Martin Luther  -  Hauspostille 1544

 

 

Martin Luther

 

 

 

Huspostillen

 

 

 

(på moderne tysk)

 

 

 

 

 

 

Luthers hus - det tidligere Augustiner-kloster

 

 

 

Huspostillen

 



 

Som det fremgår af de to billeder her på siden, havde Luther både et hus og en stor familie med seks børn, som han sang med og prædikede for.

 

 

 

Det store hus var augustiner-eremitternes tidligere kloster, som Luther havde fået foræret af kurfyrsten.

 

 

 

Foruden Luthers familie boede der også mange studenter og besøgende, og Luthers kolleger og venner færdedes i huset. Så når Luther holdt andagt eller prædikede over søndagens tekst, var der altid mange tilhørere.

 

 

 

Nogle af tilhørerne var hurtig på pennen og stenograferede og nedskrev disse prædikener, som blev udgivet med Luthers godkendelse og forord i 1544.

 

 

 

Det handler om prædikener fra omkring 1530 og frem, så det er den modne reformator, vi møder her. En reformator, der nu har været igennem en række spørgsmål af både teoretisk og praktisk karakter. Det er den reformator, som Luther helst selv vedkender sig.

 

 

 

I første omgang bringes prædikenerne på moderne tysk med accept fra Heinrich Dolle, der har tilrettelagt Luthers prædikener for nutidens læsere.

 

 

 

Prædikenerne vil løbende blive oversat til dansk.

 





 

 

 

 

Ersteller der Abschriften von den Luther Predigten:

 

 

 

Heinrich Dolle – 31595 Steyerberg, Koppelweg 5

 

 

 

Tel. 05764-423 Telefax 05764-2408

 

 

 

mail dolle@enet.de

 

 

 

Mitteilungen – Kritik – Anregungen sind willkommen

 

 

 

Sie finden hier Original (d.h. etwas revidierte Sprache) Luther Predigten, welche der Reformator persönlich gehalten hat. Die Predigten werden hier zur Verfügung gestellt, mit dem Ziel, dem Benutzer persönlich den Reichtum des Wortes Gottes aufzuzeigen. Der Reichtum , daß werden Sie in den Predigten am besten erkennen, ist wie man den Tod, den Teufel, die Sünde besiegen, und das ewige Leben bekommen kann. Dieser Reichtum und diesen Schatz finden Sie nur in der Bibel. Luther war dazu ein gutes Werkzeug Gottes, uns Menschen diesen Reichtum und Schatz der Bibel durch seine Auslegungen und Predigten aufzuschließen.

 

 

 

Die Predigten werden laufend ergänzt.

 




 

 




 

Hauspostille

 

 

 

1544

 

 

 

  

 

 

 

1. søndag i advent

 

 

 

Matthäus 21,1-9

 

 

 

 

 

 

 

Da sie nun nahe bei Jerusalem kamen an Bethpage an den Ölberg, sandte Jesus seiner Jünger zwei, und sprach zu ihnen:. Gehet hin in den Flecken, der vor euch liegt, und bald werdet ihr eine Eselin finden angebunden und ein Füllen bei ihr; löset sie auf und führet sie zu mir. Uns so euch jemand etwas wird sagen, so sprechet:. Der Herr bedarf ihrer; so bald wird er sie euch lassen. Das geschah aber alles, auf das erfüllet würde, daß gesagt ist durch den Propheten, der da spricht:. Saget der Tochter Zion:. Siehe, dein König kommt zu dir sanftmütig und reitet auf einem Esel und auf einem Füllen der lastbaren Eselin. Die Jünger gingen hin und taten, wie ihnen Jesus befohlen hatte, und brachten die Eselin und das Füllen, und legten ihre Kleider darauf und setzten ihn darauf. Aber viel Volks breitete die Kleider auf den Weg; die anderen hieben Zweige von den Bäumen und streueten sie auf den Weg. Das Volk aber, daß vorging und nachfolgte, schrie und sprach: Hosianna dem Sohn Davids; gelobet sei, der da kommt in dem Namen des Herrn, Hosianna in der Höhe!

 

 

 

1. Die Juden hatten viele schöne und herrliche Verheißungen von dem Messias oder Christus, wie er auf Erden kommen, ein ewiges Reich anrichten, und sein Volk von allem Übel erlösen und ewig helfen sollte; wie man denn in der Propheten Predigten überall sieht, daß sie über die maßen herrlich von dem künftigen Reich Christi reden. Und solche Predigten bei den Juden sehr wohl bekannt gewesen sind.

 

 

 

2. Aber da fanden sich falsche Prediger und fleischlichen Lehrer, welche das Volk auf diese Meinung führten, als sollte Christus in weltlicher Pracht kommen und einreiten, wie es sonst weltliche Könige pflegen, da es alles auf das prächtigste und schönste zugeht; und sollte dann aus den Juden in aller Welt eitel große, gewaltige Fürsten und Regenten machen. Wie sie heute auch noch denken, wenn ihr Messias kommen werde, so werden sie in aller Welt Herren sein und die Heiden ihre Knechte. Auf einen solchen Messias oder Christus gaffen sie noch, begehren den Messias, das ist, aber nicht dazu, daß er sie von Sünden und dem ewigen Tod erlösen sollte.

 

 

 

3. Auf das nun die Juden gewarnt und durch solche fleischlichen Lehrer nicht betrogen würden, so hat Gott durch den Propheten Sacharja lange zuvor verkündigen lassen: Christus werden nicht kommen als ein weltlicher König, mit großer Pracht und köstlicher Rüstung; sondern als ein armer Bettler werde er zu Jerusalem, in seiner Hauptstadt, auf einen Esel einreiten, wie denn die Geschichte des heutigen Evangeliums anzeigt. Auf das ja die Juden sich nicht entschuldigen möchten und sagen:. Hätten wir es gewußt, daß er so ein armer König sein sollte, wir wollten ihn angenommen haben. Denn solches hat ihnen der Propheten ganz klar angezeigt, vor so langer Zeit. So ist die Geschichte auch öffentlich bei hellem Tag geschehen, daß Christus daher reitet auf einem geliehenen Esel, der weder Sattel noch anderes Gerät hat, deswegen die Jünger ihre Kleider auf den Esel legen müssen, daß der arme König sich so behelfen muß. Deswegen können sich die Juden nicht entschuldigen. Denn hier ist eine helle, klare Weissagung: wenn Christus zu Jerusalem einreiten wird, so werde er nicht, wie sonst weltliche Könige, auf hohen Pferden, mit Harnisch, Spies und Schwertern kommen, welches alles zum Ernst gehört und eine Gewalt anzeigt: sondern er werde kommen, wie es der Evangelist nennt, " sanftmütig ", oder wie der Prophet spricht, " Arm und Elend ". Als wollte der Prophet jedermann warnen und sprechen:. Habt ja auf den Esel gut Achtung, und wisset, daß der der darauf kommt, der rechte Messias sei. Darum hütet euch, und gaffet nicht auf die goldenen Kronen, feinen Kleider und goldenen Stücke, noch auf anderes herrliches Zeug. Denn Christus wird endlich kommen, mit betrübten und sanftmütigen Herzen, und auf einen Esel. Das ist alle seine Pracht und Herrlichkeit, die er in seinem Einreiten gen Jerusalem vor der Welt führen wird.

 

 

 

4. Die Weissagung nun verursacht den Herrn zu diesem Einzug, und ist ihm sehr viel daran gelegen gewesen. Deswegen er den Jünger auch die Sache so fleißig befiehlt; und nicht bei Nacht, noch heimlich, sondern öffentlich, bei hellem, lichtem Tage, zu Jerusalem einzieht, nicht allein, sondern mit viel Volks, das vor- und nachgeht, und ihm als dem rechten König und Sohn David zuschreit, wünscht ihm auch Glück und Heil zu seinem Königreich; das also das ganze Jerusalem dieses Einzugs gewahr werden muß, den Esel und diesen armen König zu sehen und zu hören, von welchem Sacharja geweissagt hatte, und die Juden gewarnt, daß sie sich an der armen Gestalt und dem bettlerischem Einzug nicht ärgern sollten; sondern sollten den Wahn fallen lassen, daß sie dachten, Christus würde mit weltlicher Pracht kommen. Er wird wohl ein König sein, spricht Sacharja, aber ein armer, elender König, der ganz und gar kein Ansehen eines Königs hat, wenn man ihnen nach der äußerlichen Pracht rechnen und Ansehen will, welche die weltlichen Könige und Fürsten vor der Welt führen.

 

 

 

5. Dagegen aber, sagt Sacharja, wird dieser arme und bettlerische König eine andere Macht haben, denn sonst alle Könige und Kaiser haben, die jemals auf Erden gekommen sind, sie seien gleich so große und mächtige Herren gewesen, als nie zuvor gewesen sind. Nicht ein reicher, prächtiger, herrlicher König vor der Welt, sondern ein Gerechter und ein Heiland, der Gerechtigkeit und Seligkeit mitbringen, und Sünde und Tod angreifen, und ein Sündenfeind und Todesfeind sein soll, der allen denen von Sünden und ewigen Tod helfen will, die an ihn glauben und ihn als ihren König aufnehmen, und sich den armen, und geliehenen Esel nicht ärgern lassen. Die solches tun, denen soll die Sünde vergeben sein und der Tod nicht schaden, sondern sie sollen das ewige Leben haben. Und ob sie schon leiblich einmal Sterben und begraben werden, so soll es doch nicht ein Tod sein noch heißen, sondern nur ein Schlaf. Solches will der Prophet von diesem Könige uns lehren mit dem, daß er ihm diese zwei Namen gibt und heißt ihn gerecht und einen Heiland, der dem Tod die Zähne ausbrechen, dem Teufel den Bauch zerreißen, und also uns, die wir an ihn glauben, von Sünden, Tod frei machen soll, und unter die Engel führen, da ewiges Leben und Seligkeit ist.

 

 

 

6. Den anderen Königen läßt er ihre Pracht, Schlösser, Häuser, Geld und Gut, läßt sie köstlicher Essen, Trinken, kleiden, bauen, denn andere Leute, aber diese Kunst können sie nicht, die dieser arme Bettelkönig Christus kann. Denn da ist weder Kaiser, König noch Papst mit aller seiner Macht, der von der geringsten Sünde helfen, und mit seinem Geld und Gut die geringste Krankheit heilen könnte; ich geschweige, daß sie wider den ewigen Tod und die Hölle helfen sollten. Aber dieser Bettelkönig Christus hilft nicht allein wieder eine Sünde, sondern wieder alle meine Sünde, und nicht allein wieder meine Sünde, sondern der ganzen Welt Sünde. Er kommt und will wegnehmen, nicht allein die Krankheit, sondern den Tod; und nicht allein meinen Tod, sondern der ganzen Welt Tod.

 

 

 

7. Solches, spricht der Prophet, sagt der Tochter Zion, daß sie sich nicht ärgere an seiner elenden Zukunft, sondern tue die Augen zu und die Ohren auf, und sehet nicht, wie armselig er einreitet, sondern hören, was man von diesem armen Könige predige und sage. Das Elend und Armut sieht man, daß er auf einem Esel ohne Sattel und Sporen einherreitet wie ein Bettler; aber daß er die Sünde von uns nehmen, den Tod würgen, ewige Heiligkeit, ewige Seligkeit und ewiges Leben geben werde, daß sieht man nicht. Deswegen muß man es hören und glauben. Darum spricht Sacharja:. " Sagt es der Tochter Zion ", daß sie es wisse, und sich daran nicht ärgere, daß er so jämmerlich einreitet und so schmählich stirbt. Denn solches alles geschieht hier, Zion, zu gut, daß er die helfen will, als ein Heiland, wider den Teufel und Tod, und will dich heiligen und von Sünden frei machen.

 

 

 

8. Wer nun solches nicht mit den Ohren fassen will, sondern mit Augen sehen und Händen greifen, der wird fehlen; denn mit diesem König ist es ganz anders, denn sonst mit anderen Königen. Was die selben tun, daß tun sie mit einer Pracht, und hat alles ein großes, tapferes Ansehen. Solches findet man bei Christum nicht; der hat solch fein Werk daß er von Sünden und Tod helfen will, zuerst in die Taufe gesteckt. Da sehen die Augen anderes nichts, denn ein schlechtes Wasser wie anderes Wasser. Er hat es in das Wort gefaßt und in die Predigt. Da sehen die Augen anderes nichts, denn einen Menschen atmen. Aber wir sollen uns hüten und den Augen nicht folgen, sondern die Augen zu und die Ohren auftun, und das Wort hören. Dasselbe lehrt, wie unser Herr Christus sein Blut vergossen habe zur Vergebung unsere Sünde und ewigem Leben. Solche Gaben will er uns geben in der heiligen Taufe, dem Abendmahl, in der Predigt oder Absolution, da sollen wir es gewiß finden. Nun, wahr ist es, es scheinet klein und gering, daß durch das Wasserbad, Wort und Sakrament solches soll ausgerichtet werden; aber laß dich durch deine Augen nicht verführen. Dort war es auch klein und gering, daß der, der auf einen geliehenen Esel einritt und hernach sich kreuzigen ließ, sollte Sünde, Tod und Hölle wegnehmen. Niemand konnte ihm ansehen; aber der Prophet sagte es. Deswegen muß es auch geglaubt und mit den Ohren gefaßt sein, mit den Augen wird mans nicht sehen.

 

 

 

9. Darum spricht der Evangelist:. " Sagst der Tochter Zion ". Und der Prophet spricht:. " Zion, jauchze, sei fröhlich ", tanz und spring, " denn dein König kommt ". Was für ein König? Ein Heiliger, Gerechter König, und ein Heiland oder Helfer, der dein Heiligmacher und dein Heiland sein will. Denn seine Heiligkeit und Gerechtigkeit will der dir anhängen, daß du von Sünden frei bist, und sein Leben will er für dich lassen, daß du durch seinen Tod vom ewigen Tod sollst erlöst sein. Deswegen ärgere dich nicht an seiner elenden und armen Gestalt, sondern danke ihm dafür und tröste dich. Denn es geschieht alles um deinetwillen und dir zu gut, er will dir also von deinen Sünden und Tod helfen, und gerecht und selig machen.

 

 

 

10. Daß es nun unser König, der liebe Herr Jesus Christus, und ist dies sein Reich und Amt. Er geht nicht mit Thalern, Kronen und großen Königreichen, und weltlicher Pracht um; nein, sondern wenn wir müssen Sterben und können das Leben hier nicht länger behalten, so ist dies sein Amt und Werk, daß wir durch sein Leiden und Tod wissen, wo wir bleiben sollen; daß wir können sagen:. Ich bin geheiligt durch meinen König Jesu Christum, der ist darum so elendiglich gekommen, hat sich darum an das Kreuz schlagen lassen, daß er mich heiligen wollte und in mir ersäufen meine Sünde und Tod. Wer solches also glaubt, wie er es hört und im Evangelium gepredigt wird, der hat es also. Denn darum ist die heilige Taufe von Christus eingesetzt, daß er dadurch seine Gerechtigkeit dir anziehen will, daß seine Heiligkeit dein und seine Unschuld auch dein eigen sein soll. Denn wir sind elende, arme Sünder, aber in der Taufe tröstet uns Christus und spricht:. Gib mir deine Sünde her, und ich gebe dir meine Gerechtigkeit und Heiligkeit; laß dir deinen Tod abziehen und ziehe dafür mein Leben an. Das heißt eigentlich Christi Regiment. Denn all sein Amt und Werk ist dieses, daß er uns täglich Sünde und Tod ausziehe, und seine Heiligkeit und Leben uns anziehe.

 

 

 

11. Diese Predigt sollte man billig mit großen Freuden hören und annehmen, sich daraus bessern und fromm werden. Es kehrt sich aber leider um, und die Welt wird aus diese Lehre je länger sie geht umso Ärger und schlimmer, dieses ist des leidigen Teufels Arbeit und Geschäft. Wie man sieht, daß die Leute jetzt geizigen und unbarmherziger, unzüchtiger, frecher und ärger sind, denn zuvor. Was macht dieses? Anderes nicht, denn daß man diese Predigt nicht mit Freuden annimmt, sondern jederman schlägt es in den Wind, nimmt sich mehr um Geld und Gut an, denn als um diesen seligen Schatz, welchen unser Herr Christus zu uns bringt. Deswegen straft sie unser Herr Gott wie er spricht:. Magst du denn mir nicht darum danken, daß ich durch meines eingeborenen Sohnes Tod und Sterben die Sünde und den Tod hinweg nehme? Nun, so will ich dir Sünde und Tod genug schaffen, weil du es doch so haben willst; und wo vorher dich nur ein Teufel geritten hat, sollen dich jetzt sieben ärgere Teufel reiten. Wie man denn an den Bürgern und Bauern mit dem schändlichen geiziger, unordentlichen Leben, Unzucht und andere Unart sieht .

 

 

 

12. Deswegen ermahne ich euch, daß wir ja solche Predigt mit Lust und Liebe hören, und mit aller Dankbarkeit annehmen wollt, und unseren Herrn Gott von Herzen bitten, daß er euch einen starken Glauben geben will, daß ihr solche Lehre behalten möchtet; so wird gewiß auch die Frucht daraus folgen, daß ihr von Tag zu Tag demütiger, gehorsamer, freundlicher, züchtiger und frömmer werden. Denn diese Lehre hat diese Art und Natur an sich, daß sie züchtige, gehorsame, fromme Leute macht. Die es eben nicht mit Liebe annehmen wollen, die werden siebenmal Ärger, denn sie zuvor gewesen sind, ehe sie zu dieser Lehre gekommen sind; wie man überall sieht. Deswegen hütet euch, denn die Stunde wird gewiß nicht ausbleiben, daß Gott solchen Undank strafen wird. Als dann wird es sich finden, was die Welt damit verdient habe.

 

 

 

13. Darum lernet diese Geschichte des heutigen Evangeliums wohl. Denn weil die Juden dem Propheten nicht folgen wollten, ist es uns gesagt, daß unser König sanftmütig und arm komme, auf das wir uns an solcher Armut nicht ärgern, noch auf weltlicher Pracht und Reichtum mit den Juden gaffen; sondern lernen, daß wir an unseren Herrn Christus einen solchen König haben, der gerecht und ein Heiland ist, und uns von Sünden und dem ewigen Tod helfen will. Solche Predigt sollt ihr mit Willen und Freuden annehmen, und Gott dafür von Herzen danken; sonst werdet ihr den leidigen Teufel annehmen müssen und mit Heulen, Weinen und Zähneklappen.

 

 

 

14. Zu solchen ermahnet uns das Beispiel der Apostel und anderer, so hier mit dem Herrn Christus zu Jerusalem einlaufen. Denn weil der Herr Christus ein König ist, so muß er auch ein Reich oder Volk haben, und das Volk muß sich mit rechtem gebührlichen Dienst gegen diesen König erzeigen. Was nun solcher Dienst sei, zeigt die Geschichte sehr fein an. Denn hier findet man Leute, die den Herrn Christum als einen König erkennen, und sich nicht scheuen, neben dem elenden Esel und armen König her zu laufen.Unter den selben sind die Apostel die ersten, die erkennen den Herrn Christum für den Rechten Messias, der gerecht machen und ein Heiland wider Sünde und Tod sein werde. Deswegen bringen sie hier dem Herrn Christus den Esel, das ist, sie weisen die Juden zu Christus, die bisher unter dem Gesetz gelebt, und solche Last, wie ein Esel, getragen hatten. Jetzt aber mit dem Esel führen sie zu Christus auch das junge Füllen, die Heiden, so noch ungezähmt und unter keinem Gesetz gewesen waren. Denn Christus ist ein Heiland aller Menschen. Deswegen alle rechtschaffenen Prediger und Lehrer die Leute zu Christus leiten und führen sollen. Das ist der eine Gottesdienst, der diesem König gebühret, daß man ihn für einen Gerechten und Heiland erkennen, annehmen, rühmen und preisen, und jederman zu ihm weisen soll.

 

 

 

15. Der andere Gottesdienst ist, daß man dem Herrn Christus auf den Esel das Hosianna singen soll, das ist, nach dem an ihn erkannt und als einen Heiland angenommen hat, soll man auch ihm zu seinem Reich Glück und Heil wünschen, und alles tun, was zur Förderung seines Reiches dient. Gott gebe es; sagen die Pharisäer und Priester dazu, was sie wollen. Denn " Hosea nach " heißt auf deutsch: Herr, hilf, Herr, gib Glück dem Sohn David. Eben wie wir im Vater Unser beten: dein Reich komme. Denn der Teufel und seine Glieder werden es nicht unversucht lassen, wie sie dieses Reich hindern, und das Wort entweder vertilgen oder fälschen können. Da gehört nun beten und wünschen zu, daß Gott solchen des Teufels Willen brechen, und zurück treiben wolle.

 

 

 

16. Das dritte ist, daß man nicht allein beten, sondern auch die Kleider ausziehen und dem Herrn Christus auf den Weg streuen soll, daß er doch ein wenig einen herrlichen und ehrlichen Einzug haben möge; welches geschieht, wenn wir das Predigtamt fördern nach unserem Vermögen, daß man helfe mit Geld und Gut, daß man feine, Gelehrte, fromme Leute aufziehe, die der Kirche mit dem Wort und gutem Wandel vorgehen; daß man die, so im Amt sind, also halte, daß sie ihres Amtes warten, nicht aus Mangel an Nahrung davon lassen müssen. In der Summe, wo man Geld und Gut dazu brauchen kann, daß die Kircheämter wohl bestellt und die Leute mit rechten Vorstehern wohl versorgt werden, da bereitet man dem Herrn Christus die Kleider unter, daß er desto ehrlicher möge einreiten.

 

 

 

17. Also soll man diesem König dienen, und nach den Hohenpriestern und Pharisäern nicht fragen, welchen dieser Einzug und armes Gepränge sehr wider und entgegen ist; ja, wollten es auch noch gern wehren. Aber Christus will es nicht verhindert haben. Denn weil er ein König ist, so muß er sein Hofvolk und Hofdienst haben. Und wohl denen, die ihm dienen; denn er ist ein solcher König, der uns wieder dienen will, nicht mit Geld und Gut, welches ein sehr geringer Dienst ist, sondern mit Gerechtigkeit wider die Sünde, und Hilfe gegen den Tod und ewige Verdammnis. Deswegen sollen wir zu seinem Dienst bereit und willig sein, und uns des Papstes, der Bischöfe und anderer Beispiele nicht ärgern, welche damit umgehen, daß sie nicht, wie die Apostel, den Esel zum Herrn Christus führen und ihn darauf setzen; sondern wollen sich selbst auf dem Esel setzen, die Leute mit Lehre und anderem regieren, wie sie wollen. Christum aber lassen sie zu Fuß gehen, und können nicht leiden, daß er durch sein Evangelium einreite und sich sehen lasse.

 

 

 

18. Diese falschen Lehrer haben auch ihre Schüler, die ihnen heucheln, Palmen und Ölzweige an den Weg streuen; aber zu dem armen Christus werfen sie mit Steinen. Denn sie verfolgen ihn, sein Evangelium, und alle, die es predigen. Solche werden an jenem Tag mit den Juden inne werden, daß sie den gerechten König und Heiland verachtet haben, und müssen deswegen Gottes Zorn in Ewigkeit tragen; dagegen die, so ihn angenommen, erkannt und ihre Armut zu seinen Ehren gewendet haben, durch ihn ewige Gerechtigkeit und ewiges Leben empfangen werden. Das verleihe uns allen unser lieber Herr und Heiland Jesus Christus, Amen.

 




 

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2. søndag i advent

 

 

 

Lukas 21, 25-36

 

 

 

 

 

 

 

Und es werden Zeichen geschehen an der Sonne, und Mond, und Sternen; und auf Erden wird den Leuten bange sein, und werden zagen; und das Meer und die Wasserwogen werden brausen. Und die Menschen werden verschmachten vor Furcht und vor warten der Dinge, die kommen sollen auf Erden; denn auch der Himmel Kräfte sich bewegen werden. Und alsdann werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf, und hebet eure Häupter auf, darum, daß sich eure Erlösung nahet. Und er sagte ihnen ein Gleichnis:. Sehet an den Feigenbaum und alle Bäume. Wenn sie jetzt ausschlagen, so sehet ihrs an ihnen, und merket, daß jetzt der Sommer nahe ist. Also auch ihr, wenn ihr dies alles sehet angehen; so wisset, daß das Reich Gottes nahe ist. Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, bis das alles geschehe. Himmel und Erde werden vergehen; aber meine Worte vergehen nicht. Aber hütet euch, daß eure Herzen nicht beschwert werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch; denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn.

 

 

 

1. Diese Weise hat unser Herr Gott allewege gehalten, von Anfang der Welt her, wenn er hat wollen was Neues machen, so hat er sondere große Zeichen lassen vorher gehen. Als, da er Ägypten strafen, und sein Volk daraus führen und sich ein besonderes Volk daraus machen wollte, da gingen allerlei herrliche Zeichen, böse und gute. Denn die Frösche, Heuschrecken Hagel, Pest und dergleichen tat den Ägyptern großen Schaden, bis zuletzt alle erste Geburt in einer Nacht gewürgt und das übrige Volk im Roten Meer ersäuft wurde. Bei den Juden aber waren dies gute Zeichen, daß sie trocken durch das rote Meer führte, ihre Feinde aber darin ersoffen, ihnen aber Himmelbrot gab, und dergleichen. Solches war eine Anzeigung, daß Gott etwas Neues mit diesem Volk anfangen, und ein neues Regiment und Wesen stiften wollte. Dergleichen geschah auch, da er die ungläubigen, verstockten Juden strafen und das neue Gnadenreich durchs Evangelium in aller Welt anrichten wollte. Denn da der Herr Jesus am Kreuz hing, taten sich die Gräber auf, die Toten stiegen heraus und gingen in die Stadt Jerusalem. Es kam eine große ungewöhnliche Finsternis, der Vorhang im Tempel zerriß. Solches alles war ein Anfang eines neuen Wesens und ein Untergang des alten, wie sichs denn im Werk hat auch gefunden daß das Judentum gefallen Christus ein neues Reich angerichtet hat.

 

 

 

2. Solches wußten die Juden wohl, und hatten es aus eigener Erfahrung gelernt. Deswegen kommen hier die Apostel zum Herrn Christus, und fragen ihn, was für Zeichen vor der Zerstörung Jerusalems und der Welt Ende kommen werden, ehe denn das ewige Reich Christi angehe?

 

 

 

3. Von der Zerstörung Jerusalems nun antwortet ihnen der Herr hier:. Wenn sie sehen werden, daß sich ein Heer um Jerusalem lagern werde, so sollen sie wissen, daß Ende sei nicht weit; gibt ihnen deswegen diesen Rat:. Sie sollen sich aus dem Land machen und auf das Gebirge fliehen; denn da werde keine Gnade sein, es müsse das Judentum verwüstet werden.

 

 

 

4. Also lehret er sie vom jüngsten Tag auch und spricht:. Wenn ihr Zeichen sehen werdet an der Sonne, am Mond, an den Sternen, am Meer und Wassern, an den Menschen und am Himmel; wenn solches, sagt er, angehe (denn man sollte nicht so lang harren, bis man meinte, es sei nun alles aus, oder man habe dergleichen auch vorher gesehen), dann seid tapfer, und laßt mit solchen Zeichen keinen Scherz sein; denn es ist eine gewisse Anzeigung, daß der jüngste Tag jetzt vor der Tür ist.

 

 

 

5. Hier ist nun die Frage, ob solche Zeichen alle vor dem jüngsten Tag werden geschehen. Aber nach solchem darf man nicht fragen. Denn der Herr sagt:. Wenn solches anfängt zu geschehen, so soll man darauf sehen. Deswegen glaube ich, daß etliche vielleicht die meisten Zeichen hernach geschehen werden, daß der Herr lehret, wo man solche Zeichen sehen und warten soll, nämlich, an den Himmel, Sonne, Mond und Sternen, und an den Menschen und den Meer. Wenn man nun etliche derselben sieht, so sollen man sich auf diese Zukunft schicken, und nicht warten, bis alle geschehen sind. Denn sonst würde uns die Zeit einholen.

 

 

 

6. An der Sonne und Mond geschehen zweierlei Zeichen: erstlich, daß sie ihren Schein verlieren. Solches, ob es wohl nicht seltsam und natürlich ist (denn man kann das aus der Kunst eigentlich zuvor wissen, ehe es geschieht), so ist dennoch ein Zeichen, wie es Christus selbst klar deutet im Evangelium Matthäus. Aber neben diesem können an der Sonne auch solche Zeichen geschehen, die man nicht wissen kann, sondern begeben sich plötzlich und fallen herrein gegen alle Mathematik, wie die Finsternis zur Zeit, da Christus am Kreuz gehangen hat. Denn die Kunst fällt so, daß die Finsternis an der Sonne geschehen muß im Anfang des Mondes, wenn er neu wird. Wenn es aber geschieht im Vollmond, wie damals, oder auf einen anderen Tag im Mond, so ist es nicht natürlich. Darum ist solche Finsternis ein besonderes großes Wunderwerk gewesen. Ob wir nun dergleichen nicht gesehen haben, so kann es sich doch sehr bald zutragen.

 

 

 

7. Und wir haben über die Jahre viel andere wunderliche Dinge gesehen, welches alles ungewöhnlich und seltsam ist. Als, daß ein Regenbogen um die Sonne gehen soll, daß die Sonne sich gleich teilen und viele Sonnen gesehen werden. So ist es auch nicht unglaublich, daß dergleichen auch etwas kommen wird, welches wir zuvor nicht gesehen haben. Darum haben wir eine Warnung an der Sonne genug, daß wir nicht sicher sein, sondern der seligen Zukunft unseres Herrn Christi warten sollen.

 

 

 

8. Die anderen Zeichen, davon Christus ihr meldet, sind das große Brausen der Wasser, daß es tobet, als wolle es alles untergehen. Denn gleich wie ein Mensch, wenn er natürlich sterben soll, erst krank wird, bekommt Fieber, Pest oder eine andere Krankheit; solches alles sind Zeichen, daß er davon soll: also wird auch die Welt gleich krank sein, daß Himmel, Sonne, Mond, Sterne, Menschen, Wasser und alles sich regen krümmen und übel sein wird, ehe es ganz zu Boden geht.

 

 

 

9. Das Zeichen an den Menschen halte ich gänzlich, daß wir es erlebt haben. Denn zu solchem hat der leidige Papst mit seiner Predigt sehr geholfen, das die frommen Herzen sehr erschreckt gewesen sind, darum daß man gepredigt hat, was für eine große Todsünde es sei, nicht recht zu beichten, beten, fasten, Messe hören und dergleichen. In solchem Schrecken wußten niemand, wohin? Denn der rechte Trost, die Vergebung der Sünden durch Christum, war verschwunden. Das fing für die Menschen ein martern an, jetzt mit diesen, jetzt mit anderen Werken; daß ich glaube, solches sei der größte Jammer auf Erden gewesen. Wie ich ihrer denn viel selbst gesehen habe, die solches Herzeleid und Schrecken nicht ertragen konnten, und in Verzweiflung fielen vor großer Furcht und Schrecken, daß sie sich nicht trauten, zu bestehen vor Gottes Gericht.

 

 

 

10. Denn da trieben uns des Papstes Predigten mit Macht hin, daß wir uns von Christus dem Richter, sollten zu Tode fürchten. Ich bin auch einer gewesen, konnte mich zu Christum, als einem strengen Richter, nichts Gutes hoffen, rief deswegen die Jungfrau Maria an, daß sie mir beistehen und gegen solchen Richter meine Rückhalterin sein sollte. Denn etwas anderes kannten wir nicht. Christum hatten wir verloren und mußten bekennen, daß wir bösen Buben waren. Er konnte man anderes nicht, denn sich fürchten und vor dem Richter erschrecken. Deswegen achte ich, dieses Zeichen sei bereits geschehen. Gleichwie ichs dafür halte, der andere Teil der anderen Zeichen am Himmel sei auch schon geschehen. Ob aber gleich noch mehr kommen sollen, so kann es doch alle Tage sich begeben, daß sie auch kommen. Wir sollen aber darum nicht unterlassen, uns gegen diesen Tag also zu schicken, wie der Herr unten lehren wird.

 

 

 

11. Am Ende meldet der Herr von einem Schrecken, und sagt: " die Leute werden verschmachten vor Furcht und vor Warten der Dinge, die auf Erden kommen sollen ". Hier redet er von einer anderen Furcht, welches eine sehr große Furcht ist, und sie kommt daher, daß die Menschen vor den Zeichen des jüngsten Tages sich fürchten werden. Solche sind nicht gottlose, ungläubige Leute, sondern fromm und gottesfürchtig. Deswegen nehmen sie die Warnung mit den Zeichen an, welche die Gottlosen frei und sicher verachten, darum der sie denken, diese Zeichen sind zuvor auch viel geschehen, und es sei dennoch der jüngste Tag nicht gekommen. Lassen deswegen heute dieses, morgen an anderes Zeichen und Warnung vorüber rauschen, und bleiben wie sie sind, heute wie gestern, und ohne alle Besserung, und kümmern sich gar nichts, wie es mit dem jüngsten Tage gehen werde.

 

 

 

12. Solche gottlose, sichere Leute läßt der Herr fahren. Denn weil sie Zeichen sehen und verachten können, so werden sie auch nach dem Wort und der Predigt nichts fragen. Aber die Frommen, die solche Zeichen wahrnehmen, und sich darüber entsetzen, die läßt der Herr sich befohlen sein, und tröstet sie auf das allerfreundlichste, und sagt:. Weil sie Christum bekennen, sein Wort lieben, nicht gern von selben abfallen noch leugnen wollten; so sollen sie vor solchen Zeichen, ob sie gleich etwas schrecklich sind, sich nicht entsetzen, noch erschrecken.

 

 

 

13. Als dann, spricht Christus, werden sie sehen des Menschen Sohn kommen in der Wolke, mit großer Kraft und Herrlichkeit. Das wird eine andere Pracht sein, denn wo Kaiser und König einziehen. Denn da wird die ganze Luft voll Engel und Heilige sein, die werden leuchten, heller denn die Sonne, und der Herr Christus wird mitten unter ihnen schweben, und mit seinen Heiligen das Urteil über die Verdammten sprechen, welche unten auf Erden bei den Teufel stehen, zittern und beben werden.

 

 

 

14. Wenn nun, spricht Christus, dieses anfängt zu geschehen, so sehet auf und hebet eure Häupter auf, seid fröhlich und guter Dinge, denn es muß also so gehen. Soll die Welt zerbrechen, so muß sie zuvor krachen, sonst kann ein solch großes Gebäude nicht einfallen, es muß sich alles regen und bewegen. Eben wie ein Mensch, der jetzt sterben will, der windet und krümmt sich, verdreht die Augen, krümmt den Mund, wird im Gesicht blaß und ungestaltet. Also wird die Welt auch tun.

 

 

 

15. Aber ich sage euch:. Erschrecket nicht davor, richtet euer Haupt auf, als die es von Herzen gern sehen. Denn merkt, eure Erlösung ist nahe. Eure, spricht er, die ihr glaubt; die anderen, die nicht glauben, werden verdammt. Deswegen sollten sie sich wohl fürchten, aber sie tun es nicht. Denn der Herr Jesus würde beides mitbringen: denen, die gläubig und fromm gewesen sind, den Himmel; den anderen aber die Hölle und die Verdammnis.

 

 

 

16. Solches redet der Herr mit den Frommen. Die werden auch darüber erschrecken, wenn Sonne und Mond die Augen verdrehen und die Welt voll mit Feuer sein wird. Denn die Heiligen sind nicht so stark; es müßte auch St. Peter oder ein anderer Heiliger davor erschrecken, wenn sie lebten. Aber, spricht der Herr, seid getrost; es wird euch wohl jämmerlich und erschrecklich ankommen, aber solches gilt euch nicht, es gilt dem Teufel und den Ungläubigen. Euch aber kommt die Seligkeit und die fröhliche Erlösung, da ihr solange nach gezeufst habt und gebeten, daß mein Reich zu euch komme, euch eure Sünde vergeben und ihr von allem Übel sollt erlöst werden. Was ihr nun so lang mit ganzem Herzen gebeten habt, daß soll dann kommen. Denn es heißt ein Tag eurer Erlösung.

 

 

 

17. Darum mag man den jüngsten Tag wohl nennen einen Tag der Verdammnis und der Erlösung, einen Tag der Traurigkeit und der Freude, einen Tag der Hölle und des Himmelreichs. Wie der Herr in Matthäus 24,30. Sagt:. " Alsdann werden heulen alle Geschlechter der Erde ". Da wollen wir, ob Gott will, nicht bei sein, sondern den Papst, die Rottengeister, den bösen Adel, böse Bauern und Bürger dieses lassen, die jetzt allen Mutwillen treiben, das Evangelium verfolgen, und allen Jammer und Unglück anrichten; dieselben werden dann bezahlen müssen. Wir aber, die wir uns jetzt vor ihnen beugen müssen, weinen und bekümmert sind, werden dann lachen und sehen, daß sie mit dem Teufel in den Abgrund der Hölle müssen hinunter fahren.

 

 

 

18. Deswegen ob sich gleich die Kreatur verstellt, Sonne und Mond schwarz und finster und euch sauer ansehen werden, erschreckt darum nicht; kriecht nicht in den Winkel, wenn solches angeht, sondern richtet euer Haupt auf, und lasset euch nicht anfechten; gedenkt, daß ihr mich haben wolltet. Denn so ich euch erretten soll, so muß ich zuvor die angreifen die euch gefangen halten. Gleich, als wenn du in einem Schoß gefangen lägest, in einem Turm, und hörst, wie man hinein schießt und stürmt du würdest dich vor dem Schießen und Stürmen nicht fürchten, sondern darüber noch froh sein, wenn du wüßtest, daß es um deinetwillen wäre, dich also frei zu machen.

 

 

 

19. Also ist es hier auch; laßt euch nicht Schrecken, daß die Welt sich so krümmen und winden wird; diese Rute gilt euch nicht, sondern denen, über die ihr geschrien habt. Deswegen nehmet solche Zukunft an, als eine Zukunft eurer Erlösung. Denn ich komme nicht darum, daß ich euch in die Hölle werfen, sondern euch aus der schändlichen, kranken, bösen, heillosen Welt helfen, euch scheiden von dem Teufel und seinen Knechten, und unter die Engel setzen, wo ihr nicht leiden, sondern in ewiger Herrlichkeit leben sollt.

 

 

 

20. So solchem Trost dient nun auch das schöne Gleichnis mit den Bäumen. Im Frühling, spricht er, wenn der Winter jetzt aufhören soll, und die ganze Erde neu werden; wenn die Kälte weichen und die Wärme kommen, und die dürren Bäume ausschlagen und grünen sollen, da sage mir, wie fängt solches an? Ist es nicht wahr, die Bäume knospen erst, danach schlagen sie aus; so spricht denn jedermann, der Winter ist vorüber und geht nun der schöne Sommer an.

 

 

 

21. Dieses Gleichnis soll euer Doktor und die Bäume auf dem Felde euer Kunstbuch sein, daß ihr lernet, wie ihr des jüngsten Tages warten sollt. Denn gleichwie der Sommer folgt, wenn die Bäume saftig werden und die Blätter gewinnen: also wenn die Erde beben, der Himmel zittern, Sonne und Mond betrübt und sauer aussehen werden, so laßt euch ebensowenig schrecken, als euch die jungen Blätter, die an den Bäumen ausschlagen, schrecken, wenn es Sommer werden will. Denn solche Zeichen sollen euch sein wie der Saft und Blätter an den Bäumen, daß ihr des ewigen Sommers mit Freuden warten sollt. Denn dies elende Leben auf Erden hier ist wie der schändliche, unfruchtbare Winter, und da alles verdorrt und verdirbt. Mit demselben soll es dann ein Ende haben, und der schöne ewige Sommer kommen, nämlich das Reich Gottes, durch welches des Teufels Reich soll zerstört werden, durch welches ihr hier auf Erden so viel leiden mußtet. Denn ihr lebt unter gottlosen, bösen, falschen, geizigen Leuten, die das Evangelium lästern und schänden, und alles Unglück begehren anzurichten. Das müßt ihr sehen und hören, und täglich Schlimmeres erwarten. Von solchem will ich euch durch meine Zukunft erlösen, daß ihr solchen Mutwillen nicht mehr sehen dürft.

 

 

 

22. Deswegen gilt solch ein schreckliches Wesen nicht euch, sondern euren Feinden, den Gottlosen: die lasset trauern und erschrecken. Hier aber freuet euch, daß eure Erlösung nahe ist. Wie der fromme Lot zu seiner Zeit auch tat, der lebte mitten unter den schändlichen Leuten zu Sodom, die ihm alles Leid taten, mit ihrem unzüchtigen Wandel, und quälten seine gerechte Seele von Tag zu Tag mit ihren ungerechten Werken, wie man nicht erzählen kann, die er sehen und hören mußte, bis sie überreif wurden und Gott nicht länger konnte zusehen. Da kamen zwei Engel, die geführten den frommen Lot zur Stadt hinaus. Da wird es ohne Zweifel auch einen schrecklichen Anblick gehabt haben, daß der Himmel schwarz geworden, geblitzt und gedonnert hat, und die Wolken sich aufgetan, Schwefel und Feuer herab geregnet, und die Erde sich aufgetan, und alles versenkt hat. Das nun Lot sich nicht darüber sollte entsetzen, das ist unmöglich. Aber da war daß der Trost, daß er wußte, dieser schreckliche Anblick gilt nicht ihm, sondern den Sodomiten, die böse, verzweifelte Buben gewesen waren und sich nicht bessern wollten. Die mußten sich nicht allein bei solchem feurigen Regen entsetzen, sondern auch darin verderben und in den Abgrund der Hölle fahren. Dem frommen Lot aber war es wie ein schöner Baum, der ausschlägt und jetzt beginnt zu grünen. Denn er spürte dabei Gottes Hilfe und gnädige Rettung wieder die Gottlosen.

 

 

 

23. Also wird uns, so wir es erleben, am jüngsten Tag auch geschehen. Schrecklich wird es anzusehen sein, wenn Himmel und Erde so anheben zu feuern, und wir in einem Augenblick hinfahren und sterben. Aber ein Christ soll nicht dem Ansehen folgen, sondern hören, wie es Christus deutet, nämlich, daß es sei eine schöne Blüte, ein schöner saftiger Zweig; auf das, obgleich über dem schrecklichen, häßlichen Anblick sich die Vernunft entsetzt, dennoch das Herz am Wort hängt und sich wieder des äußerlichen Ansehens stärke, und spreche:. Ei, erschreckt nicht, es ist doch nicht Böses noch Schädliches; ja, es bedeutet, wie Christus selbst sagt, nicht Böses, sondern das mein Erlöser und Erlösung nahe sei. So sei mir nun Gott willkommen, wer nun den Herrn Christum so empfangen kann, der ist in einem Augenblick dahin in die Herrlichkeit, daß er wie die schöne Sonne leuchten wird.

