd ubung seyn auff erden, das sie solche leutt mache, es sey mit straffen, bitten, dulden, unnd womit sie kan. Gleych wie eyn Christennmensch nicht darumb lebt, das es reyche, starcke, gesunde menschen finde, ßondernn auß den armen, schwachen, krancken solche leutt mache.

       Szo vormanet nu diße Epistell dißer tzwey stueck der Christlichen liebe und der grossen gutten wercken, das wyr unßers nehisten geystliche geprechen, beyde ym glawben und wandel, nie alleyn dulden, ßondern auch auffnehmen sollen, sie tzu heylen und tzuvortreyben. Denn die das nit thun, die machen auffruhr, secten unnd teylung, wie vortzeytten die ketzer Donatisten und Novatianer unnd viell ander, sich von der gemeyn ßonderten, wollten nit unter sich leyden die sundere und geprechen, denn es kan nit on secten und ketzerey tzugehen, wo diße lere nit wirt gehallten. Darumb spricht auch Sanct Augustin Gal. 6: Nichts beweyßet eynen geyßlichen man alßo wol, als der handell mit eynes andern sunden, ßo er mehr seyn erloßung denn seyn schmach, mehr seyn hulff denn schelltwortt furwendet. Davon auch Sanct [Gal. 6, 1. 2] Paulus sagt Gala. 6: Lieben bruder, wenn eyn mensch ubireylet wurd mit eynem fall yn sunden, ßo solt yhr, die yhr geystlich seytt, denselben unterweyßen [WA s. 70] yn senfftmutigem geyst, und eyn iglicher schaw drauff, das er nit auch vorsucht werde. Eyn iglicher trage des andern burden, ßo erfullet yhr Christus gesetz, das ist, die liebe, als solt er sagen: Buerden und das do schwere sey tzu tragen an ewrem nehisten, sollt yhr annehmen unnd nit furwerffen. Nit sollt yhr nutz an yhn suchen, ßondernn burden tragen; denn nutz haben, das ist, nitt tragen, ßondern getragen werden, das gehoret unter die engell ynn yhenis leben. Doch soll man hie auch die unterscheyd halten der obgesagten tzweyerley menschen, das man die, ßo do halstarck yhre sunde vorteydigen [Matth. 18, 17] unnd nit wollen gepessert haben, meyde als die heyden, wie Christus Matt. 18. leret. Alleyn von den geprechlichen redet diße lere, die es erkennen das unrecht ist, und doch strauchelln, wenn sie yhr kranckeyt ruhrett. Nu last uns auff die Epistel komen.

 

[Röm. 15, 4] Lieben bruder, alles was geschrieben ist, das ist uns tzur lere geschrieben, auff das wyr durch gedullt und trost der schrifft hoffnung haben.

An dißem stuck solt der Epistellsetzer diße Epistell nit haben angefangen denn es gehort tzu dem, das vorgeht, darumb wollen wyrß ynn seyn ordnung [Röm. 15, 1 ff.] setzen. Der Apostel hebt an am funfftzehenden capitel, und leret das obgesagte stuck der liebe, die sich uben soll ynn dem geprechlichen wandel unßers nehisten, gleych wie er ym viertzehenden gelert hatte die liebe yn geprechlichem glawben [Röm. 15, 1 –4] unßers nehisten, unnd lauttet alßo: Wyr aber, die wyr ym vormugen sind schuldig tzu tragen die kranckheytt der unvormugenden unnd nicht uns selbs wolgefallen. Eyn iglicher aber unter uns soll wolgefallen seynem nehsten ym gutten, tzu seyner besserung, denn auch Christus yhm selb nit wol gefiel, ßondern wie geschrieben ist: Die schmachen der die dich schmechten sind auff mich gefallen. Alles, was da geschriebenn ist, das ist uns tzur lere geschrieben, auff das wyr durch gedullt und trost der schrifft, hoffnung haben.

       Das sind die wort. darynn Paulus leret diß stuck der liebe von dem geprechlichen wandel unßers nehisten tzu tragen, und sind warlich starcke wortt. [Rö. 15, 1] Zum ersten spricht er: wyr sind es schuldig tzu thun, woher kompt die schuld? [Matth. 7, 12] On tzweyffel auß der liebe unnd auß dem gesetz Matt. 7: Was yhr wollet, das euch die leutt thun sollen, das thutt yhr auch yhnen, das ist das gesetz und die propheten. Nu ist unßer keyner, der nit wolt, das man keynen geprechen duldet unnd hulffe bessern; drumb sind wyrß widderumb schuldig tzu [WA s. 71] thun eynem iglichen, und der vormugende soll den unvormugenden tragen [Röm. 15, 1] und bessern. Zum andern, spricht er: Wyr sollen uns selb nit wolgefallen, das ist: wyr sollen uns nit gutt duncken lassen, das wyr ettwas vormugen, das unßer nehisten nitt vormugen; denn das ist nicht anders, denn eyn wolgefallen haben, das eyn ander ynn sunden, ym vorterben ligt, auff das er ia uns nit gleych oder besser sey denn wyr, und gonnet yhn gleych seyn ubell, auff das er ia ettwas fur yhm scheyne, das ist doch zu mal stracks und [Luk. 18, 11] grundlich widder die liebe. Gleych wie der phariseus ym Euangelio gott danckt, das er nit ist wie andere menschen, dunckt sich ßo gutt, gefellet ym ßo wol, das yhm freylich leyd were geweßen, das yemand neben yhm on sund geweßen were. Nu sihe, sind das nit heßliche menschen, die andern leutten gnad unnd selickeytt vorgonnen, lust und liebe haben ynn yhren sunden und worterben, wollen dennoch frum unnd heylig, grosse feynd der sunden und [Röm. 15, 1] frund der frumkeyt gehalten seyn. Was leret aber S. Paulus? Nit nit alßo. Niemant soll yhm selbs wolgefallen und sich gutt duncken lassen, wem denn? Eynem andern sollen wyr wolgefallen und uns alßo stellen, das eyn iglicher seynem nehisten wolgefalle, das wyr seynen geprechen mit gedullt und senffte tragen, und alßo handeln, das er eyn wolgefallen, lust und liebe tzu uns gewynne, nit ßo rauch und grewlich mit yhm faren, das er sich fur uns furchte unnd weytter von uns lauffe, nymmer keyn guts tzu uns vorsehe, und werde nur erger.

       Ja, sprichstu: soll ich yhm thun das yhm wolgefalle, ßo must ich yhm [Röm. 15, 2] seynen willen lassen, das er bleybe wie er ist. Nit alßo, spricht Paulus, darumb setze ich datzu und spreche: ym guten, das eyn iglicher sich stelle, das er wolgefalle seynen nehsten, doch nur ynn dem, das gutt ist, tzu seyner besserung. Man kan yhn wol handelln, das er seynen willen nicht habe, und doch eyn gutten willen tzu uns behalte. Ist er aber yhe ßo wust, das es nitt hilfft was man an yhm thutt, ßo laß gehen; dennoch hastu ßo viel than, das du yhm zur besserung ym guten billich soltist gefallen, du kanst yhn mit den haren nit dahyn reyssen, das erß yhm gefallen lasse, was du yhm zu gefallen thust. Paulus foddert auch nit mehr denn das du yhm gefallen thust ym guten zu seyner besserung, wils doch der welt nicht gefallen, [Röm. 15, 2] das yhr gott seynen eygen ßon tzu gefallen ynn den todt geben hatt. Darumb wenn Paulus sagt: Eyn iglicher gefalle seynem nehsten ym guten, will er nicht, das wyr schaffen sollen, das er dem nehsten gefalle, denn das ligt nit an uns, ßondern das wyr ßo viel thun sollen nach der liebe, das es billich [WA s. 72] yhm gefallen solt, und an uns nit der feyl ist, das yhm nicht gefellt; alßo [1. Kor. 10, 22] redet er auch .1. Corin. 3: Ihr sollt yderman gefallen ynn allen dingen gleych wie ich yderman yn allen dingen gefalle. Wie gefiel Paulus yderman? ßo yhm die Juden und heyden tod seynd waren? Aber er thett alles, das yhn gutt und nutzlich war unnd billich gefallen solt.

       Das nu diße lere deste krefftlicher eyngehe, hellt er fur das exempel [Röm. 15, 3] Christi und spricht: Christus gefiel yhm selb nicht; wie ßo? Ey, ob er wol heylig war und voller gnaden, vorschmeht er uns doch nicht, ließ sich auch [Luk. 18, 11] nit guttduncken (wie der phariseus), das er etwas hette, das wyr nit hatten, war yhm auch nit lieb, das wyr nichts hatten und er alle ding, wie er doch wol hette kund und mocht thun, ßondern widderumb, war yhm leyd, das wyr nichts hatten, fur tzu, unnd dacht, wie er mit uns umbgieng, das wyr yhm gleych worden und auch hetten das er hatte und unßerer sund loß wurden; da das nit anders seyn kund, setzet er dran alles was er war unnd hatte, nam unßer sund auff sich, und vortilget sie, damit stellet er sich gegen uns, das er uns wollt gefallen und thun was uns lieb ist. Und ist alßo erfullet [Ps. 69, 10] der spruch ßs. 68.: Die schmache der, die dich schmechten, sind gefallenn ubir mich. Unßer sunde schmehen und unehren gott, gleych wie unßer gutt leben ist seyn lob und ehre; drumb nennet sie der prophet gotis schmach und unehre, die sind alle auff Christo gefallenn, das sie von uns kemen. Hette er nu [Luk. 18, 11] mit uns wollen faren, wie der phariseus mitt dem tzolner, und die hoffertigen heyligen mit den geprechlichen sundern, wer were yhe erloßt wurden? Eben [Phil. 2, 5 –8] ditz exempel bildet er auch fur Philipp. 2. da er spricht: Lieben bruder, seyd gesynnet unternander, wie yhr seht ynn Christo, wilcher, da er ynn gotis geperden war, ließ er sich nicht duncken, er hetts mit rawb erlangt, gott gleych tzu seyn, ßondern er eussert sich seyn selbs, und nam an sich die geperde eynß knechts, unnd wartt gleych wie andere menschen, wart auch erfunden ynn seynem wandel wie eyn mensch, demutiget sich selbs unnd wart gehorsam biß ynn den todt, ynn den todt aber des creutzs &c.. Alßo sollen wyr mit unßerer nehisten sund auch handelln, nit richten, nit affterreden, nit vorachten, ßondernn das eynfeltige gesichte nur dahynn richten, das wyr yhm eraußhelffen, es koste unns leyb, leben, gutt und ehre und was wyr haben. Wer sie anders handelt, der soll wissen, das er schon Christum verloren hatt unnd eyn heydnischer heylig ist.

[WA s. 73]

       [Röm. 15, 4 ff.] Da folget nu diß Epistell: Alles was geschriebenn ist &c.. Das redet S. Paulus darumb, er hatte den spruch von Christo eyngefurtt auß dem [Ps. 69, 10] Psalter, das nu nitt yemandt gedecht: wie reymet sich der spruch hieher? oder was gehet er uns an, weyl er von Christo gesagt und durch yhn erfullet ist? kompt er tzuvor und gibt eyne gemeyne regel von der schrifft tzu leßen, und spricht, das nitt alleyn dißer spruch, ßondernn auch die gantze schrifft uns zur lere geschrieben sey. Wol ists war, das von Christo und von vielen heyligen drynnen geschrieben ist, als von Adam, Abel, Noe, Abraham, Isaac, Jacob, aber es ist nichts umb yhren willen geschrieben denn sie ist lange hernach aller erst geschrieben, und sie haben sie noch nie gesehen. Alßo ob wol viel von Christo geschrieben ist, ßo ists doch nicht umb seynen willen geschrieben, denn er bedurfft seyn nicht, ßondernn uns tzur lere. Von Christo ist das werck und die thatt geschrieben, aber uns tzur lere, das wyr auch alßo thun sollenn; auff die weyße redett er auch .1. Corinth. 9. da er spricht: [1. Kor. 9, 9. 10] das gesetz saget, Du sollt dem ochßen das maul nicht vorpinden, wenn er dresschet. Meynet yhr, das gott auff die ochßen acht habe? Meynet yhr nicht, das umb unßer willen geschrieben sey? freylich ists umb unßer willen geschrieben &c.. als sollt er sagenn: Gott acht der ochßen nicht, ßondernn uns. Nit das er nit alle dinge regire und vorsorge, ßondern das er ym schreyben unnd reden nicht yhr achte, was sollt er den ochßen schreybenn unnd sagen? den menschen alleyn schreybt und sagt er. Alßo hie auch, obs wol von Christo gesagt ist, ßo ists doch nitt Christo, ßondern uns tzur lere gesagt, das wyr auch thun sollen wie wyr horen, das die schrifft sagt, das Christus than habe unnd alle andere heyligen.

       Merck aber hie, was der Apostell fur eyn den Christen tzu leßen unnd tzu studirn furlegt, nemlich alleyn die heyligen schrifft, und spricht, das unßer lere drynnen sey. Szo denn unßer lere ynn der schrifft, sollenn wyr sie billich nit anderßwo suchen, ßondernn alle Christen sollten ditz buch teglich ym brauch haben. Aber sihe tzu, was hatt der teuffell durch die Papisten angericht, yhn ist nit gnug geweßenn, das sie ditz buch unter die banck haben stossen und ßo seltzam gemacht, das gar wenig Doctores der heyligen schrifft dasselb habenn, schweyg denn leßen, ßondern auff das es yhe niemand erfurtzoge, hangen sie yhm eynen schandlappen an, lestern gott und sprechen, es [WA s. 74] sey finster, man musse der menschen gloßen folgen unnd nicht der blossen schrifft. Was ist das anders gesagt, denn Paulum hie lugen straffen, der do sagt, es sey unßer lerebuch? unnd sie sagenn, es sey unßer vorfurbuch unnd sey finster. Was sollt gott solchen lesterern unnd schrifftmorder tzu lohn gebenn? wenn er mich hett tzu radt nohmen, wollt ich yhn gepeten habenn, dieweyl sie seyne helle schrifft finster unnd ferlich schellten, damit sie unter den banck auß aller menschen hertzen und augen vorstossen, das er yhn dafur Aristotelem und Auerros gebe, darnach des Bapsts unendliche gesetz und gloßen, und das sie darnach rasend wurden, studirten yhr leben lang ynn Aristot und lernten dennoch nichts, liessen doch dieweyl den esell kronen, sich meyster der freyen kunst und doctores der heyligen schrifft machen, ob wol bißher yhr keyner noch nie eyn tzeyle ym Aristotele vorstanden hatt, und ob erßvorstunde, dennoch nichts mehr drynnen lernete, denn eyn kind von funff iaren und die grossisten stocknarren wol wissen. Denn Aristot. ist hundert mal finsterer denn die heyligen schrifft, und willtu wissen was er leret, das wil ich dyr kurtzlich sagen: Eyn topffer kan auß thon eyn topff machen: das kan der schmid nit, er lerne es denn. Wenn ettwas hoherß ynn Aristot ist, ßo soltu myr keyn wort glewben, und erbiete mich das tzu beweyssen, wo ich soll. Das sag ich darumb, das wyr sehen, wie reychlich Christus die Papisten betzalet hatt, das sie seyne schrifft finster und ferlich schelten unnd vom plan trieben haben, das sie mussen eynen todten heyden leßen, da keyn kunst, ßondern eyttel finsterniß ynnen ist; und das ich gesagt hab, das ist das aller best yn Aristot, ich schweyg wo er durchgifftig und todtlich ist. Die hohen schulen weren werd, das man sie alle zu pulver mecht, nichts hellischer und teufflicher ist auff erden komen von anbegynn der wellt, wirt auch nicht komen.

       Nu last uns tzu Paulo widder komen, der weyßet uns hie was wyr leßen und wo wyr unßer lere suchen sollen; were eyn ander buch uns tzu leßen, er hett es uns auch antzeyget. Datzu tzeygt er, was fur frucht solch leßen bringe, [Röm. 15, 4] unnd spricht: durch gedult und trost der schrifft haben wyr hoffnung, da laß aufftretten alle lerer, laß hertragen alle bucher, und sehen, ob sie ßo viel vormugen, das sie eyne seel trosten mugen ynn der aller geringsten anfechtungen? Es ist yhe nit muglich eyn seele zu trosten, sie hore denn yhres [WA s. 75] gottis wortt. Wo ist aber gottis wortt ynn allen buchernn außer der heyligen schrifft? was machenn wyr denn, das wyr andere bucher leßen und lassen ditz ligen? Martern und todten mugen sie uns wol, aber trosten mag keyn buch, denn die heyligen schrifft, den titel hatt sie alleyn, den hie S. Paulus yhr gibt, das sie eyn trostbuch ist, wilchs die seelen erhalten kan yn allem trubsall, das sie nicht vortzage, ßondern hoffnung behallte; denn sie fasset gottis wortt, dabey lernet sie seynen gnedigen willen, daran hanget sie denn fest, und bleybt bestehen ynn leben und sterben. Wer aber gottis willen nicht weyß, der muß tzweyffellen, denn er weyß nicht, wie er mit gott dran ist. Aber was soll ich sagen? der iamer ist tzu groß, das er widder mit wortten noch gedancken kan erlangt werden. Der boß geyst hatt seynen willen ubirkomen unnd das buch unterbracht, und an seyne stadt ßo viel bucher menschlicher lere auffbracht, das es wol eyn sindflutt bucher heyssen mocht, und ist doch alles eyttel yrthum, lugen, finsterniß, gifft, tod, vorterben, helle und teuffel; das hatt unßer grewlicher undanck vordienet.

       [Röm. 15, 4] Sihe aber, wie feyn es S. Paulus macht, er setzt es beyds tzusamen: Gedullt und trost der schrifft. Die schrifft nympt nit abe die widderwertickeytt, leyden unnd todt, ia, sie vorkundigt nichts denn das heylige creutz, das sie Sanct Paulus eyn wort des creutzs nennet; drumb muß gedult da seyn, aber das thut sie, mitten ym leyden trostet unnd sterckt sie, das die gedullt nicht breche, ßondern hyndurchdringe und ubirwinde. Es macht die seel gar getrost, keck unnd frolich tzu leyden, wenn sie horet eyn trostlich wort von yhrem gott, das der mit yhr unnd ubir yhr hallte. Dieweyll den nu ditz leben nichts anders ist, denn eyn todtung des allten Adamß, der do sterben muß, ßo will gedult datzu gehoren. Widderumb, dieweyl ihenis leben nicht mag empfunden werden, ists nott, das die seel etwas hab, daran sie sich ynn der gedullt hallte, und dasselbige leben ettwa mit begreyffe und dran hange, das ist gottis wort, an dem hanget sie, unnd bleybt drynnen, feret auch drynnen ubir von dißem leben yn iheniß, gleych als ynn eynem sicherem schiff, und bleybt alßo yhre hoffnung bestehen. Sihe, das ist der rechte brauch der schrifft, das sie troste die leydenden, betrubten, sterbende menschen. Darauß folget, das wer nicht leyden oder sterben vorsucht hat, der kan auch nichts vom trost der schrifft wissen. Der trost will nit mit wortten, ßondern mit erfarung geschmackt [Röm. 15, 4] und empfunden seyn; denn S. Paulus setzt tzuvor die gedullt, darnach den [WA s. 76] trost der schrifft, das wyr wissen sollen, wer nit leyden will, ßondern anderßwo trost suchen, der wirtt dißen trost nit schmecken. Die schrifft will alleyne trosten, darumb muß sie gedullt tzuvor finden, sie eyffert und ist eckel, leydet nit neben sich menschlich trost und hulff, denn dadurch wirtt die gedullt und das leyden vorhyndert.

       Nu aber das nit eyn kleyn stuck der gedullt und des creutzs ist, wenn man soll des nehisten geprechen und sund tragen, denn es ettlichen so schwere ist, das sie druber des tods begeren oder yhe dem andern wundschen, darumb das die gedult ynn dißem leyden bestehe, mussen sie sich trosten mit dißer schrifft, die da Christus exempel furhellt, das sie starck und willig bleyben ynn dem leyden, wenn sie ansehen, das Christus umb yhr willen viel mehr than hatt und viel schwerer burde von yhren sunden auff sich geladen, auff das er sie erauß erloßete. Sihe, der trost yn dißer gedullt macht denn eyn gute hoffnung tzu Christo, das sie yhm gleych werden, damit sie gewiß sind, das er yhn auch ßo than hatt und thun wirt. Wer aber ditz exempell und die schrifft auß dem synn lessit, dem wirt gar eyn schlechter trost unnd gedullt bleyben, wenn man yhn mit vornunfftigen ursachen schon auffs best trosten will. Es hatt doch nitt krafft, dringt auch nitt tzu grund des hertzen, es ist eyn gleyssende gedullt und trost.

 

[Röm. 15, 5] Aber gott der gedullt unnd des trosts gebe euch, das yhr unternander eynerley gesynnet seyd, nach Jhesu Christo.

Hie solt die Epistel angefangen seyn, denn ditz gehet auff alle beyde geprechen des glawbens unnd des wandells, doch am meysten auff den ersten geprechen des glawbens, wie wyr sehen werden. Und ist eyn gepeet, damit S. Paulus seyne Epistel beschleust, das er außgepredigt und geleret hatt. Das aber niemant auß eygenen krefften sich vormesse gedullt unnd trost der schrifft tzu haben, tzeygt er an mit dißem gepett, das es gottis gaben sind, die man mit bitten erlangen soll. Viel weniger aber ist das ynn unßer krafft, das eyner des andernn geprechen trage und eynmutig mit dem andern ubir dem glawben sey. Drumb spricht er: Gott der gedullt und des trosts, das ist: er ist eyn meyster und gibt diße gedullt und trost. Gleych wie er ist eyn gott hymels und der erden, ßo ist er auch eyn gott der gedult und des trosts, es sind alles seyne gaben unnd creaturn. Er geb es euch, spricht er, denn yhr habts nicht auß euch selbs, gibt erß, ßo ists nit natur, ßondern gnade [WA s. 77] und gabe; denn wo er nitt gibt eynen spruch ynß hertz, der tzur sachen dienet, ßo sindet es das hertz nymmermehr. Ja, wo erß nit gibt, da lest man die schrifft ligen und leufft Aristot. nach, wie denn geschehen ist den vordampten schulen. Wo er aber gnade gibt, das die schrifft erfursucht wirt, da gibt er auch gedullt und trost; darumb ist keyn grosser gotis tzorn, denn ßo er seyn wort und die schrifft lest untergehen, das nit umbsonst hie der Apostel dafur bittet, widderumb keyn groesser gnad, denn wo er seyn wortt erfurhebt und leßen lesset, das wyr wol alle sollten diß gepett mit dem Apostel betten.

       [Röm. 15, 5] Das yhr unternander eynerley gesynnett seytt, was ist das? wie konnen die schwachen gleych gesynnet seyn den starcken? das gesynnet seyn ist tzuvorstehen, das eyn iglicher soll dem andern seynen dunckel lassen, unnd sich lassen das gutt duncken, das den andern gutt dunckt. Denn der dunckel ist das hewbt aller parteyen, sectten, uneynickeyt und ketzerey, wie man spricht: Eynem iglichen gefellt seyne weyße wol, darumb ist das land narren vol ; denselbigen eygen dunckel und eygen gefallen will Paulus hie auffheben, denn auch keyn ding unleydlicher unnd schedlicher ist dem Christlichen glawben und der kirchen denn dißer dunckel, er kanß nit lassen, er muß eygene weyße furnehmen, und auß der gemeyne weyße tretten, das er eyn eygens anrichte, darynn er yhm selbs wolgefalle, daher sind komen ßo viel parteyen und tzipffell und franßen der stifft und kloster ynn der wellt, der keynes mit dem andern eynerley gesynnet ist, ßondern eynem iglichen gefellt seyne weyß am besten und voracht der andern weyße. Szo wuntschet nu hie der Apostel, das sie eynes synnes, eyner meynung seyen, und eyn iglich dem andernn gefalle, nemlich alßo: die schwachen gewissen sollen das fur das beste halten, das die starckglewbigen unnd gesunden gewissen hallten, auff das yhr glawbe, gewissen und meynung eynerley sey, und nicht widdernander tzancken mit gedancken, da eyner ditz fur recht unnd gutt hallte, der ander eyn anders, auff das bestehe der spruch [Ps. 68, 7] Ps. 67. von yhnen gesagt: Gott macht das eynmutige wonen ym hawsß und [Ps. 133, 1] psalmus .132. Sehet wie lustig und gutt ist das, wo die bruder mitt eynander eynmutig wonen ym hawsße. Als, wenn eynn schwachglewbiger sehe, das der [WA s. 78] starckglewbige fleysch esse odder truncke, oder eyn anders thette, das yhn dunckt es sey nit recht odder sunde, ßo soll er seyn duncken faren lassen unnd yhm gefallen lassen, wie der starckglewbige isset, trinckt odder thutt, ob er schon nit wolle oder vormuge dasselbige auch tzu thun, soll gedencken, wie S. Paulus [Röm. 14, 5] davon sagt Ro. 14: Eyn iglicher sey yn seyner meynung reych, das alßo freuel urteyl und vorachtung nachbleyb, unnd eynickeyt der hertzen und gemuet erhallten werde.

       Widerumb, wo die schwachglewbigen nit mugen folgen, sollen die starckglewbigen sie nit treyben noch vorachten, ßondern yhn lassen gefallen und gutt duncken, wie sie essen, trincken odder sich hallten, biß sie auch starck [Röm. 14, 1] werden, wie er sagt Ro. 14: Den schwachglewbigen solt yhr auffnehmen nit ynn tzanckung der gedancken, das ist: solt nit treyben auff sie und sagen: das ist recht, ditz ist unrecht, ßondern sie senffte furen und unterrichten, biß sie auch starck werden. Muß man doch auch ynn handwercken nit eynerley seyn. Eyner ist eyn schmid, der ander eyn schneyder, dennoch bleybt die eynickent des glawbens und der hertzen, eyn iglicher lest den andernn seyn werck thun eußerlich. Wenn nu eyn narr da auffstund und leret, das ein schmid hette nicht eyn gottlich handwerck, der mecht das gewissen yrre und schwecht yhm seynen glawben. Alßo ists hie auch, allerley eußerlich ding ynn essen, kleydern, stetten, ist frey, tzu brauchen und nit tzu brauchen, wie und wenn du willt. Wer nu keme und leret dich anders, das du es solltist nicht brauchen, wie der Bapst und geystlichen thun, der macht dich yrre. Widderumb wenn eyn ander keme und saget, du musist seyn brauchen, der macht dich auch yrre. Wer aber tzwischen hynn ym mittel feret unnd leret dich es sey frey tzu lassen unnd tzu brauchen, lessit dich doch dieweyll bleyben ynn deyner weyße und vordampt dich nicht, biß du erauß komist, wiewol er die wolffe hartt angreyfft, die dich ynn die weyße trieben haben, alß die do nicht frey sey, und musse gehallten werden, der leret dich recht. Wenn du nu eynem Apostel fastist oder beychtist ynn der fasten, da thustu nit ubel an; widderumb thutts eyn ander nicht, der thut auch nicht ubel dran. Mag fasten und beychten wer do will, unnd soll hie keyner den andernn urteylen, richten, vorachten noch eynigen getzanck ynn den gedancken anfahen, ßondernn eyn iglich soll gesynnet seyn, wie der ander, was er thutt soll er yhm gefallen lassen unnd gut duncken, dieweyl es doch frey ist. Aber der ist tzu straffen, der zuferet [WA s. 79] unnd will mit seyner lere hie richter werden, unnd solch eynmuetickeyt tzutrennen, unnd sagen: du thust recht unnd solltes thun, ihener thut unrecht und solltes nicht thun: das ist des teuffels apostel und Satanas lere, das thut Bapst und papisten, das gepurt keynem hirten, ßondernn den wolffen tzu predigen, da muß denn folgen dißer Christlichen eynickeyt tzurtrennung, da heben sich denn die urteyl: du bist eyn ketzer, du bist der kirchen ungehorsam, du thust nit recht &c.. das wollt der teuffel haben. Darnach feret tzu der Bapst, wenn er solch eynickeyt tzurtrennet, deyn gewissenn gefangen unnd die freyheytt vorstoeret hatt, nympt gellt und gibt dyr eyn brieff, das du muegist butter, eyer, fleysch essen, das ist die freyheyt, die dyr Christus ym Euangelio geben hatt und der Bapst sie dyr gerawbet, die vorkaufft er dyr widder, der frum trew hirtt, da ergern sich denn widderumb an die andern, unnd ist kurtzlich des Bapsts regiment eyn solch fangen unnd widderfangen, ergern und widder ergernn, tauschen und mauschen, das man wol sihet, wie es nit mehr denn lautter regiment des muttwilligen teuffells ist, der eyn solch gewerre und gemenge der gewissen ynn der wellt anricht, das keyn mensch gnugsam begreyffen mag.

       Das rede ich aber nur von den dingen, die frey sind, das man darynnen sich alßo hallte und stosse den Bapst fur den kopff als eynen wolff mit seynen frevelln, tollen gesetzen, und lasse doch die schwachglewbigen eyn tzeyttlang drynnen wandelln unnd bringe sie mit der tzeyt auch erauß, das sie nit zu schwind und tzu kurtz abgestossen und tzurschellet werden ynn yhrem gewissen. Aber ynn den dingen, die nicht frey, ßondernn von Christo vorpotten oder gepotten sind, da ist nicht viel disputirenß, es treffe starck oder schwach gewissen an, da ist yderman schuldig dem Bapst widdertzustreben, der grossist mit dem kleynisten. Als da er mit allen seynen die Messe fur eyn opffer unnd gutt werck leret tzu hallten; das ist der aller grewlichst grewel, der yhe auff erden komen ist, darauff seyn regiment mit allen stifften unnd kloestern gegrund ist, da ist niemant entschuldigt, ob er schwach oder starck sey; denn Christus hatt die Messe tzum sacrament und testament gesetzt, die niemant kan vorkaufft, mitgeteyllt, odder geben werden, ßondern wie die tauff eyn iglicher fur sich selb empfahen muß; der grewel sind viel mehr ynn seynem heyligen recht, und tzwar, wo solcher grund ligt, ist gutt tzu mercken, was das gepew sey, es ist teuffels mutwill alles, was ym Bapstum ist von der scheyttlen biß auff die verßen. Werß nit glewbt, der wirtts erfaren.

[WA s. 80]

       [Röm. 15, 5] Der Apostel setzt nemlich hyntzu, das wyr sollen eynsynnig seyn nach Jhesu Christo, das wyr sollen Christlich eynsynnig seyn. Denn die ungleubigen sind auch eynes synnes, nit nach Christo, ßondern nach dem fleysch und der wellt und dem teuffell. Die Juden waren auch eynes synnes wider gott [Ps. 2, 2] und seynen Christ. wie Ps. 2. sagt. Christlich eynsynnickeytt streyttet widder die sund und alles was unchristlich ist, und thut noch vorhenckt keyne sunde. Darumb ist yhr art, das sie alle Christen eynig mache, tzum ersten ym glawben, darnach ynn den sitten odder wandel. Ist aber yemant schwach ym glawben oder geprechlich ym wandel, da vorwilligt sie nicht eyn, das ßo bleyben solle, vorlesset auch dieselbigen nicht, viel weniger tzanckt sie sich mit yhn oder furwirfft und vordampt sie. Sondernn nimpt sie an, und thutt wie sie wollt yhr gethan haben unnd wie yhr Christus than hatt, ynn gleychem unnd grosserm fall; damit bleybt, das eyn iglicher thutt was dem andern gefellt, und trifft was der ander ym synn hatt, unnd bleyben alßo eynsynnig; dawider sind nu die eygesynnigen, da eyn iglicher den andern lesset, voracht, urteylt, sich seyn nit annympt, und feret eyn eygen straß ynn seynem guttdunckel, wie itzt die orden der geystlichen und alle andere secten thun.

 

[Röm. 15, 6] Auff das yhr eynmutig und eynmundig preysset gott und den vatter unßers herrn Jhesu Christi.

Alle das gutt, das wyr gott thun mugen, das ist: lob unnd danck, wilchs [Ps. 50, 23] auch der recht eynige gotisdienst ist, wie er selb sagt Ps. 49: Das opffer des lobs preysset mich, und das ist der weg, durch wilchen ich yhm weyße die selickeyt gotis. Alle an- der gutter empfahen wyr von yhm, auff das wyr solch opffer des lobs dafur geben. Und wo man dyr eynen andernn gottisdienst furlegt, da wisse, das es yrthum und triegerey ist, als itzt die welt unsynnig ist, die tzu gottis dienst bestympt die heußer, kirchen, kloster, guldene, seydene und allerley kleyder, sylbern gefess und bilde, glocken und orgelln, liecht und lampen, mit wilchen kost man solt dem nehisten helffen, ßo will manß gott geben. Und murmelt und heulet datzu tag und nacht ynn den kirchen, daneben schweygt gotis lob und ehre yn aller welt, wilchs nit [WA s. 81] will angepunden seyn an stett, odder person. Und ist erlogen das pfaffen und munch furgeben, yhr weßen sey gottisdienst, es ist vorfurerey und gauckelwerck. Gottisdienst ist gottis lob, der wil frey seyn, zu tisch, tzu kamern, ym keller, auff dem boden, ym hawß, auff dem feld, an allen ortten, bey allen personen, ynn allen tzeytten; wer dyr anders sagt, der leugt ia ßo sehr als der Bapst und teuffel selbist. Wie soll aber gottis lob und preyß der recht gottisdienst bey uns seyn, wenn wyr nit liebhaben und seyne gutter nit empfahen? wie sollen wyr aber yhn lieb haben, wenn wyr yhn nit erkennen noch seyne guter? wie sollen wyr aber yhn und seyne guter erkennen, wenn man nichts davon predigt und lest das Euangelium unter der banck ligen? denn wo nicht Euangelium ist, da ists unmuglich, das gott erkennett werd, ßo muß es auch unmuglich seyn, das da sollt gotis lieb und lob seyn. Szo ists auch unmuglich, das da sollt gottisdienst seyn, und wenn gleych eyn Chorschuler alle chorschuler, alle pfaffen eyn pfaff, alle munche eyn munch, alle kirchen eyn kirche, alle glocken eyn glock, und kurtzlich, wenn alle der nerrisch gottisdienst ynn stifften, kirchen, klostern, noch hundert thausent mal grosser und mehr were. Was fragt gott nach solchem fastnachtspiel und gauckelwerck?2

       [Micha 2, 3 ff.] Darumb klagt gott das am meysten vonn den Juden Miche. 2., das sie seyn lob habenn gestillet, ßo sie doch fast pfiffen, plerreten unnd heuleten, wie wyr thun. Aber dißer gottisdienst lest sich nitt stifftenn mitt tzinßenn, lest sich auch nicht vorfassenn mitt gesetzenn unnd statutenn, weyß auch nicht umb hohe odder nyddrige fest, ßondernn auß dem Euangelio kompt er, und iah ßo schier ynn des armen hirtten knecht, als ynn eynen grossen Bisschoff. Auch sihistu hirauß wer sie seyen, die den gottisdienst vorstoret haben und noch teglich vordrucken. Es thutt niemandt denn die vorlorne rotte, der Bapst mit seynen Camelthiern, bisschoffen, pfaffen, munchen und nonnen, die sich am meysten gottisdienstes rhumen und geistlich schellten lassen, und reyssen tzu sich mit der geuckeley aller wellt gutt und ehre, und leben ym sausse, geben dennoch fur, mit dem narrenwerck andernn leutten ynn den hymell tzu helffen, schweygen das Evangelium stille, ia vorfolgen und vordammen es datzu, [2. Petri 2, 14] das sie wol S. Peter nennet kinder der vormaledeyunge.

[WA s. 82]

       Nu spricht Paulus, das dißer gottisdienst solle eynmutiglich und eynmundig geschehen; das geschicht, wenn wyr eynes synnes sind und erkennen, das wyr alle gleych sind und gleyche gutter empfangen haben ynn Christo, das sich keyner ubir den andern heben, keyner eyn beßonderß auffwerffen kan. Fragistu, wie das tzugehet? Es gehet alßo: Alles, was außer Christo ist, das ist vordampt, eyner wie der ander, darff eyner Christus eben ßo wol als der ander. Wenn wyr aber bekert werden, empfehet eyn iglicher dieselbige tauffe, dasselbige sacrament, denselbigen glawben, denselbigen Christum, denselbigen geyst, dasselbige Euangelium, kurtzlich denselbigen gott, den der ander, und wirt hie das hymelbrott gleych außteylet yn dißer wusten. Wie ists denn muglich, das es recht sey, ßo sich eyner geystlich fur dem andern, eyner priester fur dem andern auffwirfft? Was kan er bessers denn Christum haben? Nu hatt doch denselbigen eyn iglicher Christen, unnd Christus nympt sich auch eyniß iglicher an gantz und gar. Es mag wol eyner Christum fester fassenn, denn der ander, als der yhn mehr liebt und stercker glewbt, aber er hatt drumb nichts mehr denn der ander. Christum ist allenn eynerley Christus und gleych, ynn den sachen, die tzur selickeytt gehoren; darumb er auch Christus ist eygentlich. Weyll denn eyn geweyn gutt ist, der schwachen und gesunden ym glawben, der starcken unnd geprechlichen ym wandel, soll keyner den andern geringer hallten denn sich noch vorachten, ßondernn eynsynniglich auffnehmen, und gottis lob eynmutig volnbringen, das es gleych laut, als gieng es auß eynem hertzen und mund. Eyntemal eyn iglicher davon gott lobet und eben das ym hertzen unnd mund hatt, das der ander; denn alle erkennen unnd dancken sie von Christo und was sie auß Christo haben, wie tzuvor vorkundigt [Ps. 72, 15] ist Ps. 71: Sie werden von yhm betten alle tage. Lobt aber yemandt gott von seynen eygen gutternn, der teylet mutt und mund, und gehoret nicht yn die gemeynschafft der heyligen, wie da thun der papisten secten, da man nymmer keyn lob von Christo, ßondern nur von yhren wercken horet.

       Das er aber den vater Jhesu Christi preyssen heyst unnd nicht auff Christo bleyben lessit, ist uns auch wol ßonderlich tzu mercken tzu unßern tzeytten, da wyr der heyligen ehre haben ßo hoch trieben, das wyr gemeyniglich an den [WA s. 83] heyligen hangen und nit fortt hyndurch tzu gott dringen; da sindt man, der yhm benugen lest, ßo er S. Barbara gnedig hatt unnd angeruffen, die niemant gewiß weyß ob sie eyn heylig ist oder nicht. Eyn ander hatt den Christoffel und lest yhm gnugen, wilchs on tzweyffell der groesten geticht und lugen eyne ist, fast niemandt aber ist, der yhm nit benugen lest, das er die mutter gottis ehre und gnedig habe. Ich hab sorge, das grewlich abgotterey hie mit eynreysse, das man die zuvorsicht und trawen auff die heyligen stellet, die alleyn got gepuert, und von den heyligen gewarttet, das alleyn von gott tzu gewartten ist. Und wenn nichts ßonst boßes dran were, ßo ist doch das vordechtig, das solche heyligendienst und ehre keynen spruch noch exempel der schrifft fur sich hatt und tzumal widder dißen spruch Pauli unnd dergleychen streyttet, die uns leren hyndurchdringen tzu gott, und alles trawen alleyn auff yhn stellen, und allerley von yhm alleyn gewartten. Denn auch Christus selbs ym gantzen Euangelio uns tzum vater weyßet, und auch darumb komen ist, das wyr durch yhn tzum vater komen sollen. Nu ist tzum vater komen nicht, mit fussen gen Rom lauffen, auch nitt mitt flugelln gen hymel steygen, ßondern mit hertzlicher tzuvorsicht auff yhn sich vorlassen, als auff eynen gnedigen vatter, wie das vatter unßer anfehet; yhe mehr solch tzuvorsicht ym hertzen zunympt, yhe neher wyr tzum vatter komen. Nu muß das bekennen die vornunfft und die erfarung, wo die zuvorsicht zu gott ym hertzen ist, da felt abe alle tzuvorsicht zu allen creaturn, es sehen heyligen ym hymel oder auff erden; widderumb, wo die tzuvorsicht tzu gott abnympt, da hebt sich ditz suchen und tzuvorsehen bey den heyligen.

       [1. Petri 1, 18.21 [!]] Darumb spricht auch S. Peter .1. Pet. 2: Ihr solt wissen, das yhr nit mit vorgenglichem gollt und sylber erloßet seyt, ßondern mit dem theuren blutt Jhesu Christi, des unschuldigen und unvormakeltem lambs, auff das [Röm. 5, 2 [!]] ewr glawbe und hoffnung sey zu gott, und Paulus Ro. 9: Durch Jhesum Christum haben wyr eyn tzugang yn dem glawben zu gottis gnaden &c.. Ich laß geschehen, das etlich der heyligen unnd der mutter gottis dienst recht brauchen, wiewol das seltzam ist, ßo ist doch das exempel ferlich und nicht [WA s. 84] yn die geweyn fur eynen brauch tzu bringen, ßondern nach Christus und aller Apolstel lere frisch zu gott dem vater alleyn, und alleyn durch Christum zu nahen; denn es gar bald geschehen ist umb den grewlichen fall, das man aueff die heyligen mehr denn auff got sich trostet und yhren namen und hulff ehe anrufft denn gott; das ist denn gar eyn vorkeret unchristlich ding, wie itzt ich besorge, die wellt voll voll voll abgotterey ist. Und gott vorhenget, das ettwa solchen heyligendienern hulff und wundertzeychen widderfaren, ßo es doch durch den teuffell geschicht, denn gott auch den teuffellsdienern leyb unnd leben, ia auch gutt und ehre durch die teuffel gibt, wie wyr sehen offentlich, gleych wie eyn reycher furst durch eynen buben eynem andern buben eyn kleyd odder kleynod mag geben. Darumb ist wider auff die wundertzeychen noch auff das exempell der menge tzu bawen, ßondern alleyn auff die lere Christi odder seyner Apolstel, ynn dißem und ynn allen andern fellen.

       Gleych wie nu Christus unßer aller gemeyn gutt ist, als wyr gehortt habenn, alßo sollen wyr alle dasselbige gutt auch niemandt tzueygenn, denn dem vater alleynn, der damit uns auffs aller reychlichst gnade ertzeygt hatt, das er unßere tzu sich tzoge; darumb sollen wyr auch mit aller zuvorsicht yhn lieben unnd loben ubir solcher ubirschwencklicher guette, auff das unßer hertz gewone auff yhn sich tzu trosten und alles guten tzuvorsehen ynn leben und sterben, doch durch Christum, und nit durch uns selbs; denn er ist datzu geben, das wyr durch yhn tzum vatter mit solcher tzuvorsicht [Joh. 14. 6 [!]] kommen sollen und mugen, wie sagt Johan. 6: Niemandt kompt tzum vater denn alleyn durch mich. Und wiewol Christus selbs gott ist warlich, und gnug ist, wer seyn zuvorsicht auff yhn setzt, doch furet er uns ymer tzum vater, auff das nit yemand an der menscheyt hangen bleybe, wie die iunger thetten fur seynem leyden, und nicht tzur gotheyt ubir die menscheyt gedechten; denn wyr mussen Christum nach der mencheyt eynen weg, eyn tzeychen, eyn werck gottis seyn lassen, durch wilchs wyr tzu gott komen, und alle tzuvorsicht ynn yhn setzen auff das aller eynigst, unnd ia tzusehen, das wyr nicht daneben auff die muter gottis oder yrgend eynen heylige die tzuvorsicht teylenn, und eyn abgott yn unßern hertzen auffrichten.

[WA s. 85]

 

[Röm. 15, 7] Darumb nempt euch unternander an, wie euch Christus hatt angenommen gott tzu ehren.

