WA 10. 1. 2. Band,

 

Adventspostille 1522

Roths Sommerpostille 1526

 

 

 

 

D. Martin Luthers

Werke

Kritische Gesamtausgabe

10. Band

Erste Abteilung

2. Hälfte

 

 

 

 

Hermann Böhlaus Nachfolger/Weimar

Hof-Buchdruckerei und Verlagsbuchhandlung G. m. b. H. 1925

[WA s. iii]

 

PI [Lu5*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Martinum || Luther. || Auffs new corrigirt mit einem || nuetzlichen Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || Durch Hans Lufft. || M. D. XL. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 346 Blätter in Folio (= Bogen  u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Jj; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXXXII.), die letzte Seite (= Blatt CCCXXXII. [= Jj8]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXXII. [= Jj 8]a Z. 21): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XL. ||”

 

Mit Textholzschnitten wie H –I, L. O.

 

Vorhanden: *Jena U. (Op. th. V, f. 17). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1540 Nr. 1.

 

 

Vorwort.

 

1925[WA s. iii]

Auch dieser Band, welcher Luthers Adventspostille und Roths Commerpostille bringt, reicht mit seinem Druckbeginne weit zurück; noch in die Kriegszeit und ist von ihren Auswirkungen und Hemmungen stark beeinträchtigt worden. Noch O. Brenner (†) lieferte seine letzten Arbeiten hierher und hat noch einen wichtigen und mühevollen Stammbaum der Adventspostille, zugleich mit einem Druckbericht, gegeben, ehe seine getreue Hand die Feder für immer weglegte. Er hat zugleich die bisherigen reichen Formenlesarten (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10, 1 II), die ihm von W. Köhler als fertiges Manuskript zur Zusammenfassung übergeben wurden, gesichtet und nur beibehalten, was den sprachlichen Fortschritt Luthers und seiner Drucker zu beleuchten imstande war. Als Grundlage für den von ihm aufgestellten Stammbaum dienten die Textvergleichungen W. Köhlers. Die teilweisen Doppelbezeichnungen der Drucke A (A) rühren davon her, daß schon vor meiner Übernahme der Leitung, vor rund zwanzig Jahren, W. Köhler in Vorbereitung seiner Ausgabe durch Versendung von Fragebogen eine Bibliographie begonnen hatte. Nach dem übernahm Joh. Luther als Bibliograph Unsrer Ausgabe deren Weiterführung und Fertigstellung.

 

[WA s. iv]

Mit der Adventspostille, die sich mit der Weihnachtspostille aus Unsrer Ausg. Bd. 10, 1I zur Winterpostille zusammenschließt und deren Gesamteinleitung (S. XLI –LXXIX) hier gegeben ist, schließt zu unserm lebhaftesten Bedauern die Mitarbeit W. Köhlers an der Herausgabe der Postillen, sie wird von G. Buchwald in Unsrer Ausg. Bd. 17 und 21 –22 weitergeführt.

       In seiner Einleitung berührt W. Köhler auch wichtige entstehungsgeschichtliche Probleme und lehnt (S. LXXIII) mit Recht eine Beeinflussung Luthers durch die älteren deutschen Bibeln oder mittelalterlichen Plenarien ab. Es trifft diese Anschauung zusammen mit Ergebnissen eigener Untersuchung über Prosa des fünfzehnten Jahrhunderts (Johann Hartlieb. Über sein Leben und schriftstellerische Tätigkeit, Euphorion Bd. XXVI), in denen gezeigt wird, wie sehr der rhythmische Fluß des Neuen Testaments auch schon im Texte der Wartburgpostille vorhanden ist, und, im Gegensatz zu der unrhythmischen Einstellung des Textes der früheren Bibeln usw., sich an eine rhythmische Übersetzungstradition anschließt, wie sie vom vierzehnten Jahrhundert etwa bei Johann von Neumarkt, im fünfzehnten bei Johann Hartlieb sich herausstellt; doch müssen über diese Zusammenhänge im einzelnen noch eingehendere Untersuchungen angestellt werden.

       Nach Beendigung der Adventspostille wird hier der Textabdruck mit Stephan Roths Sommerpostille 1526 fortgesetzt, deren Bearbeitung G. Buchwald lieferte. Auch dieser trat in eine schon halb vollendete Arbeit ein, nachdem E. Thiele, der die Postille zuerst übernommen hatte, dahingegangen war. An Stelle von O. Brenner ist G. Bebermeyer-Tübingen getreten, der die sprachlichen Erklärungen zur Sommerpostille gesammelt hinter dem Texte der Postille gibt, nachdem die Spracherklärungen zur Adventspostille, ebenfalls noch von Brenner herrührend, gleich unter den Text gestellt sind. —

       In diesem Bande ist zum ersten Male eine Neuerung eingeführt worden, die bei dem nie vorhergesehenen, gewaltig angeschwollenen Umfange Unsrer Ausgabe allmählich sich als ein immer dringenderes Bedürfnis ergab: es sollte nicht mehr gewartet werden, bis nach Beendigung der ganzen Arbeit ein Generalregister den ganzen Inhalt der Ausgabe auf einmal erschloß, sondern es wurde schon diesem Bande, wie es in allen späteren weiter geschehen soll, ein Sonderregister beigefügt, das dann zugleich später in dem Gesamtregister [WA s. v] aufgehen soll. Die Herstellung dieser Register liegt in den Händen von Pfarrer A. Jänke-Schlagwitz (Freistaat Sachsen), der auch schon seit mehreren Jahren, nachholend und mit den neuen Bänden fortschreitend, mit der Anfertigung des Gesamtregisters beschäftigt ist. Verschiedenen besonderen Wünschen entgegenkommend ist dann auch noch nachträglich, für sich gedruckt, ein Sonderregister für Unsre Ausg. Bd. 35 (Liederband) angefertigt worden, welches dem nächsten Bande beigelegt werden wird.

       Die Einleitung zur gesamten Rothschen Postille wird wie diejenige zur Winterpostille erst nach Abdruck des gesamten Textes gegeben, zur einstweiligen besseren Übersicht hat aber G. Buchwald schon hier (S. LXXXII – LXXXV) für die Sommerpostille ein Verzeichnis nach Tag, Text, Ort der Vorlage und Nachweis derselben aufgestellt.

       Die noch austehenden Postillen-Texte werden drei mäßige Bände Unsrer Ausgabe füllen, der nächst in Betracht kommende (Bd. 17, 2. Abt.) bringt die Fastenpostille Luthers von 1525, dann den Festteil der Postille Roths (1527); Bd. 21 und 22 werden Roths Winterpostille (1528) und die umsangreiche Crucigersche Postille von Ostern bis Advent (1543) enthalten.

       Fast mehr noch als vorher waren wir in den auf den Krieg folgenden Jahren auf tatkräftige Hilfe von außen angewiesen. Diese Hilfe leistete uns in ihrer großzügigen Weise die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft und hat sie jetzt für einen wesentlichen Teil des Werkes zu einer dauernden gemacht. Die in dem letzterschienenen Bande (Unsre Ausg. Bibel 4, VI) zum Ausdruck gebrachten Hoffnungen auf weiteren Ausbau der amerikanischen Hilfe konnten sich nicht erfüllen. Aber es trat doch wieder ein früherer Gönner aus dem Auslande herzu, dem die Ausgabe stets wärmsten, unermüdlich werbenden Anteil und verschiedentliche Unterstützung zu danken hat, Herr Prof. D. M. Reu, Professor am Luther. Wartburgseminar in Dubuque, Ja. Er warb für uns weiter in den lutherischen Kirchenkreisen Amerikas, und vermittelte weitere Unterstützungen durch das lutherische Wartburgseminar der Jowa-Synode zu Dubuque, die lutherischen Seminarien der Ohio-Synode in Columbus und St. Paul und das lutherische Seminar der norwegischen Kirche in St. Paul. Wärmster und herzlichster Dank sei allen Förderern unseres großen Werkes, das dem ‘Weltgebiet des gesamten Luthertumes sich als Gabe darbieten will’, übers Meer zugerufen. Und für die weiteren Bedürfnisse der Ausgabe hat dann das Preußische Ministerium für Wissenschaft, [WA s. vi]

 

Kunst und Volksbildung in der wohlwollendsten und entgegenkommendsten Weise gesorgt; auch ihm sei besonderer herzlicher Dank dargebracht.

So ist jetzt endlich wieder das große Werk in günstigem Fahrwasser und wird in einer regelmäßigen Folge von zwei Bänden in jedem Jahre etwa in zehn Jahren seiner Vollendung entgegengehen. Es ist das erstemal, daß dieser Ausblick gewagt werden kann.

 

 

Breslau, November, Reformationsfest 1925.

Professor D. Dr. Karl Drescher.

 

[WA s. vii]

 

Inhalt.

 

1925[WA s. vii]

       Seite

Vorwort. Von K. Drescher             III –VI

Vorwort zur Adventspostille. Von O. Brenner (†)            IX –XII

Bibliographie der Postillen. Begonnen von W. Köhler, fortgesetzt von Joh. Luther             XIII –XL

Einleitung zur Wartburgpostille. Von W. Köhler               XLI –LXXIX

Vorwort zu Roths Sommerspostille. Von G. Buchwald     LXXXI

Übersicht über die Predigten von Roths Sommerpostille. Von G. Buchwald      LXXXII –LXXXV

Luthers Adventspostille (1525). Herausgegeben von W. Köhler und O. Brenner (†)         1 –208

Roths Sommerpostille (1526). Herausgegeben von S. Buchwald      209 –441

Sprachliche Anmerkungen zur Sommerpostille. Von G. Bebermeyer 442 –446

Wort- und Sachregister. Von A. Jänke            447 –459

 

[WA s. ix]

 

Vorwort zur Adventspotille.

 

1925[WA s. ix]

Auf Grund der textlichen Vergleichungen W. Köhlers habe ich Text und Lesarten bearbeitet. Die Siglen von Unsrer Ausg. Bd. 10II mußten hier beibehalten werden. Hierzu ist aber zu bemerken, daß Lu nicht existiert. Die von Köhler so bezeichnete Ausgabe (vorhanden in Bamberg) erwies sich bei näherer Untersuchung als aus Teilen von G und Lu zusammengebunden. G ist im Text gleich mit G. A ist hier der Druck der Adventspostille von Grunenberg- Rhaw 1522, also nicht gleich dem A des ersten (Weihnachts-) Postillenbandes.

       Die Formlesarten sind auf eine kleine Auswahl beschränkt, die geeignet scheint, die Fortschritte Luthers und seiner Drucker und ihre Bemühungen um einfache klare Schreibweise zu beleuchten. Die Formen der biblischen Namen sind unter den gleichen Gesichtspunkten verzeichnet. Die Textlesarten — worunter ich auch stilistische Besserungen begreife — sind hier so angeordnet, daß sich klar übersehen läßt, wie Luther von Ausgabe zu Ausgabe an dem Text gefeilt, eingeschlichene Versehen, wie es scheint, durch Vergleichung älterer Ausgaben, ausgemerzt hat. (Einige zufällige Auslassungen sind freilich von ihm nie bemerkt worden.) Wo Stücke durch Überspringen des Auges verlorengingen, habe ich dies durch die Fassung z. B. gewesen — gewesen (d. i. bis ‘gewesen’ auschließlich) angedeutet.

       Um den Textänderungen gerecht zu werden, mußte das Schwergewicht auf die aller Wahrscheinlichkeit nach von Luther überwachten Ausgaben gelegt werden. Sie zu ermitteln waren umfangreiche Nachvergleichungen und Ergänzungen der Köhlerschen Sammlung nötig. Sie ergaben folgendes. Luther hat den Verleger bald gewechselt. Die erste Ausgabe, der Adventspostille allein, druckte Joh. Grunenberg 1522 (A), der dann auch die erste Gesamtausgabe der Winterpostille in Folio ‘anderweit korrigiert durch M. Luther’ 1525 lieferte G. Die ‘Korrektur’ bezieht sich vor allem auf die Fastenpostille, aber auch die Adventspostille bedurfte sprachlich wie textlich einer sorgfältigen Durchsicht. Leider war der nun solgende Neudruck 1527 (G) wieder durch neue Fehler und Auslassungen entstellt, die natürlich auch in die [WA s. x] neue Titelauflage 1528 (G) übergingen. Vielleicht gerade deswegen übertrug Luther die nächste Auflage Hans Luft. Für diese Ausgabe (Lu) 1528, die auch sprachlich ein moderneres Gewand zeigt, steuerte Luther eine große Zahl von Textbesserungen bei. 1530 erschien Lu, wiederum und noch stärker verändert, 1532 Lu, nochmals gründlich überarbeitet, und Lua (welche Ausgabe Köhler nicht vorlag) mit Besserungen fast auf jeder Seite, endlich 1540 Lu, eine wirkliche Neubearbeitung, die starke Kürzungen auf der einen, Einschübe auf der anderen Seite und Änderung aller Bibelstellen nach der neuesten Ausgabe der deutschen Bibel, endlich eine sorgfältige Reglung der Rechtschreibung brachte. Sie bildet den Abschluß von Luthers Vostillenarbeit, denn Lu 1543 ist nur Titelauslage.

       Mittlerweile waren aber auch Nachdrücke in großer Zahl erschieneu. Die Adventspostille allein ist nur einmal noch erschienen a 1522, sodann bei Mich. Lotther mit der Weihnachtspostille verbunden 1525 als erster Band der Winterpostille Lo in 80. Der Text beruht auf A, ist aber wenig sorgfältig. Endlich erschien die Adventspostille gleichfalls mit der Weihnachtspostille als Ergänzung zu der 1525 bei Cranach und Döring erschienenen Fastenpostille 1526 in 40 (Wi1) nach A gedruckt. Nach Grunenbergs G druckte Lotther im Jahre 1526 gleichfalls in Folio die ganze Winterpostille Lo ohne nennenswerte Änderungen. Nach G ließ er 1528 einen weiteren Nachdruck Lo herstellen, wieder ohne besondere Änderungen. Seine Ausgabe von 1530 (wie die folgenden in Magdeburg gedruckt) ist dagegen ein stark überarbeiteter ganz eigenartiger Druck. Vielleicht während Luthers Abwesenheit (in Koburg) verbesserte er auf eigene Faust und rücksichtslos Text und Schriftstellen. Die Mahnung an die Drucker, die Luther 1525 ausgehen ließ, übte auf ihn keine Wirkung aus. Schon die Sprachform zeigt viel Unlutherisches, die stilistischen Änderungen sind vielfach kleinlich und willkürlich, ebenso die äußere Ausstattung (z. B. Verweisung der Schriftzitate an den Rand); zu loben wäre vielleicht nur die Verdeutschung lateinischer Worte wie etcetra. Die Ausgabe, die so offenbar gegen Luthers Wünsche verstieß, verdient keine Berücksichtigung in unsrem Abdruck, ist sie doch auch von den Zeitgenossen abgelehnt worden —und von Lotther selbst später nicht erneuert. Die zur Zeit überhaupt nicht mehr nachweisbare Ausgabe 1531 Lo scheint nur Titelauflage von Lo zu sein. Und doch hatte Lotther sehr viele Arbeit auf Lo verwendet, sich bei der Herstellung auch nicht auf eine Vorlage beschränkt, sondern neben Lo auch Lu, ja vielleicht auch die neueste Lu verglichen und Luthersche Besserungen daraus entnommen, alle Schriftstellen nach der deutschen Bibel umgeschrieben. Schon 1532 erschien Lo nach Luffts Ausgabe Lu, 1533 Lo nach Lu (vielleicht unter Vergleichung von Lua [Dieser Druck ist jedoch noch nicht wieder festgestellt. K. D.]), 1535 aber Lo, die letzte, wieder nach einem eigenen Druck Lo. Lo hat merkwürdigerweise einen Nachdrucker in Wittenberg gefunden, Peter Seitz (S.) Die letzten Lottherschen Drucke haben ihre sprachlichen Absonderlichkeiten wie die vorausgehenden.

       Eine andere Gruppe von Nachdrucken sind die von Wolf Köpfel in Straßburg in seinen Gesamtausgaben von 1527 bis 42. Sprachlich stark verändert, sind sie textlich getreu nach den Ausgaben G und Lu gedruckt und haben spätere Besserungen Luthers unbeachtet gelassen. Sie kommen für die Textgeschichte nicht in Betracht. Ebenso unselbständig ist der Leipziger Wolrab, der 1544 W nach Lu druckte.

       [WA s. xi] Die Winterpostille Stephan Roths (1528 bei Gabriel Kantz erschienen, von mir als Ka bezeichnet, mehrmals nachgedruckt, s. die Bibliographie) ist mit unsrer Postille nicht gleich. Sie ist ganz nach Art von Roths Sommer- und Festevangelien und als Ergänzung dazu bearbeitet und bietet deshalb nur stark überarbeitete und z. T. gekürzte Fassungen der Advents-Evangelienpredigten, die kritisch wertlos sind. Ebenso sind die Sammlungen Schotts (Unsre Ausg. Bd. 103, XIV ff.) unbrauchbar. Die Entstehungsgeschichte der Sammlung und die Entwicklung des Textes sind aus dem folgenden Stammbaum ersichtlich, bei dem die in Klammern stehenden Bezeichnungen die Köhlers und der Adventspostille sind, die übrigen die der Bibliographie. Wir geben den Text nach A unter Besserung offenkundiger Druckfehler, darunter die Lesarten von Lo –Lua und im Anschluß an Unsre Ausg. Bd. 101I, jedoch unten, nicht wie dort oben, besonders die von Lu –6. Die Schreibungen Lu*, Lu* usw. bedeuten von Lu, Lu an bis zur letzten Ausgabe einschließlich, geben also das Alter jeder Besserung an. Fehler, die später wieder gebessert worden sind, werden nur ausnahmsweise verzeichnet, um Luthers sorgfältige Aufsicht über die Drucke zu beleuchten. Die Druckfehler von A sind natürlich alle mitgeteilt.

 

 

D. Brenner.

 

[WA s. xii]

 

       [WA s. xiii]

[Bibliographie der Postillen]

 

1925[WA s. xiii]

 

Drucke:

I. Weihnachtspostille.

A [A*]1 “Auszlegung || der Epistelln || vn̄ Euangelien die nach || brauch der kirchen ge || leßen werdē, vom || Christag biß || auff || den Sontag nach || Epiphanie. || Martinus || Luther. ||” Mit Titeleinfassung (Götze, Die hochdeutschen Drucker der Reformationszeit: Nr. 89; J. Luther, Die Titeleinfassungen der Reformationszeit: Tafel 9). Titelrückseite bedruckt. 264 unbezifferte Blätter in Quart (=Bogen A –Z u. Aa –Zz u. aaa –ttt), letztes Blatt (= ttt 6) leer. Am Ende (Blatt ttt 5b Z. 6): “ Gedruckt tzu Wittembergk durch Johann || Grunenbergk, nach Christ gepurtt Tausent || funffhundert vnd tzway vn̄ tzwentz || igsten JAR. ||”

       Einige Exemplare lesen Blatt ttt 5b Z. 8 f. “tzwentz || gisten JAR. ||”

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1951m), Bonn, Breslau St. u. U., Dessau, Dillingen, Dresden, Freiburg, Göttingen, *Gotha, Halle, *Hamburg, *Jena, *Königsberg U., Leipzig St., Marburg, München *H. u. *U., *Nürnberg St., *Rostock, Schweinfurt, Straßburg, *Stuttgart, *Wernigerode, Wittenberg, *Wolfenbüttel, Zerbst; Brüssel, *London, St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXIX: 1522 Nr.2.

       a [P*] “AVszlegung der || Epistelen und Euange || lien, die nach brauch der kirchen gelesen werden || durch den Aduent, vnd dannenthyn vom || Christag biß uff den Sōtag nach Epi- || phanie. Darin̄ reychlich anzeigt un̄ || fürgebildet wirt was eim Chri- || sten menschen zůr seligkeit || not ist zů wissen. || D. Martinus Luther. || Auch hastu eyn klare || underricht, was man in dem Euan- || gelio sůchen vnd leren sol, mit || eyner schoenen vorred. || Hierauff ist auch ge- || macht ein fleyssig Register über || die beyden teyl, darin̄ eyn || yeder leychtlich finden || mag, ynhalt deß || gantzē bůchs. || Anno M. D. XXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 222 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –f u. B –Z u. Aa –Ee; 22 unbezifferte u. XXXVIII u. CLXII bezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt Ee 6b) leer. Am Ende (Blatt CLXII [= E e 6a] Z. 31): “Gedruckt zů Basel, durch Adam Petri, nach || Christi geburt. M. D. xxij. ||”

 

Die Adventspostille ist die alte von 1521.

Vorhanden: Breslau U., Cassel, Coburg, Dresden, *Gotha, *Hamburg, Karlsruhe, Lich, *München H. (Hom. 263), Schwabach, *Stuttgart, *Wernigerode, *Wolfenbüttel; Basel. — Erl. Ausg. 27, S. XXIX: 1522 Nr. 3.

b [F*] “AVszlegung || der Epistelen vnd E- || uangeliē, die nach brauch der kir || chen gelesen werden, durch den || Aduent, vnd dannenthin vom || Christag biß auff den Sontag || nach Epiphanie. Darin̄ reichlich anzeygt [WA s. xiv] und fürge- || bildet würt, was eim Christen menschen zů der seligkeit || not ist zů wissen. || D. Martinus Luther. || Auch hastu ein klare vnderrichtūg || was man in dem Euangelio sůchen vnd leren || soll, mit einer schoenen vorrede. || Hier zu seind auch gesetzet || vil hübscher vnd schoener figuren, || mit sampt ettlichen zůge- || legten Euangeliē, || mer dan̄ im vorgetruckten. || bůch, alles durch || M. L. || Hierauff ist auch gemacht || ein fleissig Register, darin̄ ein yeder || leichtlich finden mag, || ynnhalt || deß gantzen bůchs. || Anno M.D. XXIII. || In der Loblichen statt Colmar. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 236 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –z u. A –M; 22 unbezifferte u. 214 [einschließlich des leeren Blattes q 6 u. durch Unregelmäßigkeiten nur bis zur Ziffer CCVII] bezifferte Blätter). Am Ende (Blatt CCVII [= M 6]a Z. 38): “Getruckt vnd vollendet in der Loblichen statt Colmar, durch || Amandū Farckall, Nach der geburt Christi || M. D. xxiij. vff den .xxvj. || tag Augusti. ||” Darnach auf der letzten Seite (= Blatt M 6b) das Druckerzeichen Farckalls.

       Die äußere Lage des Bogens d (d. i. Blatt d 1 und d 6) ist in zweifachem Satz vorhanden; Erkennungslesarten für den ersten Druck: Blatt XIX (= d 1)a Z. 1 “|| hannis am .j. klar”, XIX b Z. 1 “gemeinē”, XXIIII (= d 6)a Z. 1 “erseüfftzen seine ||”, XXIIIIb Z. 1 “sein”; für den zweiten Druck Blatt XIXa Z. 1 “|| hānis am .j. clar, XIXb Z. 1 “gemeinen”, XXIIIIa Z. 1 “erseufftzen seyne ||”, XXIIIIb Z. 1 “seyn”.

       Daneben lesen einige Exemplare Blatt I (= a 1)a Z. 4f. “des ad || Pauli”, die anderen richtig “des ad || uents Pauli”.

Die Adventspostille ist die alte von 1521.

Vorhanden: Colmar, Karlsruhe, *Königsberg U., Lindau, München *H. (Hom. 264) und *U., Rothenburg a. T., Straßburg, *Wernigerode, *Wolfenbüttel; Bern. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXIX f.: 1523 Nr. 1.

 

 

II. Adventspostille.

A [A*] “Auszlegung der || Epistell vnnd || Euangeli || des || Aduents. || Martinus Luther. || Wittemberg• || M. D. || xxij• ||”Mit Titeleinfassung (J. Luther, Die Titeleinfassungen der Reformationszeit: Tafel 4). Titelrückseite leer. 104 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. AA –CC), letzte Seite (= Blatt CC 4b) leer. Am Ende (Blatt CC 4a Z. 6): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Johann Grunenberg, nach Christ gepurt Tau- || sent funffhundert vnnd tzwey vnnd || tzwentzigsten Jar. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

       Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1951), Coburg, Danzig, Dessau, Dresden, Elbing, Erlangen, *Gotha, *Hamburg, *Königsberg U., Magdeburg, München *H. u. *U., Schweinfurt, *Stuttgart, Weimar, *Wernigerode, Wittenberg, *Wolsenbüttel; Brüssel, *London. — Erl. Ausg. 27, S. XXVIII f.: 1522 Nr. 1.

       a [a*] “[Zierung] || Vszlegūg || der Epistel vnnd || Ervangeli des || Aduents. || Marti. Luther. || wittemberg. || M. D. || XXij. || ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 22d). Titelrückseite leer. 124 unbezifferte [WA s. xv]

 

Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. aa. –hh), letztes Blatt (=hh 4) leer. Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; auch das Blättchen auf dem Titelblatt in Rotdruck.

Druck von Matthias Schürer in Straßburg.

Vorhanden: *München U. (Luth. 37), * Nürnberg St. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

III. Advents- und Weihnachtspostille.

B [Lo I*] “Auszlegung || der Epistelln || vnd Euangelien die nach brau || ch der Kirchen gelesen werden, || vom Aduent biß auff den || Sontag nach Epiphanie. || Martinus Luther. || M D XXB. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 358 Blätter in Großoktav (= Bogen A –Z u. Aa –Yy; 1 unbeziffertes Blatt u. 357 [fälschlich bis CCCLXVII.] bezifferte Blätter), letzte Seite (=Blatt Yy 6b) leer. Am Ende (Blatt Yy 6a Z. 29): “Gedruckt zu Wittemberg || Michael Lother. || M. D. XXV. ||”

       [Erster Band zu B.]

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, *Berlin (Luth. 1961), Dessau, Halle W., Leipzig St. u. *U. [ohne Titelblatt], *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 1 (ungenau nach Weller 3484; richtig: Weller Suppl. II, 537).

C siehe C [G*]

D [Wi I*] “Auslegung der Epi || steln vnd Euange- || lien vom Aduent || an bis auff || Ostern. || Martinus Luther. || Daruber eyn new || Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || 1526. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 414 Blätter in Quart (= 1 Ternio u. 2 Duernionen ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –Z u. Aa –Zz u. aa –zz u. AA –HH; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCLXXXXVIII u. CCCLXXXIX u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), letztes Blatt (=HH 4) leer.

       Inhalt nur: Predigten vom ersten Sonntag des Advents bis Hl. Dreikönige. [Ergänzung zu Nr. A unten S. XVI.]

Wittenberger Druck (Cranach und Döring).

Vorhanden: *Hamburg (OA IX 304a).

Die gleiche Ausgabe mit neuem Satz auf der Vorderseite des Quartteils des ersten, sechs Blätter umfassenden Bogens, d. i. auf den Blättern 1a 2b 5a 6b. Auf dem Titelblatt Z. 2 v. u. “Gedrueckt”.

Vorhanden: *Dresden KÖ. (Theol. evang. ascet. 329), *Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1526 Nr. 2 (nach Weller 3859 “Andere Ausgabe”).

 

 

IV. Fastenpostille.

 

a) Allein.

a “Postilla vom || Sontag nach Epipha- || nie biß auff den || sechsten Son || tag dar- || nach. || Martinus Luther. || Wittemberg. || M. D. XXV. ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 33 c). Titelrückseite leer. 88 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen A –X u. y), letzte Seite (= Blatt y 4b) leer.

[WA s. xvi]

Druck von Paul Kohl in Regensburg; nach Erl. Ausg. 2 7, S. XIII f. ist diese Ausgabe der auf dem Diebstahl beruhende angebliche Nürnberger Vordruck.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Berlin (Luth. 1963 u. 1963bis, letzteres das frühere Knaakesche Exemplar), Donaueschingen, Dresden, Freiburg, *München H.; Weimar.

β “Auslegunge der || Episteln vn̄ Euan- || gelien von der || heyligen drey koe- || nige fest bis || auff Ost- || ern ge- || bessert durch || Marti. Luther. || ||” Mit Titeleinfassung, worin unten “M. D. XXVj. ||” Titelrückseite leer. 190 unbezifferte Blätter in Quart (= Bogen U –Z, a –z u. *), letzte Seite (= Blatt * 4b) leer.

Druck von Paul Kohl in Regensburg; s. Schottenloher im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 29 (1912), S. 418 Nr.29.

[Zwitterdruck zu a. Neu gesetzt sind Bogen A (6 Blätter) und Bogen y (d. i. Y) bis Schluß. O. B.]

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1972), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg. Weller, Suppl. II, 553.

AI [Wi* ] “Auslegunge der || Episteln vnd Euan || gelien von der hey- || ligen Dreykoenige fest bis || auff Ostern gebes- || sert durch Mar. || Luther. || ||” Mit Titeleinfassung (Götze: Nr. 132; J. Luther: Tafel 42), worin unten “Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. xxv. ||” Titelrückseite leer. 204 Blätter in Quart (= Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Ee; Titelblatt u. Blatt II –VI u. V –CXV u. CXVII –CCIII), letzte Seite (= Blatt Ee 4b) leer.

Abgesehen von einigen Änderungen in den Signaturen und Blattziffern, die während des Druckes ausgeführt wurden, lesen einige Exemplare Blatt x 2 b Z. 21 “gewislis.”, Blatt x 4a Z. 23 “toestet”, Blatt Bb 4b Z. 4 v. u. “ynn winckel schla- || gen. ||”, andere richtig an den gleichen Stellen “gewislich.”, “troestet”, “ynn wind schla- || gen. ||”

Wittenberger Druck. [Cranach und Döring O. B.]

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1966), Dessau, München *H. u. *U., *Nürnberg St., Stuttgart, *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 2; Weller, Suppl. I, 347.

AII “Auslegunge der || Episteln vnd Euan || gelien von der hey- || ligen Drey koeni- || ge fest bis || auff || Ostern gebessert || durch Mar. Luther ||” Mit Titeleinfassung (Götze: Nr. 132; J. Luther: Tafel 42), worin unten: “Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. xxv. ||” usw. wie die vorstehende Ausgabe. Teilweise anderer Satz.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; Arnstadt, Berlin (Luth. 1967), Coburg, Erfurt M., *Greifswald U., Helmstedt, *München H., Wittenberg,.* Wolfenbüttel; Amsterdam U.

a “Außlegung der Epi || steln vn̄ Euangelien || von der hayligē Drey || Künige fest biß auff || Ostern gebessert || durch Mar. || Luther. || zů Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung, worin unten “M. D. XXV. ||” Titelrückseite leer. 184 Blätter in Quart (= Bogen U –Z u. a –z; Titelblatt u. Blatt II –CLXXXIIII), die letzte Seite (= Blatt z 4 b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: Breslau St., Dillingen, *Hamburg (OA IX No 286d), *Wernigerode (Hc 73m), *Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr.3.

[WA s. xvii]

b “Auslegunge der Epi- || steln und Euangelien || von der heyligen Drey koenige || fest bis auff Ostern, gebes- || sert durch Mar. || Luther. || Gedruckt zu Strasz- || burg durch Johannem || Knobloch, Anno || M. D. xxv. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 110 Blätter in Folio (= Bogen A —S; Titelblatt u. Blatt II –CIX u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= S 6) leer. Am Ende (Blatt CIX «= S 5»b Z. 33: “Getruckt zů Straßburg durch Johan Knobloch, || ym Christmonad, do man zalet [so!] nach Christi || vnsers herren geburt, Funfftzehenhun- || dert vnd funffunzwentzig jar. ||”

Vorhanden: Frankfurt a. M., Helmstedt, *München H. (Hom. 265). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 5 (noch ungenauer als Weller 3486).

BI [Lo II*] “Auslegunge || der Episteln vnd Euan || gelien von der heyligen || Dreykoenige fest bis auff || Ostern gebessert durch || Mart. Luther. || M. D. XXv. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 152 Blätter in Oktav (= Bogen A –T; 2 unbezifferte Blätter u. Blatt III –CL u. 2 unbezifferte leere Blätter), die zwei letzten Blätter (= T T) leer.

Druck von Michael Lotther in Wittenberg.

Zweiter Band zu B [Lo I*].

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1961), Dessau, Halle W., Leipzig St. u. *U.; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 4 (ungenau und irreführend nach Weller 3485).

BII Die gleiche Augabe, nur auf dem Titelblatt mit der Jahreszahl “M. D. XXvi.”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1973; früher Knaakesche Sammlung); St. Petersburg.

 

b) Mit Advents- und Weihnachtspostille verbunden.

C [G*] “Auslegung der Epi- || steln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweyt corrigirt || durch Martin || Luther. || Daruber eyn newe || Register. || Wittemberg. || M. D. XXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 290 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A —Z u. Aa –Zz u. aaa –ccc; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cclxxix. u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= ccc 6) leer. Am Ende (Blatt ccc 6 (= cclxxix.)b Spalte ß Z. 33): “Wittemberg Johan- || nes Grunenberg. || 1525. ||” Zweispaltig.

Nur die Bogen A –Z und Aa –Mm sind von Johannes Rhau-Grunenberg gedruckt, die übrigen Bogen von Hans Wieß in Wittenberg; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915), S. 203 ff.

Vorhanden: Altenburg, Arnstadt, *Berlin (Luth. 1969), Celle St., Danzig, Dresden, *Hamburg, *Konigsberg ll., *Stuttgart. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXX: 1525 Nr. 6.

D [Lo*] “Auslegung der Epi- || steln und Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt durch || Martin Luther. || Daruber eyn newe || Register. || || M. D. XXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 1 Ternio u. 1 Quaternio [WA s. xviii] ohne Vuchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –NNn; 14 unbezifferte Blätter, deren letztes leer, u. Blatt i –ccxlix. u. cccxl. –cccxliiij.), letzte Seite (= Blatt NNn 6b) leer.

Druck von Michael Lotther in Wittenberg.

Vorhanden: *Gotha, Königsberg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1526 Nr. 1 u. 2 (ungenau nach Weller 3859).

EI [G*] “Aus̄legūg der || Episteln und Euange || lien vom Aduent an || bis auff Ostern. || Anderrveyt corrigirt || durch Martin || Luther. || Daruber ein nerves || Register. || Gedrueckt zu Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 290 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen Aa –Bb u. A –Z u. Aa –Zz u. aaa –ccc; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cclxviij u. Bl. cclxi u. cclxix –cclxxiiij u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= ccc 4) leer. Am Ende (Blatt cclxxiiij [= ccc 4]b Spalte ß Z. 32): “Wittemberg Johan || nes Grunenberg. || 1527. ||

EII [G*] Einige Exemplare haben bei ganz gleichem Satz auf dem Titelblatt als letzte Zeile “|| M.D.XXViij ||”

Die Bogen A –Z und Aa –Mm bilden einen Restbestand der mit dem Impressum “Wittemberg Johannes Grunenberg. 1525.” erschienenen Fastenpostille (S. IX: C), die übrigen Bogen sind von Hans Weiß in Wittenberg gedruckt, aber in neuem Satz gegenüber C; vgl. Joh. Luther a. a. O. S. 203 ff.

Vohanden: Bamberg, *Berlin (Luth. 1985), *Dresden (Titelblatt fehlt), *Marburg St. A (EI), *München H., Schweinfurt St. (EI)| — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 2.

F [Lo] “Auslegung der Epi- || steln vnd Euangelien vom Ad- || uent an bis auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt durch || Martin Luther. || Daruber ein new || Register. || M. D. XXVIII. || Wittemberg. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. 1 Quarternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –NNn; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXLIX u. CCCXL. –CCCXLIIII), Blatt 8 des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die letzte Seite (= Blatt NNn 6b) leer. Am Ende (Blatt NN 6a Z. 30): “Gedruckt zu Wittemberg || Michael Lother. || M. D. XXVIII. |”

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 612), Rothenburg o. I. — Fehlt Erl. Ausg.

G [Lo*] “Auslegung der || Episteln und Euangelien || vom Aduent an, bis || auff Ostern. || Anderweyt Corrigirt || durch Mart. Luther. || Auffs newe vbersehen, vnd || mit schoenen lieblichen figuren || geschmueckt, Auch mit eim vlei || ssigen newen Register odder || Summen, alles des, was ynn die- || sen Postillen gehandelt, gebessert. || Aller Text nach der newen || dolmetzschung geendert. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Zz u. AAa –OOo; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCLVIII), Blatt 4b des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur [WA s. xix] u. die letzte Seite (= Blatt CCCLVIII [= OOo 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCLVIII [= OOo 6]a Z. 21): “Gedruckt zu Magdeburg. || Michael Lotther. || M. CCCCC.XXX. ||”

Mit Textholzschnitten bei den Evangelienpredigten.

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 613), Wolfenbüttel, Zwickau. — Fehlt Erl. Ausg., wenn nicht = Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 1; eine solche Ausgabe [Lo* bei Köhler] ist nicht ermittelt.

H [Lu = Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweyt corrigrit durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg || M.D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 310 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. aa –ee; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I u. ij. –liiij. u. lvi. –ccci.), Blatt 6b u. die letzte Seite (= Blatt ee 4 b) leer. Am Ende (Blatt ccci. [= ee 4]a Z. 47): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. ||”

Mit Textholzschnitten bei den Euangelienpredigten.

Vorhanden: *Bamberg (der erste Bogen gehört zu E; s. Anm.), Düsseldorf St., Halle W., Heidelberg, *Königsberg U., Leipzig U., *München H. (20 Hom. 267), *Rostock U., Straßburg, Wolfenbüttel, Zeitz St., Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 1.

Anm.: Köhlers Lu ist ein Bamberger Exemplar, das Titel und ersten Bogen aus E, den Text selbst aus H entnommen hat.

I [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg || M.D. XXX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXVI. u. CLXV. –CCCXXII. mit Fehlern in der Bezifferung), Blatt 6 b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 6 b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXII. [= Hh 6]a Z. 37): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. ||

Mit Textholzschnitten bei den Evangelienpredigten.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2006 [fehlt Blatt N 2] u. an Luth. 2008bis), Frankfurt a. M., Halle, Marburg, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 1.

K [Lo*] [Auslegung der Evangelien vom Advent an bis auf Ostern.] 487 Blätter in gr.=80 oder 40 (= 1 Quarternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Nn; 16 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCCLXXI [mit vereinzelten Fehlern]). Am Ende (Blatt CCCCLXXI [= Nn 7]b Z. 26): “Gedruckt zu Magdeburg durch || Michel Lotther. || M.D.XXXij. ||”

Mit Holzschnitten.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (Titelblatt u. verschiedene andere Blätter fehlen). — Wohl Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 3.