 

 

 

24. Auf diese Weise lehret uns unser lieber Herr Christus den jüngsten Tag recht erkennen, daß wir wissen, was wir an ihm haben, wozu wir seiner Zukunft warten und hoffen sollen. Der Papst Predigt von Christus, er sei ein strenger Richter, gegen den man sich mit Werken recht halten, also, die Heiligen anrufen und ihrer Fürbitte genießen, so man nicht verdammt werden soll. Denn also hat man Christum im Papsttum überall gepredigt, wie er zum Gericht komme, und ein Schwert und Rute im Mund führe, welches beides Zorn bedeutet. Weil aber Maria und Johannes ihm zur Seite stehen, hat man für die beiden und anderer Heiligen Fürbitte gesucht und darauf gehofft. Wie der gute Pater Bernadus sich auch Gedanken gemacht hat und dachte, wenn die Mutter Maria ihrem Sohn die Brüste zeige, so könne er ihr nichts versagen. Das ist ja ein gewisses Zeichen, daß man kein Vertrauen zu Christus hat, sondern geglaubt hat, Christus komme als ein Richter. Aber in diesem Evangelium lehret er uns anders, nämlich, daß er wolle kommen, nicht daß er uns richten und verdammen, sondern erlösen und helfen wolle, und erfüllen, was wir ihn gebeten haben, und sein Reich zu uns bringen. Denen aber, so an ihn nicht geglaubt, seine Christen auf Erden verhöhnt und geplagt haben, für diese will er Richter sein und sie strafen. Solches, spricht er, glaubet fest und zweifelt nicht daran, und freuet euch auf meine Zukunft; denn sie soll euch zum besten geraten, daß ihr von Sünden, Teufel, Tod und Welt erlöset, und durch mich ewig selig werdet. Das heißt ja herrlich und reichlich getröstet.

 

 

 

25. Aber da ist noch ein Stück, über welchem die blöden Gewissen sich hart entsetzen. Denn der Herr sagt, der jüngste Tag werde unversehens herrein fallen, daß den Leuten eben geschehen soll, wie ein Waldvogel, der des Morgens fliegt, ist hungrig und sucht seine Nahrung, hofft, es wolle dieselbe finden, wie bisher, findet sie auch, setzt sich nieder und ist fröhlich und guter Dinge; und plötzlich, ehe es gewahr wird, fällt das Netz über ihn, wird gefangen und erwürgt. Solches nehmen die frommen gottesfürchtigen Menschen zu Herzen, und weil sie es kennen aus täglicher Erfahrung, wie bald es geschehen ist, daß man zu Fall kommt, werden sie blöde und verzagt darüber. Denn sie denken:. Wer weiß, wie dieser Tag dich finden wird. Vielleicht wird er zu der Stunde kommen, wenn du am ungeschicktesten bist, und an diesen Tag am wenigsten denkst, oder in dieser oder anderen Sünde liegst; so ist es denn mit dir geschehen, und wird aus diesem Freudentag ein ewiger Trauertag.

 

 

 

26. Hier will der Herr uns auch nicht trostlos lassen, und lehret seine Christen, wie sie dieser Sorge sich abhelfen sollen, und spricht:. " Hütet euch, daß eure Herzen nicht beschweret werden mit Fressen und Saufen, und mit Sorgen der Nahrung, und komme dieser Tag schnell über euch. Denn wie ein Fallstrick wird er kommen über alle, die auf Erden wohnen. So seid nun wacker allezeit, und betet, daß ihr würdig werden möget, zu entfliehen diesem allen, daß geschehen soll, und zu stehen vor des Menschen Sohn ".

 

 

 

27. Daß ist nun eine sehr edle und nötige Lehre, die uns nimmermehr sollte aus unseren Herzen kommen. Es verbietet der Herr Essen und Trinken nicht; so heißt er auch nicht, wie der Papst, daß man alles liegen und stehen lassen soll, in ein Kloster gehen um geistlich werden. Nein, esset und trinket, daß gönnt euch Gott wohl; trachtet auch noch eurer Nahrung, denn darum hat Gott die Arbeit befohlen. Aber davor hütet euch, daß eure Herzen mit solchem allen nicht dermaßen beschwert werden, daß ihr meiner Zukunft dabei vergesset; sondern seid wacker, das ist, wartet alle Stunden und Augenblicke und haltet euch deswegen in Gottesfurcht und gutem Gewissen. Das laßt das erste sein.

 

 

 

28. Danach so betet auch, daß ihr aller Anfechtung und Jammer entfliehen, und vor des Menschen Sohn zu stehen mögt würdig werden. Wie denn solches im Vater Unser in den letzten zwei Bitten fein begriffen ist:. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern Erlösung uns vom Übel. Wenn ihr solches tut, so soll es nicht Not haben, es finde euch alsdann der jüngste Tag über Tisch, oder im Bette, in der Kirche oder auf dem Markt, wachen oder schlafen, so gilt es alles gleich. Denn er findet euch in Gottes Schutz.

 

 

 

29. Aber hier muß man auch dieses merken, daß man Gott nicht recht anrufen noch beten kann, wo man von wissentlichen Sünden nicht abstehen und sich nicht bessern will. Deswegen gehört zum rechtschaffenem Gebet eine rechtschaffene Buße, und daß man sich vor mutwilligen Sünde hüte, und sich im gutem Gewissen halte, und alsdann auf Gottes Güte im Namen Jesu Christi bitte, daß er in seiner Furcht uns erhalten, durch seinen Heiligen Geist vor Sünden bewahren, und in einem rechten Glauben bis ans Ende erhalten wolle, auf daß wir dieses selbigen Tages mit Freuden erwarten, und unsern Herrn Jesum, als unseren Erlöser, mit herzlicher Zuversicht annehmen mögen. Solch Gebet wird durch Christum erhört, da ist kein Zweifel an. Deswegen sollen wir solchem Rat und Lehre folgen, auf diesen gnädigen Tag der ewigen Erlösung recht schicken. Das verleihe uns allen unser Herr und Erlöser Jesus Christus, Amen.

 

 

 

 

 



 

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3. søndag i advent

 

 

 

Matthäus 11, 2-10

 

 

 

 

 

 

 

Da aber Johannes im Gefängnis die Werke Christi hörte, sandte er seiner Jünger zwei, und ließ ihm sagen:. Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten? Jesus antwortete und sprach zu ihnen:. Gehet hin und saget Johannes wieder, was ihr sehet und höret; die Blinden sehen, und die Lahmen gehen; die Aussätzigen werden rein, und die Tauben hören; die Toten stehen auf, und den Armen wird das Evangelium gepredigt. Und selig ist, der sich nicht an mir ärgert. Da die hingingen, fing Jesus an zu reden zu dem Volk von Johannes:. Was seid ihr hinaus gegangen in die Wüste zu sehen? Wolltet ihr ein Rohr sehen, daß der Wind hin und her webt? Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Menschen in weichen Kleidern sehen? Siehe, die da weiche Kleider tragen, sind in der Könige Häusern. Oder was seid ihr hinaus gegangen zu sehen? Wolltet ihr einen Propheten sehen? Ja, ich sage euch, der auch mehr ist, denn ein Prophet. Denn dieser ists, von dem geschrieben steht:. Siehe, ich sende meinen Engel vor dir her, der deinen Weg vor dir bereiten soll.

 

 

 

1. In diesem Evangelium sind zwei Stücke: das erste, wie Johannes seine Jünger aus dem Gefängnis zu Christus sendet, daß sie ihn hören, und seine Wunderwerke sehen, und ihn als den rechten Messias oder Christum annehmen sollen. Und dient uns dazu, daß wir unseres lieben Herrn Christi Wort auch gern hören, und für den höchsten Schatz achten sollen, an dem alle unsere Seligkeit gelegen ist. Das andere Stück ist eine Predigt, damit unser lieber Herr Christus nicht allein den Heiligen Johannes trefflich hoch rühmt und lobt, daß er ein Ausbund sei vor allen anderen Predigern, besonders weil er seines Amtes so fleißig wartet, daß er damals, da er im Kerker und Gefängnis war und selbst nicht predigen konnte, dennoch seine Jünger zu Christus sendet; sondern er schimpft auch die Juden ihres Unglaubens wegen, daß sie solchen Prediger so gering achten und nach seiner Predigt garnichts fragen. Solches dient uns dazu, daß wir vor solcher Unart uns hüten, Gottes Wort nicht verachten, sondern es gern hören und uns darum bessern sollen.

 

 

 

2. Das erste nun, daß wir das Wort Christi fleißig hören sollen, ist dabei angezeigt, daß Johannes, da er schon im Gefängnis lag, alsbald er von den Wunderwerken Christi hört, seine Jünger zu ihm sendet, mit einem solchen Befehl, daß sie ihn fragen sollten:. Ob er der sei, der da kommen sollte, von welchem Moses und alle anderen Propheten soviel geweissagt hätten und hernach im Neuen Testaments soviel gepredigt sollte werden? Das ist, ob er der verheißene Christus sei, von dem geschrieben stünde, daß er der Juden Reich und Moses Lehre sollte bestehen bis auf seine Zukunft; danach sollte Moses Lehre und Gottesdienst aufhören, und eine neue Lehre und neuer Gottesdienst angerichtet werden, nicht allein unter den Juden, sondern auch unter den Heiden in der ganzen Welt.

 

 

 

3. Wie denn solches war lauter und klar zuvor geweissagt. Darum, weil es bald, nach dem Johannes im Gefängnis war, angegangen, und der Herr Christus vom ewigen Leben und dem Reich Gottes jetzt predigte und Wunderwerke tat, wollte Johannes seine Jünger zu ihm weisen; schickt sie deswegen hin zu Christus, daß sie mit ihren Augen die Wunderwerke sehen und mit ihren Ohren die Predigt hören sollten, da solange Zeit zuvor die Propheten von geweissagt hatten, daß sie Christus auf Erden bringen und sich also offenbaren würde.

 

 

 

4. Deswegen ist solches Schicken anderes nichts, denn als sagte Johannes also:. Ich weiß es zwar wohl, daß er der rechte Christus ist, aber die Leute glaubens nicht. Deswegen gehet ihr jetzt zu ihm und hörets von ihm selbst, auf das ihr euch von mir und dem ganzen Judentum wegtut, und hängt euch an diesen Mann, an welchem alles gelegen ist, was euer und der ganzen Welt Seligkeit betrifft. Das ist die eigentliche Meinung dieser Botschaft zu Christus, daß seine Jünger ihn selbst sehen und hören, ihm in Kundschaft kommen, und also an ihn glauben und selig werden sollen.

 

 

 

5. Nun, was sagte aber Christus zu solcher Botschaft? Er sagt weder Ja noch Nein, da sie ihn fragten, ob ers sei; sondern antwortet bloß mit den Werken und spricht:. Ihr sehets, hörets und greifts, daß ich es bin. Denn eben wie Jesaja und andere Propheten geweissagt haben, daß Christus die Lahmen gerade, die Blinden sehend machen werde, so sehet ihr jetzt vor euren Augen, bedürft also weiter keines Unterricht noch Antwort, wenn ihr euch nur wolltet recht auf das Wort schicken.

 

 

 

6. Das ist und eine schöne, herrliche und tröstliche Predigt, die alles sehr fein fasset, was man von Christus predigen kann, nämlich was er für ein König sei, und für ein Reich habe, nämlich ein solches Reich, da Blinde, Lahme, Aussätzige, Taube, tote Leute, und besonders die armen Sünder, und alles, was ihnen, dürftig und nichts ist, zugehören, und da Trost und Hilfe finden. Diese Predigt von Christus und seinem Reich sollten wir mit Fleiß merken, und immerdar unter uns klingen lassen, daß Christus ein solches Reich habe, und ein solcher König sei, der den elenden, armen Leuten an Leib und Seele helfen wolle, was sonst unmöglich ist, das alle Welt mit ihren Künsten helfen könnte. Denn es ist nie ein so großer Doktor gekommen, der einen Blinden hätte können sehen, einen Aussätzigen rein machen. Gleichwie auch nie kein Prediger gewesen ist, der den Armen hätte können das Evangelium predigen, das ist, die betrübten, elenden, geängstigsten Gewissen auf sich weisen und trösten, die erschrockenen Herzen, die in Schwermut und Kümmernis ersoffen sind, fröhlich und guter Dinge machen.

 

 

 

7. Moses ist der höchste Prediger, aber diese Kunst kann er nicht, daß er arme Sünder sollte trösten, ja, das Widerspiel tut er; denn alle seine Predigten lauten also:. Du sollst und mußt das Gesetz halten, oder verdammt sein. Da kommt dann ein Jammer: die ihre Sünde fühlen, und von der Sünde gern los wären, leben nach dem Gesetz, können aber nicht zufrieden sein, noch ein fröhliches Herz und Gewissen dadurch erlangen. Wie denn die Heiligen im Alten Testament klagen, so Moses Regiment überdrüssig sind, und ein herzliches sehnen nach dem Reich der Gnade, in Christus verheißen, haben. Als, Psalm 14,7.: " Ach, daß aus Zion die Hilfe über Israel käme, und der Herr sein gefangen Volk erlöste ". Und Psalm 102, 14.: " du wolltest dich auf machen, denn es ist Zeit, daß du ihr gnädig seist ". Wiederum die Heuchler meinen, wenn sie äußerlich das Gesetz halten, so dürfen sie kein Evangelium noch Christum, denken, es haben nicht Not, Gott müsse sie wohl wegen ihres Fastens, Betens, Almosen gebens wegen in den Himmel nehmen. Das sind die sicheren, satten Geister, die unseres Herrn Gottes und seiner Gnade nicht bedürfen.

 

 

 

8. Nun ist es wohl wahr, Moses Predigt muß man haben, und die Leute zu solcher äußerlichen Zucht und gutem Wandel vermahnen; eben wie man im Weltregiment Henker und Polizei darum haben muß, den wilden rohen Haufen zu strafen, wenn solche äußerliche Zucht nicht hält, sondern hurt, stiehlt, geizt, wuchert. Aber wenn das Stündlein kommt, daß du Sterben sollst, sage mir, was hilft dir Moses Lehre, wenn du dich gleich danach gehalten hast? Ist es nicht wahr, du mußt bekennen, und sagen:. Lieber Herr Gott, ob ich gleich kein Ehebrecher, Dieb noch Mörder gewesen bin, so begehre ich doch, du wollest mir gnädig und barmherzig sein, ich muß sonst auch bei allen meinen guten Werken verzweifeln.

 

 

 

9. Davon kann man in der Geschichte: " Leben der Väter " lesen. Es stand jemand drei Tage an einer Stätte, hob immer auf die Augen zum Himmel, zeufste und klagte. Als ihn aber seine Jünger fragten, was er hätte? Antwortete er:. Ich fürchte mich vor dem Tode. Da fingen seine Jünger an, und erzählten, was er doch für ein strenges Leben geführt und sich so fleißig nach Gottes Geboten gehalten hätte, meinten, sie könnten ihn dadurch trösten. Aber er sprach:. Ich sage euch, daß ich mich sehr fürchte; ich habe wohl, wie ihr sagt, mich fleißig nach Gottes Wort gehalten, noch kann ich solcher Furcht nicht los sein; denn ich weiß, daß Gottes Gerichte anders sind, denn der Menschen Gerichte. Dieser ist soweit gekommen, daß er gesehen hat, wenn die Züge kommen, die vor Gott und sein Gericht treiben, daß Gottes Gericht so scharf, ernst und schwer ist, daß unsere Heiligkeit und guten Werke den Stich nicht halten, noch wir damit bestehen können.

 

 

 

10. Deswegen, ob man das Gesetz gleich predigen, und sich in guten Werken ohne Unterlaß üben, und nach dem Wort Gottes sich alle Zeit richten soll; doch wenn es soweit kommt, daß man sterben soll, so muß man sagen, wie dieser Vater:. Ach Gott, wer hilft jetzt? Dieser ist der elenden auch einer, da hier von steht, aber er weiß nicht, woran er sich halten soll. Denn dies mangelt ihm, wovon der Herr hier sagt:. " Den Armen wird das Evangelium gepredigt ". Er sieht und hat nicht mehr, denn das Gesetz; und läßt ihm ein Böses Gewissen, in Angst und Not stecken, und kann alles nicht trösten.

 

 

 

11. Das Evangelium aber ist eine solche Predigt von Christus, die zu dem Sünder sagt:. Mein Sohn, sei getrost und fröhlich, erschrecke nicht; denn du sollst wissen, daß Christus befohlen hat, den Armen, das ist, den elenden, betrübten Herzen, Gnade anzusagen, daß er seine Reinigkeit, die göttlich und ewig ist, für dich setzen, dich mit Gott zufrieden machen, deine Sünder abwaschen und vergeben wolle. Diese Gnade heißt er dir durch sein Wort anbieten; darum zweifle nicht, wie du hörst und glaubst du es nun, so wird es dir wiederfahren.

 

 

 

12. So heißt nun Evangelium eine gnadenreiche, selige Lehre und tröstliche Botschaft; als wenn ein reicher Mann einen armen Bettler tausend Gulden zusagt, daß wäre ihm ein Evangelium, eine frohe Botschaft, die er gern hören und von Herzen fröhlich darüber würde. Aber was ist Geld und Gut gegen diese tröstliche und gnadenreiche Predigt, daß Christus der Elenden sich annimmt, und ein solcher König ist, der den armen Sündern, die unter dem Gesetz gefangen sind, zum ewigen Leben und Gerechtigkeit helfen will!

 

 

 

13. Das, sagt Christus hier, ist mein Reich, ein ganz anderes Reich, denn als das Weltreich ist. Da geht es so zu, daß man dem Stärksten hilft und wie das Sprichwort lautet:. Der Stärkere steckt den anderen in seinen Sack. Das Weltreich regiert nach der Schärfe mit dem Schwert, schlägt und haut überall um sich, es soll auch keine Laster und Untugenden leiden. Deshalb muß es Henker, Ruten, Schwert, Wasser, Feuer dazu haben, damit es überall strafen kann.

 

 

 

14. Aber hier im Reich Christi ist es ganz anders, daß hat nichts zu schaffen mit starken, Heiligen Leuten, sondern mit schwachen, armen Sündern, wie Christus spricht:. " Die Blinden sehen, die Toten stehen auf ". Nun, Tote auferwecken ist ein großes Wunderwerk; aber dies Wunderwerk ist viel größer und herrlicher, obwohl es das Ansehen nicht hat, nämlich: daß Gott also die Welt liebt, daß er seinen Sohn gibt, den er von Ewigkeit dazu geordnet hat, daß er ein König der Sünder sei, denselben das Evangelium predige. Von solchem König und Evangelium predigt Moses und das Gesetz nicht. Da heißt es also:. Wer ein Sünder ist, gehört in des Teufels und des Todes Reich. Das lautet, als sei unser Herr Gott ein König der Heiligen und Frommen, die eine größere Frömmigkeit haben, als es das Weltregiment fordert. Und es ist wahr. Denn Moses Reich ist auch unseres Herrn Gottes Reich, und die Predigt, die er führt, ist Gottes Wort. Eben wie auch das weltliche Regiment Gottes Reich genannt werden mag. Denn er will haben, daß es bleiben und wir uns in denselben gehorsam halten sollen. Es ist aber nur das Reich der linken Hand, da er Vater, Mutter, Kaiser, König, Richter, Henker hin setzt und ihnen das Regiment befiehlt.

 

 

 

15. Sein rechtes Reich aber, da er selbst ist und regiert, ist dies, daß den Armen das Evangelium gepredigt wird, in welchem du lernst, wenn es dahin kommt, daß deine Frömmigkeit dir nie helfen kann, damit du sprichst:. Herr, ich habe getan, was ich gekonnt habe, meinem Vater, meinem Herrn treu gedient, niemand betrogen, nicht gemurrt, mein Haus, Kinder und Nächte treulich unterrichtet, und, so viel möglich, gut regiert, meinem Nächsten nicht zum Schaden gelebt, nicht gestohlen, nicht die Ehe gebrochen: aber wo nun hin? Denn solches hilft dir vor dem Gericht nicht, auch fördert es nichts zum Reich Gottes. Doch, lieber Herr, ich will darum nicht verzagen noch verzweifeln; denn ich habe einmal in deinem Evangelium gehört, daß Dein Sohn, mein lieber Herr Jesus Christus, sechs verschiedene Wunderzeichen getan hat. Unter denselben wird auch dieses bedacht, daß den Armen das Evangelium gepredigt wird, das ist, daß er von dir, himmlischer Vater, dazu geordnet sei, daß er die erschrockenen Herzen trösten soll. Dieser Predigt will ich mich auch annehmen; denn sie gehört mir, weil ich so Arm und Elend bin, und sonst keine Hilfe weder in mir noch in der ganzen Welt sonst finden kann.

 

 

 

16. Also weissagt der Prophet Jesaja von Christus im 50. Kapitel, 4 da er, der Herr Christus, selbst spricht:. " Der Herr hat mir eine gelehrte Zunge, gegeben ", das ist, Gott hat sein Wort auf meine Zunge gelegt, " daß ich wisse mit den Müden zu rechter Zeit zu reden ", das ist, die blöden Gewissen recht trösten. Das legt hier der Evangelist aus, und sagt: Christus predigt den Armen das Evangelium. Denn darum und dazu ist er zum König gesetzt, daß er evangelisieren, das ist, die armen, blöden, betrübten Herzen trösten und stärken soll; darum sein Reich auch heißt und ist ein Trostreich und Hilfereich, in welchem man die Blöden nicht mehr erschrecken, oder in Angst stecken lassen, sondern sie trösten und fröhlich machen soll. Solches aber geschieht nicht durch des Gesetzes Predigt, sondern allein durch das Evangelium. Das ist die fröhliche gute Botschaft, daß durch Christum für unsere Sünden bezahlt und für sein Leiden wir vom ewigen Tode erlöst sind. Diese Predigt gehört für die armen, spricht der Herr, da will ich hin; denn zu den großen Heiligen kann ich nicht kommen, die keine Sünder sein wollen und das Evangelium nicht bedürfen, ja, verfolgen, und schimpfen es als Ketzerei, sagen, man verbiete gute Werke, man predige gegen Mose und das Gesetz.

 

 

 

17. Darum so spricht der Herr weiter: " selig ist, der sich an mir nicht ärgert ". Denn an diesem König und seiner Predigt, an der sich jedermann freuen sollte, ärgert sich die ganze Welt. Wie wir in der Geschichte des Evangelium sehen, daß die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester, Priester, Leviten und alles, was nur hoch und groß ist, Christum für einen Verführer und seine Predigt für Ketzerei halten und verdammen. Er kann ihnen nie recht predigen, sie denken immerdar, er kehrt alles um und mache es nicht richtig. Er wolle die Frommen und Gerechten (wie er denn auch tut) in die Hölle stoßen und in seinem Reich nicht leiden; die Sünder aber in den Himmel heben. Eben wie die Katholiken uns heutigen Tages auch tun. Heißt daß, sagen sie, recht predigen, daß man die guten Werke gar nicht gelten lassen will, und den bösen Buben den Himmel aufsperren? Diese Nachrede hat unser lieber Herr Christus unter den Juden auch leiden müssen.

 

 

 

18. Aber hier steht es:. " Selig ist, der sich an mir nicht ärgert ". Nun, hörst du Christum recht, nähmest sein Wort an, und du kommst in sein Reich, so würdest du erfahren, daß das Evangelium gute Werke nicht verbietet, wie die Katholiken an uns lügen; sondern die Christen lehrt und vermahnt, gute Werke zu tun, daß sie sich mit Ernst darum annehmen, daß sie gegen Gottes Wort und Gewissens sich nichts vornehmen; läßt die weltliche Obrigkeit bleiben, Kaiser, König, läßt den Henker das Schwert, Rute und anderes brauchen, was zur Zucht gehört. Warum ärgerest du dich denn an dem Heiligen Evangelium, und lästerst es, daß man nichts Gutes tun soll? Gute Werke verwirft noch verbietet das Evangelium nicht. Das aber verbietet es, wenn wir jetzt sterben, und in ein anderes Leben kommen sollen, und da keine Rat noch eine Hilfe ist, daß wir dann auf unser Leben und gute Werke nicht bauen noch trauen sollen; sondern uns nach dem Herrn Christus umsehen, mit festem Vertrauen auf sein Werk und Verdienst uns verlassen, daß wir durch ihn Gnade und ewige Seligkeit in jenen Leben finden sollen.

 

 

 

19. Denn eben darum hat uns Gott einen solchen Leib, mit so manchen guten Gliedern, gegeben, daß wir hier auf Erden nicht müßig sein, sondern mit den Füßen gehen, mit den Händen zugreifen, mit dem Mund reden, mit den Augen sehen sollen. Über das alles hat er auch sein Wort, die Zehn Gebote gegeben, daß wir unsere Werke alle danach richten, wieder seiner Ehre und unseres Nächsten Nutz nicht handeln sollen. Solches läßt das Evangelium nicht allein geschehen, sondern heißt auch, wir sollen es fleißig tun. Wenn aber der Mensch jetzt bloß und allein ist, und aus dieser Welt vor Gottes Gericht kommen soll, da befiehlt das Evangelium nach einen anderem Trost umsehen, da du deine Hoffnung und Herz drauf stellen und gründen kannst.

 

 

 

20. Darum hast du wohl gelebt: ist recht und gut, danke Gott darum; aber verlasse dich im Sterben nicht darauf, als sollte Gott dir dafür den Himmel geben; sondern halte dich hier zu diesem König, unserem Herrn Christus Jesus, der, wie der Evangelist hier meldet, das Amt haben soll, daß er die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend machen, die Toten auferwecken, und den Armen daß Evangelium predigen, das ist, die elenden, betrübten Herzen trösten soll. Denn er ist von seinem Vater nicht dazu gesetzt, daß er uns um unserer Sünde willen hängen oder erwürgen soll, sondern daß er den armen Gewissen raten, sie aufrichten, trösten und ihnen ewig helfen soll.

 

 

 

21. Die nun ihn dafür nicht ansehen, noch von ihm Gnade erhoffen, sondern sich an ihm und seiner Lehre ärgern und ihn verachten, wie die Juden taten und die Heuchler auch noch heute tun, denen wird er zu seiner Zeit es richten. Und ist eben das der Ärgernisse eins, daß die Welt sich an der Lehre Christi ärgert, daß sie nicht will auf Gottes Gnade, sondern auf ihr eigenes Werk und Verdienst sich verlassen. Schimpft deswegen das heilige Evangelium, es sei eine verführerische Lehre, die gute Werke verbiete, die Leute böse und wild mache.

 

 

 

22. Zum anderen ärgert sich die Welt auch an dem an Christus, daß er so ganz arm und elend ist; also, daß er das Kreuz trägt und sich daran hängen läßt: also vermahnt er auch seine Christen, ihr Kreuz auf sich zu nehmen, und ihm also durch allerlei Anfechtung Trübsal nachzufolgen. Solchem ist die Welt immer feind, scheuen sich davor, und eben wie man sieht, wenn wir das Evangelium bekennen, und um des Evangeliums willen etwas wagen oder leiden sollen, daß sie mit großen Haufen dahin fallen, wie das wurmstichige Obst im Sommer.

 

 

 

23. Zum dritten heißt das auch ein Ärgerniß, wenn wir uns mehr an unser Herz und Gewissen kehren, wie wir uns fühlen, denn an das Evangelium von Christum; das ist, wenn uns unser Tun und Lassen mehr anficht und bekümmert, denn die Gnade unseres lieben Herrn Jesu Christi, im Evangelium verkündigt, uns tröstet. Solches Ärgerniß ist nicht so gemein, als die ersten zwei; denn die rechten Christen allein werden damit angefochten. Aber es tut über die Maßen weh; und wo es ohne des Heiligen Geistes Hilfe und Beistand wäre, würde keiner in solchen Ärgernissen bestehen können.

 

 

 

24. Also ist der liebe Herr Christus überall in der Welt ein ärgerlicher Prediger; wie er nach diesem Evangelium noch klarer meldet, daß die Leute an diese Predigt sich stoßen, und sie verachten werden und verfolgen. Was aber die Welt für ein Urteil darum muß ausstehen, zeigt die schreckliche Predigt an wider die drei Städte, Kapernaum, Chorazin und Bethsaida; also, die ernste Klage Christi wider die Juden, da er spricht: Johannes ist ein strenger Prediger gewesen, aß nur wilden Honig und Heuschrecken, trank nichts denn Wasser, führte dazu ein sehr hartes Leben, aber was halfs? Ihr gabt ihm die Schuld, er hätte den Teufel. Ich, spricht er, esse und trinke mit jedermann, und halte mich auf das allerfreundlichste zu den Leuten; so muß ich für euch ein Fresser und Weinsäufer sein, der sich zu Zöllnern und Sündern halte. Kann also niemand mit den giftigen Schlangen, den Heuchlern und Werkheiligen auskommen. Lebt einer frei und tut sich freundlich zu den Leuten, so taugt es nicht. Führt ein anderer ein strenges und hartes Leben, so taugt es aber auch nicht. Wie soll mans denn der schändlichen Welt noch machen? Das möchte ihr gefallen, wenn man alles lobt, was sie tut, so sie selbst doch nichts rechtes tut.

 

 

 

25. Solche Ärgernisse muß man leiden. Denn so es damals, als der Herr Christus selbst gepredigt, und mit Wunderzeichen geregnet und geschneit hat, daß die Blinden sehend, die Tauben hörend, die Lahmen gerade, die Aussätzigen rein, die Toten wieder lebendig geworden sind, nicht hat helfen wollen; sondern das Wort ist gleichwohl verachtet, und er, der liebe Herr Christus, darüber an das Kreuz geschlagen, und die Apostel aus dem jüdischen Land verjagt worden sind, und nirgend in der ganzen Welt um dieser Predigt willen sicher sein konnten: was wollen wir denn sehr darüber klagen? Und was für ein Wunder ists, daß die Welt daß heilige Evangelium und rechtschaffene Prediger zu unserer Zeit so verachtet und mit Füßen tritt. Ist es doch damals Christus, unserem Herrn, selbst und den Aposteln nicht anders gegangen, welche nicht allein das Wort führten, sondern auch noch treffliche große Wunderzeichen taten, die wir nicht tun, sondern allein das bloße, ärgerliche Wort führen.

 

 

 

26. Deswegen müssen wir uns daran gewöhnen und geschehen lassen. Denn dem Evangelium wird es nie anders gehen. Es ist und bleibt eine Predigt, daran sich nicht allein nur geringe Leute stoßen, sondern die heiligesten, frömmsten, weißesten, gewaltigesten auf Erden, wie die Erfahrung zeigt. Wohl aber denen, die wissen und glauben, daß es Gottes Wort ist; die sind genesen, getröstet und gestärkt wider alle solche Ärgernisse. Die es aber nicht wissen, blasen sich auf ihrer guten Werke willen, fallen von diesem Wort auf ihre eigene Gerechtigkeit, und halten es für eine ärgerliche und aufrührerische Lehre. Das heißt denn angestoßen und sich geärgert. Und solches tun, wie gesagt, die, so vor der Welt die größten Heiligen und klügsten Leute gehalten werden. Deswegen mögen wir mit dem Herrn Christus wohl über die blinde Welt klagen, und sagen:. " Wir haben euch gepfiffen, und ihr wolltet nicht tanzen; wir haben euch geklagt, und ihr wolltet nicht weinen ". Predigen wir das Evangelium, so hilft es nicht. Man kann die böse Welt weder recht fröhlich noch recht traurig machen, das ist, sie will sich weder zu Sündern machen, noch sich wider die Sünde trösten lassen; sie will weder blind noch sehend sein, wie das Beispiel mit unseren Widersachern, den Katholiken, vor Augen ist.

 

 

 

27. Das ist nun das andere Stück, daß wir hier merken sollen: daß das Evangelium eine Lehre und Predigt für die Armen ist, das ist, für die betrübten, geänstigten Gewissen, die ihr Elend und Jammer fühlen, sich vor Gottes Zorn und Gericht entsetzen und erschrecken; nicht für die Reichen, die alle ihr Tun und Gedanken dahin richten, daß sie hier große Ehre und Gut haben mögen und in Freuden und Wohllust leben. Darum ist es ihnen in ihren Ohren eine seltsame wunderliche Predigt, wenn Christus, der Herr, spricht:. " Den Armen wird das Evangelium gepredigt ", welches sie nicht begehren zu wissen noch zu lernen, ja, halten es für Narrheit, ärgern sich nicht allein daran, sondern verfolgen es und lästern es als Ketzerei. Wie wir denn sehen am Papst, und seinen geistlosen Kardinälen, Bischöfen, auch am meisten Teil der größten und wichtigsten weltlichen Herrschaften, die dem Papst anhangen. Das also alles, was fromm, heilig, und gewaltig in der Welt ist, sich wider das Evangelium setzt.

 

 

 

28. Vor solchem Ärgerniß, wie gesagt, warnt Christus sein Häuflein und spricht: . " Selig ist, der sich an mir nicht ärgert ". Als wollte er sagen:. Wenn ihr nun sehet und erfahret, daß die Welt sich an meinem Wort ärgert, euch, die ihr es bekennt, darüber verfolgen wird, so laßt euch nicht beirren noch anfechten, sondern denkt: ist es doch Christus, Gottes Sohn, unserem Herrn, selbst auch so gegangen. Und ob er wohl so gewaltig predigte, und so viel herrliche große Wunderzeichen tat, hat es ihn dennoch nichts geholfen. Und das wir ja andächtig sein sollten, nicht uns der Welt Weisheit, Herrlichkeit, Gewalt und große Menge uns beeindrucken, davor warnt er uns, wir sollen an seinem Wort festhalten, da er spricht:. " Selig ist, der sich nicht an mir ärgert".

 

 

 

29. Weil es denn unseren lieben Herrn Christus Jesus selbst begegnet ist, daß sich sein eigenes Volk, dem er verheißen und gesandt zum Heiland war, an ihm geärgert hat, und ob sie wohl seine herrlichen, großen Wunderzeichen sahen, die er vor ihren Augen tat, sich dadurch trotzdem nicht bewegen lassen, seiner Predigt zu glauben und ihn anzunehmen, ja, haben ihn gekreuzigt und ermordet: so mögen wir wohl schweigen und nicht klagen, wenn wir um des Evangeliums willen auch verachtet, verlacht und verfolgt werden. Solche Lehre vom Ärgerniß ist uns nötig, besonders in diesen Zeiten, da jedermann das Evangelium lästert und sich daran ärgert.

 

 

 

30. Also haben wir aus dem heutigen Evangelium eine treffliche und hohe Lehre, an welcher unsere Seligkeit und das ewige Leben gelegen ist, nämlich, daß wir lernen, wie Christus ein König der Gnaden und alles Trostes sei, der den Armen betrübten Gewissen durch sein Evangelium freundlich zusprechen, und sie in Sünden trösten, und ihnen zum ewigen Leben helfen will. Denn obwohl das strenge weltliche Regiment auch Gottes Reich ist, so ist es doch nur ein linkes Reich, daß einmal aufhören soll. Dies aber ist sein rechtes und ewiges Reich, daß zu uns kommt durch das Wort, wenn wir, so der Sünde und des Todes Last drückt (denn solchen wird es gepredigt), dasselbe annehmen und glauben. Das tröstet und versichert uns denn, daß wir gewiß auf Christus dahin fahren sollen, und mit gewisser Zuversicht sagen:. Ich glaube an meinen Herrn Jesus Christum, der die Blinden sehend, die Lahmen gehend, die Aussätzigen rein, die Tauben hörend und die Toten lebendig gemacht. Das Wort habe ich, und bin deswegen gewiß, daß er mich in meinen höchsten Nöten nicht stecken lassen, sondern mich aus dem Tod und des Teufels Reich ins ewige Leben und Himmelreich führen wird. Denn darum ist er Mensch geworden und zu mir auf Erden gekommen, daß er mich armen, elenden Sünder durch sein Evangelium trösten und mir von Sünde und Tod in Ewigkeit helfen will. Alle nun, die solches von Herzen glauben, die fahren dahin aus diesen Jammertal in die ewige Freude und Seligkeit. Das verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.

 




 

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4. søndag i advent

 

 

 

Johannes 1,19-28

 

 

 

 

 

 

 

Und dies ist das Zeugnis Johannes, da die Juden sandten von Jerusalem Priester und Leviten, daß sie ihn fragten:. Wer bist du? Und er bekannte, und leugnete nicht; und bekannte:. Ich bin nicht Christus. Und sie fragten ihn:. Was bist du denn? Bist du Elias? Er sprach:. Ich bins nicht. Bist du ein Prophet? Und er antwortete: nein. Da sprachen sie zu ihm:. Was bist du denn? Daß wir Antwort geben denen, die uns gesandt haben. Was sagst du von dir selbst? Er sprach:. Ich bin eine Stimme eines Prediger in der Wüste:. Richtet den Weg des Herrn, wie der Prophet Jesaja gesagt hat. Und die gesandt waren, die waren von den Pharisäern, und fragten ihn und sprachen zu ihm:. Warum taufst du denn, so du nicht Christus bist, noch Elias, noch ein Prophet? Johannes antwortete ihnen und sprach:. Ich Taufe mit Wasser; aber er ist mitten unter euch getreten, den ihr nicht kennet. Der ists, der nach mir kommen wird, welcher vor mir gewesen ist, deß ich nicht wert bin, daß ich seine Schuhriemen auflöse. Dieses geschah zu Bethabara, jenseits des Jordans, da Johannes taufte.

 

 

 

1. Dies ist auch der schönen, herrlichen Evangelium eins von dem höchsten Artikel unseres Glaubens, da man nicht lehrt von zehn Geboten, oder was wir tun sollen; sondern von einer höheren Sache, nämlich, was Christus sei und was er getan habe. Denn Johannes rühmt ihn so hoch, daß ob er gleich ein sehr heiliges Leben geführt, dennoch frei bekennt und sagt:. " Ich bin nicht wert, daß sich ihm seine Schuhriemen auflöse ". Es ist deswegen fast das gleiche Evangelium als vor acht Tagen, ohne das hier andere Worte und Personen sind.

 

 

 

2. Denn vor acht Tagen haben wir gehört, wie die ganze Macht daran liegt, daß man dieser Person, Christus Jesus, nicht fehle, sondern ihn annehme, nicht vorüber gehe noch auf andere gaffe. Denn der ihn trifft, der findet Erlösung von Sünden, Tod und Hölle. Denn also hat es Gott beschlossen, daß in Christus alle Fülle wohnen und er alles gar sein soll. Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben. Durch ihn allein sind alle Patriarchen, Propheten, Apostel und Heilige selig geworden, von Anfang der Welt her. Solches weiß Johannes, schickt deswegen seine Jünger zu ihm, daß sie solchen Schatz nicht versäumen.

 

 

 

3. Nun aber, daß wir uns danach nicht richten, ist der Mangel, daß wir uns nach Gottes Wort nicht halten, sondern es außer Acht lassen, und uns andere Weise und Wege vornehmen, in den Himmel zukommen. Einer läuft in ein Kloster, wie im Papsttum zu sehen, wird ein Mönch, der andere fastet, der Dritte sucht dieses oder jenes Heiligen Fürbitte; das also jedermann eine besondere Weise sucht und einen eigenen Weg in den Himmel zukommen. Solchem Unrat und schädlichen Vornehmen zu wehren, hat Gott ernstlich seinem Volk sein Wort gegeben, und vertröstet, er wolle ihnen helfen durch des Weibes Samen, das ist, durch seinen Sohn Jesu Christum. Wer diesen nicht hat, der hat die Seligkeit nicht, ob er sich gleich zu Tode gefastet, und zum Narren gebetet hätte. Wiederum, wer ihn mit Glauben angenommen und sich auf ihn verlassen, der hat Vergebung der Sünde und ewige Seligkeit gefunden, und hat ihn weder Sünde noch Teufel daran hindern können.

 

 

 

4. Diesem Weg haben alle Heiligen Patriarchen und Propheten gefolgt, und sind durch den Glauben an Christum selig geworden. Denn so jemand durch ein heiliges Leben sollte in den Himmel gekommen sein, sollten es doch wohl nur die Heiligen Propheten gewesen sein, so um Gottes Willen in der bösen, argen Welt über die Maßen viel getan und erlitten haben. Aber sie verzagen alle an ihrer Heiligkeit, und hängen sich mit festem Vertrauen an den verheißenen gebenedeiten Samen, der der Schlangen Kopf zertreten solle.

 

 

 

5. Die meisten Juden aber zu Christi Zeiten wollten diesen Weg nicht folgen, dachten:. Was sollte dieser Zimmerknecht können? Wir müssen uns nach dem Gesetz halten, fasten, opfern, Almosen geben; das wird der beste und nächste Weg in den Himmel sein; dieser Bettler aber kann nicht helfen. Denn Christus ist ganz und gar armselig und elend gewesen, daß wer an die Wunderzeichen und seine Predigt sich nicht gehalten, der hat sonst nichts an ihm gefunden, daß ein Ansehen hätte.

 

 

 

6. Auf das nun die Juden ihn nicht ließen vorüber gehen und sein nicht gewahr würden, ordnet es Gott, der barmherzige Vater, also, daß der liebe Johannes, wie ein Trompeter vor dem Fürsten, vor dem Herrn Christus herziehen und die Posaune sein sollte. Wenn sie nun die hörten, daß sie alsdann die Augen auftäten, und sehen den, der nun bald auf dem Fuße ihm folgen sollte, der würde der rechte Mann sein.

 

 

 

7. Darum, daß die Juden nun Leute zu ihm schicken, und fragen ihn:. Ob er Christus, Elias, oder ein Prophet sei? Antwortet er:. " Ich bins nicht". Als sie aber weiter fragen:. " Was bist du denn? Was sagst du von dir selbst? ". Da antwortete er:. Ich will es euch sagen:. " ich bin eine rufende Stimme in der Wüste:. Bereitet den Weg des Herrn ", das ist, ich bin ein Trompeter vor dem Fürsten. Darum höret fleißig meine Predigt; denn er wird bald nach mir kommen, der vor mir war, und euch mit dem Heiligen Geist taufen, da ich als ein Diener nur mit Wasser taufen kann. Er ist mitten und euch getreten; aber ihr kennet ihn nicht.

