Das
fünffte, sechste und siebend Capitel
S.
Matthei gepredigt und ausgelegt. 1532

Während Bugenhagens Abwesenheit von
Wittenberg predigte Luther für ihn über Matthäus 5-7. Er fing November 9, 1530
an. Diese Predigten wurden dann, zuerst 1532, in Wittenberg veröffentlicht.
WA 32, 299-544
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Jch habe fast gern
gesehen, das diese meine predigt uber die drey Capitel S. Matthei, welche S.
Augustin nennet ‘des HERRN predigt auff dem berge’ ausgehen, Ob Gott wolt seine
gnade dazu verleyhen, das solche lere Christi moecht jm rechtem gewissen
Christlichen verstand bleiben und erhalten werden, weil es so gar gemeine
sprueche und text sind, durch die gantzen Christenheit gewaltiglich getrieben
und geuebt. Denn ich nicht zweivele, ich
hab den meinen, und wer es begerd, den rechten lautern Christlichen verstand
hierinn furgelegt. Und kan nicht wissen, wie der leide Teuffel sonderlich
das funfft Capitel durch seine Apostel so meisterlich verdrehet und verkeret
hat, das er eben das widerspiel draus gemacht, Und gleich wie Christus fursetziglich
darinnen hat wollen aller falschen lere begegenen und den rechten synn der
gebot Gottes eroeffenen, wie er bedinget und spricht ‘Jch bin nicht komen das
Gesetz auff zu loesen’ und nimpts dazu von stuck zu stuck und wills ja klar und
gewis gnug machen. Noch hat der hellisch
Satan keinen text jnn der schrifft funden, den er schendlicher verkeret und
mehr jrthumb und falscher lere draus gemacht hat, denn eben diesen, der
dazu geordent und gestellet ist von Christo selbs, das er solt falsche lere
verkomen: Das heist ein meister stuck des Teuffels.
Als erstlich sind jnn dis funfft Capitel gefallen die groben
sewe und esel, Juristen und Sophisten, des Bapst Esels rechte hand und seine
Mammo Luchen, die haben aus dieser schonen rosen solche gifft gesogen und jnn
alle wellt gestrewet, da mit Christum verschorren und den Endechrift erhebt und
erhalten, nemlich das Christus hie nicht
von seinen Christen alles geboten [s. 300] noch gehalten wolle haben, was er jm funfften Capitel leret,
sondern habe viel stuck allein geraten
denen so volkomen sein wollen, und moege sie halten wer do wolle,
unangesehen das Christus daselbs zorniglich drewet, sie sollen jm hymel nichts
sein wer der geringsten solcher geboten eines aufloeset, und nennets mit
duerren worten Gebote. Daher haben sie die zwelff Consilia Euangelij ertichtet, zwelff
guter rat jm Euangelio, die man halten muege wer da wolle, so er etwas fur
und uber andern Christen hoehers und volkomers sein wil, haben also nicht
allein ausser dem glauben jnn das werck Christliche seligkeit ja auch die
volkomenheit gesetzt, sondern auch die selben werck frey gemacht. Das heist
mein ich recht und fein Gute werck verbieten, welchs sie uns schuld geben, die
groben Esel unnd lesterer.
Denn sie koennen solchs nicht leugnen und hilfft sie kein
decken noch putzen, so lange dis funfft Capitel Matthei bleibt. Denn jre
buecher und glosen sind furhanden, dazu jr altes und noch teglichs
unbusfertiges leben, das sie furen nach solcher jrer lere. Und ist gar gemein
bey jn die lere von den zwelff Consilijs Euangelicis, Als da sind Nicht boeses
vergelten, nicht rechen, den andern backen darbieten, dem ubel nicht
widderstehen, den mantell zum rock lassen, zwo meil fur eine gehen, Geben allem
der bittet, Leyhen dem der abborget, Bitten fur die verfolger, Lieben die
feinde, Wolthun den Hessern &c.. wie Christus hie leret. Solchs alles
(speyen sie) sey nicht geboten. Und die Esele zu Paris geben redliche ursach,
sagen, Es were der Christlichen lere viel
zu schwere, wo sie solt damit beladen sein &c.. Also haben die Juristen
und Sophisten die Kirche regirt und gelert bis her, das Christus hat mit seiner
lere und auslegung jr narr und geuckler mussen sein, Und thun dazu noch keine
busse da fur, sondern woltens noch gerne verteydigen und jre verfluchte schebichte
Canones gern widder auff werffen und jren BapstEsel widder kroenen. Gott gebe
aber, das ich leben und spangen und eddelstein zu solcher kron geben muesse, so
sol der Esel ob Gott will recht gekroenet heissen.
Darumb las dir Lieber bruder, so du wilt unnd nicht bessers
hast, diese meine predigt dienen zum ersten widder unser junckern die Juristen
und Sophisten, Jch meine sonderlich die Canonisten, welche sie selbs zwar Esel heissen
als sie denn auch sind, auff das du fur jrer Esels kunst und Teuffels mist die
lere Christi rein bey dir behaltest an diesem ort Matthei, Zum andern auch
widder die newen Juristen und Sophisten, nemlich die Rottengeister und widderteuffer, Welche auch auffs newe aus
jrem tollen kopff das hertzeleid anrichten jnn diesem funfften Capitel; und
gleich wie jene zu seer auff die lincken
seiten gefallen nichts uber all von dieser lere Christi gehalten, sondern verdampt
und vertilget haben, Also fallen diese zu seer auff die rechten seiten [s. 301] und leren, man solle nichts eigens haben,
nicht schweren, nicht Oberkeit noch gericht halten, Nicht schuetzen noch
verteidigen, Von weib und kind lauffen und des jamers viel. Also blawet und
brawets der Teuffel auff beiden teilen unternander, das sie kein unterschied wissen zwischen weltlichem und Goettlichem reich,
viel weniger was unterschiedlich jnn ein jglich Reich gebuert zu leren und zu
thun, Welche wir Gott lob rhumen konnen, das wirs jnn diesen predigten klerlich
und vleissiglich haben angezeigt und ausgestrichen, das wer forthin jrret odder
jrren wil, wir seinethalben entschuldigt sind, als die wir das unser treulich
haben zu eines jglichen besten dargethan; jr blut sey auff jrem kopffe, Den
lohn dafur wollen wir gewarten, nemlich undanck hass und allerley feindschafft,
und sagen Deo gratias.
Weil wir denn erfaren und wissen durch solch grewliche
exempel beide Bepstlicher und Rottischer Juristen, was der Teuffel jm sinn hat
und sonderlich dis funfft Capitel S. Matthei zu verkeren und die reine
Christliche lere damit zu vertilgen gedenckt, So sey gebeten und vermanet ein
jglicher prediger odder pfarherr, das er trewlich und vleissig da widder jnn
seinem befolhen heuflin wache und den rechten verstand helffe erhalten. Denn so
lange der Teuffel lebt und die welt stehet, wird er nicht auff hoeren dis Capitel
anzufechten, denn jm ist dran gelegen, das er die gute werck da durch gantz
unterdrucke, wie unter dem Bapstumb geschehen, odder falsche gute werck und
ertichte heiligkeit anrichte, wie er jtzt durch die newen Monche odder Rottengeister
angefangen hat. Und wenn schon beide Bepstische und Rottische Juristen und
Monche untergiengen, so wurde er doch aber andere finden und auffwecken, Denn
er mus solch gesinde haben, Und ist sein Reich von anfang der welt her durch
Moenche regirt; ob sie wol nicht Moenche geheissen haben, so ist doch jr lere
und leben Moenchisch, das ist ein anders und sonderlichs oder bessers denn Gott
geboten hat gewest, wie bey dem volck Jsrael die Baaliten, Camarim und der
gleichen, Bey den Heiden die Galli und Vestales &c.. waren. Darumb konnen
wir nicht sicher fur jm sein, denn aus diesem funfften Capitel sind auch des
Bapsts Moenche komen als die einen volkomen stand fur andern Christen fur sich
namen, welchen sie auff dis Capitel grundeten, und haben doch dran gehalten,
das sie vol geitzs, hoffart und zuletzt vol aller Teuffel worden sind. Christus
unser lieber Herr und Meister, der uns den rechten sinn auffgethan hat, wolt
uns den selbigen mehren unnd stercken, dazu helffen, das wir auch darnach leben
und thun. Dem sey lob und danck sampt dem Vater und Heiligen geist jnn ewigkeit
Amen.
[s. 302]
Da er aber das volk
sahe, gieng er auff einen berg und satzte sich und seine juenger tratten zu jm.
Und er that seinen mund auff, leret sie und sprach: Selig sind die da geistlich
arm sind, denn das himelreich ist jre, Selig sind die da leide tragen, denn sie
sollen getroest werden, Selig sind die senfftmuetigen, denn sie werden das erdreich
besitzen, Selig sind die da hungert und duerstet nach der gerechtigkeit, denn
sie sollen sat werden, Selig sind die barmhertzigen, denn sie werden
barmhertzigkeit erlangen, Selig sind die reines hertzen sind, denn sie werden
Gott schawen, Selig sind die friedfertigen, denn sie werden Gottes kinder
heissen, Selig sind die umb gerechtigkeit willen verfolget werden, denn das
himelreich ist jre, Selig seid jr, wenn euch die menschen umb meinen willen schmehen
und verfolgen und reden allerley ubels widder euch, so sie daran liegen. Seid
froelich und getrost, Es wird euch jm himel wol belonet werden, Denn also haben
sie verfolget die Propheten die vor euch gewesen sind &c..
Da machet der Euangelist eine vorrede und gepreng, wie sich
Christus gestellet habe zu der predigt die er thun wolt, das er auff einen berg
gehet und sich setzet und seinen mund auffthut, das man sihet es sey sein
ernst. Denn das sind die drey stuck, wie man sagt, so zu einem guten prediger gehoren:
zum ersten das er aufftrette, zum andern das er das maul auffthu und etwas sage,
zum dritten das er auch konne auffhoren. Aufftretten ist, das er sich stelle
als ein meister odder prediger der es kan und thun sol, als dazu beruffen und
nicht von jhm selbs komet, sondern dem es geburet aus pflicht und gehorsam, das
er sagen muege: jch kome nicht getrolt aus eigenem furnemen und gutduncken,
sondern mus es thun von ampts wegen. Das ist widder die gesagt die uns bisher
und noch so viel plag und marter anlegen, die rottenbuben und schwermer, so hin
und widder jnn landen jrr lauffen und streichen, vergifften die leut, ehe es
pfarrer und die jm ampt odder oberkeit sitzen erfaren, und so ein haus nach dem
andern beschmeissen, bis sie ein gantze stad darnach aus der stat ein gantz
land vergifften.
[s. 303] Solchen schleichern und streichern zu weren, solt
man schlecht nicht zulassen jemand zu predigen dem es nicht befolen und das
ampt auffgelegt ist, Auch niemand sich unterstehen, ob er schon ein prediger
ist, wo er einen lugenprediger horet jnn einer papistischen odder andern
kirchen, der die leute verfuret, widder jn zupredigen, Auch nicht hin und
widder jnn die heusser schleichen und sonderliche winckel predigt anrichten,
sondern daheim bleiben und seines ampts odder predigstuls warten odder still
schweigen, wo er nicht wil odder kan offentlich auff die Canzel treten. Denn
Gott wil nicht das man mit seinem wort jrre lauffe, als treibe jemand der
heilige geist und musse predigen, und also stete und winckel heusser odder
predigstuele sueche, da er kein ampt hat; Denn auch S. Paulus selbs nich wolte,
ob er wol zu einem Apostel von Gott beruffen war, an den orten predigen, da die
andern Apostel vorhin gepredigt hatten. Darumb stehet hie, das Christus frey
offentlich auff den berg gehet, als er sein predigampt anfehet. Und bald
hernach [Matth. 5, 14] spricht er zu den jungern: Jr seid das liecht der welt,
und man zundet kein licht an und steckets unter einen scheffel, sondern setzets
auff einen leuchter, das es leuchte allen die jm hause sind. Denn das
predigampt und Gottes wort sol daher leuchten wie die sonne, nicht jm tunckeln
schleichen und meuchling, wie man der blinden kuee spielet, sondern frey am
tage handeln und jm wol lassen unter die augen sehen, das beide prediger und
zuhorer des gewis seyen, das es recht geleret und das ampt befolen sey, das sie
es kein heel haben durffe. So thu du auch; wenn du jm ampt bist und befehl hast
zu predigen, so tritt frey offentlich erfur und schewe niemand, auff das du
konnest rhumen mit Christo: Jch habe frey offentlich gelert fur der wellt und
habe [Joh. 18, 20] nichts jm winckel gered &c.. Joh. 18.
Sprichstu aber Wie? sol denn niemand nichts leren, es
geschehe denn offentlich, odder solt ein hausvater jm seim haus sein gesind
nicht leren odder einen schuler odder andern bey sich halten der jn furlese?
Antwort: Trawn ia, das ist auch wolgethan, dazu ein rechter rawm und stedt
dazu, Denn ein iglicher hausvater ist schuldig, das er sein kind und gesind
ziehe und lere odder leren lasse, Denn er ist in seinem hause als ein pfarrer
odder bisschoff uber sein gesind, und ist jhm befolen das er drauff sehe was
sie lernen, und fur sie antworte. Aber das gilt nicht, das du solchs ausser
deinem haus thun wollest und dich von dir selb jnn ander heusser odder zu
nachbarn eindringen, solt auch nicht leiden, das jrgent ein schleicher zu dir
kome und jm deinem haus ein sonderlichs mache mit predigen das jm nicht befolen
ist. Kompt aber einer jnn ein haus odder stad, so heis man jn zeugnis bringen, das
er bekand sey odder sigel und briff zeigen, das ers befelh habe. Denn man mus
nicht allen streichern glewben, die sich des heiligen geists rhumen [s. 304] und
sich damit hin und her jnn die heusser drehen. Kurtz Es heisset, das Euangelium
odder predigampt sol nicht jm winckel, sondern hoch empor auffm berg und frey
offentlich am liecht sich lassen horen. Das jst eines das hie Mattheus wil
anzeigen.
Das ander ist, das er seinen mund auffthut. Das gehoret (wie
gesagt) auch zu einem prediger, das er nicht das maul zuhalte und nicht allein
offentlich das ampt fure, das jderman schweigen musse und jhn aufftreten lasse als
den der Gottlich recht und befelh hat, sondern auch das maul frisch und getrost
auffthue, das ist die warheit und was jm befolen jst zupredigen, nicht schweige
noch mummele, sondern on schew und unerschrocken bekenne und durre eraus sage,
niemand angesehen noch geschonet, es treffe wen odder was es wolle. Denn das
hindert einen prediger gar seer, wenn er sich wil umbsehen und sich damit
bekomern, was man gerne hoeret odder nicht odder was jm ungunst, schaden odder
fahr bringen mochte, sondern wie er hoch auff dem berg an einem offentlichen
ort stehet und frey umb sich sihet, so sol er auch frey reden und niemand
schewen, ob er gleich mancherley leute und koepffe sihet, und kein blat furs
maul nemen, wedder gnedige noch zornige herrn und jungherrn, wedder gelt,
reichtum, ehr, gewalt noch schand, armut, schaden ansehen und nicht weiter
dencken, denn das er rede was sein ampt foddert, darumb er da stehet.
Denn Christus hat das predig ampt nicht dazu gestifftet und
eingesetzt, das es diene gelt gut gonst ehre freundschafft zu erwerben odder
sein vorteil damit zusuchen, sondern das man die warheit frey offentlich an tag
stelle, das boese straffe und sage was zur selen nutz heil und selickeit
gehoret &c.. Denn Gottes wort ist nicht darumb hie, das es lere wie ein
magd odder knecht jm haus erbeiten sol und sein brod verdienen odder ein
burgermeister regieren, ein ackerman pfluegen odder hew machen. Summa es gibt
noch zeiget nicht zeitliche guter, dadurch man dieses leben erhalte, denn
solchs hat die vernunfft vorhin alles einen iglichen geleret, Sondern das wil
es leren, wie wir sollen komen zu jenem leben, und heist dich dieses lebens
brauchen und den bauch hie neeren, so lang es weret, doch das du wissest wo du
bleiben und leben sollest, wenn solchs auffhoren mus. Wenn nu solchs an gehet, das
man predigen sol von einem andern leben, darnach wir sollen trachten und umb
des willen wir des nicht sollen achten, als wolten wir ewig hie bleiben, so
gehet denn hader und streit an, das die welt nicht leiden wil. Wo denn da einem
prediger der bauch und zeitlich leben lieber ist, der thuts nicht, Stehet wol
und wesschet auff der Cantzel, aber er predigt nicht die warheit, thut das maul
nymer nicht auff; wo es wil ubelgehen, da hellt er jnne und beisset des fuchs
nicht.
[s. 305] Sihe darumb hat Matth. das geprenge furher
geschrieben, das Christus als ein rechter prediger auff den berg gehet und den
mund frissch auffthut, die warheit leret und straffet beide falsche lere und
leben, wie wir horen werden.
Das ist ihe ein feiner susser freuendlicher anfang seiner
lere und predigt, Denn er feret nicht da her wie Moses odder ein gesetzlerer
mit gebieten, drewen und schrecken, sondern auffs allerfreundlichst mit eitel
reitzen und locken und lieblichen verheissungen, Und zwar, wo es nicht also
gefasset und uns allen furgetragen weren die lieben wort und predigt, die der
herr Christus zum ersten gethan hat, so wuerde einen iglichen der furwitz
reiten und treiben darnach zu lauffen bis gen Jerusalem, ja bis ans end der
wellt, da man nur ein wort davon horen mochte, da solt man gelt gnug finden,
das die strasse wol gebawet wuerde: Und wuerde jderman gar herrlich rumen, wie er
die wort und predigt gehoret odder gelesen hette, die der Herr Christus selbs gered
hette. O welch ein trefflich selig man solt der geacht werden, dem solchs mocht
widderfaren. So wurde es gewislich gehen, wenn wir nichts davon geschrieben
hetten, ob gleich sonst viel von andern geschrieben were, Und wurde ein
iglicher sagen: ja ich hore wol was S. Paulus und andere seine Aposteln geleret
haben, Aber viel lieber wolt ich horen was er doch sellbs geredet und gepredigt
hette.
Jtzt aber, nu es so gemein ist, das es jderman jm buch
geschrieben hat und teglich lesen kan, achtets niemand fur was sonderlichs und
kostlichs, Ja wir werdens dazu uberdruss und schlahens inn wind, als hette es
nicht die hohe maiestet von himel, sondern jrgent ein schuster gered. Darumb
widderferet uns auch zur straffe unsers undancks und verachtung, das wir wenig gnug
davon haben und nimer fulen noch schmecken, was fur ein schatz, krafft und
gewalt jnn Christus worten ist. Wer aber die gnade hat, das ers recht ansehe
als Gottes und nicht menschen wort, der wirds auch wol hoher und teurer achten
und nymer mehr muede noch uberdrus werden.
Wie fruendlich aber und suesse diese predigt ist fur die
Christen, die seine schuler sind, so verdrieslich und unleidlich ist sie fur
die Juden und ire grosse heiligen. Denn er gibt jn bald jm anfang einen harten
stos mit diesen worten, verwirfft und verdammet jre lere und predigt gleich das
widderspil, ja er schreyet Weh uber jr leben und leren, wie Lucas .6. anzeigt.
Denn das ist die summa jrer lere gewesen, wenn es einem menschen wol gienge hie
auff erden, der were selig und wol dran, und dahin hatten sie alles gerichtet, [s.
306] wenn sie frum weren und Gott dieneten, das jn Gott gnug solt geben auff [Ps.
144, 8. 13. 14] erden und nichts gebrechen lassen. Wie David psal. 144. von jn
sagt ‘Das jst jre lere, das alle winckel und kamer vol vorat seien und die
anger voll schaffe, die allzumal vol und viel tragen, und das vieh viel
ererbeite, Dazu kein schade noch verlust noch unfal odder plage sie treffe. Das
heissen sie seilige leute’. &c..
Dawidder thut hie Christus seinen mund auff und spricht, Es
gehore ein anders dazu denn das man hie gnug habe auff erden, als wolt er
sagen: Jr lieben junger, wenn jr unter den leuten predigen solt, so werdet jr
finden das sie alle so leren und gleuben, wer da reich, gewaltig &c.. sey,
der sey aller ding selig, und widderumb wer da arm elend ist, der sey fur Gott
verworffen und verdampt. Denn jnn dem glauben stunden die Jueden starck, wenn
es einem menschen wolgienge, das were ein zeichen, das er einen gnedigen Gott
hette, und widderumb. Das machte, das sie viel und grosse verheissung von Gott
hatten von zeitlichen leiblichen gutern, die er den fromen wolt geben; darauff
verliessen sie sich, meineten, wenn sie solchs hetten, so weren sie wol mit jm
dran. Darauff ist auch das buch Hiob gemacht, denn daruber zancken und sperren
sich seine freunde widder jn und treiben hart darauff, er muesse etwas grosses
widder Gott verschuldet haben, und auff jn wissen, das er so gestrafft werde,
darumb sol ers bekennen, sich bekeren und from werden, so werde Gott die
straffe widder von jm nemen &c..
Darumb ists eine notige predigt gewesen zum anfang, das er
solchen wahn umbstiesse und aus dem hertzen riesse als der grossesten hindernis
eines widder den glauben, der den rechten abgott Mammon jm hertzen stercket. Denn
aus solcher lere hat nichts anders koennen folgen denn das die leut geitzig
wurden und ein iglicher nur darnach trachtet, wie er gnug und gute tage hette
on mangel und ungemach. Und jderman hat muessen dencken: Jst der selig, dem es
wolgehet und guts gnug hat, so mus ich zusehen, das ich auch nicht am wenigsten
habe.
Das ist auch noch heuttigs tages aller wellt glaube,
sondernlich der Tuercken, die sich am hochsten darauff verlassen und stercken
und daher schliessen, es were nicht muglich, das sie soviel gluck und sieg
hetten, wo sie nicht Gottes volck weren und er jn fur allen andern gnedig were.
So gleubt auch bey uns das gantze Bapstum und stehet der grund jrer lere und lebens
darauff, das sie nur gnug haben, und haben damit aller wellt guter zu sich
bracht, wie man fur augen sihet. Summa, dis ist der grosst und weiteste glaube odder
religio auff erden, darauff alle menschen nach fleisch und blut bleiben, konnen
auch kein anders fur seligkeit achten. Darumb bringet er hie gar ein andere
newe predigt fur die Christen, das wenn es jn ubelgehet, armut [s. 307] leiden
und sich hie reichtums gewalt ehre und guter tage verzeihen mussen, sollen sie
dennoch selig sein und nicht ein zeitlichen sondern einen andern ewigen lohn
haben, das sie jm himelreich gnug haben.
Sprichstu aber: Wie? mussen denn die Christen alle arm sein
und darff niemand gelt, gut, ehre, gewalt &c.. haben, Odder wie sollen die
reichen, als fursten, Herrn, Koenige thun? mussen sie alle jr gut, ehre
&c.. faren lassen odder den armen das himelreich abkeuffen, wie ettliche
geleret haben? Antwort: Nein, Es heisst nicht den armen abkeuffen, sondern
selbs arm sein und unter solchen armen erfunden werden wer da wil das himelreich
haben. Denn es ist deudlich und durr gesetzt ‘Selig sind die armen’, Und stehet
doch dabey das wortlin ‘Geistlich arm’, also das auch nicht damit ausgerichtet
ist, das jemand leiblich arm sey und kein gelt und gut habe, Denn eusserlich gelt,
guter, land un leut haben ist an jm selbs nicht unrecht sondern Gottes gabe und
ordnung; so ist niemand darumb selig, der ein bettler ist und nichts uberal
eigens hat, sondern es heist Geistlich arm sein. Denn ich hab droben jm anfang
gesagt, das Christus hie gar nichts handlet von weltlichem regiment und
ordnung, sondern wil allein von dem geistlichen reden, wie man ausser und uber
das eusserliche fur Gott leben sol.
Zum weltlichen regiment gehoret, das man gelt, gut, ehre,
gewalt, land und leute habe und kan on dis nicht bestehen. Darumb soll und kan
ein herr odder fuerst nicht arm sein, Denn er mus allerley solche guter zu
seinem ampt und stand haben. Darumb ists nicht die meinung, das man so muesse arm
sein, das man gar nicht eigens habe, Denn es kan die wellt nicht so bestehen,
das wir alle solten bettler sein und nichts haben. Denn auch kein hausvater
sein haus und gesind neeren kuende, wenn er selbs gar nichts hette. Summa:
leiblich arm sein thuts nicht, Denn man findet manchen bettler, der das brod
fur der thur nimpt, so stoltz und boese als kein reicher, und manchen schebichten
bawrn, mit dem weniger umb zu komen ist denn mit keinem herrn und fursten.
Darumb sey leiblich und eusserlich arm odder reich, wie dirs
bescheret ist, da fragt Gott nicht nach, Und wisse, das ein jglicher muesse fur
Gott, das ist geistlich und von hertzen, arm sein. Das ist, das er seine
zuversicht, trost und trotz nicht setze auff zeitliche guter noch das hertze
drein stecke und lasse den Mammon seinen abgott sein. David war ein trefflicher
koenig und muste warlich sein beutel und kasten vol gelds, die boeden vol
korns, das land vol allerley guter und vorrat haben, noch must er daneben
geistlich ein armer [Ps. 39, 13; 119, 19] bettler sein, wie er von sich singet
‘Jch bin arm und ein gast jm land gleich wie alle meine veter’. Sihe der
koenig, der jn solchen gutern sitzet, ein herr uber land und leute, darff sich
nicht anders denn ein gast odder pylgern nennen, als der auff der strassen
gehet, da er nichts hat, da er bleiben kan.
[s. 308] Das heisset ein hertz, das sich nicht bindet an gut
und reichtumb, sondern ob es gleich hat, noch ist jm gleich als hette es
nichts, wie Paulus von den [2. Kor. 6, 10] Christen rhumet .2. Cor 6. ‘Als die
armen, aber die doch viel reich machen, als die nichts jnne haben, und doch
alles haben’ &c..
Alles da hin gered, das man aller zeitlicher guter und
leiblicher notdurfft, weil wir hie leben, nicht anders brauche denn als ein
gast an einem frembden ort, da er uber nacht ligt und des morgens davon zeucht,
brauchet nicht mehr denn futer und lager zur notdurfft, darff nicht sagen: das
ist mein, hie wil ich bleiben, noch sich jns gut setzen, als gebure es jm von recht,
Sonst mueste er bald horen, das der wirt zu jm sagt: Lieber, Weistu auch das du
ein gast hie bist? gehe deines weges wo du hin gehorest. Also auch hie, das du
zeitlich gut hast, hat dir Gott geben zu diesem leben und gonnet dir wol, das
du sein brauchest und den madensack damit fullest, den du am hals tregst, Aber
nicht das hertz daran hengest und hefftest, als woltestu ewig leben, sondern
jmer weiter farest und denckest nach einem andern hohern und bessern schatz,
der dein eigen ist und ewig bleiben sol.
Das sey grob fur den gemeinen man gered, das man lerne
verstehen nach der schrifft zureden, was geistlich arm odder fur Gott arm
heisse, nicht eusserlich nach gelt und gut odder nach mangel odder uberflus
zurechen, da man sihet (wie gesagt), das die ermesten elendesten bettel buben
die ergesten verzweivelsten schelck sind und alle buberey und untugent begehen
durffen, welchs feine erliche leute, reiche burger odder herrn und fursten
nicht thun. Widderumb auch viel heiliger leut, die gelt und gut, ehre, land und
leut gnug gehabt haben und dennoch mit soviel gutern arm gewesen sind, Sondern
nach dem hertzen mus mans rechen, das jm nicht lasse hart angelegen sein, ob es
etwas odder nichts, viel odder wenig habe, und was es fur guter hat jmer so hin
setze, als hette mans nicht und alle stunde drumb komen und verlieren muste,
und das hertz jmer am himelreich behallte.
Widderumb heisset der reich nach der schrifft, welcher ob er
gleich kein gelt noch gut hat, dennoch darnach reisset und kratzet, das er
nimer kan gnug haben. Das sind die rechten, die das Euangelium reiche wenste
heisset, die jnn grossem gut am aller wenigsten haben und sich nimer lassen
gnuegen an dem das jn Gott bescheret. Denn es sihet jnns hertz, das da vol
gelds und guts steckt, und richtet darnach, ob gleich nichts jnn beutel und
kasten ligt. Widderumb richtet es den armen auch nach dem hertzen, ob er gleich
kasten, haus und hoff vol hat. So gehet der Christlich glaube hindurch, sihet
weder armut noch reichtumb an, sondern wie das hertz stehet: wo darinn ein
geitzwanst steckt, so heisset er geistlich reich, und widderumb geistlich arm,
wer nicht daran hanget und kans aus dem hertzen lassen, wie Christus anderswo [s.
309] sagt ‘Wer da verlesst heuser, ecker, kind, weib &c.. der sols
hunndertfeltig widder haben und dazu das ewige leben ererben’. Damit er die
hertzen vom gut wil reissen, das sie es nicht fur jren schatz halten, und die
seinen trosten, die es lassen muessen, das sie viel mehr und bessers auch inn
diesem leben empfahen sollen, den sie verlassen koennen.
Nicht das man von gut haus, hoff, weib und kind solle
lauffen und jm land jrr gehen, ander leut beschweren, wie die widderteuffer
rotte thut, die uns schuld geben das wir das Euangelium nicht recht predigen,
weil wir haus und hoff behalten, bey weib und kind bleiben. Nein, solcher
toller heiligen wil er nicht haben, Sondern es heist also: wer mit dem hertzen
haus, hoff, weib und kind lassen kan, ob er gleich darinne sitzet und dabey
bleibt, sich mit jn neeret und aus der liebe dienet, wie Gott gebotten hat, Und
doch dahin setzet, wo es die not foddert, das ers konne umb Gottes willen alle stunde
faren lassen. Bistu so geschickt, so hastu alles verlassen, Also das das hertz
nur nicht gefangen sey, sondern rein bleibe vom geitz und ankleben trost und
zuversicht aller ding, und mag wol ein reicher geistlich arm heissen und darff
darumb sein gut nicht weg werffen, on wenn er aus not dauon lassen sol, so
lesset ers jn Gottes namen, nicht darumb das er gerne von weib, kind, haus und
hoff sey, sondern viel lieber behelt so lang es Gott gibt, und jm damit dienet
und doch auch bereit, wenn ers jm widder nemen wil.
So sihestu was geistlich und fur Gott arm sein odder
geistlich nichts haben und alles verlassen heisse. Nu siche auch an die
verheissung, die Christus dazu setzet und spricht ‘Denn solcher ist das
himelreich’. Das ist ia ein grosse, trefliche, herrliche verheissung, das wir
sollen dafur das wir hie gerne arm sein und zeitlich gut nicht achten, ein
schon, herrlich, gros, ewig gut jm himel haben, und da du hie ein kleine
parteken faren lessest, der du doch brauchen magst, so lange und so viel du des
haben kanst, soltu dagegen eine kron erlangen, das du ein burger und herr jm
himel seiest. Solchs solt uns ja bewegen, wenn wir wollten Christen sein und
dafur hielten, das seine wort war weren, aber es achtet niemand, wer der sey,
der es sagt, und viel weniger was er sagt; lassens fur den oren uber gehen, das
sich niemand weiter drumb bekomert noch zu hertzen fasset.
Er zeiget aber eben mit diesen worten, das niemand solchs
fasset, er sey denn vorhin ein rechter Christ. Denn beide dis stuck und alle
ander, die hernach folgen, sind eitel fruechte des glaubens, die der heilige
geist selbs jm hertzen schaffen mus. Wo nu der glaube nicht ist, da wird das
himelreich auch wol aussen bleiben, noch geistlich armut, sanfftmut &c..
folgen, sondern eitel scharren und geitzen, zancken und rumorn umb zeitlich gut
bleiben. Darumb ists verloren bey solchen welthertzen, das sie nymer mehr
lernen noch erfaren was geistlich armut sey, auch nicht gleuben noch achten was
er vom himelreich sagt und verheisset.
[s. 310] Wie wol ers doch den selbigen zu dienst so schicket
und ordnet, das wer nicht wil geistlich arm sein jn Gottes namen umb des
himelreichs willen, der mus doch arm sein jns teuffels namen und keinen danck
da zu haben. Denn Gott hat die geitzigen so gehengt an jren wanst, das sie jres
ergeitzten guts nimer satt noch fro werden konnen. Denn juncker Geitz ist ein
solcher frolicher gast, der keinen lesset rugen, suchet, treibt und jagt on
unterlas, das er des lieben guts keine stund geniessen mus, wie auch der
prediger Solomonis wundert und spricht: Jsts nicht ein schendliche plage, das
Gott einem menschen gelt und gut, land und leut gnug gibt und er doch nicht
soviel vermag das ers gebrauche? mus jmerdar furchten, sorgen und beben, wie
ers behalte und mehre, das es nicht umbkome noch weniger werde, und ist so gar
gefangen, das er nicht einen heller frolich thar angreiffen. Wo aber ein hertz
were, das jm kund gnugen lassen und zu friden sein, so hette es ruge und das himelreich
dazu, da es sonst bey grossem gut odder ja mit seinem geitz hie das fegfeur und
dort das hellisch fewer dazu mus haben und wie man sagt, hie mit eim karn, dort
mit einem rad mus faren, das ist hie jamer und angst, dort das hertzleid haben.
Sihe, so schaffets Gott allzeit, das sein wort doch mus war
bleiben und niemand selig sein noch gnug haben denn die Christen, Und die
andern, ob sie gleich alles haben, doch nichts deste besser haben, ja nimer
mehr so gut haben und mussen doch arme bettler bleiben dem hertzen nach zu rechen,
on das diese gerne arm sind und an einem unvergenglichen ewigen gut, das ist am
himelreich hangen und selige Gottes kinder sind, jene aber nach zeitlichem gut
geitzen und doch nicht erlangen was sie wollen, mussen dazu ewig des Teuffels
marterer sein. Und ist kurtz kein unterscheid unter einem bettler fur der thur
und einem solchen leidigen wanst, on das jener nichts hat und lesst sich mit
einem stuck brods ab weisen, dieser aber jhe mehr er hat, jhe weniger er zu
erfuellen ist, wenn er auch gleich aller welt gelt und gut auff einem hauffen
kriegte.
Darumb dienet diese predigt, wie ich gesagt hab, fur die
welt nicht, schaffet auch nichts, Denn sie bleibet dabey, das sie jres dinges
wil gewis sein und nicht gleuben, sondern fur augen sehen und jnn der hand
haben, Und spricht, es sey besser ein sperling jnn der faust denn nach einem
kronch jnn der lufft gaffen. Darumb lesst sie Christus auch faren, wil niemand zwingen
noch mit den haren erzu ziehen, Sondern gibt seinen trewen rat, wer jm wil
raten lassen, und helt uns die aller tewersten verheissung fur. Wiltu, so hastu
hie fride und ruge jm hertzen und dort ewig was dein hertz begeren sol; Wiltu
nicht, so fare jmer hin unnd habe lieber hie und dort all hertzleid und
unglueck, Denn wir sehen und erfaren, das alles daran ligt, [s. 311] wer jm
lesst gnugen und nicht an zeitlichem gut klebt als mancher ist, wenn er gleich
nur einen bissen brod hat, kan jm Gott das hertz fullen, das er froelich und
besser zufriden ist denn kein fuerst noch konig. Summa er ist ein reicher herr
und keiser, darff kein sorg, muhe und hertzleid haben. Das ist das erste stueck
dieser predigt: Wer hie und dort gnug wil haben, der dencke das er nicht so
geitze und kratze, sondern neme an und brauche was Gott gibt, und neere sich
seiner erbeit jm glauben, so hat er hie das paradis und das [1. Tim. 4, 8]
himelreich gar, wie S Paulus auch saget 1. Timoth. 4. ‘Die gottseligkeit ist zu
allen dingen nutz und hat die verheissung nicht allein dieses, sondern auch des
zukunfftigen lebens’.