[WA s. xx]

L [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Daruber ein newes || Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen “(”u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXVI. u. CLXV – CCXXVIII. u. CCXXVIII. –CCXLIX. u. CCXL. [statt CCL.] u. CCLII. – CCCXXII. [mit vielen Fehlern außerdem]), Blatt (6b und die letzte Seite (= Blatt Hh 6b) leer. Am Ende (Blatt Hh 6a Z. 38): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XXXII. ||”

Mit Textholzschnitten wie H. I.

Vorhanden: Bamberg, Coburg, *Danzig St., *München H. (Hom. 269), *Wernigerode, Wittenberg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 1.

M [Lo*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien, || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Darueber ein newes || Register. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 340 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Ji; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. —CCCXXX. [mit einigen Fehlern]), die letzte Seite (= Blatt CCCXXX. [= Ji 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXX. [= Ji 6]a Z. 28): “Gedruckt durch Michaelem Lotther. || M. D. XXXIII. ||”

Mit Textholzschnitten.

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Gedruckt sind Bogen A –X von Melchior Lotther dem Älteren in Leipzig, die übrigen Bogen von Michael Lotther in Magdeburg; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Jg. 32 (1915), S. 145 ff.

Vorhanden: Freising Seminar-B., *München H. (2 0 Hom. 271), Salzburg Stud.-B. —Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1533 Nr. (einziger Druck); fehlt bei Hülße.

N [Lo*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien, || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt || durch Mart. Luther. || Darueber ein newes || Register. || M. D. XXXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 340 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Ji; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt i. –cxxvi. u. CXXVII —CCCXXX. [mit häufigen Fehlern]), die letzte Seite (= Blatt CCCXXX. [= Ji 6]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXX. [= Ji 6]a Z. 29): “Gedruckt durch Michaelem Lotther. || M. D. XXXV. ||”

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Gedruckt sind Bogen A –X von Melchior Lotther dem Älteren in Leipzig, die übrigen Bogen von Michael Lotther in Magdeburg; vgl. Joh. Luther a. a. O. S. 154 ff.

Völlig verschiedener Satz von M.

Vorhanden: Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 2015/4), *Nürnberg GM., *Wolfenbüttel (fehlt das letzte Blatt). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1535 Nr. 1 (nur kurz als neue Auflage der Ausgabe v. J. 1533 bezeichnet); Hülße Nr. 144.

[WA s. xxi]

O [S*] “Auslegung der || Episteln vnd Euangelien || vom Aduent an bis || auff Ostern. || Anderweit corrigirt durch || Martinum Luther. || Darüber ein newes || Register. || Gedrückt zn Wittemberg. || M. D. XXXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 334 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXVIII. u. CVXVII. u. CLVVIII. u. CLXIX –CCCXXII.), Blatt * 6b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 6b) leer. Am Ende (Blatt Hh 6a Z. 39): “Gedrückt zu Wittemberg durch || Peter Seitz. || M. D. XXXV. ||”

Typen und Holzschnitte von Lufft.

Vorhanden: Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 2015), Jena, *Karlsruhe L., *München H., *Stuttgart, *Wernigerode. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1535 Nr. 2.

PI [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Martinum || Luther. || Auffs new corrigirt mit einem || nuetzlichen Register. || Gedruckt zu Wittemberg. || Durch Hans Lufft. || M. D. XL. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 346 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Jj; 14 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCXXXII.), die letzte Seite (= Blatt CCCXXXII. [= Jj]b) leer. Am Ende (Blatt CCCXXXII. [= Jj 8]a Z. 21): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft. || M. D. XL. ||”

Mit Textholzschnitten wie H –I, L. O.

Vorhanden: *Jena U. (Op. th. V, f. 17). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1540 Nr. 1.

PII [Lu*] “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien, vom Aduent || an bis auff Ostern. || Durch Doctorem Mar- || tinum Luther. || Auffs new corrigirt vnd etwo ge- || bessert. || Mit einem nuetzlichen Register. || Wittemberg. || M. D. XLIII. ||” Mit Titeleinfassung. Alles übrige wie bei der Ausgabe Wittenberg, Hans Lufft 1540, von der die vorliegende Ausgabe nur eine Titelauflage ist, für die das Titelblatt und das damit zusammenhängende Blatt 6 des ersten Bogens neu gedruckt wurden.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2021), *Chemnitz, Dessau, Dillingen, Dresden, Hamburg, Lindau, Straßburg, *Stuttgart, *Wolfenbüttel, Zerbst. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

V. Crucigers Sommerpostille.

Cr. A “Auslegung der || Episteln vnd || Euangelien, von Ostern || bis auff das Ad- || uent. || D. Mar. Lut. || Auffs new zugericht. || Wittemberg. || Gedruckt durch Hans Lufft. || M. D. XLIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 486 Blätter in Folio (= Bogen A u. * u. * u. A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AA –HH; 16 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCCCLXIII. mit außerordentlich fehlerhaster Bezifferung), Blatt A 6b [WA s. xxii]

 

und die letzte Seite (=Blatt HH 8b) leer. Am Ende (Blatt Hh 8a Z. 38): “Gedrueckt zu Wittemberg durch Hans Lufft, || Anno M. D. XLIII. ||”

Zweiter Band der Jahrespostille, vgl. oben PII (S. XXI).

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 2021), Breslau U., *Chemnitz, Coburg, Dessau, Dillingen, Dresden, Erlangen, Gotha, Hamburg, Jena, Lindau, Straßburg, *Stuttgart, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 2.

Cr. B in Wolrabs Nachdruck, s. g unten S. XXXVI.

 

 

VI. Steph. Roths Evangelienpostille.

 

 

1. Winterteil.

“Ausle- || gung der Euange- || lien vom Aduent bis || auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin. Luther. || Wittemburg. || M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 488 Blätter in Ostav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z u. Aa –Oo; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccccl u. 30 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt Oo 7b Oo 8) leer. Am Ende (Blatt Oo 7a Z. 1): “Gedruckt durch Gabriel Kantz. || [Druckerzeichen] ||”. Titel in Schwarzund Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Vorhanden: *Arnstadt (Nr. 716; defekt), *Dessau, Zwickau. —Fehlt Erl. Ausg.

“Außlegūg || der Euangelien || vom Aduent biß || auff Osteren, || sampt vil an || dern pre- || digen. || M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 116a). Titelrückseite bedruckt. 302 Blätter in Quart (= 1 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –EEe; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXXVIII u. 10 uubezifferte Blätter).

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1991), *München U.; *Bern (G.-U. (sehr defekt). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euange || lien vom Aduent || bis auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin Luther. || Wittemberg. || M. D. XXX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 432 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Gg; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cccxcvj u. cccicvij [statt cccxcvij] u. 27 unbezifferte Blätter), die zwei letzten Blätter (= Blatt Gg 7 Gg 8) leer. Am Ende (Blatt Gg 6b Z. 25): “Gedruckt durch Mel- || cher Sachssen. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Druckort: Erfurt.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 109 Th. 80). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euange || lien vom Aduent || bis auff Ostern, sampt || viel andern Predigten. || Martin Luther. || M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 407 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Dd; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccclxxxij u. 17 unbezifferte Blätter), Blatt Bb 7a leer. Am Ende (Blatt Dd 7b Z. 27): “Gedruckt M. D. xxxij. ||” Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben. Zeile 1 des Titels ist ein Holzschnitt.

Druck von Andreas Rauscher in Erfurt.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 105 Th. 80. — Fehlt Erl. Ausg.

[WA s. xxiii]2. Sommerteil.

“Auslegūg || der Euangelienn, || von Ostern biß auffs || Aduent, gepredigt || durch Mart. || Luther zů || Wittemberg. || M. D. XXVI. || ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther: Tafel 116 a). Titelrückseite leer. 326 Blätter in Quart (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –HHh; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCVI u. 14 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt HHh 4b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Knaakesche Sammlung; *Berlin (Luth. 1975), München *H. u. *U., *Stuttgart, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.; Weller Suppl. I, 389 und richtiger Suppl. II, 554.

“Ausle- || gung der Euā || gelien, von Os- || tern bis auffs || Aduent, ge- || predigt || durch Mart. Luther. || Gedruckt zu Wittem || berg 1. 5. 27. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 456 Blätter in Oktav (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Hh u. * u. 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i –154 u. 156 –432 u. 17 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt 7b 8) leer. Blatt 432 (= Hh 7)b Z. 11: “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Weiss. 1. 5. 27. ||” Darauf folgt auf Blatt Hh 8a –7a das “Register”.

Vorhanden: *Gotha (Th. 8. 755), *Zwickau. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, || von Ostern bis || auffs Aduent, ge || predigt durch || Mart. Lu- || ther. || Wittemberg. || 1. 5. 2. 7. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 471 Blätter in Oktav (= Bogen * u. A –Z u. a –z u. Aa –Mm; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt 1 –449 u. 14 unbezifferte Blätter).

Druck von Michel Blum in Leipzig.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990._105 Th. 80). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euange || lien, von Ostern bis || auffs Aduent, gepre- || digt durch Martinū || Luther. || tzu Wittemberg. || M. D. XXvij. || Gedruckt. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 218 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm u. a –b; 4 unbezifferte Blätter u. Fo. i. –ccv. u. 9 unbezifferte Blätter), Blatt ccv. (= Mm 3)b, Mm 4 u. die letzte Seite (= Blatt b 4b) leer. Blatt ccv. ( — Mm 3)a Z. 28: “Gedrueckt Michel Lotter. ||”

Druckort: Wittenberg.

Vorhanden: Altenburg L., *Berlin (Luth. 1978), Rothenburg a. T., *Wernigerode (Titelblatt fehlt). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg der || Euāgelien von Ostern || bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Mart. Luth. || Wittemberg. || M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 170 Blätter in Folio (= Bogen u. u. A –Z u. a –f; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXI u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), Blatt 4b u. die drei letzten Seiten (= Blatt f 5b f 6) leer. Am Ende (Blatt CLXI [= f 5]a Spalte ß Z. 40): “Gedruckt zu Vuittem- || berg, durch Hans Lufft, Im Jar, || M. D. XXvij.” || Zweispaltig gedruckt.

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 1985), *Dresden, *Königsberg U., *Marburg, *München H., Schweinfurt St., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 1 (ungenau).

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXVIII. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. || ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 196 Blätter in Folio (= Bogen [WA s. xxiv]

 

A –Z u. Aa=Ji u. K; 3 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXXVIII u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt K 6b) leer. Am Ende (Blatt K 6a Spalte ß Z. 43): “Gedrückt zu Wittemberg || durch Georgen Rhaw. ||”

Vorhanden: *Bamberg, *Berlin (Luth. 1987), Dessau, Düsseldorf St., *Königsberg U., Leipzig U., *München H., *Rostock U., Wolfenbüttel, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 3.

“Auslegunge || der Euangelien, von Ostern || bis auffs Aduent, gepre- || digt durch Doctorem || Martinum Luther zu || Wittemberg. || Auffs new vbersehen vnd || gebessert mit etzlichen Ser- ||monen, mit schoenen Figurn || vor nicht gesehen, vnd vleissigem || Register aller stueck so am rande der || bletter dieser Postillen annotirt sein. || Hat gedruckt Michael Lotther. || M. D. XXIX. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 234 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Pp u. Q[2]; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCXXIII u. 7 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die zwei letzten Blätter (= Q[2] 3 Q[2] 4) leer.

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Bogen A –M hat Michael Lotther noch in Wittenberg, die übrigen Bogen nach seiner im Sommer 1528 erfolgten Übersiedelung in Magdeburg gedruckt; vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915) S. 156 ff.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1997), *Gotha, Halle W., *Hamburg St., Königsberg St., Rudolstadt, *Wernigerode. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1529 Nr. 1; Hülße, Beiträge zur Geschichte der Buchdruckerkunst in Magdeburg (Geschichts- Blätter für Stadt u. Land Magdeburg, Jg. 15 –17, 1880 –1882) Nr. 56.

“Auslegūg || der Euangelienn, || von Ostern biß auffs || Aduent, geprediget || durch Mart. || Luther zů || Wittemberg || M. D. XXIX. || * ||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 116 a). Titelrückseite leer. 320 Blätter in Quart (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Zz u. AAa –FFf; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCVI u. 8 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= FFf 6) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2002), *München H. —Erl. Ausg 2 7, S. XXXII: 1529 Nr. 2 ist wohl diese Ausgabe, fälschlich als Wittenberger bezeichnet.

Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXX. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. || ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCIII u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur u. die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mma unter den Spalten): “Gedrůckt zu Wittemberg durch || Georgen Rhaw. || ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; auch die drei Blättchen am Fuße des Titels in Rotdruck.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2008), Frankfurt a. M., Halle, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 2.

Ausle- || gung der Euā- || gelien, von Ostern || bis auffs Aduent, || gepredigt || durch Mar. Luther. || Gedruckt zu Wittem. || durch Hans Weiss. || M. D. xxx. || Mit Titeleinfassung. [WA s. xxv]

 

Titelrückseite bedruckt. 480 Blätter in Oktav (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Nn; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –470 mit andauernd fehlerhafter Bezifferung u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Nn 8b) leer. Ohne Impressum am Ende.

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 106 Th. 8o). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegünge der || Euangelien, von Ostern bis || auffs Aduent, gepredigt || durch Doctorem Mar- || tinum Luther zu || Wittemberg. || Auffs new vbersehen vnd || gebessert mit etlichen Ser- || monen, mit schoenen Figurn || vor nicht gesehen, vnd vleissigem || Register aller stueck so am rande der || bletter dieser Postillen annotirt sein. || M D XXXI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Pp; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt j —CCXIX u. 5 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Pp 4b) leer. Am Ende (Blatt Pp 4a unter den Spalten): “Gedruckt bey Michael Lotther. ||”

Ort der Ausgabe: Magdeburg.

Vorhanden: Berlin (Graues Kloster), *München H. (Hom. 268), *Nünberg GM., *Wolfenbüttel, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 3.

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Martinum Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXXII. || Auffs new vbersehen vnd gebessert, || sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mm 6a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Hans Lufft, Im jare. || M. D. XXXII. ||”

Vorhanden: Arnstadt, *Berlin (Luth. 2011), Coburg, *Danzig St., Gotha, Jena, *München H., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 4.

“Auslegūg || der Euangelien, || von Ostern bis auffs Ad || uent, gepredigt durch || Martinum Lu- || ther zu Wittemberg. || M. D. XXXij. || Auffs new vbersehen vnd gebes- || sert, sampt dem Sermon, || Von des Juedischen || Reichs vnnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 436 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Hh; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j —ccccxx [mit vielen Fehlern in der Bezifferung] u. 8 unbezifferte Blätter), Blatt 8b des ersten Bogens u. Blatt ccccxx (= Gg 4)b u. die letzte Seite (= Blatt Hh 8b) leer. Am Ende (Blatt Hh 8a Z. 31): “Gedruckt dey Andreas || Rauscher. Anno. M. D. xxxij ||”

Druckort: Erfurt.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2013; früher Knaakesches Exemplar). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, || von Ostern bis auffs || Aduent, gepredigt || durch Mart. || Luther. || Wittemberg. || M. D. xxxiij. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 488 Blaätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. Aa –Oo; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i –cccclxxiiij. u 6 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Oo 8b) leer. Am Ende (Blatt Oo 8a Z. 30): “Gedruck [so!] zu Wittemberg durch || Joseph Klug. ||“

Vorhanden: *München U. (Luther Nr. 72). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, von || Ostern bis auffs Aduent, || gepredigt durch || Mart. Luther. || zu Wittemberg. || M. D. XXXVVI. || Auffs new ubersehen und gebessert, || [WA s. xxvi]

 

sampt dem Sermon, Von des || Juedischen Reichs vnd der || Welt ende. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 212 Blätter in Folio (= Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Mm; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CCIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die letzte Seite (= Blatt Mm 6b) leer. Am Ende (Blatt Mm 6a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg durch || Peter Seitz, Im jare || M. D. XXXVI. ||”

[Fortsetzung zu O.]

Vorhanden: *Karlsruhe HL, *Stuttgart L. (Theol. Luth. 566), *Wernigerode. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

3. Festteil.

“Außlegung || der Euange || lien, an den fürnem || sten Festen jm gantzen || jare, geprediget || durch || Mar. Luther || zů Wittemberg. || * || M. D. XXVII ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 292 Blätter in Quart (= Bogen a u. A –Z u. a –z u. AA –ZZ u. Aa –Cc; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXII u. 14 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Cc 2b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1982), Halle. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegūg || der Euangelien || an den fuernemisten Festen || ym gantzen iare, gepre- || digt durch || Mar. Luth. || Gedrueckt zu Wittemberg. || 1527 ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 484 Blätter in Oktav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z u. AA –OO; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCCCLVI u. 20 unbezifferte Blätter), Blatt LL 8b u. die letzte Seite (= Blatt OO 8b) leer. Am Ende (Blatt OO 8a Z. 7): “Gedruckt zu Wittemberg || durch Nicolaum || Schirlentz. || 1527 ||”

Die erste Zeile des Titels war zunächst in einer etwas länglichen Type gesetzt, sie wurde durch eine etwas breitere ersetzt; Blatt I (= A 1)a Z. 3 steht in einigen Exemplaren “Matthei. IIII.”, in anderen “Matthei. iiij.” Beides sind nur Korrekturen während des Druckes.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1981 u. 1981 a), Dessau, Erfurt, *Lüneburg St., *Stuttgart, *Wernigerode, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Ausleg- || ung der Euā || geliē an den fuernemi- || sten Festen ym gantzen iare, || gepredigt durch || Mar. Luth. || Wittemberg. || 1527. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 372 Blätter in Oktav (= Bogen aa u. A –Z u. a –z; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –cccl. u. 14 unbezifferte Blätter), Blatt aa 8b u. die letzte Seite (= Blatt z 8b) leer. Am Ende (Blatt z 8a Z. 20): “Gedruckt zu Erffurd || durch Johānem Lo- || ersfelt zum Halben || Radt ynn der Mey- || mer gassen. || 1527 ||”

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 107. Th.); Olmütz. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euange || lien an den furnemi- || sten Festen ym gan- || tzen iare, gepre- || digt durch || Mart. Luther. || Gedruckt zu Wittemberg. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 180 Blätter in Folio (= Bogen — u. a –z u. A –F 4 unbezifferte Blätter u. [WA s. xxvii]

 

Blatt I –CLXIX. u. 7 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt F 8b) leer. Am Ende (Blatt F 8a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg Michel Lother. || M. D. XXVII. ||”

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 1978), *Hamburg, München *H u. *U., Rothenburg a. T., Schweinfurt St., *Wernigerode, Zeitz St. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 2.

“Auslegūg der || Euangelien || an den furnemisten || Festen ym gantz- || en Jar, gepre- || digt durch || Marti:Luther. || Wittemberg: ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 146 Blätter in Folio (= 1 Quaternio ohne Burchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Bb; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt i. –cxxxvij. u 1 unbeziffertes leeres Blatt), Blatt 8 des ersten Bogens u. das letzte Blatt (= Bb 6) leer. Am Ende (Blatt cxxxvij. [=Bb 5]b unter den Spalten): “Gedrückt ynn der Newen Vni- || uersitet Marpurg durch || Johañ Loers̄felt. ||”

Druckjahr: 1528.

Der Druck dieser Ausgabe war von Gabriel Kantz in Zwickau begonnen und für die Bogen A –M durchgeführt, als ein Brand in seiner Druckerei ihn an der Fortführung hinderte. Diese übernahm Loersfelt in Marburg für die Bogen N –Z und Aa –Bb. Loersfelt druckte auch das Titelblatt, Kantz aber wiederum die Blätter 2 –7 des ersten Quaternio ohne Buchstabensignatur und setzte auch sein Druckerzeichen auf Blatt 7b dieses Bogens. Vgl. Joh. Luther im Zentralblatt f. Bibliothekswesen Ig. 32 (1915), S. 213 ff.

Vorhanden: Marburg StA., *München H. u. U., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI: 1527 Nr. 3 (es fehlt die Druckerangabe am Ende); v. Dommer, die ältesten Drucke aus Marburg in Hessen (Marburg 1892), Nr. 8.

“Auslegūg || der Euangelien || an den fuernemisten Festen || ym gantzen iare, gepre- || digt durch || Martinum Luther. || M. D. XXviij. || Mit vleis vbersehen vn̄ gebessert, || sampt einem newen Sermon || am Christag, auff das || Euangelion Jo- || hannis. j. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 376 Blätter in Oktav (= Bogen AA u. A –Z u. a –z; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –cccliiij. u. 14 unbezifferte Blätter), letzte Seite (= Blatt z 8b) leer. Am Ende (Blatt z 8a Z. 26): “Gedruckt zu Erffurdt || durch Melchior Sachssen, || ynn der Archen Noe. || 1528. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1994; Blatt l 4 l 5 fehlen), Breslau St., Wittenberg, *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen || ym gantzen iare, ge- ||predigt durch || Martinum Luther. || M. D. XXVIII. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, sampt || einem newen Sermon am Christag, || auff das Euangelion Johannis. j. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 172 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. a –g; 3 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXIII u. 6 unbezifferte Blätter), letztes Blatt (= g 4) leer. Am Ende (Blatt g 3b unter den Spalten Z. 2): “Gedrückt zu Wittemberg durch || Georgen Rhaw. || M. D. XXVIII. ||”

[WA s. xxviii]

Vorhanden: *Bamberg, *Berlin (an Luth. 1987), Dessau, Düsseldorf St., Halle W., Heidelberg, *Königsberg U., Leipzig U., *München H., *Rostock U., Wolfenbüttel. Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXII: 1528 Nr. 4.

“Außlegung || der Euange || lien, an den fürnem || sten Festen jm gantzen || jare, gepredigt || durch || Mar. Luther || zů Wittemberg: || * || M.D.XXIX.||” Mit Titeleinfassung (J. Luther, Titeleinfassungen: Tafel 114a). Titelrückseite leer. 292 Blätter in Quart (= Bogen a. u. A –Z u. a –z u. AA –ZZ u. Aa –Cc 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXXII u. 14 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Cc 2b) leer.

Druck von Heinrich Steiner in Augsburg.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2003), Dessau, Eisenach, *Erlangen, *München H., Weimar. — Erl. Ausg. 2 7 S. XXXII: 1529 Nr. 3 ist wohl diese Ausgabe, fälschlich als Wittenberger bezeichnet.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen, || ym gantzen iare, ge- || predigt durch || Martinum Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen || Sermon am Christag, auff || das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. || Gedruckt zu Magdeburg zum || Lindwurm. Michael Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 232 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. Aa –Qq; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCXXIIII), die letzte Seite (= Blatt Qq 4b) leer. Am Ende (Blatt CCXXIIII [= Qq 4]a Z. 48): “Gedruckt zu Magdeburg zum Lindtwurme, || Michael Lotther. ||“

Vorhanden: *Berlin (Luth. 1997), Dresden, *Gotha, Halle W., *Wernigerode, Zwickau. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: Sine anno Nr. 2; Hülße Nr. 57.

“Auslegung der || Euangelien, an || den fürnemisten Festen || ym gantzen iare, ge- || prediget durch || Martinum Luther. || M. D. XXX. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, sampt || einem newen Sermon am Christag, || auff das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. | .•. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXIII u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4 des ersten Bogens A u. Blatt f 6 u. die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende (Blatt g 4a Spalte ß Z. 27): “Gedrůckt zu Wittemberg || durch Georgen || Rhaw. ||”

Vorhanden: *Berlin (an Luth. 2008), Frankfurt a M., Halle, Nürnberg, Straßburg, Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIII: 1530 Nr. 3.

“Auslegung der || Euangelien, an den fuerne- || misten Festen, ym gantzen || iare, gepredigt durch || Martinum Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen || Sermon am Christag, auff || das Euangelion Johannis. j. || auch andern predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 186 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Gg; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt j –CLXXX), die letzte Seite (= Blatt CLXXX [= Gg 6]b) leer. Am Ende (Blatt CLXXX [= Gg 6]a Z. 39): “Gedruckt bey Michel Lotther. ||”

[WA s. xxix]

Ort der Ausgabe: Magdeburg. Druckjahr nach bibliographischen Ermittelungen: 1531.

Vorhanden: Berlin (Graues Kloster), *München H. (Hom. 268, 2), *Nürnberg GM. (Inc. 3499), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den furnemisten Festen || jm gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || M. D. XXXII. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, || sampt einem newen Sermon am || Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern || predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. Bogen A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CLXXIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt A[1] 4 u. f 6 u. die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende Blatt g 4a unter den Spalten: “Gedruckt zu Wittemberg || durch Georgen || Rhaw. || ||”

Vorhanden: Arnstadt, *Berlin (an Luth. 2011), Coburg, *Danzig St., Gotha, Jena, *München H., Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXIV: 1532 Nr. 6.

“Auslegüng || der Euangelien, an || den fuernemisten Festen, im || gantzen jare, gepredigt || durch Martinum || Luther. || Mit vleis vbersehen vnd ge || bessert, sampt einem newen Sermon || am Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern pre- | digten mehr. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 255 Blätter in Großoktav (= 1 Quarternio ohne jede Signatur u. Bogen A –Z u. Aa –Hh; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j —CCXLVI u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt 8b des ersten, signaturlosen Bogens und Blatt Hh 7b leer. Am Ende (Blatt Hh 7a Z. 1): “Gedruckt durch Michel || Lotther. || M. D. XXXiij. ||”

Druckort: Magdeburg. [Vgl. K, das als erster Teil dieser Ausgabe gelten kann.]

Vorhanden: *Wolfenbüttel (990. 108a. Th.). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung der || Euangelien, an || den furnemesten Festen || im gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || D. M. XXXVI. || Mit vleis vbersehen vnd gebessert, || sampt einem newen Sermon am || Christag, auff das Euangelion || Johannis. j. auch andern || predigten mehr. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 182 Blätter in Folio (= Bogen A u. Bogen A –Z u. a –g; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. –CLXXIII. u. 5 unbezifferte Blätter), Blatt 4 des ersten Bogens A und Blatt f 6 und die letzte Seite (= Blatt g 4b) leer. Am Ende (Blatt g 4a unter den Spalten): “Gedruckt zu Wittemberg || durch Hans Lufft. ||”

Vorhanden: *Karlsruhe HL., *Stuttgart L. (Theol. Luth. 566), Trier St., *Wernigerode (unvollständig). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, an || den furnemesten Festen jm || gantzen jar, geprediget durch || D. Mart. Luth. || Mit vleis vbersehen vnd ge- || bessert, sampt einem newen Ser || mon am Christag, auff das E- ||uangelion Johannis. j. || Auch andern predig- || ten mehr. || M. D. XXXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 407 Blätter in Oktav (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –z u. [WA s. xxx]

 

Aa —Ee; 4 unbezifferte Blätter u. Blatt I. —cccxcij. u. 11 unbezifferte Blätter), Blatt cccxcij. (= Cc 8)b und Ee 3b leer. Am Ende (Blatt Ee 3a Z. 7): “Gedruckt zu Erffurdt durch || Melchior Sachssen jnn der || Archen Noe. || M. D. XXXVI. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2018, früher Knaakesches Exemplar; Blatt h 2 fehlt, auf dem Titel ist Zeile 5 “D. Mart. Luth.” getilgt); *Zwickau (gleichfalls defekt: Blatt H 2 R 1 b 8 r 4 s 3 y 1 Ee 2 –4 fehlen). — Fehlt Erl. Ausg.

“Auslegung || der Euangelien, an den || fuernemesten Festen, || im gantzen jar, || geprediget || durch || D. Mart. Luther. || M. D. XLV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 96 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A —P; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt I –LXXXVIII u. 2 unbezifferte Blätter), Blatt 6b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur und die 3 letzten Seiten (= Blatt P 5b P 6) leer. Am Ende (Blatt LXXXVIII [= P 4]b unter den Spalten): “Ende des Winterteils. ||”, darauf auf Blatt P 5a Z. 1 “Gedruckt zu Leipzig || durch Nicolaum || Wolrab. || || M. D. XLV. ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Auslegung || der Euange- || lien an den fuerneme- || sten Festen, von O- || stern bis auffs || Aduent. || D. Mart. Luther || M. D. LXV. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 74 Blätter in Folio (= Bogen a –m; Titelblatt u. Blatt I –LXIX u. 4 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= m 8) leer. Am Ende (Blatt m 7b unter den Spalten): “Getruckt zu Leipzig durch Nico-||laum Wolrab. ||”

Fortsetzung der Sommerpostille, oben S. XXII (Cr. B.)

Vorhanden: *Düsseldorf StL., *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.

 

 

VII. Gesamtausgaben.

c [K*] “Postill || oder Auszlegung der Epi || steln und Euangelien, durchs gantz jar. || geteylt in zwey teyl. || D. Martin Luthers. || Das erst, vom ersten Sontag an im Aduent, || bitz auff den nechsten Sontag nach Epipha || nie. Mit einer Christlichen vorzede, vnd || underricht dis bůchs, sampt seynem || Register || [Druckerzeichen] || Anno. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 236 Blätter in Folio (= Bogen aa –dd u. a –z u. A –M; 22 unbezifferte Blätter u. Blatt I –XCII u. XLIX –LIII u. 1 unbeziffertes Blatt u. Blatt XCIII –CXLI u. CXLI —ccvij. mit vielen Fehlern in der Bezifferung). Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; das Komma am Ende der sechsten Zeile des Titels ist erst rot gedruckt und dann schwarz überdruckt; vom Druckerzeichen auf dem Titel ist der untere Teil rot überdruckt.

[Folgt mit neuem Titel:] “Das ander || teyl der Postillen: || oder Außlegung der Episteln || und Euangelien. || D. Martin Luthers || Von dem ersten [WA s. xxxi]

 

Sontag nach Epipha- || nie an, bitz auff den ersten Sontag im || Aduent, mit seinem Register. || [Druckerzeichen] || Zů Straßburg bey Wolff Koepphel || Anno. M. D. XXVII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj. u. 1 unbeziffertes Blatt), die vorletzte Seite (= Blatt VV 8a) leer. Am Ende (Blatt cclxj. [= VV 7]b Z. 43): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vnnd vollendet im jar || als man zalt nach der geburt Christi Tausent Fünffhundert, || Syben vnd zwenzig, Am Fünff vnd zwenzig- || sten tag des Mertzens. ||” Die folgende Seite (= Blatt VV 8a) leer, auf der letzten Seite (= Blatt VV 8b) Druckerzeichen. Titel in Schwarz — und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben; vom Druckerzeichen auf dem Titelblatt ist der untere Teil rot überdruckt.

Der erste Teil dieser Ausgabe ist nichts anderes, als der oben S. XIII f. unter b beschriebene Druck der Weihnachtspostille durch Amaudus Farckall in Colmar vom Jahre 1523. Köpfel in Straßburg hat die Restauflage des Farckallschen Druckes übernommen und lediglich Anfang und Schluß, d. i. Blatt 1 (Titelblatt) und 4 des ersten Bogens aa und Blatt 1 und 6 des letzten Bogens M neu gesetzt und auf der Titel- und Schlußseite mit seinem Druckerzeichen versehen.

Vorhanden: *Frankfurt a. M. (Ref. Luth. 16; im ersten Teil fehlen Blatt p 6 D 6 K 3, im zweiten Teil Blatt ce 4 pp 4 pp 5 TT 2), Freiburg, Köln St. (nur Teil I), Leipzig U. (nur Teil I), *München H. (nur Teil I). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXI f. Nr. 4.

d [K*] “Postill. || oder auszlegung der Epi- || steln vnd Euangelien, nach der zeyt vnd || von den heyligen durchs gātz Jar || anderwert [so] corrigiert durch || Martinum || Luther. || Das erst teyl vom Ersten Sontag an im || Aduent, biß auff den nehesten Sontag || nach Epiphanie. Mit eyner Christ || lichen Vorrede, vnnd vnder || richt dis Bůchs, sampt || seinem Re- || gister. || Zů Straßburg bey Wolff Koepphl. || Anno M. D. xxix. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 252 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur u. 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –R; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccxl). Am Ende (Blatt ccxl [= R 6]a Z. 18): “... Ge- || druckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vn̄ || volendet im Hornung, im iar als man || zalt von der geburt vnsers Herren || Jesu Christi. || M. D. xxix. ||” Auf Blatt ccxl [= R 6]b: Druckerzeichen. – Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyl || der Postillen, oder auß || legung der Epistelen vnd || Euangelien. || D. Martin Luthers || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, biß auf den ersten || Sontag im Aduēt, mit || seinem Register. || [Druckerzeichen] || Zů Straßburg bey Wolff Koepphel || Anno. M. D. XXVIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 273 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt I –CCLXI). Am Ende (Blatt CCLXI [WA s. xxxii][= VV 7]b Z. 43): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, vnd vollendet im jar || als man zalt nach der geburt Christi Tausent, Fünffhundert, || Acht vnd zwentzig, Am Vier vnd zwentzigsten || tag des Mertzens. ||” — Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das dritte || teyl der Postillen || oder Auszlegung || der Euangelien an den für- || nemesten Festen jm gantz- || en jar, gepredigt || durch || Mart. Luther. || Zů Straßburg bey Wolff || Koepphel. Anno || M. D. xxviij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 166 Blätter in Folio (= Bogen AA –BB u. A –Z u. Aa –Cc; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clv u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt BB 4 und die vorletzte Seite (= Cc 6a) leer. Am Ende (Blatt clv [= Cc 5]b Z. 38): “Getruckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel || nach der geburt Christi, im jar als || man zalt M. D. xxviij. ||” Die folgende Seite (Blatt Cc 6a) ist leer. Auf der letzten Seite (Blatt Cc 6b): Druckerzeichen.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2000; Titelblatt zu Teil II fehlt), *Heidelberg (nur Teil I, defekt), *Marburg (nur Teil II u. III, letzterer defekt). — Fehlt Erl. Ausg.

e [K*] “Postill || Oder Außlegun || gen der Euange || lien vnd Episteln nach der || zeyt, und der heyligen fest, durchs gantz jar, || gepredigt durch D. M. Luther. || Das Erst theyl vom Er- || sten Sontag an, im Aduent, biß auff den || Ersten Sontag nach Epyphanie. Mit || Eyner Christlichen Vorreden, vnd || Register. || [rot] Truckt zů Straßburg bey Wolff Koephl. || [schwarz] ANNO. M. D. XXXI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 252 Blätter in Folio (= 1 Duernio u. 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen a –z u. A –R; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –ccxl), Blatt 8 des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur leer. Am Ende (Blatt ccxl [= R 6]a Z. 16): “Ende der Postillen über die Epistelen vnnd || Euangelien vom Ersten Sontag im Aduent, biß an den Er- || sten Sontag nach der heyligen drey Koenig tag. Ge- || druckt zů Straßburg bey Wolff Koepphel, un̄ || volendet im Hornung, im iar als man || zalt von der geburt unsers Herren || Jesu Christi. || M. D. xxix. ||” Auf der letzten Seite (= Blatt ccxl [= R 6]b) das Druckerzeichen Wolf Köpfels mit der Beischrift “Ce phal.” (d. i. Cephalaeus, der latinisierte Name des Druckers). Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyle || der Postillen: oder Auszle- || gung der Episteln vnd Euangelien: || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, bitz auff den er- || sten Sontag im Ad- || uent, mit seinem || Register. || D. Martin Luthers. || Zů Straszburg bei Wolff || Koepphl. Anno M. D. XXXI. || ” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. * u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj. u. 1 unbeziffertes [leeres] Blatt), das letzte Blatt (= VV 8) leer.

[WA s. xxxiii]

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das dritte teyl || der Postillen oder Außle || gung der Euangelien an den fürnemisten || Festen im gantzen Jar, geprediget || durch Doctor || Martinum Luther. || ANNO. M. D. XXXII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 164 Blätter in Folio (= Bogen AA u. A –Z u. Aa –Cc; 8 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clv u. 1 unbeziffertes Blatt), Blatt AA 8 und die vorletzte Seite (= Blatt Cc 6a) leer. Am Ende (Blatt clv [= Cc 5]b Z. 35): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff || Koepphl. Nach der geburt Christi, als man zalt. || M. D. XXXII. || ” Auf der letzten Seite (Blatt Cc 6b) das Druckerzeichen Wolf Köpfels.

Vorhanden: Freiburg (Teil 3), *München H. (Hom. 313), Straßburg. – Erl. Aus. 2 7, S. XXXIII: 1531 Nr. 4 (ohne Titelangabe kurz bezeichnet als eine zweite Auflage der Köpfelschen Ausgabe v. J. 1527).

f [K*] “Postill || Od außlegunge || der Epistlen vnd Euan- || gelien, nach der zeyt vnd von den hey- || ligen Fest durch das gantz jar auß, || geprediget durch D. Mar- || tinum Lutherum. || Das erste teil, vom Ersten || Sontag an im Aduent, bis auff den nech- || sten Sontag nach Epiphanie. Mit eyner || Christlichen Vorrede, vnd vnder- || richt dis Bůchs, sampt sei- ||nem Register. || Anno M. D. xlij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 224 Blätter in Folio (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. a –n; 10 unbezifferte Blätter u. Blatt j. –ccxij. u. 2 unbezifferte leere Blätter), Blatt 4b des ersten Bogens ohne Buchstabensignatur, Blatt 6b des zweiten Bogens ohne Buchstabensignatur und die beiden letzten Blätter (= n 3 n 4) leer. Am Ende Blatt ccxij. [= n 2]b Z. 42): “... Gedruckt zů || Straßburg bey Wolff Koepphel, vn̄ volendet im Hor- || nung, im jar als man zalt von der geburt vnsers || Herren Jhesu Christi. || M. D. xxxix. ||”

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das ander teyle || der Postillen: oder Außle || gung der Episteln vnd Euangelien: || Von dem ersten Sontag nach Epi || phanie an, biß auffden er- || sten Sontag im Ad- || uent, mit seinem || Register. || D. Martini Luthers. || Zů Straßburg bei Wolff || Koepphl. Anno M. D. XXXVII. ||” Titelrückseite bedruckt. 274 Blätter in Folio (= Bogen u. ☼ u. aa –zz u. AA –VV; 12 unbezifferte Blätter u. Blatt j –cclxj u. 1 unbeziffertes leeres Blatt), das letzte Blatt (= VV 8) leer.

[Folgt mit neuem Titel:]

“Das Dritte theyl der || Postillen oder außlegung der || Euangelien an den fürnemmisten || Festen inn dem gantzen || Jar, geprediget || durch || Doct. Martinum Luther. ||” Titelrückseite leer. 168 Blätter in Folio (= 1 Ternio ohne Buchstabensignatur u. Bogen A –Z u. Aa –Dd; 6 unbezifferte Blätter u. Blatt j –clxij). Am Ende (Blatt clxij [= Dd 6]a Z. 14): “Gedruckt zů Straßburg bey Wolff || Koephel. Nach der geburt Christi, vn- || sers erloesers, als man zalt || M. D. XLII ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2019). — Fehlt Erl. Ausg.