 

 

 

8. Darum ist dies mein Amt, dazu ich gekommen bin, daß ich ein rufende Stimme oder ein Prediger in der Wüste sein soll, auf das, wenn ihr den Schall meiner Posaune hört, daß ihr wisset, er sei da. Denn ich bin die rufende Stimme und der Prediger, darauf ihr hören sollt. Der Nächste nun, der nach mir kommt, der ists, wie Jesaja auch weissagt am 40. Kapitel, 3:. " Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste:. Bereitet dem Herrn den Weg, macht auf dem Gefilde eine ebene Bahn unserm Herrn ". Dieser, sagt Johannes, bin ich, der euch solches sagen soll. Darum sehet darauf, er ist bereits unter euch, aber ihr kennet ihn nicht; ich aber soll es euch lehren, daß ihr ihn kennt und annehmt. Denn der nächste Prediger, der nach mir kommen wird, der ists gewißlich; ich bin nur der Vorbote. Solches Amt führe ich jetzt und predige. Er predigt noch nicht; aber bald nach mir wird er sich hören lassen: so schauet nun, daß ihr sein nicht fehlet und ja wohl Achtung auf ihn habt.

 

 

 

9. Wie Johannes gepredigt hat, so ist es ergangen. Denn kurz nach seiner Taufe hat Christus sich mit Wunderzeichen in Galiläa sehen lassen, hat 12 Apostel und sonst 72 Jünger ausgesandt, und gesagt sie sollen predigen:. Das Himmelreich sei herbei gekommen, das ist, Christus sei vorhanden, und sei eben der, von dem er zeuge; an denselben hängt euch, und nehmet ihn an, so könnt ihr nicht fehlen. Nach mir wird er kommen, aber er war vor mir. Denn Johannes ist ein halbes Jahr älter gewesen denn Christus der Herr, dennoch sagt er:. Er war vor mir. Solches war denn Juden ein lästerliches Wort gewesen, wenn sie es aber damals verstanden hätten; wie man in Johannes 8,58., da er spricht:. " Ehe denn Abraham war, bin ich ". Denn es ist so viel gesagt, daß dieser Mensch, ehe er auf Erden geboren, in Ewigkeit wahrer Gottes Sohn gewesen sei. Solches haben die Juden dazumal nicht verstanden. Aber Johannes hats gewißlich mit diesen Worten also gemeint, und die göttliche Herrlichkeit der Person rühren wollen; wie er auch damit genug zu verstehen gibt, da er spricht:. " Ich bin nicht wert, daß ich seine Schuhriemen auflöse "

 

 

 

10. Da sollten die Juden fein zugefallen und gedacht haben:. Was wird doch das für ein Mann sein, was für eine Person, vor der sich Johannes so tief demütigt, und sagt:. Er sei nicht wert, daß er ihm im geringsten dienen soll? Lieber Johannes, sollst du es nicht wert sein? Ja, ich, ich, spricht er, bins nicht wert; ich sei wer ich will, so bin ich doch gegen diesen Mann nichts. Wirft also alle seine Heiligkeit von sich, und sagt:. Er wollte sich an den genügen lassen, wenn er dieses Mannes nur so von fern genießen könnte, daß er ihm die Schuhe wischen sollte.

 

 

 

11. Auf das nun die Juden nicht dächten, er demütige sich gar zuviel, besonders weil er die Taufe angerichtet und ein sonderlicher Prediger war, unterrichtete er sie fein wegen der Taufe, und spricht:. Ich habe eben die Zeichen bei mir, wie die anderen Propheten. Jeremia trug ein hölzernes Joch; Jesaja ging barfuß und nackend, als er den Ägyptern und Mohren weissagt, wie sie von ihren Feinden geplündert und ausgezogen werden, Jesaja 20. Also, spricht Johannes, führe ich auch eine neue Predigt und ein neues Zeichen, ich predige:. Ihr sollt dem Herrn den Weg bereiten. Solches dürfte ich nicht predigen, wenn der Weg zuvor bereitet wäre. Danach wasche und taufe ich euch, zum Zeichen, daß ihr unrein und unflätig seid. Solches Baden hebe ich an, aber er wird euch ein anderes und besseres Bad zu richten, und euch mit dem Heiligen Geist taufen.

 

 

 

12. So ist es nun alles dahin gerichtet, daß sie diesen Mann nicht sollen vorübergehen, sondern an Johannes Predigt denken. Siehe, Johannes hat es uns gesagt von einem, der nach ihm auftreten wird; der wird es gewißlich sein, der mit Predigen und Zeichen sich so gewaltig sehen läßt.

 

 

 

13. Aber was geschah? Johannes hörten sie wohl; aber glaubten seinem Zeugnis nicht, ja, richteten sie beide hin, Christus und seinen Vorläufer, schlugen Johannes den Kopf ab, und kreuzigten Christus, von den Johannes so treu gepredigt und jedermann vermahnt hatte ihn anzunehmen. Aber solche Frommen sind je und je gewesen, die nicht allein die Predigten der Propheten verachtet, sie verfolgt und darüber totgeschlagen, sondern danach auch Christum den Herrn selbst, den sie verkündigten, gekreuzigt haben.

 

 

 

14. Heute geht es noch genau so; denn Christus muß doch gekreuzigt werden, nicht allein in eigener Person, sondern auch in seinen Gliedern. Wir wollten gern jedermann auf den rechten Weg der Seligkeit mit Johannes weisen, sagen:. Es sei außerhalb Christus keine Vergebung der Sünde, noch ewiges Leben. Aber was geschieht? Je stärker wir die Leute von eigenen Werken, auf den rechten Felsen Christum weisen, je heftiger unser Gegenteil uns dafür verdammt. Denn solches stimmt mit ihrer Lehre nicht überein. Sie weisen in die Klöster, lesen Messe, halten Seelmessen, stiften Gottesdienst, laufen Wallfahrten, kaufen Ablaß. Das heißt aber nicht auf Christum gewiesen, sondern neben Christus andere Wege, in den Himmel zukommen. Dagegen reden wir, und vermahnen die Leute, sich an Johannes Zeugnis zu halten, der auf Christum weiset. Das ist dem Papst und seinem Haufen ärgerlich, verdammen uns darüber als Ketzer, und wo sie könnten, würden sie freilich an ihrem Willen nicht mangeln lassen, uns eben so lohnen und danken, wie die Juden dem Heiligen Johannes.

 

 

 

15. Warum aber sind sie uns so feind und können uns so gar nicht leiden? Um keiner anderen Ursache willen, denn daß wir mit Johannes predigen, sie sollen sich demütigen vor Christus, und sich mit all ihrem Gottesdienst und guten Werken nicht wert achten, daß sie ihm die Schuhe auswischen. Denn das müssen sie ja selbst bekennen, Johannes sei viel heiliger gewesen denn sie; dennoch spricht er:. Ich will solche Heiligkeit nicht ansehen, könnte ich nur zu der Gnade kommen, daß ich ihm seine Schuhe sollte abziehen oder wischen, daß würden mir genügen. Solche Demut wollten wir gern durch das Evangelium bei jedermann anrichten, ermahnen deswegen, unserem Amt nach, jedermann, er soll sich vor Sünden hüten und fromm sein, doch auf solche Frömmigkeit keinen Trost vor Gott setzen; sondern soll, wie Johannes, seine guten Werke und ehrbares Leben als einen Schuhlumpen achten gegen die hohe reine, vollkommene und große Gerechtigkeit, die unser lieber Herr Christus durch sein Leiden und Sterben uns verdient hat.

 

 

 

16. Darum soll sich niemand daran ärgern, daß die Katholiken zu unserer Zeit des Evangelium verachten und verfolgen. Es ist Johannes, Christus und den Aposteln zu ihrer Zeit selbst so gegangen, daß ihre Lehre nicht allein verachtet worden ist, sondern sie dazu verfolgt und jämmerlich hingerichtet sind. Nun, die Juden haben ihre Strafe empfangen, unsere Verächter und Lästerer werden ihrer Strafe auch nicht entgehen.

 

 

 

18. Dagegen laßt uns Gott danken für seine Gnade, daß wir das reine Wort wieder haben; und auf das erste vornehmlich auf Johannes Wort acht haben, da er spricht:. " Bereitet den Weg dem Herrn "; also: " er ist mitten unter euch getreten "; und bald danach:. Siehe, das ist Gottes Lamm, welches der Welt Sünde trägt ". Da sagt er nichts von unseren Werken, Verdiensten, sondern zeigt allein auf Christum, in dem wir alles finden und haben.

 

 

 

19. Danach sollen wir auch das Beispiel seiner Demut mit Fleiß merken, daß der heilige Mann, welcher, wie Christus zeugt, seinesgleichen unter allen, so von Weiber geboren sind, nicht hat (so werden in freilich alle Mönche und Pfaffen, die je unter dem Papst gewesen, mit aller ihrer Heiligkeit das Wasser nicht reichen können), sich so tief herunter läßt und demütigt, daß er sagt:. Er sei mit aller seiner Heiligkeit und guten Werken nicht wert, daß er sich vor dem Herrn Christum bücke und seine Schuhriemen auflöse. Das soll uns ein Beispiel der Demut von Johannes sein, daß wir uns davor in acht nehmen, und Johannes nachfolgen sollten.

 

 

 

20. Gute Werke sollen wir tun und derselben uns auf das höchste befleißigen, denn Gott hat es befohlen in den zehn Geboten; die hat er nicht vergebens vom Himmel herab gegeben. Es ist sein Wort, darum will er es gehalten haben. Deswegen befleißige sich nur jedermann nach dem besten, daß er danach lebe, und sich so gehorsam und dankbar gegen Gott erzeige, der uns seinen lieben Sohn geschenkt hat, welcher sich um unseretwillen erniedrigt hat, und gehorsam geworden ist bis zum Tod, ja, zum Tod am Kreuz, daran er für uns und aller Welt Sünde genug getan hat. Auf dieses Mannes Gehorsam und Werk verlasse dich und baue fest darauf, und wirf ihm alles, was du je Gutes getan hast, vor seine Füße, und bekenne nur frei von Herzen mit Johannes, es sei nicht wert, daß du dem Herrn Christus damit die Schuhe auswischest.

 

 

 

21. Vor den Menschen ist es wohl fein, sauber, ein schönes Tuch, Kleinod und Tugend, daß du kein Ehebrecher, kein Dieb, kein Mörder bist; das mag und soll man in der Welt bei den Menschen rühmen, und für Samt, seidene und goldene Stücke halten. Aber wenn es vor unsern Herrn Gott und sein Gericht kommt, so sprich:. Vor dir, Herr, ist mein bester Samt und goldene Stücke ärger denn ein Bettlerlumpen. Darum richte mich nicht nach meinen Werken, will sie gerne einen alten Lumpen sein lassen, und wollte, daß ich es nur möchte wert sein, ich wollte mich gern daran genügen lassen.

 

 

 

22. Also tut der heilige Paulus auch, Philipper 3, 5-7.: " ich ", spricht er, " bin ein Israeliter, nach dem Gesetz ein Pharisäer, und nach der Gerechtigkeit im Gesetz unsträflich ", daß mich kein Mensch strafen kann. Das lasse etwas besonderes sein, wenn sich vor den Leuten jemand so rühmen kann. " Dennoch achte ich ", spricht er, " alle diese Heiligkeit nun, um Christus willen, für Schaden und Dreck ", und ist meine höchste Freude und bester Trost, daß ich erfunden werden soll, nicht in meiner Gerechtigkeit, die aus dem Gesetz ist; sondern aus der Gerechtigkeit, die durch den Glauben an Christum kommt, die von Gott dem Glauben zugerechnet wird. Daß ich nun solcher Gerechtigkeit meines Herrn genießen kann, achte ich meine Gerechtigkeit für Dreck. Hier macht es Paulus noch gröber denn Johannes; der beschneidet es doch, heißt seine guten Werke einen Schuhlumpen; Paulus aber heißt es Kot und Dreck. Das ist ja unflätig genug von unserem heiligen Leben geredet.

 

 

 

23. Wir sollen aber solche Beispiele uns besonders annehmen, wohl merken und ernstlich danach leben, daß wir vor der Welt in aller Zucht und Ehrbarkeit leben, daß die Leute nichts über uns zu klagen haben. Solches gehört in dies Leben, hier auf Erden, und hört auch hier auf, wie man sieht: einen Frommen Mann beerdigt man ebenso als einen Narren, eine fromme Frau ebenso als eine Hure. Wenn es aber zum ewigen Leben kommen soll, so lerne sprechen:. Ich halte mich an meinen Herrn Christum und an seine Heiligkeit, die er in der Taufe, im Wort und Sakrament mir verheißt und schenkt; dabei will ich mich finden lassen, als ein armer und kleiner Wurm. Auf das wir also einen Unterschied machen zwischen unseren zeitlichen Leben und Heiligkeit, und den ewigen Leben der Heiligkeit, die vor Gott gilt.

 

 

 

24. Die Heiden haben auch sich in feiner Zucht und Ehrbarkeit gehalten, und viel um des Vaterlandes willen getan und gelitten; darum sie auch zu rühmen sind. Aber hier, wenn der Tod kommt, da scheidet es sich; da bleibt allen unser Tun und Leiden zurück, denn dadurch erlangen wir nicht Vergebung der Sünden, Gerechtigkeit. Wo sollen wir aber dann die Gerechtigkeit und Heiligkeit nehmen, die vor Gott und in dem ewigen Leben gilt? Da heißt es also, daß wir mit Johannes uns Demütigen und sagen: Herr, hier kommt ein armer Lumpen, alt und zerrissen, oder wie Paulus sagt, ein stinkender Dreck. Vor der Welt mag es wohl Samt und goldene Stücke sein; aber vor dir, Herr, lasse mich einen alten Lumpen sein, da ich deinem Sohn die Schuhe mit wische, und Schenke mir seine Gerechtigkeit, der Samt seiner Gerechtigkeit mein edelster und teuerster Schatz ist. Denn ich weiß, daß ich durch ihn und seine Gerechtigkeit ins Himmelreich komme; daß ich durch meiner Heiligkeit müßte in den Abgrund der Hölle fahren.

 

 

 

25. Daraus folgt, daß wir frei müssen schließen, daß Mönche, Pfaffen, Klöster, und was dergleichen noch genannt ist, alles zum Teufel und in die Hölle gehöre. Denn sie sehen mit ihren guten Werken nicht dahin, daß sie Gott den schuldigen Gehorsam leisten, und niemand ärgerlich seien; sondern daß sie damit denken selig zu werden. Darum verkaufen sie auch ihre guten Werke anderen Leuten. Das heißt aber Christum verleugnen, ja, sein spotten und ihn so verachten, wie die Juden sein spotteten und ihn verachteten. Vor solchem Greuel sollen wir uns hüten, und hier lernen, wie wir solchen Verführern begegnen mögen, daß wir zu ihnen sagen:. Du armer Mensch, willst mich mit deinen dreckigen Werken und Heiligkeit selig machen? Hat es doch Johannes, Paulus, Petrus und andere Heilige nicht tun können; sonst würden sie selbst nicht so gering von ihrer Heiligkeit gehalten und gepredigt haben. Wenn man die Klöster noch brauchte als Zuchthäuser, daß man junge Knaben darin aufziehe und in der Schrift studieren ließe, so wäre es ein sehr feiner, köstlicher und nützlicher Brauch. Aber dazu will sie der Papst und sein gottloser Haufen nicht brauchen; sondern sie weisen jedermann mit solchem Klosterleben in den Himmel. Sie werden aber gewiß einen solchen Himmel damit finden, wo die Flamme und das Feuer zum Fenster hinaus schlägt. Darum wäre es viel besser, daß man solche Klöstern abreiße, weil die Leute so von Christus abgewiesen und an Seele und Leib beschädigt werden.

 

 

 

26. So lerne nun in der Summe aus dem heutigen Evangelium, daß wir unter und bei den Leuten züchtig leben, in guten Werken fleißig und emsig sein sollen, und niemand ärgerlich. Solchen Gehorsam fordert Gott durch sein Gesetz und will ihn von uns haben; und wo wir ihn nicht leisten, will er mit dem Henker, mit dem Schwert, und zuletzt auch mit dem höllischen Feuer dazwischen schlagen. Solches zu tun, sage ich, sind wir schuldig aus Gottes Befehl gegen die Leute. Aber wenn du vor Gott kommst, so sprich: Herr, meiner Heiligkeit und Werke wegen bin ich verloren. Ich begehre deswegen, daß ich möchte ein alter Lumpen sein, zu den Füßen meines Herrn Jesus Christus. Wegen meines Lebens wegen bin ich anderes nicht wert, denn daß er mich in die Hölle werfe. Aber ich begehre seiner Heiligkeit, daß er mich heiligen wollen mit einer anderen, besseren und ewigen Heiligkeit; so komme ich gewiß in das ewige Leben.

 

 

 

27. Solches wollen weder Papst noch Bischöfe hören; denn sie sehen wohl, was daraus folgen würde, nämlich, das Stifte und Klöster, Messe und all ihr falscher Gottesdienst nicht lange stehen würden; darum halten sie so steif und fest darüber: mehr um des Bauches willen, der andere und geringere Teil darum, weil sie dadurch hoffen selig zu werden. Solches tut Johannes nicht, Paulus auch nicht, die wollen ihre Gerechtigkeit und Heiligkeit nicht behalten. Also sollen auch alle Christen tun, mit Paulus sagen:. Meiner Heiligkeit ist ein stinkender Unflat und Dreck; und mit Johannes:. Meine Heiligkeit ist ein Lumpen, wenn ich sie gegen die Heiligkeit und die Werke Christi rechnen will. Aber die Katholiken wollen weder Kot noch Lumpen in ihren Messen, Gelübden, Fasten, Beten sein, schlagen uns darüber tot, daß wir es nicht mit ihnen halten und die Leute auf einen anderen und besseren Weg weisen. Nun, es ist ein Otterngezücht, da nimmermehr etwas Gutes aus wachsen kann, sie werden es finden, was sie suchen. Last aber uns ja sehen auf den Mund und Finger Johannes, da er uns mit zeuget und weiset, auf das wir unseren Herrn und Seligmacher, Jesum Christum, nicht übersehen und nicht seiner fehlen sollen, da er so fleißig und treulich und zu ihm leitet und weiset, daß wir selig werden.

 

 

 

28. Dies ist die vornehmste Lehre aus dem heutigen Evangelium, da Johannes so fleißig von sich zu dem Herrn Christum weiset, sich also hoch demütigt, und Christum so empor hebt und rühmt. Das andere Stück, daß die Pharisäer und Hohenpriester zu Johannes schicken, und ihm das Taufen und Predigen verbieten wollen, weil er selbst sagt:. Er sei weder Christus, noch Elias, noch ein Prophet; also, daß er einen Unterschied macht zwischen seiner Taufe, damit er tauft, als ein Knecht, und der Taufe Christi, der selbst der Herr ist und den Geist allein geben kann: solche zwei Stücke sind für den gemeinen Mann etwas zu hoch; ohne daß man dennoch dies daraus lernen und merken soll, wie die Welt, und besonders, was in der Welt weise und hoch ist, Gottes Werken feind ist, und wollten sie gern dämpfen und unterdrücken, wie die Pharisäer und Hohenpriester hier tun. Aber Johannes hat einen rechten Eliasgeist und -kraft, das ist, ein unerschrocken Herz, läßt sich weder Predigen noch Taufen verbieten, bis ihn Herodes bei dem Kopf nimmt, in den Turm wirft, und endlich den Kopf abhauen läßt. Das leidet er um Gottes willen gern und geduldig, der Hoffnung, daß er durch seinen Herrn und Erlöser Christum einen gnädigen Gott und das ewige Leben haben werde. Das verleihe uns unser lieber Herr Gott und Vater durch seinen Sohn Jesu Christum, Amen.

 

 

 

 

 



 

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Juleaften

 

 

 

von der Geschichte, wie Christus zu Bethlehem geboren ist.

 

 

 

Lukas 2,1-15

 

 

 

 

 

 

 

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzt würde. Und diese Schätzung war die allererste und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein jeglicher in seine Stadt. Da machte sich auch auf Josef aus Galiläa, aus der Stadt Nazaret, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlechte Davids war, auf das er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe, die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe; denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend dem Felde bei den Hürden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie, und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen:. Fürchtet euch nicht; siehe, ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids. Und das habt zum Zeichen, ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen. Und alsbald war da bei dem Engel die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen:. Ehre sei Gott in der Höhe, und Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.

 

 

 

1. Dies Fest, von der Geburt unseres lieben Herrn Jesu Christi, ist vornehmlich um der Ursache willen unter den Christen eingesetzt, daß man die Geschichte predigen und wohl lernen soll, daß sie dem jungen Volk und gemeinen Mann im Gedächtnis bleibe, daß sie es wohl in das Herz bilden und ihren Erlöser recht erkennen lernen. Denn obwohl man es jährlich sagt, so kann man nicht genug davon predigen, noch genug lernen. Wir wollen deswegen das Evangelium in zwei Stücke teilen. Zum ersten die Geschichte erzählen auf das einfältigste, wie sie sich zugetragen; danach hören, was die lieben Engeln davon predigen und singen.

 

 

 

2. Das erste Stücke in der Geschichte ist dies: das Christus geboren ist eben zu der Zeit, da unter dem Kaiser Augustus zum erstenmal die Juden und ihr Vermögen geschätzt worden sind. Da hat unser lieber Herr Christus zu regieren, obwohl heimlich, in der Welt angefangen, und muß ihm der große Kaiser Augustus samt seinem Reich dienen, wohl unwissend, und die Ursache mit seinem Gebot dazu geben, daß die Jungfrau Maria samt ihrem vertrauten Mann Josef gen Bethlehem reist, und wie die Propheten zuvor geweissagt hatten, den Heiland der Welt daselbst an das Licht bringt. Sonst, wo solches durchs Kaisers Gebot nicht so verursacht, würde Josef und Maria wohl daheim geblieben sein. Aber Christus sollte zu Bethlehem geboren werden, darum muß der Kaiser dazu die Ursache geben, und also dem Herrn Christus zu seiner Geburt dienen; obwohl weder Kaiser noch die Welt etwas davon wußten. Denn sonst ist die Welt wohl so böse und untreu, daß sie es lieber verhindert, denn gefördert hätte. Aber Gott führt sein Regiment also, daß sie unwissend häufig tun müssen, was sie wissend nie zu Wege bringen würden.

 

 

 

3. Als sie nun, dem Kaiser Gehorsam zu leisten, aus Galiläa in Judäa gen Bethlehem gekommen sind, sagt der Evangelist, sei die Zeit gekommen, daß die Jungfrau Maria gebären sollte. Da sind doch alle Dinge zu der Zeit ganz ungeschickt. Siehe, die zwei Eheleute sind in einem fremden Land, in einer fremden Stadt, da sie weder Haus noch Hof haben, und ob sie schon, wie es wohl anzunehmen ist, Freunde da haben, so haben doch diese an sie nicht gedacht. Über das alles war die Stadt noch so voll, daß, wie der Evangelist sagt, sie keinen Raum hatten in der Herberge, müssen deswegen in den Kuhstall, und sich da wie die armen Leuten behelfen. Da wird weder Schrank, Leinen, Polster, Kissen noch Federbett gewesen sein; ein Bund mit Stroh war noch das Beste, was sie bei dem Vieh finden konnten. Und es war im harten Winter bei Nacht, daß die heilige Frucht, daß Kindlein Jesus, geboren wurde.

 

 

 

4. Dies ist kurz die Geschichte, welche ohne Zweifel der Evangelist so uns erzählen wollte, weil wir sonst so kalt sind, ob er doch ein wenig unsere Herzen erwärmen könnte, weil unser Heiland so elendiglich auf diese Welt geboren ist. Bethlehem wäre wohl wert gewesen, daß sie damals in den Abgrund der Hölle versunken wäre, die nicht so viel die Ehre ihrem Heiland beweise, daß sie ihm irgend eine kleine Kammer und Bett mit einem Kissen leihet. Seine Wiege ist zuerst der lieben Mutter Schoß, danach die Krippe. Die arme Mutter, will sie nicht erfrieren, so wird sie sich mit ihrem Mantel, den sie gehabt, allein zudecken; denn hier ist niemand, der Kind oder Mutter etwas leihen, dienen, oder mit dem Geringsten helfen könnte.

 

 

 

5. Warum malt doch der Evangelist diese Geburt so arm und elend? Darum, daß du daran denken und es nimmermehr vergessen sollst, und es dir durch Dein Herz gehen lassen, und besonders, weil du wir hörst, es ist alles deinetwegen geschehen, daß du darüber fröhlich und Gott auch dankbar dafür bist. Es ist eine weite Reise von Nazaret aus Galiläa nach Bethlehem, ja, soweit als aus Sachsen nach Bayern, wenn nicht noch weiter. Da ist es doch wohl zu denken, daß sie auch nicht viel Hausrat mitgeführt oder getragen haben. So werden die Windeln oder was sonst zu solchem Handel gehört, auch nicht besonders schön gewesen sein, daß sie das Kind vielleicht nur mit ihrem Hemd eingewickelt und ihm die Krippe gelegt hat. Denn sie hat es nicht immer im Schoß halten können, und sich an den Kleidern und Leib der Mutter wärmen, sondern das liebe Kind mußte sich mit Stroh und Heu und einer Krippe behelfen. Josef hat auch das Beste tun müssen, und es wird wohl so gewesen sein, daß eine Magd dem Hause mit Wasser holen und anderen ihnen gedient habe, wie es in der Not üblich ist. Aber solches ist hier nicht geschrieben. Darum ist es zu vermuten, obwohl jedermann wußte, daß ein junges Weib im Kuhstall gelegen, sich doch niemand ihrer angenommen hat.

 

 

 

6. Spuck du dich an, du schändliches Bethlehem, weil du dich so hart und unbarmherzig gegen deinen Heiland stellst, daß du ihm auch den geringsten Dienst nicht erzeigst! Du hättest die Strafe von Sodom und Gomorra besser verdient, daß Schwefel und Feuer vom Himmel herab geregnet wäre und dich zu Grunde vertilgt. Denn obgleich die Jungfrau Maria eine Bettlerin, oder, eine ehrliche Frau gewesen, so sollte man doch in solcher Not und Zeit, ihr zu dienen willig und geneigt gewesen sein. Ja wohl, es wird nichts daraus, dies Kind muß in Tüchern gewickelt und in eine Krippe gelegt werden, dabei bleibt es. So soll dieser Herr auf Erden empfangen werden, wohl die anderen prassen, fressen, große Pracht treiben mit schönen Kleidern, herrlichen Häusern.

 

 

 

7. Das ist das erste Stück von der Geschichte, welche uns darum so vorgeschrieben ist, daß wir das Bild lernen sollen und in unser Herz fassen, wie unser lieber Herr Jesus Christus so elendiglich in dieser Welt geboren ist, auf das wir lernen Gott für solche große Wohltat zu danken und zu loben, daß wir armen, elenden, ja auch verdammten Menschen heut zu so großen Ehren gekommen, daß wir ein Fleisch und Blut mit dem Sohn Gottes geworden sind. Denn eben der ewige Sohn des ewigen Vaters, durch welchen Himmel und Erde aus nichts erschaffen ist, der ist, wie wir hören, Mensch geworden und auf diese Welt geboren wie wir, ohne daß es mit ihm ohne alle Sünde zugegangen ist. Deswegen mögen wir rühmen, daß Gott unser Bruder, ja, unser Fleisch und Blut geworden sei. Diese große Ehre ist nicht den Engeln, sondern uns Menschen widerfahren. Deswegen obwohl die Engeln eine herrlichere Kreatur sind denn wir, so hat doch Gott uns mehr und höher geehrt und sich näher zu uns getan, denn zu den Engeln, weil er nicht ein Engel, sondern ein Mensch geworden ist. Wenn nun wir Menschen solches recht bedenken und von Herzen glauben könnten, so sollte gewißlich solche unaussprechliche Gnade und Wohltat unseres lieben Herrn Gottes eine hohe große Freude machen, und uns treiben, daß wir Gott von Herzen dafür dankten, ihn liebten und gern uns nach seinen Willen halten würden.

 

 

 

8. Im Papsttum hat man eine Geschichte erzählt:. Es sei der Teufel auf eine Zeit in eine Kirche zur Messe gekommen, und da man die Worte gesungen habe: " Gottes Sohn ist Mensch geworden ", und die Leute gestanden und sich nicht niedergekniet, hat er ihnen auf das Maul geschlagen, und geschimpft und gesagt:. Du grober Bauer, schämst du dich nicht, daß du so stehst wie ein Stock, und nicht vor Freuden niederfällst? Wenn Gottes Sohn unser Bruder geworden wäre wie euer, müßten wir nicht, wo wir vor Freude bleiben sollten. Ich glaube nicht, daß es wahr ist; denn der Teufel ist uns und dem Herrn Christus zu feind: aber daß es gewißlich wahr, der es so gedichtet hat, der hat einen hohen Geist gehabt, und die große Ehre wohl verstanden, welche uns wiederfahren ist indem, daß Gottes Sohn ist Mensch geworden: nicht wie Eva noch Adam, der aus Erden ist gemacht worden; sondern er ist uns noch näher gekommen, besonders weil er aus Fleisch und Blut von der Jungfrau Maria geboren ist, wie andere Menschen, ohne daß sie, die Jungfrau, allein gewesen, und vom Heiligen Geist geheiligt, ohne Sünde und vom Heiligen Geist diese selige Frucht empfangen hat. Außer diesem ist er uns gleich und ein rechter natürlicher Weibessohn.

 

 

 

9. Adam und Eva sind nicht geboren, sondern geschaffen. Denn Adam hat Gott aus der Erde gemacht; das Weib aber aus seiner Rippe. Wieviel aber ist Christus uns näher, denn die Eva ihrem Mann Adam, besonders weil er unser Fleisch und Blut ist? Solche Ehre sollten wir hoch achten, und wohl in unsere Herzen bilden, daß der Sohn Gottes ist Fleisch geworden, und gar kein Unterschied zwischen seinem und unserem Fleisch ist, nur das sein Fleisch ohne Sünde ist. Denn er ist von dem Heiligen Geist empfangen, und Gott hat die Seele und den Leib der Jungfrau Maria voll Heiligen Geistes gegossen, daß sie ohne alle Sünde gewesen ist, als sie den Herrn Jesus empfangen und getragen hat. Außer denselben ist alles natürlich an ihm gewesen, wie an anderen Menschen: daß er gegessen, getrunken, ihn gehungert, gedürstet, gefroren hat, wie andere Menschen. Solche und dergleichen natürliche Gebrechen, welche der Sünden wegen auf uns geerbt sind, hat er, der ohne Sünde war, getragen und gehabt, wie wir, wie Paulus sagt:. Er sei erfunden in allem ein Mensch wie wir, der gegessen, getrunken, fröhlich und traurig gewesen ist.

 

 

 

10. Das heißt ja sich tief demütigen und herunter lassen. Denn er hätte es wohl machen können, daß er ein Mensch geworden, wie er jetzt im Himmel ist, daß er Fleisch und Blut hat wie wir; aber nicht, was wir tun. Solches hätte er wohl von Anfang an tun können; aber er hat es nicht tun wollen, auf das er uns anzeigt, was für eine Liebe er zu uns hat, daß wir uns darüber freuen, trösten und rühmen können, daß wir einen Bruder im Himmel haben, diesen sollen wir mögen, ja, sollen ihnen annehmen. Denn ein unseliger Mensch ist der, der ihn nicht annimmt, noch diese Freude in seinem Herzen fühlt.

 

 

 

11. So ist nun die Ursache, daß diese Geschichte jährlich gepredigt wird, auf das ein jegliches junges Herz sich solches vorhalte, und Gott dafür danke und spreche:. Es hat keine Not mit mir; denn ich habe einen Bruder, der geworden ist wie ich bin. Warum er nun also geworden sei und was er dadurch habe ausrichten wollen, sage ich noch nicht. Denn darum ists geschehen, daß er uns errette von der Sünde und ewigen Tod. Aber ich will jetzt allein sagen von der Ehre des ganzen menschlichen Geschlechts, der wir uns mit der Wahrheit rühmen und fröhlich darüber sein sollen, daß der Sohn Gottes Mensch geworden ist. Solcher Ehre können sich alle Menschen rühmen. Die Christen aber haben danach ein Höheres, daß sie solcher Ehre auch in Ewigkeit genießen sollen. Dies Stück sollen wir aufs erste von dieser Geschichte merken.

 

 

 

12. Zum anderen dient dies treffliche hohe Beispiel uns auch dazu:. Weil Christus, der Sohn Gottes, sich so demütigt, und alle seine Ehre an das arme Fleisch gewandt, und die göttliche Majestät, davor die Engel zittern, sich so herunter gelassen hat, geht daher wie ein armer Bettler; oben im Himmel beten ihn die Engel an, hier unten auf Erden dient er uns und legt sich in unseren Schlamm: weil nun, sage ich, der Sohn Gottes solches getan hat, so sollen wir auch lernen, ihm zu Lob und Ehren, gern demütig sein, und seinem Wort nach unser Kreuz auf uns nehmen, allerlei Trübsal leiden und ihm also folgen. Denn was kann es uns schaden, oder warum wollten wir uns des Leidens schämen? Weil unser lieber Herr gelitten hat Frost, Hunger und Kummer. Sonderlich aber ging es elendig und armselig zu, wie gesagt, da er auf Erden kam und geboren ward. Da weder Gefäß noch Stube, weder Kissen, Windel noch Bettlergewand; er mußte in einer Krippe liegen, vor den Kühen und Ochsen. So denn nun dein lieber Bruder, der König Himmels und der Erden und aller Kreatur, so elend sich daher legt; spuck du dich mal an, warum wolltest du so herrlich sein und nichts leiden? Wer bist du denn? Ist es nicht wahr, du bist ein armer Sünder, der du nicht wert bist, daß du auf einem Brette liegen solltest. Liegst aber auf einem weichem Bette; aber dein Herr auf hartem Stroh und in einer Krippe.

 

 

 

13. Ist dies nicht ein verdrießlicher Handel? Wir sehen hier, in was für einer Demut und Armut unser Herr Jesus liegt um unseretwillen; und wir wollen Könige sein, frei ausgehen und nichts leiden. Das will sich wohl übel reimen, wenn der Herr in solchem Elend und Armut, uns zu gut, geboren wird, dazu für uns am Kreuz stirbt; und wir faulen Narren wollten immerfort in guter Ruhe und Friede sitzen! Nein, daß reimt sich nicht:. " Der Jünger ist nicht über seinen Meister, noch der Knecht über den Herrn ", spricht Christus.

 

 

 

14. Darum sollen wir wohl lernen und mit Ernst bedenken, erstlich, zu was für Ehren wir gekommen in dem, daß Christus Mensch geworden ist. Denn es ist eine solche Ehre, daß wenn einer ein Engel wäre, wünschen möchte, daß er ein Mensch wäre, daß er auch sich rühmen möchte:. Mein Fleisch und Blut sitzt über allen Engeln. Darum sollten wir Menschen uns ja billig für selig halten. Gott gebe, daß wir es verstehen, zu Herzen nehmen und Gott dafür dankbar sind. Zum anderen sollen wir das Beispiel von Christus fleißig ansehen, was er, der ein Herr ist über alle Herren, in seiner ersten Zukunft uns armen Menschen bewiesen, und um unseretwillen gelitten hat. Solches würde uns bewegen und treiben, daß wir von Herzen auch anderen Leuten gerne helfen und dienen, ob es uns auch gleich sauer würde, und wir etwas darüber leiden müßten. Dazu helfe uns Gott mit seinem Heiligen Geist, durch unseren lieben Herrn Jesu Christum, Amen.

 

 

 

 

 




 

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Juleaften - 2. prædiken

 

 

 

Lukas 2, 10-12

 

 

 

 

 

 

 

1. Wir haben zuvor die Geschichte gehört, wie Jesus Christus, Gottes Sohn, in diese Welt geboren ist und was wir daraus lernen sollen. Als nun solches zu Bethlehem geschehen, meldet der Evangelist, wie ein Engel vom Himmel zu einigen Hirten, die nahe dabei auf dem Felde bei ihren Herden waren, mit einem herrlichen, großen Licht kommen und von solcher Geburt den Hirten mit diesen Worten gepredigt habe:

 

 

 

Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allem Volk widerfahren wird. Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt David. Und das habt zum Zeichen:. Ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt, und in einer Krippe liegen.

 

 

 

2. Das ist die erste Predigt von diesem geborenen Kindlein, unseren Herrn Jesu, welche von den Engeln vom Himmel zu uns auf Erden gebracht worden ist. Deswegen sie wohl wert ist, daß wir es mit Fleiß lernen, und uns ja davor hüten, daß wir nicht denken, wir könnten es auslernen. Denn ob man es gleich alle Jahre, ja, alle Tage predigt, so werden wir es doch hier auf Erden nicht zu Ende lernen können.

 

 

 

3. Es ist aber diese Engelpredigt sehr nötig gewesen: denn wenn Christus zwanzigmal geboren wäre, so wäre es doch vergebens gewesen, wenn wir nichts davon wüßten. Denn was ist es, daß einer einen Schatz im Hause oder Keller hat, da er nichts von weiß? Dieser Schatz wird ihm wenig Freude machen. Wie das Sprichwort heißt: ein verborgener Schatz ist ein unnützer Schatz, weil man über ihn hinläuft, wie über den Dreck auf der Gasse, den man nicht achtet. Also ist es hier mit dieser heiligen, freudenreichen Geburt auch. Wenn die lieben Engeln nicht davon gepredigt und solchen Schatz den Leuten nicht geoffenbart hätten, hätte niemand diesen Schatz begehren, viel weniger genießen, niemand wäre darüber froh geworden. Ursache, was einer nicht weiß, daß ficht ihn nicht an; es gibt wieder Lust noch Unlust, sondern ist, als wäre es nie gewesen oder sollte es nimmermehr etwas werden.

 

 

 

4. Darum ist dies der vornehmsten Stücke eins in dem heutigen Evangelium, daß der Engel mit seiner Predigt diese Geburt offenbart und zeigt uns diesen Schatz; daß wir nicht so vorüber gehen, den Schatz haben, und dennoch nichts davon wissen, uns weder darüber freuen noch trösten, und spricht:. " Dich verkündige euch große Freude ".

 

 

 

5. Diese Worte sind sehr wohl gesetzt. Die Hirten sind über dem großen Licht und Glanz, als über einem ungewöhnlichen Ding, sehr erschrocken, daß Himmel und Erde in einem Augenblick die Nacht so hell als der Tag geworden ist. Solches sieht der Engel, spricht deswegen fröhlich an, und sagt:. " Fürchtet euch nicht ". Als sollte er sprechen:. Wir habt kein Ursache, daß ihr euch fürchten sollt; daß ihr euch aber fürchtet, ist ein gewisses Zeichen, daß ihr von dem edlen, teuren Schatz noch nichts wisset, den euch Gott geschenkt hat; sonst würdet ihr euch nicht fürchten, ja, ihr würdet euch von Herzen freuen und guter Dinge sein. Denn eben darum bin ich gekommen, daß ich euch eine große Freude verkündigen soll, ein großes Werk und Wunderzeichen, welches, so ihr es recht in euer Herz bilden werdet, so werdet ihr guter Dinge darüber sein und eine große, überschwengliche Freude haben.

 

 

 

6. Daß es also den Engeln vornehmlich darum zu tun ist, daß er gern eine solche Predigt tun wollte, die da haften bleibt und nicht umsonst wäre, sondern ausrichtet, was sie soll. Darum sagt er nicht von einer schlechten, sondern von einer großen Freude und nötigen Sache.

 

 

 

7. Und das darum: denn der Teufel hat durch die Sünde uns Menschen sehr herunter geworfen, und einen schrecklichen Jammer angerichtet, daß wir nicht allein in der Erbsünde stecken und den ewigen Tod auf uns haben, sondern noch täglich in der Welt allerlei Unglück von ihm erwarten müssen; also, daß niemand einen Augenblick sicher ist, weder des Leibes noch des Gutes wegen, welches alles in einer Gefahr schwebet. Über solchen Jammer ist noch ein größerer, wie im Evangelium geschrieben ist, daß der Teufel in die Leute fährt, macht sie toll und töricht, daß man mit Wahrheit sagen kann, ein solcher Mensch sei nichts, denn ein stinkendes heimliches Gefäß des Teufels. So schändlich hat er durch die Sünde uns Menschen zunichte gemacht, daß wir hier auf Erden nicht einen Bissen Brot können mächtig sein, müssen danach recht auch Gottes Zorn und ewigen Tod tragen. Das lasse ein schrecklich, jämmerlich und greulich Teufelsreich sein.

 

 

 

8. Dennoch, wenn wir es recht bedenken und beides gegeneinander abwägen, so ist solcher Jammer, welchen wir vom Teufel haben, keineswegs der Herrlichkeit und diesem trefflichen Schatz und Freude zu vergleichen, da der Engeln hier von predigt, und sagt:. " Fürchtet euch nicht, ich verkündige euch große Freude, euch ist der Heiland geboren ". Mit solcher Predigt wollte der Engel gern unseren Herzen abwenden von allem solchen Teufelsjammer auf dies Kindlein; und meint, der hätte alsdann ein Werk eines christlichen Predigers ausgerichtet, wenn er uns dahin bringen könnte, daß wir diesen Heiland recht ansehen und als unser Fleisch und Blut erkennen lernten. Und es ist gewiß wahr: wenn es sein sollte oder könnte, daß dies fröhliche Bild in eines Menschen Herz recht ginge, so würde dieser Schatz allen gering sein, welchen wir vom Teufel haben, ob es gleich ein großer und ewiger Schade sei.

 

 

 

9. Wer nun den Teufel überwinden, sein Gift und Zorn verlachen und vor ihm sicher sein will; der muß es allein mit diesem süßen Anblick und Trost tun, wovon der Engel hier predigt und sagt:. Euch ist der Heiland geboren. Wenn dieser Blick recht in das Herz fällt, so ist die Sache schon gewonnen. Denn da denkt der Mensch also:. Der Teufel hat mich und alle Menschen geschändet und erwürgt, in Gottes Zorn und ewiges Urteil geworfen: aber so groß ist dieser Schade nicht; der Schatz, welchen mir Gott gegeben hat, ist noch größer, nämlich, daß Gott, mein Herr, nicht das menschliche Geschlecht besitzt, wie der Teufel pflegt die Menschen zu besitzen; sondern er selbst wird wahrer Mensch, daß also aus Gott und menschlicher Natur eine Person wird. So nahe kann der Teufel einem Menschen nicht kommen. Denn ob er gleich einen Menschen besitzt, so bleibt doch der Mensch Mensch, der Teufel Teufel, und so sind zwei unterschiedliche Personen und Naturen. Dagegen ist nun der Sohn Gottes Mensch geworden, daß ich mit der Wahrheit sagen kann:. Dieser Mensch ist Gott, und Gott ist Mensch.