Warumb? odder was ist das fur eyn darumb? Es sind tzwo ursach (spricht er), das yhr euch unternander annehmen sollt. Die erste, das yhr horett, die schrifft hellt uns Christum fur tzu solchem exempell, auff wilchen [Röm. 15, 3] gefallen sind die schmache, die gott schmehen, das sind unßere sunde, und er hatt uns nit voracht, noch furworffen, noch geschendet, sondern uns angenommen davon tzurloßen; darumb ists billich, das wyr viel mehr alßo thun. Die ander ursach, das solchs exempel gott loblich und ehrlich ist, denn gott wirt dadurch gelobt und geehret, und das alßo: Dieweyl Christus allenthalben betzeugt, das alles was er thu, das sey seynes vatters willen, und er sey nur darumb komen, das er seynes vaters willen thue, ßo ists gewiß, das er auch die schmach unßer sund alleyn darumb hatt tragen, das es des vaters wille geweßen ist; darauß wyr sehen, wilch eyn ubirschwencklicher barmhertziger wille des vaters ubir uns herscht, ßo er seynem liebsten eynigen ßon aufflegt unßere sund und seyne schmach zu tragen, auff das er nit uns drumb vordamnen musse. Wo nu solcher wille gottis recht erkand wirt, da muß lieb und lob tzu gott auß hertzengrund folgen, und seyne barmhertzicket preyßet werden; denn der mensch gewynnet davon eyn frolich, sicher gewissen gegen gott, und kan sich nit enthallten, er muß solch reyche gůtte gottis ehren und preyssen. [Röm. 15, 7] Sihe, das heyst hie, S. Paulus Gottis ehre angericht durch Christum, ynn dem das er uns angenommen hatt und unßere sund tragen und vortilget. Alßo sollen wyr unßer nehisten sund, burden und geprechlickeytt auch auff uns laden, sie dulden, bessern unnd helffen; wenn das denn die sunder odder geprechlichen horen oder empfinden, ßo wirtt yhr hertz gegen gott wolgemutt unnd muß sprechen: Ey, das ist yhe eyn feyner gnediger gott unnd rechter vatter, der solch volck hatt unnd will von yhn haben, das sie uns armen sunder und geprechlichen nit urteylen, nit vordamnen, nit vorachten, ßondern annehmen, helffen, unnd mit uns faren sollen, als weren unßer sund und geprechen yhr eygen; wolt solchen gott nit lieben, loben, preyßen und ehren, und auß grund des hertzen yhm alle ding vortrawen? was will er selber seyn, wenn er seyn volck alßo haben will? Sihe, solchen preyß will gott durch uns erlangen, ynn dem das wyr uns unternander annehmen, und eyn iglicher lasse des nehisten sache eygen seyn, damit werden die leutt tzum glawben gereytzet, und die da schon glewben, werden drynnen gesterckt. [WA s. 86] Aber wo ist itzt das exempel ynn der wellt? eyttel tyrannen ia teuffell regiren ynn dem geystlichen stand, die nit mehr, den bannen, vormaledeyen, treyben und iagen konnen.

 

[Röm. 15, 8. 9] Denn ich sage, das Christus ist geweßen eyn diener der beschneydung, umb der warheytt gottis willen, tzu befestigen die vorsprechungen gottis den vettern gethan. Aber die heyden preyßen gott umb der barmhertzigkeytt willen.

Da er nu beschlossen hatt seyne meynung, das eyn iglicher sich des andern soll annehmen, gott tzu ehren nach dem exempel Christi, und keyn unterscheyd lessit ym volck Christi, wider unter heyligen noch sundern, wider unter starcken noch schwachen, widder unter reychen noch armen, denn sie alle eyn ding haben, eynerley gutter yn Christo, der macht eyn hertz, eyn mutt, eyn synn, eyn mund und alle gutter gemeyn, sie seyen geystlich odder tzeyttlich, wie manichfeltig sie ymer seyn mugen, feret er tzu und grundet solchs mitt starcken spruechen der schrifft, und hebt alßo auch durch die schrifft auff alle ursach der uneynigkeytt, stellet sich tzwisschen Juden und heyden, als eyn scheydsman und mitteler, als solt er sprechen: Ihr Juden kund die heyden nit vorwerffen, ob sie nitt mit euch ewr gewonheytt nach essen und trincken; denn sie habennn eben den Christum, den yhr habt, wie das die schrifft tzuvor vorkundigt hatt. Widderumb yhr heyden kund die Juden nitt vorachten, ob sie gleych yhrer weyß noch essen und trincken, denn sie haben auch denselben Christ, der yhn ist tzugesagt yn der schrifft. Dieweyl denn die schrifft Christum gemeyn macht, und beyde, Juden und heyden, unter yhm vorsamlet, auch außer Christo niemand nichts hatt, und ynn Christo yderman alle ding hatt, warumb wollt yhr denn tzancken, urteyllen und euch spalten und nit vielmehr fruntlich unternander annehmen, wie euch Christus hatt angenommen? Hatt doch niemant nichts fur dem andern, ßo hatt auch niemant weniger denn der ander. Warumb wolt yhr euch denn umb essen. trincken, kleyder, tage, stedt, geperden und desgleychen, tzancken unnd spalltten, da nichts an gelegen ist, dieweyll es tzeyttlich ding außer Christo sind, die nitt tzur sachen dienen? Darumb last hyrynnen frey seyn wer do will, ist aber yemand schwach ym glawben und noch nitt frey, denn duldet und traget, biß er starck werde, angesehen, das euch daran nichts abgehet, yhr habt doch Christum gantz und gar.

[WA s. 87]

       Das wyr nu die wort S. Paulus vorstehen, mussen wyr wissen, das S. Paulus brauch ist, das Judische volck tzu nennen die beschneydung, darumb das sie beschnytten waren, und dabey als bey eynem tzeychen von andern volckern gesondert und erkennet wurden. Alßo nennet man auch wol ander dinck bey seynem tzeychen, als von weyben spricht man: der schleyer odder die tzopffe richten viel unglucks an ynn der welt. Und von den munchen, sihe tzu, was thar die kutte nicht thun, und von den pfaffennn, wie ist die platte ßo geytzig, und die reutter nennet man bey den spornn oder stegreyff. Eben auff dieselbige weyße nennet S. Paulus die Juden bey yhrem tzeychen die beschneydung, [Gal. 2, 7] und die heyden preputium, die vorhautt, Gal. 2: Sie sahen das myr befolhen war das Euangelium tzu der vorhautt (das ist tzu den heyden, die noch haben yhr vorhautt unbeschnytten) wie Petro befolhen war das [Eph. 2, 11] Euangelium tzu der beschneydung (das ist tzu den Juden) und Ephe. 2: Gedenckt yhr heyden, die yhr vortzeytten genant wart eyn vorhautt von der beschneydung [Röm. 15, 8] &c.. Alßo hie auch, ich sage, das Christus sey geweßen eyn diener der beschneydung, das ist: der Juden, odder des Judischen volcks. Eyn diener nennet er Christum auch nach seynem brauch, da er alle prediger und Apostel [1. Kor. 3, 5] diener nennet. 1. Cor. 3: Was ist Paulus? was ist Apollo? sie sind diener, durch wilch yhr seyd glewbig worden. Szo ist nu ßo viel gesagt: Jhesus Christus ist geweßen eyn diener der beschneydung, das ist: eyn prediger, lerer Apostel, botte, von gott nur tzu dem Judischen volck geschickt, denn Christus noch nie den heyden prediget, ist auch nicht zu yhn gesandt, ßondern alleyn den Juden.

       [Röm. 15, 8] Das ist aber geschehen, nitt umb yhrs vordiensts willenn, ßondern wie er hie sagt: Umb der warheyt gottis willen; wilche warheyt ist das? Gott [1. Mose 12, 3;, 26, 4; 28, 14] hatte Abraham, Isaac und Jacob verheyssenn, das Christus solt von yhrem samen geporn werden; da nu gott wurd erfunden warhafftig yn seynem vorheyssen, ist Christus komen lautts derselben vorheyssung, und alßo ist die warheyt gottis erfunden, das er hallte was er tzusage; umb solcher warheyt willen, das got bestunde als eyn warhafftiger, unnd nicht umb yemants vordiensts willen, ist Christus eyn Apostel und diener der beschneydung worden. Das [Röm. 15, 8] wollen die folgende wort, da er sagt: Zu befestigen die vorheyssung gottis den vetern gethan. Sihe, was er fur eyn warheyt meyne, nemlich, damit bekrefftiget [WA s. 88] und erfullet ist gottlich tzusagung von Christo tzu den patriarchen geschehen. Ob nu wol war ist, das Christus beyde, Juden und heyden, gemeyn ist, ßo ist er doch nicht den heyden, ßondern alleyn den Juden vorheyssen, [Röm. 3, 2] wie er auch sagt Ro. 3: Gottis wort, das ist den Juden vortrawet, [Röm. 9, 4] und Ro. 9: den Juden ist das gesetz geben. Alßo ist er auch alleyn tzu yhn [Matth. 15, 24] komen, wie er auch selb sagt Matt. 15: Ich bynn nicht gesand, denn alleyn tzu den schaffen vom hauß Israel. Alßo haben die Juden das vorteyl, das yhn Christus verheyssen ist, unnd sie seyn gewarten mochten. Aber den heyden ist nichts vorheyssenn, darumb sie auch nichts gewartten kun- den, wiewol auch die heyden den Juden darynn gleych seyn, das Christus ia ßo auß lautter gnaden ist vorheyssen, als er den heyden ist geben. Doch nachdem er vorheyssen ist, haben sie redlich ursach gehabt seyn auch tzu wartten als der yhn geben werden solt.

       Darumb haben die Juden Christum nicht alleyn auß der gnade der vorheyssung, ßondern auch auß der warheyt gotis, der seyn vorheyssung erfullen sollt. Aber die heyden haben widder die gnade der vorheyssung nach die warheyt der erfullung, ßondernn die lautter, blosse, unbedachte, unvorsehene barmhertzickeytt, die yhn Christus gibt, on alles vorheyssen, on alle pflicht der warheytt gottis tzu erfullen. Doch dieweyl die schrifft vorkundigt hatt, das die heyden sollten Christum, wiewol on alles vorheyssen, on alles wartten und vorsehen, ubirkomen, muste dieselbige schrifft yhe auch erfullet werden. Und alßo hatt keyn teyll ettwas fur dem andern, ßondern Christus ist den Juden geben auß gottlicher tzusagung unnd warheytt, den heyden auß lautter unvorsehener barmhertzickeyt, weyl denn beydes die schrifft ynnen hatt, den Juden vorheyst sie, von den heyden vorkundigt sey. Szo besteht nu die eynickeyt, das eyn iglicher Christum hatt ynn gemeyn, und hynfurtt eyner sich des andern soll annehmen, als seynes mitgenossen am gemeynen gutt. Die Juden sollen die heyden nit vorachten, darumb das die schrifft von yhn sagt, sie werden gott preyssen umb seyner barmhertzickeyt, wie wolten sie die vorachten, [Ps. 72, 17] die gottis barmhertzickeyt haben und preyssen? sie kundten sie ia nicht preyssen, wenn sie sie nicht hetten. Widderumb sollen die heyden nicht vorachten die Juden. Denn Christus ist yhn vorheyssen, und der vorheyssung nach yhr diener unnd prediger worden, das gott wahrhafftig bestund und seyne vorheyssung bekrefftigt.

       [Röm. 15, 8] Sihe, das wollen diße wort Pauli: Ich sage, das Christus sey eyn diener geweßen der beschneydung umb gottis willenn, tzu bekrefftigen die vorheyssung [WA s. 89] gottis den veternn gethan. Warumb sagistu das? on tzweyffell, das niemandt die Juden vorachte, ßondern nehme sie an, weyl sie Christus angenommen unnd nicht voracht hatt, ia auch yhr eygenn prediger, diener, Apostell vorheyssenn, ertzeygt unnd gebenn ist. Was sagistu denn von den heyden? Ich sage nicht, das yhn ettwas vorsprochen sey, aber das sage ich: sie preyßen und haben gottis barmhertzickeyt, die yhn on vorsprechen geben ist, wie die [Röm. 15, 7] schrifft meldet; darumb soll sie auch niemandt vorachten, ßondern annehmen, dieweyl sie gott hatt angenommen und nicht vorachtet. Wie nu Christus allen geweyn worden ist, den Juden und heyden, wiewol auß anderley und anderley ursach, Alßo sollen wyr auch unternander geweyn werden, eyn iglicher sich des andern annehmen, seyn burde tragen und geprechlickeytt dulden, on alle unterscheydt eußerlicher person, namenß, standts, und was das seyn mag.

       [Röm. 15, 9] Als geschrieben ist: Darumb will ich dich loben unter den heyden und singen von deynem namen.

       Hie hebt er an tzurtzelen ettlich spruech der schrifft, darynn von den heyden vorkundigt ist, das sie wurden gott preyßen umb seyne barmhertzickeyt, und [Ps. 18, 50; 108, 4] dißer erst stett ym .17. und .107. Ps. und ist geredt von dem propheten yn der person Christi, wie das außweyßen beyde psalmen. Solt nu diße schrifft war werden, ßo muste Christus unter den heyden seyn, und nit leyplich, ßondern geystlich unter yhn seyn; denn wo Christus nit ist geystlich, da ist noch keyn lob. Wo er aber lobet und singet, da ist er geystlich. Alßo ertzwingt dißer spruch, das die heyden sollten ynn Christum glewben und yhn haben, wilchs ist die barmhertzigkeytt gottis haben; dennoch wirt hyrynn nicht ettwas vorsprochen den heyden, ßondern schlecht vorkundigt von den heyden was sie thun werden. Es ist auch droben gesagt von dem rechten gottisdienst, den hie der prophet nennet Loben unnd von gottis namen singen, wie yhn denn auch die gantze schrifft nennet. Nu ist lob nichts anders denn bekentniß der empfangen guter, darumb das hebreisch und Apostels wort lautt: Confitebor, ich will dyr bekennen, das ist: dancken und loben und sagen, das ich solchs alles von dyr habe.

[WA s. 90]

 

 

[Röm. 15, 10] Und abermal spricht er: Frewet euch yhr heyden mit seynem volck.

[5. Mose 32, 43] Dißer spruch ist auß Deutro. 32. getzogen als man sagt, da Moses spricht: Lobt yhr heyden, seyn volck. Auff hebreisch aber kan es alßo lautten : Frewet euch yhr heyden mit yhm (vornym, mit seynem volck). Und alßo, dunckt mich, fure der Apostel dißen spruch; doch es lautte ßonst odder ßo, ßo ists offenbar, das niemant widder gottis volck lobet noch sich mit yhm frewet, er sey denn seyner gutter teylhafftig und habe denselbigen gott; denn wer das nit hatt, der ist gottis volck seynd, vormaledeyet und vorfolget es, wie [1. Mose 12, 3] Gen̄. 12. Gott spricht : ich will benedeyen, die dich benedeyen, und maledeyen, die dich maledeyen. Hie sihistu, das sie der benedeyung teylhafftig sind, die gottis volck benedeyen. Drumb tzwingt der spruch auch, das die heyden solten Christen werden.

 

[Röm. 15, 11] Und abermal: Lobet den herrenn alle heyden und erhebt yhn alle volcker.

[Ps. 117, 1] Das ist der .116. psalm, und redet auch von dem rechten gotisdienst; drumb tzwingt er auch, das die heyden gottis volck seyn sollten. Syntemal gott niemant dienet (das ist lobet und ehret) denn alleyn seyn volck.

 

[Röm. 15, 12] Und abermal spricht Isaias: Es wirt seyn der stam Jesse, und der da erstehen wirt tzu regirn die heyden, ynn yhn werden die heyden hoffen.

[Jes. 11, 10] Dißer spruch stett Isa. 11. und lautt auff hebreisch alßo : Und es wirt seyn ynn dem tage die wurtzel Jesse, die da stett tzu eynem tzeychen der volcker, nach yhm werden fragen die heyden, und seyne ruge wirt seyn der preyß. Die meynung dißes spruchs ist klar, das die heyden sollen Christum haben und yhm unterthan seyn. Aber S. Paulus wandelt die wort eyn wenig, unnd folget den allten dolmatschern, die vortzeytten die Biblien ynn kriechisch sprach vorwandelt haben, der synn ist doch gleych. Die wurtzell Jesse soll hie nit [WA s. 91] vorstanden werden der stam Jesse, wie die maler malen eynen bawm auß Jesse, dem vater David, mit vielen tzweygen, unnd wie man auch singet von unßer frawen: Germinavit radix Jesse, der stam Jesse ist auffgangen ; das ist alles mit gewalt daher deuttet. Christus selbs und sonst niemant ist dißer stam oder die wurtzel, wie klerlich diser spruch Isaie tzwingt, der da sagt, die heyden sollen hoffen yn den stam odder wurtzel Jesse, der die volcker regirt &c.. das kan nitt dem naturlichen Jesse, noch unßer frawen tzueygent werden. Christus aber heyst darumb eyn wurtzel Jesse, das er von dem geschlecht Jesse durch David komen ist, aber ynn yhm hatt auffhoret die leypliche gepurt. Er ist durch seyn leyden ynn die erden begraben unnd als eyn ungestallte wurtzel ynn der wellt vorporgen. Und ist auß yhm gewachßen der schone bawm, die Christliche kirche, außgebreytt yn alle wellt. Das were recht gemalet die wurtzel Jesse, wenn man Christus leyden und seyne frucht dran [Röm. 15, 12] malete. Das aber Paulus sagt: Und der da erstehen wirt tzu regirn die volcker, ist eben ßo viel, als auff hebreisch: der do stehet zu eynem zeychen der volcker, denn Christus regiment ist damit antzeygt, das es geystlich sey. Er ist durchs Euangelium auffgericht ynn aller wellt tzu eynem tzeychen, daran man sehen und sich hallten muß mit dem glawben. Man sihet yhn nicht leyplich, ßondern nur ym tzeychen, ym Euangelio, unnd alßo regirt er auch die volcker durchs Euangelium, ym tzeychen, und nicht ynn leyplicher gegen- wertickeytt.

       [Röm. 15, 12] Das er aber sagt: Die heyden werdenn ynn yhn hoffenn, ist auch nichts anders, denn das der hebreisch text sagt: Unnd die heyden werden nach yhm fragen, das ist: sie werden auff yhn sehen und alleyn an yhm hangen, allen trost, hoffnung unnd trew ynn yhn setzen, werden noch nichts fragen, nichts begeren denn nur yhn. Aber da unßer text hatt : Unnd seyn grab wirtt eherlich seyn, das der Apostel außlest, hatt Sant Hieronymus nit woll vordolmatscht, da er meynet, Isaias habe von dem herlichen grabe Christi geschrieben. Isaias hatt bewollt, das seyne ruge sey preyß, das ist, seyn todt odder sterben sey nitt wie ander menschen sterben, wilche haben yhren preyß, dieweyll sie leben, wenn sie todt sind, ßo haben sie nichts. Aber dißer wurtzel Jesse ist aller erst yhr preyß angangen ym todt, denn nach seynem todt ist er [WA s. 92] aller erst tzum rechten lebenn, gewallt, preyß unnd eher erhaben, tzu eynem tzeychen und regenten der heyden, ia eyn herr ubir alle ding gesetzt tzur rechten hand gottis.

 

[Röm. 15, 13] Aber gott der hoffnung erfulle euch mit aller freude und fride, durchs glewben, auff das yhr ubirflussig seytt ynn der hoffnung durch krafft des heyligen geystes.

Er beschleust die Epistell mit eynem feynen gepett, wundscht yhn volle [Röm. 15, 13] freud und frid, und spricht: Gott der hoffnung, das ist: der sie alleyn gibt durch Christum und ynn Christo; wie aber das zugehe, ist droben gesagt, wenn wyr gottis willen erkennen, wie er hatt Christum dargeben unßer sund tzu tragen, wie wyr auch thun sollen; yhe tieffer solcher wille erkant wirtt, yhe stercker der glawb, die hoffnung und die liebe wirt. Darumb muß man ymer davon predigen, horen unnd dencken; denn es geht durch keyn ander mittel tzu, denn alleyn durchs Euangelium, darumb ist des Apostells meynung diße: Gott, der da hoffnung wirckt durchs Euangelion, der gebe euch gnade, das yhr das Euangelium wol treybet und glewbt, darauß yhr Christum auffs aller tieffest erkennet, davon yhr denn alle freud und gutt gewissen als von eynem gemeynen gutt, datzu auch frid unternander haben werdet, denn das ist die freud und frid, nicht wie die welt gibt, durch fulen und empfinden, ßondern durch glewben, denn yhr nit sehet noch fulet den, der ewr gutt ist, von dem yhr freud und frid habet, ynn der wellt aber werdet yhr unfrid und betrubniß fulen. Szo yhr aber Christum erlernet, das er gemeyn yderman ist, und allen gleych, ßo habt yhr gutten frid, denn da ist nichts, das eyner dem andern vorgonnen kan, dieweyl yhr alle gleych reych seytt. Sihe, das heyst freud und frid durchs glewben odder ym glewben.

       [Röm. 15, 13] Darauß denn weytter folget ubirfluß der hoffnung, das ist: das die hoffnung ymer tzunympt. Datzu helffen auch die leyden und vorfolgungen, denn die hoffnung nympt nit der massen tzu, das die widderwertickeytt werde abgelegt, ia, sie wirt gemehret, auff das die hoffnung nitt auff unßer macht sich vorlasse, ßondern bestehe durch krafft des heyligen geysts, wilche uns hilfft unnd die hoffnung sterckt, das wyr den unfall der wellt nicht fliehen noch furchten, ßondernn biß ynn den todt bestehen und alles boßes uberwinden, das es fur uns fliehen und ablassen muß, das heyst hoffnung, nitt ynn menschlicher schwacheytt, ßondernn ynn krafft des heyligen geysts, wilchs doch [Röm. 15, 4] alles durch mittel des Euangelij muß geschehen, wie er droben sagt, durch gedult und trost der schrifft haben wyr hoffnung. Denn wo nit Euangelium [WA s. 93] ist, da ist widder hoffnung, trost, frid, freud, glawb, lieb, Christus, Gott, noch keyn guttis, wie wyr das fur augen sehen yn dem elenden geystlichen, geystloßen fleyschlichen stand, die doch viel beten und Meß halten, fur wilchen uns gott der hoffnung unnd der gedullt unnd des trosts gnediglich behute.

 

       AMEN

 

 

 

 

 

 

[Luk. 21, 25 –36] Euangelium am andern sontag ym Advent. Luce. 21.

 

1522[WA s. 93]

       Es werden zeychen seyn ynn der sonnen und ynn dem mond und ynn den sternen, Und auff erden gedrenge der volcker fur bekummernisße. Und wirt rauschen das mehr und die flusse, und menschen werden vorschmachten, fur furcht und wartte der ding, die komen werden ubir die gantzen welt; denn auch die kreffte der hymel werden sich bewegen. Und denn werden sie sehen des menschen ßon komen, ynn eyner wolcken, mit krafft, und grosser herlickeyt. Wenn aber diße ding anfahen tzu geschehen, ßo sehet auff unnd hebt auff ewr hewbter, denn es nahet sich ewre erloßung. Und er saget yhn eyn gleychnisse: Sehet an den feygenbawm und alle bewme, wenn sie itzt ausschlahen, ßo sehet yhr an benselben unnd wisset, das der sommer nahe ist. Alßo auch yhr, wenn yhr sehet, das diß alles geschicht, ßo wisset, das nahe ist das reych gottis. Warlich, ich sage euch, ditz geschlecht wirt nicht vorgehen, biß das alles geschicht. Hymel und erden werden vorgehen, aber meyne wort werden nicht vorgehen.

       Zum ersten ist tzu wissen, das diße tzeychen des iungsten tages, ob sie wol manchfeltig und groß sind, werden sie doch vollnbracht werdenn, das niemant odder gar wenig sie achten und fur solche tzeychen hallten wirt. Denn diße tzwey werden und mussen beyde geschehen mit eynander, sind auch beyde mit eynander von Christo und den Aposteln vorkundigt, das erst, das viel und grosse tzeychen komen sollen. Das ander, das dennoch der iungst tag alßo unvorsehens kome, das sich seyn die wellt von anbegynn nie weniger vorsehen hatt, denn eben tzu der tzeyt wenn er fur der thur ist ; denn ob sie wol solch tzeychen sehen werden, ia auch horen, das es tzeychen des iungsten tags sind, ßo werden sie es doch nit glewben, ßondern vorlachen und fur [WA s. 94] grosser sicherheyt sagen: ia du lieber narr, hastu sorge, der hymel falle und das wyr den tag erleben?1

       Nu mussen doch yhe ettlich seyn die yhn erleben, und ßonderlich, die sichs am wenigsten vorsehen; das aber solch sicherheytt und vorachtung yn den menschen werde seyn, wollen wyr auß Christus und der Apostel wort beweyssen. [Luk. 21, 34. 35] Christus spricht bald hernach ynn dißem Euangelio: Habt achten drauff, das ewr hertzen nicht beschwert werden, mit fressen und mit sauffen, und mit sorgen dißes lebens, damit ubir euch kome schnell unvorsehens derselbige tag. Denn er wirt komen wie eyn strick uber alle, die da sitzen auff dem angesicht der gantzen erden. Auß dißen wortten ists klar, das die menschen werden sich geben auff fressen und sauffen, und auff tzeyttlich narung ubir alle masse, das sie ynn sorgen des guts und ynn fressen und sauffen erseufft, sicher sitzen und wonen werden ynn aller wellt, als were noch gar fern dahynn. Denn wo nit grosse sicherheyt und vorachtung seyn wurd, kund der tag nicht ßo unvorsehens [Luk. 21, 35] schnell hereynbrechen. Aber nu er spricht: er soll komen wie eyn strick, damit die vogel oder thier gefangen werden, eben denn am meysten, wenn sie nach der narung faren unnd sich des stricks am wenigsten vorsehen, gibt er gnugsam tzuvorstehen, das die welt wirtt ym sauß leben, fressen und sauffen, bawen und pflantzen und nach tzeyttlichem gutt auffs aller vleyssigst und geschicklichst trachten, und dafur halten, der iungst tag kome ubir thausent iar nicht, ßo werden sie ynn eynem augenblick stehen fur dem schrecklichen gericht gottis.

       [Luk. 17, 24] Das wollen auch die wortt Christi Luce. 17: Gleych wie der blitz leuchtet, und vom hymel erab ubir alles was unter dem hymel ist, scheynet, alßo wirtt seyn des menschen an seynem tage. Sihe da abermal, das der tag wirt schnel [Luk. 17, 26 –30] augenblicklich eynherfallen ubir alle welt. Folget weytter daselbs: Und gleych wie es geschach tzu den tzeytten Noe, ßo wirts auch gehen tzu der tzeyt des Menschen ßon. Sie assen und truncken, sie namen weyber und namen menner, biß auff den tag, da Noe ynn die archen gieng, da kam die sindflutt unnd bracht sie alle umb. Desselben gleychen, wie es geschach tzu den tzeytten Lot: Sie assen und truncken, sie kaufften und vorkaufften, sie pflantzten und baweten, [WA s. 95] an dem tage aber, da Lot auß Zodoma gieng, das regent es fewr und schwefell vom hymel und bracht sie alle umb. Eben nach der weyße wirt es gehen an dem tage, wenn des menschen ßon wirt offenbar werden. Diße wort tzeugen yhe gnugsam, wie sicher die leutt seyn werden, unnd wie sie ynn der sorge tzeyttlichs lebens ßo tieff erstickett, nit glewben werden, das der tag da sey.

       Nu ist das on tzweyffell, Christus hab solch tzeychen nitt darumb vorkundigt, das sie niemant achten oder kennen sollt, wenn sie da sind, wiewol yhr wenig seyn werden, gleych wie tzu Noe und Lot tzeytten auch ettlich, wiewol wenig, erkanten die tzukunfftigen straffe; ßonst hett er vorgebens vormanet [Luk. 21, 31] und gesagt: Wenn yhr dißes alles sehen werdet, ßo wisset, das es fur [Luk. 21, 28] der thuer ist. Item: denn hebt auff ewr hewbter, es nahett sich ewr erloßunge; drumb mussen alsdenn gewiß ettlich seyn, die alßo thun unnd erkennen die tzeychen und heben yhre hewbt auff und wartten auff yhre erloßung, wiewol sie nicht eygentlich wissen mugen, wilcher tag es seyn wirtt. Darumb ist uns nott, wol aufftzumercken, ob villeycht die tzeychen itzt gehen odder gangen sind odder bald gehen werden.

       Ich will niemant tzwingen noch dringen myr tzu glewben. Ich will myrs aber auch widderumb niemant nehmen lassen, das ich hallt, der iungst tag sey nitt ferne; datzu bewegen mich eben diße tzeychen unnd wort Christi. Denn ßo yemandt lißet alle Cronicken, ßo find er von Christus gepurtt an dißer wellt ynn dißen hundert iarn gleychen nicht, ynn allen stucken. Solch bawen unnd pflantzen ist nie geweßen ßo gemeyn yn aller wellt, solch kostlich unnd mancherley essen unnd trincken auch nie geweßen ßo gemeyn, wie es itzt ist, ßo ist das kleyden ßo kostlich worden, das nit hoher mag kommen. Wer hatt auch yhe solch kauffmanschafft geleßen, die itzt umb die welt feret, unnd alle wellt vorschlinget? Szo steygen auff und sind auffgestigen allerley kunst, malen, sticken, graben, das es sind Christus gepurtt nit gleychen hatt; datzu sind itzt solch scharff vorstendig leutt, die nichts vorporgen lassen, alßo auch, [WA s. 96] das itzt eyn knab von tzwentzig iaren mehr kan, denn tzuvor tzwentzig Doctores kundt haben. Da kommen erfur die sprachen und allerley weyßheytt, das man muß bekennen, das die wellt ynn den stuckenn die tzeyttlich narung, oder als Christus nennett: sorge dißes lebens, mitt essen, trinckenn, bawen, pflantzen, kauffen, vorkauffen, weyb unnd kind hallten, betreffen, sey ubirauß auffs hohest kommen, das yderman wol sihet, yderman auch sagt, es musse brechen, odder eyn anders werden. Nu ists nit wol tzu dencken, wie es mocht gepessert unnd brochen werden. Es bricht eyn liecht erfur, und gehet eyn tag auff, er sey wer er wolle, das mag nitt anders seyn, es ist vorhynn solch witze, vornunfft und vorstand ynn der Christenheytt nicht geweßen auff und ynn tzeyttlichen unnd leyplichen sachenn, ich schweyg der newen fund als buchdrucken, buchßen und ander kriegshendell.

       Datzu das nitt alleyn der welltlich handell auffs hohest komme, ßo ists auch auffs hohist kommen ynn geystlichen sachen; grosser yrthum, sund und lugen haben nit regirt auff erden von anfang, denn ynn dißen hundert iaren, da ist das Euangelium tzu Costnitz offentlich vordampt, des Bapsts lugen yn aller welt fur gesetz angenommen und er alle welt biß auffs marck schyndet, da opffert man die mesß teglig mehr denn viel hundert thausent mal ynn aller wellt, wilcher sunde keyn mag gleych seyn, da werden durch beycht, sacrament, ablas, gepott die seelen untzehlich tzur helle iagt, das sichs ansihet, als hab gott die gantze wellt dem teuffell ubirgeben. Kurtzlich, es ist nitt muglich, das grossere lugenn, grewlicher yrthum, schrecklicher blindheytt, vorstockter lesterung ymer mehr komen mugen, als itzt schon regirn ynn der Christenheyt, durch Bisschoff, kloster und hohen schulen, biß das auch der todte, blinde heyd Aristoteles die Christen leret und regirt mehr denn Christus [WA s. 97] selbst; datzu der Bapst hatt Christum auch vortilget und ist seyn stathallter, das ist war, und leyder altzu war, er sitzt freylich an Christus statt, wollt gott, er sesse an des teuffells statt. Ich schweyg auch hie der groben sunde, als unkeuscheyt, mord, untrew, geytz und dergleychen, denn da ist keyn scham noch furcht mehr, und gehet alles ym hohisten. Unkeuscheyt ist auß der naturlichen weyß komen, und hatt keynen stand alßo seher erseufft, alls den geystlichen, soll ich yhn anders geystlichen nennenn, ßo er mehr denn fleysch selbs und gantz geystloß ist.

       [Lut. 17, 27. 28] Es sey nu umb andere tzeychen wie es mag, ßo bynn ich yhe des tzeychens gewiß, da Christus spricht: Das esßen unnd trincken, bawen und pflantzen, kauffen und vorkauffen, weyb und man nehmen und andere sorge dißes lebens, sollen regiren fur seyner tzukunfft. Eben ßo gewiß ist myr das auch, das er [Matth. 24, 15] Matth. 24. vonn dem wustenn grewell sagt, dem antichrist, das unter seynem regiment die grossisten yrthum, blindheytt unnd sunde sollten regiren, wie das denn itzt unter dem Bapst auffs aller unvorschamptist, auffs aller tyrannischist, auffs aller vortzweyffeltist gehet yn hohem schwanck ; denn das stuck fur allen tzwingt mich fest tzu glewben, das Christus musse bald komen, denn solch sunde sind tzu groß, der hymell kan sie nit lenger ansehen, sie reytzen unnd trotzen dem iungsten tage tzu seher, er muß ubir sie fallen, ehe es lang wirtt; wenn es alleyn unkeuscheyt were wie fur der syndflut, odder eyttel weltliche sunde wie zu Zodoma, ßo wollt ich nicht hallten, das der iungst tag darumb solt komen. Aber gottis dienst, gotis wort, gottis sacrament, gottis kinder und alles was gottis ist vorstoren, vortilgen, vordamnen, vorlestern, und den teuffel an seyne statt setzen, anbeten unnd ehren, seyne lugen fur gottis wortt hallten, das wirt der sachen eyn ende machen, da ist myr keyn tzweyffel an, ehe man sich umbsihet. Amen.

       Solch sicherheyt der menschen fur dem iungsten tag haben auch die Apostel [1. Thess. 5, 2. 3] vorkundigt. S. Paulus spricht .1. Thess. 5. Des herren tag wirt kommen, wie eyn dieb ynn der nacht, wenn sie werden sagen: Es ist still, es hatt noch nit nodt, ßo wirt sie behend ubirfallen yhr vorterben. Nu weyß man wol, das ein dieb kompt nit ehe, denn tzu der tzeytt, da man seyn am [2. Petr. 3, 3. 4] sichersten ist, und .2. Pet. 3: Es werden tzu der letzten tzeytt komen betrieger mit falscheyt, die da wandeln nach yhrem eygen gefallen, und sagen: Wo ist [WA s. 98] die tzusagung oder seyne zukunfft? nachdem die veter gestorben sind, bleybt alle ding wie von anfang. Aber der tag des herrn wirt komen wie eyn dieb, ynn wilchem die hymel mit eynem grossen sturm vorgehen werden &c. Wer sind sie, die nach yhrem eygen gefallen wandeln, denn die geystlichen papisten, die wider gott noch menschen unterthan seyn wollen, ßondern aller welt obligen, das sie frey leben mugen und thun was sie wollen, dieselbigen sind es auch, die da sprechen: Wo ist seyn tzukunfft? meynstu, das der iungst tag ßo bald kome? ia es bleybt noch wol, wie es bißher blieben ist. Alßo leßen wyr auch ynn der vorstorung Hierusalem, da viel tzeychen geschahen, noch glewbten sie nicht, das es yhrem vorderben guelte, biß sie es erfuren, und endlich von anfang der welt ists alltzeyt ßo ergangen, das die unglewbigen nie haben glewbt, das yhr ungluck ßo nahe sey, sie habens alle erfaren, ehe [Ps. 55, 24] sie es glewben wolten, auff das bestehe der spruch Ps. 54: Die menner des blutts und der liste werden yhre tage nit helffen, denn sie vormessen ymerdar, und furchten sich nymmer, drumb muß yhr stund unvorsehens komen. Alßo wirts auch hie tzugehen, das sie den iungsten tag ubir tausent iar werffen, wenn er die nehste nacht hernach komen soll. Nu wollen wyr die andern tzeychen auch sehen.

 

[Luk. 21, 25] Es werden zeychen seyn ynn der sonnen.

Das tzeychen ynn der sonnen ist, das sie yhren scheyn wirt vorlieren, wie [Matth. 24, 29] offt geschehen ist, als Matt. 24. sagt. Die sonne wirt yhren scheyn vorlieren. Ich will hie abermal nicht frevelen, sondern meyn meynung sagen. Ettlich meynen, die sonne werde alßo finster werden, das sie hynfurt nicht mehr scheyne ; das ist nicht, denn tag und nacht muß bleyben biß an das ende, [WA s. 99] [1. Mose 8, 22] wie gott verheyssen hatt Gen̄. 8. Alßo lange die erden stett, sollen die frucht und erndt, frost und hitze, sommer und winter nacht und tag nit auffhoren, drumb muß ditz tzeychen geschehen on hynderniß des tags und der nacht, und muß doch fur dem iungsten tag geschehen, weyl es eyn vorgehend tzeychen ist, drumb kan es nitt anderß seyn, denn das die ßonne yhren scheyn vorliere, wie es pflegt.

       Nu ist alltzeyt eyn solch tzeychen der ßonnen geweßen eyn bedeuttung eynß grossen unfalls, der hernach gefolgett hatt, wie das die Cronicken außweyßen. Szo haben wyr ynn kurtzen iaren ßo viel ßonnen vorlust gehabt, das ich nit acht, das tzuvor ßo viel und ßo nahe auff eynander yhe geweßen seyen, got hatt geschwygen, ist nichts ßonderlichs ubels hernach folget, damit sind sie voracht unnd ynn den wind geschlagen. Datzu haben die sternmeyster unß gesagt, als denn auch war ist, es geschehe solch ding auß naturlichem laufft des hymels, und damit ist die vorachtung gesterckt, und die sicherheyt gemehret. Aber nichts deste weniger richtet gott alßo seyn werck auß, schweygt stille, lest uns sicher seyn, und feret ymer fortt, es sey der naturlich laufft am hymel wie er wille, ßo sind solche tzeychen allemal tzeychen des tzornß, und ist eyn gewiß unfall darnach tzukunfftig. Sollt drumb gott andere ßonnen, mond und sternen machen, odder andere tzeychen drynnen geben, ob tzuvor derselbigen ettlich mehr geschehen weren?5 Die laufft des hymels sind von ewickeyt drauff gericht, das sie fur dißem tag solten solche tzeychen machen. Die heyden schreyben, der Comet erstehe auch naturlich, aber gott schafft keynen, der nit [WA s. 100] bedeutt eyn gewiß ungluck. Alßo auch der blindeleytter Aristot. hatt eyn eygen buch geschrieben von den hymelischen tzeychen, gibt sie alle der natur, und macht, das sie nit tzeychen seyn; dem folgen unßer gelerten, und macht eyn narr die wellt voll narren. Aber du solt wissen, was sich wandellt am hymel uber die gemeyne weyße, das da gewißlich gottis tzorn seyn tzeychen sehen lest.

 

[Luk. 21, 25] Und ynn dem mond.

[Matth. 24, 29] Diß tzeychen ist, wie Matt. 24. sagt, das der mond nit wirt seyn liecht geben, das ist, er wirtt seyn scheyn vorlieren; von dißem tzeychen ist eben tzu sagen wie von der ßonnen tzeychen, es sey wie naturlich es wolle, unnd ditz tzeychen ist auch ynn kurtzen iarn viel mal geschehen. Ist doch eyn tzeyttlang daher schier keyn iar geweßen, es hatt entweder ßonn oder mond den scheyn vorloren, tzuweyllen beyde mitt eynander ynn eynem iar, tzuweylen eynß tzwey mal; sind das nit tzeychen, was sind denn tzeychen? laß seyn, das vortzeytten mehr geschehen sey, aber nicht ßo viel und nahe auffeynander und miteynander. Da Hierusalem sollt vorstoret werden, waren ettlich der tzeychen tzuvor viel mehr geschehen, dennoch waren es newe tzeychen.

 

[Luk. 21, 25] Und ynn den sternen.

[Matth. 24, 29] Das ist, wie Mat. 24. sagt, die sterne werden fallen vom hymel; das tzeychen lest sich teglich sehen, unnd ich weyß nit, obs vor tzeytten auch ßo [WA s. 101] offt geschehen sey. Aristoteles, der hohen schulen narrentreyber, macht auch naturlich unnutze ding drauß. Aber kurtzumb, das Euangelium ist gottis wort und weyßheyt, die nennet der sternen fall eyn tzeychen, da laß uns bleyben; drumb wenn die sternn fallen, odder sonn und mond den scheyn vorlieren, ßo wisse, das es tzeychen sind, das Euangelium leugt dyr nicht; weyl aber diße iare, viel und nah auff eynander geschehen, und doch nichts ßonderlichs folget, hastu tzu dencken, das es werden diße tzeychen seyn des iungsten tages, von denen hie Christus sagt; denn es muß viel und offt geschehen, den grossen tag reychlich zu deutten und tzuvorkundigen. Nu diße zeychen gehen und sind langist gangen, aber niemant acht sie; ßo soll es auch seyn, das sie auff ander tzeychen wartten, wie die Juden auff eynem andern Christ.

 

[Luk. 21, 25] Und auff erden gedrenge der volcker fur bekummernisse.

Nicht ist tzuvorstehen, das alle volcker oder das grosse teyl unter yhn solchs leydenn werde. Denn du must darauff achten haben, das es tzeychen seyn sollen; es fallen nicht alle sternn vom hymell, ßondernn gar wenig, die ßonn vorleuret yhren scheyn auch nicht eyn gantzs iar odder monat, ßondern eyn stund odder tzwo, weniger oder mehr. Der mond vorleuret auch nicht seynen scheyn die gantz woche oder eyn gantze nacht, ßondern wie die ßonne, eyn stund oder zwo, auff das es zeychen bleyben und nit gar alles vorkeret werde. Alßo werden nicht viel menschen ditz gedreng und angst leyden, ßondern gar wenig und auch nicht on unterlaß, auff das sie tzeychen den andern bleyben, die es werden vorachten, unnd durch unterricht der ertzt sagen, es sey der complexion unnd melancoley schuld, odder der planeten ym hymel, odder sonst yrgend eyn naturlich ursach erfinden; ynndes gehen gleychwol solch offenberliche tzeychen fur den blinden heymlich hynn, unnd geschicht, das wyr mit sehenden augen die tzeychen sehen unnd dennoch nitt erkennenn, wie den [Matth. 13, 1] Juden an Christo geschach, als Matt. 13. schreybt.

       Ditz gedreng aber ist nit leyplich; denn wie gehort ist es wirt frid und gutts gnug bleyben, das sie essen und trincken, bawen und pflantzen, kauffen und vorkauffen, freyen und freyen lassen, tantzen und springen, und sich ynn ditz tzeytlich leben wickeln, als wolten sie ewig hie bleyben. Ich acht, es sey [WA s. 102] die grosse marter der gewissen; denn syntemal das Euangelium vordampt ist, darynnen alleyn die gewissen getrostet werden, und menschenlere auffgericht sind, die uns leren mit unsern wercken die sund ablegen und den hymell vordienen, da folget eygentlich nach eyn schwere, enge und betrubt gewissen, das nymmer keyn ruge hatt, das gern wollt frum seyn, wolthun und selig werden, engstet sich fast und weyß doch nicht, wie es yhm thun soll. Seyn sund und gewissen drucken es, davon hatt es gedreng, wie viel es thut, so finds doch keyn ruge, damit wirt yhm denn bang, das es nit weyß, was und wie es yhm thun soll, daher komen ßo viel gelubd und wallfart, da heben sich der heyligen dienst und ehren. Daher wachßen ßo viel stifft von messen und vigilien, ettlich peytzschen und martern sich selbs, ettlich werden munch, und das sie ia viel thun, werden sie Carthußer, das sind alles werck der gedrengten und beengsten gewissen, unnd eygentlich die plage, die hie S. Lucas setzt. Denn er setzt tzwey wort, die bedeutten ßo viel, als wenn eyner tzuerst yn eyn nodt odder gedrenge keme, da es enge were, als wenn er ynn eynen engen kerker wurd geworffen, darnach wirt yhm bange, wyst nit, wie er ymer thun sollt das er auß dem gedreng keme, wurd yrre ynn yhm selbs, vorsucht ditz und das, hulffe doch keynes, das heyst man auff meyn deutsch: bange werden. Alßo gehet es dißen gewissen, yhr sund haben sie gefangen, und ligen ym enge gewissen, das drenget und engstet sie seher. Nu weren sie es gerne loß, da hebt sich das ander weh, das yhm bang wirt, wissen nit, wie sie es angreyffen sollen, vorsuchen allerley und hilfft nichts.