[WA s. xxxiv]

g [W*] “Auslegung || der Episteln vnd Euan- || gelien durchs gantze iar, || D. Mar. Luthers. || Auffs new corrigiert, || mit einem nuetzlichen || Register. || Wittemberg. || M. D. XLIIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 294 Blätter in Folio (= Bogen A –Z u. AA –ZZ u. AAA –CCC; 7 unbezifferte Blätter u. Blatt II –CCLXXXI u. 7 unbezifferte Blätter), Blatt BBB 5b und die letzte Seite (= Blatt CCC 6b) leer. Auf Blatt CCLXXXI (= BBB 5)a unter den Spalten: “Ende der Postil vom Aduent an || bis auff Ostern. || Gedrückt zu Leipzig || durch Nicolaum Wolrab. || M. D. XLIIII. ||” Darauf folgt auf Blatt BBB 6a ff. das Register. Titel in Schwarz- u. Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben.

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2026), *Düsseldorf StL., *Wolfenbüttel; St. Petersburg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 4.

[Folgt mit neuem Titel:]

Cr. B “Auslegung || der Episteln vnd Euan- || gelien, von Ostern bis auff || das Aduent. || D. Mar. Lut. || Auffs new zugericht. || Wittemberg. || M. D. XLIIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 396 Blätter in Folio (= Bogen a –z u. aa –zz u. aaa – vvv; 5 unbezifferte Blätter u. Blatt II –CCCLXXXII u. 10 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= vvv 6) leer. Am Ende (Blatt vvv 5b unter den Spalten): “Gedrueckt zu Leipzig, durch || Nicolaum Wolrab. || 1. 5. 44. ||”

Vorhanden: Chemnitz St., *Düsseldorf StL. (Blatt a 3 u. a 4 fehlen). — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXV: 1543 resp. 1544 Nr. 3.

Hierzu gehört Roths Festpostille als 3. und 4. Band.

 

 

VIII. Niederdeutsche Ausgaben.

zu IVb (C –D) Vthlegginge || der Euangelien vnde || Epistelen myt dem Re- || gister. || D. Martinus Luther. || Wittemberg. || M. D. XXVj. ||“ Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 318 Blätter in Folio (= Bogen u. A –Z u. a –z u. Aa –Gg; 6 unbezifferte Blätter und ”Fo. j.“ – ”Fo. ccxcviij.” und 14 unbezifferte Blätter), Blatt 6b und die drei letzten Seiten (= Blatt Gg 7b Gg 8) leer. Am Ende (Blatt Gg 7a Spalte ß Z. 38): “Gedruecket tho Wittemberge des || soeuenden dages Septembris || Anno M. D. XXVj. ||”

Druck von Hans Barth in Wittenberg.

Enthält nur den Winterteil.

Vorhanden: *Hamburg (OA IX Nr. 304; Blatt Gg 4 Gg 5 Gg 8 fehlen), *Münster U., *Wernigerode (defekt), Wolfenbüttel. — Erl. Ausg. 7, S. XXXVII Nr. 1; von Dommer, die ältesten Drucke aus Marburg i. H. (1892), S. 160 unter Nr. 25.

zu VI. 3 (S. XIX) “Vthlegginge || der Euangelien an den || voernemesten Festen ym || gantzen iare, geprediget || dorch || Mart. Luth. || Wittem berch. || M. D. XXViij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 428 Blätter [WA s. xxxv] in Oktav (= Bogen a und A –Z und Aa –Zz und aa –gg; 8 unbezifferte, 403 bezifferte und 17 unbezifferte Blätter), Blatt a 8b und die letzte Seite (= Blatt gg 4b) leer. Am Ende (Blatt gg 4a Z. 27): “Gedrücket dorch Hin- || rick Ottinger. ||”

Druckort: Magdeburg.

Vorhanden: Berlin (Luth. 2122; früher Knaakesches Exemplar). – Fehlt Erl. Ausg.; M. Götze, Historie der niedersächs. Bibelübersetzung S. 179 mit der Jahresangabe 1525; darnach Hülße, Beiträge zur Gesch. der Buchdruckerkunst in Magdeburg (Geschichts-Blätter für Stadt u. Land Magdeburg 15, 1880, S. 333) Nr. 14. Die hier gegebene Jahresangabe kann nicht stimmen, da die hochdeutsche Festpostille zuerst i. J. 1527 erschien.

zu IVb (G) “Vthlegginge der || Episteln vnde Euangeli- || en vam Aduente an, || wente up Paschen. || Andermal Corrigert || dorch Mart. Luth. || Vppet nye auerseen, vnde mit || schoenen leffliken figuren ge- || smuecket, Ock mit einem vliti- || gen nyen Register edder Sum || men, alle des, wat ynn dessen || Postillen gehandelt, gebetert. || Alle Texte na der nyen vor- || duedschinge vorandert. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 368 Blätter in Folio (= Bogen A und b und a –z und A –Z und Aa –Oo; 10 unbezifferte, CCCLVIII bezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt CCCLVIII [= Oo 6]b leer. Am Ende (Blatt CCCLVIII [= Oo 6]a Z. 22): Gedrückt tho Magdeborch || Michael Lorther [so!]. || M. CCCCC. XXX. ||”

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73), *Greifswald U. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 76 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 99 f.) nach einem unvollständigen Exemplar in Wolfenbüttel.

zu VI. 2 (S. XX) “Vthlegginge der || Euangelien van || Paschen an wente vp || den Aduent, gepre- || diget dorch || Mart. Luther. || Vppet nye auerseen vnde gebe- || tert, mit etliken Sermonen, || ock mit schoenen figurn voer- || mals nicht geseen .•. || Gedrueckt tho Magdeborg thom || Lindtworm. Michel Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Pp; 4 unbezifferte, CCXVIII. bezifferte, 6 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Pp 4) leer. Blatt CCXVIII. [= Oo 2]a Z. 32: ... dat || vindestu anders wor ock vthgelecht. ||”

Vorhanden: *Münster U. (G 2 3858), *Wolfenbüttel. — Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 74 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 98).

zu VI. 2 (S. XVI). “De vthlegginge || der Euangelien || van Paschen an wente || vp den Aduent, ge- || prediget dorch || Mar. Luther. || Vppet nye auerseen vnde gebe- || tert, mit etliken Sermo || nen, ock mit schoenen || figuren voermals || nicht geseen .•. || Gedrueckt tho Magdeborg thom || Lindtworm. Michel Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 228 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Pp; 4 unbezifferte, CCXVIII bezifferte und 6 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Pp 4) leer. Blatt CCXVIII [= Oo 2]a [WA s. xxxvi] Z. 31: “... dat vindestu an- || ders wor ock vthgelecht. || [Signatur und Kustos:] Oo ij Register ||”. Von dem vorangehenden Druck völlig verschieden.

Druckjahr: 1530.

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73). – Fehlt Erl. Ausg.

zu VI. 3 (S. XX) “Vthlegginge der || Euangelien an den voerne- || mesten Festen ym gan- || tzen iare, gepredigt || dorch Mart. || Luther. || Mit vlite auerseen vnde gebe- || tert, mit eynem nyen Sermo- || ne, an des hilligen Christs || dage up dat Euangelion Jo- || hannis am Ersten Capitel, || ock mit velen anderen predigē || meer, am ende hentho gesettet. || Gedruecket tho Magdeborg thom || Lindtworm, Michael Lotther. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 238 Blätter in Folio (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Q̷q̷ 8 unbezifferte, CCXXIX bezifferte und 1 unbeziffertes leeres Blatt), die drei letzten Seiten (= Blatt Q̷q̷ 3b Q̷q̷ 4) leer. Am Ende (Blatt CCXXIX [= Q̷q̷ 3]a Z. 48): “Gedrücket tho Magdeborg thom Lindt- || worm, Michael Lotther. M. D. XXX. ||”

Vorhanden: *Göttingen U. (Autogr. Luth. p. 73), *Wolfenbüttel. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 75 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 99).

zu VI. I (S. XX) “Vthleggiñ || ge der Euangeli- || en vam Aduente wente || vp Paschen, sampt veel andern || Predingen. || Martin. Luther || Mit schoenen leffliken Figuren. || Gedruecket tho Magdeborch, || by Hans Walther. || M. D. xxxij. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 444 Blätter in Oktav (= 1 Quaternio ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und a –z und Aa –Ji; 8 unbezifferte, ccccx. bezifferte und 26 unbezifferte Blätter), das letzte Blatt (= Ji 4) leer. Titel in Schwarz- und Rotdruck, letzterer hier durch Fettdruck wiedergegeben. Die Hand in Z. 8 des Titels ist rot gedruckt.

Üvbertragung der Ausgabe von Stephan Roth.

Vorhanden: *München U. (Luth. 71; Blatt L 4 und P 2 fehlen), *Wernigerode (Hc 79 m). – Fehlt Erl. Ausg.

Dasselbe, gleicher Druck. Anf dem Titel die Jahreszahl “ M. D. xxxiij.”

Vorhanden: *Wolfenbüttel (919. 129 Th. 8o). — Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 118 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 177 ff.).

zu VI. 2 (S. XV) “Vthleggin || ge der Euangelien || von Paschen an wente || vp den Aduent, gepre- || diget dorch || Mart. Luther. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 468 Blätter in Oktav (= Bogen und A –Z und Aa –Zz und a –m; 8 unbezifferte, CCCCLI bezifferte und 9 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt m 8b) leer. Am Ende (Blatt m 8a Z. 22): “Gedrueckt tho Magde- || borch dorch Mi- || chel Lotther. || M. D. XXXIII. ||”

[WA s. xxxvii]

Vorhanden: *Wolfenbüttel. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 117 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 176 f.) nach Scheller Nr. 815, und dieser nach Hardt 3 S. 229 (unvollkommene Beschreibung).

zu VI. 3 (S. XVIII ff.) Vthleggiñ- || ge der Euangelien || an den voernemesten Festen || ym gantzen jare, gepre- || diget dorch || Martin. Luther. || Ock mit schoenen leffliken || Figuren voermals nicht geseen. || Gedrueckt tho Magde- || borg, by Hans Walther. || M. D. XXXIII. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 432 Blätter in Oktav (= Bogen und A –Z und Aa –Zz und Aaa –Ggg; 8 unbezifferte, ccccv bezifferte und 19 unbezifferte Blätter), die letzte Seite (= Blatt Ggg 8b) leer. Am Ende (Blatt Ggg 8a Z. 25): “Gedruecket by Hans || Walther tho Magde- || borg. M. D. XXXiij ||”

Vorhanden: *Wolfenbüttel [Blatt Ss 7 fehlt]. – Fehlt Erl. Ausg.; Hülße Nr. 119 (Gesch.-Blätter 16, 1881, S. 180 ff.).

 

 

IX. Lateinische Ausgaben.

zu VII “PRIMVS || TOMVS ENARRATIO- || num in Epistolas & Euangelia, ut uulgo || uocant, lectiones illas, quœ in Mißa fe- || stis diebus ex historijs Euangelicis || & scriptis Apostolicis solent re || citari. Authore Marti- || no Luthero. || Opus optimæ frugis, latinis || hactenus incognitum. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 188 Blätter in Oktav (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen a –y; 13 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –175 und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt y 8b) leer. Am Ende (Blatt y 8a Z. 1): “ARGENTORATI APVD || IOHANNEM HERVA- || GIVM PRIMO FE- || BRVARII AN. || M. D. XXV. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“SECVN- || DVS TOMVS ENARRA || tionū in Epistolas & Euangelia, ut uul || go uocant, lectiones illas, quœ in || Mißa festis diebus ex historijs || Euāgelicis & scriptis Apo || stolicis solent recitari. || Authore Marti- || no Luthero. || In calce Indicem reperies. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite leer. 176 Blätter in Oktav (= Bogen A –Y; Titelblatt und Blatt 2n̄ –165 und 11 unbezifferte Blätter), die drei letzten Seiten (= Blatt Y 7b Y 8) leer. Am Ende (Blatt 165 [= X 5]a Z. 13): “ARGENTORATI IN || ædibus Iohan. Heruagij mense || Martio, anno M. D. XXV. ||” Darauf Blatt 165b Z. 1: “IN SECVNDVM || TOMVM IN || DEX. || ...”, Blatt Y 7a Z. 21: “FINIS. ||”

“TERTIVS || TOMVS ENARRATIO- || num in Epistolas & Euāgelia, ut uulgo || uocant, lectiones illas, quæ in Missa fe- || stis diebus ex historijs Euangelicis || & scriptis Apostolicis solent re || citari, Authore Marti- || no Luthero. || Indicem locorum insignium in calce || libri reperies. || Anno, M. D. XXVI. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite [WA s. xxxviii]

 

bedruckt. 264 Blätter in Oktav (= Bogen A –Z u. Aa –Kk; Titelblatt und Blatt 2 –248 und Blatt 149 und 15 unbezifferte Blätter), Blatt Ii 2b und das letzte Blatt (= Kk 8) leer. Am Ende (Blatt Ii 2a Z. 1): “ARGENTORATI APVD IO- || ANNEM HERVAGIVM || MENSE MARTIO, || ANNO, M. D. || XXVI. ||” Darauf Blatt Ii 3a Z. 1: “LOCORVM INSIGNIVM || huius Tomi index. || ...”, Blatt Kk 7b Z. 5: “FINIS. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“QVAR- || TVS TOMVS ENARRA- || tionum in Epistolas & Euangelia, || ut uulgo uocant, lectiones illas, || quæ in Missa festis diebus || ex historijs Euangelicis || et scriptis Apostoli || cis solēt recitari, || Authore Mar || tino Lu- || thero. ||” Mit Titeleinfassung. Titelrückseite bedruckt. 288 Blätter in Oktav (= Bogen a –b und 1 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Z und Aa –Kk; 24 unbezifferte, 263 bezifferte Blätter und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt Kk 8b) leer. Am Ende (Blatt Kk 8a Z. 1): “ARGENTORATI APVD || IOHANNEM HERV A- || GIVM. MENSE IV- || LIO. ANNO || M. D. XXVI. ||”

Mit Vorrede von Martin Bucer.

“QVINTVS || TOMVS ENARRATIONVM IN || Euangelia, ut uulgo uocant, lectio- || nes illas, quæ in Mißa festis diebus || ex historijs Euangelicis solent || recitari, Authore Marti || no Luthero. || || CVM INDICE. || ARGENTORATI. || Anno, M. D. XXVII. ||” Titelrückseite bedruckt. 416 Blätter in Oktav (= 2 Bogen ohne Buchstabensignatur und Bogen A –Y und Aa –Zz und AA –FF; 13 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –176, 185 –280, 284 –347, 349 –415 und 1 unbeziffertes Blatt), die letzte Seite (= Blatt FF 4b) leer. Am Ende (Blatt FF 4a Z. 7): “ARGENTORATI, APVD || IOHANNEM HERVA || GIVM AN. M. D. XXVII. || MEN. APRIL. ||”

Mit Vorrede von Johannes Lonicer.

“SEXTVS TO- || MVS ENARRATIONVM M. || Lutheri in Euangelia, quæ in præ- || cipuis festis per totum || annum leguntur. || * || ARGENTORATI ANNO || M. D. XXVII MENSE || AVGVSTO. ||” Titelrückseite leer. 368 Blätter in Oktav (= Bogen A und A –Z und Aa –Yy; 8 unbezifferte und 360 bezifferte Blätter), die letzte Seite des ersten Bogen A und die letzte Seite am Ende (= Blatt Yy 8b) leer. Am Ende (Blatt 360 [= Yy 8]a Z. 11): “ARGENTORATI APVD IO- || HANNEM HERVAGIVM || MENSE AVGVSTO, || ANNO M. D. XXVII. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2141: T. I –V), *Hamburg (I –VI), *Königsberg (I –V), *Wolfenbüttel (I –VI) und auch sonst vielfach, wenn auch zumeist nur in unvollständigen Exemplaren. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI, Nr. 1.

[WA s. xxxix]

zu VII “ ENARRATIONES || QVAS POSTILLAS VOCANT IN LECTIONES ILLAS || quæ ex Euangelicis historijs, Apostolorum scriptis, atque || nonnunquam ex alijs quoque S. Scripturæ libris || desumptæ, per universum annum, tam in || diebus Dominicis, quam festis me- || moriæ Diuorum sacris ad || Missam recitari so- || litæ sunt. || PER MARTINUM LVTHERVM. || Index item locorum insignium, ac Lectionum || Dominicalium, per ordinem digestus. || AGENTORATI APVD IOHANNEM || HERVAGIVM AN. M. D. XXVIII. || MENSE IANVARIO. ||” Titelrückseite leer. 464 Blätter in Folio (= Bogen a –ß, A –Z, Aa –Zz, AA –ZZ, Aaa –Ggg; 11 unbezifferte Blätter und Blatt 2 –453 und 1 unbeziffertes Blatt), die drei letzten Seiten (= Blatt Ggg 5b Ggg 6) leer. Am Ende (Blatt 453 [= Ggg 5]a Z. 27): “ARGENTORATI APVD IOHANNEM || HERVAGIVM MENSE || IANVARIO. ANNO || M. D. XXVIII. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2145), *Greifswald U., *Hamburg, *München U. und sonst häufig. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI Nr. 2.

zu VII “ENARRATIONES SEV || POSTILLAE MARTINI LVTHERI IN LECTI || ones, quæ ex Euangelicis historijs, Apostolorum scriptis, alijsq; S. || Scripturæ literis desumptæ, per universum annum, tam in die || bus Dominicis, quàm Diuorum memoriæ sacris, super || Missam faciendum, recitantur, ad Ioan. Heruagij || exemplar, fidelius tamen atq; diligentius || quàm antehac recognitæ & excusæ. || [Druckerzeichen] || ARGENTORATI GEORGIO VLRICHERO || Andlano Impressore, An. M. D. XXX. Mense Augusto. ||” Titelrückseite leer. 466 Blätter in Folio (= Bogen A –B, a –z, A –Z, Aa –Zz und AA –GG; 10 unbezifferte, 455 bezifferte und 1 unbeziffertes Blatt), Blatt B 4 des ersten Bogens B und die vorletzte Seite (= Blatt GG 6a) leer. Am Ende (Blatt 455 [= GG 5]b Z. 53): “ARGENTORATI APVD GEORGIVM || VLRICHERVM ANDLANVM, || MENSE SEPTEMBRI, || ANNO XXX. ||”. Blatt GG 6a leer. Blatt GG 6b: Druckerzeichen.

Vorhanden: Breslau U., Dessau, Dresden, Gotha, *Greifswald U. (Fh 614), Halle, Wittenberg. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVI f. Nr. 3.

zu VII “ENARRATIONES SEV || POSTILLAE MARTINI LVTHERI || in Lectiones, quæ ex Euangelicis historijs, Aposto- || lorum scriptis, alijsq; Sacræ Scripturæ literis desumptæ, || per uniuersum annum, tam in diebus Domini- || cis, quàm Diuorum memoriæ sacris, super || Missam faciendum, recitantur, fidelius atq; || diligentius quàm ante hac recognitæ || & excusæ. || || [Druckerzeichen] || ARGENTORATI GEORGIO VLRICHERO || Andlano Impressore, An. M. D. XXXV. Mense Martio. ||” Titelrückseite leer. 458 Blätter in Folio (= 1 Duernio ohne Buchstabensignatur [WA s. xl] und Bogen a –z, A –Z, Aa –Zz, AA –FF; 4 unbezifferte, 453 bezifferte, 1 unbeziffertes Blatt), die vorletzte Seite (= Blatt FF 8a) leer. Am Ende (Blatt 453 [= FF 7]b Z. 52): “ARGENTORATI APVD GEORGIVM || VLRICHERVM ANDLANVM, || MENSE MARTIO, ANNO || M.D. XXXV. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2147), *Wernigerode, *Wolfenbüttel; *London. — Erl. Ausg. 2 7, S. XXXVII Nr. 4.

zu VII “ENARRATIONES || Seu Postillæ Martini Lu || theri maiores, || IN LECTIONES, QVAE EX EVANGELICIS HISTO- || rijs, Apostolorū scriptis, alijsq; sacrae scripturæ locis desumptæ, per uni || uersum annum, tam in diebus Dominicis, q; Diuorum memoriæ sacris || pro concione recitantur, sidelius atq; diligentius quàm || antehac recognitæ & excusæ. || QVIBVS PRAETER NVNC PRI- || mùm adiectas aliquot Homilias, acceßit etiam Apologia Græ- | corum de igne Purgatorio, exhibita in Concilio Basiliensi, per || Ioannem Hartungum latinitate donata, neque || unquam antea in lucem edita. || Rerum quoque & uerborum toto opere || memorabilium Index. || BASILEAE. ||” Titelrückseite leer. 507 Blätter in Folio (= Bogen a –ß, A –Z, Aa –Zz, Aaa –Ooo; 10 unbezifferte, 493 bezifferte und 4 unbezifferte Blätter), Blatt ß 4 leer. Am Ende (Blatt Ooo 5b Z. 7): “BASILEAE, PER IOANNEM HER- || uagium, Anno salutis humanæ M. D. XLVI. || Mense Martio. ||”

Vorhanden: *Berlin (Luth. 2149), Breslau St., Königsberg U. und sonst häusig. — Fehlt Erl. Ausg.

Anmerkung. Nicht hierzu gehört die Schrift

“EVANGE- || LIA ET EPISTOLAE || DOMINICALES OMNES CVM || D. Mar. Lutheri Summarijs. || Item ea Euangelia & Epistolæ || quæ in præcipuis sanctorum || festis tractantur. || LIPSIAE || Apud Nicolaum VVolrab. | 1544 ||” Titelrückseite leer. 168 unbezifferte Blätter in Oktav (= Bogen A –X), das letzte Blatt (= X 8) leer. Am Ende (Blatt X 7b Z.6): “LIPSIAE || EX OFFICINA || Nicolai VVolrab. ||”

Vorhanden : Breslau St.

Luther ist nicht der Verfasser dieser Schrift. Der Text lehnt sich an Bugenhagens Indices quidam in Euangelia (ut uocant) Dominicalia vom Jahre 1524 an, deren Ausgaben Geisenhof, Bibliotheca Bugenhagiana (Quellen und Darstellungen aus der Geschichte des Reformationsjahrhunderts. Bd. 6), Leipzig 1908 unter Nr. 50 –53 verzeichnet, und ist aus Luthers Kirchenpostille, gelegentlich auch aus der Hauspostille, erweitert. Vgl. Edmund Schmidt (Pforta), Über angebliche Luthersche Evangeliensummarien. Theol. Stud. u. Krit. Ig. 86, 1913, S. 389 –428.

[WA s. xli]

 

Einleitung zur Wartburgpostille.

 

1925[WA s. xli] [Einleitung]

So sorgfältig vorbereitet die Flucht Luthers auf die Wartburg gewesen ist, an Eines hatten die trefflichen und geschickten Diplomaten nicht gedacht: daß der Mönch auch arbeiten wollte und zum Stillesitzen oder zum ritterlichen Streifen in Wald und Feld als “Junker Jörg” nicht geschaffen war. In der Nacht des 4. Mai 1521 war Luther auf der Wartburg eingeliefert worden, und schon nach 8 Tagen, am 12. Mai schreibt er an Amsdorf nach Wittenberg (Enders 3 Nr. 433), er habe sich an Hieronymus Schurf gewandt wegen Übersendung von Büchern und der bereits gedruckten Bogen, und schreibe gleichzeitig in demselben Sinne an den Prior Helt; man möge ihm helfen, das Gewünschte zu erhalten, nunc sum hic otiosus, sicut inter captivos liber. Die Bücher und Bogen sind am 14. Mai noch nicht da (an Spalatin, 14. Mai, Enders 3 Nr. 435: nihil adhuc e Wittemberga aut aliunde a nostris accepi), noch immer sitzt er den ganzen Tag müßig (ego otiosus hic et crapulosus sedeo tota die) und kann nur in der griechischen und hebräischen Bibel, die er wohl bei sich gehabt hatte, lesen (bibliam Graecam et Hebraeam lego). Aber er entwickelt Spalatin bereits ein Programm, das ausgeführt werden soll, sobald das aus Wittenberg Erbetene da ist: “scribam sermonem vernaculum de confessionis auricularis libertate, Psalterium etiam prosequar, et Postillas, ubi e Wittemberga accepero, quibus opus habeo, inter quae et Magnificat inchoatum expecto” (auf das Magnificat geht also der Wunsch nach Übersendung der bereits gedruckten Bogen (vgl. Unsre Ausg. Bd. 7, 538 ff.). Hier also taucht zum ersten Male der Gedanke an Arbeit an der Kirchenpostille auf, und es ist für die ganze Anlage seiner Arbeit im Auge zu behalten, daß sie als Fortsetzung (prosequar) gedacht ist, d. h. als Weiterführung der schon im November 1519 auf Wunsch des Kurfürsten Friedrich in Angriff genommenen und im März 1521 erschienenen, die vier Adventssonntage umfassenden lateinischen Postille (vgl. Unsre Ausg. Bd. 7, 458 ff.) Aber sehr bald erhält dieser Plan eine erste Verschiebung: Luther will eine deutsche Postille schaffen und bedarf dazu der Ruhe (quieta studia, Enders 3, 162), es ärgert ihn, daß er durch die gegen den Löwener Latomus notwendig gewordene Schrift aus der Stille seiner Studien herausgerissen wird. Wie er an Melanchthon am 26. Mai (enders 3 Nr. 438) schreibt, hatte er vor, die deutsche Postille mit [WA s. xlii]

 

Übersetzung der lateinischen, gedruckten Adventspredigten zu beginnen, aber die Freunde haben ihm noch kein Exemplar geschickt (statueram enarrationes epistolarum et evangeliorum vernacula donare, sed vos non misistis Postillas istic excusas). So konnte an der Postille zunächst noch nichts geschafft werden; andere Arbeiten wurden in Angriff genommen und vollendet, über die Luther am 10. Juni an Spalatin berichtete (Enders 3 Nr. 441). Das Exemplar der Postille ist immer noch nicht da, der, dem Luther es – offenbar sein Handexemplar – anvertraut hatte, hat es verlegt, die Freunde können es nicht finden. (Postillas nondum accepi; erratum est per illum, cui commiseram). Aber Luther hat einen Ausweg gewußt, um sich zu behelfen, er hat um ein exemplar brevioris postillae gebeten – was darunter zu verstehen ist, wird unten (S. LXII) deutlich werden, hier genüge die Heraushebung, daß es sich um etwas anderes als die gedruckte Postille handeln muß –, das zugleich ein Verzeichnis der altkirchlichen Perikopenreihe von Episteln und Evangelien enthielt. (scripsi interim, quod si invenire non poterunt, tu curabis, ut exemplar brevioris postillae habeam, si habes una cum indice Epistolarum et Evangeliorum). Wie Bossert (Theol. Studien und Kritiken 1897 S. 279) treffend hervorhob, bedurfte Luther eines solchen Verzeichnisses notwendig für seine Arbeit, “da er die consuetudo Romana, die er sich unter Umständen von dem altgläubigen Burgkaplan etwa durch die Vermittlung von Berlepsch (dem Hauptmann der Wartburg) hätte verschaffen können, nach 1516 aufgegeben hatte” (Unsre Ausg. Bd. 4, 622 Anm. 1). Aber Luther hat noch mehr getan: seine Untätigkeit an der Postille hat nicht allzulange vorgehalten, Latomus vielmehr hat noch etwas auf Antwort warten müssen (Latomo etiam respondendum est a me, 10 Juni a. a. O.), und Luther hat inzwischen wirklich insofern mit der Fortsetzung der Adventspredigten begonnen, als er eine Epistel aus den Perikopen der Weihnachtszeit in deutscher Sprache in ausführlicherer Darlegung (nämlich: ausführlicher, als er in den Adventspredigten ausgelegt hatte) fertiggestellt hatte (ego interim epistolam unam vernacula absolvi Dominicae Nativitatis copiosiore enarratione, a. a. O.). Damit tritt die zweite Verschiebung im ursprünglichen Plane ein: Luther schiebt die Adventspredigten beiseite und hebt mit der Auslegung der Weihnachtspredigten an, und zwar in größerer Ausführlichkeit, als er sie bei jenen beobachtet hatte.

       Nun erhebt sich die Frage: welche Predigt hat Luther damals am 10. Juni fertig gehabt, und in welcher Reihenfolge hat er weiterhin übersetzt?

       Nach seinen Worten muß es sich um eine Weihnachtsepistel handeln. Der Weihnachtsepisteln gibt es aber drei, die Epistel zur Messe in der Christnacht (Tit. 2, 11 –15), die Epistel in der Früh-Christmeß (Tit. 3, 4 –7) und die Epistel am Christtag (Hebr. 1, 1 –12); welche ist die von Luther absolvierte una? Das Naturgemäße ist es, daß Luther sich an die Perikopenreihe hielt, also mit der Epistel zur Messe in der Christnacht begann. “Luther griff nicht beliebig zu und wählte einen gerade seinem Geschmack zusagenden Episteltext” (Bossert); er hat es, als er auf Wunsch des Herzogs Johann eine Auslegung des Evangeliums von den aussätzigen verfaßte, das in der Perikopenordnung weit nach Pfingsten fiel, ausdrücklich [WA s. xliii] hervorgehoben, daß er “mitten ynn der erbeyt umb der lesterer willen die ordnung brechen” mußte und seinen “lieben Deutschen die Postillen mitten auß dem faß” kredenzte (Unsre Ausg. Bd. 8, 343; Bossert a. a. O. S. 283). Außerdem trägt die Auslegung der Epistel Tit. 2 deutlich den Stempel einer Eröffnungspredigt an sich. Boffert hat darauf aufmerksam gemacht, daß Luther die Predigt mit der Anwendung der Geschichte Nehemias cp. 4 einleitet, genau wie die Enarrationes der Adventspredigten in der Widmung an den Kurfürsten Friedrich (Unsre Ausg. Bd. 7, 464). Das wird kein Zufall sein, vielmehr wird Luther sich erinnert haben, daß er mit jener biblischen Erzählung schon einmal einleitete, und daß sie als Einleitung besonders brauchbar war. Er hat sie jetzt, das zweite Mal, ausführlicher verwertet als ehedem und ein förmliches Programm daraus entwickelt: sie lehrt, “das man das wort gottis brauche ynn zweyer weyß .... mit eyner hand die Christenheyt baw, bessere, lere, speyße, mit der andernn dem teuffel, den ketzernn, der wellt widderstand thue .. Drumb wollen wyr, ßo gott gnade gibt, die Euangelia auch der massen handellnn, das wyr nit alleyn unßer seelen drynnen weyden, sondernn auch dieselben alß eynen harnisch leren anthun und damit fechten wider alle feynde, auf das wyr mit weyde und wapen gerust seyn” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 18 f.). Hiernach sollen also die einzelnen Auslegungen in zwei Teile zerfallen, einen erbauenden und einen polemischen Teil. Diese programmatisch aufgestellte Disposition ist in der Predigt über Tit. 2 ganz deutlich; mit einem scharfen Absatz: der harnsch dißer Epistel (Unsre Ausg. Bd. 101I, 54) hebt der zweite Teil an. Die Predigt über das Evangelium in der Christmeß Luk. 2, 1 –14 zeigt ebenfalls noch die Zweiteilung; S. 93 unsrer Ausgabe beginnt “der Harnsch dießes Euangeli”. Ebenso die Auslegung der Epistel in der Früh-Christmeß Tit. 3, 4 –7, die wiederum einen besonderen Abschnitt “der harnsch dißer Epistell” bietet (a. a. O. S. 127). Auch in der Auslegung des Evangeliums in der Früh-Christmeß Luk. 2, 15 –20 ist das ursprüngliche Programm noch erkennbar; eine ausdrückliche Hervorhebung fehlt zwar, aber der letzte Abschnitt beginnt mit den Worten “diß Euangelium ist nit fast eyn streytt Euangelium” (a. a. O. S. 141). wider anders steht die Sache bei der Auslegung der Epistel am Christtag Hebr. 1, 1 –12: hier sind die beiden Teile in Eins verschmolzen, und Luther sagt: “alßo haben wyr, das diß gantz Epistell eytel harnisch ist” (a. a. O. S. 179). Man erkennt, die Disposition ist in Unordnung geraten. Die Predigt über das Evangelium in der hohen Christmesse Joh. 1, 1 –14 verzichtet darauf, den “Harnisch” geltend zu machen: “auß dissem Euangelio ist nit nodt, den harnisch zu suchen, es ist eyttel harnisch und hawbtstuck”, und in den folgenden Auslegungen ist dann von “Harnisch” überhaupt nicht mehr die Rede, Luther hat sein Programm vergessen. Nur sechs Predigten hindurch, mit stetig abnehmender Stärke, hat es vorgehalten.

       [WA s. xliv] Aber noch genauer läßt sich beweisen, daß diese sechs Auslegungen, die sachlich um jener Disposition willen eine Gruppe bilden, in der aufgezählten Reihenfolge verfaßt sein müssen. Die dritte Predigt, die Epistel zu der Früh-Christmeß, schließt unmittelbar an die zweite,das Evangelium in der Christmeß, an; denn Luther beginnt sie mit den Worten: “Diße Epistell leret und treybet eben das wyr am end des Euangeli gesagt haben vonn dem wolgefallen odder gutten willen” (a. a. O. S. 95, 17 ff. vergl. 99, 20: “so leret nu diße Epistel abermal die tzwey stuck, glawben und lieben). Dieselbe Predigt verweist aber auch auf die erste zurück: “das wortle: erschynen ist gnugsam droben yn der vorigen Epistell außgelegt” (a. a. O. S. 96, 17 f. vgl. 97, 2 f.: “wie droben”) oder: item ßo hat auch S. Paulus ynn der vorigen Epistell Tit. 2 gesagt” (a. a. O. S. 110, 2 f. vgl. 11). Damit ist die Reihenfolge der drei ersten Predigten sichergestellt; sie sind so verfaßt, wie sie gedruckt wurden, Luther hat sich an die Ordnung der Sonntage und Perikopen gehalten. Die vierte Auslegung (Evangelium in der Früh-Christmeß) weist auf die zweite zurück: “was aber sey Christum finden ynn solchem armutt, und was bedeutte seyn kindwindel und krippen, ist ym vorigen Euangelio gesagt” (a. a. O. S. 139, 11) .... Nu ist droben gesagt, Maria sey Christliche Kirche” (a. a. O. S. 140, 1), die fünfte Predigt (Epistel am Christtag) setzt einerseits voraus, daß die sechste (Evangelium in der hohen Christmesse) noch nicht verfaßt ist, und andrerseits weist sie auf die dritte (Epistel in der Früh-Christmeß) zurück. Luther sagt nämlich: “wo aber herkompt solch weyße tzu reden, werden myr ym Euangelio horenn” (a. a. O. S. 153, 8 f.) und: “gefellt das nit, mag ich alßo dencken, das durchs wort werd vorstanden alß viel alß eyn thatt oder geschicht, wie ym nehsten (d. h. nächstvergangenen) Euangelio Lucas von den hirtten sagt” (a. a. O. S. 159, 14). In der Tat erläutert nun die sechste Auslegung die fünfte, unter ausdrücklicher Bezugnahme. “Alßo haben wyr ynn der Epistel gesehen, wie die gottheytt Christi ist durch den Apostel bewehret auß den spruchen des allten testaments” (a. a. O. S. 181, 24) .... Drumb nach des Apostols gedancken mussen wyr alßo dencken, weigott mit yhm selb tzu sich selb rede unnd eyn wort von sich selb laß ynn yhm selb, aber dasselb wortt sey nit eyn lediger wind odder schall, ßondernn bring mit sich das gantz weßen gotlicher natur, und wie droben ynn der Epistel vom scheyn unnd bild gesagt ist, das die gottliche natur alßo gepildet wirt, das sie ynß bilde gantz mit folget” (a. a. O. S. 186, 17) ... “Szo haben myr droben ynn de Epistel gehörett, er trage alle ding durch's wortt seyner krafft” (a. a. O. S. 211, 3 f.) .... “Das wortlin: Ehre haben wyr droben ynn der Epistell auch gehörtt” (a. a. O. S. 244, 3) ... “Alßo mochten wyr das droben ynn der Epistelln alßo vordeutschen: Er ist eyn scheyn seyner herlickeytt” (a. a. O. S. 245, 2). Die sechste Predigt weist außerdem noch zurück auf die erste und dritte. “Wie das tzuuorstehenn sey, ist droben gesagt, ynn der Epistell von der Christmeß” (a. a. O. S. 224, 17) “.. ßo denn der glaub solch kindschafft gibt, ists yhe klar, das die gutten werck sollen frey umbsonst geschehen, alleyn gott tzu ehren, alß von denen, die schon die selickeyt unnd das erbe gottis durch den glawben haben, wie droben ynn der ander Epistell ist gnugsam gesagt” (a. a. O. S. 228, 18 f.). Die ersten sechs Auslegungen sind also ganz zweifellos nach einander verfaßt.