 

 

 

10. Deswegen hat sich unser lieber gnädiger Gott im Himmel viel näher zu uns getan und ist viel tiefer in unser Fleisch gekommen, denn als der Teufel hineinkommen kann. Der mag einen Menschen besitzen und martern, aber er kann nicht ein persönlicher Mensch werden, die Naturen bleiben immer geschieden, nicht allein nach dem Wesen, sondern auch in der Personen. Solches aber ist hier eins, der Sohn Gottes ist unser Fleisch um Blut, von Maria, der Jungfrau, geboren, natürlicher Weise, wie ich und du, ausgenommen, daß er ohne männlichen Samen vom Heiligen Geist empfangen, und das Gift des leidigen Teufels nicht mit hat angenommen, sondern hat ein ganz und gar rein unschuldig Fleisch und Blut. Außer diesem einigen Stück, daß unser Fleisch und Blut unrein und sündig ist, ist er ein Mensch wie ich und du, er hat essen müssen, trinken, schlafen, aufwachen, wie andere Menschen von Natur aus tun müssen, wie Paulus sagt:. " Der ist erfunden wie ein Mensch "; das wer ihm gehört oder gesehen, hat müssen sagen:. Das ist ein wahrhaftiger natürlicher Mensch, kein Gespenst. Denn er hat alle Art dieses Lebens an sich.

 

 

 

11. Das ist die Freude, da der Engel von sagt. Ich rede aber jetzt nur allein von der Ehre, der wir uns freuen sollen, noch nicht von der Frucht, von welcher man predigt, wenn man von seinem Leiden und Auferstehen predigt. Jetzt sagen wir allein von der Ehre, daß Gott uns so nahe geworden ist, daß er unser Fleisch und Blut, und ein persönlicher Mensch ist, wie ich und du sind, allein das ausgenommen, daß er ohne alle Sünde ist. Mit dieser unaussprechlichen Ehre hat er das menschliche Geschlecht geziert. Das wollte der Engel den Leuten gern einbilden und spricht: . " Ich verkündige euch große Freude, die allem Volk wiederfahren wird ".

 

 

 

12. Der ist fröhlich und guter Dinge darüber, brennt und springt vor lauter Freude, schämt sich der armen Hirten nicht, daß er ihnen predigen soll, sondern ist guter Dinge darüber, und wollte gern, daß jedermann solches zu Herzen ginge, wie ihm, und alle Menschen solche große Ehre erkennen lernten, daß die menschliche Natur zu der Herrlichkeit gekommen ist, daß der Sohn Gottes, durch welchen alles erschaffen ist, die hohe Majestät, unser Fleisch und Blut geworden ist.

 

 

 

13. Denn da wäre nicht wunder, wenn wir gleich sonst nichts davon hätten, daß wir Menschen unter einander uns so lieb gewinnen sollten, daß eines das andere vor Liebe, wie man sagt, fressen sollte. Ich rede aber noch nicht von dem Nutzen und Brauch, sondern allein von der Ehre. Wenn dieselbe uns recht zu Herzen ginge, da sollten wir nie einem Menschen feind sein können. Ursache, wer wollte doch dem Bild feind sein oder Böses tun, das Leib und Seele hat, wie mein und dein Gott? Sollten wir nun nicht um solcher Ehre willen, die Gott uns bewiesen hat, alle Menschen auch lieben und ihnen alles Gute tun?

 

 

 

14. Die Engel sind eine viel herrlichere Kreatur denn wir Menschen; das hat Gott nicht angesehen. Gott ist nicht ein Engel geworden. Dazu sind die Engel auch unschuldige und heilige Geister, die nicht gefallen sind, wie die anderen Engel und wir armen Menschen. Da läßt es sich ansehen, als wäre es billiger gewesen, daß Gott ein Engel sollte geworden sein. So fährt er zu, nimmt die geringe, arme Kreatur an, die in Sünden steckt, in des Teufels Reich und unter des Todes Gewalt ist, die der Teufel auf das äußerste plagt und schändet. Das heißt ja tief sich zu uns herunter gebeugt. Sollte denn uns solches nicht erweichen, daß wir mit aller Brunst unter einander uns lieb hätten, alle Freundschaft und Dienst unter einander beweisen, nicht so unter einander verachten, neideten?

 

 

 

15. Etliche Väter, meinen, der Teufel, der im Himmel gesehen habe, daß der Sohn Gottes soll Mensch werden, habe er aus solcher Ursache einen Neid gegen die Menschen und einen Haß gegen Gott bekommen, daß er nicht mehr ein Engel sein wollte sondern ein Mensch hat werden wollen, sei also aus Hoffart und Neid herunter gefallen. Solches mag wohl ein Gedanke unter wahr sein. Es habe aber dennoch die lieben Väter die große Freude und Ehre damit anzeigen wollen, welches uns in dem wiederfahren ist, daß Gott ist ein Mensch geworden, eben das arme Fleisch und Blut an sich genommen hat, daß wir arme Menschen haben, welche vom Teufel besessen und dem Tod der Sünde wegen übergeben waren.

 

 

 

16. Was für unselige Leute müssen diese sein, die von solcher Ehre nichts wissen? Die aber sind viel unseliger, die solches von den Engeln, Aposteln, oder anderen Predigern hören, daß Gott die menschliche Natur so gnädig heimsucht, an sich genommen und über alle Kreatur zum Herren gemacht habe, und haben dennoch keine Freude daran. Ja, unselige Leute müssen es gewiß sein, die solches nicht fühlen, nicht Trost und Freude davon haben.

 

 

 

17. Wenn unter vielen Brüdern einer zum großen Herren wird, wie froh werden die anderen Brüder? Wie können sie sich so hoch trösten? Wie man an Josef seinen Brüdern im ersten Buch Mose sieht, da er sich ihnen zu erkennen gibt. Und ist wahr, solches ist eine natürliche Freude. Wie kommt es aber, daß wir uns dieser unaussprechlichen Ehre und Herrlichkeit nicht auch freuen, daß sie uns nicht zu Herzen gehen will, wir Gott nicht darum loben und danken, daß mein Gott mein Fleisch und Blut geworden, und jetzt droben sitzt zur rechten Hand Gottes, ein Herr über alle Kreatur?

 

 

 

18. Der solches recht in sein Herz fassen könnte, der sollte ja um des Fleisches und Blutes willen, daß droben zur rechten Gottes ist, alles Fleisch und Blut hier auf Erden lieb haben, und keinem Menschen mehr zürnen können. Das also die zarte Menschheit Christi, unseres Gottes, mit einem Anblick alle Herzen billig fröhlich und freundlich machen sollte, es und mit Freude so erfüllen, daß nie mehr ein zorniger Gedanke da sein möchte also, wer in seinem Herzen dies Bild wohl gefaßt hätte, daß Gottes Sohn ist Mensch geworden, der sollte sich nie vom Herrn Christus etwas Böses, sondern nur etwas Gutes erhoffen. Denn ich weiß ja wohl, daß ich nicht gern mit mir selbst zürne, noch mir Arges begehre zu tun. Aber ist Christus eben der, der ich bin, ist auch ein Mensch; wie kann er es denn mit sich selbst, das ist, mit uns, die wir sein Fleisch Blut sind, übel meinen? Also würde solches Bild, wo es recht im Herzen wäre, in einem Augenblick alle greulichen Beispiele des Zornes Gottes verschmelzen, als da ist, die Sintflut, die Strafe von Sodom und Gomorra. Solches alles müßte in dem einigen Bild verschwinden, wenn wir denken an diesen einigen Menschen, der Gott ist, und die arme menschliche Natur so geehrt hat, daß er ist ein Mensch geworden.

 

 

 

19. Sind aber das nicht unselige Leute, wie gesagt, die solches hören, und achten es dennoch nicht, sondern lassen solchen Schatz liegen, denken nur, wie sie den Kasten mit Geld füllen, schöner Häuser bauen und große Pracht führen mögen? Solches kommt daher, daß der leidige Teufel die Herzen blendet, daß sie gar keinen Blick von solcher Freude, da der Engel hiervon predigt, sehen können.

 

 

 

20. Dies ist nun ein Stück, daß uns bewegen sollte zu großer Freude und seliger Hoffart, daß wir also geehrt sind über alle Kreatur, auch über die Engel, daß wir nun können mit der Wahrheit rühmen:. Mein Fleisch, mein Blut sitzt zur rechten Gottes und regiert über alles. Solche Ehre hat keine Kreatur, kein Engel nicht, es sie mein Fleisch und Blut aber hat es. Das sollte doch wohl allein schon ein Backofen sein, wo unser Herz drin schmelzen, und eine solche Brunst unter uns Menschen anrichtete, daß wir von Herzen einander liebten. Aber da hat, wie gesagt, der leidige Teufel sein Gespenst, daß wir es in der Kirche hören, danach nicht weiter daran denken, sondern bald vergessen. Das verdirbt uns diese Freude mit anderen Sorgen, auf das wir dies Bild nicht in unser Herz einschließen, wie wir sollten. Wenn wir nun nicht mehr denn diese Ehre hätten, so sollten wir vor Freuden springen und tanzen.

 

 

 

21. Nun aber über diese natürliche Ehre und Freude ist noch dies dabei, daß er, der Mensch Jesus, auch unser Heiland sein will. Das ist aller erst daß Rechte Stück und größte Ursache, daß wir sollen fröhlich sein. Daher sind es unselige Leute, die davon nicht hören noch wissen. Aber wie zuvor gesagt, viel unseliger sind die, die es hören und wissen, und doch nicht achten. Denn diese Worte sollten Himmel und Erde zerschmelzen, und uns aus dem Tode eitel Zucker, und aus allem Unglück, welches doch unzählig ist, eitel köstliche Perlen machen. Denn welcher Mensch ist, der dieses alles ausdenken kann, daß uns ein Heiland geboren ist? Solchen Schatz gibt der Engel nicht allein seiner Mutter, der Jungfrau Maria, sondern uns Menschen allen. " Euch, euch ", spricht er, " ist der Heiland geboren, welcher ist Christus, der Herr ".

 

 

 

22. Der Engeln redet mit den Hirten; die waren Juden und kannten daß Wort " Christus " in ihrer Sprache sehr wohl, daß es heiße einen König und Herrn. Aber da irrte der meiste Teil der Juden, daß sie dachten, er würde ein Herr und Heiland im leiblichen Regiment sein. Das war die Meinung nicht. Der Engel sieht auf ein Höheres, da er spricht:. " Euch ist der Heiland geboren "; als wollte er sagen:. Ihr seid bisher des Teufels Gefangene gewesen, der hat euch geplagt mit Wasser, Feuer, Pest, Schwert, und wer kann die Unglücke alle erzählen? Da liegt ihr armen Menschen unter seiner Tyrannei. Die Seele verführt er mit Lügen, das ist unzählig mehr schädlicher, denn alle Pestilenz dem Leib sein kann. So hat der arme, dürftige, schwache Leib auch keine Ruhe vor ihm. Wenn er nun Seele und Leib so geplagt hat, so steckt noch der ewige Tod dahinter. Euch nun, spricht der Engel, euch, die ihr mit Seele und Leib unter solchem schädlichen, bösen, giftigen Geist, der der Welt Fürst und Gott ist, gefangen liegt, ist der Heiland geboren.

 

 

 

23. Das Wörtlein "euch" sollte uns ja fröhlich machen. Denn mit wem redet er? Mit Holz oder Steinen? Nein, sondern mit Menschen, und nicht mit einem oder zwei allein, sondern mit allem Volk. Was wollen wir nun daraus machen? Wollen wir auch weiter zweifeln an der Gnade Gottes und sprechen:. Über den Heiland mag sich wohl St. Peter und St. Paul freuen; ich darf es nicht tun, ich bin ein armer Sünder, dieser edle, teure Schatz geht mich nicht an? Lieber, wenn du es so willst sagen:. Er ist nicht mein; wessen ist der dann? Ist der um der Gänse, Enten oder Kühe willen gekommen? Denn du mußt hier sehen, wer er sei. Hätte er wollen eine anderen Kreatur helfen, so wäre er dieselbe Kreatur geworden. Aber ist allein eines Menschen Sohn geworden.

 

 

 

24. Nun, wer bist du? Wer bin ich? Sind wir nicht Menschen? Ja. Wer soll sich denn dieses Kindleins annehmen, eben die Menschen? Die Engel dürfen nicht, die Teufel wollen sein nicht. Wir aber dürfen sein, unseretwillen ist er Mensch geworden. Deswegen gebührt es uns Menschen, daß wir mit Freuden uns seiner annehmen, wie der Engel hier sagt:. " Euch ist der Heiland geboren ". Um kurz davor:. " Ich verkündige euch große Freude, welche allem Volk widerfahren wird ". Ist es nicht ein großes, herrliches Ding, daß ein Engel von Himmel solche Botschaft den Menschen bringt? Und danach so viel tausend Engel so fröhlich darüber sind, wünschen und predigen, daß wir Menschen auch sollen fröhlich sein und solche Gnade mit Dank annehmen, wie wir hören werden.

 

 

 

25. Darum ist es ein trefflich, teures Wort, daß wir hier hören:. "Euch ist der Heiland geboren ". Als wollte der Engel sagen:. Diese Geburt ist nicht mein, darf mich ihrer nicht annehmen, ohne daß ich es euch von Herzen gerne gönne. Aber euer ists, die ihr arme, verdorbene und verlorene Menschen seid. Diesen ist er ein Heiland geworden. Darum nehmet ihn an, ihr bedürfet solchen Heiland, so euch von Sünden und Tod sollte geholfen werden. Jenes, davon zuvor gemeldet ist, ist an sich selbst ein herrlich, großes Ding, daß Gott ist ein Mensch geworden. Aber dies ist weit darüber, daß er soll unser geistlicher und ewiger Heiland sein. Wer solches recht fühlt und glaubt, der würde davon zu sagen wissen, was eine rechte Freude wäre, ja, sollten nicht lange vor großer Freude leben können. Aber, wie am Anfang gesagt, wir werden diese Predigt hier auf Erden nicht völlig fassen, noch auslernen können. Dies Leben ist zu eng, so sind unsere Herzen zu schwach dazu. Sonst wenn es möglich wäre, daß es ein Herz recht annehmen könnte, müßte es vor Freude zerspringen, würde auch nimmermehr keinen traurigen Gedanken fühlen.

 

 

 

26. Es sollte, wenn wir glaubten, und zum wenigsten diese Frucht daraus folgen, daß wir freundlich unter einander leben würden, aufhörten mit Lügen und Trügen und allerlei Unrat, um des Bildes willen, daß Gott selbst ist ein Mensch geworden. Aber da sieht man, wie schwach es mit uns fortgeht, daß diese Freuden nicht recht ins Herz will, und wir beide, der Predigt des lieben Engels und des Heilands, vergessen, und der meiste Teil der Menschen dem alten Geiz und anderen nachgehen. Welches ein gewisses Zeichen ist, daß wir solche Predigt nicht fest, oder ja schwach glauben, sonst würden wir fröhlich sein, uns nicht bekümmern, wenn wir glaubten, daß wir einen solchen Heiland hätten. Wie sollte wohl ein Mensch sich freuen wenn die Glocken bei seinem Sterben läuten, wenn er eine gewisse Arznei gegen diesen Tod hätte! Solche Freude würde man fühlen, daß sie von Herzen ginge. Aber hier, der wir eine gewisse Versicherung gegen Sünde und den ewigen Tod haben, freut sich niemand, oder nur wenige. Der meiste Haufe sucht eine andere Freude, daß er hier Friede, Ruhe und gutes Leben habe, und ist sich doch keines Augenblicks hier sicher. Das ist ein Zeichen, daß wir diese freudenreichen Predigt, gleich als im Schlaf, hören, bleiben heillose Leute, die den Schatz vor Augen haben und achten sein doch nicht.

 

 

 

27. Wer nun also geschickt ist, daß er solches hört und keine Freude davon empfindet, der mag sich wohl für einen unseligen Menschen achten. Denn was will doch ein Herz fröhlich machen, wenn es sich dessen nicht freuen, davon der Engel hier sagt:. " Euch ist der Heiland geboren "? Wer sich nun dieser Predigt nicht bessern und frömmer werden will, wem dieser Schatz nicht schmecken und dies Feuer das Herz nicht erwärmen will, den mag der Henker frömmer machen, sonst ist ihm nicht zu helfen. Darum so lerne es für ein böses Zeichen zur achten, wo du dich dermaßen so kalt und erstarst befindest, und bitte ja Gott von Herzen um seine Gnade, daß er durch seinen Heiligen Geist dir dein Herz ändern und helfen wolle.

 

 

 

28. Daß der Engel aber weiter meldet, er sei geboren, dieser Heiland, in der Stadt David, und nennt ihn Christum, den Herrn: mit den Worten weist er uns in die Schrift. Denn also war durch den Propheten Micha zuvor geweissagt, er sollte zu Bethlehem geboren werden.

 

 

 

29. Besonders aber heißt der Engel das Kindlein Jesum einen Herrn. Solches sollen wir nicht verstehen, als würde er ein weltlicher König sein, der sich als ein Tyrann erzeigen würde und mit der Keule dazwischen schlagen. Nein, sondern wie Gott zu Adam spricht:. " Des Weibes Same soll der Schlange den Kopf zertreten "; und des Teufels Feind, aber unser Herr und Erlöser sein wolle, der mich und dich für das Seine ansprechen und als die Seinen vom Teufel abfordern wolle, und ihn sagen:. Gib mir diesen her, den du gefangen hälst; er ist sich dein, sondern mein eigen Geschöpf, den ich nicht allein erschaffen, sondern auch mit meinem Leib und Blut erkauft habe; darum lasse ihn fahren und gib ihn mir wieder, denn er steht mir zu. Das also Christus ein tröstlicher Herr sei, der dem Teufel in das Regiment mit Gewalt greife, und das Seine zu sich nähme; der ihm unter die Augen trete und sagen:. Du verfluchter Geist hast sie geführt in die Sünde und Tod, du betrügst und belügst sie, und sind doch nicht dein; ich bin der Herr, dem es nicht allein von Natur, sondern auch von Rechts wegen gebührt, und dir nicht, daß ich über die Menschen regieren soll, denn sie sind mein verdientes Gut.

 

 

 

30. Ja, sprichst du, hat doch der Sohn Gottes die Engel nicht erlöst, wie kann man denn das Wörtlein Herr also deuten? Antwort:. Gegen uns hat solches Wörtlein keinen anderen Verstand, und ist recht also gedeutet. Aber weil der Engel einfach hin redet, und dem Kindlein Jesus einen so hohen Titel gibt, und Herr nennt, so ist es eine gewisse Anzeigung, daß dies Kindlein, von Maria der Jungfrau leiblich geboren, natürlicher, wahrer, ewiger Gott sei, sonst würde der Engel ihn bestimmt nicht Herr heißen.

 

 

 

31. Unser Heiland ist er, und der Engel nicht, wieder Engel hier klar sagt:. " Euch ist der Heiland geboren ". Aber ist nicht allein unser Herr, sondern auch der Engel Herr; die sind nun mit uns und wir mit ihnen dieses Herrn Hausgesinde, zählen sich unter diesen Herrn zugleich mit uns, daß wir Menschen, die wir zuvor des Teufels Knechte waren, durch dies Kindlein zu solchen Ehren kommen, daß wir nun in der Bürgschaft der lieben Engeln angenommen sind. Die sind jetzt unsere besten Freunde, daß wir uns mögen rühmen um dieses Kindleins willen, daß wir mit den Engeln und sie mit uns einen einigen Herrn haben, einerlei Hausgesinde miteinander sind.

 

 

 

32. Die lieben Engel sollten billig hoffärtig sein, daß sie viel edler sind denn wir Menschen: erstens ihrer Natur und Wesens wegen, danach auch, daß sie ohne Sünde sind. Aber da spürt man keine Hoffart, sie verachten uns Menschen um unseres Jammers willen nicht, unser Sterben, Sünde und Not ist ihnen von Herzen leid. Darum haben sie auch so eine herzlichen Freude über die Hilfe, so uns durch dies Kindlein widerfährt, gönnen uns die Seligkeit wohl, als sich selbst, daß wir das Kindlein zu eigen bekommen, welches ihr Herr ist, und zu hohen Ehren bringt, daß wir ihre Mitgenossen sein sollen. Sie sagen nicht:. Ich mag die Sünder nicht, die stinkenden Toten, die im Grabe liegen, die Hurer, die Buben. Nein, so sagen sie nicht, sondern sind von Herzen fröhlich darüber, daß sie solche Sünder zu Frieden kriegen, und loben Gott darum, daß wir von der Sünden los werden, und zu ihnen in ein Haus und unter einen Herrn gekommen sind. Um solcher Gnade willen danken und preisen sie Gott, deren sie doch nicht genießen.

 

 

 

33. Wie viel mehr will sichs nun gebühren, daß wir auch Gott dafür danken und loben, und unter einander auch lieben und Dienst beweisen, wie der Sohn Gottes uns bewiesen hat, der unser Fleisch und nächster Freund geworden ist. Wer aber solches nicht achten, den Nächsten nicht auch so lieben und ihm helfen will, dem ist, wie ich oben gesagt habe, nicht zu helfen.

 

 

 

34. Das ist die erste Predigt nach Christi Geburt von diesen Kindlein, die geht nun durch die Welt durch und durch, bis an der Welt Ende. Darum sollt ihr fleißig merken; denn hier steht, wie die lieben Engel unsere Freunde geworden, und mit der fröhlichen Botschaft zu uns gekommen sind, und gesagt:. Wir sollen uns nun nicht mehr fürchten, weil das Kindlein uns geboren ist und unser Heiland sein will. Dies ist der rechte, höchste und beste Trost, da man Gottes Gnade und Barmherzigkeit ganz gewiß dran prüfen kann, daß Gott, der allmächtige, ewige Vater, sich über uns erbarmt, und uns seinen Sohn gegeben hat auf eine so freundlicher Weise, durch ein zartes, keines, junges Jungfräulein, den legt er in ihren Schoß hinein, und läßt uns predigen:. Er sei unser Heiland; was uns mangelt, daß sollen wir an ihm finden; er wolle unsere Hilfe und Trost sein, daß von nun an zwischen Gott und uns aller Zorn aufgehoben und nur lauter liebe und Freundlichkeit sein soll.

 

 

 

35. Da denke du nun, ob Gott denen unrecht tue, wenn er sie gleich ewig verdammt, die solches hören und sich doch solches nicht annehmen, wie die blinden verstockten Katholiken tun, die sich an diesem Heiland nicht genug sein lassen, suchen sich andere Heilande, darauf sie sich verlassen. Des Engels Predigt lautet anders, nämlich, daß dies Kindlein allein unser Heiland sei, an dem wir allein allen Trost und Freude haben sollen, als an dem höchsten Schatz; wo der ist, da sehen alle Engel und Gott selber hin.

 

 

 

36. Solchen Schatz aber legt er nicht allein der Mutter in den Schoß, sondern mir und dir, und sagt:. Er soll dein eigen sein, sollst sein genießen, und alles, was er hat, im Himmel und auf Erden, daß soll dein sein. Wer nun solches hört, doch keine Freude davon hat, oder diesen Heiland fahren läßt und sucht einen anderen, der ist wert, daß ihn der Donner neun Ellen unter die Erde schlage. Deswegen sollen wir Gott um seine Gnade danken und bitten, daß er diese Engelpredigt selbst in unsere Herzen reden und schreiben wolle, auf das wir uns dieses Heilandes recht trösten und durch ihn Tod und Teufel überwinden mögen. Das helfe uns unser lieber Herr und Heiland Christus, Amen.

 

 

 

 

 




 

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2. juledag

 

 

 

Lukas 2, 15-20

 

 

 

 

 

 

 

1. Bisher haben wir von diesem Fest gehört, erstlich die Geschichte, wie der Sohn Gottes Mensch geworden und von der Jungfrau Maria in diese armselige Welt geboren sei; welcher darum geschrieben und jährlich in der Christenheit gepredigt wird, auf das wir dieselbe wohl zur Herzen fassen, und Gott für solche Gnade und herrliche Wohltaten von Herzen lernen danken, die er uns durch solche Geburt seine Sohnes erzeigt hat.

 

 

 

2. Nach der Geschichte haben wir die himmlische Predigt des Engels gehört, durch welche solche Geburt den Hirten verkündigt worden ist, mit großer Klarheit auf dem Felde. Das ist auch etwas Neues, daß Gott die großen Herren zu Jerusalem sitzen läßt, und schickt so eine herrliche Botschaft vom Himmel herunter zu den armen Bettlern, den Hirten, auf das Feld. Das also der heilige Engel sich demütigt dem Beispiel seines Herrn Christi nach, und läßt sich gar nicht verschmähen, daß er den armen Hirten so eine schöne Predigt tun soll, die noch bleibt und bleiben muß unter den Christen, bis an der Welt Ende.

 

 

 

3. An solcher Geschichte lernen wir, wie die lieben Engel sehr feine Geister sind, da keine Hoffart innen ist. Deswegen alle die, so sich gelehrt, heilig und große Herren lassen heißen, billig dieses Beispiel wahrnehmen, und daran lernen sollten, daß sie ihrer Kunst, Weisheit, Gewalt und anderer Gaben sich auch nicht überheben, noch andere darum verachten. Denn so die Gaben zur Hoffart werden sollten, so hätten je die lieben Engel Ursache genug, daß sie solches getan und die armen Hirten verachtet hätten. Aber sie tun es nicht. Ob nun wohl die Hirten geringe, einfältige Leute sind, gleichwohl halten die Engel sich selbst nicht für so heilig und hoch, daß sie nicht sollten von Herzen willig und fröhlich sein, solche Botschaft ihnen anzusagen.

 

 

 

4. Also sollen wir auch tun, und in aller Demut unsere Gaben anderen zu Trost und Hilfe gern brauchen und niemanden verachten. Denn solches heißt dem Beispiel Christi gefolgt, wie wir in der ersten Predigt gehört haben. Der verachtet niemand; sondern gleich wie er vom Himmel herunter arm und elend in diese Welt gekommen ist, also will er auch arme, elende Leute um sich haben, die Hilfe suchen und bedürfen. Denn eben darum führt er auch den Namen, daß er ein Helfer oder Heiland heißt.

 

 

 

5. Solches Heilandes, lassen sich die großen Herren zu Jerusalem bedenken, sie bräuchten sein nicht. Die armen Hirten aber dürfen sein. Darum wird denselben solcher Schatz am ersten vom Engel in seiner kurzen Predigt, verkündigt, in welcher er uns dahin weiset, wie es alles darum zu tun sei, daß wir uns solches Heilandes freuen sollen, der uns von Sünde, Tod, Teufel und Hölle erlösen will. Denn also heißt diese Predigt:. " Fürchtet euch nicht. Euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr ".

 

 

 

6. Dies sind nicht Worte, die in eines Menschen Herzen gewachsen sind; denn auch die weisesten Leute auf Erden wissen davon nichts: sondern es sind engelische Worte, vom Himmel herab erschollen, welcher wir, Gott sei ewig Lob, auch sind teilhaftig geworden. Denn es ist eben so viel, du hörst oder liest heute diese Predigt, als hättest du sie vom Himmel selbst gehört. Denn die Hirten haben die Engel auch nicht gesehen; sie haben nur das Licht und den Glanz gesehen. Die Worte aber die der Engel haben sie gehört. Du hörst es noch in der Predigt, du liest es noch im Buch, wenn du nur willst die Augen und Ohren auftun, und solche Predigt lernen und recht brauchen.

 

 

 

7. Es gelingt aber solche Predigt weit anders, denn als Mose Predigt, die er von den Engeln auf dem Berg Sinai gehört hat. Denn hier ist es umgekehrt. Dort war es also getan, daß die Leute sich fürchten mußten, Leibes und Lebens nicht sicher waren vor dem Blitz und Donner und anderen greulichen Wesen. Hier aber predigen sie, die lieben Engel, man soll sich nicht fürchten, sondern guter Dinge sein, trotzig und hoffärtig werden, als man immer kann, um des Kindleins willen, daß unser Heiland ist, und von den Engeln hier mit einem sonderen Namen getauft und " Christus, der Herr " genannt wird.

 

 

 

8. Mit diesem Namen greifen sie in die Schrift, und fassen auf einen Haufen alle Propheten zusammen. Denn alles, was geschrieben ist, zielt dahin, daß man hoffen soll und warten auf den Mann, der da Christus heißt. Denn das Gesetz konnte wieder Sünde und Tod nicht helfen; eigene Werke und Frömmigkeit konnten auch nicht helfen. Solches war allein auf Christum gesetzt, der sollte es tun. Da sehen die Engel hin und predigen hier:. Dieser ist es, der es tun soll, an dem jedermann alles finden sollen, was zur Vergebung der Sünden und ewigem Leben gehört.

 

 

 

9. Das heißt hinweggeworfen allerlei Lehre und Religion, dadurch man die Menschen außerhalb von Christus zum ewigen Leben führen will. Denn so es dieser Christus sein soll, so wird es nicht seine Mutter Maria, kein anderer Heiliger, wo doch die Katholiken auf der Heiligen Fürbitte, auf Möncherei und anderes die Leute weisen.

 

 

 

10. Aber wie reimt sich dies mit der Engelpredigt? Ja, wie reimt es sich mit dem schönen Gesang:. Ein Kindlein so löblich? Da wird also unserem Herrn Christus zu Ehren, und zum Zetergeschrei über uns selbst, über den Papst und alle Werkheiligen singen:. Wär uns das Kindleins nicht geboren, so wären wir alle zumal verloren. Sind wir nun außer Christus alle zumal verloren, so muß ja der Mensch mit seiner Regel, mit seiner Kappe und Messe auch verloren sein. Denn wer alle nennt, schließt niemand aus. Sollen sie aber selig werden, so müssen sie nicht durch Mönchsorden, Fasten, beten selig werden, sondern allein durch Christum, der den Namen hier hat, und heißt ein Seligmacher oder Heiland.

 

 

 

11. Man hat diese Engelpredigt im Papsttum auch gehabt, man hat auch jedes Jahr in Deutschland dies schöne christliche Lied:. Kein Kindleins so löblich, überall gesungen, und singt es noch, aber niemand hat es verstanden. Ursache, es hat an treuen Predigern gefehlt. Wo nun der Predigtstuhl liegt und schnarcht, daß der die Worte nicht aufweckt und erklärt, so singt und liest man es zwar, aber ohne allen Verstand. Denn wir müssen bekennen, daß wir auch im Papsttum die Taufe, Sakrament, den Text des Evangelium, daß Vaterunser, den Glauben, die zehn Gebote gehabt haben, und noch heutigen Tages haben die Katholiken es wie wir, ausgenommen, daß sie das Abendmal des Herrn geändert und sein Testament verrückt haben. Aber solches alles schläft bei ihnen, sie haben es und wissen es nicht, was sie haben. Denn sie trösten sich nicht, wie sich Christen solches Schatzes trösten sollen; sondern gehen frei und sicher daher, denken nicht einmal, was die Taufe, Evangelium, Vater Unser und Glauben ist. Darum wissen sie auch nicht, was sie davon singen oder sagen.

 

 

 

12. Woran fehlt es denn? Daran, daß der Predigtstuhl gefallen ist, der den Leuten die Ohren auftun und das Wort aufwecken muß, daß sie verstehen, was sie hören, lesen oder singen. Der nun andere aufwecken soll, muß auch nicht schlafen, sondern wacker und munter sein, sonst kann ein schläfriger Prediger einen lustigen Zuhörer mit sich schläfrig machen. Wie ist es denn mit dem Papst gegangen. Der ist im Rosengarten und Paradies, das ist, in aller Ruhe und Fülle gesessen; darum hat er geschnarcht und geschlafen und diese herrliche Predigt fallen lassen, daß ob sie gleich davon singen und lesen wie wir, dennoch nichts davon wissen oder verstehen. Daß es also beides miteinander bei den Katholiken geht. Im Evangelium lesen sie, wie der Heiland geboren ist. In der Kirche singen sie:. Wär uns das Kindlein nicht geboren, so wären wir allzumal verloren, daß Heil ist unser aller. Gehen doch nichts desto weniger hin, rufen die Jungfrau Maria an, Fasten, feiern der Toten Heiligen Feste, bestellen und hören Messe. Das heißt ja andere Heilande machen, und dieses Lied und den Gesang verkehren, und anstatt dieses Heilands oder Kindleins die Jungfrau Maria und anderer Heilige, ja, wohl auch die armen und elenden Menschen Werke setzen.

 

 

 

13. Darum ist es hoch vonnöten, daß man Gott von Herzen bitte, daß er tapfere Prediger geben wolle, die solche Worte in uns aufwecken und erklären, daß wir es nicht allein hören und lesen, sondern auch verstehen. Wo aber solche Prediger nicht sind, da geht es zu wie bei den Katholiken, die das Evangelium, Taufe, Sakrament haben, verstehen aber nichts davon. Darum ist ihnen das Wort " Taufe ", " Sakrament " eben wie ein Schatz, den einer im Hause hat sein doch nicht nutzt, weil er ihm verborgen ist.

 

 

 

14. Des Engels Predigt ist klar und deutlich genug:. Euch ist der Heiland geboren. Aber wenn es noch so klar und deutlich wäre, ist es doch dem Papst und seinem Haufen unverständlich, sonst würden sie die Leute nicht heißen die Heiligen anrufen, Menschenwerk und Verdienst kaufen, und anderer Heilande suchen, sondern sie würden sich an diesem Heiland genügen lassen. Wo aber Gott einen wackeren und munteren Prediger gibt, der solche Worte bei den Zuhörern im Herzen recht aufwecken und erklären kann, der bringt aus dieser Engelpredigt die hohe Kunst, daß er allerlei andere falsche Lehre und Geister eigentlich richten und urteilen kann, und ist nicht möglich, daß der Teufel sich sollte so seltsam vertrehen, daß er ihn nicht fassen, kennen und mitten in sein Herz sehen soll, ob er gleich noch so verschlagen und arglistig ist. Daher rühmt Paulus 2. Korinther 2,11., und spricht:. " Uns ist nicht unbewußt, was der Satan im Sinn hat ".

 

 

 

15. Also auch wir dürfen nicht mehr zur Sache tun, denn daß wir allerlei Lehre, sie heiße jüdisch, türkisch, katholisch oder wie sie wolle, gegen des Engels Predigt halten, ob sichs auch mit ihr reimen oder leiden wolle. Das Papsttum hat über die Maßen viel Gepränge mit den Gottesdiensten, auch viel großer, köstlicher Werke. Aber wer sieht nicht, daß es alles Abgötterei ist, besonders weil sie solche Gottesdienste für ihren Heiland halten? Das ist, sie verlassen sich darauf, als hätte Gott einen Gefallen daran, und sie dadurch seine Gnade erlangen und ins Himmelreich kommen könnten; so doch hier vom Kind der Engel predigt, und sonst niemand, sei der Heiland. Deswegen können wir Papst und Bischöfe mit Wahrheit beschuldigen, daß sie in irriger Lehre und Leben sind. Denn es reimt sich weder ihr Leben noch ihre Lehre mit dieser Engelpredigt. Wer sich nun hält und richtet nach des Engels Predigt, der kann nicht fehlen noch irren, er nehme vor sich und urteile, was er wolle. Deswegen mögen wir Gott wohl für solche Gnade danken, und von Herzen bitten, daß er uns wolle bewahren, daß wir dies Kindleins und selig Licht ja nicht aus den Augen und Herzen lassen, welches uns vorleuchtet wider alle List des Teufels und Schalkheit der Welt, daß wir sicher wandeln, und aller anderen Lehren, so dawider sind, leicht und bald urteilen können, daß sie unrecht sind; dürfen nicht mehr tun, denn daß wir sagen:. Der Engel predigt nicht so, daß meine, deine oder einiger Kreatur Werke unser Heiland sei; sondern er weist uns auf das Kindlein, von dem er sagt: " euch ist heut der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr ", der hat alles getan und ausgerichtet, was unsere Seligkeit betrifft. Dem englischen Doktor will ich Glauben und mich an seine Predigt halten, sonst keine hören, die anders lautet.

 

 

 

16. Das ist die köstliche Engelpredigt, da kommen viel tausend andere Engel und heben eine schöne Musik an, daß, gleich wie die Predigt eine Meisterpredigt ist, also folgt auch ein schöner Meistergesang darauf, ein englischer Gesang, den man vorher in der Welt nie gehört hat, und lautet also: Ehre sei Gott in der Höhe, Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen. Amen

 

 

 

 

 





 

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Nytårsdag

 

 

 

Lukas 2,21

 

 

 

 

 

 

 

Und da acht Tage um waren, daß das Kind beschnitten würde, da ward sein Name genannt Jesus, welcher genannt war von dem Engel, ehe denn er in Mutterleibe empfangen ward.

 

 

 

1. Am heutigen Fest hat man besonders von zwei Stücken zu predigen. Das erste, von der Beschneidung. Das andere, von dem Namen Jesu, von welchem der Evangelist das besonders meldet, wie er vom Engel genannt sei, ehe denn das Kind in Mutterleib empfangen ist. Darum muß an solchem Namen sehr viel gelegen sein.

 

 

 

2. Wir wollen zuerst von der Beschneidung sagen, einen Unterschied machen, nicht wegen des Werkes, sondern der Person wegen, davon man heute predigt, wie sie beschnitten sei. Nun ist aber zwischen der Beschneidung Christi und der anderen Juden so ein großer Unterschied, soweit Himmel und Erde von einander sind. Ursache, die Personen sind ganz und gar ungleich und unterschieden, wie ihr nachher hören werdet.

 

 

 

3. Nun hat aber die Beschneidung der Juden ihren Ursprung aus der Schrift, wie man im ersten Buch Mosel liest, Kapitel 17,10 ff. Hat dazu auch ihre bestimmte Zeit, wie lange sie währen soll, nämlich bis auf Christus. Mit Abraham hat es angefangen. Dem befahl Gott, er und sein Hausgesinde sollten sich beschneiden lassen. Und was von nun an Knaben geboren würden, sollten aller am achten Tag nach der Geburt auch beschnitten werden. Welche nun solch ein Zeichen der Beschneidung an ihrem Leib hätten, deren Gott wollte er sein, und sich ihrer annehmen wie seines Volkes.

 

 

 

4. Nun ist es nicht ohne besonderen Rat Gottes so geordnet, daß nicht allein Abraham, sondern all sein Gesinde im Hause, was männlich war, sich beschneiden lassen mußte, auf das die Juden nicht rühmten, sie wären allein Gottes Volk. Denn hier nimmt Gott bald im Anfang Abrahams Knechte, welche Heiden waren, auch zu seinem Volk und Kindern an in das Erbe, da Abrahams Blutkinder und Leiberben zugehörten; ja, kommen eher dazu als Isaak, da auf den die Verheißung lautet; so sie doch schlechte erkaufte Knechte von den Heiden gewesen sind. Darum dürfen sich die Juden nicht so hoch rühmen. Denn wenn sie die Beschneidung gleich groß machen, so können sie es nicht leugnen, daß Gott zur selben Zeit auch Heiden, die nicht Abrahams Kinder, sondern seine erkauften Knechte waren, berufen hat.

 

 

 

5. Von dieser Beschneidung kennen wir heute nicht mehr, denn als die bloße Deutung und das Bild des Glaubens. Wie andere Geschichten, die vorüber und vollbracht sind, auch allein zu dem dienen, daß wir die Beispiele des Glaubens und guter Werke daraus lernen sollen. Die Werke dürfen wir nicht tun; dennoch müssen wir denselben Gehorsam und Glauben haben, welchen die gehabt, so damals gelebt haben. Also predigen wir von der Beschneidung heutigen Tages auch, nicht darum, daß wir uns sollen beschneiden lassen, denn solches ist vorbei; sondern daß wir bei der Beschneidung lernen Gott gehorsam sein, wie Abraham gehorsam war. Wenn aber Christus nicht gekommen wäre, so müßten wir uns noch heutiges Tages beschneiden lassen, wenn wir uns als Gottes Volk rühmen lassen wollten. Denn da steht der Befehl klar:. " Wer nicht beschnitten ist, des Seele soll ausgerottet werden aus meinem Volk ". Diesen Befehl hat Christus aufgehoben. Befiehlt nun weiter uns, daß wir sein Volk sind, daß wir uns nicht beschneiden, sondern taufen lassen, und glauben sollen, wenn wir Gottes Kinder werden wollen.

 

 

 

6. Das Beispiel aber, daß wir aus der alten Beschneidung nehmen, ist dies: Gott läßt uns hier sehen, wie närrisch er seine Sache pflegt zu beginnen, wenn man der Vernunft nach richten will. Denn bei den stolzen Heiden ist das ein lächerliches und närrisches Ding gewesen, daß je auf Erden gewesen ist, daß Gott die ewige Weisheit, soll dem Menschen so ein lächerliches Gebot auflegen (da wir nicht gern von Reden), besonders aber den alten Leuten. Denn Abraham ist bereits 99 Jahre alt, da er dies Gebot empfing.

 

 

 

7. Aber so soll es gehen, wie wir im nächsten Evangelium auch hören. Alles was Gott vorgibt, daß soll niemand gefallen, jedermann soll darüber lachen und für die größte Narrheit halten. Wiederum, was er nicht vorgibt, und wir für uns selbst tun, ohne seinen Befehl, daß sollte ihm gefallen; so wollten wir es gern haben. Aber Gott will es nicht tun. Da geht es denn, daß die Vernunft sich stößt und ärgert, wie Paulus sagt, 1. Korinther 1,21.: " weil die Welt durch ihre Weisheit Gott in seiner Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch törichte Predigt selig zu machen die, so daran glauben ".

 

 

 

8. Was ist närrischer, wenn die Vernunft urteilen soll, daß sich auch weniger mit ihr reimt, denn das im Abendmal unter dem Brot der Leib Christi, unter dem Wein das Blut Christi soll zur Vergebung der Sünden gegessen und getrunken werden? Was soll ein Schluck Wein, ein Bissen Brot helfen? So denkt die Vernunft; kann es auch nicht anders denken. Aber Gott will es darum nicht ändern. Will es die Vernunft nicht glauben noch annehmen, so mag sie es lassen.