       Nu ynn dißer iamer geraten nicht der rohe grosse hauffe, ßondern wenig und gemeyniglich die vernunfftigisten und tzartisten seelen, und gut trewhertzigen menschen, die ßonst niemant gern unrecht thetten und erbarlich leben. Haben aber ettwas heymlichs auff yhn als denn furnehmlich ist die unkeuscheyt, das frisset sie tag und nacht, das sie nymmer grundlich auß hertzen frolich werden, und das ist eben eyn willtpret fur die munche und pfaffen, da gibts und lesset sich schinden, ßonderlich wenn es frawenvolck ist. Da beycht man und lest [WA s. 103] sich leren, absolviren und furen, wo die heyligen beychtveter hyn wollen. Dieweyl geht das elend volck hynn und ist unßers herrgotts tzeychen tzum iungsten tag. Dißen ist das Euangelium eyn leben und trost, wilchs der ander hauff dieweyl vordampt. Sihe, das tzeychen kan auch niemant leucken, das es ynn dißen hundertt iaren ßonderlich ist ganghafftig, das yhr viel drob toll unnd wansynnig worden sind, wie auch Gerson schreybt. Ob wol aber vortzeytten unnd alltzeyt solch menschen geweßen sind, ßo ists doch nit ßo weyt ynn alle wellt und ßo gemeyn geweßen; denn es hatt von anfang der welt nie keyn menschenlere das tzehenden teyl, ia das hundert teyl, ßo weytt, ßo grewlich regirt und ßo viel gewissen ermartert und ermordet, als des Bapsts unnd seyner iunger pfaffen unnd munchen; denn solch hertzen werden ßonderlich auß dem gesetz von der beychte, wilchs zuvor noch nie gepotten unnd ßo seher getrieben ist. Drumb ists auch noch nie eyn tzeychen des iungsten tags geweßen denn nur itzt. Es mussen alles grosse unnd viel tzeychen seyn, unnd doch vorachtet von dem andern grossen teyll.

 

[Luk. 21, 25] Und wirt rauschen das meer und die flusße oder die wasserwoge.

Das wirt durch winde geschehen, denn alles rauschen der wasser kompt vonn winden; darumb tzeygt der herre mit dißen wortten, das grosse und viel winde seyn werdenn; durchs meer aber soll hie nit vorstanden werden alleyn das meer außer der wellt, ßondern alle stendige stille wasser, nach dem [1. Mose 1, 10] brauch der heyligen schrifft, die da spricht Gen̄. 15 : Gott nennete die vorsamleten wasser, meer, es seyen meer, see, oder teyche, flusße, aber sind alle unstettige fließende wasser. Nu mustu hie auch nit dencken, das tzugleych auff eyn mal alle wasser, flusße, teych, seen, meer, und wo es naß ist ynn der wellt, rausche und windicht sey. Es soll eyn tzeychen seyn, das ettlich meer und flusse rauschen und windicht sind, und das es geschehe viel mal und nahe auff eynander; denn wie nit alle stern fallen unnd nit allen menschen bange [WA s. 104] ist, Alßo rauschen auch nit alle wasser, und ist auch nicht an allen ortten tzugleych windicht.

       Hie wirt fraw hulde die heydnische kunst ynn den hohen schulen sitzen unnd das maul auffwerffen, und sagen: Hastu nicht mehr wind gesehen odder wasser rausschen gehoert? leret doch meyn Aristot., wie es naturlich tzugehe &c. Die lassen wir faren, wissen wol, das gottis wortt und tzeychen mussen voracht werden von den klugen gotzen, du aber hallt dich an das Euangeli, das leret dich glewben, das alle grosse wind unnd wasserbraußen tzeychen sind, und wiewol tzuvor viel mal solch tzeychen geschehen sind, sollen sie doch ßonderlich viel und grosß seyn fur dem Jungsten tage. Ich meyne aber, das wir ynwendig tzehen odder tzwelff iaren solch wind, solch rausschen und braußen gehabt und gehoert haben, on was noch werden will, das ich kaumet glewb, das tzuvor yhe eyn tzeyt ßo grosse unnd ßo viel wind und braußen habe erhoeret. Unnd das ist auch tzu bedencken, ob vor tzeytten dißer tzeychen ettliche, und selden, auch eyntzelen geweßen sind. Szo gehen sie doch itzt mit dem hauffen semptlich daher, und nicht selden, ßondernn viel und offt, denn unßer [Luk. 21, 25] tzeytt die sihet tzugleych Sonn unnd Monscheyn vorlieren, sterne fallen, menschen bange werden, grosse wind unnd wasser braußen, und was mehr gesagt ist. Es kompt alle auff eynen hauffen. Szo haben wyr auch daneben Cometen gesehen, unnd newlich sind viel creutz vom hymel gefallen, und ist mit unter auch auffkomen die new unerhoerete kranckeyt der frantzosen. [WA s. 105] Auch wie viel tzeychen und wunder sind alleyn diße vier iar am hymel ersehen, alß sonnen, mond, sternen, regenbogen, und viel ander selltzame bilde? Lieber, laß es tzeychen seyn, und grosse tzeychen, die ettwas grosses bedeutten, wilche auch die sternnmeyster unnd fraw hulde nit mag sagen das sie auß naturlichem laufft sind komen, denn. sie haben tzuvor nichts davon erkandt noch weyßsagt. Szo wirt auch keyn sternkundiger thuren sagen, das des hymels laufft hab vorkundiget das schrecklich thier, das die Tyber zu Rom tod außwarff fur kurtzen iaren. Wilchs hatte eyn esells kopff, eyn frawen brust und bauch, eyn Elephant fuß an der rechten hand, unnd fischschuepen an den beynen, unnd eyn trachenkopff am hyndersten &c., darynn das Bapstum bedeuttet ist, der grosse gottis tzorn und straffe. Solcher hauffe tzeychen will etwas grossers bringen, denn alle vornunfft denckt.

 

[Luk. 21, 26] Die menschen werden vorschmachten fur furcht und wartte der dinge, die komen werden ubir die gantzen wellt.

Das werden auch nit seyn der rauchloß grosse hauffe, der die gottis tzeychen voracht und der natuer tzuschreybt, ßondernn die besten und frumisten, den die sach zu hertzen geht und nachdechtig sind. Und das vorschmachten oder vordurren ist tzuvorstehen, das sie sich todt furchten oder yhe nah an den todt, alßo, das sie die furcht vortzehret und krafftloß macht. Was furchten und wartten sie denn? Er spricht, die ding, die komen werden ubir die gantze wellt, das ist der iungst tag, das schrecklich gericht, hellische fewr und der ewige todt, und was damit folget. Warumb furchten und wartten sie denn, und nit die gantze wellt, ubir die es komen wirtt, und villeicht nit ubir sie? Darumb, das sie gottis tzeychen seyn sollen, die da vorachtet mussen seyn von der gantzen welt.

       Wer aber diße leutt sind, kan ich noch nit sagen, es were denn, das es die seyn sollten, die mit der hohen anfechtung des todts und der hellen tzu schaffen haben, da der Taulerus von schreybt, denn dieselbige anfechtung vortzehret fleysch und blutt, ia marck und beyn, und ist der todt selbs, das sie [WA s. 106] niemant ertragen kan, er werde denn wunderbarlich erhalten; solchs haben auch geschmeckt ettlich patriarchen als Abraham, Jacob, David, Moses, aber am end der welt soll es gemeyner werden. Aber ditz zeychen wirt villeycht noch baß wachßen, wiewol yhr viel geweßen und noch teglich sind, davon wenig leutt wissen. Es sind menschen, die ynn todts notten sind und mit dem todt kempffen, da fulen sie, was ubir die gantzen wellt komen wirt, unnd furchten sich, es werde ubir yhn auch alßo bleyben. Es ist aber tzu hoffen, das solche leutt ym gnedigen stand sind, denn Christus lauttet, als wollt er scheyden die tzwey stuck: Die furcht, und die ding, die von yhn gefurchtet werden, und teylet es alßo, das er yhn die furcht der wellt aber die furchtlichen ding gibt, damit es tzuvormuten ist, das sie durch dieselbige furcht unnd angst hie yhr helle und todt haben, und die wellt, die sich nicht furcht, den todt und die helle darnach musse leyden.

 

[Luk. 21, 26] Denn auch die krefft der hymell werden sich bewegen.

Die krefft der hymel vorstehen etlich die engel ym hymel. Aber dieweyl Christus von tzeychen sagt und spricht: Wyr werden sie sehen und dran erkennen die tzukunfft des iungsten tages, ßo mussen sie gewißlich offenbar sichtlich seyn, und von leyplichen synnen empfunden werden. Denn auch die menschen, ßo das gedreng ym gewissen haben und fur furcht vorschmachten, ob sie es wol yn der seel haben, dennoch am leybe eußerlich durch wort und geperden erkennet werden. Alßo mussen diße krefft der hymel auch leyplich unnd eußerlich bewegt unnd erkennet werden.

       Die schrifft aber redet tzweyerley weyße von der hymel krefft. Eyn mal, das ßo viel sey gesagt: Die krefft der hymel, das ist: die krefftigen hymel, [1. Mose 1, 8] odder die hymel, die da sind unter allenn creaturn das krefftigist, wie Gen̄. 1. stett geschrieben: Gott nennet die hymell firmament, das ist, festung odder krefftung. Denn alle creaturn unter dem hymel werden regirt und bekrefftigt durch das licht, hitze, bewegung der hymel; was were die wellt on hymel, denn eyn wust, willt finsterniß? gleych wie die fursten und ubirsten ynn der [WA s. 107] wellt, nennet die schrifft auch mit den namen, virtutis krafft, darumb das sie regirn und wircken uber die unterthanen.

       Zum andernn mal, heyßt krafft der hymell ßo viel, als die [Ps. 33, 6] scharen der hymel, wie Ps. 33. spricht: Die hymell sind durchs wortt gottis gemacht, und alle yhre kreffte (das ist alle yhr scharen) durch den geyst seynß [1. Mose 2, 1 ff. [!]] mundis. Und Gen̄. 1. Die hymel und erden ist bereytt worden unnd alle yhre krefft das ist, alle yhre scharen. Und diß weyße tzu reden von hymels krefften ist die rechte gemeyne weyße ynn der schrifft. Und ist klar auß dißen spruechen, das die oder krefft hymels und erden sind alles, was dryn ist, als da sind ßonn, mon, stern und alles, was droben ist, auff erdenn aber sind der menschen, thier, vogel, fisch, bewm, kreutter und was mehr drauff wonet. Szo mag nu der vorstand seyn von beyderley krefften der hymel, furnemlich aber von den scharen; ßo will nu Christus sagen, das sich alle creatur werden bewegen und dißem tage mit tzeychen dienen. Sonn und mon mit finsterniß, die stern mit fallen, die volcker mit kriegen, die menschen mit angst und furcht, die erde mit beben, die wasser mit wind und braußen, die lufft mit pestilentz und gifft, alßo auch die hymel mit yhren scharen und bewegungen.

       Was aber die bewegung der hymelischen schar sey, weyß ich noch nicht, es were denn die grosse constellation der planeten, die itzt eyntretten wirt ubir tzwey iar, denn die planeten sind gewißlich von der hymel krefften und scharen wol das furnehmist, und yhre wunderliche vorsamlung ist eyn groß gewiß tzeychen ubir wellt. Nu spricht Christus nicht, das alle scharen odder krefft der hymel bewegen werden, ßondern etliche scharen, denn nicht alle sternn werden sich bewegen, gleych wie droben gesagt, nicht alle menschen gedreng unnd furcht leyden, nicht alle wasser alltzeyt braußen und rauschen, ßonne und mon nit alle tag finster werden; denn es sollen nur zeychen seyn, die mussen nur ynn ettlichen und ym weniger teyl geschehen, das sie ettwas ßonderlichs ansehen gewynnen gegen das ander teyl, das nit tzeychen seyn wirtt. [WA s. 108] Darumb ich darauff stehe, das der hymlischen scharen bewegung sey gewißlich die tzukunfftige constellation der planeten, daruber die sternmeyster sagen, es solle eyne syndflut bedeutten, got gebe, des der iungst tag sey, wilchen sie gewißlich bedeuttet.

       Und hie soltu aber dich nit yrren lassen, das diße constellation sich auß des hymels laufft naturlich begibt, es ist dennoch eyn tzeychen von Christo genennet. Und ist fast wol seyn wartzunehmen, weyl es nitt alleyn, ßondernn gleych mit dem hauffen der andern tzeychen sich samlet und tzu gleycher tzeytt mit eyntrifft. Laß die unglewbigen tzweyffelln und vorachten gottis tzeychen unnd sagen, es sey naturlich geschefft, hallt du dich des Euangelion.

       Es sind noch mehr Tzeychen, die an andern orttern beschrieben sind, als [Luk. 17, 26 ff., Matth. 24 4 ff.] da sind, erdbeben, pestilentz, theur tzeytt und kriege, Luce. 17. und Matt. 24. wilche wyr auch viel gesehen, wiewol sie tzuvor auch geweßen sind, aber drumb sind sie nichts deste meniger gewisse tzeychen, ßonderlich, dieweyl sie mit den andern tzu gleycher tzeytt lauffen ; es bekennet auch yderman, das itziger kriegen art alßo gethan ist, das, ßo vortzeytten geweßen sind, kinder geachtet werden, ßo gar ists auffs aller grewlichst und hohist mit geschutz, harnisch und rustung komen. Aber dieweyl das heuttige Euangeli nichts davon sagt, lassen wyr sie auch bleyben. Lieber, laß es tzeychen seyn, und grosse tzeychen, die ettwas grosses bedeutten. Aber sie sind schon vorgessen und voracht.

[WA s. 109]

 

 

Und alsdann werden sie sehen des menschen ßon komen mit Luk 21, 27 krafft und grosser herlickeyt.

Hie magistu abermal die krafft deutten auff die scharen der engel, der heyligen und aller creaturn, die mit Christo an das gericht komen werden, wilchs ich den rechten vorstandt acht, oder auff die gewallt unnd stercke, das diße tzukunfft Christi sey ßo viel gewelltiger, ßo viel die erste ist kranck und geringe geweßen. Er spricht auch, nit alleyn: er wirt komen, ßondern: sie werden yhn sehen komen. Denn nach der leyplichen gepurtt ist er auch komen, wart aber von niemants gesehen. Er kompt auch noch teglich durchs Euangelium geystlich yn die glewbigen hertzen, das sihet auch niemant. Aber diße tzukunfft wirt offentlich geschehen, das yhn yderman sehen muß, wie Apoc. 1. [Off. 1, 7] auch sagt: Und alle augen werden yhn sehen, und alßo sehen, das keyn anderer sey, denn der leyplich mensch Christus, ynn leyplicher gestallt, wie er ist von Maria geporn und auff erden gewandelt; denn er hett ßonst wol mugen sagen: sie werdenn mich sehen, wilchs were nicht klarlich gesagt von der leyplichen gestallt. Aber nu er sagt, des menschen ßon werden sie sehen, ists klar außgedruckt, das es eyn leyplich tzukunfft, eyn leyplich sehen, ynn leyplicher gestallt sey, doch ynn grosser gewallt, mit grossen scharen der engel und mit aller herlickeytt, und wirt sitzen auff eyner liechten wolcken, und alle heyligen mit yhm; von dem tage sagt die schrifft viel, und ist auch alles drauff gericht.

 

[Luk. 21, 28] Wenn nu diße ding anfahen zu geschehen, ßo sehet auff und hebt auff ewre hewbter, denn es nahet sich ewre erloßung.

Hie mochstu sagen: wer kan hie das hewbt auffheben, fur solchem grewlichem tzorn unnd gericht? Erschrickt doch alle wellt fur dem tage und schlecht den kopff mehr nyder und sihet unter sich, fur schrecken und furcht, wie sollen wyr denn auffsehen und den kopff auffrichten? wilchs on tzweyffel freud und vorlangen bedeutt. Antwort: Das alles ist gesagt alleyn den Christen, die da wahrhafftig Christen sind, und nicht den heyden oder Juden. Warhafftig Christen aber sticken ynn grossen anfechtungen und verfolgungen von sunden und allerley ubel, das yhn ditz leben sawr und heßlich wirt. Drumb wartten [WA s. 110] sie und vorlangen, und bitten erloßet tzu werden von sunden unnd allem ubell, [Matth. 6, 10. 13] wie denn auch lautt das vater unßer: Deyn reych kome, und erloße uns von dem ubell. Sind wyr rechte Christen, ßo beten wyr auch dasselbige mit ernst auß hertzengrund. Betten wyrß aber nicht auß hertzengrund und ernst, ßo sind wyr noch nit rechte Christen. So wyrß denn beten, ßo muß es gewißlich mit unß alßo stehen, das wyr diße tzeychen, wie schrecklich sie sind, mit freuden [Luk. 21, 28] und vorlangen ansehen, wie hie Christus vormanet unnd spricht: Wenn diße ding anfahen, ßo sehet auff, spricht nicht: furcht euch odder schlagt den kopff unter; denn es kompt, das wyr ßo ernstlich unnd sehnlich gepetten haben. Wollen wyr denn nu ernstlich von sunden, todt unnd helle loß werden, ßo mussen wyr diße tzukunfft auffs hohist begeren und liebhaben. Alßo spricht [2. Tim. 4, 8] auch S. Paulus .2. Timo. vlt: Er wyrt myr geben die kron der gerechtickeytt, nit alleyn mir, ßondernn allen, die seyne zukunfft lieb haben. Gibt er die kron allen, die seyne tzukunfft lieb haben, was wirt er geben denen, die sie hassen und schewen? on tzweyffell die helle, als seynen feynden. Unnd Tit. 1: [Tit. 2, 13 [!]] Wyr sollen wartten auff die tzukunfft der herlickeyt des gottis, der groß ist, [Luk. 12, 36] und Luce. 12. Ihr sollt seyn wie die leut, die da wartten auff yhren herrnn, wenn er kompt von der wirtschafft.

       [Matth. 6, 10. 15] Die aber furchten und wollten nicht, das er keme, was machen sie, wenn sie beten: Deyn reych kome, deyn wille geschehe, Erloße uns vom [!] dem ubel? Tretten sie nicht fur gott und liegen yhn an widder sich selbs?2 Streben sie nicht auch widder gottis willen, der dißen tag haben will umb erloßung willen seyner heyligen? Darumb ist hie groß vleyß tzu haben, das yhe nicht ynn uns funden werde hasß odder schewe dißes tages, denn solchs schewen ist eyn boße tzeychen und gehoret tzu den vordampten, derselbigen hartter kopff und vorstockt hertz muß mit solchem stoß und erschrecken bewegt und brochen werden, ob sie sich pessern wolten. Aber den glewbigen soll er trostlich und lieblich seyn, es wirt der tag seyn tzugleych die hohist freud und sicherheytt den glewbigen, und das hohist schrecken und flucht den unglewbigen, gleych wie auch auff dißem leben die Euangelische warheyt ist aller sussist den guten, aller heßlichst den boßen. Warumb sollten sich die glewbigen furchten, und nicht auffs hohist sich frewen? syntemal sie auff Christum vortrawen, unnd der richter umb yhrer erloßung willen kompt und yhrß teylls ist?

[WA s. 111]

 

Szo sprichstu aber ia, ich wolt wol auch wartten und lieben diße tzukunfft, wenn ich frum on sund were. Anttwortt: Wolan, was hilfft dich denn das furchten und fliehen? damit wirstu nitt erloßet von den sunden, wenn du gleych tausent iar dich alßo furchtist. Die vordampten furchten sich ewiglich dafur, dennoch werden sie da mit yhrer sund nicht loß, ia, diße furcht mehret nur die sunde, unnd hyndert, das du on sund nicht seyn kanst, und doch dem tage nicht entfliehen magist. Es muß die furcht außgehen und eyn lust eyngehen tzur gerechtickeytt unnd tzu dißem tage. Szo es aber war ist, das du gern frum und on sund werist, ßo danck gott und hallt an, begere noch mehr on sund tzu seyn, und wolt gott, solch begird were ßo rechtschaffen und groß ynn dyr, das dichs todtet. Es ist niemant baß gerust auff den iungsten tag, denn der do begert on sund tzu seyn. Bistu yn solcher begird, was furchstu dich? bistu doch dadurch mit dißem tag eyner meynung. Er kompt, das er von sunden erloßen will alle, die es begeren, und du bist auch der meynung, das du alßo wilt loß seyn; danck du gott, bleybe und fare fortt ynn der meynung. Christus spricht, es sey eyn erloßung seyne tzukunfft. Aber sihe tzu unnd treug dich selbs nicht, das du sprichst, Du woltist gern on sund seyn und den tag nicht furchten. Villeicht ist deyn hertz falsch und furchst yhn, nit das du gernn on sund werist, ßondern das du fur yhm nit kanst frey und sicher sundigen. Da sihe tzu, das nit das liecht ynn dyr finsterniß sey; denn eyn hertz, das warhafftig der sund gern loß were, das frewet sich gewißlich dißes tages, der yhm seyn begird erfullen wirt. Frewet sichs aber nicht, ßo ist nicht grundlich begirde da, von sunden loß tzu seyn.

       Darumb mussen wyr fur allen dingen ablegen den hasß und schewe dißer zukunfft, und vleyß haben, das wyr mit gantzem ernst gern der sunden loß weren; wenn das gethan ist, ßo mugen wyr des tages nicht alleyn sicher gewarten, ßondernn auch mit gantzen begirden und freuden darumb bitten und [Matth. 6, 10] sprechen: Deyn reyche kome, deyn wille geschehe. Und hyrynnen mustu deyn dunckel und fulen faren lassen und dich an die trostlichen wort Christi hallten und auff sie dich gantz erwegen. Sihe, wie solt er dich doch lieblicher ermanen [Matth. 24, 6] und ermannen, trosten und stercken. Zum ersten spricht er: yhr werdet von kriegen horen, aber yhr solt nit erschrecken. Wenn er dich heyst nit erschrecken, was ists anders, denn das er gepeutt, du solt getrost seyn und solch [Luk. 21, 28] tzeychen mit freuden erkennen? Zum andern heyst er dich frolich auffsehen. [WA s. 112] Zum dritten, das hewbt auffheben. Zum vierden nennet erß deyne erloßung. Was soll dich trosten und stercken, wenn dich solche wort nit stercken? Weynstu, das er dyr liege, odder wolle dich betriegen tzu falscher tzuvorsicht? Lieber, laß solch wortt nit vorgebenß gesagt seyn, danck du gott und vorlaß dich drauff, es ist ßonst keyn rad noch trost mehr, wo du diße wortt ynn den wind schlegist, es ist nitt deyn vordamniß, ßondern deyn erloßung, spricht Christus trostlich, und du wilt dyr selbs diße wort umbkeren, und sagen, es sey nit deyn erloßung, ßondern deyn vordamnisse, und fleuhest deyn eygen selickeit, kanst got nit grussen, der dyr begegnet, noch dancken, der dich grusset.

       Er hatt on tzweyffel solche trostliche wort tzu gutt gesagt auch den kleynmutigen, wilche, ob sie wol frum unnd tzu dem iungsten tag bereyt sind, doch fur alltzu grosser furcht sich engsten und hyndern an der begirden dißer tzukunfft, [Luk. 21, 28] wilche ßonderlich am ende der wellt erfunden werden. Drumb nennet erß yhr erloßung; denn am ende der welt, da die sund auffs aller grewlichst ubir hand haben sollen, und neben der sund das ander ubel, die straffe der sunde, mit pestilentz, krieg, theurung auch ubirhand haben sollen, ists nott den glewbigen eyn starcker trotz und trost widder alle beyde ungluck der sund und der straffe; darumb furet er das lieblichst wort: Erloßung, wilchs alle hertzen gern horen; was ist erloßung? wer wolt nit gern erloßet seyn? wer soll lust haben tzu bleyben, unter solchem wusten weßen, beyde der sunde und der straffe? Wer solt nit billich eyn ende solcher iamer, solcher ferlickeyt der seelen, solcher vorterben der menschen wundschen? ßonderlich ßo Christus ßo lieblich uns darvon reytzt, locket und trostet. Die heylloßen trawmprediger sind tzu straffen, wilche mit yhrem predigen den hertzen diße wort Christi vorpergen und den glawben davon wenden, wollen die leutt mit blossem schrecken frum machen, und darnach durch eygene gutte werck und gnugthun fur die sund tzu dißem tage bereytten. Da muß denn eyttel vortzagen, furchten und schrecken bleyben und wachßen, und damit hasß, widerwillen und schewe dißer tzukunfft Christi, das ist: gottis feyndschafft yn den hertzen auffgericht werden. Dieweyl sie lernen Christum nicht anders ynn sich bilden, denn nur als eynen strengen richter, den sie mit yhren wercken stillen und ßuenen sollen, und halten yhn nymmer fur eynen erloßer, wie er sich selb hie nennet und erbeutt, des ym festen glawben tzu wartten sey, das er uns durch lautter gnaden erloße von sunden und allem ubel. Sihe, alßo gehet es alle tzeytt, [WA s. 113] wenn man das Euangelium nit recht predigt, unnd nur mit gepotten unnd drewen die hertzen iagt, ßo treybt man sie nur weytter von gott und macht sie nur unwillig auff gott. Schrecken soll man, aber nur die halstarcken und vorstockten, darnach aber auch wider stercken und trosten, wenn sie furchtsam und tzaghafft worden sind.

       [Matth. 6, 9 ff.] Auß dißem allen sehen wyr, wie wenig menschen sind, die das vater unßer beten, ßo es doch yn aller welt on unterlaß untzehlich gepett wurt; denn gar wenig ist yhr, die nit lieber wolten, dißer tag keme nymmermehr, das ist nit anders, denn das gotis reych nit komen solt, alßo bett yhr hertz wider yhren mundt, und got richtet nach dem hertzen, sie aber nach dem mund, darumb stifften und halten sie viel gepett, plerren alle kirchen voll yn aller welt, und heysset alles gepettet, ßo es doch ym grund nit anders lautt, denn alßo: Deyn reych kome ia nicht, oder kome ja noch nicht. Sage myr, ist solchs gepett, nit eyn rechte gotis lesterung, und eyn solch gepet, davon [Ps. 109, 7] Ps. 108. sagt: Seyn gepett soll tzur sunde werden?! Noch gehet itzt aller welt gutt und gellt hieher, das solcher lesterung nur alle winckel voll werdenn unnd lasse sich gottis dienst nennen.

       Doch soll der nit vortzagen, der solch furcht an yhm fulet, ßondern derselbigen weyßlich prauchen, der aber braucht seyn weyßlich, der solch furcht yhm lesset eyntreyben und vormanen seyn tzu bitten umb gnade, die von yhm nemme die furcht, und gebe yhm lust und vorlangen tzu dissem tage. Denn [Matth. 7, 7 ff.] Christus hatt verheyssen: Was wyr bitten, sollen wyr empfahen Matt. 7. Darumb sind solche furchtsam leutt ia neher bey yhrem heyl, denn die rauchloßen, hartsynnigen, die sich wider furchten noch trosten des tages; denn ob sie noch nit lust unnd vorlangen datzu haben, ßo haben sie doch eyn treyben, das sie vormanet zu bitten umb lust und vorlangen. Der braucht aber der furcht unweyßlich, der sie nur mehret und drynnen bleybt, als wolt er dadurch sich von sunden reynigen, aber es wirt nichts drauß; denn nicht die [1. Joh. 4, 18] furcht, wilche außtrieben seyn muß, als S. Johan. sagt, sondern die liebe, [1. Kor. 13, 13] wilche da bleyben muß, als S. Paulus sagt, dieselbige vortilget alle sund, [1. Petri 4, 8] wie S. Peter sagt. Die furcht sol aber treyben solch liebe tzu suchen und [Matth. 12, 31] bitten von gott; denn wo sie nit außgehet, da widerstehet sie gottis willen [WA s. 114] und deyner eygen erloßung, das ist denn ein sund yn den heyligen geyst. Wiewol nit nott ist, das er gantz und gar on furcht sey, denn es bleybt ymer natur ynn uns, die ist schwach und kan nit on furcht des tods und des gerichts bestehen, aber der geyst soll yhe doch oben ligen, wie Christus sagt [Matth. 26, 41] Matt. 26: Der geyst ist geneygt, aber das fleysch ist kranck.

 

[Luk. 21, 29 —31] Und er sagete zu yhnen eyn gleychniß. Sehet an den feygenbawm und alle bewme, wenn sie itzt ausschlahen, ßo sehet yhrß an yhnen und erkennet, das nahe ist der sommer. Alßo auch yhr, wenn yhr das alles sehet geschehen, ßo wisset, das nahe ist das reych gottis.

Eyttel trostwort sind das, er gibt nicht eyn gleychniß von dem herbst oder winter, da alle bewm kal werden unnd betrubt tzeyt angehet, ßondern von dem lentzen und sommer, das eyn froliche lustige tzeytt ist, da sich alle creaturn auffthun, und frolich sind, damit er yhe klerlich gnug leret, das wyr uns des iungsten tags sollen mit solcher lust und begirden vorsehen und trosten, als sich alle creatur auff den lentzen odder sommer frewet; was solt sonst dise gleychnisse, wo er das nit wolt uns darynnen leren? Er hett wol eyn ander funden, da solch lust und freude nicht ynnen ist. Datzu spricht er [Luk. 21, 31] nicht: es ist nah ewer helle oder vordamniß, ßondern: das reych gottis. Was ist das reych gottis nahe seyn, anders denn das unßer erloßung nah ist? [Luk. 17, 21] Das reych gottis sind ia wyr selbs, wie er sagt Luce. 17: Sehet, das reych gottis ist ynnwendig ynn euch selbs, darumb nehet sichs denn, wenn wyr schier sollen erloßet werden von sunden und von ubell; denn ynn dißem leben fehet es an ym geyst, aber dieweyll wyr noch mitt den sunden streytten mussen, viel ubells leyden, datzu der todt noch fur uns, ist das reych gottis noch nicht volkommen; wenn aber nu sund und todt mit allem ubell von uns genommen wirt, da ists denn volkomen, das soll thun der iungst tag, und nicht geschehen yn dißem leben. Darumb lieber mensch, sihe deyn leben an, forsche deyn hertze, wie das sey gesynnet gegen dißem tage. Vorlaß dich nit auff deyn gutt leben, es wirt dyr bald tzu schanden, ßondern denck unnd sterck deynn glawben, das du dißes tags nit erschreckist, mit den vordampten und vorkerten, ßondern seyn begerist als deyner erloßung und des reychs gottis ynn dyr, das, wenn du yhn horist nennen oder dran gedenckist, deyn hertz tantze fur freuden und [WA s. 115] sehnlich nach yhm vorlange. Wirstu nit dich daher richten, ßo denck nur nicht, das du sonst bestehen werdist, wenn du gleych aller heyligen werck hettist.

 

[Luk. 21, 32. 33] Warlich ich sage euch, diß geschlecht wirt nicht vergehen, biß das alles geschehe. Hymell unnd erden werden vergehen, aber meyne wort werden nicht vergehen.

Warumb macht der herre seyne wort ßo fest unnd theur? und bestettiget sie ßo ubir massen hart mit gleychnissen, mit eyde, mit wartzeychen des geschlechts, wilchs daneben bleyben soll, und das auch, ehe hymell und erden vergehen sollen. Das alles geschicht darumb, das, wie droben gesagt ist, alle welt ßo sicher wirt seyn, unnd die tzeychen mit sehenden augen ßo gar vorachten, das freylich keyn gottis wortt ßo gar voracht geweßen sind, als diße seyn werden, da er den iungsten tag vorkundigt und vortzeychnet. Es wirt fur aller wellt scheynen, es seyen die tzeychen nit, und ob sie schon sehen, werden sie doch nitt glewben, das auch die außerweleten mochten tzweyffelln an solchen gottis wortten und tzeychen, auff das alßo der tag eben kome, wenn die welt noch nie ßo sicher ist geweßen, und werd auff eynen augenblick ubereylet ynn der [1. Thess. 5, 2. 3] hohisten sicherheyt, wie S. Paulus droben eyngefurt ist. Darumb will Christus uns yhe gewiß machen, und auffwecken, das wyr des tages ia gewißlich wartten, wenn die tzeychen komen. Und tzwar obgleych die tzeychen ungewiß weren, ists doch denen on alle fahr, die sie gewißlich dafur hallten, aber ferlich denen, die sie vorachten. Darumb last uns des gewissen spielen und die obgesagten tzeychen fur die rechtschuldigen halten, auff das wyr nicht anlauffen mitt den geystloßen; feylen wyr, ßo haben wyr doch troffen, feylen sie aber, ßo wirt es gefeylet mit yhn bleyben.

       [Luk. 21, 32] Diß geschlecht nennet er die Juden, und tzwinget hie dißer spruch klerlich, das nit war sey die gemeyne rede, das die Juden sollen alle Christen werden, [Joh. 10, 16] und furen den spruch datzu Johan. 10: Es wirt eyn hirtte und eyn schaffstall werden, wilcher ist erfullet, nit da die Juden zu den heyden, ßondern da die heyden zu den Juden tratten und Christen worden tzur Apostel tzeyt, wie es [WA s. 116] auch S. Aug. viel mal außlegt, auch die wortt Christi selbs geben, da er sagt [Joh. 10, 16] Johan. 10: Ich hab noch andere schaff, die sind nicht auß dißem schaffstall, die muß ich auch holen, und sie werden meyne stymme hoeren, unnd wirt eyn hirtte und eyn schaffstall werden. Hie sihestu klarlich, das er redet von den [Luk. 21, 32] heyden, die tzu dem Judischen schaffstall komen sind, drumb ist der spruch lengist erfullet. Aber hie spricht er, diß geschlecht soll nicht vorgehen, biß anß ende, das ist: Juden, die Christum creutzigt haben, mussen bleyben tzum wartzeychen, und ob yhr schon viel bekeret werden, ßo muß doch das geschlecht und die art uberbleyben.

       Es haben auch ettlich sich bemuehet, wie hymel und erden vorgehen sollen, nemen den blinden heyden Aristot. zu hulff, der muß yhn Christus wort außlegen, und sagen, das hymel unnd nicht nach dem weßen, ßondern nach der gestalt vergehen werden, wissen viel was sie sagen. Wenn sie es alßo vorstunden, das hymel und erden werden ettwas seyn, ßo were es wol recht, aber lasß die blinden faren, du solt wissen, das gleych wie unßere leychnam auch nach dem weßen vorwandelt werden, und doch eben dieselbigen widderumb auch nach dem weßen gemacht werden, alßo wirt hymel und erden am iungsten tag mit allen elementen und was allenthalben ist, durchs fewr zuschmeltzt und zupulvert werden, sampt aller menschen corper, das nichts denn eyttel fewr allenthalbenn seyn wirt, unnd alsbald drauff alles widderumb new auffs aller schonest geschaffen, das unßer corper hell leuchten werden wie die ßonne, [WA s. 117] [2. Petri 3, 10 – 13] und die ßonne sieben mal heller, denn sie itzt ist; davon sagt 2. Pet. 3: Des herrnn tag wirdt komen, yn wilchem die hymel werden mit grossem sturm zurgehen, und die element werden fur hitze zurschmeltzen, unnd alles gepew auff erden tzupulvert. Aber newe hymel und new erden, und was er uns verheyssen hatt, gewartten wyr, darynnen wirt die gerechtickeyt wonen. Szo betzeugt auch [1. Kor. 3, 13] S. Paulus 1. Corin. 3, das der iungst tag ym fewr wirt offenbar werden. [Jes. 30, 26] Und Isai. 301 : Und das liecht des monden wirt seyn wie das liecht der ßonnen, und das liecht der sonnen wirt seyn siebenfelltig, gleych als eyn liecht von sieben tagen, zu der tzeytt, wenn gott seynes volcks wunden vorwinden und [Jes. 65, 17. 18 [!]] dieselbige seyner vorletzung heylen wirt. Item. 662 : Sehet, ich schaffe new hymell und new erden, und der vorigen wirtt nitt mehr gedacht werden, ßondernn yhr werdet euch frewen und springen ewiglich, ynn denen, die ich schaffe. Darumb ist diß vergehen nicht alleyn nach der gestalt, ßondern auch nach dem weßen, es sey denn, das du nit wolltist das vorweßet heysßen, das zu pulver wirt, biß man es nit finden noch sehen kan, wie die vorbrantten corper tzu asschen und tzu nicht werden.

       Wo bleyben aber die weyl unßer seelen, wenn an allen ortten der creatur eyttell fewr seyn wirtt unnd keyn poden noch rawn? Antwort: Lieber, sage myr, wo sind sie itzt? odder wo sind sie, wenn wyr schlaffen? da sie nichts wissen, was ausßen am leybe und allen leyplichen creaturn geschicht, meynstu, das gott nitt vormuge die seelen ynn seyner hand bewaren, das sie nymmer gewar werden, wie hymel und erden zu pulver wirt? oder meynstu, er muesße eynen leyplichen stall datzu haben, wie eyn hirtt tzu seynen schaffen? Es ist gnug, das du wissest, sie sind ynn gottis handen, unnd ynn keyner creatur schosß odder rawm, ob du nicht wissest, wie das tzugehe, laß dich nicht yrren, [WA s. 118] syntemal du noch nicht erlernett hast, wie dyr geschehe, wenn du entschleffist odder auffwachist, und kanst nymmer wissen, wie nahe dyr der schlaff odder das wachen sey, damit du doch teglich umgahist, wie woltistu denn diß erfaren? Es heyst: Vater, yn deyne hende befilhe ich meynen geyst, da bleybt es bey, ynndes wirt hymell unnd erden new, unnd unßer leybe auch, und werden wider lebendig tzur ewigen selickeyt, Amen. Wenn wyr wissten, wie die seelen behallten wurden, ßo were der glawbe auß, aber nu wyr faren, und nitt wissen wohynn, wagens auff gott und yn seyne hende, bestehet der glawbe yn seyner wirde.

 

Am letzten.

[Luk. 21, 25] Mussen wyr auch eyn wenig geystlicher deuttung sehen ubir diß Euangeli. Die ßonne ist Christus, der mond die kirchen, die stern die Christen. Die krefft der hymel sind die prelate oder planeten yn der kirchen. Nu die leypliche zeychen bedeutten gewißlich, wie es schon lengist ergangen ist und ergehet yn der Christenheyt; denn sie folgen nach dem vordienst der sunden, drewen [Matth. 24, 29] und zeychen die straff uber dieselbigen. Das die ßonne den scheyn vorleuret, ist keyn zweyffel, es bedeutte, das Christus nit leuchtet yn der Christenheyt, das ist: Euangelium wirt nit predigt, und der glawbe vorlisschet, das keyn gotisdienst mehr da ist; das geschicht und ist geschehen durch menschen lere unnd werck, unnd sitzt der Bapst an Christus statt ynn der kirchen, und leuchtet wie eyn dreck ynn der latern, er mit seynen Bisschoffen, pfaffen, munchen; die sind es, die uns die ßonn vorfinstert haben, unnd an statt des rechten gottisdiensts auffgericht eyn goetzen- und potzendienst mit platten, kutten, kleydern, pfeyffen, leutten, singen, klingen &c.. O finsterniß, o finsterniß! Darauß muste folgen: das der mond auch keyn scheyn gebe, das ist, da der glawbe vorlasch, must die liebe auch vorlesschen, das man keyn Christliche werck mehr sehe, keyn exempel funden wurde, da eyner dem andern dienet, ßondernnn das volck nur auff goetzen- unnd potzenwerck gefurt wurde, tzu stifften mesß, vigilien, allter, capellen, kilch, glocken, und des gaugkelwercks. O finsterniß abermal!

[WA s. 119]

 

 

       [Matth. 24, 29] Den fall der stern deutte ich dahyn, wenn eyn mensch taufft und Christen worden ist, und darnach eyn pfaff odder munch wirt. Glewbe myr wer do will, wer nit will der laß es, ich weyß was ich sage. Ich sage nit, das sie alle vorloren werden, Gott kan wol ym fewr erhallten, wilchen er wil. Aber das sage ich, wer pfaff odder munch wirt, ynn dem namen, das er eynen seligen stand will annehmen, der tritt vom Christlichen glawben yn den unglawben. Denn der sternen fall bedeutt nicht die groben felle, als da ist, mord, unkeusch, diebstal, ßondernnn den fall vom glawben. Pfaffen und munch (wo gott nit wundert ßonderlich)2 sind yhrs stands halben gewißlich abtrunige und vorleuckete Christen, das keyn erger volck auff erden ist. Die Turcken sind auch unchristen, aber ynn tzweyen stucken sind sie besser, denn disße. Zum ersten, das sie nie sind Christen oder stern geweßen, auch nit vom glawben tretten. Zum andernnn, ßo thun sie keyne sunde an den sacramenten. Aber diß volck macht auß der mesß eyn opffer und gutt werck, thutt das teglich unnd untzehlich, wilchs doch ist die aller grewlichst vorkerung, die von der sonnen beschienen ist. Kurtzumb, wer durch werck und geystlich stand will frum und selig werden, der tritt vom glawben, und fellt vom hymell; denn alleyn Christus blutt muß uns frum und selig machen, drumb wenn du eynen sternen fallenn sihest, ßo wisse, das es heyst pfaffen, munch, nonnen werden.

       Das aber die leutt vorschmachten fur gedrenge, bedeutt die marter, ßo des Bapsts heyligen und vorfallene sternn haben; denn sie thun groß dinck, und yhr gewissen hatt doch nymmer fride, wie die gantz schrifft yhr weßen nennet muhe und erbeyt.

       [Luk. 21, 25] Das braussen der wind und rauschen der wasser sind der welltliche stand, ubirst und unterst, da ist keyn furst, keyn land mit dem andern eyniß, keyn trew, keyn zuvorsicht unternander, eyn iglicher auff das seyne gericht; damit ist auch keyn straff, keyn tzucht, keyn furcht auff erden, und geht alle wellt yn fressen, sauffen, unkeuscheytt unnd ynn allen lastern frey, das es saußet und braußet.

       [Luk. 21, 26] Die kreffte der hymel sind unßere planeten, unßere geystliche iunckern und tyrannen, Bapst, Bisschoffe und yhre gesellen, die hohen schulen, die ßo tieff ynn das weltlich regiment, gutt, ehre, unnd luft gesessen sind, mit aller sicherheyt, das sie gemeynet, sie weren nicht planeten, das ist, Errones; denn planeta auff kriechisch heyst eyn yrriger, der keynen rechten weg gehet, ßondern nur hynder sich und tzu beyden seytten, wie die planeten ym hymell auch thun; [WA s. 120] das legen die deutschen auß mit eynem sprichwortt, und sagen: Die gelerten, die vorkereten, das ist: das geystlich regiment ist eyttel planeten. Nu aber das Euangelium auffbricht unnd tzeygt yhn an yhre tugent, und ferbet sie mit yhrer eygen farbe, das es ungelerte goetzen und seelvorfurer sind, wollen sie tzornig werden, bewegen sich, und machen eyne constellation, tretten tzusamen, wollens mit bullen und papyr schuetzen, drewen eyne grosse sindflutt, aber es will und wirt sie nichts helffen, der tag bricht an, den wirt man nicht unter den scheffell stortzen, als were es eyn wachsliecht.

       [Luk. 21, 29] Das gleychniß vom feygenbawm sihet mich an, als sey es die heyligen schrifft, die bißher unter der banck gelegen, die schlehet auß, hat bletter gewonnen, das ist: yhr wort das bricht auß; denn ynn tzwelff hundertt iaren ist sie nicht ßo fernn erauß, die sprachen auch nicht alßo bekand geweßen; das ist aber myr keyn tzweyffel, das die schrifft eyn feygenbawm sey, als das leychtlich tzu beweren ist; denn das sind die feygenbletter, da Adam und Heva sich mit deckten, denn der schrifft braucht ymer der allt Adam, sich damit tzu schmucken. Alßo muß das buch erfur, die bletter mussen grunen, und hilfft nicht, das die planeten viel drumb sich bewegen. Aber der sommer ist nicht ferne, wolt got, die frucht folgeten den blettern auch, ich beforge, es wolle nur bey den blettern bleyben. Denn wyr reden viel vom rechten glawben, thun aber nichts. Das sey gnug von der deuttunge, wer weytter will, hatt hiemit ursach und anfang tzu trachten. Aber die planeten sollen dißer keyneß glewben, mit yhren rotten, das yhe die schrifft war bleybe, die yhn gibt grosse sicherheyt unnd vorachtung ynn allen gottis wortten, wercken und tzeychen.

 

 

 

 

Am dritten sontage ym Advent Epistell S. Pauli. [1. Kor. 4, 1 –5] I. Corinth. 4.

 

1522[WA s. 120]

Da fur halte uns der mensch, als diener Christi und haußhallter ubir die geheymniß gotis. Hie fragt man nu unter den haußhalltern, das yemand werde trew erfunden. Myr aber ist das eyn geringes, das ich von euch gerichtet werde oder von eynem menschlichen tage; auch richte ich mich selbs nicht. Ich bynn myr nichts bewust, aber darynn bynn ich nicht gerechtfertiget. Der mich aber richtet, das ist der herr. So richtet nu iah nicht fur [WA s. 121] der tzeytt, biß der herr kompt, der auch erleuchten wirt das verporgene der finsterniesß, und wirtt offenbaren den rad der hertzen, und alsdenn wirtt eynem iglichen lob von gott widderfaren.