       Ähnliche Verweise durchziehen nun auch die übrigen Predigten und stellen Luthers Anschluß an die Perikopenfolge sicher. Die achte Auslegung z. B. (Evangelium [WA s. xlv]

am Stephanstag) verweist auf die sechste zurück: “wie ym nehisten Euangelio gesagt ist” (a. a. O. S. 271, 8 f.) .. “droben ist er eyn liecht und leben genennet” (a. a. O. S. 284, 20). Nicht minder auf die fünfte und dritte: “denn wie ich mehr mal gesagt, man muß gar wol acht haben auff Christus wort” (a. a. O. S. 279, 3) .... “Nun ist droben ynn eyner epistell gesagt, wie es nit gnug ist, das wyr frum sind” (a. a. O. S. 281, 7 f.). Die neunte Predigt (Epistel am S. Johannes-Tage) weist zurück auf die siebente und dritte: “Was gottis furcht und gerechtickeyt sey, wirt hie nit gesagt, droben aber haben wyrß offt gesagt” (a. a. O. S. 290, 20); sie verweist voraus auf die zehnte Predigt: “Es reymet sich auch diße Epistell mit dem Euangelio nit ubel” (a. a. O. S. 304, 15). Nun wäre ja an sich denkbar, daß die siebente Auslegung nach der achten verfaßt wäre, aber ein zwingender Grund zu dieser Annahme liegt nicht vor, im Gegenteil, sie wäre unnatürlich. Die zehnte Auslegung weist auf die dritte zurück: “Ich hab droben offt gesagt, tzuuor ynn der Epistel der fruhmeß am Christag, das der glawb mach auß Christo und dem menschen eyn ding” (a. a. O. S. 319, 15 f.). Die elfte Predigt (Epistel am Sonntag nach dem Christtag) nimmt Bezug auf die zehnte, neunte, sechste und fünfte: “die person, wo sie ist, die thut eyttel gutte werck, und was sie thutt, ist gutt, wie ynn der vorigen Epistell gesagt ist” (a. a. O. S. 328, 19 f.); “ßo haben wyr ynn der vorigen Episteln gnugsam gehort, das eynem menschen nit gnug ist, ßo er Christen seyn will, das er glewb, es sey allis war, was von Christo gesagt ist” (331, 15), “nit die gutten werck, die ynn beten unnd kleydern gehen als die Caynschen thun, ßondern die dem nehisten nutzlich und gutt seyn, wie droben gesagt ist ym nehsten Euangelio” (234, 16) “auf das erst dringt das gantz Euangelium Johannis, wie droben am Christag gesagt ist” (354, 10), “denn gottis ßon seyn ist mehr denn Engel seyn, wie ynn der Epistell am Christag gesagt ist” (335, 9 f.). Nicht minder stark weist die zwölfte Auslegung (Evangelium am Sonntag nach dem Christtag) zurück, nämlich auf die elfte, zehnte, fünfte, sechste und zweite. “Darnach ist kommen die klare tzusagung Abrahe .. dauon wyr ynn der Episteln gesagt” (418, 14 f.) “Nu haben wyr ynn der nehisten epistel gehoret, das die, ßo unter dem gesetz leben, nit wol leben” (424, 3), “darumb werden sie nymmermehr frum noch gerecht, wie gnugsam ynn der epistel ist gesagt” (425, 19, vgl. 397, 8 und 434, 4), “droben am Christag, ynn der hohe messen Epistell und Euangelium haben wyr dauon exempell gesehen” (385, 15), “item in der Christmeß Euangelio haben wyr auch dauon gesagt” (385, 18), “sihe, also gar hangt alle gütte der werck an den personen und beruffen, dauon auch droben ym Euangelio an S. Johannes tag gesagt ist” (414, 15). Die dreizehnte Auslegung (Epistel am Neujahrstag) knüpft in ihren ersten Worten bei der elften an: “das ist auch eyn rechte Paulische epistel” (449, 14), um im weiteren Verlauf noch wiederholt sie zu zitieren: “wie ynn der vorigen Epistell ist gesagt” (465, 4, 468, 12, 503, 9) “wie ynn der vorigen epistel gehört ist” (475, 3). Die vierzehnte Predigt (Evangelium am Neujahrstage) führt die “vorige Epistel” an: “wie Paulus ynn der vorigen Epistell sagt: er ist unter das gesetz getan” (516, 6, vgl. 517, 7), aber die gemeinte Stelle steht nicht “in der vorigen Epistel”, sondern in der vorvorigen; es ist Luther ein Gedächtnisfehler begegnet, daraus leicht erklärlich, daß die beiden letzten Epistel Texte aus dem Galaterbriefe, die noch dazu inhaltlich sehr nahe stehen (Gal. 4, 1 –7 und 3, 23 –29), betreffen. Die Annahme, Luther habe unmittelbar vor der vierzehnten [WA s. xlvi]

 

Predigt die elfte fertiggestellt und in Erinnerung daran, ohne die Abweichung von der Reihenfolge zu bedenken, die elfte die “vorige” genannt, ist zu unnatürlich, um wahrscheinlich sein zu können. Die fünfzehnte Auslegung (Epistel am Tage der heiligen drei Könige) weist zurück auf “vorige Epistel” (520, 19), womit verschiedene gemeint sind, dann auf die Epistell am Neujahrstage, “wie wyr droben gehort haben” (512, 16), “wie ynn der nehisten Epistel gesagt ist” (541, 20 f.); sodann wird die fünfte Predigt zitiert: “Szo haben wyr droben ynn der Epistel am Christag gehoret” (526, 15), und endlich kann die letzte Predigt noch nicht geschrieben sein, da Luther ausdrücklich sagt: “was aber der geystlich vorstand sey, wollen wyr ynß Euangelium sparen” (554, 21). Diese Schlußpredigt bezieht sich auf die vorhergehende zurück: “ditz Euangelium stymmet mit der Epistell” (557, 4) “und wiewol Isaias ynn der Epistolln alleyn sagt vom gollt unnd weyrauch, schweygt der myrrhen” (721, 19). Außerdem greift die Auslegung auf die zweite zurück: “alßo haben wyr droben gehort, das der Engel den hirtten auch eyn tzeychen gab” (576, 10), “am Christag ynn dem ersten Euangelio habenn wyr gehortt” (597, 18), ferner auf die zwölfte: “item, ßo haben wyr auch von Simeon und Hanna gehoret” (576, 18), auf die dreizehnte, allerdings in unbestimmter Form: “das wyr durch yhn ym glawben frum werden und darnach alle werck frey thun dem nehsten tzu gutt, wie offt gesagt ist” (578, 17) und, wiederum unbestimmt, auf die zehnte: “wiewol aber ich droben ym andernn Euangelio auch dauon gesagt” (682, 4).

       Nimmt man alle diese Bezugnahmen zusammen, so kann kein Zweifel sein, daß Luther die Episteln und Evangelien der Postille von Christnacht bis Epiphanien in der Reihenfolge der Perikopen verfaßt hat. Das war ja auch das Naturgemäße.

       Nun erhebt sich die weitere Frage: ist es möglich, die einzelnen Predigten noch näher zeitlich zu fixieren?

       Den terminus a quo haben wir bereits gewonnen: Die erste Predigt ist am 10. Juni 1521 fertig gewesen, wie Luther an Spalatin berichtete. Der terminus ad quem ist auch mit ziemlicher Sicherheit zu geben. Denn die Zueignung der Postille an den Grafen Albrecht von Mansfeld ist datiert “am tage sanct Elisabeth 1521” d. h. am 19. November. “Er wird also mit dem Weihnachtsteil fertig gewesen sein” (Bossert); denn ein Vorwort pflegt man nicht mitten in der Arbeit, sondern nach dem Abschluß zu schreiben. Allerdings insofern ist Luther noch nicht ganz fertig, als die Adventspredigten noch ausstanden (s. unten), nur der sog. Weihnachtsteil war fertig, bot aber ein abgeschlossenes Ganzes, so daß die Abfassung eines Vorwortes wohl verständlich ist. Lassen sich nun noch nähere Einschnitte innerhalb des Zeitraums 10. Juni bis 19. November gewinnen?

       Am 13. Juli schreibt Luther an Melanchthon: ego postillas in evangelia vernacula tracto, statim missurus ad incudem, ubi denarium attigero (Enders 3, 190). Die Arbeit an der Postille ist also weitergegangen, abgeschickt hat Luther aber noch nichts, das will er erst tun (missurus), aber er faßt das Absenden schon ins Auge, kann also nicht allzuweit davon entfernt gewesen sein, es gilt nur noch abwarten, ubi denarium attigero. Was heißt das? Enders (Erl. Ausg. VII S. X) übersetzte: sobald der zehnte Bogen fertig sie, redressierte aber in der Ausgabe des Lutherbriefwechsels diese Deutung mit der Bergründung: Luther konnte nicht wissen, wann sein Manuskript zehn Bogen füllte, es sei zu ergänzen: denarium evangelium, [WA s. xlvii] also: wann er zehn Evangelien ausgearbeitet habe. Enders berief sich für diese Deutung auf Max Lenz: Kritische Erörterungen zur Wartburgzeit (Marburger Programm zur Luther-Feier 1883 S. 36). An den “zehnten Bogen” wird in der Tat nicht zu denken sein, die von Enders-Lenz gegebene Begründung dafür ist überzeugend; an die Ausarbeitung von “zehn Evangelien” wird man jedoch auch nicht denken, denn es ist nicht einzusehen, inwiefern Luther damit einen Abschluß erreicht zu haben hoffen kann, der die Drucklegung rechtfertigte. Vielmehr hat er — das hat v. Dommer (Lutherdrucke auf der Hamburger Stadtbibliothek 1888, S. 156) richtig gesehen — die Predigten für die zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien im Auge. Es sind das Christtag (6 Predigten, da für die verschiedenen Metten je besondere Texte vorgesehen sind), Stephanstag, Johannestag, Sonntag nach dem Christtag, Neujahrstag, Epiphanien und die vier Adventsonntage (je 2 Predigten, Epistel und Evangelium). Das gibt ein abgeschlossenes Ganzes, das dem Druck übergeben werden konnte. Luther muß flott gearbeitet haben, wenn er den Abschluß dieses Werkes von 24 Predigtauslegungen schon ins Auge fassen kann; die Arbeit ist durch den ganzen Juni hindurch vorwärts gegangen, dann aber mit Anfang Juli ins Stocken geraten, infolge von Verdauungsbeschwerden hat Luther, wie er in demselben Briefe vom 13. Juli schreibt, seit acht Tagen nichts mehr arbeiten können (octo iam dies sunt, quod nihil scribo, neque oro, neque studeo). Aber das Übel war behoben worden, Luther saß am 13. Juli wieder an der Arbeit (ego ... tracto), und Arbeitsfreudigkeit und -frische spricht aus der Hoffnung auf Abschluß des Werkes. Er hat auch inzwischen zugleich mit den medizinischen Pillen alle gewünschten Bücher, darunter auch die postilla brevior erhalten, Melanchthon hatte sie am 6. Juli Spalatin zur Beförderung mitgegeben. (Vergl. Enders 3, 199, Corp. Ref. I 417).

       Aber mag nun mit der Benutzung der gesandten Literatur die Schwierigkeit der Arbeit gestiegen sein oder welches der Grund sein mag, Luther hat seinen Entschluß, erst das abgeschlossene Werk (Advent bis Epiphanien) in die Druckerei zu schicken, bald geändert. Kurz nach dem 15. Juli hat er an Spalatin Verschiedenes (alia) geschickt (Enders 3 Nr. 446, Spalatin schickt es an Melanchthon weiter, Corp. Ref. I Nr. 124), und darunter muß sich auch ein Stück der Postille befunden haben, denn am 31. Juli schrieb Luther an Spalatin: quae hic mitto reliqua Postillae, curabis praecedentibus adiungi. Er hat also damals den Rest (reliqua) des fertigen Manuskriptes dem Freunde überschickt. Der Druck sollte in Wittenberg möglichst bald beginnen, die Postille sollte vor anderem gedruckt werden (curabis ... et Vittembergae excudi prae omnibus). Luther will das Seinige dazu tun, er will sich eilen (festinabo), und, wie schon Mitte Juli beabsichtigt, soll das Werk die Epistel und Evangelien der zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien umfassen und als ein Ganzes, als ein Buch herausgegeben werden (festinabo, ut denarium evangeliorum absolutum emittamus pro uno libro). Bezüglich der Adventspredigten hat Luther jetzt einen neuen und doch alten (s. o. S. XLII) Plan gefaßt: er will — offenbar im Interesse, so am schnellsten fertig zu werden — die vier Adventspredigten übersetzen, sie an die Spitze stellen und das Übrige hinzufügen (quatuor Dominicas transferam et reliqua adiiciam). Auf diese Weise, hofft er, wird das Buch nicht zu umfangreich für die Leser und nicht zu teuer (quod facio, ne liber nimio magnus terreat legentes et ementes, simul ut interim habeatur, quod discatur), und es ist [WA s. xlviii] dann wenigstens etwas zur Volksbelehrung geschaffen, bis die ganze Postille fertig ist (so glaube ich die Schlußworte simul ut interim usw. deuten zu sollen; den Nachweis, daß Luther damals wirklich an eine ganze Postille dachte, über den Winterteil hinaus, s. unten). Warum Luther das Manuskript nicht bis zum Abschluß der Epiphanienpredigten bei sich behielt, wissen wir, wie gesagt, nicht. An einen sofortigen Druck des überschickten Teiles kann er nicht gedacht haben, denn die Adventspredigten sollten ja an die Spitze kommen (reliqua adiiciam). Es mögen vraktische Gründe gewesen sein (günstige Gelegenheit, das Manuskript zu anderem zu packen, oder dergl.), jedenfalls sah Luther den baldigen Beginn des Druckes vor Augen, das sagen seine Worte und beweist sein Verhalten.

       Diese Hoffnung auf eine rasche Beendigung seiner Arbeit verrät auch noch ein Schreiben Luthers an Melanchthon vom 3. August. Spalatin hat gegen Luther über langsames Drucken geklagt (conqueritur etiam mihi de tarditate vestra excudendi Enders 3, 213); darum muß Luther ein bischen schelten (arguo atque — so ist wohl statt itaque zu le sen — increpo vos opportune et importune). Sechs Pressen, so hört er, stehen zur Verfügung, er schätzt, daß er für sich allein vier in Anspruch nimmt, Melanchthons loci drei und Carlstadt zwei (habetis, ut audio, sex prela, et ego, ut numero, solus quattuor occupo, Methodus tria et Carlstad duo). Jedenfalls aber soll die Postille gut und korrekt gedruckt werden (velim autem Postillas bono et correcto typo excudi). Schwerlich hätte Luther so geschrieben, wenn er nicht den baldigen Beginn des Druckes vor Augen gesehen hätte. Aber die Überlastung der Pressen wurde zur Kalamität. Am 6. August schreibt Luther an Spalatin, es solle nur das Wichtigste gedruckt werden, die Übersetzung der Schrift Melanchthons gegen die Pariser Theologen soll z. B. aufgeschoben werden, bis die Pressen wieder Ruhe haben, und ebenso seine Auslegung des 68. Psalms (non est animus, ut omnia, quae mitto, excudantur. Hinc apologiam Philippi, nisi aliud videatur, vellem differri, donec otiosa fuerint prela. Item de Psalmo Exsurgat factum oportuit, cum abundent ea, quae necessaria sunt et urgent. Enders 3, 215). Ob Luther der hier erwähnten Sendung auch Manuskript der Postille beigefügt hat, bleibt unsicher. Sehr wahrscheinlich wird es nicht angesichts der Mitteilung Luthers an Spalatin vom 15. August. Er ist hier ergrimmt über den “schmutzigen, nachlässigen und konfusen” Druck seiner Schrift von der Beichte in Grünenbergs Presse. So darf und soll es mit der Postille nicht gehen. Er beschwört den Freund, dafür zu sorgen, daß Grünenberg unter keinen Umständen die Postille drucke, vielmehr soll das von ihm gesandte Manuskript lieber aufbewahrt und ihm zurückgeschickt werden, um es in eine andere Presse zu senden (Obsecro te, cura, ne is [Grünenberg] vernaculas Postillas excudat ullo modo, sed ut servetur potius ac remittatur quicquid illarum misi, ut alio mittam). Was hat es für einen Zweck, sich so viele Mühe zu geben, wenn ein solcher Schmutz und solche Konfusion für die übrigen Drucker nur Anlaß wird, die Errata zu vermehren? Auf diese Weise, das wünscht er kategorisch, darf gegen die Postille nicht gesündigt werden, lieber gar nicht drucken als so! (nolim hoc exemplo in Evangelia et Epistolas peccari, praestat latere, quam sic edi). Kurz, er schickt um deswillen kein Manuskript mehr (denique hac causa iam nihil mitto) und setzt hinzu: cum habeam ferme decem magnos quaterniones in eadem re nihilque prorsus missurus amplius, bis er weiß, daß jene schmutzigen Krämer beim Bücherdruck weniger für den Gewinn in der eigenen [WA s. xlix] Tasche als für den Nutzen der Leser sorgen. Was heißt nun: cum habeam ferme decem magnos quaterniones in eadem re? Bossert (S. 304) umschreibt: “am 15. August berechnet Luther sein bisheriges Manuskript der Postille auf zehn Bogen großen Formats.” Es müßte also danach das habeam sowohl das bereits abgesandte, als auch das noch in Luthers Händen befindliche Manuskript bezeichnen, “obwohl — so ist cum auf jeden Fall zu übersetzen — ich fast zehn große Bogen in der Sache fertig habe”. Das ist eine mögliche Deutung, aber ich habe schon früher (Zeitschr. f. wissensch. Theologie 41, 608) eine andere Deutung vorgeschlagen, die mir ungezwungener erscheint: “obwohl ich fast zehn große Bogen in der Sache bei mir habe”. Es würde sich dann also nur um das Manuskript handeln, das Luther bei sich fertig auf der Wartburg hat, nicht auch um das schon abgeschickte; dieses vielmehr müßte hinzugezählt werden, um das Gesamtmanuskript zu erhalten. Was diese Deutung empfiehlt, sind die vorhergehenden und nachfolgenden Worte: “kurz, ich schicke derhalb nichts mehr, ich werde nichts weiter mehr schicken”, dazu paßt als stärkster Trumpf am besten: trotzdem ich fast zehn große Bogen bei mir habe; habeam ist vorausgestellt und hat offensichtlich den Ton. Ist diese Deutung richtig, so kann Luther schwerlich an Melanchthon am 6. August Manuskript geschickt haben; denn vom 6. August bis 15. August die Arbeitsleistung von etwa zehn großen Druckbogen zu leisten, ist zwar nicht ganz unmöglich, wohl aber nicht gerade wahrscheinlich. Wir werden vielmehr vom 31. Juli an, an welchem Tage ja Luther den damaligen Rest der Postille abschickte, rechnen müssen; auch dann bleibt die Arbeitsleistung Luthers respektabel, aber man versteht dann auch um so besser, daß er an baldigen Abschluß des Ganzen dachte.

       Schon am Schlusse des Briefes ist Luthers Grimm verraucht. Er ändert seinen Vorsatz (mutavi consilium) und schickt, was er an Manuskript der Postille bei sich hat (et mitto reliqua Postillarum). Seine Erwägung ist diese: es könnte der Druck des bisher geschickten Manuskriptes schon begonnen haben und ein Aufschub oder eine Inhibierung unmöglich werden (cogitans, si forte coeptum sit excudi id, quod prius miseram, ut differri aut inhiberi non possit). Er fügt noch einen Wunsch für den Druck hinzu: er möchte das Buch in cubitalis papyri modum gedruckt sehen, und zwar mit Lotthers Typen. Grund für das große Format ist der Umfang des Buches: quia magnus erit liber. Was heißt aber: cubitalis papyri modus? Lenz und Enders sowie die zweite Auflage von Walch vermuteten: Quartformat, Bossert: Folioformat, unter Berufung darauf, daß cubitalis ellengroß heiße und daß die Worte: magnus erit liber Folioformat forderten. Letzteres ist nicht einzusehen, das Buch wäre für Oktavformat zu unhandlich geworden, wie die in Oktav gedruckte lateinische Übersetzung Bucers beweist, während hingegen das Quartformat, in dem ja die Postille tatsächlich gedruckt wurde, auch wenn man die Adventspredigten hinzunimmt, durchaus handlich bleibt. Dabei sollte zudem noch geteilt werden! (s. das Folgende). Luthers Arbeitsleistung reduziert sich natürlich nicht unerheblich, je nachdem er zehn Bogen Quartformat oder Folioformat an Manuskript nach seiner Berechnung bei sich hatte; denn die magni quaterniones, von denen er spricht, sind zweifellos als modus cubitalis papyri gedacht. Bossert weist darauf hin, daß cubitalis ellenlang bedeute, und deshalb Folioformat gemeint sei. Diese Bedeutung hat cubitalis allerdings, aber wäre nicht denkbar, daß Luther von cubus = Würfel ableitete und cubitalis papyrus quartförmiges [WA s. l] Papier bedeutete? Man wird das “ellenlang” doch schwerlich pressen dürfen. Und das um so weniger, als literae cubitales = literae quadratae sind (Du Cange II 641).

       Noch bleibt die Frage, wie Luther denken konnte, es sei mit dem Drucke schon begonnen worden? Er hatte doch stets die Adventspredigten an der Spitze gedacht und noch am 31. Juli das ausdrücklich gesagt (s. oben S. XLVII). Und auch sein am 3. August ausgesprochener Wunsch: velim postillas bono et correcto typo excudi kann in Übereinstimmung damit als ein Zukunstswunsch, wenn die ganze Postille fertig sei, gedeutet werden. Oder vielleicht nicht? Offenbar vermutet er jedenfalls jetzt, es sei unerachtet seines ursprünglichen Planes das Manuskript in die Druckerei geschickt worden, was ja insofern sehr erklärlich gewesen wäre, als Luthers erste Predigt deutlich programmatischen Eröffnungscharakter, wenn ich so sagen soll, trug. Die Voraussetzung und Annahme aber, daß der Druck wohl schon begonnen habe, zwingt ihn zu einer Änderung des ursprünglichen Planes, mit den Adventspredigten die Postille beginnen zu lassen; denn die waren ja noch nicht fertig. Luther entwirft denn auch einen nenen Plan. Er sagt nämlich: “ich will aber das Buch in die vier Teile des Jahres teilen, von Quatember zu Quatember, damit es nicht zu unbequem und zu kostpielig wird” (dividam autem eum in quatuor partes anni, de angaria in angariam, ut sit non nimis onerosus et sumptuosus). Bei dieser Teilung nach Quatembern konnte natürlich mit dem Druck schon begonnen werden, denn dann lief ein Teil von Weihnachten bis Beginn der Fastenzeit, ein zweiter von Invocavit bis Pfingsten, und dann wurde die Trinitatiszeit durch den Tag der Kreuzerhöhung (14. Sept.) in zwei Hälften gelegt. Die Adventspredigten wären dann das letzte Stück gewesen, verbunden mit den späteren Trinitatispredigten. Luther denkt also jetzt daran, die Adventspredigten völlig zurückzustellen angesichts der durch die Annahme des Druckbeginns entstandenen Unmöglichkeit, sie an die Spitze der Postille zu setzen. Wie er auf den Gedanken kam, der Druck habe eventuell schon begonnen, wissen wir nicht näher. Luther ist sich offenbar selbst nicht recht klar, was werden soll, denn die ganze Vierteilung und seine übrigen Wünsche sind eben nur Pläne Luthers; er weiß selbst, daß sein Wille nicht maßgebend ist (Sed frustra haec volo, cum non quod ego velim, sed quod agitur illic, fieri possit). Auf alle Fälle aber soll Spalatin sein Manuskript gut aufheben oder es ihm zurückschicken (quidquid vero fit vel non fit, cura, obsecro, ut bona fide custodiantur ista manus meae exemplaria aut ad me remittantur).

       Fortan hören wir nichts Näheres über die Postille bis zum 17. September, dem “tag Lamperti”. Von diesem Tag an datiert nämlich die Vorrede seiner Auslegung des Evangeliums von den zehn Aussätzigen Luk. 17, 11 –19, die er auf besonderen Wunsch des Fürsten Johann von Sachsen angefertigt hatte. Am Schlusse dieser Vorrede sagt er nun, er habe mit Absicht dieses Evangelium gesondert ausgehen lassen, damit über die Beichte Klarheit herrsche. “Auch wil ich hiemit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen mitten ausz dem fasz, wiewol ich sie itzt nit weitter denn vomm Advent bisz auff Epiphania bracht habe unnd mitten [WA s. li] ynn der erbeyt umb der lesterer willen die ordnung brechen musz, doch da ligt nichts an. Es kompt wol widder tzu recht” (Unsre Ausg. Bd. 8, 343, vgl. auch oben S. XLIII). Das Evangelium von den Aussätzigen war der Text am 14. Sonntag nach Trinitatis, und, wie Bossert mit Recht heraushebt, zeigt diese Äußerung, daß Luther sich streng an die Perikopenfolge hielt, was wir auch schon anderweitig festgestellt haben. Luther hat mit dieser Auslegung von Luk. 17, 11 –19 die Reihenfolge durchbrochen, hat in seiner Arbeit an der Winterpostille eine Pause eintreten lassen und mitten aus dem Faß kredenzt. Aber wieviel hatte er fertig? Bossert meint: “Luther hatte also schon die Predigten für Epiphanien begonnen. Aber er kann hier nur die Predigt über Jes. 60 — also die Epistelpredigt — im Auge haben; denn wenn die Predigt über die zeyn Aussätzigen noch Anklänge an die vier vorausgehenden Predigten zeigt, also jenen zeitlich nahe stehen muß, so finden sich auch Berührungen zwischen ihr und der Predigt über Jes. 60, und zwar so, daß erstere die weitere Ausführung der dort kurz angedeuteten Gedanken gibt”. Aber das ist kein zwingendes Argument. Sprachlich möglich ist allerdings, das “bisz auff Epiphania” zu deuten: bis zum Anfang von Epiphanien, aber notwendig ist das nicht. Mit “Anklängen” und Berührungen bei Luther zu operieren, ist stets mißlich, da sie sehr willkürlich sind und auf Zufall beruhen können. Selbst einmal angenommen, die Auslegung von Luk. 17, 11 –19 gäbe die weitere Ausführung der in der Epistelpredigt zu Epiphanien kurz angedeuteten Gedanken, so ist dadurch keineswegs ausgeschlossen, daß auch die Evangeliumspredigt zu Epiphanien schon fertig war; denn warum hätten sich irgendwie Beziehungen zu ihr in der Predigt über die Heilung der Aussätzigen finden müssen? So bleibt also die Möglichkeit, daß Luther am 17. September den ersten Teil der Postille, also Christtag bis Epiphanien (einschl. des Evangeliums) fertig hatte und nur noch die Widmung ausstand. Aber noch eine dritte Möglichkeit besteht: Luther hat die Worte in jener Vorrede gleichsam vordatiert, d. h. auf den Tag, da der Druck seiner nicht ganz drei Quartbogen umfassenden Schrift fertig war. Er versetzt sich also auf den Standpunkt eines Lesers, dem der vollendete Druck vorliegen wird, und sagt ihm: meine Postille ist noch nicht weiter gediehen als von Advent bis Epiphanien einschl. Dann also hätte Luther nur ins Auge gefaßt bzw. als sicher angenommen, daß zur Zeit der Vollendung jenes Druckes seine Postille bis Epiphanien fertig sein werde. Natürlich kann er dann nicht weit von diesem Abschluß entfernt gewesen sein, aber wir sind nicht genau in der Lage zu sagen, wie weit er am 17. September gekommen war. Ja, da Luther es erst Spalatin anheimstellt, ob er jene Auslegung drucken lassen und sich nicht mit einer Abschrift seines Manuskriptes für den Herzog begnügen will (Enders 3 Nr. 457), konnte Luther mit einer längeren Zeit noch rechnen. Man wird auf eine Inkorrektheit in Luthers Worten hinweisen dürfen, wenn er sagt, er habe die Postille von Advent bis auf Epiphanien gebracht. Denn das ist richtig nur, wenn man die lateinischen Adventspredigten ins Auge faßt, die Luther ja aber noch übersetzen wollte. Es dürfte aber gerade diese Inkorrektheit dafür sprechen, daß Luther sich mit seinen Worten auf den Standort des Lesers versetzt, dem zur [WA s. lii] Zeit seiner Lektüre die Postille als ein geschlossener Teil von Advent bis Epiphanien vorliegt. Diesen geschlossenen Teil als ein Ganzes herauszugeben, hatte er aber schon früher ins Auge gefaßt (s. o. S. XLVII). Er hätte dann also hier die Vierteilung, die einem Separatdruck der Adventspredigten vorauszusetzen schien (s. o. S. L), wenigstens insofern modifiziert, als Advent bis Epiphanien wieder einen Teil ausmachen sollten.

       Am 19. November — das ist das nächste Datum über die Postille, wenn wir von einer kurzen Notiz im Briefe an Nikolaus Gerbel vom 1. November (Enders 3 Nr. 461) absehen, in dem er unter seinen Schriften auch die vernacula enarratio Epistolarum et Evangeliorum nennt — hat Luther die Widmung der Postille an den Grafen Albrecht von Mansfeld vollendet und schickt sie am 22. an Spalatin “Evangeliis praeponendam”. Spalatin und Melanchthon erhalten den Auftrag, das Manuskript sorgfältig aufzubewahren, damit nichts verloren gehe, bis er den Schluß der Postille fertig hat, an dem er schon arbeitet (cura, quaeso, mi Spalatine, ut diligenter serventur et a te et a Philippo, ne pereant, donec reliquum Postillarum absolvero, in quo iam laboro). Mit diesem “Rest der Postille” sind offenbar die Adventspredigten gemeint, die also jetzt wieder als ein mit dem von Weihnachten an beginnenden Teil bis Epiphanien ein Ganzes bildendes Buch gedacht werden (so auch Bossert). Luther spricht ja am Schluß des Evangeliums zum Epihanientage, also am Schluß der damals fertiggestellten Predigten, davon, daß er “hoffe, es sey ynn dißen zwelffen Epistolln und Evangelien eyn Christlich leben so reychlich fürgepildet” usw. (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728). Damit sind die fertiggestellten Episteln und Evangelien der Weihnachtszeit (Bd. 10 1 I) gemeint und die (noch nicht fertigen) Adventspredigten zu den 4 Adventssonntagen (Bd. 10 1 II). Gleichzeitig mit der Widmung wird, wie auch Bossert annimmt, der “klein Unterricht, was man in den Evangeliis suchen und gewarten soll” fertig gewesen sein, aber er wird von vornherein für den Anfang, als Einleitung zum Ganzen gedacht sein, nicht, wie Bossert vermutet als “auch für den Adventsteil berechnetes Schlußwort”. Wie der Inhalt (man vgl. Bd. 10 1 I, 8 ff.) deutlich verrät, handelt es sich um eine allgemeine Einführung in die Postille. Von der Überschrift zu dieser Einführung aus wird auch sofort klar, inwiefern Luther im Briefe sagen kann evangeliis praeponendam, wo es sich doch um Episteln und Evangelien handelt: auch in der Überschrift ist die ganze Postille evangelia, und Luther setzt weiterhin auseinander, daß Epistel und Evangelien nur Formen des Evangeliums sind.

       Schon diese kritische Revue über die Äußerungen Luthers zur Weihnachtspostille verrät, daß es nicht möglich ist, so genau, wie Bosserts scharfsinnige Berechnungen es versuchten, die Abfassungszeit der einzelnen Predigten zu fixieren. Bossert rechnet so: am 10. Juni war die erste Predigt fertig, von da bis Anfang Juli noch vier weitere, dann sei eine Pause eingetreten. Denn “es plagte ihn schweres Leiden, das ihm am Schluß der Predigt zur hohen Messe am Christtag Hebr. 1, 1 –12 den Seufzer auspreßte: Ich kann nicht mehr, mit welchem er die Feder niederlegte.” “Deuten wir diese Worte recht, so hatte Luther bis zur ersten Woche des Juli fünf Predigten der Weihnachtspostille bearbeitet und hoffte in kurzer Zeit ihre Zahl [WA s. liii] auf zehn zu bringen, welche dann sofort gedruckt werden sollten.” Aber die Worte sind sicherlich nicht richtig gedeutet. Von jenem Seufzer, mit welchem er die Feder niederlegte, ist keine Rede. Man vergleiche nur den Zusammenhang (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 179): Luther quält sich ab mit einer Erklärung von Hebr. 1, 10 –12, “wie dißer spruch klerlich tzu dißer sachen diene, scheynet noch nit”; er versucht nun eine Deutung und sagt am Schluß derselben: “Was mehr hiebey tzu sagen ist, befehl ich hohern geysten, ich kan nit mehr”. Das gibt Bucer so wieder: quid praeterea hic dicendum est, committo spiritibus sublimioribus, equidem plura haud scio und trifft damit zweifellos das Richtige: der Nachdruck liegt auf “ich”, mögen andere Besseres wissen, ich kann nicht mehr, scil. sagen. Und dann die Begründung: “Luther hoffte in kurzer Zeit die Zahl der Predigten auf zehn zu bringen” mit Luthers Worten: statim missurus ad incudem, ubi denarium attigero, “Luther meint zehn Predigten, je fünf über Episteln und Evangelien”, wird von Bossert selbst einige Seiten später preisgegeben, sofern er richtig sagt (a. a. O. S. 292 verglichen mit 287): “daß Luther mit denarius nicht zehn Bogen, sondern die Predigten für die zehn Sonn- und Festtage vom 1. Advent bis Epiphanien meint, ist nunmehr allgemein anerkannt” (vergl. auch oben). Wir wissen also nicht, wieviel Luther am Anfang Juli fertig hatte.

       Mit diesem ersten non liquet fällt aber das ganze Rechengebäude Bosserts dahin, da er auf diesem angeblichen Fundamente weitergebaut hat. Wir können nicht sagen: “mit dem Brief, der spätestens auf den 18. Juli zu setzen ist, sandte Luther an Spalatin die vier Predigten, mit welchen er zwischen dem 10. Juni und Anfang (5.) Juli fertig geworden war”, sondern nur feststellen, daß mit jenem Briefe ein Stück Manuskript abging und ebenso am 31. (s. o.). Bossert glaubt auch feststellen zu können, “wieviel bis 31. Juli fertig war”: “So bleiben also für die Zeit von Mitte bis Ende Juli drei Predigten übrig, welche Luther in dieser Zeit bearbeitete, nämlich die Predigt für das Hochamt am Christfest und die zwei Predigten für den Tag Stephani.” Aber diese Berechnung, an die frühere, die aber irrig war, sich anschließend, stützt sich lediglich auf Luthers Wort: festinabo vom 31.Juli. Bossert schließt: also müssen die Predigten, die nach dem 31. Juli verfaßt sind, möglichst kurz sein, und findet nun solche in den beiden Predigten über Johannes über Sirach 15, 1 –6 und Joh. 21, 19 –24. Dieselben sind allerdings kurz, und Luther hebt die Kürze sogar ausdrücklich hervor (s. d. Stellen bei Bossert a. a. O. S. 293), aber es fragt sich doch, zumal da die erste Rechnung nicht stimmt, ob man an das festinabo solche bestimmten Folgerungen knüpfen darf. Ob Luther den Plan, zu eilen, wirklich ausgeführt hat, wissen wir nicht; Bossert selbst muß zugeben, daß Luther “bald andere Arbeiten dazwischenkamen”, und Luther hat auch schon Anfang Juli geeilt, wie die am 13. Juli ausgesprochene Erwartung, bald mit den Predigten für Advent bis Epiphanien fertig zu sein, beweist; also könnten die zwei kurzen Predigten ebensogut unmittelbar nach den 13. Juli und vor den 31. Juli fallen, wenn ihre Kürze nicht überhaupt zufällig ist. Daß die beiden Predigten über Johannes “unmittelbar nach dem Trostbrief an die Wittenberger — der Auslegung des 36. (37.) Psalms, Unsre Ausg. Bd. 8, 205 ff. — und zugleich mit einem Stück der Erklärung des 21. (22.) Psalms (Unsre Ausg. Bd. 5, 583 ff.) geschrieben sind” (Bossert S. 302), kann aus den von Bossert beigebrachten Berührungen nicht gefolgert werden. Liegt überhaupt Abhängigkeit zwischen den Predigten und dem Trostbriefe vor, was [WA s. liv] zweifelhaft bleibt, so kann sie auch in umgekehrter Folge vorliegen, so daß der Postille die Priorität zufiele; außerdem ist der Trostbrief schon vor Anfang Juli fertig gewesen (Unsre Ausg. Bd. 8, 205), so daß also im Falle seiner früheren Abfassung vor den beiden Postillenpredigten diese nicht “unmittelbar” nach dem Trostbrief geschrieben wurden, wenn sie erst nach dem 31. Juli geschrieben wurden; viel eher wären sie dann nach dem 13. Juli und vor 31. Juli zu setzen. Psalm 21 aber ist schon am 10. Juni fix und fertig gewesen (Unsre Ausg. Bd. 5, 7), kann also vollends zu näherer Fixierung nicht herangezogen werden. Es folgt die Berechnung vom 15. August: sie hilft uns nicht weiter, da einmal die Deutung der Lutherworte zweifelhaft ist (s. o.); sodann uns jetzt jeder Ansatzpunkt für die Berechnung fehlt. Wahrscheinlich hat Luther damals Manuskript für etwa (ferme!) zehn Quartbogen bei sich gehabt, die er in der Zeit vom 31. Juli bis 15. August geschrieben haben müßte (s. o.); zu dieser Leistung würde der Vorsatz vom 31. Juli: festinabo sehr gut passen. Welche Predigten aber diese zehn Bogen umfaßt haben, wissen wir nicht, es ist müßig, Vermutungen aufzustellen. Wir sind gezwungen, uns mit einem ungefähren Einblick in das langsame Wachsen der Postille dank der verschiedenen Unterbrechungen zu begnügen. Sicher ist nur die Vollendung der ersten Predigt am 10. Juni und der Abschluß der Zueignung am 19. November.