 

 

 

9. Also ist es mit der heiligen Taufe auch. Das ein Kind, so nach dem Befehl Christi in das Wasser getaucht, oder damit begossen wird, soll von Sünden abgewaschen, aus des Teufelsreich in Gottes Reich gerückt werden; wie reimt sich das? Wie kannst du es glauben, wenn du das Wort nach hinten setzen willst, und die Sache mit der Vernunft messen und begreifen? Dann wäre es wohl zu glauben, wenn die Sünde ein schwarzer oder roter Flecken wäre; aber weil die Sünde im Herzen, im Mark und in den Beinen steckt, scheint es, daß Wasser werde langsam hineinkommen und sie abwaschen. Also hätte auch Abraham denken können, da er den Befehl von der Beschneidung bekam:. Lieber, was soll mir das zur Seligkeit helfen, daß ich alter Mann mich beschneiden lassen soll? Was sollte es einem Kind helfen? Oder was ists besser nach der Beschneidung denn zuvor? Hätte Gott den Leib anders haben wollen, er würde ihn wohl so gemacht haben, daß man nichts davon hätte schneiden dürfen. Vernunft hätte so gesagt; kann auch nichts anderes sagen noch denken, wenn sie am klügsten sein will.

 

 

 

10. Aber wenn man an die Frage kommt:. Warum Gott dies oder anderes befohlen habe, so hat der Teufel schon gewonnen; wie man sieht an der Eva im Paradies. Die hatte den Befehl, sie sollte von dem verbotenen Baum nicht essen. Da sie aber solchen Befehl aus den Augen ließ, und hörte dem Teufel zu, warum doch Gott solches sollte verboten haben; da ging sie dahin, fiel in den greulichen Ungehorsam, an dem wir noch alle tragen müssen.

 

 

 

11. Darum sollen wir aus solchem Befehl von der Beschneidung fleißig lernen, uns danach richten:. Wenn Gott etwas heißt, sagt oder tut, so sollst du dein Maul halten und auf deine Knie fallen, weiter nichts fragen noch sagen, sondern tun, was er dir heißt, hören, was er dir sagt, und dir gefallen lassen, was er tut. Denn Gott will von uns nicht gemeistert sein, die wir von Natur Kinder des Zorns, Sünder und Lügner sind. Darum ist und sein Rat, Wort und Werk viel zu hoch, daß wir es verstehen könnten. Dazu sind wir noch so blinde, vermessene Narren, die denken, daß sie es nicht allein verstehen, sondern auch wohl noch besser machen könnten. Darum sagt Jeremia wohl:. " Des Menschen Herz ist so heillos und tückisch, daß es niemand ausgründen kann ". Weil wir nun solcher Unart von Natur sind, so sollten wir unsere Weisheit bei Seite legen, und in Gottes Sachen und Geboten also denken:. Sieht es mich närrisch an, so ist es in Wahrheit keine andere Ursache, denn daß ich ein großer Narr bin, der die göttliche Weisheit nicht verstehen noch fassen kann; denn meine Torheit und Blindheit hindert mich.

 

 

 

12. Also ist nun die alte Beschneidung ein Beispiel eines feinen Glaubens, daß Abraham und seine Knechte über solchem Befehl sich nicht entsetzt, sondern demselben sofort nachgekommen sind. Haben nicht gedacht:. Ei, es ist ein närrisches Ding, wenn wir Alten uns beschneiden lassen, Gott wird es nicht so meinen, es muß einen anderen Verstand haben (wie die Sakramentsschänder von der Taufe und dem Abendmal geredet haben). Was will Gott an dem närrischen Ding haben, daß man den Leib beschneiden soll? Wofür sollte doch dasselbe gut sein? Solches aber haben sie nicht gedacht; sondern sind dem Befehl nach gekommen, und beschlossen:. Weil es Gott so befohlen und so haben will, es sei so närrisch es immer will, so werde ich nicht selig, ich folge denn seinem Befehl, wie er geheißen hat. Das also die Beschneidung ein feines Beispiel ist eines festen und rechtschaffenen Glaubens, welchen Abraham und seine Knechte gehabt haben; daraus wir lernen sollen, daß wir dergleichen auch tun, uns unsere Weisheit und Vernunft vom Wort Gottes nicht verführen lassen.

 

 

 

13. Dieses sei von der alten Juden Beschneidung geredet, die nicht länger stehen soll denn als das Gesetz, das ist, bis auf Christus, der es mit dem Gesetz ein Ende gemacht hat. Wie solches fein in dem angezeigt ist, daß die Kinder am achten Tag beschnitten sein mußten. Denn die Schrift hält die Ordnung daß nach sechs Tagen der Sabbat ist, und der Tag, so auf den Sabbath folgt, ist der achte Tag, da eine neue Woche anfängt. Denn unser lieber Herr Christus hat mit der Beschneidung angefangen zu erfüllen die Predigt, die von ihm gesagt war, daß er sollte sein ein Heiland und ein Licht für die Heiden, der nicht im kleinen Winkel des Judentums sein Regiment allein führen, sondern in aller Welt durch sein Evangelium regieren, uns von allen Sünden frei machen, da ist er beschnitten worden, und mit seiner Beschneidung der vorigen ein Ende gemacht hat.

 

 

 

14. Ich habe aber am Anfang gesagt, wenn man von der Beschneidung Christi recht wollte reden, so müsse man ja so einen weiten Unterschied zwischen der Beschneidung Christi und der Juden machen, als zwischen Himmel und Erde. Denn hier sind die Personen ungleich, ob es wohl einerlei Werk ist. Die Beschneidung, eben wie das Gesetz, war denen gegeben, die Sünder und des ewigen Todes schuldig waren. Nun aber ist Christus ohne alle Sünde und ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat; denn es hat allein mit den Sündern zu schaffen. Er aber ist kein Sünder. Daß er nach dem Gesetz eben wie nun ein ander sündig Kindlein beschnitten wird, im selben vergreift sich das Gesetz an ihm, muß deswegen seine Strafe leiden und aufhören. Wenn es Christus hätte tun wollen, so hätte er das Gesetz wohl mit Gewalt können abschaffen und aufheben; denn er ist ja ein Herr des Gesetzes, mit dem das Gesetz nicht zu schaffen hat, darum, daß er ohne alle Sünde ist. Aber er hat es nicht wollen tun mit Gewalt, sondern mit Liebe und Demut. Solches geschieht nun uns zu gut, daß wir es annehmen und uns trösten sollen.

 

 

 

15. Denn für seine Person hat es unser lieber Herr Christus nicht bedurft; ebensowenig er es für seine Person wegen bedurft hat, daß er Mensch geworden ist oder an das Kreuz sich schlagen ließ. Er tut es um unseretwillen; denn wir bedürften eines solchen Mannes, der ohne Sünde wäre, und für uns das Gesetz erfüllte und also den Zorn Gottes stillte. Wegen dieser Ursache hat er sich unter das Gesetz getan, schenkt solchen Sieg, den er am Gesetz erlangt hat, uns, daß wir sein brauchen und genießen sollen, und fortan all das Recht zum Gesetz durch ihn haben, daß er zum Gesetz hat, daß es uns nicht mehr verdammen noch fangen. Denn wer sich an Christum mit rechtem Glauben hält, der soll durch ihn von solcher Verdammnis erlöst sein.

 

 

 

16. Darum merke diesen Unterschied wohl; denn da ist alles an gelegen. Abraham mußte unter das Gesetz und sich beschneiden lassen; denn er ist ein Sünder, und deswegen hat das Gesetz einen Anspruch an ihn. Christus aber ist kein Sünder, er darf deswegen nicht unter das Gesetz; dennoch tut er sich unter das Gesetz, auf das alle, die sich an ihn mit Glauben halten, durch ihn vom Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen.

 

 

 

17. Deswegen ist das Fest der Beschneidung Christi ein sehr tröstliches Fest, da man Grund hat Gott zu loben und zu danken, daß ob wir gleich dem Gesetz durch unsere Sünden verfallen sind, dennoch solches an unserer Seelen Seligkeit uns nicht schaden, sondern wir durch Christus von dem Fluch des Gesetzes frei und ledig sein sollen, der um unseretwillen den Fluch des Gesetzes getragen und sich dem Gesetz unterworfen hat.

 

 

 

18. Daß es aber Not gewesen sei, daß wir von dem Gesetz los und frei werden, lehrt Paulus, 1. Korinther 7,19. " Die Beschneidung ist nichts, sondern Gottes Gebote halten ". Das sind sehr stolze Worte, den Juden nicht lieb; denn es ist so viel gesagt:. Keiner, der beschnitten ist, erfüllt Gottes Gebot oder hält das Gesetz. Was ist aber das anderes, denn, die beschnitten sind, sind nicht beschnitten; oder, daß ich es noch deutlicher sage:. Durch die Beschneidung erfüllt niemand das Gesetz; niemand wird auch dadurch von Sünden frei. Denn obgleich die Juden sich beschneiden lassen haben, steht gleich wohl noch Gottes Gebot und Befehl da:. " Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele und ganzem Gemüt ". Da gib mir einen Menschen, der sich rühmen könne, daß er es getan habe oder tun könne. Das Gesetz spricht:. " Du sollst dich nicht gelüsten lassen ". Gibt mir einen Menschen, der sich könne rühmen, daß er es getan hat oder tun könne. In der Summe:. Nimm ein Gebot vor dich, welches du willst, so mußt du bekennen, daß niemand sei, der es vollkommen gehalten habe.

 

 

 

19. Was gehört aber für ein Urteil auf solche Leute, die Gottes Gebot nicht halten, ob sie gleich beschnitten sind? Das zeigt Paulus an aus dem fünften Buch Mose, da also steht:. " Verflucht sei jeder Mann, der nicht bleibt in alle dem, daß geschrieben stehet in diesem Buch des Gesetzes, daß er es tue ". Schließt deswegen, daß alle die, so mit des Gesetzes Werken umgehen, sind unter dem Fluch. Ursache, sie können es nicht halten. Denn so man das Gesetz könnte halten, so hätte es nicht Not. Weil man es aber nicht halten kann, so folgt, daß das Gesetz uns verklagt, würgt, dem Teufel gibt, und in die Hölle stößt.

 

 

 

20. Darum muß man eine höhere und bessere Predigt haben, die uns mehr gebe, denn das Gesetz, welches mir nicht kann, denn daß es gebietet:. Wir sollen Gott von ganzem Herzen lieben, unseren Nächsten, wie uns selbst, auch wenn er uns Leid tut und wir uns gern rächen wollten. Da wird aber nichts aus. Die Natur regt sich mit Zorn, Unwillen, Ungeduld, Haß, Leid, Hoffart. Darum ist niemand, der solche Predigt könne Folge tun. Und ob man schon so viel tut, als möglich ist, so können wir doch damit vor Gott nicht bestehen.

 

 

 

21. Daß ist nun die Ursache, daß ein Höhrerer und Größerer kommt, nämlich Christus, der Sohn Gottes; der ist ohne alle Sünde, läßt sich dennoch beschneiden wie andere Sünder, gibt sich also in aller Demut unter das Gesetz, daß er es gar aufhebe und uns davon freimache, die wir nicht konnten solche Last tragen, mußten deswegen unter dem Fluch und Zorn Gottes bleiben. Wie denn nicht allein unserer Erfahrung, sondern auch der Heiligen Propheten Zeugnis am Tag liegt. Denn was hätte sonst den heiligen Propheten David Not getan, da er sagt dem 19. Psalm, 13:. " Wer kann merken, wie oft er fehlet? Verzeihe mir die verborgenen Fehler ", da ich nichts von weiß; also Psalm 143,2: " gehe nicht in das Gericht mit deinem Knechte; denn vor dir ist kein lebendiger gerecht "; also, Psalm 130, 3: " so du willst, Herr, Sünde zurechnen, Herr, wer wird bestehen? "

 

 

 

22. Solche und andere mehr Sprüche zeugen genügend, daß es unmöglich ist, daß ein Mensch könne sagen, er habe dem Gesetz genug getan, und sei seiner Werke wegen dem Zorn Gottes entgangen. Weil nun das Gesetz uns dermaßen gefangen hält und läßt uns nicht vor Gott, sondern hindert viel mehr solche Zuversicht, die wir zu Gott haben sollten: so folgt, wo wir vor Gott wollen, daß wir etwas Höheres denn die Gesetzes Predigt haben müssen, nämlich die Predigt des heiligen Evangelium, in welcher unser lieber Herr Christus den Juden und uns verkündigen läßt, daß wir unserer Sünden wegen verdammt sind. Und hilft die Juden nichts, daß sie beschnitten sind; denn solche Beschneidung macht nicht von Sündern frei; wie die Propheten sagen, ob sie gleich am Leib beschnitten sind, daß doch das Herz unbeschnitten und unrein sei. Das aber entledigt uns, daß das Evangelium weiter predigt, wie unser lieber Herr Christus, welcher dem Gesetz nicht schuldig, sondern ohne Sünde war, dennoch sich unter das Gesetz gegeben und sich beschneiden lassen habe, auf das er eine Ursache zum Gesetz gewinne, und zu ihm sagen kann:. Hörst du, Gesetz, du machst mich zum Knecht, so ich doch dein Herr bin; darum mußt du mir wieder dienen, mein Knecht und Gefangener wieder sein.

 

 

 

23. Das Recht nun, daß unser lieber Herr Christus zum Gesetz hat seiner Person wegen, daß schenkt er mir und dir; und nimmt dem Gesetz sein Recht, daß es wider uns, als die armen Sünder, hat; spricht uns davon frei und los. Doch nicht darum, daß wir nichts tun, und leben sollen, wie wir wollen; sondern also, daß wo wir nicht getan haben, was wir sollen, solches uns vergeben und nicht zugerechnet und an unserer Seligkeit nicht schaden soll.

 

 

 

24. Deswegen dürfen die, so an Christus glauben, nichts von der Beschneidung. Denn sie sind nicht allein von solchen und anderen Beschwerungen des Gesetzes befreit, sondern haben Vergebung aller Sünden und Verheißung des ewigen Lebens durch Christum. Darum können sie rühmen und sagen:. Das Gesetz hilft mir nicht, die Beschneidung auch nicht; das aber hilft, daß ich glaube, daß Christus beschnitten ist; denn solches ist um meinetwillen geschehen, daß ich einen Bürgen habe, der für mich die Schuld trägt, welcher Schuld mich das Gesetz, meiner Sünden wegen, überweisen kann. Darum will ich seiner Unschuld mich trösten und sprechen:. Das Gesetz ist eine Zeitlang gleich wie ein Herr im Himmel gewesen; denn es hat uns Menschen vor Gott verklagt; das haben wir müssen also leiden. Uns geschah auch nicht Unrecht, weil wir die Sünden nicht leugnen konnten. Aber jetzt ist es umgekehrt, weil wir durch die Beschneidung von Christi von der Beschneidung und dem Fluch des Gesetzes erlöst sind.

 

 

 

25. Mit meiner Beschneidung, mit meiner Liebe zu Gott und zu den Menschen, mit meinem Gehorsam ist es nicht ausgerichtet, da will ich nicht drauf hoffen, noch mich darauf verlassen. Alle meine Zuversicht aber, Trost und Trotz soll das sein, daß Christus gehorsam, unschuldig und heilig ist. Solche Zuversicht und Hoffnung wird mir nicht fehlen; denn es ist ein gewisser Trost und fester Schirm. Ehe ich den hatte, meinte ich, ich müßte dran und das Gesetz erfüllen, oder verdammt sein. Nun aber weiß ich, daß es eine unmöglich Ding ist, mir und allen Menschen, die wir solche Last nicht können tragen. Christus aber hat sie von uns auf sich genommen, sich unter das Gesetz geworfen und daselbst mit der Beschneidung angefangen, auf das er es erfüllt und nichts zurück ließe, daß Gott uns armen Sündern zum Gehorsam aufgelegt hat; solches ist mein Herz und Trost.

 

 

 

26. Ich soll wohl meinen alten Adam zähmen und dahin halten, daß er tue, was er soll, denn sonst wäre ich ein ungehorsames Kind. Aber es läuft über die maßen viel Ungehorsam bei mir. Wir tun viel, daß wir lassen sollten; lassen viel, daß wir tun sollten; häufig fallen wir auch noch in grobe, schreckliche Sünde. Hier es kein anderer Trost, denn daß wir fliehen unter diesen Schirm, der da heißt:. " Christus hat sich unter das Gesetz getan "; und sollen uns trösten, was unserem Gehorsam mangelt, daß es Christus erfüllt habe. Denn mit uns wird es nie dahin kommen, daß wir alles tun, was wir sollen, wie Paulus sagt:. " Ich habe Lust an dem Gesetz Gottes nach dem inwendigen Menschen; ich sehe aber ein anderes Gesetz in meinen Gliedern, daß da widerstrebt dem Gesetz in meinem Gemüt, und nimmt mich gefangen in der Sünden Gesetz, welches ist in meinen Gliedern ". Das ist so viel gesagt:. Ich muß tun, was das Fleisch will; aber nach dem Glauben tue ich es nicht, sondern es ist mir leid, bin nicht so gern gefangen.

 

 

 

27. Also wird nun die christliche Gerechtigkeit ganz, daß ich mich erkenne für einen armen Sünder, der ich dem Gesetz nie genug tun kann. Aber darum verzweifle ich nicht. Denn hier sehe ich, daß mein Herr Christus sich meiner angenommen, und für mich unter das Gesetz gegeben und dem Gesetz genug getan hat. Darum folgt weiter, daß ein solches Herz sagen muß:. Ei, hat das mein Gott um meinetwillen getan? Sollte ich denn nicht auch solchen gnädigen Gott lieb haben? Sollte ich mich seines Willens nicht von Herzen fleißigen und wiederum auch tun, was ihm lieb ist? Also wird man lustig und freundlich gegen Gott, und folgt die rechte Erfüllung des Gesetzes, die nicht gezwungen, sondern willig ist. Ob nun gleich solche Erfüllung, des Fleisches wegen, noch nicht ganz und unvollkommen ist, so läßt es sich Gott doch gefallen, um des Glaubens willen an Christus. Denn was noch unrein und unvollkommen daran ist, daß gehört unter den Deckel und unter den Schirm der Vergebung der Sünden.

 

 

 

28. Also ihr Lieben, habt jetzt von zweierlei Beschneidung gehört. Die erste hat Gott geboten, und bis auf Christus haben die Juden sich unter solche Beschneidung, eben wie unter das Gesetz, mit dem Gehorsam müssen geben. Aber damit sind sie noch nicht selig geworden. Denn niemand hat jemals dem Gesetz können genug tun. Darum, obwohl die Beschneidung da gewesen ist, so hat doch nichts desto weniger das Gesetz alle Juden verklagt und vor Gott verdammt. Dadurch aber wird man selig und heilig, daß man Christus hat, der sich unter das Gesetz gegeben und den Fluch von uns genommen hat. Die Juden nun, so solches geglaubt und ihre Seligkeit auf den verheißenen Samen gestellt haben, denen ist die äußerliche Beschneidung ein Siegel gewesen, daß sie vor Gott gerecht sind, nicht der Beschneidung, sondern des Glaubens wegen an Christus.

 

 

 

29. Darum ist das Fest von der Beschneidung Christi ein tröstliches Fest, an welchen wir lernen, wenn wir vor Gott kommen sollen, daß wir sagen: Herr, du hast den Juden die Beschneidung geboten; den Juden und uns allen hast du geboten, wir sollen dich von ganzem Herzen lieb haben, unseren Nächsten wie uns selbst: aber, lieber Herr, ich habe es leider nicht getan, und kann es auch nicht tun, daß ich darum nach meinem Verdienst, verloren und ewig verdammt sein müßte. Aber das ist mein Trost und Schirm, dahinter fliehe ich mich: Dein lieber Sohn Christus Jesus, mein Herr, hat sich unter das Gesetz gegeben, und sich beschneiden lassen, ein anderer Sünder, und also deinen Willen vollkommen getan; denn sonst hätte er sich nicht, wie ein anderes Kind, am achten Tage beschneiden lassen. Solches ist um meinet-und aller Sünder willen geschehen, und uns geschenkt und zu eigen gegeben. Denn seiner Person wegen hätte er es nicht bedurft. Darum nehme ich mich dieses an, und bitte dich, lieber himmlischer Vater, wollest mir um seinetwillen gnädig sein, und mich seiner Frömmigkeit und Heiligkeit genießen lassen. Das also jedermann lerne auf die Heiligkeit und Unschuld unseres lieben Herrn Christus vertrauen; so fahren wir gewiß, und wird weder Sünde noch Tod gegen uns siegen. Daß verleihe uns unser lieber Herr Christus, Amen.

 

 

 

 

 




 

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1. søndag efter helligtrekonger

 

 

 

Lukas 2,41-52

 

 

 

 

 

 

 

Und seine Eltern gingen alle Jahre gen Jerusalem auf das Osterfest. Und da er 12 Jahr alt war, gingen sie hinauf denn Jerusalem, nach Gewohnheit des Festes. Und da die Tage vollendet waren, und sie wieder zu Hause gingen, blieb das Kind Jesus zu Jerusalem, und seine Eltern wußten es nicht. Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise und suchten ihn unter den Gefreundeten und Bekannten. Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wiederum gen Jerusalem und suchten ihn. Und es gab sich nach drei Tagen, fanden sie ihn im Tempel sitzen mitten unter den Lehrern, daß er ihnen zuhörte und sie fragte. Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich seines Verstandes und seiner Antwort. Und da sie in sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach:. Mein Sohn, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich habe dich mit Schmerzen gesucht. Und er sprach zu ihnen:. Was ist es, daß ihr mich gesucht habt? Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? Und sie verstanden daß Wort nicht, daß er mit ihnen redete. Und erging mit ihnen hinab und kamen gen Nazaret und war ihnen untertan. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

 

 

 

1. Dies ist ein Evangelium, daß uns vorhält ein Beispiel des heiligen Kreuzes, wie es mit denen zugeht, die da Christen sind, und wie sich dieselben darin halten sollen. Denn wer ein Christ sein will, muß sich das überlegen, daß er helfe das Kreuz tragen; denn Gott wird ihn zwischen die Sporen fassen und prüfen, ob er weich werde, denn es wird keiner ohne Leiden zu Christus kommen. Darum ist uns hier dieses Beispiel erzählt, dem wir nachfolgen sollen. Das wollen wir hören.

 

 

 

2. Obwohl die Heilige Maria, die hoch begnadet ist, ohne Zweifel die größte Lust und Freude an ihrem Kind gehabt hat, hat sie doch der Herr also regiert, daß sie nicht das Paradies an ihm gehabt hat, und hat es ihr eben genau so aufgespart als den anderen für das zukünftige Leben. Darum hat sie auch auf Erden viel Unglück, Schmerzen und Herzeleid haben müssen. Dieses war der erste Jammer der ihr widerfuhr, daß sie mußte zu Bethlehem gebären an einem fremden Ort, da sie keinen Raum hatte mit ihrem Kinde, denn im Stall zu liegen. Das andere, daß sie bald danach, nach den sechs Wochen, mußte in ein fremdes Land, nach Ägypten mit dem Kind fliehen; welches alles ein schlechter Trost gewesen ist. Diese Stöße wird sie ohne Zweifel viel mehr gehabt haben, die hier aber nicht alle beschrieben sind.

 

 

 

3. Also ist dies hier auch von diesen eins, da er ihr aber ein Unglück auf den Hals legt, bleibt zurück von ihr im Tempel, und läßt sich so lange suchen und sie findet ihn nicht. Das hat sie so erschreckt und betrübt gemacht, daß sie verzagen wollte, wie sie auch sagt:. " Ich und dein Vater haben dich mit Schmerzen gesucht ". Denn es ist zu denken, daß ihr Herz also gedacht hat:. Siehe, daß Kind ist mein allein, daß weiß ich, das hat mir Gott gegeben, und befohlen, daß ich darauf aufpassen, wie kommt es nun, daß es verloren ist? Es ist nun meine Schuld, daß ich nicht genug Achtung gegeben habe; und vielleicht will Gott nicht, weil ich nicht würdig bin, seine Mutter zu sein, und Gott will es wieder von mir nehmen. Da wird ohne Zweifel ihr Herz erschrocken sein, und voll Schmerz gewesen.

 

 

 

4. Da siehst du, wie es ihr geht, ob sie gleich die Mutter ist und sich des Kindes wohl könnte rühmen vor allen anderen Müttern, also, daß sie eine große Freude wie nie zuvor gehabt hat, doch jetzt siehst du, wie Gott ihr Herz bloß und nackend auszieht, daß sie nicht mehr sagen kann, ich bin seine Mutter; und gemacht, daß sie also einen Schrecken kriegt von dem Kind, daß sie nun gewünscht haben möchte, daß sie ihn nie gesehen noch bekommen hätte, also hätte mögen größere Sünde tun, denn als nie eine andere Mutter getan hat.

 

 

 

5 . Also kann unser Herr Gott handeln, daß er uns unsere Freude und Trost nimmt, wann er will, und uns auch damit am meisten erschrecken, davon wir sonst die größte Freude haben; und wiederum, die größte Freude gibt davon, daß uns am meisten erschreckt. Denn das ist ihre größte Freude gewesen, daß sie des Kindes Mutter geworden war, so hat sie jetzt keinen größeren Schrecken, denn eben davon. Also haben wir auch keinen größeren Schrecken, denn von Sünde und Tod; doch kann uns Gott darin also trösten, daß wir uns wie Paulus rühmen dürfen: Römer 7: daß die Sünde eben dazu gedient habe, daß wir rechtfertigt würden, und das wir auch gern wollten tot sein und begehren zu sterben.

 

 

 

6. Also haben wir nun hier die großen Leiden dieser Mutter Christi, daß sie ihres Kindes beraubt war, dazu, daß ihr auch ihre Zuversicht gegen Gott genommen wird; denn sie mußte fürchten, daß Gott mit ihr zürnte und wollte sie nicht zur Mutter seines Sohnes haben. Es wird aber niemand recht verstehen, wie ihr da zu Mute gewesen ist. Darum sollen wir das Beispiel auch auf uns ziehen; denn es ist nicht um ihret-, sondern um unseretwillen geschrieben. Denn Maria braucht es nicht mehr; darum müssen wir uns danach richten, auf das wir uns, wenn uns auch solches wiederfährt, dazu gerüstet sind.

 

 

 

7. Also, wenn Gott uns einen feinen starken Glauben gegeben, daß wir daher gehen in starker Zuversicht und sicher sind, daß wir einen gnädigen Gott haben, und auch darauf trotzen können, so sind wir im Paradies. Wenn uns aber Gott das Herz entfallen läßt, daß wir meinen, er wolle uns den Herrn Christum aus dem Herzen reißen; also das unser Gewissen fühlt, daß es ihn verloren habe, und dann zappelt und verzagt, daß die Zuversicht untergeht: dann ist Jammer und Not da. Denn ob das Herz auch schon nichts von Sünden weiß, so kann es doch verzagen, daß es denkt:. Wer weiß, ob mich Gott haben will; wie hier die Mutter zweifelt, daß sie nicht weiß, ob er sie noch zur Mutter haben will. Also spricht das Herz auch, wenn es solche Stöße fühlt:. Ja, Gott hat dir wohl bisher einen feinen Glauben gegeben; aber vielleicht will er ihn von dir nehmen und dich nicht weiter haben. Aber solche Anstöße zu halten, gehören starke Geister zu, und sind nicht viel Leute, die Gott so angreift. Wir müssen uns aber dennoch darauf trösten, ob es uns auch so ginge, daß wir dann nicht verzweifeln.

 

 

 

8. Und solche Beispiele haben wir auch mehr in der Schrift; als, da wir lesen von Jusoa Kapitel 7,6.-7. Dem hatte Gott große und starke Verheißungen getan, daß er sollte die Heiden vertilgen, und vermahnt ihn selbst, daß er ja sollte keck sein und frisch gegen die Feinde gehen, wie er auch tat. Was geschah aber? Da er in solchem köstlichen Glauben stand, begab es sich, da er einmal bei 3000 Mann an eine Stadt richtet, daß sie sie gewinnen sollten; die waren auch Stolz weil sie sahen, daß es eine kleine Stadt und wenig Volk darin war. Und da sie nun an die Stadt kamen, brachen die Feinde aus der Stadt heraus und schlugen das Volk weg. Da viel Jusoa nieder auf die Erde auf sein Angesicht und durfte den ganzen Tag nicht zum Himmel sehen, und fing an zu schreien und klagen zu Gott und sprach:. Ach warum hast du uns hierher geführt, daß du uns in die Hände unserer Feinde kommen läßt? Sieh, da lag sein Glaube nieder und wollte verzagen, daß ihn Gott selbst mußte aufrichten. Solches tut Gott mit seinen großen Heiligen, denen nimmt er zuweilen den Christum aus dem Herzen, das ist, ihren Glauben und Zuversicht.

 

 

 

9. Aber das geschieht alles aus überschwenglicher Gnade und Güte, daß wir ja auf allen Seiten spüren sollen, wie freundlich und lieblich der Vater mit uns umgeht und uns bewährt, daß sich unser Glaube übe und je stärker und stärker werde. Und besonders tut er es, die Seinen wieder zweierlei Unglück zu bewahren, die sonst folgen möchten. Zum ersten, wenn sie so starken Geist und trotzig sind, möchten sie zuletzt auf sich selbst fallen, daß sie meinten, sie täten es aus eigenen Kräften. Darum läßt er manchmal ihren Glauben fehlen und niederlegen, daß sie sehen, wer sie sind, und sprechen müssen:. Wenn ich schon wollte Glauben, so kann ich nicht. Also demütigt der allmächtige Gott die Heiligen und hält sie in ihrer Erkenntnis. Denn die Natur und Vernunft will immer auf Gottes Gaben fallen und an denselben hängen. Darum muß er somit uns handeln, daß wir sehen, daß er uns den Glauben ins Herz geben muß und wir ihn nicht selbst machen können. Also soll bei einander stehen, beides Gottesfurcht und seine Zuversicht, daß wir durch beides gehen, auf das der Mensch nicht vermessen und sicher werde, und auf sich falle. Dies ist eine Ursache, warum Gott die Heiligen so hoch versucht.

 

 

 

10. Zum anderen, tut er es uns zu einem Beispiel. Denn wenn wir in der Schrift kein Beispiel hätten von den Heiligen, denen es auch so gegangen wäre, so könnten wir solches nicht tragen, und das Gewissen würde also sagen:. Ich bins allein, der in solchem Leiden steckt und Gott hat nie einen so liegen lassen; darum muß es ein Zeichen sein, daß Gott mich nicht haben will. Weil wir aber sehen, daß es der Jungfrau und anderen Heiligen auch so gegangen ist, so haben wir dennoch einen Trost, daß wir nicht verzagen, und ein Beispiel, daß wir sollen still halten und warten, bis Gott kommt und uns stärkt.

 

 

 

11. Denn von solchem Leiden haben wir mancherlei Beispiele in der Schrift, und daher gehört auch, was der Prophet David sagt im Psalm 31,23:. " Ich habe gesagt, da ich entzückt war:. Ich bin verworfen von deinem Angesicht "; das ist, wenn das Gewissen also sagt: Gott will mich nicht. Diese Leiden sind über allen Maßen schwer; darum schreien die Heiligen darin auch über die Maßen sehr; denn wenn Gott ihnen nicht heraus hülfe, so wären sie in der Hölle. Die anderen Anfechtungen und Leiden sind alles noch Fuchsschwänze dagegen wenn man einem sein Gut und Ehre nimmt und desgleichen: als, da man die unschuldigen Kindlein tötete und Jesus in Ägypten fliehen mußte. Das sagt der Prophet auch an einem anderen Ort, Psalm 94,17. " Hättest du mir, Herr Gott, nicht geholfen, so hätte es nicht um ein Haar gefehlet, daß meine Seele in der Hölle geblieben wäre ". So groß wird der Schrecken und die Angst in diesen Nöten. Darum läßt es nun Gott also gehen, daß wir solche Beispiele fassen und uns damit trösten, auf das wir nicht verzweifeln; denn wenn der Tod kommen wird, so werden solche Anfechtungen an uns fallen. Darum müssen wir uns darauf rüsten.

 

 

 

12. Das ist die Geschichte und Beispiel des hohen Leidens, daß uns in diesem Evangelium gezeigt ist; aber daneben ist wiederum angezeigt, wo man Trost finden soll. Denn seine Eltern verlieren ihn und kommen eine Tagesreise von ihm, suchen ihn unter den Freunden und Bekannten, da ist er nicht; und gehen weiter gen Jerusalem, da finden sie ihn auch nicht; am dritten Tag in dem Tempel, da läßt er sich finden. Da hat uns Gott angezeigt, wo wir Trost und Stärke finden sollen in allerlei Leiden, und besonders in diesem hohen Leiden, daß wir den Herrn Christum finden können, nämlich, daß wir ihn suchen im Tempel. Denn also spricht er zu ihnen:. " Wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? "

 

 

 

13. Und hier ist zu merken, daß Lukas sagt, daß sie das Wort nicht verstanden haben, welches er mit ihnen redete. Denn damit hat er den unnützen Schwätzern das Maul gestopft, die die Jungfrau Maria gar zu hoch heben und preisen, daß sie alles wohl gewußt und nicht hätten irren müssen. Denn hier siehst du, wie sie der Herr fehlen läßt, daß sie ihn lange sucht und doch nicht findet, bis am dritten Tag im Tempel. Da fährt er sie dazu an und spricht:. " Was ist es, daß ihr mich sucht; wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, was meines Vaters ist? " So versteht sie auch das Wort nicht, daß er zu ihr sagt. Darum sind jenes eitel Lügendinge, und die Jungfrau darf des erdichteten Lobes nicht. Gott hat sie also geführt, daß er ihr viel verborgen hat und in viel Unglück geworfen, auf daß er sie in Demut hielte, daß sie sich nicht ließe besser dünken denn andere.

 

 

 

14. Daß ist aber nun hier der Trost, wie ich gesagt habe, daß sich Christus nicht läßt finden denn allein im Tempel, das ist, in dem, daß Gottes ist. Was ist aber Gottes? Sind es nicht alle Kreaturen? Wahr ist es, daß alles Gottes ist: aber eigentlich ist es die heilige Schrift und sein Wort; denn das andere alles ist uns gegeben. So ist nun Summa Summarum hiervon:. Niemand soll sich unterstehen, einen anderen Trost zu schöpfen oder zu finden denn als in dem Wort Gottes; denn den Sohn wirst du nirgend finden denn als allein im Tempel. Da siehe nun die Mutter an, die versteht solches noch nicht, weiß nicht, daß sie im Tempel suchen soll, und weil sie ihn sucht unter den Bekannten und Freunden und nicht an dem rechten Orte, so fehlet sie.

 

 

 

15. Darum habe ich oft gesagt und sage noch, daß in der Christenheit nichts gepredigt werden soll denn als das lautere Wort Gottes. Dazu stimmt dies Evangelium auch, daß sie den Herrn nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Darum gilt es nicht, wenn man sagt, man müsse glauben, was die Konzilien beschlossen haben, oder was Hieronimus, Augustinus oder andere heilige Väter geschrieben haben; sondern man muß einen Ort anzeigen, da man Christum findet, und kein anderen, nämlich, den er selbst anzeigt und sagt:. Er müsse sein in dem, daß seines Vaters ist, das ist, niemand würde ihn finden als allein im Wort Gottes. Darum was die Heiligen Väter lehren, soll man ja nicht so annehmen, daß man mit dem Gewissen darauf vertraue und darin Trost suche. Wenn man nun zu dir sagt:. Ei, soll man nicht den Heiligen Väter glauben? So kannst du antworten: Christus läßt sich nicht finden unter den Bekannten und Freunden. Und wäre es wohl recht, daß wir Christen dieses Beispiel aus dem heutigen Evangelium annehmen, um gleich ein Sprichwort daraus nähmen, daß wir brauchten wieder alle Lehre, die nicht Gottes Wort ist.

 

 

 

16. Daß wir aber dies besser behalten, und klar machen, müssen wir sehen, was man uns anderes gelehrt hat denn Gottes Wort. Bisher haben wir dreierlei Lehre gehabt. Zum ersten, ist das die gröbste, so St. Thomas gelehrt hat; welcher aus der heidnischen Lehre und Kunst kommt, von dem großen Licht der Natur, Aristoteles, geschrieben hat. Davon sagen sie so:. Das sei wie eine hübsche, helle Tafel, und Christi Wort sei wie die Sonne. Und gleich als die Sonne auf eine solche Tafel scheint, daß sie dann schöner leuchtet und scheint: also scheint auch das göttliche Licht auf das Licht der Natur und erleuchtet es. Mit diesem hübschen Gleichnis haben sie die heidnische Lehre auch in die Christenheit gebracht, daß haben die hohen Schulen allein gelehrt und getrieben, aus dieser Lehre hat man Doktoren und Prediger gemacht. Das hat sie der Teufel gelehrt zu reden. Also ist Gottes Wort zu Füßen gelegen; denn wenn das hervor kommt, so stößt es solche Teufelslehren alle zu Pulver.

 

 

 

17. Zum anderen, hat man uns Menschengesetz gelehrt und geboten, die man jetzt Ordnung und Gebot der heiligen christlichen Kirche heißt; dadurch haben die Narren gemeint, die Welt in den Himmel zu führen, und damit haben sie unser Gewissen trösten wollen und darauf gründen. Das hat man also in Schwung gebracht, daß es ist wie eine Sündflut in die ganze Welt gerissen, und ist alle Welt darin ersoffen, daß fast niemand zu retten ist aus der Hölle Grund.. Denn da schreien sie immer ohne Aufhören, als wären sie unsinnig:. Ei, daß haben die heiligen Konzilien beschlossen; das hat die Kirche geboten; das hat man so lange Zeit gehalten, sollen wir denn nicht daran glauben?

 

 

 

18. Darum soll man darauf antworten, wie ich gesagt habe, aus diesem Evangelium:. Wenn es gleich Maria, die heilige Jungfrau, selbst getan hätte, wäre es kein Wunder, daß sie geirrt hätte: die war doch eine Mutter Gottes; noch kommt sie in die Unwissenheit, daß sie nicht weiß, wo sie Christum finden soll, die ihn unter den Freunden und Bekannten sucht und fehlt damit, daß sie ihn nicht findet. Hat sie denn nun gefehlt und Christum nicht mögen finden unter den Freunden, sondern mußte zuletzt in den Tempel kommen: wie wollen wir denn ihn finden außer Gottes Wort in Menschenlehren, und das was die Konzilien beschlossen oder Doktoren gelehrt haben? Die Bischöfe und Konzilien haben ohne Zweifel des heiligen Geistes nicht so viel gehabt, als sie. Hat die Jungfrau Maria gefehlt: wie sollten denn jene nicht irren, weil sie Christum meinen anderswo zu finden, denn in dem, daß seines Vaters ist, das ist, in Gottes Wort?

 

 

 

19. Darum wenn du einen hörst, der an den zweierlei Lehren hängt, und glaubt, daß es recht sei, steht und vertraut darauf, so frage ihn, ob er auch gewiß vertraue, daß er seine Seele damit möge trösten, wenn der Tod kommt, oder Gottes Gericht und Zorn, daß er damit unverzagtem Gewissen dürfte sagen:. Also hat der Papst und die Bischöfe in den Konzilien gesagt und beschlossen, da verlasse ich mich drauf und bin gewiß, daß ich damit nicht fehle. So wird er bald sagen müssen:. Wie kann ich mich dessen gewiß sein? Also, wenn es nun zum Treffen kommt, daß der Tod kommt, wird dein Gewissen sagen:. Es ist wohl wahr, die Konzilien haben es beschlossen, ja, wenn sie aber gefehlt haben, wer weiß, ob es recht sei? Wenn du denn in solchen Zweifel kommts, so kannst du nicht bestehen, da kommt der Teufel, und rückt dich herum, und stürzt dich, daß du danieder liegst.

 

 

 

20. Zum dritten, neben diesen zwei Lehren haben sie uns dennoch auf die heilige Schrift geführt, und gesagt, daß ja vor allen Lehren des Papstes Gesetz, und was er schließt und in den Dingen, so dem Glauben angehören, soll gehalten werden; doch ausgenommen etlicher heiligen Väter Lehre, die die Schrift ausgelegt haben, die haben sie dennoch so groß gemacht, daß sie sollen gleich so viel gelten, als der Papst zu Rom, oder ein wenig mehr; und haben aber daneben gesagt, sie könnten nicht irren, und fallen auch darauf, daß sie schreien:. Ei, wie sollten diese heiligen Väter die Schrift nicht verstanden haben? Aber last die Narren sagen, was sie wollen, und wirf ihnen immer das vor, daß hier Christus spricht:. " wisset ihr nicht, daß ich sein muß in dem, daß meines Vaters ist? " Gottes Wort muß man vor allen Dingen haben und allein an dem hangen; denn da will Christus sein und an keinem anderen Ort. Darum ist es vergebens, daß du ihnen anderswo suchst. Denn wie kannst du mich gewiß machen, daß die heiligen Väter das Ding sei, da Christus sein muß?

 

 

 

21. Darum ist dies Evangelium ein harter Stoß wider alle Lehre und allen Trost, und was es sein mag, daß nicht Gottes Wort ist und aus dem Wort fließt. So kannst du nun also sagen:. Ich laß geschehen, hebt die Vernunft und das natürliche Licht so hoch als du willst; doch will ich mir vorbehalten, daß ich mich nicht müsse darauf verlassen. Es haben die Konzilien beschlossen und der Papst oder die heiligen Väter gelehrt, was sie wollen, daß lasse ich stehen, ich will mich aber nicht darauf verlassen. Wollen sie mir das zugeben, so wollen wir bald eins sein, daß ich die Freiheit behalte, daß sie schließen und setzen, was sie nur wollen; ich aber darf sagen:. Gefällt es mir, so halte ichs; aber also will ich es nicht halten, als tät ich etwas Köstliches daran. Aber das werden sie uns nicht zugeben; denn sie haben nicht genug daran, daß man es frei dahin halte, sondern wollen den Zusatz dabei haben, daß man sein Vertrauen und Trost darauf setze, und soll so viel gelten, wenn du darauf traust, als du auf Christum und den Heiligen Geist traust. Diese falschen Wahn und Vertrauen sollen wir nicht leiden, da sie meinen: man tue ein gutes Werk, wenn man es hält; und wiederum, wenn man es nicht hält, sei es Sünde. Denn sie sprechen, was der Papst und Kirche gebietet oder lehrt, das ist der heilige Geist und Gottes Wort, darum soll man es glauben und halten: welches eine öffentliche unverschämte Lüge ist; denn wie können sie solches beweisen?