Wie er diese predigt hat angefangen widder der Juden lere
und glauben (und zmar nicht allein jr, sondern der gantzen welt, wo sie am
besten ist), welche allzeit auff dem wahn bleibt, wenn sie nur hie gut, ehre
und jren Mammon habe, so stehe sie wol, und allein umb desselben willen Gott
dienet, Also feret er nu fort und stosset auch umb das sie hielten fur das
beste, seligste leben auff erden, wer es da zu kund bringen, das er gute, sanffte
tage [Ps. 73, 5] hette und kein ungemach durffte leiden, von welchen der 73.
Psalm sagt ‘Sie sind nicht jnn ungluck wie ander leute und werden nicht wie
ander leut geplagt’.
Denn das ist das hoehest, das die menschen begeren, das sie
mogen freud und lust haben und on ubel sein. Nu keret Christus das blat umb,
setzet stracks das widder spiel und heisset die selig, die da trawren und leid
tragen, Und so fort durch aus sind alle diese stuck gestellet und gerichtet
widder der welt sinn und gedancken, wie sie es gerne hette, denn sie wil nicht
hunger, kumer, unehre, schmach, unrecht und gewalt leiden und die solchs konnen
uberhaben sein, hellt sie fur selige leut.
So wil er nu hie sagen, das ein ander leben sein musse, denn
sie suchen und meinen, und sich ein Christ darnach mus richten, das er trawre und
leide trage jnn der wellt Wer das nicht thun wil, mag hie wol gute tage haben
und nach allem seinem willen leben, aber hernach soll er ewig [Luk. 6, 25]
trawren, wie er Luce. 6. spricht ‘Wehe euch, die jr hie lachet und guts muts seid,
denn jr werdet heulen und weinen mussen’, Wie es dem reichen man [Luk. 16, 19]
gieng Luce 16. der alle tage herlich und jnn freuden lebt und sich schmuckt jnn
kostliche seiden und purpur, lies sich duncken, er were ein grosser heilige und
fur Gott wol dran, er jm so viel guts geben hatte, und lies gleichwol dieweil
den armen Lazarum teglich fur der thur ligen voll schweren jnn [s. 312] hunger
und kumer und grossem elend. Aber was horet er zuletzt fur ein [Luk. 16, 25]
urteil, da er jnn der helle glut lage? ‘Gedenck das du jm leben hast guts
empfangen, Lazarus aber boses, darumb wirstu nu gequelet, er aber getrostet’
&c..
Sihe das ist eben dieser text ‘Selig sind die da leid
tragen, denn sie sollen getrostet werden’, und widderumb soviel gesagt: wer hie
nichts denn freud und lust suchen und haben, die sollen ewig weinen und heulen.
Fragstu abermal Wie sol man denn thun? Sollen sie denn alle
verdampt sein, die da lachen, singen, springen und sich wol kleiden, essen und trincken?
Lesen wir doch von konigen und heiligen leuten, die auch frolich gewesen sind
und wol gelebt haben. Und sonderlich ist Paulus ein wuenderlicher heilige, der
wil haben, das wir allezeit sollen frolich sein [Phil. 4, 4, Röm. 12, 15]
Philipp. 4. und spricht Ro. 12. ‘Seid frolich mit den frolichen’ und widderumb ‘weinet
mit den weinenden’: Sihe das lautet ja widdereinander, alzeit frolich sein und
doch mit andern weinen und trawren.
Antwort: Gleich wie ich gesagt habe, das reichtumb haben ist
nicht sund noch verboten, also ist auch frolich sein, wol essen und trincken
nicht sund noch verdamlich, des gleichen auch nicht ehre und guten namen haben,
Und soll doch selig sein, wenn ich solchs nicht habe odder lassen kan und dafur
armut, elend, schmach und verfolgung leide. Also ist es beides da und mus auch
beides sein, trawren und frolich sein, essen und hunger leiden, [Phil. 4, 11]
Wie Paulus Philipp. 4. von sich rhumet ‘jch habe die kunst gelernet, das wo ich
bin mir gnuegen lasse, jch kan nidrig sein, jch kan hoch faren, jch bin jn allen
dingen und bey allen geschickt, beide sat sein und hungern, beide uberig [2.
Kor. 6, 8] haben und mangel leiden’, Jtem 2. Cor. 6. ‘Durch ehre und schande,
durch bose geruechte und gut geruechte als die sterbenden, und sihe wir leben
als die trawrigen, aber allzeit frolich’ &c..
Darumb ist das die meinung: Gleich wie der geistlich arm
heisset, nicht der kein gelt noch etwas eigens hat, sonderm der nicht darnach
geitzet noch seinen trost und trotz darauss setzet, als sey es sein himelreich,
Also auch heisset das leide tragen und trawren, nicht der eusserlich jmer den
kopff henget, sawr sihet und nimer mehr lachet, sondern der sein trost nicht
darauff setzet, das er nur hie gute tage habe und jm sause lebe, wie die wellt
thut, die nicht weiter trachtet denn wie sie eitel freude und lust hie habe,
und sich darinne weidet und nichts achtet noch sorget, wie es Gott odder den leuten
gehe.
Also haben viel treffliche, grosse leut, konige und andere,
so Christen sind gewesen, trawren und leid mussen tragen, ob sie gleich fur der
welt herrlich gelebt haben, wie David allenthalben jm psalter von seinem weinen
[s. 313] und leiden klagt, Und auch jtzt kuend jch wol exempel anzeigen von
grossen leuten, herrn und fuersten, so uber dem lieben Euangelio dis stuck wol
erfaren und gelernet haben, als jtzt auff dem vergangen reichstag zu Augsburg
und sonst, ob sie gleich auch auswendig wol gelebt und fuerstlich jnn seiden
und gold sich gekleidet und anzusehen gewest als die auff eitel rosen giengen,
aber teglich unter eitel gifftigen schlangen mussen sein und jm hertzen
gefuelet solchen unerhorten homut, trotz und schmach, so viel bose tueck und
wort von den schendlichen papisten, die jr lust und freude davon gehabt, das
sie jr hertz durchbittert und, so viel an jn gewesen, keine froeliche stunde
gegonnet haben, das sie alles haben muessen jnn sich fressen und nicht mehr
thun denn Gott klagen mit seufftzen und weinen. Solche leute wissen etwas
davon, was da heisset ‘Selig sind die da trawren und leid tragen’, ob mans jn
gleich nicht ansihet, und mit andern essen und trincken und zu weilen mit
lachen und schertzen jres leids zu vergessen. Denn du must nicht dencken, das
trawren allein heisse weinen und klagen odder heulen wie die kinder und weiber,
welchs ist noch nicht das rechte tieffe leiden, wenn es ubers hertz komen ist und
zun augen eraus quillet, sondern das ists, wenn die rechten grossen stoesse kumen,
die das hertz treffen und sturmen, das man nicht kan weinen und niemand thar
klagen.
Darumb ist trawren und leid tragen nicht ein seltzam kraut
bey den Christen, ob es gleich auswendig nicht scheinet, auch wenn sie gerne
wolten frolich sein jn Christo und auch eusserlich soviel sie koennen, Denn sie
mussen teglich sehen und fuelen jm hertzen, wenn sie die wellt ansehen, soviel
bosheit, mutwillen, verachtung und lesterung Gottes und seines worts, dazu
soviel jamer und ungluck, so der Teuffel anrichtet beide jn geistlichem und
welltlichem regiment, das sie nicht viel froliche gedancken konnen haben und jre
geistliche freude seer schwach ist, Und wo sie es stets solten ansehen und
nicht zuweilen die augen wegwerffen, kunden sie keinen augenblick frolich sein,
ist gnug, das es sonst mehr fur fellet und trifft denn sie es gerne hetten, das
sie es nicht durffen weit suchen.
Darumb hebe nur an und werde ein Christen, so wirstu wol
lernen was trawren und leid tragen heisse. Kanstu nicht mehr, so nym ein weib und
setze dich und neere dich jm glauben, das du Gottes wort lieb habest und thust
was dir jnn deinem stand befolen ist, so soltu bald erfaren beide von nachbarn
und jnn deinem eigen haus, das es nicht gehen wird, wie du gerne hettest, und
sich uberal hindern und hemmen, das du gnug zu leiden kriegst und sehen must,
das dir jm hertzen wird wehe thun. Sonderlich aber die lieben prediger mussen
solchs wol lernen und teglich damit geubt werden, das sie allerley neid, has,
hon und spott, undanck, verachtung und lesterung [s. 314] dazu mussen jnn sich
fressen, damit jr hertz und seele durchstochen und on unterlas gequelet wird.
Die welt aber wil solch trawren odder leid tragen nicht
haben, darumb suchet sie solche stende und leben, darinn sie gute tage habe und
von niemand nichts leiden durffe, wie der monchen und pfaffen stand gewesen
ist. Denn sie kan nicht leiden, das sie jnn gottlichem stande ander leuten
dienen solte mit eitel sorgen, muehe und erbeit und dazu nichts denn undanck
und verachtung und ander bose tuecke zu lohn kriegen. Darumb wenn es jr nicht gehet
wie sie wil und einer den andern saur ansihet, so konnen sie nichts denn
poltern mit fluchen und donnern, ja mit der faust dazu, wollen bald gut und
ehre, land und leut hinan setzen. Aber Gott schickets also, das sie dennoch
nicht mussen so frey hin gehen, das sie kein leid sehen noch leiden durfften, Und
gibt jn zu lohn, weil sie es nicht gerne thun, das sie es doch leiden mussen
und dasselb mit zorn und ungedult zwifeltig groesser und schwerer machen und
keinen trost noch gut gewissen haben konnen. Die Christen aber haben den
vorteil, das ob sie gleich leid tragen, dennoch sollen getroestet werden und
beide hie und dort selig sein.
Darumb wer nicht wil gar ein welt kind sein und mit den
Christen teil haben, der las sich auch jnn dem register finden, das er helffe
seufftzen und leid tragen, auff das er auch getrostet werde wie diese
verheissung lautet. [Ezech. 9] Daher lieset man ein exempel jnn dem propheten
Ezechiel 9. Wie Gott sechs menner aus sendete mit toedlicher wehre uber die
stad Jerusalem, aber einen unter jhn schicket er mit einem schreibe zeug, der
solt mitten durch die stad gehen und ein zeichen auff die stirn schreiben allen
die da seufftzeten und leid truegen, das es so schendlich zu gienge, und sehen
musten, das jn durchs hertz gienge. Und wer so gezeichnet wurde, der solt
lebendig bleiben, die andern aber alle tod geschlagen werden. Sihe das ist der
Christen vorteil, das ob sie gleich eitel leid und jamer jnn der welt sehen
mussen, doch zuletzt dahin kompt, wenn die wellt am sichersten ist und jnn
eitel freuden feret, das sich das redlin umbkeret und ploetzlich ein unnglueck
uber sie kompt, darinn sie bleiben und verderben mus, sie aber eraus gerissen
und errettet werden, wie der liebe Lott zu Sodom errettet ward, da sie lang
sein hertz gequelet und [2. Petri 2, 8] zu martert hatten (wie .S. Petrus sagt)
mit jrem schendlichen wesen. Darumb las die wellt jtzt lachen und jm sausse
leben nach jrer lust und mutwillen, und ob du must trawren und leid tragen und
teglich sehen das dein hertz betrübt, so leide dich und halte dich des spruchs,
das du dirs lassest wol gefallen und dich damit troestest und auch eusserlich
dich erquickest und froelich machest soviel du kanst.
Denn die also leid tragen, die mogen wol freude haben und
nemen, [s. 315] wo sie konnen, das sie nicht fur trawrikeit versincken, Denn
auch Christus eben diese wort setzet und den trost verheisset, das sie jnn jrem
leid nicht verzagen noch des hertzens freud gar nemen und verlesschen lassen,
sondern solch trawren mit dem trost und labsal mengen, sonst wo sie nimer kein
trost noch freude hetten, musten sie verschmachten und verdorren. Denn es
vermag kein mensch eitel trawren zu ertragen, denn es seugt safft und krafft jm
leib [Sir. 30, 25] aus, wie der weise man sagt ‘Trawrikeit hat viel leut umbs
leben bracht’, [Spr. 17, 22] jtem ‘ein trawriger mut vertrocket das marck jnn
beinen.’ Darumb sol man solchen nicht allein nachlassen, sondern auch heissen
und dazu treiben, das sie sich zuweilen frolich machen wo mit sie koennen,
odder ia solch trawren lindern und ein wenig vergessen.
Darumb wil Christus nicht, das allein eitel trawren und
betrubnis da sein sol, sondern wil denen weren, die gar nicht trawren wollen
und eitel gute tage und alle jren trost hie haben, und seine Christen leren,
wenns jn ubel gehet und trawren mussen, das sie wissen, das solchs Gotte
wolgefellet, und jnen auch wolgefallen lassen, nicht fluchen und toben odder
verzweiveln, als wolle jr Gott kein gnade haben. Wo das ist, da soll das bitter
truencklin mit honig und zucker gemenget und gelindert odder gemiltert werden, welchs
ist diese verheissung, das jm solchs wolgefellet und das er sie selig spricht,
dazu auch hie getrostet und dort das leid gar von jn sol genomen werden. Darumb
las gehen wellt und alle die uns leid thun, jnn jres herrn des Teuffels namen
und uns dis lid singen und frolich sein jn Gottes und Christi namen. Denn es
soll jn doch nicht hinaus gehen wie sie wollen, sondern ob sie gleich sich jtzt
unsers unglucks frewen und uns viel zu leid thun, wollen wir dennoch einen
guten mut haben und erleben, das sie zu letzt heulen und weinen mussen, wenn
wir getrostet und frolich werden.
Dis stuck folget fein auff das erste, da er gesagt hat
‘Selig sind die geistlich arm sind’ &c.. Denn wie er droben das himelreich
und ewig gut verheisset, also setzt er hie auch dazu eine verheissung von
diesem zeitlichen leben und gutern hie auff erden. Wie reumet sichs aber
zusamen Arm sein und das land besitzen? Jch meine, der prediger habe vergessen
was er angefangen hat, Denn sol man das land und guter besitzen, so mus man ja
nicht arm sein. Er heisset aber hie das land besitzen allerley guter haben hie
auff erden, nicht das ein jglicher ein gantz land solle jnne haben, sonst muste
Gott noch mehr wellt schaffen, sondern die guter so einem jglichen Gott
bescheeret, das er einem weib, kinder, viehe, haus, hoff gibt und was darein
gehoret, das er jm land (wo er wonet) sitzen und bleiben kan und seines guts
ein herr sey, [Ps. 37, 22. 29. 34] wie die schrifft sonst pflegt zu reden und
ps. 37. offt stehet ‘Die des HERRN [s. 316] harren, werden das land erben‘,
Jtem ’seine gesegneten erben das land’ .&c.. Darumb bringet er hie die
glose selbs mit, das geistlich arm sein, davon er zuvor gesagt, nicht heisset
ein bettler sein odder gelt und gut weg werffen. Denn er wil hie, das sie jm
land wonen und bleiben sollen und mit jrdischem gut umbgehen, wie wir weiter
horen werden.
Was heisst nu sanfftmuetig sein? Hie mustu erstlich abermal
wissen das Christus gar nichts redet von der oberkeit und jrem ampt, Denn der selbigen
gehoret nicht zu, das sie sanfftmuetig sey (wie wir auff deudsch sanfftmut nennen)
denn sie furet das schwerd, damit sie die bosen straffen mus, und hat einen
zorn und rache, die heisset Gottes zorn und rache, Sondern er saget allein von
einzelen personen, wie ein jglicher fur sich leben sol gegen andern ausser dem
ampt und regiment, Als vater und mutter, wo sie nicht als vater und mutter
gegen jren kindern leben noch jr vater und mutter ampt treiben, das ist gegen
die, so sie nicht vater odder mutter heissen, als nachbar und ander leut. Denn
ich sonst offt gesagt habe, das man die zwey weit underscheiden mus, Ampt und
person. Es ist viel ein ander man, der da Hans odder Martin heisset und der Kurfurst
odder Doctor und prediger heisset. Denn hie werden gleich zwo unterschiedliche
person jnn einem menschen, Eine darin wir geschaffen und geboren sind, nach
welcher wir alle unternander gleich sind, man, weib, kind, jung, alt. &c..
Aber wenn wir nu geboren sind, so kleidet und schmuckt dich Gott zu einer
andern person, machet dich zu einem kind, mich zum vater, einen zum herrn, den
andern zum knecht, diesem zu einem fursten, jenen zum burger und so fort an.
Das heisset denn eine Gottliche person, als die ein Gottlich ampt furet und jnn
seiner herrligkeit geschmuckt gehet, und nicht schlecht Hans odder Claus,
sondern ein Furst zu sachsen odder vater und herr heisset. Von dieser redet er
hie nichts, sondern lesset sie fur sich gehen jnn jrem ampt und regiment, wie
ers geordnet hat, Sondern von der blossen eintzelen naturlichen person, was ein
iglicher fur sich selbs als ein mensch gegen dem andern thun sol.
Darumb, wo wir jm ampt und oberkeit gehen, da sol und mussen
wir scharff und streng sein, zurnen, straffen &c.. denn hie mussen wir thun
was uns Gott jnn die hand gibt und von seinen wegen thun heisset, Sonst was ausser
dem ampt gehet, da lerne ein jglicher fur sich selbs, das er sanfftmuetig sey
gegen jderman, das ist nicht mit unvernunfft aus hass odder rachgyr mit dem
nehesten fare und handle als die, so man heisset Hans mit dem kopff hindurch,
die nimer nichts leiden noch weichen wollen, sondern weld und berg umb reissen
und bewme versetzen wollen, niemand kein wort verhoren noch zu gut halten konnen
und flugs sack und seil auff binden, nichts dencken denn wie sie sich rechen
und widder schlahen wollen. Damit ist der oberkeit [s. 317] nicht geweret
zustraffen und rache zu furen von Gottes wegen, aber auch nicht rawm gegeben,
wo ein Richter, burgemeister, herr odder furst ein schalk ist und die zwo
person jnn einander mengt und uber sein ampt greifft aus eigenem mutwillen
odder aus neid, hass und feindschafft (wie gemeiniglich geschicht) unter dem
schein und deckel des ampts und rechts, Als wo unser nachbarn unter der
oberkeit namen wolten etwas widder uns ausrichten, dazu sie sonst nicht komen
kondten.
Und sonderlich redet er abermal mit seinen Juden, wie er hat
angefangen, welche stracks auff dem sinn stunden, das sie meineten, sie
durfften von keinem Heiden und fremden nichts leiden und theten wol dran, das
sie nur getrost sich recheten, Und fureten dazu sprueche aus Mose, als Deuter
.28. [5. Mose 28, 13] ‘Der HERR wird dich zum heubt machen und nicht zum
schwantz und wirst nur oben schweben und nicht unterligen’ &c.. Welchs were
wol recht, Es heist aber also, wenn es Gott selbs thut, so jsts wolgethan. Denn
es ist viel ein anders, wenn ers heisst und spricht jch wils thun, und wenn
wirs selbs on befehl thun. Was er sagt, das sol und mus geschehen, was wir
sagen, das geschicht wenn es kan, odder bleibt wol gar nach. Darumb gilts
nicht, das du es woltest thun, da ers thun solt, und nicht harren, bis er dichs
heisset, und dennoch dich solcher verheissung annemen und darauff trotzen.
Sihe solche tolle heiligen straffet hie Christus, die da
meinen, ein jglicher sey herr jnn der gantzen wellt und habe recht dazu das er
nichts leide, sondern nur poltern und rumoren und mit gewalt faren das jre zuschutzen,
Und leret uns das wer da wil das seine, gut, haus und hoff .&c.. mit frid
regiren und besitzen, der muesse sanfftmutig sein, das er konne versehen und
mit vernunfft faren und leiden was er jmer leiden kan. Denn es kan nicht
feilen, es wird zuweilen dein nachbar sich an dir vergreiffen und zuviel thun
entweder aus versehen odder auch aus mutwillen. Jsts versehen, so machstus
deinet halben nicht gut, das du nichts wilt noch kanst vertragen; Jsts aber
mutwillen, so machestu jhn nur erger, das du feindlich scharrest und pochest
und er dazu lachet und seine lust busset, das er dich erzurnet und leid thut,
so das du doch kein friede kanst haben noch des deinen mit ruge brauchen.
Darumb wele der zweyer eins, welchs du wilt, das du entweder
mit sanfftmut und gedult unter den leuten lebest und beheltest was du hast mit frid
und gutem gewissen, odder mit poltern und rumorn das deine verlierest und kein
ruge dazu habst. Denn da stehet beschlossen, die sanfftmutigen sollen das land
besitzen. Und sihe nur selbs die seltzamen koepffe, die jmerdar zancken und
hadern umb gut und ander ding und niemand weichen, sondern alles mit dem kopff
hindurch aus fueren wollen, ob sie nicht mehr verhaddern [s. 318] und
verkriegen, denn sie jmer gewinnen mochten und zu letzt land und leut, haus und
hoff verlieren mit unfrid und bosem gewissen dazu. So spricht auch Gott seinen
segen dazu, der heisst also: Seid ja nicht sanfftmuetig, das jr das liebe land
ja nicht behaltet noch einen bissen mit frieden geniesset.
Wiltu aber recht faren und ruge haben, so las deines
nachbarn mutwillen und frevel sich selbs dempffen und verlesschen, sonst kanstu
dem Teuffel nicht lieber noch dir selbs mehr zu leid thun, denn das du
feindlich zurnest und rumorst. Hastu ein oberkeit, so sage es an und las sie
darauff sehen, Denn sie ist darumb gesetzt, das sie es nicht leide, das man die
unschuldigen gar unterdrucke: so wird Gott auch wol druber halten, das sein
wort und ordnung bleibe und du dieser verheissung nach das land besitzest. So
hastu frid und segen von Gott, Dein nachbar aber unfrid sampt Gottes ungnade und
fluch. Aber diese predigt gehet niemand ein denn die Christen sind und gleuben
und wissen, das sie jren schatz haben jm himel, der jn gewis ist und nicht kan
genomen werden, daher sie auch hie mussen gnug haben, ob sie gleich nicht
kasten und tasschen vol roter gulden haben. Weil du denn das weissest, warumb
woltestu dir deine freud zurutten und nemen lassen, ja selbs unruge machen und
dich solches trefflichen segens berauben?
Sihe so hastu nu drey stuck mit dreyen reichen
verheissungen, das wer ein Christen ist, der mus gnug haben, beide zeitlich und
ewig, ob er gleich hie mus viel leiden, beide jnnwendig jm hertzen und
auswendig. Widderumb die welt kinder, weil sie kein armut noch leid noch gewalt
leiden wollen, weder das himelreich noch zeitlich gut mit friede und ruhe
behalten und geniessen. Davon magstu weiter lesen Psal .37. welcher ist die
rechte glose uber die stuck und reichlich beschreibt wie die sanfftmutigen das
land besitzen und die Gottlosen sollen ausgerott werden.
Gerechtickeit mus an diesem ort nicht heissen die
Christliche heubt gerechtigkeit, dadurch die person frum und angenem wird fur
Gott, Denn jch habe vor gesagt, das diese acht stuck nichts anders sind Denn
eine lere von den fruechten und guten wercken eines Christen, vor welchen der
glaube zuvor mus da sein als der bawm und heubstuck odder summa seiner
gerechtigkeit und seligkeit on alle werck und verdinst, daraus solche stuck
alle wachsen und folgen mussen. Darumb verstehe hie die eusserlich
gerechtigkeit fur der welt, so wir unter uns gegen ander hallten, das dis kurtz
und einfeltig die meinung sey von diesen worten: Das ist ein rechtschaffen
selig mensch, der jmer anhelt und mit allen krefften darnach strebt, das es
allenthalben wol zugehe und jderman recht thue, und solchs mit worten und
wercken mit rat und that hilfft hallten und fordern.
[s. 319] Dis ist nu auch ein kostlich stuck, welchs seer
viel guter werck begreifft, aber auch gar seltzam ist, Als das wirs jnn exempel
fassen. Wenn ein prediger wil jnn diesem stuck erfunden werden, der mus so
geschick sein, das er einen jglichen jnn seinem stande unterweisse und helffe,
das er den selbigen recht fure und thue was dazu gehoeret, Und wo er sihet das
es manglet und nicht recht gehet, das er da sey, warne, straffe und bessere wie
und womit er kan, Also das jchs als ein prediger nicht manglen lasse an meinem
ampt noch die andern an jrem, das sie meiner lere und predigen folgen und also auff
beiden seiten recht zugehe. Wo nu solche leut sind, die sich drumb annemen und
lassens in ernst sein, das sie gerne wolten recht thun odder jnn rechtem wesen
und wercken erfunden werden, die hungert und durstet nach der gerechtigkeit.
Und wenn es so gienge, so were keine buberey noch unrecht, sondern eitel
gerechtigkeit und selig wesen auff erden. Denn was ist der wellt gerechtigkeit
anders denn das jderman thue jnn seinem stande was er schuldig ist, welchs
heisst desselbigen stands recht, als mans recht und frawen recht, kinds recht,
knechts und magd recht jm hausse, burgerrecht odder stadrecht jm lande, welchs
alles stehet darinn, das die so ander leuten furstehen und regieren sollen,
solch ampt mit vleis, sorgen und trewen ausrichten, die andern auch des
gleichen schuldigen dienst und gehorsam trewlich und willig leisten.
Er setzet aber nicht umbsonst solche wort ‘Hungern und
dursten nach der gerechtigkeit’, damit er wil anzeigen das ein grosser ernst,
begird und brunst, dazu ein unablessiger vleis dazu gehore, das wo solcher
hunger und durst nicht ist, da wird nimer nichts draus. Ursach jst diese: Denn
es hat zugros und viel hindernis beide vom Teuffel, der sich allenthalben jnn
weg legt und sperret, und von der wellt, als von seinen kindern, welche so
boese ist, das sie keinen fromen menschen leiden kan, der gerne fur sich recht
thun odder ander leuten dazu helffen wolt, sondern legt jn alle plag an, das
einer die lenge mocht mued und verdrossen daruber werden, Denn es thut wehe, das
man sehen sol das so schendlich zugehet, und dazu fur eitel wolthat nichts denn
undanck, verachtung, hass und verfolgung zu lohn haben. Daher auch viel leut,
die solchen unwillen nicht haben sehen mugen, zuletzt gar daran verzweivelt und
von den leuten jnn die wusten gelauffen und moenche daraus worden sind, Also
das dis sprichwort jhe und jhe war gewesen ist ‘Verzweiveln macht einen
moench’. Entweder das man sich nicht trawet zu erneren und umbs bauchs willen
jns Closter leufft, wie der grosse hauffe gethan hat, odder das man an der
wellt verzweiuelt und nicht trawet darinn from zu bleiben noch den leuten zu
helffen.
[s. 320] Aber das heist nicht gehungert und gedurstet nach
der gerechtigkeit, Denn wer so wil predigen odder regiren, das er sich lesset
mued und ungeduldig machen und jnn einem winckel iagen, der wird langsam den
leuten helffen. Es heisst nicht zu winckel odder jnn die wusten kriechen,
sondern heraus lauffen, wenn du drinnen werest, und beide hend und fusse und
deinen gantzen leib darreichen und alles dran setzen was du hast und vermagst,
Und wil einen solchen menschen haben, der hart gegen hart sey, das er sich
nichts abschrecken noch uberteuben und keinen undanck noch bosheit der wellt
uberwinden lasse, sondern jmer treibe und an halte, so viel er aus allen
krefften vermag. Summa es gehoret dazu ein solcher hunger und durst nach der gerechtigkeit,
der da nimer ablasse noch auff hore und nicht satt werden konne, nichts anders
suche noch dencke und alles dagegen verachte, was jn wil hindern, das er nur
recht fordere und erhallte. Kan er die wellt nicht gar from machen, so thue er
was er kan, jst gnug, das er das seine gethan und ja ettlichen geholffen hat,
obs gleich nur einer odder zween weren, wollen die andern nicht hernach, so las
er sie faren jnn Gottes namen. Man mus umb der boesen willen nicht davon
lauffen, sondern so dencken: Es ist umb jren willen nicht angefangen, umb jren
willen auch nicht gelassen, Villeicht mogen mit der zeit noch der selben auch
ettliche erzu komen odder ja jr weniger werden und ettlicher mas sich bessern.
Denn hie hastu eine trostliche gewisse verheissunge, damit
Christus seine Christen locket und reitzet, das welche so hungert und durstet
nach der gerechtigkeit, die sollen gesettigt, das jst jres hungers und dursts
ergetzet werden, das sie nicht umbsonst geerbetet haben, und dennoch endlich
ein heufflin erzu bracht werde, bey welchen es wol angelegt sey, Und nicht
allein hie auff erden, sondern viel mehr jnn jenem leben offenbar werden, da
jderman wird sehen was solche leut fur frucht geschafft haben durch jren vleis
und stetigs anhalten, ob es gleich itzt nicht wil gehen, wie sie gerne wolten,
und wol halb daran verzweiveln mussen, Als das ein fromer prediger so viel seelen
aus des Teuffels rachen gerissen und gen himel bracht odder ein frumer trewer
regent viel landen und leuten geholffen hat, die jm solchs zeugen und fur aller
wellt preisen werden.
Dawidder sind nu die falschen heiligen, die fur grossen
heiligkeit die wellt meiden und jnn die wusten lauffen odder sich jnn die
winckel verkriechen, auff das sie solcher muehe und unlust, so sie sonst haben
musten, uberhaben seien und sich nichts durffen annemen, wie es jnn der wellt
gehe, dencken nicht ein mal dran, das sie ander leuten helffen odder raten
solten mit leren, unterweisen, vermanen, straffen und bessern odder zum
wenigsten mit beten und sufftzen zu Gott. Ja es ekelt jn dafur und were jn
leid, das ander leut [s. 321] frum weren, auff das man sie allein fur heilig
halte, das wer da wil gen himel kummen, mus jn jre gute werck und verdienst
abkeuffen. Summa sie sind der gerechtigkeit so vol, das sie die andern armen
sunder an koeken, Gleich [Luk. 18, 11] wie der grosse heilige Phariseus Luce.
18. fur grosser trunckenheit eraus koecket und speyet uber den armen zoelner,
that jm so hertzlich sanfft, das er Gott hoffieret und dancket, das er allein
frum und ander leut boese waren.
Sihe das sind sie, widder die Christus hie redet, die
schendlichen, stoltzen, sattsamen geister, die sich damit kutzeln und jr freud
und lust haben, das ander leut nicht frum sind, da fur sie solten sich
erbarmen, mitleiden und helffen: Konnen nicht mehr denn jderman verachten,
affterreden, urteilen und verdamnen, und mus alles stanck und unflat sein, on
was sie selbs thun. Aber das sie solten hingehen und einen armen gebrechlichen
suender vermanen odder bessern, da hutten sie sich fur als fur dem Teuffel.
Darumb werden [Luk. 6, 25] sie auch widderumb mussen horen, wie Christus uber
sie schreyet Luce. 6 ‘Weh euch die jr satt und vol seid, denn euch wird
hungern.’ Denn wie die satt mussen werden, so jtzt hungert und durstet, so
mussen iene ewig hungern, die jtzt so voll und satt sind und doch niemand jr
geniessen kan noch rhumen, das sie einem menschen hetten geholffen odder
zurecht bracht. Also hastu kurtz die meinung dieses stucks, welchs (wie gesagt)
viel guter werck, ja alle gute werck begreifft, damit ein jglicher fur sich
unter den leuten recht lebe und allerley ampt und stende fordern helffe, da von
jch offt anders wo weiter gesagt habe.
Dis ist auch eine feine frucht des glaubens und folget wol
auff das vorige: Wer andern leuten sol helffen und fordern, das es allenthalben
recht zu gehe, das der auch gutig und barmhertzig sey, das ist, das er nicht
bald rumore und wuete, wo es noch feilet und nicht gehet wie es gehen sol, und dennoch
besserung zuhoffen ist, Denn das ist auch der falschen heiligkeit tugent eine,
das sie kein mitleiden noch barmhertzigkeit konnen haben mit gebrechlichen und
schwachen, sondern wollens auffs aller strengst gehalten und auffs reinest
erlesen haben, und so bald es ein wenig feilet, so ist alle gnade aus und eitel
wueten und toben da, wie auch S. Gregorius solche leret erkennen und spricht
‘Vera iusticia compassionem habet, falsa indignationem.’ Warhafftige heiligkeit
jst barmhertzig und mitleidig, aber falsche heiligkeit kan nichts denn zurnen
und wuten, und sol doch heissen pro zelo justiciae (wie sie sich schmuecken)
das ist, aus liebe und eiver nach der gerechtigkeit gethan.
Denn das gehet mit aller gewallt jnn der wellt, das sie alle
jren mutwillen [s. 322] und wuterey treiben unter dem schonen trefflichem
schein und deckel, das sie es thue eben umb der gerechtigkeit willen, Gleich
wie sie bis her und noch jre bosheit und verreterey widder das Euangelion
ausrichtet unter dem namen die warheit zuschutzen und die ketzerey ausrotten,
wil damit verdienen das sie Gott dafur sol kronen und gen himel heben, als die
fur grossem durst und hunger nach der gerechtigkeit seine heiligen verfolgen,
wuergen und brennen.
Denn sie wollen trawn auch den namen haben, ja wol mehr denn
die rechten heiligen, das sie hunger und durste nach der gerechtigkeit, furen
darzu so grossen schein und treffliche wort, das sie meinen Gott selbs solle
nicht anders wissen. Aber an den fruchten kennet man den edlen bawm: Denn wo
sie gerechtigkeit fordern sollen, nemlich das beide jnn geistlichen und
weltlichem regiment recht zu gehe, das thun sie nicht, dencken auch niemand zu unterweisen
und bessern, leben selbs jnn eitel untugent, und wo jemand ir thun straffet
odder nicht lobet und thut wie sie wollen, so mus er ein ketzer sein und sich
unter die helle verdamnen lassen. Sihe so ist gewislich ein jglicher falscher
heilige, Denn die eigen heiligkeit machet jn so stoltz, das er jderman
verachtet und kan kein gutig barmhertzig hertz haben.
Darumb ist dis ein notige warnung widder solche schendliche
heiligen, das ein jglicher drauff sehe, wo er mit dem nehesten zuschaffen hat,
dem er jn seinem stand und wesen helffen und zu recht bringen sol, das er
dennoch auch kund barmhertzig sein und vergeben, das man sehe, das du die
gerechtikeit mit rechtem hertzen meinest und nicht dein eigen mutwillen und
zorn buessen wollest Und so gerecht seiest, das du gegen dem, der die
ungerechtigkeit lassen und sich bessern wil, freundlich und seuberlich farest
und sein gebrechen odder schwacheit zugut haltest und tragest, so lang bis er
hernach kome. Wo du aber solchs alles versucht und kein hoffnung zur besserung
findest, da magstu jn lassen faren und denen befelen, die zustraffen haben.