       Etwas klarer schauen wir in das Werden der Adventspredigten hinein. Am 31. Juli hatte Luther die Absicht ausgesprochen, die Adventspredigten einfach als Übersetzung seiner lateinischen Postille vom März 1521 zu bieten (s. o.) S. XLVII). Diese Absicht hat er aufgegeben. Wann, wissen wir nicht, aber die Annahme ist naturgemäß, daß es nach Abschluß des ersten Teiles, also nach dem 19. November geschah, als Luther sich zur Ausführung des Planes anschickte; da mochte ihm die Einsicht kommen, daß er Neuwerk schaffen müsse, da eine einfache Übersetzung der früheren Auslegung zu der ganz anders gearteten Postille vom Christtag bis Epiphanien nicht paßte (vgl. Bossert 343). Aufgegeben ist aber auch der am 15. August auftauchende Plan, nach dem die Adventspredigten an den Schluß des vierten Teiles der Postille gekommen wären. Luther mochte einsehen, daß sie da nicht recht hinpaßten, ein Anfang — das war doch nach kirchlichem Empfinden die Adventszeit — konnte füglich kein Schluß sein. Wie bei dem ersten Teile, hat auch bei den Adventspredigten Luther die Reihenfolge eingehalten, und die erste von ihnen, die Auslegung der Epistel Röm. 13, 11 –14, verrät deutlich gleichsam eine Art Übergangscharakter. Man möchte sagen: Luther kommt von der Lektüre der lateinichen Predigten her, hat sich von der Unvollkommenheit für den vorliegenden Zweck überzeugt, steckt aber noch in ihren Gedankengängen darin. So hat die erste Adventspredigt noch nicht “jenes spezifisch lutherische Gepräge, das sich besonders in der Beleuchtung der Gegenwart zeigt” (Bossert 344) gewonnen, sie ist wesentlich schlichte Textauslegung. Eine genaue zeitliche Fixierung der Abfassungszeit ist unmöglich; es kann nur gesagt werden: kurz nach dem 19. November. Der Verweis auf die Neujahrspredigt über Gal. 3: “davon ist weiter zu sagen in der Epistel am neuen Jahrstag”, der diese also damals als schon fertig voraussetzt — was uns nichts Neues sagen würde, vielmehr nur eine Bestätigung dessen, daß Luther die Adventspredigten erst nach Abschluß des ersten Postillenteiles begann, sein würde, ist nicht ursprünglich. Vgl. die Lesarten zu S. 15. Die zweite Adventspredigt, [WA s. lv] die Auslegung der Perikope Matth. 21, 1 –9, sagt uns etwas mehr. Es ist die erste Evangeliumspredigt für den Advent, ja nach Luthers Plan, der ja die Adventspredigten damals an der Spitze des Ganzen wünschte (s. S. LIf.), die erste Evangeliumspredigt überhaupt. Darum hält Luther sich für verpflichtet, über den Begriff: Evangelium etwas zu sagen, und tut das im Anschluß an den “kleinen Unterricht”: “droben in der Vorrede hab ich gesagt, daß in den Evangelien zwei ding anzusehen und zu merken sind.” Daraus folgt, daß der “kleine Unterricht” damals schon fertig gewesen sein muß; er ist aber am Schluß des ersten Teiles abgefaßt worden (s. o. S. LII). Es folgt daraus ferner die Richtigkeit unserer Annahme (s. o.), daß der “kleine Unterricht” als Einleitung zum Ganzen gedacht war; sonst könnte Luther nicht schreiben: “droben in der Vorrede”. Wenn Luther ferner in dieser Predigt hinweist auf die Evangeliumspredigt für den Epiphaniensonntag (“derhalben auch Christus nichts geschrieben hat, als wir hören werden am Tag Epiphania”, S. 35), so muß auch diese Predigt schon fertig gewesen sein, und sie war die letzte des ersten Teiles. Vielleicht darf man nun um dieser beiden Zitate willen diese Predigt als die zweite Adventspredigt möglichst an die erste und den 19. November heranrücken; um des “gehobenen Tones” willen sie mit Bossert “nach dem Besuch in Wittenberg” (Anfang Dezember) anzusetzen, bleibt eine bloße Vermutung. Für die dritte Adventspredigt, die Epistelauslegung Röm. 15, 4 ff. fehlen nähere Anhaltspunkte, aber nichts spricht gegen Bosserts Annahme (S. 346): “wir dürfen annehmen, daß die Predigt über die Epistel des zweiten Advent unmittelbar auf die über das Evangelium des ersten Advent folgte”. Jedenfalls — damit ist ein terminus ad quem gewonnen — muß sie vor dem Februar 1522 verfaßt sein. Denn dieser Termin ist der terminus a quo für die Auslegung des Evangeliums znm zweiten Advent. Luther bespricht für die große Konstellation der Planeten, “die jetzt eintreten wird über zwei Jahr”. Diese Konstellation sollte in Februar 1524 eintreten, Luther muß also die Evangeliumspredigt um Februar 1522 verfaßt haben — mit Recht sagt Bossert (347), daß man nicht so pressen dürfe, als wenn nun Luther, genau im Februar 1522 geschrieben hätte; wir sagen daher: um Februar 1522 —, folglich die Epistelpredigt vorher. Jene Datierung, “um Februar 1522” für die Evangeliumspredigt empfiehlt sich aber noch durch ein anderes Moment, auf das Bossert aufmerksam machte. Amsdorf hatte Luther nach dem Zustand der Verstorbenen gefragt und war geneigt, einen Seelenschlaf der Frommen bis zum Gericht anzunehmen. Luther antwortete ihm am 13. Januar 1522 (Enders 3, 269): er hat noch keine feste Entscheidung, ist geneigt, Amsdorf zuzustimmen, nec habeo, quibus hanc sententiam subvertere possim. Aber er hat doch Bedenken, einen allgemeinen Seelenschlaf anzunehmen, propter raptum Pauli, Eliae et Moysi, qui utique non ficti apparuerunt in monte Tabor. Quis enim novit, quomodo deus agat cum animabus separatis? nonne potest eas aeque sopire alternis vel quamdiu voluerit, atque viventes in carne sopit? Auch das Gleichnis vom reichen Mann und armen Lazarus zeigt Empfinden (sensus), und keinen Schlaf bei Abraham und Lazarus. Nun ist es interessant, daß die Evangeliumspredigt zum zweiten Advent das gleiche Thema von der Existenz der Seelen nach dem Tode anschlägt. Der Text Luk. 21, 25 –33, bot dazu keine Veranlassung, das Thema ist so speziell, daß hier einmal keine zufällige Berührung vorliegt, vielmehr Luther durch Amsdorf zur Behandlung der Frage angeregt sein muß. Und da er sich [WA s. lvi] bestimmter und sicherer ausdrückt als im Briefe an Amsdorf, wird die Auslegung in der Postille nach dem 13. Januar fallen, wir kämen also wieder auf den Termin: um Februar 1522. Natürlich sucht Luther für jenes Spezialthema eine Anknüpfung bei seinem Texte und findet sie in der Frage: “wo bleiben unsere Seelen, wenn an allen Orten der Kreatur (am jüngsten Tag) Feuer sein wird und kein Boden noch Raum?” Aber sofort lenkt er zu Amsdorfs Thema ein: “Antwort: sage mir, wo sind sie jetzt, oder wo sind sie, wenn wir schlafen? Meinst du, Gott vermöge die Seelen nicht in seiner Hand zu bewahren, daß sie nimmer gewahr werden, wie Himmel und Erde zu Pulver wird? oder meinest du, er müsse einen leiblichen Stall dazu haben, wie ein Hirt zu seinen Schafen? Es ist genug, daß du wissest, sie sind in Gottes Hand — — wenn wir wüßten, wie die Seelen behalten würden, so wäre der Glaube aus.” Genau wie Luther Amsdorf auf die Analogie des Schlafes der Lebenden verwiesen hatte, sagt er auch in der Postille: “sintemal du noch nicht erlernet hast, wie dir geschehe, wenn du schläfest oder aufwachest und kannst nimmer wissen, wie nahe dir der Schlaf oder das Wachen sei, damit du doch täglich umgehest.” Und wenn Amsdorf nach dem Zustande der Verdammten gefragt hatte, so geht das Luther jetzt nichts mehr an. “Es heißt: Vater, in deine Hände befehle ich meinen Geist; da bleibt es bei” (s. S. 117 f.). Es ist unmöglich, hier Beziehungen leugnen zu wollen; damit aber ist die Datierung gesichert.

       Die nächste Predigt, die Epistelauslegung zum dritten Advent, wird sich unmittelbar angeschlossen haben. Sollte die Erwähnung der Bulle coenae domini (S. 135), was immerhin das Wahrscheinlichste ist, mit Luthers Übersetzung derselben um die Jahreswende 1521/22 zusammenhängen und nicht zufällig sein, so wäre damit nur der Termin: nach Jahresanfang 1522 erneut sichergestellt, aber nichts Näheres gewonnen. Ebenso läßt sich die Predigt über das Evangelium des dritten Advents nicht näher fixieren. Sie weist (s. S. 167) auf das Evangelium zum 4. Advent als künftige Predigt hin. Sollte sie wirklich, wie Bossert zu zeigen sucht, auf die Karlstadtsche Bewegung sich beziehen, so bliebe dafür ein weiter Spielraum offen, dessen terminus a quo die Jahreswende wäre. Bei der Epistelpredigt für den vierten Advent, die deutlich auf “vorige Postillen” zurückweist (s. S. 171), speziell auf die Epistel zum zweiten Advent (s. S. 187), möchte Bossert in dem Abschnitt über das Besteuerungsrecht der Obrigkeit eine Anspielung an die Zwickauer Propheten sehen, die die ganze weltliche Ordnung umzuwandeln suchten. Sollte das richtig sein — zwingend ist die Annahme nicht — so wäre für nähere Datierung damit auch nichts gewonnen. Auch für die Schlußpredigt sucht Bossert Beziehungen zur Wittenberger Bewegung aufzuweisen; sie mögen vorliegen, obwohl die Argumentation mit dem Schriftstück Erl. Ausg. 53, 99 inzwischen als Irrtum erwiesen ist, helfen uns aber nicht weiter. Daß die Erwähnung des “Lammes Gottes” in der Adventspredigt zur Abfassung “in der Vorfastenzeit [WA s. lvii] als Vorbereitung auf die Passion” zwänge, wie Bossert will, womit eine Fixierung auf Ende Februar — Ostern fiel 1522 auf den 20. April — gegeben wäre, wird man bei der Geläufigkeit dieser Bezeichnung nicht überzeugend finden; vollends nicht, sofern es sich um Auslegung des Evangeliums nach Johannes 1, 19 –28 handelte, dem unmittelbar — in V. 29 — und im Zusammenhang mit ihm die berühmte Stelle über “das Lamm Gottes, das der Welt Sünde trägt” folgte. Luther verliert keinen Augenblick den Zusammenhang mit dem Evangelium, das er auslegen mußte: “Johannes weiset die Leute von sich auf Christum und spricht: Sehet da, das ist das Lamb Gottes, das der Welt Sünde auf sich nimpt.” So hätte Luther, veranlaßt durch seinen Text, zu jeder beliebigen Zeit schreiben können. Auch die andere Argumentation Bosserts, Ende Februar als Abfassungstermin zu gewinnen, hält nicht stand. Bossert sagt: “Warum begnügt sich Luther, nur die Anwendung des Kreuzestodes Christi auf den Leser für sich zu machen und ihm zu zeigen, ‘wie ein jeglicher sich selbs erkennen soll, daß ihm Besserung noth sei, doch nicht bei ihm selbs solches suchen, sondern bei Christo allein?’ Warum zeigt er nicht auch, wie sich daraus das rechte Verhalten zum Nächsten ergebe, wie er das in der Predigt über Röm. 15, 4 ff. und Phil. 4, 4 ff. so schön getan hatte?” Bossert meint: “Hierauf giebt es kaum eine andere Antwort, als daß Luther die Predigt rasch abbrach, weil er zu dem Entschluß kam, diese in der Predigt fehlenden Gedanken selbst mündlich in Wittenberg zu vertreten.” Das ist schwerlich richtig. Vielmehr gilt es, einfach den Text ins Auge zu fassen. Der zwingt ihn, von dem die Sünde der Welt tragenden Lamm Gottes zu sprechen; und Luther betont aufs stärkste, daß man dem Lamm Gottes den Ruhmestitel, die Sünden der Welt zu tragen, nicht nehmen dürfe. Wenn also Johannes zur Buße auffordere, so ist damit nicht gemeint, sich selbst zu bessern und selbst Sünden abzulegen, sondern es kann nur die Erkenntnis des Bedürfnisses nach Besserung gemeint sein; die Besserung selbst aber steht bei Christus (vergl. den Text S. 207 und unten). In diesem Zusammenhang, der nur die Wahrung der Heilstat des Kreuzestodes Christi behandeln wollte, paßte der Hinweis auf das rechte Verhalten zum Nächsten schlechterdings nicht hinein. Richtig ist nur, daß die Schlußbitte mit folgendem Amen auf den Abschluß eines Teiles der Postille hindeutet, aber nicht auf einen raschen Abbruch. Nichts deutet in diesen Schlußworten auf Eile.

       Richtig bleibt natürlich, daß diese letzte Predigt vor Luthers Aufbruch von der Wartburg — am 1. März — abgeschlossen sein muß; in Wittenberg hat Luther nicht mehr an ihr gearbeitet, da stand anderes auf dem Spiel. Bossert versucht, auch von da aus eine nähere Datierung der Schlußpredigt zu gewinnen; er vermutet Beziehung zwischen dieser und dem Briefe an den Kurfürsten von etwa 22. Februar (Erl. Ausg. 53, 104). Aber Bossert selbst läßt es offen, ob es sich da nicht um ein “zufälliges Zusammenklingen” handelt, und das dürfte tatsächlich der Fall sein. Die Figur des Judas Ischarioth ist nicht eine derartige, daß sie nicht unabhängig voneinander an zwei verschiedenen Stellen auftauchen könnte. Wenn Luther, veranlaßt durch seinen Text (Joh. 1, 19 –28), davon spricht, wie die Juden Johannes versucht hätten, “daß er Christum aller Ding verleucken sollt”, so lag es vom Begriff der Verleugnung aus nahe, hinzuzusetzen: “und ein Judas Scharioth werden” (Erl. Ausg. 10 2, 113; bei Bossert ist versehentlich 7 2, 113 angegeben, Unsere Ausg. Bd. 10 1 II, 190). Umgekehrt setzt der Brief an den [WA s. lviii] Kurfürsten (Erl. Ausg. 53, 103 f.) sofort mit der Passion Christi ein; es ist von einem “ganzen Kreuz mit Nägeln, Speeren und Geißeln” die Rede, dann tauchen “Annas und Caiphas” auf, und an sie schließt sich Judas. Also beide Male ganz natürliche Zusammenhänge. Damit wird die Möglichkeit, eine nähere Datierung von hier aus zu gewinnen, verloren.

       Aber von einer anderen Seite her läßt sich noch Näheres sagen. Am 25. Februar (Bossert 358 versehentlich: 23. Februar) hat Melanchthon ein Schreiben Spalatins erhalten, in welchem dieser Mitteilung machte von einem Faszikel, der als fasciculus literarum et commentariorum Heliae nostri bezeichnet wird. Diese commentarii müssen die Postille gewesen sein, denn sie werden unmittelbar nachher als interpretatio evangeliorum und weiterhin direkt als postillae bezeichnet (Corp. Ref. I Nr. 202 und 204). Melanchthon muß bedauern, den Faszikel nicht erhalten zu haben, der Bote, hieß es, sei von Karlstadt nach Weimar geschickt. Am 2. März (Bossert a. a. O. versehentlich: 1. März) kann dann aber Melanchthon melden: heri accepi τ παρ το λου μν πεμφθέντα (Corp. Ref. Nr. 204). Wenn er nun hinzufügt, er werde sich bemühen, daß die Edition möglichst bald (primo tempore) erfolge, so kann es sich nur um den Schluß der Postille handeln, dessen Empfang Bedingung der Edition war. Es hat also der Faszikel, nach dessen Verbleib Melanchthon, fragte, jedenfalls auch die Schlußpredigt der Postille enthalten. Leider wissen wir nun nicht, wann Spalatin den Faszikel abgeschickt hat, ebensowenig, wann er ihn empfing. Es kann auch nicht genau festgestellt werden, wie lange die Boten von der Wartburg bis Lochau und von dort bis Wittenberg brauchten. Rechnen wir (vgl. Bossert 369 Anm. 5) vier bis fünf Tage für eine Eilbotensendung von der Wartburg über Lochau nach Wittenberg, so wäre das am 25. Februar bei Melanchthon eingetroffene Spalatinsche Schreiben etwa am 20. Februar abgegangen. Die Manuskriptsendung mit dem Schluß der Postille muß aber früher abgegangen sein. Wann? wissen wir nicht, vermutlich nicht allzulange vorher. (Würde Spalatin nach dem Verbleib gefragt haben, so würde sich der Zeitabstand vergrößern.) Wir werden also den Abschluß der Schlußpredigt des Winterteiles der Kirchenpostille auf ± 20. Februar ansetzen müssen. Das wäre eine Übereinstimmung mit Bossert im Resultat, nur mit anderer, sichererer Begründung.

       Wie steht es nun aber mit dem Druck der Postille? Die erste Vermutung Luthers, es könne mit dem Druck schon begonnen worden sein, tauchte am 15. August auf (s. o. S. XLIX). Der Druck scheint dann auch bald wirklich eingesetzt zu haben, und zwar durch Johannes Grunenberg, trotz Luthers Ärger über den Schmierfinken. Am 1. November schreibt Luther an Gerbel: Mihi sub formis est vernacula enarratio epistolarum et evangeliorum per annum (Enders 3 Nr. 461). Das könnt̄e ja zunächst noch eine Vermutung Luthers sein, nur mit Bestimmtheit ausgesprochen, aber bald hören alle Zweifel auf, und Luthers Vermutung ist jedenfalls richtig gewesen. In einem Briefe, der wohl sicher (vgl. Bossert S. 322 f.) zwischen den 20. November und 2. Dezember anzusetzen ist, schreibt nämlich Melanchthon an Spalatin (Corp. Ref. I Nr. 154): Johannes usque ad V processit d. h. bis zum Evangelium [WA s. lix] in der hohen Christmesse (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 222 ff.). Grunenberg hat aber den Druck der Predigtauslegung mit Bogen B begonnen, stand also beim neunzehnten Bogen. Dazu wird er einiger Zeit bedurft haben. Offenbar ist er irgendwie avisiert worden, daß eine Einführung voraufgehen solle, und hat dafür den ersten Bogen reserviert (vergl. Köstlin-Kawerau, Martin Luther 5 S. 455). Diese Einführung bot dann die Widmungsepistel vom 19. November und der “klein Unterricht”. Daß dieser Bogen später hinzugefügt ist, verrät sich schon darin, daß er eine sogenannte Sexterne ist, während die übrigen Bogen Quaternen sind; das Manuskript war eben etwas umfangreicher. Daß die erste Predigt s. Z. separat von Luther abgefaßt wurde (s. o. S. XLII), verrät sich im Druck noch darin, daß ihre Schlußsätze in sich verjüngenden Zeilen, wie das am Schluß eines Druckes üblich war, gesetzt worden sind; offenbar glaubte der Setzer, der dieses ein separates Ganzes bildende Stück in Händen hatte, mit ihm sei das Werk zu Ende. Bis zu Bogen V ist mit einer Presse gedruckt worden, doch rüstete sich, wie Melanchthon meldete, Grunenberg, um schneller vorwärts zu kommen, mit zwei Pressen zu drucken. Melanchthon schickte Luther die Probebogen zu, ut habeat noster operis sui δεγμα et specimen, und es liegt wohl eine Rehabilitierung des von Luther gescholtenen Grunenberg vor, wenn er dessen Tätigkeit ein adornare nennt; auch solle Spalatin Luther zur Weiterarbeit ermuntern. Grunenberg hat sein Vorhaben ausgeführt; denn am 2. Dezember kann Melanchthon an Spalatin melden: maturabit opus Iohannes duobus prelis (Corp. Ref. I Nr. 158, woselbst aber altera adventus als 2. Advent = 8. Dezember aufgelöst ist). Melanchthon drängt um Manuskript: nostrum Heliam, quaeso admoneas ut properet mittere reliquum huius partis postillarum. Offenbar meint Melanchthon mit dem reliquum huius partis den Schluß des Weihnachtsteiles. Wir hören also hier von einer Teilung der Postille. Anders als Luther sich die Anlage des Ganzen gedacht hatte. Luther hatte am 22. November gebeten, seine Vorrede sorgfältig aufzubewahren, donec reliquum Postillarum absolvero (s. o. S. LII), doch waren da unter dem reliquum postillarum die Adventspredigten zu verstehen. Das Manuskript des Schlusses des Weihnachtsteiles, vermutlich mit der Vorrede abgeschickt, war also am 2. Dezember noch nicht da. Melanchthon versteht unter dem “Teil” zweifellos den Weihnachsteil, der ja allein gesetzt wurde. Von dem Adventsteil weiß er ja noch nichts. Die Postille ist also geteilt worden. Nun aber sind 1522 beide Teile, Weihnachtsteil [WA s. lx] und Adventsteil erschienen, und es fragt sich, welcher Teil zuerst im Druck fertig war? Die Vermutung v. Dommers, die zweite Presse Grunenbergs sei für den Adventsteil bestimmt gewesen, ist hinfällig; denn Grunenberg konnte über den nichts bestimmen.

       Wir besitzen verschiedene Nachrichten über das erste Erscheinen der Postille im Buchhandel, die aber genau geprüft sein wollen. Enders in der zweiten Auflage des 7. Bandes der Erlanger Lutherausgabe S. XII behauptet: “auf Lamperti d. i. 17. Sept. 1521 war die Postille bis Epiphaniä” vollendet, aber erst am 13. Februar 1522 ging sie aus.” Aber diese beiden Daten, über deren Herkunft nichts verlautet, sind sicher falsch (vgl. v. Dommer a. a. O.). Bossert (S. 370) vermutet, daß doch “möglicherweise der ohne Quellenbeleg gegebenen Notiz etwas Wahres zugrunde liege. Es könnte an diesem Tage die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes erschienen sein” d. h. die Unsre Ausg. Bd. 7, 461 charakterisierte Ausgabe. Das ist denkbar, aber eben bloße Vermutung. Eine weitere Notiz bietet Keßler in seiner Sabbata (herausgegeben von E. Egli 1902, S. 78). Als er am Abend des 3. März in Jena im “Bären” jenes reizende Zusammentreffen mit Luther hatte, erschienen auch zwei Kaufleute, und einer von ihnen legte ein uneingebundenes Buch neben sich. “Fraget Martinus, was es für ain buch were? Sprach er: Es ist doctor Luthers ußlegung etlicher evangelien und epistlen, erst nüw getruckt und ußgangen; hand ir die nie gesehen? Sprach Martinus: Sy sollend mir och bald werden.” Sollte das die frisch von der Presse gekommene Weihnachtspostille sein? Dem scheint Melanchthons Brief vom 2. März (Corp. Ref. I Nr. 204, aber hier irrig vom 4. März datiert) zu widersprechen, an dem er an Spalatin schreibt, er werde den Druck beschleunigen lassen, denn er hoffe, die Postille werde Luther aliquid gratiae in der öffentlichen Meinung verschaffen; das, so meinen v. Dommer und Bossert, wäre unverständlich, wenn die Weihnachtspostille schon erschienen wäre. Aber dem ist entgegenzuhalten, daß Melanchthon in jenen Briefe nicht die Weihnachts-, sondern die Adventspostille im Auge hat, deren Schlußmanuskript er am Tage vorher erhalten hatte (s. o. S. LVIII). Warum soll er nicht, unbekümmert darum, daß der Weihnachtsteil schon erschienen war, von diesem neuen Teil sich ein günstiges Urteil über Luther in der öffentlichen Meinung versprechen können? Melanchthons Worte wollen nicht mehr besagen als einen Wunsch für guten Erfolg eines abgeschlossenen Werkes. Kann also damals die Weihnachtspostille schon vollendet gewesen sein, so kann in der Tat das von dem Kaufmann in Jena aufgelegte Buch der frisch vollendete Druck der Weihnachtspostille sein. Sicher ist es allerdings nicht; wöglicherweiser ist die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes gemeint. Bosserts Gegengrund, Luther könne von der Weihnachtspostille nicht sagen, sie solle ihm auch bald werden, da er doch die Probebogen zugesandt erhalten hatte, ist nicht stichhaltig; es ist doch etwas anderes, ein ganzes Buch herausgegeben zu besitzen oder die einzelnen Bogen; diese hatte Luther, jenes noch nicht.

       Steht die Sache so, so gewinnt auch die Notiz aus einem Melanchthonbriefe von ca. 25. Februar eine erhöhte Bedeutung. Melanchthon schreibt hier (Zeitschr. f. Kirchengesch. IV 299): postillas mitto tibi unam. Das braucht nicht, wie Bossert [WA s. lxi] (S. 370 Anm.) vermutete, nur von Druckbogen verstanden zu werden, kann vielmehr die ganze, vollendete Weihnachtspostille bedeuten, die also damals fertig vorgelegen hätte.

       Nun freilich kommen neue Schwierigkeiten von einem Briefe des Felix Ulscenius an Capito (Kolde, Analecta Lutherana S. 35); derselbe ist am 16. März 1522 vom Geleite Capitos nach Wittenberg zurückgekehrt und schreibt nun diesem: ubi heri a deductu domum redieram, evangelia per d. Martinum explicata reperi, quae tibi transmitto. Was ist unter dieser Evangelienauslegung zu verstehen? Die oberdeutsche Übersetzung der Enarrationes, die Weihnachtspostille oder die Adventspostille? Letztere ist ausgeschlossen (s. u.), die beiden anderen Möglichkeiten bleiben offen. Ulscenius schickt offenbar an Capito etwas ganz Neues. Nun war aber die übersetzung der Enarrationes in Straßburg gedruckt, also wohl Capito bekannt, Ulscenius brauchte sie ihm nicht zu senden; man müßte denn annehmen, daß er die Straßburger Herkunft nicht gewußt und auch mit Capito nicht über diesen Druck gesprochen hätte. Ist unsere Vermutung richtig, daß schon ca. 25. Februar der Weihnachtsteil fertig war und am 3. März der Kaufmann ihn in Jena vorlegte, so fällt ja etwas auf, daß derselbe am 16. März eine Neuigkeit in Wittenberg ist, es muß Ulscenius merkwürdig spät auf ihn gestoßen sein. Das ist aber immerhin denkbar. Daß Albert Burer in seinem Briefe an Beatus Rhenanus vom 27. März (das Datum ist sicher; vgl. Nik. Müller in: Archiv für Reformationsgeschichte VI, 467) nichts von der Postille erzählt, was Bossert hervorhebt, darf nicht so sehr befremden, da die Postille überhaupt in den Briefen zurücktritt (vgl. Bossert selbst S. 372 f.), was sich wohl aus ihrer praktischen Abzweckung gegenüber den aktuellen, kirchenpolitischen Schriften erklärt.

       Luther schreibt in einem undatierten Briefe an Hartmuth v. Kronberg: “Jetzt gehet aus der Postille ein Stuck uber die Evangelia und Epistel, wenn die fertig ist, hoff ich, ein Christ solle darinne finden, was ihm not ist zu wissen” (Erl. Ausg. 53, 129). Der Brief ist sicher ziemlich bald nach Luthers Rückkehr von der Wartburg geschrieben; das zeigen die Worte: “wie lang ich da bleiben werde, weiß ich nicht”; man wird ihn auf Mitte März ansetzen dürfen. Jedenfalls ist das “Stuck Postille” der Weihnachtsteil; man wird Luthers Worte nicht so pressen dürfen, als wenn nun gerade erst “jetzt” d. h. Mitte März der Weihnachtsteil ausgegangen, unsere Annahme einer früheren Druckvollendung also falsch wäre. Vielmehr läßt sich mit Luthers Worten sehr wohl unsere Ansetzung vereinigen, zumal wenn man bedenkt, daß die Postille in Luthers Abwesenheit ausgegangen war und er erst “jetzt” davon erfuhr. Kronberg schreibt nun am 15. April an Hans v. Dolzig und Spalatin (Enders 3, 340 Anm. 1): “Alle Bücher, die zu Franckfort in der Meß gewest, hat man frei feil gehabt, unangesehen die Achtbrief. Des Philippus Büchlein und die Postille Docter Martins hab ich zu teutsch funden.” Das muß die Weihnachtspostille sein und kann nicht die Adventspostille sein, an die man zunächst auch denken könnte. Den Beweis gibt die Antwort der beiden, Dolzig und Spalatin. Sie antworten am 25. April: “Wir sind auch der Hoffnung, der christliche Doctor und von Gott gesandt Mann Martinus Luther würde euch wiederschreiben und daneben etwas Neues schicken; dann sein Teutzsche Postill über den Advent und sein Buchlein von beyden Gestalten des hochwirdigen Sakraments seind fast neulich ausgangen, und wird, ob Gott will, schier etwas mehr [WA s. lxii] Guts hernachfolgen.” Ganz offenbar ist hier von etwas soeben Erschienenem die Rede, und zwar kennt es Kronberg noch nicht; darumb kann die in seinem Briefe erwähnte Postille nur der Weihnachtsteil sein. Wir können also feststellen: der Weihnachtsteil war vermutlich Anfang März fertig und wurde auf der Frankfurter Ostermesse verkauft, der Adventsteil ist sicher kurz vor dem 25. April erschienen.

 

 

Luthers Quellen.

Luther hat etwa am 12. Mai 1521 in einem Briefe an Hieronymus Schurf sich Bücher erbeten (Enders 3 Nr. 433), und am 12. Mai selbst dem Prior Helt gegenüber die Bitte wiederholt; wie er an Spalatin am 14. Mai meldete, wollte er mit der Arbeit an der Postille warten, bis die Sendung aus Wittenberg da war (Enders 3, Nr. 435). Unter diesen gewünschten Büchern befand sich auch ein Exemplar der in Wittenberg bei Johann Grunenberg (Unsre Ausg. Bd. 7, 459) gedruckten lateinischen Enarrationes. Kein Wunder! Wollte er doch die begonnene Arbeit an der Postille — und das waren eben die Enarrationes — fortsetzen (s. o. S. XLII). Die lateinische Postille war am 10. Juni noch nicht da; Luther erbat statt dessen einstweilen exemplar brevioris postillae. Das kann, wie wir schon oben hervorhoben, nur etwas von den Enarrationes Verschiedenes sein. Aber was? Melanchthon schreibt am 6. Juli an Spalatin ein Begleitschreiben zu einer Sendung an Luther, in der sich befindet: postilla brevior, suis illius manibus conscripta. Die postilla brevior, die Luther auf der Wartburg gehabt hat, und die eine Quelle für seine neue Kirchenpostille gewesen ist, war also ein Originalmanuskript des Reformators. Was enthielt es inhaltlich? Eine Predigtsammlung über die Perikopen zweifellos; denn es wird ja als postilla bezeichnet. Nur eben in unausgeführter, abgekürzter Form (brevior). Aber wer war der Verfasser? Thiele (Unsre Ausg. Bd. 9, 318) stellte die Vermutung auf, Luther habe ebensowenig von seinen übrigen Predigten Aufzeichnungen gemacht wie von seinen Matthäuspredigten; dann also müßte es sich um eine fremde Predigtsammlung handeln, die Luther sich selbst abgeschrieben habe. Bossert (S. 280) fragt sofort: “Aber wo sollte er dazu Zeit gefunden haben?” Daß er irgendwie und irgendwann einmal die Zeit dazu gefunden haben könnte, wäre ja an sich schon möglich, aber die ganze Annahme ist doch nicht recht wahrscheinlich, und jedenfalls liegt es näher, an ein Originalmanuskript auch in dem Sinne zu denken, daß Luther der Autor war. Hier stellt nun Bossert die positive Vermutung auf, “daß die brevior postilla Predigten enthalten haben muß, von denen uns verschiedene kurze Rezensionen durch verschiedene Nachschreiber erhalten sind ... Predigten, welche meist 1519 und 1520 gehalten wurden und von verschiedenen Zuhörern (Melanchthon, Poliander) in kurzen Auszügen niedergeschrieben wurden.” Es sind die in Unsrer Ausg. Bd. 9, 314 ff. abgedruckten Predigten, deren ursprüngliche, von Luther selbst herrührende Aufzeichnungen also den Inhalt der postilla brevior ausgemacht haben würden. Das ist möglich, aber nicht so sicher, wie Bossert annimmt. Bossert hat sich die Mühe gegeben, Berührungen zwischen der Kirchenpostille und jenen Predigten aufzuweisen und betont selbst, daß es sich dabei nur “um einige Stichproben” handle; aber die Berührungen sind nicht derart, daß jene Predigten unbedingt Vorlage und Quelle für die Kirchenpostille gewesen sein müßten. Jeder Kenner der Lutherschen Predigtart weiß, [WA s. lxiii] daß er bei Predigten über denselben Text sich in Gedankengängen, Wendungen und Redeform häufig wiederholt. So können jene Berührungen sich erklären, ohne daß gerade jene Predigten die postilla brevior gewesen sein müßten. Es kann sich um Predigtaufzeichnungen handeln, von denen wir heute nichts mehr wissen. Enders (3, Nr. 441 Anm. 7) warf die Frage auf: “War es vielleicht eine Kollegienheft, da Luther vor seinem Weggang nach Worms über die Perikopen las?” Letzteres bewies Enders aus einem Briefe des Felix Ulscenius an Capito vom 13. Januar 1521: “Lutherus ille ... evangelia secundum tempora praelegere statim aggressurus est.” Es liegt kein Grund vor, anzunehmen, daß dieser Plan nicht zur Ausführung kam, und zur Vorlesung wird sich Luther auch jedenfalls Aufzeichnungen gemacht haben, die er des Inhaltes wegen gut als postilla brevior bezeichnen konnte. Bossert freilich lehnt (S. 280) diese Vermutung ab. “Denn Luther setzt voraus, daß Spalatin von seiner brevior postilla samt dem Perikopenverzeichnis eine Abschrift besitze, die er auch auf der Reise nach und von Worms bei sich hatte, wahrscheinlich um daran eine Fundgrube für seine eigenen Predigten bei Hofe zu haben.” Von dieser “Wahrscheinlichkeit” steht nun im Texte rein gar nichts, aber auch die Voraussetzung Luthers ist eine andere. Es schreibt (Enders 3, 171): tu curabis, ut exemplar brevioris postillae habeam, si habes una cum indice epistolarum et evangeliorum. Das ist zu übersetzen: sorge, daß ich das (mein) Exemplar der kürzeren Postille bekomme, womöglich mit einem Perikopenverzeichnis. Also Luther setzt nur voraus, daß Spalatin ein Perikopenverzeichnis besitzt, das “si habes” gehört zum Folgenden allein und nicht auch zum Vorhergehenden. Kawerau (Martin Luther S. 454) hält denn auch an der Möglichkeit der Auffassung von Enders fest. Sie bleibt ansprechned, sicher ist sie nicht. Wir wissen nichts Näheres über die postilla brevior anzugeben und müssen uns damit begnügen, daß Luther eine solche als Quelle benutzte. Und zwar, wenn sie am 6. Juli aus Wittenberg abgeschickt wurde, etwa seit Mitte Juli (vgl. Enders 3, Nr. 445); vielleicht hat gerade ihre Ankunft seine Arbeitslust gesteigert (s. o. S. XLII f.). Das Perikopenverzeichnis hat er schon früher in Händen gehabt. (Subnotationem lectionum evangelicarum et epistolicarum, ut per orbem toto annuo singulis dominicis leguntur, iam ante transmisi Corp. Ref. I, 417: Melanchthon an Spalatin, vom 6. Juli.)

       Daß Luther die Enarrationes nachträglich auch bekommen hat, hören wir nicht ausdrücklich, aber es wird wohl angenommen werden dürfen. Sie sind auch sicher von Luther für seine Neubearbeitung der Adventspostille herangezogen (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 148) worden, so selbständig dieselbe im übrigen ist. Im Evangelium in der hohen Christmesse (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 215) weist er unmittelbar auf die Enarrationes zurück, die ja nach Luthers damaligem Plane in Übersetzung an die Spitze treten sollten. Ebenso im Evangelium am Sonntag nach dem Christtag (Bd. 10 1 I, 398) und der Epiphanienepistel (Bd. 101 I, 520).

       Eine griechische und hebräische Bibel hatte Luther von Anfang an zur Verfügung (s. S. XLI und Enders 3, 171 Z. 31). Ebenso ein Exemplar der Vulgata. Letzteres folgt aus der ersten Predigt über Tit. 2, 11 ff., in der der Vulgatatext neben dem griechischen Text erwähnt und das hebräische Äquivalent herangezogen wird [WA s. lxiv] (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 24 f., vgl. weiterhin S. 26,19, 31,18 f., 32,18f. 51,7, 53,2, 65,3, 88,14, 89,11, 97,4, 98,4, 153,14 f., 154,7 157,20, 213,10, 269,15, 436,16 ff., 442,2. Auch zu Röm. 12,7. 8 oder Phil. 4,5 zitiert Luther die Vulgata (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 1. 174), vgl. ferner Bd. X 1 II, 17 Anm. 2 –4, 18 Anm. 12, 78 Anm. 2, 80 Anm. 4, 90 Anm. 3, 107 Anm. 1, 113 Anm. 2, 155 Anm. 2, 193 Anm. 3. Mit Sicherheit ist dann aber z. B. das griechische Original zu Matth. 21,1 f. benutzt (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 49). Verschiedentlich bei Zitaten aus dem Alten Testament hat Luther den hebräischen Originaltext nachgeschlagen (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 174,2, 177,2 ff. 522,4, 546,20, 650,15; Bd. 10 1 II, 5,4 f. 15,32, 22 ff., 35,4, 61, 8 ff., 89,28, 90, 2; hier läßt sich feststellen, daß Luther einen unpunktierten Text vor sich hatte, S. 90, Anm. 4, 106 Anm. 5, 107 Anm. 2. 3, 200 Anm. 6). Die Septuaginta hingegen ist offenbar Luther nicht zur Hand gewesen; man könnte an zwei Stellen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 33, 11; Bd. 10 1 II, 90) daran denken, aber Luther wird im ersteren Falle diese bekannte Stelle aus dem Gedächtnis zitieren, sie war ihm durch die Bannandrohungsbulle noch besonders vertraut. Im zweiten Falle nennt Luther “die allten dolmatscher, die vortzeytten die Biblien ynn kriechisch sprach vorwandelt haben”, aber (vgl. a. a. O., Anm. 5) er dürfte sie aus Hieronymus kennen, den er an jener Stelle sicher benutzt hat. Wieviel im übrigen im einzelnen aus dem Gedächtnis zitiert ist, (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 19 Anm. 10, 20 Anm. 11, 123 Anm. 4), wieviel nach lateinischer, griechischer oder hebräischer Vorlage, läßt sich nicht immer mit Sicherheit angeben; wir haben an den betr. Stellen die Originaltexte angegeben, so daß der Leser selbst die persönliche Entscheidung finden kann, die in zahlreichen Fällen eben nur eine persönliche bleiben wird. Die Benutzung des Quincuplex Psalterium des Faber Stapulensis — auch seine Lesarten haben wir in den Anmerkungen berücksichtigt — ist möglich, aber nicht sicher. Zweifellos hingegen hat Luther die Glossa ordinaria benutzt, die er auch dreimal ausdrücklich nennt. Abgesehen von den vielen Fällen, in denen ihre Heranziehung möglich ist (vgl. die Anmerkungen) hat Luther sie in der Regel im Auge, wenn er sich mit anderen Interpreten auseinandersetzt: “hie meinen etliche” oder ähnlich (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 60 ff. 149, 168,18, 191,19, 195,1. 15, 221,1, 268,1, 275,8, 277,7, 394,3, 422,19, 443,3, 448,2, 559, 563,13, 575,1, 595,9, 602,17, 716,6, 719,5 u. ö.; Bd. 10 1 II, 59, 6. 17. 23 Anm. 3 u. ö.). Luther wird eine der bekannten Bibelausgaben zur Verfügung gehabt haben, in denen außer dem Vulgatatexte die Glossa ordinaria, die Glossa interlinearis und die Erläuterung des Nikolaus von Lyra gedruckt waren. Der letztere ist jedenfalls auch von Luther benutzt worden (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 277,16, 306,6, 573,5 ff., 598,9 u. ö.; Bd. 10 1 II, 55 Anm. 5, 188 Anm. 5, 189 Anm. 2, 195 Anm. 2 und 5, 196 Anm. 1 und 2, 197 Anm. 3, 202 Anm. 5 u. ö.), vermutlich auch die glossa interlinearis (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 573, 5 ff.; Bd. 10 1 II, 106 Anm. 3, 117 Anm. 3, 197 Anm. 1 u. ö.). Wiederum hängen damit zusammen die Interpretationes nominum Hebraicorum; denn sie pflegten den Bibeln beigedruckt zu werden. Luther erläutert die hebräischen Eigennamen in der Postille und hat sie, wie auch anderweitig, benutzt (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 420,12, 421,5. 19, 441,16, 551,16, 596,8, 597,21, 621,3. 4, 629,21; Bd. 10 1 II, 48,1, 152,30). Möglicherweise, obwohl hier kein sicheres [WA s. lxv] Urteil gefällt werden kann, auch Aleanders Lexicon Graeco-latinum (vgl. z. B. Unsre Ausg. Bd. 101 II, S. 12 Anm. 2, 126 Anm. 1, 128 Anm. 4, 166 Anm. 1 und 4).