 

Diße Epistell gibt eyn exempell des Euangelij am ersten sontag ym Advent, [Matth. 21, 7] da wyr gehort haben, das die iunger nicht selbs auff dem fullen ritten, ßondern furetenß zu Christo, und satzten yhn drauff; das thut hie der Apostel [1. Kor. 1, 12] auch. Denn die Corinther fiengen an sich zu spalten und zu hangen an den Apostoln, eyn teylls rumeten sich S. Peters, eyn teylls S. Paulus, eyn teylls S. Apollo, eyn iglicher warff auff seynen Apostell, von dem er getaufft odder geleret war, odder der yhn dunckte der furnehmist seyn. Da kompt Paulus und weret, lest keynen sich rumen von eynigem Apostel, ßondern alleyne von Christo, spricht, es lige nichts dran, wer die seyen, durch wilche sie tauffet unnd geleret sind. Aber da lige es gar an, das sie Christum eyntrechtlich hallten und yhm alleyn unterworffen seyen. Alßo leret sie Sanct Paulus seyn, was sie von den Apostelln hallten sollen, unnd ist die gantz Epistell eyn grewlicher stosß widder das Bapstum und geystlich regiment, wie wyr sehen werden.

 

[1. Kor. 4, 1] Dafur hallt uns eyn mensch, als fur die diener Christi und haußhallter ubir das geheymniß gottis.

Das ist gesagt von allen Apostelln, und aller Apostelln stull erben, es sey S. Peter odder S. Paulus; darumb ist uns hie gar eben wartzunehmen, wie man Apostell und itzt die Bisschoffe hallten soll, das wyr sie nicht tzu hoch noch tzu nydrig hallten. Denn S. Paulus, ia der heylig geyst, hat diße masß nicht umbsonst gesetzt, on tzweyffel, das wyr schuldig sind, uns darnach tzu richten. Desselbigen gleychen ist den Bisschoffen hiemit gesetzt, wz yhr ampt seyn sol, und wie weyt yhr gewalt sich streckt. Auff das, ßo wyr eyn Bisschoff sehen, der sich mehr unterwindet, denn dißer text gibt, das wyr denselben gewißlich fur eynen wolff und des teuffels Apostell hallten und meyden sollen; denn das wirt gewißlich der Endchrist seyn, der weytter regirt ym geystlichen regiment, denn hie bestympt ist. [WA s. 122]

       [1. Kor. 4, 1] Zum ersten spricht er: Wyr sollenn sie fur nichts anders auffnehmen noch hallten, denn fur diener Christi. Und sie sollen auch fur nichts anders wollen gehalten werden. Aber diener Christi soll hie nit heyssen von dem gottisdienst, den man itzt Christusdienst nennet, als mit beten, fasten, kirchen gehen, und alles, was das geystlich recht, stifft, kloster und gantz geystlicher stand gottisdienst nennet; denn das sind eyttell ertichte wortt und werck, dadurch dißer spruch Pauli und ander mehr aller ding vorfinstert sind, das itzt niemant mehr weyß, was hie Paulus Christusdienst heysse. Er meynet den dienst, der eyn ampt ist. Alle Christen dienen gott, aber sie sind nit alle [Röm. 11, 13] ym ampt. Alßo nennet er auch Ro. 11. seyn ampt eyn dienst: Ich will meynen dienst preyßen, weyl ich der heyden Apostel bynn, und droben yn der [Röm. 15, 8] nehisten epistel : Ich sage, das Christus eyn diener ist geweßen der beschneydung, [2. Kor. 3, 6 |!]] und .2. Cor. 4: Er hatt uns gemacht, das wyr gnugsam sind worden tzum dienst des newen testamentts des geysts und nicht des buchstaben.

       Unnd wo nehm ich eyn solch starcke sprach?5, das ich auß aller Christen hertzen kund reyssen den tieff eyngedrungen yrthum, durch die Pabstey, das sie den dienst Christi und dienst gottis nicht anders deutten denn auff yhr eygen werck, die sie on mittel gegen Christo wircken. Hoere doch lieber mensch, Christo dienen und got dienen, heyst furnemlich bey S. Paulo eyn ampt furen, das Christus yhm befolhen hatt, nemlich das predigen, es ist eyn dienst, der von Christo, nicht tzu Christo gehet, und der nit von uns, ßondern tzu uns kompt; das mustu wol mercken, unnd ist seher nott, du kanst sonst nichts wissen, was die Paulischen wortt wollen: Minister, ministerium, ministratio, ministrare &c.. Er heyst es ymer dienen, dienst, diener &c.. Sellten aber denckt er auch des diensts, der uber sich tzu gott gehet, ßondern aller gemeynist des, [Luk. 22, 27] der unter sich tzu den menschen gehet. Denn auch Christus ym Euangelio den Apostelln gepeutt, sie sollen die untersten und der ander diener seyn.

       Und auff das er von solchem dienst vorstanden wurdt, hatt er mit [1. Kor. 4, 1] vleyß hyntzusetzt und sich selb vorkleret, und spricht: Schaffner odder haußhallter, wilchs nicht kan denn vom predigenampt vorstanden werden. [WA s. 123]

       Er nennetts aber darumb Christus dienst und sich Christus diener, das er solch ampt von yhm empfangen hatt und yhm befolhen ist tzu predigen. Alßo sind alle Apostelln unnd Bisschoffe Christus diener, das ist: Christus prediger, Christus boten, Christus amptleutt, tzu den menschen mit seyner bottschafft abgefertiget, das die meynung dißes spruchs sey diße: Eyn iglicher unter euch sehe zu, das er nicht eyn ander hewbt setze, eyn andern herrn auffwerffe, eyn andern Christus mache, ßondernnn allesampt bleybt an dem eynigen Christo; denn wyr sind nicht ewr herrn, noch ewr ubirsten, noch ewr hewbt, wyr predigen auch nit von uns, wyr leren euch nicht unßer eygen wort, furen euch nicht unter unßernn gehorsam, das yhr uns musset unterthan seyn und unßer lere hallten. Nicht alßo, nicht alßo, ßondern wyr sind boten und diener des, der ewr ubirster, hewbt unnd herre ist, wyr predigen seyn wortt, werben seyn befelh, furen euch alleyn unter seynen gehorsam. Dafur sollt yhr uns auch hallten, keynß andern sollt yhr von unß gewartten, auff das, ob wyr woll ander menschen sind denn Christus, doch nicht andere lere, ander wortt, ander regiment, ander ubirkeyt denn Christi durch unß ubirkomet; wer unß alßo auffnympt und hellt, der hellt recht, der nympt nicht unß, ßondern Christum selbs auff, wilchen wyr alleyne predigen. Wilcher aber unß nicht dafur hellt, der thutt unß unrecht, lest Christum, das gemeyne heubt, faren, unnd will eyn eygen hewbt auffwerffen, unnd unß tzu gotzen machen.

       [Richt. 8, 22. 23] Alßo leßen wyr Judic. 8, das die kinder von Israel tzu Gedeon sprachen: sey du unßer herr unnd deyn kinds kind. Aber er anttwortet: Ich will nicht ewr herr seyn, unnd meyne kinder sollen auch nicht ewr herren seyn, ßondernn [1. Sam. 8,] gott soll ewr herre seyn. Und .1. Reg. 8. da die kinder von Israel eynen konig begerten von Samuel, sprach gott: Sie haben nit dich, sondern mich furwurffen, das ich nit sey eyn koenig uber sie. Hie sehen wyr, das gott keyn ubirkeyt leyden kan, denn seyne alleyn ynn seynem volck. Mochtist aber hie fragen, wie sie daran sundigeten, ßo doch Gedeon von gott yhn geben war tzum hewbtman ym streytt, unnd darnach viel heyliger konige ubir sie von gott gesetzt waren? Anttwort: Es war nicht sund odder widder gott, das sie koenige [WA s. 124] oder fursten hatten, denn ubirkeytt muß seyn auff erden. Aber das war die untugent, das sie sich unter menschlich regiment begaben unnd nit benuegen ließen an gottis regiment; denn Gedeon und die heyligen koenige regirten nit eyn har breytt weytter denn sich gottis gepott und befelh strecket, und hielten sich nicht anders denn diener gottis, das ist: sie regirten das volck nach gottis wortten, nicht nach yhrem wortt. Und alßo bleyb das regiment got alleyn, und sie waren diener darynnen, gleych wie die Apostel yn Christus wort. Darumb singet auch David von seynem eygen regiment nicht anders, denn als [Ps. 7, 7 —9] sey es gottis und spricht Ps. 7: Stand auff tzu myr, umb das regirnde ampt willen, wilchs du gepotten hast, und laß die vorsamlung des volcks dich umbgeben, Und umb desselbigen willen heb dich widder empor, denn du, herr, bist der volcker richter &c..

       Wo aber mehr denn gottis gepott ist, und die ubirkeyt sich unterwindet, odder die unterthanen suchen, das sie auch mit menschenleren regiren, da hebt sich eyn abtgotterey unnd new hewbt, die vbirkeyt ist denn nicht mehr eyn dienerynn, ßondern hirschet fur sich selbs, on befelh und gepott gottis. Da [1. Sam. 8, 17] spricht denn gott, wie er tzu Samuel sagt: sie haben nit dich, ßondern mich furworffen, das ich nicht uber sie regire. Und das sag ich vom regiment der seelen, wilchs fur got bestehen soll. Denn weltlich regiment geht die seele nichts an, gehoret auch nicht ynn disße sach. Wo nu mehr denn das eynige hewbt gott odder Christus wirt auffgeworffen, da mussen auch ander lere unnd wortt seyn, denn Christus lere und wort. Da musß denn auch ßo bald der dienst Christi auß seyen, Christus furworffen, und eyn new hirrschafft auffgeworffen seyn; das kan eyn iglicher wol begreyffen, das die tzwey sich nicht mitteynander leyden konnen, Christus diener seyn, unnd selb eygen wortt leren; wie kan er Christus diener seyn, ßo er nit Christus wortt leret? odder wie kan er seyn eygen wortt leren, wenn er Christus wortt leren soll? Leret er seyn eygen wortt, ßo ist er eyn eygen ßonderlich herr, und dienet Christo nicht. Leret er Christus wortt, ßo ist er nit eyn ßonderlicher herre. [WA s. 125]

       Hirauß urteyle du nu selbs, woher komme das Bapstum und seyn geystlich recht, mit aller pfaffen, munchen und hohen schulen leren; konnen sie beweyßen, das sie nichts denn Christus wortt leren, sollenn wyr sie fur Christus diener hallten, kunden wyr aber beweyßen, das sie nicht Christus wortt leren, ßo sollen wyr sie nicht fur Christus diener hallten. Nu ists yhe klar, das yhr ding nicht ist Christus wortt, ßondern yhr selb eygen. Szo ists offenbar, das sie des Endchrist reych, und des teuffels diener sind; denn hie steht Paulus [1. Kor. 4, 1] fesst und schleusst: Dafur sol uns eyn mensch halten, das wyr Christus diener sind. Es hilfft nicht, das sie sagen: Man muge neben Christus wort auch der kirchen gepott leren, geben fur, was sie leren soll der kirchen lere seyn. Aber Paulus steht noch, unnd leret, das die kirche widder Petrum noch Paulum, ßondernn alleyn Christum hore, unnd sie erkenne auch niemant, denn Christus diener. Daher sihestu, wie grosße gottis lesterung das ist, das der Bapst seyner lere gehorsam außrufft eyn weg der selickeytt, und den ungehorsam eyn weg der vordamniß. Aber Paulus gibt hie dißen gehorsam [1. Tim. 4, 1 —3] dem teuffell, wie er auch thutt .1. Timo. 4: der geyst sagt offentlich, das ynn den letzten tagen werden etlich abtretten von dem glawben und anhangen den yrrigen geysten und leren der teuffell, und ynn gleyßnerey lugen leren, die da eyn brandtzeychen haben ynn yhrem gewissen und vorpieten die ehe unnd speyße, die gott geschaffen hatt, tzu nehmen mit danck den glewbigen und den die erkennen [Joh. 10, 3. 5. 14] die warheyt; und Christus Johannis .10.: Meyn schaff horen meyne stymme, aber der frembden stymm horen sie nicht, ßondernn fliehen von yhn, denn sie kennenn der frembden stymme nicht, ich kenne die meyne, unnd die meynen kennen mich. Da sihestu, wie es mitt Paulo alhie stymmet, das alles, was nicht Christus stymm ist, das ist frembd stymm, des teuffells lere und tzu fliehen; da horistu, was Christus selbs urteyllt von den leren, und was seyne kirche hore und lere, wilchs der kirchen gepott sind odder nicht. Die kirche hatt keyn ander lere, denn Christi, auch keyn andern gehorsam denn Christi. Darumb alles, was die Papisten von gepoten und gehorsam der kirchen sagen, [1. Tim. 4, 1.2] das ist der art, davon Paulus spricht: Es sind lugenlere ynn gleyßnerey auß den yrrigen geysten und teuffells leren.

       [1. Kor. 4, 1] Eben dasselbige wollen auch die folgende wort, das er sie nennet haußhallter der heymlichen guter gottis. Der haußhalter soll hie heysßen, der des herrn hauß und gesind regiret, wie itzt sind die schaffner ynn den muncheklostern, und prebste yn den nonnenkloster, und alle dergleychen hoffemeyster, [WA s. 126] vorweßer und vorsteher, denn economus ist kriechisch, peritus rei familiaris, und lautt auff deutsch: eyn haußhallter, der da weyß eyn hauß tzu vorsorgen [Matth. 24, 45] und kan das gesind regiern, wilchen auch Christus Matt. 24. schlecht eynen knecht nennet, da er spricht: Wilcher ist eyn trewer kluger knecht, den seyn herr setzt uber seyn gesind, das er yhn das weysßen maß gebe tzu rechter tzeytt. Eyn solcher knecht war Eliezer, Abrahamß knecht. Nu hatt gott auch eyn hauß, das sind wyr selbs, die Christliche kirche, darynnen sind die pfarrer und Bisschoffe haußkundige unnd haußhallter, die des haußes wartten sollenn, mit speyß vorsorgenn, und das gesind regiren. Aber seyne gutter sind nicht leyplich; [1. Kor. 4, 1] darumb scheydet S. Paulus diße haußhallter gottis von allen andern leyplichen haußhalltern, yhene, die geben sichtlich brodt und regirn die corper. Aber diße geben unsichtliche speyße, und regirn die seelen, darumb nennet erß mysteria. Das ist auch alles auß der weyße komen, das wyr nicht mehr wissen, was der haußhallter sey odder heysse, und wer die mysteria sind; sie meynen, wenn sie teuffen, meß hallten, und andere sacrament reychen, ßo haben sie die mysteria handellt, und ist itzt keyn mysterium tuechtig, denn die messe, wiewol sie auch nit wissen, warumb es mysterium misse heysse.

       Ich kan heuttigs tages keyn deutsch finden auff das wort mysterion, und were gleych gutt, das wyr blieben bey demselbigen kriechischen wortt, wie wyr bey vielen mehr sind blieben. Es heyst ia ßo viel als secretum, eyn solch ding, das auß den augen gethan und vorporgen ist, das niemant sihet, und gehet gemeyniglich die wortt an, als wenn ettwas gesagt wirt, das man nicht vorsteht, spricht man: das ist vordackt, da ist etwas hynden, das hatt eyn mysterion, da ist ettwas vorporgens. Eben dasselbige vorporgene heyst eygentlich mysterium, ich heysse es: eyn geheymnuß. Was sind denn nu die mysteria gottis? Nichts anders, denn Christus selbs, das ist: der glawbe und Euangelium von Christo; denn alles, was ym Euangelio predigt wirt, das ist von synnen, vornunfft ferne gesetzt und aller wellt vorporgen. Mag auch nicht erlangt werden, denn alleyn durch den glawben, wie er auch selbs sagt Matt. 11: [Matth. 11, 25] Ich bekenne, dyr herre, vatter hymels und der erden, das du diße ding vorporgen hast den weyßen unnd vorstendigen, unnd hast sie offenbart den kleynen. [WA s. 127] [1. Kor. 2, 7. 8] Und Paulus .1. Cor. 2: Wyr predigen die weyßheyt gottis ynn der heymlickeyt vorporgen, wilche keyner dißer welt fursten erkandt hatt.

       Und das ich auffs klarlichst sage, mysterium ist, wenn du horist die ding, die du ynn deynem glawben bettest, das Christus gotis ßon von eyner iunpfrawen geporn, gestorben, aufferstanden sey, und das alles umb vorgebung unßer sund. Denn dißer ding sihet das auge keynes, begreyfft die vornunfft [1. Kor. 1, 18 ff.] keynß, ia, wie Paulus .1. Cor. 1. sagt: Es ist eyttel torheyt fur den klugen und eyttel ergernisß fur den heyligen; denn wie muglich, das natur erkenne odder vornunfft bekenne, das dißer mensch Christus sey unßer leben, heyl, frid, gerechtickeytt, erloßung, krafft, weyßheytt, herr aller creaturn unnd gott, unnd alles was die schrifft von yhm sagt. Niemandt kan davon ettwas wissen, denn der es auß dem Euangelio horet und glewbt, es ist tzu ferne von synn und vornunfft. Szo sind nu gottis mysteria nichts anders, denn die ding odder gutter, die vonn Christo durchs Euangelium prediget werdenn, unnd die alleynn der glawbe fasset und behellt. Davon sagt .1. Timo. 3: [1. Tim. 3, 16] Es ist eyn offentlich groß mysterion des gottlichen wandells, das da ist offenbart ym fleysch, rechtfertiget ym geyst, ist erschynen den engelln, ist prediget den heyden, ist glewbt von der wellt, auffgenommen tzur herlickeytt. Das ist alles von Christo gesagt, wilcher ist offenbart ym fleysch; denn er hatt wandelt unter den menschen, die fleysch und blutt hatten und er auch selbs, aber dennoch bleyb er mysterium; denn das er, Christus, gottis ßon, das leben, der weg, die warheyt und alles gutts were, war vorporgen. Doch ist er rechtfertiget ym geyst, das ist, die glewbigen durch den geyst haben yhn dafur angenommen, erkennet unnd gehallten. Denn diß ‘rechtfertigen’ ist tzuvorstehen [Luk. 7, 35] nach der weyße Luce. 7: alles volck und auch die tzoelner rechtfertigeten gott, [Ps. 51, 6] item Ps. 50: Auff das rechtfertiget werdist ynn deynen wortten, das ist alles ßo viel gesagt: Wer ynn Christum glewbt, der gibt yhm recht, bekennet, das war sey, das er alleyn unßer leben, rechtickeyt, weyßheyt sey, und wyr sunder, todt und vordampt seyn; denn das ist er und wills auch seyn. Und wer yhn dafur helt, der rechfertiget yhn ynn seynem geyst. Wer aber das nit thutt, [WA s. 128] stehet auff seynen wercken, will nicht vordampt lassen seyn, was er ist, der haddert mit yhm und vordamnet yhn. Von der rechtfertigung ist auch das [Röm. 1, 4] Rom. 1. gesagt: Er ist erschieden gottis ßon ynn der krafft, nach dem geyst der heylickeyt, als solt er sagen: ynn den unglewbigen ist er nichts und nicht alleyn schwach, ßondern auch gar vordampt, wo aber heyligen sind, die ym geyst leben, der sie heyliget, bey den ists krefftiglich und gewiß gehallten, das er gottis ßon sey, denn es ist yhn entschieden unnd beschlossen festiglich &c..

       Nu hett S. Paulus hie wol kund sagen alßo: Wyr sind haußhallter der weyßheyt gottis odder der gerechtickeyt gottis odder dergleychen, syntemal [1. Kor. 1, 30] Christus das alles ist, wie er sagt 1. Cor. 1: Er ist uns gemacht von gott tzur weyßheyt und rechtfertickeyt und heyligung und erloßung. Aber das were stucklich geweßen, drumb wollt er auff eynen hauffen mit eynem wortt begreyffen alle diße guter, die von Christo tzu predigen sind, und nennet es geheymniße, als solt er sag: wyr sind geystliche haußhallter, die wyr sollen außteyllen gottis gnade, gotis warheyt, und wer kan sie alle ertzelen ynn ßonderheyt, ich wills kurtzlich begreyffen und sagen: es sind gottis geheymniße, nenne sie darumb geheymniße, vorporgene ding, dz sie alleyn mit glawben [Röm. 1, 4] erlanget werden; alßo thutt er Ro. 1. auch, da er mit eynem wortt wollt alles begreyffen, wie Christus ist offenbart ym fleysch, rechtfertiget ym geyst, prediget [1. Tim. 3, 16] den heyden &c.. wie gesagt auß .1. Timo. 3, spricht er kurtzlich auff kriechisch: horistheis, definitus. Summa summarum, Er ist erschieden, beschlosßen, angenommen und gehallten fur gottis ßon, von engelln, heyden, wellt, hymel und yderman, dieweyl er dafur ist offenbart, rechtfertiget, erschynen, predigt, glewbt, auffgenommen &c.. Darumb nennet erß auch hie geheymniße, und [1. Tim. 3, 16] .1. Timo. 3. geheymniß. Es ist doch eyn ding, Christus ists gantz und gar, eyn geheymniß und viel geheymnisße, denn viel heymlicher guter wyr von yhm haben.

       Auch ist das tzu mercken, das S. Paulus datzu thutt und spricht: die geheymnisße gottis, dz ist: solche vorporgene ding, die gott gibt und ynn gott [WA s. 129] [Off. 17, 5.] sind; denn der teuffel hatt auch seyne geheymnisße, wie Apoc. 17 spricht: Sie hatt an yhr styrnn geschrieben geheymnisße Babylon. Item: Ich will dyr tzeygen das geheymnisse der hurn von Babylonien &c.. Das sind solche geheymnisße, daruber der Bapst und die geystlichen itzt haußhalter sind; denn sie geben fur, yhre lere unnd werck furen tzum hymell, und ist dahynden eyttel todt und helle allen, die dran glewben. Aber diß sind gotis geheymnisße, da leben und selickeyt ynnen ist. Szo haben wyr nu des Apostels meynung ynn dißen wortten, das eyn diener Christi sey eyn haußhalter yn den geheymnisßen gottis, das ist: er soll dafur sich hallten unnd hallten lassen, das er nichts anders denn die ding predige unnd dem gesind gottis gebe, die Christus ist unnd ynn Christo sind, das ist: er soll das lautter Euangelium, den reynen glawben predigen, wie alleyn Christus sey unßer leben, weg, weyßheyt, krafft, preyß und felickeytt &c.. Und das unßer ding eyttel todt, yrthum, torheytt, unkrafft, schand und vordamniß sey; wer anders predigt, den soll keyn mensch fur Christus diener noch haußhallter ynn gottlichen guttern hallten, ßondern wie des teuffells bote vormeyden. Darumb folget nu:

 

[1. Kor. 4, 2] Hie fragt man aber, unter den haußhallternn, das eyner trew erfunden werde.

Da ligt die gantz macht an, da fraget gott nach, das sucht und foddert engell, mensch und alle creatur, nicht ob yemandt eyn haußhallter heysße odder dafur gehallten sey, odder nitt. Hie fraget niemant, ob yemant kleyn oder groß bißthum habe, ia auch nicht ßo fast, ob er frum oder nicht frum sey an seyner person, ßondern da ist nach zu fragen, ob er trewlich seyn ampt außricht und thu alls eyn haußhallter ynn gottis guttern. Da gibt uns Paulus grosßenn gewallt tzu richten aller unßer Bisschoffen, Baepsten, Cardinalen, [Matth. 24, 45] lere unnd lebenn. Solche trew foddert Christus auch Matt. 24: Wer meynstu, der da sey eyn trewer und kluger knecht, den seyn herr uber seyn gesind gesetzt hatt, das er yhnen gebe tzu rechter tzeytt das masß weytzen? Was mag diße trewe seyn? wie wirt sie gehallten? Sage an, wer ists gepessert? odder wen hilffts, ob eyn Bisschoff ßo groß were, das er alle Bistum ynnen hette, wie sich der Bapst auffwirfft?5 Wen hulffs, ob er ßo heylig were, das er mit seynem schatten die todten auffweckt?6 wen hulffs, ob er [WA s. 130] ßo weyße were als alle propheten und Apostel geweßen sind? Nach der dinger keynem wirt hie gefragt; aber das er trew sey, gebe dem gesinde das wort gotis, predige das Euangelion und teyle auß die geheymniß gottis, da da da fragt man noch, das hilfft yderman, des ist yderman gepessert, darumb wirt fur allenn dingen trew gesucht und gefoddert ynn dißen haußhalltern

       Nu hallt dißen text gegen Bapst unnd allen geystlichen: sage, wonach fragt der Bapst? ist nicht alle seyn scharren und wueten, das er alleyn mit gewallt der ubirst sey unnd regire? Er fragt nur darnach, das er groß, mechtig, hoch, und reych, und yderman yhm unterworffen sey. Daher narret der teuffel durch seyn lastermaul yn allen seynen gesetzen, wie groß der gehorsam und ferlich der seelen heyll sey, wer seynem gehorsam nitt unterthan [1. Kor. 4, 2] ist, aber das er trew sey ynn dißer haußhalltung, bekummert yhn nicht. Denn sage myr, ynn alle der sindflut seyner untzehlichen gesetz und befelh, ia, ynn alle seynem regiment, wenn hastu yhe gehoret odder geleßen, das er gottis mysteria mit eynem wort rure odder das Euangelion predige? da ist nichts denn von haddersachen, von prebenden, oder auffs hohist, von platten unnd kleydern. Ja, er vordampt offentlich datzu das Euangelion und gotis mysteria. Dem folgen nu die Bisschoff und geystlichen mit den stifften, klostern unnd hohen schulen. Und haben diße Apostolissche trew nu dahyn deuttet, das itzt eyn trewer Bisschoff, Abt oder geystlich prelat heysßt der, der die tzeyttlichen gutter, Sanct Peters erbe, S. Moritz schlosß, des heyligen creutz landt, unßer frawen tzinß, und ßo fortt an der kirchen gutter, das ist: yhr eygen reychtum unter gottis und der heyligen namen trewlich handhaben, schutzen, bessern und mehren, das yhn die welt, wo sie am aller welltlichsten ist, nitt mag gleychen; und das heyssen nu die frumsten bisschoff und prelaten, die haben der kirchen wol furgestanden, unangesehen ob sie yhr leben lang die Euangelia nie geleßen noch gehort haben, schweyge denn, das sie die predigen solten. Alßo bestehet nu das lastermaul ynn aller welt frey, und nennet die gutt haußhallter ynn gottis guttern, die tzu nichts nutz sind, denn das sie welltlicher herrn rendmeyster, schosser, pfleger, vogte, bawmeyster, schultheyßen, ackerknecht, kelner unnd kuchmeyster weren; das beweyßen sie mit yhrer Apostolischen trew, und nichts mehr.

       Inndes aber sterben die seelen, vortirbt alles, was gotlich ist, der wolff regirt und reysset, da sehen sie nichts, da weret niemant, da sitzen sie still, [WA s. 131] unnd uberrechen dieweyl yhr register, und wartten S. Lorentzen tzinß, und vorsorgen der kirchen guter auffs aller trewlichst; fur wilche trew sie gewiß sind, das yhn Christus nit eyn nydrigen stuel ym hymel bereyttet hatt. O des elenden, vorlornen, blinden hauffen, wie sicher feret er zu der hellen tzu! Ich kan hie nit lassen, ich muß tzur warnung gleycher fellen melden des teuffells buberey, die ich hore sagen, er vortzeytten zu Merßburg ynn unßerm land ertzeygt hatt mit dem gulden kilch keyßer Heynrichs. Da liegen die lieben leutt, mit grossen gewallt, und haben Ablas davon, das sie sagen: Der gepraten Lorentz hab den teuffel ubirwunden, das er des keyßers seel lassen must, da er den gulden kilch ynn die wogen warff, darumb der teuffel ertzurnet, und brach dem kilch eyn or ab. Solch grobe, tolpische, faule lugen sollen uns Christen blenden, das wyr des teuffels schalckeyt nit erkennen. Warumb hatt solchs der teuffel ertichtet? oder ists nicht ertichtet, ßo ist das gantz geschicht darumb von yhm getrieben, das man eyn wunderwerck hette, tzu bestettigen die reychtum, wollust, und alle die tzartte trew der prelaten, davon itzt gesagt ist, das die narrn drauff fallen und glewben solten, man [WA s. 132] [1. Petri 2, 6] muge den teuffel mit gaben zur kirchen ubirwinden, ßo doch Petrus sagt, es [Matth. 24, 24] thu nur die sterck des glawbens. Das sind die wundertzeychen, davon Christus [2. Tim. 3, 13] und Paulus vorkundigt haben, das sie auch die außerweleten vom glawben furen mochten. Nu laß gehen, es sind itzt frume und trewe prelaten gehallten.

       Aber noch eyn hubscher trew ist itzt auch ym brauch unter denselbigen geystloßen herrn und trewen haußhaltern, die ist schefftig ynn geystlichen guttern der seelen. Das sind aller erst die recht trewen haußhalter. Sanct Peter ym hymel mag sich fursehen, wie er fur yhn seynen stuel behalt, sie sind wol ßo heylig. Das sind unßere geystliche veter, pfaffen, munch und nonnen, die sich uben ym gehorsam des Bapsts, der heyligen kirchen, und allerley menschen gesetz, orden und statuten. Und unter dißen, ist der furbundt, der außbund, der kern, der marck, der grund, und wie kan ich yhr eherliche tittel alle ertzelen? die sich nennen und halten von der observantz, ia weyt gnug von der observantz, das schoene ketzlin, das hatt eynen glaten hubschen balck. Hie sihet man aller erst die rechten haußhallter unnd die unerhorte trew, wie fest, gestreng und ernstlich sie ob dem gehorsam halten und yhr auffsetze handhaben. Ey das sind yhe die rechten heyligen. Wenig Bisschoff, die das heylige geystliche recht auch strenge hallten, mugen mit dißen gerechnet werden, aber wenn man alle yhre kloster durchsucht, und alle yhr lere und wandel ansihet, ßo ist keyn volck auff erden, das weniger weyß von gottis [WA s. 133] geheymnisßen und weytter von Christo ist, ia, sie sinds, die nit mehr thun, als weren sie unsynnig, und sturmen freuelich mit yhrem weßen widder [Off. 20, 8] Christum; sie sind der Gog und Magog, die mit dem lam gottis streytten ynn Apocalypsi, denn yhr werck werffen sie auff, damit vertilgen sie den glawben. Und heyssenn doch die trewen haußhallter gottis, gleych wie der wolff eyn hirtte heysßt mitten unter den schaffen.

       [1. Kor. 4, 2] Wer nu oren hatt, der hoere, was hie S. Paulus sagt. Man fragt unter den haußhaltern, wer do trew sey. Der ist aber trew, der gottis geheymniß handellt; darumb sey beschlossenn, das Bapst, bisschoffe, pfaffen, munch, nonnen, hohen schulen und alle, die mitt yhn auff ettwas anders bawen, ettwas anders handelln, denn Cyristum, das Euangelium und lauttern glawben. Die haben wol den namen, das sie Christus diener unnd haußhallter sind, aber ym grund sind sie des teuffells diener unnd haußhallter, und handelln des teuffells, yhrß herrn, mysteria odder geheymniß. Darumb setzt Christus dartzu und spricht: der haußknecht soll nicht alleyn trew, ßondernnn auch klug seyn, das er unterscheyd habe unter gottis geheymniß und teuffells geheymniß, damit er sich und die yhm befolhen sind bewaren und erhallten konne; denn es geht [2. Kor. 11, 13. 14] wie Sanct Paulus sagt, das sich die falschen diener Christi dargeben als rechte Apostel Christi, gleych wie der teuffell auch selbs sich vorstellet ynn eyn engell des liechts. Es ist die trew yhe grosser yhe ferlicher, wo nicht da ist klugheytt, die da die geheymniß gottis treffe, wie wyr sehen ynn den obgesagten tzwo falschen vorfurischen trewen der geystloßen geystlichen. Sanct Paul hatts wol gewust, das des teuffells geheymnisßen wurdenn alßo ubirhand nemen; [1 Kor. 4, 2] darumb schweygt er alles andern und tzeucht die trew an. Weren unßer Bisschoffe trew haußhallter gottis blieben, das Bapstum und der ßonderliche geystlich stand were wol ausßen blieben, und der gemeyne geystlich stand des glawbens were wol erhalten. Und wenn sie noch trew weren oder wurden, es sollten alle ßonderliche geystliche stend bald vorfallen, und der gemeyne widder auffkomen.

[WA s. 134]

 

 

[1. Kor. 4, 3] Myr aber ists eyn gerings, das ich von euch gerichtet werde, odder von eynem menschlichen tage.

Hie mussen wyr aber unßer sprach tzuvor leren, und die wortt vorkleren, die wyr doch als unßer mutersprach haben solten. S. Paulus nympt hie das richten odder urteylen auff eyn gutts richten das es heysße: viel von yhm hallten und sagen, wiewol aber der gemeyne brauch das gericht gemeynicklich nympt zu der vordamnisse. Szo geschehen doch ynn eynem iglichen gericht die zwey stuck, das eyner vordampt, der ander erloßet, eyner gestrafft, der ander belohnet, eyner tzu schanden, der ander tzu ehren wirt. Wilchs auch geschicht [Luk. 18, 11] yn allem heymlichen richten ; denn tzugleych, da der phariseer ym Euangelio sich lobet, schallt er den tzolner und andere menschen, tzugleych ehret er sich und schendet den andern. Alßo thutt eyn iglicher gegen seynem nehisten mit loben odder schelten, es muß eyn gericht ynn tzweyen stucken bestehen; darumb [1. Kor. 4, 3] spricht hie S. Paulus: Er werde von yhn gerichtet odder geurteylet, das ist eyn stuck des gerichts geht uber yhn, nemlich das lobliche und ehrliche stucke, das sie yhn preysseten und hoch huben fur die andere, damit richten sie tzwisschen yhm unnd andern Apostolen, gaben yhm das forteyl, den andern das nachteyl. Ettlich aber richten, das ist: sie lobten S. Peter, ettlich Apollo. Das aber richten hie ßo viel als loben heysse, weyßet das ende der Epistel, da er spricht: Richtet nicht der tzeyt, biß das der herr kompt, alsdenn wirt [1. Kor. 4, 5] eynem iglichen lob von gott widderfaren. Was ist das anders denn: lobet nicht, last gott loben? gott stehet es tzu, das er uns richte, lobe und krone; wir sollen eynander nicht loben, richten noch kronen.

       [1. Kor. 4, 3] Der menschliche tag heyst hie auch: das menschlich urteyl, gericht und lob, damit die menschen erheben, erleuchten, und bekand machen die, von denen sie viel halten. Gleych wie der naturlich tag mit seynem liecht erleucht, sichtlich und bekendlich macht die ding, die durch nacht und finsterniß nicht ersehen noch erkand werden mugen. Daher yn latinischer sprach die berumpten leutt und von den yderman sagt, heyssen preclari, nobiles, illustres, auff deutsch: durchleuchtige, das ist: die hochberumpt und fur andern eynen grossen scheyn und namen haben. Widderumb die andernn, die nicht berumpt sind, heyssen obscuri, ignobiles, humiles, geringe und unbekandte &c.. Auch die heylige schrifft nennet die kunige und fursten Doxas, glorias, claritates, das ist: klarheyt, herlickeyt, [WA s. 135] [2. Petri 2, 10] geschrey &c.. wie S. Petr' 2. Pet. vom Bapst und seynen sagt: sie werden lestern und vormaledeyen die glorias das ist: sie vorbannen unnd vormaledeyen, die maiesteten, konige, fursten unnd alles was hoch und herlich ist auff erden, ßo doch Christus gepotten hatt, man solle auch die feynde lieb haben, benedeyen auch die unß vormaledeyen, wolthun, die uns vorfolgen, wie wyr denn sehen, das der Bapst thutt am grunen dornstag ynn der Bulla Cene domini und wenß yhn lustet.

       Szo ist nu der menschliche tag das menschen geschrey und hoch rumen fur [Jer. 17, 16] den menschen; ßo spricht Hieremias .17. Ich hab nie begerd eyneß menschen tag, das weystu, als solt er sagen: sie geben myr schuld, ich predige new ding, alleyn darumb, das ich ehre, namen, und geschrey fur den leutten ubirkome, und angesehen werde fur den menschen. Aber du weysts, das nicht alßo ist, derselbige menschlich tag ist nicht von myr gesucht. Und Christus Johan. 5: [Joh. 5, 34] Ich neme nit klarheyt oder herlickeyt von den menschen, das ist: ich beger [Joh. 8, 50] nicht, das mich die menschen rumen und heben, und Joh. 8: Ich suche meyne klarheyt odder herlickeyt nicht. Item Joh. 5. von dem teuffer Johannes sagt [Joh. 5, 35] er alßo: Ihr wolltet eyne stund euch frewen yn seynem liecht, das ist: yhr hettet gern gesehen, das euch Johannes mit seynem tzeugnis preyßet unnd berumpt hett, das yhr dadurch diße kurtze tzeytt eyn ehre fur den leutten hettet, [1. Kor. 4, 3] das war ewr suchen &c.. Alßo meynet nu Paulus, es sey yhm das geringst ding, das er eyn solchs geschrey, liecht, preyß unnd namen habe bey den leutten. Und nennet yhn recht eynen menschlichen tag; denn er kompt von menschen: und nicht von gott, gehet auch mit den menschen dahynn, als sollt er sagen, Ich achts nicht, das ich von euch und von aller wellt preyßet wurde. Menschen last das suchen, Christus diener und gottis haußhallter sollen gewartten von Christo und von gottlichem tage das gericht.

       Es ist aber ia eyn undanckbar Apostel, das er nicht eyn sack voll Bullen hynschickt, und benedeyet sie und teylet ablas auß, als denen, die den Apostolischen stuel ynn billicher ehre und wirden haben gehalten, der Bapst [WA s. 136] wurde sich viel Apostolischer haben gehalten, ia er wurde sie vormaledeyet haben, wo sie nit solchen menschlichen tag hetten antzundet und gesagt: Ich byn Bepstisch, der Bapst ist der hohist, der heyligst, der mechtigst. Wenn S. Paul hie hett wolt, ßo were er Bapst und der ubirst worden mit eynem wort, wo er den tzufallen were, die sich an yhn wolten hengen, die andern hetten sich must bucken, aber nu er mehr sucht trew denn hohe ynn seynem haußhalten, muß er eyn schlechter teppichmacher bleyben, und tzu fusß gehen.

       Und ist auß dißen wortten klar, das die Corinther nach der person haben gerichtet, und darumb die yhr tauff oder Euangelium den andern furtzogen, das Paulus odder Petrus odder Apollo grosser oder besser seyn solt; das kan Paulus nicht leyden, ßondern wils alles gleych haben, die person sey wie sie sey, das der eben ßo wol Christen sey, der von Paulo taufft und gelert ist, als der von Petro odder von Apollo, oder wer er sey, dawider doch der Bapst hart und grewlich wuttet, will niemant lassen Christen seyn, er sey denn von yhm gelert, und leret doch nichts, denn nur unglawben unnd menschen narrnwerck. [1. Kor. 4, 2] Weyl aber Paulus das ansehen der person furwirfft und nur nach der trew fragt ynn den gotis haußhaltern, hebt er damit gar feyn alle ursach reyn auff, das sie sich nit spallten konnen, ßondern mussen eynig bleyben und allerley ding gleych und gemeyn lassen, denn wie sollten sie sich spallten? ßo eyn diener Christi ist wie der ander, und eyner ßo wol gottis haußhallter als der ander, das keyn unterscheyd da bleybt, denn, ob eyner trewer sey, denn der ander, das macht aber keyne secten, ßondern treybt das gemeyn Euangelium deste baß.

       Weyl denn nu diße wort Pauli nicht alleyn eynen, ßondern alle Apostell [1. Kor. 4, 1] betreffen, denn er spricht nicht alßo: Dafur hallte mich der mensch, ßondern: dafur hallte uns der mensch, uns, uns, spricht er, wilche unße? nemlich mich, Petrum, Apollo, von den dißer handell sich hebt, Szo ists beschlossen, das sanct Petrus gleych ist sanct Paulo tzu halten, und eyner wie der ander, das enttweder sanct Paulus hie muß unrecht leren, ynndem er alle Apostel gleyche diener Christi unnd gottis haußhallter macht, odder des Bapsts außtzug und regiment muß ertichtet und erlogen seyn, und ist dißer text gar eyn mechtiger feynd des Bapstumß.

[WA s. 137]

 

 

[1. Kor. 4, 3] Auch richte ich mich selber nit.

Mochtistu fragen, wie er seyn selbs gericht grosser acht, denn aller menschen? finden wyr doch das mehrer teyll, die sich selb loben oder yhe viel von yhn selbs hallten, denn naturlich gefellet eyn iglicher yhm selb wol. Aber wenig sind, die den menschlichen tag ubirkomen und von andern gericht werden, das erß billich hett umbkeret und alßo gesagt: Es ist myr eyn gerings, das ich mich richte, ich achte auch nitt den menschlichen tag ewr und aller welt lob. Aber er redet als eyn Christen, nach dem gewissen fur gott; denn auch die Corinther Paulum hoch rumpten ynn dem, das fur gott gillt, sie wolten, er were fur got hoeher groesser, besser denn die andern. Widerumb die andern huben S. Peter Nu ist fur got keyn groesser tzeuge, denn dz gewissen; denn got richtet nicht nach dem gesicht wie die menschen, ßondern nach dem [1. Sam. 16, 7 [!]] hertzen, wie .1. Reg. 15. spricht: Der mensch sihet was ausßen ist offenbar, gott aber sihet das hertz ; darumb gillt unßers gewissenn tzeugniß mehr fur [Röm. 2, 15. 16] gott, denn aller wellt tzeugniß. Es wirt auch alleyne gellten, wie Roma .2. sagt: yhre gewissen werden ubir sie tzeugen, und die gedancken sich unternander vorklagen oder entschuldigen auff den tag, wenn gott richten wirt die vorporgene ding der hertzen.

       Nu will hie S. Paulus, wie wollt yhr parteysch werden ubir uns, ob eyner groesser oder besser berumpt wurde von den menschen, ßo das alßo gar nichts ist, das auch unßer eygen gewissen nicht thar richten, wer der best und [Spr. 28, 26] hohest sey fur gott, denn Salomon spricht: Eyn narr ists, der auff seyn hertz trawet, darumb hatt die partey keynen grund, weyß niemandt wer am hohisten fur gott ist. Es ist auch nicht ynn Christus macht, tzu geben das sitzen zur [Matth. 20, 23] rechten oder lincken handt Matt. 20. Szo denn fur got sie alle gleych sind, eyner als wol Christus diener als der ander, und vorporgen bleybt, wilcher fur yhm der hohist sey, Szo sol das eyn mensch nit furnemen zu richten und orttern, vil weniger umb tzeytlicher macht, guter, freund sich erhohen ubir die andern. Dawidder ist nu auch des Bapsts erheben, dieweyl sie sagen, seyne hohe fur andern sey auß got, das Paulus hievor meynet, es muge niemant wissen noch richten biß an iungsten tag. [WA s. 138]

       Das aber hie die spitzigen tzungen der papisten wolten eyn loch boren und sagen: Paulus furwerffe nicht die hoehe S. Peters oder des Bapsts, ßondern vorpiete, das man nit sol urteylen die person an yhr selbs, wie gut oder boße dieselbe fur got sey. Da antwort ich auff, und bekenne, das S. Paulus vorpeut die person tzu urteyllen, wie sie fur gott sey. Aber das thetten dennoch die Corinther darumb, das sie auch das ampt, die tauff und die prediget umb [1 Kor. 1, 12] der person willen hoeher huben. Sonst hetten sie nit gesagt: Ich byn gut Paulisch, ich byn gut Petersch &c.. Denn sie wysten wol, das eynerley predigt, tauff und ampt ware, aber sie wolten das ampt und seyn werck erhohen auß der hoehe der personen, ßo thut Paulus das widerspiel, macht das ampt eben damit gleych, das die person fur uns gleych sind, dieweyll keyner wissen kan, wilcher der hohist odder best fur gott sey, sie alleyn die person wollen heben und nicht das ampt, ßo hetten sie nicht secten gemacht, ßo hetten sie auch nit gesagt: ich byn Paulisch, gleych wie es nicht secten macht, das wyr S. Peter hoeher heben denn S. August nach der person. Aber das macht secten, wenn ich sprech: ich byn Petersch, und du sprichst: ich byn Augustinisch, und wolt das darumb thun, das meyn prediget solt besser und hoeher seyn denn deyne. Auch die lugener die papisten selbs, dieweyl sie wol mercken, das yhre lugen nit kan bestehen, da sie den Bapst den ubirsten machen, wo die person nit frum und die beste were, darumb fahren sie tzu, helffen yhrer lugen mit eyner grosser lugen, und machen auch die person alßo gut, das sie sagen, der Bapst muge nit yrren, der heylig geyst vorlasß yhn nicht, und Christus sey altzeyt bey unnd ynn yhm, biß das ettlich yhr la[s]termaul ßo weytt auffthun, und dieweyl sie nicht leucken kunden, das der Bapst offentlich sunde, sprechen sie, es sey nicht muglich, das er eyn vierteyll stundt ynn der todt sund bleybe, ßo gar gewiß habenn sie auch mit sandseygernn unnd compasten den heyligenn geyst gemessenn ym Bapst. Warumb liegen sie nu solch lasterlugen? on tzweyffell, das sie sehen, wie die hoehe nicht bestehn kund, wo sie die person nicht erredten, unnd mustenn tzulassenn, das teuffells ding were die hohe an frumkeyt. Alßo kan man hie auch nit sagen, das die Corinther haben die person und nicht das ampt erhaben, syntemal person umbs ampts willen erhaben wirt.