Das jst nu ein stuck der barmhertzigkeit, das man gerne
vergebe den sundern und gebrechlichen. Das ander jst, das man auch wolthetig
sey gegen die so eusserlich not leiden odder hulffe bedurffen, welchs man
heisset die werck [Matth. 25, 35 ff.] der barmhertzigkeit aus Matth .25. Dis
stuck konnen die hoffertigen Judischen heiligen auch nicht, Denn da jst nichts
denn eitel eis und frost, ja ein stock und stein hart hertz und gar kein bluts
tropff der lust noch liebe dem nehesten wol zuthun, gleich wie auch keine
barmhertzigkeit sunde zuvergeben, Sorgen und trachten allein fur jren wanst, ob
gleich ein ander solte hungers sterben, das auch bey offentlichen sundern viel
mehr barmhertzigkeit ist denn bey eim solchen heiligen, wie denn folgen mus,
weil sie sich allein preisen und from [s. 323] halten, jderman verachten und
fur nichts halten und meinen, alle welt soll jn allein dienen und gnug geben,
sie aber seien niemand schuldig zu geben noch zu dienen.
Darumb ist diese predigt und vermanung verachtet und
vergeblich bey solchen heiligen und findet keine schuler denn die vorhin an
Christo hangen und gleuben, keine eigen heiligkeit bey jn selbs wissen, sondern
nach den vorigen stuecken arm, elend, sanfftmuetig und recht hungerig und
durstig seind und so geschickt, das sie niemand verachten, sondern sich
jdermans not annemen und mitleiden haben koennen. Diesen gilt nu die
troestliche verheissunge: Wol euch die jr barmhertzig seid, denn jr werdet
widder eitel barmhertzigkeit finden beide hie und dort, und solche
barmhertzigkeit, die alle menschliche wolthat und barmhertzigkeit
unausprechlich weit ubertrifft. Denn es ist ia kein gleiche unser
barmhertzigkeit gegen Gottes barmhertzigkeit noch unser gueter gegen die ewigen
gueter jm himelreich, noch lesst er jm unser wolthat gegen dem nehesten so wol
gefallen, das er fur einen pfennig hundert tausent gulden, wo es uns not were,
fur einen trunck wassers das himelreich verheisset.
Wer sich nu solche treffliche, trostliche verheissung nicht
wil lassen bewegen, der wende das blat umb und hore ein ander urteil: Weh und
verflucht sind die unbarmhertzigen, denn jn sol auch keine barmhertzigkeit
widderfaren. Wie itzt die wellt voll solcher leut ist vom adel, burger und
bawrn, die sich so trefflich versundigen an dem lieben Euangelio, das sie armen
pfarrern und predigern nicht allein nichts geben noch helffen, sondern noch dazu
nemen und plagen wo sie koennen, und sich nicht anders stellen, denn als wolten
sie es aushungern und aus der wellt iagen und doch die weil gantz sicher dahin
gehen, meinen, Gott soll still dazu schweigen und alles lassen gut sein was sie
thun, Aber es wird sie ein mal treffen, und wie ich sorge, jemand kumen, der
mich (der ich gnug gewarnet habe) zum propheten machen und mit aller
unbarmhertzigkeit mit jn umbgehen wird und jn nemen ehre und gut, leib und
leben da zu, auff das Gottes wort war bleibe und wer nicht barmhertzigkeit
erzeigen noch haben will, eitel zorn und ewige [Jak. 2, 13] ungnad uberkome,
wie auch S. Jacobus sagt: ‘Es wird gar ein unbarmhertzig gericht uber den
gehen, der nicht barmhertzigkeit gethan hat’, Darumb auch Christus am jungsten
tage solch unbarmhertzigkeit allein fuer das hoheste wird anzihen als widder jn
selbs gethan alles was wir aus unbarmherzigkeit [Matth. 25, 35] gethan haben,
und selbs den fluch uber sie sprechen ‘Jch bin hungerig, durstig [Matth. 25,
41] gewesen, und jr habt mich nicht gespeisset noch getrencket’ &c.. ‘darumb
gehet hin jr verfluchten jnn das ewige hellische feur’ etc. Er warnet und
vermanet uns treulich aus lauter gnaden und barmhertzigkeit, wer das nicht will
haben, der wele den fluch und ewig verdamnis. Sihe an den reichen man [s. 324] [Luk.
16, 19 ff.] Luce 16. welcher ob er wol den armen Lazarum teglich voll schweren
sahe fur seiner thuer liegen, noch hat er nicht so viel barmhertzigkeit, das er
jm hette ein bund stro gegeben odder die brosamen unter seinem tisch gegonnet, aber
sihe, wie hoch er ist gerochen, das er jnn der helle gerne hundert tausent gulden
dafur gebe, das er mochte einen faden rhuemen, dem er jm gegeben hette.
[Matth. 5, 8] Selig sind die reines hertzens sind, denn sie
werden Gott schawen.
Dis stuck ist ein wenig subtil und nicht so verstendlich
gered fur uns, die wir grobe fleischliche hertzen und sinne haben, und noch fur
allen Sophisten, die doch solten die gelertesten sein, verborgen, das jr keiner
kan sagen was ein rein hertz haben, und noch weniger was Gott schawen heisse,
gehen mit eitel trewmen und losen gedancken umb der dinge, davon sie selbs nie
nichts erfaren haben. Darumb mussen wir diese wort nach der schrifft ansehen und
recht verstehen lernen.
Ein rein hertz haben sie getreumet, das ein mensch von den
leuten jnn einen winckel, Closter odder wuesten lieffe und nicht an die wellt
gedechte noch sich mit welltlichen sachen und geschefften bekoemert, sondern
mit eitel himlischen gedancken spielete; Haben mit solcher trawmlere nicht
allein sich und ander leute generret und ferlich verfuret, sondern auch den
mordlichen schaden gethan, das man die werck und stende, so jnn der wellt gehen
muessen und von Gott geordnet sind, fur unrein gehalten hat, Die schrifft aber
sagt von solchem reinem hertzen und gedancken, das dennoch dabey stehen konne, das
einer ein eheman sey, weib und kind lieb habe, fur sie dencke und sorge und mit
andern sachen umbgehe, was dazu gehoret, Denn solchs alles hat Gott geboten.
Was aber Gott gebotten hat, das mus nicht unrein sein, ja es ist eben die
reinigkeit, da mit man Gott sihet. Also wenn ein Richter sein ampt treibet und
einen ubeltheter zum tod urteilet, das ist nicht sein, sondern Gottes ampt und
werck, darumb ist es ein gut rein und heilig werck (wo er anders auch ein
Christen jst), welchs er nicht kund thun, wo nicht zuvor ein rein hertz da
were. Jtem so mus auch ein rein werck und her heissen, ob gleich ein knecht
odder magd jm hause ein unfletig, unsauber werck thuet, als mistladen, kinder
wasschen und rein machen. Darumb jsts ein schendliche verkerung, das man die
stende so jnn den zehen gebott gefasset sind, so gering achtet und nach andern
sonderlichen gleissenden wercken gaffet, gerade als hette Gott nicht so reinen
mund odder augen als wir, noch so rein hertz und faust, wenn er beide weib und
man schaffet: wie solt denn solche werck odder gedancken ein unrein hertz
machen? Aber so sollen zu blinden und narren werden, die Gottes wort verachten
und allein nach eusserlichen larven und gleissen der werck die reinigkeit
achten, und die weil das ungluck anzurichten haben, mit jren eigen fliegenden
gedancken und gaffen [s. 325] gen himel zuklettern und nach Gott tappen, bis
sie daruber jn selbs den hals sturtzen.
Darumb last uns recht verstehen, was Christus ein rein hertz
heisse, Und erstlich merck abermal, das diese predig am meisten gesetzt und
gescherfft ist widder die Juden, Denn wie sie nichts wolten leiden, sondern
guete tage, lust und freude suchten, auch nicht wolten hungern noch barmhertzig
sein, sondern satt und allein from sein, dazu jderman urteilen und verachten,
Also war auch das jre heiligkeit, das sie musten eusserlich rein sein am leib,
haut, har, kleider und speis, das auch nicht ein flecklin am kleid sein muste,
und wenn einer ein tod ass angerurt odder ein grind odder genetz am leib hatte,
muste er nicht unter die leut komen. Das hielten sie fur reinigkeit, Aber damit
(spricht er) jst es nicht aus gerichtet, sondern die lobe jch, die sich [Matth.
23, 25] vleissigen, das sie reines hertzen sind, wie er auch Matth .23. spricht
‘Jr reiniget das auswendige am becher und schussel, jnnwendig aber seid jr voll
[Matth. 23, 27] raubes und frasses’, Jtem ‘jr seid wie die ubertunchte greber,
welche auswendig auch fein hubsch scheinen, aber jnnwendig sind sie vol todten
beine und alles unflats’. Wie auch jtzt unser geistlichen sind, ob sie wol
eusserlich schon seuberlich leben furen und alle ding gehen jnn schonem geberd
und gepreng jnn der kirchen, das es lachet und lieblich anzusehen ist, Aber er
fragt nicht nach solcher reinigkeit, sondern wil das hertz rein haben, ob es
gleich auswendig ein asschenbrodel jnn der kuchen, schwartz rustrig und
bestoben jst und mit eitel unfletigen wercken umbgehet.
Was jst denn nu ein rein hertz? odder worinn stehets?
Antwort: Es jst bald gesagt, und darffst nicht gen himel klettern noch jnn ein
Closter darnach lauffen und mit eigen gedancken ausrichten, Sondern hute dich
fur allen, was du fur eigen gedancken bey dir weissest, als fur eitel schlam
und unflat, und wisse, das ein moench jm Closter, wenn er jnn seiner hohesten beschauligkeit
sitzet und an seinen Herrgott dencket, wie er jn selbs malet und treumet, und
wil die wellt gar aus dem hertzen werffen, der sitzet (mit urlaub) jm dreck,
nicht bis an die knye, sondern uber die oren, Denn er gehet mit eigen gedancken
umb on Gottes wort, welchs jst eitel lugen und triegerey, wie die schrifft
allenthalben zeuget.
Aber das heisset ein rein hertz, das darauff sihet und
dencket was Gott sagt, und an stat seiner eigen gedancken Gottes wort setzet.
Denn dasselb jst allein rein fur Gott, ja die reinigkeit selbs, dadurch auch
alles, was daran hanget und darinne gehet, rein wird und heisset, Als das ein
gemeiner grober handswercks man, schuster odder schmid, daheim sitzet, ob er
gleich unsauber und ruestig jst odder ubel reucht von schwertze und pech und
dencket: mein Gott hat mich geschaffen zu einem man und mir mein haus, weib und
[s. 326] kind geben und befolen lieb zu haben und zu neeren mit meiner erbeit
&c.. Sihe, der gehet mit Gottes wort umb jm hertzen, und ob er wol auswendig
stincket, aber jnwendig jst er eitel balsam fur Gott. Kompt er aber auch jnn die
hohe reinigkeit, das er auch das Euangelion ergreifft und an Christum gleubt
(on welches zwar auch iene reinickeit nicht sein kan), so jst er durch und
durch rein beide jnnwendig jm hertzen gegen Gott und auswendig gegen allem was
unter jm jst auff erden, Das alles was er lebt und thut, gehet, stehet, jsst
und trinckt &c.. jst jm rein und kan jn nichts unrein machen, Als wenn er
sein ehelich weib ansihet odder auch mit jr schertzet wie der patriarch [1.
Mose 26, 8] Jsaac Genes .26. da fur einem moench ekelt und jhn unrein machet,
Denn da hat er Gottes wort und weis das jm Gott geben hat, Aber wenn er sein
weib liesse sitzen und hielte sich zu einer andern, odder lies sein handwerck odder
ampt anstehen und thet ander leuten schaden odder verdries &c.. so were er
nicht mehr rein, Denn das were widder Gottes gebot.
So lang er aber bleibt jnn den zweyen stucken, nemlich jm
wort des glaubens gegen Gott, da durch das hertz rein wird, und jm wort des
verstendnis, das jn leret was er gegen dem nehesten thun sol jnn seinem stand, so
jsts jm alles rein, wenn er gleich mit feusten und dem gantzen leib jnn eitel
schwertze umbgehet. Ein arme dienst magd, wenn sie thut was sie thun sol und
ein Christen dazu jst, so jst sie fur Gott jm himel ein schoene reine metz, das
alle engel jr zu lachen und lust zusehen haben; Widderumb der aller strengeste
Cartheuser, ob er sich zu tod fastet und casteyet, fur grosser andacht eitel
threnen weinet und nimer an die welt gedechte und doch on glauben an Christum
und liebe gegen dem nehesten jst, so jst er ein lauter stanck und unflat beide
jnnwendig und auswendig, das beide Gott und Engel eitel grawen und eckel fur jm
haben.
So sihestu wie es alles ligt an Gottes wort, das was darinn
gefasset jst und gehet, das mus alles rein, lauter und schneweis heissen gegen
Gott [Tit. 1, 15] und menschen. Daher Paulus sagt Tito .1. ‘Den reinen ist
alles rein’ Und widderumb ‘Denn unreinen und ungleubigen jst nichts reine’.
Warumb das? Denn unrein jst beide jr sinn und gewissen. Wie gehet das zu? Denn
sie sagen wol, sie erkennen Gott, aber mit den wercken verleugnen sie es,
sintemal sie sind, an welchen Gott einen grewel hat &c.. Sihe wie greulich
sie der Apostel abmalet und schillt, die grossen Judischen heiligen. Denn nim fur
dich einen Cartheuser moench, der meinet, wenn er lebet jnn seiner strengen regel,
gehorsam, armut und on ein weib, abgesondert von der wellt, so sey er aller
dinge rein, Was jst das anders denn jr eigen sinn und gedancken on Gottes wort
und glauben aus jrem hertzen gewachsen, dadurch sie sich allein heilig und
ander leut unrein achten? Das heisset S. Paulus ein unreinen sinn, das jst
alles was sie dichten und dencken. Weil nu solcher wahn und [s. 327] gedancken
unrein jst, so mus jn auch alles was sie darnach thun, unrein sein, Und wie der
sinn jst, so jst auch das gewissen, das ob sie gleich solten und kundten andern
leuten helffen, da haben sie ein gewissen nach solchem gedancken, das jst an jre
Cappen, Closter und regel gebunden, meinen, wenn sie einen augenblick dem
nehesten zu dienst jr ding solten lassen anstehen und mit andern umbgehen, so
hetten sie die schwerste sund gethan und sich gar verunreinigt. Das machet
alles, das sie Gottes wort und geschepff nicht erkennen, ob sie es wol, wie
Paulus spricht, mit dem mund sagen. Denn wo sie das wusten, wie und wozu sie
von Gott geschaffen weren, wurden sie nicht solche stende verachten noch jr
ding allein auffwerffen, sondern die selbigen als Gottes werck und geschepff
lassen rein bleiben und ehren und dem selbigen nach gerne darinn bleiben und
dem nehesten dienen. Das hiesse denn recht Gott erkennen beide jnn seinem wort
und geschepff und beide rein hertz und gewissen behalten, welchs also gleubt
und schleusset: Was Gott schaffet und ordnet, das mus rein und gut sein, Denn
er machet nichts unrein und heiliget alles durch das wort, so er an alle stende
und creatur gehefftet hat.
Darumb hute dich nur fur allen eigen gedancken, wiltu fur
Gott rein sein, und sihe das du dein hertz grundest und hefftest an Gottes
wort, so bistu rein uber alle Cartheuser und heiligen jnn der wellt. Da jch
jung war, rhumet man dis sprich wort: ‘Bleibt gerne allein, so bleiben ewer
hertz rein’ und furet dazu einen spruch S. Bernhards, der da sagt, so offt er
bey leuten sey gewest, so offt habe er sich beschmitzt, wie man auch lieset jn
Vitis Patrum von einem Einsidler der keinen menschen wolt zu sich lassen noch
mit jemand reden und sprach: wer mit menschen umbgehet, zu dem konnen die Engel
nicht kumen. Jtem von zweyen andern, die sich jre mutter nicht wolten sehen
lassen, und als sie offt darauff wartet und auff eine zeit sie ubereilet, schlussen
sie bald die thur zu und liessen sie heraussen stehen und lange zeit weinen,
bis sie sie zuletzt uberredeten, sie solte hinweg gehen und sparen bis sie
einander sehen wurden jnn jenem leben.
Sihe, das hat kostlich ding geheissen und die aller hochste
heiligkeit und volkomenste reinigkeit. Was jst es aber? Da stehet Gottes wort
‘Du solt vater und muter ehren’: hetten sie das fur heilig und rein gehalten,
so hetten sie jrer mutter und dem nehesten alle ehre, lieb und freundschafft
erzeigt, da widder sie aus eigen gedancken und selb erwelter heiligkeit sich
von jn soendern, und eben damit sie wollen am reinisten sein, sich fur Gott
auffs schendlichste verunreinen, Gerade als kundten nicht auch verzweivelte
buben solchen gedancken und schein machen, das man musse sagen: das sind
lebendige heiligen, die konnen die wellt verachten und gehen mit eitel Engeln
umb. Ja, mit Engeln [s. 328] aus abgrund der hell. Die Engel sehen nichts
liebers denn wo man mit Gottes wort umbgehet, da haben sie lust zu wonen.
Darumb las sie droben jm himel unverworren und suche sie hie nidden auff erden
bey deinem nehesten, vater und mutter, kind und andern, das du jn thust was
Gott geboten hat, so werden die Engel nicht weit von dir sein.
Das hab jch darumb gesagt, das man sich jnn dis stueck lerne
recht richten und nicht so weit suche als bey den moenchen, die es gar aus der
wellt geworffen und jnn einen winckel odder jnn die kappen gesteckt haben,
welchs jst eitel stanck und unflat und des Teuffels rechte herberge, Sondern
las es da stecken, da es Gott hin gesteckt hat, nemlich jnns hertz, das an
Gottes wort henget und dem selbigen nach seines stands und aller creaturn
brauchet, Also das beide die heubt reinigkeit des glaubens gegen Gott darnach
auch eusserlich jnn diesem leben darinn gefasset sey und alles aus dem gehorsam
auff Gottes wort und gebot gehe, es sey gleich leiblich rein odder unrein, wie jch
gesagt von einem Richter, wenn er einem das leben sol absprechen und jns blut
hinein greiffen und sich damit besuedeln, welchs ein monch hellt fur ein
greulich unrein werck, die schrifft aber sagt, Es sey Gott gedienet, wie [Röm.
13, 4] Paulus Ro. 13. die Oberkeit, so das schwert furet, Gottes dienerin
heisset, und jst nicht jr, sondern sein werck und befelh, das er darauff legt
und von jr haben wil.
So hastu nu was ein rein hertz hejsset, das daher gehet jm
reinen und lautern wort Gottes. Was jst aber der lohn odder was verheisset er
den selbigen? Das jsts, das sie sollen Gott schawen. Ein herrlicher titel und trefflicher
schatz. Was heisset aber Gott schawen? Die Moenche haben hie abermal jre
trewme, das es sey jnn der cellen sitzen und hinauff dencken gen himel und ein
beschawlich leben furen, wie sie es genennet und viel bucher davon geschrieben
haben. Aber das wird noch lang nicht Gott schawen heissen wenn du mit deinen
gedancken kompst getrollt und gen himel kletterst, wie die Sophisten und unser
rotten geister und tolle heiligen mit jrem kopff Gott und sein wort und werck
abmessen und meistern wollen, Sondern das jsts: Wenn du einen rechten glawben
hast, das Christus dein heiland sey &c.. so sihestu flugs, das du einen
gnedigen Gott habst, Denn der glaube leitet dich hinauff und thut dir Gottes
hertz und willen auff, da du eitel uberschwengliche gnade und liebe sihest. Das
heisst recht Gott schawen, nicht mit leiblichen augen (damit jn niemand kan
sehen jnn diesem leben), sondern mit dem glawben, der sein veterlich freundlich
hertz sihet, darin kein zorn noch ungnade ist. Denn wer jn fur zornig ansihet,
der sihet jn nicht recht, sondern nur ein furhang und decke, ja ein finster
wolcke fur sein angesicht [s. 329] gezogen. Sein angesicht aber sehen, wie die
schrifft redet, heisset jn recht erkennen als einen gnedigen fromen vater, zu
dem man sich alles guts versehen darff, welchs allein durch den glauben an
Christum geschicht.
Darnach auch, wenn du jnn deinem stand lebest nach Gottes
wort und gebot bey deinem man, weib, kind, nachbar und nehesten, da kanstu
sehen was Gott dazu gesinnet jst, und schliessen das es jm gefellet, als das
nicht dein eigen trawn, sondern sein wort und befelh jst, das uns nicht leuget noch
treuget. Nu jsts ein trefflich gros ding und ein schatz uber alles was man
wundschen odder dencken kan, zuwissen, das man gegen Gott recht stehe und lebe,
also das beide das hertz sich seiner gnade gewislich kan trosten und rumen und
weis, das auch sein eusserlich leben und wandel jm gefellet, daraus denn folgt,
das er frolich und getrost jst alles zuthun und leiden, lesst sich nichts
schrecken noch verzagt machen. Welcher keines vermuegen, die solchen glauben
und rein hertz, das sich allein nach Gottes wort richtet, nicht haben. Wie denn
alle Moeonche offentlich geleret haben, Es konne kein mensch wissen, ob er jnn
der gnade sey odder nicht, und geschicht jn recht, das weil sie den glauben und
rechte gottliche werck verachten und eigen reinigkeit suchen, das sie nimer
mussen Gott sehen noch wissen wie sie mit jm dran sein.
Denn wenn du einen fragst, der auffs vleissigste seine
zeiten gebett, teglich seine messe gehallten und gefastet hat, ob er auch gewis
sey, das solchs Gott gefalle, so mus er sagen, er wisse es nicht, und thuet es
alles auff ebentheur: geretts, so gerate es, jst auch nicht muglich, das jemand
anders sage, Denn jr keiner wird konnen rhumen, die Cappen hat mir Gott geben odder
heissen tragen, die messe hat er mir befolen &c.. Jnn solcher blindheit sind
wir bisher alle gangen, wenn wir soviel werck gethan, gestifft, gefastet, rosenkrentz
gebetet haben, und doch nimer durffen sagen: Dis werck gefellet Gott wol, des
bin jch gewis und wil darauff sterben. Darumb kan keiner rhumen, das er jnn alle
seinen wercken noch leben jhe mal Gott gesehen habe, Odder wenn gleich jemand
aus vermessenheit solche werck wolt rumen und meinete, Gott muste es ansehen
und da fur lonen, das hiesse nicht Gott, sondern den Teuffel an Gottes stat
gesehen. Denn da jst nirgent kein Gottes wort, sondern alles von menschen
erfunden und aus jrem hertzen gewachsen, darumb kan es nimer mer kein hertz
gewis noch zu friden machen, sondern bleibt verborgen unter der vermessenheit,
so lang bis es zu den letzten zuegen kompt, da es alles hinfellet und jnn
verzweivelung treibt und also nimermer dazu kompt, das man Gottes angesicht
schawe. Wer aber Gottes wort ergreifft und jm glauben bleibt, der kan fur Gott
bestehen und jn ansehen als seinen gnedigen vater, darff sich nicht furchten,
das er hinter jm stehe [s. 330] mit der keulen, jst gewis das er jn gnediglich
ansihet und zu lachet sampt allen Engeln und heiligen jm himel.
Sihe das meinet Christus mit diesem spruch, Das allein die
Gott schawen, die solch rein hertz haben, damit er abschelet und sondert alle
ander reinigkeit, das wo diese nicht jst, ob gleich sonst alles rein am
menschen jst, so gilt es fur Gott nicht, kan auch nimermehr Gott sehen.
Widderumb wo das hertz rein jst, so jsts alles rein und schadet nicht, ob
gleich alles auswendig unrein, ja ob gleich der leib voll schweeren, blattern
und eitel aussatz were.
Hie preisset der HErr mit einem hohen titel und trefflichen
rhum die so sich vleissigen, das sie gerne fride schaffen, nicht allein fur
sich, sondern auch unter andern leuten, das sie helffen boese und verworren
sachen vereinigen, hadder vertragen, krieg und blutvergiessen weren und
verkomen. Welchs jst auch ein grosse tugent, aber gar seltzam jnn der wellt und
bey den falschen heiligen, Denn welche nicht Christen sind, die sind beide
lugner und moerder gleich wie jr vater der Teuffel, darumb dienen sie nirgent
zu denn unfried, hadder, krieg &c.. anzurichten, wie man jtzt unter pfaffen,
bisschoven und fursten fast eitel bluthunde findet, die mit vielen warzeichen wol
beweiset haben, das sie nicht liebers sehen denn das wir alle jm blut schwimmen
musten. Also wenn ein furst zornig wird, meinet er bald, er musse einen krieg
anfahen, da zundet und hetzet jderman an, so lange bis man soviel verkriegt und
blut vergossen hat, das der Rewel kompt, und gibt etlich taussent gulden fur
die seelen die umbkomen sind. Das sind und bleiben bluthunde, konnen nicht
rugen, bis sie sich gerochen und jren zorn gebuesset haben, bis sie land und
leut jnn jamer und ungluck furen, und wollen dennoch Christliche fursten
heissen und rechte sachen haben.
Es gehoret mehr dazu krieg anzufahen, denn das du eine
rechte sache habest, Denn ob wol hie nicht verbotten wird, das man nicht
kriegen solle, wie gesagt, das Christus hie nichts der oberkeit und jrem ampt
wil genomen haben, sondern leret nur die einzelen personen, die fur sich selbs
Christlich leben wollen, Da gilt nicht, das ein furst mit seinem nachbar
kriegen wil, ob er gleich (sage jch) rechte sache und der ander unrecht hat,
Sondern es heisset ‘Selig sind die fridfertigen’, das wer ein Christ und Gottes
kind sein wil, nicht allein kein krieg und unfried anfahe, sondern zum fride
helffe und rate wo er jmer kan, ob auch gleich recht und ursachen gnug zu
kriegen weren, jst gnug, wenn man alles versucht und nichts helffen wil, das
man ein notwere thun mus land und leute zu schutzen. Darumb sollen nicht [s.
331] Christen, sondern des Teuffels kinder heissen die zornigen junckern, die
von stund an messer sturtzen und von leder zucken umb eines worts willen, Viel
mehr aber die jtzund das Euangelium verfolgen und desselbigen prediger unschuldiglich
brennen odder ermorden lassen, die jn nichts boeses, sondern alles guts gethan
und mit leib und seele gedienet. Doch von diesen sagen wir hie nicht, sondern
allein von denen, die da wollen recht und gute sachen haben und meinen, sie
sollen nicht leiden als hohe und furstliche personen, obs auch gleich ander
leut wolten leiden.
Dawidder stehet hie also, wo dir unrecht und gewalt
geschicht, das nicht gilt, das du woltest deinen nerrisschen kopff zu rat nemen
und bald anfahen zu rechen und widderschlahen, sondern das du denckest und
trachtest, wie es vertragen und fride werde. Wil aber solchs nicht sein und du nicht
kanst leiden, so hastu recht und oeberkeit jm lande, da bey du es ordenlicher weise
magst suchen, Denn sie jst dazu gesetzt, das sie solchs weren und straffen sol.
Darumb wer dir gewallt thut, der sundigt nicht allein widder dich, sonder viel
mehr widder die oeberkeit selbs, weil es nicht dein, sonder jr gepot und befelh
jst, das man friede halte. Drumb lasse deinen Richter, dem es befolen jst,
solchs rechen und straffen, als widder den sich dein widdersacher verwirckt
hat. Wenn du dich aber wilt selbs rechen, so thustu noch grosser ubel, das du
auch derselbigen sunde schuldig wirst als der widder die oeberkeit sundigt und
jnn jr ampt greiffet, dazu deine rechte sache selbs unrecht machest. Denn es
heist also: ‘Wer widderschlegt, jst unrecht und Widderschlagen macht hadder’.
Sihe das jst eines, das Christus hie foddert widder die
rachgyrige und rumorische koepffe, und heisset Fridefertigen zum ersten die da
land und leuten zum friede helffen, als frome Fursten, Rethe odder Juristen und
Oberkeit, so umbs friden willen jnn jrem ampt und regiment sitzen, Darnach auch
frome buerger und nachbarn, die hadder und zwitracht (so durch boese, gifftige
zungen zugericht) unter man und weib odder nachbarn richten, sunen und wegnemen
durch jre heilsame gute zungen, Wie S. Augustinus von seiner mutter Monica rhumet,
das wo sie zwo uneins sahe, redet sie allzeit das beste auff beiden seiten, und
was sie von einer guts horete, das bracht sie zu der andern, aber was sie
boeses horet, das schweig sie odder linderts soviel sie kund, und also viel
unternander versunet. Denn das gehet sonderlich unter dem weiber volck, unter
welchen sonst das schendliche laster affterreden regieret, das offt durch eine
boese zungen viel unglucks angericht wird, da dienen zu die bittern und gifftigen
Teuffels breute, welche wenn sie ein wort von einer horen, das spitzen,
scherffen und verbittern sie auffs aller ergste gegen andern, das zuweilen jamer
und mord draus kompt.
Das machet alles, das uns naturlich anklebt der schendliche
Teuffelissche [s. 332] unflat, das jderman gerne das ergste horet und redet von
dem nehesten und sich kutzelt, wo er an einem andern einen feil sihet: Wenn ein
weib so schoen were als die sonne und jrgent ein mal odder flecklin am leib hette,
so solt man des andern alles vergessen und allein nach dem flecken sehen und
davon sagen. Also wenn eine die berumpste von ehren und tugenden were, noch sol
eine gifftige zunge komen, die sie hette ein mal mit einem lachen sehen, und so
zuschanden machen, das alle jr lob und ehre muste vertunckelt werden. Das
heissen rechte gifftige spinnen, die aus einer schonen, lieblichen rosen nichts
denn gifft saugen konnen und beide die blumen und safft verderben, aus welcher
ein binlin eitel suss honig seuget und die rosen unverseeret lesst. Also thun
diese, die auch nichts an ander leute ersehen, denn wo sie gebrechlich odder
unrein sind, das sie taddeln konnen, dagegen was sie guts an sich haben nicht
sehen. Wie denn viel tugend am menschen sind, die der Teuffel nicht verderben
kan und doch aus den augen thut odder verstellet, das man sie nicht sehen sol,
Als an einem weib, ob es gleich allenthalben gebrechlich und kein ander tugend
hette, so jst es dennoch gottes creatur und kan zum wenigsten wasser tragen odder
windel wasschen, und jst kein mensch auff erden so boese, es hat ja etwas an
jm, das man loben mus. Was jst des denn, das man das gute aus den augen setzet
und allein jnn die augen bildet und ansihet, wo er unrein jst, als hette man
lust einen andern mit urlaub nur jnn hindern zusehen? So doch Gott selbs die
unehrlichsten gelieder am leib [1. Kor. 12, 23 f.] zugedeckt und (wie Paulus 1.
Cor. 12. sagt) am meisten ehre gegeben hat, Und wir sind solche unfleter, das
wir nur was unfletig jst und stinckt erfur suechen und darinn wuelen wie die
sew.
Sihe das sind auch rechte Teuffels kinder, welcher auch
selbs daher den namen hat, das er Diabolus heisset, das jst ein schender und
lesterer, als der seine lust daran hat, das er auffs ergste uns schende und
unternander verbittere, auff das er nur mord und jamer anrichte und kein fried
noch eintracht zwisschen bruder und nachbarn, man, weib bleiben lasse. Des habe
jch ein mal ein exempel gehoret von zweyen eheleuten, so mit einander lebten jnn
so grosser liebe und eintracht, das man jnn der gantzen stad davon sagt. Und
als er solchs mit nichte kondte hindern, schicket er ein alten balck zu dem
weib, die bracht jr zu oren, wie jr man mit einer andern zuhielte und gedechte
sie umb zubringen, erbittert also jr hertz gegen dem man und gab jr den rat,
sie solt ein schermesser heimlich zu sich nemen, das sie jm vorkeme. Da sie das
hatte ausgericht, kam sie zu jrem man und sagt jm eben dasselbige von jr, wie
sie jn wolte ermorden, und zu warzeichen (sprach sie) wuerde er des
Darumb hute dich fur solchen, das du sie nicht horest noch
stat gebest und lerne, das was du vom nehesten horest sagen, zum besten aus
legest odder ja zudeckest, auff das du fride und eintracht machest und
erhaltest: so magstu fur aller welt und den Engeln jm himel mit allen ehren
Gottes kind heissen. Diese ehre soltestu dich jhe lassen reitzen und locken, ja
darnach lauffen, wenn dirs mueglich were bis ans end der wellt und gerne alles
was du hettest da fur geben. Nu hastu es hie angebotten und umb sonst
furgetragen, darffest nichts dafur geben noch thun, on wo du wilt Gottes kind sein,
das du dich auch also erzeigest und deines vatern werck thuest gegen deinem
nehesten. Denn also hat uns auch unser HErr Christus gethan, da er uns dem
vater versuenet und zu gnaden bracht und noch teglich uns vertrit und das beste
fur uns redet.
So thu du auch, das du ein sunlicher mensch und mitler
seiest zwischen deinen nehesten und das beste tragest zu beiden seiten, das
boese aber, so der Teuffel eingegeben hat, schweigest odder soviel du kanst
ausredest. Kompstu zu Greten, so thu wie gesagt von der heiligen Monica,
Augustini mutter, und sprich: Ach liebe .N. warumb seid jr so bitter? meinet
sie es doch warlich nicht ubel, jch merck nicht anders an jr, denn das sie
gerne wolt ewer liebe schwester sein &c.. Des gleichen kompstu zu Katharin,
auch also, So hettestu, soviel jnn dir jst, auff beiden seiten fride gefertigt
als ein recht Gottes kind.
Wiltu aber odder must das boese sagen, so thu wie dich
Christus geleret hat, trage es nicht zu andern, sondern gehe zu dem der es
gethan hat, und vermane jn, das er sich bessere. Nicht also, das du es schaw
tragest, wo du hin kompst, und lassest die person stehen, die es angehet,
redest wo du schweigen soltest, und hie schweigest da du soltest reden. Das jst
die eine und erste weise, das du zwisschen dir und dem nehesten alleine
handlest. Mustu es aber ja andern sagen, wo jenes nicht helffen wil, so sage es
denen, welchen es geburt zustraffen, Vatter und mutter, herr odder fraw,
burgemeister und richter &c.. Das were recht und ordenlich gehandelt, da
mit das boese weggelegt und gestrafft wurde. Sonst wenn du es unter ander leute
tregst, so bleibt die person ungebessert und das boese ungestrafft und wird
gleichwol durch dich und andere ausgetragen, das jderman sein maul damit
wesschet. Sihe wie ein frumer artzt mit einem krancken kind thuet, der leufft
nicht unter die leute und schreyet es aus, sondern gehet zu jm und greifft jm
an den puls und an andern ort, wo es not thut, nicht das er seinen lust an seinem
schaden busse odder sein lache, sondern aus guter hertzlicher meinung, [s. 334]
das er jm helffe. Also lieset man von dem heiligen Patriarchen Joseph [1. Mose
37, 2] Gen .37. der mit seinen brudern bey dem vieh war, und wenn boes geschrey
widder sie kam, gieng er hin und bracht es fur jren Vater als jren oberhern, dem
da geburet einzusehen und zu straffen, weil sie nicht wolten jn horen.