       Zahlreich sind Hinweise auf die Patristik, aber es ist nicht immer möglich anzugeben, worauf Luther fußt, ob auf unmittelbarer oder mittelbarer Kenntnis, oder endlich auf gedächtnismäßiger Erinnerung. Wenn es Unsre Ausg. Bd. 101 I, S. 147 heißt, daß Augustin “an einem Ort” sagt, so ist das ein Zitat aus dem Gedächtnis. Ein andermal (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 195) war die von Luther angeführte Interpretation in der Glossa ordinaria zu finden; andererseits ist die Auseinandersetzung Luthers mit Augustin in der schwierigen Ausdeutung des johanneischen Prologs so eingehend, daß eine Benutzung der tractatus in Johannis evangelium des großen Afrikaners angenommen werden darf (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 196, 203, 210, 221). Um so mehr, als auch zu Joh. 21, 19 –24 (Evangelium am S. Johannestage) diese tractatus zitiert werden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 318). Dann wieder begegnet ein Zitat aus dem Enchiridion (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 278) — gedächtnismäßig? — oder Luther läßt sich durch Emser veranlassen, Augustin heranzuziehen (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 589). Zur Epistel am 2. Adventssonntag über Röm. 15, 4 –13 wird “Sanct Augustin Gal. 6” angeführt (Unsre Ausg. Bd. 101 II, 69), aber hier dürfte Luther aus dem Gedächtnis zitieren; von seiner Auslegung des Galaterbriefes her war ihm Augustin vertraut, und gerade unsre Stelle wird schon in der Auslegung des Galaterbriefes von 1519 zitiert. (Unsre Ausg. Bd. 2, 602, 29f.). Entsprechend wird es sich mit der Anspielung an den Galaterkommentar des Hieronymus verhalten (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 514, 15), denn auch er wird schon in der Auslegung des Galaterbriefes von 1519 zitiert (Unsre Ausg. Bd. 2, 561, 21 f.). Hingegen ist man geneigt, die Berufung auf die Jesaiasauslegung des Hieronymus (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 91) auf Einsichtnahme in dieselbe zurückzuführen, so gewiß dann wieder die ganz allgemeine Berufung auf Hieronymus in der Epistel am 3. Adventssonntag (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 144) gedächtnismäßig ist. Das Zitat aus Gregor dem Großen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 589) geht auf Emser zurück. Darf man an die Patristik Josephus angliedern, so wird die Berufung auf ihn (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 98) gedächtnismäßig sein.

       Stellen wir an die Spitze der mittelalterlichen Quellen die Sammlung der vitae patrum, so hat Luther in der Postille wiederholt zur Illustration in moralischer Abzweckung die Mönchslegende verwertet (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 31, 431, 617, 650; Bd. 10 1 II, 142). Er erzählt die betreffenden Geschichten in der Regel sehr eingehend, aber das liegt in der Natur der Dinge, und da diese Anekdoten sich leicht einprägen, ist gedächtnismäßiges Zitieren ebensogut möglich, wie Benutzung des Originals. In der Epistel am S. Johannistage (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 301) taucht Tauler auf; an anderer Stelle (Luther und die Kirchengeschichte 1900, S. 269 f.) habe ich gezeigt, daß Luther hier nach dem Gedächtnisse zitieren wird. Anders jedoch steht die Sache bei dem zweiten Zitat aus Tauler in der Postille. Es findet sich innerhalb der Auslegung des Evangeliums zum zweiten Adventssonntage (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 105). Diese Predigt ist nicht vor Weihnachten 1521, vermutlich im Januar 1522 verfaßt. Inzwischen aber hat Luther um die Zusendung der Taulerschen Predigten gebeten. Es geht das hervor aus dem Briefe Melanchthons an Spalatin (Corp. Ref. 1 Nr. 127), dessen Datierung auf Mitte Dezember [WA s. lxvi] von mir (a. a. O. S. 273) gesichert wurde. Hier heißt es nämlich: Commodum occurrit Christianus, cui possem codices, quos volebat noster Helias, commendare. Taulerus est et Catharinus a nescio quibus versus. Es handelt sich um die August 1521 in Basel bei Adam Petri erschienene Ausgabe der Predigten Taulers, auf die Luthers vermutlich in Wittenberg bei seinem heimlichen Besuche aufmerksam wurde (vgl. meine Ausführungen a. a. O. S. 274 f.). Den Niederschlag seiner Lektüre bedeutet jene, sehr allgemein gehaltene Stelle in der Adventspredigt, nicht minder vermutlich der stark mystische Einschlag in den weiteren Predigten (s. meine Bemerkungen a. a. O. S. 275). Anspielungen an die Scholastik, den Lombarden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 353, wo er unmittelbar gennant wird, wozu aber die Auslegung des Galaterbriefes von 1519, Unsre Ausg. Bd. 2, 534,21, heranzuziehen ist als Beweis, daß Luther nur ihm Bekanntes wiederholte), Occam (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 468), Thomas von Aquino (unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 497, wo er namentlich genannt wird, 508) und ganz allgemeine Wendungen begegnen, sind aber nicht derart, daß man eine unmittelbare Benutzung annehmen müßte. Gerson wird nur in der Adventspredigten, im ganzen zweimal, zitiert (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 19, 103), aber sehr allgemein, so daß Luther wohl aus der Erinnerung an frühere Lektüre schöpft. Gedächtnismäßig, nicht unmittelbar aus der legenda aurea geschöpft, dürften die zahlreichen Beispiele aus der Legende sich erklären (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 608. 706. 716. u. ö.). Hingegen kann man fragen, ob er nicht die bekannte und ihm vertraute Enzyklopädie der Margarita philosophica eingesehen hat? Die Zahlenspielerei der Arithmetici (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 428) könnte von dort stammen, oder die Notiz über die Planeten (ebenda S. 607) und Fixsterne (S. 608), vielleicht auch einiges aus den geographischen Notizen (ebenda S. 545, 551, vgl. 563), und bei den sehr detaillierten Angaben Luthers über die Lage und Einteilung Arabiens und bei seiner Auffassung der Magie (559, 562, 567f.) möchte man vermuten, daß Luther das Werk vor sich hatte, aber sicher ist es nicht. Ebensowenig die Einsichtnahme in Reuchlins Rudimenta hebraica, an die man mitunter (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 293, 546, 620, 621) erinnert wird, zumal dann, wenn Luther von den interpretationes nominum Hebraicorum abweicht, aber man darf das hebräische Eigenwissen Luthers nicht übersehen. Zweifellos gedächtnismäßig sind die Zitate aus der Antike, die ja sämtlich sprichwörtlicher Art sind (vgl. 101 I, 187 Seneka, 315 Herodot, 314 Ovid und Horaz, 327 Aristoteles, Bd. 101 II, 178 Terenz), z. T. vielleicht aus Erasmus' Adagien Luther einmal bekannt geworden sind.

       Daß die Postille zum Zeitspiegel wird, kann niemand befremden, der Luthers exegetische Art einigermaßen kennt. Bei aller wissenschaftlichen Exaktheit zielte sie doch stets auf die praktische Erbauung (im besten Wortsinne) und Erhebung aus den Nöten der Gegenwart ab. Und seine Postille sollte doch bewußt ein Volksbuch werden! In einer wunderbaren Weise flicht nun Luther Zeitereignisse in die Bibelauslegung hinein, niemals um ihrer selbst willen, stets zur Illustration religiös-ethischer Wahrheiten, also unter große Gesichtspunkte gerückt. Am prächtigsten glückt ihm das mit den Begenbenheiten aus seinem eigenen Leben. Hier verbindet sich der objektive Tatbestand mit der subjektiven Anwendung zu allerpersönlichster und dann doch wieder gemeinverständlicher Anschaulichkeit. Nur ein paar Beispiele seien herausgehoben. Sicher zittert durch die Postille hindurch Luthers Streit mit Emser (vgl. Unsre Ausg. 10 1 I, 197 f. 572. 589) oder seine Verdammung durch [WA s. lxvii] die Pariser theologische Fakultät (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 24. 30), nicht minder das Erlebnis des Wormser Reichstages und seine Bannung (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 657, Bd. 10 1 II, 51. 130. 200), dann die Ereignisse in Wittenberg, wie sie durch seine Abwesenheit hervorgerufen wurden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 690 ff.; Bd. 10 1 II, 66. 176 u. ö., vgl. auch oben die Ausführungen über die Entstehungszeit der Predigten). Auch Alveld spielt hinein (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 132) und die Bulle Coenae domini, die Luther unter die hier Verketzerten aufgenommen hatte (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 135), vielleicht sogar der Aufenthalt in Frankfurt a. M. auf der Hinreise nach Worms (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 199) oder auch Reminiszenz an die Romreise von vor 11 Jahren (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 131). Ergreifend ist das der treuen Fürsorge Friedrichs des Weisen gesetzte Denkmal (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 717, 9 ff.). Ein Nachtlang aus Luthers Lektüre auf der Wartburg oder kurz vorher findet sich Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 138 (Murner oder Karsthans), 192 (Ulrich Velenus), unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 443 (Buch von der Kindheit Christi), und auch die Zitate oder Anspielungen aus dem Brevier sind hier einzustellen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 7, 91; Bd. 10 1 I, 67). Sehr ergiebig ist die Postille für das Thema: Luther und die Kunst. G. Boffert hat dem Vorwurf: “Die Maler in Luthers Wartburgpostille” einen kleinen Aufsatz gewidmet (Christliches Kunstblatt Bd. 39 Nr. 7). Es handelt sich um die Stellen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 91. 95; Bd. 10 1 I, 36. 568 u. a. z. B. Bd. 10 1 II, 39. Und damit wieder hängt zusammen die künstlerische Gestaltungskraft überhaupt von Beobachtungen, die Luther machte. Entzückend ist ein Frühmorgen auf der Wartburg in die Interpretation der Römerbriefstelle: “Die Nacht ist vergangen, der Tag ist herbeikommen” verwoben (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 8), oder die ihre Küchlein um sich sammelnde Glucke verwertet (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 283); auch der beobachtete Sternschnuppenfall ist herangezogen (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 100 f. Vgl. auch Bd. 101 I, 233, 11 ff. oder die Erzählung von der heiligen Elisabeth Bd. 10 1 I, 257 vgl. 615, 17). — Es ist unmöglich, alles erschöpfend hier anzuführen, entscheidend ist der sich offenbarende imponierende Geistesreichtum Luthers, wie er in der Postille zutage tritt. Gedenkt er doch sogar der Entdeckung Amerikas! (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 21, 14 ff). Die einzelnen Quellen tun es nicht, sie sind ja gar nicht einmal alle sicher, der Reichtum an Gedanken, Gesichtspunkten, Gestaltungen, ganz einerlei, woher die Anregungen kommen mögen, überwältigt; im letzten Grunde schafft das doch Luther alles selbst neu. Vielleicht hat die durch die Wartburgeinsamkeit erzwungene Konzentration des Geistes die Wartburgpostille zu einer besonders herrlichen Frucht heranreifen lassen. Kein Wunder, daß ihre Wirkung groß war!

 

 

Die Wirkung der Wartburgpostille.

Sie ruht auf ihrem Werte. Außer dem schon erwähnten künstlerischen Zug, der lebendigen Frische formaler Gestaltung ist hier insbesondere des religiös-theologischen Gehaltes zu gedenken, um den sich Form wie Inhalt sammeln. Die Wartburgpostille ist da ungemein reich, aber für die sogenannte “Theologie Luthers” noch bei weitem nicht ausgeschöpft, ihren Wert hat recht eigentlich erst K. Holl in seinem Luther (2. Auflage 1923) herauszustellen sich bemüht. Holl wies dann weiter in einem Sonderaufsatz (Die Geschichte des Wortes Beruf, Sitzungsberichte [WA s. lxviii] der Berliner Akademie der Wissenschaften 1924) darauf hin, daß erstmalig in der Kirchenpostille (Unsre Ausg. Bd. 101I, 306, 18 ff.) Luther die Bedeutung “Beruf” = Stand gewinnt. Luther selbst hat über sein Werk verschieden geurteilt. In seiner großen Schrift: “daß diese Wort Christi ‘das ist mein leib’ noch fest stehen”, nennt er “die Postillen mein aller bestes buch, das ich yhe gemacht habe, wilche auch die Papisten gerne haben” (Unsre Ausg. Bd. 23, 278, 13 f.), wobei man natürlich in Rechnung stellen muß, daß sich das Urteil auf die ganze Postille bezieht, nicht auf den sogen. Winterteil allein, wenn auch sicherlich nicht zuletzt auf diesen. Aber in den Tischreden, aus der ersten Hälfte der dreißiger Jahre, heißt es (Unsre Ausg. Tischreden 1, 488): “Occasio facit praedicatorem, nam ex contionibus meis postillaribus ne unum quidem sermonem colligo, ut eodem modo praedicarem. Ich kan mich nicht mit worten binden lassen ... Si iunior essem, multa resecarem in postilla, nam immodice fui copiosus.” Das dürfte wohl speziell auf die Winterpostille angewandt werden, da ja gerade bei ihr es sich von vornherein nicht um “Predigten” handelte, sondern um erbauliche Auslegung, bei der Luther wirklich stellenweise “uber die Maße und zu viel Wort gebraucht” hatte. Wie er das ja selbst am Schluß des Weihnachtsteiles sagt (Unsre Ausg. Bd. 101I, 728), wenn er von seinem “geschwätz” redet und Bucer das richtig mit verbositas übersetzt. An Nikolaus Gerbel schrieb Luther am 27. November, wahrscheinlich 1535: “De Postilla tu honorificentius sentis, quam ego. Extinctum enim vellem totum eum librum” (Enders 11, 127, 19 ff.). Ein Glück, daß diese Vernichtung nicht erfolgte!

       Einige Momente aus dem überreichen religiös-theologischen Gehalte der Winterpostille seien herausgehoben: in reiner Klarheit tritt Luthers Glaubensbegriff oder besser Glaubenserleben heraus. Anknüpfend an die geschichtliche Offenbarung in Christus, die niemals ausgeschaltet wird, nimmt er sie so vollkommen in den Glaubenden ganz persönlich auf, daß sie ohne diese ganz individuelle Beziehung wertlos wird. “Was hulffs mich, das er tausent mal geporn were und myr das teglich wurd gesungen aufs lieblichst, wenn ich nit horen sollt, das myr dasselb gellte und meyn eygen seyn sollt?!” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 79). “Es ligt deyne selickeyt nicht daran, das du glewbist, Christus sey den frummen eyn Christus, ßondern das er dyr ein Christus und deyn sey” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 25 vgl. 170). Man achte ferner auf die Darlegung über die Rechtfertigung (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 35 f.). Dann wieder liefert die Postille wertvollstes Material zu Luthers Eschatologie (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 95 ff.), zur Lehre von der Buße (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 113), zu seiner Beurteilung der Juden (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 115), zu seiner Anschauung vom Leben der Seele nach dem Tode (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 118), oder zu dem Probleme: Gesetz und Evangelium (Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 156 ff.). Für die Ethik sind bedeutsam die Ausführungen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 168 f., 187, Bd. 101I, 108, feine Worte über das Gebet findet Luther Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 183 f., über die Gottheit Christi Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 143 ff., 181 ff., den ordo salutis Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 329 usw. Kurz, es ist eher zu bescheiden, als zu stolz geurteilt und darf ohne weiteres auf die Adventspredigten mitbezogen werden, was Luther am Schluß des ersten (Weihnachts-) teiles sagt (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728): “wiewol ich hoff, es sey ynn dißen tzwelffen Epistolln und Euangelien eyn Christlich leben ßo reychlich furgepildet, das eynem Christenmenschen ubrig gnug gesagt sey, was yhm tzur selickeyt nott ist.”

       [WA s. lxix] Am 5. August 1522 schrieb der Stadtarzt Johannes Adelphi in Schaffhausen an Vadian (Vadianische Briefsammlung Nr. 321): “Heute sah ich Lutherum in evangelia et epistolas, ein ausgezeichnetes Werk, gedruckt in Basel”; und er hob besonders den soeben von uns zitierten Schluß heraus, daß Luther nach seiner Aussage in dem Buche alles geschrieben habe, was dem Christenmenschen not sei zur Seligkelt. “Cura ut habeas! Est lingua Germanica scriptum, sicut et multa alia eiusdem, mihi auro et gemmis chariora” (vgl. auch Zwingliana 1923 S. 140). Das kann sich nur auf den Druck Adam Petris beziehen, den unsere Bibliographie S. XIII sub a [P*] verzeichnet, der als Adventspostille eine Übersetzung der Enarrationes von 1521 bot, im übrigen die Weihnachtspostille erstmalig nachdruckte. Wir haben hier die erste Wirkung der Postille auf die Schweiz vor uns, und wohl eine der frühesten Wirkungen überhaupt. Sie ist dort lebendig geblieben und hat insbesondere auch Zwingli beschäftigt. Das Zwingli-Museum in Zürich besitzt ein Exemplar des Petrischen Druckes mit zahlreichen, sachlich nicht wertvollen Randglossen. Man hielt es für ein Stück aus Zwinglis Bibliothek. Das dürfte unrichtig sein (vgl. meine Schrift: Huldrych Zwinglis Bibliothek 1921 S. *25 Nr. 201), aber daß Zwingli die Postille kannte und benutzte, steht auch anderweitig fest. Zum ersten Male in seinen Gesichtskreis rückte sie Johannes Dekolampad am 21. Januar 1523, wenn er dem Freunde nach Zürich schrieb: Μ τν λήθειαν, καδημαι εσ το διαβόλου πορνεα, ς ατς φα” (Krit. Zwingli-Ausgabe Bd. 8 Nr. 271) — nämlich in der Postille (vgl. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 470), die auch Oekolampad nach der Petrischen Ausgabe kannte. Dann wurde infolge des Abendmahlsstreites die Postille unmittelbar für Zwingli bedeutsam. Bucer machte am 30. April 1528 Zwingli für seine Antwort an Luther aufmerksam auf dessen Auslegung der Epistel am Christtag: “Ut Luthero respondeas, .. forte conducet tibi, quod de discrimine duarum in Christo naturarum ille scripsit in postilla sua in epistolam suspremi sacri diei natalis Christiani. Lectio ea sumpta est ex epistola ad Hebraeos in illud: Per filium suum” (vgl. Unsre Ausg. Bd. 101I, 147 f.; Krit. Zwingli-Ausgabe Bd. 9 Nr. 613, wo aber der Brief irrtümlich in das Jahr 1527 versetzt wurde, was H. Eells in der Revue belge de philologie et d'histoire 1922 korrigierte). Wirklich hat dann Zwingli in der Antwort auf Luthers Bekenntnis vom Abendmahl sich mit Luthers Postille auseinandergesetzt. “Luther redt in siner postill über die epistel am christtag in der höhen meß über die wort ‘durch sinen sun’ also” etc. (Schuler-Schultheß: opera Zwinglii II 2 S. 157; eine Bezugnahme auf die “postill sunntags septuagesimae über die epistel”, die für unsere Postille aber nicht in betracht kommt, schon ebenda II 2 S. 85).

       In der angeblichen Handbibel Luthers, die Hans Volz ihm endgültig abgesprochen hat, deren wirklichen Besitzer wir nicht kennen, findet sich unter den Lutherzitaten, die jener Unbekannte zu notieren für wertvoll hielt, auch ein solches aus der Weihnachtspostille: “Quibus locis Christus praedicavit: vide Lutherum die Stephani in Epistola iiijy” (vgl. Archiv für Reformationsgeschichte Unsre Ausg. Bd. 21, 168). Gemeint ist die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101I, 254, und die Bogensignatur des Originaldruckes Y 4 ist ganz richtig angegeben. Die Stelle über die Bekehrung der Juden Unsre Ausg. Bd. 101I, 289 hat in den Pietistenstreitigkeiten ihre Rolle gespielt. Z. B. haben die Gießener Pietisten sie gegen die Orthodoxie ausgespielt (vgl. meine Schrift: die Anfänge des Pietismus in Gießen 1907). [WA s. lxx]

 

Auch im Pietistenstreite hat dann die Epistel vom Stephanstage ihre Bedeutung gehabt. In der Flugschrift: “Anzeige gewissenhafter Beherzigung des Gießischen Sendschreibens wider der Christen freye und erbauliche Zusammenkünsten 1690 heißt es Bl. A. 3: “Hierauf läßt man antworten den S. Lutherum in der Auslegung über die Lektion am S. Stephanstag: Weilen S. Stephan da nicht zu predigen, welches Amt die Apostel ihnen vorbehalten, sondern zu Haushalten gesetzet war.” Gemeint sind die Worte Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 262. Oder die Flugschrift: Confirmatio das ist: Wiederholte Bekräftigung der πικρήσεως oder Gegen-Judicium von den collegiis pietatis entgegengesetzt den Anmerkungen M. Joh. Heinr. Roßlers, eines Metropolitani und Pfarrers zu Schotten. Durch D. S. Sylphonium 1690 Bl. B. j sagt: “Heist hier auftreten soviel als auf die Canzel steigen und eines daher schwätzen von Dietrich von Bern oder was ihm geträumet hat, wie Lutherus redet in seiner Kirchen-Postill.” Gemeint ist die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101 I, 264. Gegen Luthers scharfe Polemik wider den “Narrn” oder “Buben”, der das Wunderbuch, “von der Kindheit Christi” erdichtete (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 443 f.) hat noch 1574 der Katholik Martin Eisengrein Einspruch erhoben. Vgl. L. Pfleger, M. Eisengrein 1908, S. 110. Die Täufer, wie Joh. Campanus und Bernt Rothmann waren mit Luthers Christologie (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 195) nicht zufrieden. Vgl. K. Rembert: Die Wiedertäufer in Jülich 1899 S. 250. Auch Kaspar Schwenckfeld zieht nicht ohne Grund gerade “Luther über das Euangelium in Nat[ivitate] das leben war ein liecht der Menschen” (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 202 ff.) heran Vergl. Corpus Schwenckfeldianorum Bd. 2, S. 677. Wiederum zieht Sebastian Franck in seiner “Chronica, Zeytbuch und Geschichtbibel” diese Predigt, speziell ihren Glaubensbegriff, den er ausdeutet, heran. Vgl. E. Teufel: Luther und Luthertum im Urteil Sebastian Francks (Festgabe, K. Müller dargebracht 1922, S. 137). Es handelt sich, was Teufel nicht angibt, um die Stelle Unsre Ausg. Bd. 101 I, 224. Man wird geradezu von einer “täuferischen” Tradition sprechen dürfen, die an diese Postillenpredigt ansetzte. Auf Andreas Osiander hat möglicherweise die Predigt zur Epistel des ersten Advents mit ihren Ausführungen über die Gerechtigkeit Gottes (Unsre Ausg. Bd. 101 I, 1 ff.) gewirkt. Vgl. E. Hirsch: Die Theologie des A. Osiander 1919, S. 70. O. Clemen wies in Zeitschrift für Kirchengeschichte Bd. 37, S. 442 darauf hin, daß “die Evangelien samt den Episteln durch das ganze Jahr” —das ist die Kirchenpostille, vor 1586 handschriftlich in lettischer Sprache in der Kirche zu Heiligenau existierten. Auf Wirkungen der Wartburgpostille auf Melanchthon, Eberlin von Günzburg und Johann Sonnentaller, sowie Sebastian Lotzer und Andreas Keller machte Bossert (Theol. Stud. und Kritiken 1897, S. 374 ff.) aufmerksam. — Das alles sind zufällig gefundene und zusammengeraffte Zeugnisse der Wirkung von Luthers Postille, speziell des Winterteiles. Sie sind sicherlich zu vermehren und werden die Wirkung steigern. (Einiges z. B. bei Walch 11, 24 ff.) Die Luthersche Postille hat die mittelalterlichen Plenarien verdrängt. Es ist sicherlich kein Zufall, daß “bis jetzt kein Plenar nachgewiesen ist, das jünger als 1521 wäre” (Drews in Prot. Realenzyklopädie 3. Aufl. 15, S. 486) — 1521 ist das Jahr des Beginnes von Luthers Postillenarbeit!

       Luther selbst hat die Wirkung seiner Postille gewünscht. Sie sollte geradezu normativ und autoritativ werden gegenüber Schwarmgeistertum und Subjektivismus. [WA s. lxxi]

 

Nach den üblen Erfahrungen des Bauernkrieges, also auch als ein Zeichen der Reaktion in Luthers Stellung zur Umwelt, schreibt er in der “Deutschen Messe und Ordnung des Gottesdienstes” (Unsre Ausg. Bd. 19, 95): “Und mich dunckt, wo man die deudsche postillen gar hette durchs jar, es were das beste, das man verordente, die postillen des tages gantz odder eyn stücke aus dem buch dem volck furzulesen, nicht alleyne umb der prediger willen, die es nicht besser kunden, sondern auch umb der schwermer und secten willen zu verhüeten, wie man sihet und spuret an den Homilien ynn der metten, das etwa eben auch solche weyse gewesen ist. Sonst, wo nicht geystlicher verstand und der geyst selbst redet durch die prediger (wilchem ich nicht wil hiemit zil setzen; der geyst leret wol bas reden denn alle postillen und Homilien), so kompts doch endlich dahyn, das eyn iglicher predigen wird, was er wil, und an stat des Euangelii und seyner auslegung widderumb von blaw endten gepredigt wird.” Ist hier schon deutlich gesagt — vgl. die Worte: wilchem ich nicht wil hiemit zil setzen —, daß die Postille keineswegs die selbständig erarbeitete Predigt des Pfarrers ersetzen soll, so hat Luther 1542 in der Vorrede zu Spangenbergs Postille (Erl. Ausg. 63, 371) ausdrücklich betont: “Aber gleichwol sind wiederumb etliche faule Pfarrherr und Prediger auch nicht gut, die sich auf solch (Postillen) und ander mehr gute Bücher verlassen, daß sie eine Predigt draus können nehmen, beten nicht, studieren nicht, lesen nicht, trachten nichts in der Schrift, gerade als müßte man die Biblia darumb nicht lesen. Brauchen solcher Bücher, wie die Formular und Kalender, ihre jährliche Nahrung zu verdienen, und sind nichts dann Psittig oder Dolen, die unverständlich nachreden lernen, so doch unser und solcher Theologen Meinung diese ist sie damit in die Schrift zu weisen und zu vermahnen, daß sie denken sollen, auch selbst unsern christlichen Glauben nach unserm Tode zu verteidigen wider den Teufel, Welt und Fleisch.” Also ein scharfes Borbauen gegen jeden Mißbrauch!

       Es war auch ein Stück Wirkung der Postille, daß der Drucker Johannes Herwagen in Straßburg von Martin Bucer eine Übersetzung erbat. Luther stimmte dem zu und hatte keinerlei Argwohn. “Rogatu Iohannis Hervagii typographi et hortatu M. Lutheri theologi” bzw. “iussu et hortatu Lutheri” sagte Bucer (vergl. mein Buch: Zwingli und Luther, ihr Streit um das Abendmahl 1, 1924, S. 370 Anm. 1), und daran zu zweifeln, hat man keine Ursache. Der erste Band der Übersetzung, der die Adventspostille behandelte, trug am Schluß den Druckvermerk: primo Februarii an. M. D. XXV; so wird Bucer 1524 den Auftrag erhalten und das Werk begonnen haben. Der zweite und dritte Band, die Weihnachtspostille bringend, kam im März 1525 bzw. März 1926 heraus. Vgl. die Bibliographie. Diese drei ersten Bände erregten keinerlei Anstoß; erst der vierte Band brachte den bekannten Konflikt mit Luther (s. mein Buch a. a. O. S. 370 ff.). Die Vorrede des ersten Bandes bestimmte das Werk evangelio initiatis fratribus dispersis per Gallias; es sollte die Keime des Evangeliums hier zur Reife bringen helfen: “audimus enim passim excitari per Gallias, qui Christum et luculenter et fortiter annuncient”; speziell war an Lambert von Avignon gedacht, und Bucer wollte seine Postillenübersetzung den lateinischen reformatorischen Bibelkommentaren, teils Originale, teils übersetzungen, beigefügt sehen, die der Evangeliumsverkündigung in Frankreich dienten. Er nannte Luthers Werk “opus frugis incomparabilis, quibuscungue divina scriptura nondum familiarior facta est” und karakterisierte [WA s. lxxii] gut: “quid lex, guid evangelion, quid gratia, quid ira dei, quid peccatum, quid fides, qui peccati et fidei fructus, id est: veram ac solidam theologiam nemo unquam, cuius quidem commentarii extent, tradidit felicius et explicuit planius.” Über die Art seiner Übersetzung sagte Bucer nichts; es war nicht nötig, denn er übersetzte schlecht und recht ohne Hintergedanken. Man wird bei der Übersetzung der Advents- und Weihnachtspostille von einer “Tendenz” im schlimmen Wortsinne nicht sprechen können, so gewiß verschiedentlich Auslassungen und Zusätze nicht Zufall, sondern Absicht sind. Im allgemeinen bietet Bucer eine gute Übersetzung, die an den nicht ohne weiteres verständlichen Stellen des Lutherschen Wortlautes geradezu einen Kommentar bedeutet (um deswillen haben wir ihn auch so reichlich zu Worte kommen lassen). Daß Bucer die ganze Widmung an den Grafen von Mans̄feld fortläßt, ist begreiflich; sie war sehr persönlich gehalten und hatte für einen weiteren Leserkreis keinen Zweck. Gern verdeutlicht der Übersetzer (z. B. Unsre Ausg. B. 10 1 I 21,10, 23,8, 41,9, 172,2, 173,9, 206,14, 294,10, 301, 14,306, 16, 313,3, 315,19, 332,3; Bd. 10 1 II, 35,5, 44, 24 f., 45,10, 71,16 u. ö.) oder erläutert (z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 338,10, 356,14, 373,6, 375,22, 377,9 f., 381,14, 383,1, 388,6, 402,11, 433,8, 488,1, 546, 7.25, 693,4, 701,18; Bd. 10 1 II, 112 Anm. 1, 115 Anm. 6, 133 Anm. 6. 7, 136 Anm. 1 u. ö). Er hat auch den Druckfehler Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 40, 26 im Original gemerkt und verbessert. Dann wieder läßt er aus und übersetzt nicht Alles (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 40, 1, 144 Anm. 1, 293 Anm. 2, 492, 15 ff., 349 Anm. 3; Bd. 10 1 II, 17 Anm. 5 u. ö). Ist man mitunter (z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I,55,10, 208,2) geneigt, an Flüchtigkeit zu denken, so fehlt die Absichtlichkeit nicht. Z. B. wenn Luther schreibt Bd. 10 1 I, 10,21: “Zum anderen, das du nit auß Christo eynen Mosen machist, alß thu er nit mehr denn leer und gebe exempel wie die andern heyligen thun”, so läßt — man möchte sagen: der reformierte — Bucer die Worte “wie die andern heyligen thun” aus. Genau dasselbe wiederholt sich Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 73, 24. Damit wird zusammenhängen, daß Unsre Ausg. Bd. 10 1 II, 132, 1 ff. Petrus und Paulus ausgelassen sind, oder Bd. 10 1 I, 30, 13 dem Jakobus das “s. [anctus]” nicht mehr zugebilligt wird. Die eschatologische Pointierung Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 673, 1 ff. ist natürlich auch nicht zufällig fortgeblieben; vgl. auch Bd. 10 1 II, 107, 20 die feine Umbiegung der bestimmten eschatologischen Erwartung Luthers. Mitunter ergänzt und erweitert er sein Vorbild, nicht ganz ohne schulmeisterlichen Beigeschmack. Z. B. Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 141 Anm. 6, wo er seine Gelehrsamkeit bekunden will durch Heranziehung von Augustin, S. 645, 14 f., wo er sich in eigener Deutung versucht, Bd. 10 1 II, 100 Anm. 1, wo er die Verwerfung des Aristoteles noch durch einige Zusätze steigert, S. 205 Anm. 1, wo er Luther korrigiert, S. 206 Anm. 1, wo er zu dem von Luther erwähnten Johannes Hus noch den Hieronymus von Prag setzt. In der Epistel am Christtag Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 148 Anm. 1 verweist er auf das Evangelium zum 4. Advent, bei welchem Luther (Bd. 10 1 II, 189 ff.) das gleiche Problem behandelte. Sein eigenes Urteil bricht Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 501 Anm. 1 in der Übersetzung: optimo iure durch. Alles in allem: diese kurze Charakterisierung zeigt, daß Bucer ein guter Übersetzer gewesen ist, der mit Überlegung arbeitete.

       Besondere Beachtung verdient die Frage nach der Wirkung von Luthers Postille auf die nachfolgende Postillenliteratur überhaupt. Sie würde eine [WA s. lxxiii] eingehende Untersuchung erfordern, die hier nicht geboten werden kann. Daß Luther hier die Bahn brach und als großer Anreger wirkte, leidet keinen Zweifel; an die Spitze seiner Schüler wird hier Melanchthon gestellt werden müssen, dessen Postille auf Sonntagsvorträge von 1522 zurückgeht (vgl. G. Buchwald: Zur Postilla Melanthoniana, Archiv für Reformationsgeschichte Bd. 21 Doppelheft 1/2, 1924). Daß die Wartburgpostille dann die Postille des Antonius Corvinus stark beeinflußte, habe ich in besonderem Aufsatze (Theologische Studien und Kritiken Bd. 75, 1902) gezeigt. Ungeklärtes Gebiet ist noch die Anregung, die die Postille der Kunst der Reformationszeit gab. Einige der Ausgaben (vgl. die Bibliographie) sind mit “schönen Figuren” geziert, die an die Holzschnitte der Bibelausgaben erinnern, aber sie harren noch der endgültigen wissenschaftlichen Durchmusterung. Angeschnitten ist das Problem von H. Zimmermann: Beiträge zur Bibelillustration des 16. Jahrhunderts 1924 (Studien zur deutschen Kunstgeschichte Nr. 226) S. 17 f. und 118.

       Eine weitere Frage wäre die nach dem Verhältnis der Wartburgpostille zu Luthers Bibelübersetzung. Die Arbeit an der Übertragung des Neuen Testamentes und an den Adventspredigten ging ja nebeneinander her, während die Weihnachtspostille vorher fertig wurde. (Die erste Nachricht von Luthers Plan der Bibelübersetzung taucht bekanntlich im Briefe an Johannes Lang vom 18. Dezember 1521 auf. Enders 3 Nr. 472.). Selbstverständlich finden sich nun zahlreiche Berührungen zwischen den beiderseitigen Übersetzungen, aber ebenso viele Unterschiede, so daß man urteilen muß: es handelt sich jeweilig um eine selbständige Arbeit, und die Berührungen sind nicht Herübernahmen, sondern erklären sich aus dem gemeinsamen Rückgriff auf den griechischen Urtext (ähnlich Kostlin-Kawerau: M. Lth. 5. Aufl. 1903, S. 462), Lu, Lo und Lo haben ein Empfinden dafür besessen, wenn sie teils durchgängig, teils stellenweise (s. die Lesarten) die alte Übertragung herausbrachen aus der Postille und der Text aus Luthers Bibelübersetzung einfügten. Ob Luthers Verdeutschung in der Bibelübersetzung gegenüber der Übersetzung der Postillenstücke einen Fortschritt in der Verdeutschungsfähigkeit bedeutete? Die Frage dürfte zu bejahen sein, doch wäre eine germanistische Einzeluntersuchung vorzunehmen, die nicht Aufgabe dieser Einleitung sein kann. Luther ist sichtlich unter der fortlaufenden Arbeit am Neuen Testament freier geworden, während die Beschäftigung mit den Perikopen naturgemäß eine Vereinzelung und engere Bindung an das Original mit sich brachte. Man lese nur die Auslegung in der Postille, um zu sehen, wie Luther um den Ausdruck ringt. Ob die älteren deutschen Bibeln oder mittelalterlichen Plenarien den Text der Kirchenpostille beeinflußt haben, wage ich nicht zu entscheiden. Unmaßgeblich möchte ich es verneinen; Luther war auf der Wartburg und hatte nur eine beschränkte Bibliothek zur Verfügung, und er, der sonst immer recht deutlich in die Quellen seiner Postillenarbeit hineinschauen läßt, hätte doch wohl eine Andeutung einer derartigen Vorlage hinterlassen; sicher ist (vgl. Enders 3 Nr. 472), daß Luther die Matthäusübersetzung von Johannes Lang 1521 nicht benutzte. Immerhin könnte allenfalls die postilla brevior (s.o. S. LXII) ein Plenar sein. Und daß Luthers Postille ihrer ganzen Idee und Anlage (zuerst Worterklärung, dann praktische Abzweckung, Einstreuung von Erzählungen u. dgl.) nach bei den Plenarien anknüpft, kann nicht bestritten werden. Seine Postille ist ein “reformatorisches Plenar” (vgl. J. Alzog: Die deutschen Plenarien im 15. und zu Anfang des 16. Ih.s im Freiburger Diözesan-Archiv Bd. 8, 1874 [WA s. lxxiv] S. 258 ff.). Im einzelnen ergeben sich auch allerlei bewußte oder unbewußte Auseinandersetzungen mit den mittelalterlichen Vorgängern. Wenn z. B. (Alzog S. 273 ff.) in einem solchen Plenar die vier Evangelisten einzeln geschildert wurden, so gewinnt Luthers Auftakt im “klein Unterricht”, daß es nur ein Evangelium gebe (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 8 f.) eine wirkungsvolle Gegensätzlichkeit. Ebenso was Luther sonst von Gewohnheiten und Gebräuchen erzählt bei den Gottesdiensten, Lektionen und dgl. Immerhin zwingt das nicht zur Annahme einer literarischen Vorlage für die Wartburgpostille. Die von Alzog gebotenen Textproben (a. a. O. S. 284 ff.) machen vielmehr die Benutzung eines solchen Plenars durch Luther unwahrscheinlich. Aber die Frage verquickt sich mit der nach den Vorlagen der Septemberbibel von 1522, wobei man jedoch nicht übersehen darf, daß die Postille während der Wartburgzeit geschrieben und gedruckt wurde, also die für die Septemberbibel, die während dar Wartburgzeit nur geschrieben wurde, später nach der Rückkehr hinzugekommenen Quellen nicht in Betracht kommen. Hinweisen muß man auf die starke Ähnlichkeit zwischen dem an der Spitze des Weihnachtsteils stehenden “kleyn unterricht” (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 8 ff.) und Luthers Vorrede zum Septembertestament. Beide Male tritt scharf der Gedanke heraus, “das nur eyn Euangelium ist”, und bis in Einzelheiten hinein (vgl. etwa die Stellung zum Alten Testament) finden sich Berührungen. Die Priorität kommt hier der Postille zu, und daß sie Gedanken “neutestamentlicher Einleitung” vertritt, erklärt sich leicht. Der “kleine Unterricht” ist Ende November vollendet gewesen; möglicherweise hat Luther damals schon den Plan der Übersetzung des ganzen Neuen Testamentes gefaßt und sieht in der Postille den Anhub, der auf eine Vollendung wartet; darum wird er “grundsätzlich” eingeleitet als Vorbereitung auf Weiteres. Aber auch wer Luther damals noch nicht den Plan der Übersetzung des ganzen Neuen Testamentes gefaßt haben läßt, wird verstehen, warum er diesen ersten Versuch einer volkstümlichen Erklärung wichtigster Bibelteile mit einer derartigen grundsäßlichen Betrachtung einleitete. Man achte auf das (gleichzeitig datierende) Schlußwort des Weihnachtsteiles (Unsre Ausg. Bd. 10 1 I, 728): “O das gott wollt, meyn und aller lerer außlegung untergingen, unnd eyn iglicher Christenn selbs die blosse schrifft und lauter gottis wortt fur sich nehme! ... Darumb hyneyn, hyneyn, lieben Christen und last meyn und aller lerer außlegen nur eyn gerust seyn zum rechten baw, das wyr das blosse, lautter gottis wort selbs fassen, schmecken unnd da bleyben; denn da wonet gott alleyn ynn Zion.” Das klingt doch geradezu wie ein Vorspruch zur Übersetzung des Neuen Testamentes, könnte freilich auch den Wittenberger Freunden den Anlaß gegeben haben, die Übersetzung des Neuen Testamentes von Luther zu “heischen” (postulant nostri, sagt Luther), verrät auf alle Fälle, daß Luther sich der grundsätzlichen Bedeutung der Weihnachtspostille bewußt war und sie daher entsprechend einleiten mußte.