[WA s. 139]

       [1. Kor. 4, 1 ff.] Fragistu aber weytter: wie richtet sich Paulus selbs nicht, ßo er will, man soll yhn fur Christus diener unnd haußhallter gottis hallten? Anttwort, wie droben ist gesagt, der dienst und das ampt ist nicht seyn, ßondernnn gottis, der es yhm befolhen hatt; denn wie keyn mensch kan gottis wortt machen, ßo kanß auch keyn mensch außsenden odder Apostel machen, gott hatt das schon selbs gericht und sie tzu Apostel gemacht, darumb soll man sich des auch rumen, bekennen und dafur außgeben, als von eynem gutt, das gott geben hatt, gleych als ich nicht mich selb eyn menschen machen kan, dennoch mich ruemen soll und bekennen muß, das mich gott eynen menschen gemacht hat. Aber wie ich nicht richten kan, wie ich fur gott sey und bleyben werde, alßo kan auch keyn Apostel oder gottis haußhallter richten, wilcher der beste und grossist sey fur gott.

       Szo sprichstu abermal: Leristu doch, das eyn Christenmensch soll nicht tzweyffeln daran, das er fur gott angenehme sey, und wer tzweyffelt, der sey keyn Christen, der glawb mache uns gewisß, das gott unßer vater sey, und wie wyr glewben, ßo geschehe uns. Antwort: da bleybe ia fest an hangen, das der glawbe an gottis hulden gewiß sey, denn der glawbe nichts anders ist, denn eyn bestendige, untzweyffelhafftige, unwanckende zuvorsicht tzu gottlicher gnade. Aber das ists, das ich gesagt habe, die Corinther wollten die Apostel haben und richten noch der person und wercken, wilcher heyliger und grosser und wirdiger were an der person, das dadurch auch das ampt und die an yhn hiengen ettwas ßonders weren fur andernn; da hebet Paulus auff alle werck unnd wirde, stellet die auff gottis gericht, und behellt alle Apostel ynn gleychem ampt und glawben. Es ist eynerley ampt, das sie treyben, eynerley glawben, darynn sie rechtfertig sind, aber wilcher ynn dem alles mehr thu, besser, hoher und wirdiger sey, das ist gotte befolhen, uns ist nichts auß der gemeyne tzu ßondern. Darumb folgett.

 

[1. Kor. 4, 4] Ich bynn wol myr nichts be wust, aber darynn bynn ich nicht gerechfertiget.

Das wort tzeygt eygentlich an, das sie umb wirdickeytt der person und der werck willen die Apostel richtet haben; denn Paulus gibt yhn tzu, das er unstrefflich sey ym gewissen, bekennet, das sie recht urteylt haben, ßo viel es fur den menschen und ynn seynem gewissen ist. Aber das gericht ist nit gnugsam fur gott, darumb ist auch alles richten falsch, das sich darauff [WA s. 140] grundet. Von dißem spruch were viel tzu sagen. Denn hie sehen wyr, das alle werck furworffen werden, keyn werck macht frum und selig; denn ßo [1. Kor. 4, 4] Paulus thar sagen, Er sey yhm nichts bewust, muß er freylich voller guter werck geweßen seyn, noch spricht er, darynn sey er nicht rechtfertig. Warynn denne? nur ym glawben. Denn ßo yemand darynnen rechtfertig were, das er yhm nichts bewust ist und gutt gewissen habe, ßo stund seyn tzuvorsicht auff sich selbs, ßo mocht er sich selbs richten und loben, wie denn thun die hofferttigen heyligen; ßo were auch des glawbens nit nott, durfften auch gottis gnaden nicht, wyr hattenß yn uns selbs, was uns nutz und nodt were, mochten gottis wol hynfurt emperen. Aber nu stett es darauff, das wyr auff gotis gnaden uns vorlassen und dadurch rechtfertig werden; wie aber darnach unßer werck, person, stand und wirde sey tzu richten, das sey got befolhen, wyr sind gewiß, das derselbigen uns keynß rechtfertige, aber ungewisß, wie sie gott loben und richten werde.

       Es ist auch, acht ich, yderman leycht tzuvorstehen, das Paulus hie redet von dem leben nach seyner bekerung, darynn er yhm nicht bewust ist, aber [1. Tim. 1, 13] von dem vorigen leben schreybt er selbs .1. Timo. 1., er sey eyn unglewbiger, eyn lesterer, unnd vorfolger der Christenheyt geweßen.

       Hie hebt sich aber eyne frage, wie er nit sey daryn rechtfertig, das er [2. Kor. 1, 12] keyn gewissen habe, ßo er doch .2. Cor. 1. sagt: Unßer rum ist das tzeugniß unßers gewissens, das wyr ynn dißer welt gewandellt haben ynn eynfelltickeyt des hertzen unnd gottlicher lautterkeyt, und nicht ynn fleyschlicher weyß, ßondern yn gottis gnaden, furnemlich aber bey euch. Hie antwortt sichs selbs, weyl er selb hyntzu setzt: ynn gottis gnadenn; denn wyr sollen uns freylich rumen, pochen und trotzen auff gottis gnaden, da steht auff der rhum unßers gewissen. Und ob er schon das nit hett dabey gesetzt, ßo were es doch tzuvorstehen von dem rhum ynn der gnaden, odder von dem rhum fur der wellt, denn fur den menschen kan und soll yderman seyne unschullt bekennen und rhumen, als: das er niemant habe unrecht than, soll auch nit sagen, das boße sey, das er weyß, das gut sey. Aber fur gott ist der rhum nichts, denn gott foddert und richtet nach dem hertzen, dem menschen geschicht gnug mitt den wercken, darumb muß fur gott ettwas hoher, denn unßer gutt gewissen seyn, [2. Mose 34, 7] wie Moses Exod. 34. sagt: Du nympst abe die ungerechtickeyt, die sund und [WA s. 141] [Röm. 3, 23. 27] boßheyt, und ist fur dyr niemant unschuldig. Ro 3: Fur seynem angesicht [2. Kor. 10, 17 [!]] kan sich keyn mensch rhumen, ßondernn wie .1. Cor. 10: Wer sich rhumen will, der rhume sich auff gott, das ist, auff seyne gnade.

 

[1. Kor. 4, 4] Der mich aber richtet, das ist der herr.

Das ist eben ßo vil: ich wil wartten, biß das mich got richtet und lobet, [2. Kor. 10, 18 [!]] wie er auch .1. Cor. 10. sagt: Nicht der sich selbs lobet ist gelobt, ßondernn wen gott lobet. Das sagt er aber darumb, das er sie nicht abeschrecke, ßondern reytze zu guttem leben; denn wiewol keynn mensch das ander richten odder loben kan, ßo wirtts dennoch nicht ungerecht unnd ungelobt bleyben. Denn gott will selber richten und loben, was wol than wirt, darumb sollen wyr ßo viell deste vleyssiger wolthun, weyll gott selber richten will, und nicht vordrossen werden oder abstehen, ob wyr hie ungewisß sind, wie es soll gerichtet werden.

 

[1. Kor. 4, 5] Darumb richtet nicht fur der zeyt, biß das der herr kompt, wilcher auch erleuchten wirt das vorporgen der finsternisß und den rad der hertzen. Alsdenn wirtt eynem iglichen von gott das lob widderfaren.

Hie fragt sichs billich, ob wyr nicht sollen eyner den andern loben? [Röm. 12, 10] Spricht doch Paulus Roma. 12: Eyn iglicher soll dem andern zuvorkomen mit ehrbietung, und eyner den andern fur seynen ubirsten hallten, und Christus [Matth. 5, 16] spricht Matt. 5: Ewr liecht soll leuchten fur den menschen, das sie ewr gute werck sehen und preyßen ewrn vater ym hymel, und .2. Cor. 6. spricht er: [2. Kor. 6, 8] Wyr mussen durch gutt gerucht und boß gerucht wandeln hie auff erden. Antwort: Es ist alles darumb tzu thun, das nit die werck angesehen werden, ßondernn alleyn der glawbe. Gutte werck sollen wyr thun und loben ynn den andern, doch niemant dadurch rechtfertigen, auch nicht urteyllen oder furtzihen eynß dem andern. Denn es geschicht, das fur gott eyn ackerman bessers thutt mit seynem pflugen, denn eyn nonne mit yhrer keuschheyt. Die [Matth. 25, 1 ff.] funff thorichte iungfrawen Matt. 25. sind auch iungfrawen, noch sind sie vordampt, [Mark. 12, 43] die wittwe, die tzwey scherfflin ynn den gottiskasten warff, thett mehr, [Luk. 7, 44 ff.] denn alle andere, die doch viel hyneyn worffen. Der sunderynn werck, Lu. 7. [WA s. 142] wirt erhaben uber alle werck des phariseer. Alßo fortan ist schlecht bey unß menschen das urteyl und unterscheyd der personen und werck nicht muglich tzu wissen noch tzu treffen, ßondern wyr sollen sie alle loben und gleych ehren, keyniß dem andern furtzihen,uns unternander demutigen und ymer den nehisten ubir unß heben, darnach gott alleyn urteylen lassen, wilcher der hohist sey, [Matth. 23, 12] wiewol er schon das urteyll gefellet hatt, das wer sich demutiget, der soll erhohet werden. Szo ists doch noch nit offenbar, wilche die sind, die sich selb nydrigen und hoehen. Ursach ist, das die hertzen noch nitt offenbar sind, nach wilchen gott richtet. Es kan sich wol eyner nydrigen, der ym hertzen auffs aller heymlichst hoch ist. Widderumb erhaben seyn, der auffs aller nydrigst ym hertzen ist.

       [1 Kor. 4, 5] Darumb spricht er, der herr werde komen und solchs vorporgen der finsterniß und rad der hertzen offenbar machen, da wirt man recht unterscheyd sehen, wer da wirdiger, hoher, und besser ist, unnd wilchs werck am besten sind. Darumb ists das aller unchristlichst ding, wenn man richtett unnd wirdet nach dem eusßerlichen weßenn unnd wercken, als das man sagen will: Eynß Carthußers leben sey an yhm selbs besser, denn eynß pawren odder ehlichen manß, unnd dergleychen, ßo de Cartheußer, wo er wollt recht thun, [Röm. 2, 16. 1] sollt er seyn leben geringer unnd unter des ehemanß leben hallten. Syntemal [1. Kor. 4, 5] gott nicht nach dem weßen, ßondernn nach dem vorporgen des finstern unnd rad des hertzen richtet, wie kan der Carthußer wisßen, ob seyn odder des bawrn hertzen demutiger und besser sey? Hieher gehoren die tzwey exempell, wilche meynß achtenß die besten sind, die ym gantzen Vitas patrum stehen, das erst von S. Antonio, dem kund ward, eyn leddermacher tzu Alexandria, eyn schlechter ehelich handwercksman und nichts ßonderlich thett, dennoch weyt uber S. Antonios war, umb solchs seynes hertzen nydrickeyt willen. Das ander von Paphnutio, der eynem pfeyffer und tzwo ehefrawen gleych ware mit alle seynem strengen leben, wilche tzwey exempell gott auß ßonder gnaden tzu der tzeytt ließ ruchtig werden, da die Muncherey am hohisten war und die werck wunderschon giengen, auff das er unßer augen von dem richten und [WA s. 143] urteylln der werck behielt, unnd leret uns, allerley werck gleych hallten, und eyner dem andern sich unterwerffen.

       Szo sprichstu denn, sind allerley werck und weßen ßo gleych und keynes dem andern ist furzuzihen, Was machen wyr denn, das wyr munch, nonnen, unnd pfaffen werden, der meynung, gott zu dienen, die wellt lassen, und den [Matt. 7, 15; 24, 11; 1. Tim. 4, 2 ff. u. ö.] besten stand annehmen? Antwortt: Warumb hatt Christus und Paulus vorkundigt, es wurden falsche Christen und falsche propheten komen unnd viel vorfuren? Were diße lere auff dem plan blieben, das gottis dienst ynn allen stenden und wercken gleych ist, ßo weren freylich nie keyne stifft noch kloster auffkommen odder hetten yhe nit ßo tzugenommen und ynn den wahn komen, das yhr ding alleyn gottis dienst sey. Wer wolt eyn pfaff werden? wer wollt munch werden? ia, wer wollt Bapst und Bisschoff werden? wenn er wyste, das seyn stand und werck nichts besser ist, denn der armisten kinder magd, die da kindlin wiget unnd windell wesscht. Es were dem Bapst eyn grosse klegliche vorstorung, ia, eyn schande, das er sich solt unter ein kindelmagd demutigen und seyne werck unter yhre werck setzen, ßo itzt kaum die konige und alle heyligen gottis wirdig sind, das sie seyne fusß kussen, umb grosser wirdickeyt willen seynß stands und wercks ; darumb sollen die heyligen [1. Kor. 4, 4] leutte ettwas bessers machen, denn hie S. Paul leret, sich selbs urteyllen, yhren stand und werck fur die besten auffwerffen, auff das sie yhre vordienst vorkeuffen, unnd den armen leyhen, ehlichen leutten, und andern stenden den hymel erwerben, als denen, die nicht ynn gottis dienst leben.

       Dieweyll du denn hie sihest, das unmuglich ist, das der itzige geystlich stand muge bestehen, wo er nicht diße Epistell Pauli vortilget und eyn unterscheyd machet tzwisschen yhm und den andern Christen, und sich selb urteyllet fur den besten, Szo vorstehistu ia gnugsam, das Bapstum, stifft und kloster auff eyttel lugen und gotis lesterung gegrund sind; denn sie nennen sich geystlich, die andernn alle welltlich, ßo doch fur gott niemant geystlich ist, denn die glewbigen, wilche fast alle ym leyenstand, unnd unter den geystlichen [WA s. 144] schier keyner ist. Was mag nu lugenhafftiger seyn, denn ßo du den stand geystlich urteylist unnd scheydist von dem andernn, darynn der recht ware geystlich stand ist? Alleyn gott gepurt tzu richten, wer geystlich und der beste sey, und sie faren tzu unnd heyssenß geystlich. Darumb alleyn, das sie beschorne kopff und lange rock tragen. Ist das nicht unsynnickeyt und wuterey?

       Szo sprichstu aber: wenn das war ist, ßo were es besser, wyr lieffen widder auß dem kloster und stifft? Anttwortt: der beyde thu eyniß, enttwedder hallte diße Epistel und richte dich selbs nicht, und laß deyn stand nichts besser seyn, denn ob du nicht geystlich werist, und deyne keuscheyt auch unterwerffist eynem ehelichen weyb, das kinder tregt unnd bey yhrem mann schlefft alle nacht. Wo du das nicht thust, ßo lasß kutten, platten, kloster und alles faren, oder wisse, das du geystlich seyest, nicht von eynem guten geyst, ßondernn von eynem boßen geyst, du wirst Paulum hie nicht umbstossen. Ist besser, du tragest kynder ym gemeynen glawben Christi, denn das du dem [1. Kor. 4, 5] teuffell eyne iungfraw bleybist. Es steht hie Paulus fest: yhr solt nicht euch selb richten.

       Szo widderpellistu aber: Ey, hat doch S. Hierony. und viel andere die iungfrawschafft hoch gelobt, datzu sanct Paulus spricht, es sey besser iungfraw, [1. Kor. 7, 38] denn ehlich .1. Cor. 7 ? ! Antwortt: Hieronymus hynn, Hieronymus her, [1. Kor. 4, 5] Ambrosius dort, Augustinus hie, du horist, was got hie sagt durch S. Paulus, das keyner solle sich odder eynander urteylen tzum besten, der gillt mehr denn Hieronymus, wenn seyner auch ßo viell weren, als sand am meer und bletter [1. Kor. 7, 38] ynn welden. Sanct Paulus sagt wol, es sey besser keusch denn ehlich seyn, aber nicht fur gott, er wurde reden widder sich selbs an dißem ort; denn war ists, wer keusch lebt, der ist freyer, kan baß des Euangelion warttenn, denn der ehlich mensch. Und alßo umbs Euangeli willen, hatt Paulus die keuscheyt [1. Kor. 7, 32] gelobet, wie er selb bekennet .1. Cor. 7: Eyn iungfraw und wittwe denckt der [Matth. 19, 12] ding, die gott angehen. Alßo Christus auch Matt. 19. lobet die vorschnytten, nicht umbs vorschnytten, ßondern umbs hymelreychs, das ist, umbs Euangelio willen. Aber itzt faren sie tzu, und obwol niemant weniger mit dem Euangelio umbgehet, denn die geystlichen, wollen sie doch eynß bessern stands seyn, denn die andern. Und nemen die keuscheytt an, umb yhr selbs wirdickeyt und hoehe [WA s. 145] willen, nicht umb yhrß nutzs willen. Gerad als wenn ich sprech: es ist besser, das du eyn handwerck lernist, denn das du eyn dienstknecht werdist. Warumb? nit das der stand fur gott besser sey, ßondern, das er weniger hynderniß [1. Kor. 7, 32. 38] hatt. Alßo preysset auch S. Paul die iungfrawschafft und keuscheyt, und dennoch nicht, denn alleyn ynn denen, die lust datzu haben von gottis gnaden. Aber itzt sihet niemant an, ob es hynderlich oder furderlich sey, ßondern yderman plumbt eynhynn, nur angesehen, wie hoch, wirdig unnd groß die keuscheyt sey. Datzu mit solcher muehe, far, unlust, unwille, unnd unreynickeytt, das dem iamer keyn klage gnug seyn mag, noch wollen sie besser seyn denn ander leut. Haben damit den ehlichen stand vorechtlich gemacht, das er gleych angesehen wirt, als eyn unreyn, schemlich leben. Dafur gibt yhn denn gott tzu lohn, das yhre keuscheyt hembd, bett und rock verunsawbert, mit unableßlichem fließen odder brennen, das freylich keyn groesser noch unreyner unkeuscheyt ist, denn bey dißer unordiger, gefangner, unwilliger und unmuglicher keuscheyt.

 

       [1. Kor. 4, 5] Ursach dißes alles gibt Paulus darynn, das er sagt: das vorporgen der finsterniß und der hertzen radt ist noch nicht erleucht. Darumb dieweyll gott nach denselbigen urteyllet, und wyr sie nicht erkennen mugen, sollen wyr die stend unnd werck unvorurteyllt und ungescheyden lassen, ßondern eyn iungfraw soll yhr iungfrawschafft nicht fursetzen der ehefraw, der Bapst seynen stand auch unterwerffen dem ackerbuben, und niemant vormessen, das seyn oder eyns andern standt besser sey fur des andernn stand unnd weßen. Unnd eyn iglicher soll frey hallten unnd erleßen, wilcher stand yhm gefellet auff das es alles gleych sey, biß das der herr kompt. Aber wo das solt angehen, wo wollten die heyligen vetter unnd geystlich herrnn essen nehmen? die der erbeytt nicht gewonet unnd yhre narung daher haben, das der gemeyn man yrret unnd yhren stand außßondert und urteyllt fur den besten, ynn tzuvorsicht, er wolle seyn geniessenn, weyl seyn selbs stand nichts sey. Daher denn fließen solch stifften und geben tzu klosternn, capellen, kilchen, unnd ßonderlich tzu den mussigen, lieben beuchen und freßlingen; das wurd alles abgehen, und vorfallen, wo diße lere Sanct Pauls auffkeme.

 

       [1. Kor. 4, b] Vorporgene der finsternisß unnd radt der hertzenn nennet Paulus die tzwey stuck, die man gemeyniglich, wiewol undeuttlich, nennet: wille und vor- [WA s. 146] nunfft; denn der mensch hatt die tzwey stuck ynn seynem ynnwendigisten, das er liebt, will, begerd unnd lust ettwa tzu hatt. Das ander, das er vorstehet, erkennet, richtet, urteyllet. Ich will sie itzt nennen meynung unnd gedancken. Nu ist des menschen meynung unnd gesuch ßo tieff unnd truglich, das niemant ersehen kan, unnd keyn heylige gnugsam erkennet hatt, das Hieremias. 17. [Jer. 17, 9. 10] spricht: des menschen hertz ist boß unnd unerforschlich, wer kanß erforschen? [Ps. 52, 2] Ich der herr, der da nieren unnd hertz erforschet, unnd David Ps. 31: Selig ist der mensch, ßo nitt trug ist ynn seynem geyst. Daher kompts, das viel frum sind unnd grosße werck thun, aber es ist eyn gesuch odder meynung drynnen, damit sie yhren eygen nutz suchen, des sie nymmer gewar werden, dienen gott, nicht lautter umb gottis willen, ßondernn umb ehr, gutt, des hymells odder hellen peyn willenn. Unnd diße falsch meynung kan niemant erfaren, es sey denn, das gott den menschen ube mit vielen unnd schweren [1. Kor. 4, 5] anfechtungen. Darumb nennet hie Sanct Paulus solch meynung: Eyn vorporgenß ym finsternisß, gibt yhm ßo eyn eben, rechten namen, das nit baß mocht genennet werden. Es ist nicht alleyn vorporgen, ßondern auch ym finsternisß, das ist: ym ynnwendigsten, da der mensch selbs nicht sihet, ßondern alleyn got. Sihe, diße sorgliche finster meynung und grund unßers hertzen macht, das wyr mussen uns eyner dem andern unterwerffen und mugen keyn werck noch stand gegen dem andern heben odder wegen; denn diße meynung ist das gantz gewicht und richt aller werck, stend, weßens und lebens, wie [Spr. 16, 2] Salomon sagt Spr. 16. Got ist eyn wagemeyster ubir die geyste. Dieweyl denn nu eyn eheweyb kan eyn guts vorporgenß haben ynn yhrem finsterniß, und eyn iungfraw eyn boßes, ßo ists gar vorkerlich und unchristlich, das ich eyn iungfraw uber eyn ehefraw wolt urteyllen umb der keuscheyt willen, wilche eyn eusserlich ding ist. Gleych alls wenn ich wollt eyer wiegen ynn eyner wage, und wuge sie nach der schalen alleyn, ließ den totter unnd das weyß ausßen.

       Wo nu solch meynung falsch oder gutt ist, da sind auch die gedancken darnach; denn was und wie der mensch meynet oder sucht, ßo trachtet, radschlagt, [1. Kor. 4, 5] dencket er auch darnach; das heysst hie Paulus den rad der hertzen, das ist: die gedancken, damit er umgehet, das er seyner meynung und gesuch [Luk. 1, 51] nachkome. Diße tzwey trifft Maria yn yhrem lobesang alßo: Er hatt tzurstrewet [WA s. 147] die hoffertigen yn der meynung yhrs hertzen; da nennett sie die meynung yhr vorporgens ym finsterniß, yhr gesuch und das hertz yhren rad und [1. Mose 6, 5] trachten. Item Moses nennet sie Genn. 6. alßo: Alle meynung und gedancken [Matth. 6, 22. 23 [!]] des menschen hertzen sind eyttel und boße alletzeytt, unnd Christus Matt. 7. warnet uns vleyssig fur derselbigen falschen meynung und spricht: Das auge ist eyn leuchte des leybs, wo nu deyn auge eynfelltig ist, ßo ist deyn gantzer leyb liecht. Ist aber deyn auge nitt gutt, ßo ist auch deyn gantzer leyb finster, sihe aber tzu, das nit das liecht yn dyr sey eyn finsterniß; denn ßo das liecht finsterniß ist, wie grosß wirt denn das finsterniß selbs seyn? Das ist alles gesagt auff das vorporgen geschefft ynn finsterniß, wilchem schlecht nicht mag geratten werden, denn durch vortzagen an unßern wercken, und durch starken glawben auff lautter gottis gnaden, datzu nichts nutzers ist, denn viel und starcke leyden, mit allerley ungluck, da lernt sich der mensch etlicher maß erkennen, ßonst ists vorloren.

 

Folget das Euange.

 

 

 

 

 

 

      

Am dritten sontag des Advents Euangelium [Matth. 11, 2 –10] Matt. II.

 

1522[WA s. 147]

Da Johannes ym gfengniß horete die werck Christi, sandte er tzween seyner iunger, unnd ließ yhm sagen, Bistu, der do komen soll, oder wartten wyr eynes andern? Und Jhesus anttworttet und sprach tzu yhn: Gehet hynn, und vorkundigt Johannen, was yhr sehet und horet, Die blinden sehen, und die lahmen wandelln, die außsetzigen werden reyn, und die tauben horen, die todten stehen auff, und den armen wirt das Euangelion prediget, und selig ist, der sich nit ergert an myr. Da sie aber hynngiengen, hub an Jhesus tzu sagenn von Johanne tzu dem volck, Was seytt yhr hynaußgangen ynn die wuesten tzu sehen? Wolltet yhr sehen eyn rohr, das der wind hynn und her webd? Oder was seytt yhr hynaußgangen tzu sehen? Woltet yhr sehen eynen menschen, mit weychem kleyd anthan? Sehet, die da weych kleyder tragen, sind ynn der konige heußer, odder was seytt yhr hynaußgangen tzu [WA s. 148] sehen? Wolltet yhr eynen propheten sehen? ia ich sage euch, der mehr ist denn eyn prophet, Er ists, von dem geschrieben ist: Sihe da, ich sende meynen engel fur deynem angesicht, der soll bereytten deynen weg fur dyr.

 

Das meyste, das ich finde uber dißem Euangelio gehandellt, ist das, ob Sant Johannes nit habe gewist, das Jhesus der rechte Christus were, wiewol es eyn unnottige frage ist, da nicht viel angelegen. Sanct Ambrosius meynet, er hab nicht auß unwissen odder tzweyffell, ßondern auß Christlicher meynung fragt. Hierony. und Grego. schreyben, er habe fragt, ob er auch [WA s. 149] ynn die helle solle seyn vorlauffer seyn, wilche meynung am wenigsten grund hatt, denn der text spricht klerlich: Bistu, der da komen soll, odder wartten wyr eynß andernn, wilchs wartten lauts der wort von seyner zukunfft auff erden auff das Judisch volck sich tzeucht; sonst solt er sagen: oder wartten die ynn der helle auff dich. Auch weyl Christus mit seynen wercken anttworttet, das er komen sey ists gewiß, das Johannes von der leyplichen tzukunfft gefraget habe, dieweyll sie Christus selbs alßo verstehet und auch drauff anttworttet, wiewol ich nicht leugne, das Christus auch ynn die helle kommen sey, wie wyr ym glawben beten.

       Szo ists gewiß, das Johannes wol wiste, das Jhesus were, der do komen [Joh. 1, 29 ff., Matth. 3, 13 ff., Mark. 1, 9 ff., Luk. 3, 21 ff.] sollt, denn er hatte yhn tauffet und betzeuget, das er das lamb gotis were, der die sund der welt truge, hatte auch gesehen den heyligen geyst ynn eyner tawben gestallt auff yhn komen, und die stym vom hymell gehoret: Diß ist meyn lieber ßon, ynn dem ich wolgefallen habe, wie das alles die Euangelisten alle vier reychlich beschreyben. Warumb hat er denn diße frage than? Anttwort: Es ist freylich nitt on nottige ursach geschehen. Zum ersten, ists gewiß, das Johannes umb seyner iunger willen fragen lesset. Denn dieselbigen hielten Christum noch nicht, dafur er tzu halten war. Und Johannes war nicht darumb komen, das er yhm selbs die iunger und das volck tzutzoge, ßondern Christo den weg bereyttet, und yderman tzu Christo furet und yhm unterthan [Joh. 1, 29. 36; 3, 30] mecht. Nu hatten Johannes iunger viel herlicher tzeugniß ubir Christum von yhm gehoret, wie er das lamb gottis und gottis ßon were, unnd wie Christus muste groß werden, er aber muste kleyner werden. Dem allen glewbten seyne iunger und das volck noch nicht, odder kundenß yhe nicht verstehen, ßondern sie selb und yderman hielten viel von Johannes selbs, und nichts von Christo; darumb hiengen sie hartt an Johannes, alßo auch, das sie umb seynen willen eyfferten und unwillig worden auff Christum, da sie sahen, das er [Joh. 3, 25 ff.] auch tauffet und iunger auffnahm, unnd das volck an sich tzoch, und klagten dasselb Johanni, als die da sorgten, yhr meyster wurde geringe werden, wie das Johan. 3. beschreybet.

[WA s. 150]

       Zu solchem wahn bewegeten sie dieße tzwo ursach: Die erste, das Christus noch nit beruffen war bey den leutten denn alleyn von Johannes. Er hatte auch noch keyn tzeychen than, unnd war niemandt ym ansehenn, denn alleyne Johannes; drumb war es yhn gar seltzam, das er sie und yderman von sich tzum andern weyßet, ßo doch nichts anders furhanden war, denn er selbs, das eyn namen und ansehen hette. Die ander, das Christus ßo gar schlecht, eynfelltig dahergieng, Eynes ar-men tzymmermanß unnd eyner armen wittwe ßon, datzu nitt vom priesterstand odder auß den gelerten, ßondern eyn leye und gemeyner handwercksgesell. Er hatte nie nichts gelernet, war ym tzymmerhandwerck, wie eyn ander leye, auffertzogen, das sichs doch gar nicht reymen wolt, solch hohe herliche tzeugniß Johannis und der schlechte leye und handwercksgeselle Jhesus. Darumb ob sie wol glewbten, Johannes sagete die warheyt, dochten sie doch: villeycht wirts eyn ander seyn, denn dißer Jhesus, und wartten auff eynen, der hoch eyner drabete, als eyn hoch gelerter ubirster priester, oder mechtiger konig. Und Johannes kund sie auß solchem wahn mit seynen wortten nicht heben, sie blieben an yhm hangen, und hielten Jhesum viel geringer, wartteten doch yndes auff den herlichen eyntzog des grossen mannes, davon Johannes sagete. Und wo es Jhesus yhe seyn solt, must er sich anders tzur sache stellen, hengst satteln und die gelen sporn anlegen, und hereynplatzen, als eyn herr unnd konig von Israel, wie vortzeytten die konige than hatten; ßo lang er das nicht thett, wolten sie an Johanne bleyben.

       Da aber Jhesus anhub zu wundern und ynß geschrey kam, da dacht Johannes, er wolt seyne iunger nu wol von sich weyßen und zu Christo bringen, auff das sie nicht nach seynem tod, eyn erbsecten auffrichten, und Johanniter wurden, ßondern alle an Christum hiengen und Christen wurden, und send sie hyn, das sie hynfurt nicht an seynem zeugniß alleyn, ßondern an Christus wortten und wercken selbs erlernten, das er der recht man were, davon Johannes hatte gesagt. Denn seyne werck und eyntzog solt nicht gewarttet werden mit drummen und pasaunen und desgleychen welltlichen prangenß, ßondernn ynn geystlicher krafft und gnade, damit nicht die pflaster [WA s. 151] und teppich beritten und betretten wurden, sondern davon die todten lebend, die blinden sehend, die tawben horend, und allerley ubells, leyplich und geystlich, vortrieben wurde. Das sollt der pracht und eyntzog dißes konigs seyn, wilcher thatten nicht die geringst thun kundten alle konige, alle gelerten und alle reychen der gantzen welt: das will nu der text.

 

[Matth. 11, 2.] Da Johannes ym gefenckniß horett die werck Christi, sandte er tzween seyner iunger, und ließ yhm sagen: Bistu, der da komen soll, oder wartten wyr auff eynen andern?

Als solt er sagen tzu seynen iungern: da horet yhr seyne werck, der ich nie keynß than habe, noch keyner fur yhm, gehet nu selber hyn, und fraget yhn, ob erß sey oder nicht, thutt nu ab den groben yrdisschen wahn, das [Joh. 3, 30] yhr meynet, er werd auff hengsten und mit korissen eynreytten. Er hebt an groß tzu werden, ich muß nu kleyner werden, meyn weßen muß auffhoren, und seynes angehen, yhr musset von myr lassen, und nu an yhm hangen. Wie nodt aber das sey geweßen, das er seyne iunger von sich tzu Christo weyßet, ist leychtlich tzu mercken; denn was were yhn damit geholffen, das sie thausentmal Johannes heylickeyt gefolget und Christum nicht erlanget hetten? Ausßer Christo ist keyn hulff noch rad, wie heylig die menschen ymer seyn mugen, gleychwie auch izt, was hulffs die munch und nonnen, das sie S. Benedict, Bernhard, Franciscus, Dominicus, Augustinus regel hallten und folgen, wo sie nicht den eynigen Christum alleyn ergreyffen, und auch yhren Johannem vorlassen? Alle Benedicter, carthußer, barfusser, prediger, Augustiner, carmeliten, alle munch und nonnen sind gewißlich vorloren, und alleyne die [Matth. 11, 12] Christen selig, was nicht Christen ist, den hilfft auch Johannes der teuffer nicht, der doch ist der grossist heylige fur allen, wie der herr sagt? Doch gehet Johannes sanfft mit yhn umb, duldet yhren schwachen glawben, biß das sie starck werden, furwirfft sie nicht drumb, ob sie yhm nit ßo festiglich glawben. Alßo muß man auch thun den gewissen, die ynn heyliger menschen exempel unnd regelln ausser Christo gefangen sind, biß man sie eraußbringe.

[WA s. 152]

 

 

[Matth. 11, 4 –6] Und Jhesus anttwort unnd sprach tzu yhn: Gehet hynn und vorkundigt Johannen, was yhr sehet und horet: Die blinden sehen, die lahmen wandeln, die außsetzigen werden reyn, die tauben horen, die todten stehen auff, den armen wirt das Euangelion predigt, unnd selig ist, der, sich nicht ergert an myr.

Christus anttwort Johanni auch umb der iunger willen, er anttwort aber tzwiffalltig, tzuerst mit wercken, tzum andern mit wortten; [Joh. 10, 24] alßo thutt auch Joh. 10, da yhn die Juden ym tempel umbringeten und fragten: Bistu Christus, ßo sagis uns offenbar. Er aber weyßet tzu den [Joh. 10, 25] wercken und sprach: Ich predige euch, und yhr glewbt nicht, die werck, die ich [Joh. 14, 11] thue yn meynes vaters name, tzeugen von myr. Item: wollt yhr myr nicht glewben, ßo glewbt doch den wercken. Alßo auch hie tzeygt er yhn tzuerst die [Matth. 11, 6] werck, darnach auch die wort, da er spricht: Selig ist, der sich nicht ergert an myr, mitt wilchen wortten er nicht alleyn bekennet, das erß sey, ßondern auch warnet fur ergerniß. Wenn erß nicht were, ßo were der nicht selig, der sich an yhm nicht ergert, denn man kan aller heyligen geratten, Christus alleyn kan man nicht geratten, keyn heylig hilfft, alleyn Christus hilfft.

       Das anttwort aber durch die werck ist gewisßer; tzuerst darumb, das solche werck widder Johannes noch yemandt than hatte tzuvor. Zum andern, das sie tzuvor ynn den propheten vorkundiget waren; darumb da sie sahen, das es gienge, wie die propheten gesagt hatten, kundten und solten sie gewiss [Jes. 61, 1. 2] seyn. Denn alßo hatt Isaia. 61. davon gesagt : Der geyst des herrn ruget auff myr, daher hatt er mich gesalbet, tzu predigenn das Euangelium den armen hatt er mich gesandt, tzu heylen die tzurbrochen hertzen, zu predigen den gefangenen die erledigung, und den blinden das gesicht, tzu predigen das angenehme iar des herren. Inndem er spricht: Er hatt mich gesalbet, vorstehet er, das er Christus sey, und Christus solle solchs thun, und wer solchs thett, der soll Christus seyn. Denn Christus auff kriechisch, heysst Messia auff hebreisch, unctus auff latinisch, und gesalbeter auff deutsch, und die konige und priester pflegt man zu salben tzum konigreych und priesterthum. Aber [WA s. 153] [Jes. 61, 1. 2] dißen gesalbeten konig unnd priester, spricht hie Isaias, sollt gott selber salben, nicht mit tzeyttlichem oele ßondern mit dem heyligen geyst, der auff yhm ruget, als er hie spricht: der geyst des herrn ruget auff myr, daher und das ist meyne salbe, damit er mich gesalbet hat. Szo prediget er ia das Euangelium, macht blinden sehend, heylet allerley kranckheyt, und prediget das genehme [Jes. 35, 4. 5. 6] iar, die tzeytt der gnaden &c.. Item Isaia. 392 : Sehet, unßer gott wirt selber komen und uns selig machen; als dann werden offnet werden die augen der blinden, und offen seyn die oren der tawben. Als dann wirt springen der lame wie eyn hirß, und loß werden die tzunge der stummen &c.. Wenn sie nu die schrifft gegen diße werck und die werck gegen die schrifft hielten, kundten sie Johannes tzeugniß an Christo erkennen, das er der recht [Luk. 7,21] man seyn muste. Und Lucas .7. schreybt, das Christus zu der stunde, da Johannes iunger yhn frageten, viel gesund machet von yhren kranckheytten unnd plagen unnd geystern, unnd vielen blinden das gesicht schenckt.

       [Matth. 7, 16] Wyr mussen aber hie das trew exempel wol tzu hertzen nemen, das Christus sich auff seyne werck berufft und will den bawm an den fruechten zurkennen geben, damit er furkomen ist allen falschen lerern, Bapst, Bisschoff, pfaffen und munchen, die tzukunfftig seyn sollten, und unter seynem namen komen und sagen: wyr sind Christen, gleych wie der Bapst sich rhumet, er sey Christus statthalter. Denn hie haben wyr, das, wo nicht die werck sind, da ist auch Christus nicht; Christus ist eyn lebend, thettig, fruchtbar weßen, das ruget nicht, es wirckt on unterlaß, wo es ist; darumb die Bisschoff unnd lerer, die nicht Christus werck furen, sollen wyr hallten unnd meyden, wie die wolffe. Sprechen sie aber: ia, es ist nit nodt, das eyn iglicher diße werck Christi thue, wie konnen auch alle heyligen blinden sehend, die lahmen gehend und ander Christus gleyche wunder thun? Antwort: Christus hatt auch ander werck than, als gedullt, liebe, frid, senffte, und dergleychen, die yderman thun solle. Thue dieselben, ßo wollen wyr Christum auch noch an seynen wercken kennen.

       [Matth. 23, 2. 3] Hie sagen sie aber, Christus spricht Matt. 23: Die schrifftgelerten und phariseer sitzen auff dem stuel Mosi, was sie euch sagen tzu hallten, das haltet, und thutts, aber noch yhren wercken thutt nicht, denn sie sagenß, und thunß aber nicht &c.. Hie hatt Christus gepotten, man soll die lere, nicht das leben [WA s. 154] ansehen. Anttwort: was hore ich? Seytt yhr nu phariseer und gleyßner worden? und bekennet das selber? wenn wyrß von euch sagten, solt yhr wol zurnen. Wolan, ßo yhr denn diße gleyßner seyt, und nempt euch dißer wortt an, ßo must yhr auch leydenn alle ander wortt, die Christus widder die phariseer saget. Doch dieweyll mit dießem spruch Christi sie sich schutzen und den eynfelltigen das maul stopffen, wollen wyr yhn baß ansehen, denn auch die Christmorder ym Costnitzer concili Johannem Huß damit antasteten, und meynen gleych, sie haben darynnen freyhet yhrer tyranney, das niemant soll yhrer lere widderstreben.

       Darumb ist tzu mercken, das leren auch eyn werck ist, iha das furnhemist werck Christi; denn hie unter seynen wercken tzelet er auch, das den armen [Matth. 11, 5] das Euangelium predigt wirtt; darumb, gleych wie die tyrannen an den wercken, alßo auch an der lere tzurkennen sind. Wo Christus ist, da wirtt das Euangelion gewißlich predigt, wo es nicht predigt wirt, da ist Christus nicht. Auff das wyr nu unßern phariseer tzulassen, das nicht yhr leben, ßondern yhr lere sey tzu hallten, Wolan, ßo last sie doch leren, wollen yhn [Matth. 23, 3] das leben gerne vorschonen. Aber nu sind sie viel erger denn die phariseer, wilche doch sageten die lere Mosi, wiewol sie es nicht thatten. Aber unßer klotze, das sind gotzen, da ist widder thun noch lassen, widder leben noch leren, sie sitzen auff Christus stuel, unnd leren yhre eygen lugen, schweygen das Euangelion; darumb kan sie dißer spruch Christi nicht schutzen, sie mussen [Joh. 10, 8] wolff und morder seyn, wie sie Christus nennet Johan. 10.

       [Matth. 23, 3. 4] Alßo will hie Christus, sie solten die phariseer horen, doch nit weytter, denn auff Moses stuel, das ist: wenn sie Moses gesetz, gotis gepott lereten; denn am selben ortt, da er verpeut nach yhren wercken tzu thun, tzelet er auch yhre lere unter yhr werck und spricht: Sie binden tzusammen schwere unnd untregliche last, und legen sie auff der menschen helsße, und wollen sie nit mit eynem finger regen. Sihe da, yhre untregliche lere will er auch verpotten habenn tzu fodderst unter yhren wercken, als das furnehmst, das endlich [Matth. 23, 3] die meynung dißes spruchs die ist: Alles, was sie auß Mose sagen, das halltet und thut, aber was sie ßonst leren und thun, das halltet nicht. Wie viel mehr sollen wyr unßer phariseer nur horen auff Christus stuel, wenn sie den armen das Euangelion predigen, und nicht horen noch hallten, was sie ßonst leren und thun.

[WA s. 155]

       Alßo sihestu, wie feyn die ungehoffelten papisten dißen spruch tzum grund yhrer lere, luegen und gewalt gelegt haben, ßo keyn spruch stercker wider [Matth, 23. 3] sie ist und yhre lere hoher vordampt; denn Christus wort stehen klar und fest: Nach yhren wercken thutt nicht, yhr lere aber ist yhr werck unnd nicht auß gott: Sie sind eyn volck nur tzu liegen und schrifft tzu felschen erhaben. Auch wo das leben nicht gut ist, ists dennoch seltzam, das eyner recht predige, er muß yhe ymer widder sich selbs predigen, wilchs er schwerlich thutt, on tzusatz und nebenleren. Und summa summarum: wer nicht das Euangelion prediget, den soltu wissen, das er widder auff Moses noch Christus stul sitze; darumb soltu widder noch seynen wortten noch seynen wercken thun, ßondern fliehen [Joh. 10, 3 –5] noch der artt der schaff Christi Joh. 10: Meyne schaff horen meyne stymm, aber der frembden stymm horen sie nicht, ßondernn fliehen von yhn. Willtu [Ps. 1, 1] wissen aber, wie yhr stul heysset, ßo hore tzu, David Ps. 1. Selig ist der man, der nicht wandellt ym rad der gottloßen unnd nicht stehet ym wege der sunder, [Ps. 94, 20] und nicht sitzet auff dem stuel der gifft, unnd Ps. 93. Wirstu auch mitgenosß seyn des stuels der boßheytt? wilcher da erfindet beschwerung mit satzungen.