Sprichstu aber: Warumb greiffestu selbs den Bapst und andere
offentlich an und heltest nicht fride? Antwort: Man sol ja das beste raten und
helffen zum fride und schweigen alles man schweigen kan, Aber wenn die sund offenbar
jst und zu weit umb sich greiffet odder offentlich (als des Babst lere) schaden
thut, da gilt nicht mehr schweigen sondern weren und straffen, sonderlich mir
und andern, so jnn offentlichem ampt sind, denen es geburt zu leren und warnen
jderman. Denn mir jsts befolen und auffgelegt als einem prediger und Doctor,
dazu gefoddert, der da sol auffsehen, das niemand verfuret werde, auff das jch
dafur konne rechenschafft geben am jungsten [Apg 20, 28 ff.] gericht. Also befihlet
S. Paulus Act. 20. den predigern, das sie sollen wachen und acht haben auff die
gantzen herd fur den wolffen, so unter sie komen wuerden &c.. So geburet
mir auch zustraffen die offentlich sundigen, das sie sich bessern, Gleich wie
ein Richter offentlich die boesen verdamnen und straffen mus von ampts wegen.
Denn es jst gnug gesagt, das Christus hie von keinem offentlichen ampt redet,
sondern von allen Christen jnn gemein nach dem wir alle gleich sind fur Gott.
Jch habe droben gesagt, das diese stuck und verheissung alle
mussen verstanden werden jm glauben von den dingen, die man nicht sihet noch
horet, und nicht sagen vom eusserlichen schein. Denn wie kan es den wolgehen
und selig heissen, dem eusserlichen ansehen nach, der da arm jst und trauren
odder leid tragen, dazu allerley verfolgung leiden mus, welchs alle welt und
vernunfft heisset ubel gehen und fliehen leret? Darumb wer die seligkeit und guter
wil haben, davon hie Christus sagt, der mus das hertz empor schwingen uber alle
sinne und vernunfft und nicht urteilen von sich selbs, darnach er fulet,
sondern so schliessen: Bin jch arm, so bin jch nicht arm, Arm bin jch wol
eusserlich nach dem fleisch, aber fur Gott jm glauben bin jch reich. Also wenn
er sich fulet traurig, betrubt und bekoemert, mus er auch nicht darnach urteilen
noch sagen, er sey ein unselig mensch, sondern sich herumb werffen und sagen:
Jch fule wol trawrikeit, jamer und hertzleid, aber gleichwol bin jch selig,
frolich und getrost auff Gottes wort. Eben dem nach gehet auch jnn der welt das
widderspil, das die reich und selig heissen, die sinds nicht. Denn Christus
schreyet Weh uber sie und heisset sie unselig, ob es gleich scheinet, als seien
sie wol dran und gehe jn auffs aller beste. Darumb solten sie auch jre
gedancken erheben uber reichtumb und gute tage, die sie fulen, [s. 335] und
sagen: Jch bin wol reich und lebe jnn eitel freuden, aber weh mir, wenn jch
nicht etwas anders habe, denn es mus gewisslich eitel elend, jamer und
hertzleid darunter sein, das uber mich gehen wird, ehe jchs fule und mich versehe.
So gehe durch alle diese stuck, das alles ein ander ansehen hat fur der wellt,
aber anders nach diesem worten.
So haben wir nu bisher gehandlet fast alle stuecke eines
Christlichen wesens und geistliche fruechte des glaubens nach den zweyen
stuecken, erstlich fur seine person, das er arm, betrubt, elend, mangel und
hunger leidet und dazu gegen andern ein fruchtbar, wolthetig, barmhertzig,
fridfertig mensch jst und nichts denn gute werck thuet. Hie setzet er nu dazu
das letzte, wie es jm drueber gehet, das er uber das, das er voller guter werck
jst, auch gegen feinden und boesen buben, mus das zu lohn haben von der welt,
das er verfolgt werde und leib, leben und alles druber zusetze.
Darumb wiltu ein Christen sein, so erwege dich des, das du
unerschrocken seiest und nicht darumb verzagest noch ungeduldig werdest,
sondern froelich und getrost dazu seiest und wissest, es stehe nicht ubel umb
dich, wenn dirs so gehet. Denn es jst jm selbs und allen heiligen (wie bald
auff diese wort folgen wird) also gangen, Und wird den so Christen sein wollen,
darumb also zuvor gesagt, das sie sollen und muessen verfolgung leiden. Darumb magstu
welen, welchs du wilt, du hast zween wege fur dir, entweder zum himel und
ewigen leben odder zu der helle, entweder mit Christo odder mit der wellt. Aber
das mustu wissen, wo du darnach lebst, das du hie gute tage und kein verfolgung
wilt haben, so wirstu mit Christo gen himel nicht komen und widderumb. Und must
kurtzumb entweder den Christum und den himel lassen faren odder dich des
erwegen, das du allerley verfolgung und plage jnn der wellt leiden wollest.
Summa wer den Christum wil haben, der mus leib, leben, gut, ehr, der wellt
gunst und gnade dahin setzen und wedder verachtung, undanck noch verfolgung
sich lassen erschrecken.
Ursach jst diese: Der teuffel jst ein boeser, zorniger geist
und kan noch wil nicht leiden das ein mensch zu Gottes reich kome, nimpt ers
aber fur, so legt er sich jnn weg, erwecket und versuchet dawidder alles was er
kan. Darumb wiltu Gottes kind sein, so dencke und rueste dich zu der
verfolgung, [2. Tim. 3, 12] wie der Weise man sagt und Paulus 2. Tim .3. ‘Alle
die gottselig leben wollen jnn Christo Jhesu, muessen verfolgung leiden’. Jtem
Christus selbs [Joh. 15, 20] ‘Der juenger sols nicht besser haben denn sein
Meister, haben sie mich verfolgt, so werden sie euch auch verfolgen’ &c..
Da wird nichts anders aus, darumb heisst es ‘Selig sind die verfolgung leiden
umb des himelreichs willen’, das man wisse wes man sich zu trosten habe. Denn
es jst sonst ein verdrieslich, unselig wesen eusserlich anzusehen und thut faul
jmerdar zu sitzen jnn fahr [s. 336] leibs und guts, Wo aber der glaube solchs
fasset, kan er sich daruber erheben und dencken: Nu hat ja dennoch Christus
gesagt, Jch sey selig und wol dran, weil denn ers gesagt hat, so lasse jch
solchs mein trost sein und mir wolgefallen. Das wort soll mir mein hertz gros
machen, ja grosser denn himel und erde. Denn was sind alle die mich verfolgen,
gegen diesen man odder sein wort? Jst einer odder zween die uns verfolgen, so
sind jr viel mehr, ja zehen tausent engel gegen einen, die es mit uns halten
und uns zu lachen, trosten und selig sprechen sampt allen heiligen, so mit
Christo und Gott selbs stimnen. Darumb mussen wir solche wort nicht so kalt und
roh ligen lassen, sondern wol auffblasen und gros machen und setzen widder alle
verfolgung, so werden wir sehen und lernen, das alle unser leiden zuverachten
jst als lauter nichts gegen diesen hohen trost und ewiges gut.
Er setzet aber deutlich dis wort ‘Umb der gerechtigkeit
willen’, an zu zeigen, das nicht gnug sey verfolget werden, wo dis nicht dabey
jst. Denn der Teuffel und boese leut mussen wol auch leiden, das man sie
verfolgt, und ein bube fellet offt dem andern jnn die har und sind unter
einander nicht freund, wie ein morder den andern verfolgt, ein Turck widder
einen Tattern kriegt, sind aber darumb nicht selig, Sondern es gilt allein
denen, die umb [1. Petri 4, 15] gerechtigkeit verfolgt werden, wie auch .1
Petri .4. sagt ‘Niemand unter euch leide als ein morder odder dieb odder
ubeltheter’ &c.. Darumb gilts nicht, das man on das viel rhume odder
schreie von grossem leiden, wie die heillosen moenche die armen leute verfuret
haben, so man hat aus gefurt zur straffe umb jr ubelthat willen Und so
getrostet, das sie solchen tod solten fur jre suend setzen. Du aber hute dich
fur dem tod, der da fur deine sund soll gelten, denn er gehoret jnn abgrund der
hell. Es mus zuvor Gerechtigkeit da sein und des Herrn Christi tod.
Darumb sihe zu, das du zum ersten ein rechte Goettliche
sache habest, darumb du mussest verfolgung leiden und der selbigen gewis
seiest, das dein gewissen darauff bestehen und bleiben koende, wenn gleich alle
wellt widder dich stunde. Darumb mus fur allen dingen Gottes wort gewis und
fest gefasset sein, das man daraus kein zweivel noch wancken mache, Als wenn dir
jtzt Keiser, Bisschove, Fursten wolten verbieten das ehelich leben, freiheit zu
essen odder beiderley gestalt des Sacraments &c.. und dich daruber
verfolgen, da mustu zusehen das dein hertz der sach gewis und gantz beschlossen
sey, das Gottes wort solchs wil frey und unverboten haben, ja befilht ernstlich
daruber zu halten und leib und leben daran zu setzen: so hastu denn den trotz,
das du kanst sagen, Die sache jst nicht mein, sondern meines Herrn Christi,
Denn jch habe es ja nicht aus meinem kopff erdacht, weder aus [s. 337] meinem
noch einigs menschen rat und willen furgenomen und angefangen, sondern durch
Christus mund von himel herab bracht und verkundigt empfangen, der mir nicht
leugt noch treugt, sondern eitel warheit und gerechtigkeit selbs jst. Auff des
mans wort will jch wogen, leiden, thun und lassen was jch sol, Und sol mir sein
einig wort mehr gelten mein hertz [6, 7] zu trosten und stercken denn aller
Teuffel und welt wueten und drewen zuschrecken.
Denn was jsts, wenn ein furst odder Keiser toll und toricht
jst mit toben und drewet mit dem schwerd, feur odder galgen, wenn mir mein
Christus dagegen freundlich jns hertz redet und trostet mit solchen
verheissungen, das jch selig sey und mit Gott jm himel hertzlich wol dran sey,
und mich alles himlisch heer und creatur selig preissen, wenn jch ein solch
hertz und mut habe, das jch kan umb seines worts und wercks willen leiden. Was
sol jch mich denn solch elende leut, so wol feindlich widder Gott toben und
spruen, aber wie der rauch und wie die armen wasser blasen plotzlich vergehen, [Jes.
31, 12] erschrecken lassen? Wie auch der Prophet Jesaia. 51. spricht ‘Jch bin
ewer troster, was jsts denn das du dich fur menschen furchtest, die doch
sterben mussen, und fur menschen kindern, die als hew da hin gerafft werden,
und vergissest des HERRN, der dich gemacht hat, der den himel ausbreitet und die
erden grundet?’ &c.. das jst: Er jst ewig und allmechtig, der dich trostet und
gefallen an dir hat, wenn sie all dahin sein, so bleibt er dennoch droben sitzen
und du auch. Warumb willtu dich denn mehr annemen des drewens und pochens eins
elenden stinckenden madensacks denn solchs gottlichs trosts und wolgefallens,
dafur du Gott soltest dancken und von hertzen fro sein, [Apg. 5, 41] das du
solchs wirdig bist zu leiden, wie die Apostel Act. 5. mit freuden und sprungen
davon giengen, da sie geschmecht und gesteupt waren.
Sihe, sind wir nu nicht hoch gesegnet mit diesen worten,
wenn wirs nur mit lieb und danck annemen? Denn es feilet ja nicht an
verfolgung, Und haben dazu das grosse vorteil, das unser widdersacher selbs
nicht koennen unser sache verdamnen und muessen on jren danck bekennen, es sey
wol recht und die warheit. Aber das manglet daran, das wirs leren, Denn sie
wollens von uns nicht lernen noch annemen, welchs jst vor noch nie geschehen
noch gehoret, darumb was wir daruber leiden, das jst ein heilig selig leiden,
dem sie auch selbs mussen zeugnis geben. Und jst nu nicht mehr ein menschliche,
sondern ein rechte teuffelische verfolgung, das sie sagen, es musse und solle
nicht Gottes wort heissen, sondern sein maul halten und nicht predigen, es kome
denn zuvor und falle dem Bapst zu fusse und lasse uber sich urteilen was jm und
seinen larven gefellet.
[s. 338]
Darumb lasst uns
deste frolicher und lieber leiden alles was sie widder uns thun konnen, weil
wir den starcken, gewissen trost und grossen, herlichen rhum haben, das unser
lere und sache durch jr eigen mund bestetigt jst. Dazu hie die treffliche
liebliche verheissung horen, Das uns wol sol belonet werden jm himel, und uns
des frewen und jauchzen sollen, als die nicht nach dem himel durffen trachten,
sondern allbereit haben, und sie mit jrem verfolgen nicht mehr thun denn das
sie uns deste mehr dazu fordern, ja zum himel treiben und jagen. Nu sihe ob
diese schlechte kurtze wort nicht soviel muts konnen machen als alle welt
vermag, und mehr trosts und freude geben denn uns alle feinde leid und plage
konnen anlegen? wenn man sie nur nicht rohe uberlauffet, sondern ein wenig mit
dem hertzen fasset und nachdencket.
Das jst nu gesagt von der verfolgung, so mit der that odder
faust geschicht und uber leib odder gut gehet, da man den Christen gewalt
anlegt und martert, brennet, hengket und wurget, wie auch jtzt geschicht und
allzeit geschehen jst. Daruber jst nu noch eine verfolgung, die heisset
lesterung, schmach odder schande, so die ehre und unsern namen betrifft, welche
die Christen furnemlich fur allen andern leiden mussen, davon redet nu Christus
weiter.
[Matth. 5, 11] Selig seid ir, wenn euch die menschen umb
meinet willen schmehen und verfolgen und reden allerley ubels widder euch, so sie
daran liegen.
Dis jst auch ein grosse schweere verfolgung und (wie gesagt)
das rechte leiden der Christen, das man sie auffs aller bitterst und gifftigst
lestert und schmehet, Denn ob wol ander leut auch mussen verfolgung leiden, das
man jn gewalt und unrecht thut, so lesst mans dennoch daran gnug sein, das sie
jre eren und guten namen behalten. Darumb jst solchs noch nicht ein recht
Christlich leiden, Denn hie jsts nicht gnug, das man jn alle marter und plag
anlegt, sondern mus dazu jren namen auffs aller schendlichst anspeyen und durch
lestern, so das die welt noch herrlich rhume, wenn sie die Christen wurget, sie
habe die ergsten buben hingerichtet, so die erde nicht habe konnen tragen, und
habe Gott den grosten angenemsten dienst gethan, [Joh. 16, 2] wie Christus sagt
Joh. 16. Das kein schmelicher und schendlicher name auff erden komen jst denn
eines Christen und kein volck, dem man so bitter feind jst und so mit boesen,
gifftigen zungen zusetzet als den Christen.
Solchs beweiset man jtzt auch redlich an dem lieben
Euangelio und seinen predigern mit solchem lesterlichen schenden, liegen,
triegen, boesen tucken und gifftigen auslegen, das einer lieber solt wundschen
viel mal den tod zu leiden denn solche gifftige, verlipte boese pfeile. Da
feret der Bapst daher und schlegt mit seinem donner und blitz darein, verdampt
uns unter neun hellen [s. 339] als des ergsten Teuffels kinder. Dem nach wutet
und tobet sein gesind, Bisschouee und Fursten mit so greulichem lestern und
schenden, das es durch leib und leben mag gehen, das einer muste zuletzt mude
werden und nicht ertragen kunde, wenn wir nicht einen sterckern und mechtigern
trost hetten denn alle jr bosheit und wuten sein kan. Darumb lassen wir sie
toben und lestern, das sie sich selbs zuplagen und das gebrandte leid haben mit
jrem gifftigen unsettigem hass und neid, wir aber sind getrost und guts muts: Wollen
sie viel zurnen und wuten, so konnen wir dagegen lachen und frolich sein.
Darumb sage jch abermal, wer ein Christen wil sein, der
wisse des zu gewarten, das er solch verfolgung von gifftigen, boesen
lestermeulern leiden mus, sonderlich wo sie mit der faust nichts vermoegen, das
er alle wellt jre zunge an jn wetzen und auff jn zielen, stechen und hawen
lasse Und er dagegen solchs alles nur trotzlich verachte und dazu lache jnn
Gottes namen und lasse sie zurnen jnn jres Gotts des Teuffels namen Auff den
trost und sicherheit (wie gesagt) das unser sache recht und Gottes eigen jst,
welchs auch sie selbs bestetigen mussen, ob sie uns wol verdamnen und doch
sagen, es sey die warheit, dazu unser hertz und gewissen fur Gott sicher jst,
das wir recht leren, Denn wir ja nicht aus unserm kopff und eigener vernunfft
odder weisheit leren noch unsern nutz, gut odder ehre bey der wellt damit
suchen, sondern allein Gottes wort und werck predigen und preissen, Dagegen
sie, unser feinde, nichts denn jre eigen werck, verdienst und heiligkeit rhumen
und uns, die wir solchs nicht mit jn treiben, daruber verfolgen.
Denn sie verfolgen uns nicht, als seien wir ehebrecher,
reuber odder diebe &c.. konnen die verzweivelsten schelcke und buben wol
unter sich leiden, sondern daruber hebt sich das zeter geschrey, das wir jr
lere und leben nicht wollen recht heissen und allein das Euangelium, Christum,
den glawben und rechte gute werck preissen und also nicht fur uns sondern alles
umb des Herrn Christi willen leiden. Darumb wollen wirs auch mit jn aussingen und
so harten kopff sollen sie nicht haben, wir wollen noch hertern haben. Denn sie
sollen kurtzumb den man lassen bleiben, es sey jn lieb odder leid.
Das sind doch suesse trostliche wort, die ja solten unser
hertz lustig und mutig machen widder allerley verfolgung. Solt man nicht des
lieben Herrn wort und trost tewrer und mehr achten denn eines ommechtigen
madensacks odder des schendlichen Bapsts zurnen, drewen, bannen, fluchen und
donnern? wenn er gleich die grundsuppe und gantze helle seiner ungnad und
fluchs wie eine wolckenbruch uber uns ausschuttet, weil jch hore, das meinem
Herrn [s. 340] Christo so hertzlich wol gefellet und mich selbs heisset frolich
dazu sein, dazu so trefflichen lohn verheisset, das das himelreich sol mein
sein und alles was Christus sampt allen heiligen und der gantzen Christenheit
hat, Summa ein solchen schatz und trost, dafur jch nicht solt nemen aller welt
gut, freude und seitenspeil, ob gleich alles laub und gras eitel zungen weren,
die mich lobten und preisseten. Denn hie nicht ein Christen, ja nicht ein Engel
mich selig preissen, sondern der Herr aller Engel, dem beide sie und alle
Creatur mussen zu fussen fallen und anbeten. Darumb mussen sie mit allen
creaturn, auch laub und gras, mich zuloben und preissen frolich von mir singen
und springen.
Was sind nu dagegen die mich lestern und fluchen denn eitel
nysse und leuse belge (mit urlaub), ja noch viel schendlicher denn sie jmand
nennen kan? Was were es, wenn alle creatur, bletter und gras jm walde und sand
am meer eitel zungen weren und sie auffs eusserste taddelten und vernichteten gegen
dis mans einig wort? Denn seine stimme klinget so hell, das himel und erden
davon voll werden und erschallen mus und dagegen verschwinden das spitelische,
heischer scharren und husten seiner feinde.
Sihe, also solten wir ein wenig lernen solcher wort brauchen
und uns nutz machen, als die nicht umbsonst da stehen, sondern uns zur stercke
und troste gered und geschrieben sind, da mit er uns als unser lieber meister
und trewer hirt odder bisschoff rustet, das wir geschickt und unerschrocken
dazu seien zuleiden, wenn man uns alle plage und unglueck anlegt umd seinen willen
beide mit worten und wercken, Und solchs alles was uns unter augen stosset,
verachten koennen und widder unser eigen vernunfft und hertz richten.
Denn wo man den sinnen und fulen nach henget, gehet es ja
saur unter augen und thut wehe das einer soll der welt und jderman dienen, helffen,
raten und eitel gut thun und nichts dafur einnemen zu danck denn den ergsten
bittersten hass und verfluchte gifftige zungen. Das wo fleisch und blut hie
solt regieren, wurde es bald sagen: Sol jch nichts anders davon haben, so bleib
bey dem Euangelio und sey ein Christ wer da wil und helffe der Teuffel furthin
der welt, wenn sie nicht anders wil. Daher auch jderman itzt klagt und
schreyet, das Euangelion mache viel unfried, hadder und unordig wesen jnn der
welt und stehe alles erger, sint es auff komen jst, denn vor jhe, da es doch
fein still zugieng und kein verfolgung war und die leut mit einander lebten als
gute freund und nachbarn.
Es heisst aber also: Wiltu das Euangelion nicht haben noch
ein Christen sein, so gehe hin und halt es mit der welt, so verfolget dich
niemand und bleibst wol jr freund, Wiltu aber das Euangelion und Christum
haben, so mustu dich des erwegen das es ubel zugehe, unfriede und verfolgung [s.
341] angehe, wo es hin kompt. Ursach: Denn der Teuffel wird nicht leiden, das anders
zugehe, noch auffhoeren die leut zu hetzen widder das Euangelion, das alle welt
dawider entbrand werde wie jtzt baur, burger, edelman, fursten und Herrn, die
dem Euangelio aus lauter mutwillen feind sind und selbs nicht wissen worumb.
Darumb sage jch also, solche unnuetze meuler und kleglingen
zu antworten: Es kan und sol nicht wol und fein zugehen, Denn wie solt es wol zugehen,
wo der Teuffel das regiment hat und dazu dem Euangelio tod feind jts? und zwar
auch nicht on ursach, denn es thut jm schaden jnn seinem reich, das ers fulet,
und wo ers solt ungehindert gehen lassen, so were es bald darumb geschehen und
gar zurstoret, Sol ers aber weren und hindern, so mus er alle seine kunst und
macht auff bringen und dawidder erwecken was jnn seiner gewalt jst. Darumb
hoffe keines frieds und stilles wesen nicht, so lang sich Christus mit seinem
Euangelio jnn des Teuffels reich leget, Und weh des wolgehens und guten
gemachs, das furhin gewesen jst und sie jtzt wuendschen und begeren, Denn das
jst ein gewis zeichen, das der Teuffel mit aller gewalt regiret und kein
Christus da jst, wie jch leider besorge, das es widder so gehen wird und das
Euangelion all zu frue von uns Deudschen komen wird, darnach solche schreyer
jtzt ringen.
Wir aber haben ja diese sicherheit, das nicht unser schuld
jst, das es ubel zu gehet, Denn wir sehens von hertzen gerne, das alles recht
gienge, und haben ja das unser gethan mit leren, vermanen, bitten, flehen und
weichen, auch gegen den feinden, bieten jn friden an und alles was wir sollen,
hellffen und raten dazu aus allen krefften, ja mit unsern eigen fahr und
nachteil, leiden daruber was wir sollen, noch schaffen wir nichts, denn das sie
uns auffs greulichst und gifftigst verfolgen, lestern und schmehen und nicht
auffhoren koennen, bis sie sich jnn unserm blut moechten kulen. Weil es denn nicht
anders wil sein, so lassen wir sie zuletzt auch faren mit jrem drewen, toben
und lestern und halten uns des trosts, den wir hie gehoret haben, gewis, das
sie es nicht werden dahin bringen, da sie es gerne hetten, sie haben denn vor
den Christum vom himel gesturtzt und mit allem was er gered hat zum lugner
gemacht.
Seid jrs doch nicht allein (wil er sagen) denen solchs
widderferet. Sehet euch umb und rechnet zuruck nach allen heiligen vetern, die
jhe vor euch gelebt haben, so werdet jr finden das jn allen so gangen jst, was
wollet jr denn sonderlichs haben? sol er umb ewrn willen seine weise lassen?
Hat [s. 342] ers doch jnn seinen lieben vetern und Propheten mussen leiden, das
man sie verfolget und erwuergt hat, dazu von jderman gelestert und geschmecht
und der welt spott gewesen sind, wie man jnn der Schrifft sihet, das eine
gemeine weise und sprichwort gewesen jst, wenn man einen Propheten nennen wolt,
[2. Kön. 9, 11] so nennet man jn einen narren, als jnn historia Jehu 4. Reg. 9.
sprachen sie von einem Propheten ‘Warumb jst dieser rasender zu dir komen’? und
Jesaias [Jes. 57, 4] 57. zeigt, wie sie das maul gegen jm auffgespert und die
zunge heraus gereckt haben. Was haben sie aber damit ausgericht denn das jtzt
die lieben Propheten und heiligen jnn aller welt ehre, lob und preis haben,
dazu mit dem Herrn Christo ewig regiren, jhene aber auffs aller schendlichste
stincken und verflucht werden? Solches solt jr euch auch gewislich versehen
(sagt Christus), das euch belonet sol werden, wie es jenen belonet jst,
reichlicher und herrlicher denn jr konnet gleuben odder durffet wuendschen.
Denn jr seid eben jnn der selben geselschafft und gemeine.
Sihe das jst jhe ein feiner kostlicher prediger und trewer
meister, lesset nichts aussen, das da dienet zu stercken und getrost zu machen
beide mit seinem wort und verheissung, dazu mit exempel und zeugnis aller
heiligen und seiner selbs, mit welchem zu stimmen alle engel jm himel und
creaturn. Was wolten wir denn mehr haben und begeren? solten wir nicht auff
solchen trost der welt und dem Teuffel einen zorn und trotz ausstehen umb
seinen willen? Was wolten wir thun, wenn wir nicht rechte Goettliche sache und solche
treffliche sprueche und zusagung nicht hetten und dennoch musten leiden wie
ander leut, die keinen trost haben? Denn es kan doch jnn der welt nicht dazu
komen, das man nichts leiden durffte, und mus (wie gesagt) ubel zugehen umb des
Euangelij willen, auff das die frumen damit beweret und zu jrem verheissen
trost, freunde und seiligkeit gefordert, die boesen aber und verechter odder
feinde des Euangelij gestrafft und verdampt werden.
So hat nu Christus bisher seine Christen zu gerichtet und
bereitet, wie sie sollen fur sich jnn der welt leben und leiden Und sonderlich
die, so offentlich ampt furen sollen jnn der Christenheit, wie wol auch on das
ein jglicher Christ als fur sich selbs sol allzeit bereit sein, das er stehen
koenne wo es not jst seinen Herrn zubekennen und seinen glauben zuvertretten,
und jmerdar geruest widder die welt, Teuffel, rotten und was er vermag auff zu bringen.
Nu feret er weiter und wil jn auch das ampt auff legen und leren, wie sie
dasselbige furen sollen, darnach auch jnn mund legen, was und wie sie predigen
sollen, Denn nach diesen stucken jst ein Christen gantz volkomen, wenn er fur
seine person recht lebet und druber allerley leidet, darnach auch sein ampt,
damit er andern dienen und helffen sol, recht furet und treibt. So spricht er
nu:
[s. 343]
Mitt dem wort saltz zeigt er (wie gesagt) was jr ampt sein
sol, Denn saltz jst fur sich selbs nicht saltz, kan sich selbs nicht saltzen,
sondern das jst sein brauch, das man fleisch und wo zu mans jnn der kuechen
darff, damit saltze, das es seinen schmack habe, frisch bleibe und nicht
verfaule. Also, spricht er, Seid jr auch ein saltz, nicht das jnn die kuechen
gehoret, sondern dazu, das man damit saltze solch fleisch, das da heisst die
gantze welt. Das ist ja ein herrlich ampt und ein grosse treffliche ehre, das
sie Gott sein saltz heisset und da zu setzet, das sie sollen saltzen alles was
auff erden ist. Es gehoret aber dazu ein solcher man, der da bereit sey, wie er
bisher geleret hat, arm, elend, durstig, sanfftmuetig &c.. zu sein und
allerley verfolgung, schmach und lesterung zuleiden. Wo das nicht jst, da wird
nymer kein prediger aus, der da recht anfahe zu saltzen, sondern bleibt wol ein
thum saltz, das nirgent kein nutz jst.
Denn es jst ja viel auffgelegt und zu hoch uber laden, das
die armen fischer odder sonst ein armer verachter mensch sol fur Gott heissen
ein saltz der erden und sich unterwinden anzugreiffen und zusaltzen alles was menschen
sind auff erden. Vernunfft und natur vermags nicht, denn sie wirds muede und
kans nicht leiden, das sie nur schand, schmach und ungluck solt davon haben,
und wuerde bald sagen: Saltze der Teuffel die welt an meiner stat. Darumb haben
bisher unser heilige veter, Bisschove, Moenche und Einsidler weislich gethan,
das sie des predigens mussig gangen und anders dings gewartet odder sich von
leuten gesondert haben, Denn sie haben gesehen das es zuviel kostet, jnn eitel
fahr leibs, guts und ehre sitzet und gedacht, wir wollens andern befelhen und
die weil jnn winckel kriechen und Gott dienen mit guten tagen.
Darumb jst es ia ein schweer ding ein Apostel odder prediger
zu sein und solch ampt zu treiben, ja unmueglich nach fleisch und blut zu
richten, Aber es mussen solche leut sein, die es gerne thun umb Gottes und des
Herrn Christi willen, welcher wil niemand dazu zwingen noch treiben mit
gebotten, Denn Christen stand jst ein solcher stand, der nur willige hertzen
foddert; wer nicht von hertzen lust dazu hat, wird wol davon bleiben. Unser
trotz aber jst der, wenn es ubel gehet, welt und Teuffel uns sawr ansihet und
so boese sind als sie wollen, das er zu uns sagt ‘Jr seid das saltz der erden’.
Wo das wort jns hertz leuchtet, das sichs kan drauff verlassen und ungezweivelt
rhuemen, das er Gottes saltz sey, so las zurnen und boese sein wer nicht lachen
wil, jch kan [s. 344] und thar mehr trozen und bochen auff sein einiges wort
denn sie auff alle jre macht, schwerdter und buechsen. Denn weil er mich dafur
erkennet und durch sein wort des zeugnis gibt, so muessen alle Engel jm himel,
ja Sonn und Mond sampt allen creaturn, ja dazu sagen und bey uns stehen widder welt
und Teuffel. Und ob gleich das nicht were, so hetten wir doch an dem einigen
wort gnug, das er uns so nennet und teuffet; das sollen sie wol stehen lassen,
so wollen wir auch wol fur jn bey den ehren bleiben so lang Christus und sein
wort bleibet.
Nu wie das saltzen zugehe, jst leicht zuvorstehen, nemlich
das man sol aufftretten und sagen: Alles was auff erden geboren jst und lebt,
das jst kein nutz, faul und vederbt fur Gott, Denn weil er durre und klar sagt,
sie sollen sein ein saltz der erden, das jst uber alles was die welt jst, so
mus folgen, das alles was jnn der welt jst und fleisch odder mensch heisst, mus
gestrafft und durchsaltzen werden, also das man aller welt heiligkeit,
weisheit, Gottes dienst von jn selbs erfunden ausser Gottes wort verdamne, als
das des Teuffels jst und jnn abgrund der helle gehoret, wo sichs nicht an
Christum allein helt. Das jst denn ein unfreundliche predigt, machet uns der
welt ungeneme und verdienet, das man uns feind wird und uber das maul schlegt.
Denn das kund die welt noch wol leiden, das man recht
predigt von Christo und allen artikeln des glaubens, Aber wenn man sie wil
angreiffen und damit saltzen, das jre weisheit und heilikeit nichts sol gelten,
ja blind und verdampt jst, das kan und wil sie nicht leiden Und gibt den
predigern schuld, sie koennen nichts denn schelten und beissen, und mus heissen
die welt erregt und unfried gemacht, geistliche stende und gute werck
geschendet. Aber wie koennen wir jm thun? soll man saltzen, so mus es beissen,
Und ob sie uns gleich beissig schelten, so wissen wir, das so sein sol und
Christus solchs befolen hat und wil das das saltz scharff sey und getrost
beisse, wie wir hoeren werden, Wie S. Paulus auch allenthalben thut straffen
die gantze welt und schilt alles was sie lobt und thut, wo nicht der glaube an
Christum [Joh. 16, 8] jst, Und Christus Joh. 16. sagt, Wenn der heilige geist
kome, sol er die welt straffen &c.. Das jst: Er sol alles angreiffen, was
er jnn der welt findet, keinen auszug noch unterscheid machen noch etliche
schelten und etliche loben odder allein diebe und schelcke straffen, sondern
alles, alles auff einen hauffen fassen, einen mit dem andern, er sey gros,
klein, from, weise, heilig odder wie er wolle, summa alles was nicht Christus
jst, Denn der Heilig geist darff nicht darumb komen noch prediger jnn die welt
schicken, das er eusserlich grobe sund, ehebruch, mord &c.. zeige und
straffe, so sie selbs wol weis und straffen kan, sondern das sie fur das
kostlichste helt und da sie am besten jst, from und heilig sein und Gott damit
dienen wil.
[s. 345] Darumb gilts nicht, das jtzt etliche klugeln und
furgeben, es sey gnug, das ein prediger jderman sage was recht jst, und konne
wol das Euangelion predigen, das man nicht duerffe Bapst, Bisschove, fursten
und andere stende odder person antasten, dadurch viel unfride und hadders
entstehet, Sondern es heisset also: wiltu das Euangelion predigen und den
leuten helffen, so mustu auch scharff sein und saltz jnn die wunden reiben, das
jst das widderspiel anzeigen und straffen wo es nicht recht gehet, Als jtzt
sind Messen, moencherey, ablas &c.. und alles was daran henget und daruber
helt, auff das solch ergernis aus dem weg gereumet und niemand dadurch verfuret
werde. Darumb mus man hie jmer anhalten mit saltzen, das man were und nicht raum
lasse, dadurch es mocht widder auffkomen odder heimlich einreissen, wie denn
geschehen mus, wo das saltz ampt nicht jmer jm schwang gehet und bisher jnn der
Christenheit geschehen jst, das eitel faule menschen lere regirt und alles
verderbet hat, welchs wol were nach blieben, wo das saltz blieben were, Denn es
hette nicht an der rechte lere gefeilet, weil von Gottes gnaden dennoch die
schrifft, Euangelion, Sacrament, predigstul jst jnn der kyrchen blieben, wenn
nur die Bischove und prediger solchs getrieben und jnn der ubung und brauch
hetten lassen gehen, damit zu saltzen was des alten Adams jst.
Darumb vermanet und warnet hie Christus die Juenger so
vleissig, das sie zusehen und solch saltzen stets lassen jm schwang gehen, Und
spricht ‘Wenn das saltz thum wird, wo mit sol man denn etwas saltzen?’ Thum saltz
heist das die zeene und scherffe verloren hat und nicht mehr wuertzet noch beisset:
das jst wenn das ampt jnn der Christenheit untergehet, das man die leute auff
horet zu straffen und zeigt jn nicht jr elend und unvermügen, noch erhelt bey
der busse und erkentnis sein selbs, lesst sie dahin gehen, als seien sie frumb
und recht dran, und also jr ding eigen heiligkeit und selbererwelete Gottes
dienst, lesst einreissen so lang, bis die reine lere vom glauben widder gar
untergehet und Christus verloren wird und so gar verderbet, das nicht mehr
zuhelffen noch zu raten jst.