 

 

Aus der Geschichte der Forschung über die Winterpostille.

In die ersten Gesamtausgaben von Luthers Werken ist die Kirchenpostille nicht aufgenommen worden, offenbar weil sie dank der zahlreicheu Drucke, die sich auch nach des Reformators Tode fortsetzten, so stark verbreitet war. Die Geschichte dieser Ausgaben aus späterer Zeit, insbesondere auch die Textgeschichte, wäre noch zu [WA s. lxxv] schreiben; Tatsache ist, daß der Text in die dogmatischen Lehrstreitigkeiten hineingezogen wurde, und sich mancherlei Änderung gefallen lassen mußte. Dagegen reagierte der Pietismus, dessen Rückgriff auf Luther, den “reinen Luther”, wie man glaubte, sich auch hier bekundete. Mit dem Zeitalter des Pietismus beginnt die wissenschaftliche Arbeit an der Kirchenpostille (vgl. außer dem im folgenden Genannten Walch XI p. 19 Anm. q.). 1679 veröffentlichte der kaiserlich gekrönte Poet Johann Gottfried Zeidler in Eisleben sein Büchlein: “Historia von den Postillen Doct. Martinii [!] Lutheri, Als da sind die Kirchen Postilla, Haus Postilla und Eine seltzam unbekante Postilla”. Nach Erwähnung der lateinischen Postille hieß es hier über die Wartburgpostille: “Dieweil er sonderlich dem gemeinen mann damit zu dienen gesonnen, lesset er die lateinische erklerung faren und fehet an eine gantz deudsche weitleuffige Postillen uber Episteln und Euangelia zu schreiben, welche er seinem Landesherren, Graff Albrechten von Mansfeld, zugeschriben am tage Elisabeth 1521, wie die Vorrede bezeuget. Und solche Postillen hat er im obgedachten jar am tage Lamperti bis auffs Fest der h. drey Könige bracht und damals ausser der ordnung den Sermon von den zehen aussetzigen als zur probe lassen ausgehen, wie in der Vorrede zu sehen. Also ist diese Postillen ausgangen stückweise, erstlich A. 1521 ein stück vom Aduent bis auff den Christag. Zum andern A. 1522 am 13 Februarii aber ein stück vom Christage bis auf den Sontag Epiphanie, wie er schreibt in der Missiue an Hartmut von Cronberg, einen Frenckischen vom Adel.” Hier ist Richtiges mit Falschem gemischt. Richtig herangezogen sind die Worte aus der Vorrede zur Auslegung des Evangeliums von den zehn Aussätzigen (oben S. L f.). Möglich ist auch ihre Ausdeutung, daß damals Luther mit den Predigten bis und mit Epiphanien fertig war, wenn auch nicht ganz sicher (oben S. LI f.). Aber Zeidler nimmt offenbar an, daß Luther mit den Adventspredigten begann, also damals mit dem ganzen Winterteil fertig war. Das ist irrig. Ebenso irrig ist die Ansicht, daß die Vorrede an den Grafen Albrecht von Mansfeld am Abschluß des ganzen Winterteiles verfaßt wurde, wie Zeidler offenbar voraussetzt. Richtig ist dann wieder beobachtet, daß die Winterpostille in zwei Teilen ausging; aber die Reihenfolge der Teile hat Zeidler falsch bestimmt. Vermutlich hat er den Unsre Ausg. Bd. 7, 461 beschriebenen Druck d. h. die Übersetzung der alten Postille für den Adventsteil der neuen Postille gehalten. In dem Briefe Luthers an Kronberg (oben S. LXI), dessen Datierung aber nicht zu halten ist, hat Zeidler richtig den Weihnachtsteil erkannt, aber er war vor dem Adventsteil erschienen. Dann gab Spener 1700 in Berlin die Postille neu heraus, ausdrücklich zu dem Zwecke, einen kritisch bereinigten Text zu schaffen: “dem fleißigen Leser aufs vollkommenste also vor Augen zu legen, daß er nicht allein, wie dieselbe zu dieser oder jener Zeit erschienen, sondern auf einmal zugleich ihn unterschiedliche Gestalten zu Gesicht bekomme, mit dem Unterschied, daß er zugleich sehe, was zu andern Malen zu- oder abgethan worden”. Über die Entstehung der Postille sagte Spener nichts von Belang. Ebensowenig Gottfried Arnold, der 1710 mit besonderer Vorrede das Spenersche Werk neu auflegte. Aber die Postille kam jetzt in die Lutherausgaben hinein, z. B. in die Leipziger Ausgabe von Börner (1731) und in die Walchsche Ausgabe 1742 — dort im 13. und 14., hier im 11. Bande. Börner berief sich auf Elias Frick: Deutsche Seckendorffische Historie des Luthertums, Anhang zu § 11 p. 2724, Leipzig 1714. Dieser behauptete: [WA s. lxxvi] “Luther gab Evangelien und Episteln von Advent bis 1 Sonntag nach Epiphanien 1522 in zwei Teilen in Quart in Wittenberg heraus, obwohl die Dedikation schon am Tage Elisabeth 1521 gestellt ist, wie Spener in seiner Edition der Kirchenpostille erinnert.” Walch gab in seiner Vorrede “eine hinlängliche und etwas ausführliche Nachricht” über die Entstehung der Postille, in Ergänzung einer Einleitung, die er schon 1737 zu einer Sonderausgabe von “des seligen Lutheri vollständiger Kirchenpostill” geboten hatte. Daß die Postille allmählich geworden war, ist Walch klar: “Die Kirchen Postill des seligen Lutheri ist ein solches Werk, welches nicht auf einmal verfertiget und an das Licht gestellet worden, sondern nach und nach zu derjenigen Gestalt und Vollständigkeit gediehen ist, darinnen sie sich nunmehro befindet”. Richtig werden auch an die Spitze die lateinischen Enarrationes .... in IV dominicas adventus von 1521 gestellt, und über ihre deutsche Übersetzung wird einiges bemerkt. “Nicht lange darnach machte sich Lutherus über die deutsche Postill.” Hier nun aber setzt Walch ebenfalls die Adventspredigten an die Spitze des auf der Wartburg verfaßten Winterteiles. “Denn wie er bey seiner Rückreise von Worms auf Befehl des Churfürstens von Sachsen seiner Sicherheit halber den 4 Maji des besagten 1521 Jahres in aller Stille auf die Wartenburg bey Eisenach gebracht wurde, so ließ er unter anderm auch das seine Arbeit seyn, daß er den Anfang der deutschen Postill verfertigte, welcher von Advent an bis auf den ersten Sonntag nach Epiphaniä, jedoch diesen ausgeschlossen, ging. Er kam in zwey Theilen zu Wittenberg 1522 4o heraus” (die Adventspostille wird zuerst genannt). Walch karakterisierte kurz die Widmung Luthers an den Grafen Albrecht von Mansfeld und den “kleinen Unterricht”, um dann kurz darauf hinzuweisen, daß “Lutherus die Arbeit nicht sogleich, wie er wünschte, fortsetzen konnte”; unter Berufung auf die bekannten Worte (s. o. S. L); “Auch wil ich hiermit meinen lieben Deutschen die Postillen credentzen mitten auß dem faß.” “So beklagte er sich auch vorher, und zwar den 8. Junii, daß er in seiner angefangenen Arbeit durch abermaligen Streit behindert würde” (folgt das Zitat aus der Vorrede der confutatio rationis Latomianae, Unsre Ausg. Bd. 8, 44 Z. 1 —3, S. 128, Z. 1 —3). Näheres aber bringt Walch nicht, geht vielmehr schnell zum Sommerteil und den verschiedenen Ausgaben der Kirchenpostille über.

       Ganz auf Walch fußte Joh. Georg Plochmann im 7. Bande der ersten Auflage der Erlanger Ausgabe (1827), so daß also hier für die Erforschung der Entstehung Winterpostille kein Fortschritt erzielt wurde. Neu durchgearbeitet hingegen wurde das Material durch Enders in der zweiten Auflage der Erlanger Ausgabe, Band 7 (1866). Enders geht natürlich auch von den lateinischen Enarrationes aus, um dann mit dem Satze einzusetzen: “Luther ließ auf der Wartburg die lateinische Bearbeitung gänzlich fallen und fing eine neue deutsche Ausarbeitung der Postille, und zwar in größerer Ausführlichkeit, an”. Den Fehler seiner Vorgänger, die deutsche Adventspostille vor der Weihnachtspostille entstanden sein zu lassen, wiederholte dann freilich Enders: “Zuerst erschien wiederum die Adventspostille, welche nun schnell eine Fortsetzung bis auf Epiphanias erhielt.” Aber Enders gab sich die Mühe, die Etappen der Entstehung der Postille nach Möglichkeit nach Luthers Briefwechsel vorzuführen, wobei er freilich nicht immer richtig deutete. “Die Vollendung des Druckes, heißt es dann, zog sich bis ins Jahr 1522 hinein, und auch die Fortsetzung der Arbeit erlitt eine Unterbrechung, teils durch die [WA s. lxxvii] Wittenberger Unruhen, die ihn von der Wartburg zurückführten, teils durch neue Streitigkeiten mit anderen Gegnern, wie er schon am 8. Juni 1521 in der Vorrede zur Rationis Latomianae confutatio klagt (folgt die schon von Walch s. o. zitierte Stelle). “Als Probe gleichsam des noch zu Erwartenden ließ er das Evangelium am 14. Sonntag nach Trinitatis von den zehn Aussätzigen schon im Jahr 1521 erscheinen” (folgt die S. L und bei Walch angegebene Stelle). Enders urteilt weiter: “auf Lamperti d. i. 17. September 1521 war die Postille bis Epiphaniä vollendet, aber erst am 13. Februar 1522 ging sie aus” (vgl. dazu Zeidler, an den Enders sich hier anlehnt). Er meinte die ganze Wartburgpostille und sorgte nicht darum, daß die Widmung vom 19. November 1521 datierte; offenbar dachte er sie sich zwischen Abschluß der Auslegung der Predigten und dem Druck verfaßt. Dankenswert waren die bibliographischen Notizen von Enders, so gewiß sie durch Unsre Ausg. stark ergänzt werden. Wie Walch, so verbaute sich auch die Erlanger Ausgabe die Einsicht in den Entstehungsprozeß der Postille auch dadurch, daß sie Episteln und Evangelien getrennt druckte in verschiedenen Bänden. Hier hat Unsre Ausgabe den notwendigen Wandel geschaffen, außerdem, der Zeit der Entstehung entsprechend, den Weihnachtsteil vor den Adventsteil gestellt.

       Auf der Erlanger Lutherausgabe ruhte auch die kurze Notiz von Th. Kolde im 2. Bande seiner Lutherbiographie (1889) S. 7: “Allerdings schritt das Werk nur sehr langsam vorwärts. Es erschien bruchstücksweise, zuerst die Auslegung der Adventsperikopen, dann im Frühjahr 1522 als erster Abschnitt die Auslegung der Evangelien und Episteln bis zum Epiphanienfeste, die er dem Grafen Albrecht von Mansfeld widmete.” Inzwischen begann die Vorbereitung der Herausgabe der Kirchenpostille in Unsrer Ausgabe. Sie war Gustav Bossert, damals Pfarrer in Nabern (Württemberg), anvertraut worden und wurde in Kollationen usw. weit gefördert. Ehe Bossert nun, an der Vollendung verhindert, dem Unterzeichneten die Weiterarbeit übergab, veröffentlichte er in den “Theologischen Studien und Kritiken” 1897, S. 271 ff. seine umfangreichen “kritisch-historischen Untersuchungen” über “die Entstehung von Luthers Wartburgpostille”. Sie waren bahnbrechend und werden die Grundlage aller künftigen Erörterung bilden müssen. “Zum erstenmal beschäftigte ich mich hier dieser eingehenden Weise mit der Wartburgzeit” — das war richtig. Nicht minder das Urteil: “je mehr man mit den hier einschlagenden Fragen zu tun hat, um so mehr erkennt man die Schwierigkeiten und erfreut sich, wenn nur ein wenig mehr Licht auf Luthers Wartburgzeit und die Arbeit an den 24 Predigten von Advent bis Epiphanien fällt”. Ausdrücklich hob Bossert auch heraus, daß seine Arbeit “noch nicht völlig reife, abschließende Ergebnisse gebe, wie sie der Einleitung der Wartburgpostille in der Weimarer Ausgabe einverleibt werden können”. So kann die durchgängige Nachprüfung der Bossertschen Untersuchung, wie wir sie vorgenommen haben, seiner grundsätzlichen Zustimmung sicher sein. Die Entstehungsgeschichte der Wartburgpostille ist in neuer Überprüfung gegenüber Bossert etwas unsicherer geworden, die einzelnen chronologischen Ansätze wurden z. T. vorsichtiger und zurückhaltender bestimmt, späterer Forschung wird es vorbehalten bleiben, zu entscheiden, wo das größere Recht liegt. Die Frage Bosserts (a. a. O. S. 271): “soll in der Weimarer Ausgabe die Weihnachtspostille vor der Adventspostille gedruckt werden?” ist ganz in seinem Sinne “vom Standpunkt des Interesses der historischen Forschung unbedingt bejaht worden,” [WA s. lxxviii] Bd. 101 I bringt die Weihnachts-, Bd. 101 II die Adventspostille. Wenn Bossert der Vorarbeiten zur Postille dankbar gedachte, so mag an dieser Stelle nur das Universitätsprogramm von Max Lenz: Kritische Erörterungen zur Wartburgzeit, Marburg 1883 genannt werden, weil es noch heute Beachtung verdient.

       Auf Bosserts Untersuchungen war die Darstellung aufgebaut, die G. Kawerau in der 5. Auflage des Köstlinschen Lutherwerkes gab (1903, S. 453 f.). Hier wurde also die zeitliche und auch typographische Priorität des Weihnachtsteiles vor dem Adventsteile ausgesprochen, und Kawerau gab einige wertvolle, selbständige Beobachtungen bei. Seinerseits brachte der Unterzeichnete in der Zeitschrift für wissenschaftliche Theologie Bd. 41 S. 606 ff. einige Ergänzungen zu Bossert. Den neuen Fragestellungen gegenüber ist nun freilich die Einleitung im 11. Bande der Neuauflage des Walchschen Lutherwerkes: “Dr. Martin Luthers Kirchen-Postille. Aufs Neue herausgegeben im Auftrag des Ministeriums der deutschen evangelisch lutherischen Synode von Missouri” 1882 gänzlich veraltet. Nicht nur, daß Evangelien (Bd. 11) und Episteln (Bd. 12) getrennt sind, es wird wieder die Priorität der Adventspostille vertreten, so gewiß man im einzelnen sich um die Zeugnisse der Wartburgzeit bemühte und dabei im wesentlichen bei der zweiten Auflage der Erlanger Ausgabe landete, auf die man sich auch ausdrücklich berief. Textlich arbeitete Walch mit den Ausgaben von 1522 —1535, ohne die genaue Kritik, wie sie Unsre Ausgabe bietet. Man muß einmal textlich und sachlich diese zweite Auflage von Walch — die neueste vor Unsrer Ausgabe — neben Unsre Ausgabe stellen, um sich des inzwischen errungenen wissenschaftlichen Fortschrittes bewußt zu werden.

       “Die Winterpostille ist, strenge genommen, allein Luthers Werk; die übrigen Teile konnte er bei den mannigfachen andern und wichtigen Arbeiten, die ihn während der nächsten Jahre beschäftigten — besonders im Streit mit den Sakramentschwärmern und gegen den Bauernaufruhr — nicht eigenhändig vollenden”, heißt es in der Erl. Ausg. 2 7, XVI. Die Winterpostille, die Wartburgpostille in ihren beiden Teilen, ist darum auch der beste und wertvollste Teil der Postille des Reformators. In bedeutsamster Zeit 1521/22 geworden, ist sie ein unvergängliches Zeugnis von Luthers reformatorischer Größe, vielleicht gerade, weil sie nicht “groß”, sondern ein schlichtes Wort an die Laienwelt sein will.

 

 

Nachträge und Berichtigungen.

Zu den fallenden Kreuzen Unsre Ausg. Bd. 10 1 II 104 vgl. J. Schairer, Das religiöse Volksleben am Ausgang des Mittelalters 1914 S. 107; sowie die eingehende Schilderung in Zeitschr. für Kirchengeschichte Bd. 43, S. 382.

Zur Erwartung der großen Flut 1524 Unsre Ausg. Bd. 101 II, 108 vgl. Albert Burer an Beatus Rhenanus 1520 März 20: Sed heus, tamen novus subinde timor mortales excruciat ac propemodum exanimat: is est futuri diluvii tremor potius quam timor. Sic enim quosdam timidulos reperire est, qui etiam iam et in hypocaustis suis et port fornacem undas ac procellas somnient, adeo ut experrecti se tanquam suffocatos ac undis submersos dictitent. Sed hoc belle videtur perspexisse prudentissimus senatus Basiliensis, qui pontem suum trabibus [WA s. lxxix] quernis sic suffulcire fecit, ut adversus omnem undarum impetum munitus ac robustissime confirmatus videatur. — Vgl. ferner A. Warburg, Heidnisch - antike Weissagung in Wort und Bild zu Luthers Zeiten, 1920, S. 30 ff. Hier ist verwiesen auf G. Hellmann: aus der Blütezeit der Astrometeorologie (Veröffentlichungen des Kgl. preuß. meteorol. Instituts Nr. 273), der “ein Verzeichnis der ihm bekannt gewordenen Unmenge von illustrierten Druckschriften (56 Autoren in 133 Druckschriften), die schon seit dem Anfange des 16. Jahrhunderts, von Stoefflers Kalender ausgehend, Grauen und Furcht vor dieser Sündflut durch ganz Europa trugen.” Warburg weist ferner hier auf die “Sensationspresse, wie sie auf dem Reichstage zu Worms durch die Sündflut-Stimmungsmache eines Seytz zu wirken suchte. Man fühlt, wie die Holzschnittillustration als mächtiges neues Agitationsmittel für die Bearbeitung der Ungelehrten eingriff.” S. ebenda auch ein späteres Urteil Luthers über die Flut und Nachrichten über Spalatins Stellungnahme dazu. — Auch Zwingli in der Auslegung der 67. Schlußreden und der Schrift De providentia dei gedenkt jener Flut (vgl. Kritische Zwingli-Ausgabe Bd. 2, Schuler-Schultheß, opera Zwinglii Bd. 4, S. 128 f.).

       Zum Begriffe der πιεικα Unsre Ausg. Bd. 101 II, 174 vgl. C. Schmitt, Politische Theologie 1922 S. 9 ff. 37 ff.

       Zum prologus Hieronymi Unsre Ausg. Bd. 101 I, 8: Gemeint ist die praefatio s. Hieronymi presbyteri in omnes epistolas s. Pauli: “Primum quaeritur, quare post evangelia, quae supplementum legis sunt et in quibus nobis exempla et praecepta vivendi plenissime digesta sunt, voluerit apostolus has epistolas ad singulas ecclesias destinare”.

       Zum Sprichworte Unsre Ausg. Bd. 101 I, 654, 19 vgl. Unsre Ausg. Tischreden 1 Nr. 341: “Ein testament eins pfaffen ist mir ein wurst, die isst man, dein egeritur, sus devorat, und wird wider ein wurst, sic sine fine.”

       Zur Darstellung der verschlossenen Himmelstüre Unsre Ausg. Bd. 101 I, 36 vgl. R. Nicolas, Die Hauptvorhalle des Berner Münsters 1921 S. 91 (Nachweis einer solchen Darstellung an der S. Nicolauskirche zu Freiburg i./Schweiz. Die Hölle als offenes Drachenmaul ist dargestellt auf dem Relief des Veit Stoß an S. Sebald in Nürnberg (ebenda S. 92).

       Zur Bibliographie: In Neue kirchl. Zeitschrift 1919 S. 536 wird eines Exemplars der Enarrationes seu Postillae M. Lutheri Basileae 1546 (vgl. oben S. XL) mit Randglossen Luthers gedacht.

       Druckfehler: Unsre Ausg. Bd. 101 I, 318, 5 lies: kloster; S. 349 Anm. 3 lies: von H. A. W. Meyer. — Unsre Ausg. Bd. 101 II, 9 Anm. 2 Z. 4 lies: Vielleicht: S. 19 Anm. 9 Z. 3 lies: μς; S. 29 Anm. 5 lies: institutum; S. 35, 22 streiche das Komma hinter wort; S. 138 Anm. 2 lies: Hutteni; S. 143 lies: Anm. 2. — Die korrekte Setzung der hebräischen Punktation allenthalben zu erzielen, ist leider trotz aller Mühe nicht gelungen.

 

 

W. Köhler.

 

[WA s. lxxxi]

 

Vorwort zu Roths Sommerpostille.

 

1925[WA s. lxxxi]

Da sich der Abdruck der Rothschen Postillen auf mehrere Bände verteilt und die Einleitungen zu den einzelnen Postillen mancherlei Wiederholungen bringen müßten, wird die Gesamteinleitung zweckmäßig mit der Vollendung des Abdrucks sämtlicher Postillen zu verbinden sein.

       Wir stellen hier nur eine Übersicht über die Predigten der Sommerpostille in der Art der zur Hauspostille gegebenen Übersicht (Unsre Ausg. Bd. 52, XII ff.) zusammen.

       Unserm Abdruck liegt der Erstdruck (von Heinrich Steiner in Augsburg) vom Jahre 1526 zugrunde (vgl. oben S. XXIII).

 

 

G. Buchwald.

 

[WA s. lxxxii,lxxxiii]

 

Übersicht über die Predigten der Rothschen Sommerpostille.

 

1925[WA s. lxxxii,lxxxiii] [Tabelle: ] [Tabelle: ] [WA s. lxxxiv,lxxxv][Tabelle: ] [Tabelle: ]

 

[WA s. lxxxvii]

 

Haupttext

 

 

Adventspostille.

[WA s. 1]

 

      

Am ersten sontag des Advents Epistell [Röm. 13, 11 –14] Ro. xiij.

 

1522[WA s. 1]

Lieben bruder, ßo wyr denn solchs wissen, nemlich die tzeytt, das die stund da ist, von dem schlaff aufftzustehen. Syntemal unßer heyl nu neher ist, denn da wyrß glawbten. Die nacht ist vorgangen, der tag ist erbey kommen. Szo last uns abwerffen die werck der finsterniß, und anlegen die wapen des liechts, last uns erbarlich wandeln, gleych wie am tage. Nit ynn vollerey und trunckenheyt, nit ynn schlaffkamern und untzucht, nit ynn tzangk und hadder, ßondernn tzihet an Ihesum Christum den herrn, und thut nit was das fleysch sucht tzur lust.

       Diße Epistell leret nitt vom glawben, ßondernn von den wercken und fruchten des glawbens, und tzeygt an, wie eyn Christlich leben soll eußerlich nach dem leybe auff erden unter den menschen sich hallten ; denn wie ym geyst und fur gott der mensch soll wandelln, leret der glawbe, von wilchem er fur dißer Epistell reychlich und gantz Apostolsch schreybt und leret, unnd wenn wyr die Epistell eben ansehen, ßo leret sie nitt, ßondern reytzt, vormanet, treybt und weckel auff die da schon wissen was sie thun sollen. Denn [Röm. 12, 7. 8] S. Paulus teylet das predigerampt ynn tzwey stueck Ro. 12. Doctrinam et exhortationem, lare und vormanen. Lare ist, ßo man predigt, das unbekandt [WA s. 2] ist und die leutt wissend odder vorstendig werden. Vormanen ist, ßo man reytzt und anhellt an dem, ßo yderman schon woll weyß. Beyde stuck sind [Röm. 13, 11 ff.] not einem prediger, drumb sie auch beyde S. Paulus ubett. Darumb auch das die vormanung sey deste stercker und lieblich eyngehe, braucht er vil hubscher vorbluemeter wort und macht eyn feyne bundfarbe rede, nennet den schlaff, finsterniß, licht, auffwachen, wapen, werck, tag unnd nacht, das sind eyttell vorblumete wortt, durch wilch ettwas anders vorstanden wirtt, denn yhr artt unnd natur gibt. Denn er redet yhe nitt von naturlicher nacht, tag, finsternis, licht, wachen, schlaffen, wapen und wercken, ßondern bildet uns fur durch solch naturlich weßen eyn gleychniß, damit er uns reytze und fure ynn vnßer geystlich weßen, als sollt er sagen: yhr sehet, das die menschen umb tzeytlichs gutts willen auffstehen vom schlaff unnd der finsterniß werck ablegen unnd sich des tags werck annehmen, wenn die nacht vergangen, und der tag erbey komen ist. Wie viel mehr sollen wyr auffwachen von unßerm schlaff, abwerffen die werck unßer finsternis, und anfahen die werck unßers lichts, dieweyll unßer nacht vergangen und unßer tag anbrochen ist.

       Durch den schlaff bedeutt er die werck der boßheyt und unglawbens ; denn schlaffen ist eyn werck, das da eygentlich geschicht ynn der nacht, und [Röm. 13, 12] er selbs sich auch alßo außlegt, da er sagt: Last uns ablegen die werck der finsterniß. Alßo widderumb, auffwachen unnd auffstehen, bedeutt die werck des glawbens und der frumkeyt. Denn auffstehen ist eyn eygentlich werck des [1. Thess. 5, 4. 10] morgens und tages; davon sagt er auch. 1. Thess. 5: Lieben brueder, yhr seytt nicht ynn der finsterniß, yhr seytt alle kinder des liechts und kinder des tages. Wyr sind nicht der nacht noch der finsternisse, darumb last uns nitt schlaffen, wie die andern, ßondern last uns wachen und nuechtern seyn. Denn die da schlaffen, die schlaffen des nachts, und die da truncken sind, die sind des nachts truncken. Wyr aber, die wyr des tags sind, sollen nuechtern seyn, angetzogen mit dem krebß des glawbens und der liebe, und mit dem hellm, der da ist die hoffnung der selickeyt. Denn gott hatt uns nit gesetzt tzu dem tzorn, ßondern tzu der besitzung der selickeytt, durch Jhesum Christum unßern herrn, der fur uns gestorben ist, auff das wyr, es sey wachend odder schlaffend, mit yhm leben. Hie ists offenbar, das er nitt vorpeutt den naturlichen schlaff, und doch die gleychniß braucht vom naturlichen schlaff und wachen tzu dem [WA s. 3] geystlichen schlaff und wachen, das ist: wol und ubell leben. Unnd kurtzlich, [Tit. 2, 11 –13[!]] ist auffstehen vom schlaff ßo viel gesagt, als das er sagt Tit. 1: Es ist erschynenn die heylwertige gnade unßers heylands und lerett uns, das wyr sollen absagen dem gottloßen weßen und welltlichen lusten, und nuechtern, rechtfertig, gottlich leben auff dißer wellt, und wartten auff die selige hoffnung und tzukunfft des grossen gottis unnd unßers heylands Jhesu [Röm. 13, 11] Christi. Das absagen des gottloßen weßens unnd der welltlichen lusten [Röm. 13, 12] nennet er hie auffstehen vom schlaff. Und das nuechtern, rechtfertig, gottlich leben, nennet er hie: wachen und wapen des liechts anlegen. Das erscheynen der gnade ist der tag und das liecht, wie wyr horen werden.

       Nu sihe tzu, wie sich naturlich und geystlich schlaff mit eynander gleychen. Wer da schlefft, der sihet noch empfindt der dinger odder gutter keynß, die auff der wellt und umb yhn her sind. Er ligt mitten unter den dingen, als eyn tod, unnutz mensch, der keyn brauch noch acht eynes dings hatt, und ob er schon ynn yhm selb lebt, ßo ist er doch allen dingen, als were er todt. Zum andern: an statt der warhafftigen dinger gehet er umb ym trawm mit eyttell bilden und unnutzen formen der warhafftigen gutter, und ist ßo nerricht, das er meynett, es seyen recht ware gutter. Wenn er aber auffwacht, ßo fallen ab die trawmbild und werden tzu nichte, da fehet der mensch an, mit rechten dingen umbgehn on alle bilder. Alßo auch geystlich: der mensch, der da lebt ynn eynem gottloßen weßen, der schlefft unnd ist gleych todt fur gott, sihet noch empfind nicht die rechten geystlichen gutter, die yhm durchs Euangelio werden angepotten und vorheyssen, lest sie umbsonst fur yhm und umb yhn her stehen; denn solch gutter lassen sich nur mitt dem glawben der hertzen sehen, sind auch noch vorporgen. Indes abet menget er sich ynn die tzeyttlichen, vorgencklichen gutter, wollust und ehre, wilche gegen das ewige leben, freud und selickeyt, zu achten sind gleych als die traumbild gegen die naturlichen, leyplichen creaturn. Und wenn der mensch auffwacht und den [WA s. 4] glawben ubirkompt, ßo fellet ab alles solchs vorgencklich ding, und wirt erkennet, [Ps. 76, 6] wie gar es nichts sey, davon sagt ßs. 75: Sie haben geschlaffen yhren schlaff, die menner des reychtumbs, und nichts funden ynn yhren henden. [Ps. 73, 20] Und ßs. 72: Gleych wie eynen trawm des, der da auffwacht, alßo wirstu yhr [Jes. 29, 8] bild zu nicht machen ynn deyner statt. Und Isaia .29: Gleych wie eyn hungeriger trewmet, das er esße, und wenn er auffwacht, ßo ist seyn seel noch leer, unnd wie eyn durstiger trawmet, das er trincke, und wenn er auffwacht, ßo durstet yhn noch, und seyn seele ist leer, alßo wirt seyn die menge aller volcker, die da fechten wider den berg Zion. Sihe da, ist das nit nah und schmehlich geredt von der welt hohister gewalt, reychtum, lust und ehre, das es alles einem trawm, und trawm bilden vorgleicht wirt? Wer durfft sagen, das der konige, fursten, reychen, guter, lust und gewalt trawmwerck sey, ßo sie doch daruber wueten und toben auff dißer welt? Es macht, das sie schlaffen und stehen nitt auff, sehen auch ditz liecht noch nit ym glawben.

 

Syntemal unßer heyl nu neher ist, denn da wyrß glewbeten.

Was ist das gesagt? haben wyr tzuvor glewbt? odder glewben wyr itzt [Röm. 1, 2] nicht?3 Hie ist tzu wissen, wie S. Paulus Ro. 1. sagt, das gott durch seyne propheten ynn der heyligen schrifft vorheyssen hatt das Euangelium von seynem ßon Jhesu Christo, unßerm herrn, wie durch yhn alle wellt sollt selig werden, [1. Mose 22, 18] als die wort lautten Gene. 22. tzu Abraham: ynn deynem samen sollen gebenedeyet werden alle volcker der erden. Diße benedeyung, alda Abrahe vorheyssen ynn seynem samen, ist nichts anders, denn die gnade und das heyl ynn Christo, [Röm. 4, 1 ff.] durchs Euangelium aller wellt furgetragen, wie das auch S. Paulus Ro. 4. [Gal. 4, 22 ff.] unnd Gal. 4. außstreycht. Denn Christus ist der same Abrahe, das ist seyn naturlich fleysch und blutt, ynn wilchem alle die gebenedeyet werden, die ynn yhn glewben und yhn anruffen. Diße vorheyssung gottis ist darnach durch [WA s. 5] die propheten fast wol getrieben und weytter außbreyttet, und haben allesampt von der tzukunfft Christi, seyner gnad und Euangelij geschrieben, wie [Apg. 3, 25[!]] S. Petrus sagt Act. 43 : Derselbigen gotlichen vorheyssung haben alle heyligen fur Christus gepurt geglewbt, und alßo ynn und durch den zukunfftigen Christum mit solchem glawben behalten und selig worden, das auch Christus [Luk. 16, 22] dieselbige vorheyssung nennet Abrahamß schoß Lu. 16., daryn alle heyligen nach Abraham biß auff Christum vorsamlet wurden. Das meynet nu hie [Röm. 13, 11] S. Paulus, das er spricht: Unßer heyl ist nu neher, denn da wyrß glewbten, als solt er sagen: die vorheyssung gottis tzu Abraham geschehen, ist nu nit mehr zukunfftig zu wartten, sie ist erfullet, Christus ist ko- men, das Euangelium ist auffgangen, und die benedeyung ist außteyllet yn alle welt, und ist nu alles da, was wyr gewarttet und geglewbt haben yn der vorheyssung. Damit hat der Apostel beschrieben den geystlichen tag, davon er hernach saget, wilcher ist eygentlich der auffgang und das licht des Euangeli, wie wyr horen werden.

       Aber darumb ist der glawbe nit auffgehaben, sondern viel mehr bestettiget; denn gleych wie sie tzuvor geglewbt haben auff die vorheyssung gottis, das sie wurd erfullet werden, alßo glewben wyr an dieselbigen vorheyssung, das sie nu erfullet sey, und ist eyn glawb wie der ander an yhm selbs, on das sie nach eynander folgen, gleych wie die vorheyssung und erfullung auch nach eynander folgen; denn sie hangen beyde an dem samen Abrahe, das ist: Christo, eyner fur, der ander nach seyner zukunfft; denn wer da itzt wollt glewben, wie die Juden, das Christus noch komen solt, als were die vorheyssung nit erfullet, der wurd vordampt, darumb das er gott lugen strafft, und gibt fur, er hab seyn vorheyssung noch nit erfullet, die er doch erfullet hatt, ßo were das heyll noch ferne und fur uns, und musten seyn noch tzukunfftig wartten. [Röm. 1, 17] Von den tzweyen glawben sagt Paulus Ro. 1.: Im Euangelio wirt offenbart die gerechtickeyt von gott geben, auß dem glawben in den glawben; was ist auß dem glawben yn den glawben? Nicht anders, denn: wiewol es eynerley glawb ist, der veter und der unßer, der do glewbt yn den tzukunfftigen und erschynen Christum, Szo furet doch das Euangelium auß yhenem glawben yn dißen glawben, das nu nott ist tzu glewben nit allein der vorheyssung, ßondern [WA s. 6] auch der geschehnen erfūllung, wilcher Abraham und die alten noch nit musten glawben, ob sie wol denselbigen Christum hatten, den wyr haben. [Eph. 4, 5] Eyn glawb, eyn geyst, eyn Christus, eyn gemeynschafft aller heyligen, on das ihene fur und wyr nach Christo gehen. Alßo haben wyr (das ist: die vetter mit uns ynn gleychem gemeynem glawben yn eynen Christum) glewbt, und glewben auch noch ynn yhn, aber auff eyn ander weyße. Und gleych wie wyr umbs gemeynen glawbens und Christus willenn sagen: Wyr habenn geglewbt, ßo wyr doch nitt geweßenn sind tzu der tzeytt, ßondernn die vetter habenn das geglewbt. Alßo thun sie widderumb und sagen, sie wollen odder werden Christum horen, sehen und glewben, ßo sie doch tzu unßernn tzeytten nicht [Ps. 8, 4] sind, ßondernn wyr thun das. Denn alßo spricht David ßs. 8.: Ich werde sehen deyne hymel, die werck deyner hende, das ist: die Apostolen, und hatt [Ps. 9, 2] es doch nit erlebt. Item ßs. 9.: Ich will loben den herrn und predigen alle seyne wunder &c.. und der gleychen viel mehr, das alßo eyn person sich der andern annimpt, umb des gemeynen glawbens willen, durch wilchen sie Christum im mittel haben und ein hauffe sind.