 

 

 

22. Ja, sprechen sie, die christliche Kirche hat ja den Heiligen Geist, der läßt sie nicht irren noch fehlen. Antwort, wie oben gesagt:. Die Kirche sei wie sie wolle, so hat sie dennoch nicht so viel Geist gehabt als Maria; und obwohl er sie regiert hat, läßt er sie dennoch auch irren uns zum Beispiel. Wenn die Kirche ungewiß ist, was soll mich gewiß machen? Wo sollen wir denn hin? In den Tempel müssen wir auch kommen, das ist, wir müssen das Wort Gottes fassen, das ist mir gewiß und fehlt nicht, da finde ich Christum gewiß. Darum, wo das Wort ist, da muß ich auch bleiben, wenn ich daran hänge. Wie das Wort mitten in den Tod geht, und durchdringt und lebendig bleibt; so muß ich auch durch den Tod dringen und ins Leben kommen, daß mich nichts aufhalten noch umstoßen kann, weder Sünde, noch Tod, noch Teufel. Den Trost und solchen Trotz, den ich aus Gottes Wort habe, kann mir keine andere Lehre geben; darum ist es mit keinem anderen Weg zu vergleichen.

 

 

 

23. Darum ist es Not, daß man solches wohl fasse und setze weder das Vertrauen auf Menschenlehre und der heiligen Väter. Denn Gott hat solches auch in vielen anderen Beispielen angezeigt, daß man sehe, wie gar nicht auf Menschen zu bauen und zu trauen ist; weil besonders auch die Heiligen fehlen können; als, da wir lesen Apostelgeschichte 15,5 ff., daß kurz nach der Himmelfahrt Christi, ungefähr 18 Jahre später, die Apostel zusammen kamen, und der vornehmste Haufe derer, die da Christen waren da erhob sich eine Frage:. Ob man die Heiden müßte zwingen, daß sie sich beschneiden ließen? Und traten auf die obersten aus der Pharisäer Sekte und Gelehrte, die da gläubig geworden waren, und sprachen: man müßte sie beschneiden und gebieten zu halten das Gesetz Mose, und erhob sich darüber ein Streit, daß der ganze Haufe diesen zufallen wollte. Da trat allein Petrus, Paulus, Barnabas und Jakobus auf und traten dem entgegen, und besonders Petrus stand auf und schloß also: Gott hat den Heiden, die aus meinem Mund gehört haben das Evangelium, den Heiligen Geist gegeben, ebensowohl als uns, und hat keinen Unterschied zwischen ihnen und uns gemacht, sondern reinigte ihre Herzen durch den Glauben. Haben sie denn den Heiligen Geist bekommen und sind nie beschnitten gewesen: was wollt ihr sie denn dazu binden, und ein Joch auf ihren Hals legen, welches weder unsere Väter noch wir haben können tragen? Denn wir glauben durch die Gnade des Herrn Christi selig zu werden gleichwie auch sie.

 

 

 

24. Nun siehe, hier sind so viel Christen gewesen, die da geglaubt haben, da die Kirche noch jung war und am besten gestanden ist, Gott läßt sie alle irren ohne diese drei oder vier allein; also wenn sie nicht gewesen wären, so wären da irrige Dinge gelehrt und ein Gebot wider Christum aufgesetzt worden. Noch sind wir solche Narren und so blind, daß wir nichts anderes könnten sagen, denn: das haben die Konzilien und die Kirche geboten, die können nicht irren, und was sie schließen, dem soll man folgen.

 

 

 

25. Mehr lesen wir auch, daß danach die Vornehmsten, beide Petrus und Barnabas, auch fielen und mit ihnen die anderen Juden allesamt; da trat als einziger Mann Paulus auf und strafte ihn öffentlich, wie er selbst schreibt zu den Galatern Kapitel 2,11. Haben nun diese heiligen Konzilien und die heiligen Leute geirrt, was sollen denn wir auf unsere Konzilien vertrauen? Welche, wenn man sie gegen die hält, die von Aposteln gehalten sind, ihnen nicht das Wasser reichen können.

 

 

 

26. Warum läßt denn Gott solches geschehen? Darum tut er es, daß er nicht will, daß wir uns auf einen Menschen verlassen noch trösten auf irgend eines Menschen Wort und Lehre, wie heilig sie auch sein mögen, sondern allein unser Vertrauen auf sein Wort setzen darum, wenn gleich ein Apostel käme, oder gleich ein Engel vom Himmel, wie Paulus sagt: Galater 1,8-9, und etwas anderes lehrt, soll man frei sagen:. Das ist nicht Gottes Wort, darum will ich es nicht hören. Und bleib nur dabei, daß man das Kindlein nirgends finden wird denn im Tempel, oder in dem, daß Gottes ist. Maria sucht ihn auch wohl unter den Freunden, das sind freilich große, Gelehrte und fromme Leute; aber da findet sie ihn nicht.

 

 

 

27. Gleiche Beispiele und Figuren haben wir auch an anderen Stellen im Evangelium, welche auch eben das anzeigen, daß man nichts anderes lehren soll denn Gottes Wort, und keine andere Lehre annehmen, weil man Christum nicht findet denn als allein in der Schrift. Also lesen wir im Evangelium am Christtag Lukas 2,12. Da spricht der Engel, der den Hirten verkündigt die Geburt Christi:. " Daß sollt ihr zum Zeichen haben: ihr werdet finden das Kind in Windeln gewickelt und in einer Krippe liegen ". Warum gib er nicht die Mutter Maria und Josef zum Zeichen, sondern allein die Windeln und Tücher, und die Krippe? Darum, daß uns Gott auf keinen Heiligen weisen will, auch zu der Mutter selbst nicht; denn das kann alles fehlen. Darum muß er uns einen gewissen Ort anzeigen, da Christus liegt; das ist die Krippe, da findet man ihn gewiß, wenn gleich Josef und Maria nicht da wären. Das ist so viel gesagt: Christus ist in der Schrift eingewickelt durch und durch, gleich wie der Leib in den Tüchern, die Krippe ist nun die Predigt, darin er liegt und gefaßt wird, und daraus man Essen und Futter nimmt. Nun hat es wohl einen größeren Schein, daß das Kind sollte da liegen, da Maria und Josef sind, die großen heiligen Leute; doch zeigt der Engel allein auf die Krippe, die will er nicht verachtet haben. Es ist ein geringes einfältiges Wort: doch liegt Christus darin.

 

 

 

28. Also, daß sehen wir auch in anderen Geschichten; als, von dem heiligen Simeon, der von Gott eine Verheißung hatte, der sollte nicht sterben, er hätte denn zuvor den Christum gesehen. Der kommt aus Anregung des Heiligen Geistes in den Tempel, da findet er das Kind und nimmt es auf seine Arme. Das ist aber allein darum angezeigt, daß er Christum im Tempel findet. Darum ist das Summa Summarum, daß uns Gott vor Menschenlehren warnen will, wie gut sie auch sein mögen, daß man sich ja nicht darauf verlasse, sondern allein dem einigen und rechten Wahreichen glaube, welches ist das Wort Gottes. Das andere laß alles fahren. Es mag wohl gut und recht gesagt oder beschlossen sein, doch wollen wir nicht mit dem Herzen darauf vertrauen.

 

 

 

29. Dies ist nun der Trost, den wir haben aus diesem Evangelium, wenn das hohe Leiden anfängt, davon wir oben gesagt haben, daß wir dann wissen, wie kein anderer Trost zu finden ist denn allein in der Schrift und Gottes Wort. Und darum hat es Gott schreiben lassen, daß wir solches daraus lernen, Paulus sagt Römerbrief 15,4.: " was geschrieben ist, das ist uns zur Lehre geschrieben, auf das wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben ". Da spricht er auch, daß die Schrift tröstlich ist, oder Geduld und Trost gebe, darum kann kein anderes Ding sein, daß die Seele tröstet, auch in den geringsten Anfechtungen. Denn was etwas anderes ist, dadurch sich ein Mensch trösten will, wie groß es auch ist, das ist alles ungewiß; da denkt das Herz immerdar: Ei, wer weiß, ob es recht sei? Ei, wenn ich es doch gewiß wüßte! Aber wenn es an Gottes Wort hängt, so kann es ohne wanken also sagen:. Da ist Gottes Wort, das kann nicht genügen noch fehlen, dessen bin ich gewiß. Das ist der höchste Streit, den wir haben, daß wir das Wort behalten und dabei bleiben; wenn das aus dem Herzen gerissen wird, so ist der Mensch verloren.

 

 

 

30. Darum laßt uns ja darauf rüsten, wenn man kommt und uns vorhält, daß die christliche Kirche nicht irren könnte, daß wir dem Wissen zu begegnen, und sprechen:. Siehe, das ist nicht Menschen, sondern Gottes Wort; das steht hier im Evangelium, daß die Mutter voll, voll heiligen Geistes ist; und doch fehlt sie. Also, auch in der Apostelgeschichte waren die, die da glaubten und den Geist hatten, und dennoch fehlten, und hätten ein unchristliches Gesetz gemacht, wenn nicht ein paar andere Apostel aufgestanden wären. Darum soll man keinen Konzilien noch anderen Heiligen glauben, wenn sie nicht Gottes Wort bringen. Also haben wir das Hauptstück in der Summe dieses Evangeliums; was aber mehr darin ist, wollen wir denen befehlen zu handeln, die da müßig sind; und wer Achtung darauf hat, wird es leicht selbst finden.

 

 

 

31. Über den Satz, den Lukas sagt: Christus habe zugenommen an Weisheit und Gnade; so er doch Gott gewesen ist und volle Gnade und Weisheit gehabt, sobald er in den Mutterleib gekommen ist, hat man viel gestritten. Da haben sie den Text schändlich verkehrt mit ihren Glossen. Darum laßt solch erdichtetes Gerede fahren, und last die Worte liegen, wie sie liegen, ohne alle Glosse, und verstehe es nur aufs einfältigste, daß er immer mehr und mehr gewachsen und stärker geworden ist im Geist, wie ein anderer Mensch, wie oben im Evangelium am Sonntag nach dem Christtag weiter gesagt ist.

 

 

 

 

 




 

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2. søndag efter helligtrekonger

 

 

 

Johannes 2,1-11

 

 

 

 

 

 

 

Und am dritten Tage ward eine Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger wurden auch auf die Hochzeit geladen. Und da es an Wein gebrach, spricht die Mutter Jesu zu ihm:. Sie haben nicht Wein. Jesus spricht zu ihr: Weibe, was habe ich mit dir zu schaffen? Meine Stunde ist noch nicht gekommen. Seine Mutter spricht zu den Dienern: was er euch sagt, daß tut. Es waren aber allda sechs steinerne Wasserkrüge gesetzt, nach der Weise der jüdischen Reinigung, und gingen in je einen zwei oder drei Maß. Jesus spricht zu ihnen:. Füllet die Wasserkrüge mit Wasser. Und sie fülleten sie bis oben an. Und er spricht zu ihnen:. Schöpfet nun, und bringt es dem Speisemeister. Uns sie brachtens. Als aber der Speisemeister kostete den Wein, der Wasser gewesen war, und wußte nicht, von wannen er kam (die Diener aber wußtens, die das Wasser geschöpft hatte), ruft der Speisemeister den Bräutigam und spricht:. Jedermann gibt zuerst den guten Wein, und wenn sie trunken geworden sind, alsdann den geringeren; du hast den guten Wein bisher behalten. Das ist das erste Zeichen, daß Jesus tat, geschehen zu Kanaan in Galiläa, und offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.

 

 

 

1. Dies ist das erste Wunderzeichen, daß unser lieber Herr Jesus auf Erden getan hat, damit er, wie Johannes selbst meldet, seine Herrlichkeit seinen Jüngern hat wollen offenbaren, auf das sie an solchem Wunderzeichen ihn kennenlernten und für den Sohn Gottes und rechten Messias hielten; besonders weil er das kann, daß sonst kein Mensch auf Erden kann, nämlich die Kreatur ändern und aus Wasser Wein machen. Solche Kunst ist allein Gottes Kunst, der ein Herr über die Kreatur ist; die Menschen können es nicht.

 

 

 

2. Deswegen soll dies Wunderwerken besonders dazu dienen, daß wir unseren lieben Herrn Christus recht kennenlernen, und mit gewisser Zuversicht, wo Mangel und Not sich bei uns findet, zu ihm Zuflucht haben, Hilfe und Gnade bei ihm suchen; die soll uns gewiß zu rechter Zeit wiederfahren. Solches ist das vornehmste Stück aus dem heutigen Evangelium.

 

 

 

3. Weil man aber bei allen Wunderwerken Christi solche Lehre und Trost findet, wollen wir jetzt besonders von dem handeln, daß der Herr solches Wunderzeichen eben auf der Hochzeit tut, auf das die Lehre vom Ehestand auch unter den Christen bleibe; denn es ist viel daran gelegen.

 

 

 

4. So ist es auch besonders darum sehr nötig. Denn wie ihr wisset, ist der Ehestand unter dem Papsttum sehr verachtet, und allein die Jungfrauschaft und Keuschheit gepriesen worden. Wie aber Gott die ehelosen Geistlichen wiederum bezahlt und gestraft hat, wissen wir, daß ihnen nicht allein Lust und Liebe zum Ehestand genommen, sondern auch die Liebe zu den Frauen ganz ausgelöscht ist. Daß es ein großes Wunder ist, daß nicht längst der gottlose Sodomitische Haufe in den Stiften und Klöstern im Papsttum allein dieser Sünde wegen, welche aus Verachtung des ehelichen Lebens gefolgt, mit höllischem Feuer angezündet und in den Abgrund der Hölle versenkt ist.

 

 

 

5. Daß wir aber andere Gedanken vom Ehestand fassen, und denselben nicht, wie der Papst, fliehen und hassen, dient dies Evangelium zu; darin wir sehen, daß der Herr sein erstes Wunderzeichen auf der Hochzeit zu Kanaan in Galiläa, eben dem armen kleinen Flecken tut, da er dreißig Jahr alt, von Johannes schon getauft, und jetzt angefangen hatte, ein Prediger zu sein. Nach des Papstes Heiligkeit und Weisheit hätte es dem Herrn Christus viel besser angestanden, daß er es zuvor getan hätte, ehe er in das geistliche Amt getreten, und vom Heiligen Geist zum Prediger gesalbt und berufen worden wäre.

 

 

 

6. Aber es ist solches ein trefflich und nützliches Beispiel, nicht allein gegen des Papstes Irrtum, derweil uns, Gott Lob! Tot und hin ist, sondern auch gegen die zukünftigen Rotten, die es für eine große Heiligkeit halten, den Ehestand und anderes bürgerliches Wesen lassen, und hin in die Wüste oder Einöde laufen, da man besserere und ruhigere Tage hat, denn im Ehestand, da man sich mit Weib, Kindern, Knechten, Mägden, bösen Nachbarn zanken schelten und auch häufig schlagen muß. Daher muß der Ehestand ein mühseliger Stand genannt werden, da Mühe und Arbeit genug ist, wenn du Gottes Geschöpf, Stiftung, Segen und Wort aus den Augen setzen willst. Dagegen haben die Mönche ihr Leben ein heiliges, vollkommenes Leben geheißen. Aber, wie vor Augen ist, ist es wahrhaftig ein faules, gutes und süßes Leben, da sie alles genug haben, ohne die armen Leute in der Welt gelassen haben, die ihre Nahrung müssen sauer verdienen, und haben dennoch den Namen, daß sie in einem guten Stand sind.

 

 

 

7. Wiewohl nun das Beispiel, welches uns Christus hier zeigt, groß und trefflich ist; so hat es doch bei den heillosen Leuten nicht geholfen. Man hats in der Kirche gelesen; aber da ist keiner gewesen, der dies Licht hätte können sehen und sagen: wenn es denn so gut ist, in die Wüste gehen, oder in das Kloster laufen, warum ist Christus auf die Hochzeit gegangen? Ist denn das so bös, in der Welt leben und ehelich werden: warum ehret denn Christus in den ehelichen Stand mit seiner Gegenwärtigkeit und mit so einem herrlichen Wunderwerk?

 

 

 

8. Nun hätte es seine Meinung gehabt, wenn solch ein Kloster -oder Einsiedlerleben auf zwei oder drei Wochen, auf ein Jahr oder zwei angestellt wäre. Aber daß man die Ehe nicht nur flieht, sondern auch für alle Ewigkeit absagt, das heißt den ehelichen Stand aufs höchste verachtet und verunehrt, und anstatt desselben nicht einen heiligen Stand, sondern Ruhe und ein stilles Leben gesucht, wider Gottes Befehl und Ordnung.

 

 

 

9. Darum lernet hier, daß unser Herr Gott das vierte Gebot ehrt. Denn wo Hochzeit, das ist, Vater und Mutter ist, da muß ein Haushalten sein, da wird Weib und Kind, Knechte und Mägde, Vieh, Acker, Handwerk und Nahrung sein. Dies alles will der Herr uns, als ein heiliges Leben und seligen Stand, hiermit befohlen haben, daß ihn niemand verachten, sondern ehren und für groß halten soll, wie er ihn ehret.

 

 

 

10. Darum ist dies Evangelium eine rechte Predigt für das junge Volk, daß es lerne, wie man unserem Herrn Gott auch wohl im Hause dienen kann, und es nicht nötig ist, etwas Besonderes anzufangen; wie die Katholiken getan haben. Denn ein Hausvater der sein Haus in Gottesfurcht regiert, seine Kinder zu Gottesfurcht und Erkenntnis, zu Zucht und Ehrbarkeit erzieht, die er ist in einem seligen, heiligen Stande. Also eine Frau, die der Kinder wartet mit Essen, Trinken geben, Wischen, Baden, die darf nach keinem heiligeren, gottseligeren Stand fragen. Knecht und Magd genau so, wenn sie tun, was ihre Herrschaft sie heißt, so dienen sie Gott; und wenn sie an Christum glauben, gefällt es Gott viel besser, wenn sie auch die Stube kehren, oder Schuhe auswischen, denn als aller Mönche Beten, Fasten, und was sie noch alles für hohe Gottesdienste rühmen.

 

 

 

11. Deswegen solle man solch ein Hausleben im Ehestande nicht verachten, noch, wie es die Mönche gelästert haben, wir einen weltlichen, unseligen Stand halten. Denn hier sehen wir, daß der Herr Christus selbst zu Hochzeit geht. Solches gilt aber nicht allein der Hochzeit, sondern dem ganzen Haushalten; das will Gott geehrt haben, wie das vierte Gebot, welches das höchste in der anderen Tafel ist, ausweist.

 

 

 

12. Deswegen, bist du Vater und Mutter, so bleibe in solchem Stande, und lerne, daß Gott ein Gefallen daran geschieht, wenn du tust, was du in solchem Stande tun sollst. Bist du ein Knechte oder Magd, so lerne, daß Gott einen Gefallen an deinem Stand hat. Denn Gott hat den Ehestand selbst gesegnet und geehrt, hat die Hochzeit geehrt mit seiner Gegenwärtigkeit und erstem Wunderwerk, da er schon ein Prediger war. Er hätte ja auch sagen können:. Ich will nicht kommen, will meines Predigens warten; es ist etwas weltliches; mir ist ein geistliches Amt befohlen, danach muß ich mich halten.

 

 

 

13. Aber er, der höchste Bischof, läßt das Amt, dem er einen besonderen Befehl hatte, sich nicht beirren, verachtet die Hochzeit nicht, welche des Haushaltens Anfang ist; sondern ehrt, lobt und ehrt also die Werke in solchem Stand, daß jedermann dazu willig sein soll, und sagen:. Weil Gott mich so gesetzt und geordert hat, daß ich als eine Magd, als ein Knecht, als ein Kind, als ein Ehemann, als eine Hausmutter soll dem Ehestand und zum Haushalten dienen, so will ich es gern tun und meinem Gott in solchem Stande mit Freuden dienen. Denn ich sehe, daß der hohe Prediger, mein Herr und Gott, Christus Jesus, sich selbst hierher gibt, und auf die Hochzeit, diesem Stand nicht allein zur ehren, sondern auch zur Hilfe und Erhaltung.

 

 

 

14. Diese Lehre ist nötig gewesen wider die Ketzer und dem Papst, ist noch heute not wider die Rottengeister, als da sind die Wiedertäufer und dergleichen, die da kommen, und sagen:. Es ist nichts mit dem Haushalten, es geht so und so zu, jetzt hat man untreues Gesinde, jetzt muß man sich mit den Nachbarn zanken, jetzt steht einem ein anderer Unfall mit Weib, Kindern, Nahrung zu; wie kann man bei so viel Unruhe, deren kein Maß noch Ende in ehelichen Leben ist, an Gott denken und Gott dienen? Ich will es nicht ansehen, will in ein Kloster laufen, da will ich aller Unruhe von frei sein. Sind also hingefahren in des Teufels Namen, der in dieses, der andere in ein anderes Kloster.

 

 

 

15. Solches soll man merken, auf das dergleichen tolle Geister nicht wieder kommen. Denn hier steht es klar, wie der Herr Christus selbst, da er auf die Hochzeit kommt, Braut und Bräutigam nicht von einander scheidet, sondern sie bei einander gelassen, und selbst dazu geholfen hat, daß diese Hochzeit desto ehrlicher ausgerichtet werde. Mit solchem schönen Beispiel hat er uns wollen lehren, daß es ihm auch wohl gefällt, wo man zum Haushalten treulich hilft und dient. Denn ob sich auch dort ein Mangel findet, sollst du nicht erschrecken; siehe nur, daß du Christus bei dir hast und nicht gottlos seist: so will er aus Wasser Wein machen, und deinen Stand so segnen, daß du genug haben sollst, und es wird sich endlich finden, was man bedarf, ob es auch wohl eine Weile lang mangelt.

 

 

 

16. Solches sieht man auch in der Erfahrung. Wenn Mann und Weib fein christlich mit einander Leben, so ernährt sie unser Herr Gott so leicht, daß sie mehr kriegen, denn als sie hoffen. Und ich glaube es ist kein Handwerker, der fleißig bei seiner Arbeit und dazu gottesfürchtig ist, wenn man ihm so viel Geld auf einen Haufen auf einen Tisch schüttet, wie viel er im ganzen Jahr erarbeiten kann, der glauben würde er könnte sich damit erhalten. Aber da geht Gottes Segen heimlich, daß man heute einen Pfennig, morgen wieder einen, und sich dabei behilft, daß man Gottes Segen bei solchen stillen Haushalten spüren muß. Das also unser lieber Herr Christus noch heutigen Tages in meinem und deinem Hause (wenn wir nur gottselig und fromm sind, und ihn sorgen lassen) Wasser zu Wein macht. Also, er macht, daß aus einem Stück Brot 10 werden müssen, und ein Rock so lange hält, als sonst drei. Daß wir auch solcher Erfahrung bewegen, wenn wir nur die Augen auftun wollten, sagen sollten: Herr, die Werke der Haushaltung gehören dir, dir dient man damit; denn du hast sie geehrt und ehrst sie noch mit deinem Segen. Darum will ich sie auch nicht verachten, sondern fleißig dazu helfen in meinem Stande.

 

 

 

17. Der Evangelist meldet besonders, wie die Mutter Jesu auch dabei gewesen ist. Die wird vielleicht die Brautmutter auf der Hochzeit gewesen sein. Denn sie kümmert sich um das tun, daß ihr daran alles besonders gelegen sei, weil sie den Mangel sieht. Denn es scheint, als sei es eine große Hochzeit gewesen, auf welcher es nicht an Brot und Wein gemangelt habe. Dann denke du nun, so Gott der Ehestand nicht gefiele, sollte nicht Jesus zu ihr gesagt haben:. Ei Mutter, du bist so herrlich und groß, bist unter allen Weibern eine Jungfrau und eine Mutter des Sohnes Gottes, solltest du deswegen allein der Kirche und des Gottesdienstes warten: du begibst dich hierher in diese Arbeit, wie man die Hochzeit wohl verrichte? Und es ist wahr, lächerlich ist es, daß die heilige Mutter sich in dieses geringe Werk geben soll, und auf der Hochzeit eine Magd sein, und den Leuten mit Kochen und anderem dienen. Aber es geschieht alles, wie ich zuvor oft gesagt habe, daß wir daraus lernen, diesen Stand recht zu erkennen, welchen Christus und die Jungfrau Maria so hoch ehren.

 

 

 

18. Dennoch hat solch ein Beispiel nichts im Papsttum geholfen, und hilft bei dem ungehorsamen, untreuen Hausgesinde auch nichts. Denn niemand will es glauben noch für wahr halten, daß damit Gott gedient sei, wenn man im Hause treu und fleißig dient. Sonst würden Knecht und Magd, Kind und Gesinde lustig und guter Dinge sein zu aller Arbeit, und sich aus ihrem Hausdienst ein Paradies machen, und sagen:. Ich will meinem Herrn, meiner Frau zu Gefallen tun und lassen, was sie wollen. Ob ich auch dabei beschimpft werde, was schadet es; weil ich doch gewiß weiß, daß mein Stand unserem Herrn Gott ein Dienst und wohlgefälliges Leben ist; denn mein Erlöser, Christus selbst, ist zu Hochzeit gegangen, und hat dieselbe mit seiner Gegenwärtigkeit und seiner Mutter Maria Dienst geehrt: sollte ich nun solchem Stand nicht zu Ehren und Dienst auch so etwas tun und leiden? Aber man findet solche Dienstboten sehr wenig; der meiste Teil ist so verstockt, wenn er auch gleich diese Geschichten hört, daß er es dennoch nicht bedenken, noch sich bewegen lassen will, daß er es im Hause bekommen und haben kann, daß er damit Gott auf das Beste dienen, mehr als eine Nonne oder ein Mensch im Kloster, und wenn es diesen noch so sauer würde. Aber niemand nimmt es zu Herzen, niemand glaubt es. Darum geschieht es alles mit einem Unwillen und Unlust, und ist nicht möglich, das Glück oder Heil bei solchem unbilligen Gesinde sein könne.

 

 

 

19. Denn sollte nicht eine gottesfürchtige und fromme Magd im Hause, die Kochen und anderes tun muß, solchem Beispiel der Mutter Gottes sich trösten und freuen, und sagen:. Das ich Kochen und anderes tun muß, das ist eben der lieben Jungfrau Maria Dienst auf der Hochzeit gewesen; die machte sich auch zu schaffen, sah zu, wie alles wohl verrichtet würde. Und ob es wohl ein geringes Werk ist, daß ich im Hause tue, und kein Ansehen hat, so tue ich es doch Gott zu ehren, der das befohlen hat, und will, daß ich solchen Gehorsam und Fleiß tun soll, und weiß, wenn ich dies tue, daß es Gott wohlgefällt. Es achte nun die Welt solchen Gehorsam, wofür sie will; so sollen doch die, so da Christen sein wollen, ihn für groß und einen rechten Gottesdienst halten, und mit allem Willen ausrichten. Also könne eine Magd oder Knecht im Hause sich selbst in seinem Stande über seine Arbeit eine Freude bereiten und Freude dabei haben und Gott ein Wohlgefallen tun, und sagen:. Ich danke dir, Herr, daß du mich in diesen Dienst befohlen hast, der ich weiß, daß ich dir damit mehr diene denn alle Mönche und Nonnen, die zu ihrem Dienst keinen Befehl haben. Ich aber habe Gottes Befehl, im vierten Gebot, daß ich Vater und Mutter ehren, Herren und Frauen mit allem Fleiß und Treue dienen, und zum Haushalten helfen soll; will darum mit Lust und Liebe denselben nachkommen.

 

 

 

20. Der sich so zu der Sache stellt, der täte, was er tun soll, mit Freude und Lust, und wäre hier bereits im Paradies; unser Herr Gott würde auch ein Wohlgefallen daran haben, mit allen seinen Engeln. Desgleichen Herr und Frau, die würden wiederum solche Treue und billigen Dienst reichlich belohnen. Denn treues, frommes Gesinde wird überall hoch gehalten.

 

 

 

21. Und da sieht man, daß es dazu nicht kommen will, und es jedermann eher für einen Gottesdienst halten will, wo man in ein Kloster geht, denn daß man Herren und Frauen fleißig zum Haushalten dient. Weil man aber das vierte Gebot so mit Füßen tritt und den Ehestand so verachtet hat, hat Gott recht getan, daß er sie zu Mönchen und Nonnen hat werden lassen und in solchen Stand, daß sie sich jetzt zermartern, Gott den höchsten Ungehorsam damit tun, denn er hat es ihnen nicht befohlen.

 

 

 

22. Darum laßt uns dies Beispiel wohl lernen, daß jedermann willig und gerne diene, und helfe zudem Stand, welchen unser Herr Gott selbst gesetzt und geehrt, und einen Brunnen und Quelle aller anderen Stände auf Erden gemacht hat. Denn das Haushalten oder Ehestand muß alle Könige und Fürsten erhalten: aber nicht allein deshalb, daß Könige und Fürsten aus dem Ehestand kommen, sondern daß man weder Leute noch Zinsen haben würde, wenn die Eheleute nicht wären. Denn der Haushalter muß es erwerben, davon alle Stände in der Welt, vom größten bis auf den kleinsten, erhalten werden.

 

 

 

23. Solches soll man lernen, und willig und Gehorsam dazu sein, daß dieser Stand von uns auch geehrt und gefördert werde; auf das ein jeder Ehemann oder Dienstbote lernen sagen: Herr, es ist dein Wohlgefallen, du bist selbst auf der Hochzeit zu Kanaan gewesen, und deine Mutter, die gesegnete unter allen Weibern, hat eben das auf der Hochzeit getan, daß ich im Haus meines Herrn tue. So sie nun solcher geringen Arbeit sich nicht geschämt, sondern es von sich aus getan: warum wollte ich armer Madensack mich für besser halten, und mich solcher Hausarbeit schämen, denn ich lauter Dreck bin gegen die reine Jungfrau Maria?

 

 

 

24. Besonders aber sollen die Eheleute den Trost hier fassen, wenn sie fromm und gottesfürchtig sind, daß sie Gott nicht lassen, sondern mit seinen Segen gerne bei ihnen helfen will, und allen Mangel wenden, wie er hier tut. Denn es wird nichts anderes daraus, Eheleute müssen viel Anstöße haben auf Nahrung und anderes wegen. Aber hat man Christum auf der Hochzeit, daß man gottesfürchtig ist, so soll der Segen und die Hilfe nicht außen bleiben. Das sollt ihr heute lernen und wissen; denn darum wird es gepredigt, daß ihr desto billiger in den Diensten, so zur Haushaltung geordnet, bleiben sollte, und euch nicht verführen lassen von denen, so kommen und sagen: Haushalten, ehelich werden, ist ein weltliches Ding, wenn Gott dienen will, muß es anders machen, daß es ihm sauer werde und weh tue.

 

 

 

25. Wie die Widertäufer, das blinde Volk, wie es zur Zeit tun, laufen von Weib und Kindern weg; solches trüben sie für ein großes Kreuz und große Heiligkeit, weil es weh tut. Aber es ist lauter Büberei mit den Schälken. Ursache, daß tut nicht weh, was sich einer selbst vornimmt und auflegt. Jenes tut viel mehr weh, davor man sich scheut, daß man bei Weib und Kindern bleiben, vom Gesinde, bösen Nachbarn viel leiden muß; denn da ist einer so als wäre er in zwanzig Stricken gefangen. Von solchen Stricken machen die argen Buben sich los und leben nach ihrem eigenen Willen. Das heißt aber sich nicht weh tun. Das aber tut weh, daß nun nach Gottes Befehl gebunden sein mußt an dein Weib, Fürsten, Nachbarn, Dienstboten, da du auf allen Seiten aller Hände voll hast, christliche Liebe und Geduld zu beweisen. Denn da mußt du hören, sehen, leiden, daß du weit dir denkst; du möchtest davon laufen, muß aber dennoch bleiben und sagen:. Ich will es alles gern tun und leiden; denn ich weiß, daß Gott bei dem Haushalten mit seinen Gnaden sein will. Ja, ich danke Gott von Herzen, der mich in diesen seligen und ihm wohlgefälligen Stand gesetzt hat. Wird etwas mangeln, so kann er helfen. Und er beweist es hier auf dieser Hochzeit, daß er als gern und mit Lust tun will.

 

 

 

26. Solches sollt ihr aus dem heutigen Evangelium lernen, und Gott um seine Gnade anrufen, daß wir es erhalten, und also christliche uns in unseren Beruf schicken können, Amen.

 

 

 

 

 



 

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3. søndag efter helligtrekonger

 

 

 

Matthäus 8,1-13

 

 

 

 

 

 

 

Da er aber vom Berge herab ging, folgte ihm viel Volks nach. Und siehe, ein Aussätziger kam und betete ihn an und sprach: Herr, so du willst, kannst du mich wohl reinigen. Und Jesus streckte seine Hand aus, rührte ihn an und sprach:. Ich wills tun; sei gereinigt. Und alsbald ward er von seinem Aussatz rein. Und Jesus sprach zu ihm:. Siehe zu, sags niemand; sondern gehe hin und zeige dich dem Priester und opfere die Gabe, die Moses befohlen hat, zu einem Zeugnis über sie. Da aber Jesus einging zu Kapernaum, trat ein Hauptmann zu ihm, der bat ihn, und sprach: Herr, mein Knecht liegt zu Hause und ist gichtbrüchig und hat große Qual. Jesus sprach zu ihm:. Ich will kommen und ihn gesund machen. Der Hauptmann antwortete und sprach: Herr, ich bin nicht wert, daß du unter mein Dach gehst; sondern sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund. Denn ich bin ein Mensch, dazu der Obrigkeit untertan und habe unter mir Kriegsknechte; noch wenn ich sage zu einem:. Gehe hin, so geht er; und zum anderen:. Komm her, so kommt er; und zu meinem Knecht:. Tu das, so tut ers. Da das Jesus hörte, verwunderte er sich und sprach zu denen, die ihm nachfolgten:. Wahrlich, ich sage euch, solchen Glauben habe ich in Israel nicht gefunden. Aber ich sage euch:. Viele werden kommen vom Morgen und vom Abend und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die äußerste Finsternis hinaus, da wird sein Heulen und Zähneklappen. Und Jesus sprach zu dem Hauptmann:. Gehe hin, die geschehe, wie du geglaubt hast. Und sein Knecht ward gesund zu derselbigen Stunde.

 

 

 

1. Im heutigen Evangelium werden uns zwei Stücke vorgehalten: das erste von dem Aussätzigen, welchen der Herr rein macht; das andere von einem Hauptmann, der einen kranken Knecht hatte. Solche Wunderzeichen, meldet der Evangelist, habe Christus bald nach der langen Predigt auf dem Berge getan. Denn also sollte es gehen, daß er erst Predigt und danach solche Predigt mit Wunderwerken bezeugt, daß jedermann darüber urteilen kann, daß die Predigt recht und nicht falsch ist, und desto eher geglaubt wird.

 

 

 

2. Wir bedürfen, Gott Lob! Der Wunderzeichen nicht; denn die Lehre ist bereits mit Wunderzeichen so bezeugt, daß niemand daran zweifeln soll. Aber dennoch will es besonders mit denen, die das Wort führen, nötig sein, daß sie nicht allein als Christen reden können, sondern auch als Christen leben, und mit dem Werk der Lehre Zeugnis geben und ihren Glauben sehen lassen. Denn das Reich Gottes stehet nicht, wie Paulus sagt, in den bloßen Worten, sondern in der Kraft. Wo nun Lehre und Werk zusammen stimmen, da schafft es Frucht. Da dagegen jedermann sich ärgern muß, wenn das Leben böse ist und sich mit der Lehre nicht reimt.

 

 

 

3. Nun sind aber solche zwei Wunderwerke hier nicht allein anzusehen als Zeugnis der Lehre (denn weil es solche Werke sind, die über alle menschliche Kraft und Vermögen sind, muß die Vernunft für sich selbst schließen, wie wir an Nikodemus, Johannes 3,2, hören, daß solche Zeichen niemand tun kann, denn Gott sei mit ihm); sondern sind auch anzusehen als Beispiel des Glaubens und der Liebe. Denn wer sieht nicht, was für ein freundliches Herz unser lieber Herr Christus hat, daß er sich mit einem Wort läßt dazu bringen und hilft, wo sonst alle Welt nicht helfen kann? Das ist ja ein Zeichen, daß er es mit den armen, betrübten, elenden Leuten nicht übel meine; sonst würde er tun, wie wir tun, wenn wir unlustig und zornig sind, so man kommt und etwas von uns begehrt oder haben will, geben wir niemand ein gutes Wort. Das tut Christus nicht. Der Aussätzige hat den Mund noch nicht recht aufgetan, bald ist Christus da, rührt ihn an, und sagt, er wolle ihm gern helfen; und hilft ihm auch.

 

 

 

4. Solche Gutwilligkeit soll uns nicht allein reizen, daß wir in unseren Nöten auch Hilfe bei ihm suchen und hoffen, er werde uns nicht lassen, sondern sollte uns vorleuchten, daß wir die gleiche Liebe und Freundlichkeit unserem Nächsten auch beweisen, und in solchem Werk, gleichwie Christus, auf nichts, denn auf den Gehorsam gegen Gott und des Nächsten Not und Besserung sehen. Denn Christus sucht mit solche Hilfe weder Ehre noch Gut; allein sieht er dahin, daß der arme Mensch solcher Hilfe bedarf, und das Gottes Ehre damit gefördert und ihm also der Gehorsam geleistet wird.

 

 

 

5. Damit aber dienst du Gott nicht, wenn du einem etwas zu gute tust, daß er dir wieder dienen und du seiner Wohltat wieder genießen möchtest, sondern du dienst dir damit dann nur selber. Er aber Gott und seinen Nächsten recht will dienen, der sehe nicht auf seinen Nutzen, sondern nur auf die Not, die vorhanden ist, und daß es Gott haben will und so befohlen hat, daß man den Nächsten in der Not nicht soll stecken lassen, wenn man es gleich auch nie genießen, ja, noch allen Undank damit verdienen sollte. Wie wir in einer anderen Geschichte sehen, der Christus zehn Aussätzige reinigt, und nur einer kommt wieder welcher sich für die Wohltat bedankt, die anderen neun hätten ihn nicht angesehen. Das Christus solchen Undank nicht vorher gewußt hätte,, ist nicht möglich. Aber obwohl er von solchem Undank schon vorher wußte, heißt sie ihn bitten, hilft der ihnen und befiehlt das übrige Gott.

 

 

 

6. So mag man auch von der Liebe sagen welche in dem Wunderzeichen mit dem Hauptmann. Christus läßt es geschehen, daß Gottes Gnade und Güte gepriesen und den armen Leuten in ihrer Not geholfen werde. Das heißt eine rechte Liebe, die auf nichts denn auf Gotteswort und Befehl sieht.

 

 

 

7. Das Beispiel des Glaubens ist auch über die Maßen schön, daß der aussätzige Mensch, der sonst wegen des Gesetzes nicht unter die Leute gehen, mit ihnen in der Nähe weder reden noch anderes tun durfte, sich zum Herr Christus ohne alle Scheu findet, fällt vor ihm nieder, und bittet: " Herr, so du willst, so kannst du mich wohl reinigen ". Da sieht man beides: er glaubt fest und ungezweifelt, Christus sei so gütig und daneben so allmächtig, daß er ihm könne helfen in der Krankheit, da sonst allen Menschen und möglich war, daß sie konnten helfen; so doch er, der Herr Christus, gleichwie andere Menschen, daher ging, keine besondere Pracht noch Schein hatte; dennoch, weil er solches fest glaubt, besetzte er solche Bitte dem Herrn Christus an, wo er ihm nicht wolle helfen, das ist, so es wieder Gottes Ehre und seine Seligkeit wäre, so wollte er solchen Jammer gern dulden und tragen.

 

 

 

8. Das heißt nicht allein recht glauben, sondern auch recht beten; so ist es immer bei denen:. Wer recht glaubt, der betet auch recht; wer nicht recht glaubt, der kann auch nicht recht beten. Denn mit dem Gebet muß es erstlich so sein, daß das Herz gewiß ist, Gott sei so gnädig und barmherzig, daß er unsere Not gern wenden und uns helfen will.

 

 

 

9. Besonders aber soll solch ein Vertrauen fest fest und gewiß sein in den Stücken, welche Gottes Ehre und unsere Seligkeit belangen, als da ist, Vergebung der Sünden, Rettung wider den Teufel und Tod, daß Gott seinen Heiligen Geist in unsere Herzen geben, uns in seinem Wort erhalten, in keine Anfechtung sinken, im Glauben und Liebe alle Tage zunehmen lassen will. Solche Stücke dienen vornehmlich zur Ehre Gottes und unserer Seligkeit. Darum soll das Herz nicht zweifeln, wenn man Gott darum bittet, er werde es gern geben und uns solche Bitte nicht versagen. Denn dazu bedürfen wir der Hilfe Gottes, und Gott hat sie uns in seinem Wort versprochen.

 

 

 

10. Wer aber in solchen Sachen bitten wollte, wie der Aussätzige hier: " Herr, so du willst ", so vergib mir meine Sünde, mache mich selig, der betet unrecht. Denn da können wir an Gottes Willen nicht zweifeln, daß er solches tun will, weil er uns in seinem Wort seinen Willen schon offenbart hat, daß er wolle, daß jedermann selig werde, und um dieser Ursache seinen Sohn, unseren Herrn Jesum Christum, am Kreuz für aller Welt Sünde bezahlen lassen hat, und geboten, jedermann soll ihn hören, annehmen und an ihn glauben.

 

 

 

11. Warum stellt der Aussätzige seine Bitte also, daß er dies Wort hinzu setzt, und spricht: " so du willst, so kannst du mich reinigen "? Hier muß man auf die Geschichte sehen, worum es geht. Zuvor habe ich gesagt, was unsere Seligkeit und ohne Mittel Gottes Ehre belangt, da dürfe man das Gebet in keinen Zweifel setzen. Denn Gottes Wille ist offenbar, daß er seine Ehre und unsere Seligkeit will ungehindert haben. Aber eine solche Meinung hat es nicht mit dem Zeitlichen. Es kann einer arm, krank und verachtet sein, und dennoch selig werden, wie es denn mit allen Christen geht. Weil nun an solchen zeitlichen Mangel die Seligkeit nicht liegt, sondern solcher Mangel kann oft zu etwas Gutem dienen, darum wer um Rettung und Hilfe bittet, der soll wohl glauben, daß Gott helfen kann und helfen wird; aber doch soll er seinen Willen in Gottes Willen setzen: wo es zu Gottes Ehre nicht dienen, oder uns an unsere Seligkeit sollte nachteilig sein, so wollten wir solch ein Kreuz gern länger tragen.