Solchs hat er hiemit gesehen und geweissagt die zukuenfftige
fahr, ja den schaden und verderb der Christenheit, das man solch saltzen odder
straffe ampt wuerde ligen lassen und dafur auffkomen so mancherley geschwuerm
von rotten und secten, da ein jglicher sein eigen tand auff wirfft als eine
rechte lere und Gottes dienst und doch nichts anders jst denn weltlich
fleischlich ding, aus unserm kopff und vernunfft gewachsen, damit wir uns selbs
kutzeln und also gar darin verfaulen als eitel wild, stinckend, verdorben
fleisch, daran saltzen und straffen verloren jst.
Aus dem sihestu, wie vil und gros an dem stuck gelegen jst,
das es [s. 346] Christus nicht umb sonst vor allen andern hie setzet und so
vleissig befilhet, Denn on das kan die Christenheit nicht bestehen und Christus
nicht bleiben, kein rechter verstand noch leben jm schwang gehen, Das freilich
kein grosser schaden und verderb der Christenheit jst, denn wo das saltz, damit
man alle ander ding wuertzen und saltzen mus, thum wird. Und jst doch so bald geschehen,
Denn es jst ein solche gifft, die susse eingehet und dem alten Adam sanfft
thut, Denn er darff nicht so jn fahr stehen, leib und leben wagen noch
verfolgung, schmach und lesterung leiden. Darumb sind unser Bisschove und
geistlichen die kluegsten leute auff erden jnn diesem fall (wie wol sie nicht so
gut sind, das sie thum saltz heissen, sondern der Teuffel gar sind, als die gar
kein Bisschofflich ampt furen, sondern selbs am hochsten verfolgen) denn sie
predigen also, das sie on fahr bleiben, gelt und gut, dazu ehre und gewalt gnug
haben.
Denn wer alle welt, Keiser, koenige, fuersten, weise,
gelerte sol schelten und sagen, das jr wesen fur Gott verdampt sey, der mus den
kopff dar strecken. Aber wenn jch jn heuchle und lasse jr ding auch recht sein,
so bleib jch ungeschlagen, behalte gonst und ehre &c.. mache mir die weil
ein feinen gedancken, jch wolle dennoch wol das Euangelion daneben predigen.
Doch bin jch gleich wol ein thum saltz worden, denn damit lasse jch die leut
stecken jnn jrem eigen alten wahn und fleischlichem sinn, das sie zum Teuffel
gehen und jch fornen an.
Also hat dis ampt allenthalben viel anfechtung und hindernis
beide zur lincken und rechten seiten, das man schweigt und entweder aus furcht
der fahr, schadens und verfolgung odder umb ehre gut und genies willen; so sind
wir on das schwach, faul und vordrossen dazu, das wir uns leichtlich davon bringen
lassen und muede werden, wenn wir sehen, das es nicht wil fort gehen wie wirs
gerne hetten, und lest sich ansehen, als sey es vergebens und die leut
verachten, ja nu erger werden, jhe mer man sie straffen wil.
Daruemb muessen wir dagegen gerustet sein und allein
Christus befelh ansehen, der uns solch ampt aufflegt und wil, das wir das maul
frissch auffthun und straffen was zustraffen ist, nicht angesehen unser fahr,
ungemach odder nutz und genies noch ander leut boesheit und verachtung, und uns
des trosten, das er uns zu seinem saltz machet und dabey erhalten wil, und
heisset uns getrost saltzen, nicht daran keren doch erschrecken lassen, obs die
welt nicht leiden wil und uns daruber verfolgt, noch verzagen, ob wir gleich
(wie wir meinen) nichts schaffen, Denn was er uns heisset sollen wir uns
gefallen und gnuegen lassen und jm lassen befolen sein, was und wieviel er
durch uns aussrichte. Wollens die leut nicht horen noch annemen, so sind wir
nichts deste weniger saltz und haben unser ampt ausgericht. So koennen wir denn
[s. 347] mit allen ehren und freidikeit fur Gottes gericht stehen und dafur
antworten das wirs jderman treulich gesagt haben und nichts unter die banck
gesteckt, das sie keine entschuldigung haben, als haben sie es nicht besser
gewust und sey jn nicht gesagt.
Welche aber sich lassen erschrecken und schweigen umb gonst,
ehre und gut willen &c.. die werden auch am jungsten tag muessen horen von
jn sagen: Der jst unser prediger gewest und hats uns nicht gesagt, Und wird sie
nicht entschuldigen, ob sie wolten sagen: Herr, sie habens nicht wollen hoeren,
Denn Christus wird dagegen sagen: Weistu nicht, das jch dir befolen habe, du soltest
saltzen, und dazu so vleissig gewarnet? Soltestu nicht mein wort mehr furchten
den sie? Solchs soll uns auch billich schrecken, Denn hie hoerestu das urteil,
das er uber solch thum saltz verkuendigt und spricht:
Das jst soviel gesagt: sie sollens auch hie auff erden nicht
gut haben, sondern schlecht verworffen sein von Christo, als die jn nichts mehr
angehoren und nimer seine prediger sein sollen noch zur Christenheit gehoeren,
schoen ausgeworffen und beraubt sind aller gemeinschafft jm himel und mit allen
heiligen, ob sie gleich den namen behalten und fur den leuten gros geachtet sind
als die besten prediger und heiligsten leute auff erden. Wie es jm Bapstum jst
gangen zu der zeit, da es am aller fruemsten und heiligsten jst gewest (nicht
wie jtzt gar ein weltlich Keiserthum und geistlich Teuffels regiment jst
worden) da der Bapst selbs prediget und die kirchen regiret und alle ding auffs
feinest geordnet und jnn stend und regel gefasst hatte (wie S. Gregorius und
etliche vor und nach jm than haben), das alle welt hielt fur das feineste
regiment und heiligsten Gottes dienst, so auff erden zu machen were, und doch
alles kein nutz jst gewesen. Denn da jst gar kein saltz gewesen, dadurch man
solches solt nach Gottes wort gehalten und gestrafft haben als unser eigen
selbserdachte heiligkeit, sondern alle welt hat es gepreisst und bestetigt und
also eigen vermessenheit und falsch vertrawen darauff gesterckt, als auff das
rechte selige leben und heilige stende, wie es auch S. Gregorius selbs preisset
und hebt, das ob er wol ein heiliger man gewesen jst (als jch jn halte) hat er
doch mit seiner lere nichts guts ausgerichtet, Und hat doch so trefflichen
schoenen schein, das kein mensch taddeln kan, das wenn sie es jtzt kuendten
widder jnn den stand bringen und reformiren, so thurst niemand kein wort
dawidder predigen odder mueste der ergste ketzer heissen, so jhe gewesen were.
Das jst nu ein stuck der warnung, das er spricht ‘Wenn das
saltz thum wird, so sey es kein nuetz mehr’. Das ander lautet noch
schrecklicher, als er [s. 348] das urteil druber spricht, das man soll die leut
druber lauffen und zutretten lassen: Wenn das rechte saltz, das jst die rechte
auslegung der schrifft, hinweg jst, dadurch man alle welt straffen sol, und
nichts denn allein den einigen glauben an Christum gelten lassen, So jst es
alles aus und hilfft nichts mehr, was man sonst leret odder straffet. Denn es
jst schon beide lere und leben, meister und schueler fur Gott verworffen und
verdampt. Summa: wo dieser artikel von Christo nicht getrieben wird, das wir
durch jn allein gerecht und selig werden und ausser jm alles verdampt halten,
so jst kein wehren und auffhalten mehr, ja keine mas noch auffhoren aller
ketzerey und jrthum, aller secten und rotten, da jderman etwas sonderlichs
eigens erdencket und auff wirffet, Wie bisher uns widder faren jst unter dem
Babst, da keinem moench etwas getreumet hat, es hatt auff die Cantzel mussen
komen und ein sonderlicher Gottes dienst draus werden, und keine lugen so
schendlich gewesen, die man nicht hat angenomen, wer es nur hat durffen auff
den predig stul bringen, bis zu letzt so weit jst komen, das man nicht allein Christum
verloren hat, sondern Gott dazu, und sie selbs schir keinen artikel des
glaubens mehr gleuben, Das jch thurst sagen, das inn hundert jaren wenig Bebst
gewesen sind, die einen artikel gleubt haben, Wie es auch jtzt jnn deudschen
landen stehet, bey denen da der artikel von Christo untergangen und dafur eine
rotterey und jrthumb uber die ander auffgangen da einer das Sacrament, der
ander die Tauffe und ander artikel leugnet und viel schoen gar Epikurisch
worden, die nichts uberal gleuben, gleich wie die Bebste mit jrn Cardinelen zu
Rom, und also zuletzt lauter sew und kwe werden und auch also hin sterben.
Darumb habe jch alle zeit vermanet, wie auch hie Christus
thut, das das saltz saltz bleibe und nicht thum werde, das jst, das man den heubt
artikel des glaubens recht treibe, Denn wo der auff horet, da kan nicht ein stueck
recht bleiben und jst alles verloren, kein glaube noch verstand mehr, das niemand
recht leren noch raten kan. Summa: es mus jderman lassen mit fuessen uber sich
lauffen, das jst (wie gesagt) kein bachant noch Esel jst so grob, wenn er nur
thar was newes auffbringen, so leufft jderman zu und gleubts. Denn was haben
bisher die schendlichen Moenche nicht thueren unverschampt predigen und die
leut bereden mit jren bruderschafften, gebetlin, rosenkrentze, ja mit jren
schebichten Cappen, so sie den todten anzogen und da durch den himel zugesagt?
Was jst das anders denn sich jderman mit fussen lassen tretten und einem
jglichen luegen prediger unter worffen sein? Das macht, das der Teuffel des
hertzen gewaltig jst worden und gar verderbt hat mit seinem faulen verdamlichen
leren und aberglauben, das Christus hinweg und sein erkendnis verloren wird.
[s. 349] Denn wenn jch das behalte, das Christus allein
meine gerechtigkeit und heiligkeit jst, so wird mich nimer kein moench
uberreden noh verfuren durch seine kappe, rosenkrentz, solch odder andere
wercke und menschen tand, Denn durch den glauben bin jch ein richter uber alle
stend und wesen so man erdencke, das jch alles kan verdamnen, was mir etwas
anders zeigen wil das fur Gott gelten sol. Versehe jchs aber und lasse den
schatz faren und dahin weisen, das jch daneben auch ander weise suche frum zu
werden, Gott versuenen und suende bussen, so bin jch schon bereit zu allerley
stricken und netze des Teuffels und lasse mich fueren wie er wil, so kumpt hie
und da einer der mir furpredigt: Wiltu frum werden und Gott dienen, so zeuch
eine Cappen an, bete teglich soviel rosenkrentz, zuende S. Anna soviel lichtlin
an, so falle jch hinach wie ein blinder und jdermans narr und gefangner und thu
alles was man mich heisset, so gar das jch mich auch nicht des geringsten
jrthum erweren kan.
Sihe das hat der Herr Christus hie selbs zuvor gesagt und
gewarnet, das so gehen wuerde, noch jst niemand gewesen, der sich hie fur hette
wissen zuhueten, und wo wir jtzt nicht wacker sind und wol drauff sehen, das
wir den artikel behalten, so wirds uns auch so gehen, das wir keinen artikel
recht und rein behalten noch auffhoren zu jrren und rotterey zumachen, bis es
gar aus jst und kein predigen noch leren mer hilffet, sondern sew und kuee
bleiben, wie es leider schon unter dem grossen hauffen gehet, zu lohn unser
verachtung und undanck des Euangelij.
Das jst das ander teil des ampts, so er den lieben Aposteln
aufflegt, das sie sollen heissen und sein ein liecht der welt, nemlich die
seelen zu unterrichten und weisen zum ewigen leben, damit er die gantze welt
wirfft unter die Apostel, das sie solle und muesse durch sie erleuchtet werden,
und schleusset, das sie gantz mit allem was sie vermag eitel finsternis und
blindheit jst, Denn wo sie on das ein licht hette, das sie kundte erleuchten
(wie sie doch meinet) was durffte er der Apostel dazu? Nu sihe, ob das nicht
ein hoh, trefflich ampt und ein ehre uber alle ehre jst, das sich alles was jnn
der welt jst, es heissen Koenige, Fuersten, Herrn, gelerten, weise, heiligen
mussen herunter setzen und die Apostel aufftretten und alle jr weisheit,
heiligkeit &c.. taddeln und verdamnen lassen, als die nicht wissen was sie
leren odder leben, noch wie sie mit Gott dran seien.
Aber hie koempt Meister Bapst mit seinen Bisschoffs larven,
als die [s. 350] Christus und der Apostel stadhalter wollen heissen, die
thueren Christus wort meistern und die Aposteln herunter setzen, wenn sie geifern,
Es sey nicht gnug, das die Apostel gepredigt und der Heilige geist durch sie
geleuchtet habe, sondern man musse der heiligen veter Concilien und Bepst
satzung hoeren und halten, als die viel mehr und hohers geleret haben. Wir aber
sollen wissen, das Christus nicht ein solcher geukler jst, der mit halben
worten redet, Sondern weil er sie ein liecht der welt heisset, so mus jr lere
allen gelten und gnugsam sein alle welt zu erleuchten, das man keines andern
liechts bedarff, ja was ausser jrer lere jst, eitel finsternis bleibe: Wenn sie
gleich lang leuchten mit jrer latern, so sinds doch nichts denn lauter gesetz
von menschen erdacht von eusserlichen dingen, so ein jglicher on das verstehet
und wol selbs ersehen und machen kund, das man sie wol solt nicht Lux mundi, sonder
lex Dei heissen. als die sich unterstehen Gott selbs und seine Christenheit zu
regiren mit jren gesetzen, gerade als weren sie viel besser denn die Apostel,
dempfen also der Apostel liecht mit jrer blinden lere, damit sie nicht ein gewissen
recht straffen noch unter weisen konnen, wie man sihet jnn allen buechern des
Bapsts und aller hohen schulen, Und also weder saltz noch liecht heissen
moegen. Denn wenn sie jr bestes thun, so straffen sie die groben eusserlichen
stuck, so schon zuvor durch weltlich recht und vernunfft liecht gestrafft sind,
aber die rechten knotten und heuptstuckt als unglauben, falsche heiligkeit
werden sie nimer gewar, ja stecken selbs drinnen uber die oren, darumb jst es
eitel thum ding, dazu finsternis und blindheit, Koennen nicht hoher sehen,
saltzen noch leuchten, denn wie man fleisch odder fissch essen, so odder sonst
kleiden und geberden sol.
Darumb jsts und bleibt wol allein der Apostel ampt beide
recht straffen die rechten jnwendigen laster und widderumb heilen, trosten und
auffrichten alle armen betruebte gewissen und niemand lassen ungestrafft jm
boesen noch ununterweiset und auffgericht zum guten. Darumb sie auch Christus
alhie einsetzet und weihet zu predigen, das man sie allein horen solle und
muesse und kein ander rotten geister zulassen, so der Teuffel auch neben ein
furet, die da wollen auch saltz und liecht sein, ja auch Christum selbs
meistern, und schreyen es sey nichts mit der lere vom glauben, man musse hoher
komen und sich anders angreiffen, das man leide und sich creutzigen lasse,
welchs wenn mans allenthalben ansihet, so ists nichts denn von unserm eigen
thun geleret und noch nirgend da zu komen, das es den unglauben zeige und
straffe die rechten hoffertigen laster, so jnn der selbigen lere stecken, damit
sie sich selbs zum saltz und liecht auff werffen, lassens nicht bleiben bey dem
beruff und befelh, den er hie den Aposteln gibt und spricht ‘Jr solt das liecht
sein’. Darauff wir allein treiben, das man des musse gewis sein und rhumen koenne,
das uns Christus dazu geweihet und den Chrisem angestrichen hat, das [s. 351] wir
sollen und muessen saltzen und leuchten als von ampts und Goettliches befelhs
wegen.
Denn solchs jst auch daruemb not, das Christus solch ampt
nicht hemlich odder an einem ort, sondern offentlich durch die gantze welt wil
getrieben haben, und zeigt jnen gnugsam an was sie davon zu gewarten haben bey
der welt, als er spricht ‘Es mag die stad, so auff einem berge ligt, nicht
verborgen sein, Man zundet auch nicht ein liecht an und setzets unter einen scheffel’
.&c.. Das jst soviel gesagt: Wer ein liecht sein sol, der sehe nur zu und
krieche nicht jnn winckel, sondern trete frey auff den platz und sey
unerschrocken, Denn also gehets, wie auch vor gesagt, das die dazu beruffen sind,
das sie sollen Apostel sein und leuchten, wollen nicht gerne erfur, lassen sich
abschrecken mit drewen, fahr, verfolgung odder uberthoren durch freundschafft, gonst,
ehre und gut, das sie nicht erfur tretten und das maul auffthun, sondern
kriechen zu winckel, halten hinder dem berge und ziehen die pfeiffen ein, Wie
jtzt unser geistlichen, die jm ampt sitzen, und jst jn befolen, das sie der
Christenheit furstehen und offentlich leuchten solten mit jrer lere, so stecken
sie es unter die banck, ja sind noch viel erger worden, das sie eben die sind,
die das wort verfolgen und das liecht wollen auslesschen, hetzen Keiser,
Koenige mit aller welt nur dawidder, Sitzen gleich wol jm hause und wollen
allein die kirche regiren, haben predigstul, Tauffe, Sacrament und alles jnnen
was zum beruff und ampt gehoert. Aber das jst die prophezey wie die Aposteln
verkundigt, das hirten solten wolffe werden und der Endchrist sich setzen sol
jnn den tempel Gottes und sich erheben uber alles das Gott und Gottes dienst
heisst.
Dagegen sind die andern rottengeister, die keinen beruff
dazu haben und wol mochten daheime jm winckel bleiben, die wollen sich uberal
eindringen und allein leuchten, das sie jderman muesse hoeren und auff sie
sehen. Jst aber auch nichts denn das sie jre eigen ehre damit suchen und so
lang predigen als die leut an jn hangen und sich keiner fahr durffen besorgen. Solten
sie aber stehen wie die rechten prediger, als denen das ampt auffgelegt, und
stetts offentlich leuchten, kein wind noch wetter sich schrecken noch schweigen
und dempffen lassen, so wurden sie sich bald verlieren und niemand daheim finden
lassen. Also mus es gehen dem lieben predig ampt auff beiden seiten, das es
entweder die ligen lassen, die es furen sollen, odder die furen wollen, denen
es nicht befolen jst, und also nimer recht getrieben wird, on allein wo
Christus solche leute gibt, wie er sie hie abmalet und droben zuvor bereitet
hat.
So wil er nu sagen: Wolt jr meine prediger sein, so must jr
warlich gerustet sein frey offentlich auff den platz zutretten und fur der welt
stehen [s. 352] wie auff einem hohen berg, das jr euch getrost ansehen und
offentlich horen lasset, nichts verschweiget noch unter die banck stecket was
jr predigen solt, niemand zu liebe schweiget noch redet, sondern wie jr das
lieht seit, auch frey offentlich leuchtet, unangesehen ehre odder schande, gut
odder armut, hass odder gunst, tod odder leben. Und wisset, das jr mir dienet,
der jch euch zum liecht gesetzt habe. Das weren denn rechte leute, die sich
nicht lassen beugen weder zur rechten noch lincken seiten, wie Psal 45. von dem
predig [Ps. 45, 7] ampt sagt: Das scepter deines reichs jst ein gerade scepter,
Du liebest die gerechtikeit und hassest Gottlos wesen &c.. Das jst die
tugent und preis des Euangelij und seiner prediger, Denn sonst alle ander lere
haben der fahr keine, predigen alle was man gerne horet und der vernunfft gemes
jst, durffen nicht furchten das man sie verfolge, Aber dieser lere setzet man
allenthalben zu, weil sie wil aufftretten und der welt liecht und lere nichts
wil lassen sein, da versuchet sie allerley, das sie uns solch liecht dempffe
und jnn einen winckel treibe odder unter den scheffel stuertze, das wir unser
lere ligen lassen odder widderruffen und beugen und deuten lassen, wie sie es
gerne hetten, Wir aber wollen uns nicht so lassen von unserm stand treiben,
sondern eine stad auff dem berge und das liecht auff dem leuchter jm hause
bleiben. Denn der uns zum liecht gemacht hat, wird uns auch wol dabey erhalten.
Darumb beschleusst er nu:
Sihe wie vleissig treibt er die vermanung, Welchs er doch
nirgend zu durffte, wenn es nicht grosse farh und not hette, Und jst soviel gesagt:
Man wird ewer liecht wollen verfinstern und nicht wollen leiden, Aber seid nur keck
und getrost dagegen, das jr nur soviel erhaltet, das jr nicht unter den scheffel
kriecht und ewer ampt redlich ausrichtet, so wil jch zu sehen, das mans nicht
so dempffen sol, Denn das jst gewis, weil ein Christlicher prediger daran helt
und dabey bleibt und der welt schmehen und verfolgen verachten kan, so mus das
ampt auch bleiben, Und kan das Euangelion nicht fallen, weil noch stehen und
bleiben die daran halten, wie denn allzeit bis an jungsten tag etliche muessen
bleiben.
Das er aber sagt ‘Auff das die leut ewer gute werck sehen
und ewern vater jm himel preissen’, jst auff S. Mattheus weise gered, welcher
also von wercken pfleget zureden. Denn er sampt den andern zweyen Euangelisten Marco
und Luca treibet sein Euangelion nicht so hoch und viel auff den hohen artikel
von Christo als S. Johannes und Paulus, darumb reden und vermanen sie viel von
guten wercken, Wie es denn sein sol jnn der Christenheit, das man beides
treibe, doch ein jgliches jm seinem wesen und wirden gehe, das man zu erst und
am hochsten den glauben und Christum fuere, darnach [s. 353] auch die werck
treibe. Weil nu der Euangelist Johannes durch und durch den heubt artikel auffs
gewaltigst getrieben hat und billich daher der hoheste und furnemest Euangelist
geachtet jst, so haben Mattheus, Lucas und Marcus auch das ander stueck fur
sich genomen und starck getrieben, das es auch nicht vergessen wurde, also das
sie jnn dem stueck besser sind denn Johannes und er widderumb jnn jenem.
Du must aber die spruche und lere von wercken nicht so
ansehen, das du den glawben davon sonderst, wie sie unser blinden lerer
stuempeln, sondern altzeit jnn den glauben zihen, das sie darinn verleibet, aus
dem glauben und jnn dem glauben gehen und umb desselben willen gepreisset
werden und gut heissen, wie jch sonst offt gelert habe, Also auch hie, da er
sagt ‘Das sie ewer gute werck sehen’, mustu es nicht so blos ansehen, als
solche glawblose werck, wie unser geistlichen gute werck bisher gewesen sind,
sondern von solchen wercken, die der glawbe thut und on odder ausser dem
glawben nicht konnen geschehen. Denn das heisset er hie gute werck, wenn man
die lere von Christo und dem glauben ubet, treibet und bekennet und darueber
leidet, Denn er redet von solchen wercken, damit man leuchtet, leuchten aber
jst das rechte glaubens odder lere ampt, damit wir ander leuten auch zum
glauben helffen.
Darumb sind es auch die hohesten und besten werck und eben
solche, aus welchen mus folgen, wie er hie sagt, Das der himlische vater
geehret und gepreiset wirt. Denn dise lere odder predigt nimpt von uns allen
rhum der heiligkeit und sagt, es sey nichts guts jnn uns, des wir uns koennen rhuemen,
Und widderumb unterrichtet sie das gewissen, wie sichs gegen Gott schicken sol,
zeigt jm Gottes gnad und barmherzigkeit und den gantzen Christum, Das heisset
Gott recht offenbaret und gepreisset, welchs auch das rechte opffer und Gottes
dienst jst. Diese werck sollen die ersten und furnemesten sein, darnach auch
das leben eusserlich gegen dem nehesten folgen, die da heissen werck der liebe,
welche leuchten auch, aber nicht weiter, denn so fern sie vom glauben
angezundet und getriben werden.
So kanstu nu selbs schliessen, das Matheus hie nicht zuverstehen
jst von den gemeinen wercken, die ein jglicher gegen dem andern thun sol, aus [Matth.
25, 35 ff.] der liebe, davon er Matth. 25. redet, sondern allermeist von dem
rechten Christlichen werck, als rechtschaffen leren, den glauben treiben und
darinn unterrichten, stercken und erhalten, damit wir bezeugen das wir
rechtschaffene Christen sind. Denn die andern sind nicht so gewis, weil auch
wol falsche christen sich konnen schmuecken und decken unter grossen schoenen
wercken der liebe, aber Christum recht leren und bekennen jst nicht muglich on
den [s. 354] [1. Kor. 12, 3] glauben, wie Paulus 1. Cor. 12 sagt: Niemand kan
Jhesum einen Herrn heissen on durch den Heiligen geist. Denn kein falscher
Christ noch rotten geist kan diese lere verstehen, wieviel weniger wird er sie
recht predigen und bekennen? ob er gleich die wort mit nimpt und nach redet,
aber doch nicht dabey bleibet noch rein lesset, predigt jmer also, das man
greiffet das ers nich recht habe, schmiret doch seinen geifer daran, dadurch er
Christo seine ehre nimpt und jm selbs zumisset.
Darumb jst das allein das gewissest werck eines rechten
Christen, wenn er Christum so preisset und predigt, das die leut solchs lernen,
wie sie nichts und Christus alles jst. Summa: es jst ein solch werck, das da
nicht gegen einem odder zweyen geschicht, da es verborgen bleibt als andere
werck, sondern offentlich fur der gantzen welt leuchten und sich sehen lesst
und darumb auch allein verfolget wird (denn andere werck kan sie noch wol
leiden). Darumb heissets eigentlich ein solch werck, dadurch unser vater erkand
und gepreisset wird. Dahin konnen die andern geringern werck nicht komen,
welche bleiben allein unter den leuten und gehoren jnn die andern tafel der
zehen gebot; diese aber gehen jnn den ersten dreyen hohen gepotten, die Gottes
ehre, namen und wort betreffen, Und dazu muessen wol beweret und durchleutert
werden durch verfolgung und leiden, das sie bestehen, dazu fur der welt
geschendet, das sie rein bleiben von der eigen ehre und vermessenheit und deste
mehr fur Gott gepreisset werden, als darinn seine ehr und preis antastet wird.
Darumb stehen sie auch am festen, das Gott deste stercker druber helt und sie hindurch
furet widder der welt toben und verfolgen. Darumb sollen wir sie auch lassen
weit vorgehen als die hohesten, darnach die andern auch gegen den leuten
unternander, Das also beides recht gehe, das man auffs erst den glauben jmer
lere und treibe und folgend auch darnach lebe und also alles was wir thun jnn
und aus dem glauben gehe, wie jch jmerdar geleret habe.
Weil der Herr Christus den Aposteln das ampt auffgelegt und
ernstlich befolen hat, feret er nu weiter und fehets selbs an beide zusaltzen
und zuleuchten jn zu eim exempel, das sie wissen was sie predigen sollen, Und greiffet
an beide der Jueden lere und leben, falschen wahn und werck zustraffen und zu
bessern, Wie wol er, als jch gesagt habe, hie nicht die hohe heubtlere vom
glauben treibet, sondern zu erst unten anfehet und das gesetz recht verkleret und
ausstreichet, welchs durch jre Phariseer und schrifftgelerten gar verdunckelt
und verkeret war. Denn das jst auch ein notig stuck, das man die lere von
Gottes gepoten rein mache und zu recht bringe.
[s. 355]
Es jst aber gar ein
scharff unleidlich saltz, das er solche leute antastet und verdampt, als die
weder recht leren noch leben, und lesst jn gar nichts recht noch gut sein, die
doch die aller besten und heiligsten waren, teglich Gottes gepot lereten und
sich ubeten jnn dem heiligen Gottes dienst &c.. das sie niemand straffen
kundte: Gibt jn damit ursach getrost widder jn zu schreyen und zubeschuldigen,
als der das gesetz wolle aufflosen und zu nicht machen, das doch Gott geboten
hat &c.. Gleich wie der Babst mit seinem hauffen uber uns schreyen und
ketzer schelten, die da gute werck verbieten. Also hat er sich wol versehen,
das man jm solchs schuld geben und seine predigt dahin deuten wurde, darumb
kompt er zuvor mit einer vorrede und bedingung, das nicht seine meinung sey das
gesetz auffzulosen, sondern sey darumb da, das ers recht lere und bestetige
widder die, so es mit jrer lere schwechten.
Denn es war auch wol not solcher bedingung umb des hohen
rhums, den sie hatten, und trefflichen scheins willen, den sie machen und gros
auffmutzen kondten, das sie allein Gottes volck waren, soviel Propheten und heiliger
veter gehabt, das wer sich unterstund sie zustraffen, mueste von stund an
hoeren: Wer bistu, das du wilt allein klug sein und jderman taddelst, als solten
unser Veter und wir alle geirret haben, die wir doch Gottes gesetz haben und
predigen, Wie jtzt alle welt auch widder uns schreyet und sagt, wir verdamnen
die heiligen veter und die gantze kirche, die doch nicht jrren kan, weil sie
vom heiligen geist regirt wird &c.. Weil du denn unser lere und leben
taddelst, so jsts ein zeichen, das du beide gesetz und Propheten, veter und das
gantze volck verdamnest. Darauff antwort nu Christus: Nein, jch wil trawn nicht
das gesetz noch die Propheten aufflosen, sondern halte und dringe herter und
vleissiger drauff denn jr, ja so hart, das ehe sollen himel und erden vergehen,
ehe jch wil einen buchstaben odder das kleinste titel lassen zurgehen odder
umbsonst geschrieben sein. Ja wil noch wol mehr sagen, das wer das aller
kleinest gebot verachtet odder anders leret, der sol umb desselben geringesten
willen jm himelreich verworffen sein, ob er gleich alle ander fest hielte.
Darumb sind wirs jnn dem stuck eines, das man Mosen und die Propheten steiff
und fest leren und druber halten sol, Aber darumb jsts zuthun, weil wir beide
sollen und wollen das gesetz leren (wie auch jtzt beide Bapst sampt andern
rotten und wir uns auff einerley schrifft beruffen, ein Euangelion und Gottes
wort zugleich rhuemen) das man gewis werde, welchs teil die schrifft odder
Gottes gesetz recht fure und deute odder nicht. Daruber hebt sich der hadder,
hie mus jch saltzen und straffen. Denn die Jueden mit jren glosen haben das gesetz
verkeret und verderbt, so bin jch komen, das jchs widder zurecht bringe, wie
wir des Bapst lere haben mussen angreiffen, die uns mit jrem stanck und unflat
die schrifft verderbt hat.
[s. 356]
Damit leugnet er nu
nicht, das sie Gottes volck seien, das gesetz, Veter und Propheten haben, Wie
wir auch nicht leugnen noch verdamnen die Christen, Tauffe, Euangelion, so
unter dem Bapst gewesen sind, sondern sagen, Es sey die rechte Tauffe,
Euangelion &c.. das wir haben. Aber da fechten wir, das wir sollen annemen
was sie dran geschmiret haben, und lassen recht sein, wie sie es deuten und
verkeren, und die reine lere haben besuddelt mit jrem garstigen und madichten,
ja teufflischem zusatz von jren Cappen, platten, ablas, fegfeur, opffer messen
&c.. da mussen wir saltzen und erbeiten, das wir solchen stanck fegen und
rein machen. Also findet sichs, das eben die sind, die das gesetz und schrifft
aufflosen und zu nicht machen, die sich schmucken mit dem schonen namen der
schrifft, Euangelij, Christlichen kirchen &c.. und unter dem schein jre
maden hinein tragen und so verderbt haben, das es kein nutz jst worden, darnach
uber uns schreyen, man greiff die Christliche kirche, heilige Veter, gute werck
an &c..
So spricht er nu: Jch bin nicht komen das gesetz auffzulosen
sondern zu erfullen, Das jst: Jch wil nicht ein ander odder new gesetz bringen,
sondern eben die schrifft, so jr habt, nemen und recht ausstreichen und also
handeln, das jr wisset, wie mans halten sol, Denn das Euangelium odder Christus
predigt bringet nicht ein newe lere, die das gesetz nidderlege odder endere, sondern
eben das (wie S Paulus sagt), das zuvor jnn der schrifft und durch die
Propheten verheissen jst. Also nemen wir von unsern eben die schrifft, Tauffe,
Sacrament &c.. die sie haben, wollen nichts newes noch bessers auff bringen,
aber das thun wir allein, das man dasselbige recht predige und handle und weg
reume was sich damit nicht reimet.
S. Augustinus deutet das wort Erfullen auff zweyerley weise.
Erstlich das das gesetz erfullen heisse, wenn man dazu thut was daran manglet, Zum
andern, wenn mans mit wercken und mit dem leben erfullet. Aber die erste glose
jst nicht recht, Denn das gesetz jst an sich selbs so reich und volkomen, das
man nichts dazu thun darff, Denn auch die Apostel selbs mussen das Euangelium
und predigt von Christo beweisen aus dem altem Testament. Darumb kan nimand,
auch Christus selbs, das gesetz nicht bessern, Denn was kan man hohers machen
odder leren denn das erste gepot leret: Du solt Gott lieben von gantzem hertzen
&c.. Das thut er wol, das er uber das gesetz und die lere sein gnade und
geist gibt, damit man dasselb thu und erfulle was das gesetz foddert. Aber das
heisst nichts zum gesetz thun, so redet er davon hie auch nicht, sondern von
dem erfullen, so mit leren geschicht, gleich wie er Aufflosen heisst nicht mit
wercken widder das gesetz thun sondern mit der lere dem gesetz abbrechen.
[Röm. 3, 31] Darumb jsts nicht anders gesagt denn wie S.
Paulus Rom .3. redet:
[s. 357] Heben wir denn das gesetz auff durch den glauben?
Das sey ferne, sondern wir richten das gesetz auff, Nemlich Das er kein ander
lere wil bringen, als solt die vorige nicht mehr gelten, sondern wil die
selbige recht predigen und aus streichen den rechten kern und verstand zeigen,
das sie lernen was das gesetz jst und haben wil widder der Phariseer glosen, so
sie hinein getragen, und nur die schalen odder hulsen davon gepredigt haben,
Gleich wie wir zu unsern Bepstischen mogen sagen: Wir wollen ewer Euangelium
nicht auffheben noch anders predigen, sondern dasselb leutern und poliren als
einen spigel, der verfinstert und verdorben jst durch ewern unflat, das nicht
mehr denn der name des Euangelij blieben jst, aber niemand recht darin etwas hat
sehen mogen, Wie die Juedischen lerer den text des gesetzes behielten, aber mit
jrem zusatz verderbet, das kein rechter verstand noch brauch mocht bleiben.