      

[Gesetz und Euangelion]

[Matth. 11, 5] Was ist aber das? da er spricht: den armen wirt das Euangelion predigt? wirtts nicht auch den reychen und aller welt predigt? odder wie ist das Euangelion ßo eyn groß ding, das erß fur eyn ßo grosße wolthatt ertzelet? syntemal yhm doch ßo viel leutt feynd sind. Hie mussen wyr wissen, was das Euangelion sey, wyr kunden sonst dißen ortt nicht vorstehen; darumb ist wol und mit vleyß tzu mercken, das gott tzweyerley wortt oder predigt ynn die wellt hatt von anbegynn alltzeyt gesandt: Gesetz und Euangelion, diße tzwo prediget mustu wol unterscheyden und erkennen. Denn ich sage dyr, das ausßer der schrifft bißher keyn buch yhe geschrieben ist, auch von keynem heyligen, das furhanden sey, darynn diße tzwo predigt recht unterschiedlich weren gehandellt, do doch grosse macht an ligt tzu wissen.

 

Das gesetz

Das gesetz ist das wortt, darynn uns gott leret unnd foddert, was wyr thun und lassen sollen, als da sind die tzehen gepott; wo nu die natur alleyn ist, on gottis gnade, da ist das gesetz unmuglich zu halten, auß der ursach, das der mensch nach Adamß fall [WA s. 156] ym paradiß vorterbet ist, und eyttel boße lust hatt tzu sundigen, und kan nicht auß hertzengrund dem gesetz hold seyn, wie wyr das alles ynn uns selbs erfaren; denn niemandt ist, der nicht lieber wolt, das keyn gesetz were. Und yderman findet und fulet bey sich selbs, das es schweer ist, frum tzu seyn unnd wollthun, Widerumb, leycht, boß tzu seyn und ubel thun, unnd solche schweer oder unwille tzum guten macht, das wyr gotis gesetz nicht hallten, denn was mit unlust, schweer und unwillen wirt gehalten, das ist fur gott gleych, als nicht gehalten. Und alßo ubirwind uns das gesetz gottis durch unßer eygen erfarung, das wyr naturlich boße, ungehorsam und liebhaber der sunden und feynd gottis gesetzen sind.

       Auß solchem allen musß nu folgen der tzweyer eynß, vormessenheyt odder vortzweyfflung; die vormessenheyt folget alsdenn, wenn der mensch das gesetz fur sich nympt tzu vollnbringen mit wercken, ubet sich fast drynnen, das er [2. Mose 20, 2 ff.] thu, wie die wort lautten. Er dienet gott, schweeret nicht, ehret vatter und mutter, todtet nicht, ehebricht nicht und dergleychen. Aber yndes nympt er seynes hertzen nicht war, sihet nicht an, auß waßer meynung er alßo feyn wol lebet, deckt den allten schalck ym hertzen mitt solchem schonen leben; denn wo er sich recht ym hertzen ansehe, wurde er befinden, wie er solchs alles mit unlust und tzwanck thutt, das er sich fur der helle furcht, odder den hymell sucht, wo er nicht auch viel geringer sucht, nemlich die ehre, gutt, gesundheyt, und furcht der schande odder schaden oder plagen. Kurtzlich, er muste bekennen, das er lieber anders wolt leben, wo nicht die folge yheniß lebens yhn erhielte; denn bloß lautter umbs gesetzs willen thett erß nicht. Weyl er aber solchs boßen grunds nicht gewar wirt, gehet er sicher dahyn, sihet auff die werck alleyn, nicht ynß hertz, vormisset sich, er hallte gottis gesetz wol, und bleybt alßo Moses angesicht fur yhm tzugedeckt, das ist: er erkennet des gesetzs meynung nicht, nemlich, das es will mit frolichem, freyem, lustigen, willen erfullet seyn. Gleych, als wenn du eynen unkeuschen fragist, warumb er das werck thu, ßo kan er nicht anders antwortten, denn: umb der lust willen, die er ym werck hatt, denn er thuts wider umb lohnß noch straff willen, denckt nichts damit tzurwerben, auch keynem ubel damit tzu empflihen. Solche lust will das gesetz auch ynn uns haben, das, wenn du eynen keuschen fragist, warumb er keusch sey, soll er sagen: nicht umbs hymels noch der helle willen, nicht umb ehre noch schande willen, ßondern umb des willen alleyne, das michs tzumal feyn dunckt, und gefellet myr hertzlich wol, obs gleych nicht gepotten were. Sihe, eyn solch hertz hatt gottis gesetz lieb und thutts mit lust, [WA s. 157] solche menschen lieben gott und die gerechtickeyt, furchten und hassen nichts denn die ungerechtigkeyt, aber keyn mensch ist von natur alßo gearttet. Jhene aber lieben den lohn und genieß, furchten und hassen die straff unnd peyn; darumb hassen sie auch gott und die gerechtickeyt, haben lieb sich selb und die ungerechtickeyt. Das sind heuchler, gleyßner, falscher, lugener, und eytteler. Der art sind alle menschen außer der gnaden, tzuvor aber die werckheyligen; [Ps. 116, 11] darumb spricht und schleusst auch die schrifft: Alle menschen sind lugener Ps. 115. [Ps. 39, 6. 12; Ps. 14, 3] und aber mal Ps. 38. : Alle menschen sind gantz eyttel, und Ps. 134 : Es ist keyner der guttis thue unter der menschen kindern.

       Die vortzweyfflung aber folget alsdenn, wenn der mensch solchs seynes grunds gewar wirt, unnd erkennet, das yhm unmuglich ist gottis gesetz lieben; denn er findet nichts guttis ynn yhm, ßondern eyttel hasß tzum guten und lust tzum boßen, da erkennet er, das mit wercken dem gesetz nicht mag gnug geschehen, drumb vortzagt er an den wercken, und acht yhr nicht. Liebe solt er haben, der find er nicht, und kan sie von und auß yhm selb nicht haben, da muß denn seyn eyn armer, elender, gedemutigeter geyst,den seyn gewissen durchs gesetze dringt unnd engstet, gepeut und foddert, des er nicht eyn heller tzubetzalen hatt. Dißen menschen ist das gesetz alleyne nutzlich, denn es ist drumb geben, das solch erkentnisß und demutickeyt wircken soll, das ist seyn eygentlich werck, diße vorstehen feyn der heuchler und falschen heyligen werck, das es eyttel liegen und triegen sey. An dißem ort war David, da er sprach [Ps. 116, 11] Ps. 1155 : Ich saget ynn meynem entsetzen: Alle menschen sind lugener. Daher [Röm. 8, 2] nennet S. Paulus das gesetz Eyn gesetze des todts Rom. 8. und eyn krafft der [1. Kor. 15, 56; 2. Kor. 3, 6 [!]] sund. 1. Cor. 15. und 2. Corin. 4. spricht er: Der buchstab todtet, aber der geyst macht lebendig. Das ist alles ßo viel gesagt, wenn das gesetz und natur recht auff eynander treffen unnd eynander ken-nen, ßo find sich aller erst das gewissen und die sunde; da sihet der mensch, wie tieff er boße sey ym hertzen, wie groß seyn sund seyn, auch darynnen, das er tzuvor gutt werck und nicht sunde hatte gehalten. Szo muß er selbs urteylen, das er auß yhm selbs nicht anders, denn eyn kind des todts, tzornß, und der hellen sey; da ist denn tzittern und erschrecken, da fellet abe alle vormessenheytt, gehet eyn eyttel furcht und vortzagung, da wirt der mensch tzurschlagen, tzunicht und aller dinge recht demutig. Weyl nu das alles alleyn das gesetz wirckt, spricht [WA s. 158] [Röm. 8, 2; 2. Kor. 3, 6] Paulus wol, es sey eyn gesetz des todts, und eyn buchstabe, der do tode, und [1. Kor. 15, 56; Röm. 4, 15] eyn gesetz, das die sund krefftig mache und den tzorn wircke, Rom. 4; denn es gibt und hilfft nicht, foddert nur und treybt und tzeygt uns alßo unßern iamer und vorterben.

 

Das Euangelion.

Das ander wortt gottis ist nicht gesetz noch gepott, foddert auch nichts von uns, ßondern wenn solchs durchs erste wortt des geseczs geschehen, und der elend iamer und armut ym hertzen zugericht ist, ßo kompt er denn, und beutt an seyn lieblich, lebendig wort, und vorspricht, zusagt und vorpflicht sich, gnade und hulff zu geben, damit wyr auß solchem iamer komen sollen, und alle sund nicht alleyn vorgeben, ßondern auch vortilget, datzu lieb und lust zurfuellung des gesetzs geben seyn sollen. Sihe, solch gottlich tzusagung seyner gnade unnd vorgebung der sund heysst eygentlich Euangeli. Und ich sage noch eyn mal und abermal, das du Euangeli ia nichts anders vorstehist, denn: gottliche zusagung seyner gnade und vorgebung der sunde. Denn daher ists geschehen, das dißher S. Paulus Epistel nicht vorstanden, auch unmuglich zuvorstehen sind, weyl sie nit wissen, was eygentlich gesecz und Euangelion heysset. Denn sie halten Christum fur eynen geseczmacher, unnd das Euangelion fur eyttel lere newer gesecz, das ist nicht anders, denn das Euangelion zuschliessenn, unnd aller dinge vorbergen. Denn Euangelion ist kriechisch und heysst auff deutsch: eyn frolich botschafft, darumb das darynnen vorkundigt wirt die heylsame lere des lebens von gotlicher zusagungen, und angepotten wirt gnade und vorgebung der sunde; drumb horet zum Euangelio nit werck, denn es ist nicht gesetze, ßondern alleyn glawbe, denn es ist eyttel blosßes tzusagen unnd anbieten gottlicher gnaden. Wer nu dran glewbt, der empfehet die gnade und den heyligen geyst, davon wirt denn das hertz frolich und lustig ynn gott, und thutt alsdenn das gesetz freywillig umbsonst, on furcht der straff unnd on gesuch des lohnß; denn es hatt an der gnade gottis satt und gnug, dadurch dem gesetz ist gnug geschehen.

       Solche tzusagung aber sind alle auff Christum gestellet, von anfang der welt, das gott niemant solch gnade anders tzusagt, denn yn Christum und durch Christum. Christus ist der bott gottlicher tzusagung an die gantzen welt. Darumb ist er auch komen und hatt sie lassen außgehen durchs Euangeli ynn alle wellt, hatt sie aber zuvor altzeyt durch die propheten vorkundigt, darumb ists nichts, das yemandt, wie die Juden, wollten ausßer Christo gottlicher [WA s. 159] tzusagung wartten. Es ist alles yn Christum getzogen und beschlossen; wer den nicht horet, der horet keyn tzusagung gottis, denn gleych wie er keyn gesetz ausßer Moses gesetz und der propheten schrifft erkennet, ßo gibt er auch keyn tzusagung denn durch Christum alleyne.

       Mochtestu aber sagen: sind doch ynn den Euangelien und Epistelln Pauli viel gesetz: Widderumb ynn Moses und propheten bucher viel tzusagung gotis? Antwort: Es ist keyn buch ynn der Biblien, darynnen sie nicht beyderley sind, gott hatt sie alwege beyeynander gesetzt, beyde, gesetz und tzusagung. Denn er leret durchs gesetz, was tzu thun ist, und durch die tzusagung, wo manß nemen soll. Das aber das newe testament furnemlich Euangelion genent wirtt fur andern buchern, geschicht darumb, das es nach Christus tzukunfft geschrieben ist, wilcher die gottliche tzusagung erfullet, bracht und offentlich durch mundlich predigt außbreyttet hatt, wilche tzuvor vorporgen war ynn der schrifft. Darumb bleyb du auff dießer unterscheyd, und wilcherley buch dyr furkompt, es sey allt odder new testament, das ließ mit solchem unterscheydt, das du auffmerckist, wo tzusagunge sind, da ist dasselb buch eyn Euangelionbuch, wo gepott stehen, da ists eyn gesetzbuch. Weyl aber ym newen testament die tzusagung mit hauffen stehen, und ym allten die gesetz mit hauffen, nennet man eynß Euangelion, das ander gesetzbuch.

       [Matth. 11, 5] Nu komen wyr widder auff den text: Den armen wirt das Euangelion predigt; auß obgesagtem ists nu leychtlich zuvorstehen, das unter allen wercken Christi keyn grossers ist, denn das den armen das Euangelion predigt wirt, dieweyl es nit anders denn ßo viel ist gesagt: Den armen wirt vorkundigt gottliche tzusagung aller gnaden und trost ynn Christo und durch Christo angeboten und furgelegt, das, wer da glewbt, dem sollen alle sund vorgeben, das gesetz erfullet, das gewissen erlost, und endlich ewigs leben geschenckt seyn; was mocht eyn arm; elend hertz, und bekummert gewissen, frolichers horen? Wie kund eyn hertz trotziger und mutiger werden, denn von solchen trostlichen reychen wortten und tzusagungen? Sund, todt, hell, welt und teuffel, und alles ubel ist voracht, wenn eyn arm hertz solchen trost gottlicher [Matth. 11, 5] tzusagung empfehet und glewbt. Blinden sehend machen, und todten auffwecken, ist gar eyn schlechts ding gegen dem Euangelio den armen vorkundiget; drumb setzt erß tzuletzt, als das aller grossist und bestes unter dißen wercken.

       [Matth. 11, 5] Aber das ist tzu mercken, das er spricht, das Euangelion wirt nicht prediget denn alleyn den armen, damit er on tzweyffel will, es sey eyn predigt nur fur die armen, denn es ist yhe der gantzen wellt predigt, und Marci. vlt. spricht [WA s. 160] [Mark. 16, 15] er: Gehet hyn ynn alle wellt, und predigt das Euangelion aller creaturn. [Matth. 5, 3] Szo sind diße armen gewißlich nicht die bettler und leyplichen armen, ßondern die geyst armen, das sind: die nicht begeren, noch liebhaben die gutter, ia viel mehr, die tzurschlagene, arme hertzen, die durch qual yhrer gewissen nach hulff und trost ßo fast vorlangen und sich sehnen, das sie widder tzeytlich gut noch ehre begeren; yhn ist mit nichten geholffen, denn wo sie nur eynen gnedigen got haben mochten. Da ist recht geystlich armut, das sind sie, den solche predigt eben ist und ynß hertz schmeckt, den ists, als ob sie auß der helle und vom todt erloßet weren. Darumb, ob das Euangelion wol von aller wellt gehoret wirt, ßo wirts doch nicht angenommen, denn alleyne von solchen armen. Ubir das, ßo lest sichs auch predigen und vorkundigen fur aller wellt, wie es sey eyn predigt nur fur die armen, unnd es muge keyn reycher fassen, ßondern wer es fassen wolle, der musse tzuvor arm werden. Gleych wie Christus [Matth. 9, 13] Matt. 9. spricht: Er sey nicht komen zu beruffen denn nur die ßunder, ßo er doch aller welt rieff. Aber seyn ruff war der artt, das er nur von sundern mocht angenommen werden, unnd sollten alle sunder werden die er berieff; das wolten sie nicht thun. Alßo auch solten sie alle arm werden, die das Euangelion horeten, auff das sie des fehig wurden, aber sie wollten nicht, drumb ists alleyn bey den armen blieben. Alßo auch wirtt fur aller welt gotis gnaden predigt den demutigen, auff das sie alle demutig wurden, aber sie wollten nicht.

       Szo sihestu nu, wer die grossten seynd des Euangelion sind, nemlich die werckheyligen, die sich vormessen, wie droben gesagt ist, denn mit denselbigen kan das Euangelion gar nicht eyniß seyn, sie wollen reych von wercken seyn, ßo wil Euangelion, sie sollen arm seyn, ßo weychen sie nicht, ßo kan das Euangelion nicht weychen, es ist gottis unvorgencklich wort. Szo lauffen sie [Matth. 21, 44 [!]] auffeynander und stossen sich, wie Christus sagt Matt. 22: Wer auff dießen steyn fellet, der wirt tzubrechen, auff wilchen er aber fellet, den wirt er tzustossen tzu pulver. Widderumb sie vordamnen das Euangelion fur yrthum und ketzerey, und gehet, wie wyr sehen teglich, und von anfang der wellt er- [WA s. 161] gangen, das tzwisschen dem Euangelio unnd den werckheyligen keyn fride, keyn gnade, keyne suene ist, aber darunter musß sich Christus lassen creutzigen, denn er und die seynen mussen sich stecken ynn diße klemme, tzwisschen das Euangelion unnd die werck, und wirt alßo tzudruckt unnd tzumalet, wie der weytze tzwisschen beyden mulsteynen, der unter steyn ist das stille, fridlich, und unbeweglich Euangelion, der ubir steyn die werck und yhre meyster, die toben und wueten.

       Mit dißem allem begegnet er mechtiglich yhrem fleyschlichen und yrdischen synn, den sie von Christus tzukunfft hatten; sie dochten, das der grosse konig, [Matth. 3, 11; Mark. 1, 7; Luk. 3, 16] davon Johannes ßo hoch predigt, er sey nit wirdig seyne schuch aufftzuloßen, wurde mit solcher pracht eynherfaren, das alles eyttel gollt und kostliche tzier seyn wurde, und gleych die gassen mit perlen unnd seyden pflastert seyn musten; da sie nu yhre augen ßo hoch trugen und auff solche pracht wartten, reysset sie Christus ernydder, und helt yhn fur blinden, lamen, tawben, todten, stummen, armen, und nur alles, was solcher pracht auffs aller eusserst widder ist, und lest sich finden ynn solcher gestalt, darynnen niemandt suchte [Matth. 3, 11; Mark. 1, 7; Luk. 3, 16] eyn spitalknecht, schweyge eynen solchen konig, des der grosße man Johannes nicht wirdig ist, auch seyne schuch aufftzuloßen. Als solt er nu tzu yhn sagen: last faren ewr hoch gesicht, sehet nicht an meyn person und gestallt, ßondern die werck, die ich thu. Weltlich herrn, dieweyl sie mit gewalt hirschen, mussen sie reyche, hohe, gesunde, starcke, kluge, geschickte leutt umb sich haben, mit den mussen sie umbgehen, bedurffen yhr auch woll, denn on solche leutt kan yhr reych nicht bestehen, darumb kunden sie der blinden, lamen, tawben, stummen, todten, außsetzigen und armen gar nichts gewartten. Aber meyn reych, weyll das nicht nutz von andern sucht, ßondern nur nutz gibt, und yn yhm selber gnug hatt und niemants darff, darumb kan ich nit umb mich leyden, die schon gnug haben, gesund, reych, starck, reyn, lebend, frum und allerdinge geschickt sind, denn solchen byn ich keyn nutz, sie kunden nichts von myr haben, ia sie weren myr eyn schande. Dieweyl es dafur angesehen wurde, ich durfft yhr und hette genieß von yhn, wie die welltherrn von yhren unterthan haben; darumb muß ich mich anders stellen, und tzu den mich hallten, die meyn geniessen konden, muß mit blinden, lahmen, stummen und allerley gebrechlichen umbgehen; das foddert die art und natur meynes reychs, darumb auch mich alßo muß halten, das solch leutt umb mich seyn kunden. [WA s. 162]

       Darauff folget nu recht das wortt: Selig ist, der sich nicht ergert an myr; warumb das? darumb, das die tzwey ßo gar weyt von eynander scheyneten, Christus vorachtlich geperde, und das herliche tzeugniß Johannis, die tzwey vormocht die natur nicht zusammen reymen. Nu stund die gantz schrifft auff Christum, und war ferlich, seyn tzu feylen, ßo sprach die natur : sollt dißer der Christ seyn, davon alle schrifft saget? Sollt der seyn, des Johannes sich nit wirdig dunckt die schuch aufftzuloßen, ßo ich yhn kaum wirdig achte, das er meyne schuch wisschen solt? darumb ists warlich alßo, das grosse gnade ist, sich an Christo nit ergern, und ist hie keyn radt noch hulffe mehr, denn das man auff die werck sehe, und halte die gegen die schrifft, sonst ists nit muglich tzu weren dem ergernisße, die form, die gestalt, die geperden, sind tzu nyddrig unnd alltzu vorechtlich.

       [Matth. 11, 6] Hie merck aber, das tzweyerley ergerniß ist: Eyn ergerniß der lere und eyn ergerniß des lebens, die tzwo ergerniß sind wol tzu mercken. Die ergerniß der lere ist, wenn man anders glewbt, leret, oder hellt von Christo, denn tzu glewben, tzu leren, und tzu hallten ist; als hie die Juden, hielten unnd lereten von Christo anders, denn er war, vorsahen sich seyn eynes weltlichen konigs. Von dißer ergerniß handellt die schrifft am meysten, wilche auch Christus und Paulus alltzeytt handelln und sonst keyner schier gedencken. Und das mercke wol, das Christus und Paulus von solcher ergerniß reden. Nicht umbsonst vormane ich dich des tzu mercken. Denn unter des Bapsts regiment ist diß ergerniß gantz und gar geschwygen, unnd wissen itzt widder pfaffen noch munch von ergerniß tzu sagen, denn was offentlich sunde und boßes leben ist, wilchs die schrifft nicht ergerniß heyst, ßondern sie deutten und tzwingen das wort dahyn. Widderumb das gantz weßen, das sie furen, als fur das beste, und alle yhre lere, da mit sie vormeynen der wellt helffen, achten sie nicht ergerniß, ßondern eyttel besserung, ßo es doch eyttel gifftige ergernisße sind, dergleychen unter der ßonnen nie geweßen sind; denn sie leren volck, die mesß fur eyn opffer und gutt werck hallten, item durch werck frum werden, sund bussen und selig werden, wilchs alles ist nicht anders, denn Christum furwerffen unnd den glawben vortilgen. Alßo ist itzt die wellt voll ergerniß biß an den hymel, das es schrecklich ist tzu dencken: denn itzt sucht niemant Christum ym armut, blindheyt, tod &c.., ßondern er will alles durch eyn andernn weg gen hymell, unnd mussenn doch feylen. [WA s. 163]

       Die ergerniß des lebens ist, wenn eyner von dem andern eyn offentlich boß werck sihet und lernet. Aber das ergerniß ist unmuglich tzu meyden, syntemal wyr mussen unter den boßen leben, und ist auch nicht ßo ferlich, denn ein iglicher erkennet, das es boße ist, und wirt nicht vorfurt, ßondern folget muttwilliglich dem erkandten boßen, da ist keyn gleyssen noch scheyn. Aber iheneß ergerniß ist der aller schonist gottisdienst, die feynsten werck, das erbarst leben, das der vornunfft unmuglich ist tzu taddeln odder tzurkennen, alleyn der glawbe erkennet durch den geyst, das es falsch ist; fur dem ergerniß [Matth. 18, 6] warnet Christus da er spricht Matt. 18: Wer eynen auß dißen geringsten ergert, der an mich glewbt, dem were es besser, eyn muelsteyn an seynen halß gehengt, und ynnß meer gesenckt, da es am tieffisten ist. Darumb schaw drauff: wer dyr Christum nicht predigt, odder predigt yhn anders, denn der mit blinden, lamen, todten, armen umbgehet, wie diß Euangelion weyßet, den fleuch als den teuffell selbs, denn der leret dich unselig werden und an Christo dich ergernn, wei itzt Bapst, munch und hohen schulen thun, wilcher weßen alltzumal ßo gar ergerniß ist, von der scheyttel biß auff die verßen, von der hautt biß yn das marck, das der schnee kaum ßo gar eyttel wasser ist, und kan auch nicht bestehen on eyttel ergerniß, syntemal ergerniß yhr natur und selb weßen ist. Darumb Bapst, kloester, hohen schulen reformiern wollen, und doch ynn yhrem weßen erhallten, das ist eben ßo viel, als das wasser auß dem schnee drucken und den schnee doch erhalten. Was aber sey Christum predigen, unter den blinden und armen, wollen wyr am end des texts sehen. Folget.

      

[Matth. 11, 7 –9] Da die hyngiengen, fieng Jhesus an tzu reden von Johannes tzu der schare: Was seytt yhr hynaußgangen tzu sehen? eyn rhor, das der wind hyn und her webd? Aber was seytt yhr hynaußgangen tzu sehen? eynen menschen mit weychen kleydern bekleydt? Aber was seytt yhr hynnaußgangen tzu sehen? eynen propheten, ia, ich sage euch, der da mehr ist denn eyn prophet.

[Matth. 11, 7 –9] Dieweyl Christus Johannem alßo lobt, das er nicht sey ein rhor, noch weych bekleydt, und mehr denn eyn prophet, gibt er gnugsam unter dißen vorblumeten wortten tzuvorstehen, das die scharen sind der meynung geweßen, [WA s. 164] Johannen fur eyn rhor, weych bekleydet und eynen propheten zu halten. Darumb mussen wyr sehen, was er damit meyne, und warumb er solch yhre meynung strafft unnd vorwirfft. Es ist gnugsam gesagt, das Johannes Christum sollt tzeugen, auff das sie nicht sich an Christus demuetiger zukunfft ergerten. Dieweyl nu die macht daran lag, das sie Johannes tzeugniß auffnehmen und Christum erkenneten, lobet er Johannem tzum ersten von der bestendickeyt, trifft damit yhr unbestendige meynung, dadurch sie Johannes tzeugniß nicht glewbten, als solt er sagen: yhr habt Johannes tzeugniß von myr gehoret. Nu hafftet yhr nicht dran, ergert euch an myr, und ewr hertz feret noch hynn [Matth. 11, 7] unnd her, warttet auff eynen andern, denn auff mich, wisset doch nicht wilcher, wenn odder wo, unnd ist alßo ewr hertz wie eyn rhor, das der wind hyn und her webd, habt nichts gewisßs, wolt ia ettwas anders denn von myr horen. Meynet yhr nu, das Johannes seyn tzeugniß auch alßo solle von myr wenden, gleych ewren gedancken ynn den wind schlahen, sagen von eynem andern, den yhr gerne horet?4 Nicht alßo; Johannes wanckt nicht, seyn tzeugniß auch nicht, er folget nicht ewrem wanckenden wahn, ßondern yhr must ewr wancken an seyn tzeugniß hafften, und alßo auff myr bleyben, nach keynem andern dencken.

       Zum ander mal lobt er yhn von der hertickeytt der kleyder; alßo solt er sagen: villeycht mocht yhr yhm glewben, das ichs byn nach der person, aber yhr warttet, er solle anders von myr sagen, das da weych sey und yhr gerne horet. Es ist euch hart und scharff, das ich ßo arm und voracht kome, yhr wollt, ich soll mit prangen unnd tornieren ereynbrechen. Wenn das Johannes von myr saget, ßo were er auch nicht ßo rauch unnd hartt. Aber denckt des nur nicht ; wer von myr predigen soll, der muß nicht anders predigen, denn wie Johannes thut, es wirt nicht drauß, keyn ander form und geperde fure [Matth. 11, 8] ich. Die aber anders leren, die schmeychlen und sind ynn der konige heußer, nitt ynn der wusten, sie sind reych und fur den leutten angesehen; das sind menschenleren, die von sich selbs, nicht von myr leren.

       [Matth. 11, 9] Zum dritten lobt er yhn von der wirdickeyt seynß ampts, das er nicht alleyn eyn prophet sey, ßondern mehr denn eyn prophet, als solt er sagen: [WA s. 165] ewr fliegende, webende gedancken hallten yhn fur eynen propheten, und fur den, der von Christo tzukunfftig sage, wie die andern propheten than haben, damit yhr abermal ewr hertz fur myr ubirstreckt yn eyn ander tzeyt, daryn yhr Christus warttet, lautts des tzeugniß Johannis, das yhr mich ia nicht [Matth. 11, 7] annehmet. Aber ich sage euch: ewr gedanckenn sind falsch, denn gleych wie er weret, das yhr nitt seytt eyn webend rhor und auff eyn ander person warttet denn mich, auch nit tzulesset, das yhr an myr eyner andern geperde warttet, denn meyner, alßo auch weret er, das yhr auff keynn andere tzeytt warttet, ßondern seyn tzeugniß trifft diße person, diße geperden unnd diße tzeytt, begegnet ewren schlupfferigen gedancken auff allen ortten, und bindet euch feste an mich. Wollt yhr nu yhm recht thun, ßo must yhr schlecht seynem tzeugniß folgenn und glewben, das diß die person, die geperden, die tzeytt sey, die yhr sollt annhemen, unnd faren lassenn ewren wahn und das wartten auff eyn ander person, geperden und tzeytt. Denn es ist beschlossen, das er keyn webend rhor, keynn weycher kleyder man, unnd tzuvoran keyn prophet ist von kunfftigen tzeytten, ßondern eyn bott von kegenwerttigen dingen. Nicht wirtt er schreyben wie die andern propheten, ßondern er tzeygett unnd kundiget mundlich, den alle propheten beschrieben haben, wie folget.

 

[Matth. 11, 10] Dißer ists, von dem geschrieben ist: Sihe da, ich sende meynen Engel fur deynem angesicht, der bereytten soll deynen weg fur dyr.

Was ist das gesagt? denn ßo viel: yhr durfft nit wartten auff eyn andernn, auch nicht auff meyn ander geperde, auch nicht auff eyn ander tzeytt. Hie byn ich kegenwertig, von dem Johannes redet, denn er ist nicht eyn prophet, ßondernn eyn bote, und nicht alleyn eyn bote, der gesand werde von dem herrn, der daheym bleybe, ßondernn der fur dem angesicht seynes hernnn kompt und bringt den herrn mit sich, das es eyne tzeytt ist, des boten unnd des herrn. Wo yhr nu yhn nicht fur solchen boten auffnemet, ßondern eyn propheten auß yhm macht, der alleyn vorkundigt des herrn tzukunfft, wie die andern propheten than haben, ßo feylt yhr meyn, und dißer schrifft unnd aller dinge. Hie sehen wyr, das Christus am meysten darob handelt, das sie Johannem fur eynen boten und nicht fur eynen propheten halten, denn darauff furet er [Mal. 3, 1] schrifft und den spruch Malachie. 3., wilchs er auff die andern tzwey stuck, die person und geperd, nicht thutt; denn das ist noch heutigs tags der Juden yrthum, das sie eyner andern tzeytt wartten, und wo sie datzumal hetten [WA s. 166] glewbt, das die tzeytt da were, unnd Johannem lassen eynen boten und nicht eyn propheten seyn, ßo were leychtlich der sach zuraten geweßen, der person und der geperde halben, syntemal sie musten tzuletzt die person und geperden annehmen, auffs aller wenigst nach der vorlauffen tzeytt, syntemal keyn ander tzeytt seyn sollt, denn die tage Johannes, des boten unnd wegfertigen seynes herrn. Nu sie aber die tzeyt faren lassen und auff eyne ander tzeytt sehen, ists viel weniger muglich, das man sie mit der person und geperden hallte, [Matth. 11, 7] ßondern bleyden rhor und weychsuchtig, ßo lange sie Johannem fur eyn propheten und nicht fur eynen botten hallten.

       Wyr mussen der schrifft gewonen, das Angelus, wilchs wyr eyn Engel heyssen, ist eygentlich ßo viel gesagt, als eyn bote, nicht eyn boteleuffer, der brieffe tregt, ßondern der gesand wirt mundlich tzu werben die bottschafft. Alßo ist dißer name ynn der schrifft gemeyn allen gottisboten, ynn hymel und erden, es seyen die heyligen engel ym hymel odder propheten oder Apostel [Mal. 2, 7] auff erdenn. Denn alßo spricht Malach. 2. von dem priesterampt: Die lippen des priesters bewaren die erkentniß, und auß seynem mund soll man suchen das gesetz gottis, denn er ist eyn engel des herren der scharen, und Haggei. 1: [Hagg. 1, 13] Es sprach Haggeus der engel des herrn unter den engeln des herrn. Item [Luk. 9, 52] Lu. 9: Jhesus sandte engel fur seynem angesicht ynn das dorff der Samariter. Alßo sind es alle gottisengel, und werbboten, die seyn wort vorkundigen. Daher auch Euangelion kompt, das eyn gutte botschafft heysst. Die hymlischen geyster aber heyssen ßonderlich engel, das sie die hohisten und edlisten boten gottis sind.

       Alßo ist Johannes auch eyn engel odder mundbote, aber nicht alleyn eyn solcher bote, sondern der auch den weg bereytet fur dem angesicht des herrn, alßo, das yhm der herr selbs auff dem fuß nachkompt, wilchs keyn prophet yhe than hatt; darumb ist er mehr denn eyn prophet, nemlich eyn engel oder bote und furgenger, das tzu seyner tzeytt mit yhm tzugleych der herr aller propheten selbs kompt. Und das bereyten heysst hie den weg tzurichten, das auß dem wege than werde, was den gang des herrnnn hyndernn mag, gleych [WA s. 167] wie auch noch eynß herrn knecht fur dem angesicht seynes herrn holtz, steyn, leutt, unnd alles was ym wege stund, beseytt thett. Was ist aber Christo ym wege gelegen, das Johannes solt beseytt thun? on tzweyffel, viel sund, viel mehr aber die guten werck der hoffertigen heyligen, das ist: er sollt tzurkennen geben yderman, das aller menschen werck und weßen sund und vorterben, unnd Christus gnade bedurfftig sey. Wer das weyß und erkennet [Matth. 11, 10] grundlich, der ist yn yhm selb gedemutiget, und hatt Christo den weg feyn tzubereytt, davon wyr ym nehist kunfftigen Euangelio wollen weytter handelln. Itzt ists tzeyt, diß Euangelion auch uns nutz machen.

       Wie wyr nu ynn allen Euangelion gesagt haben, das wyr die tzwo lere sollen drauß nemen, Glawben und lieben, odder gutte werck empfahen und ertzeygen, Szo sollen wyr hie auch thun, den glawben preyßen und die liebe uben; der glawb empfehet die gutte werck Christi, die liebe thutt gutte werck dem nehisten. Zum ersten wirt unßer glawbe damit gesterckt und gepessert, das unß Christus wirtt, furgepildet ynn seynen eygen naturlichen wercken, das er nur mit blinden, tawben, lahmen, außsetzigen, todten und armen umbgehet, das ist, eyttel liebe und guette, gegen alle die durfftig und elend seyn, das endlich Christus nicht anders, denn eyn trost und tzuflucht sey aller betruebten und geprechlicher gewissen. Hie ist nu nodt der glawbe, der auff diß Euangelion bawe und sich drauff vorlasse, tzweyffell ia nicht dran, das Christus sey, wie yhn diß Euangelion furbildet, und halte auch nicht anders von yhm, laß yhm auch nichts anders von yhm eynreden, ßo hat er yhn gewißlich, wie er glewbt [Matth. 11, 6] und wie diß Euangelion von yhm saget, denn wie du glewbist ßo hastu. Und selig, der sich hie nicht an yhm ergert!

       Hie hut dich nu fur ergerniß mit allem vleyß; wer sind sie, die dich hie ergern? alle dieihene, die dich leren wircken und nit glewben, die dyr Christum tzu eynem gesetzmacher und richter machen, und lassen dyr yhn nicht bleyben eynen lauttern helffer und troster, die dich engsten mit wercken fur gott und und gegen got tzu handelln, dadurch deyne sund bussen und gnade erweben. Das sind die leren des Bapsts, pfaffen, munchen, hohen schulen, die mit yhren messen und gottisdienst dyr das maul auffsperren, und auff eynen andern Christum dich furen, und nehmen dyr dißen rechtschaffen Christum. Denn [WA s. 168] wiltu recht glewben und Christum warhafftig erlangen, ßo mustu die werck alle fallen lassen, damit du gegen gott unnd fur gott handelln willt, es sind eyttel ergerniß, die dich von Christo und von got furen, fur gott gillt keyn werck, denn Christus selb eygen werck, die mustu lassen fur dich gegen gott handelln, und du keyn ander werck fur yhm thun, denn solchs glawbenn, das Christus seyne werck fur dich thu unnd setze gegen gott, auff das alßo deyn glawbe lautter bleyb, nichts thue, denn hallte stille, laß yhm wolthun und empfahe Christus werck, und lasse Christus seyne liebe an yhm uben. Du must blind, lahm, tawb, todt, außsetzig und arm seyn, odder wirst dich an Christo ergernn. Das Euangelion leugt dyr nicht, das Christum nur unter solchen durfftigen lesst sehen und wolthun. Sihe, das heyst Christum recht erkennen und auffnemen, das heyst recht Christlich glewben; wilche nu durch yhre werck wollen gnugthun unnd frum werden, die feylen dißes gegenwertigen Christus, und warten auff eynen andern, oder glewben doch, er soll anders thun, solle aller erst kommen und yhre werck auffnehmen unnd sie frum richtenn, die sind vorloren, wie die Juden ewiglich, da hilfft nichts fur.

       Zum andernnn leret er uns, die werck recht anlegen und tzeygt uns, wilchs gutte werck sind. Alle andere werck außer dem glawben sollen wyr auff den nehisten richten, denn gott foddert von uns keyn werck an yhn tzu thun, denn alleyn denn glawben durch Christum; daran hatt er gnug, damit geben wyr yhm seyne ehre als dem, der gnedig, barmhertzig, weyß, gutt, warhafftig ist und desgleychen. Darnach denck nicht mehr, denn: thu dem nehisten, wie dyr Christus than hatt, und laß alle deyne werck mitt gantzem leben auff deynen nehisten gericht seyn. Suche, wo arme, krancken und allerley geprechliche sind, den hilff, da laß deynes leben ubung stehen, das sie deyner geniessen, wer deyn darff, ßo viel du vormagist, mit leyb, gutt, und ehre. Und wer dyr andere gute werck furhellt, den meyde wie den wolff und den teuffel, [Ps. 142, 4] er will dyr eyn ergernisße stellen ynn den weg, wie David Ps. 141. spricht: An den weg stelleten sie myr ergenisße. Das thutt aber das vorkeret volck der Papisten, die mit yhrem gottisdient solch Christlich werck auff- heben, und leren die leutt nur gott dienen, und nicht den menschen, stifften kloester, mesß, vigilien, werden geystlich, thun diß unnd das, die elenden, blinden leutt, nennen das gottisdienst, das sie erwelet haben. Du aber wisse, das [WA s. 169] gott dienen ist nichts anders, denn deynem nehisten dienen, und mit lieb wolthun, es sey kind, weyb, knecht, feynd, freund, on alle unterscheydt, wer deyn darff, an leyb und seel, und wo du helffen kanst leyplich und geystlich, das ist gottisdienst und gute werck. Ach herr gott, wie gehen wyr narren ynn der wellt, unnd lassen solche werck nach, unnd sind doch allen enden uberflussig, an denen wyr sie uben kunden, niemandt sucht noch dringt sich drumb. Aber sihe du auff deyn leben, findistu dich nicht auch, wie Christum das Euangelion weysset, unter den durfftigen und armen, ßo wisse, das deyn glawbe noch nicht rechtschaffen ist, und gewißlich du Christus wolthat und werck an dyr noch nicht geschmeckt hasst.

       [Matth. 11, 6] Darumb sihe, wilch eyn groß wortt das ist: Selig ist, der sich an myr nicht ergert. Inn beyden stucken ergernn wyr uns, ym glawben, das wyr ander weyße furnehmen frum tzu seyn, denn durch Christum, und gehen blind hyn, erkennen Christum nicht. Inn der liebe ergern wyr uns auch, das wyr die armen und durfftigen nit achten, sehen sie nicht an, meynen doch, wyr wollen mit andern wercken dem glawben gnugthun. Und fallen alßo ynn [Matth. 25, 35. 40] das urteyl Christi Matt. 25: Ich bynn hungerig geweßen, und yhr habt mich nicht gespeysßet, Item: was yhr nicht than habet den geringsten der meynen, das habt yhr myr nicht than. Warumb ist das urteyll recht? denn das wyr nicht than haben dem nehisten, wie Christus uns than hatt, er hatt uns durfftigen seyne grosße, reyche, ewige gutthat geben, und wyr wollen unßern geringen dienst nit thun unßerm nehisten, damit wyr beweyssen, das wyr nicht recht glewben, noch seyne wolthatt empfangen odder geschmeckt haben. Viel werden denn sagen: wyr haben ynn deynem namen wunderthan, predigt unnd teuffell außworffen, aber er wirtt yhn anttwortten: weycht von myr yhr ubellthetter [Matth. 7, 22. 23] Matt. 7. Warumb? rechten glawben und lieb haben sie nicht gehallten.

       [Matth. 11, 2 –10] Alßo sehen wyr auch hie ym Euangelio, wie schwerlich es zugehet, das Christus erkennet wirt; da hyndert sichs, und ergert sich eyner hyran, der ander daran, es will nyrgend hynan, auch mit den iungern S. Johannes, ob sie gleych offenttlich sehen Christus werck und horen seyne wortt. Alßo thun wyr auch, ob wyr wol sehen, horen, greyffen und bekennen mussen, das Christlich leben sey der glawbe tzu gott und die wolthatt odder liebe dem durfftigenn nehisten, noch wills nyrgend furtt. Dißer hanget an seynem gottisdienst und eygen wercken, der ander scharret alleyn tzu sich und hilfft niemant. Auch die, ßo diße lere des lauttern glawbens gerne horen und verstehen, greyffens doch nicht an, dem nehisten tzu dienen, gerade als wollten sie durch den glawben selig werden on werck, sehen nicht, das yhr glawbe nicht glawbe, ßondern eyn scheyn vom glawben ist, gleych wie eyn bild ym spiegell ist nicht das angesicht, [WA s. 170] [Jak. 1, 22 –24] ßondern eyn scheyn davon, wie S. Jacobus schreybt gar feyn von denselben unnd spricht: Seytt thetter des wortts unnd nicht horer alleyn, damit yhr euch selb betrieget, denn ßo yemand eyn horer ist des worts, und nicht eyn thetter, der wirt vorgleycht eynem mann, der seyn angesicht schawet ym spiegel, wenn er das geschawet hatt, gehet er hynn unnd vorgisset, wie er gestallt ist. Alßo sehen diße ynn sich selb wol eyn bild des rechten glawbens, wenn sie es horen odder reden, aber ßobald das horen und reden auß ist, gehen sie mit andern sachen umb, und thun nicht darnach, damit vorgessen sie ymer hynn der frucht des glawbens, die Christliche liebe, von wilchen sagt auch Paulus [1. Kor. 4, 20[!]] .1. Cor. 3: Das reych gottis stehet nicht yn worten, ßondernn ynn thatten.

 

      

 

 

 

      

Die Epistell am vierden Sontag ym Advent, [Phil. 4, 4 –7] Philippenn. 4.

 

1522[WA s. 170]

Lieben bruder, frewet euch ynn dem herrn alltzeytt. Ich sage abermal, frewet euch. Last ewer lindickeytt allenn menschen kundt seyn, der herre ist nahe. Seytt nicht sorgfelltig, ßondern yn allen dingen last ewre bitte durch gepett und flehen mit dancksagung kund werden bey gott, und der fride gottis, wilcher uberschwebt aller vornunfft, beware ewre hertzen und ewren synn ynn Christo Jhesu.

 

Eyn kurtz Epistell ist das, aber eyn wichtige und reyche lere des Christlichen lebens. Zum ersten leret er, wie man sich gegen gott halten soll, darnach gegen den nehisten, und spricht:

 

[Phil. 4, 4] Frewet euch ynn dem herren. alletzeytt.

[Gal. 5, 22] Diße freud ist eyn frucht und folge des glawbens, wie er Gal. 5. sagt: Die frucht des geysts ist Liebe, freud, fride, gedullt, guette, freuntlickeyt, traw, senffte, messickeyt; denn es ist nicht muglich, das sich eyn hertz sollt yn gott frewen, das nicht tzuvor an yhn glewbt. Wo nit glawbe ist, da ist eyttel furcht, flucht, schewe, und trawrickeyt, wenn nur gottis gedacht oder genennet wirt. Ja, hasß und feyndschafft widder gott ist yn solchem hertzen; das macht die ursach, denn das hertz findet sich schuldig ynn seynem gewissen, [WA s. 171] und hatt nicht die tzuvorsicht, das yhm gott gnedig unnd gunstig sey, dieweyll es weyß, das gott der sund feynd ist unnd sie grewlich straffet. Dieweyl nu die tzwey ym hertzen sind, gewissen der sund, und erkentniß gottis straffe, muß es ymer betrubt, vortzagt und erschrocken seyn, hatt alle augenblick sorge, [Spr. 28, 1 [!]] gott stehe hynder yhm mit der keule, wie Salomon sagt proverb. 252 : Der [5. Mose 28, 65. 66] gottloße fleucht und niemandt iagt yhn, und Deut. 283 : Gott wirt dyr eyn vortzaget hertz geben, und deyn leben wirtt fur dyr pampeln &c.. Das man dießen hertzen viell wollt sagen von freuden ynn gott, das ist eben, als wenn ich das wasser bereden wolt, es solt brennen, es gehet yhn gar nicht eyn, denn sie fulen, wie sie die hand gottis druckt ynn yhrem gewissen. Darumb spricht [Ps. 32, 11] auch der prophet Ps. 31:5 Frewet euch ynn dem herrn, yhr gerechten, und seyt frolich yhr hertzrichtigen, es mussen gerechten und richtigen seyn, die sich ynn dem herren frewen sollen. Darumb ist diße Epistell nicht den sundern geschrieben, ßondern den heyligen, den sundern muß man tzuvor sagen, wie sie der sund loß werden und eynen gnedigen gott ubirkommen, ßo folget die freude von yhr selbs, wenn sie des boßen gewissens loß sind.