 

 

 

12. Das heißt in solchen Sachen recht beten, nämlich glauben, Gott könne helfen; und dennoch Gott weder Zeit, Maß noch Ziel setzen, wie und wann er uns helfen soll. Denn es hat oft mit uns den Mangel, daß wir immer nicht wissen, was und wie wir bitten sollen; wie Paulus sagt Römer 8,26. Dagegen aber müssen wir bekennen, daß Gott wohl wisse, was zu seiner Ehre und unserer Seligkeit am besten sei. Darum sollen wir unseren Willen in seinen setzen, und nicht zweifeln, so solche Bitte zu seiner Ehre und unserer Seligkeit kommen soll, er wird uns gewiß erhören.

 

 

 

13. Darum sollen wir dies Beispiel wohl merken, daß wir auch also lernen beten, und ja in unseren Herzen keinen Zweifel haben, Gott sei uns gnädig, er wisse wohl unsere Not und Jammer, und wolle unsere Not und Anliegen sich befohlen lassen sein. Solches sollen wir fest glauben, und dennoch uns herunter werfen und sprechen: Herr, du weißt Zeit und Stunde, darum tue, was mir nütze und deinen Namen Ehre ist. Wie der Aussätzige hier auch tut: das Christus ihm helfen könne, da zweifelt er nicht daran; das sei ihm helfen wolle, da zweifelt er auch nicht daran; denn sonst würde er ihn nicht angeschrieen haben, wenn er an seinem Willen einen Zweifel gehabt hätte. Aber neben dem muß er bekennen, daß ihm nicht gebühren wolle, Ort, Stunde, Weise und Wege zu bestimmen, wann und wie ihm geholfen werden soll. Solcher Glaube und Gehorsam gefällt dem Herrn Christus sehr wohl; darum hilft er dem Armen eben zu der Stunde, an dem Ort und auf die Weise, da er es nicht hätte begehren dürfen.

 

 

 

14. Daher kommen die schönen Sprüche aus den Propheten, Psalm 27, 14.: " Harre des Herrn, sei getrost und unverzagt, und Harre des Herrn "; Psalm 130,5. 6.: " meine Seele wartet auf den Herrn, von einer Morgenröte zur anderen "; Habakuk 2,3: " ob die Verheißung verzieht, so harre ihrer, sie wird gewißlich kommen, und nicht verziehen ". Denn das sieht man in allen Geschichten, daß die Hilfe endlich kommt, wenn es auch eine Zeit dauert. So hat Gott eine besondere Rechnung darauf. Denn darum erhört er nicht so schnell, und verzieht die Hilfe, auf das er Ursache hat, mehr und reichlicher zu geben, als wir beten oder verstehen können, wie Paulus sagt in Epheser 3,20.

 

 

 

15. Was meint aber der Herr damit, nachdem er den Aussätzigen rein gemacht hat, daß er ihn zum Priester schickt, und heißt ihn das Opfer bringen, wie Moses befohlen hat? Es ist nicht falsch geantwortet, daß man sagt:. Der Herr Christus habe in diesem Fall uns ein Beispiel der Liebe vorgestellt; weil er, der doch die Macht hatte, den Priestern das nicht entziehen will, was ihnen von Gott gegeben und gegönnt war; das wir auch jedermann bei seinem Rechten bleiben lassen, und niemand was ihm gebührt, entziehen sollen.

 

 

 

16. Aber die vornehmste Ursache dieses Befehls geht dahin, daß der Herr sein Wunderwerk öffentlich bezeugt haben will, auch von seinen Feinden. Denn daß der Priester das Opfer von diesem annimmt, und gibt ihm das Zeugnis, er sei rein, das dient dazu, daß er und alle Menschen Christum sollten angenommen und an ihn geglaubt haben, als den rechten Messias. Denn da standen die Prophezeiungen, Christus sollte solche Wunderwerke tun, wenn er in die Welt kommen würde. Darum führt der Herr diese Worte, und spricht:. " Opfere die Gaben, die Moses befohlen hat, zum Zeugnis über sie ". Als sollte er sprechen:. Sie werden bekennen müssen, du bist rein und dir sei recht geholfen; daß sie aber dennoch an mich nicht glauben und mich für den Messias halten und annehmen wollen, das ist lauter verstockter Mutwille, der soll wohl gerächt werden. Das Zeugnis aber soll wieder ihnen anderen dienen, daß sie mich annehmen und an mich glauben.

 

 

 

17. Der Papst hat aus diesem Befehl die Beichte gründen wollen, weil die Sünde dem Aussatz verglichen werden kann, daß man sich dem Priester zeigen und also von Sünden reinigen lassen soll. Aber es ist ein sehr fauler Grund. Denn was geht es uns an, was Gott den Juden des Aussatzes wegen geboten hat? Haben wir doch keine solchen Priester. Und wenn wir es schon hätten, so ist es gewiß, die Priester haben die Aussätzigen nicht rein gemacht; sondern wenn sie rein gewesen sind, so haben sie ihnen das Zeugnis gegeben, daß sie rein sind. Wie reimt sich aber das auf die Beichte, weil man sie dafür hält, daß sie zur Vergebung der Sünden sei? Denn die Aussätzigen haben den Priestern nicht den Aussatz, sondern einen schönen reinen Leib zeigen sollen, wenn sie mit dem Opfer vor den Priester gekommen sind.

 

 

 

18. Aber es ist nicht nötig, solche faulen Zoten zu widerlegen. Wer da beichten will, der mag es tun. Wir wissen aber nur von einer rechten und nötigen Beichte, wenn das Herz sich gegen Gott auftut und seine Sünde bekennt. Das ist eine Herzensbeichte, die nicht lügt, wie die Ohren -oder Mundbeichte. Dennoch macht solche Beichte, so gegen Gott geschieht, nicht rein noch fromm; wie könnte es denn die Ohrenbeichte tun? Das aber macht rein und fromm, daß man sich mit dem Glauben an den Herrn Jesu und sein Wort hält, und glaubt in Namen Jesu Vergebung der Sünden, wie dies uns im Wort zugesagt wird. Das sei genug von diesem ersten Beispiel.

 

 

 

19. Das andere Wunderwerk mit dem kranken Knecht ist auch ein Zeugnis der Lehre Christi, daß man bekennen muß, weil Gott mit Wunderwerken es geschehen läßt, daß seine Lehren, recht und gut, und er der rechte Messias oder Christus sei.

 

 

 

20. Aber daneben ist hier ein gutes Beispiel, hohen und großen Glaubens in dem Hauptmann; wie denn der Herr selbst solchen großen Glauben rühmt, daß er desgleichen in Israel und unter dem heiligen Volk nicht gefunden habe.

 

 

 

21. Solchen Glauben spürt man besonders in dem, daß dieser Hauptmann, obwohl er kein Jude war, sondern Heide, dennoch zum Herrn Christus schickt, in vollem Vertrauen, er werde ihn nicht ohne Hilfe lassen; sondern wie er könne, ganz bestimmt helfen. Denn wo diese Zuversicht nicht fest in seinem Herzen gewesen wäre, so würde er, wie Lukas schreibt, die ältesten der Juden nicht bemüht und zu Jesus geschickt haben. Daß er sie aber zu ihm geschickt, ist ein Zeichen, daß er hofft, er wolle etwas bei ihm erlangen.

 

 

 

22. Bei solchem Vertrauen und Glauben steht eine sonderliche und hohe große Demut, daß er sich nicht würdig achtet, daß er selbst zu Christus gehen und ihn bitten soll: sondern schickt zur erst die ältesten der Schulen, und danach, wie er hört, daß der Herr komme, schickt er, wie Lukas sagt, seine Freunde ihm entgegen, läßt ihn bitten, er wolle sich nicht bemühen; denn er erkenne sich unwürdig, daß der Herr ihm nachgehen soll. So könne er, der Herr, die Sache, darum er gebeten sei, mit einem Wort ausrichten, ob er gleich nicht persönlich da sei. Solches glaubt dieser Hauptmann so gewiß, daß er sein eigen Beispiel dazu anzeigt, und spricht:. " Ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe Kriegsknechte unter mir, und spreche zu einem:. Gehe hin, so geht er hin; zum anderen:. Komm her, so kommt er; und zum einen Knecht:. Tu das, so tut ers ". Ist nun mein Wort so kräftig, der ich ein Mensch bin; wieviel mehr muß kräftig sein, spricht er zu Christus, wenn du ein Wort sagst! Das heißt nicht allein glauben, sondern vom glauben und seiner Art auf das beste und herrlichste predigen und lehren. Darum wäre es wohl zu wünschen, daß wir an Christum dermaßen auch glauben könnten, der durch sein Wort so reichlich bei uns wohnt, ob wir gleich seine Person nicht sehen.

 

 

 

23. Ein sehr feines Beispiel ist es, daß dieser Mann so gewiß auf das Wort Christi bauen kann. Erstlich hofft er von Christus alles Gute; danach bittet er nicht mehr, denn er soll nur ein Wort sagen. Auf dasselbe beharrt er mit höchstem Vertrauen und Freude, als auf den einzigen Schatz; wenn er den habe, daß seinem Knecht nichts mehr fehlen, sondern er frisch und gesund sein werde.

 

 

 

24. Das lerne ihm nachtun, der du das Wort schon hast. Denn da sind die tröstlichen Zusagungen das Gott durch Christum gnädig sein, und wir durch den Glauben an Christum Vergebung der Sünden und das ewige Leben haben sollen. Aber es mangelt uns an dem Herzen, daß dieser Hauptmann hier hat; der denkt:. Wenn ich das Wort habe, so habe ich alles, so wird sobald folgen, was das Wort zugesagt. Solches können wir nicht tun; darum folgt, daß wir das Wort nicht achten und dieweil auf andere Dinge gaffen; so doch das Wort allmächtig ist und, wie dieser Hauptmann hier glaubt, nicht lügen kann. Was er verheißt, daß soll gewiß so geschehen und uns widerfahren.

 

 

 

25. Nun ist aber solcher Glaube auch darum umso mehr zu preisen, daß dieser Hauptmann ein Heide ist, der keine Verheißung hat wie die Juden, der darf deswegen die Ehre sich nicht anmaßen noch rühmen, welche die Juden, als das Volk Gottes, hatten. Denn das ist es Glaubens eigene Art, daß er demütige Herzen macht, die von sich nicht viel halten noch hoffärtig sind, und deswegen sich an die bloße Gnade und Barmherzigkeit Gottes hängen.

 

 

 

26. Über solches sollen wir uns trösten, auf das wenn dieser Gedanke in unserer Herzen auch kommt, daß wir bekennen müssen, wie wir arme, elende Sünder sind, und uns keiner Würdigkeit noch Verdienstes rühmen können: wir aber dennoch nicht verzagen, sondern uns an die Verheißung Gottes hängen und seiner Gnade begehren. Solches gefällt Gott wohl, und will es von uns haben. Denn sonst wäre und hieße es nicht Gnade, wenn wir nicht immer unwürdig und unverdient zu der Verheißung kämen. Wie dieser Hauptmann: der kann nicht rühmen, wie die Juden, daß ihm Gott etwas schuldig sei; darum darf er selbst nicht vor den Herrn Christum, sondern denkt:. Mit mir ist es verloren, ich muß anderen Leute schicken; hält aber dennoch fest an dem:. Der Mann ist so gütig und freundlich, er wird mich nicht lassen.

 

 

 

27. Das heißt und ist ein rechter Glaube und rechte Demut, daß man sich der Unwürdigkeit wegen fürchtet, und dennoch nicht verzagt. Denn Gott will beides von uns haben: daß wir zum einen nicht stolz sein sollen; und zum anderen, daß wir nicht verzweifeln, sondern auf die Gnade warten sollen; wie der Psalm 147,11 sagt: " der Herr hat Wohlgefallen an denen, die ihn fürchten, und die auf seine Güte warten ".

 

 

 

28. Solches taten Juden nicht, die dachten bei sich: das Gott ihnen günstig wäre und alles Gute für sie täte, das müßte er so tun; denn sie meinten sie hielten sich nach seinen Willen, und verdienten es darum; wurden stolz und sicher, und verachteten die Gnade. Darum fällt der Herr so ein schweres Urteil über sie und spricht: " viele werden kommen vom Morgen und vom Abend, und mit Abraham und Isaak und Jakob im Himmelreich sitzen. Aber die Kinder des Reichs werden ausgestoßen in die Finsternis hinaus, da wird ein Heulen und Zähneklappen sein ". Das macht der schändliche Unglaube, daß sie so hoffärtig sind und die Gnade verachten. Darum, es ihnen wenig hilft, daß sie Abrahams Same sind; ebensowenig soll es den Heiden schaden, daß sie nicht Abrahams Kinder sind, wenn sie nur an Christum mit festem Glauben halten und nach der Gnade und Barmherzigkeit zeufzen. Denn dazu hat Gott Lust, daß er die, die satt sind, läßt hungern; wiederum aber die Hungrigen sättigen will, unangesehen, es sind Heiden oder Juden. Denn vor Gott gilt weder Heide noch Jude, weder Beschneidung noch Vorhaut, sondern allein der Glaube an Christum, daß man in aller Demut sich herunter werfe und nichts denn Gnade begehre.

 

 

 

29. Also lehrt dies Evangelium neben der Liebe sehr fein vom Glauben, was für eine Art er sei, wie er sich an das Wort halte, auf die Gnade Gottes in aller Demut harre. Wer solches tut, dem wird es gelingen, wie dem Aussätzigen und danach diesem feinen Hauptmann, daß ihm geschehen wird, wie er glaubt; das ist, gleichwie er allein Gottes Güte und Gnade im Herzen hat, derselben begehrt und sich darauf verläßt: also will Gott allein nach Gnaden mit ihm handeln, ihn annehmen und ihm helfen. Gott verleihe uns seinen Heiligen Geist, der solche Zuversicht auf die Gnade durch Christum in unsere Herzen auch erwecken und also uns zur Seligkeit führen wolle, Amen

 

 

 

 

 




 

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4. søndag efter helligtrekonger

 

 

 

Matthäus 8,23-27

 

 

 

 

 

 

 

Und er trat in das Schiff, und seine Jünger folgten ihm. Und siehe, da erhob sich ein Ungestüm im Meer, also, daß auch das Schifflein mit Wellen bedeckt ward; und er schlief. Und die Jünger traten zu ihm und weckten ihn auf und sprachen: Herr, hilft uns, wir verderben. Da sagte er zu ihnen:. Ihr Kleingläubigen, warum seid ihr so furchtsam? Und stand auf und bedrohte den Wind und das Meer; da war es ganz stille. Die Menschen aber verwunderten sich und sprachen:. Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist?

 

 

 

1. Wir sehen im heutigen Evangelium, daß uns eine solche Geschichte darin vorgehalten wird, aus welcher wir nicht lernen, was man tun soll; denn von unseren Werken wird hier nichts gehandelt: sondern was man in Not und Widerwärtigkeit glauben, und wie man sich trösten soll. Darum ist es eine hohe Predigt vom Glauben, wovon jedermann sagen könnte, er kenne und könne sie; weil es ein nötiges Ding sei.

 

 

 

2. Darum wollen wir diese Geschichte teilen: zuerst reden vom Kreuz und Leiden; danach vom Herrn Christus und vom Glauben an ihn, daß derselbe allein, als der eine und beste Trost, gelte und helfe; zum dritten, von der Frucht und dem Nutzen, welche nach einer Anfechtung aus dem Glauben folgt. Solche Stücke werden fein anzeigen, was für eine tröstliche Geschichte der Evangelist uns mit so wenig Worten erzählt.

 

 

 

3. Das erste Stück ist, daß der Herr Jesus mit seinen Jüngern in das Schiff tritt. Da ist noch kein Ungewitter, sondern ein feines freundlich, still Wetter; so ist das Meer auch sanft und still. Anders würden sich die Jünger gescheut haben, daß sie nicht ins Schiff getreten wären. Aber kurz nach dem Christus mit seinen Jüngern im Schiff sitzt, und sie vom Land abgestoßen und auf das Meer kommen, da erhebt sich ein großes Ungewitter, daß das Schiff mit Wellen bedeckt wird, als wollte es untergehen.

 

 

 

4. Diese Geschichte laßt uns wohl merken, und ein Sprichwort daraus machen, daß wir sagen:. So gehts; kommt Christus in das Schiff, so wird es nicht lange still bleiben, es wird ein Ungewitter kommen. Denn gewiß geht es also, wie Christus in Lukas 11, 21. 22 auch sagt, daß der starke Gewappnete seinen Palast in Ruhe und Frieden besitzt, bist ein Stärkerer kommt, dann geht der Unfriede an, und es fängt ein Schlagen und Kämpfen an. Also sieht man in dieser Geschichte des Evangeliums auch: wenn es zuvor alles still ist, sobald Christus sich mit einer Predigt hören und mit einem Wunderwerk sehen läßt, da brennt es in allen Gassen. Die Pharisäer, Schriftgelehrten, Hohenpriester rotten sich, wollen ihn einfach tot haben; und besonders der Teufel fängt erst recht an zu toben und zu wüten. Solches sagt Christus lange vorher, Matthäus 10, 34-36.: " ihr sollten nicht meinen, daß ich gekommen bin, Friede zu senden auf Erden. Ich bin nicht gekommen, Friede zu senden, sondern das Schwert. Denn ich bin gekommen, den Menschen zu erregen wider seinen Vater, und die Tochter wieder ihre Mutter, und die Schnur wieder ihre Schwieger. Und des Menschen Feinde werden seine eigenen Haus genossen sein ".

 

 

 

5. Das dient aber alles miteinander dazu, daß du vorher bedenken möchtest, ob du ein Christ sein möchtest, oder nicht. Denn so du ein Christ sein willst, so richte dich auf dieses Ungewitter und diesen Unfrieden, anders wird es nicht werden; wer in Christus gottselig leben will, sagt Paulus, der muß Verfolgung leiden. Daher ermahnt auch Jesus Sirach, Kapitel 2., alle Gläubigen und spricht Vers 1.: " mein Sohn, willst du Gottes Diener sein, so schicke dich zur Anfechtung, halte fest, und leide dich ". Als wollte er sagen:. Wenn du Gottes Diener nicht sein willst, so fahre hin, der Teufel wird dich wohl zufrieden lassen, bis zu seiner Zeit. Wiederum aber, so du begehrst Gott zu dienen und ein Christ zu sein, so gib dich willig dahin: das Wetter und die Verfolgung werden nicht ausbleiben. Darum fasse einen Mut, daß du davor, als vor einem plötzlichem Zufall, nicht erschreckst. Fürchte dich vor solchen Wetter nicht, sondern fürchte dich vor Gott, daß du der Welt wegen von seinem Wort nicht abweichst, und wag es trotzig darauf. Es sei um der Welt Gunst willen nicht angefangen; darum wollest ihrer Ungunst und Zorns halben auch nichts unterlassen. Das ist es, daß der Evangelist uns lehren will in dem, da er sagt: das Unwetter habe sich erst erhoben, da Christus in das Schiff getreten, und auf das Meer vom Land weg gekommen sei.

 

 

 

6. Es dient aber solches uns auch dazu, daß wir den bösen unnützen Lästermäulern wissen zu antworten, die nicht mehr können, denn das Evangelium lästern und sprechen:. Vorher, ehe diese Lehre aufgekommen, war es alles fein still, jetzt ist so viel Unglück, daß niemand es zählen kann, Rotten, Krieg, Aufruhr, teure Zeit, Türke und aller Jammer. Wer nun solche schändliche Lästermäuler stopfen will, der spreche zu ihnen: Lieber, hast du es nie im Evangelium gelesen, wenn Christus in das Schiff und auf das Meer kommt, daß sich ein Ungewitter erhebt?

 

 

 

7. Nun ist es aber nicht des Herrn Christi, sondern des Teufels Schuld, der ihm feind ist und will ihn nicht leiden. Also ist er dem Evangelium auch feind, will darum so gerne viel Unruhe und Jammer auf Erden anrichten, daß es müßte zu Boden gehen. Aber das blinde, verstockte Volk will solches nicht sehen noch merken. Allein sieht es auf das Unglück und den Mangel, und lästert, es sei das Evangelium daran schuld. Was aber Gutes aus dem Evangelium kommt, wie man Gott dadurch erkennen, zur Vergebung der Sünden kommen und heilig werden kann, solches wollen sie nicht sehen.

 

 

 

8. Eben wie das undankbare, störrige und unbändige Volk, die Juden in der Wüste, auch taten. Da sie in Ägypten waren, und einem die Arbeit von zwei aufgelegt war, da rufen sie zu Gott, er solle ihnen von diesem Jammer helfen, sie wollten fromm sein. Aber was geschah? Da sie Gott von diesem Jammer erlöste und sie in die Wüste kamen, da war alles vergessen. Das aber war das Ärgste, daß alles bei ihnen vergessen war, was und wieviel sie in Ägypten haben arbeiten und leiden müssen. Allein gedachten sie an die Fleischtöpfe und an das Brot in Ägypten. Die konnten die Kunst des Papstes auch, nahmen fein heraus, was sie Gutes gehabt hatten; was sie aber dazu gelitten hatten, darüber konnten sie wohl schweigen. Daher, da ihnen Gott danach das Himmelsbrot gab, verachteten sie es auch, dachten bei sich, es wäre nicht so gut, als das Fleisch in Ägypten. So ist unsere Natur und böse unserer Art durch die Erbsünde verdorben, so mache es Gott mit uns, wie er will, so kann ER es uns nicht recht tun. Darum gehört eine große und göttliche Geduld dazu, daß er solche bösen Buben so lange dulden kann.

 

 

 

9. Wer uns vor zwanzig Jahren gefragt hätte: ob wir lieber ein Jahr Teuerung haben, oder uns von den Menschen und Pfaffen plagen lassen wollten, wie es damals geschehen; meinst du nicht, jedermann würde mit Freuden die Teuerung gewählt haben, daß man der schweren, unerträglichen, dazu, als sie anzusehen war, unendlichen Schinderei von gekommen wäre? Denn da wäre die Hoffnung gewesen, was ein Jahr nicht gewesen, das würde das andere geben; so doch jene Schinderei für und für ging, und von Tag zu Tag je länger je mehr wurde. Solches und anderen Unrat haben wir vergessen, rühmen die Ruhe und das vorige Wesen, sehen nicht, was für eine schreckliche Sache daran hängt, daß man uns nicht allein in solchem Frieden um Geld und Gut, sondern auch um Leib und Seele, durch falsche Lehre und Abgötterei, gebracht hat. Wir haben es nicht erkennen können, denn es sind zur selben Zeit, Teuerung, Pestilenz, Krieg und andere Plagen mit zugeschlagen. Weil jetzt solches auch geschieht, will man dem Evangelium Schuld geben.

 

 

 

10. Wie meinst du aber, daß Gott solches gefallen werde, der doch keinen höheren Schatz hat denn als sein Wort, und uns durch dieses besser nicht helfen nach Raten kann wie wir von Sünde und Tod, denn allein durch das Evangelium: wo es doch so greulich verunehrt und gelästert wird indem, daß man ihm die Schuld gibt, es komme durch dieses das ganze Unglück? Was wird aber für eine Strafe auf solche Lästerung folgen? Diese, das Gott solcher Lästerer Herzen und Augen ganz verblenden wird, daß die herrlichen, großen Wohltaten Gottes nicht sehen, und mit den Juden also müssen verstockt werden und bleiben, daß sie mehr nicht können, denn Gott lästern und zuletzt zum Teufel fahren. Solcher Lohn gehört auf sie, und wird ihnen gewißlich begegnen. Mußt du doch sonst leiden, wo das Evangelium nicht ist, daß ihr nicht jemand hold sei, und du Feindschaft habest. Also hat Rom Krieg und allerlei Unglück leiden müssen, ehe das Evangelium gekommen ist.

 

 

 

11. Darum hat das Evangelium an solchem keine Schuld. Alle Schuld ist des Teufels und unserer Undankbarkeit. Der Teufel kann das Evangelium nicht leiden wollte es gern niedrig halten, darum richtete er so viel Unglück an. Und je mächtiger das Wort geht, desto zorniger wird er darüber. Wenn wir uns nun gegen solchen großen Schatz so undankbar stellen, ihn nicht annehmen noch brauchen, ja, noch hassen und verfolgen wollen, so kann es auch Gott nicht dulden; muß deswegen mit allerlei Strafen und Plagen kommen, daß er dem Undank wehre.

 

 

 

12. Das ist das erste Stück, daß du lernst, so du ein Christ sein willst, daß du dich auf das Ungewitter einstellst. Willst du es aber nicht tun, so fahre hin; du wirst es wohl erfahren, wenn du sterben sollst, was du getan hast.

 

 

 

13. Das andere Stück ist von der rechten Art des Glaubens: der geht in solchem Kampf und Ungewitter her, und findet sich zu Christus, und weckt ihn auf. Das lerne auch wohl merken. Denn unsere Widersacher, die Katholiken, halten den Glauben für ein sehr geringes Ding. Dagegen aber halten sie viel vom freien Willen ich wollte ihnen aber wünschen, daß sie auch mit im Schiff wären, daß sie versuchten, was in solche Angst und Nöten der freie Wille vermag.

 

 

 

14. Die Apostel haben es hier fein gelernt es sei der Glaube so schwach und gering bei ihnen gewesen, wie er wolle; dennoch, wo solcher schwache, geringe Glauben nicht gewesen wäre, hätten sie mit dem freien Willen verzweifeln müssen, und wären in den Abgrund des Meeres gesunken. Aber weil ein kleiner Glaube da ist, wie Christus selbst zeugt, da er spricht:. " o ihr Kleingläubigen ", so haben sie eine Hilfe, daß sie nicht ganz verzagen, und laufen zu Christus, wecken ihn auf und begehren seiner Hilfe.

 

 

 

15. So nun solches der kleine, schwache Glaube tut, was sollte wohl der starke, große Glaube tun? Wie vor acht Tagen das Beispiel an dem Aussätzigen und dem Hauptmann zu Kapernaum zeigt. Darum ist es mit dem freien Willen nichts, er verliert sich und kann nicht bestehen, wenn die Züge kommen, und es an das Treffen geht. Denn da sind unsere Gedanken anders nichts, denn daß wir schreien und uns um hundert Meilen Wegs davon wünschen. Das ist, der freie Wille tröstet das Herz nicht, sondern macht es nur je länger je mehr verzagt, daß es sich auch vor einem rauschenden Blatt fürchtet.

 

 

 

16. Aber der Glaube, ob er gleich klein und schwach ist, steht er dennoch und läßt sich nicht gar zu Tode schrecken. Wie man hier an den Jüngern sieht. Der Tod war ihnen vor Augen; denn da schlugen die Wellen so mit Macht überall zu, daß sie das Schifflein gar bedeckten. Wer wollte in solcher Not und Todesgefahr nicht erblassen? Aber der Glaube, wie schwach er auch ist, hält er doch wie eine Mauer, und legt sich wie der kleine David wider Goliath, das ist, wider Tod, Sünde und alle Gefahr, verzagt nicht, sondern sucht Hilfe, da sie zu suchen ist, nämlich, bei dem Herrn Christus, weckt ihn auf, schreit ihn an:. " Ach Herr, hilf uns, wir verderben ".

 

 

 

17. Also macht der Glaube, obwohl das Verderben vor Augen ist, daß man dennoch Hilfe erwartet, und betet, wie der Psalm sagt: " ich glaube, darum rede ich ". Denn niemand kann beten, er Glaube denn. Der freie Wille kann es nicht; denn er sieht allein auf die gegenwärtige Not und Gefahr, die Person aber, die in solcher Not und Gefahr helfen kann, sieht er nicht; und muß also des freien Willens wegen der Menschen in seinen Sünden sterben. Der Glaube aber ist es, wenn er gleich klein und schwach ist, der diese Person, den Herrn Christum, ergreift und Hilfe durch ihn erlangt.

 

 

 

18. Wo nun solcher Glaube stark und fest gewesen wäre, wie des Propheten Jonas, der im Walfisch ist an den dritten Tag blieb, so hätten sie zum Meer und Wellen sagen können: Schlagt immer herein; so stark sollt ihr nicht sein, daß ihr das Schiff umstürzt: und wenn er es schon vollendet, wollen wir doch mitten im Meer ein Gewölbe finden, da wir trocknen sitzen und nicht ersaufen. Denn wir haben einen Gott, der kann uns erhalten, nicht allein auf den Meer, sondern in und unter dem Meer.

 

 

 

19. Das heißt ein rechter Glaube, der nicht, wie der freie Wille, allein auf das Gegenwärtige sieht, und deswegen erschrickt und verzagt, sondern er sieht auf das Künftige und das Widerspiel. Darum, wenn er gleich in des Todes Rachen steckt, stärkt er sich doch, und hält sich an diesen Trost, es könne ihm geholfen werden wie wir hier sehen an dem schwachen Glauben der Jünger. Darum ist es nicht eine kleine und geringe Kunst, noch ein schlechtes Ding um den Glauben; es ist eine göttliche Kraft, die nicht vom freien Willen kommt, sondern durchs Wort vom Heiligen Geist uns gegeben wird.

 

 

 

20. Das wissen unsere Widersacher, die Katholiken, nicht; sonst würden sie es nicht zur hart anfechten, wenn wir sprechen:. Der Glaube macht allein selig, das ist, der Glaube allein findet Trost, wenn Sünde, Tod und ewige Verdammnis auf uns dringt und zu Boden stoßen will. Darum sieht man, daß sie frech und stolz sind, solange das Meer still und schön das Wetter ist. Wenn habe ein Ungewitter sich erhebt und es übel zu gehen will, da fällt Mut und Trost alles dahin. Denn da ist kein Glaube, sondern der ohnmächtige, trostlose Freiwille, der Gottes und seines Wortes vergißt, und nirgends weiß, wohin.

 

 

 

21. Nun ist es aber hier ein besonderes Unglück, daß Christus eben in solcher Todesnot ruht, und schläft eines rechten, natürlichen, starken Schlafs, der vielleicht ihm daher gekommen ist, daß er sich den Tag müde gearbeitet und gepredigt, oder die Nacht über gebetet und seine Anfechtung gehabt hatte. Denn ich achte es dafür, daß er bei Nacht sehr viel Anfechtung vom Teufel erlitten habe, wie er im Psalm 88,16 klagt " von Jugend auf bin ich Elend gewesen, und habe viel erlitten, ich leide deine Schrecken, daß ich schier verzage ". Darum ist er selten fröhlich gewesen, immer in schweren Gedanken daher gegangen, als der voll Jammers und Traurigkeit gewesen ist; wie zuvor der gleiche Psalm an zeigt, Vers 4: " meine Seele ist voll Jammers, und mein Leben ist nahe bei der Hölle ". Und dennoch obwohl solcher Schlaf recht und natürlich ist, so hatte er dennoch zum Glauben seiner Jünger dienen müssen, wie alle seine Werke.

 

 

 

22. Solches geschieht heute noch alle Tage, daß der Herr sich gegen seine Christen stellt, als sehe er uns nicht, ja, hätte uns gar außer Acht gelassen; wie er hier im Schiff tut, liegt und schläft, bekümmert sich gar nichts um das Wetter, für seine Jünger, noch für das Schiff. Aber er ist dennoch mit im Schiff, ob er gleich schläft.

 

 

 

23. Das sind nun die Anfechtungen, die immer mit zuschlagen, daß unser Herr Christus die Wellen über das Schiff fallen läßt; das ist, er läßt den Teufel und die Welt wider die Christen toben, daß man sich besorgen muß, wie es denn heute auch vor Augen ist, es werde ganz und gar zu Boden gehen. Der Papst und sein Haufe ist dem Worte feind, hetzt die großen Fürsten gegen uns. So läßt der Teufel den Türken auch nicht feiern. Da sitzen wir im Schiff, und haben Wetter und Wind, daß wir denken es könnte besser sein und taugt nicht. Dennoch soll der Herr wohl still dazu sitzen, und sich nicht merken lassen, daß er uns helfen wolle. Das ist sein Schlaf, den er im Schiff tut.

 

 

 

24. Aber da müssen wir uns aufraffen, und denken, es hat keine Not. Denn er ist der Herr, ist auch bei uns im Schiff. Auch er sich nun also stellt, als sehe ER uns nicht, so sollen wir uns so stellen, daß wir ihm sehen, und ihn dafür halten, daß er das Meer still machen kann, wenn es noch so sehr tobt und wütet.

 

 

 

25. Also sollen wir auch tun, in unserer eigenen Gefahr und Anfechtung, die einem jeglichen auf seine Weise begegnen wird. Wenn der Teufel kommt, dir deine Sünde vorhält, und dich mit dem Zorn Gottes erschreckt, und die ewige Verdammnis droht; da denke und zweifle ja nicht:. Mein Herr Christus ist nicht weit, aber er schläft. Da gehört denn zu, daß ich mich zu ihm durch ernstes Gebet finde und ihn aufwecke; wie die Jünger hier tun. Denen liegt mehr an ihrem Verderben, denn an des Herrn Schlaf; darum denken sie:. Kurz und gut, wir müssen jetzt einen wachenden Christum haben, sonst ist es aus mit uns; lassen ihm deswegen keine Ruhe und wecken ihn. Also lerne du auch tun; denn es muß beides also geschehen. Willst du mit Christus in das Schiff, so wird das Wetter nicht still bleiben, und Christus wird schlafen wollen, auf das wir die Anfechtung recht fühlen. Sonst, wo er nicht schliefe und dem Wetter sobald wehrte, würden wir es nie erfahren, was es um einen Christen wäre, und sollten wohl denken, wir täten es aus unserer Kraft. Hier aber wird der Glaube durch die Versuchung gestärkt, daß man sprechen muß:. Keine menschliche Kraft hat helfen können; allein hat es Gott und sein liebes Wort getan.

 

 

 

26. Neben dieser schönen und tröstlichen Lehre wird uns der Herr Christus hier auch vorgebildet wie ein rechter, natürlicher Mensch, der Leib und Seele hat, und deswegen Essen, Trinken, Schlafen, und anderer natürlicher Werke, so ohne Sünde geschehen, bedarf, wie wir: auf das wir nicht in den Irrtum fallen und Christum für ein Gespenst, nicht für einen rechten Menschen hielten.

 

 

 

27. Gleich wie aber der natürliche Schlaf eine gewisse Anzeigung ist, daß der Herr Christus ein rechter, natürlicher Mensch sei: also beweist er seine allmächtige Gottheit in dem, daß er mit einem Wort das Meer stillt, und macht, daß sich der Wind legt; welches nicht ein Menschenwerk ist; es gehört eine göttliche Kraft dazu, daß ungestüme Meer mit einem Wort zu wehren.

 

 

 

28. Das also dies Wunderwerk auch darum uns lieb sein soll, daß wir sehen, wie Gott und Mensch in Christus eine einige Person ist. Darum er in allen Nöten und Anfechtungen helfen kann und will allen, die Hilfe bei ihm suchen. Ob wir nun etwas darüber leiden und wagen müssen, wenn es nicht anders sein kann, was liegt daran? Müssen doch die Gottlosen auch ihr Leiden und Kreuz tragen, dennoch ein böses Gewissen dazu haben und endlich der ewigen Verdammnis warten.

 

 

 

29. Das Drittel Stück ist von der Frucht, die aus solchem Glauben entsteht, nämlich, daß auch andere solche Wunderwerke wahrnehmen, und sprechen:. " Was ist das für ein Mann, daß ihm Wind und Meer gehorsam ist? " Diese haben ihn bisher vielleicht für einen schlechten Menschen angesehen und gehalten, und nicht gewußt noch geglaubt, daß man bei ihm in Todesnöten Hilfe suchen und finden soll. Aber jetzt lernen sie ihn erkennen, daß er der höchste und beste Nothelfer sei, wo sonst kein Mensch helfen kann.

 

 

 

30. Also geht es allewege, daß die Anfechtung, je schwerer sie ist, je größere Frucht und Nutz sie schafft. Die Welt setzt uns jetzt sehr hart zu, daß wir immer denken, wir müssen herhalten, daß Meer und Ungewitter werde über uns wachsen und zu Grunde reißen. Aber laßt uns nur fest am Wort und Glauben halten. Was gilts, er solle eine schöne, herrliche Frucht folgen, darüber wir lachen und fröhlich sein werden. Der bittere Haß, der im Papst und Türken steckt wider unsere Kirche, darüber uns, als einem Weib in Kindesnöten, bange ist, kreischen und ächzen müssen, der soll, ob Gott will, etwas mitbringen. Dergleichen soll ein jeder für seine eigene Person auch hoffen, wenn die Anfechtung ihn ergreift, daß sie ohne Frucht nicht werde abgehen.

 

 

 

31. Also ihr Lieben, hier sehen wir wie tröstlich dieses Evangelium ist, und uns eine treffliche und schöne Lehre vorhält, daß so wir wollen Christen sein, mit dem Herrn Christo in der Schiff treten, und da auf das Wetter und Ungewitter warten müssen. Wenn nun solches angeht, daß wir dann im festen Glauben und am Wort halten sollen, und hoffen, daß nicht allein dem Wetter oder der Anfechtung gewehrt und wir davon sollen errettet werden: sondern daß auch eine gewisse Frucht und Nutzen darum folgen soll; das wir nichts anderes wünschen sollen, denn wir hätten es versucht, und durch eigene Erfahrung des Wortes und Glaubens Kraft und Tugend erlernt. Wer wollte denn des Kreuzes sich beschweren, weil so gewisse Hilfe und Frucht folgen soll? Aber es tut dem alten Adam weh, der ärgert sich über solchen bitteren und sauren Trank, und wollte es lieber nicht haben. Darum ist es nötig, daß wir an solche Beispiele oft und viel denken, und mit dem Wort fleißig umgehen, auf das wenn die Anfechtung kommt, wir gefaßt sind, und uns Christus der bei uns schläft und sich stellt, als nehme er sich unser nicht an, finden, Hilfe und Rettung bei ihm durch emsiges Gebet suchen.

 

 

 

32. Solches verleihe uns allen unser lieber Vater im Himmel, um Christus willen, durch seinen Heiligen Geist, Amen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 



 

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Septuagesima

 

 

 

Matthäus 20,1-16

 

 

 

 

 

 

 

Das Himmelreich des gleich einem Hausvater, der am Morgen ausging, Arbeiter zu mieten in seinen Weinberg. Und da er mit den Arbeitern eins ward um einen Groschen zum Tagelohn, sandte er sie in seinen Weinberg. Und ging aus um die dritte Stunde und sah andere an dem Markt müßig stehen, und sprach zu ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg; ich will euch geben, was recht ist. Und sie gingen hin. Abermal ging er aus um die sechste und neunte Stunde und tat gleich also. Um die elfte Stunde aber ging er aus und fand andere müßig stehen und sprach zu ihnen: Was stehet ihr hier den ganzen Tag müßig? Sie sprachen zu ihm: Es hat uns niemand gedinget. Er sprach zur ihnen: Gehet hier auch hin in den Weinberg, und was recht sein wird, soll euch werden. Da es nun Abend ward, sprach der Herr des Weinbergs zu seinem Schaffner: Rufe in den Arbeitern und gib ihnen den Lohn und heb an den letzten bis zu den ersten. Da kamen, die um die elfte Stunde gedinget waren, und empfing ein jeglicher seinen Groschen. Da aber die ersten kamen, meinten sie, sie würden mehr empfangen; und sie empfingen auch ein jeglicher seinen Groschen. Und da sie den empfingen, murrten sie wider den Hausvater, und sprachen: Diese letzten haben nur eine Stunde gearbeitet, und du hast sieht uns gleich gemacht, die wir des Tages Last und Hitze getragen haben. Er antwortete aber und sagte zu einem unter ihnen: Mein Freund, ich tue dir nicht unrecht. Bist du nicht mit mir eins geworden um einen Groschen? Nimm, was dein ist, und gehe hin. Ich will aber diesem letzten geben gleich wie dir. Oder habe ich nicht Macht, zu tun, was ich will, mit dem Meinen? Siehst du darum scheel, daß ich so gütig bin? Also werden die Letzten die Ersten, und die Ersten die Letzten sein. Denn viele sind berufen; aber wenige sind auserwählt.

 

 

 

 

 

 

 

1. Das ist ein scharfes Evangelium, aus welchem das junge Volk und schlechte Leute nicht viel lernen können. Dennoch, weil man es auf den heutigen Sonntag liest, wollen wir ein wenig davon sagen.

 

 

 

 

 

 

 

2. Ihr Lieben, hört in diesem Gleichnis wie der Hausvater am Morgen früh ausgeht, und bestellt Arbeiter in seinen Weinberg, die zwölf Stunden arbeiten; danach andere, die neun; also wieder andere, die nur sechs und drei; zuletzt, die nur eine Stunde arbeiten. Da ist die Arbeit sehr ungleich, und ist doch der Lohn gleich. Denn der Hausvater macht mit keinem eine Absprache, ohne mit den ersten, gibt aber den letzten, die nur eine Stunde arbeiten, eben so viel, als den ersten, mit denen er eins ward um einen Groschen zum Tagelohn. Das taugt vor der Welt gar nichts, wäre auch nicht recht; da hat es sein Maß Regel: Wer viel gearbeitet, dem gibt man viel zum Lohn; wer wenig arbeitet, dem gibt man wenig zum Lohn. Doch also, wo einer seinen vereinbarten Lohn hat, da soll und darf er dem Herren nicht dazwischen reden, ob er gleich einem anderen etwas aus Gutwilligkeit schenkt. Aber natürlich ist es unrecht, den gleichen Lohn geben, da ungleiche Arbeit ist.

 

 

 

 

 

 

 

3. Nun führt aber der Herrn dies Gleichnis darum, daß er damit sein Reich scheiden will von der Welt Reich, und uns lehren, daß es viel anders in seinem Reich zugehe, denn in der Welt Reich, da es nicht gleich zugehen kann, besonders weil die Personen ungleich sind. Denn daß die Ungleichheit auch in der Welt gefunden wird, daß der Herr im Hause mehr Güter hat denn sein Knecht, und doch der Knecht mehr arbeiten mußten der Herr, das hat seine besondere Meinung; gehört darum nicht hierher zu diesem Gleichnis, in welchem der Herr alle Ungleichheit aufhebt; und will uns lehren, daß in seinem Reich alles gleich sei, und einer so viel haben und gelten soll, als andere.