Das jst: Jch wil haben, das es alles rein und gar geleret
und gehalten und nicht das geringste davon gethan werde, Damit er anzeigt, das
ers viel anders gefunden, nemlich das beide lere und leben nirgend recht gangen
jst, darumb mus ers (wie folget) beides gar fur sich nemen und durch saltzen, das
es rein werde. Also mussen wir auch leren, das wir nicht einen buchstaben vom
Euangelio abbrechen lassen, sondern sagen, es mus alles rein geleret gegleubt
und gehalten sein. Also bedinget er sich, er wolle eine scharffe predigt thun
und die schuld nicht auff jm ligen lassen, das er das gesetz wolle aufflosen,
sondern von sich uber sie schlahen und beweisen wie sie das gesetz geschwecht
und auffgeloset und dafur jr glosen dran geschmirt haben, Gleich wie unser
Papisten hauff mit dem Euangelio und der schrifft gethan, da sie den hohesten
artikel von der gerechtigkeit des glaubens durch Christum gar verschwiegen,
Jtem auch vom Sacrament die eine gestalt genomen und die wort des Sacraments
verborgen, ja auch so grob gemacht, das sie eben diese gebot, so hie Christus
treibt, nicht fur noetige gebot, sondern fur gute rete gepredigt haben, stracks
wider diese wort und bedingung, das ehe himel und erde vergehen musse denn der
aller geringsten stuecke eines nicht gehalten werden, darauff er flugs ein
ernstlich urteil fellet widder solche prediger wie folget.
Jch wil so fest druber halten (spricht er) das jch nicht
allein keines aufflosen wil, sondern wer ein prediger jst und das geringste
stuck auffhebet [s. 358] odder faren lesset, der sol wissen, das er nicht mein
prediger jst, sondern verdampt und verstossen sein sol aus dem himelreich. Denn
das er sagt, Er sol der kleinest heissen jm himelreich, jst nicht anders denn
das er nicht sol jm himelreich sein, sondern wie ers fur ein kleines helt, das
er gottes gebot verachtet, also sol er auch verachtet und weg geworffen werden.
Also mussen alle prediger des Euangelij auch gerustet sein,
das sie solchs konnen rhuemen fur aller welt, wie wir unserm widderpart koennen
trotz bieten, das sie uns einen spruch odder artikel der schrifft zeigen, den
wir auffheben odder nicht recht predigen, Denn sie haben auff dem Reichstag zu Augsburg
selbs mussen zeugen, das unser bekentnis die lauter schrifft und widder keinen
artikel des glaubens sey. Aber daruber schreyen sie allein, das wir jr ding
nicht auch halten, so die Concilia und Bepst gesatzt haben, und sollen darumb
verdampt sein, das wir jrer garstigen maden und faulen menschen tands nicht
muegen, Wiewol wir jmerdar uns erbotten haben und noch wol kundten alles mit jn
halten, wenn sie uns die freiheit und unterscheid liessen, das es nicht not zur
seligkeit noch widder das Euangelion sey, ob mans gleich anstehen lesset,
sondern jn zugefallen halte als ein ander sey unnotig ding, das uns nichts gibt
noch nimpt, wie man einem zu gefallen zur fastnacht jnn der mumerey leufft.
Aber das wollen sie nicht einreumen, so koennen wir auch nicht anders thun noch
Christum unsern heiland (der uns mehr guete erzeigt und geben hat durch sein
teures leiden und sterben denn der Bapst, Franciscus, Dominicus noch kein
heilige) faren lassen umb jres faulen dings willen, das niemand nutzen noch
helffen kan. Wollen sie uns den lassen, so wollen wir zuwarten, alles mit jn
halten was sie uns aufflegen und dazu besser denn sie selbs.
Weil sie aber nicht daran gnug haben, sondern uns den
Christum und die reine lere, die sie doch selbs nicht koennen taddeln, zwingen
wollen zu lassen, so verachten wir sie widder als von Christo verdampt und
verworffen beide mit jrer lere und leben, als die nicht ein Gottes wort odder
gebot aufflosen sondern gar auffheben, damit das sie unverschampt leren, es sey
nicht not das man Gott liebe aus gantzem hertzen, Jtem das man die eltern ehre,
wenn jemand jnn ein Closter wolt gehen odder sein gut, damit er den eltern mocht
helffen, zur kirchen gebe. Also auch moget einer wol seine braut lassen sitzen
und jnn ein Closter gehen. Summa alles was hie der Herr foddert nach Gottes
gebot, haben sie unnotig gemacht, als seien es nur gute rethe und wercke der
ubermas &c..
Daher sihestu was sie fur feine Christliche lerer und
heilige leute sind, die da durffen alle gebot Gottes on schew auffheben und zu
nicht machen und wollen dazu ungestrafft sein und thueren uns anmuten, ja mit
drewen und gewalt darauff treiben, das wir jren menschen tand fur notig halten,
[s. 359] und wo wirs nicht annemen und loben, mit greulichen edicten und aller wueterey
angreiffen. Nu rechne du selbs was Christus dazu sagen wird, weil er hie so ein
streng urteil spricht, das der kein teil jnn seinem reich haben sol, wer das
aller geringste gebot auffloset, ob er gleich die andern alle genaw lerete und
hielte. Wo meinstu da sie hin gehoren denn jnn der helle glut, da sie am
tieffsten jst? Denn es jst noch nye kein solch schendlich volck auff erden
komen, die so unverschampt Gottes wort gehandelt hetten, welchs sie wissen das
recht jst, und wollen dennoch als Christliche heubter gerhumet sein. Darumb
hute dich fur jnen und lasse sich niemand schrecken jr verdamnen, verfolgen und
toben, denn hie haben wir den trost, das die so Gottes wort rein und trewlich
leren odder daran halten, sollen gros sein bey Christo jm himelreich, ob sie
gleich jener hauffe verflucht weit unter die helle.
Jch lasse aber hie anstehen wie das gesetz muesse erfullet
werden, das kein buchstabe noch titel davon vergehe &c.. so wir doch leren,
das kein mensch nicht koenne erfullen, Denn jch hab gesagt, das Christus hie
furnemlich nicht rede von dem leben sondern von der lere Und nicht handlet den
hohen heubtartikel, was er selbs sey und uns gebe, Nemlich das wir durchs
gesetz lere nicht koennen gerecht noch selig werden, sondern nur dadurch zum
erkentnis unser selbs komen, wie wir nicht einen tuetel vermoegen recht zu
erfullen aus eignen krefften, und ob wir gleich, nach dem wir Christen sind
worden durch die tauffe und glauben, thun soviel wir koennen, so koennen wir
doch nymer dadurch fur Gott bestehen, sondern mussen jmer zu Christo krichen,
der es alles auffs aller reinest und volkomenst erfullet hat und sich mit
seiner erfullung uns schencket, das wir durch jn fur Gott bestehen und das
gesetz uns nicht schuldigen noch verdamnen kan. Also jsts war, das alles mus geschehen
und erfullet werden bis auff den kleinsten tuetel, aber allein durch diesen
einigen man, davon anderswo gnug jst gesagt.
Hie sihestu wie er drein greiffet und redet nicht jnn gemein
widder geringe leute sondern die aller besten jm gantzen volck, die der rechte
kern und ausbund waren und leuchteten fur andern wie die sonne, das kein
loblicher stand noch ehrlicher name jnn dem volck ware denn der Phariseer und
Schrifftgelerten, und wer einen heiligen man wolt nennen, mueste einen
Phariseer nennen, wie man bey uns einen Cartheuser odder Einsidler genennet
hat, wie es die Junger Christi auch on zweivel selbs gehalten haben, das kein grosser
heiligkeit were zufinden denn bey diesen, und sich nichts weniger hetten [s.
360] versehen, denn das er diese leute solt angreiffen, Noch thar er sie flugs
mit namen nennen und taddelt nicht etliche personen unter jnen sondern den gantzen
stand, straffet auch nicht etliche boese stuck odder sunde sondern jr gerechtigkeit
und heiliges leben so gar, das er jn das himelreich versagt und zuschleusst und
frisch zum hellischen feur urteilet, Gerade als wenn er jtzt sagte: Alle
Pfaffen und Moench und was geistlich heisset, keinen ausgeschlossen, jst ewig
zur helle verdampt mit alle jrem wesen wo es am besten jst. Wer kondte solche
predigt horen odder leiden?
Das jst nu eins, das er bekennet das sie eine gerechtigkeit
haben und ein fein erbar leben furen, und doch so gar verwirfft, das wo sie
nicht besser jst, so jst sie schon verdampt und alles verloren was man damit
ausrichten kan. Zum andern mercke das er handlet von denen, die da gerne wollen
jnn himel komen und jr ernst jst, das sie dencken nach einem andern leben, welchs
der ander grosse rohe hauffe nicht achtet, und nach Gott odder Gottes wort
nicht fraget, denen alles was man vom Euangelio sagt vergeblich gepredigt wird.
Diesen aber wird es gepredigt, das sie wissen, das solche gerechtigkeit falsch
jst, die man saltzen und straffen mus, als damit sie beide sich und andere
betriegen und von der rechten straffe zur hellen furen, und dagegen leuchten,
was die rechte fromkeit jst, so das gesetz foddert, wie Christus nu fortan
zeigen wird.
Hie nimpt er nu etliche von den zehen gepoten fur sich recht
zu verkleren und zeigt an, wie sie die Phariseer und schrifftgelerten nicht
anders geleret noch weiter getrieben und gedeutet haben, denn wie die blossen
wort da ligen und lauten von den eusserlichen groben wercken, Als erstlich jnn diesem
funfften gebot haben sie nicht mehr angesehen denn das wort Toedten, das es
heisse mit der hand tod schlahen, und die leut lassen darauff bleiben, als were
hie nichts weiter verboten, und dazu ein schoenen deckel gemacht, das sie des
todschlags nicht schuldig weren, ob gleich jemand ein andern zum tod antwortet,
wie sie Christum dem heiden Pilato uberantworteten, wolten jre hend nicht mit
blut besuddeln, das sie rein und heilig blieben, so hoch das sie auch nicht jnn
des Richters haus wolten gehen, und doch allein die waren, so jn zum tod
brachten und Pilatum widder seinen willen dahin drungen, das er jn todten
muste. Noch giengen sie hin, als weren sie gantz rein und [Apg. 5, 28] unschuldig,
das sie auch die Aposteln Act .5. darumb straffeten und sprachen: ‘Jr wolt
dieses menschen blut uber uns furen’, Als solten sie sagen: Haben doch nicht
wir sonder die heiden jn getodtet. Also lieset man von dem Konig [1. Sam. 18,
17] Saul 1. Reg. 18, der war David gram und hette jn gerne umb bracht, weil [s.
361] er aber wolt heilig sein, gedacht er, Er wolte jn nicht selbs todten,
sondern unter die Philister schicken, das er daselbs umbkeme und seine hand
unschuldig were an jm.
Sihe das jst die schone Phariseer heiligkeit, die sich kan
rein machen und frum bleiben, wenn sie nur nicht selbs mit der hand todtet, ob
gleich das hertz vol zorn, hass und neids und heimlicher boeser und mordischer
tueck steckt, dazu die zunge vol fluchens und lesterns, Wie auch unser Papisten
heiligkeit jst, welche sind jnn diesem Capitel eitel meister worden, und das
jre heiligkeit nicht gestrafft wurde noch Christus wort sie bunde, haben sie jm
fein geholfen und wol zwelff rethe draus gezogen, das Christus solchs alles nicht
gebotten habe als notig, sondern zu eines jglichen gefallen gesetzt, als einen
guten rat zu halten, wer was sonderlichs fur andern verdienen wil, Das es seyn
gantz ein uberflussige lere, der man wol mochte emperen.
Fragstu sie aber, aus was ursach sie solche rethe draus
machen odder wo mit sie es beweisen, so sprechen sie: Ey wenn man so solt
leren, das hiesse nimis oneratiuum legis Christianae, das jst, es were die
Christenheit zu hoch beschweret, wie die von Paris offentlich und unverschampt
widder mich geschrieben haben. Ja warlich ein schone ursach und grosse
beschwerung, das ein Christen solt seinem nehesten freundlich sein und nicht
lassen jnn noten, wie ein jglicher wolt das jm geschehe, Und weil sie es zu
schweer duncket, mus es nicht gepoten heissen, sondern jnn freyer wilkore
stehen wer es gerne thun wil, wer es aber nicht thun wil odder kan, sol nicht
damit beschweret sein. So sol man Christo jns maul greiffen, sein wort meistern
und daraus machen was uns gefellet. Er wird aber sich nicht so teusschen lassen
noch sein urteil widderuffen, das er hie gestellet und gesaget hat, wer niht
ein bessere frumkeit habe, dem sol der himel zugeschlossen und verdampt sein,
und wie hernach folgt, auch der des hellischen feurs schuldig sein, wer zu
seinem bruder sagt ‘du Narr’, aus welchem wol zu rechnen jst, ob es geraten
odder gepoten sey.
Und hie haben sie auch ein gloslin funden jrer lugen
zuhelffen und sagen also: Es sey wol gebotten den zorn und grol jm hertzen
zulassen, aber nicht die zeichen des zorns, das jst, wie man auff deudsch sagt,
Vergeben aber nicht vergessen, Und einen gedancken tichten, du wollest nicht
zurnen noch boeses thun und doch die weil dem nehesten alle wolthat entzihen,
kein gut wort noch freundlich geberd erzeigen. Hie frage Gott selbs und
Christum, warumb er solche wolthat nicht auch entzeucht denen, die jn
creutzigen, lestern und schmehen auffs aller schendlichst, sondern bitten fur
sie und spricht: Vater vergib jn, denn sie wissen nicht was sie thun, ob sie
wol die schendlichsten [s. 362] buben sind, die alle straff und zorn verdienet
hetten. Ja solt er mit uns so gezurnt haben, die wir seine feinde gewesen sind
und alle abgotterey und Gottes lesterung getrieben haben, so hette er mussen
droben jm himel bleiben, nicht fur uns sein blut vergiessen und sterben und dem
gloslin nach sagen: Jch wil wol vergeben aber nicht vergessen. Jnn des weren
wir alle des Teuffels eigen blieben und hette kein mensch der helle mogen
entlauffen. Kurtz es jst gantz ein schendlich verdampt gloslin und wol sund und
schand, das jnn der Christenheit jemand hat solches thuren leren widder so
hellen offentlichen text, noch haben sie alle bucher vol solcher lugen
geschmiret und wollens noch jtzt dazu unverschampt verteidingen, Aber hiebey
sollen wir sehen und lernen kenne unsere Phariseer und heuchler mit jrer
grossen heiligkeit, so sie furgeben mit vielen sonderlichen wercken, aber die
weil Gottes gebot on alle schew ubertretten und ander leut auch also leren, wie
sie Christus hie und anders wo abmalet.
Wol jsts war das man zurnen mus, so es die thun, die es thun
sollen, und der zorn nicht weiter gehe denn die sund und boeses zustraffen, als
wenn einer den andern sihet sundigen, vermanet und warnet jn, das er davon abstehe
&c.. das heisset ein Christlicher und bruderlicher, ja ein veterlicher
zorn, Denn so sihestu an frumen eltern, das sie jre kinder nicht so straffen,
das sie jn wollen leid odder schaden thun, sondern das dem boesen gesteurt und das
ubel weg gethan werde, wie auch die oeberkeit zurnen und straffen mus. Hie jst
es wol recht das man kein zorn jm hertzen haben sol und doch zornige zeichen
und geperd furen mus, da beide word und faust rauch und scharff seind, aber das
hertz susse und freundlich bleibet und von keinem grol weis. Summa, Es jst der
liebe zorn, der niemand kein boeses gunnet, sondern der person freund aber der
sunde feind jst, wie auch einen jglichen die natur leren mag, Aber das gilt
nicht, das man solchs zum deckel misbrauchen und grol und neid jm hertzen gegen
dem nehesten darunter berge und schmucke, wie jene schalcksheiligen thun und
leren.
Also nimpt nu Christus dis gebot fur sich und wil so sagen:
So habt [2. Mose 20, 13] jr gehoret von den Phariseern, wie Moses geboten und
von alters her so geleret jst ‘Du solt nicht toedten’ &c.. Damit kutzelt
und schmucket jr euch, gehet erein als die vleissig Gottes gebot leren und
uben, wie sie aus Mose gelert und von den alten empfangen haben, stehet und
pochet darauff: Da jst Moses, der spricht ‘Du solt nicht todten’, Auff dem wort
bleibet jr und lassets nicht weiter deuten, denn wie es auffs grobste da
lautet, das die einfeltigen mussen sagen: Es jst war, es stehet also da jm
buch. Verfinstert also [s. 363] die wort mit ewerm geplerr und faulen gloslin,
das man nicht sehe was die wort jnn sich haben und geben, Denn meinestu, das er
allein von der faust rede, wenn er sagt ‘Du solt nicht todten’? Was heisset
‘Du’? nicht allein deine hand noch fus, zunge noch ein ander einzelen gelied,
sondern alles was du bist an leib und seele, Eben als wenn ich zu jemand sage:
Du solt das nicht thun, so redet jch nicht mit der faust sondern mit der
gantzen person, Ja wenn ich gleich so sagte: Deine faust sols nicht thun, so
meine jch doch nicht die hand alleine sondern den gantzen menschen des die
faust jst, Denn die hand wurde allein nichts thun, wo nicht der gantze leib mit
allen geliedern dazu theten.
Darumb jsts soviel gesagt ‘Du solt nicht toedten’, als ob er
sagte: So manch gelied du hast, so mancherley weise du finden magst zu toedten,
es sey mit der hand, zunge, hertzen odder zeichen und geberden, saur ansehen
und das leben vergonnen mit den augen odder auch mit den ohren, wenn du nicht gerne
horest von jm reden, Das heisset alles getoedtet, denn da jst hertz und alles
was an dir jst so gesinnet, das es wolt were schon tod. Und ob gleich die weil
die hand stil helt, die zunge schweiget, augen und ohren sich bergen, doch
steckt das hertz vol mords und todschlag.
Sihe das jst das rechte liecht, so den rechten verstand
dieses gepots zeigt, und Mose unter augen sihet, dagegen jre faule glose zu
schanden wird als eine finster latern gegen der hellen sonnen, Und leuchtet nu
mit einer andern gestalt, das sie hernach sich druber entsetzen und sagen, das
heisse gewaltig geleret, nicht wie jre Schrifftgelerten. Wie wol aber die
auslegung klar gnug jst und sonst offt gehandelt, mussen wir doch hie umb des
texts willen die wort ein wenig ausstreichen. Zum ersten sagt er: Wer mit
seinem bruder zurnet, jst schuldig des gerichts, das jst er hat eben die
selbige straffe verwirckt, die uber einen todschleger gehet, nemlich das man jn
zum tod [3. Mose 24, 17] urteile, Denn er widderholet eben die wort so jm text
stehen Leuit .24. (wie er jtzt selbs anzogen hat) ‘Wer da todtet sol des
gerichts schuldig sein’ Weil nu der so da zurnet eben jnn dasselbige urteil
fellet, so heisset er billich auch ein todschleger: Jm andern und dritten ‘Wer
zu seinem bruder sagt Racha odder du Narr, jst des Rats und des hellischen
feurs schuldig’, deutet er eben dasselbige, was da heisse des gerichts schuldig
sein, nemlich, das er schuldig jst, das er widder getodtet werden.
Er nennet aber dreyerley stuck anzuzeigen, wie die straffe
jhe grosser und herter wird, jhe mehr die sunde fort feret und ausbricht, Denn
er [s. 364] redet gleich wie es fur gericht zugehet, wenn man einen ubeltheter
straffen sol, Als nemlich wer einen todschlag gethan hat, der jst erstlich
schuldig des gerichts, das jst das man jn furstelle, zu jm klage und ein urteil
uber jn felle, als der den tod verwirckt hat. Das jst der erste grad odder
stuffe zum tode, doch jst das urteil noch nicht gangen, das er noch mag rawm
haben sich aus zureden und los zu werden, Zum andern: wenn aber das urteil gesprochen
jst, das er sterben sol, so fellet er jnn den Rat, das man uber jn ratschlahe,
was man jm fur straffe anlegen sol, da jst er abermal dem tod neher, das er nu
nicht entgehen kan. Zum dritten: wenn das urteil nu gangen und alles
beschlossen jst, wird er dem scharffrichter uberantwortet, das er jn hinfure
und sein recht thue. Also zeiget er mit diesen dreyen stuffen, wie man tiffer
und tiffer jnn die straffe fellet, gleich wie der da sol hingerichtet werden
jmer neher und neher zum tode kompt. Darumb jsts eben soviel gesagt: Wer da
zurnet jm hertzen jst schon fur Gottes gericht des todes schuldig, Wer aber
weiter feret und sagt Racha odder du Narr, hat schoen das urteil uber sich
selbs empfangen &c.. Summa der jst schon verdampt zum hellischen feur, wer
da mit seinem bruder zurnet, Wer aber sagt Racha gehoret noch tieffer jnn die
helle, Noch tieffer aber der auch mit worten und der faust todtet. So jst es
alles eine straffe und verdamnis und doch die selbige schweerer und herter,
darnach die sunde weiter gehet und stercker ausbricht.
Was aber Racha heisset jst sonst gesagt, das es deute
allerley zeichen, so man beweiset aus zorn gegen dem nehesten, als wenn einer
maul und augen von jm wendet odder frolich jst und jnn die faust lachet, wenns
jm ubelgehet, odder sich sonst so erzeiget, das er jm wol gonne das er gar
verdorben were, Wie jtzt solcher gifftigen bosen wurme viel sind, die sich
widder uns auffs aller bitterst erzeigen beide offentlich und mit heimlichen
pracktiken und verretherey, als die nichts liebers horeten, denn das wir alle
ausgerottet weren, und doch daher gehen als heilige Christliche leut.
Das ander, ‘Du Narr’, sind nicht allein die zeichen sondern
alle wort, so aus einem boesen gifftigen hertzen gehen, das dem nehesten feind
jst, Sonst wo es aus gutem muetterlichen hertzen gehet, jst es keine sund, Denn
do mag [Gal. 3, 1] man wol straffen und schelten mit worten, wie S. Paulus
seine Galater [Luk. 24, 25] Narren heisset, und Christus zu den jungern sagt ‘O
jr thoren und treges hertzen zugleuben’, Ja nicht allein das, sondern mus auch
zurnen und sich saur und unfreundlich stellen mit geberden. Denn solchs jst
alles ein Goettlicher zorn und verdries widder das boese, nicht wider die
person sondern dem nehesten zuhelffen, Summa es jst ein noetiger zorn, des man
jm keinem haus noch jnn keiner stand und oeberkeit, ja auff keinem predigstul
emperen [s. 365] kan. Denn solt vater, mutter, richter und prediger das maul
und die faust zuhalten und dem boesen nicht weren noch steuren, so gienge
regiment und Christenheit und alles zu boden durch der welt bosheit. Drumb
heisst es hie also: Der sachen feind und doch der person hold, wie die Juristen
wol recht sagen, wenn sie es auch recht brauchten.
[Matth. 5 22. 24] Darumb wenn du deine gabe auff den altar
opferst und wirst alda eindencken, das dein bruder etwas widder dich habe, so
las alda fur dem altar deine gabe und gehe zuvor hin und versune dich mit
deinem bruder und als denn kom und opfer deine gabe.
Er machet eine lange predigt uber diesem gepot und jst wol
ein leichter text anzusehen, aber seer ein weitleufftig gemein laster,
furnemlich bey hohen gewaltigen klugen leuten, als zu Koenige, herrn und
Fursten hoefen, und was etwas jst odder vermag auff erden, steckt darin am
aller tieffsten und mus doch nicht den namen haben, Denn es jst auch das aller
schoenest und keines das sich so hubsch putzen und schmucken kan mit dem schein
der heiligkeit, darunter viel leut sich und andere betriegen und sehen nicht
wie sie dem nehesten von hertzen feind sind odder einen heimlichen grol widder
jn tragen, wollen gleichwol frum sein, dienen Gott und, wie er hie sagt, gehen
zum altar und opffern, meinen sie seien recht wol dran. Das machet, der schmuck
und schoene deckel jst da, der da heisset zelus justiciae, eine solche tugent
die das recht lieb hat und widder das boese zurnet und kans nicht leiden, Wie denn
das schwerd und oeberkeit dazu geordnet jst, das sie sol gerechtigkeit
handhaben und das boese straffen, wie auch vater und mutter, herr odder fraw mussen
zurnen und straffen, Da kompt nu der frume schalck, henget dasselb mentelin
umb, spricht, er thu es aus liebe zur gerechtigkeit und habe recht und billiche
ursach dazu, Wie jtzt Fursten und andere vol gifft, hass und neid stecken
widder die unsern, gehen jnn dem selben so hin, machen in kein gewissen und jst
alles eitel ablas und heiligthum, Denn sie haben auch den schonen deckel, das
sie sagen, sie seyen der ketzerey feind, und mus also ein grosse tugend draus
werden, ein heiliger eiver und liebe zur warheit, und jst doch jm grund nichts
denn ein schendlicher gifftiger hass und grol, der sich sonst nicht beweisen
und aus lassen kan.
Denn jch weis und thar wol sagen, das alle unser widerpart
(ausgenomen unsern lieben Herrn Keiser fur seine person, als der nicht besser unterrichtet
ist) keine ursach haben noch wissen darumb sie uns hassen und feind sind, denn
lautern neid und mutwillen, Denn es jst jn nicht zu thun umb einiges boesen
stucks willen, das wir buben odder schelcke weren odder [s. 366] jnen etwa mit
zu nahe weren, so wissen sie auch und habens mussen bekennen das unser lere die
rechte warheit jst, noch sind sie so gifftig, das sie lieber die welt vol eitel
verzweivelten buben leiden mogen denn uns und die unsern.
Also sind viel, auch feiner ehrlicher, gelerter und sonst
rechschaffener leut, die so jnn heimlichem zorn, neid und hass gehen und drinn
versauren, das sie es nimer gewar werden, und bleiben alle jnn dem gemachten
gewissen, sie thuns von jres ampts odder der gerechtigkeit wegen, Denn der
deckel jst zu schoen und blendet zu seer, das sie niemand thar anders schelten
denn rechtschaffene frome leute. Da werden denn zuletzt verstockte hertzen aus,
die sich stercken und verharten jnn dem gifftigen laster, und eine sunde jnn
den heiligen geist, Denn es jst ein zwifeltige boesheit, ein mal das des herzen
grund vol zorns hass und neids jst, Zum andern das es nicht wil sund noch boese
sein, sondern sol tugend heissen, welches heisset Gott jns maul geschlagen und
lugenstraffet jnn seinem worten.
Sihe darumb warnet Christus so vleissig, das ein jglicher
hie sich wol fursehe, das er sich nicht betriege mit solcher heucheley und
falschem schein, Denn niemand gleubt wie es so ein einfeltige lere jst und doch
so weit gehet und so grosse leute trifft, Denn mit diesen worten, als er
spricht ‘Wenn du deine gabe auff den altar opfferst’, zeiget er klerlich, das
er von denen rede, die da Gott dienen und die rechten Gottes kinder wollen sein
und haben das lob, das sie der ausbund sind fur allen, Was mangelt jn denn?
nichts, denn das gleich wol die weil jr hertz vol hass und neid steckt. Lieber,
was jsts, das du on unterlas fastest und betest, gebest all dein gut umb Gottes
willen und casteyest dich zu tod und thetest noch eins soviel gute werck als
alle Cartheuser und lessest die weil Gottes gepot anstehen, das er wil gehalten
haben, Nimpst dir kein gewissen, das du die leut schendest und lesterst, und wilt
gleiwol ein gros offer thun? gerade, als wenn einer krig und mord angerichtet
und viel blut vergossen, darnach ein tausent gulden fur sie gibt zu seelmessen,
odder wenn jemand ein grosse summa gelds gestolen und geraubt, darnach ein
almosen umb Gottes willen gebe. Also teuschen sie Gott (ja sich selbs) mit dem
schoenen hutlin, als sol er sie fur lauter lebendige heiligen ansehen.
Darumb spricht er nu: Wiltu Gott dienen und opffern und hast
jemand beleidigt odder einen zorn widder den nehesten, so wisse kurtz umb das
Gott deines opffers nicht haben wil, sondern leg es schlecht nidder und las
alles anstehen und gehe vor hin und versune dich mit deinem bruder. Damit meinet
er nu alle werck so man thun kan Gotte zu dienst odder lob (Denn zu der zeit
war kein besser werk denn opffern) und verwirffts doch gar, heissets schlechts
lassen ligen, es sey denn das dir dein hertz vorhin sage, du [s. 367] seiest
versunet mit dem nehesten und keinem zorn bey dir wissest. Wenn das geschehen
jst, so kom denn (sagt er) und bringe dein opffer. Das setzet er dennoch dazu,
das man nicht dencke, er wolle solch opffer verwerffen odder verachten, Denn es
jst nicht ein boes werck gewesen sondern von Gott geordnet und gebotten, Aber
das jst boese und verderbt es gar, das sie die andern hoehern gebot jnn wind
geschlagen und dagegen verachtet, Das heisset des opffers misbrauchet widder
den nehesten.
Daruber jst auch ein misbrauch, der hoher gehet, das man
dadurch wil selig werden, sunde buessen und sich darauff verlassen und trotzen
fur Gott, davon anders wo gesagt wird, Sonst jst es an jm selbs ein gut werck, wie
auch alle ander werck eusserlichs Gottes diensts als beten und fasten nicht zu
verachten noch nach zulassen sind, wo die meinung und brauch der selbigen recht
jst, nemlich das mans nicht thu dadurch den himel zuverdienen und das hertz
recht stehe mit dem nehesten, Und also beide, glaube und liebe, rein und recht
gehe, Wenn du aber betest und fastest und doch daneben deinem nehesten ubel
redest, die leut austregest und verleumbdest &c.. so spricht wol das maul heilige
wort und jsset keinen bissen, wesschet aber und verunreinigt sich die weil mit
dem nehesten widder Gottes gebot.
[Jes. 58, 3–5] Drumb straffet und verbeut er auch jm
Propheten Esaias .58. solch fasten, damit sie doch jrem leibe wehe thaten und
grosse andacht fur gaben, Und spricht: Wenn jr fastet, so ubet jr ewern willen
und treibt alle ewer schuldiger, Jr fastet, das jr haddert und zanckt, und
schlahet mit der faust ungoettlich, Fastet nicht also, wie jr jtzt thut, das
ein geschrey von euch jnn der hohe gehoeret werde &c.. Und leret weiter wie
man recht fasten sol: ‘Das [Jes. 58, 6] jst ein fasten, das jch erwele, Las los
welche dir mit unrecht behafft sind, [Jes. 58, 7] las ledig die du beschwerest
&c.. brich dem hungerigen dein brod, so du einen nacket sihest, so kleide
jn’ &c.. Da sihestu wie es jm alles zu thun jst umb die liebe des nehesten.
Jm vorigen text hat er dem gepredigt, der dem nehisten
beleidigt odder erzurnet hat, hie aber sagt er, wie sich der sol halten, der da
beleidigt jst, Und furet noch das gleichnis, als er hat angefangen, wie es fur
gericht gehet, da zwey teil gegenander stehen und einer klagt, der ander verklagt
wird und der Richter das urteil spricht und das teil so schuldig jst straffet,
Und jst nicht anders denn soviel gesagt, das wer den andern beleidigt, sol sich
freundlich [s. 368] mit jm versunen, der ander aber sol sich versunen lassen
und gerne vergeben. Das jst nu auch ein subtil stuck und konnen hie auch viel
leut den schalck aus der massen fein decken und schmucken, damit das sie sagen,
sie wollens gerne vergeben aber nicht vergessen, Denn es jst jmerdar der
behelff da, davon jch gesagt habe, das der zorn billich sey widder das boese,
und meinen, sie habens gut ursach und sey recht und wol gethan.
Darumb warnet er hie abermal und zeigt das jnn dem gepot
nicht allein verpoten jst zu zurnen sondern auch gepoten das man gerne vergebe und
vergesse was einem zu leid geschehen jst, wie Gott mit uns gethan und noch
thut, wenn er die sunde vergibt, das er sie gar aus dem register tilget und
nimer mehr gedencket. Doch nicht das mans muesse odder koenne der massen
vergessen, das man nicht mehr daran dencken durffte, sondern also das du eben
so freundlich hertz gegen dem nehesten tragest wie zuvor, ehe er dich beleidigt
hatte, Bleibt aber der stifft jm hertzen, das du nicht so freundlich und gutig
bist gegen jm als vor, so heist es nicht vergessen, auch nicht von hertzen
vergeben, und bist noch eben der schalck, der fur den altar kompt mit dem
opffer und wil Gott dienen und steckt doch voll zorns, neid und hass jm hertzen.
Aber das achten gar wenig leute, gehen alle hin jnn der schoenen larven, sehen
nicht wie jr hertz stehet gegen diesem gepot, welchs kurtzumb keinen zorn noch
grollen widder den nehesten leidet.
War jsts, wie gesagt, das zorn mus und sol sein, aber da
sihe zu, das er gehe wie er gehen sol und dir befolen sey, das du nicht von
deinen wegen sondern von ampts und Gottes wegen mussest zurnen und nicht die
zwey, deine person und ampt, jnn einander mengest, Fur deine person soltu mit niemand
zurnen, wie hoch du beleidigt bist, Wo es aber dein ampt foddert, da mustu
zurnen, ob dir wol fur deine person kein leid geschehen jst. Also zurnet ein
fromer Richter uber den ubeltheter, dem er doch fur seine person kein boeses
goennet, und wolt jn lieber ungestrafft lassen und gehet aus einem hertzen, da
nichts denn eitel liebe jst gegen dem nehesten, und allein die boese that mus
den zorn tragen, die man straffen mus; wo das nicht were, so were kein zorn
noch straffe da. Wenn aber dein bruder etwas widder dich gethan und dich
erzurnet hat und bittet dirs abe und legt das boese werck abe, so sol auch der
zorn weg gehen. Woher kompt denn der heimliche grol, den du gleichwol jm herzen
beheltst, so doch das werck und ursach des zorns hinweg jst und dafur nu ander
werck erzeigt, als der sich bekert und nu gar ein ander mensch und ein newer
bawm jst worden mit newen fruechten, der dich nu liebet und ehret auffs aller
hochste, damit das er sich gegen dir beschuldigt und selbs straffet, Und must
fur Gott und aller welt ein verzweiffelter mensch [s. 369] sein, wo du nicht
widderumb dich gegen jm so erzeigest und von hertzen vergibst, Das dir billich
solch urteil widderferet, wie Christus hie drewet.
Ergert dich aber dein rechtes auge, so reiss es aus und
wirffs von dir, Es jst dir besser, das eines deiner gelied verderbe, und nicht
der gantze leib jnn die helle geworffen werde; Ergert dich deine rechte hand,
so hawe sie abe und wirff sie von dir, Es jst dir besser das eins deiner gelied
verderbe, und nicht der gantze leib jnn die helle geworffen werde.
Das jst aber ein stuck saltzes widder der Phariseer lere,
darin handelt er zweyerley, Zum ersten vom ehebruch, darnach vom scheiden. Vom
ehebruch hatten sie es gedeutet gleich wie das funffte gebot und so geleret, es
were nicht mehr verboten denn wo ein ehebruch mit der that geschehe, Und
hieltens nicht fur sunde, ob sie gleich jm hertzen entbrand weren mit boeser
lust und liebe gegen einer andern und auch auswendig mit unhubschen worten und schamparn geberde sich erzeigten, und schadet
jn nichts an jrer heiligkeit, wenn sie nur sonst gute werck theten, vleissig
opfferten und beteten &c.. Das heisset nicht Gottes gebot geleret, sondern
gar verkeret, und nicht die leut from gemacht, sondern nur erger, rawm und
urlaub geben zu allerley sund und unzucht. Aber hie horestu einen andern
meister, der solche jre heiligkeit zu sunden und schanden macht und recht jnn
dis gepot leuchtet und schleusset, das ehebruch
auch wol mit augen, oren, mund, ja allermeist mit dem hertzen geschihet,
als wenn man ein weib ansihet odder mit jr schertzet, ja an sie gedencket mit boeser lust.