       [Röm. 13, 11] Das er nu sagt: Unßer heyll sey itzt neher, denn da wyrß glawbten, mag nit von der nehe des habens oder besitzung vorstanden werden. Denn die vetter haben denselbigen glawben gehabt, und eben denselbigen Christum, [Heb. 13, 8] er ist yhn eben ßo nahe geweßen als uns, wie Heb. 13 sagt: Christus gistern heutt und ewiglich, das ist: Christus ist geweßen vom anfang der wellt biß anß ende, und sind alle durch yhn und ynn yhm behalten. Wer am meysten glewbt, dem ist er am nehsten, und wer am wenigsten glewbt, dem ist das heyl am fernisten nach der besitzung und habe zu reden. Aber S. Paulus redet hie von der nehe der offenbarung, das tzur tzeytt Christi die vorheyssung erfullet und das Euangelium ynn alle wellt auffgangen, und durch dasselb Christus tzu allen menschen komen und offentlich gepredigt, das nennet er hie: [Röm. 13, 11] Unßer heyl sey neher, denn da es noch ym vorsprechen lag, vorporgen und nit [Tit. 2, 11 [!]] auffgangen war. Alßo sagt er Tit. 1: Es ist erschynen die heyllwertige [WA s. 7] gnade gottis, das ist: sie ist auffgangen und offentlich predigt, wie wol sie tzuvor auch ynn allen heyligen gewest ist. Alßo gibt die schrifft, das Christus kome, und sey komen, ßo er doch tzuvor auch ynn allen vettern geweßen ist, Aber er ist nit durch offentliche predigt tzu yderman komen, denn allererst nacht seyner aufferstehung von den todten, von wilcher tzukunfft die schrifft am meysten redet, umb wilcher willen er auch leyplich ist komen yn die menschliche natur, denn es were seyn mensch werden niemandt nutz, wo nitt eyn Euangelium drauß were worden, dadurch erkenne ynn alle welt und kundt wurde, warumb er mensch sey worden, das die vorsprochen benedeyung außteyllet wurd allen, die durchs Euangelium ynn Christum glawbten, das wol [Röm. 1, 2] S. Paulus Ro. 1. sagt: das Euangelium sey vorsprochen von gott, als solt er sagen: Gott hatt mehr auffs Euangelium und diße offentliche tzukunfft durchs wort, denn auff die leyplich gepurt odder tzukunfft ynn die menscheyt acht gehabt. Es ist yhm umb das Euangelium und unßern glawben tzu thun geweßen, darumb hatt er seynen ßon datzu lassen mensch werden, das das Euangelium mocht von yhm predigt werden, und alßo seyn heyll durchs offentlich wort tzu aller wellt nehen und komen. Es haben ettliche vierley tzukunfft Christi gesetzt, nach den vier sontagen ym advent. Aber diße, die [WA s. 8] am aller nottigisten ist, da alle macht anligt, davon hie S. Paulus redet, haben sie nicht ersehen; denn sie wissen nit, was Euangelium ist, odder wotzu und warumb es geben ist. Schwetzen viel von Christus tzukunfft und iagen yhn doch von uns weytter denn hymel und erden von eynander seyn. Was ist Christus nutz, wenn er nit wirt mit dem glawben besessen? wie mag er aber mit dem glawben besessen werden, wo das Euangelium nit predigt wirt?

 

[Röm. 13, 12] Die nacht ist vorgangen, der tag ist erbey komen.

Das ist eben ßo viel gesagt: als unßer heyll ist nahe ; denn Paulus meynett mit dem tag das Euangelium, wilchs ist eyn tag, der die hertzen odder seelen erleucht, darumb weyll der tag anbrochen ist, so ist unser heyl nahe bey unß, das ist: Christus und seyn gnade, Abrahe vorsprochen, ist itzt auffgangen, gepredigt ynn aller wellt, erleucht alle menschen, weckt uns alle auff vom schlaff, und tzeygt unß die rechten ewigen gutter, das wyr mitt denselbigen sollen tzuschaffen haben und ynn dem tage erbarlich wandelln. Widderumb durch die nacht muß man vorstehen alle lere, die nit das Euangelium ist; denn es ist keyn heylwertige lere außer dem Euangelio. Es ist alles nacht und finsternisse. Und hab achten auff die wortt Pauli, ßo beschreybt er das aller lieblichst und lustigist stuck des tages, Nemlich die liebe froliche morgenrodt und auffgang der ßonnen. Denn morgenrodt ist, wenn die nacht hynn und vergangen, und der tag erbey komen ist, da sehen wyr, das von der morgenrodt alle vogell singen, alle thier sich regen, alle menschen sich erheben, das gleych sihet, als werd die wellt new, und alle ding lebend, wenn der tag anbricht und die morgenrodt daher fehret. Darumb wirt [WA s. 9] ynn der schrifft an vielen ortten die trostlich, froliche lebendige predigt des [Röm. 13, 12] Euangeli der morgenrodt und auffgang der ßonnen vorgleycht tzuweylen mitt figurn, tzuweyllen mitt offentlichen wortten. Als hie Paulus mit klaren wortten [Ps. 110, 3] nennet das Euangelium den anbrechenden tag. Item ßs. 109: Deyne leutt werden seyn die freywilligen yn dem tage deyner krafft, und auß dem uter der morgenrodt wirt geporn werden der taw deyner kinder. Hie nennet er auch klarlich das Euangelium eyn uter der morgenrodt und tag der krafft Christi, darynn wyr tzu kinder Christi empfangen unnd geporn werden als der thaw, das ist: on menschen werck vom hymell und auß gnaden des heyligen geysts.

       Dißen tag macht die aller lieblichst ßonne Jhesus Christus; daher yhn [Mal. 4, 2] nennet Malachias eyne ßonne der gerechtickeyt und spricht .c. 4: Euch, die yhr furchtet meynen namen, soll auffgehen die ßonne der gerechtickeyt und das heyl unter seynen flugelln ; denn alle, die yn Christo glewben, empfahen von yhm die glentz seyner gnade und gerechtickeytt unnd werden selig unter seynen [Ps. 118, 24] flugelln, davon auch ßs. 117. sagt: Ditz ist der tag, den da macht der herr, last uns frolich unnd gutts mutts seyn, als sollt er sagen: den leyplichen tag macht die leyplich ßonne, aber dissen tag macht der herr selbs: Er ist selbs die ßonne, von dem die glentze und der tag, das ist: das Euangelium außgehet, und leuchtet ynn alle wellt, daher nennet er sich auch eyn liecht [Joh. 9, 5, Ps. 19, 2] der wellt Johan. 9.: Ich byn das liecht der wellt. Und ßs. 18. beschreybt er [WA s. 10] auffs aller lieblichst beyde, ßonn und tag, Christum und das Euangelium, unnd spricht: die hymell vorkundigen gottis ehre, das ist: gleych wie die leyplichen hymell bringen die ßonn und den tag, und die ßonn ist ynn den hymeln, alßo bringen und haben ynn sich die Apostelln mit yhrem predigen [Ps. 19, 5 –7] die rechte ßonne Christum &c.. Und folget: Er hatt der ßonnen gesetzt yhr wonung ynn die hymell, unnd sie geht erfur, wie eyn breuttgam auß seyner brauttkamer. Sie frewet sich als eyn hellt tzu lauffen yhren weg, vom auffgang ist yhr außgang unnd yhr ankommen biß tzum nydergang, und ist niemandt, der sich vorbergen muge fur yhrer hitze. Das ist alles von dißem lieblichen anbrechenn des tags,, das ist: vom Euangelio gesagt, wilchs die schrifft hoch uund lieblich preysset, denn es macht auch lebendig, frolich, lustig, tettig, unnd bringt alles gutt mit sich. Darumb es auch heyst Euangelium, das ist: eyn lustige bottschafft.

       Was aber der tag uns offenbare, wer mag das alles ertzelen? alle ding leret er uns, was got sey, was wyr sind, was vorgangen ist, was tzukunfftig ist von hymell, hell, erden, engelln, teuffelln. Da sehen wyr, wye wyr uns ynn dißen allen und gegen allen hallten sollen, woher, wohyn wyr komen. Noch hatt uns der teuffell betrogen, das wyr den tag vorlassen unnd bey den philosophis und heyden die warheytt suchen, die doch nit eyn eyniges stuck von dissem allen gewist haben, und lassen uns mit menschenleren blenden, und wider ynn die nacht furen. Es muß yhe keyn liecht seyn, was dißer tag nit ist. S. Pau.[lus] und alle schrifft wurden sonst nit alleyn dißen tag auffwerffen unnd das ander allis nacht heyssen. Es muß eyne grosse plage gotlichs tzornß seyn, das wyr ßo widder helle klare spruche der schrifft ander nebenliecht suchen, ßo sich der herr selb der wellt liecht und ßonne nennet, und wenn keyn ander wartzeychen were, dabey man erkennen mocht, das die hohen schulen die aller grewlichst des teuffels hurerey und buberey weren, solt yhe das alleyn uberreychlich gnug seyn, das sie ßo gantz und gar unvorschampt Aristotelem eyn nebenliecht auffwerffen und rhumen auch sich mehr ynn [WA s. 11] demselbigen, denn ynn Christo uben, ia, nichts ynn Christo und alleyn ynn Aristotell sich uben.

 

[Röm. 13, 12] Szo last unß ablegen die werck der finsternis, und anlegen die wapen des liechts.

Gleych wye Christus die ßonn, und das Euangelium der tag ist, ßo ist der glawb das liecht oder sehen und wachen an dißem tag. Denn es huelffe nichts, das die ßon scheinet und tag machet, wo die augen nit empfinden das liecht. Darumb ob wol das Euangelium yn aller wellt ist auffgangen und Christum prediget, ßo sind doch nit dadurch erleucht, denn allein die es auffgenommen und durchs liecht des glawbens vom schlaff auffstanden, den schlaffenden aber ist die ßonn unnd der tag unnutz, denn sie haben davon keyn liecht. Sehen eben ßo wenig, als ob keyn ßonn noch tag da were. Das ist nu die [Röm. 13, 11] tzeytt unnd stund, davon er sagt: Lieben brueder, ßo wyr denn nu solchs wissen, das ditz die tzeytt und stund ist aufftzustehen vom schlaff &c.. Eyn geystlich tzeytt unnd stund ists, doch ynn der leyplichen tzeytt auffgangen, unnd noch teglich auffgehen, darynn wyr auffstehen vom schlaff und ablegen sollen die werck der finsternissen &c.. Damit tzeygt an S. Paulus, das er nitt rede tzu den, die noch ym unglawben sind, denn wie gesagt ist, Er leret hie nit [Röm. 13, 12] den glawben, ßondern die werck und frucht des glawbens. Er spricht, sie wissen, das die tzeytt da sey, das die nacht vergangen und der tag erbey komen sey. Ob du aber fragist, was bedurffen dieselbigen solches schreybens? [Röm. 12, 7. 8] Ist droben gesagt, das tzweyerley predigt sind. Eyne, die do lere, die ander, die do treybe und anhallte. Nu kan der mensch ßo viel nymmer wissen, es ist yhm nott, das er vormanet unnd ymmer auff frischer betrachtung behalten werde, des, das er weysß auff das nitt der teuffell, die wellt unnd das fleysch, die unablessige feynde, yhn mude und fawl machen, und tzuletzt entschlaffe [1. Petri 5, 8] und hynlessig werde; denn S. Petrus .1. Pet. 5. spricht, der teuffell sey eyn solcher widdersacher, der da umbher geht wie eyn brulender law, und sucht, ob er yemand mug vorschlingen; darumb spricht er: ßo wachet und seyd nuechternn; das will hie S. Paulus auch, weyl keyn auffhoren ist, am teuffell, [WA s. 12] fleysch und der wellt unß tzu bestreytten, soll auch keyn auffhoren keyn zu [Joh. 14, 16 u. ö.] vormanen, reytzen, treyben, tzum wachen und wirken. Daher auch der heylig geyst heyst paracletus, eyn anreger, der do reytzt unnd anhellt tzum gutten.

       [Röm 13, 12] Auß derselbigen ursach setzt auch S. Paulus seyne wortt gar eben, Nennet die werck der finsterniß nitt wapen, aber die werck des liechts nennet er wapen und nit werck. Warumb das? on zweyffell, zu beweyßen, das es eyn streyt sey, muhe, erbeyt und fahr koste, tzu wachen und gutt leben tzu furen, syntemal solch starck drey feynd, Teuffell, fleysch, wellt, on unterlaß [Hiob 7, 1] tag unnd nacht uns widderstehen. Daher auch Job .7. sagt: Des menschen leben auff erden ist eyn streyt und anfechtung. Nu ists eyn groß ding, on unterlaß das gantz leben ym streytt tzu stehen, darumb es wol nott ist gutter basaunen und heherpaucken, das ist: solcher predigt und vormanungen, die uns stercken und ym streytt manhafftig behalten. Gutt werck sind wapen, boß werck sind nit wapen, ßo fernn wyr yhn nit folgen und sie nit gewynnen [Röm. 6, 13] lassen, sonst sind sie auch wapen, wie er sagt Ro. 6: Ihr sollet ewr glidmaß nit dargeben tzu wapen der unrechtigkeytt, als sollt er sagen: last euch die werck der finsternis nit ubirwinden, das ewr glid wapen werden der unrechtickeyt. Nu ist gnug gesagt, das liecht heysse hie den glawben, der vom tag des Euangelij auß der ßonnen Christo ynn unßer hertz leuchtet; drumb sind die wapen des liechts nichts anders denn die werck des glawbens. Widderumb, finsternis ist der unglawbe, durch abweßen des Euangeli und Christi, auß menschenleren unnd eygener vornunfft vom teuffell regirt; darumb sind die werck der finsterniß, werck des unglawbens. Denn gleych wie Christus eyn herr und regirer ist des liechten glawbens, alßo nennett [Eph. 6, 12] S. Paulus Eph. 6. die teuffell regirer dißer finsternisse, das ist: ubir die unglawbigen, [2. Kor. 4, 3. 4] wie er auch sagt .2. Cor. 4: Ist unßer Euangelium vorporgen, ßo ists nur ynn den vorporgen, die vordampt werden, ynn wilchen, der gott dißer wellt (das ist der teuffell) vorblendet die synne der unglawbigen, das nitt leuchten mag das liecht des Euangeli Christi. Was aber beiderley werck sind, wirt folgen.

[WA s. 13]

 

[Röm. 13, 13] Last uns erbarlich wandelln gleych alls am tage.

Am tage thutt man keyn werck der finsterniß, yderman schemet sich fur dem andernn unnd stellet sich erbarlich. Man spricht: die nacht ist unvorschampt ; das ist auch war, drumb thutt man auch die werck ynn der nacht, der man sich schemet am tage, der tag aber ist schamhafftig und tzwingt tzum erbarlichen wandell. Alßo soll auch eyn Christlich leben geschehen und sich hallten, das alle seyne werck der gestallt seyen, das sie sich nit schewen, ob sie alle wellt sehe. Denn wer alßo lebt und wirckt, das er seyn that nit gern wolt sehen odder horen lassen offentlich fur yderman, der lebet freylich nit [Joh. 3, 20. 21] Christlich; davon sagt Christus Joh. 3: Alle, die da ubell thun, hassen das liecht und komen nit an das liecht, auff das nit gestrafft werden yhre werck. Wer aber thutt die warheyt, der thar an das liecht wol komen, auff das seyne werck offenbar werden, denn sie sind yn gott geschehen. Hirauß sihestu, wie nott solche reytzung vnnd vormanung sey tzu wachen und wapen des liechts. Wie viel sind itzund wol Christen, die da leyden konden, das alle yhre werck an tag kemen? Was ist aber das fur eyn Christlich leben ynn uns gleyßnern? ßo wyr fur den menschen nit mugen unßern wandell bloß leyden, der doch fur gott, seynen engelln und allen creaturn schon bloß ist, und am iungsten tag auch fur yderman muß bloß werden. Darumb soll eyn Christen leben, wie er wolt am iungsten tag unnd fur yderman funden werden. Ephe. 5.: [Eph. 5, 9] Wandellt wie die kinder des liechts. Die frucht des liechts ist eyttel guettickeyt, [Röm. 12, 17] gerechtickeyt und warheytt, und Ro. 12.: Ihr sollt das beste furwenden, nit [2. Kor. 1, 12] alleyn fur gott, ßondern auch fur allen menschen. Item. 2. Cor. 1.: Das ist unßer rhum, das getzeugniß unßers gewissens, das wyr yn eynfeltigem hertzen und gottlicher lautterkeytt, und nit ynn fleychlicher weyßheytt gewandellt haben auff dißer wellt. Aber solch leben wirtt wol ungefurt bleyben, wo der glawbe nit ist. Syntemal der wacker, frisch, manhafftige glawb tzu schaffen gnug hatt, das er bey solchem leben bleybe und nit entschlaff noch mude werde. Darumb als nott des unwissenden ist, das man yhn lere predige, [WA s. 14] als nott ists den wissenden reytzung tzu predigen, das sie nitt abfallen von angefangenem guttem leben, durch widderstreyt des tobenden fleyschs, der listigen wellt und des schalckhafftigen teuffels.

 

[Röm. 13, 13] Nit ynn vollerey und trunckenheytt. Nit ynn fawllentzen und untzucht. Nit ynn hadder und tzangk.

Da ertzelet er die werck der finsterniß mit namen, von wilchen er [1. Thess. 5, 6] droben eynß nennet, den schlaff, wie .1. Thess. 5. geschrieben stett: last uns nit schlaffen wie die andern, ßondern wachen und nuchtern seyn. Nit das er vorpiete den naturlichen schlaff, ßondern den geystlichen, der da ist ym unglawben, auß wilchem solche werck folgen der finsterniß, wie wol auch der naturlich schlaff eyn werck der finsterniß ist, wenn er geschicht tzur lust und auß ubriger vollerey tzur hynderniß des liechts und seyner wapen. [Gal. 5, 19 –21] Dieße sechß werck der finsterniß begreyffen ynn sich alle andere; denn Gala. 5. [Kol. 3, 5 –9] Col. 3. ertzelet er derselbigen viell mehr. Unnd wyr wollen sie auch kurtzlich teyllen auff tzwo seytten, tzur rechten unnd tzur lincken. Auff der rechten seytten streytten die viere: vollerey, trunckenheytt, fawllen tzen und untzucht Auff der lincken seytten: hadder unnd tzanck. Denn ynn der schrifft bedeutt die lincke seytte widderwertickeytt und was auß widderwertickeyt kompt, als da ist: tzorn, hadder &c. Die rechte seytte bedeutt die gluckselickeytt und was auß gluckselickeytt folgett, als: wollust, fressen, sauffen, schlaffen. Szo ists gewiß, das Sanct Paulus unter den tzweyen wercken der finsternisse hadder und tzanck will alle dergleychen begriffen haben, als da sind, die er Ephe. 4. [Eph. 4, 31] alßo ertzelet; Alle bitterkeyt, tzorn, unwillen, geschrey, lesterung, sey ferne von [Gal. 5, 20] euch. Unnd Gal. 5.: Die werck des fleyschs sind feyndschafft, tzanck, hadder, tzornn, krieg, tzwitracht, secten, hasß, todtschlege &c.. unnd kurtzlich alles, was auß tzornn, mit wortten und wercken boßes mag geschehen, das nitt alles tzu tzelen ist. Alßo unter den vier stucken fressenn unnd sauffen, fawlentzen und geyllen, begreyfft er alle die laster der unkeuscheytt ynn wortten unnd wercken, wilche auch niemandt alle mag ertzelen, das kurtzlich durch diße sechs ertzelete [WA s. 15] werck vorstanden werde, wie der mensch sich nit reyn gegen sich selb und nitt recht gegen seynen nehistenn hellt, der unter der finsterniß ym unglawbenn lebt. Unordenlich ist all seyn weßen gegen sich und seynen nehisten, weytter gloßen durffen die wort tzwar nitt. Es weyß yhe yderman wol, was da sey fressen und sauffen odder ubir esßen und ubir trinckenn, mehr nach lust denn nach nottdurff. Item, was da sey fawlentzen ym bett und kamern und geyll untzuchtig seyn, das ist: des fleyschs wollust und kutzel suchen mit lang schlaffen, mit fawlen luntzen, mit allerley untzucht und schandparkeyt, ßo ynn den betten von den satten, mussigen, schleffrigen, fawlen geschehen, es sey des tags odder nachts, ym bett odder anderßwo, alleyn odder selbander. Wilche untugent allesampt auch die naturliche finsternisse und heymliche stette suchen, und S. Paulus sie alle durch die kamer unnd untzucht meldet. Alßo was tzanck und hadder sey, mit seynes gleychen ist auch yderman wol bewust.

 

[Röm. 13, 14] Sondern tzihet an den herren Jhesum Christum.

Hie tzeygt er kurtzlich auff eynen hawffen alle wapen des liechts, ynn dem, das er vormanet, uns ynn Christum tzu kleyden. Christus wirt auff tzwo weyße angetzogen: Eyn mal, das wyr uns ynn seyne eygen tugent kleyden, das geschicht durch den glawben, der sich vorlessit darauff, das Christus fur yhn gestorben ist und alle ding fur yhn gethan hat. Denn nit unßere, ßondern Christus gerechtickeyt hatt uns gott vorsunett unnd von sunden erloßet. Diße weyße gehortt dahynn, wenn man vom glawben leret, unnd auff die weyße ist Christus uns tzur gabe und pfand geben. Das ander mal ist er unßer exempell und furbild, das wyr yhm sollen folgen und yhm gleych werden, eben ynn der tugent kleyd gehen, da er ynnen gehet. Davon sagt [1. Kor. 15, 49] hie S. Paulus, das wyr Christum sollen antzihen. Item .1. Cor. 15: Wie wyr tragen haben das bild des ersten yrdischen menschen, alßo last uns auch [Eph. 4, 22 –24] nu tragen das bild des hymlischen menschen, und Eph. 4: Legt abe den alten wandell nach dem alten menschen, der do vorweßet durch yrrige begirden, und werdet new, ym geyst ewriß gemuttis. Zihet an den newen menschenn, der [WA s. 16] nach gott geschaffen ist, ynn warhafftiger gerechtickeytt und heylickeytt. Nu sehen wyr ynn Christo nit anders denn eyttel wapen des liechts ; da ist keyn fressen und sauffen, ßondern fasten, messickeyt und casteyung des fleyschs mit erbeyt, wandeln, predigen, beten, unnd den leutten wolthun; da ist keyn fawlen, schlaffen und untzucht, ßondern eyttell tzucht, reynickeyt unnd keuscheyt, wachen, auffstehen, auff dem felld schlaffen, widder hawß noch kamer noch bett haben. Da ist keyn tzorn, tzanck, hadder, ßondern eyttel guette, sussickeytt, senfftmutickeyt, liebe, barmhertzickeytt, gedullt &c.. Darumb das hie Paulus mit kurtzen wortten Christum tzum exempell setzt, das sagt er mit andern wortten [Kol. 3, 12 –15] Col. 3. alßo: Zihet an als die außerweleten, heyli-[Bl.C.1]gen und geliebten gottis die barmhertzige art, die guttickeytt, demut, messickeytt, gedult, das eyner dem andern tzu gutt halt, und vorgebt unternander, ßo yemandt hatt ettwas wider den andern zu klagen, gleych wie euch gott vorgeben hatt, alßo yhr; auch fur allenn dingen aber habet die liebe, wilche do ist eyn band der volkomenheytt, und der fride Christi behalte den sieg ynn ewren hertzen, tzu wilchem yhr auch seytt beruffen, ynn eynen leyb, und seytt danckpar. Item [Phil. 2, 1. 2. 5 –7] Philipp. 2. Da er yhm befolhen hatte, das sie die liebe unternander hetten, eyns dem andern dienete und knecht wurde, gibt er desselbigen Christum auch tzum exempel, der uns ein knecht ist worden, und spricht; Findet euch alßo bey euch, wie yhrß sehet ynn Christo, wilcher, da er war yn dem gotlichen geperde, ließ er sich nit duncken, er hetts gerawbt gotte gleych tzu seyn, ßondernn hatt sich desselbigen selbs geeußert und an sich genommen eyn knechtisch geperde, ist worden gleych andern menschen, unnd ynn allen geperden erfunden wie eyn mensch.

       Szo ist nu summa summarum: das wapen des liechts sind die gutten werck gegen das fressen, sauffen, geylen und fawlen, tzancken und haddern, als da sind: fasten, wachen, beten, erbeytten, hunger, durst, frost, hitz leyden, seusch, tzuchtig, messig, guttig sein; und das ich nit meyne wort fure, last uns [Gal. 5, 22] S. Paulus selbs horen wie er sie tzelett Gala. 5: Die frucht des geysts sind liebe, freud, frid, gedullt, gutickeytt, wollthettigkeytt, glawb, senfftmutickeyt, [WA s. 17] [2 Kor. 6, 1 –10 (Jes. 49, 8)] keuscheyt. Aber noch viel reycher ertzelet er sie 2. Cor. 6: Wyr bitten euch, das yhr die gnade gottis nitt vorgebens empfahet; denn er spricht: Ich hab dich erhorett ynn der angenehme tzeytt, und ynn dem tage der selickeytt hab ich dyr geholffen. Nehmet war: itzt ist die angenehme tzeytt, itzt ist der tag der selickeyt, (als solt er sagen: unßer heyl ist nu neher, denn da wyr glewbten, und ist hie tzeyt vom schlaff aufftzustehen) last uns niemandt ergerniß geben, auff das unßer ampt nitt werde verheyssen, sondern last uns ynn allenn dingen ertzeygen als die diener gottis, ynn viel gedult, leyden unnd engsten, ynn notdurfften, ynn schlegen, ynn kerkern, yn auffruren, yn erbeyt, ynn wachen, ynn fasten, ynn reynickeyt, ynn wissenschafft, ynn langmuttigkeyt, ynn suffickeyt, ym geyst, der doy heylig sey, ynn unertichter liebe ynn predigen das wortt der warheytt, ynn der krafft gottis, durch die wapen der gerechtickeyt, tzur rechten und lincken seytten, durch ehre unnd schand, durch gutt gerucht und boeß gerucht, alß die vorfurer unnd doch warhafftig, alß die unbekanten und doch bekant, alß die da sterbenn und doch leben, alß die gestrafften unnd doch nit getodteten, alß die betruebten und doch alltzeyt froelich, alß die durfftigen, und doch viel reych machen, alß die da nichts haben, unnd doch alle ding besitzen. Sihe, wilch eyn reycher guldener strom gehet auß dem mund S. Pauli; da sihestu yhe ubirschwencklich gnug, wilchs die wapen des liechts sind tzur lincken und rechten seyten, das heysset Jhesum Christum redlich antzihen.

       [Röm. 13, 14] Aber das ist gar feyn ynn dißer Epistel, das er das hohist exempel furhellt, den herrnn selbs, und spricht: tzihet an den hernn; das reytzet gar fast, denn es muß eyn schellm seyn, der seynen herrnn sihet fasten unnd hunger leyden, erbeyten, wachen unnd muede werden, und er wollt schlemmen und temmen, schlaffen, fawlentzen und ynn wollust leben. Wilcher herr kund das von seynem knecht leyden? oder wilcher knecht durfft sich des unterwinden? [WA s. 18] Es mag yhe nit seyn, der mensch musse sich schemen, wenn er Christum ansihet, und sich ßo gar ungleych gegen yhm ym widderspiel findet. Wer nit von Christus eygem exempel erwarmbt, ermannet unnd gereytzt wirtt, wer will denselbigen reytzen und auffbringen?3 Was solltenn die bletter unnd wort mit yhrem rauschen außrichten, wenn diße donnerschleg von Christus exempel nit bewegen?4 Darumb hatt Paulus ßonderlich das wortt “den Herrn” datzu than und gesagt: tzihet an den herrn Jhesum Christum, alß sollt er sagen: lasts euch nit viel und groß duncken, die yhr knechte seyd, sehet ewrnn herrnn an, der selbs auch alßo thutt, und ist doch nit schuldig.

 

[Röm. 13, 14] Und thutt nit was das fleysch sucht tzur lust.

Czwo sorge odder gesuch des fleyschs berurtt hie S. Paulus mit kurtzen wortten. Die erst ist naturlich, das der leyb mit speyß und kleyd tzur noddurfft vorsorgt werde, das er leben und wircken muege, auff das er nit durch tzu viel abbrechen kranck und tzum werck unnutz werde. Die andere ist sundlich, wenn man seyn warttet nach seynen lusten und begirden ; diße vorpeut hie S. Paulus, denn da werden werck der finsterniß auß, denn das fleysch ist alßo tzu casteyen, das es diene unnd unterthan sey dem geyst und den herrn nit auß dem satel werffe widderumb auch alßo, das es gehen [Sir. 33, 25] unnd den herrnn tragen kunde. Ecclesiasticus .33. spricht: Eyn sack, futter unnd rutte ist dem Esell nott, speyß, straff und erbeyt dem knecht. Spricht nit, das du den esell sollt schinden odder lemen, auch nit den knecht wurgen odder fangen legen; alßo dem leyb gepurtt seyne tzucht unnd erbeytt und seyne [1. Kor. 9, 27] noddurfft. Und er selb Paulus spricht: Ich castey meynen leyb und bring yhn unter tzu dienste, spricht nit: Ich bring yhn ynn kranckheytt odder todt, ßondernn, das er unterthan dem geyst dienen musse.

[WA s. 19]

       Dißen tzusatz hatt .S. Paulus umb tzweyerley menschen than. Die ersten, die unter dem scheyn naturlicher noddurfft die lust bussen und decken, und das ist ßo leychtlich tzuvorsehen, das viel heyligen druber klagen und demselbigen tzuwidder offt yhrem leybe tzu viel than haben; die natur ist ßo listig und schalckhafftig auff yhre gesuch und lust, das yhr niemant gnugsam weren kan, und der mensch hie mit sorgen und unsicher wandelln muß. Die andernn sind blinde heyligen, die da meynen, gottis reych und seyne gerechtickeytt stehe auff essen unnd trincken, kleyden, ligen, das sie erwelen, sehen nit weytter denn ynn das werck, unnd achtenn, wenn sie alßo fasten, das der kopff toll wirtt odder der magen vordirbt, odder ßonst der leyb abnympt, ßo haben sie [1. Kor. 8, 8] yhm wolthan; davon sagt Paulus .1. Cor. 8: Essen und trincken macht uns fur gott nit angenehm, Essen wyr, ßo werden wyr davon nitt ubrig haben, [Kol. 2, 18. 23] Essen wyr nit, ßo werden wyr davon nitt geprechen haben. Item Col. 2: Hutt euch fur den englischen geystlickeytten, die da haben eyn scheyn der weyßheyt, yn demut und abglawben, darynnen sie nit schonen des leybs und geben yhm nit seyn gepuer, die yhm nott ist zurhalten seyn fleysch. Es lobet Gerson die Carthuser, das sie nit fleysch essen, auch yn der kranckheyt, ob sie drob solten sterben. Szo ist der groß man betrogen worden von der abglewbischen, englischen geystlickeyt; wie aber, wenn sie gott fur morder wirt richten yhrs eygen leybs? Es mag yhe keyn orden, statut oder gelubd gescheben wider gottis gepott, unnd obs geschehe, ßo gillts nit, alß wenig alß wenn du gelobtist, deyne ehe zu brechen. Nu hatt yhe gott hie durch .S. Paulum vorpotten solch [WA s. 20] mord ubir eygen leybe, und man schuldig ist dem fleysch seyne noddurfft, es sey, weynn, fleysch, eyer, unnd was er wolle, es sey auch auff freytag odder sontag, ynn der fasten oder nach den osternn unangesehen aller orden satzung unnd gelubde, auch des Bapsts; widder gottis gepott hilfft keyn vorpieten, ob es schon alle engel thetten.

       Aber solche elende torheyt folget auß der finsterniß unnd blindheytt, das sie die werck ynn sich selb ansehen, alß wollten sie durch grosse und menge [Röm. 13, 12] der werck selig werden. Sanct Paulus will wapen des liechts drauß machen und datzu brauchen, das die werck der finsterniß werden ubirwunden, ßo fernn und nit weytter soll man des fastens, wachens, erbeyttens brauchen. Darumb fur gott ligt gar nichts dran, ob du fisch oder fleysch essist, waffer odder weyn trinckist, rod odder gruen tregist, ditz odder das thuist. Es sind alles gottis gute creatur, geschaffen datzu; das man yhr brauchen soll; darauff solltu nur sehen, das du hyrynnen messig seyest unnd ßo viel abbrech ist, alß dyr nott ist den werckenn der finsterniß widder tzustreben. Darumb ists unmuglich, das man eyn gemeyn maß dißes abbrechens setzen muege ; denn alle leybe sind nit gleich, einer darffs mehr, der ander weniger, eyn iglicher muß selb achten [Röm. 13, 14] auff sich haben und seynen leyb regirn nach dißem spruch Pauli: die sorge oder gesuch des fleyschs thut nit tzur lust ; were ein ander maß tzusetzen geweßen, S. Paulus wurdiß hie nit gelassen haben. Auß dem sihestu, das die geystlichen satzung, die da fleysch tzu essen stracks hyn vorpieten, widder das [1. Tim. 4, 1 –3] Euangelium sind, und durch Paulum 1. Tim. .4. vorkundigt, da er sagt: Der geyst sagt offinbarlich, das ynn den letzten tagen werden ettliche vom glawben weychen und tzutretten den leren der teuffell, die do luegen leren ynn heuchlerey, vorpieten die ehe, unnd speyße, ßo gott geschaffen hatt tzu brauchen mit dancksagung ; das diße wort auff die orden der geystlichen und stend der priester, mag niemant leucken, die wort sind klar, ßo ist yhr weßen offinbar.

[WA s. 21]

       Auch sihestu hie, das .S. Paulus nit leret die tolle andacht ettlicher weybischer heylickeytt, die yhn ßonderlich tag zu fasten erwelen, eyner dißem heyligen, der ander dem heyligen; das sind alles blinde genge und auff die werck gepawen gutter. Es soll on unterscheyd der tage und spreyße das [Röm. 13, 12] gantz leben messig und nuechternn seyn. Denn ßo es wapen des liechts seyn sollen, und das gantz leben keusch und reyn seyn soll, muessen wyr die wapen uymer ablegen, ßondern ymerdar nuchtern, messig, wachend, erbeytend, betend &c.. erfunden werden. Aber die tollen heyligen fasten eynen tag tzu wasser und brott, sauffen und fressen sich darnach eyn viertel iars alle tag voll unnd toll. Ettlich fasten auch, das sie nit essen am abend, sauffen sich aber satt. Und wer mag alle die warheytt und werck dißer finsterniß ertzelen, wilche alle daher komen, das man nur das werck, nit den brauch des wercks ansihet, machen auß dem harnsch eyn spiegel, wissen nit, wotzu sie fasten odder abbrechen, gleych alß der eyn schwert nur darumb tregt, das erß ansehe und brauch seyn nit, wenn er geschlagen wirt. Das sey von der Episterl gnug.

 

 

 

 

Das Euangelium am ersten sontag des Advents [Matth. 21, 1–9] Matthei xxi.

 

1522[WA s. 21]

Da sie gen Hierusalem genahet haben, und sind komen gen Bethphage an dem oeleberg, do sandte Jhesus zween auß seynen Jungern und sagte tzu yhn, Gehet hyn ynn das dorff, das widder euch ist, und alßbald werdet yhr finden eyne Esellynne angepunden unnd eyn fullen mit yhr, loeßet sie auff und bringt myr sie, und ßo euch yemand wirtt ettwas sagen, ßo sprecht, yhr herre bedarff yhr, ßo wirt er sie bald lassen; das ist aber alles geschehen, auff das erfullet wurde das durch den propheten ist gesprochenn: Saget der tochter Zion, Nym war, deyn koenig kompt dyr sanfftmuetig, und reyttet auff eyner Esselynn unnd eynem sullen, dem ßon der erbeyttesellynn. Die Junger giengen hyn unnd thetten wie yhn Jhesus hatte befolhen, und brachten die eselynn und das fullen, und legten auff sie yhre kleyder, und setzten yhn drauff. Aber [WA s. 22] die grosse menge des volcks breytten yhre kleyder ynn den weg, Etlich aber hywen tzweyge von den bawmen und straweten sie yn den weg, Das volck aber, das vorgieng und nachfolget, schrey und sprach: Gib doch heyll dißem ßon David. Gebenedeyett sey der da kompt ynn dem namen des herrenn. Gib doch heyl ynn dem aller hohisten.

       Droben ynn der vorrhede, hab ich gesagt, das ynn den Euangelien tzwey ding antzusehen unnd tzu mercken sind. Zum erstenn, die werck Christi uns tzur gabe unnd gutt geschenckt, daran der glawbe sich hengen unnd uben soll. Zum andernn, dieselbigen werck als tzu eynem exempell und furbild dargethan, den wyr folgen und gleych werden sollen. Alßo das alle Euangelia tzum ersten tzum den glawben unnd darnach die werck leren, erkandt werden; darumb wollen wyr das Euangelium ynn drey stuck teylen: Zum ersten den glawben, tzum andern die gutte werck, tzum dritten geystlich bedeuttung ynn dißer geschicht Christi lernen.

 

Zum ersten, vom glawben.

Ditz Euangelium reytzet und foddert ßonderlich den glawben, denn es Christum furbildet ynn gnediger tzukunfft, den ßonst niemant mag empfahen noch auffnehmen, er glewbe denn, das er der man sey und der meynung komme, wie yhn ditz Euangeliom furhellt. Es ist eyttell gnade, senffte unnd gutte alles, was hie ynn Christo tzeygt wirtt, vnnd wer, unnd wer das an yhm glewbt und yhn dafur hellt, der ist selig. Da sihe tzu : Er reyttet nit auff eynem hengst, das ehn kriegisch thier ist, kompt nit yn schrecklicher pracht und gewalt, ßondern sitzt auff eynem Esell, wilchs da ist eyn unstreyttig thier, nur tzur last und erbyt bereyt dem menschen tzu helffen, das er antzeyge, wie er komme, den menschen nitt tzu schrecken noch tzu treyben oddcr unterdrucken, ßondern tzu helffen, seyne last tragen unnd auff sich nehmen. Und wiewol des lands sitten ist alltzeytt geweßen auff eselln tzu reytten unnd die pferd tzum [WA s. 23] krieg brauchen, wie die schrifft das viel mal meldet, ßo ists doch alles darumb tzu thun, das dißes koniges eynreytten senfft und guttig wurde erkandt. Zum andern fehet er an tzu reytten und komen an dem olberg tzu beweyßen, das er nur auß unnd mit lautter barmhertzickeytt kompt; denn ole ynn der schrifft bedeutt gottis gnade, die da lindert und geschickt macht die seele, wie das ole lindert unnd hilfft dem leybe naturlich. Zum dritten ist da keyn harnsch, keyn kriegsgeschrey, ßondernn eyttell singen, loben, frolich seyn unnd gott gebenedeyen. [Lue. 19, 41. 42] Zum vierden, Christus, wie Lucas schreybt, weynet ubir die statt Hierusalem, das sie solch gnade nit erkennet noch auffnympt, ßo gar leyd ist yhm yhr schade, schweng das er solt mit yhn streng u