       Wie wirt man aber des boßen gewissen loß, und ubirkompt eynen gnedigen got? Antwort: das ist gnugsam droben gesagt ynn vorigen postillen und wirt hernach viel mal gesagt werden, das wer eyn gutt gewissen haben und eynen gnedigen gott finden will, der muß das nicht mit wercken anfahen wie die vorfurer, thun und martern die hertzen noch mehr, und machen den hasß gottis grosser, ßondern er muß an yhm vortzagen yn allen wercken und gott ynn Christo ergreyffen, das Euangelion fassen, und demselbigen glewben, was es tzusagt. Was zusagt aber das Euangelion? denn das Christus uns geben sey, das er unßer sund auff yhm trage, er unßer bisschoff, mitler, vorsprech fur gott sey, und alßo alleyn durch Christum und Christus werck die sund vorgeben, gott vorsunet, und das gewissen erledigt und auffgericht [WA s. 172] werde. Wenn dißer glawb des Euangelion recht ym hertzen ist, ßo ist gott susß und lieblich ; denn das hertz fulet eyttel gunst und gnade bey yhm ynn aller tzuvorsicht, und furcht sich nit fur seyner straff, ist sicher und guttis muttis, das yhm gott alßo ubirschwencklich gnade und guttis yn Christo than hatt. Darumb muß auß solchem glawben folgen liebe, freud, frid, singen, dancken, loben, und der mensch ynn gott eyn gantz hertzlich wolgefallen haben, als ynn seynem aller liebsten und gnedigsten vater, der ßo veterlich mit yhm handellt, und on alles vordienst ßo reychlich außgeusst seyne guter ubir yhn.

       Sihe, von solcher freude redet hie S. Paulus; da ist keyn sund, keyn furcht des todts noch der helle, ßondern eyn froliche, allmechtige zuvorsicht gegen gott und seyner hulde. Darumb heyst es eyn freude ynn den herrn, nicht ynn silber noch gollt, nicht yn fressen noch sauffen, nicht ynn lust noch singen, nicht yn sterck noch gesundheyt, nicht ynn kunst noch weyßheyt, nicht yn gewallt noch ehren, nicht ynn freundschafft noch gunst, ia auch nicht ynn guten wercken und heylickeyten ; denn das sind eyttel trugliche, falsche, freude, die nymmer des hertzen grund rhuren noch fullen, davon man wol sagen mag: [Phil. 4, 4] der frewet sich, unnd seyn hertz erferets nicht. Aber ynn den herrn frewen, das ist sich verlassen, rhumen, trotzen und pochen auff den herrn, als auff eynen gnedigen vater. Solch freud voracht alles, was nicht der herr ist, auch [Jer. 9, 23. 24] die eygene heylickeytt ; davon spricht Hiere. 96 : Es rhume sich nicht der starck ynn seyner stercke, noch der reych yn seynem reychtumb, noch der weyße ynn seyner weyßheyt, ßondern wer sich rhumen will, der rhume sich des, das er [2. Kor. 10, 17 [!]] mich erkennet und weysß. Item Paulus .1. Cor. 10: Wer sich rhumet, der rhume sich des herrn.

       [Phil. 4, 4] Er spricht auch, die freude solle altzeyt seyn; da trifft er die, ßo sich frewen ynn gott, loben und dancken yhm zu halber tzeyt, das ist: wenß yhn wol gehet, wenß yhn aber ubel gehet, ßo ist die freude auß; davon Ps. 489 : [WA s. 173] [Ps. 49, 19] Er wirt dich loben, wenn du yhm wolltust. Aber nicht alßo David Ps. 331 : [Ps. 34, 2] Ich will den herren benedeyen alletzeyt, unnd soll seyn lob allwege ynn meynem mund seyn. Des hatt er auch gut ursach; denn wer eynen gnedigen got hatt, wer will dem wehe odder leyde thun? Die sund thutt yhm nichts, der todt [Ps. 23, 4] auch nicht, die helle auch nicht, wie David singet Ps. 22: Und ob ich wandelln muste mitten ym finstern tal des todts, ßo will ich mich nicht furchten denn [Röm. 8, 35. 38] du bist bey myhr, Und Paulus Ro. 8: Wer will uns scheyden von der liebe Christi? Solls widderwertickeyt thun? odder angst? odder hunger? odder blosse? odder ferlickeyt? odder vorfolgung? oder schwerd? Ich bynß gewiß, das widder todt noch leben, widder furstenthum noch kreffte, widder gegenwertigs noch tzukunfftigs, widder stercke noch hohe, noch tieffe, noch keyn ander creatur mag uns scheyden von der liebe gottis, die yn Christo Jhesu ist.

 

[Phil. 4, 4] Und aber mal sage ich: frewet euch.

Das widderholen des apostols sterckt seyne vormanung; das ist auch wol not. Denn syntemal wyr mitten unter den sunden und ubel leben, die uns alle beyde zur traurickeyt treyben, will der Apostel, das wyr uns dagegenn auffrichten, unnd ob wyr gleych tzuweyllen ynn sund fielen, das wyr doch die freude yn gott lassen stercker seyn, denn die trawrickeyt ynn der sunden. Es ist iah war, das sund naturlich mit sich bringt trawrickeyt und tzagen des gewissen, und wyr nicht mugen alle tzeyt on sund seyn, ßo sollen wyr doch die freud lassen regirn, unnd Christus grosser [1. Joh. 2, 1. 2] lassen seyn denn unßer sund, wie Johannes auch saget .1. Johan. 2: Szo yemant sundiget, ßo haben wyr eynen fursprechen bey got, Jhesum Christum [1. Joh. 3, 20] den gerechten, wilcher ist die vorsunung unßer sund, ut .1. Johan. 3: Szo uns unßer hertz strafft, ßo ist gott grosser, denn unßer hertz, und weyß alle ding.

 

[Phil. 4, 5] Ewre lindigkeyt last allenn menschen kund seyn.

Szo er nu sie unterweyßet, wie sie sich gegen gott sollen hallten, das sie yhm mit froelichem hertzen dienen, folget er und begreyfft kurtzlich, wie sie sich [Phil. 4, 5] gegen die menschen hallten sollen, unnd spricht: Ewre lindigkeyt lasst kund [WA s. 174] seyn allen menschen. Das ist alßo viel gesagt: fur gott seytt frolich alletzeyt, aber fur den leutten seytt gelinde, und richtet ewr leben alßo, das yhr alles thutt, leydet und weychet, was sich ymmer leyden will, on vorpruch gottes gepoten, das yhr allen menschen beheglich seytt, nicht alleyn niemant beleydiget, ßondern auch zu gutte haldet unnd tzum besten wendet, alles was andere thun, das die leutt offentlich sehen, das yhr die seytt, den alle ding gleych sind, das yhrs euch gefallen lasset, was euch tzu- und abgehet, unnd an keynem ding klebet, daruber yhr mit yemand tzu werck und tzu uneynickeyt [Röm. 12, 15; 1. Kor. 9, 22] komen mochtet; seytt mit den reychen reych, mit den armen arm, mit den frohlichen frolich, mit den weynenden weynend. Unnd endlich, seytt allerley mitt yderman, das yderman musse bekennen, yhr seytt niemand vordrießlich, ßondern yderman gemesß, gleych, eben und gemeyn.

       Eyn solche meynung hatt das wortlin, wilchs der Apostel hie braucht: [Phil. 4, 5] epijkia, equitas, clementia, comobitas, das ich auff deutsch nicht anders weyß tzu geben, denn durch das wortt gelindickeyt, das ist eyn tugent, das sich eyner lenckt und schickt, gemeß und eben macht eynem andern, unnd ist eynem wie dem andern, und yderman gleych, der nicht sich selb tzum leysten und tzur regel macht und will, das sich yderman nach yhm lencken, schicken und messigen soll. Daher man auch das recht teylet ynn streng und gelind recht, und was tzu streng ist lindert man, das ist equitas, moderatio, clementia iuris. Der latinische dolmetscher hatts modestiam, messickeyt vordolmetscht, und were wol feyn, wenn messickeyt nit wurde gemeynicklich von essen, trincken und kleyden vorstanden, diß aber soll eyn messickeytt seyn des lebens, die sich [WA s. 175] lindert, anmasset und lencket noch eynß andern vormugen und schicklickeyt, das sie nachlaß, zu gut halte, folge, weyche, thu, lasse, leyde, wie sie sihet, das der nehist vormag und tzukomen kan, ob sie gleych drob schaden odder vorlust der guter, ehre und leybes tragen muesse.

       Das mussen wyr mit exempeln beweyßen, auff das es klerlicher vorstanden [1. Kor. 9, 20 –22 [!]] werde: Paulus .1. Cor. 12: Ich byn mit den Juden eyn Jude, mit den heyden eyn heyde worden, unnd mit den unter das gesetz gethan; die unter dem gesetz waren, wiewol ich nicht unter dem gesetz war, und mit den, die nicht unter dem gesetz waren, byn ich nicht unter dem gesetz geweßen, wiewol ich nicht on gewuenne, das gesetz Christi war. Ich byn allerley worden, auff das ich sie alle das ist ßo viel: er asß, tranck und geperdet mit den Juden nach dem gesetz, wiewol es yhm nicht nott war. Und mit den heyden asß, tranck und geperdet, on gesetz, wie die heyden, syntemal alleyn der glawbe und liebe nottig sind. Das ander alles frey ist tzu lassen und tzu hallten, darumb kan man das alles eynem tzu willen hallten, dem andernn tzu willen lassen, und alßo sich eynem iglichen eben machen. Wo nu hie eyn blinder und eygensynniger aufftrett, wolt der eyniß gelassen oder gehalten haben, wie etlich Juden thetten, als must es ßo seyn, und yderman sollt sich nach yhm lencken und er nach niemant, Da were auß die gleycheyt, ia, auch die Christliche freyheytt, und der glawbe vorstoret. Denselben soll man nit weychen, wie Sanct Paulus thett, auff das die freyheytt unnd warheytt bleybe.

       [Matth. 12, 1 ff.; Mark. 2, 23 ff.] Item Christus Matt. 12. und Mar. 2. ließ seyne iunger den sabbath brechen, und brach yhn selbs offt, wo es nott war, wo es nit nott war, hielt [Mark. 2, 28] er yhn, und gab des ursach und sprach: des menschen ßon ist eyn herr auch des sabbaths, das ist: der sabbath ist frey, man mag yhn tzu liebe und dienst eyneß andernn brechen, widerumb dem andern zu liebe hallten. Alßo beschneyt [Apg. 16, 3; Gal. 2, 3] S. Paulus Timotheon umb der Juden willen, spricht Lucas. Aber Titum wolt er nit beschneytten lassen, darumb, das sie drauff drungen und wolten die beschneyttung nit frey lassen. Er wolts beyderley macht haben zu thun zu dienst den andern, aber keyniß nicht genottiget haben umbs wercks willen an yhm selbs, als must es seyn.

       Alßo, das wyr auff unßers komen, wenn der Bapst gepeut zu beychten, sacrament empfahen, fasten, fissch essen und alle ander seyn gepott, und will [WA s. 176] drauff dringen, man muß es thun auß gehorsam der kirchen, ßo soll man nur frisch mit fussen dreyn tretten, und eben darumb das widerspiel thun, das erß gepotten hatt, auff das die freyheyt bleybe; wenn erß aber nit gepotte, ßo solt man yhm zu willen das hallten mit den, die es hiellten, und widerumb lassen [Mark. 2, 28] mit den, die es liessen, und sagen, wie Christus sagt: Des menschen ßon ist ein herr auch des sabbaths, schweyg denn solcher menschen gesetz. Denn auß solcher freyheyt hallten schadet nichts, wider am glawben noch am Euangelio. Aber auß nott und gehorsam halten, vertilget glawb und Euangelion. Alßo der kloester gelubd, regel und statut, soll man halten auß liebe und freyheyt zu willen den andern, bey den man ist, das man sich mit yhn reyme und fuge. Wenn sie aber dringen, man musse und sols bey gehorsam halten als nottig zur selickeyt, da soll man kloester, platten, kutten, gelubd, regel und statut alles lassen und das widderspiel thun, zu beweyßen, das nichts nott ist eynem Christen, denn nur lieb und glawbe, das ander alles frey der liebe gelassen, zu halten und zu lassen, nach dem es foddert die geselschafft ; denn auß lieb und freyheyt solchs halten schadet nichts. Aber auß nott und gehorsam halten, ist vordamplich. Das soll auch ynn den gestifften messen, gesang, gepetten und allen andern ordnungen der stifftkirchen vorstanden werden; ßo lange man solchs auß liebe und freyheyt thutt nur zu dienst und willen der geselschafft, die da ist, soll manß halten, wo es sonst eyn werck an yhm selb nit boße ist; wenn man aber drauff dringt, es musse alßo seyn, alßo bald soll man ablassen und dawidder thun, umb die freyheyt des glawbens tzur- hallten.

       Und hieryn sihestu, wilch teuffelsch ding es sey umb stifft, kloester und das gantz Bapstum, das es nicht mehr thut, denn nott und gehorsam macht auß der freyheyt und liebe, damit verstoret wirt das Euangelion sampt dem glawben. Ich schweyg des iamerß, das der gemeyn hauff solchs thut umb des bauchs willen; denn wie viel gehen itzt zu chor und beten yhr horas umb gotis willen? Eyn gemeyn vorstorung aller stifft und kloster were hyrnyn die beste reformatio, denn sie sind der Christenheyt ia keyn nutz, und [WA s. 177] man yhr wol emperen kan. Und ehe man solche freyheyt yn eyn stifft oder kloster bringen kan, sind dieweyl yn den andern altzu viel hundert thausent seel verloren; darumb, was nit nutz noch nott ist und doch ßo unsaglichen schaden thutt, und nicht mag gepessert werden, were viel besser gantz und gar vortilget.

       Item weytter, wenn die weltlich ubirkeyt yhre gesetz gepeut und yhren schosß foddert, soll man yhn freywillig dienst leysten, ob sie es gleych zwingen; denn hie ist keyne ferlickeyt der freyheyt noch des glawbens. Syntemal sie nicht sagen, es sey nott tzur selickeyt zu halten yhre gesetz, ßondern alleyn zur tzeytlichen hirschafft, schutz und regiment; darumb so bleybt hie das gewissen frey, und schadet dem glawben nicht, das man solchs thue; was aber uns nit schadet am glawben, und den andern nutz ist, da sollen wyr uns eyn schicken, gleych und eben finden lassen. Wenn sie aber drungen, es were nott zur selickeytt, yhr gesetz tzu hallten, sollt man eben thun, wie itzt von des bapsts und kloster gesetzen gesagt ist.

       Dißen exempelln nu nach soll eyn iglicher auch ynn allen andern sachen, [Phil. 4, 5] und wie S. Paulus hie sagt, allen menschen eben und gleych oder willferig seyn, das niemant ansehe odder folge seynem rechten, ßondern des andern willen oder nutz. Denn S. Paulus hatt hie mit eynem wort alle recht auffgehaben. Hastu recht, und deyn nehster dursst wol, das du yhm das nachlessist, ßo thustu wider die liebe und diße gleychheyt, ßo du es suchist und fodderst, syntemal dyr keyn schade an deynem glawben damit geschicht, und deynem nehisten eyn dienst daran thust, ßo bistus ia schuldig; denn du woltist dyr solchs than haben, wie das naturlich gesetz saget. Ja, hyrynn wirt begrissen, ßo dyr yemand unrecht thut, oder dich beschediget, das du yhm das zu gut haltist, auffs beste wendist und denckist wie ihener heylige marterer, da yhm alle seyn gut genommen ware, sprach er, sie werden mir yhe Christum nicht nemen. [WA s. 178] Alßo sage du auch: es thutt myr yhe keyn schaden an meynem glawben, warumb solt ichs yhm denn nicht tzu gutt halten und yhm weychen und mich lencken nach yhm?

       Ich kond nicht besser dißes stuck furbilden, denn durch tzween gute freund, wie du sihest, das sich die gegen ander halten, ßo sollen wyr uns gegen alle menschen halten. Was thun sie aber? Es thut eyn iglicher was dem andern gefellet, eyn iglicher lesst nach, weycht, leydet, thutt, lesst, was er sihet dem andernn nutzlich oder gefellig seyn, und doch alles frey ungetzwungen. Alßo lencket und schicket sich eyn iglicher nach dem andern, und keyner tzwingt den andern auff seyn furnehmen, unnd ßo eyner dem andern ynn seyn gutt griffe, hieltts der ander yhm feyn tzu gutt. Und kurtzlich, da ist keyn gesetz, keyn recht, keyn tzwang, keyn nodt, ßondern eyttel freyheyt und gunst, und geschicht doch alle ding ßo reychlich, das man sonst mit keynem gesetz noch tzwang das hunderste teyll mocht foddern.

       Die starrigen aber und ungelinden, die niemant nichts tzu gutt hallten, ßondern alles nach yhrem kopff lencken und außfuren wollen, die machen alle wellt yrre, und sind ursach alles krieges und iamers auff erden, sprechen darnach, sie habens than umb des rechten willenn, das wol gesagt hatt auch der heyde : Summum ius, summa iusticia, das hohist recht ist das hohist unrecht. [Pred. 7, 17] Item Salomon Ecclesi. 78 : Sey nicht tzu viel gerecht, und sey nicht tzu viel klug. Denn wie das hohist recht das hohist unrecht ist, ßo ist auch die hohist weyßheyt, die hohist unweyßheyt, das will auch das sprichwortt : Wenn die weyßen narrenn, ßo narren sie groblich. Wenn gott sollt das gestrenge recht vollfuren alletzeyt ßo wurden wyr keyn augenblick leben. Nu aber preyßet [2. Kor. 10, 1] S. Paulus ynn Christo solche lindickeyt und spricht .2. Cor. 10: Ich ermane euch bey der senfftmutt unnd lindickeytt Christi, das wyr auch sollen unßers [WA s. 179] synnes, rechtens, weyßheyt, klugheyt, eyn masße hallten, und uns lindern nach der andern gelegenheytt ynn allen stucken.

       Sihe aber die wortt an, wie feyn sie gesetzt find: Ewer lindickeyt last allen menschen kund seyn; mochtistu sagen: wie kan eyn mensch allen menschen kund werden? Item, sollen wyr denn unßere lindickeyt rhumen und ausßrichten fur den menschen? Da sey gott fur; er spricht nicht: rhumet unnd schreyet sie auß, ßondern: lasst sie kund seyn odder erfaren seyn allen menschen. Das ist: ubet sie mit der thatt erauß fur den menschen, das yhr nicht davon gedenckt odder redet, ßondern mit dem leben und werck beweyßet, das sie yderman sehen, greyffen und erfaren musse, das nichts anders yemand kunde von euch sagen, denn, das yhr gelinde seytt, uberwunden mit der offentlichen erfarung, ob er gleych gern anders wolt von euch sagen, das yhm das maul gestopfft sey mit ydermanß kundtschafft von ewer lindickeyt, wie auch Christus sagt [Matth. 5, 16] Matt. 5: Alßo last leuchten ewr liecht fur den leutten, das sie sehen ewre [1. Petri 2, 12] gutte werck, unnd preyßen ewern vater ym hymel, und .1. Pet. 2: furet eynen guten wandel unter den heyden, auff das, darynnen sie euch affterreden, als den ubelthettern, tzuletzt gott preyßen ynn dem tag der heymsuchung. Denn es ist nicht yn unßer gewalt, das unßer lindickeyt allen menschen gefalle. Aber daran thun wyr gnug, das wyr sie yderman ertzeygen und erfaren lassen an unßerm leben.

       [Phil. 4, 5] Alle menschen, sind hie nicht tzuverstehen alle leutt auff erden, ßondern allerley menschen, beyde freunden und feynden, grossen und kleynen, herren und knechten, reych und arm, heymischen und unheymischen, eygenen und frembden. Denn man find wol, die sich gegen frembde auffs aller freundlichst unnd gelindist hallten, aber gegen die yhren odder heymischen, der sie gewonet sind, ist eyttel starrig und knorrig weßen an yhn. Wie viel sind yhr auch, die den grosßen und reychen alles tzu gutt hallten, auffs beste deutten, wenden und keren, was sie thun und sagen, aber den knechten, odder den armen und geringen, sind sie streng und hartt, odder wenden alle yhr ding tzum ergisten. Item den kindern, elltern, freunden unnd bluttfreunden ist yderman geneygt, alle ding auffs beste tzu deutten und vertragen. Wie offt lobt eyn freund dem andern, das eyn offentlich laster ist, verschonet und lenckt sie auffs aller feynist nach yhm. Aber seynem seynd und widerpart thut er das widerspiel, [WA s. 180] da kan er keyn guttis finden, da ist keyn vertragen, nach woll deutten, ßondern wie es ligt ym ansehen, ßo taddelt erß.

       [Phil. 4, 5] Widder solche ungleyche und stuckliche lindickeyt redet hie S. Paulus, und will, das eyn Christliche lindickeyt sey rundt und gantz, eynem gleych wie dem andern, er sey freund odder feynd, yderman vertregt, und hellt sie tzu gutt, on alles auffsehen der person oder der verdienst. Denn sie ist auß dem grund gutt, unnd ungemacht, naturlich linde. Gleych wie das gollt bleybt gollt, es erkriege eyn frummer oder eyn boßer. Denn das silber wart nicht asschen, da es Judas der verrether ubirkam; alßo alle creatur und was von gott ist, das ist warhafftig und bleybt gleych gegenn yderman. Alßo auch die lindickeytt ym geyst erlanget, bleybt linde, es kum fur freund oder feynd, reych oder arm. Aber die blaßtuckische natur, thut gleych, als wenn das gollt yn S. Peters hand golt bliebe, und wurde yn Judas hand asschen. Alßo ist die vernunfftige und naturliche lindigkeyt linde gegen die reychen, grossen, frembden und freund, und nicht gegen alle menschen; darumb ist sie falsch, eyttel, erlogen, gleysserey, und lautter blaßtuckerey und eyn gauckelwerck fur gott.

       Darumb sihe tzu, wie unmuglich es der natur sey, diße rundte und geystliche lindickeyt hallten, unnd wie wenig leutt solches geprechens gewar werden, fur der schoenen und feynen lindickeyt, die sie gegen etliche munschen haben, und lassen sich duncken, sie thun wol und recht, das sie etlichen menschen ungelinde sind. Denn alßo leret die rotzige, unflettige natur, mit yhrer hubschen vernunfft, die alletzeytt widder den geist unnd was des geysts ist, orttert und [Röm. 8, 5] handelt, wie Paulus Ro. 8. sagt: Der dunckel des fleyschs helt davon, das dem fleysch eben ist. Szo hatt nu Paulus ynn dißen kurtzen wortten begryffen den gantzen Christlichen wandell gegen dem nehisten. Denn wer gelind ist, der thutt yderman wol an leybe unnd seel, mit wortten und wercken, vertregt auch ydermanß ubel und boßheyt; das ist denn nicht anders, denn liebe, frid, gedult, sanfftmut, langemutt, guttickeyt, mildickeyt, und alles was die frucht [Gal. 5, 22] des geysts leret Gal. 5. Szo sprichstu denn ia, wer wollt denn sicher seyn, eyn bissen brodts tzu behallten fur boßen leutten? die solcher unßer gleycheytt wurden misßbrauchen, alles nehmen, was wyr hetten, datzu auff der erde nicht lassen. Da hoere Sant Paulus, wie reychlich er anttwort, biß anß ende der Epistel ; tzum ersten spricht er.

[WA s. 181]

 

[Phil. 4, 5] Der herr ist nahe.

Wenn keyn got were, ßo mochtistu dich billich fur den boßen alßo furchten, aber nu ist nicht alleyn eyn gott, ßondern er ist nahe, er wirt deyn nicht vorgessen [Phil. 4, 5] noch dich lassen, sey nur du gelinde allen menschen, und laß yhn fur dich sorgen, wie er dich erneere und schutze; hatt er dyr Christum geben, das ewige gutt, wie solt er nicht auch dyr geben des bauchs nodturfft? Er hatt noch viel mehr, denn man dyr nehmen kan, du hast auch schon mehr, denn [Ps. 55, 23] aller wellt gutt, weyll du Christum hast, davon sagt Ps. 54. Wirff deyn [1. Petri 5, 7] anligen auff den hern, ßo wirtt er dich beschicken, und .1. Pet. ult. Werfft [Matth. 6, 28. 26] alle sorge auff yhn, denn er sorget fur euch. Und Christus Matt. 6: Sehet [Phil. 4, 5] an die lilien auff dem feld, unnd die vogel des hymels &c.. Das ist alles ßo viel gesagt: Der herre ist nahe, und folget:

 

[Phil. 4, 6] Seytt nicht sorgfelltig.

Nicht eyne sorge habt fur euch, lasst yhn sorgen, er kan sorgen, den yhr nu erkandt habt. Heyden sorgen, die nitt wissen, das sie eynen gott haben, [Matth. 6, 25., 31. 32 [!]] wie Christus auch sagt Matth. 5: Sorget nicht fur ewer seele, was yhr essen und trincken sollt, noch fur ewern leyb, was yhr anthun sollt, denn solchs alles suchen die heyden. Aber ewer vater ym hymell weyß, das yhr solchs bedurfft. Darumb laß nehmen und unrecht thun die gantze welt, du wirst gnug haben, und nicht ehe hungers sterben odder erfrieren, man hab dyr denn deynen gott genommen, der fur dich sorget, wer will dyr aber denen nehmen, wo du yhn selbs nicht faren lessist? Darumb haben wyr keyne ursach tzu sorgen, weyll wyr den tzum vatter und schaffner habenn, der alle ding ynn seyner handt hatt, auch die, ßo uns nehmenn unnd beschedigen mitt alle yhrem [Phil. 4, 5] gutt, ßondernnn ymmer frolich auff yhn unnd allennn menschen gelinde seyn, als die gewisß sind, das wyr gnug an leyb unnd seelen habennn werdennn, unnd allermeyst, das wyr eynen gnedigen gott haben, wilchen die nicht haben, die mussen wol sorgen. Unßer sorge soll seyn, das wyr nicht, iah nicht, sorgen, und nur gott frolich, und den menschen gelinde seyen; davon saget auch [WA s. 182] [Ps. 37, 25] der .36. ps : Ich bynn iung geweßen und allt worden, und habe nie gesehen [Ps. 40, 18] den gerechten verlassen, noch seyne kinde nach brott gehen, und Ps. 392 : Der herre sorget fur mich.

 

[Phil. 4, 6] Sondern yn allen dingen, last ewre bitte ym gepet und flehen, mit dancksagung, kund werden bey gott.

Hie leret er, wie unßere sorge auff gott soll geworffen werden, und ist die meynung: Sorget nur nichts, kompt aber ettwas, das euch sorge machen will, wie es denn seyn muß, das yhr viel anstösß haben musßet auff erden, ßo stellet euch alßo, unterwindet euch seyn gar nicht mit ewer sorge, es sey wilcherley es wolle, ßondern last die sorge, und keret euch mit gepett und flehen tzu gott, und bittet yhn umb alles, das yhr wolltet mit sorgen haben außrichtet, das erß außrichte. Und thutt das mit dancke, das yhr eyn solchenn gott habt, der fur euch sorget, und dem yhr alle ewer anligen mugt kunlich heymstellen. Wer aber sich ßo nicht stellet, wenn yhm ettwas kompt, ßondernn wils zuvor mit vornunfft messen, und mit eygenem radt regiren, und nympt sich der sorgen an, der menget sich selb ynn viel iamerß, vorleuret freud unnd fride ynn gott, unnd schaffet doch nichts, ßondernnn grebt nur den sand und sencket sich weytter hyneyn und kompt nicht erauß, wie wyr denn teglich yn unßer eygen und anderer erfarung leren.

       Und das wirt gesagt, das nicht yemandt yhm furnehme, er wolle alle ding alßo lassen faren und auff gott stellen, das er nichts datzu thue, gantz mussig seyn, und auch nicht dafur beten; denn der wirt bald umbgestossen werden, und yn sorge fallen, ßondern es musß gestritten seyn, und eben darumb fellet viel auff uns, das uns sorgen machet, das wyr dadurch tzum gepett von der sorge getrieben werden. Und der Apostel nicht umbsonst gegenander [Phil. 4, 6] setzt: sorget nichts und: ynn allen dingen fliehet tzu gott. Nichts und alles ist widdernander, damit er gnugsam tzeyget, das viel dings sey, das uns tzur sorge treybe, aber ynn dem allen sollen wyr nichts sorgen, ßondern an das gepett uns hallten und das gotte befelhen und bitten was uns feylet. [WA s. 183]

       [Phil. 4, 6] Hie mussen wyr nu sehen, wie das gepett soll gestallt seyn, und wilchs eyn gute weyße tzu beten sey. Vierley gibt er dem gepett, nemlich, das gepet, das flehen, den danck, und die bitte. Das gepett ist nichts anders, denn die wort oder das gesprech, alßo da ist das vater unßer, psalmen unnd dergleychen, ynn wilchen zu weyllen ettwas anders gesagt wirt, denn das, darumb man bittet. Das flehen ist, wenn man das gepett treybet und sterckt durch etwas anders, alß wenn ich eynen menschen bitte, durch seyns vaters willen, odder durch etwas, das er lieb hatt unnd hoch hellt. Alßo wenn wyr gott bitten durch seyne barmhertzickeyt, durch seynen ßon, durch seyne heyligen, durch seyn verheyssennn, durch seynen namen, wie Salomon thutt Ps. 1313 : [Ps. 132, 1] Herre gedencke an David und an alle seyne sanfftmutigkeyt. Alßo thutt auch [Röm. 12, 1] Paulus Ro. 12: Ich ermane euch durch die barmhertzickeyt gottis, und .2. Cor. 10: [2. Kor. 10, 1] Ich bitte euch durch die sanfftmutt und lindickeyt Christi &c..

       Die bitte ist, wenn man das nennet, das anligt und das man begerdt mit dem gepett und flehen, als ym vater unßer, das ist eyn gepet, und sind [Matth. 7, 7. 8] sieben bitte drynnen, wie Christus spricht Matt. 7: Bittet ßo werdet yhr nemen, sucht ßo werdet yhr finden, klopfft an, ßo wirt euch auffgethan. Denn wer da bittet, der nympt, wer da sucht, der findt, wer da anklopfft, dem wirtt auffthan. Der danck ist, das man die empfangen wolthat ertzele, und da durch die tzuversicht stercke, des auch tzu wartten, das man bittet. Alßo wirtt das gepett starck unnd dringet durchs flehen, wirt aber susß und angenehm durch den danck, und alßo, sampt der stercke und sussickeyt uberwindet es und empfehet, was es bittet. Und solche weyße tzu beten sehen wyr am brauch der kirchen und aller heyligen veter, ym allten testament, die alltzeyt flehen und danck beten. Alßo auch das vater unßer hebt an am lobe, danckt und bekennet gott fur eynen vater, und dringt tzu yhm durch die vetterlich und kindliche liebe, des flehen keyn gleyche ist, darumb ists auch das hohist und edlist gepett unter der ßonnen.

       Und mitt dißen wortten hatt S. Paulus feyn vergeystett das gulden reuchfasß und seyn geheym offenbart, davon viel ym allten testament Moses [2. Mose 30, 1 ff., u. ö.] geschrieben, wie der priester sollt reuchen ym tempel, denn wyr sind altzu mal [WA s. 184] priester, und unßer gepett ist das reuchfasß. Das erst ist das gulden gefesße, das bedeutt die wort des gepetts, die sind kostlich und thewr, alls da sind die wort des vater unßers, der psalmen unnd anderer gepett; denn ynn der gantzen schrifft wirtt das gefesß genomen fur die wort, darumb, das ynn unnd mit den wortten der synn verfasset, geben, und genommen wirt, gleych wie mit dem gefesß der weyn, wasser, kolen, und was denn ist, das man fasset. Alßo [Off. 17, 4] wirt auch der gulden kilch tzu Babylonien, Apoc. 17. die menschenlere verstanden, und der kilch, das Christusblutt ynnen ist, das Euangelion.

       Die fewrkolen aber ist die dancksagung und ertzelung der wollthatt ym [Röm. 12, 20] gepett; denn das die kolen bedeutten wollthatt, tzeugt Paulus Ro. 12. da er [Spr. 25, 21. 22] den spruch Salomonis furet proverb. 25: Hungert deyn feynd, ßo speyße yhn, duerstet yhn, ßo trencke yhn. Wenn du das thust, ßo wirstu fewrkolen auff seyn hewbt laden. Es sind aber fewr und brennende kolen, denn die wolthatt uberwinden und tzunden mit gewallt an das hertz. Aber im gesetz war gepotten, das man die fewrkolen nicht, denn von dem alltar nehmen soll; das das ist: ym gepett, sollen wyr nicht unßere werck und verdienst antzihen, wie [Luk. 17, 11 [!]] der phariseer ym Euangelio Luce. 15, ßondern die wolthatt ynn Christo empfangen. Der ist unßer alltar, auff dem wyr geopffert sind, auff der wolthatt [Kol. 3, 17] mussen wyr dancken und darynnen beten, wie Paulus saget. Colloss. 3: Thutt alles ynn dem namen unßers herrn Jhesu Christi und dancket gott dem vater durch yhn; denn er kan sonst nichts leydenn, wie er das beweyßet, Levit. 10, [3. Mose 10, 1 ff.] Da er die ßoene Aronß, Nadab und Abiu, vertzundet fur dem alltar, darumb das sie kolen ynß reuchfasß namen, anderß wo denn von dem alltar.

       Die bitte ist das reuchwerck, als der weyrauch odder tymien, das drauff [Phil. 4, 6] gelegt wirt, ßo das gepet vollendet. Und das S. Paulus hie spricht: lasst ewer bitte kundt werden bey gott, hatt er gleych den rauch vom reuchfasß angesehen und deuttet, als sollt er sagen: wenn yhr wollt reuchenn, das fur gott wollrieche und susße sey, ßo last ewr bitte kund werden durch flehen und danck; das ist der feyne, susße rauch, der kund wirtt unnd auffsteyget fur gott, wie eyn kertzlin und stracke ruthe, gleych wie der naturlich rauch vom reuchfasß auffsteyget, solchs gepett dringet durch den hymel. Denn der danck und wollthat macht das bitten kune und starck, datzu auch liechte, lustig und susse, wie die fewrkolen den rauch starck machen; ßonst ist das gepett kallt, fawl, und schweer, wenn das hertz nit zuvor entzundet ist mit kolen der wolthatt.

[WA s. 185]

       Wie wirt aber unßer gepett kund fur gott, ßo nicht alleyn fur yhm kund ist, ehe wyr anfahen, ßondern er selb kumpt auch tzuvor und gibt uns eyn, tzu bieten?1 Anttwort: S. Paulus saget solchs tzu leren, wie eyn rechtschaffen gepett seyn soll, nemlich, das es nicht yn den wind fare und auff ebenteur gepettet werde, wie die thun, die nicht achten, obs gott erhore oder nicht, bleyben ymer ungewisß, ia mehr achten, sie werden nicht erhoret. Das ist aber nicht beten noch bitten, ßondern got versuchen und spotten; denn ßo mich yemand umb eynen pfennig bete unnd glewbt oder meynet nicht, das ich yhm geben wurde, den mocht ich nicht horen, ich dechte, er spottet meyn, und were [Phil. 4, 6] nicht seyn ernst, wie viel mehr wirt gott solch plerren nit horen. Denn eyn gepett soll fur gott kund werden, das ist: wyr sollen nicht tzweyffelln, gott hore uns und es kome fur yhn, das wyrß gewißlich werden erlangen; denn wo whr nicht glewben, das gott hoere, odder fur gott kome, ßo kumpts auch gewißlich nicht fur yhn, wie wyr glewben, ßo gehet es. Darumb ist der auffsteygend rauch nichts anders, denn der glawbe ym gepeet, das wyr glewben, unßer gepet kome fur und werde erhoret. Und mit dißen wortten trifft Paulus, [Ps. 10, 17; 34, 16, u. ö.] das offt ym psalter wirt antzogen: meyn gepett ist gangen yn seyne oren, [Ps. 88, 14] item: laß meyn gepett fur dich komen, und der gleychen.

       [Matth. 21, 22, Mark. 11, 24] Davon saget Christus Matt. 21. und Marci. 11: Alles was yhr bittet ym gepet, das glewbt, das yhrß empfahen werdet, ßo wirtts geschehen; und Jacobi.1: [Jak. 1, 6] Bitte aber mit glawben und tzweyffell nicht, denn wer da tzweyffellt, der dencke nur nicht, das er ettwas werde von gott empfahenn. Darumb ists leychtlich tzu mercken, das ynn aller wellt das plerren ynn stifften und klostern eyn lautter spott und versuchen gottis ist. Denn solch gepett wirtt wol kund fur den leutten, sie schreyen, plerren unnd plocken yhe fast, aber gott weyß nichts drumb, kompt keyniß nicht fur yhn, darumb, das sie selbs nicht glewben noch gewisß sind, das fur yhn kome, wie sie aber glewben, ßo gehets, das woll tzeyt were, das man eyn mal gottis spott und versuchen weniger macht, und [Am. 7, 8 ff. [6, 8 ff. ?]] vertilget solche spottheußer, wie sie Amos .7. nennet. O wenn wyr solche weyße hielten mit beten, was solts seyn, das wyr nicht vermochten? Nu aber beten wyr viel unnd haben nichts, denn unßer beten erferet gott nymmer; weh dem unglawben und misßtrawen!

[WA s. 186]

 

 

[Phil. 4, 7] Und der fride gottis, wilcher uberschwebt uber allen synn, der verware ewre hertzen und synnen ynn Christo Jhesu.

Sihe, wie ordenlich und feyn Paulus eynen Christen leret; zum ersten, soll er durch den glawben yn got frolich seyn, darnach den menschen gelind [Phil. 4, 5] und guetig. Szo er aber spreche: wie kan ich? Antwortt er: der herr ist nah. Wie aber wenn ich verfolget wurd und yderman mich beraubet? Spricht [Phil. 4, 6. 7] er: sorge nicht, bitte gott und laß yhn sorgen; ia, ich werde die weyl mude und wuste? Nicht, der fride gottis wirt dich verwaren; davon lasst unß nu sehen.

       [Phil. 4, 7] Dißer fride gottis ist nicht tzuverstehen von dem fride, damit got bey yhm selb still und tzufriden ist, ßondern den er uns gibt ynß hertz, das wyr tzufriden sind, gleych wie das wortt gottis heysst, das wyr auß yhm reden und horen und glewben, es ist gottis gabe, darumb heysts seyn fride, auch darumb, das er mit gott fride macht, ob wyr bey den menschen unfride haben; derselbige fride uberschwebt uber alle synn, vernunfft und verstentniß. Das mustu nicht alßo verstehen, das yhn niemant fulen noch empfinden muge; denn sollen wyr mit gotte fride haben, ßo mussen wyrß yhe fulen ym hertzen und ym gewissen, wie kund sonst unßer hertz unnd synn beward werden durch yhn, ßondern alßo soltus verstehen: Wenn trubsall und widerwertickeyt kompt uber die, ßo nicht wissen mit gepett zu gott flihen und sorgfelltig sind, ßo faren sie tzu und suchen auch fride, aber nur den, den die vornunfft begreyfft und erlanget. Die vornunfft aber weyß von keynem fride, denn von dem, wenn das ubel auffhoret, dißer frid schwebt nicht uber vernunfft, ßondernn ist yhr gemeß. Drumb toben und streben sie auch der vernunfft nach, biß das sie denselben fride durch abthun des ubels erlangen, es sey mit gewalt odder mit list. Alßo wer eyne wunden hatt, der verstehet und sucht die gesundheytt.

       Aber die ynn gott sich frewen, lassen yhn benugen, das sie mit got fride haben, bleyben menlich ym trubsall, begeren nicht den fride, den die vernunfft stymmet, nemlich des ubels auffhoren, ßondern stehen fest und wartten der ynwendigen stercke durch den glawben, fragen nichts darnach, ob das ubel kurtz, lang, tzeytlich odder ewig sey unnd bleybe, dencken und sorgen auch nicht, wie das ende werden wolle, lassens gott walden ymmer hynn, wollen nicht wissen, wenn, wie, wo und durch wilchen. Darumb thutt yhm gott auch widder die gnade, und schafft yhrem ubell eyn solch ende, mit ßo grossem [WA s. 187] forteyll, das keyn mensch hette kunden gedencken noch wuntschen. Sihe, das heyst der frid des creutzs, der fride gottis, der frid des gewissens, der Christlich fride, der macht, das der mensch auch außwendig still und mit yderman tzufriden ist, und niemands verunruget. Denn das greyfft noch thutt keyn vernunfft, das eyn mensch sollt unter dem creutz lust, unter dem unfrid fride haben. Es ist eyn gottis werck, das niemant bekand ist, denn dem, der es [Röm. 15, 13] erfaren hatt, davon auch droben gesagt ist an dem andern Sontag yn der Epistel. 1 Gott der hoffnung erfulle euch mit aller freuden und friden ym glawben; das er da: friden ym glawben, das nennet er hie: friden gottis.

       [Phil. 4, 4. 5] Szo tzeyget S. Paulus damit an, das wer sich ynn gott frewen und lindiglich leben will, dem wirt der teuffel eyn creutz aufftreyben, das er yhn von der meynung iage, und wende seyn hertz umb; darumb musse er dagegen gerustet seyn, das er seynen fride dahynn stelle, da yhn der teuffell nicht erlangen kan, nemlich ynn gott, und musß nit dencken, wie er des loß werde, das der teuffel auff yhn treybet, ßondern muß yhn lassen seynen muttwillen uben, ßo lang biß gott selbs kome und machs eyn ende, ßo wirt seyn hertz und synn und meynung bewart und erhallten ym fride. Denn auch die gedullt nicht mocht die lenge bestehen, wo das hertz nicht uber sich selb ym hoehern fride bestunde und ließ yhm benugen, das er mit gott fride hatt.

       [Phil. 4, 7] Hertz und synn soll hie nicht verstanden werden von naturlichem willen und verstentniß, sondern, wie sich Paulus selbs deuttet, hertz und synn ynn Christo Jesu, das ist: den willen und verstand, den man ynn Christo und von Christo und unter Christo hat und furet. Das ist der glawb und lieb mit alle yhrem weßen, wie der gesynnet und geneyget ist gegen gott und menschen, der ist nicht anders, denn das er auß hertzen gott trawet und liebet, und geneygt ist, mit hertz und synn tzu thun gott und dem nehisten, was und mehr denn er kan. Solchen synn und hertz sucht der teuffel mit furcht, schrecken, todt und allem ungluck abtzuwenden, und menschending auffrichten, das der mensch trost und hulff bey sich selb und bey den menschen suche; ßo ist er denn schon von gott auff seyn eygen sorge gefallen.

       Szo ist nu diße Epistell auffs aller kurtzist eyn unterricht eyneß Christlichen lebens gegen gott und die menschen, nemlich, das er lasße gott yhm allerley seyn unnd er sey auch alßo allen menschen allerley, das er den menschen eyn solcher sey, wilcherley gott yhm ist, empfahe von gott unnd gebe den menschen; das ist summa summarum Glawbe und liebe.

[WA s. 188]

 

 

 

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[Joh. 1, 19 –28] Das Euangelion des vierden Sontags ym Advent, Johannis am erstenn.