Nu sihe wie es mus gestanden haben jnn diesem volck und was
Christus fur leute funden hat, weil nicht allein der grosse gemeine hauff,
sondern die so andern leuten furstunden, leren und regiren solten, solchs nicht
allein einreumen, sondern auch selbs thun und die ursach stercken zum ehebruch
und dennoch wollen from gescholten sein, wenn sie nur nicht offentlich mit der that
die ehe brechen, Wie wol zwar gut zu rechen jst, wie from und keusch die leut
des wercks halben bleiben, wo man soviel einreumet und so weit kompt, das das
hertz voller brunst steckt und dazu eraus bricht mit allerley zeichen, worten
und geberde gegen einander. Was kan hie anders folgen denn auch das werck, wo
man nur raum hette? odder was jst er darumb deste fromer, ob er gleich das
werck lassen mus, das er gerne thun wolte und on unterlas jm hertzen darnach
brennet, Gleich als ein schalck kan wol seinem [s. 370] herrn den tod
wuendschen, ob er gleich jm kerker gefangen ligt, und wolt jn gerne selbs
erwurgen, wenn er nur dazu komen kuende: solt man jn darumb nicht ein moerder
heissen odder noch from schelten?
Sprichstu aber: Wenn das war jst das auch mit einem ansehen
die ehe gebrochen kan werden, wie sol man denn thun? es muessen ja beide mans und
weibs personen unter einander leben und teglich umbgehen, odder sol man aus der
welt lauffen odder oren und augen austechen und das hertz weg reissen lassen?
Antwort: Christus verbeut hie nicht, das
man unternander leben, essen, trincken, ja auch lachen und frolich sein solle,
das jst alles noch on schaden, wenn nur das stueck davon bleibt, das da heisset
Jr zubegeren. Zwar die Jueden wollen jm damit helffen, das sie sagen, es
sey nicht suende, ob man ein andere lieb habe mit gedancken und zeichen, gleich
wie sie nicht fur suend achten mit dem nehesten zurnen und jm hertzen feind sein,
auff das man nicht muesse das gantze volck und soviel heiliger leute verdamnen,
als weren sie eitel moerder und ehebrecher. Drumb mussen sie diesen gepoten
eine nasen machen, das mans nicht solle so streng deuten, sondern wie unsere
gelerten gesagt, es muegen wol gute rete sein fur die volkomenen, aber niemand
damit verbunden, Und daraus so weit gefaren sind, das auch viel druber disputiren und zweiveln, ob ein schlechter
fall mit einem huerlin ausser der ehe auch sunde sey, Und jst zwar jtzt jnn
Welschland bey vernunfftigen leuten eine ehre, das man auch die schir fur
heilig achtet, die es da bey bleiben lassen. Widderumb aber sind etliche, die
es all zu eng gespannet haben und so gar
heilig wollen sein, das sie auch das ansehen verboten und geleret alle
geselschafft man odder weibs personen zu meiden. Daher komen die
trefflichen heiligen, die aus der welt jnn die wuesten und Cloester gelauffen
sind, das sie sich alles sehens und horens, handels und gemeinschafft der welt
entschluegen.
Christus aber setzet auff
beiden seiten das widderspil, wil nicht Gottes gepot so drehen lassen und
der sache so raten, das man den zawm lasse zur unzucht und bueberey, Denn er
sagt mit klaren und durren worten das wer ein weib mit boser lust ansihet, der
sey ein ehebrecher, und urteilet jn dazu [Matth. 18, 9] zum hellischen feur,
als er spricht, Es sey besser das man das auge ausreisse, denn das der gantze
leib jnn die helle geworffen werde. So wil er solcher heiligen auch nicht, die
von den leuten lauffen, Denn wo das solt gelten, so durffte man der zehen gepot
nichts uberal, Denn wenn jch jnn der wusten von allen leuten gesondert bin, so
darff mir niemand dancken das jch nicht ehebreche, todschlage noch stele, und
meine doch die weil, jch sey heylig und den zehen gepoten weit entlauffen, die
doch darumb von Gott [s. 371] gestellet sind, das er uns lere wie wir jnn der
welt gegen dem nehesten recht leben sollen.
Denn wir sind nicht so
geschaffen, das wir sollen von einander lauffen, sonder mit und bey einander
leben, guts und boeses leiden. Denn weil wir menschen sind, mussen wir auch
allerlay menschlich unglueck und den fluch der uber uns jst gangen, helffen
tragen und uns so rusten, das wir unter boesen leuten konnen wonen, das ein
jglicher da seine heiligkeit beweise und sich nicht lasse ungedultig machen,
das er davon fliehe, Denn wir mussen doch auff erden leben wie unter disteln
und dorn, jnn solchem wesen, das vol anfechtung, widderstands und unfal jst. So
hastu dir auch nichts damit geholffen, ob du gleich von den leuten bist
gelauffen und doch den selben schalck bey dir tregst, das jst die brunst und boese lust so jm fleisch und
blut steckt, Denn du kanst doch nicht dein vater und mutter leugnen, ob du
gleich allein und verschlossen bist, noch dein fleisch und blut von dir werffen
und ligen lassen. Es heist nicht den fus weg rucken und davon fliehen, sondern darinn
bleiben, ritterlich stehen und kempffen
widder allerley anfechtung und mit geduld hin durch reissen und siegen.
Darumb jst Christus ein rechter Meister, der leret dich
nicht von leuten lauffen noch die stet wechseln, sondern dich selbs angreiffen und das auge odder die hand so dich ergert
von dir werffen, das jst die ursach zu
suendigen weg nemen, welchs jst die boese lust und begirde, die jnn dir selbs
steckt und aus deinem eigen hertzen koempt. Wo die selbige aussen bleibt,
so kanstu wol on sunde unter den leuten sein und mit jderman umbgehen. Darumb
spricht er deutlich (wie gesagt): Wenn du ein weib ansihest jr zubegeren, so
hastu die ehe gebrochen im hertzen. Das
ansehen verbeut er nicht, denn er redet zu denen, die jnn der welt unter
den leuten leben mussen, wie die gantze vorige und auch folgende predigt dis
Capitels gnugsam anzeigt, Das wil er
aber, das man das ansehen und begeren von einander scheide. Ansehen magstu wol
ein jglich weib odder mans bild, aber da sihe zu, das nur das begeren davon
bleibe, Denn da zu hat Gott geordnet, das
ein jglicher sein ehelich weib odder man habe, das er daselbs sein lust und
begirde hafften und wenden lasse. Kanstu dabey bleiben, das gonnet er dir
wol, spricht dazu seinen segen druber und lessets jm gefallen als sein ordnung
und geschefft, Aber das du wilt weiter faren, lessest dir nicht gnuegen an dem
das dir Gott geben hat, der du begeren solt, und nach andern gaffest, so hastu
schon zu weit griffen und die zwey unternander gemengt, das auch das ansehen
durch das begeren verderbt wird.
Das jst auch die groste ursach des ehebruchs, die alzeit mus
zuschlahen, das man nicht Gottes wort
ansihet an seinem gemahl, als das jm Gott gibt [s. 372] und segnet, sondern
die weil die augen auffsperret, wo man ein andere sihet. So hengt denn bald das hertz den augen nach, das auch die lust und
begird da zu schlegt, die jch allein zu meinen weib haben solt, So jst fleisch
und blut on das furwitzig, das es des bald uberdruss wird und nicht mag was es
hat, gaffet jmer nach eim andern und bleset der Teuffel zu, das man an seinem
gemalh nichts sihet denn was gebrechlich jst, und aus den augen setzet was gut
und loblich ist, Daher kompts denn, das ein jgliche schoner und besser jst jnn
meinen augen denn die meine, Ja mancher sich lesset so blenden, der ein recht
schon frum weib hat, das er jr gram wird und sich henget an einen scheuslichen,
schendlichen balg.
Darumb were das die rechte kunst und sterckste wehre dawidder
(wie jch anders wo weiter gesagt habe von der hochzeit und ehelichem leben)
wenn ein jglicher lernete sein gemalh
recht ansehen nach Gottes wort, welchs jst der theurste schatz und schonste
schmuck, so man an einem man odder weib finden kan, und sich darein spigelte,
so wuerde er sein gemalh wol lieb und werd haben als ein Gottlich geschenck und
kleinod und so dencken, wenn er ein andere sehe (ob sie gleich schoner were
denn seine): Jst sie schon, so jst doch nicht allzu schon, und wenn sie die
aller schonste auff erden were, so hab jch doch daheim viel ein schonern
schmuck an meinem gemalh, so mir Gott geben und mit seinen wort gezieret hat
fur allen andern, ob sie auch gleich von leib nicht schon oder sonst
gebrechlich were, Denn wenn ich alle weiber jnn der welt ansehe, so finde ich
keine von der ich rhuemen kund, wie ich von meiner mit frolichem gewissen sagen
kan: Diese hat mir Gott selbs geschenckt
und jnn die arm gegeben, und weis das jm sampt allen Engeln hertzlich
wolgefellet wenn ich mich mit liebe und trewen zu jr halte, Warumb wolte ich
denn solch koestlich Goettlich geschenck verachten und mich an ein andere
hengen, da ich solchen schatz und schmuck nicht finde?
Sihe also kunde ich wol alle weibs bilde
ansehen und mit jn reden, lachen und frolich sein, das dennoch die lust und
begirde davon bliebe, Und keine mir so schon und lieb lassen sein, das jch
widder Gottes wort und gepot thun solte, Und ob jch gleich von fleisch und blut
angefochten wurde, doch nicht bewilligen musste noch mich uberwinden lassen,
sondern ritterlich dagegen fechten und siegen durch Gottes wort. Und also jnn der welt leben, das mich keines bosheit boese
und keine reitzung zum ehebrecher machen kuende. Weil man aber solch Gotes wort
nicht sihet noch achtet, jsts leichtlich geschehen das einer seines gemalhs
uberdrus und jm gram wird und ein ander lieber gewinnet und der lust und
begirde nicht widderstehen kan, Denn er kan die kunst nicht das er sein gemalh
kund recht ansehen nach der schone und [s. 373] schmuck, damit sie jm Gott
bekleidet hat, sihet nicht weiter denn den augen nach, wie jn sein weib
ungestalt odder gebrechlich und ein andere schoener und besser duencket. Also
verstehestu, wenn das ansehen suende odder nicht suende sey, nemlich das man
nicht ein andere ansehe wie ein jglicher sein weib ansehen sol.
Doch mus mans hie auch nicht so enge spannen,
ob gleich jemand angefochten wird und fulet das sich solche lust und begirde zu
einer andern etwa reget, das er darumb solt verdampt sein, Denn jch habe offt
gesagt das nicht mueglich jst jnn fleisch und blut on suendliche boese neigung
zuleben, nicht allein jnn diesem stuck sondern auch widder alle gebot. Darumb
haben hie die Lerer ein solchen unterscheid gesetzt, dabey jchs auch lasse
bleiben, das ein schlechter gedancken on bewilligung sey nicht eine toedsunde. Es jst nicht mueglich, wenn dich einer beleidigt hat, das
nicht das hertz solt fulen odder bewegt werden und anheben zuwallen sich
zurechen, aber das jst noch nicht verdamlich, wenn es nur nicht beschleusst und
jm fursetzt schaden zu thun, sondern solcher reitzung widderstehet. Also auch
jnn diesem fall das der Teuffel nicht solt konnen jns hertz schiessen mit
boesen gedancken und lust, jst nicht mueglich zu weren, aber da sihe zu, das du solche pfeil nicht stecken und einwachsen
lassest, sondern bald widder aus reissest und weg werffest, Und thuest wie
vorzeiten ein alt vater hat geleret und gesagt: Jch kan nicht weeren, das mir
kein vogel uber den kopff fliege,
aber das kan jch wol weeren, das sie mir nicht jm har nisten odder die nassen
abbeissen. Also stehet nicht jnn unser macht diese odder andere anfechtung zu
weren, das uns nicht gedancken einfallen, wenn
mans nur beym einfallen bleiben lesset, das man sie nicht einlasse, ob sie
gleich anklopffen, und weere das sie nicht einwurtzeln, damit nicht ein fursatz
und bewilligung draus werde. Aber nichts weniger jst es gleichwol suende, doch jnn die gemeine
vergebung gefasset, weil wir nicht jm fleisch konnen leben on grosse stuck
von sunden und ein jglicher mus seinem [Röm. 7, 18] Teuffel haben, wie auch S.
Paulus klagt Ro. 7. uber die suende die jn jm wonet, und sagt, das er jnn
seinem fleisch nichts gutes funde &c..
Das aber etliche hie disputirt haben und so
genaw gesucht obs auch suende sey, wenn einer ein weib zur ehe begeret odder
widderumb einen man, jst nerricht und beide widder die schrifft und natur
gefragt, Denn wenn solten die leut ehelich werden, wenn sie nicht lust und
liebe zusamen hetten? ja darumb hat Gott solche brunst braut und breutgam eingegeben,
soenst wurde jderman den ehestand fliehen und meiden. So hat er auch jnn der
schrifft gepoten beide man und weib, das sie ein ander lieb haben sollen und
zeigt das er grossen gefallen daran habe, wenn sich man und weib wol begehen. Darumb
mus warlich solche lust und liebe nicht aussen bleiben und darff [s. 374] auch
wol gelucks und genade, das sie nur lang wehre, Denn es schlegt on das ungluck
zu beide vom fleisch, das bald dis stands uberdrus wird und teglich ungemach,
so sich darinn begibt, nicht tragen wil, und auch vom Teuffel, ders nicht leiden kan, wo er sihet das zwen eheleut sich mit
rechter liebe gegenandern halten, und nicht feiret, bis er ursach zu ungeduld,
zwitracht, hass und bitterkeit unter jn erwecke, Also das nicht allein not
sondern auch schweer und allein der
Christen kunst jst sein weib odder man recht
lieb haben, das eines des andern gebrechen und allerley zufellig ungluck trage.
Jnn der erst gehets wol so an, das sie ein ander (wie man sagt) fur liebe
fressen wollen, Aber wenn der furwitz aus jst, so jst der Teuffel da mit dem
uberdrus und wil dir hie die lust al zu seer nemen und anders wo all zu seer
anzunden.
Das sey kurtzlich von der lust und begirde gesagt. Was sol
man aber dazu sagen das Christus so hart spannet und heisset das auge
ausreissen und die hand abhawen, wenn sie uns ergert? Sol man sich denn selbs
verderben, lam und blind machen? so musten wir uns auch des lebens berauben und
ein jglicher ein morder an jm selbs werden, Denn solten wir alles was uns ergert
wegwerffen, so muesten wir zu erst das hertz ausreissen, Aber was were das
anders denn die gantze natur und Gottes geschepffe vertilget? Antwort: Hie
sihestu klar das Christus jnn diesem gantzen Capitel nichts redet von
weltlicher ordnung und wesen, und das alle solche spruche, so hin und wider jm
Euangelio stehen (als sich selbs verleugnen, seine seele hassen, alles verlassen
&c.) gar nicht jns weltlich odder Keisers regiment gehoren odder nach dem
Sachsenspiegel zuverstehen sind, wie die Juristen heissen augen ausstechen, hand
abhawen und dergleichen. Wie kund sonst dis leben und regiment bestehen?
Sondern sind allein von geistlichem leben und wesen gered, da man nicht
eusserlich am leibe fur der welt, sondern jm hertzen fur Gott augen und hand
von sich wirfft, sich selbs und alle ding verleugnet und verlesst, Denn er
leret nicht die faust odde schwerb furen noch leib und gut regieren sondern
allein das hertz und gewissen fur Gott. Darumb muss man seine wort gar nicht
jns Recht buch odder weltliche regiment zihen.
[Matth. 19, 12] Auff diese weise redet er auch Matth .19.
vom verschneiten, da er dreyerley verschniten odder Eunuchos setzet: Die ersten
und andern, so entweder von natur so geborn odder durch menschen hende
verschnitten sind, welchs auch die welt und Juristen verschnitten heissen, Die
dritten aber, die sich selbs umb des himelreichs willen verschniten haben, Das
sind andere verschniten, die nicht eusserlich am leibe und doch jm hertzen
odder geistlich, und nicht nach weltlicher weise sondern (wie er sagt) zum
himelreich verschnittenn heissen, Denn mit dem weltlichen hat er nichts
zuschaffen, Also auch hie sollen wir geistlich augen, hand, hertz aus reissen
und alles faren lassen, das es uns [s. 375] nicht ergere, Und doch jnn diesem
weltlichen wesen leben, da wir der keines emperen konnen.
So ist nu die meinung: Wenn du fulest das du
ein weib ansihest mit boeser lust, so reis das selbige auge odder gesicht aus
(als das widder Gottes gepot ist) nicht des leibs sondern des hertzen, aus
welchem die brunst und lust gehet, So hastu es recht ausgerissen, Denn wenn die boese lust aus dem hertzen jst, so wird auch
das auge nicht suendigen noch dich ergern, Und sihest nu eben die fraw mit den
selben leiblichen augen doch on lust, und jst dir eben als hettestu sie nicht
gesehen, Denn es jst nimer das auge da, davon Christus redet, das vor da war,
das da heisst ein auge der brunst odder lust, ob wol dem leibe sein auge
unverseert bleibt. Also sagt er auch von den verschnitenen, wenn das hertz
beschlossen hat on ehe keusch zu leben (wo es die gnade hat) so hat es sich
selbs verschniten zum himelreich und darff kein gelied eusserlich am leib
verletzen. Summa es jst solch verschneiten und ausreissen, das nicht die faust
odder der hengker thut, sondern Gottes wort jm hertzen.
Darumb sind das narren, die solche und der gleichen spruche
aus dem geistlichen jnns eusserlich weltlich wesen zihen, als hette Christus
widder das weltliche regiment, ja widder naturliche ordnung und geschepffe
geleret. Daher etliche so grob genarret haben, das sie aus ungedult und
verzweivelung widder fleisch und blut zu fechten sind zugefaren und haben in
selbs geholffen, das auch die Bisschove jnn den Concilijs haben mussen
verbieten. Das machet alles der unverstand das sie nicht unterscheiden unter
Christus und welt regiment und lere, bleiben jnn dem groben verstand von dem
verschneiten, das sie nicht weiter dencken denn wie es die welt heisst und
verstehet jnn jrem wesen, So doch Christus selbs den selbigen verstand
ausschleusst und weg nimpt und unterscheidet die so von natur odder mit henden
(es sey durch sich selbs odder andere) verschniten sind, und die dagegen setzt,
so weder mit henden noch von natur verschnieten sind, da mit er ja klerlich
zeiget das er allein von geistlichem verschneiten rede, da der leib mit allen
geliedern gantz und unverseeret jst und doch nicht solche brunst hat wie
andere, welche man nicht kan mit henden aus fleisch und blut schneiten, ob man
gleich sich der naturlichen gelied beraubet, wie sie selbs sagen, das solche Eunuchi
odder verschnitene viel mehr lust und liebe zu weibern haben denn jrgent
andere, daruemb auch grosse Koenige gerne solche leute zu Kemerer gehabt umb
der grossen trew und liebe willen, so sie zu weibern tragen.
[Matth.18, 8 f.] Es scheinet aber auch als habe Christus
diese wort ‘Ergert dich dein [
Hie sihet man fein wie sie durch dieses gepot gerissen rawm
und freiheit gnug gegeben dawidder zu handeln und doch nicht fur suende
zurechen, wenns nur nicht mans gar zu grob machete mit offentlichem ehebruch,
weil jn zugelassen war, wenn einer seinem weib gram war und gerne jr los gewest
were und lust zu einer andern hatte, das er sich mochte von jr scheiden und umb
eine andere bulen, die jm bas gefiele. Und ob gleich die selbige einen andern
man halte, koenden sie meisterlich einer dem andern sein weib abdringen, das
sie jener must von sich lassen und dennoch nicht mit gewalt genomen hiesse. So
wars auch ein geringes bey jn, ob einer ein andere beschlaffen hatte, das er
sie dadurch zu sich kriegte, weil si doch soenst moechten mehr denn ein weib
haben. Und hattens aller ding dazu bracht das ein jglicher on schew und
gewissen mit der ehe und scheiden handelte, wie er wult. Darumb nimpt nu
Christus dis stuck vom scheiden auch mit, saltzet und straffet jre bueberey und
misbrauch des zugelassenen scheidens, die
gewissen zu unterrichten, wie man darinn recht faren moege, das man nicht
zuweit greiffe und widder das gebot fare. Er rurets aber hie nur mit kurtzen
worten, denn hernach jm 19. Capitel hat ers weiter gehandlet.
Wie aber jtzt bey uns jnn ehesachen und mit dem scheiden
zuhandlen sey, hab ich gesagt das mans den Juristen sol befelen, und unter das
weltlich regiment geworffen, Weil der Ehestand gar ein weltlich eusserlich ding
jst wie weib, sind, haus und hoff und anders, so zur oeberkeit regiment [s.
377] [1. Mose 28] gehoret, als das gar der vernunfft unterworffen jst Gen .1.
Darumb was darinn die oberkeit und weise leute nach dem rechten und vernunfft
schliessen und ordnen, da sol mans bey bleiben lassen, Denn auch Christus hie
nichts setzet noch ordnet als ein Jurist odder regent jnn eusserlichen sachen,
sondern allein als ein prediger die gewissen unterrichtet, das man des gesetz
vom scheiden recht brauche, nicht zur buberey und eigenem wutwillen widder
Gottes gebot. Darumb wollen wir hie auch nicht weiter faren denn das wir sehen,
wie es bey jnen gestanden jst und wie
sich die halten sollen, so Christen sein wollen, Denn die unchristen gehen uns
nicht an (als die man nicht mit dem Euangelio sondern mit zwang und straffe
regiren mus) auff das wir unser ampt rein behalten, und nicht weiter greiffen
denn uns befolen jst.
[5. Mose 24. 1 4] Jm funfften buch Mosi Capi. 24. stehet
also: Wenn einer ein weib zur ehe genomen hat und sie gefellet jm nicht umb
etwa einer unlust willen, so sol er jr einen scheidebrieff geben und also von
sich lassen &c.. Bindet aber gleichwol ein knuttel dabey, das sie
derselbige man (wo er sie hernach gerne wolt widder haben) nicht durffe
widderumb zu sich nemen &c.. Nu das gesetz haben sie bald gelernet und
redlich misbraucht, das ein jglicher
sein weib flugs von sich gelassen und gestossen, wenn er jr muede worden und
lust zu einer andern hatte (so es doch Moses nur so fern erleubet, wenn er eine
unlust odder gebrechen an jr fuende, darumb sie nicht wol kondten bey einander bleiben)
und sind so frey damit gefaren, das sie selbs gesehen das es nicht zu loben und
zu mal leichtfertig were, und Christum darumb fragten [Matth. 19, 3] Math. 19.
obs auch recht were umb einer jglichen sache willen sich zuscheiden. So
antwortet er auch und lisst einen harten text darauff, den sie vor nicht gehort
hatten, und schleusst eben wie hie, das beide der sich scheidet und eine abgescheidete
freihet (ausgenomen umb ehebruchs willen) die ehe bricht und machet das sie
auch die ehe bricht, wo sie einen andern nimpt (denn sonst kunde sie nicht die
ehe brechen, wo sie on man bliebe). Damit straffet er nicht allein, das sie
leichtfertig mit dem scheiden umbgiengen, sondern leret das sie sich gar nicht sollen scheiden odder wo sie sich
scheiden, beide on ehe bleiben, Und schleusst, das scheiden alzeit ein ursach
des ehebruchs sey.
Das sie aber fragen warumb Moses denn solch scheiden zu gelassen habe, antwortet er ‘Umb ewer
harten koepffe willen hat ers euch erleubet’,
nicht das es sein odder wol gethan sey,
sondern das jr so boese und unschlachtige leute seid, das besser jst solchs zugelassen, denn das jr solt ergers thuen, jamer
odder mord anrichten odder jnn stetigem ewigen hass, unfrid und feindschafft
mit einander leben. Wie denn auch noch wol zuraten were (wenn weltlich oeberkeit solchs wolt ordnen)
umb etlicher seltzamer, eigensinnigen, storrigen kopffe willen, die nichts
uberal leiden koennen und gar nicht zum [s. 378] ehelichen leben dienen, man
liesse sie sich scheiden, Denn man kan doch nicht anders regiren umb der leute
bosheit willen, man mus offt etwas nach lassen, ob es gleich nicht wolgethan jst,
das nicht ein ergers geschehe.
So jst nu beschlossen, das die so Christen
wollen sein, sich nicht scheiden sollen, gleich sondern ein jglicher sein gemahl
behalten, guts und boeses mit jm leiden und tragen, ob es wunderlich seltzam
und gebrechlich jst, odder wo er sich scheidet, das er on ehe bleibe, Und
gilt nicht aus dem ehestand eine freiheit zu machen, als stuend es jnn unser
gewalt damit zu faren, wechseln und wandeln wie wir wolten, Sondern es heisst,
wie Christus sagt: [Matth. 19, 6] ‘was Gott zusamen fuget, das sol der mensch
nicht scheiden’, Denn solcher unrat kompt nirgend her denn das man den ehe stand nicht ansihet nach Gottes wort als sein werck und ordnung noch seines
willens achtet, das er einem jglichen sein gemalh geben hat die selbige zubehalten
und solch ungemach, so sich jm ehestand begibt, jm zugefallen zutragen, achtens
nicht anders denn wie ein lauter
menschlich, weltlich wesen, da mit Gott nichts zuschaffen habe. Darumb
wird man sein bald muede, und wenn es nicht gehet wie wir wollen, wil man bald
scheiden und wechseln anfahen. So schickets Gott gleich wol also, das mans
damit nichts besser machet, wie es denn gemeinglich gehet, wenn einer alle ding
wechseln und bessern und niemand seinen mangel tragen, sondern alles auffs
reinest und on unlust haben wil, das er ein anders kriegt, da er noch soviel
odder zehen mal mehr unlust findet, nicht allein jnn dieser sondern jnn allen
andern sachen.
Denn es kan auff erden nicht anders zugehen,
es mus teglich viel ungemach und unlust furfallen jnn einem jglichen haus, stad
und land, und jst kein stand auff erden, darinn man nicht viel leiden musse,
das einem wehe thut beide von den so jn angehoeren, als weib, kind, gesind,
unterthanen, und auswendig von nachbarn und allerley zufelligem unfal. Wenn denn solchs ein mensch sihet und fulet, so wird es
bald seines stands muede und uberdrus odder feret eraus mit ungedult, zurnen
und fluchen, und wo es solch ungemach nicht meiden noch wenden kan, wil es
seinen stand wechseln, dunckt jn eines jglichen stand und wesen besser sein,
und wenn er lang gewechselt hat, so findet er fur ubel erger, Denn wechseln jst
wol leicht und bald geschehen, aber bessern jst mislich und seltzam. Also jst
es auch den Jueden gangen mit jrem ehewechseln und scheiden.
Daruemb solt man hierinn also thun wie wir jmer geleret und
vermanet haben, wenn jmand etwas anfahen
wolte das seliglich und wol geraten were, auch jnn solchen leiblichen
sachen als ehelich werden, zu haus sitzen, einen stand annemen &c.. das er Gott anruffet und drumb begrussete, der
es geben sol und sein jst. Denn es jst
nicht eine geringe Gottes gabe, [s. 379] wenn jemand ein from leidlich gemalh
uberkompt, warumb woltestu jn denn nicht drumb bitten das ers lasse
wolgeraten? Denn die erste brunst und furwitz
wirds nicht thun noch die wehre haben, wo
er nicht selbs seinen segen und glueck dazu gibt und hilfft, das man solch
zufellig ungemach tragen kan. Druemb welche solchs nicht thun, sondern aus
eigenem furwitz drein fallen, als
durfften sie Gottes nicht dazu, lernen sich auch nicht drein schicken, den gehets
auch billich also, das sie eitel fegfeur und helle marter drinne haben und
keines Teuffels durffen, Und weil sie kein unlust mit gedult tragen, sondern
alles auffs reinst erlesen haben und den Artikel der da heisset Vergebung der
sunde, wegnemen und auffheben wollen, so haben sie zulohn ein unruegig,
ungedultig hertz und also mussen zweifeltig unglueck leiden und keinen danck
dazu haben. Aber davon jst anders wo gnug gesagt.
Fragstu aber: Jst denn gar keine ursach, umb welche man und
weib sich mogen scheiden und verendern? Antwort: Christus setzet hie und Math
.19. nur diese einige, die heisset der
ehebruch, und zeucht es aus dem gesetz Mose, welchs den ehebruch straffet
mit dem tode. Weil nu der tod allein die ehe scheidet und los machet, so jst
ein ehebrecher auch schoen gescheiden nicht durch menschen sondern von Gott
selbs und nicht allein von seinem gemahl sondern von diesem leben abgeteilet.
Denn durch den ehebruch hat er sich selbs
von seinem gemalh gescheiden und die ehe zutrennet, die er nicht trennen noch scheiden
sol, und damit den tod verwirckt, also das er fur Gott schon tod jst, ob in
gleich der Richter nicht todtet. Weil nu
hie Gott scheidet, so wird das ander teil los und frey, das es nicht verbunden
jst sein gemalh, so bruchig an jm jst worden, zu behalten, es wolle es denn
gerne thun.
Denn wir solch scheiden wedder heissen noch wehren sondern
der oberkeit befelen darin zu handeln und lassens dem nach gehen, was weltlich recht hierin ordnet. Doch als denen die Christen sein wollen, zuraten
were es viel besser das man beide teil vermanet und reitzet, das sie bey
einander blieben und das unschuldige gemalh sich gegen dem schuldigem (wo sichs demutigt und bessern wolte)
versuenen liesse und jm aus Christlicher liebe vergeb, es were denn das nicht
besserung zuhoffen were odder der schuldige, so widder versunet und zu gnaden
genomen, wolte solcher wolthat misbrauchen und gleichwol fort jnn einem
offentlichen freyen wesen hin gehen und sich drauff verlassen, als mueste man
jm verschonen und vergeben. Da wolt jch auch nicht raten noch hiessen gnad
erzeigen, sondern lieber helffen, das man solche zur staupe schluge odder jnn
einen sack stecket, Denn ein mal versehen
ist noch zuvergeben, aber mutwilliglich auff gnad und vergebung sundigen jst
nicht zu leiden, Denn, wie gesagt, wir wissen on das niemand zu zwingen, [s.
380] das er ein offentliche hure odder ehebrecher widder zu sich neme, wenn ers
nicht wil odder eckels halben nicht thun kan. Denn wir lesen von Joseph, [Matth.
1, 19] Math .1. ob er wol ein frum man war, dennoch Maria seine vertrawete braut
(als er sahe das sie schwanger war) nicht wolt zu sich nemen, und wird darumb
gelobt, das er wolt heimlich von jr gehen und sie nicht verklagen noch umb den
hals bringen, wie er wol hette thun muegen.
Uber diese ursach des ehebruchs jst noch eine, wenn ein
gemalh das ander verlesst, als da eines aus lauter mutwillen vom andern leufft,
als wenn ein heidin bey einem Christen were odder, wie sich jtzt wol begibt das
ein gemalh wol am Euangelio jst, aber das ander nicht (davon Paulus [Kor. 7,
13] .1. Cor. 7 sagt) ob da auch solch scheiden gelte? Da schleusset S. Paulus, wo
das eine teil bleiben wil, so sol es das ander behalten, ob sie wol des glaubens
halben nicht eins sind, sol doch der glaube die ehe nicht scheiden, Wo sichs
aber begibt das das ander teil schlecht nicht bleiben wil, so las es lauffen,
und bist darumb nicht gefangen noch gebunden jm nach zulauffen, Wenn aber ein
bube sonst von seinem gemalh on desselben wissen odder willen hinweg leufft,
lest haus, hoff, weib und kind sitzen, bleibt aussen gantzer zwey, drey jar
odder wie lang es jm gefellet (als jtzt sich viel begibt) und wenn er
ausgebubet und das seine durchbracht hat, wil widder heim komen und widder
einsitzen, das das ander teil solt verbunden sein nach jm zuharren, wie lang er
wolle, und jn widder zu sich nemen. Einem solchen buben solt man nicht allein
haus und hoff sondern auch das land verbieten und das ander teil, wo er nicht
wolt widder komen, wenn er erforddert und lang gnug nach jm geharret were, nur
frissch frey sprechen. Denn ein solcher jst noch viel erger denn ein heide und
ungleubiger, auch weniger zu leiden denn ein schlechter ehebrecher, welcher ob
er gleich ein mal gefallen jst, kan er sich doch widder bessern und seine
vorige trew seinem gemalh leisten, Aber dieser treibt seinen lauter mutwillen
mit der ehe, helt auch sein weib und kind nicht dafur, das er ehelich bey jn
wonen und bleiben solle, sondern das er einen gewissen sichern auffrit wisse,
wenns jn geluste widderzukomen. Es heisst aber also: wer weib und kind wil
haben, der sol bey jn bleiben, guts und boeses mit jn tragen, so lang er lebt,
odder wo er nicht wil, das man jn lere das ers thun musse, odder von weib, haus
und hoff gar gescheiden sey. Wo aber solche ursachen nicht sind, da sollen
ander mangel und feil nicht hindern noch die ehe scheiden als jnn zorn sachen
odder anderm unfal, wo sie sich aber scheiden (spricht S. Paulus) sollen sie
beider teils on ehe bleiben.
Das sey kurtz von diesem handel jm text gesagt, denn jch
habe sonst gnug davon geschrieben, Das
furnemeste aber widder solch scheiden und andern unrat jst (wie jch gesagt
habe) das ein jglicher lerne gemeine gebrechen und unfal jnn seinem stand und
diesem leben mit gedult tragen und an [s. 381] seinem gemalh auch zu gut halten,
und wisse das nicht kan noch wil alles recht und nach unserm sinn zugehen.
Kanstus doch an deinem eigen leibe nicht anders noch besser haben und must
leiden allerley unflat und unlust, den er dir teglich anrichtet, das wenn du
soltest alles was unrein an jm jst weg werffen, so musstestu am bauch anheben,
der dich doch neeret und beim leben behalten mus.
Kanstu nu solchs an deinem leibe leiden das er dir einen
stanck machet, ehe du dich umbsihest, odder anfehet zu schweren und eitern, das
nichts reines an deiner haut bleibt, und jm alles zu gut halten, ja nur deste
mehr guts und liebe beweisen mit warten, wasschen, tragen und helffen, wo jm
etwas feilet, Warumb woltestu es hie nicht
auch thun an deinem eigen gemalh, das dir Gott geben hat, daran du wol grossern
schatz und mehr ursach zu lieben hast? Denn es sol unter den Christen eine
solche liebe sein wie eines [1. Kor. 12, 12 ff. 26, Röm. 12, 4] jglichen
gelieds am leibe gegen dem andern (wie S. Paulus offt vermanet) da sich eines
des andern gebrechen annimpt, selbs drein greiffet, tregt und hebt und alles
thut wo mit es jm nur weis zu helffen. Darumb jst
unser rechter heubtartikel nichts denn eitel Vergebung der sunde beide jnn uns
selbs und gegen andern, das wie Christus
jnn seinem reich on unterlas an uns tregt und vergibt allerley gebrechen, also
auch wir unternander tragen und vergeben jnn allen stenden und sachen. Wer des
nicht wil, dem beschere Gott das er nimer keine ruge habe und sein einfeltig
ungluck odder plage zehen feltig schwerer mache.