 

 

 

 

 

 

 

4. Aber im äußerlichen, weltlichen Leben, da soll die Ungleichheit bleiben; wie denn die Stände ungleich sind. Ein Bauer führt ein anderes Leben und Stand denn als ein Bürger; ein Fürst einen anderen Stand als ein Edelmann. Da ist alles ungleich, und soll ungleich bleiben. Aber im Reich Christi, es sei ein König, ein Fürst, ein Herr, ein Knecht, eine Frau, eine Magd, oder wie sie mögen genannt werden, so sind sie doch alle gleich. Denn keiner hat eine andere Taufe, Evangelium, glauben, Sakrament, Christum oder Gott, denn als der andere. Denn da geht man zur Predigt, und hört ein Knecht, ein Bürger, ein Bauer eben das Wort, welches auch der größte Herr hört. Also die Taufe, die ich habe, die empfängt ein jegliches Kindlein, es sei, wes es wolle. Den glauben den Paulus, Petrus haben, den selben Glauben hat der Schächer am Kreuz auch. Ich und du, wenn wir Christen sind, haben ihn auch. Also eben den Gott und Christum, den Johannes der Täufer hat, den haben alle Sünder, wenn sie sich bekehren. Da ist alles gleich, obgleich einer höher oder geringer ist, denn der andere, seine Standes, Amtes oder Gaben wegen.

 

 

 

 

 

 

 

5. So ist nun dies das vornehmste Stück dieses Evangeliums, daß wir den Trost daraus fassen sollen, daß wir Christen in Christo alle gleich sind. Vor der Welt muß die Ungleichheit bleiben, daß der Vater mehr als sein Sohn; der Herr mehr denn der Knecht; daß ein König und Fürst mehr sei denn seine Untertanen. Das will Gott so haben, der hat die Stände so geordnet und geschaffen. Wer da will eine Gleichheit machen, daß der Knecht so viel gelten sollte als sein Herr, die Magd so viel Gewalt haben als ihre Frau, ein Bauer so viel als ein Fürst, der würde ein schönes Regiment anrichten; wie wir schon an den aufrührerischen Bauern gesehen haben. Es gehe nun in der Welt so ungleich zu, als es immer kann, so wollen wir uns doch deß trösten, ganz gleich welchen Stand wir haben, daß wir alle einen Christum, eine Taufe, ein Evangelium, einen Geist haben; das niemand kein besseres Evangelium, keine bessere Taufe, keinen anderen Christum hat, denn als die geringste Magd und der geringste Knecht. Denn obwohl einer schon mehr Geld hat als der andere, so hat er doch darum nicht einen anderen oder besseren Gott.

 

 

 

 

 

 

 

6. Das soll man lernen und mit Fleiß merken, auf das jedermann in seinem Stande Gott mit Herzen und Lust diene, und Sprecher: Ich bin kein Kaiser, kein König, habe nicht Städte und Schlösser wie die großen Fürsten; aber ich habe dennoch ebenso eine heilige Taufe, eben den Christum, der für mich gestorben und mir das ewige Leben erworben hat, welchen der Kaiser auch hat. Solche große Güter nun, die wir durch unseren Herrn Jesum Christum haben, sollen uns hoffärtig machen, daß wir die weltliche Herrlichkeit aber lernen verachten, und unseren Trotz und Trost allein an dem haben, daß wir getauft sind im Namen Jesu, und er für uns gestorben ist, und aufgefahren in den Himmel, da er sitzt zur rechten Gottes, daß er uns auch helfen wolle von Sünde, Tod und allem Unglück.

 

 

 

 

 

 

 

7. Wer nun solches hat, und weiß, daß wir in Christo alle gleich sind, der geht hin an seine Arbeit mit Freuden, und kümmert sich nicht darum, ob er gleich hier auf Erden, diese kurze Zeit, in einem geringeren Wesen und Stand ist, denn ein anderer. Denn da soll es so zugehen, daß im äußerlichen Leben eine Ungleichheit ist, und einer viel, der andere wenig habe; einer Herr, der andere Knecht ist. Dadurch läßt sich ein Christ nicht anfechten, sondern spricht: Im Namen Gottes, auf Erden soll es anders nicht sein; ob ich gleich einen schweren Stand habe, schwerer als Frau und Herr im Hause; ob ich gleich nicht so gewaltig bin, als ein Fürst, König oder Kaiser: so will ich doch nicht darum murren, sondern gern und willig in meinem Stand bleiben, bis es Gott mit mir anders macht, und mich darüber trösten, daß ich weiß, daß weder Kaiser noch König einen anderen Christum oder mehr von Christum haben, denn ich. Wollen sie aber mehr haben, so weiß ich, daß sie in diesem Reich keinen Platz finden; denn da soll es alles gleich sein, besonders weil wir alle nur allein darum Gott angenehm sind, daß Christus Jesus für uns gelitten, und uns alle, einen so viel als den anderen, von unseren Sünden gereinigt hat mit seinem Blut. Den Schatz habe ich ganz unvollkommen. Darum soll mich das nicht anfechten, ob ich in äußerlichen und zeitlichen etwa einen Mangel habe; so nur hier kein Mangel ist, und ich in den ewigen Gütern allen Heiligen gleich sein soll.

 

 

 

 

 

 

 

8. So sollte nun dies unser Trotz und Trost sein, daß wir wissen, im Reich Christi ist keine Ungleichheit; sollen deswegen in solcher christlichen Hoffart willig hingehen und tun, was wir sollen: so könnte ein jeder fröhliche in seinem Stande und fromm dazu sein. Denn da muß es alles mit Freuden abgehen, wenn ein Christ von Herzen sagen kann: Was soll ich wegen meines Standes murren? Ist es doch auch ein guter Stand, ob er gleich gering und mühsam ist. Denn ob es gleich kein Fürstenstand ist, so ist es doch ein Christenstand; was will ich mehr haben oder begehren?

 

 

 

 

 

 

 

9. Solches tun diese ersten nicht, die wollen, unser Herr Gott soll ihnen lohnen nach ihren Werken, daß soll er ansehen, wieviel sie mehr getan haben als die anderen, soll sie deswegen höher im Himmel setzen, und ihnen einen anderen, größeren und besseren Christum geben. Denn also haben sie gelehrt: Wenn ein Priester über dem Alter steht, so tue er ein solches Werk, daß er anderen mitteilen und ihnen dadurch auch in den Himmel helfen könne, daß er besser sei und einen besseren Stand im Reich Christi habe, als die einfachen Leute. Diese murren über solche Gleichheit, die im Reich Christi ist, und wollen es zu einer Ungleichheit bringen, wie sie in weltlichen Ständen ist. Weiter haben sie gelehrt: Eine Jungfrau sei besser des Glaubens wegen, denn als eine Ehefrau. Und wer noch heute anders lehrt, den verdammen sie als einen Ketzer. Das ist es, daß die ersten hier murren, und wollen mehr haben denn als die anderen. Zählen unseren Herrn Gott vor, wie lange sie gearbeitet, und sauer es ihnen geworden ist. Aber was sagt er dazu? Des äußerlichen Lebens wegen seid ihr ungleich, da mag einer fleißiger sein und mehr arbeiten, denn als der andere; aber keiner hat eine bessere Taufe und besseren Christum denn als der andere. Auch Predigt man keinem kein anderes noch besseres Evangelium, denn dem anderen.

 

 

 

 

 

 

 

10. Das nun Mönche und Nonnen sich rühmen, die Eheleute haben nur das gemeine Evangelium und Gebot, sie aber haben das hohe Evangelium, und halten mehr, denn Christen zu halten in gemeinen Stand geboten ist: das ist nicht wahr und ganz und gar wider das Evangelium; denn sie wollen damit eine Ungleichheit aus dem Evangelium machen, so es doch Christus alles gleich macht, und lehrt besonders im heutigen Evangelium, daß in seinem Reich einer ebensoviel gelten soll als der andere. An sich selbst ist es nicht böse, auch wehret oder verbietet es niemand, daß eine Jungfrau bleibe, wer Gnade dazu hat. Aber daß man es vor unserm Gott rühmen, und darum besser sein wollte denn andere, und mehr Lohn erwarten, das ist der Stoß und das Ärgernis, an welchem sich der Papst stößt, und uns darum beschuldigt, wir verbieten gute Werke. Aber er tut uns Gewalt und Unrecht; denn gute Werke verbieten wir nicht. Allein sagen wir, daß im Reich Christi alles gleich ist, darum das Gott mit uns allen nicht nach Verdienst, sondern allein nach Gnaden und Barmherzigkeit, um seines Sohnes Christi Jesu Willen, handeln will.

 

 

 

 

 

 

 

11. Danach sagen wir, wenn du solche Gleichheit in Christus hast, alsdann, du bist ein Schulmeister oder Prediger, ein Herr oder Frau, ein Knecht oder Magd, so arbeitet, und tue, so viel du kannst in deinem Beruf, und bleibe in solcher Ungleichheit. Aber in Christus sollen wir nicht ungleich, sondern gleich sein. An dem stößt sich die Welt, und die Juden besonders, wollen unsinnig und toll darüber werden, wenn sie hören, daß wir Heiden genau wie sie selig werden sollen, die wir nicht beschnitten sind, den Sabbath nicht halten, als sie, die solche Last mit so großer Mühe tragen, daß sie darüber schwitzen; wie es der Herr im Gleichnis fein anzieht, und sagt: Die ersten meinten, sie wollte mehr empfangen, und wurden darum, da ein jeder seinen Groschen empfing, eben wie die, so nur eine Stunde gearbeitet hatten.

 

 

 

 

 

 

 

12. Aber Christus will gar keine Ungleichheit leiden. " Freund ", spricht er, " ich tue dir nicht Unrecht; nimm, was dein ist, und gehe hin "; das ist, ihr habt euren Lohn bereits hin, das Land Kanaan; aber jetzt will ich ein anderes und neues Reich anrichten, der soll alles gleich sein. Denn das Gut ist mein; deswegen kann nicht damit machen, was ich will, ihr dürft mich nicht lehren, wie ich meine Knechte halten soll. Also zürnen die Juden über das ewige Leben und wollen mit uns Heiden nicht gleich sein; beschuldigen unseren Herrn Gott darüber, als tue er ihnen Unrecht; daß er sie zurecht weisen muß, und sagen: Ist es doch alles mein Gut, nicht dein; darum gehet es dich nichts an, wie ich mit dem Meinen umgehe. Der Papst und sein Haufe tun auch so, wollen in das Reich nicht, in dem alles gleich sein soll; besonders weil wir alle nur einen Gott, Christum, Heiligen Geist, Evangelium, Taufe, Sacrament, Glauben haben. Solcher Gleichheit wegen ist einer eben so gut, fromm und heilig, als der andere.

 

 

 

 

 

 

 

14. Wenn wir nun solches haben, sollen wir Gott für solche Gaben danken, und dieselben recht erkennen, rühmen und sagen: Man sehe mich an, wofür man will, man achte mich, so gering man wolle, so habe ich doch so viel, als alle Kaiser und Könige, ja, als alle Heiligen und Engel in Himmel. Wodurch? Durch Christum. Darum will ich hingehen, eine Hausmutter, Hausvater, Knecht oder Magd sein, und mit Freude, mit Lust und Liebe alles tun, was mein Stand erfordert; besonders weil ich einen so großen Schatz an meinem Herrn Christum habe.

 

 

 

 

 

 

 

15. Das ist die Lehre aus dem heutigen Evangelium, daß wir hier auf Erden ungleich bleiben, gleichwie die Personen ungleich sind. Ein Fürst ist eine andere Person denn ein Prediger; eine Magd eine andere Person denn ihre Frau; ein Schulmeister eine andere Person denn als ein Bürgermeister. Darum sollen oder können sie nicht einerlei Weise oder Wesen führen. Solche Ungleichheit muß bleiben. Aber dort im Reich Christi heißt es: Ich will einem so viel geben, als dem anderen; Ursache: das Himmelreich, die Erlösung vom Tod und Sünden, hat mir kein anderer verdient; darum bin ich niemand schuldig, gebe es aber aus Gnade, wem ich will. Über solchem sollen wir uns hüten, daß wir nicht murren, sondern Gott dafür danken, und solchen Trost in allerlei Gefahr, Mühe und Arbeit, die wir in der äußerlichen Ungleichheit tragen, bedenken, so wird es uns alles sanft und leicht werden.

 

 

 

 

 

 

 

16. Aus dem letzten Spruch: " viele sind berufen, aber weniger auserwählt ", schöpfen die vorwitzigen Köpfe mancherlei ungereimte und ungöttliche Gedanken, denken so: Wen Gott erwählt hat, der wird ohne Mittel selig; wiederum aber, wen er nicht erwählt hat, der tue Wasser wolle, so ist es ihm verordnet, daß er fallen muß, und kann nicht selig werden: deswegen will ich es gehen lassen, wie es geht. Soll ich selig werden, so geschiehts ohne man Zutun; wo nicht, so ist es doch alles vergebens, was ich tue und mir vornehme. Was nun für unartige, sichere Leute aus solchen gottlosen Gedanken wachsen, kann jedermann bald bei sich selbst erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

17. Nun, am Tag wo die Weisen aus dem Morgenland kommen, und wir den Spruch des Propheten Micha gehört haben, ist es genügend angezeigt, daß man vor solchen Gedanken als vor dem Teufel sich hüten, und nicht anders von Gott denken als uns in der Schrift gezeigt ist. Wenn anders gelehrt wird als in der Schrift, so ist es unmöglich, daß nicht die Menschen geärgert werden, und entweder in Verzweiflung fallen, oder gar gottlos und verwegen werden.

 

 

 

 

 

 

 

18. Wer aber Gott und seinen Willen recht erkennen will, der soll den rechten Weg gehen, so wird er nicht geärgert, sondern gebessert. Der rechte Weg aber ist der Herr Christus, wie er sagt: " Niemand kommt zum Vater, denn durch mich ". Wer nun den Vater recht kennen und zu ihm kommen will, der komme zuvor zu Christus, und lerne denselben erkennen, nämlich also: Christus ist Gottes Sohn, und allmächtiger, ewiger Gott. Was tut nun der Sohn Gottes? Er wird Mensch um unseretwillen, er gibt sich unter das Gesetz, daß er uns vom Gesetz erlöse, er läßt sich kreuzigen, und stirbt am Kreuz, daß er für unsere Sünde bezahle; und steht wieder auf von den Toten, daß er uns durch seine Auferstehung den Eingang zum ewige Leben mache, und wider den ewigen Tod helfe; uns sitzt zur Rechten Gottes, daß er uns vertrete, und den Heiligen Geist schenke, und durch denselben regiere und führe, und wider alle Anfechtung und Eingeben des Teufels seine Gläubigen bewahre. Das heißt Christum recht erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

19. Wo nun diese Erkenntnis fein und fest im Herzen ist, alsdann fange an und steige hinauf in den Himmel und mache deine Rechnung: Weil der Sohn Gottes solches um der Menschen willen getan hat, wie doch Gottes Herz gegen uns Menschen stehe, weil sein Sohn aus des Vaters Willen und Befehl solches tut. Ist es nicht wahr, da wird dich deine eigene Vernunft zwingen, daß du sagen mußte: Weil Gott seinen eingeborenen Sohn um unseretwillen Sohn hingegeben und sein um unseretwillen nicht verschont hat, so kann er es ja mit uns Menschen nicht böse meinen. Er will ja nicht, daß wir verloren werden; besonders weil er die höchsten Mittel sucht und braucht, daß er und zum Leben helfe. Auf diese Weise kommt man recht zu Gott; wie den Christus selbst predigt, Johannes 3,16.: " Also hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn gab, auf daß alle, so an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben ". Man halte aber diesen Gedanken gegen jene, so aus der vorigen Meinung wachsen, so wird man finden, daß jene Gedanken des leidigen Teufels Gedanken sind, durch die ein Mensch geärgert werden muß, und entweder verzweifeln, oder verwegen und gottlos werden; denn er kann sich zu Gott nichts Gutes erhoffen.

 

 

 

 

 

 

 

20. Etliche schöpfen sich andere Gedanken, und deuten die Worte also: " viele sind berufen ", das ist, Gott bietet seine Gnade vielen an, aber " wenige sind auserwählt ", das ist, er läßt aber solche Gnade wenigen wiederfahren; denn es werden ihrer wenige selig. Das ist zumal ein gottloser Verstand; denn wie kann es möglich sein, wenn einer von Gott nichts anderes hält und glaubt, daß er Gott nicht sollte darum fein werden, an deß Willen es allein fehlt, daß wir nicht alle selig werden? Man halte aber diese Meinung gegen jene, die sich findet, wo man am ersten den Herrn Christum erkennen lernt, so wird man finden, daß es eitel teuflische Lästerungen sind.

 

 

 

 

 

 

 

21. Deswegen hat es eine weit andere Meinung mit diesem Spruch: " Viele sind berufen ". Denn diese Predigt des Evangelium geht öffentlich, wer es nur hören und annehmen will; und Gott läßt es auch darum so öffentlich predigen, daß jedermann es hören, glauben und annehmen soll, und selig werden. Aber wie gehts? Wie nachher im Evangelium folgt: " Wenige sind auserwählt ", das ist, weniger halten sich an das Evangelium, daß Gott ein Wohlgefallen an ihnen hat. Denn etliche hörens und achtens nicht; etliche hören es und halten es nicht fest, wollen auch nichts darüber leiden; etliche hörens, nehmen sich aber mehr um Geld und Gut und weltliche Wohllust an. Das gefällt aber Gott nicht, und mag solche Leute nicht. Das heißt Christus: " nicht auserwählt sein ", das ist, sich nicht so halten, daß Gott ein Gefallen an ihnen hätte. Das aber sind auserwählte und Gott wohlgefällige Leute, die das Evangelium fleißig hören, an Christum glauben, den Glauben mit guten Früchten beweisen, und darüber leiden, was sie leiden sollen.

 

 

 

 

 

 

 

22. Dieser Verstand ist der rechte Verstand, der niemand ärgern kann, sondern besser die Leute, daß sie denken: Wohlan, soll ich Gott wohlgefallen und auserwählt sein; so ist es nicht recht, daß ich in bösem Gewissen lebe, wider Gottes Gebot sündigen und der Sünde nicht wehren wollte; sondern ich muß zur Predigt gehen, Gott um seinen Heiligen Geist bitten, das Wort nicht aus dem Herzen lassen, mich wider den Teufel und seine Eingebungen wehren, und um Schutz, Geduld und Beistand bitten; da werden dann feine Christen werden. Dagegen jene, die dafür halten, daß Gott nicht jedermann die Seligkeit gönne, entweder verzweifelt oder sichere, gottlose Leute werden, die leben wie das Vieh und denken: Es ist doch schon geordnet, ob ich selig werden soll oder nicht; was soll ich mir denn nun noch weh tun? Nein, also; du hast Befehl, du sollst Gottes Wort hören und an Christum glauben, daß er dein Heiland sei, und für deine Sünde bezahlt habe. Dem Befehl gedenke, daß du ihm nachkommst. Findest du dich ungläubig oder schwach: bitte Gott um seinen Heiligen Geist, und zweifle nicht, Christus ist dein Heiland, und du sollst durch ihn, so du man ihn glaubst, das ist, dich fein tröstet, selig werden. Das verleihe uns allen unser lieber Herr Jesus Christus, Amen.

 

 

 

 

 




 

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Fastelavn

 

 

 

Lukas 18,31-43

 

 

 

 

 

 

 

Er nahm aber zu sich die Zwölfe und sprach zu ihnen: Sehet, wir gehen hinauf gen Jerusalem, und es wird alles vollendet werden, daß geschrieben ist durch die Propheten von des Menschen Sohn. Denn er wird überantwortet werden den Heiden; und er wird verspottet, und wird geschmähet, und verspeit werden; und sie werden ihn geißeln und töten, und am dritten Tage wird er wieder auferstehen. Sie aber vernahmen der keines, und die Rede war ihnen verborgen, und wußten nicht, was das gesagt war. Es geschah aber, da er nahe zu Jericho kam, saß ein Blinder am Wege und bettelte. Da er aber hörte das Volk, daß durchging ging, forschte er, was das wäre. Da verkündigten sie ihm, Jesus von Nazareth ginge vorüber. Und er rief und sprach: Jesu, du Sohn Davids, erbarme dich mein! Die aber vorne an gingen, bedrohten ihn, er sollte schweigen. Er aber schrie viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich mein! Jesus aber stand stille und hieß ihn zu sich führen. Da sie ihn aber nahe bei ihn brachten, fragte er ihn, und sprach: Was willst du, daß ich dir tun soll? Er sprach: Herr, daß ich sehen möge. Und Jesus sprach zu ihm: Sei sehend; dein Glaube hat dir geholfen. Und alsbald ward er sehend, und folgte ihm nach, und preiste Gott. Und alles Volk, daß solches sah, lobte Gott.

 

 

 

1. In dem heutigen Evangelium sind zwei Stücke. Das erste ist die Prophezeiung oder Weissagung, in welcher der Herr den zwölf Aposteln von seinem Leiden verkündigt. Und dies sind die Worte, welche die Engel am Ostertag den Frauen bei dem Grab vorhalten, da sie sprechen, Lukas 24, 6. 7.: " gedenket daran, wie er euch sagte, da er noch in Galiläa war, und sprach: Des Menschen Sohn muß überantwortet werden in die Hände der Sünder, und gekreuzigt werden, und am dritten Tage auferstehen ". Denn der Herr Jesus ist eben auf der Reise aus Galiläa nach Jerusalem, da ist er geblieben und gekreuzigt worden. Das andere ist das Wunderwerk an dem Blinden.

 

 

 

2. Von solcher Weissagung meldet der Evangelist wohl dreimal, daß die Jünger es nicht verstanden haben. Denn sie dachten, er redete ungewöhnliche Wörter, die einen besonderen Verstand hätten. Darum war ihnen eben, als würden sie eine fremde, unbekannte Sprache, deren sie kein Wort verstehen konnten. Und das darum; weil ihr Herz so stand, daß sie dachten: Der Mann tut so viel Wunderzeichen, er weckt Tote auf, macht die Blinden sehend, daß wir sehen und greifen müssen, Gott sei mit ihm. Darum muß er ein großer Herr mit der Zeit werden, und wir, seine Diener, werden auch Fürsten und große Herren sein. Denn wer wollte so einem mächtigen Mann, der den Tod und alle Plage mit einem Wort heilen und vertreiben kann, einen Schaden zu fügen? Darum stand ihr Herz so: Gott ist zu wohl an ihm, der wird ihn nichts leiden lassen; das aber seine Worte lauten, als rede er, wie er leiden und sterben solle, das wird eigentlich eine andere Deutung haben. Dieses ist der lieben Apostel Einfalt gewesen.

 

 

 

3. Damit ist nun angezeigt, daß alle Gottes Werke die Art haben, wenn man davon redet, ehe sie geschehen, so sind sie nicht zu begreifen; aber wenn sie geschehen sind, alsdann versteht man sie und siehts. Also meldet Johannes oft, daß die Jünger Christi erst später verstanden haben, was er mit ihnen geredet hat. Darum hören Gottes Wort und Glaube zusammen. Denn wenn Gott redet, so kann er nicht anders reden, denn von Sachen, die weit über die Vernunft, und wir natürlich nicht verstehen noch fassen können; darum soll man es glauben. Wenn mans nun geglaubt hat, alsdann soll mans auch erfahren, daß es wahr sei, und Recht verstehen.

 

 

 

4. Als, daß ich ein Beispiel gebe: Gottes Wort lehrt uns von der Auferstehung der Toten; das versteht die Vernunft nicht. Darum sieht man, das weltweise Leute, und vor allen die Gelehrten, uns verspotten und für Narren halten, daß wir es glauben, und uns bereden lassen, es sei ein Leben nach diesem Leben. Also, daß Gott Mensch geworden und von einer Jungfrau in die Welt geboren ist, daß versteht die Vernunft auch nicht; darum muß es geglaubt sein, bis wir dahin kommen und es sehen werden, und sagen: Nun verstehe ich es, ja, sehe es auch, daß es wahr ist, was ich zuvor geglaubt habe. Also, daß man durch die Wassertaufe Gottes Gunst und Gnade, ohne alles Verdienst erlangen, und Vergebung der Sünde durch die Absolution empfangen soll, lautet vor der Vernunft als eine Lüge; darum hält sie die Christen für toll und töricht, daß sie solches glauben. Denn die Vernunft denkt: Soll man Gott versöhnen, so hört etwas Höheres und Besseres dazu, nämlich gute Werke, die uns sauer werden und weh tun. Wie man bei dem Papst vor Augen hat, der die Leute durch seine Predigt auf eigene Verdienste weist.

 

 

 

5. Denn es will der Vernunft nicht einleuchten, daß sie glauben soll, daß allein durch die Taufe und den Glauben an Christum alles ausgerichtet ist, was zur Seligkeit gehört; denn sie sieht, daß das Wort ein geringes Ding ist; der es führt, ist auch ein armer, gebrechlicher Sünder. Das nun ein Mensch Leib und Leben in Ewigkeit auf solche Wort setzen soll, das ist lächerlich. Darum, ob man gleich Gottes Wort den Leuten so klar und deutlich sagt, es geht der Vernunft nicht ein, sie glaubt es doch nicht. Und muß darum das liebe Evangelium den Namen vor der Welt haben und behalten, es sei Ketzerei und eine Teufelslehre, damit man die Leute verführt, und lehrt sie, daß sie nichts Gutes tun sollen; anders kann die Vernunft darüber nicht urteilen.

 

 

 

6. Darum sollen wir lernen einfältig dem Worte Gottes zu glauben, und in unserem Herzen sprechen: nun, sehe, greife und fühle ich es nicht, daß es also sei, so höre ich es doch, daß es Gott sagt. Er ist aber so mächtig, daß er es wahr machen kann, daß ich es zu seiner Zeit und in jenem Leben fassen und verstehen, ja, sehen und greifen werde, ob ichs gleich jetzt nicht verstehe.

 

 

 

7. Also sieht man auch in Beispielen. Ehe David den Goliath angreift, glaubt er, er wolle ihn schlagen und erwürgen, wie er zu Saul sagt: " Der Herr, der mich von dem Löwen und Bären errettet hat, er wird mich auch erretten von diesem Philister "; also: " Dieser Philister, der Unbeschnittene, soll gleich sein, in wie der Löwe und der Bär; denn er hat geschändet den Zeug des lebendigen Gottes ", 1. Samuel 17, 36-37. Also, zum Philister selbst sagt er Vers 46.: " heutiges Tages wird dich der Herr in meine Hand überantworten, daß ich die schlage, und nehme dein Haupt von dir ". Diese Worte hat jedermann aus dem Munde Davids gehört, und wenn es nicht Gottes Wort gewesen wäre, so wäre es nichts. Aber es sind Gottes Worte, und David glaubt denselben, ehe er es erfährt. Darum geht es auch so aus, und liegt nichts daran, ob es anderen lächerlich war, und konnten nicht glauben, daß es so gehen sollte und wahr werden. Denn die Vernunft konnte es nicht glauben, daß David, der gegen den Goliath eine geringe Person war, sollte mit einem Stein einen so großen, starken Riesen niederwerfen. Aber David glaubt es und tut es. Da konnte man sehen, ja, greifen, daß es wahr und nicht erlogen war.

 

 

 

8. Aber vorhin, da allein das Wort da war, wo David sagt: " Der Herr wird dich heut mir in meine Hand geben ", da war es die größte Lüge, ja, ein unmögliches Ding. Denn die Vernunft macht ihre Rechnung, wie Saul 1. Samuel 17 also: David ist ein Knabe, ein Hirte, der noch nie in einem Krieg gewesen, und ganz bloß daher kommt mit einem Stock und einer Schleuder, als wollte er einen Hund jagen; wie ihm denn Goliath höhnisch vorwirft und spricht: " Bin ich denn ein Hund, daß du mit einem Stock zu mir kommst? " Aber der Riese kommt mit seinem Harnisch und großem Spieß. Ist solches nicht ein ungleiches Zeug und Rüstung, die lächerlich anzusehen ist, daß solches der kleine junge Schütze David tun soll, daß kein Mann im ganzen Lager sich unterstehen darf? Nun, David sah es selbst nicht, aber er glaubt es, daß Gott die Gotteslästerung an seinem Feinde strafen und ihm helfen würde; und so geschah es.

 

 

 

9. Also geht es durch und durch: Gottes Wort und Werk hält man immer für unmöglich, ehe es geschieht. Dennoch geschieht es, und geht über die Maßen leicht und gering zu, wenn es ins Werk kommt. Ehe es aber ins Werk kommt, solle man es nicht wissen, noch verstehen, sondern einfältig glauben. Denn wie durch die Taufe die Sünde abgewaschen, und wir am jüngsten Tag von den Toten auferstehen werden, daß wird die Vernunft nie verstehen; besonders weil man sieht, daß mancher heilige Mensch von Vögeln gefressen, von Hunden und Wölfen zerrissen wird; einige werden zu Asche verbrannt, und die Asche in das Wasser geworfen: wie der Papst mit dem Heiligen Johannes Hus getan hat. Da denkt die Vernunft so: Wo wird unser Herr Gott den Leib einmal wieder nehmen? Nun, sagt Gott, ich sag es, es ist mein Wort. Das ist mit der Vernunft nicht zu glauben, sondern auch unmöglich zu sehen. Aber glaubst du es, so soll es wahr werden; denn ich bin allmächtig, und kann aus nichts alle Dinge machen.

 

 

 

10. Was sind wir doch vor hundert Jahren gewesen? Ebensowenig als das Kind, daß vor 20,30, 40 Jahren nach uns geboren werden sollte. Weil nun Gott die Kunst kann, aus nichts alle Dinge machen, so wird er ja auch das können, daß der aus dem, daß etwas gewesen, wieder etwas machen wird. Darum soll man nicht danach sehen, ob ein Ding möglich sei; sondern so soll man sagen: Gott hat es gesagt; darum wird es geschehen, wenn es auch sonst nicht möglich wäre. Denn wenn ich es gleich nicht sehen noch ergreifen kann, so ist er doch der Herr, der aus einem Unmöglichen ein Mögliches und aus nichts alles machen kann.

 

 

 

11. Darum sind es über die Maßen verdrießliche Narren, die unserm Herrn Gott sein Wort und Werk nach ihrer Vernunft messen wollen. Denn weil ich einen Toten nicht lebendig machen kann, soll es darum Gott auch nicht können? Darum hüte sich ein jeder davor, daß er Gottes Wort und Vermögen nicht nach seinem Sinn und Vermögen messe. Denn wo es unsere Vernunft alles fassen und begreifen könnte, so hätte unser Herr Gott seinen Mund wohl können zuhalten. Aber weil er redet, so ist das ein Zeichen, daß unsere Vernunft nicht alles weiß noch versteht, und das Gottes Wort über und wider alle Vernunft ist; wie man aus der Erfahrung lernt.

 

 

 

12. Ich verkündige die Vergebung der Sünden, und absolviere und entbinde dich aus dem Befehl Christi. Da hörst du das Wort, und wenn du es gehört und von Sünden entbunden bist, so fühlst du es doch nicht, daß Gott und seine Engel dich anlachen. Von solcher Freude weißt du gar nichts, davon der Herr sagt: " Die Engel im Himmel freuen sich über einen Sünder, der sich bekehrt ".

 

 

 

13. Also, wenn du jetzt getauft bist, hast du dieselbe Haut und das Fleisch nach der Taufe, welches du vor der Taufe hattest. Soll es aber darum beides nicht sein, die Absolution und die Taufe? O nein. Darum lerne also sagen: Gott hat mich getauft. Gott hat durch sein Wort mich absolviert und von Sünden entbunden. Darum glaube ich fest, wenn ich es auch gleich nicht sehe noch fühle, daß Gott mich anlachen seinen Sohn heißt, und Christus, mein Herr heißt mich seinen Bruder; und die lieben Engel haben eine besonders große Freude an mir. Solches, sage ich, glaube ich, und habe ganz und gar keinen Zweifel daran. Will es der Papst nicht glauben, das schadet nicht; ich will es glauben; denn Gott wird mir in seinem Wort nicht lügen.

 

 

 

14. Die Jünger hier konnten diese Kunst nicht; sonst würden sie nicht lange davon diskutiert, oder sich verwundert haben; sie würden beschlossen haben: Eben wie er es redet, also wird es auch gehen; denn der Mann kann nicht lügen, es geschehe gleich, wann oder wie es wolle. Aber der Blinde, von dem der Evangelist meldet, der kann solche Kunst sehr wohl. Seine Augen sind starr und blind, daß er nicht ein Stück damit sieht; aber sobald da das Wort klingt: " sei sehend ", glaubt er es. Darum widerfährt ihm auch, wie er glaubt. Dieses Wort, da es noch allein ist, redet von einem Ding, daß nicht vorhanden ist. Denn die Augen sind dem Blinden noch zu; aber bald auf das Wort, da er es glaubt, folgt das Werk, wie er es geglaubt hat. Also sollten die Jünger auch getan haben. Ob sie gleich nicht sahen, wie es möglich war, sollten sie dennoch geglaubt haben, weil sie sein Wort hatten. Denn auf das Wort gehört nichts denn als allein der Glaube.

 

 

 

15. Das ist das erste Stück, daß wir aus dem heutigen Evangelium lernen sollen, nämlich dem Wort Gottes mit ganzem Herzen, ohne wanken, glauben. Von solchem Glauben weiß der Papst nichts, lehrt auch nichts davon. Ihr aber sollt es wissen und können, daß ein christliches Herz sei, daß da Gottes Wort von Vergebung der Sünden nicht allein hört, sondern auch fest glaubt, und daran nicht zweifelt, wenn es auch nichts davon sieht oder fühlt. Denn dasselbe soll sich erst später finden und folgen. Wenn wir es fest geglaubt haben, wird sich dann die Erfahrung auch finden, daß wir sagen werden: O wohl mir, daß ich geglaubt habe. Die anderen aber, als, Katholiken, Türken, Juden, die Gott nicht geglaubt haben, werden stehen und schreien: Zeter mordio, daß wir nicht geglaubt haben! Wer hätte das gedacht? Werden also dieses am Ende glauben. Aber es wird ihnen nichts nützen, und ihnen nicht mehr helfen, es ist zu lange gewartet.

 

 

 

16. Das ist das erste, daß wir uns nicht ärgern sollen an dem Wort Gottes, ob es gleich wunderbarlich, lügerlich und unmöglich lautet; sondern fest auf dem Bestehen: hat es Gott geredet, so wird es auch geschehen müssen. Denn niemand soll danach fragen, ob es möglich sei, sondern allein dahin sehen, ob es Gott geredet habe. Hat es Gott geredet, so ist er so mächtig und wahrhaftig, daß er es auch tun kann. Darum soll man es glauben; wer es aber nicht glauben will, der lästert Gott auf das höchste. Vor solcher Sünde sollen wir uns fleißig hüten, daß wir an Gottes Wort nicht zweifeln, Gott gebe, es laute so lügerlich als es immer kann. Denn was Gott redet, das wird gewiß wahr. Also haben wir Gottes Wort in der Taufe, im Abendmahl, in der Absolution und in der Predigt; da redet Gott selbst mit uns, spricht uns selbst von Sünden los. Solches sollen wir Glauben und für wahr halten, und ja nicht daran zweifeln. Das ist das erste Stück.

 

 

 

17. Im anderen Stück, von dem Blinden, lehrt uns der Evangelist eine rechte bettlerische Kunst, daß man vor Gott wohl geilen lernen, unverschämt sein, und immer anhalten soll. Denn der blöde ist, der läßt sich bald abweisen und taugt nicht zum Betteln. Man muß die Scham abtun, und denken, unser Herr Gott will es so haben, daß wir geilen und anhalten sollen. Denn es ist seine Lust und Ehre, daß er viel geben will, und gefällt ihm wohl, daß man sich viel Gutes von ihm erhofft. Darum soll man es ja so unverschämt tun, wie er es gern hat. Denn wer so lange warten will, bis er würdig werde, daß ihm Gott etwas gebe, der wird bestimmt nie etwas bitten. Darum ist es am besten, daß man die Scham abziehe, und den Mund schnell auftut, und sage: " Herr, ich stecke hier und da in großer Gefahr und Not meines Leibes und der Seele, bedarf darum deiner Hilfe und Trost; dies willst mir ja nicht versagen, sondern gewiß widerfahren lassen, nach deiner gnädigen Zusage.

 

 

 

18. Die Bettler auf der Straße und Gasse können diese Kunst wohl, aber die Leute haben es nicht gern, sind dessen überdrüssig, und weisen solche Bettler mit bösen Worten ab. Aber unser Herr Gott hat solche Bettler gern, die getrost anhalten und sich nicht abweisen lassen wollen. Wie wir hier an diesem Blinden sehen, der hätte gern gesunde Augen gehabt. Darum, da er das Geschrei hört von denen die vorüber gehen, fragt er, was das wäre. Da er von Jesu hört, fängt er an zu schreien: " Jesu, du Sohn David, erbarme dich mein ". Die nun vorne gehen, bedrohen ihn, er soll schweigen; aber er kümmert sich nicht darum; ja, je mehr man ihm wehrt, desto getroster schreit er.

 

 

 

19. Das ist ein rechter Geiler und feiner Bettler, wie ihn unser Gott gern hat. Darum sollen wir an diesem Beispiel merken, und auch vor den Herrn Christum treten, und ihn bitten: O Herr, ich bin ein armer Sünder, gib, daß dein Reich auch zu mir komme, und vergib mir meine Schuld. Hilf hier, hilf da. Wer so bettelt und unverschämt anhält, der tut recht, und unser Herr Gott hat es gern; denn er ist nicht so wie wir Menschen. Uns kann man mit dem Geilen müde, unlustig und unwillig machen; ihm aber ist es eine große Ehre, daß man ihn für einen großen Herren halte, und nicht ablasse, sondern sage: Herr, es ist deine Ehre, dadurch du gerühmt wirst, daß ich von dir bettle. Darum, lieber Herr, siehe nicht an, daß ich unwürdig bin, sondern das ich deiner Hilfe bedürftig bin, und du der rechte einzige Nothelfer für alle Sünder bist. Darum geschieht es dir zu Ehren, daß ich dich anrufe; so kann deine Hilfe auch nicht fehlen.

 

 

 

20. So ein unverschämtes Gebet, daß fest anhält und sich nicht abschrecken läßt, gefällt Gott wohl. Wie wir hier an dem Blinden sehen, sobald er anfängt zu bitten, schnell fordert der Herr ihn zu sich, muß jedermann aus dem Wege weichen. Und er, der Blinde, schämt sich auch nicht, läßt sich zu ihm leiten. Da fragt der Herr ihn sofort: " was willst du, daß ich dir tun soll? ". Da muß man sehen, wie die Hände dem Herrn offen stehen. Als wollte er sagen: Bitte, was du willst, es soll dir widerfahren. Der Blinde wartet nicht lange, und spricht: Ich bitte, daß ich sehen möge. Da antwortet der Herr: Ja, du sollst sehen. Das heißt ja unverschämt gebeten, aber sehr gnädig erhört. Das sollen wir lernen von dem Blinden, also auch mit unserem Gebet nicht warten und Christus unsere Not bringen, und gewiß glauben, er werde uns erhören und geben.

 

 

 

21. Im Papsttum haben wir selbst unser Gebet verachtet und gedacht: Wo nicht andere für uns bitten, so werden wir nichts erlangen. Aber solches soll kein Christ tun; sondern, sobald die Not da ist, schnell in die Kammer gelaufen und auf die Knie gefallen, und gesagt: Herr, hier komme ich, muß das und jenes haben, ob ich wohl unwürdig bin. Aber siehe meine Not und meinen Jammer, und hilf um deiner Ehre willen. Also lerne unverschämt beten, und zweifle ja nicht, Gott werde dir um Christi willen geben, was dir nützlich und gut ist. Denn da steht die Verheißung klar und gewiß: " Was ihr im Namen Jesu bittet, daß soll euch widerfahren ". Allein, siehe darauf, daß du nicht müde werdest, sondern fest anhaltest.. Je mehr du es tust, je lieber hat es der Herr; er wird durch dein Geilen nicht müde. Ja, dein Gebet möchte so stark und ernst sein, der sollte dir in derselben Stunde geben, was du begehrst, daß er sonst noch nicht täte und noch lange verzöge; aber er erhört und gewährt dich um deines ängstlichen Betens willen. Wie ich hoffe, daß der jüngste Tag nicht so lange ausbleiben soll, sondern durch das ängstliche Seufzen der Christen eher kommen, denn wir es denken können. Wie der Herr in Lukas 18 von der Witwe ein Gleichnis gibt, die nicht nachlassen wollte, da der Richter, der da weder nach Gott noch den Menschen fragte, sagt: ich kann es nicht länger leiden, daß mich die Witwe so bedrängt; ich will ihr helfen, daß ich von ihr loskomme. " Sollte aber Gott ", spricht Christus, " nicht auch erretten seine Auserwählten, die zu ihm Tag und Nacht rufen, und sollte Geduld darüber haben? Ich sage euch, er wird sie erretten in einer Kürze ". Das ist als wollte er sagen: Das Gebet macht, daß Gott eilt, wo er sonst nicht so eilen würde.

 

 

 

22. Darum dient das Gebet dazu, daß man ein Ding desto schneller erlange, welches sonst wohl länger dauern würde, ja, wohl überhaupt nichts daraus würde. Das also dies Beispiel dazu dient, daß wir sollen unverschämte Bettler sein und Geilen lernen, uns nicht lassen müde machen, sondern sagen: Herr, wahr ist es, ich bin ein armer, unwürdiger Sünder, das weiß ich wohl; aber nichtsdestoweniger muß ich dies oder jenes haben; gib mir es. Denn hier gilt kein diskutieren, ob ich fromm bin, das einzige Stück ist genug, daß ich eine Not habe und du gern geben willst, was mir zu Leib und Seele nützlich ist.

 

 

 

23. Wenn du so betest und fest anhälst, so wird er gewiß zu dir sagen, wie zu diesem Blinden: " Was willst du, daß ich tun soll? sei sehend, dein Glaube hat dir geholfen ". Denn beten und nicht glauben, heißt unseren Herrn Gott spotten. Der Glaube aber steht allein auf dem, daß Gott um Christi, seines Sohnes und unseres Herrn, willen uns gnädig sein, erhören, schützen, retten und selig machen werde. Dazu helfe uns unser lieber Herr und Erlöser, Christus Jesus, Amen.

 

 

 

 

 




 

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1. søndag i fasten