 

1522[WA s. 188]

Es sandten die Juden von Hierusalem Priester und Leviten, das sie yhn fragten: Wer bistu? Und er bekandte und leugnete nicht, und bekandte: Ich byn nicht der Christ. Und sie frageten yhn: Wer denn? Bistu Elias? und er sprach: ich bynß nicht. Bistu eyn prophet? und er antworttet: neyn. Da sprachen sie tzu yhm: wer bistu? das wyr eyn antwort geben den, die uns gesand haben. Was sagistu von dyr selbs? Er sprach: Ich bynn die ruffende stym ynn der wuesten, richtet den weg des herren, wie der prophet Isaias gesagt hatt. Und die da gesand waren, die waren von den phariseern und fragten yhn und sprachen zu yhm: Was teuffistu denn, ßo du nicht bist der Christ, noch Elias, noch eyn prophet? Johannes antworttet yhn unnd sprach: Ich tauffe mit wasser. Er ist aber mitten unter euch getretten, den yhr nicht kennet. Der ists, der nach myr komen wirt, der fur myr geweßen ist, des ich nit werd byn, das ich auffbinde den rymen seynes schuchs. Diß geschach tzu Bethabara iensyd des Jordanß, da Johannes war teuffend.

 

Der Euangelist beschreybt mit vielen wortten und machet groß das tzeugniß Johannis; denn obs wol damit gnug geweßen were, das er von Johannes [Joh. 10, 2] schreybt: Er hatt bekand, widderholet erß doch noch eyn mal und spricht: Er hatt nicht verleugnet und hatt bekand. On tzweyffel, das er damit die theure bestendickeytt Johannis preysßet ynn eyner grossen anfechtung, damit er versucht ward tzu eynem grossen abfall von der warheyt. Und sihe an die umbstende.

       Auffs erst, werden tzu yhm gesand nicht knechte odder gemeyne burgere, [Joh. 1, 19] ßondern auß der hohisten, edlisten rotten priester und Leviten, die phariseer waren, das ist, die ubersten ym volck; das war eyn herliche bottschafft, tzu solchem geringen man, der billich hett sollt fro und hoffertig werden von solcher ehre. Syntemal man herrn- und furstengunst ßo gar theur achtet yn der wellt.

[WA s. 189]

       [Joh. 1, 19] Auffs ander, ßo senden tzu yhm nicht schlechte leutt, ßondern, die von Hierusalem, das ist die hewbtstadt und der gantze rad und furstenthum des Judischen volcks, das gleych ßo viel war, als keme das gantze volck tzu yhm und bote yhm die ehre an. O wilch eyn wind ist das geweßen, wie sollt der auffblaßen, wo er treffe eyn eyttel welltlich hertz!

       [Joh. 1, 19] Auffs dritte, bieten sie yym an nicht eyn geschenck noch gemeyne herlickeyt, ßondern die aller uberst herlickeyt, das konigreych unnd alle ubirkeytt, unnd sind bereyt yhn fur den Christ antzunehmen; das ist yhe hoch und susß versucht, denn wenn er nicht erkennet hette, das sie yhn fur den Christ hallten [Joh. 1, 20] wollten, hett er nicht gesagt: Ich bynn nicht der Christus, und Lucas .3. [Luk. 3, 15. 16] schreybt auch, das, da yderman meynet er were der Christ. sprach Johannes: den yhr meynet, der ich sey, bynn ich nicht, ßondern ich bynn fur yhm her gesand.

       [Joh. 1, 21] Auffs vierde, da er solche eehre nicht wolt, versuchen sie es mit eyner andern, und sind bereyt yhn fur Elias antzunehmen; denn sie hatten eyne [Mal. 4, 5. 6] prophecey ym propheten Malachias am letzten, da gott spricht: Sehet da, ich will euch senden den propheten Elias, ehe denn da kome der grosse und schreckliche tag des herrn, der wirtt bekeren die hertzen der veter tzu den kindern, unnd die hertzen der kinder tzu yhren vetern, auff das, wenn ich kome, die erde nicht schlage mit dem bann.

       [Joh. 1, 21] Auffs funffte, da er nit will Elias seyn, versuchen sie noch weytter, und bieten yhm an eyn gemeyn ehre eynß propheten ; denn sie hatten sind Malachias keynen propheten gehabt. Noch stehet Johannes fest und wanckt nicht von ßo viel anklopffen der eehre versucht.

       [Joh. 1, 22] Auffs sechst und letzte, da sie keyn ehre mehr wusten, stellen sie es yhm heym, wie unnd was er doch wolle gehallten seyn, wolten yhe gerne yhn tzu [Joh. 1, 23] eehren machen. Aber Johannes will yhr eehre nicht, und antworttet nicht mehr, denn das er eyn stymme sey, die yhn und yderman ruffe; das achten [WA s. 190] sie nicht. Was das alles deutte, wollen wyr hernach horen. Nu laß uns den text sehen.

 

[Joh. 1, 19] Die Juden sandten von Hierusalem priester und leviten tzu Johannes, das sie yhn frageten: Wer bistu?

Sie haben tzu yhm gesand, warumb kamen sie nicht selbs tzu yhm? Johannes war komen, tzu predigen die buß yderman ym volck der Juden. Solcher prediget achten sie nicht, darumb ists gewisß, das sie auß keyner gutter reyner meynung tzu yhm gesand haben und solche ehre angepotten, sie habens auch nicht von hertzen glewbt, das er Christus odder Elias oder eyn prophet were, ßonst weren sie selbs komen unnd hetten sich teuffen lassen, wie die andernn [Joh. 5, 33, 35] thetten. Was suchten sie denn an yhm? Christus tzeygts Johan. 5: Ihr habt gesand zu Johannes und er betzeugete die warheyt. Er war eyn brennend unnd leuchtend liecht, yhr aber woltet euch eyne stunde frewen yn seynem liecht. Auß dißen wortten ists klar, das sie an Sanct Johannes haben yhre eygen ehre gesucht, und wollten seynes liechts, das ist: seynes hohen berumpten namens brauchen, sich selb fur dem volck zu schmucken.

       Denn wo Johannes yhn were tzugefallen, und hett angenommen yhr angepotten ehre, ßo weren sie auch fur allem volck grosß und herlich worden, als die da wirdig weren solchs heyligen grosßes mannes frundtschafft und ehren; was were aber das anders geweßen, denn das dadurch alle yhrer geytz, tyranney, und buberey were bestettiget fur eyttel heylig kostlich ding? Und were alßo Johannes der aller grossist schanddeckel worden mit seyner heylickeytt, der yhe geweßen were odder werden kund, und were Christus tzukunfft mit aller billickeyt verwerfflich angesehen, weyll sie entgegen war allem weßen der priester und der tyrannen, bey wilchen der grosße heylige man Johannes stund. Darumb sehen wyr hie, wie mit eyner buberey sie sind umbgangen, unnd wie sie haben Johannem versucht, das er Christum aller ding verleucken und eyn Judas Scharioth werden, und alle yhre untugent rechtferttigen solt, und seyne ehre und des volcks anhang yhn tzubringen. Sinds nicht feyne hantierer, die Johannes ehre anbieten, auff das sie seyne ehre zu sich bringen? bieten yhm eynen apffel umb eyn konigreych, wollen yhm mit rechpfennig die gulden abwechßlen. Aber er ist bestanden als eyn grundfest, wie folget:

[WA s. 191]

 

 

[Joh. 1, 20] Und er hat bekandt und nicht geleucket. Und hatt bekand: ich bynn nicht der Christ.

Zwey stuck hatt ynn sich Johannes bekentniß: Eyns, das er bekennet, das ander, das er nicht leucket. Das er bekennet, ist das bekentniß von Christo, da er spricht: ich bynn nicht der Christ. wie der text saget. Er hatt bekandt: [Joh. 1, 21] ich bynn nicht der Christ. Und tzu demselben bekentniß gehoret auch, das er bekennet, er sey nicht Elias noch eyn prophet. Das er aber nicht verleucket, [Joh. 1, 23] ist, das erß gestendig ist, was er sey, da er spricht, Er sey die stymm yn der wusten, die mit yhrem geschrey den weg des herrn bereytte. Und alßo ist seyn bekentniß ein frey bekentniß, das nit alleyn bekennet, was er nicht sey, ßondern auch, was er sey; denn das teyl der bekentniß, ßo yemand bekennet, was er nicht sey, ist noch tunckell und unvolkomen, dabey man nicht kan wissen, was und wie man von yhm hallten soll. Aber hie saget Johannes offentlich, [Joh. 1, 20. 23] was, und was nicht von yhm tzu hallten sey, und macht sie gewiß und sicher, ynndem er bekennet, er sey nicht der Christ, und nicht verleucket, das er die stymme sey fur seyner tzukunfft.

       Sollt aber wol yemand sagen, der Euangelist verkere seyne rede, das er [Joh. 1, 20] das eyn bekentniß heyst, da Johannes spricht, er sey nicht der Christus, ßo es mehr eyn verleucken ist, denn er verleucket, das er der Christus sey. Neyn sagen ist yhe verleucken, und die Juden begerten, er solte bekennen, er were Christus, das er verleucket und der Euangelist spricht, er hab bekand. Und widderumb, das viel mehr eyn bekentniß ist, da er sagt: ich bynn die stymme [Joh. 1, 23] ynn der wuesten. Aber der Euangelist sihet an und beschreybt die geschicht, wie sie fur gott ist, und nit auff die wortt, wie die fur den menschen lautten, denn sie giengen damit umb, das er Christum verleucket unnd sich selb nicht bekennet, das er ware. Dieweyl er aber festiglich drauff bleybet und bekennet, was er ist und nicht ist, ist seyn werck fur got eyn thewr bekentniß und nicht verleucken.

 

 

[Joh. 1, 21] Und sie fragten yhn: was denn? Bistu Elias? und er saget ich bynß nicht.

Wie drobenn gesagt ist, die Juden hatten eyn prophecey von Elia, [Mal. 4, 5 [!]] Malach. 3, das er fur dem tage des herrn komen solt. Daher es auch noch [WA s. 192] bey den christen eyn gemeyne rede ist, Elias solle komen fur dem iungsten tage, ettlich thun datzu Enoch, etlich Johannes den Euangelisten; da wollen wyr auch von reden eyn wenig. Auffs erst, steht der gantze grund darauff, ob der prophet Malachias rede von der andern zukunfft des herrn am iungsten tage, odder von der ersten tzukunfft ynß fleysch unnd durchs Euangelium. Redet er von dem iungsten tag, ßo ist gewißlich des Elias tzu wartten, denn gott wirtt nicht liegen. Das aber Enoch odder Johannes auch komen solle, ist nicht ynn der schrifft gegrund. Darumb es auch fur fabelln und teydinge tzu hallten ist. Redet er aber von der tzukunfft Christi durchs fleyschs und wort, ßo ist gewißlich keynes Elias mehr tzu wartten, ßondern Johannes ist derselb Elias von Malachia verkundiget.

       [Mal. 4, 5] Ich bynn aber der meynung, das Malachias habe von keynem andern Elias, denn von Johannes geredt, und das des Elias von Thesbi, der mit dem [2 Kön. 2, 1. 11] fewrigen wagen gen hymel gefaren ist, 4. Reg. 2. gar nicht tzu wartten sey. Zu der meynung dringet mich, auffs erst allermeyst, die rede des engells [Luk. 1, 17] Gabriel Luce. 1, die er tzu Zacharia, Johannes vater, saget und sprach: Er wirt fur dem herrn hertretten ym geyst und krafft Elias, das er bekere die [WA s. 193] hertzen der veter tzu den kindern, und die unglewbigen tzu der klugheyt der gerechten. Mit wilchen wortten man wol sihet, das der engel deuttet auff [Mal. 4, 5. 6] die weyssagung des propheten Malachia, und furet auch dieselben wort des propheten, wilcher auch saget, das Elias die hertzen der veter bekeren tzu den kindern, wie droben ertzelet ist. Were nu eyn ander Elias von Malachia geweyssagt, ßo hetter der Engel on tzweyffel desselben nicht auff Johannes [Luk. 1, 31 [!]] deuttet. Alßo thett er auch der iungfrawen Maria Lu. 2. und deuttet auff [Jef. 7, 14] sie die wort Isai. 72 : Sehet, eyne iungfraw hatt empfangen und wirt geperen eynen ßon. Diße wortt tzoch Gabriel auff Maria unnd sprach: Sihe da, du wirst empfangen ym leybe und geperen eynen ßon &c..

       Das ander, die Juden selbs von allter her verstunden auch Malachias [Joh. 1, 21] von der tzukunfft Christi ynß fleysch. Darumb fragen sie alhie Johannes, ob er Elias sey, der fur dem Christ komen sol; sie yrreten aber darynnen, [Mal. 4, 5] das sie den ersten leyplichen Elias drynnen verstunden, denn wiewol der text tzwinget, das Elias soll tzuvor kommen, ßo tzwinget er doch nit, das ihener Elias sey, denn er spricht nicht, Elias von Thesbi soll komen, wie yhn die [1. Kön. 17, 1, 2. Kön. 1, 8] schrifft nennet. 3. Reg. 17. und .4. Reg. 1. ßondern schlechts: eyn Elias, eyn [Luk. 1, 17] prophet, wilchs deuttet der engel Gabriel Lu. 1. alßo ym geyst und krafft Elias, als solt er sagen: es wirt eyn rechter Elias seyn, gleych wie man auff deutscher gewonheytt saget von eynem, der des andernn artt unnd thatt an yhm hatt: das ist eyn rechter .N. als wenn ich spreche: der Bapst ist eyn rechter Cayphas, Johannes Husß ist eyn rechter Paulus. Alßo verheysset gott [Mal. 4, 5] auch durch Malachias eynen, der eyn rechter Elias seyn soll; das ist aber Johannes.

       Doch glewbt ich dem verstand der Juden nicht alleyn, wenn yhn Christus [Matth. 17, 10] nicht bestettiget. Matt. 17. Da die iungern auff dem berge Thabor Elias unnd Moses gesehen hatten, sprachen sie tzu dem herrn: was sagen denn die schrifftgelerten, Elias soll tzuvor komen? als sollten sie sagen: Du bist schon komen, und Elias ist noch nie komen zuvor, ßondern itzt nach dyr erschienen, und sie sagen doch, er musße kommen. Da verwarffe Christus dißen verstandt [WA s. 194] [Matth 17, 11. 12] nicht, sondern bekrefftiget yhn und sprach: Elias wirt tzwar komen und alles erwidderbringen. Ich sage euch aber, das Elias schon komen ist, und sie haben yhn nich erkand, und baben an yhm than was fie wolten; da verstunden die iunger [Matth. 17, 13] (spricht Matteus) das er von Johannes dem teuffer redet. Und Marcus thut [Mark. 9, 13] datzu, und spricht c. 9: Ich sage euch, Elias ist kommen, und sie haben an yhm than, was sie wollten, wie denn von yhm geschrieben ist. Nu ist yhe keyne schrifft [Mal. 4, 5] von Elias das er komen soll, denn diße Malachie, und Christus deuttet dieselb [Matth. 17, 11] auff Johannes. Und ob yemand das beweget, das Christus spricht: Elias wirt tzwar kommen und alles erwiderbringen, tzwinget nichts, syntemal er selb sich selb [Matth. 17, 12] mit folgenden wortten außleget und spricht: Aber ich sage euch, das Elias schon komen ist &c.. Das die meynung alßo lautte: das yhr gehort habt von Elias, das er komen soll zuvor und alles erwidderbringen, ist recht und war. Es ist alßo geschrieben und musß alßo ergehen, aber sie wissen nit, von wilchem Elia das gesagt ist, denn er ist schon komen. Alßo, das Christus die schrifft mit solchen wortten bestettiget und den verstand vom kunfftigen Elias, aber doch verwirfft den yrrigen verstand von eynem andern Elias denn Johannes.

       [Matth. 11, 13 –15] Auffs sterckist aber Matt. 11. bewerd Christus, das keyn ander Elias kome, und spricht: Alle propheten und das gesetz haben weyssaget biß auff Johannes, und ßo yhrß wolt annehmen, Er ist der Elias, der komen soll, wer oren hatt tzu horen, der hore! Hie ists offenbar, das nur eyn Elias tzukunfftig seyn sollt, denn wo noch eyner furhanden were, ßo kund [Matth. 11, 14] er nicht sagen: Johannes ist der Elias, der tzukunfftig ist, ßondernn hette mussen alßo sagen: Johannes ist der Elias eyner, oder schlecht : er ist Elias. Nu er aber Johannes deuttet, er sey der Elias, des yderman warttet, alß des tzukunfftigen, on tzweyffel, der verkundigt war, ßo gibt er gnug tzuverstehen, [Mal. 4, 5] das Malachias weyssagung an Johannes erfullet ist, nnd nach derselben keyns audern Elias tzu wartten sey.

       Darumb bleyben wyr auch drauff, das die letzte prediget fur dem iungsten tage sey das Euangelion, durch wilchs Christus ist ynn alle wellt komen, und fur dißer prediget und tzukunfft ist Johannes komen, und hatt yhr den [Matth. 11, 13] weg bereyttet. Auch ßo alle propheten unnd das gesetz biß auff Johannen weyssagen, leydet sichs nicht, das sie yemand uber Johannes strecke auff [Mal. 4, 5] eynen andern kunfftigen Elias; ßo muß auch Malachias' weyssagung auff [WA s. 195] Johannes tzeyttung sich reymen, denn weyl er alle propheten auff Johannes tzeytten tzeucht, lesset er keynen furuber gehen. Und alßo beschließen wyr gewißlich, das keyn Elias mehr komen wirt, ßondernn das Euangelion wirt weren biß an das ende der wellt.

 

[Joh. 1, 21] Bistu eyn prophet? und er anttworttet: Neyn.

Hie meynen aber ettliche, die Juden haben gefraget nach dem propheten, [5. Mose 18, 18] da Moses von schreybt Deutro. 18. Eynenn propheten will ich erwecken mitten auß yhren bruedern gleych wie dich &c.. Aber dißen spruch deuttet Petrus [Apg. 3, 22; 7, 37 [!]] Act. 3. und Stephanus Act. 8. auff Christum selbs, wie er denn auch tzu deutten ist. Unnd die Juden gewißlich auch denselben propheten Most gleich hielten uber Elias; darumb haben sie yhn auch von Christo verstanden unnd [Joh. 1, 21] Johannem gefraget, ob er eyn gemeyner prophet were, wie die andern, syntemal er widder Christ noch Elias sey, denn sie hatten sint der tzeyt Malachias keynen propheten gehabt, wilcher auch der letzt ist unnd das allte testament beschleusset mit dem spruch, der droben gesagt ist von Elias tzukunfft, alßo das Johannes der nehist und erste nach Malachias ist, der von yhm seyn buch [Joh. 1, 21] beschleusset unnd auff yhn deuttet; alßo fragen sie, ob er der propheten eyner [Matth. 11, 9] sey, wie auch Christus von yhm sagt, Matt. 11: Was seytt yhr hynaußgangen tzu sehen? eynen propheten? ia, ich sage euch der mehr denn eyn prophet ist. [Matth. 21, 26] Und Mat. 21. spricht, sie hielten Johannen alle fur eynen propheten.

       [Joh. 1, 21, Matth. 11, 9. 14, Luk. 1, 17] Hie fraget sichs nu, wie Johannes habe die warheyt bekennet, ßo er leucket, er sey nicht Elias noch eyn prophet? und doch Christus selbs yhn Elias und mehr denn eynen propheten nennet? Und er selb wuste, das er ym geyst und krafft Elias komen war, und das die schrifft yhn Elias hiesße?5 [WA s. 196] Saget man, er habe darumb sich nicht eynen propheten bekand, das er mehr denn eyn prophete ist, ßo lautt es schimpfflich, als wolt er sich selbs hohen und rhumen. Darumb ist das tzu hallten, er habe auff das aller eynfeltigist [Joh. 1, 31] gleych tzu bekand die warheyt, nemlich, das er nicht der Elias sey, nach dem sie frageten, auch nit eyn prophet. Syntemal es gewonlich war, das die propheten das volck fureten und lereten, und man rad und hilff bey yhn suchte; solcher war Johannes keyner, unnd wollt auch keyner seyn. Syntemal der herr aller propheten gegenwertig war, dem sie anhangen und folgen sollten, alßo, das er das volck nicht tzu sich tzihen, ßondern auff Christum furen wollt, wie es geschehen muste auß nodt, ehe denn Christus selb kam. Auch darumb, das eyn prophet von der tzukunfft Christi verkundigt, Johannes aber den gegenwertigen tzeyget, wilchs ist eynß andern, denn eynß propheten ampt. Gleych als wenn eyn priester ynn gegenwertickeyt des bisschoffs die leutt von sich weyßet tzum bisschoff und sprech: ich byn nicht priester, ihener ist ewer priester, und doch ynn abwertickeyt des bisschoffs das volck ßo wol regirt als der bisschoff.

       Alßo auch Johannes weyßet das volck von sich zu Christo, und wie dasselbige mehr und grosser ampt ist, denn eynß propheten, ßo ists doch nit umb seyner wirdigkeyt willen grosser, ßondern umb der gegenwertickeyt willen seyns [Matth. 11, 9] herrn. Und ynn solchem preyß, das Johannes mehr denn eyn prophet ist, wirt nicht seyne wirde, ßondernnn die wirde des gegenwertigen herrn antzeygt; denn es breuchlich alßo ist, das eyn knecht ym abweßen seynes herrn grosser, wirdiger und ehrlicher gehall ten ist, denn ym beyweßen. Alßo ist auch eyn prophet eyn hoeher stand denn Johannis stand, wiewol Johannis ampt grosser und neher ist, denn eyn prophet regirt und furet das volck, und das volck hanget an yhm, aber Johannes thutt nit mehr, denn weyßet nur von sich zu Christo dem gegenwertigen herrn. Darumb hatt er sich recht und schlecht auffs eynfeltigist eynen propheten verleucket, wiewol er alle art eynß propheten ubirflussig an yhm hatte. Das ist alles geschehen umbs volcks willen, auff das sie nicht seyn tzeugnis als eyne weyssagung eyns propheten auffnehmen, und Christus auff eyn andere tzeyt tzukunfftig warteten, ßondern [WA s. 197] yhn als eynen furgenger und tzeyger erkenneten, und seyner tzeygung auff den gegenwertigen herrn folgeten ; das will nu der folgende text.

 

[Joh. 1, 22. 23] Da sprachen sie zu yhm: Wer bistu denn? das wyr eyn anttwort geben denen, die uns gesand haben. Was sagistu von dyr selbs? Er sprach: ich bynn die ruffende stym ynn der wusten, richtet den weg des herrn, wie gesagt hatt der prophet Isaias.

Das ist das ander teyl seyner bekentniß, darynnen er bekennet, was er sey, nachdem er widder Christus, noch Elias, noch eyn prophet seyn will; als solt er sagen: Es ist viel neher ewer heyl, denn das eyn prophet hie seyn solt, strecket ewer augen nicht ßo fern fur uber yn eyn ander tzeyt. Der herr aller propheten ist selber hie, man darff hie keynes propheten, der herr gehet daher, und desselben furgenger byn ich, er folget myr auff dem fusße nach. Ich weyssage nicht von yhm als eyn prophet, ßondern ich ruffe als eyn furleuffer, das man yhm rawm und platz gebe, das er eynher gehen kunde; ich sage nicht: Sihe da, er ist zukunfftig, wie die propheten, ßondern ich sage; Sihe da, er kompt und ist hie. Ich sage nicht wort von yhm, ßondern tzeyge yhn mit dem finger, wie denn lange zuvor Isaias verkundiget hat, das eyn solch geschrey dem herrn patz tzu machen, fur yhm her gehen sollte, derselbige byn ich, und nicht eyn prophet. Darumb trett bey seytt, gebet rawm, und lasst den herrn selbs unter euch wandelln, gegenwertick, und sehet nach keyner weyssagung mehr von yhm.

       Das ist nu die anttwort, die keyn gelerter, weyßer, heyliger mensch leyden kan, und Johannes muß ynn allen buchstaben den teuffel haben unnd eyn ketzer seyn, denn alleyne die sunder und thoren hallten yhn fur eynen heyligen, frummen man, und geben rawm seynem geschrey, unnd machen platz dem herren, thun beseytt was seynen gang hyndertt. Jhene aber werffen holtz, steyn, kott dreyn, ia, sie todten beyde, den furleuffer und den herrn selbs [Joh. 1, 23] druber, das sie solch thuren tzu yhn sagen. Wie ßo? Johannes spricht, sie sollen den weg des herrn richten; das ist ßo viel gesagt: sie haben den herrn nicht, noch seynen weg ynn yhn. Was haben sie denn? wo der herr nicht ist noch seyn weg, da muß menschen eygen weg und der teuffel unnd alles ubel [WA s. 198] seyn. Da sihe nu, ob nicht die heyligen weyßen leutt billich sollten tzornen uber Johannen, unnd seyn wortt verdamnen, darnach yhn mit seynem herrn erwurgen, sollt er ßo kuene seyn, solche heylige leutt dem teuffel tzuorttern, unnd alles yhr weßen, yrrig, gotloßig, verdamlich schellten, und furgeben, yhre wege seyen nicht des herren wege, und sollten aller erst tzurichten des herrn wege, unnd alles yhrs heyligs leben vergeblich gefurt haben?

       Datzu wenn erß doch heymlich ynn eyn taffel schriebe, mochten sie villeycht gedullt drob haben. Aber nu bringt ers ynn die stym, unnd nicht alleyn ynn die stym, ßondernn schreyet es laut auß, datzu nicht ynn eynem winckel, ßondernn frey unter dem hymel, ynn der wusten fur aller wellt, und macht die heyligen fur allen leutten offintlich tzu sunden unnd tzu schanden mit allem yhrem weßen und wandel, das die leutt nichts mehr von yhrem scheyn hallten, damit denn eehr unnd genieß abgehet, den sie tzuvor hatten mit yhrem heyligen leben; das ist yhe nicht tzu leyden solchen heyligen leutten, ßondernn umb gottis unnd der gerechtickeit willen mussen sie die falschen lere verdamnen, das die armen leutt nicht verfurt, und der gottisdienst nicht verdruckt werde, und beyde, Johannes und seynen herrnn, gott dem vater tzu liebe und dienst todten.

       Das ist nu die bereyttung des wegs Christi und das eygentlich ampt Johannis, das er alle wellt demutigen sollt und sagen, das sie alltzumall sunder, verlorn, verdampt, arm, durfftig, elende menschen seyen, unnd das keyn leben, keyn werck, keyn stand, ßo heylig, schon odder gutt scheyne, der nicht verdamlich sey, wo nicht Christus der herr drynnen wonett, wirckt, wandellt, lebt, und alles ist unnd thut durch seynen glawben, das sie alßo alltzumal Christum bedurffen und sich seyner gnade mit aller begirden teylhafftig machen. Sihe da, wo nu solchs predigt wirtt, das aller menschen werck und leben nichts ist, das ist die rechte stym Johannis ynn der wusten, unnd die lautter reyne warheytt Christlicher lere, wie Paulus thut Ro. 3., da [Röm. 3, 23] er spricht: Sie sind alltzumal sunder unnd mangelln des preyßes, den gott von yhn habenn soll; das heyst recht demutigen und allen menschen die vermessenheytt ausschneyden und tzu nichte machen. Das heyst nu warhafftig den weg des herrn richten, rawm geben, und platz machen.

       Hie finden sich nu die tzweyerley menschen. Ettlich, die glewben solcher stym Johannis und bekennen sich, es sey mit yhn alßo; dieselbigen sinds, tzu [1. Petri 5, 5] den der herr kompt, da ist seyn weg bereyttett unnd tzugericht, denn wie Petrus [WA s. 199] [Matth. 23, 12, Luk. 14, 11] sagt, den demutigen gibt er gnade. Und er selb: Wer sich selb nydrigt, der wirt erhohet. Denn du must hie wol lernen und die wort geystlich fassen, was der weg des herrn sey, unnd wie man den tzurichtet, und was yhn hyndert, das er nicht rawm ynn uns finde. Der weg des herrn, hastu gehort, ist, wenn er ynn uns alle ding thutt, unnd alle unßer werck nicht unßer, ßondernnn seyn sind, wilchs geschicht durch den glawben. Die bereyttung aber steht nicht darynn, das du mit deynem gepett, fasten, casteyen, und eygen wercken dich wolltist wirdiglich bereytten, wie itzt alle predigt ym advent treyben und narren, ßondern wie gesagt ist, es ist eyn geystlich bereytten, das stehet ynn grundlichen erkentniß und bekentniß, das du untuchtig, sunder, arm, verdampt und elend bist mit allen wercken, die du thun kanst. Eyn solch hertz, yhe mehr es ßo gesynnet ist, yhe baß dem herrn den weg bereyttet, obs auch dieweyl eyttel malmasier truncke, und auff roßen gienge und nicht eyn wortt bettet.

       Das hynderniß aber, das dem herrn nicht rawm gibt, ist nicht alleyn die groblichen leyplichen sunden der unkeuscheytt, tzorn, hoffart, geytz &c.., ßondernnn viel mehr der geystliche dunckell und der phariseischer rechter hohmut, der seyn gutts leben und werck achtet, sicher drauff ist, unnd vordampt sie selb nit, und wil sie auch unverdampt haben datzu; das sind nu das ander teyl der menschen, nemlich, die Johannes stym nit glewben, ßondern sagen, sie sey des teuffels und verpiete gute werck unnd verdamne gottis dienst, [Joh. 1, 23] das sind sie, tzu den am meysten und sterckisten gesagt wirt: richtet tzu den weg des herrn, und sie es am wenigsten annehmen. Darumb spricht Johannes [Luk. 3, 7. 8] tzu yhn mit scharffen wortten Luce. 3: yhr ortterngetzichte, wer will euch tzeygen tzu entpflihen dem kunfftigen tzorn? drumb ßo thutt frucht der pusß, die da rechtschaffen sind. Aber, wie gesagt ist, yhe mehr man solchen saget, von des herrn weg tzurichten, yhe mehr sie yhn verhyndernn unnd unsynniger werden, wollen nicht, das yhr ding nicht soll des herrn seyn, biß das sie gott tzu lob und tzu ehren die warheytt und wortt Johannis mit yhm und seynen herrn datzu umbbringen.

[WA s. 200]

       [Joh. 1, 20. 23] Da sihe nu, obs nicht eyn grosß bekentniß ist Johannis, das er thar den mund auffthun, und frey sagen, Er sey nicht Christus, er sey aber eyne stym, die sie nicht gerne hoeren, und die grossen lerer und furer des volcks schillt, das yhr ding nicht recht und des herren nicht sey. Und wie das ergangen ist mit Johanne, ßo gehet es noch von anfang der wellt biß anß ende; denn die hohmuttige heylickeytt kan nicht horen, das sie den weg aller erst solle dem herrn bereytten, ßo sie meynet, sie sitze unßerm gott ynn seynem schosß, und lasse sich tentzen und schmeychen, sie haben den weg lengist vollendet, ehe denn gott gedacht eynen weg ynn yhn tzu suchen, die tzartten heyligen. Alßo hatt itzt der Bapst unnd die seynen auch verdampt diße stym Johannis: richtet den weg des herrn; summa, es ist eyn unleydliche stymm, on den armen sundern unnd betrubten gewissennn, den schmeckt sie ynß hertz.

       [Joh. 1, 23] Ists aber nicht eyn verkerete wunderliche rede, das er saget: Ich byn die stymm des ruffenden? wie kan eyn mensch eyn stymme seyn? Er sollt sagen: Ich bynn der ruffender mit der stymme. Aber das ist nach der schrifft weyße [2. Mose 4, 16 [!]] geredt, gleych wie Exodi. 10 gott tzu Mose sprach : Aaron soll deyn mund [Hiob 29, 15 [!]] seyn, das ist: er soll fur dich redenn. Item Job. 315 : Ich war dem blinden eyn auge und dem hynckenden eyn fusß. Alßo sagen wyr auch auff deutsch, von eynem geytzigen: gollt ist seyn hertz, und gellt ist seyn leben. [Joh. 1, 23] Alßo hie auch: ich byn eyn stymm des ruffenden, das ist: ich byn eyn ruffender und habe den namen von meynem werck, gleych wie Aaron eyn mund heyst des mund wercks halben, alßo byn ich eyne stym des ruffens halben, und das auff hebreisch lautt vox clamantis, sollt man auff latinisch wandelln vox clamans, auff deutsch: Ich bynn eyn ruffende stymme, gleych wie Paulus [Röm. 15, 26, 1. Tim. 3, 16] Roma. 15. Pauperes sanctorum spricht, und 1. Timo. 3. mysterium pietatis, pro pauperes sancti, und mysterium pium, die armen der heyligen, das geheym der gottselickeyt, das ist: die armen heyligen, das gottselige geheym, gleych wenn ich sage: die sprache der deutschen, saget ich besser: die deutsche sprache; [Joh. 1, 23] alßo hie eyn stymme des ruffenden, das ist, eyn ruffende stym, die hebreisch tzung hatt der artt tzu reden viel mehr.

[WA s. 201]

 

 

[Joh. 1, 24 –27] Unnd die gesand waren, die waren von den Phariseern. Und sie fragten yhn und sprachen tzu yhm: warumb teuffistu denn, ßo du nicht bist der Christ, noch Elias noch eyn prophet? Johannes anttwort yhn und sprach: Ich teuffe mit wasser. Er ist aber mitten unter euch getretten, den yhr nicht kennet; der ists, der nach myr komen wirt, der fur myr geweßen ist, des ich nicht werd byn, das ich seynen schuchrymen auffloße.

Es scheynet, alß lasße der Euangelist ettwas ausßen ynn dißen wortten, unnd das die volle rede alßo sich hallte: Ich teuffe mit wasser, aber mitten unter euch ist er getretten, der mit fewr teuffett, gleych wie Lucas .3. spricht: [Luk. 3, 16] Ich teuffe euch mit wasser. Er aber wirt euch teuffen mit fewr, und Act. 1: [Apg. 1, 5] Johannes hat mit wasser teuffet, yhr aber solt mit dem heyligen geyst taufft werden. Doch, ob er wol hie schweyget dißer andernn tauffe, gibt er doch damit gnug zuversten, das eyn ander tauff tzukunfftig seyn sollt, dieweyll er von eynem andernnn saget, der nach yhm kommen und on tzweyffell nicht mit wasser teuffen sollt.

       Hie fehet nu an der ander stosß, damit Johannes ynn versucht wirtt tzur lincken feytten; denn da sie yhn nicht kundten bewegen mit locken, greyffen sie yhn an mit drewen. Und hie bricht auß yhre falsche demutt, unnd euget sich, das es eyn grund-hoffart geweßen ist. Szo hetten sie auch than, wo Johannes yhn folget hette, wenn sie seyn satt geweßen weren. Darumb lerne hie dich fur menschen hutten, ßonderlich, wenn sie freundtlich und sanffte sich [Matth. 10, 17. 16] stellen, und wie Christus saget Matt. 10: Hutt euch fur den menschen, seytt weyße wie die schlangen und eynfeltig wie die tawben, das ist: trawe den senfften nicht, und thu nicht ubels den feynden. Sihe, diße phariseer, die sich horen ließen, sie wollten Johannes fur Christon auffnehmen, da es yhn nicht nach yhrem willen gelinget, wenden sie sich, und straffen auch Johannes tauffe, als sollten sie sagen: weyll du nicht Christus, noch Elias noch eyn prophet bist, ßo solltistu yhe wissen, das wyr deyne ubirsten sind, nach denn gesetz Mosi, und du soltist dich des hallten, als eyn unterthaniger, nicht eyn eygen spiel anrichten on unßern befelh, wissen unnd urlaub. Wer hatt dyr die macht geben, eyn newe weyße ynn unßerm volck aufftzubringen mit deynem teuffen? du ringest noch ungluck mit deynem frevel und ungehorsam.

       Aber Johannes, gleych wie er yhr heuchlen verachtet, ßo verachtet er auch yhr drewen, bleybt bestendig, unnd bekennet Christus, wie vor. Datzu tastet [WA s. 202] er sie groblich an und gibt yhn schuld des unwissen, als solt er sagen: das ich tauffe mit wasser, hab ich nicht von ewerm befelh, da ligt auch nichts an. Es ist eyn ander furhanden, von des wegen ich befelh habe, den kennet [Joh. 1, 26. 27] yhr nicht, an dem myr ubrig gnug ist. Wenn yhr denselben kennetet oder kennen wolltet, wurdet yhr nicht fragen, woher ich tzu teuffen macht habe, ßondern euch selbs auch teuffen lassen; denn er ist ßo viel grosser, das ich nicht werd byn seyne schuchrymen aufftzubinden.

       [Joh. 1, 27] Das wortt Johannis, da er saget: Der ists, der nach myr komen wirt, der fur myr worden ist, wilchs der Euangelist dreymal ynn dißem capitel [Joh. 1, 15. 27. 30] antzeucht haben ettlich fasst gehandellt und yhn selb finster gemacht, darumb, das sie es tzogen haben auff die gotliche ewige gepurt Christi, als solt Johannes wollen, das er fur yhm sey ynn ewickeyt geporn?5 Aber was were das fur eyn grosß ding das er fur Johannes geporn ist yn ewickeytt, ßo er auch fur der wellt und fur allen dingen geporn ist? Szo sollt er auch nicht alleyne nach yhm komen, ßondern nach allen dingen, syntemal er [Off. 1, 11] ist der erst und der letzt, wie Apoc. 1. saget, das alßo beyde seyne tzukunfft und vorig weßen auff eynß stymmet. Aber Johannes wortt sind leycht und eynfelltig, und sagen von dem Christo, als er schon eyn mensch ist; denn das [Joh. 1, 27] er saget: Er wirt noch myr komen, kan nicht verstanden werden, das er nach yhm geporn solt werden, syntemal Johannes tzu der tzeytt, da er das saget, bey dreyssig iaren allt war, wie denn Christus auch.

       Szo ist nu der verstandt gewißlich, das er vom predigampt saget solche wort, auff die meynung: Ich bynn kommen, das ist: ich habe angefangen tzu predigen, aber ich werde bald auffhoren, und eyn ander wirt komen und anfahen [Apg. 1, 22] tzu predigen nach myr. Alßo spricht auch Lucas Act. 1., das Jhesus [Luk. 3, 23] habe angefangen an der tauffe Johannis. Und Luce. 3: Jhesus war dreyssig [Matth. 11, 3] iar allt, da er anfieng. Und Matth. 11: Bistu, der da komen soll? das ist: der [WA s. 203] da anfahen soll tzu predigen, denn Christus leben gehet aller erst an nach [Matth. 3, 17, Mark. 1, 11, Luk. 3, 22] seyner tauffe, da yhn der vater vorkleret und betzeuget, und da fehet auch das newe testament und die tzeyt der gnaden an, nicht ander gepurt Christi, wie [Mark. 1, 15] er selb auch saget Marci. 1: Die tzeytt ist erfullet, unnd das reych gottis ist erbey kommen. Denn wo er nicht angefangen hette tzu predigen, were seyn gepurt keyn nutze geweßen, aber da er anfieng tzu thun und zu leren, da giengen auch an alle propheceyen und die gantze schrifft unnd eyn new liecht, unnd eyn new wellt.

       [Joh. 1, 27] Szo haben wir, was da sey: Er wirt nach myr komen, Aber es ist noch nicht klar, was da sey: Er ist fur myr geweßen, und er war fur myr, wilchs sie auff die ewige gepurt tzihen ; wyr bleyben ynn dem eynfallt, das solchs auch vom predigampt sey gesagt, auff die meynung, ob er wol noch nit predigt, ßondern aller erst kommen wirt nach myr, unnd ich ehe denn er predige, ßo ist er doch schon furhanden, und ßo nah erbey, das er ehe, denn ich tzu predigen anfieng, schon da ist geweßen, und tzu predigen verordnet, alßo, das diß wort (fur myr) deutte auff Johannes ampt, unnd nicht auff seyne person; alßo: er ist fur myr, das ist fur meyner predig unnd tauffe geweßen, nemlich wol dreyssig iar, aber er ist noch nicht kommen und hatt noch nicht angefangen. [Joh. 1, 21] Damit er seyn ampt beweyst, das er nicht eyn prophet sey, der von der tzukunfft Christi verkundige, ßondern dem kegenwertigen furgehe, als der ßo gar nahe sey, das er auch ßo viel iar fur seynem anfahen und komen furhanden geweßen sey.

       [Joh. 1, 26] Und das ists auch, das er sagt: Er ist mitten unter euch getretten, den yhr nicht kennet, als sollt er sagen: lasst ewer augen nicht furubersehen ynn tzukunfftige tzeyt. Er ist schon unter euch ym Judischen volck woll dreyssig iar geweßen, da die propheten von sagen. Sehet euch fur, und lasset yhn nicht faren, yhr kennet yhn nicht; darumb byn ich komen, das ich yhn euch tzeyge. [Joh. 1, 26] Das er aber saget: er ist mitten unter euch getretten, ist nach der schrifft weyße geredt, die spricht: Es wirtt eyn prophet auffstehen odder aufftretten. [Matth. 24, 24] Item Matt. 24: Es werden falsche propheten aufftretten odder auffstehen odder [5. Mose 18, 1] sich erheben. Und Gott spricht Deutro. 183 : Ich will eynen propheten erwecken mitten von ewern brudern &c.. Solchs auffrichten, aufftretten, auffstehen, auffwecken, will Johannes zeygen, das ynn Christo erfullet sey. Er sey schon aufftretten mitten auß yhren brudern, wie gott verheyssen hatt, und sie kennen yhn nicht.

[WA s. 204]

       Das ist nu das ander ampt Johannes und eynß Euangelischen predigers, das er nicht alleyn aller wellt tzu sundern macht, wie droben gehoret ist, sondern auch widerumb trostet, und tzeyget, wie man der sunden soll loß werden ynn dem, das er denen tzeyget, der komen soll; damit weysszet er uns tzu Christo, das derselbige uns soll von sunden erloßen, ßo wyr yhn auffnehmen durch [Röm. 3, 23] eynen warhafftigen glawben. Das erst ampt spricht: yhr seytt alltzumal sunder und mangellt des wegs des herrn. Wenn wyr das glewben, ßo folget das ander ampt, und spricht: Warttet auff und nehmet Christum an, glewbt an denselbigen, der wirtt euch erloßen von sunden; glewben wyr das, ßo haben wyrß; davon wollen wyr hernach mehr sagen.

 

[Joh. 1, 28] Diß geschach zu Bethabara ihensyd des Jordanis,         da Johannes war teuffend.

Szo vleyssig beschreybt der Euangelist Johannis tzeugnisß, das er auch der stett gedenckt, da es geschehen ist: denn es groß an dem tzeugniß ligt Christum tzu bekennen, und es viel anstosße hatt; doch er hatt on tzweyffell eyn geystlich geheym drynnen wollen antzeygen, davon wollen wyr nu weytter sehen.

 

Von der geystlichen deuttung dißer geschicht ym Euangelio.

Das ist die summa davon: ynn dißem Euangelio wirtt außgemalet das predigeampt des newen testaments, wie sich das hallte, was es thu, und was [Joh. 1, 23] yhm widderfare. Auffs erst, ists eyne ruffende stym, nicht eyne schrifft: denn das gesetz und allte testament ist eyne todte schrifft ynn bucher verfasset. Aber das Euangelion soll eyn lebendige stymme seyn; darumb ist Johannes eyn figur, bild, datzu eyn anheber und der erst aller prediger des Euangeli, er schreybt nichts, er schreyet aber alles mit der lebendige stym. Auffs ander ist das allte testament, das gesetze predige ynn den getzellten am berge Sinai, unter [Joh. 1, 23] den Juden alleyn. Aber Johannes stym ist ynn der wuesten, frey, offentlich, unter dem hymell, fur aller wellt. Auffs dritte, ists eyne ruffende, helle, lautte stym, das ist: die getrost unerschrocken redet, niemant furchtet, widder todt, helle, leben, wellt, teuffell, menschen, ehre, schand, noch keyne creatur, wie auch [Jes. 40, 6 –9] am andern ortt Isaias. 40. saget: Es ist eyne stymme die spricht: Ruffe, was [WA s. 205] soll ich ruffen? Alles fleysch ist graß, und alle seyne herlickeytt, wie die blume des graßis. Das graß ist verdurret, unnd seyne blume ist verfallen, aber das wortt des herrn bleybt ynn ewigkeyt. Item: steyg auff eynen berg, der du verkundigist tzu Zion und heb auff deyne stym mit macht, der du verkundigst, heb auff und furcht dich nicht: denn die welt kan das Euangelion nicht leyden, darumb musß eyne stercke da seyn, die sie verachte und schreyen kunde un- erschrocken.

       [Matth. 3, 4, Mark. 1, 6] Auffs vierde: Johannes kleyd ist von kamelharen und hatt eynen leddern gurttel; wiewol dasselb bedeuttet eyn streng keusch leben der prediger, solls doch furnehmlich die artt der prediget