Dieser text jst auch mit vielen glosen zudenet und
mancherley wahn und jrthumb draus geschepfft, das viel grosser Doctores daruber
zu schaffen gehabt und sich nicht haben konnen drein schicken, das hie so durre
verbotten jst, man solle allerdinge nicht schweren, sondern schlecht Ja ja und
Nein nein lassen bleiben, das etliche die gewissen so enge gespannet haben, das
man zweivelt ob einer auch solle einen urfride thun, wenn er aus dem gefengnis
los gegeben wuerde, odder ob man durch einen eid einen fride und vertrag
annemen solte mit den Tuercken odder ungleubigen &c.. Nu kan man [s. 382] ja
nicht leugnen das Christus selbs und S. Paulus offt geschworen haben, dazu jnn
der schrifft stehet das die gelobt werden, die bey seinem namen schweren,
Daruemb mus man hie auch einen unterscheid fassen, das man den text recht
verstehe.
Wir haben aber genug gehoret, das Christus hie gar nichts
wil reden jnn das weltlich regiment und ordnung noch der oeberckeit etwas
genomen haben, sondern allein den einzelen Christen predigt, wie sie fur sich
jnn jrem wesen leben sollen. Daruemb sol man das schweren eben so achten
verboten wie droben das toedten und ein weib ansehen odder begeren. Toedten jst
recht und doch auch nicht recht, Eins mans odder weibs begeren jst suende und nicht
suende, Aber also, das man beides recht scheide, nemlich also, das zu mir und
dir gesagt sey: Wenn du toedtest, so thustu unrecht, Sihestu ein weib an jr
zubegeren, so thustu unrecht, Aber zu einem Richter sagt er: Toedtestu und
straffest nicht, so soltu gestrafft werden, Also zu einem ehelichen man odder
weib, wenn du dich nicht zu deinem gemahl heltest, so thustu unrecht. Also stehets
beides, das man toedten und nicht toedten sol, bey einem weibe sein und nicht
sein, Nemlich das du nicht toedtest noch zurnest odder ein weib lieb habest, da
du nicht sonderlich Gottes wort odder befelh hast, Wenn du aber zurnest, da
dichs Gott heisset, odder ein weib hast nach Gottes wort, so jst es beides
recht, Denn was dir Gott sagt und heisset jst viel ein ander ding denn so du
selbs thuest.
Wie du nu jenes verstanden hast, so verstehe dis auch, Das
wol hie verboten jst das man gar nicht schwere, gleich wie er das todten so gar
verboten hat, das auch kein zorn jm hertzen sey, des gleichen das man so gar frembd
sol sein von man und weib, das man sie auch nicht ansehe noch daran dencke jr
zu begeren. Und were doch ein schedliche predig, wenn man sie jnn der oeberkeit
regiment odder jnn den ehestand furen wolte und dem Richter sagen: Du solt
nicht zurnen noch des zorns zeichen odder werck furen, odder zu einem ehelichen
par volcks: du solt dein weib odder man nicht ansehen noch lieb haben, Sondern
mus hie umbkeren und das widderspiel leren und heissen: Du Richter solt zurnen
und straffen und ein jglicher sein gemalh haben und lieben. Wie sagt denn
Christus, man solle keins weibs begeren und kein zorn jm hertzen haben?
Antwort, wie gesagt: Er redet von dem weib, das dir nicht von Gott gegeben jst,
und von dem zorn, der dir nicht befolen jst, des soltu keinen haben, Wo dirs
aber befolen wird, so jst es nicht mehr dein sondern Gottes zorn und nicht mehr
dein begeren sondern von Gott gegeben und geordnet, Denn da hastu Gottes wort
zu, das du dein gemalh lieb haben und keines andern begeren solt: Also auch vom
schweren mus man darnach sehen wo man Gottes wort hat odder nicht.
Das er aber hie so hart das verbot treibt, das thut er auch
widder jre [s. 383] falsche lerer, welche also predigten, das eiden und
schweren, ob es wol on not und Gottes wort geschehe, nicht suende were, Ja sie
hatten einen unterscheid gemacht (wie Christus hie zeigt) wie man mochte frey
schweren und welche eide solten gelten odder nicht, als das wol jemand mocht
bey dem himel odder Jerusalem odder bey seinem heubt schweeren, das weren
geringe eide und buenden nicht so hart, wenn man nur nicht Gottes namen
anzoege; hattens also zuletzt dahin bracht, das ein schlecht Ja und nein nichts
galt und dafur achten, es lege nicht dran ob sie etwas nicht hielte, darauff
sie keinen eid gethan hetten, gerade wie sie vom toedten geleret hatten das man
ein heimlichen zorn und tuecke nicht fur suende halten durffte, also auch, ob
einer seinem weib feind were, kein lust noch liebe zu jr hette, aber wol zu
einer andern lust hette und solchs mit ansehen und schertzen und andern zeichen
beweisete.
Widder solche unfletige heiligen hat er angefangen zu
predigen und sagt: Wenn jr nicht anders und frumer werdet, so werdet jr nicht
jns himelreich komen: Es gilt nicht so mit dem schweren faren wie jr thut, das
es sol recht sein und gelten wo und wenn jr wollet, sondern es heisset, jr
sollet aller dinge nicht schweren, weder beym tempel noch Jerusalem noch ewerm
heubt so wenig als bey Gott selbs, sondern was jr mit ein ander handlet, das
sol ja und nein sein und ja und nein bleiben, Denn das jst Gottes namens
misbraucht, wo man uber das feret mit eiden und schweren, als solt ein schlecht
ja und nein nicht gelten noch binden, es were denn Gottes namen dabey. Darnach
jst auch noch ein misbrauch das man so leichtfertig schweret, wie jtzt gemein
jst, da man schir zu einem jglichen wort Gottes namen furet. Das sol alles
schlecht verboten sein gleich wie auch das fluchen so durch Gottes namen
geschicht, wo es nicht geschehen sol.
Denn fluchen jst eben wie das schweren beide gut und boese,
Denn wir lesen jnn der schrifft das offt heilige leute gefluchet haben, als Noe
seinem [1. Mose 49, 4.7] einen son Ham fluchet und der Patriarch Jacob einen
boesen segen und fluch [4. Mose 16, 15] sprach uber seine drey sone Ruben, Levi
und Simeon, Jtem Mose widder [Ps. 109, 6 ff., Matth. 18, 6] Core, ja Christus
selbs jm Psalter seinem Juda und jm Euangelio uber die [Luk. 17, 2, Gal. 1, 8]
falschen lerer greulich fluchet, Und Paulus Gal. 1 verflucht alle lerer die da
anders predigen (wenn es auch ein Engel vom himel were) das sie sollen Anathema
sein, das jst von Gott verbannet und verflucht, als wenn wir sagten, Gott
muesse sie hinderen und zustore sie zu grund und gebe jn kein gnade noch gluck
dazu. Also kompt wol die zeit das man fluchen mus odder thut unrecht, Als das
wir jtzt solten den segen dazu sprechen und guts wundschen, das Bapst, Bischove
und Fuersten mit so gifftigen practiken und boesen tuecken widder das
Euangelion umbgehen, fromer leute blut zu stortzen und deudsch land jnn
einander zu werffen, das gehoret nicht Christen zu, [s. 384] Sondern sollen und
muessen so dazu sagen: Lieber Herr, verfluche, verstore und stuertze alle jr
anschlege jnn abgrund der helle. Daher kan niemand recht das Vater unser beten,
er mus dazu fluchen, Denn wenn er bettet ‘Geheiliget werde dein name, Dein
reich kome, Dein wille geschehe’ &c.. so mus er alles auff einen hauffen
mit nemen was da widder jst und sagen: Verflucht, vermaledeyet, geschendet
mussen werden alle ander namen und alle reich so widder dich sind, zustoret und
zurissen, alle anschlege, weisheit und willen zu boden gehen &c..
Das jst aber die unterscheid: Von sich selbs sol niemand fluchen
noch schweren, es sey denn das er Gottes wort dazu habe, das er solle fluchen odder
schweren, Denn wie gesagt, wo es jnn und nach Gottes wort gehet, da jsts alles
recht, schweren, zurnen, lust zum weib haben &c.. Das heisst aber Gottes
wort dazu haben, wenn er mirs als von ampts und seinen wegen befihelt odder
durch die so jm ampt sind foddert. Als (das mans durch exempel fasse) wenn
sichs begebe das du gefangen und jnn der oeberkeit henden werest und sie
begeret einen eid zur urfried, Odder wenn ein fuerst einen eid foddert, das man
jm hulde, odder ein Richter von einem zeugen, da bistu es schuldig zu thun,
Denn da stehet das wort das du solt der oeberkeit gehorchen, Denn Gott hat so
das regiment geordnet und gefasset, das einer also gegen dem andern verbunden
sein mus, damit alle jrrige sachen durch den eid geschlichtet, gescheiden und
hingelegt werden, wie die Epistel zun [Ebr. 6, 16] Ebreern sagt.
Sprichstu aber: Ja stehet doch hie ein ander wort, das
Christus sagt ‘Du solt nicht schweren.’ Antwort, wie oben gesagt vom todten und
zurnen: Du, du solts nicht thun als fur dich selbs, hie aber schwerest du nicht
sondern der richter, der dichs heisset, und gilt eben soviel, als ers selbs
thete, und bist jtzt des richters mund. Nu verbeut noch gebeut Christus der
oeberkeit nichts, sondern lesset jr regiment gehen wie es gehen sol und mus,
sondern dir verbeut er das du nicht aus eignem furnemen, furwitz odder
gewonheit schwerest, gleich wie er dir verbeut das schwerd zu zucken, doch
damit nicht der oeberkeit weret gehorsam zu sein, wenn dich dein Lands furst
dazu brauchen wolt odder auffgeboete jnn krieg zu zihen. Denn da bistu schuldig
frisch und getrost drein zu hawen und jst nicht mehr deine faust noch schwerd
sondern der oeberkeit unter worffen und thuests jtzt nicht selbs sonder dein
furst, dem es von Gott befolen jst. Also sagen wir auch jnn gleichen fellen,
als wenns dazu keme, das man mit unsern feinden odder Turcken solt ein vertrag
und einikeit machen, da mochten Keiser und fursten wol einen eid beide geben
und nemen, ob gleich der Tuercke bey dem Teuffel odder seinem Mahometh
schweret, [s. 385] den er fur seinen Gott helt und anbetet, wie wir unsern Herr
Christum anbeten und bey jm schweren.
So hastu nu eine ursache, da es recht jst zu schweren, nemlich
die Not, da man ein eid thun mus aus gehorsam der oeberkeit die warheit zu
bestetigen odder sachen zuvertragen umb frides und einigkeit willen. Die ander ursache
jst die Liebe, ob es gleich nicht gefoddert wird von der oeberkeit, sondern dem
nehesten zu gut geschicht &c.. Gleich als auch die liebe zuernet und
straffet, wenn sie sihet den nehesten suendigen odder jrren, wie Christus [Matth.
18, 15. 17] Math. 18. leret, denn sie kan jhe nicht dazu lachen noch das boese
loben, Also mag jch auch wol eines andern weib liebe erzeigen, wenn sie jnn
noten odder ferligkeit jst, das jch jr eraus helffe, das jst nicht ein
fleischliche verbotene sondern eine Christliche bruederliche liebe, die nicht
aus eigner lust noch furwitz gehet, sondern daher das es mein nehester bedarff,
und hat Gottes wort fur sich, das da sagt: Du solt deinen nehesten lieben als
dich selbs.
Dem nach, wenn jch jmand sehe jnn geistlichen noten und
fahr, schwach jm glawben odder verzagts gewissens odder jrrigen verstands und
der gleichen, da sol jch nicht allein trosten sondern auch dazu schweren sein
gewissen zu stercken und sagen: so war Gott lebt und Christus gestorben jst, so
gewis jst dis die warheit und Gottes wort. Da jst der eid so not, das man sein nicht
emperen kan, denn dadurch wird die rechte lere bestetigt, das jrrig und blode
gewissen unterweiset und getrostet und vom Teuffel geloset. Drumb magstu hie so
hoch und tewr schweren als du nur kanst. Also haben Christus und Paulus
geschworen und Gottes namen zu zeugen gefuret, So gehoret ein eid auff ein
iglich drew wort odder verheissung, so ein Christlicher prediger predigt, beide
die harten kopffe zuschrecken und die bloden zu trosten.
Des gleichen auch, wo man den nehesten entschuldigen und
seine ehre retten sol widder boese, gifftige meuler, da mag man auch sagen, man
thut jm fur dem lieben Gott unrecht &c.. Denn das jst alles Gottes namen
wol gebraucht zu Gottes ehren und der warheit und des nehesten heil und
seligkeit, Denn da hastu Gottes wort und gebot uber dir schweben, das dich
heisset den nehesten lieben, die unordigen straffen, die betruebten troesten
&c.. und weil es jnn dem gebot gehet, so kan es nicht unrecht sein, ja eben
dasselb dringet dich dazu, das du schweren solt und unrecht thuest, wo du es
verseumest. Summa, wo du Gotts wort hast, da gebe dir Gott gnade zu, das du nur
flugs schwerest, straffest, zurnest und alles thust was du kanst. Was aber uber
und ausser dem jst nicht aus befelh noch des nehesten not odder nutz, da soltu
der keines thun, Denn Gott wil nichts uberal haben was du aus eigenem furnemen
thust on sein wort, es sey was es woelle, wenn gleich jmand todten kunde
auffwecken, viel weniger wil er leiden, das man seines [s. 386] namens
misbrauche sich darauff zuberuffen, wo es nicht not noch nutz jst, odder das
man teglich jm haus und an allen orten damit jrr gehe, wie man jtzt thuet, da
man zu einem jglichen wort schweret allermeist jnn bierheusern, das wol not
were das man solchs streng werete und straffete. Also hastu einen richtigen
klaren verstand dieses stucks, das mans nicht vergeblich uber diesem text sich
martere und ein fegfeur daraus mache da keines jst.
Spricht nu Christus: Jch sage euch, das jr aller dinge nicht
schweren solt wedder bey dem himel noch bey der erden nocht bey der stad
Jerusalem &c.. Da sihet man das die stad jst hoch gehalten und geehret
gewest, das man dabey geschworen hat, und er bestetigts auch und heisset sie
eine stad Gottes und sonst wird sie auch die heilige stad genennet. Heilig
heisst sie aber darumb das Gottes wort da war und Gott durch dasselbe da wonet,
Und jst ein feine weise und on zweivel von trefflichen leuten auffbracht, das
man [Jes. 31, 9] die stad so hoch gehalten hat (wie sie auch der Prophet Esaias
herlich preisset) nicht umb jren willen sondern umb des worts willen, Dem nach
mag man wol eine jgliche stad heilig heissen die Gottes wort hat, und rhumen
das Got gewislich da sey.
Das er aber sagt: ‘Du solt auch nicht bey deinem heubt
schweren, denn du kanst nicht ein einiges har weis odder schwartz machen’, das
jst von seinem geschepff gered, nicht von unserm brauch, Denn er wil nicht
sagen das man die har nicht konne pulvern, das sie schwartz odder ander farbe
kriegen, sondern das gar nicht jnn unser macht sey ein einig har raus zu
bringen, das weiss odder schwartz sey, noch zu weren das es sonst odder so
werde, Wenn es aber gewachsen jst, so kan mans wol gar abscheren odder
verbrennen gleich wie man ander ding durch andere creatur kan etlicher masse
endern, aber nichts dazu thun, das sie sonst odder so geschaffen werden. Also
machet er unser eigen heubt zum heiligthum, als das nicht unsers wercks noch gewalt,
sondern Gottes gabe und geschepff jst.
Das er nu beschleusst, Ewer rede sol sein Ja Ja, Nein Nein
&c.. das redet er deutlich zu denen, die keinen befelh odder not haben
zuschweren, Denn (wie gesagt) fur sich selbs sol man gar nicht schweren, Wenn
aber die zwey stuck dazu komen, befelh odder not, so heisst es nicht mehr fur
sich selbs schweren, Denn du thuest es nicht von deinen wegen, sondern des ders
von dir foddert als deine oeberkeit, odder des nehesten not und Gottes gebot.
[Matth. 5, 38–42] Jr habt gehort das da gesagt jst ‘Auge umb
auge, Zan umb zan’, Jch aber sage euch das jr nicht widderstreben solt dem
ubel, sondern so dir jmand einen streich gibt auff deinen rechten backen, [s.
387] dem biete den andern auch dar, Und so jemand mit dir rechten wil und
deinen rock nemen, dem las auch den mantel, Und so dich jmand notiget eine
meile, so gehe mit jm zwo, Gib dem der dich bittet und wende dich nicht von dem
der dir abborgen wil.
Dieser text hat auch uberaus viel fragen und jrthum gemacht
schir allen Lerern so nicht recht gewust haben zuscheiden die zwey stuck,
weltlichen und geistlichen stand odder Christus und der welt Reich, Denn wo die
zwey unter einander gemenget und nicht rein und fein geteilet werden, da kan
nimer kein rechter verstand jnn der Christenheit bleiben, wie jch offt gesagt
und beweiset habe. Nu haben wir bisher nichts anders gehort denn das Christus
seine predigt stellet widder die Phariseer, so die leute verfureten beide mit
der lere und leben und Gottes gebot falsch gedeutet und verkeret hatten, also
das eitel falsche heiligen daraus wurden, wie sie jtzt noch thun. Denn man
findet alzeit unter den predigern etliche (wo nicht das mehr teil) solche
Judische heiligen, so nicht mehr leren denn von sunde und fruemkeit jnn
eusserlichen wercken.
Wie er nu jnn vorigen stucken jre lere und falsche deutung
gestrafft und verworffen hat, so nimpt er hie auch fur sich das stuck so
geschrieben [2. Mose 21, 24. 27] stehet jm gesetz Moisi fur die, welchen das
regiment und oeberkeit befolen zufuren und mit dem schwerd zustraffen, das sie
auge umb auge, zan umb zan &c.. nemen sollen und muessen, Also das sie eben
so schweer sundigen, wo sie solches befolenen schwerds und straffe nicht
brauchen, als die andern, die das schwerd on befelh selbs nemen und rache uben,
Gleich als jnn vorigen stuecken eben so wol sundigt der bey seinem weibe nicht
wonet und bleibt, so jm ehelich gegeben jst, als der unehlich bey einer andern
wonet. Das hatten sie nu auch verkeret und ein gemenge gemacht, das sie diesen
text, der allein der oeberkeit gestellet jst, fur sich zogen und so deuteten,
das auch ein jglicher fur sich selbs wol mochte rache suchen und auge umb auge
nemen &c.. Aller dinge wie sie es jnn andern stucken auch unternander
gemenget hatten, und das zurnen, so der oeberkeit geburt und befolen jst, zu
sich gezogen, Jtem das begeren odder lust ausser den ehestand gerissen, des
gleichen auch das schweren ausser der not und liebe zu jrer leichtfertigkeit
und anderm misbrauch gezogen.
Da kompt nu Christus und legt solchen verkereten falschen
wahn und verstand nidder, Lesset der oeberkeit jr recht und ampt rein, leret
aber seine Christen als einzele leute ausser dem ampt und regiment, wie sie fur
ire person leben sollen, so gar das sie keiner rache begeren und so geschickt
seien, wenn sie jemand auff einen backen schlegt, das sie bereit seien, wo es
not [s. 388] were, den andern auch dar zu reichen und sich nicht allein mit der
faust der rache enthalten sondern auch jm hertzen, mit gedancken und allen
krefften, Kurtzlich, er wil ein solch hertz haben, das nicht ungedultig,
rachgirig, noch fridbrechig sey. Das ist nu ein andere gerechtigkeit denn sie
lereten und hielten, und sich doch aus Mose wolten schmuecken, das man wol
mochte sich rechen und weren, wo einem gewalt geschehe, weil da jm text stehet
‘Auge umb auge, zan umb zan’ &c..
Nu haben sich viel leut uber diesem spruch zu brochen und
nicht allein die Juden sondern auch die Christen selbs sich daran gestossen,
Denn es hat sie zu streng und zu hart gedeucht das man dem ubel gar nicht
widderstehen solte, weil wir ia recht und straffe unter uns haben muessen, Und
haben [Joh. 18, 22] etliche dagegen gesetzt das exempel Christi, Joh .18. da er
fur dem priester Hannas auff einen backen geschlagen ward und doch nicht den
andern darbot, sondern sein unschuld verantwortet und des Priesters diener
straffete, welches scheinet widder diesen text gethan.
Darumb haben sie gesagt das nicht not sey dem schleger den
andern backen zu bieten und diesem text so geholffen, das gnug sey das man jm hertzen
bereit sey auch den andern darzubieten, Welchs were nicht unrecht gesagt, jst
aber nicht recht verstanden, Denn sie meinen, das heisse den andern backen
dargeboten, das man zum schleger sage: sihe da hastu diesen backen auch und
schlage mich zum andern mahl, odder das man dem der den mantel nemen wil, auch
den rock zu werffe; Wenn das die meinung were, so must man alles, zu letzt auch
haus und hoff, weib und kind hinnach werffen. Darumb sagen wir das hie nicht
mehr denn einem jglichen Christen gepredigt jst, das er solle willig und
geduldig sein zu leiden was er leiden sol und mus, und nicht rache suchen noch
widderschlagen.
Es bleibt aber gleich wol hie die frage und disputacion, ob
man allerley musse von jderman leiden und jnn keinem fal sich weren durffe,
auch nicht fur gericht haddern odder klagen noch das seine ansprechen und
foddern, Denn wo solchs aller dinge solt verboten sein, so wurde ein seltzam
wesen werden, das man mueste jdermans mutwillen und frevel leiden und kund niemand
fur dem andern bleiben noch etwas behalten, und wurde also zuletzt kein
regiment bestehen bleiben.
Hierauff zu antworten mustu jmer das heubtstuck mercken, das
Christus seine predigt fur seine Christen allein thut und wil sie leren was sie
fur leut sein sollen widder den fleischlichen wahn und gedancken, so da zumal auch
noch jnn den Aposteln steckte, das sie meineten, er wurde ein new regiment und
keiserthum anrichten und sie drein setzen, das sie regiereten wie die herrn und
jre feind und bose welt unter sich brechten, wie denn allzeit fleisch und blut
wuendschet und sucht am Euangelio, das es seine herschafft, [s. 389] ehre und
nutz habe und nichts leiden durffe. Darnach auch der Bapst getrachtet und solch
regiment zu wegen bracht hat, das sein wesen ein lauter weltliche herschafft
jst worden und so gefurchtet, das jm alle welt hat mussen unterthan sein.
Also sehen wir jtzt auch, das alle welt am Euangelio das jre
suchet und soviel rotterey daher enstehen, die nichts anders jm sinn haben,
denn wie sie sich auffwerffen und zu herren machen und andere dempffen, wie der
Muentzer anfieng mit seinen bawern und jm nach andere sich auch beweiset haben.
Da zu werden auch die rechten Christen damit angefochten, wenn sie sehen das so
ubel zugehet jnn der welt, auch jnn jrem eigen regiment, das sie gerne wolten
selbs drein greiffen und walten. Aber es sol nicht sein und sol niemand dencken
das uns Gott wolle so lassen regieren und herschen mit weltlichem recht und
straffe, Sondern der Christen wesen sol gar davon gescheiden sein, das sie sich
nichts damit bekomern noch zuschaffen haben, sondern die denen es befolen jst
lassen dafur sorgen, wie man sol guter aus teilen, handlen, straffen, schutzen
&c.. und lassen gehen wie sie es machen, wie Christus [Matth. 21, 32] leret
‘Gebt dem Keiser was des Keisers jst’, Denn wir sind jnn ein ander hoher wesen
gesetzt, welchs jst ein Gotlich, ewig reich, da man der dinge keines bedarff so
jn die welt gehoren, sondern ein jglicher fur sich jnn Christo ein herr jst
beide uber Teuffel und welt &c.. wie anders wo gesagt jst.
Welche nu zum selbigen jrdischen regiment gehoren, die
sollen und mussen recht und straffe haben und halten, unterscheid der stend,
personen, guter ordnen und teilen, das es alles gefasst sey und ein jglicher
wisse was er thun und haben sol, und niemand sich jnn eines andern ampt menge
noch andern zu nahe greiffe noch das jre neme. Dazu gehoren Juristen, die
solchs leren und druber halten sollen. Das Euangelium aber hat sich nichts
damit zubekomern, sondern leret wie das hertz fur Gott stehen und jnn dem allen
sol geschickt sein, das es rein bleibe und nicht auff falsche gerechtigkeit
gerate. Diesen unterscheid fasse und merck wol als den grund der sachen,
darnach man auff solche fragen leichtlich kan antworten, das du sehest wo von Christus
redet und wer die leute sind den er predigt, nemlich von geistlichem wesen und
leben und fur seine Christen, wie sie fur Gott und jnn der welt leben und sich
halten sollen, das das hertz an Gott hange und sich des weltlichen regiments
noch keiner oberkeit, gewalt, straffe, zorn, rache nichts anneme.
Wenn man nu fraget, ob ein Christ auch rechten odder sich
wehren sol &c.. so antwort schlecht und sage Nein, Denn ein Christ jst ein
solche person odder mensch, so mit solchem welt wesen und recht nichts
zuschaffen [s. 390] hat, Und jst in solchem reich odder regiment, da nichts
anders gehen sol denn wie wir bitten ‘Vergib uns unser schuld, wie wir auch
vergeben unsern schuldigern’, Da sol eitel lieb und dienst unternander sein
auch gegen die, die uns nicht lieben sondern feind sein, gewalt und unrecht
thun &c.. Darumb sagt er den selbigen, das sie dem ubel nicht widderstehen
sollen und so gar nicht rache suchen, das sie auch den andern backen halten
sollen dem der sie schlegt &c..
Darnach jst ein ander frage, ob ein Christen denn auch muge
ein weltlich man sein und des regiments odder rechts ampt und werck furen, also
das die zwo personen odder zweyerley ampt auff einen menschen geraten und zugleich
ein Christ und ein furst, richter, herr, knecht, magd sey, welchs heissen eitel
welt personen, denn sie gehoren zum weltlichen regiment. Da sagen wir ja, Denn
Gott hat solch weltlich regiment und unterscheid selbs geordnet und eingesetzt,
dazu durch sein wort bestetigt und gelobet, Denn on das kund dis leben nicht
bestehen und sind alle sampt drin gefasst, ja darinn geboren, ehe wir Christen
sind worden, drumb mussen wir auch darin bleiben, so lang wir auff erden gehen,
doch nur nach dem eusserlichen leiblichem leben und wesen.
Darumb jsts nicht wol muglich, ein Christ mus ja jrgend eine
welt person sein, weil er ja zum wenigsten mit leib und gut unter dem Keiser
jst, Aber fur seine eigen person nach dem Christlichen leben jst er gar allein unter
Christo und nicht des Keisers noch einiges menschen Und doch auswendig unter jn
geworffen und verbunden, so fern er jn einem stand odder ampt jst, haus und
hoff, weib und kind hat, Denn solchs jst alles des Keisers, drumb sol und mus
er thun was er jn heisst und was solchs eusserlich leben foddert, Und thet
unrecht, wenn er haus, weib, kind, gesind hette und wolt es nicht neeren noch
schutzen, wo es not were, und gilt nicht das er wolt fur geben, er were ein
Christ und mueste alles verlassen odder jm nemen lassen &c.. Sondern es
heisst also: Du bist jtzt jnns Keisers regiment, da du nicht heissest ein
Christ sondern ein vater, herr, furst &c.. Ein Christ bistu fur deine
person, aber gegen deinem knecht bistu ein ander person und schuldig jn zu
schutzen.
Sihe so reden wir jtzt von einem Christen in relatione nicht
als von einem Christen, sondern gebunden jnn diesem leben an ein ander person,
so er unter odder oeber jm odder auch neben jm hat, als herrn, frawen, weib,
kind, nachbar &c.. da einer dem andern schuldig jst zu verteidigen,
schutzen und schirmen wo er kan. Darumb were nicht recht, das man hie wolt
leren den andern backen herhalten und den rock zum mantel wegwerffen. Denn das [s.
391] were eben genarret, wie man sagt von einem tollen heiligen, der sich selbs
lies die leuse fressen und wolt keine todten umb dieses texts willen, gab fur, man
mueste leiden und dem boesen nicht widderstehen.
Bistu nu ein fuerst, richter, herr, fraw &c.. und hast
leut unter dir und wilt wissen was dir zugehoret, so darffstu Christum nicht
fragen, sonder frage des Keisers odder dein land recht drumb, das wird dir wol
sagen, wie du dich gegen deinen unterthan halten und sie schutzen solt, Denn da
hastu macht und recht beide zu verteidigen und straffen &c.. so fern dein
regiment odder ampt und befelh reichet, aber nicht als ein Christ sondern als
des Keisers unterthan. Was were das fur eine torichte mutter, die nicht wolte
jr kind fur einem hund odder wolff schutzen und retten und darnach sagen, ein
Christ solt sich nicht weren? solt man sie nicht mit guten schlegen leren und
sagen: Bistu ein mutter, so thu was muetter recht jst, das dir befolen jst und Christus
nicht genomen sonder viel mehr bestetigt hat.
Darumb lieset man von vielen Heiligen mertern, die auch
unter ungleubigen Keisern und herrn jnn krieg gezogen, wenn man hat
auffgeboten, und getrost umb sich geschlagen und gemordet haben wie andere, das
hierin keine unterscheid war zwisschen Christen und heiden und dennoch nicht
widder diesen text gethan haben, Denn sie thetens nicht als Christen fur jre
person sondern als gehorsame gelieder und unterthane verbunden an weltliche
person und regiment, Wo du aber los und ungebunden bist an solch weltlich
regiment, so hastu hie ein ander regel als ein andere person.
Darumb lerne nur die unterscheid wol unter den zwo person
die ein Christ zugleich tragen mus auff erden, weil er unter andern leuten lebt
und der welt und des Keisers guter brauchen mus so wol als die heiden, Denn er
hat eben das selb blut und fleisch das er mus erhalten, nicht aus dem geistlichen
regiment sondern aus dem acker und land, das des Keisers ist &c.. so lange
bis er auch leiblich gar aus diesem leben jnn ein anders kompt. Wo nu solchs
mit guter unterscheit gefasset jst, wie weit sich eines Christen und eine
weltliche person strecket, so kanstu solche sprueche alle fein ortern und recht
applicirn dahin sie gehoren, Das man die zwey nicht jnn einander brewe und
menge, wie der Bapst gethan hat mit seiner lere und regiment.
Das sey nu gesagt von solcher person, so gegen andern
personen verbunden jst unter weltlich recht, das da heist, vater, mutter, herr
und frawen recht &c.. Wie aber, wenns deine person allein betrifft, das man
dir leid und unrecht thut, ob es da auch gelte, das man sich mit gewalt da
widder wehre und schuze? Antwort Nein, Denn hie leret das weltlich und Keisers recht
selbs: das widderschlagen macht hadder, und wer widderschlegt der krigt unrecht,
Denn da mit felt er dem Richter jnns ampt, welchem geburt zustraffen, [s. 392] und
nimpt jm sein recht, Gleich wie jnn andern fellen, als wenn dir jmand stilt
odder raubt, gebuert dir nicht dem selbigen widder zu stelen odder rauben und
mit gewalt zu nemen, Aber wir sind gemeiniglich so geschickt, das wir uns
flugs, ehe man sich umb sihet, selbs gerochen haben, Es sol aber nicht sein,
Wiltu odder kansts ja nicht leiden, so magstu mit jm fur den Richter gehen und
daselbs dein recht aus furen.
Denn er lessets wol geschehen das du ordenlicher weise das recht
fodderst und nemest, allein das du zusehest und nicht ein rachgirig hertz
habest: Gleich wie ein Richter wol mag straffen und toedten und doch daneben
verbotten jst das er keinen hafs noch rachgir jm hertzen habe, wie gemeiniglich
geschihet, das man des ampts misbrauchet seinen eigen mutwillen zu bussen. Wo
aber nu solchs nicht mit unterleufft und allein dich mit recht widder gewalt
und frevel suchest zuschutzen und auff zu halten, nicht dich zurechen noch dem nehesten
zuschaden, so thustu nicht unrecht, Denn wo das hertz rein jst, da ists alles
recht und wol gethan. Es jst aber ferlich, darumb das die welt sampt fleisch
und blut boese jst und jmer das jre suchet und gleichwol mit solchem schein
sich schmucket und den schalck decket.
Also ist nicht verboten fur gericht zugehen und klagen uber
unrecht, gewalt &c.. wo nur das hertz nicht falsch jst, sondern gleich
gedultig wie vor und allein darumb thuet, das es uber dem rechten halte und dem
unrechten nicht stat gebe und aus rechter liebe zur gerechtigkeit geschehe, Wie
jch droben ein exempel hab angezeigt von dem heiligen Joseph, der seine brueder
verklagte fur jrem vater, wo sie etwas unrechts gethan und ein boese geschrey kriegten,
und wird drumb gelobt, Denn er thats nicht aus boesen hertzen das er sie
verraten wolt odder lust hette hadder zu machen, wie sie es ansahen und jn
darumb feindeten, sondern aus einem freundlichen bruderlichen hertzen umb jres
besten willen, Denn er sahe nicht gerne das sie solten ein boese geschrey
kriegen, Das es nicht kund heissen rache gesuchet odder boeses gonnet sondern
mehr zum besten geholffen und druber gelidden, das sie jm alle schalkeit an
legten.
[Matth. 18, 31] Also lesen wir auch jm Euangelio Matth .18.
jnn der gleichnis von dem knecht, welchem sein herr alle seine schuld
geschenckt hatte und er nicht wolt seinem mitknecht eine kleine schuld
erlassen, das die andern knecht seer betrubt wurden und solchs dem Herrn
klagten, nicht darumb das sie sich recheten odder seines unglucks fro weren,
sondern hielten faust, hertz und mund stille, das sie nicht flucheten odder bey
andern verleumbdeten, sondern brachtens fur den herrn, dem es gehoret
zustraffen, und suchten das recht, aber mit feinem Christlichem hertzen als
solche person, die jrem herrn verbunden waren trew zu sein. Wie es denn sol und
mus gehen, es sey jnn eim hause odder stad, wo ein fromer trewer knecht odder
unterthan sihet einen andern unrecht odder [s. 393] seinem herrn schaden thun,
das ers jm anzeige und seinen schaden vorhute, Des gleichen ein fromer burger,
wo er sehe seinem nachbarn gewalt und schaden geschehe, das er helffe retten
und weren: Das sind alles weltliche hendel, die Christus nicht verbotten
sondern viel mehr bestetigt hat.
Denn das mus und sol nicht sein das man solt einem jeden
seines mutwillen rawm und ursach lassen und stille da zu schweigen und nichts dazu
thun, wenn mans ordenlicher weise wol weren und verkomen kan, ob wirs gleich on
das leiden sollen und muessen, wo man uns unrecht und gewalt thut. Denn man mus
nicht unrecht billichen, sondern der warheit zeugnis geben und mag sich wol
auffs recht beruffen widder gewalt und frevel, wie Christus selbs fur dem
priester Hanna sich auff recht berieff und erbot und doch nichts deste weniger
leid das man jn schlug, und nicht allein den andern backen sondern den ganzen
leib darbot.
Sihe, so hastu ein feinen klaren unterricht, wie man jnn den